Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7105311/2015
Lieferungen von Düngemitteln an österreichische Landwirte durch eine (österreichische) G.m.b.H. oder eine (polnische) sp. z o.o.?
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7105311/2015vom 03.10.2019Teil 4 von 12
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
• Eine Bestellung macht der Landwirt entweder selbst direkt, telefonisch, mit Fax
oder mündlich, bei der ***[8]*** ***[9]*** (z.B. Herr ***[113]*** ***[99]*** aus ***[101]*** ***[102]***,
***[119]*** 82, Einkaufsgemeinschaft ***[118]***) oder er wendet sich an
den Sprecher seiner Einkaufsgemeinschaft, der diese Bestellung in seinem Namen
weiterleitet, meist direkt an ***[8]*** ***[9]***, teilweise auch indirekt über die Einkaufsgemeinschaften
***[117]***, ***[118]***.
• Im geographischen Nahebereich (nicht aber in anderen Teilen Niederösterreichs)
der Beschwerdeführerin kam es auch vor, dass ausgefüllte Bestellscheine der ***[8]***
***[9]*** bei der Beschwerdeführerin zur Weiterleitung an ***[8]*** ***[9]*** abgegeben
wurden, weil dort auch die Einkaufsgemeinschaften ***[117]***, ***[118]*** in
Person des Herrn ***[10]*** ***[11]*** anzutreffen sind.
• Es wurden aber nie „die Bestellformulare im Büro bei der Fa ***[1]*** VertriebsgmbH"
abgegeben, wie die belangte Behörde auf Seite 1 unten von Beilage
1 zum Bericht über die Außenprüfung verkürzend und irreführend schreibt. Die
belangte Behörde verschweigt, dass es sich um Bestellformulare der ***[8]*** ***[9]***
handelt. Die Beschwerdeführerin hat im untersuchten Zeitraum nie Bestellungen
von Düngemittel entgegengenommen und schon gar nicht Lieferungen getätigt.
Die auf ***[8]*** ***[9]*** lautenden Bestellformulare wurden bloß physisch bei den Einkaufsgemeinschaften
***[117]***, ***[118]*** abgegeben.
• Sowohl bei der direkten als auch bei der indirekten Bestellung erhält der Landwirt
persönlich die Bestellbestätigung direkt von ***[8]*** ***[9]*** und ebenso er selbst oder die involvierte Einkaufsgemeinschaft eine spätere Mitteilung über Abholbereit
schaft.
• Über den Landwirt bei direkter Bestellung, sonst aber meist über den Sprecher der
Einkaufsgemeinschaft werden daraufhin die Frächter kontaktiert und sogenannte
Ladeaufträge erteil. Dort ist immer spezifiziert, wieviel von welchem Produkt für
welchen Landwirt abzuholen ist und wohin die Ladung gebracht werden soll. Dabei
ist zu unterscheiden zwischen direkter Lieferung für nur einen, zwei oder maximal
drei Landwirte und sogenannten Sammeltransporten für mehrere Landwirte.
Da mehr als zwei oder drei Abladepunkte den Transport über Gebühr verteuern
würden, hat man Abladepunkte vereinbart; entweder bei einem Landwirt mit entsprechenden
Ab- und Belademöglichkeiten oder den Lagerplatz der Beschwerdeführerin.
Die Einkaufsgemeinschaften als Organisatoren dieser Sammeltransporte
verständigen dann auch die betroffenen Landwirte, damit diese den Dünger vom
vereinbarten Abladepunkt abholen.
• Die Bezahlung der Waren erfolgt in allen Fällen über die bei den Bestellungen unterschriebenen
Einzugsermächtigungen zugunsten der ***[8]*** ***[9]*** auf deren österreichisches
Bankkonto. Die Bezahlung des Transports wird entweder vom Landwirt
direkt oder von der jeweiligen Einkaufsgemeinschaft gemacht. Diese sammeln
das Geld von den betreffenden Landwirten meist in bar ein. Die Einkaufsgemeinschaften
bekommen von den Frächtern zum jeweiligen Auftrag eine Rechnung.
Die Einkaufsgemeinschaften zahlen die Frächter in der Regel mittels Überweisung.
• Der Landwirt selbst unterschreibt bei der Warenübernahme den Transportschein
(CMR). Diese liegen in vielen Fällen bei den beschlagnahmten Unterlagen der ***[8]***
***[9]*** auf.
Beweis:
Einvernahme ***[113]*** ***[51]***, DI ***[111]*** ***[47]***, ***[10]*** ***[11]***, ***[114]*** ***[60]***,
***[110]*** ***[39]***, als Zeugen, zu laden unter den oben angegebenen Anschriften.
(17) Die Beschwerdeführerin hat im Wege der Akteneinsicht von den gesamten beschlagnahmten
Unterlagen Kopien bekommen. Die Kopien der beschlagnahmten Unterlagen
hat sie nach Einkaufsgemeinschaften und einzelnen Geschäftsfällen geordnet (die beschlagnahmten
Unterlagen sind weitgehend chronologisch geordnet). Die Beschwerdeführerin
wird die so neu geordneten Unterlagen (11 Ordner) zum Beweis für ihr gesamtes
Vorbringen in der mündlichen Verhandlung vorlegen. Auch daraus wird sich
ergeben, dass der Rechtsstandpunkt der belangten Behörde nicht aufrechterhalten
werden kann.
(18) Die Einkaufsgemeinschaften ***[117]***, ***[118]*** bzw. Herr ***[10]*** ***[11]*** als deren
Sprecher hat in dieser seiner Funktion bei der Transportbeauftragung teilweise auch
Mitarbeiter und Ressourcen der Beschwerdeführerin eingesetzt (z.B. Fax). Dies erfolgte
jedoch ohne vertragliche Grundlage und ohne Verrechnung. Das bedeutet aber
nicht, dass die Einkaufsgemeinschaften ***[117]***, ***[118]*** deshalb operativ negiert
und Bestellungen und erteilte Transportaufträge (im fremden Namen der Landwirte)
ohne weitere Begründung und Beweisführung uminterpretiert werden dürfen. Die
belangte Behörde ist sich bei ihrer Argumentation offenbar selbst nicht ganz so sicher,
hat sie doch kurz vor der Schlussbesprechung am 08.04.2015 Einkäufe der Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** aus der der Beschwerdeführerin zugerechneten Bemessungsgrundlage
herausgenommen. Das hätte aber ebenso für alle anderen Einkaufsgemeinschaften
erfolgen müssen.
(19) Es kann aus den obigen Umständen aber nicht interpretiert werden, dass die Beschwerdeführerin
diese Bestellungen und Lieferungen im eigenen Namen und somit
eigene Umsätze getätigt hätte. Es waren immer wirtschaftliche und rechtliche Beziehungen
zwischen der ***[8]*** ***[9]*** und den Landwirten. Für eine Zurechnung dieser
Umsätze an die Beschwerdeführerin fehlt jede tatsächliche und rechtliche Begründung
und es wird auch in der Bescheidbegründung zu diesem wesentlichen Punkt nichts
ausgeführt.
(20) Die Abholung der Ware wurde somit durch die Einkaufsgemeinschaften organisiert. Daher sind diese Abhollieferungen von österreichischen Landwirten ohne UID Nummer
als Umsätze der ***[8]*** ***[9]*** zuzurechnen, die in Polen zu versteuern sind. Eine andere
mehrwertsteuerliche Interpretation von etwa in Österreich steuerbaren Umsätzen
der ***[8]*** ***[9]*** wurde seitens der Behörde nicht erhoben. Die hingegen getätigte Zurechnung
an ein anderes Unternehmen, nämlich die Beschwerdeführerin, als deren Eigenumsatz
ist nicht nachvollziehbar.
(21) Landwirte können daher nicht sehr glaubwürdig vertreten, von Einkaufsgemeinschaften,
Transport und Selbstabholung nichts zu wissen, wie dies unkritisch und von der
belangten Behörde nicht hinterfragt in die Begründung aufgenommen wird (Beilage 1,
Seite 2 Mitte). Es ist keinesfalls „denkunmöglich" (Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung,
Seite 2, zweiter Absatz), sondern angesichts der Unterlagen ist es im
Rahmen der die belangte Behörde treffenden Pflicht zur Erforschung der materiellen
Wahrheit von Amts wegen(§ 115 Abs. 1 BAO) vielmehr zu hinterfragen, wie ein Landwirt
glaubhaft "nicht wissen kann", wie diese Düngemittel aus Polen abgeholt und fakturiert
werden, wenn er die genaue Ablauferläuterung bekommen hat (siehe Beilage
./6), die zuständige Einkaufsgemeinschaft den Transport von ihm einkassiert, er den
Transport bezahlt und er den CMR unterschreibt.
(22) Für eine Zurechnung der in der erweiterten Liste, Beilage ./5, ausgewiesenen Einkäufe
als Umsätze an die Beschwerdeführerin mangelt es an allen Voraussetzungen und gibt
es keinen Beweis. Insbesondere gibt es in den umfangreichen von der belangten Behörde
beschlagnahmten Geschäftsunterlagen keine einzige Faktura der Beschwerdeführerin
mit der einer dieser Einkäufe in Rechnung gestellt worden wäre und gibt es
auch keinen Zahlungsfluss dieser Umsätze in das Betriebsvermögen der Beschwerdeführerin.
Ganz im Gegenteil stammen alle Rechnungen in den beschlagnahmten Geschäftsunterlagen
von der ***[8]*** ***[9]*** und erfolgten alle Zahlungen auf diese Rechnungen
in das Betriebsvermögen der ***[8]*** ***[9]***. Es ist daher völlig unerfindlich, wieso die
belangte Behörde dazu kommt, derartige Umsätze der Beschwerdeführerin zuzurechnen
und nicht der ***[8]*** ***[9]***.
(23) Generell gilt für die Ausführungen der belangten Behörde im Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom 14.04.2015, dass die einzelnen Behauptungen immer äußerst
vage formuliert sind und insbesondere kein Bezug zu irgendeinem Beweismittel hergestellt
wird. Die Erledigungen der belangten Behörde enthalten keine schlüssige und
nachvollziehbare Begründung. Die Bedeutung der Begründung für das Rechtsstaatsprinzip
wird von der Lehre wie folgt betont:
"Erst die Begründung macht den Bescheid für den Abgabenpflichtigen nachvollziehbar
und kontrollierbar. Die Bescheidbegründung ist für einen effizienten
Rechtsschutz des Abgabepflichtigen von grundlegender Bedeutung: Der
Abgabepflichtige soll nicht rätseln müssen, warum ihm eine Abgabe vorgeschrieben wird." (
Beiser in Steuern3
, 257, zitiert aus Ritz, BA03 § 93 Tz 10).
(24) Wie Lehre und Rechtsprechung weiter betonen, ist ein zentrales Begründungselement
die Anführung des Sachverhalts, den die Behörde als erwiesen annimmt. Gefordert ist
dabei eine zusammenhängende Darstellung desselben. Diese kann durch den bloßen
Hinweis auf irgendwelches dem Abgabepflichtigen bekanntes Aktenmaterial nicht ersetzt werden. (Ritz BA03 § 93 Tz 11 und die dort zitierte Judikatur.) Genau letzteres liegt hier aber vor.
(25) Misst man die Begründung des angefochtenen Bescheides an den oben dargestellten
Erfordernissen ist evident, dass der angefochtene Bescheid und seine Begründung
diesen nicht entsprechen. Schon das allein belastet den angefochtenen Bescheid mit
Rechtswidrigkeit.
(26) Im Folgenden werden einzelne Punkte der insgesamt mangelhaften Begründung des
angefochtenen Bescheids dargestellt.
(27) Die Tatsache, dass bei der Nachschau am 11.09.2013, Beilage 1 zum Bericht über die
Außenprüfung, Punkt 1.a), dritter Absatz, in der Ausgangspost der Beschwerdeführerin
mit österreichischen Briefmarken frankierte Briefe der ***[8]*** ***[9]*** gefunden wurden, ist
kein ausreichender Grund, die grundsätzlich nicht in Österreich steuerbaren Düngemittel-
Umsätze der ***[8]*** ***[9]*** als solche der Beschwerdeführerin zu qualifizieren.
(28) Die Aussage der belangten Behörde in Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung,
Punkt 1.a), vorletzter Absatz, dass „viele Dokumente auf Briefpapier dar Fa ***[1]***
VertriebsgmbH gedruckt waren", ist falsch und irreführend. Tatsächlich handelt es sich
nur um einige interne Ausdrucke von Dokumenten und Unterlagen der ***[8]*** ***[9]***, die,
um Papier zu sparen, auf wiederverwendetem Papier der Beschwerdeführerin ausgedruckt
wurden.
(29) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), schreibt die belangte
Behörde: Die Landwirte wurden im Rahmen von Informationsveranstaltungen der Fa.
***[1]*** VertriebsgesmbH auf die Möglichkeit des Einkaufes von günstigem Dünger
aus Osteuropa aufmerksam gemacht." Diese Behauptung ist unrichtig. Bezeichnenderweise
kann die belangte Behörde dafür auch überhaupt kein Beweismittel anführen.
Aus dem Flugblatt Beilage ./6 ergibt sich gerade, dass die Beschwerdeführerin an den
genannten Vorgängen eben nicht im eigenen Namen und auf eigene Rechnung teilnimmt.
In Bezug auf die „Informationsveranstaltungen" dürfte die belangte Behörde
außerdem eine Fehlinformation verwerten. Die Beschwerdeführerin hat noch nie Informationsveranstaltungen
über den Bezug von Dünger aus Polen durchgeführt und
trat auch nie als Verkäuferin von Dünger aus Polen auf.
Beweis: Einvernahme ***[10]*** ***[11]***.
(30) Tatsächlich ist der Beschwerdeführerin bekannt, dass eine in ***[67]***
***[68]***
, ***[69]*** 1, ansässige Firma ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH, deren Unternehmensgegenstand der Vertrieb von Pflanzenschutzmitteln an Landwirte ist, regelmäßig Informationsveranstaltungen in der näheren und weiteren Umgebung des Sitzes der Beschwerdeführerin durchführt. Die Ähnlichkeit dieses Firmenwortlauts mit dem von ***[8]*** ***[9]*** dürfte zu Verwechslungen führen.
Beweis: Ausdruck von der Webseite der ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH, Beil
age ./7;
Firmenbuchauszug FN ***[70]*** k der ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH,
Beilage ./8;
Einvernahme von Herrn ***[10]*** ***[11]***.
(31) Die belangte Behörde zitiert in der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung mehrfach
eine Frau ***[109]*** ***[17]***. Tatsächlich ist Frau ***[109]*** ***[17]*** eine Mitarbeiterin der ***[8]***
***[9]*** und war während des gesamten hier in Rede stehenden Zeitraums auch Angestellte
der Firma ***[8]*** ***[9]***. Richtig ist, dass sie auch in der Zeit vom 31 .01 .2013 bis
zum 22.03.2013, vom 08.04.2013 bis zum 07.05.2013 und vom 17.07.2013 bis
18.09.2013 bei der Beschwerdeführerin angestellt war. Das ist weder unzulässig, noch
ändert es etwas an der Tatsache, dass sie im Rahmen der gegenständlichen Abhollieferungen
für die ***[8]*** ***[9]*** tätig war. Eine Zurechnung der Umsätze an die Beschwerdeführerin
aus dem Grund, dass Frau ***[109]*** ***[17]*** in den Betriebsräumlichkeiten der Beschwerdeführerin
anwesend war, ist unzulässig und rechtlich verfehlt.
Beweis: Aufstellung über die Anmeldung von Frau ***[109]*** ***[17]*** bei ***[8]*** ***[9]*** und die
gezahlten Gehälter sowie Sozialversicherungsbeiträge, Beilage ./9.
(32) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), führt die belangte
Behörde unter der Überschrift "Zum Bestellvorgang" aus, dass die Bestellungen „von
Mitarbeitern der Fa. ***[1]*** VertriebsgesmbH (federführend dabei Fr. ***[109]*** ***[17]***)
aufgearbeitet wurden." Diese Behauptung ist ebenfalls unrichtig. Wie vorhin bewiesen
wurde, war Frau ***[109]*** ***[17]*** Mitarbeiterin der ***[8]*** ***[9]***. Eine Zurechnung der Umsätze
an die Beschwerdeführerin scheidet daher auch aus diesem Grund aus.
(33) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), unter der Überschrift
"Zum Bestellvorgang" führt die belangte Behörde weiter aus: „Fr. ***[109]*** ***[17]*** hat daraufhin
den Dünger bei den osteuropäischen Produzenten geordert und den Dünger
am Gelände der Firma ***[8]*** ***[9]*** in Polen gesammelt." Abgesehen davon, dass die
belangte Behörde nicht angibt, auf welches Beweismittel sie diese Feststellung stützt,
kann aus der Feststellung nicht abgeleitet werden, dass die Umsätze der Beschwerdeführerin
zuzurechnen sind. Die belangte Behörde behauptet bezeichnenderweise eben gerade nicht, dass Frau ***[109]*** ***[17]*** den Bestellvorgang im Namen und auf Rechnung
der Beschwerdeführerin gemacht hätte. Die belangte Behörde bietet für eine solche
allfällige Behauptung auch keinen wie immer gearteten Beweis.
(34) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), unter der Überschrift
„Zur Transportabwicklung" führt die belangte Behörde aus: „Bei sehr vielen dieser erstellten
Transportaufträge scheint die Fa. ***[1]*** VertriebsgesmbH mit ihren Standorten
in ***[3]*** und in ***[18]*** als Ablageort auf." Abgesehen davon, dass
auch für diese Behauptung auf kein Beweismittel Bezug genommen wird, ist die Behauptung
deshalb unrichtig, weil der Abladeort ***[3]*** für Abhollieferungen von
Landwirten, die sich in der Einkaufsgemeinschaft ***[117]*** zusammengeschlossen
haben, gewählt wurde, weil diese in der Nähe von ***[3]*** ansässig sind. Außerdem
gilt das nur in wenigen Ausnahmefällen für jene Transporte, bei denen für einzelne
Landwirte nur Kleinmengen transportiert wurden. Zur Erzielung eines niedrigen
Frachtpreises war es rentabler, Lieferungen, die für mehr als einen Landwirt bestimmt
waren, an einen gemeinsamen Abladeort zu bringen, als wenn der Spediteur von einem
Landwirt zum nächsten fährt.
(35) Aus der Liste der unterstellten Umsätze geht unter anderem auch der Gesamtbetrag,
den der einzelne Landwirt für Düngerlieferung an ***[8]*** ***[9]*** bezahlt hat, hervor. Je
nach Art des Düngers kostet eine Tonne zwischen € 400 und € 500 brutto. Nach der
Gesamtgewichtung der einzelnen Düngerarten kann man von einem kalkulatorischen
Durchschnittpreis von ca. € 430 Euro pro Tonne ausgehen. Ein LKW-Zug lädt bis zu
24 Tonnen (das sind ca. 40 Big Bags). Eine volle Ladung eines LKW-Zugs hat somit
einen Rechnungswert von etwa (430 x 24) € 10.320,00. Entgegen der Darstellung der
belangen Behörde im Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom 14.04.2015 erfolgte
nur eine geringe Anzahl von LKW-Lieferungen unter Nutzung des Lagerplatzes
der Beschwerdeführerin in ***[3]***. Man sieht auch aus den Beträgen und aus
den Lieferdaten, dass die weitaus überwiegende Zahl der Transporte Direktlieferungen
waren, weil Bestellungen von ein oder zwei, bis max drei Landwirten in der Regel bereits
einen vollen LKW ausmachen.
Beweis: Einvernahme ***[10]*** ***[11]***.
(36) Die belangte Behörde negiert in den Ausführungen in der Beilage 1 zum Bericht über
die Außenprüfung, Punkt 1.b), unter der Überschrift "Zur Transportabwicklung", dass
jede einzelne Einkaufsgemeinschaft einen Sprecher hat, der für die Mitglieder der Einkaufsgemeinschaft
tätig wird. Rechtlich ist das als Bevollmächtigung des Sprechers
der Einkaufsgemeinschaft durch jeweils jedes einzelne Mitglied der Einkaufsgemeinschaft
anzusehen. Aus der Behauptung der belangten Behörde, "Es ist somit auszuschließen,
dass die Landwirte selbst den Transport beauftragen", ist daher für den
Rechtsstandpunkt der belangten Behörde nichts zu gewinnen. Es bleibt jedem Landwirt
unbenommen, sich bei der Durchführung einer Abhollieferung eines Bevollmächtigten
zu bedienen, der für ihn den Transport und andere administrative Erledigungen
durchführt. Bezeichnenderweise hat die belangte Behörde im Sicherstellungsverfahren
nur den Sprecher der Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** vernommen, nicht aber die
Sprecher der anderen Einkaufsgemeinschaften.
Beweis: Einvernahme ***[113]*** ***[51]***, DI ***[111]*** ***[47]***, ***[10]*** ***[11]***, ***[114]*** ***[60]***.
(37) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), unter der Überschrift "
Zum Zahlungsvorgang" stellt die belangte Behörde insofern richtig fest, dass die Bezahlung
des Düngers auf ein österreichisches Konto der Bank Austria lautend auf ***[8]***
***[9]*** Sp.z.o.o. erfolgte. Aus diesem Vorgang jedoch abzuleiten, die diesbezüglichen
Umsätze seien der Beschwerdeführerin zuzurechnen, entbehrt jeder sachlichen und
rechtlichen Grundlage. Umsätze, die ohnedies im Betriebsvermögen der ***[8]*** ***[9]***
stattfinden, weil sie eben auf ein von ***[8]*** ***[9]*** gehaltenes Konto gelangen, dürfen
nicht der Beschwerdeführerin zugerechnet werden. Bezeichnenderweise kann die belangte
Behörde für ihren Standpunkt keine wie immer geartete plausible Begründung
bringen. Es handelt sich hier um einen reinen Willkürakt. Dass Herr ***[10]*** ***[11]*** auf diesem
Konto zeichnungsbefugt ist, ist selbstverständlich, ist er doch Geschäftsführer der
***[8]*** ***[9]***.
(38) Auf dem Konto bei der UniCredit Bank Austria AG mit der Nummer ***[7]***, lautend auf ***[10]*** ***[11]***, das dieser einigen Einkaufsgemeinschaften zur Verfügung ge
stellt hat, war ausschließlich ***[10]*** ***[11]*** zeichnungsberechtigt. Die Behauptung der belangten
Behörde, Frau Sonja ***[15]*** und Frau ***[109]*** ***[17]*** wären auf diesem Konto zeichnungsbefugt
gewesen ist daher unrichtig. Dieses Konto wurde außerdem etwa ein
Jahr bevor die ***[8]*** ***[9]*** gegründet wurde eröffnet. Das beweist die schon damals
bestandene Tätigkeit der Einkaufgemeinschaften, und dass diese unabhängig von ***[8]***
***[9]*** ist.
Beweis: Bestätigung der UniCredit Bank Austria AG vom 08.07.2015, Beilage ./10.
(39) In der rechtlichen Würdigung, Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung,
Punkt 1.c), werden im dritten Absatz aktenwidrig plötzlich folgende wesentliche Sachverhaltsannahmen
getätigt:
• „Im vorliegenden Fall wurden bei der Fa. ***[1]*** VertriebsgmbH von österreichischen
Landwirten Düngemittel bestellt."
• „Diese Düngemittel wurden über Transportauftrag der Fa. ***[1]*** VertriebsgmbH
von den Spediteuren bei der der Fa. ***[8]*** ***[9]*** Sp.zo.o in Polen abgeholt."
(40) Auf der Grundlage dieser aktenwidrigen Feststellungen werden dann die Abhollieferungen
der Landwirte der Beschwerdeführerin zugerechnet. Das ist rechtswidrig.
• Vielmehr geht es bei der ersten zentralen Frage, wer tritt als Lieferant auf, wer
nimmt Bestellungen entgegen und wer hat diesen Umsatz zu versteuern, um objektive
Merkmale. Solche objektiven Merkmale zu berücksichtigen fordern die
Richtlinie 2006/112/EG vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem
und das UStG. Diese objektiven Merkmale sind;
o Leistung und Gegenleistung und der innere Zusammenhang der beiden
Transaktionen.
o Leistender ist, wer im Außenverhältnis zur Leistung verpflichtet ist (
Mayr/Ungericht, USTG 944 § 1 Anm 4 mit weiteren Nachweisen: z.B. VwGH 24.6.2003, 2002/14/0134; detto
Windsteig in Melhard/Tumpel, UStG 2 § 1 Anmerkung 80 ff.) und
wer die Leistung im eigenen Namen erbringt (wobei ein Handeln auf
fremde Rechnung unbeachtlich wäre).
Das heißt, es kommt vor allem auf ein Handeln im Rahmen eines Unternehmens
und auf einen entsprechenden Außenauftritt im eigenen Namen
am Markt an, z.B. Werbung (Flugblatt) bei potentiellen Kunden, Entgegennahme
der Kunden-Bestellungen im eigenen Namen. Im gegenständlichen
Fall jedoch liegen Bestellungen vor, die explizit auf einen anderen
Lieferanten lauten, nämlich ***[8]*** ***[9]*** und die bei der Einkaufsgemeinschaft
zur Weiterleitung an ***[8]*** ***[9]*** abgegeben wird.
o Bestätigung der erhaltenen Bestellung und eigene Lieferbereitschaft, Abrechnung
der eigenen Leistung, Inkasso des Rechnungsbetrags als eigener
und nicht als fremder Erlös.
o All diese Aktivitäten in Zusammenhang mit den untersuchten Düngemittellieferungen
sind nie im Namen der Beschwerdeführerin erfolgt, sondern
immer nur im Namen und auf Rechnung der ***[8]*** ***[9]***. Die Beschwerdeführerin
hat keine Umsätze verheimlicht oder gar hinterzogen. Es waren
explizit Umsätze eines andern Unternehmens, nämlich der ***[8]*** ***[9]***.
• In der zweiten Frage geht es um eine zentrale aktenwidrige Sachverhaltsfeststellung,
nämlich um die Unterstellung, dass die Bestellung eines Transports von Polen
nach Österreich im eigenen Namen der Beschwerdeführerin erfolgte und somit
gleich auch um die Unterstellung eines Waren-Einkaufs der Beschwerdeführerin
bei ***[8]*** ***[9]***.
o Abgesehen davon, dass es keine Bestellungen von den gelieferten Waren
durch die Beschwerdeführerin bei ***[8]*** ***[9]*** gibt, sondern die Bestellungen
explizit und eigenhändig von den einzelnen Landwirten erfolgten,
lässt kein der Beschwerdeführerin bekanntes Beweismittel darauf schließen,
dass die Beschwerdeführerin Waren oder auch nur Transporte dieser
Waren von Polen nach Österreich im eigenen Namen bestellt hätte
und somit als Teil einer Lieferkette zu qualifizieren wäre. Sämtliche Ladeaufträge
wurden im Namen der Einkaufsgemeinschaften oder vom
Landwirt direkt erteilt, die Rechnungen der Spediteure lauteten auf die Einkaufsgemeinschaft, es ist keine Transportbestellung zu diesen Dün
gergeschäften bekannt, wo die Beschwerdeführerin als Leistungsempfänger aufschiene. (
Lediglich bei Ladeaufträgen der Einkaufsgemeinschaften ***[117]*** und ***[118]*** an LKW ***[34]*** (Polen)
gibt es Auftragsbestätigungen, wo zunächst sämtliche gegebenen Spezifikationen der Einkaufsgemeinschaft ü
bernommen werden, aber die beim Frächter systemmäßig hinterlegte ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. als Adressat
aufscheint. Es ist aber schon in den beschlagnahmten Unterlagen klar dokumentiert, dass es sich dabei nur
um einen nicht korrigierten Fehler des Frachtdienstleisters handelt, weil jede vorangehende Auftragserteilung
explizit im Namen der Einkaufsgemeinschaften erfolgte. Jede andere Schlussfolgerung wäre einseitig und
rechtswidrig. Alle anderen Bestätigungen und Rechnungen lauten auf die Einkaufsgemeinschaften.
)
o Auf der Grundlage dieser aktenwidrigen Feststellungen werden dann die
Abhollieferungen der Landwirte der Beschwerdeführerin zugerechnet.
o Darüber hinaus ist es auch unschlüssig, in der rechtlichen Würdigung,
Punkt 1 c) von Beilage 1, von innergemeinschaftlichem Erwerb zu sprechen
und dann im angefochtenen Bescheid, die Beträge der erklärten innergemeinschaftlichen
Erwerbe nicht entsprechend zu verändern.
o Ohne nachvollziehbare Sachverhaltsfeststellungen und eine entsprechende
rechtliche Begründung auf Basis des UStG und der Mehrwertsteuer-
Richtlinie 2006/112/EG (unter Berücksichtigung der dort geforderten
eigenständigen objektiven Merkmale für die Annahme einer Lieferung
von ***[8]*** ***[9]*** an die Beschwerdeführerin und von der Beschwerdeführerin
an die Landwirte) kann und wird diese Sichtweise der österreichischen
Finanzverwaltung auch in Polen keine korrespondierende Behandlung erfahren.
Aus der Sicht der ***[8]*** ***[9]*** führt die nicht nachvollziehbare Unterstellung
eines völlig anderen Kunden (nämlich der Beschwerdeführerin)
statt der bisher erklärten Inlandsumsätze in Polen, wegen der Abhollieferungen
von österreichischen Landwirten ohne UID Nummer, auch zu einer
vorhersehbaren Unmöglichkeit, die korrespondierende Steuerfreiheit
in Polen geltend machen zu können. Die ***[8]*** ***[9]*** hat nämlich keinen
ausreichender Buch- und kein Belegnachweis für eine Darstellung dieser
Geschäftsfälle den polnischen Steuerbehörden gegenüber im Sinne der
Sichtweise der belangten Behörde. Eine derartige Feststellung führt somit
zu einer rechtswidrigen Doppelbesteuerung. Es ist auch zu bedenken,
dass bei grenzüberschreitenden Sachverhalten nicht nur österreichische Rechtsnormen zu beachten sind, sondern eine rechtliche Beurtei
lung auch dem EU-Mehrwertsteuer-Recht jenseits der Binnenmarktgrenze
entsprechen muss, damit es zu einer richtlinienkonformen und konsistenten
Einmal-Besteuerung der Umsätze innerhalb des Binnenmarkts
kommt.
(41) Aus dem Verstehenden ergibt sich, dass ein Abgabenanspruch gegen die Beschwerdeführerin
nicht besteht.
(42) Außerdem war die belangte Behörde nicht bereit, die Beschwerdeführerin zu den oben
dargestellten Umständen, die alle schon aktenevident sind, ausreichend zu hören. Die
belangte Behörde hat nämlich der Beschwerdeführerin in der Schlussbesprechung
vom 08.04.2015 nicht die Möglichkeit gegeben, auf diese Sachverhaltsfeststellungen
innerhalb einer angemessenen Frist zu antworten. Mit dieser Vorgangsweise verletzt
die belangte Behörde die sich aus § 115 BAO ergebende Verpflichtung, die tatsächlichen
und rechtlichen Verhältnisse von Amts wegen zu vermitteln. § 115 Abs. 2 BAO
legt ausdrücklich fest, dass den Parteien Gelegenheit zur Geltendmachung ihrer Rechte
und rechtlichen Interessen zu geben ist. Mit dieser gesetzlichen Vorschrift wird der
Grundsatz des Parteiengehörs verankert. Literatur und Judikatur führen in diesem Zusammenhang
aus, dass der Grundsatz des Parteiengehörs auch in Abgabenverfahren "
zu den fundamentalen Grundsätzen des Rechtsstaats bzw. zu den allgemeinen Grundsätzen eines geordneten Verfahrens" gehört. (Ritz, BA03 §115 Tz 14.) Gemäß § 161 Abs. 3 BAO sind
dem Abgabenpflichtigen überdies, wenn von der Abgabenerklärung abgewichen werden
soll, wie im gegenständlichen Fall, die Punkte, in denen eine wesentliche Abweichung
zu seinen Ungunsten in Frage kommt, zur vorherigen Äußerung mitzuteilen.
Auch das ist im gegenständlichen Fall nicht erfolgt, weil der Beschwerdeführerin entgegen
ihrem Antrag in dar Schlussbesprechung vom 08.04.2015 nicht mehr Gelegenheit
geboten wurde, zu den umfangreichen Vorhaltungen der belangten Behörde innerhalb
einer angemessenen Frist Stellung zu nehmen.
(43) Aus allen diesen Gründen stellt die Beschwerdeführerin daher nachstehende
Anträge:
a) Gemäß § 262 Abs. 2 lit. a BAO keine Beschwerdevorentscheidung zu erlassen;
b) gemäß § 274 BAO auf Anberaumung einer mündlichen Verhandlung;
c) auf Abänderung des angefochtenen Bescheides dahingehend, dass die Bemessungsgrundlage
für die 20 %igen Umsätze für das Jahr 2013 gemäß der Erklärung,
Kennziffer 022, mit € 116.911,46 festgesetzt wird.
Beschwerde gegen den Umsatzsteuerfestsetzungsbescheid 8/2013 (OZ 2)
Mit Telefax vom 27. 7. 2015 erhob die Bf durch ihre rechtsfreundliche Vertreterin Beschwerde gegen den Umsatzsteuerfestsetzungsbescheid 8/2013 vom 21. 4. 2015:
In umseitig rubrizierter Abgabensache hat das Finanzamt Waldviertel unserer ausgewiesenen
Rechtsvertretung am 27.04.2015 den Bescheid vom 21 .04.2015, mit dem die Umsatzsteuer
für den Monat August 2013 festgesetzt wurde, zugestellt.
Mit Datum 27.05.2015 hat die Beschwerdeführerin einen Antrag auf Verlängerung der Frist
zur Einbringung der Beschwerde eingebracht. Mit Bescheid vom 29.05.2015, der Beschwerdeführerin
zuhanden deren ausgewiesenen Rechtsvertreterin zugestellt am
03.06.2015, wurde dem Ansuchen um Fristverlängerung stattgegeben und die Frist bis zum
27.07.2015 verlängert.
Innerhalb offener, verlängerter Frist erhebt die Beschwerdeführerin nachstehende
Beschwerde,
an das Bundesfinanzgericht und begründet sie wie folgt:
(1) Die Beschwerde richtet sich gegen den Bescheid der belangten Behörde vom
21.04.2015, mit dem die Umsatzsteuer für den Monat August 2013 festgesetzt wird (im Folgenden auch kurz angefochtener Bescheid).
Der Bescheid wird insofern angefochten, a
ls von der eingereichten Erklärung abgewichen wird und die Bemessungsgrundlage
für die 20 %ige Umsatzsteuer für den Monat August 2013 mit einem Betrag von
€ 17.604,03 und eine bisher vorgeschriebene Umsatzsteuer von € 67.289,28 festgesetzt
wurde und demzufolge die belangte Behörde zu einer Abgabennachforderung
von € 3.290,81 und nicht wie in der Erklärung zu einer Abgabengutschrift von
€ 67.289,28 kommt.
(2)
Zur Begründung des angefochtenen Bescheides verweist die belangte Behörde völlig
unpräzise und unzureichend darauf: „Die Festsetzung erfolgte unter Zugrundelegung
der Feststellungen der abgabenbehördlichen Prüfung, die der darüber aufgenommenen
Niederschrift bzw. dem Prüfungsbericht zu entnehmen sind."
(3) Die Beschwerdeführerin hat für ihre Umsätze im August 2013 die Umsatzsteuererklärung abgegeben.
Diese Umsatzsteuererklärung deklariert Lieferungen und Leistungen
von € 750.491,45. Dem gegenüber unterstellt die belangte Behörde im angefochtenen
Bescheid Lieferungen und Leistungen in einem Betrag von € 766.945,48. Die Beschwerdeführerin
kommt in ihrer Umsatzsteuererklärung zu einem Guthaben für den
Monat August 2013 von € 67.289,28, wohingegen die belangte Behörde eine Abgabennachforderung
an Umsatzsteuer von € 3.290,81 festlegt. Der angefochtene Bescheid
steht in einem inhaltlichen Zusammenhang mit dem Umsatzsteuerbescheid für
das gesamte Wirtschaftsjahr 2013, der von der Beschwerdeführerin gesondert mit Beschwerde
vom 24.07 .2015 angefochten wurde. Alle Einwendungen gegen die Umsatzsteuerfestsetzung
für das gesamte Wirtschaftsjahr 2013 werden daher auch gegen
den angefochtenen Bescheid erhoben und wie nachstehende detailliert ausgeführt.
Die weiteren Ausführungen in Rz 4 bis 10 entsprechen jener in der Beschwerde gegen den Umsatzsteuerfestsetzungsbescheid für Juli 2013.
(11)
Auf Seite 7 der Liste Beilage 2 zum Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom
14.04.2015 sind die von der belangten Behörde im angefochtenen Bescheid für August
2013 zugrunde gelegten Umsätze folgenden Landwirten zugeordnet.
| ***[71]*** Veronika
| ***[118]***
| ***[72]*** Johannes
| ***[118]***
| ***[73]*** Paul
| ***[117]***
| ***[74]*** Stefan
| ***[117]***
| ***[75]*** Anna
| ***[64]***
| ***[76]*** Robert
| ***[118]***
| ***[77]*** Karl
| ***[118]***
| ***[78]*** Thomas
| ***[117]***
| ***[78]*** Hermann
| ***[117]***
Aus obiger Tabelle ersieht man, dass eine Zuordnung zu den einzelnen Einkaufsgemeinschaften
vorgenommen wurde. Es fällt auf, dass die belangte Behörde einen Einkauf
der Landwirtin ***[75]*** Anna, die der Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** angehört,
als Umsatz der Beschwerdeführerin zugerechnet hat. Das ist besonders verfehlt,
hat doch die belangte Behörde zugestanden, dass jedenfalls die Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** besteht. Der angefochtene Bescheid ist also mindestens im Umfang der
Zurechnung des Umsatzes letzter Landwirtin rechtswidrig.
(12) Die Tatsache, dass die belangte Behörde nur die von der Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** getätigten Einkäufe nicht der Beschwerdeführerin zurechnet und diese aus
dem ursprünglichen Sicherstellungsauftrag vom 29.10.2013 über insgesamt
€ 210.775,00 - jedoch mit einem zu geringen Betrag - herausgerechnet hat, ist zwar
richtig, stellt aber eine unvollständige Erledigung dar. In der Schlussbesprechung vom
08.04.2015 hat die belangte Behörde zugestanden, dass die Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** „besteht". Ohne das zu begründen oder zu beweisen, hat sie das Bestehen
der anderen Einkaufsgemeinschaften jedoch verneint.
Die weiteren Ausführungen in Rz 13 bis 42 entsprechen jener in der Beschwerde gegen den Umsatzsteuerfestsetzungsbescheid für Juli 2013.
(43) Aus allen diesen Gründen stellt die Beschwerdeführerin daher nachstehende
Anträge:
a) Gemäß § 262 Abs. 2 lit. a BAO keine Beschwerdevorentscheidung zu erlassen;
b) gemäß § 274 BAO auf Anberaumung einer mündlichen Verhandlung;
c)
auf Abänderung des angefochtenen Bescheides dahingehend, dass die Bemessungsgrundlage
für die 20 %igen Umsätze für den Monat August 2013 gemäß
der Erklärung, Kennziffer 022, mit € 1.150,00 und erklärungsgemäß eine Abgabengutschrift
von € 67.289,28 festgesetzt wird.
Beilagen zu den Beschwerden
Folgende Beilagen zu den Beschwerden wurden vorgelegt (OZ 25):
./1 Fotodokumentation über Betriebsräumlichkeiten der ***[8]*** ***[9]*** (OZ 25, 1 ff)
Die Beilage enthält Fotos:
Foto eines Schilds, das darauf hinweist, dass ***[8_9]*** in der ul. ***[21]*** 17, "skład węgla" (= "Kohlenlager"), 200 m entfernt sei:
Fotos von Big-Bags mit Aufschriften betreffend Düngemittel
Foto einer Verladerampe mit herumliegenden Holzteilen
Fotos jeweils mehrerer Big-Bags aus unterschiedlichen Positionen
Foto einer Halle (ohne Hinweis auf ***[8_9]***), im Hintergrund mehrere Big-Bags
Foto einer Halle oder eines Büros (ohne Hinweis auf ***[8_9]***)
Foto eines Schreibtisches mit Computer samt Monitor und Drucker (ohne Hinweis auf ***[8_9]***)
./2 Konvolut Mietrechnungen (OZ 25, 13 ff)
Rechnungen von S.C. ***[82]*** Stanisława, ***[82]*** Marian, Olkusz an ***[8]*** ***[9]*** sp. Z.O.O., ***[24]***, über die Miete eines Magazins in ***[24]*** zu 2.090,00 netto bzw. 2.570,70 brutto monatlich.
./3 Konvolut Zahlungsbelege für Sozialversicherung (OZ 25, 23 ff)
Überweisungen der ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o., ***[24]***, an Zakład Ubezpieczeń Społecznych (Należności z tytułu składek) mit handschriftlichen Anmerkungen "Sozialversicherung und Lohnsteuer".
./4 Konvolut Telekomrechnungen (OZ 25, 32 ff)
Rechnungen von Telekomunikacja Polska S.A., Warszawa, an ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o, ***[24]***, betreffend Telekommunikationsdienste
./5 Erweiterte Liste (OZ 25, 41 ff)
Kundenliste mit Nummer, Datum, AdrNr, Zuname, Vorname, Straße, PLZ, Ort, "Benut", Netto EUR, MWSt EUR, Brutto EUR, mit Hervorhebungen und folgender Summierung:
[...]
./6 Flugblatt (OZ 25, 53 ff)
Auf Briefpapier der ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o., ***[24]***, Werbung vom August 2013:
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Die Ware hat handelsübliche Qualität, handelsübliche Körnung, ist trocken, kein Staubanteil, alle Big Bag haben ein Plastik-lnlet.
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Bitte verwenden Sie für Ihre Bestellung das beiliegende Formular, füllen Sie es aus und leiten sie es durch persönliche Abgabe bei Ihrer Einkaufsgemeinschaft oder auf dem Postweg oder E-Mail an uns weiter.
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ENDE: Diese Aktion ist befristet mit Montag, 09-09-2013 = letzter Tag, an dem Ihre Bestellung bei uns eingelangt sein muss! Die genannten Preise verlieren danach Ihre Gültigkeit!
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BEREITS BESTELLTE MENGEN AUS DIESER AKTION WERDEN AUTOMASCHISCH MIT DEM VERBILLIGTEN PREIS ABGERECHNET, PREISDIFFERENZEN WERDEN RÜCKÜBERWIESEN !
WEITERE AKTIONEN:
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Bestellte Mengen aus der gegenständlichen Aktion erhalten Sie jedoch Termingerecht bis Ende September 2013.
[...]
./7 Ausdruck von der Webseite der ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH (OZ 25, 55 ff)
[...]
./8 Firmenbuchauszug FN ***[70]*** k der ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH (OZ 25, 57 ff)
Firmenbuchauszug vom 16. 7. 2015 der ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH, ***[68]***
./9 Aufstellung über die Anmeldung von Frau ***[109]*** ***[17]*** bei ***[8]*** ***[9]*** und die gezahlten Gehälter sowie Sozialversicherungsbeiträge (OZ 25, 60)
Überschrift "***[8]*** ***[9]*** ***[109]*** ***[17]***", Gehaltsabrechnungen 8/2012 bis 8/2013:
[...]
./10 Bestätigung der UniCredit Bank Austria AG vom 8. 7. 2015 (OZ 25, 61)
Die UniCredit Bank Austria AG bestätigt mit Schreiben vom 8. 7. 2015 ***[10]*** ***[11]***, ***[37]***-***[38]***, dass dieser auf dem Girokonto Nr. ***[7]***, ltd. auf ***[11]*** ***[10]***, von der Eröffnung am 27. 8. 2010 bis zur Saldierung am 29. 1. 2015 allein zeichnungsberechtigt gewesen sei.
Arbeitsbogen Außenprüfung
Aus dem Arbeitsbogen der Außenprüfung (USO-Prüfung) lässt sich zum Beschwerdepunkt Geschäfte i. Z. m. der ***[8]*** ***[9]*** sp.z.oo ferner entnehmen (Vergabe von Ordnungsnummern durch das Gericht):
Arbeitsbogen Außenprüfung Band 1
Firmenbuch (AB 1/1)
Laut Firmenbuchauszug sind Gesellschafter der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. der Verein zur ***[121]*** ***[32]*** Österreichs (3%) und ***[10]*** ***[11]*** (97%), der auch Alleingeschäftsführer ist. ***[10]*** ***[11]*** ist auch Schriftführer-Stellvertreter des beteiligten Vereins. Obmann des Vereins ist ***[120]*** ***[79]***.
Grundbuch (AB 1/2)
Eigentümerin des Grundstücks in ***[3]***, ***[4]***, ist die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H.
Geschäfte der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. (AB 1/3)
Verschiedene Belege betreffen Exporte von Erdäpfeln, Zwiebeln, Karotten, usw. der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H.
***[8]*** ***[9]*** Spzoo (AB 2/1)
Die ***[8]*** ***[9]*** Sp. zo. o. ist mittlerweile - nach Klärung der Zuständigkeit - beim Finanzamt Wien 1/12 als Körperschaft des privaten Rechts steuerlich erfasst. Hierbei wird, so dem aktenkundigen Schriftverkehr zufolge, von einer Betriebsstätte in ***[3]*** (***[2]*** ***[3]***, ***[4]***) der ***[8]*** ***[9]*** Sp. zo. o. ausgegangen.
Firmendaten Polen (AB 2/2)
Laut Unterlagen (offenbar) aus dem polnischen Firmenbuch (auf Deutsch, offenkundig Automatenübersetzung) ist die im Oktober 2011 gegründete ***[8]*** ***[9]*** eine Aktiengesellschaft (polnisch spółka akcyjna, tatsächlich liegt eine spółka z ograniczoną odpowiedzialnością, die einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung entspricht, vor). Alleingesellschafter (Grundkapital 5.000,00 PLN) ist ***[10]*** ***[11]***, dem vertretungsbefugten "Board" gehören ***[10]*** ***[11]*** als "Vorsitzender des Board" und ***[120]*** ***[79]*** (d. i. der Obmann des Vereins zur ***[121]*** ***[32]*** Österreichs) als "Vizepräsident des Board" an. Beide sind jeweils einzelvertretungsbefugt. Adresse ist ***[23]*** ***[24]***, ul. ***[21]*** 17 ("***[80]*** Stadt Straße Hausnummer 17"). Unternehmensgegenstand ist unter anderem der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und mit chemischen Erzeugnissen.
Laut Unterlagen (offenbar) aus dem polnischen Firmenbuch (auf Deutsch, offenkundig Automatenübersetzung) ist die ebenfalls Oktober 2011 gegründete ***[42]*** ***[8]*** eine Aktiengesellschaft (polnisch spółka akcyjna, tatsächlich liegt eine spółka z ograniczoną odpowiedzialnością, die einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung entspricht, vor). Alleingesellschafter (Grundkapital 5.000,00 PLN) ist ***[10]*** ***[11]***, dem vertretungsbefugten "Board" gehören ***[10]*** ***[11]*** als "Vorsitzender des Board" und ***[120]*** ***[79]*** (d. i. der Obmann des Vereins zur ***[121]*** ***[32]*** Österreichs) als "Vizepräsident des Board" an. Beide sind jeweils einzelvertretungsbefugt. Adresse ist ***[23]*** ***[24]***, ul. ***[21]*** 17 ("***[80]*** Stadt Straße Hausnummer 17"). Unternehmensgegenstand ist unter anderem der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und mit chemischen Erzeugnissen.
Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** (AB 2/3)
***[110]*** ***[39]*** teilte dem Finanzamt mit E-Mail vom 16. 3. 2015 mit:
Wie bereits telefonisch zugesagt sende ich Ihnen eine Teilnehmerliste an Landwirten die in den vergangen Jahren über unsere Einkaufsgemeinschaft an verschiedenen Ausschreibungen teilgenommen haben.
Wir sind eine lose Gemeinschaft, eine Liste kann daher nie vollständig sein. (Maissaatgut, Düngermittel, Pflanzenschutzmittel)
Weiter's erhalten sie von mir eine Adressenliste welche Personen im Zeitraum 2012/2013 über unsere Einkaufsgemeinschaft Dünger bei der Firma ***[8]*** ***[9]*** bestellt haben.
Diese Liste wurde anhand der CMR welch mir als Kopie noch vorliegen erstellt!
Die angesprochenen Beilagen sind im Arbeitsbogen enthalten.
Stellungnahme vom 24. 1. 2014 (AB 2/4)
Im Finanzstrafverfahren gab ***[10]*** ***[11]*** durch seine damalige rechtsfreundliche Vertretung am 24. 1. 2014 eine Stellungnahme ab und stellte gegen einen näher bezeichneten Mitarbeiter des Finanzamts einen Ablehnungsantrag. Unter anderem wird ausgeführt:
Zu dem - nahezu an den Haaren herbeigezogenen - Vorwurf, die gegenständliche Handelstätigkeit mit Düngemitteln würde durch die Firma ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H., nicht jedoch durch die Firma ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. in Polen durchgeführt und abgewickelt werden, weshalb ein im Inland zu versteuernder Umstand vorliege, wird zunächst global darauf hingewiesen, dass es sich bei der Firma ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. um eine in Polen registrierte Kapitalgesellschaft mit eigener Infrastruktur handelt, welche ihre Tätigkeit ausschließlich von Polen aus abwickelt und ihre Umsätze auch in Polen versteuert.
Der Einschreiter wird demzufolge vorab auf die näheren Umstände, die Infrastruktur sowie die faktische Form, die lediglich lose und keine Rechtsperson darstellenden Einkaufsgemeinschaft, zu denen sich eine Vielzahl von Landwirten, nämlich Kunden der ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. zusammengeschlossen haben, um den Transport etc. zu organisieren, eingehen.
Aus den vorgelegten Urkunden sowie der nunmehrigen Stellungnahme ersichtlich ist, dass die Behörde lediglich krampfhaft versucht, nicht gegebene Umstände und Finanzstraftatbestände zu konstruieren, welche im Ergebnis nicht nur das Ansehen, sondern auch die Liquiditätssituation der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. (nicht zuletzt aufgrund der ungerechtfertigt einbehaltenen Vorsteuern) massiv beeinträchtigt, weshalb die ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. ebenso wie der Einschreiter nach Abschluss des gegenständlichen Verfahrens Amtshaftungsansprüche - diese nicht zuletzt auch aufgrund der tatsächlichen Vorgangsweise der Behörde - in die Wege leiten wird.
Im Einzelnen dazu:
1. ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o.:
Bei der ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. mit dem Sitz in ul. ***[21]*** 17, ***[23]*** ***[24]*** handelt es sich um eine polnische Kapitalgesellschaft deren Vorstandvorsitzender und alleiniger Gesellschafter Herr ***[10]*** ***[11]*** ist, der auch einzelvertretungsbefugter Geschäftsführer der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. ist, woraus sich zwar aus Sicht einer rechtlich nicht versierten Person faktische Überschneidungen ergeben mögen, welche jedoch rechtlich striktest von einander zu trennen sind.
Die Firma ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. erfüllt jedenfalls sämtliche Erfordernisse eines selbstständig und eigenständig agierenden Unternehmens, dessen Tätigkeitsbereich in rechtlicher Hinsicht strikt von jenem der ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. zu trennen ist, mögen zum Teil auch die agierenden Personen die selben sein, was bekanntlicherweise aber weder verboten, noch verpönt ist, noch Steuerpflicht in einem anderen Land auslöst.
Dazu im Einzelnen:
a. Bei der Firma ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. handelt es sich um eine im Handelsregister des Landesgerichtes Krakau registrierte Kapitalgesellschaft. Ein Firmenbuchauszug (Blg./1) wird unter einem vorgelegt.
b. Die ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. ist aufgrund eines Mietvertrages vom 14.07 .2012 Mieterin einer Lagerhalle mit 300 m2 sowie eines Lagerplatzes mit 200 m2. Eine Kopie des Mietvertrages in polnischer sowie in deutscher Sprache wird unter einem vorgelegt (Blg./2).
c. Aufgrund des umfangreichen Warenumsatzes sowie des Handels mit Landesprodukten besteht für das gegenständliche Objekt auch eine aufrechte Bündelversicherung (Gewerbeversicherung) bei der Generali Versicherung AG, zur Pol. Nr. ***[81]***. Alleine aus dem Umstand, dass das Objekt bei einem österreichischen Versicherer (aus patriotischen Gründen des Herrn ***[11]***) versichert ist, zeigt sich der internationale Bezug des Unternehmens, sodass die Vermutungen der Behörde noch absurder erscheinen.
Eine Kopie der Polizze wird unter einem vorgelegt (Blg./3).
d. Die ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. wird in Polen steuerlich veranlagt, hat dort eine Steuernummer, eine steuerliche Vertretung und gibt dort regelmäßig ihre Steuererklärungen ab. Bislang hat es seitens der Steuerbehörde niemals Beanstandungen gegeben, zumal die Steuerbehörde selbstredend davon ausgeht, dass es sich um in Polen zu behandelnde Umsätze handelt.
Hierzu werden nachstehende Urkunden unter einem vorgelegt:
Körperschaftssteuererklärung von 01 /2013 - 08/2013, Blg./4
Exemplarisch ein Konvolut von Umsatzsteuervoranmeldungen der Gesellschaft für die Monate August 2012 bis August 2013, Blg./5
Entsprechende weiterführende Auskünfte können gerne bei der Steuerbehörde in Polen eingeholt werden, bei der das Vorgehen der österreichischen Behörde ebenso Kopfschütteln verursacht, wie beim Einschreiter selbst.
e. Die ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. führt selbstredend eigene Geschäftskonten im eigenen Namen bei der UniCredit Bank Austria AG, sowie der bei der Bank Polska Opieki S.A., bei denen zum einen ausschließlich Herr ***[10]*** ***[11]***, zum anderen jedoch (Bank Polska Kasa Opieki S.A.) sowohl Herr ***[10]*** ***[11]*** wie auch Herr ***[120]*** ***[79]*** zeichnungsberechtigt sind.
Auch die diesbezüglichen Unterstellungen und Vorhalte der Behörde im Zuge der Einvernahme sind demzufolge schlicht und ergreifend unrichtig, wonach dem Einschreiter unterstellt wurde, dass auch andere Dienstnehmer zeichnungsberechtigt sind.
Die insoweit gezogenen Rückschlüsse sind also unrichtig.
Vorgelegt wird in diesem Zusammenhang eine Unterschriftsprobe des ***[10]*** ***[11]*** auf dem Konto der UniCredit Bank Austria AG(Blg./6), sowie die Zeichnungserklärung bei der Bank Polska Kasa Opieki S.A. (Blg./7).
f. Die ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. verfügt über ein eigenes Buchhaltungsprogramm und zwar sowohl für die Fakturierung wie auch für das Lagerwesen und die Warenwirtschaft, welches aber ebenfalls zulässigerweise in Österreich eingekauft wurde.
Hiezu vorgelegt werden die Rechnungen der Firma RZA Rechenzentrum ***123*** GmbH, Blg./8
g. Wie bereits dargelegt, ist neben einer Dienstnehmerin - diesbezügliche Auskünfte können bei der polnischen Behörde gerne eingeholt werden - auf Werksvertragsbasis auch Herr Lukasz ***[82]*** beschäftigt, der neben der Ausstellung der Auslieferungsdokumente für das Abladen und Beladen der Ware am Lager in ***[24]*** verantwortlich ist.
Der diesbezügliche Werkvertrag wird in polnischer Sprache sowie übersetzt vorgelegt (Blg./9).
h. Für die Verladung der Ware in ***[24]*** werden Formulare, ausgestellt durch den Werkunternehmern Lukasz ***[82]*** verwendet, wie diese beiliegend in deutscher Sprache unter einem ersichtlich sind. Auch daraus ableitbar ist, dass die Ware sehr wohl über ***[24]*** verladen wird. Vorgelegt wird in diesem Zusammenhang ein insoweit verwendetes Blankoformular (Blg./10).
i. Dass die ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. in Polen über die entsprechende Infrastruktur verfügt, ergibt sich aus den hiermit beigelegten Lichtbilderkonvolut, zeigend unter anderem auch die Lagerflächen, in denen etwa Düngemittel im Big Bags verpackt, ersichtlich sind.
Diese Lichtbilder werden als Blg ./11 vorgelegt.
Normen und Schlagworte
- § 1 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 2 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 3 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 3a UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 253 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 270 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 166 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 87 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 169 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 174 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 85 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 250 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- Art. 3 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- Art. 6 Abs. 1 Buchstabe b CMR, Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr, BGBl. Nr. 138/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7105311/2015
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2019:RV.7105311.2015
- Stammnummer
- 126394
- Gültig
- 03.10.2019 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF