Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7105311/2015
Lieferungen von Düngemitteln an österreichische Landwirte durch eine (österreichische) G.m.b.H. oder eine (polnische) sp. z o.o.?
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7105311/2015vom 03.10.2019Teil 6 von 12
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Am 28. 11. 2012 erteilte die Einkaufsgemeinschaft ***[117]***-***[118]***, ***[37]***-***[38]***, als Auftraggeber (zleceniodawca) LKW ***[34]*** einen Transportauftrag (zlecenie) Nr. AP/2012/91 über 24,5 to nawozy minderalne w big bagach, und zwar Canwil 5,5 t, Mocznik 15 t, Sol potasowa 3 t und Superfosfat 1 t, Ladedatum (data zaladunku) 29. 11. 2012, Ladeort (miejsce zaladunku) ***[8]*** ***[9]*** sp.z.o.o., ***[24]***, Entladeort (miejsce rozladunku) 1. ***[92]*** Karl, 10 t mocznik, 3 t sol potasowa (CMR 1 und CMR 2), 2. ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. (CMR 3, CMR 4, CMR 5)., Kontaktperson (osoba kontaktowa) ***[109]*** ***[17]***, Tel. 0043 2829 ***[94]***, E-Mail ***[8_9]***@interia.pl, 500 € + VAT. Das CMR möge ausgefertigt werden (prosze wypisac nastepujace CMR): 1. ***[96]*** Martha, ***[18]***, 10 t mocznik, 2. ***[96]*** Bernhard, ***[18]***, 3 t sol potasowa, 3. ***[95]*** Josef, ***[128]***, 4 t mocznik, 4. ***[97]*** Franz, ***[37]***-***[38]***, 1 t superfosfat, 5. ***[98]*** Herbert, ***[129]***, 5,5 t Canwil + 1 t mocznik.
Mit E-Mail vom 28. 11. 2012 erkundigte sich ***[109]*** ***[17]*** bei der Spedition, ob eine Entladung der Ware an zwei Orten im selben Dorf möglich sei (Czy mozliwe jest rozladowanie towaru w dwu miejscach w tej samej wsi - tak jak to rozpisalam w zleceniu?)
Mit Datum 28. 11. 2012 fertigte LKW ***[34]*** eine Auftragsbestätigung an ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. aus ("Wir danken für Ihren Speditionsauftrag..."), Order Nr. AP/2012/91, Ladestelle ***[8]*** ***[9]*** Sp. Z o.o., Übernahme 29. 11. 2012, Entladestelle ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H., ***[18]***, Martha ***[96]***, ***[18]***, 24.000 kg Dünger, Frachtpreis 500,00 €.
LWK ***[34]*** legte am 30. 11. 2012 der Einkaufsgemeinschaft ***[117]***-***[118]***, ***[37]***-***[38]*** eine Rechnung Nr. 534854 zur Nr. AP/2012/91 über € 500,00 zuzüglich 20% USt, somit brutto € 600,00.
Zahlungen
19. 2. 2013: Gutschrift 2.472,00 auf Konto von LKW ***[34]***, Auftraggeber Einkaufsgemeinschaft ***[117]***-***[118]***, ***[37]***-***[38]***, Unterschrift ***[10]*** ***[11]***, betreffend Rechnungen 534854, 571846, 574842, 574843.
Ordner (AB 2/23)
Der Arbeitsbogen enthält ferner eine überblickmäßige Darstellung des Inhalts folgender Ordner:
Ordner ***[8]***-***[9]*** - ***[42]*** (rot)
Ordner ABH 2013 (grün)
Ordner Abholungen ***[24]*** - Aktion IV (rot) und Ordner ohne Aufschrift (gelb)
Ordner Einkaufsgemeinschaft - Bankauszüge und Speditionen ab 2012 (weiß)
Ordner Einkaufsgemeinschaft - Fracht ab August 2012 (weiß)
Dazu Muster (entsprechen den oben wiedergegebenen).
Am 16. 10. 2013 wurde mit der 2. Düngeraktion 2013/14 der Bestellmodus geändert:
ABWICKLUNG der AKTION: WICHTIGE NEUERUNG!!
***[8_9]*** stellt die Bestellannahme auf INTERNET um! Auf unserer Homepage www.***[8]***-***[9]***.pl finden Sie AB SOFORT ein Bestellformular, welches Sie ONLINE (also am Bildschirm) ausfüllen können. Bitte füllen Sie dieses Formular aus (alle mit* gekennzeichneten Felder MÜSSEN ausgefüllt werden) und senden Sie Ihre Bestellung einfach durch Anklicken des Feldes „ BESTELLUNG ABSCHICKEN" direkt an ***[8_9]***. Als Bestätigung Ihrer Bestellung erhalten Sie von uns einige Tage später eine Auftragsbestätigung. LETZTMALIG können Sie auch noch das beiliegende Bestellformular in gewohnter Weise verwenden und an uns weiterleiten.
Wir ersuchen Sie für diese Neuerung um Verständnis-sie ist SEHR EINFACH zu handhaben und erspart uns enorm viel Zeit und Bürokratie!!
Verkauf vom 29. 3. 2013 (AB 2/24)
Folgende E-Mail von ***[1]***@aon.at an ***[8_9]***@interia.pl vom 29. 3. 2013 findet sich im Arbeitsbogen:
Habe heute an ***[36]*** Gerda, ***[37]***-***[38]***, 1.000 kg KAS verkauft.€ 311,- +Transport.
Bitte Rechnung schreiben. Lieferschein kommt nach ***[3]***.
Mit freundlichen Grüßen/Best regards
***[10]*** ***[11]***
***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. ...
[...]
Beigefügt war ein Lieferschein der ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. vom 29. 3. 2013 über 1.000 kg KAS Big Bag, Empfänger ***[36]*** Gerda, sowie eine Rechnung Nr. 13-00206 der ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. vom 9. 4. 2013 an Gerda ***[36]***, ***[37]***-***[38]***, über 1 t Kalkammonsalpeter 27%N Big-Bag, netto 287,96, 8% MWSt. 23,04, Gesamtbetrag EUR 311,00 (PLN 1.290,49).
Arbeitsbogen Außenprüfung Band 3
Auskunftsersuchen gemäß Art. 7 VO 904/2010/EU betreffend ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. (AB 3/1)
Das Finanzamt richtete am 11. 12. 2013 im Weg des Bundesministeriums für Finanzen ein Auskunftsersuchen gemäß Art. 7 VO 904/2010/EU betreffend ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. an die zuständige polnische Behörde (Verbindungsstelle), welches nach mehreren Urgenzen schließlich rund ein Jahr später (18. 12. 2014) beantwortet wurde.
Die polnische Behörde bestätigte die Erteilung einer Steuernummer bzw. USt-IdNr. am 12. 9. 2011 an die ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. und führte im Detail (Punkt C39 mit Fragen der österreichischen Behörde) aus:
Fragen
1) Lieferungen von Gemüse der Fa. ***[8]*** ***[9]*** an die Firma ***[1]***:
Die Fa. ***[1]*** bestreitet den Ankauf von Gemüse von der Fa. ***[8]*** ***[9]***. Uns liegen jedoch Transportbestätigungen über Gemüselieferungen von F ... nach Österreich vor (siehe Beilage).
2) Lieferungen von Düngemitteln der Fa. ***[8]*** ***[9]*** an die Fa. ***[1]***:
Die Fa. ***[1]*** bestreitet den Erhalt von Düngemitteln von der Fa. ***[8]*** ***[9]*** und behauptet, daß diese Düngemittel direkt von der Fa. ***[8]*** ***[9]*** zu den einzelnen Kunden der Fa. ***[1]*** geliefert wurden.
Hintergrundinformation: Im Büro der Fa. ***[1]*** wurden Unterlagen beschlagnahmt aus denen hervorgeht, daß Rechnungen der Fa. ***[8]*** ***[9]*** an österreichische Landwirte mit 8% polnischer Umsatzsteuer fakturiert wurden (siehe Musterkopien). In Summe wurde der Betrag von € 1.051.697,14 an in Rechnung gestellten Lieferungen vorgefunden.
Frage 1: Wurde diese in Rechnung gestellte polnische Umsatzsteuer in Polen erklärt und bezahlt?
Frage 2: Hat das Unternehmen ***[8]*** ***[9]*** Gewinne erwirtschaftet? Wenn ja, in welcher Höhe ? Wurden diese Gewinne dem Gesellschafter ***[11]*** ***[10]*** ausbezahlt?
Frage 3: Findet am angegebenen Betriebssitz der Fa. ***[8]*** ***[9]*** tatsächlich eine Geschäftstätigkeit durch die ***[8]*** ***[9]*** statt? Sind Büroräumlichkeiten vorhanden , die von ***[8]*** ***[9]*** genutzt werden?
Frage 4: Ist Fr. ***[109]*** ***[17]*** bei der Fa. ***[8]*** ***[9]*** angestellt und für dieses Unternehmen auch tatsächlich in Polen tätig ?
Um Übermittlung der Arbeitsaufzeichnungen der Fr. ***[109]*** ***[17]*** wird ersucht.
Frage 5: Wie erfolgte der Abtransport der Düngemittel nach Österreich ? Gab es österreichische Landwirte, die nach Polen fuhren und sich dort Düngemittel abgeholt haben ?
Frage 6: Wenn tatsächlich Düngemittellieferungen nach Österreich stattgefunden haben, von wem wurden diese Lieferungen organisiert (***[8]*** ***[9]***, ***[1]*** oder dritte Personen) und wer war bei der Fa. ***[8]*** ***[9]*** dafür verantwortlich ?
Gibt es Abholbestätigungen ? Wenn ja, bitte um Übermittlung dieser Abholbestätigungen.
Antworten
Ad. B5 b): Die Ust-Id-Nr. des polnischen Steuerpflichtigen wurde nicht gelöscht. Die Gesellschaft hat die Steuererklärungen abgegeben.
Ad. C1 : ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. ist ein tätiger Steuerpflichtigen, welcher für die MwSt.- Zwecke seit 12.09.2011 identifiziert wurde.
Ad. C3, C7, CB, C19, C21 : Die hiesige Steuerbehörde hat den polnischen Steuerpflichtigen aufgefordert, die Unterlagen bezüglich der im Zeitraum von August 2012 bis August 2013 mit der Fa. ***[1]*** VERTRIEBSGESMBH, Ust- Id-Nr. ATU***[130]*** und mit österreichischen Kontrahenten abgewickelten Geschäfte vorzulegen, deren Daten auf den von Ihnen beigefügten Unterlagen zu sehen sind. Aufgrund der von unserem Steuerpflichtigen vorgelegten Unterlagen wurde ermittelt, dass polnischer Steuerpflichtiger die mit den österreichischen Kontrahenten abgewickelten Geschäfte (außer der Rechnung Nr.: 13-00137 vom 14.03.2013) als Innenverkauf, besteuert mit dem Steuersatz von 8% , angemeldet und abgerechnet hat. Der mit der Rechnung Nr.: 13-00137 vom 14.03.2013 belegte Vorgang - ausgestellt an Josef ***[99]***, ***[100]*** 82, ***[101]*** ***[102]***, wurde in der MwSt.-Erklärung und in der ZM über die erbrachten MwSt.- Transaktionen für den Monat 2013 als i. g. Warenlieferung an den Kontrahenten mit der Ust-ld-Nr.: ATU***[103]*** abgerechnet. Der Bevollmächtige des polnischen Steuerpflichtigen hat erklärt, dass die Bestellungen wahrscheinlich telefonisch oder per E-Mail durch die Personen aufgegeben wurde, deren Daten auf den vorgelegten Bestellungsempfangsbestätigungen zu sehen sind.
Anbei übermitteln wir die Unterlagen betreffend die gegenständlichen Geschäfte: Rechnung, CMR- Unterlagen.
Lt. der Aussage des Bevollmächtigen des polnischen Steuerpflichtigen wurden im Zeitraum von August 2012 bis August 2013 keine Geschäfte mit der Fa. ***[1]*** VERTRIEBSGESMBH abgewickelt.
Antworten C39:
Zu 1: Siehe die Antwort oben.
Zu 2: Lt. des durch den polnischen Steuerpflichtigen abgegebenen Finanzberichtes wurde ermittelt, dass der Steuerpflichtiger im Zeitraum von August 2012 bis August 2013 den Gewinn i.H.v. 365.503 PLN erzielt hat, welcher auf die Vergrößerung der Kapitalrücklage bestimmt wird. Bis zum Tag der Antworterteilung hat der Steuerpflichtige keine Finanzberichte für den Zeitraum von 01 .01 .2013 bis 31 .12.2013 vorgelegt.
Zu ... Aufgrund des Mitvertrags vom 16 Juli 2011 wurde festgestellt, dass polnischer Steuerpflichtiger unter der als Sitzadresse und Adresse der Gewerbebetreibung die Lagerfläche über 200 m2, einen Platz und Grünfläche und Parkplätze über 100m2 mietet.
Ad4: Der Bevollmächtige des polnischen Steuerpflichtigen erklärte, dass Frau ***[109]*** ***[17]*** die Mitarbeiterin der Fa. ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. ist.
zu 5 und 6: Lt. der Erklärung des Bevollmächtigten des polnischen Steuerpflichtigen wurde der Transport im Auftrag und auf die Kosten der österreichischen Kontrahenten durch die Speditionen und mit Transportmittel organisiert wurde, deren Namen und Kennzeichen auf den beigefügten CMR-Frachtbriefen zu sehen sind.
Beigefügt waren eine Reihe von Transportaufträgen der ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. sowie CMR-Frachtbriefe betreffend Transporte von ***[24]*** an verschiedene Empfänger in Niederösterreich, wobei die CMR-Frachtbriefe dem Muster OZ 10, 8 sowie den Mustern bei den Niederschriften OZ 12 und OZ 13 entsprechen, ebenso Rechnungen und Auftragsbestätigungen der ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. wie in Muster OZ 10, 5 und den Mustern bei den Niederschriften OZ 12 und OZ 13, detto Kontoauszüge des Kontos der ***[8]*** ***[9]*** Sp. z. o. o. bei der Bank Austria.
Auskunftsersuchen gemäß Art. 7 VO 904/2010/EU (AB 3/1) betreffend ***[104]*** Transport Miedzynarodowy i Spedycja Sp.z o.o. (AB 3/2)
Das Finanzamt richtete am 29. 4. 2014 im Weg des Bundesministeriums für Finanzen ein Auskunftsersuchen gemäß Art. 7 VO 904/2010/EU betreffend ***[104]*** Transport Miedzynarodowy i Spedycja Sp.z o.o. an die zuständige polnische Behörde (Verbindungsstelle), welches am 17. 12. 2014 beantwortet wurde.
Laut polnischer Behörde habe die Spedition frisches Gemüse für die ***[1]*** VertriebsgmbH von Polen nach Österreich transportiert.
Beigefügt waren Kopien verschiedener CMR sowie Übernahmebestätigungen und Transportaufträgen.
Ein Zusammenhang mit Düngerlieferungen ist hierauf nicht ersichtlich.
Allerdings scheint ***[109]*** ***[17]*** auf Transportaufträgen der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. unter Anführung der Telefonnummer 0043 2829 ***[94]*** 11 sowie der E-Mail einkauf@***[1]***.at als Kontaktperson im Jahr 2012 auf (zu Zeiten, in denen sie nicht als Angestellte der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. aufscheint, etwa EZ/2012/10, 4. 9. 2012; EZ/2012/11, 5. 9. 2012), während auf Transportaufträgen aus 2013 der Name ***[109]*** ***[17]*** nicht erwähnt wird.
Auskunftsersuchen gemäß Art. 7 VO 904/2010/EU (AB 3/1) betreffend ***[105]***-***[106]*** Marta, ***[105]***-***[107]*** Marzene "***[108]***" Spolka Cywilna (AB 3/3)
Das Finanzamt richtete am 30. 4. 2014 im Weg des Bundesministeriums für Finanzen ein Auskunftsersuchen gemäß Art. 7 VO 904/2010/EU betreffend ***[105]***-***[106]*** Marta, ***[105]***-***[107]*** Marzene "***[108]***" Spolka Cywilna an die zuständige polnische Behörde (Verbindungsstelle), welches am 17. 7. 2014 beantwortet wurde.
Laut polnischer Behörde habe die Spedition Waren für die "Einkaufsgemeinschaft ***[117]***-***[118]***", ***[37]***-***[38]***, von Polen nach Österreich transportiert.
Eine "Zusammenarbeit" mit der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. oder der ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. sei nicht ersichtlich. Allerdings seien teilweise Warenentladungen am Sitz der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. in ***[3]*** erfolgt, die
Beigefügt waren Kopien von verschiedenen Transportunterlagen, CMR, Rechnungen usw. jeweils (Transportaufträge) von der "Einkaufsgemeinschaft ***[117]***-***[118]***" als Auftraggeber (zleceniodawca), jeweils (Rechnungen) an die "Einkaufsgemeinschaft ***[117]***-***[118]***" als Käufer (nabywca) bzw. (CMR) die jeweiligen Landwirte (laut Transportauftrag möge das CMR an die jeweiligen Landwirte ausgestellt werden, prosze wypisac nastepujace CMR ...). Laut CMR ist jeweils Absender (Punkte 1 und 22 des CMR) die ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. , ebenso der Übernahmeort (Punkt 4 des CMR),
Auf Aufträgen vom 13. 2. 2013, 25. 3. 2013, 3. 4. 2013, 4. 4. 2013 wird ***[109]*** ***[17]*** als Kontaktperson, E-Mail ***[8_9]***@interia.pl angeführt.
Weitere Transportaufträge u. a. (AB 3/4)
Schließlich finden sich in Band 3 des Arbeitsbogens noch eine Reihe von Transportdokumenten aus den Jahren 2012 und 2013 betreffend Düngemittel, in denen als Auftraggeber (zleceniodawca) die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. aufscheint, die Rechnungen mögen auf "Einkaufsgemeinschaft ***[117]***-***[118]***" lauten (Fakture prosze wystawic na ...). Kontaktperson (osoba kontaktowa) ***[109]*** ***[17]***, Telefon 0043 2829 ***[94]*** und/oder E-Mail: ***[8_9]***@interia.pl. Entladestellen teilweise ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. in ***[3]*** oder in ***[18]***, teilweise einzelne Landwirte. Die Auftragsbestätigungen der Spedition (LKW ***[34]***) gingen an die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H., ***[3]***.
Hier sind auch Lieferscheine der "Einkaufsgemeinschaft ***[117]***-***[118]***", ***[37]***-***[38]*** als Absender über Big Bags mit Dünger an einzelne Landwirte als enthalten. Derartige Lieferscheine sind auch mit ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. als Absender aktenkundig.
Die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. hat auch eine Anfrage zur Gültigkeit einer UID-Nummer eines Transportunternehmens, das für die ***[8]*** ***[9]*** Sp. z o.o. gefahren ist, vorgenommen.
Ferner findet sich auch verschiedene E-Mail-Korrespondenz mit "***[1]*** Sonja ***[15]***" oder "Office ***[1]***" in Bezug auf Transportrechnungen an die "Einkaufsgemeinschaft" und auf Stornierungen von Einkäufen bei der ***[8]*** ***[9]*** (siehe dazu auch oben Vernehmung Sonja ***[15]***).
Beschluss vom 20. 4. 2018 (OZ 28)
Mit Datum 20. 4. 2018, den Parteien zugestellt am 23. (FA) bzw. 24. (Bf) 4. 2018, beschloss das Bundesfinanzgericht:
I. Den Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens wird die nachstehende Übersicht über das bisherige Verfahren sowie die Zusammenfassung ihrer Standpunkte zur Kenntnis gebracht. Für eine allfällige Äußerung hierzu wird eine Frist bis 8. 6. 2018 gesetzt.
II. Die belangte Behörde wird unter Hinweis auf die Säumnisfolge des § 266 Abs. 4 BAO aufgefordert, die im Vorlagebericht angesprochene „ausführliche Stellungnahme der Prüferin v. 8.9.2015“ dem Gericht elektronisch vorzulegen sowie der Beschwerdeführerin nachweislich eine Ausfertigung dieser Stellungnahme zu übermitteln. Hierfür wird eine Frist bis 8. 6. 2018 gesetzt.
III. Die belangte Behörde möge darlegen, ob die Behauptung der Beschwerden, dass nur ein Teil der Düngemitteleinkäufe der Beschwerdeführerin zugerechnet wurde (im Detail etwa Rz 11 der Beschwerde gegen den Umsatzsteuerfestsetzungsbescheid 8/2011), zutreffend ist, und bejahendenfalls, aus welchen Gründen zwischen den einzelnen „Einkaufsgemeinschaften“ und deren behaupteten Mitgliedern differenziert wurde. Hierfür wird eine Frist bis 27. 7. 2018 gesetzt.
IV. Die Beschwerdeführerin möge darlegen, ob hinsichtlich des „ohne Verrechnung“ erfolgten Einsatzes von „Mitarbeitern und Ressourcen“ der Beschwerdeführerin in Zusammenhang mit den Düngemittelkäufen bislang ein Eigenverbrauch der Umsatzsteuer unterzogen wurde, und verneinendenfalls, warum nicht. Sollte irrtümlich die Versteuerung eines Eigenverbrauchs unterlassen worden sein, wären eine berichtige Jahressteuererklärung für 2013 sowie berichtigte Umsatzsteuerfestsetzungserklärungen für 7/2013 und 8/2013 dem Gericht vorzulegen und rechnerische Ermittlung des Eigenverbrauchs darzustellen. Hierfür wird eine Frist bis 27. 7. 2018 gesetzt.
V. Der Beschwerdeführerin wird aufgetragen, ***[109]*** ***[17]*** als Zeugin nach entsprechender Vereinbarung mit dem Finanzamt Waldviertel über Vernehmungsort und Vernehmungszeit in Österreich stellig zu machen. Hierfür wird eine Frist bis 31. 8. 2018 gesetzt.
VI. Das Finanzamt Waldviertel wird gemäß § 269 Abs. 2 BAO ersucht, folgende Personen zum Beweisthema Düngemitteleinkäufe als Zeugen zu vernehmen:
A. ***[120]*** ***[79]***,
B. ***[109]*** ***[17]***, sofern diese von der Bf stellig gemacht wird,
C. eine repräsentative Auswahl an Düngemittelkäufern laut Beilage ./5 zu den Beschwerden, wenigstens jeweils zwei aus jeder Einkaufsgemeinschaft.
Hierfür wird eine Frist bis 2. 11. 2018 gesetzt.
VII. Das Finanzamt Waldviertel wird gemäß § 269 Abs. 2 BAO ferner ersucht, in Entsprechung der Beweisanträge der Beschwerdeführerin
A. im Wege eines Augenscheins Einsicht in die von der Bf neu geordneten Unterlagen (Rz 16 der Beschwerden) nehmen und hierüber berichten,
B. ***[113]*** ***[51]***, DI ***[111]*** ***[47]***, ***[114]*** ***[60]*** und ***[110]*** ***[39]*** als Zeugen zum Beweisthema Düngemitteleinkäufe,
C. ***[10]*** ***[11]*** als Zeugen zum Beweisthema Düngemitteleinkäufe
zu vernehmen.
Hierfür wird eine Frist bis 2. 11. 2018 gesetzt.
VIII. Der belangten Behörde steht es frei, Landwirte, die bereits ohne detailliertere Hinterfragung ihrer Angaben betreffend die „Fa. ***[1]***“ vernommen wurden, neuerlich unter konkreter Nachfrage hinsichtlich dieser Angaben zu vernehmen. Hierfür wird eine Frist bis 2. 11. 2018 gesetzt.
IX.
A. Die Ermittlungsergebnisse mögen von der belangten Behörde der Beschwerdeführerin bis 16. 11. 2018 nachweislich zur Kenntnis gebracht werden.
B. Der Beschwerdeführerin wird aufgetragen, sich hierzu bis 18. 1. 2019 gegenüber der belangten Behörde schriftlich zu äußern.
C. Der belangten Behörde wird aufgetragen, die Ermittlungsergebnisse sowie die Äußerung der Beschwerdeführerin hierzu unter Anschluss einer eigenen Stellungnahme dem Gericht bis 1. 3. 2019 vorzulegen.
Begründend führte das Gericht nach Darlegung des oben wiedergegebenen Verfahrensganges aus:
Standpunkte der Parteien im verwaltungsgerichtlichen Verfahren
Hieraus ergeben sich folgende Standpunkte der Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens:
Standpunkt der belangten Behörde
Nach Ansicht der belangten Behörde stellt sich der Sachverhalt zusammengefasst so dar:
1
Bei der Beschwerdeführerin, der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. in Österreich, wurden von österreichischen Landwirten Düngemittel bestellt. 2Die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. bestellte ihrerseits diese Düngemittel bei der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. in Polen. 3Die Düngemittel wurden in weiterer Folge über Transportauftrag der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. von Spediteuren im Lager der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. in Polen abgeholt. 4In Österreich wurden die bestellten Düngemittel über Auftrag der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. entweder direkt den österreichischen Käufern an deren Adresse in Österreich übergeben und diesen dort die Verfügungsmacht über die Düngemittel verschafft, also geliefert. 5Oder die Düngemittel wurden den österreichischen Käufern an den Standorten der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. in ***[3]*** und ***[18]*** übergeben und diesen dort geliefert.
Rechtlich folgt die belangte Behörde hieraus:
***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. / ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o.:
Die Lieferungen der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. wurden gemäß § 3 Abs. 8 UStG 1994 in Polen ausgeführt, da dort die Versendung der Waren begann. Da der der Gegenstand der Lieferung in übrige Gemeinschaft(Union)sgebiet an einen Unternehmer versendet wurde (Art. 7 Abs. 1 UStG 1994), lagen hier gem. Art. 6 UStG 1994 steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferungen ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. an die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. vor. Die Fa. ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. tätigte bei diesen Lieferungen einen innergemeinschaftlichen Erwerb gemäß Art. 1 UStG 1994.
***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. / österreichische Landwirte:
Die Lieferung der Düngemittel an die österreichischen Landwirte erfolgte durch die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. gemäß § 3 Abs. 7 UStG 1994 in Österreich, diese Lieferungen sind in Österreich gemäß § 1 Abs. 1 Z. 1 UStG 1994 steuerbar und steuerpflichtig.
Die belangte Behörde rechnete an Hand der aufgefundenen Belege die Bruttorechnungsbeträge der ***[8]*** ***[9]*** sp.z o.o. in deren Rechnungen an die Landwirte auf einen Nettobetrag um und unterzog diesen bei der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. der Umsatzsteuer zum Normalsteuersatz von 20%.
Unklar ist vorerst, ob dies alle Düngemittellieferungen der ***[8]*** ***[9]*** sp.z o.o., die der belangten Behörde bekannt sind, betrifft oder nur bestimmte.
Standpunkt der Beschwerdeführerin
Nach Ansicht der Beschwerdeführerin stellt sich der Sachverhalt zusammengefasst so dar:
1
Österreichische Landwirte haben sich in regionalen „losen“ Einkaufsgemeinschaften zusammengeschlossen, nicht um bei einem gemeinsamen Einkauf günstigere Einkaufskonditionen zu erhalten, sondern um gemeinsame Transporte von Einkäufen der einzelnen Landwirte zu organisieren. 2Diese Einkaufsgemeinschaften haben schon lange vor Gründung der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. bestanden.
3
Die ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. hat unter anderem auf Flugblättern am Postweg bei österreichischen Landwirten für Düngereinkäufe geworben. 4Eine derartige Werbung erfolgte auch bei Versammlungen von Landwirten.
5
Die Bestellungen erfolgen von den Landwirten teils direkt bei ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. telefonisch, mit Telefax, mit E-Mail oder postalisch, teils im Wege der Einkaufsgemeinschaften oder deren Sprecher, die die Bestellungen an die ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. weiterleiten. 6Landwirte, die im räumlichen Nahebereich der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. sind, gaben die (an die ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. adressierten) Bestellscheine auch in den Räumlichkeiten des Sitzes der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. ab, und zwar „bei den Einkaufsgemeinschaften ***[117]***, ***[118]***“, von wo sie ebenfalls an die ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. weitergeleitet wurden.
7
***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. verkauft, wie auch auf den Flugblättern angegeben, den Dünger ab Lager der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. in Polen direkt an die einzelnen österreichischen Landwirte. 8Von den österreichischen Landwirten wird ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. eine Einzugsermächtigung erteilt oder erfolgt eine Zahlung nach Rechnungslegung durch die ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. 9Die österreichischen Landwirte erhalten über den Dünger von ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. eine Rechnung. 10***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. übermittelt den österreichischen Landwirten eine Bestellbestätigung und informiert entweder direkt den Landwirt selbst oder die jeweilige Einkaufsgemeinschaft, wenn die Ware zur Abholung in Polen bereit steht.
11
Die Einkaufsgemeinschaften bzw. deren Sprecher organisieren den gemeinsamen Transport des Düngers mittels Speditionen von Polen nach Österreich, wobei der Dünger von den Transportunternehmen teilweise direkt am Hof des jeweiligen Landwirts, teilweise an Sammellagern in Österreich, in geringem Umfang auch auf dem Betriebsgelände der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H., abgeladen wird, von wo sich die Landwirte den von ihnen gekauften Dünger abholen. 12Die Verrechnung der Transporte erfolgt bei Sammeltransporten entweder im Wege eines der kaufenden Landwirte oder im Wege der Einkaufsgemeinschaften. 13Bei Direktbestellungen von Landwirten ohne Zwischenschaltung einer Einkaufsgemeinschaft erfolgt die Organisation der Abholung auch direkt durch den Landwirt. 14Bei Sammeltransporten werden die Landwirte von der jeweiligen Einkaufsgemeinschaft über die Zustellung oder Abholbereitstellung informiert. 15Die Transportscheine (CMR) werden von den jeweiligen Landwirten bei Warenübernahme in Österreich unterfertigt.
Rechtlich folgt die Beschwerdeführerin hieraus:
***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. liefert an österreichische Landwirte in Polen Dünger, der im Auftrag der Käufer in Polen abgeholt und nach Österreich verbracht wird, ohne dass die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. als Käufer, Verkäufer oder sonstwie im eigenen Namen und auf eigene Rechnung an diesen Düngemittelkäufen beteiligt ist. Die Düngemittelumsätze sind nicht der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. zuzurechnen.
Information der Parteien
Vorstehende Darstellung des Verfahrensganges sowie der Standpunkte der Parteien sind den Parteien zur Kenntnis zu bringen, um allfällige Präzisierungen der vom Gericht angenommenen Standpunkte zu ermöglichen.
Fehlende Stellungnahme der Außenprüferin
Der Vorlagebericht der belangten Behörde bezieht sich auf eine „ausführliche Stellungnahme der Prüferin v. 8.9.2015“. Eine derartige Stellungnahme ist weder (siehe das Inhaltsverzeichnis des elektronischen Akts im Vorlagebericht) im elektronisch vorgelegten Akt des Finanzamts noch im in Papierform geführten Arbeitsbogen der Außenprüfung ersichtlich.
Die belangte Behörde ist unter Hinweis auf die Säumnisfolge des § 266 Abs. 4 BAO aufzufordern, diese Stellungnahme dem Gericht elektronisch vorzulegen sowie der Beschwerdeführerin nachweislich eine Ausfertigung dieser Stellungnahme zu übermitteln.
Weitere Einvernahmen
Das Finanzamt Waldviertel ist gemäß § 269 Abs. 2 BAO zu ersuchen, folgende Personen zum Beweisthema Düngemitteleinkäufe als Zeugen zu vernehmen:
A. ***[120]*** ***[79]***,
B. ***[109]*** ***[17]***, sofern diese von der Bf stellig gemacht wird,
C. eine repräsentative Auswahl an Düngemittelkäufern laut Beilage ./5 zu den Beschwerden, wenigstens jeweils zwei aus jeder Einkaufsgemeinschaft.
Die Betrauung des Finanzamts Waldviertel mit diesen Ermittlungen ist zweckmäßig, da dieses bereits die bisherigen Ermittlungen geführt hat und daher mit der Sachlage vertraut ist.
Der belangten Behörde steht es frei, Landwirte, die bereits ohne detailliertere Hinterfragung ihrer Angaben betreffend die „Fa. ***[1]***“ vernommen wurden (siehe dazu im Folgenden), neuerlich unter konkreter Nachfrage hinsichtlich dieser Angaben zu vernehmen.
***[120]*** ***[79]*** ist Obmann des Vereins zur ***[121]*** ***[32]*** Österreichs (einer Gesellschafterin der Bf) und laut Ermittlungen des Finanzamts neben ***[10]*** ***[11]*** Geschäftsführer der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. Soweit ersichtlich, wurde er bisher nicht als Zeuge vernommen.
Bisher wurde ***[109]*** ***[17]*** von der belangten Behörde nicht vernommen. Die unmittelbare Aussage von ***[109]*** ***[17]*** vor der Behörde in Österreich ist von wesentlicher Bedeutung.
Der Bf ist daher aufzutragen, ***[109]*** ***[17]*** als Zeugin nach entsprechender Vereinbarung mit dem Finanzamt Waldviertel über Vernehmungsort und Vernehmungszeit in Österreich stellig zu machen.
Da ***[109]*** ***[17]*** Angestellte der Bf ist/war und „Assistentin des Geschäftsführers“ (Aussage Dietmar ***[46]*** vom 16. 4. 2014) ist/war, ist die Bf zu diesem Beweismittel näher. Die bisherigen Ermittlungen haben ergeben, dass ***[109]*** ***[17]*** häufig in Österreich ist/war, sodass eine Unmöglichkeit der Anreise nicht ersichtlich ist. Der Anspruch von ***[109]*** ***[17]*** auf Zeugengebühren gemäß § 176 BAO bleibt hiervon unberührt, sodass der Bf hieraus keine Kosten erwachsen und der Zeugin ihr angefallene Kosten von der Behörde ersetzt werden. Hinsichtlich des Vernehmungsortes wird seitens des Finanzamtes ein für die Zeugin verkehrsgünstig gelegener Ort in Österreich zu wählen sein.
Entsprechung der Beweisanträge der Beschwerdeführerin
Das Finanzamt Waldviertel ist gemäß § 269 Abs. 2 BAO ferner zu ersuchen, in Entsprechung der Beweisanträge der Beschwerdeführerin
A. im Wege eines Augenscheins Einsicht in die von der Bf neu geordneten Unterlagen (Rz 16 der Beschwerden) nehmen und hierüber berichten,
B. ***[113]*** ***[51]***, DI ***[111]*** ***[47]***, ***[114]*** ***[60]*** und ***[110]*** ***[39]*** als Zeugen zum Beweisthema Düngemitteleinkäufe,
C. ***[10]*** ***[11]*** als Zeugen zum Beweisthema Düngemitteleinkäufe
zu vernehmen.
Die Betrauung des Finanzamts Waldviertel mit diesen Ermittlungen ist zweckmäßig, da dieses bereits die bisherigen Ermittlungen geführt hat und daher mit der Sachlage vertraut ist.
Zweckmäßigerweise wird zunächst der Augenschein gemäß Spruchpunkt VII/A vorzunehmen und danach die Zeugen nach Spruchpunkt VI/A und VI/C sowie allenfalls nach Spruchpunkt VIII zu vernehmen sein, danach die Zeugen gemäß Spruchpunkt VII/B und VI/B und schließlich als letzter Zeuge nach Spruchpunkt VII/C ***[10]*** ***[11]***.
Die Zeugen werden jeweils auch unter Vorhalt der bis dahin vorliegenden Verfahrensergebnisse zu befragen sein.
Zu den Einvernahmen
Zu den Ausführungen der belangten Behörde im Vorlagebericht zu der ihrer Ansicht nach gegebenen Entbehrlichkeit weiterer Zeugeneinvernahmen genügt einerseits der Hinweis auf § 270 BAO und andererseits auf § 183 Abs. 3 BAO. Eine von der belangten Behörde intendierte antizipierte (vorweggenommene) Beweiswürdigung ist den österreichischen Verfahrensordnungen, auch der BAO, fremd. Hinzu kommt, dass die Rügen in den Beschwerden hinsichtlich der Aussagekraft bestimmter protokollierter Aussagen teilweise berechtigt sind.
Im gegenständlichen Verfahren kommt es entscheidend darauf an, wer jeweils als Unternehmer aufgetreten ist.
Die bisherigen Einvernahmen durch die belangte Behörde weisen nicht immer die hier gebotene Präzision bei den Aussagen auf.
Wenn beispielsweise ein Zeuge (etwa Hermann ***[12]***, 7. 3. 2014) aussagt, „werde ich von der Fa. ***[1]*** angerufen“, ist offen, mit wem der Zeuge seiner Erinnerung nach telefoniert hat und wie der Zeuge zur Annahme gelangt ist, der Anrufer habe für die „Firma ***[1]***“ gehandelt (anders etwa Othmar ***[65]***, 11. 12. 2013: "Wenn der Dünger in Österreich ist, wird aus ***[3]*** unter dem Firmennamen ***[1]*** angerufen. Wer von den Sekretärinnen mich anruft weiß ich nicht, ...").
Gleiches gilt etwa für die Aussage (Hermann ***[12]***, 7. 3. 2014) „Bei der Bestellungsabgabe wurde von der Fa. ***[1]*** der Transportauftrag (siehe Kopie), in welchem Mengenangaben und Datum angegeben sind, ausgefertigt.“, wenn sich der Kopie nicht entnehmen lässt, dass die „Fa. ***[1]***“ involviert ist, oder dass „die Fa. ***[1]***“ den Düngemitteltransport aus Polen organisiert habe (Franz ***[88]***, 11. 12. 2013).
Im weiteren Verfahren ist daher auf eine exakte Fragestellung und exakte Protokollierung zu achten und bei Ungenauigkeiten entsprechend nachzufragen. Wenn Zeugen angeben, die "Fa. ***[1]***" habe Tätigkeiten i. Z. m. den Düngemittelkäufen entfaltet, ist dies selbstverständlich so zu protokollieren. Angesichts der personellen und organisatorischen Verquickungen im gegenständlichen Fall reicht diese Angabe jedoch nicht aus, sondern ist vom Vernehmenden nachzufragen, wie der Zeuge zur jeweiligen Wahrnehmung, die "Fa. ***[1]***" oder andere nicht-natürliche Personen oder "lose Zusammenschlüsse", die jeweils nur durch natürliche Personen handeln können, sei aufgetreten, gelangt ist.
Beispielsweise ist/war ***[10]*** ***[11]*** Gesellschafter-Geschäftsführer der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H., Gesellschafter-Geschäftsführer der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o., Repräsentant der „Einkaufsgemeinschaft ***[117]***/***[118]***“ und Landwirt; ***[109]*** ***[17]*** ist/war Angestellte sowohl der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. als auch der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o.; am Sitz der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. in ***[3]*** wurden nach den bisherigen Ermittlungen offenkundig sowohl Geschäftstätigkeiten der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. als auch der ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. und der „Einkaufsgemeinschaft ***[117]***/***[118]***“ entfaltet.
Wenn Zeugen bestreiten, die ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. zu kennen oder in Geschäftsbeziehung zu dieser gestanden zu haben (etwa Franz ***[88]***, 11. 12. 2013), sind sie nachhaltig zur Aufklärung des Widerspruchs zu den diesbezüglichen aktenkundigen Unterlagen aufzufordern (siehe auch Rz 20 der Beschwerden).
Bei den Vernehmungen wäre auch zu klären, wer die Informationsveranstaltungen betreffend die Düngemittelkäufe organisiert hat und als Veranstalter aufgetreten ist, sowie welche Informationen dabei gegeben wurden, da im Verfahren dazu unterschiedliche Angaben von den einzelnen Auskunftspersonen und Zeugen getätigt wurden. Auch hier ist, wenn die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H., die ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o., eine Einkaufsgemeinschaft oder jemand anderer als Veranstalter genannt wird, zu hinterfragen, wie der Zeuge zur Zuordnung der Veranstaltung zu diesem Veranstalter (persönliche schriftliche Einladungen, Postwurfsendungen, Plakate, Gespräche mit bestimmten Personen, …) gelangt.
Gefragt werden möge auch, ob die Einkaufsgemeinschaften, wie von der Bf behauptet, nur die Transporte organisiert haben, oder ob von diesen auch (***[110]*** ***[39]***, 16. 4. 2014) Preisverhandlungen mit den Lieferanten geführt wurden. Die Zeugen mögen auch zur Beschwerdebehauptung (Rz 35), jedes einzelne Mitglied einer Einkaufsgemeinschaft habe deren Sprecher bevollmächtigt, befragt und zur Vorlage von Nachweisen hierfür aufgefordert werden. Hierbei möge auch erhoben werden, ob es zwei Einkaufsgemeinschaften einerseits ***[117]***, andererseits ***[118]***, wie in den Beschwerden angegeben, oder eine einzige Einkaufsgemeinschaft ***[117]***/***[118]*** gegeben hat, wie diese Einkaufsgemeinschaften strukturiert waren und warum Landwirte, die am Düngemitteleinkauf i. Z. m. ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. / ***[8]*** ***[9]*** sp. z o. o. beteiligt waren, nach den bisherigen Ermittlungen von derartigen Einkaufsgemeinschaften teilweise wenig oder nichts wissen. Außerdem möge die behauptete Nutzung des Kontos ***[7]*** bei der UniCredit Bank Austria AG (Rz 37 der Beschwerden) durch mehrere Einkaufsgemeinschaften und die Abwicklung der Bankgeschäfte der anderen Einkaufsgemeinschaften auf diesem näher dargelegt werden.
Differenzierte Zurechnung
Die Beschwerden behaupten, dass nur ein Teil der Düngemitteleinkäufe von der belangten Behörde der Bf zugerechnet wurden.
Die belangte Behörde ist zur Äußerung hierzu aufzufordern.
Falls die Beschwerdebehauptungen diesbezüglich zutreffend sind, ist dazustellen, auf Grund welcher Sachverhaltsfeststellungen und Beweismittel diesbezüglich differenziert vorgegangen wurde.
Eigenverbrauch
Die Beschwerdeführerin gibt an (Rz 17 der Beschwerden), dass „Mitarbeiter und Ressourcen der Beschwerdeführerin“ in Zusammenhang mit den Düngemittelkäufen „ohne Verrechnung“ eingesetzt worden seien.
Die Bf ist aufzufordern darzulegen, ob diesbezüglich bislang ein Eigenverbrauch der Umsatzsteuer unterzogen wurde, und verneinendenfalls, warum nicht.
Sollte irrtümlich die Versteuerung eines Eigenverbrauchs unterlassen worden sein, wären eine berichtige Jahressteuererklärung für 2013 sowie berichtigte Umsatzsteuerfestsetzungserklärungen für 7/2013 und 8/2013 dem Gericht vorzulegen und die rechnerische Ermittlung des Eigenverbrauchs darzustellen.
Äußerung der Parteien
Die Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens mögen sich schließlich zu den Ergebnissen der ergänzenden Ermittlungen äußern, wobei der Bf zuvor von der belangten Behörde Akteneinsicht zu gewähren oder diese in anderer Weise von den Ermittlungsergebnissen in Kenntnis zu setzen ist.
Der Beschluss wurde den Parteien am 23. 4. 2018 (belangte Behörde) und am 24. 4. 2018 (Beschwerdeführerin) zugestellt.
Ergänzende Vorlage (FA) vom 18. 5. 2018 (OZ 29 - 37)
Das Finanzamt legte hierauf am 18. 5. 2018 die OZ 29 bis 37 (siehe unten) vor und berichtete (OZ 37):
Zum BFG-Beschluss vom 20.4.2018 erfolgen seitens des Finanzamtes Waldviertel folgende Nachreichungen bzw. Ergänzungen:
Zu Pkt. I.) s. Ausführungen in Pkt. III.)
Zu Pkt. II.)
Übermittlung der Unterlagen über die nachweisliche Zustellung der Stellungnahme der Prüferin (Stellungnahme v. 9.8.2015, Begleitschreiben vom 26.4.2018 und Rückscheinabschnitt - Übernahmebestätigung vom 2.5.2018)
Zu Pkt. III.)
Es wurden die Düngemitteleinkaufe der Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** nicht der Beschwerdeführerin zugerechnet, weil sich im Zuge der Prüfungshandlungen herausgestellt hat, dass die Bestell- u. Liefervorgange bei der Beschwerdeführerin anders erfolgten als bei der Einkaufsgemeinschaft ***[64]***.
Durch einen in den beschlagnahmten Unterlagen vorgefundenen (ausgedruckten) Mail- Verkehr zwischen der Fa. ***[8]***-***[9]*** u. ***[110]*** ***[39]*** (***[39]*** wurde dem Finanzamt erst aus den beschlagnahmten Unterlagen bekannt), erfolgte eine Einvernahme von ***[39]***. Auch erst im Zuge der Einvernahme wurde dem Finanzamt die Existenz der Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** bekannt. (***[39]*** ist laut eigenen Angaben ausschließlich Mitglied der Einkaufsgemeinschaft ***[64]***). Schließlich wurden dem Finanzamt von ***[39]*** Namenslisten überTeilnehmer an der Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** vorgelegt. Die Einkaufe der darin aufgelisteten Teilnehmer wurden aufgrund der seitens des Finanzamtes neu gewonnenen Erkenntnisse sodann nicht der Beschwerdefuhrerin zugerechnet. Siehe dazu die beiliegende Niederschrift (Protokoll) über die Zeugeneinvernahme von ***[110]*** ***[39]*** vom 16.4.2014 bzw. die Stellungnahme zur Beschwerde von der Prüferin vom 8.9.15 zu den Punkten 6, 8, 9, 13 u. 17 und den Aktenvermerk der Pruferin vom 20.4.2018 zu Pkt. III. des BFG-Beschlusses. Des Weiteren wird beispielhaft ein Teil des dem Finanzamt bekannten Mail-Verkehrs zwischen ***[39]*** u. der Fa. ***[8]*** ***[9]*** vorgelegt.
Anmerkung:
Aus den beschlagnahmten Unterlagen ergaben sich aufgrund der bisherigen Ermittlungsergebnisse keine Hinweise auf das Bestehen anderer Einkaufsgemeinschaften.
Der Aktenvermerk der Prüferin vom 27. 4. 2018 lautet:
zu Pkt. III des Beschlusses vom 20.4.2018
Vorweg wird auf die Stellungnahme vom 8.9.2015 zur Beschwerde gegen die Ust-Festsetzung 8/2015, konkret auf die Erlauterungen zu Pkt. 6, 8, 9, 13 und 17 (Einkaufsgemeinschaften), verwiesen.
Auf Grund des in den beschlagnahmten Unterlagen vorliegendem Schriftverkehr zwischen Fr. ***[17]*** und Hrn. ***[39]***, dem Sprecher der EKG ***[64]*** ging die Existenz der EKG ***[64]*** hervor.
Hr. ***[39]*** wurde als Zeuge einvernommen und dabei zum Bestellvorgang und zur Transportbeauftragung und -abwicklung der Düngemittel befragt (siehe Protokoll vom 16.4.2014 beiliegend).
In weiterer Folge wurden von Hrn. ***[39]*** dem FA WV 2 Listen zur Verfügung gestellt:
- Liste, welche Personen 2012/2013 über die EKG ***[64]*** Dünger bei der ***[8]*** ***[9]*** bestellt haben (die Liste wurde durch Hrn. ***[39]*** an Hand der noch vorhandenen CMR-Papieren erstellt)
- Teilnehmerliste über Landwirte, die in den vergangenen Jahren über die EKG ***[64]*** an verschiedenen Ausschreibungen teilgenommen haben.
siehe beil. Mail inkl. der übermittelten Listen
Die Namen der Landwirte aus beiden Listen wurden mit den Namen der Rechnungsempfänger (Düngemittelkäufer) verglichen.
Die Düngemitteleinkaufe die durch jene Landwirte getätigt wurden, deren Namen in den beiden Listen von Hrn. ***[39]*** aufscheinen wurden der Beschwerdeführerin nicht zugerechnet.
Daraus ergab sich auch die Einschränkung des Sicherstellungsauftrages.
Pkt. 11 der Beschwerde gegen den Ust-Festsetzungsbescheid 8/2013 (S. 70 des Beschlusses)
Dass ein Einkauf der Landwirtin ***[75]*** Anna, die anscheinend der EKG ***[64]*** angehört, als Umsatz der Bf zugerechnet wurden beruht darauf, dass deren Name nicht in den beiden von Hrn. ***[39]*** zur Verfügung gestellten Listen aufscheint.
Dieser Umsatz betrug: AF 13-00257 vom 27.8.2013
Kunde: ***[75]*** Anna, ***[62]*** ***[112]*** 9
brutto 311,00
ergänzender Hinweis: auch 2012 wurde ein Umsatz von Fr. ***[75]*** der BF zugerechnet
AF 12-00496 vom 27.9.2012
Kunde: ***[75]*** Anna, ***[62]*** ***[112]*** 9
brutto 1.405,03
Die Prüferin
Äußerung (Bf) vom 8. 6. 2018 (OZ 38)
Die Bf äußerte sich durch ihre rechtsfreundliche Vertretung mit Schriftsatz vom 8. 6. 2018 wie folgt:
Die Beschwerdeführerin nimmt die im Beschluss des Bundesfinanzgerichts vom 20.04.2018 enthaltene Übersicht über das bisherige Verfahren sowie die Zusammenfassung der Standpunkte der Parteien zur Kenntnis. Ein Anerkenntnis der Argumentation der belangten Behörde ist damit jedoch nicht verbunden; Außerdem hält die Beschwerdeführerin ihr gesamtes Beschwerdevorbringen in allen drei Beschwerden sowie die dort jeweils gestellten Anträge aufrecht.
Fristerstreckungsantrag (Bf) vom 27. 7. 2018 (OZ 39 bzw. 44, 42)
Einem Antrag der Bf vom 27. 7. 2018 auf Erstreckung der Frist für die Vorlage der gemäß Punkt IV. des Beschlusses vom 20. 4. 2018 geforderten Informationen bis zum 31. 8. 2018 (OZ 39 bzw 44) gab das Gericht mit E-Mail vom selben Tag (OZ 42) formlos Folge.
Antrag auf Akteneinsicht (Bf) vom 24. 8. 2018 (OZ 47)
Die Bf stellte durch ihre rechtsfreundliche Vertretung mit Schriftsatz vom 24. 8. 2018 Antrag auf Akteneinsicht:
Der Beschwerdeführer stellt durch seine ausgewiesene Rechtsvertretung den
ANTRAG,
gemäß § 17 AVG eine Aktenabschrift des gegenständlichen Verfahrensaktes, insbesondere der Stellungnahme des Finanzamtes gemäß Punkt III des Beschlusses des Bundesfinanzgerichtes vom 20.04.2018, warum es zu einer Differenzierung zwischen den einzelnen Einkaufsgemeinschaften als auch deren Mitgliedern gekommen ist, sowie alle anderen Dokumente im Akt, die seit dem Beschluss am 20.04.2018 in den Akt aufgenommen wurden, wenn möglich im elektronischen Weg, an die ***[131]***, ..., an office@***[132]***.com gegen Kostenbekanntgabe zu übermitteln.
Sollte eine Übermittlung der Aktenabschrift im elektronischen Wege nicht möglich sein, stellt der Beschwerdeführer den Antrag auf Akteneinsicht vor Ort und ersucht um Bekanntgabe, wann und wo genau Einsicht in die Akten genommen werden kann.
Elektronische Aktenübermittlung (BFG) vom 24. 8. 2018 (OZ 45)
Das Gericht übermittelte an die bekanntgegebene E-Mail-Adresse der rechtsfreundlichen Vertretung am 24. 8. 2018 die vom Finanzamt am 18. 5. 2018 elektronisch vorgelegten Unterlagen (die Ordnungsnummern des BFG-Aktes sind unter „Nr“ ersichtlich):
[...]
Abgesehen von der elektronischen Beschwerdevorlage aus 2015 und der Aktenvorlage vom 7. 3. 2018 bestehen keine weiteren Eingänge in diesem Verfahren beim Bundesfinanzgericht:
[...]
Äußerung (Bf) vom 31. 8. 2018 (OZ 48)
Die Bf gab mit Schriftsatz ihrer rechtsfreundlichen Vertretung vom 31. 8. 2018 folgende Äußerung ab (OZ 48):
Unter Bezugnahme auf die Punkte IV und V. des vorhin zitierten Beschlusses erstattet die Beschwerdeführerin innerhalb verlängerter offener Frist nachstehende
Äußerung:
Ad Punkt IV des Beschlusses des BFG vom 20.04.2018:
Der Beschwerdeführerin wurde aufgetragen darzulegen, ob hinsichtlich des „ohne Verrechnung“ erfolgten Einsatzes von „Mitarbeitern und Ressourcen“ der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit den Düngemittelkäufen bislang ein Eigenverbrauch der Umsatzsteuer unterzogen wurde, und verneinendenfalls, warum nicht.
Zur Frage des vermeintlichen Eigenverbrauchs nimmt die Beschwerdeführerin wie folgt Stellung.
In der Beschwerde gegen den Umsatzsteuerbescheid 2013 (OZ 1) in Rz (17) ist angeführt, dass die Einkaufgemeinschaften teilweise auch Mitarbeiter und Ressourcen der Beschwerdeführerin ohne vertragliche Grundlage und ohne Verrechnung eingesetzt haben.
Eine Eigenverbrauchsbesteuerung wurde von der steuerrechtlichen Vertretung der Beschwerdeführerin aus folgenden Gründen diesbezüglich nicht durchgeführt:
Legt man die von der Finanzverwaltung vertretene — unrichtige — Auffassung zu Grunde, die gegenständlichen Umsätze seien der Beschwerdeführerin zuzurechnen, so ist ohnehin kein Eigenverbrauch denkbar.
Aber auch wenn man richtigerweise davon ausgeht, dass die gegenständlichen Umsätze nicht der Beschwerdeführerin zuzurechnen sind, ist nach Auffassung der Beschwerdeführerin nicht von einem Eigenverbrauch auszugehen.
Grundsätzlich unterliegt die Verwendung eines dem Unternehmen zugeordneten Gegenstandes für Zwecke, die außerhalb des Unternehmens liegen sowie die unentgeltliche Erbringung von anderen sonstigen Leistungen für Zwecke, die außerhalb des Unternehmens liegen, der Eigenverbrauchsbesteuerung.
Unionsrechtlich ist für Körperschaften zu beachten, dass der EuGH innerhalb der nicht unternehmerischen Zwecke zwischen „unternehmensfremden“ und „nicht unternehmensfremden“ Zwecken unterscheidet (vgl. EuGH 12. 2. 2009, C-515/07, "VNLTO"). Nicht unternehmensfremd im Sinne der zitierten Rechtsprechung sind etwa hoheitliche Tätigkeiten von Körperschaften öffentlichen Rechts, die Wahrnehmung allgemeiner Interessen der Mitglieder durch einen Verein oder die reine Beteiligungsverwaltung einer Holding. Die Verwendung für solche Zwecke stellt keine fiktive Leistung gegen Entgelt dar, da die Verwendung nicht für Zwecke außerhalb des Unternehmens erfolgt (vgl. Ruppe/Achatz, UStG § 3 Tz 223). Die Wortfolge „für Zwecke, die außerhalb des Unternehmens liegen“ ist somit unionskonform im Sinne von „Zwecke die unternehmensfremd sind“ auszulegen. Die Verwendung für nicht unternehmensfremde Zwecke bewirkt daher keinen Eigenverbrauch (vgl. Scheiner/Kolacny/Caganek, Mehrwertsteuer-Kommentar, § 3a Tz 38). Nicht vom Tatbestand des Eigenverbrauches erfasst sind somit sonstige Leistungen, die unentgeltlich im eigenen unternehmerischen Interesse erfolgen (vgl. Ruppe/Achatz, UStG § 3 Tz 275). Der Aufwand für derartige Zuwendungen (andere unentgeltliche Zuwendungen), auch wenn sie an Letztverbraucher erfolgen, geht in die Kalkulation der Unternehmensprodukte ein und unterliegt über die derart erhöhten Preise ohnehin der Umsatzsteuer (vgl. Ruppe/Achatz, UStG § 3 Tz 240).
Im Beschwerdefall erfolgte wohl ein gewisser Einsatz von Mitarbeitern und Ressourcen der Beschwerdeführerin für die Einkaufsgemeinschaften, konkret für deren Mitglieder, d.h. also für die einzelnen Landwirte. Wirtschaftlich wurden die Leistungen also für die einzelnen Landwirte erbracht. Im Hinblick darauf, dass es sich bei den einzelnen Landwirten um die Lieferanten der Beschwerdeführerin handelt, ist im Sinne der Rechtsprechung des EuGH davon auszugehen, dass die von der Beschwerdeführerin gegenständlich erbrachten Leistungen nicht unternehmensfremd sind und damit nicht für Zwecke, die außerhalb des Unternehmens liegen, erbracht wurden. Tatbestandmäßig liegen somit die Voraussetzungen für eine Eigenverbrauchsbesteuerung nicht vor.
Unabhängig davon wurden die betreffenden Leistungen zu einem wesentlichen Teil von Frau ***[17]*** erbracht, die nachweislich Mitarbeiterin der ***[8]*** ***[9]*** und nicht der Beschwerdeführerin war.
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die vom BFG angesprochenen Leistungen bisher nicht der Eigenverbrauchsbesteuerung unterworfen wurden. Ein Eigenverbrauch ist nach Auffassung der Beschwerdeführerin und deren steuerlicher Vertretung auch nicht zu besteuern, da die angesprochenen Leistungen, wie oben dargestellt, nicht für Zwecke außerhalb des Unternehmens erbracht wurden.
Ad Punkt V. des Beschlusses des BFG vom 20.04.2018:
Die Beschwerdeführerin kann Frau ***[17]*** leider nicht auftragsgemäß in Österreich stellig machen.
Laut Telefonat mit Frau ***[17]*** möchte sie keine Aussage in Österreich machen. Frau ***[17]*** ist jedoch bereit, grundsätzlich an jedem Werktag mit einer Vorankündigung von 14 Tagen eine Aussage auf Polnisch zu machen und stimmt auch einer Einvernahme in Polen vor polnischen Behörden sowie der Beantwortung von schriftlichen Fragen der österreichischen Finanzverwaltung nach einer Übersetzung ins Polnische zu. Grundsätzlich ist Frau ***[17]*** nicht mehr in Österreich und fürchtet eine voreingenommene und einschüchternde Befragung durch Beamte der österreichischen Finanzverwaltung, welche in Kombination mit der steuerrechtlichen Komplexität und den Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache zu unrichtigen Ergebnissen führen könnte.
Mitteilung an die Behörde (OZ 49)
Diese Äußerung wurde vom Gericht am 3. 9. 2018 der belangten Behörde zur Kenntnis und Gegenäußerung innerhalb von zwei Monaten übermittelt (OZ 49).
Insbesondere möge, ungeachtet des Umstands, dass sich unter Zugrundelegung der Rechtsansicht des Finanzamts die Frage eines Eigenverbrauchs nicht stellt, unter Zugrundelegung der Auffassung der Beschwerdeführerin zur Frage eines Eigenverbrauchs dem Grunde und der Höhe nach Stellung genommen werden.
Antrag auf Akteneinsicht (Bf) vom 11. 9. 2018 (OZ 45, 57)
Die Bf stellte durch ihre rechtsfreundliche Vertretung mit E-Mail sowie mit Schriftsatz vom 11. 9. 2018 einen weiteren Antrag auf Akteneinsicht (OZ 45, 57):
Der Beschwerdeführer stellt durch seine ausgewiesene Rechtsvertretung den
ANTRAG,
Normen und Schlagworte
- § 1 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 2 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 3 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 3a UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 253 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 270 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 166 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 87 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 169 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 174 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 85 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 250 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- Art. 3 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- Art. 6 Abs. 1 Buchstabe b CMR, Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr, BGBl. Nr. 138/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7105311/2015
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2019:RV.7105311.2015
- Stammnummer
- 126394
- Gültig
- 03.10.2019 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF