Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7101430/2017
Umfangreiche Bau- Malversationen: Zumeldungen bei einer Reihe von Sozialbetrugsfirmen
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7101430/2017vom 15.11.2018Teil 8 von 14
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Die ***H*** Bau GmbH (mit dem (für die Prüferin nicht greifbaren) Ausländer ***16***), der im Firmenbuch als Alleingesellschafter und -geschäftsführer der substanzlosen Einmann-GmbH mit dem explosionsartigen Anstieg der Anmeldung von Dienstnehmern bei der GKK eingetragen war, von dem jedoch - wie beim Unterschriftenvergleich augenfällig zu sehen ist - der Bauvertrag nicht unterfertigt wurde, wurde von der Bf. als Zumeldungsfirma benutzt.
Die Zusammenschau der Feststellungen betreffend die 3 im Jahr 2007 eingeschaltet gewesenen GmbH ergibt u.a.:
ausländischer Alleingesellschafter und -geschäftsführer bei allen 3 GmbHs eingetragen (wie bei allen 6 GmbHs des Jahres 2006)
Zeitraum zwischen erstmaliger Anmeldung eines inländischen Wohnsitzes und Unterzeichnung des Abtretungsvertrages, der zur Eintragung als Gesellschafter-Geschäftsführer führte: 2 Tage, Wohnsitz danach: 2 Tage (***G*** ) und 3 Tage (***H*** ) (vergleichbar dem Jahr 2006)
Substanzlosigkeit bei 1 GmbH (Abtretungspreis € 1.000) und Inaktivität bzw. beinahe Inaktivität bei der ***F*** bzw. der ***G*** vor den Eintragungen der ausländischen Alleingesellschafter und -geschäftsführer
Unterschriftenfälschungen bei allen 3 GmbHs (wie bei allen 6 GmbHs des Jahres 2006)
von im Dunkeln gebliebenem wahren Machthaber eingesetzte Strohmänner bei allen drei GmbHs
Aufgeben des inländischen Wohnsitzes bei allen 3 GmbHs (wie bei allen 6 GmbHs des Jahres 2006)
Konkurs und amtswegige Löschung bei allen 3 GmbHs (wie bei allen 6 GmbHs des Jahres 2006)
9. ***I*** Bau GmbH
erste Eingangsrechnung: 31. Jänner 2008, letzte Eingangsrechnung: 21. März 2008
1.
Als Alleingesellschafter und -geschäftsführer der (im Juni 2006 errichteten) ***I*** Bau- und HandelsgmbH wurde im Firmenbuch ein Ausländer, ein Kroate, ***24***, auf Grund eines 1 Tag nach erstmaliger Anmeldung eines inländischen Wohnsitzes unterzeichneten Abtretungsvertrages (am 10. Dezember 2007) eingetragen.
***24***war am 11. Dezember 2007 der kroatischen, nicht aber der deutschen Sprache mächtig (und wurde bei der Errichtung des Abtretungsvertrages der gerichtlich zertifizierte Dolmetsch für die kroatische Sprache Herr V. zugezogen) (Notariatsakt/Abtretungsvertrag).
Der gleiche Umstand war bei der ***, ***H*** Bau und ***K*** gegeben.
Als ***24***anlässlich einer Vorsprache im Finanzamt dem BV-Team (am 13. März 2008) einen "Notizzettel" vorlegte, war laut Aktenvermerk des Finanzamtes näheres nicht zu erfahren, da kaum Deutschkenntnisse (vgl. unten).
2.
Von der ***I*** Bau- und HandelsgmbH wurde bis 10./12. Dezember 2007 - somit bis zum Zeitpunkt der Eintragung des ***24***als Alleingesellschafter und -geschäftsführer - laut Angabe des Vorgesellschafters in keiner Form eine Tätigkeit ausgeübt (für Oktober 2006 erfolgte anlässlich einer Umsatzsteuerfestsetzung der Ansatz des Gesamtbetrages der Bemessungsgrundlagen für Lieferungen und sonstige Leistungen (einschließlich Anzahlungen in Höhe von € 3.980,00, vgl. unten) und belief sich der Abtretungspreis auf den Betrag des zur Gänze einbezahlten Stammkapitals.
Im Zuge der Eintragung des ***24***als Alleingesellschafter und -geschäftsführer wurde die Geschäftsanschrift geändert.
3.
Am 07. Jänner 2008 wurden erste Arbeiter, 7 Dienstnehmer, bei der GKK gemeldet.
4.
E. Ramovic, er war im Jänner 2008 bis 14. des Monats und ab 19. April 2008 beim AMS gemeldet und davor vom 25. Juni bis 20. Dezember 2007 bei der ***H*** und davor vom 21. Februar bis 22. Juni 2007 bei der ***G*** - jeweils als Arbeiter - gemeldet, wurde am 08. Jänner 2008 oder davor wie folgt tätig:
E. Ramovic befand sich beim Vorstellungsgespräch des ab 08. Jänner 2008 bei der GKK bei der ***I*** angemeldeten G. Pantovic in einer kleinen Wohnung, dem Büro der ***I*** , mit dem ***24***in diesem Raum. E. Ramovic sagte G. Pantovic, dass ***24*** der Chef ist. Seinen Lohn erhielt G. Pantovic in bar auf der Baustelle von E. Ramovic.
Über E. Ramovic 'kam' R. Duvnjak, der davor vom 16.07. bis 20.12.2007 bei der ***H*** und davor vom 01.06. bis 13.07.2007 bei der ***G*** gemeldet war, zu diesen Firmen; ebenso M. Maksimovic am 01.07.2007 zur ***G*** (vgl. oben ***G*** ) und war dann bei der ***H*** und ***I*** gemeldet.
Rijad Duvnjak, befragt betreffend ***I*** Bau- und HandelsgmbH (und die ***G*** und ***H*** ), 'kam' über einen gewissen ***21*** oder ***21*** zu diesen Firmen. Als ihm der Name ***21*** genannt wurde gab Rijad Duvnjak an, es könnte sein, dass es sich um diesen handelt. Um die Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse kümmerte sich ***21***. Er, Rijad Duvnjak, glaube nicht, dass das seine Firmen waren, aber er war für alles zuständig, also praktisch der Partieführer. Alles hat der ***21*** gemacht. Die Bezahlung erfolgte meistens durch den ***21*** in bar auf der Baustelle, ab und zu erhielt er geringe Beträge auf sein Konto. Die Anweisungen gab ***21***.
Im Jahr 2010 bezog ***21*** laut Abgabeninformationssystemabfrage letztmalig Einkünfte und erhielt bis 31. Mai 2010 Arbeitsmarktservicebezüge. Danach wurde im Abgabeninformationssystem kein steuerlicher Vorgang erfasst.
Am 05. Juni 2010 wurde der inländische Hauptwohnsitz des E. Ramovic abgemeldet und kein weiterer inländischen Wohnsitz mehr begründet (Behördenanfrage aus dem Zentralen Melderegister).
5.
Am 21./22. Jänner 2008 und danach, bis 10. Februar 2008, wurde eine Reihe von Eisenbiegern, die zuvor bei der GKK als Dienstnehmer der ***H*** angemeldet waren, bei der GKK als Dienstnehmer der ***I*** bzw. der Bf. gemeldet.
Am 21. Jänner 2008, zwei Wochen nach Anmeldung der ersten Arbeiter, waren bei der GKK bei der ***I*** 34 Dienstnehmer gemeldet, 10 Tage danach, am 31. Jänner 2008, 53 Dienstnehmer, am 28. Februar 2008 54 Dienstnehmer.
6.
Vier Wochen nach der Übernahme der GmbH, am 07. Jänner 2008, wurden Protokoll, Bauvertrag und 1. Auftragsbestätigung angefertigt und datieren die ersten 14 Eingangsrechnungen vom 31. Jänner 2008 mit einem Betrag von insgesamt € 133.196,28.
7.
Von 34 am 21. Jänner 2008 bei der ***I*** gemeldeten Dienstnehmern waren zuvor, im Dezember 2007, 21 als Dienstnehmer der ***H*** Bau gemeldet.
8.
Im Laufe des Jänner 2008 war das Finanzamt anlässlich einer Außenprüfung (betreffend den Zeitraum Juni 2006 bis September 2007 !) mit der Problematik konfrontiert, wer (ab 21. Dezember 2007) der tatsächliche Geschäftsführer der ***I*** Bau- und HandelsgmbH ist (***24***oder ***21***).
9.
Die erste Eingangsrechnung datiert vom 31. Jänner 2008, die letzte vom 21. März 2008; die UID-Nummer war begrenzt mit 02. Oktober 2007 und war neuerlich gültig vom 26. März bis 31. Mai 2008.
10.
Die Rechnungen (vgl. die Rechnung Rechnungs-Nr. 136, vom 21. März 2008) weisen
- eine unrichtige Angabe des Rechnungsausstellers: statt ***I*** Bau- und HandelsgmbH unrichtig ***I*** Bau GmbH und
- eine unrichtige Firmenbuchnummer aus: statt ***b mit ***b.
Die UID-Nummer war begrenzt mit 02. Oktober 2007 und war neuerlich gültig vom 26. März bis 31. Mai 2008 (unstrittige Feststellung der Prüferin laut Beilage A/10, Bescheid über die Begrenzung der Gültigkeit der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer vom 30.5.2008).
11.
Gewerberechtlicher Geschäftsführer der ***I*** war im relevanten Zeitraum Jänner bis März 2008 Ing. S. Er antwortete auf die Fragen wie folgt:
1. Wie kam Ihr Kontakt mit der ***I*** Bau- und HandelsgmbH zustande?
Der Kontakt kam über Herrn Moser zustande. Baumeister Moser vermittelte gewerberechtliche Geschäftsführungen. Da ein gewerberechtlicher Geschäftsführer mit mind. 20 Stunden je Woche angemeldet sein muss kann jeder Baumeister nur max. zwei GF übernehmen. Herr Moser hatte also zwei eigene GF und Kontakt zu ca. sieben Baumeistern für die er ebenfalls je zwei GF vermittelte. Herr Moser verlangte 500,- € für die Vermittlung und die Abwicklung bei den Behörden von diesen Baufirmen. Da sich keine der Firmen einen nach Kollektivvertrag bezahlten Baumeister leisten konnte, schwankte das monatliche Gehalt zwischen netto 350,- € bis 850,- €. Herr Moser betreute alle Firmen selber, wobei hier nur auf die Einhaltung des Gewerberechts geachtet wurde. Sonstige Leistungen wie Unterstützung bei der Abrechnung von Bauvorhaben hat er extra verrechnet.
Er kassierte auch die Gehälter von den Firmen und zahlte sie an die Baumeister aus, wobei er 10% für seine Tätigkeit abzog.
Für mich war diese Art der Abwicklung sehr angenehm, da ich aus meiner früheren Tätigkeit als gewerberechtlicher Geschäftsführer weiß, wie mühselig es war, zu seinem Geld zu kommen. Fast alle GF wurden wegen Zahlungsrückstand der Firmen beendet.
Herr Moser hat vor einem Jahr seine Tätigkeit beendet und mir meine beiden aktuellen Firmen zur Betreuung übergeben, von denen ich alle nachstehenden Fragen beantworten könnte.
Leider ist Herr Moser kurz darauf gestorben. Er könnte sicher die meisten der folgenden Fragen beantworten.
2. Auf die Reihe weiterer Fragen antwortete er:
Da ich keinen persönlichen Kontakt zur Firma hatte, kann ich diese Fragen leider nicht beantworten.
In der Steiermark gibt es eine Firma ***I*** Bau, die auch in (Ort in Niederösterreich) eine Niederlassung hat. Als ich diese Niederlassung entdeckte, kamen mir Zweifel ob ich bei dieser Firma Geschäftsführer sein konnte. Aber die GF war beendet, bevor ich diese Frage klären konnte.
Seitdem habe ich immer das Gefühl, dass es sich hier um eine Scheinfirma handelte, zu welchem Zweck auch immer. Herr Moser hielt sich dazu bedeckt.
12.
Am 06. Februar 2008 nahm die Finanzpolizei eine Kontrolle nach dem AuslBG vor (FinPol Online):
Anzeige Datum: 06.02.2008
Anzeige durch: eigene Ermittlung
Kontrolle nach dem AuslBG in 3... (Niederösterreich), Baustelle Eur... . Es wurde ein DN der ***I*** Bau u. Handels GmbH, mit Sitz in 1140 Wien, ***str., angetroffen.
13.
Am 13. März 2008 leitete das Finanzamt Team Kontrolle illegaler Arbeitnehmerbeschäftigung folgendes E-Mail weiter:
Betreff: Hinweise auf mögl. illegale Beschäftigung
Lt. Info aus unserem Haus ist die Fa. ***I*** Bau- u. HandelsgmbH für die 'Fa. ...', an nachfolgend angeführten Baustellen tätig - es liegt möglicherweise illegale Beschäftigung vor. Vollstreckbarer Rückstand der Fa. ***I*** Bau besteht dzt. keiner.
Baustellen:
(in Niederösterreich und Wien)
Leider sind keine Hausnummern bekannt, daher ist u.U. eine Zuordnung bzw. ein Auffinden der Baustellen nicht möglich.
Die Info stammt von einem "Notizzettel", den der eingetragene Geschäftsführer im BV-Team vorgelegt hat. Näheres war nicht zu erfahren, da kaum Deutschkenntnisse. Es gibt mit ziemlicher Sicherheit einen Hintermann, dessen Name ist jedoch nicht bekannt.
Am 30. Mai 2008 nahm das Finanzamt mit der oben genannten 'Fa. ...', einer Tochtergesellschaft einer der wiederholt genannten großen Firmen, Kontakt auf und wurde Folgendes mitgeteilt (Aktenvermerk des Finanzamtes):
Firma ist seit einigen Wochen nicht mehr tätig. Sind pleite gegangen.
Seit einem Monat nicht mehr tätig.
14.
Die einvernommenen Eisenbieger […], deren Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse vom jeweiligen Vorarbeiter der Baustelle (im Baucontainer) in die Wege geleitet wurde, haben nie ein Büro der ***I*** gesehen bzw. von einem solchen Kenntnis erlangt.
Der betreffend die ***B*** , ***D*** , ***G*** , ***H*** und ***I*** befragte und auch bei der Bf. gemeldet gewesene Önsoy H. war nur im Büro der Bf.
Pantovic G., befragt betreffend ***I*** Bau- und HandelsgmbH (und die "***G*** " ***13*** und ***H*** Bau), war einmal beim Vorstellen im Büro der Firma ***I*** Bau- und HandelsgmbH im 14. Bezirk. Es war dies eine kleine Wohnung, und dort war der ***21*** und ein ***24***, Familienname wurde ihm, Goran Pantovic, nicht gesagt. ***21*** sagte ihm, dass ***24*** der Chef ist. Bei den anderen beiden Firmen war er nie in einem Büro. Das Geld der Lohnauszahlung bekam er immer bar auf der Baustelle von ***21***.
Sadovic E., befragt betreffend die ***I*** (und ***G*** und ***H*** ) gab an, bei der ***I*** Bau- und HandelsgmbH in einem Büro, es war eine Wohnung, gewesen zu sein. Von den anderen Firmen wusste er von den Standorten nichts.
Mirsad Stevic, befragt betreffend die ***I*** (und ***G*** und ***H*** ) gab an, einmal im Büro der ***I*** Bau- und HandelsgmbH, es war im 14. Bezirk, es war eine Wohnung, gewesen zu sein.
15.
Der Zeitraum zwischen der ersten und der letzten Eingangsrechnung beträgt ca. zwei Monate.
16.
Der Konkurs wurde ca. 4 Monate nach der letzten Eingangsrechnung eröffnet, in der Folge kam es zur amtswegigen Löschung wegen Vermögenslosigkeit.
17.
Der inländische M. ***24***- Wohnsitz wurde ca. 7 1/2 Monate nach Konkurseröffnung abgemeldet.
Aus den seitens der Bf. vorgelegten Unterlagen bzw. erhobenen Einwendungen ergibt sich Folgendes:
Am 7. Jänner 2008 wurden 6 Auftragsbestätigungen mit der Passage erstellt: Es dürfen nur den österreichischen Gesetzen entsprechend angemeldete Arbeitskräfte eingesetzt werden.
Laut den unten folgenden Ausführungen betreffend das Telefax mit Dienstnehmeranmeldungen wurden Dienstnehmer bei der GKK bei der ***I*** Bau und Handels GmbH 'angemeldet'. Dem Vermerk auf den Auftragsbestätigungen stehen
- die den Bestätigungen vorangegangenen Umstände
-- bei der unmittelbar davor eingeschalteten GmbH und
-- bei den davor eingeschalteten GmbHs und
- die nachgefolgten Umstände bei der ***I*** gegenüber.
Am 22. Jänner 2008 richtete die ***I*** BAU und Handels GmbH (laut Kopf des Schreibens; ***I*** Bau laut Stampiglie) folgendes Schreiben an das Finanzamt:
Betr.: Unbedenklichkeitsbescheinigung
Hiermit schicke ich Ihnen wie Vereinbart, die Kopie des bezahlten Erlagscheines. Ich bitte Sie mir die Unbedenklichkeitsbescheinigung nicht nur zu faxen sonder auch das Original per Post an unserer Firmenadresse zu schicken.
Ich bedanke mich im Voraus, und verbleibe
mit freundlichen Grüßen
(Stampiglie und Handzeichen)
Im Dezember 2007 war lediglich der gewerberechtliche Geschäftsführer angemeldet.
Am 21. Jänner 2008 richtete die Wiener GKK eine Unbedenklichkeitsbescheinigung an die ***I*** Bau:
Die Wiener GKK bescheinigt, dass (die ***I*** Bau) der Verpflichtung zur Bezahlung der Sozialversicherungsbeiträge ... nachkommt.
Das Beitragskonto besteht erst seit 11/2007. Ein Dienstnehmer ist seit 11/2007 und 24 Dienstnehmer erst seit 1/2008 gemeldet.
Am 22. Jänner 2008 richtete die Bf. folgendes Telefax an die Fa. I. GmbH (Schreiben vom 10. Juli 2018, Beilage a111):
Hiermit geben wir Ihnen bekannt, auf welchen Baustellen die Arbeiter unseres Sub-Unternehmens ***I*** Bau GmbH beschäftigt sind:
[…]
Weiters erhalten Sie die Anmeldungen der angeführten Arbeiter.
Die beigelegten Anmeldungen weisen unter der Rubrik 'Beschaeftigt ab:' folgende Datumsangaben und Anmeldungen aus:
22.01.2008: […]
21.01.2008: […]
17.01.2008: ***
5 Dienstnehmer wurden somit am Tag der Versendung des Telefax bei der ***I*** bei der GKK angemeldet, 3 am Vortag und einer 5 Tage davor.
Der Vergleich der Eisenbieger, die in der von der Bf. vorgelegten Telefax-Nachricht ausgewiesen sind einerseits und jenen, die in der Beilage des BFG-Schreibens vom 27. Juni 2017: Aufstellung GKK-Anmeldungen 2006 bis 2009 ausgewiesen sind andererseits ergibt Folgendes:
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Name
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in Aufstellung enthalten
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ja
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ja
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ja
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ja
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nicht enthalten, aber:
***C*** : 15.05.-14.06.2006
***D*** : 10.07.-13.10.2006
***H*** : 01.09.-17.10.2007
***I*** : 22.01.-14.03.2008
***J*** : 17.03.-01.08.2008
***K*** : 04.08.-14.11.2008
***L*** : 17.11.-22.12.2008
AMS: 23.12.2008-06.01.2009
***L*** : 07.01.-27.02.2009
Bf.: 02.03.-04.09.2009
| |
nicht enthalten,
***I*** : 22.01.-28.02.2008
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ja
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ja
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ja
Die Telefax-Nachricht weist somit von 9 Dienstnehmern 7 Eisenbieger, die in den Anmeldungsketten der Aufstellung GKK-Anmeldungen 2006 bis 2009 beinhaltet sind und einen weiteren Dienstnehmer mit einer Anmeldungskette aus.
(Erst) Am 21./22. Jänner und danach, bis 10. Februar 2008, wurde eine Reihe von Eisenbiegern, die zuvor bei der GKK als Dienstnehmer der ***H*** angemeldet waren, bei der GKK als Dienstnehmer der ***I*** bzw. der Bf. angemeldet.
Am 30. Jänner 2008 sendete die ***I*** Bau und Handels GmbH mittels Telefax folgende Dienstnehmeranmeldungen an die Bf. (Beilage a57)
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beschäftigt ab 30.01.2008
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39 Std. p.Wo.
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beschäftigt ab 30.01.2008
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-"-
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beschäftigt ab 30.01.2008
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-"-
| |
beschäftigt ab 30.01.2008
|
-"-
Betreffend diese Dienstnehmeranmeldungen wurde vorgebracht:
Telefax der ***I*** Bau an (die Bf.) vom 30.1.2008 zum Nachweis erfolgter Anmeldungen weiterer eigener Dienstnehmer.
Diesbezüglich wird auf die unten folgenden Erwägungen verwiesen.
Am 06. März 2008 stellte das Finanzamt Wien 12/13/14 Purkersdorf folgende Bescheinigung an die ***I*** Bau zur Vorlage an die I. Baustahl GmbH aus:
Es wird bescheinigt, dass gegen
***I*** Bau-u.Handelsgmbh gegenwärtig keine fälligen Abgabenforderungen bestehen.
Diese Bescheinigung dient zur Vorlage bei I... Baustahl GmbH
Bis 06. März 2008 wurden auf dem Konto folgende Buchungen durchgeführt:
22.11.07 60 K 10-12/07 15.11.07 138,00 138,00
23.01.08 00 21.01.08 MAG -138,00 0,00
29.01.08 01 25.01.08 UEP -136,00
01 K 01-03/08 15.02.08 136,00 0,00
08.02.08 44 K 2006 17.03.08 311,65
44 U 2006 15.02.07 17.03.08 706,99 1.018,64
21.02.08 11 12.02.08 VM -5.530,37
11 L 01/08 15.02.08 5.530,37 1.018,64
03.03.08 01 07.02.08 0,00
01 L 01/08 -1.018,64 0,00
13.03.08 60 K 2007 21.04.08 875,00 875,00
Danach wurden im März 2008 (letzte Eingangsrechnung: 21. März 2008) auf dem Konto folgende Buchungen durchgeführt:
19.03.08 11 11.03.08 VM -9.811,94
11 L 02/08 17.03.08 9.811,94 875,00
Die dem 19. März 2008 nachfolgende Buchung lautet:
01.04.08 78 U 01/08 12.03.08 -266,90 608,10
Wurde betreffend die an die Bf. gefaxten Dienstnehmeranmeldungen von vier Personen lediglich ein Lohnzettel ausgestellt (vgl. die unten folgenden Erwägungen), zeigt dies, welche Aussagekraft der Bescheinigung beizumessen ist.
Am 07. März 2008 wurde von der Bf. folgende 'Vorlage der Bf.' erstellt (Schreiben vom 12. Februar 2018, Beilage a58):
Annahmeprotokoll
Firma St...
Baustelle: ...
Plan Nr. 02-76-0 UN.L. 8364,20 Stabstahl (kg) Anmerkung El. Decke
Plan Nr. 02-77-0 OB.L. 10969,93 Stabstahl (kg) Anmerkung El. Decke
...
Am 03. März 2008 wurde folgende I. Baustahl- Aufstellung erstellt:
Datum: 03.03.08 Tag: Mont.
Fachmarkt ... Vösendorf
Vorarbeiter [blank] Firma Str...
Plan Nr. 02.70-0 Bewehrung Hebebühne 1 - 3
2 MANN a 9 ST 18 St.
[weitere Aufstellungen mit gleichen Inhalten]
Diese Unterlagen lassen erkennen, a) dass Arbeiten (für die I. Baustahl) verrichtet wurden, nicht jedoch, von wem die Arbeiten verrichtet wurden und b) dass Rechnungen '***I*** Bau GmbH' (vgl. Pkt. 10.) erstellt wurden.
Bei der ***I*** handelt es sich um die 9. im Prüfungszeitraum der Außenprüfung eingeschaltet gewesene GmbH und wird auf die Ausführungen betreffend die davor und danach eingeschaltet gewesenen GmbHs verwiesen.
Bezogen auf die von Jänner bis März 2008 von den Eisenbiegern erbrachten Arbeitsleistungen ist nicht zu erkennen, a) wer b) durch welche Aktivitäten die ***I*** Bau- und HandelsgmbH geführt hatte - der wahre Machthaber der ***I*** war:
***24***:
Wurde im Firmenbuch als Alleingesellschafter und -geschäftsführer ein Ausländer auf Grund eines 1 Tag nach erstmaliger Anmeldung eines inländischen Wohnsitzes unterzeichneten Abtretungsvertrages eingetragen, der im Übrigen der deutschen Sprache nicht mächtig war und von dem anlässlich einer Vorsprache im Finanzamt am 13. März 2008 'näheres nicht zu erfahren (war), da kaum Deutschkenntnisse', lässt dies - bekräftigt durch das Geschehen im Zusammenhang mit den zuvor eingeschaltet gewesenen GmbHs - den Schluss zu, dass ***24***von einer im Dunkeln gebliebenen Person als Strohmann eingesetzt worden ist, liegt doch zwischen der erstmaligen Anmeldung eines inländischen Wohnsitzes und der Eintragung als Alleingesellschafter und -geschäftsführer nur 1 Tag. Nahm er seine Funktion als Strohmann wahr, bestehen bei dieser GmbH - anders als bei den anderen GmbHs - keine Unterschriftenunterschiede (und wandte er sich dementsprechend wegen Erteilung einer Unbedenklichkeitsbescheinigung an das Finanzamt).
Ein Eisenbieger gab an, dass ***21*** (vgl. anschließend) ihm sagte, dass ***24*** der Chef ist. War diese Angabe von ***21*** so zu verstehen, dass ***24*** der im Firmenbuch eingetragene Alleingesellschafter und -geschäftsführer war, hatte ***21*** eine zutreffende Angabe gemacht.
***21***:
Wurde ***21*** in einem Bericht gemäß § 150 BAO über das Ergebnis der Außenprüfung begründungslos als Machthaber der ***I*** Bau- und HandelsgmbH bezeichnet, ist festzuhalten, dass der Prüfungszeitraum nicht jenen Zeitraum umfasste, in dem ***24***als Alleingesellschafter und -geschäftsführer der GmbH eingetragen war.
Bei den genannten Tätigkeiten des ***21***, eines Vorarbeiters, (R. Duvnjak gab an, über ***21*** zur ***I*** Bau- und HandelsgmbH gekommen zu sein und dass sich dieser um die Anmeldung bei der Krankenkasse gekümmert hat, G. Pantovic gab an, ***21*** und M. ***24*** getroffen zu haben) handelt es sich nicht um solche, die Führungstätigkeiten als wahrer Machthaber der GmbH darstellen. Sind Eisenbieger über ihn (ohne selbst als Arbeitnehmer der ***I*** Bau- und HandelsgmbH steuerlich erfasst gewesen zu sein) zur ***I*** Bau- und HandelsgmbH gekommen, hat das den Grund, dass E. Ramovic bei den zwei unmittelbar davor eingeschaltet gewesenen GmbHs, der ***H*** Bau GmbH und vorher der ***G*** , als Arbeiter angemeldet war, er Vorarbeiter war, und auch sowohl R. Duvnjak als auch G. Pantovic zuvor bei der ***H*** Bau GmbH und davor von bei der "***G*** " jeweils als Arbeiter angemeldet waren:
E. Ramovic bei der ***H*** : von 25. Juni bis 20. Dezember 2007
R. Duvnjak bei der ***H*** : von 02. Juli bis 31. Oktober 2007
G. Pantovic bei der ***H*** : von 02. Juli bis 31. Oktober 2007
E. Ramovic bei der ***G*** : von 21. Februar bis 22. Juni 2007
R. Duvnjak bei der ***G*** : von 05. Juni bis 15. Juni 2007
G. Pantovic bei der ***G*** : von 05. Juni bis 29. Juni 2007
Bei einem Vorstellungsgespräch eines (ab 08. Jänner 2008 bei der GKK bei der ***I*** angemeldeten) Dienstnehmers befanden sich der als Strohmann eingesetzte ***24***und E. Ramovic, ein bei der ***I*** nicht bei der GKK gemeldeter Dienstnehmer, der bei den unmittelbar davor eingeschaltet gewesenen GmbHs, der ***H*** und ***G*** , als Arbeiter gemeldet war, in der kleinen Wohnung, dem Büro der ***I*** , und sagte E. Ramovic, dass ***24*** der Chef ist, und waren der in Rede stehende Dienstnehmer und E. Ramovic in Zeiträumen bei der ***H*** und der ***G*** gemeldet, während welchen auch E. Ramovic bei diesen beiden GmbHs als Arbeiter gemeldet war.
Bei 11 der einvernommenen bei der ***I*** gemeldet gewesenen Eisenbieger war es so, dass deren Anmeldung bei der Gebietskrankenkasse vom jeweiligen Vorarbeiter der Baustelle (im Baucontainer) in die Wege geleitet wurde und sie nie ein Büro der ***I*** gesehen bzw. von einem solchen Kenntnis erlangt haben, drei gaben anderes an, nämlich in einem Büro der ***I*** , einer Wohnung/einer kleinen Wohnung, gewesen zu sein.
Anders als bei allen davor eingeschaltet gewesenen GmbHs kam betreffend die ***I*** hervor, dass Eisenbieger, 3 Arbeiter, in einem Büro der eingeschaltet gewesenen GmbH, der ***I*** , gewesen sind. Die kleine Wohnung wurde vom eingesetzten Strohmann und vom nicht bei der ***I*** angemeldet gewesenen E. Ramovic benützt. Bei den 3 Arbeitern handelt es sich um folgende Dienstnehmer:
Pantovic G. war bei der GKK gemeldet wie folgt:
05.06.2007 bis 29.06.2007: ***G***
02.07.2007 bis 20.12.2007: ***H*** (Lohnzettel: 02.07.2007 bis 31.10.2007)
21.12.2007 bis 07.01.2008: Arbeitslosengeldbezug,
08.01.2008 bis 29.04.2009: ***I*** (Lohnzettel: 08.01.2008 bis 29.02.2008)
21.04.2008 bis 09.06.2008: ***J*** (Lohnzettel: 21.04.2008 bis 09.06.2008)
09.06.2008 bis 18.12.2008: Si... Bau
19.12.2008 bis 11.01.2009: Arbeitslosengeldbezug, 12.01.2009 bis 04.02.2009: Si... Bau
09.02.2009 bis 27.02.2009: ***L*** GmbH
Sadovic E.:
12.02.2007 bis 26.06.2007: ***G***
27.06.2007 bis 15.12.2007: ***H*** (Lohnzettel: 27.06.2007 bis 23.09.2007)
18.12.2007 bis 16.01.2008: AMS, Arbeitslosengeldbezug
17.01.2008 bis 03.03.2008: ***I***
03.03.2008 bis 15.04.2008: G... Handel GmbH
16.04.2008 bis 19.06.2008: ***J***
Stevic Mirsad:
04.06.2007 bis 26.06.2007: ***G***
27.06.2007 bis 20.12.2007: ***H*** (Lohnzettel: 27.06.2007 bis 30.09.2007)
21.12.2007 bis 06.01.2008: AMS, Arbeitslosengeldbezug
07.01.2008 bis 14.04.2008: ***I***
War Ramovic E. bei der ***G*** von 21. Februar bis 22. Juni 2007 und bei der ***H*** von 25. Juni bis 20. Dezember 2007 gemeldet, waren Ramovic E. und die 3 Dienstnehmer in Zeiträumen bei der ***H*** und der ***G*** gemeldet, während welchen auch Ramovic E. bei diesen beiden GmbHs als Arbeiter gemeldet war. 4 Tage nach der Abmeldung des Ramovic E. bei der ***G*** erfolgten am selben Tag die Abmeldungen der 3 Dienstnehmer. 2 Tage nach der Anmeldung des Ramovic E. bei der ***H*** erfolgten am selben Tag die Anmeldungen von 2 Arbeitern und 5 Tage danach die Anmeldung des 3. Dienstnehmers.
Pantovic G. traf mit Ramovic E., der wie Duvnjak R. durch Ramovic E. zur ***I*** 'kam', mit Ramovic E. und ***24*** M. zusammen und ist davon auszugehen, dass die Ursache, warum die beiden anderen Dienstnehmer mit gleichen ***G*** - bzw. ***H*** - Abmeldungen bei den beiden unmittelbar vor der ***I*** eingeschaltet gewesenen GmbHs (am selben Tag bzw. mit ein paar Tagen Unterschied) - anders als die 11 einvernommenen Eisenbieger, die nie ein Büro der ***I*** gesehen bzw. von einem solchen Kenntnis erlangt haben - bei der ***I*** Bau- und HandelsgmbH in einem Büro, einer Wohnung, waren, die gleiche wie bei Pantovic G. war: sie 'kamen' durch Ramovic E. zur ***I*** .
Betreffend die mittels Telefax an die Bf. übermittelten Dienstnehmeranmeldungen, von der Bf. vorgelegt zum Nachweis erfolgter Anmeldungen weiterer eigener Dienstnehmer durch die ***I*** (am 30. Jänner 2008), ist auszuführen:
Bei Vinkovic S. handelt es sich um einen Eisenbieger der Aufstellung: GKK-Anmeldungen 2006 bis 2009:
Er war bei der GKK angemeldet bei der ***I*** vom 30.01.2008 bis 14.03.2008, es wurde ein Lohnzettel (mit Bruttobezügen von € 3.240,68) ausgestellt; er war davor bei der ***H***
und danach bei der ***J*** , ***K*** und ***L*** angemeldet.
Bei *** handelt es sich um einen Dienstnehmer, der im gesamten Jahr 2008, wie im Jahr davor, arbeitssuchend und Notstandsbezieher war, es wurde kein Lohnzettel ausgestellt.
Bei *** handelt es sich um einen Eisenbieger der Aufstellung: GKK-Anmeldungen 2006 bis 2009:
Er war bei der GKK angemeldet bei der ***I*** vom 30.01.2008 bis 14.03.2008, es wurde kein Lohnzettel ausgestellt; er war davor bei der ***D*** , ***E*** , ***F*** , Bf., ***G*** , ***H*** angemeldet, danach bei der ***J*** .
*** ist einer jener Eisenbieger, die von der Bf.
- laut der Auszahlungsliste Monat: September 2006 entlohnt wurden, in Wahrheit Dienstnehmer der Bf. waren und nur pro forma bei den eingeschaltet gewesenen GmbH ***D*** angemeldet waren (vgl. oben ***D*** ),
- laut der Auszahlungsliste Monat: Jänner 2007 entlohnt wurden, in Wahrheit Dienstnehmer der Bf. waren und nur pro forma bei den eingeschaltet gewesenen GmbH ***F*** angemeldet waren (vgl. oben ***F*** ).
Bei *** handelt es sich um einen Eisenbieger, der vom 30. Jänner bis 14. März 2008 bei der ***I*** angemeldet war, es wurde kein Lohnzettel ausgestellt; davor bezog er vom 13. November 2007 bis 29. Jänner 2008 Arbeitslosengeld, davor war er angemeldet bei einer S. und E. GmbH, davor vom 16. April bis 01. August 2007 bei der ***G*** und davor vom 10. April bis 22. September 2006 bei der Bf. (und ist er in der Auszahlungsliste Monat: September 2006 beinhaltet).
Die von der Bf. angefertigte Telefax-Nachricht an die I. Baustahl vom 22. Jänner 2008, die - wie nur einzelne vorgelegte Unterlagen - Namen von auf I. Baustahl/Bf.- Baustellen tätig gewordenen Eisenbiegern beinhaltet, führt zu einem die Bf. belastenden Beweisergebnis: Die vorgelegte Nachricht bestätigt die Richtigkeit der die Bindung der Dienstnehmer an die Bf. dokumentierenden Anmeldungsketten.
Bezogen auf die GKK-Anmeldung bei der 9. im Prüfungszeitraum der Außenprüfung eingeschaltet gewesenen GmbH bzw. bei der Bf. handelt es sich betreffend
- ***26*** im 2 Jahre und 4 Monate umfassenden Zeitraum ab Anfang September 2005 bei der Bf.- Anmeldung um die 11. Anmeldung bei der Bf. und bei Sozialbetrugsfirmen bei der GKK:
[die 10 Anmeldungen ab Anfang September 2005: vgl. oben ***C*** , ***D*** , ***G*** , ***H*** ]
-- 09. Jänner 2008: Bf.
- ***29*** im 23 2/3 Monate umfassenden Zeitraum ab 19. September 2005 bei der Bf.- Anmeldung um die 12. Anmeldung bei der Bf. und bei Sozialbetrugsfirmen bei der GKK:
[die 11 Anmeldungen ab 19. September 2005: vgl. oben ***C*** , ***D*** , ***G*** , ***H*** ]
-- 30. August 2007: Bf.
- Özdemir N. im 2 Jahre und 4 Monate umfassenden Zeitraum ab 12. September 2005 bei der Bf.- Anmeldung um die 8. Anmeldung bei der Bf. und bei Sozialbetrugsfirmen bei der GKK:
[die 7 Anmeldungen ab 12. September 2005: vgl. oben ***D*** , ***G*** , ***H*** ]
-- 09. Jänner 2008: Bf.
- Dinkic M. im 22 Monate umfassenden Zeitraum ab 03. April 2006 bei der ***I*** - Anmeldung um die 6. Anmeldung bei der Bf. und bei Sozialbetrugsfirmen bei der GKK:
-- 03. April bis 16. Juni 2006: ***C***
-- 17. Juni bis 06. Oktober 2006: ***D***
-- 09. Oktober bis 01. Dezember 2006: ***E***
-- 04. Dezember 2006 bis 28. März 2007: ***F***
-- 02. April bis 04. Dezember 2007: Bf.
-- 28. Jänner 2008: ***I***
Startete die ***I*** unter den oben unter den Pkten. 1. bis 7. angeführten Umständen,
war das Finanzamt bei einer Außenprüfung bereits im Laufe des Jänner 2008 mit der Problematik konfrontiert, wer ab 21. Dezember 2007 der tatsächliche Geschäftsführer der ***I*** Bau- und HandelsgmbH ist,
ist nicht zu erkennen, wer die ***I*** Bau- und HandelsgmbH geführt hatte,
waren betriebliche Organisation und Geschehen so aufgebaut, dass die einvernommenen Zeugen keine Angaben zu machen imstande waren, die erkennen ließen, im Rahmen welches Betriebes bzw. wessen Betriebes sie ihre Eisenbiegetätigkeit ausgeübt haben,
weisen die Rechnungen eine gänzlich unrichtige Angabe des Rechnungsausstellers und im Übrigen eine unrichtige Firmenbuchnummer aus,
war die UID-Nummer im in Rede stehenden Zeitraum nicht gültig,
betrafen die 'Anmeldungen weiterer eigener Dienstnehmer' zwei Eisenbieger der Aufstellung: GKK-Anmeldungen 2006 bis 2009 und einen Eisenbieger, der vor der Anmeldung im Jänner 2008 vom 16. April bis 01. August 2007 bei der ***G*** und davor vom 10. April bis 22. September 2006 bei der Bf. angemeldet war (und wurde von der ***I*** im Übrigen betreffend drei der vier angemeldeten Dienstnehmer kein Lohnzettel ausgestellt),
waren von den auf Bf./I. Baustahl- Baustellen am 22. Jänner 2008 tätigen 9 Dienstnehmern 8 Eisenbieger mit einer Anmeldungskette (7 in den Anmeldungsketten der Aufstellung GKK-Anmeldungen 2006 bis 2009 beinhaltete und ein weiterer Dienstnehmer mit der o.a. Anmeldungskette),
wurde das Anmeldungskarussell fortgesetzt (am 07. und 08. Jänner 2008 erfolgten Anmeldungen erster Dienstnehmer bei der GKK und waren von diesen 12 Dienstnehmern alle 12 zuvor, im Dezember 2007, als Dienstnehmer der ***H*** Bau, der davor eingeschaltet gewesenen GmbH, gemeldet; am 21. Jänner 2008 waren 34 Dienstnehmer angemeldet, von welchen zuvor, im Dezember 2007, 21 als Dienstnehmer der ***H*** Bau, der davor eingeschaltet gewesenen GmbH, gemeldet waren; vgl. auch die obige Auflistung, wonach es sich bei der Dinkic M.- Anmeldung im 22 Monate umfassenden Zeitraum bei der ***I*** - Anmeldung um die 6. Anmeldung bei der Bf. und bei Sozialbetrugsfirmen bei der GKK handelt),
ist wie betreffend die davor eingeschaltet gewesenen GmbHs die Schlussfolgerung zu ziehen, dass die ***I*** Bau- und HandelsgmbH die in den ***I*** Bau GmbH- Rechnungen aufscheinenden Leistungen nicht erbracht hat.
Die ***I*** Bau- und HandelsgmbH (mit dem (für die Prüferin nicht greifbaren) Ausländer M. ***24***), der im Firmenbuch als Alleingesellschafter und -geschäftsführer der substanzlosen Einmann-GmbH mit dem explosionsartigen Anstieg der Anmeldung von Dienstnehmern bei der GKK eingetragen war, wurde von der Bf. als Zumeldungsfirma benutzt.
10. ***J*** GmbH
erste Eingangsrechnung: 28. März 2008, letzte Eingangsrechnung: 01. August 2008
1.
Als Alleingesellschafter und -geschäftsführer der ***J*** GmbH wurde im Firmenbuch "*** ***J*** " auf Grund des Auftretens einer Person mit gefälschten Reisepasses lautend auf den Namen *** ***J*** (polnischer Staatsangehöriger) auf Grund eines 4 Tage nach erstmaliger Anmeldung eines inländischen Wohnsitzes unterzeichneten Gründungsvertrages eingetragen.
Der gleiche Umstand - Eintragung einer mit einem gefälschten Reisepass aufgetretenen Person als Gesellschafter-Geschäftsführer im Firmenbuch - war bei der ***B*** , der ***L*** , der ***O*** Handelsgesellschaft gegeben.
Von 20. November 2007 bis 03. Oktober 2008 lenkte *** *** ***S*** alleine und ausschließlich die wirtschaftlichen Geschicke der ***J*** GmbH, deren faktischer Geschäftsführer er in dieser Zeit war (Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien 013 Hv 42/14k).
Von 25. Februar 2008 bis 02. Mai 2008 war Ing. C.T. gewerberechtlicher Geschäftsführer der ***J*** GmbH und verschaffte damit (in diesem Zeitraum) der ***J*** GmbH diese fehlende Berechtigung (Sachverhaltsdarstellung der Wr. GKK vom 25.05.2009).
2.
Am 16. März 2008 waren bei der ***J*** drei Dienstnehmer gemeldet (der gewerberechtlicher Geschäftsführer und zwei Arbeiter) - fünf Wochen danach, am 20. April 2008 87 Dienstnehmer, am 1. Mai 2008 116 Dienstnehmer (Sozialversicherungsabfrage).
3.
3 1/2 Monate nach der Errichtung der ***J*** GmbH wurde (am 07. März 2008) der Bauvertrag angefertigt und datieren die ersten 14 Eingangsrechnungen vom 28. März 2008, drei Wochen danach, mit einem Betrag von insgesamt € 129.364,21.
3.
Alle 16 Eisenbieger laut der beiliegenden Aufstellung GKK-Anmeldungen, die 3 Tage zuvor bei der GKK als Dienstnehmer der ***I*** abgemeldet worden sind, wurden am 17. März 2008 bei der GKK als Dienstnehmer der ***J*** angemeldet; weiters ein Dienstnehmer, der in der Anmeldungskette bei 6 GmbHs aufscheint (Bf. - ***B*** - ***D*** - Bf. - ***G*** - ***H*** - Bf. - ***J*** - Bf.) bei der Bf. angemeldet.
4.
Die Unterschrift der Fertigung des Bewerbungsschreibens (seitens der ***J*** GmbH) weist keine Ähnlichkeit mit den identen Unterschriften laut Musterfirmazeichnungserklärung und laut Erklärung der Errichtung einer Gesellschaft auf.
Die Unterschrift der Fertigung des Bauvertrages (seitens der ***J*** GmbH) weist keine Ähnlichkeit mit den identen Unterschriften laut Musterfirmazeichnungserklärung und laut Erklärung der Errichtung einer Gesellschaft auf.
Die Unterschrift der Auftragsbestätigung weist mit der Unterschrift auf dem Bauvertrag eine Ähnlichkeit in einem solchen Ausmaß auf, welches darauf hinweist, dass diese beiden Unterschriften von derselben Person geleistet worden sind.
5.
Die auf dem ***J*** - Bankkonto eingegangenen Beträge wurden bis auf wenige Überweisungen bar behoben.
Die von der Bf. auf das ***J*** - Bankkonto überwiesenen Beträge in Höhe von € 80.000,00 und € 42.896,00, € 150.000,00, € 50.509,17 und € 90.000,00 wurden jeweils am Tag der Wertstellung in voller Höhe bar abgehoben.
Das von der Bf. geführte Lief.Konto ***J*** GmbH (33015) aus ACL-Daten 2008 beinhaltet folgende Buchungen:
|
Datum
|
Konto Text
|
Soll
|
Haben
|
08.04.2008
|
33015 ac
|
80.000,00
|
0,00
|
14.04.2008
|
33015 Re 5-18
|
42.896,00
|
0,00
Das ***J*** - Konto Nr. 04...185 bei der BAWAG beinhaltet folgende Ein- und Ausgänge (Kontoauszug vom 14.04.2008):
Letzter Auszug: 11.04.2008 Alter Kontostand: 81.376,32
|
Buch.tag
|
Buchungstext
|
Wert
|
|
11.04.
|
Barauszahlung
|
11.04.
|
-80.000,00
|
14.04.
|
Gutschrift Eil National
|
15.04.
|
42.896,00
|
14.04.
|
Barauszahlung
|
14.04.
|
-44.000,00
Neuer Kontostand zu Ihren Gunsten: EUR 272,32
Das von der Bf. geführte Lief.Konto ***J*** GmbH (33015) aus ACL-Daten 2008 beinhaltet folgende Buchung:
|
Datum
|
Konto Text
|
Soll
|
Haben
|
28.07.2008
|
33015 ac
|
150.000,00
|
0,00
Das ***J*** - Konto Nr. 04...185 bei der BAWAG beinhaltet folgende Ein- und Ausgänge (Kontoauszug vom 29.07.2008):
Letzter Auszug: 28.07.2008 Alter Kontostand: 270,09
|
Buch.tag
|
Buchungstext
|
Wert
|
|
28.07.
|
Gutschrift Eil National
|
29.07.
|
150.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-15.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-20.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-15.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-15.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-15.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-10.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-20.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-10.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-20.000,00
|
29.07.
|
Barauszahlung
|
29.07.
|
-10.000,00
Neuer Kontostand zu Ihren Gunsten: EUR 270,09
Das von der Bf. geführte Lief.Konto ***J*** GmbH (33015) aus ACL-Daten 2008 beinhaltet folgende Buchung:
|
Datum
|
Konto Text
|
Soll
|
Haben
|
05.08.2008
|
Rest 15.07.
|
50.509,17
|
0,00
Das ***J*** - Konto Nr. 04...185 bei der BAWAG beinhaltet folgende Ein- und Ausgänge:
Kontoauszug vom 05.08.2008:
Letzter Auszug: 04.08.2008 Alter Kontostand: 263,16
|
Buch.tag
|
Buchungstext
|
Wert
|
|
05.08.
|
Gutschrift Eil National
|
06.08.
|
50.509,17
Neuer Kontostand zu Ihren Gunsten: EUR 50.772,33
Kontoauszug vom 06.08.2008:
Letzter Auszug: 05.08.2008 Alter Kontostand: 50.772,33
|
Buch.tag
|
Buchungstext
|
Wert
|
|
06.08.
|
Barauszahlung
|
06.08.
|
-20.000,00
|
06.08.
|
Barauszahlung
|
06.08.
|
-15.000,00
|
06.08.
|
Barauszahlung
|
06.08.
|
-10.000,00
|
06.08.
|
Barauszahlung
|
06.08.
|
-5.000,00
Neuer Kontostand zu Ihren Gunsten: EUR 772,33
Das von der Bf. geführte Lief.Konto ***J*** GmbH (33015) aus ACL-Daten 2008 beinhaltet folgende Buchung:
|
Datum
|
Konto Text
|
Soll
|
Haben
|
19.08.2008
|
33015 ac 31.07
|
90.000,00
|
0,00
Das ***J*** - Konto Nr. 04...185 bei der BAWAG beinhaltet folgende Ein- und Ausgänge (Kontoauszug vom 20.08.2008):
Letzter Auszug: 19.08.2008 Alter Kontostand: 90.566,02
|
Buch.tag
|
Buchungstext
|
Wert
|
|
|
Gutschrift auf Auszug 19.08.
|
|
|
19.08.
|
Barauszahlung
|
19.08.
|
-15.000,00
|
19.08.
|
Barauszahlung
|
19.08.
|
-15.000,00
|
19.08.
|
Barauszahlung
|
19.08.
|
-16.000,00
|
19.08.
|
Barauszahlung
|
19.08.
|
-14.000,00
|
19.08.
|
Barauszahlung
|
19.08.
|
-20.000,00
|
19.08.
|
Barauszahlung
|
19.08.
|
-10.000,00
Neuer Kontostand zu Ihren Gunsten: EUR 566,02
Auf dem Firmenkonto der ***J*** GmbH war "*** ***J*** " (die sich als *** ***J*** ausweisende Person) alleine Zeichnungsberechtigter. (Sachverständigenbestellung in der Strafsache gegen *** ***R***, *** ***P*** u.a. vom 7.11.2011).
6.
Betreffend drei der eingeschaltet gewesenen GmbHs - der ***J*** GmbH (als 10. eingeschaltet), der ***L*** GmbH (als 12. eingeschaltet) und der ***O*** Handelsgesellschaft m.b.H. (als 15. eingeschaltet) - hatte der rechtskräftig verurteilte *** ***S***, geb. ***R*** - laut dem diesbezüglichen Bericht - bei folgenden Betrugsszenarien mitgewirkt:
Auf Grund von polizeilichen Ermittlungen wurde weiterführende Ermittlungen der Finanzverwaltung durchgeführt und ergaben sich gemäß den nachfolgend auszugsweise wiedergegebenen Bericht der Außenprüfung bei *** ***S***, geb. ***R***, folgende Feststellungen:
Der nunmehr bereits rechtskräftig gerichtlich verurteilte - Abg.Pfl. *** ***S*** (geb. ***R***), (hat) in Zusammenwirken mit anderen Personen bei folgenden Betrugsszenarien mitgewirkt:
- Ausstellen von Schein- bzw. Deckungsrechnungen
- Scheinanmeldungen von Arbeitern bei einer nicht (mehr) tätigen Gesellschaft anstatt der Anmeldung beim tatsächlichen Beschäftiger.
Tz. 1. Allgemeines:
Auf Grund von polizeilichen Ermittlungen wurde durch weiterführende Ermittlungen der Finanzverwaltung festgestellt, dass der - nunmehr bereits rechtskräftig gerichtlich verurteilte - Abg.Pfl. *** ***S*** (geb. ***R***), in Zusammenwirken mit anderen Personen bei folgenden Betrugsszenarien mitgewirkt hat:
- Ausstellen von Schein- bzw. Deckungsrechnungen
- Scheinanmeldungen von Arbeitern bei einer nicht (mehr) tätigen Gesellschaft anstatt der Anmeldung beim tatsächlichen Beschäftiger.
Auf Grund dieser Betrugsszenarien gelangten bei *** ***S***, geb. ***R***, Einkünfte aus Gewerbebetrieb "Verkauf von Rechnungen und Dienstnehmeranmeldungen" und steuerbare Umsätze bezüglich der hier in Rede stehenden 3 GmbHs in folgender Höhe in Ansatz:
Verkauf von Scheinrechnungen:
Rechnungsbeträge:
|
GmbH
|
Jahr
|
Rechnungsbetrag
|
***J*** GmbH
|
2008
|
2.777.860,39 €
|
***L*** H. GmbH
|
2008
|
1.544.429,26 €
|
***O*** Handels GmbH
|
2009
|
1.766.312,83 €
Verkauf von Dienstnehmer-Anmeldungen:
Provisionen Dienstnehmer-Anmeldungen:
|
GmbH
|
Jahr
|
Provisionserlös
|
***J*** GmbH
|
2008
|
118.285,80 €
|
***L*** H. GmbH
|
2008
|
21.413,10 €
|
***O*** Handels GmbH
|
2009
|
37.487,31 €
Tz. 1.1 Ermittlungen durch die Kriminalpolizei in Zusammenarbeit mit der Finanzpolizei
Im Zuge dieser Ermittlungen wurden im Jahr 2013 mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt. Unter anderem beim Abg.Pfl. *** ***S*** an einem Nebenwohnsitz in ..., sowie auch in den Büroräumlichkeiten des gewerblichen Buchhalters ***5***in ... .
Dabei wurden Ausgangsrechnungen in elektronischer Form auf Speichermedien (bei *** ***S*** am Nebenwohnsitz in ..., sowie in Papierform (bei ***5***in dessen Buchhaltungsbüro in ... beschlagnahmt.
In den Räumlichkeiten des gewerblichen Buchhalters ***5***wurden weiters Unterlagen sichergestellt, die dokumentieren, wie viele Schein-Dienstnehmeranmeldungen vorgenommen wurden, auf welche Firmen diese Anmeldungen erfolgten und wie die Aufteilung der dafür erhaltenen "Provisionen" zwischen *** ***S*** und ***5***durchgeführt wurde.
In der Folge wurden *** ***S*** und ***5***sowie weitere Personen, die in die betrügerischen Handlungen involviert waren, durch die Ermittler der Kriminalpolizei und der Finanzpolizei einvernommen.
Die sichergestellten Daten wurden vom Landeskriminalamt ausgewertet und an die Finanzpolizei weitergegeben. Die Finanzpolizei erfasste ab April 2014 die Ausgangsrechnungen in Listenform, dies gestaltete sich schwierig, da immer wieder neue Daten vom Landeskriminalamt übergeben wurden.
Tz. 1.2. Gerichtsverfahren
Bereits am 15.4.2014 wurden die Haupttäter, darunter der Abg.Pfl. *** ***S***, sowie ***5***, in einem Gerichtsverfahren ... des Betrugs an der Wr. Gebietskrankenkasse wegen Tätigen von Scheinanmeldungen, sowie der Erstellung von Scheinrechnungen angeklagt und rechtskräftig verurteilt. Die vom Abg.Pf|. *** ***S*** gegen das Urteil vom 15.4.2014 eingebrachte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung wurde am 27.8.2014 vom Obersten Gerichtshof ... zurückgewiesen.
Bei einem im August 2014 erfolgten zweiten Gerichtsverfahren ... wurden die Strafen erweitert. Wieder wurde der Abg.Pfl. und auch ***5***wegen der Tätigung von Schein- Dienstnehmeranmeldungen, sowie der Abg.Pfl. *** ***S*** wegen der Erstellung von Scheinrechnungen angeklagt und verurteilt.
Einer gegen das Urteil vom 27.8.2014 ... vom Abg.Pfl. (und auch von ***5***) eingebrachten Berufung wurde vom Oberlandesgericht am 18.12.2014 ... nicht Folge gegeben.
Tz. 1.3. Prüfungsverlauf
...
24.3.2015:
Die Besprechungspunkte betreffend den vom Abg.Pfl. geschriebenen Ausgangsrechnungen sowie den Dienstnehmeranmeldungen werden dem RA übergeben und besprochen. ...
18.9.2015:
***S*** gibt an Ausgangsrechnungen geschrieben zu haben, aber nicht alle, die ihm angelastet werden. Als Entlohnung gibt er an, nicht mehr als 5% Provision bekommen zu haben. Die von ihm bestrittenen Ausgangsrechnungen kann er nicht im Detail benennen, auch nicht wer diese geschrieben haben soll.
Die Schein-Dienstnehmeranmeldungen bestreitet ***S*** zur Gänze, ohne weiter darauf
einzugehen.
Im Übrigen macht ***S*** von seinem Aussageverweigerungs-Recht Gebrauch und verweigert die Mitwirkung an der Außenprüfung.
Tz. 2 Scheinrechnungen:
Tz. 2.1. Ermittlung der Grundlagen zu Scheinrechnungen
Die von der Kriminalpolizei sichergestellten Daten bei der Hausdurchsuchung in ..., dem Nebenwohnsitz des Abg.Pfl. umfasst eine Anzahl von 2.849 Rechnungen.
Diese Rechnungen wurden nach Ausstellungsdatum sowie nach den rechnungsausstellenden Firmen listenmäßig erfasst.
In der folgenden Aufstellung ergeben sich geordnet nach "Rechnungsaussteller" und Zeiträumen folgende Werte:
|
|
Rechnungsaussteller
|
Zeitraum
|
Netto
|
1)
|
***O*** Handels GmbH
|
2009
|
1.761.501,09
|
...
|
|
|
|
12)
|
***J*** GmbH
|
2008
|
2.776.632,83
|
13)
|
***L*** Handels GmbH
|
2008-2009
|
1.809.732,15
...
Tz. 2.2. Stellungnahme des Abg.Pfl. zu den Scheinrechnungen
Im Zuge der Außenprüfung wurde der Abg.Pfl. *** ***S*** wiederholt aufgefordert, zu den vorliegenden Ausgangsrechnungen und seinen Bezug zu den als "Rechnungsaussteller" bezeichneten Firmen Stellung zu nehmen.
Die einzige Aussage des Abg.Pfl. dazu war, er hätte nicht alle Rechnungen geschrieben und als Provision auch nicht mehr als 5% der Rechnungssumme erhalten. Auf die Frage, wer diese Personen waren, gab der Abg.Pfl. an, er könnte viele Namen nennen, fürchte aber um sein eigenes Leben und das seiner Frau.
Vom Abg.Pfl. wurden bis zur Schlussbesprechung keine Unterlagen oder andere Nachweise vorgelegt, die seine Behauptungen belegen oder auch nur stützen, welche Rechnungen von ihm erstellt und verkauft wurden und welche Rechnungen von anderen Personen erstellt und verkauft wurden. Ebenso wurde von Seiten des Abg.Pfl. bis zur Schlussbesprechung nicht nachgewiesen, dass er nicht mehr als 5 % Provision erhalten hat.
Ebenfalls nicht geklärt werden konnte, wieso ganze Festplatten "durch mehrere Hände" gewandert sein sollen, wie der Abg.Pfl. behauptete.
Tz 2.3. Würdigung der Stellungnahme des Abg.Pfl. zu den Scheinrechnungen:
Es entspricht nicht den Erfahrungen des täglichen Lebens, dass Daten auf Festplatten weiter gegeben werden, da es doch viel einfachere Möglichkeiten der Weitergabe von elektronischen Daten gibt, wie zum Beispiel Speicher-Sticks (auch bei großen Datenmengen), oder einfach E-Mails bei kleineren Datenmengen.
Warum man überhaupt diese Vielzahl an Rechnungen weiter geben sollte, blieb bis zur Schlussbesprechung ungeklärt.
Nach Ansicht der Außenprüfung handelt es sich bei der Behauptung "andere hätten die Rechnungen geschrieben" um eine reine Schutzbehauptung des Abg.Pfl.
Da von Seiten des Abg.Pfl. keine weiteren Angaben gemacht wurden, konnte die Außenprüfung nur aufgrund der vorliegenden Unterlagen den Sachverhalt ermitteln.
Dazu gehören die Ermittlungsergebnisse des Landeskriminalamtes und der Finanzpolizei, darunter Einvernahmen, Telefonüberwachungsprotokolle, Berichte an die Staatsanwaltschaft, wie auch die Anklageschriften und Gerichtsurteile des Straflandesgerichtes.
Tz 2.4. Zur Rechnungsausstellung benutzte Firmen:
In der Urteilsbegründung des Straflandesgericht Wien, Aktenzahl ... wurden u.a. folgende Aussagen getroffen:
"Der Erstangeklagte (*** ***S***) lenkte in nachstehenden Zeiträume alleine und ausschließlich die wirtschaftlichen Geschicke nachstehender Unternehmen, deren faktischer Geschäftsführer er in diesen Zeiten daher war:
- von Jänner 2010 bis zum 07.08.2012 jene der ...
- von März 2009 bis Oktober 2009 jene der ***O*** HandelsgmbH
- von März 2012 bis Oktober 2012 jene der ...
- von 20.11.2007 bis 03.10.2008 jene der ***J*** GmbH
- von 03.06.2008 bis 25.02.2009 jene der ***L*** Handels GmbH
- von November 2008 bis Februar 2009 jene der ...
- im Zeitraum von Jänner bis Mai 2008 jene der ...
- im Zeitraum von 01.07.2012 bis 31.12.2012 jene des ... .
...
Es wurden auch weitere Ermittlungen durch die Außenprüfung betreffend der vom Abg.Pfl. zur Rechnungsausstellung benutzten Firmen angestellt, dabei zeigte sich folgendes Bild:
Mit Ausnahme der Fa. B...montage Bau GmbH (in Folge kurz "Fa. B..." genannt) konnte bei keiner der von ***S*** benutzten Firmen eine operative Tätigkeit festgestellt werden.
Sämtliche Firmen, ausgenommen die Fa. B... waren nach einer kurzen "Lebensdauer" in Konkurs oder der Konkurs wurde wegen Vermögenslosigkeit abgewiesen.
Als Geschäftsführer fungierten in einigen Fällen auch Personen mit gefälschten Identitäten.
Die im Firmenbuch eingetragenen Geschäftsführer waren in vielen Fällen nur für kurze Zeit in Österreich gemeldet und danach für die Finanzverwaltung nicht mehr greifbar.
Es traten immer wieder die gleichen Personen bei den unterschiedlichsten Firmen auf, Firmensitze wurden an den immer wieder gleichen Adressen gewählt.
Das Buchhaltungsbüro ***5*** war bei einer großen Zahl der Firmen steuerlicher Vertreter oder führte die Lohnverrechnung.
Auch der Abg.Pfl. trat bei einigen dieser Firmen als Vermieter in Erscheinung oder war sogar als Dienstnehmer angemeldet.
Bei einigen Firmen hatte der Abg.Pfl. *** ***S*** direkten Zugriff auf die Bankkonten.
Bei der Firma C... wurde bei der Hausdurchsuchung am 20.9.2013 in ... ein Treuhandvertrag zwischen dem Abg.Pfl. und dem eingetragenen Geschäftsführer vorgefunden.
Der Verkauf von Scheinrechnungen ist weit verbreitet und tritt bei den meisten Scheinfirmen auf. Auf Bestellung werden Rechnungen über vorab vereinbarte Beträge verfasst, die bei den Käufern als Eingangsrechnung in die Buchhaltung aufgenommen werden und dort als "Fremdleistungen" den steuerlichen Gewinn mindern. Den
Rechnungen liegt kein tatsächlicher Leistungsaustausch zugrunde.
Tz. 2.4.1. Rechnungen ausgenommen Fa. B...montage Bau GmbH:
Normen und Schlagworte
- § 184 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 47 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7101430/2017
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2018:RV.7101430.2017
- Stammnummer
- 121985
- Gültig
- 15.11.2018 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF