Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7105311/2015
Lieferungen von Düngemitteln an österreichische Landwirte durch eine (österreichische) G.m.b.H. oder eine (polnische) sp. z o.o.?
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7105311/2015vom 03.10.2019Teil 3 von 12
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
seit 1998. Sprecher der Einkaufsgemeinschaft ist Herr ***[110]*** ***[39]***
in ***[62]*** ***[63]***, ***[64]*** 19.
Beweis:
Einvernahme ***[113]*** ***[51]***, DI ***[111]*** ***[47]***, ***[10]*** ***[11]***, ***[114]*** ***[60]***,
***[110]*** ***[39]***; als Zeugen, zu laden unter den oben angegebenen Anschriften.
(7) Bei der Beurteilung der Frage, ob die Einkaufsgemeinschaften bestehen oder nicht, hat
die belangte Behörde mehrere Zeugenaussagen gänzlich unberücksichtigt gelassen.
So etwa die des Landwirts Otmar ***[16]***, der am 09.04.2014 im Sicherstellungsverfahren
vernommen wurde und der ausdrücklich angegeben hat, dass er die Einkaufsgemeinschaft
***[117]***/***[118]*** kennt und dort Herr ***[11]*** sein Ansprechpartner
ist. Auch der Landwirt Othmar ***[65]***, einvernommen im Sicherstellungsverfahren am
11.12.2013, gibt an, dass er die Einkaufsgemeinschaft ***[117]***/***[118]*** kennt.
Ebenso bestätigt der Landwirt Franz ***[66]***, einvernommen im Sicherstellungsverfahren
am 11.12.2013, dass die Frachtkosten an die Einkaufsgemeinschaft ***[117]***/
***[118]*** gezahlt wurden. Aus allen diesen Aussagen ergibt sich, dass die Einkaufsgemeinschaften
***[117]*** und ***[118]*** bestehen und bei den Abholungen
der Landwirte auch eine tatsächliche Funktion haben.
(8) Dem Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom 14.04.2015 ist als Beilage 2
eine siebenseitige Liste angeschlossen. Die Liste enthält die Namen und Anschriften
all jener Landwirte, die Düngemittel eingekauft haben - und zwar aus der Sicht der Beschwerdeführerin
im Rahmen von Abhollieferungen bei ***[8]*** ***[9]*** - und die Umsätze,
die die belangte Behörde der Beschwerdeführerin zurechnen möchte. Die Liste ist
im Ergebnis unrichtig und keine taugliche Grundlage, die fraglichen Umsätze der Beschwerdeführerin
zuzurechnen. Sie ist vor allem deshalb unrichtig, weil sie keine Zuordnung
der einzelnen in der Beilage genannten Landwirte zu den einzelnen Einkaufsgemeinschaften
enthält.
(9) Die Beschwerdeführerin hat die Liste dahingehend erweitert, dass sie eine Zuordnung
der einzelnen genannten Landwirte zu den einzelnen Einkaufsgemeinschaften vorgenommen
hat. Zusätzlich hat die Beschwerdeführerin in diese erweiterte Liste alle Einkäufe
der Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** aufgenommen, denn diese fehlen in der
Beilage 2. Daraus ergibt sich auch die Differenz zwischen dem von der belangten Behörde
angenommenen Gesamtumsatz zu dem nun in der erweiterten Liste der Beschwerdeführerin
ausgewiesenen Gesamtvolumen.
(10) Aus der erweiterten Liste der Beschwerdeführerin ergibt sich, dass die Einkaufsge
meinschaft ***[115]*** Einkäufe von € 112.503, 19, das sind 8,97 % des Gesamtvolumens,
die Einkaufsgemeinschaft ***[116]*** Einkäufe von € 20.104,88, das sind 1 ,60 %
der Gesamtvolumens, die Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** Einkäufe von
€ 410.440, 12, das sind 32,72 % des Gesamtvolumens, die Einkaufsgemeinschaft
***[117]*** Einkäufe von € 347.175,56, das sind 27,67 % des Gesamtvolumens und
die Einkaufsgemeinschaft ***[118]*** Einkäufe von € 364.354,20, das sind 29,04 %
des Gesamtvolumens, getätigt haben.
Beweis: Erweiterte Liste, Beilage ./5.
(11) Die Tatsache, dass die belangte Behörde nur die von der Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** getätigten Einkäufe nicht der Beschwerdeführerin zurechnet und diese aus
dem ursprünglichen Sicherstellungsauftrag vom 29.10.2013 über insgesamt
€ 210.775,00 - jedoch mit einem zu geringen Betrag - herausgerechnet hat, ist zwar
richtig, stellt aber eine unvollständige Erledigung dar. In der Schlussbesprechung vom
08.04.2015 hat die belangte Behörde zugestanden, dass die Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** „besteht". Ohne das zu begründen oder zu beweisen, hat sie das Bestehen
der anderen Einkaufsgemeinschaften jedoch verneint.
(12) Einkaufsgemeinschaften gibt es in der österreichischen Landwirtschaft bereits seit vielen
Jahren, lange vor dem EU-Beitritt Österreichs. Ursprünglich waren sie gebildet
worden, um Landwirten außerhalb des heimischen Markts verbesserte Möglichkeiten,
vor allem bei Spritzmitteleinkäufen zu bieten. Für den gegenständlichen Fall besonders
relevant ist der Umstand, dass alle oben dargestellten Einkaufsgemeinschaften
viel älter sind als die ***[8]*** ***[9]***. Das beweist, dass die Einkaufsgemeinschaften ihre
Tätigkeit unabhängig von der ***[8]*** ***[9]*** und der Beschwerdeführerin ausüben.
(13) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.a), verweist die belangte
Behörde darauf, dass in einem offen einsehbaren Aktenschrank Buchhaltungsordner
lautend auf „Einkaufsgemeinschaft" wahrgenommen worden seien. Wenn es also tatsächlich Buchhaltungsunterlagen über die Einkaufsgemeinschaften gibt, ist es un
schlüssig, wenn die belangte Behörde nur die Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** als
bestehend annimmt, nicht jedoch die anderen.
(14) Wie derartige Abhollieferungen tatsächlich durchgeführt wurden, ergibt sich aus den
Flugblättern der ***[8]*** ***[9]***, mit denen sie für die Abhollieferungen geworben hat. Diese
Flugblätter befinden sich im Ordner „Diverse" der von der belangten Behörde beschlagnahmten
Geschäftsunterlagen. In den Flugblättern sind der Bestellvorgang und
die Abhollieferung detailliert beschrieben. Schon dort findet sich der Hinweis, dass das
Bestellformular vom einzelnen Landwirt an die Einkaufsgemeinschaft weitergeleitet
werden soll. Nirgendwo in den Flugblättern kommt die Beschwerdeführerin vor oder
wird auf sie Bezug genommen. Tatsächlich hat die Beschwerdeführerin keinen wie
immer gearteten eigenen Anteil an diesen Vorgängen. Zu keinem Zeitpunkt derarti
ger Bestellvorgänge und Abhollieferungen tritt die Beschwerdeführerin im eigenen
Namen und auf eigene Rechnung auf. Insbesondere bestellt die Beschwerdeführerin
auch den Dünger nicht bei den Produzenten. Das wird alles von ***[8]*** ***[9]*** in
Polen in deren eigenem Namen und auf deren eigene Rechnung durchgeführt.
Beweis: Flugblatt über 1. Düngeraktion 13/14, Beilage ./6.
(15) Entgegen der Darstellung der belangten Behörde in der Beilage 1 zum Bericht über die
Außenprüfung, Punkt 1.b), stellen sich die Bestell-, Liefer, und Bezahlvorgänge im gegenständlichen
Zusammenhang wie folgt dar:
• Im Bereich Düngemittel werden traditionell zu bestimmten Saisonzeiten von allen
wesentlichen Anbietern sogenannte Düngemittelaktionen durchgeführt. In diesen
Zeiten wurden auch von der ***[8]*** ***[9]*** Informationsmaterialien an die Landwirte
versandt. Die Sprecher der Einkaufsgemeinschaften erkundigen sich über Angebote
und Preise, vergleichen teilweise mit anderen Anbietern und informieren ihre
Mitglieder oder werden von diesen, telefonisch, mit Fax oder mündlich, kontaktiert.
Bei den Aussendungen der ***[8]*** ***[9]*** ist immer eine ganzseitige Erläuterung mit
klarer Aussage, dass nur gegen Selbstabholung mit 8 % polnischer Mehrwertsteuer verkauft wird und klarer Erläuterung, wie Bestellung und Verkaufsvorgang ab
laufen, dabei (Beilage ./6).
• Die Sprecher der Einkaufsgemeinschaften sind in Kontakt mit Frächtern und haben
die Fracht-Preislisten (Fixpreise abhängig von bestellter Tonnage, zu fahrenden
Kilometern und Anzahl der Abladepunkte) aufliegen und treffen eine Vorauswahl
der Frachtdienstleister.
• Eine Bestellung macht der Landwirt entweder selbst direkt, telefonisch, mit Fax
oder mündlich, bei der ***[8]*** ***[9]*** (z.B. Herr ***[113]*** ***[99]*** aus ***[101]*** ***[102]***,
***[119]*** 82, Einkaufsgemeinschaft ***[118]***) oder er wendet sich an
den Sprecher seiner Einkaufsgemeinschaft, der diese Bestellung in seinem Namen
weiterleitet, meist direkt an ***[8]*** ***[9]***, teilweise auch indirekt über die Einkaufsgemeinschaften
***[117]***, ***[118]***.
• Im geographischen Nahebereich (nicht aber in anderen Teilen Niederösterreichs)
der Beschwerdeführerin kam es auch vor, dass ausgefüllte Bestellscheine der ***[8]***
***[9]*** bei der Beschwerdeführerin zur Weiterleitung an ***[8]*** ***[9]*** abgegeben
wurden, weil dort auch die Einkaufsgemeinschaften ***[117]***, ***[118]*** in
Person des Herrn ***[10]*** ***[11]*** anzutreffen sind.
• Es wurden aber nie „die Bestellformulare im Büro bei der Fa ***[1]*** VertriebsgmbH"
abgegeben, wie die belangte Behörde auf Seite 1 unten von Beilage
1 zum Bericht über die Außenprüfung verkürzend und irreführend schreibt. Die
belangte Behörde verschweigt, dass es sich um Bestellformulare der ***[8]*** ***[9]***
handelt. Die Beschwerdeführerin hat im untersuchten Zeitraum nie Bestellungen
von Düngemittel entgegengenommen und schon gar nicht Lieferungen getätigt.
Die auf ***[8]*** ***[9]*** lautenden Bestellformulare wurden bloß physisch bei den Einkaufsgemeinschaften
***[117]***, ***[118]*** abgegeben.
• Sowohl bei der direkten als auch bei der indirekten Bestellung erhält der Landwirt
persönlich die Bestellbestätigung direkt von ***[8]*** ***[9]*** und ebenso er selbst oder die involvierte Einkaufsgemeinschaft eine spätere Mitteilung über Abholbereit
schaft.
• Über den Landwirt bei direkter Bestellung, sonst aber meist über den Sprecher der
Einkaufsgemeinschaft werden daraufhin die Frächter kontaktiert und sogenannte
Ladeaufträge erteil. Dort ist immer spezifiziert, wieviel von welchem Produkt für
welchen Landwirt abzuholen ist und wohin die Ladung gebracht werden soll. Dabei
ist zu unterscheiden zwischen direkter Lieferung für nur einen, zwei oder maximal
drei Landwirte und sogenannten Sammeltransporten für mehrere Landwirte.
Da mehr als zwei oder drei Abladepunkte den Transport über Gebühr verteuern
würden, hat man Abladepunkte vereinbart; entweder bei einem Landwirt mit entsprechenden
Ab- und Belademöglichkeiten oder den Lagerplatz der Beschwerdeführerin.
Die Einkaufsgemeinschaften als Organisatoren dieser Sammeltransporte
verständigen dann auch die betroffenen Landwirte, damit diese den Dünger vom
vereinbarten Abladepunkt abholen.
• Die Bezahlung der Waren erfolgt in allen Fällen über die bei den Bestellungen unterschriebenen
Einzugsermächtigungen zugunsten der ***[8]*** ***[9]*** auf deren österreichisches
Bankkonto. Die Bezahlung des Transports wird entweder vom Landwirt
direkt oder von der jeweiligen Einkaufsgemeinschaft gemacht. Diese sammeln
das Geld von den betreffenden Landwirten meist in bar ein. Die Einkaufsgemeinschaften
bekommen von den Frächtern zum jeweiligen Auftrag eine Rechnung.
Die Einkaufsgemeinschaften zahlen die Frächter in der Regel mittels Überweisung.
• Der Landwirt selbst unterschreibt bei der Warenübernahme den Transportschein
(CMR). Diese liegen in vielen Fällen bei den beschlagnahmten Unterlagen der ***[8]***
***[9]*** auf.
Beweis:
Einvernahme ***[113]*** ***[51]***, DI ***[111]*** ***[47]***, ***[10]*** ***[11]***, ***[114]*** ***[60]***,
***[110]*** ***[39]***, als Zeugen, zu laden unter den oben angegebenen Anschriften.
(16) Die Beschwerdeführerin hat im Wege der Akteneinsicht von den gesamten beschlagnahmten
Unterlagen Kopien bekommen. Die Kopien der beschlagnahmten Unterlagen
hat sie nach Einkaufsgemeinschaften und einzelnen Geschäftsfällen geordnet (die beschlagnahmten
Unterlagen sind weitgehend chronologisch geordnet). Die Beschwerdeführerin
wird die so neu geordneten Unterlagen (11 Ordner) zum Beweis für ihr gesamtes
Vorbringen in der mündlichen Verhandlung vorlegen. Auch daraus wird sich
ergeben, dass der Rechtsstandpunkt der belangten Behörde nicht aufrechterhalten
werden kann.
(17) Die Einkaufsgemeinschaften ***[117]***, ***[118]*** bzw. Herr ***[10]*** ***[11]*** als deren
Sprecher hat in dieser seiner Funktion bei der Transportbeauftragung teilweise auch
Mitarbeiter und Ressourcen der Beschwerdeführerin eingesetzt (z.B. Fax). Dies erfolgte
jedoch ohne vertragliche Grundlage und ohne Verrechnung. Das bedeutet aber
nicht, dass die Einkaufsgemeinschaften ***[117]***, ***[118]*** deshalb operativ negiert
und Bestellungen und erteilte Transportaufträge (im fremden Namen der Landwirte)
ohne weitere Begründung und Beweisführung uminterpretiert werden dürfen. Die
belangte Behörde ist sich bei ihrer Argumentation offenbar selbst nicht ganz so sicher,
hat sie doch kurz vor der Schlussbesprechung am 08.04.2015 Einkäufe der Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** aus der der Beschwerdeführerin zugerechneten Bemessungsgrundlage
herausgenommen. Das hätte aber ebenso für alle anderen Einkaufsgemeinschaften
erfolgen müssen.
(18) Es kann aus den obigen Umständen aber nicht interpretiert werden, dass die Beschwerdeführerin
diese Bestellungen und Lieferungen im eigenen Namen und somit
eigene Umsätze getätigt hätte. Es waren immer wirtschaftliche und rechtliche Beziehungen
zwischen der ***[8]*** ***[9]*** und den Landwirten. Für eine Zurechnung dieser
Umsätze an die Beschwerdeführerin fehlt jede tatsächliche und rechtliche Begründung
und es wird auch in der Bescheidbegründung zu diesem wesentlichen Punkt nichts
ausgeführt.
(19) Die Abholung der Ware wurde somit durch die Einkaufsgemeinschaften organisiert. Daher sind diese Abhollieferungen von österreichischen Landwirten ohne UID Nummer
als Umsätze der ***[8]*** ***[9]*** zuzurechnen, die in Polen zu versteuern sind. Eine andere
mehrwertsteuerliche Interpretation von etwa in Österreich steuerbaren Umsätzen
der ***[8]*** ***[9]*** wurde seitens der Behörde nicht erhoben. Die hingegen getätigte Zurechnung
an ein anderes Unternehmen, nämlich die Beschwerdeführerin, als deren Eigenumsatz
ist nicht nachvollziehbar.
(20) Landwirte können daher nicht sehr glaubwürdig vertreten, von Einkaufsgemeinschaften,
Transport und Selbstabholung nichts zu wissen, wie dies unkritisch und von der
belangten Behörde nicht hinterfragt in die Begründung aufgenommen wird (Beilage 1,
Seite 2 Mitte). Es ist keinesfalls „denkunmöglich" (Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung,
Seite 2, zweiter Absatz), sondern angesichts der Unterlagen ist es im
Rahmen der die belangte Behörde treffenden Pflicht zur Erforschung der materiellen
Wahrheit von Amts wegen(§ 115 Abs. 1 BAO) vielmehr zu hinterfragen, wie ein Landwirt
glaubhaft "nicht wissen kann", wie diese Düngemittel aus Polen abgeholt und fakturiert
werden, wenn er die genaue Ablauferläuterung bekommen hat (siehe Beilage
./6), die zuständige Einkaufsgemeinschaft den Transport von ihm einkassiert, er den
Transport bezahlt und er den CMR unterschreibt.
(21) Für eine Zurechnung der in der erweiterten Liste, Beilage ./5, ausgewiesenen Einkäufe
als Umsätze an die Beschwerdeführerin mangelt es an allen Voraussetzungen und gibt
es keinen Beweis. Insbesondere gibt es in den umfangreichen von der belangten Behörde
beschlagnahmten Geschäftsunterlagen keine einzige Faktura der Beschwerdeführerin
mit der einer dieser Einkäufe in Rechnung gestellt worden wäre und gibt es
auch keinen Zahlungsfluss dieser Umsätze in das Betriebsvermögen der Beschwerdeführerin.
Ganz im Gegenteil stammen alle Rechnungen in den beschlagnahmten Geschäftsunterlagen
von der ***[8]*** ***[9]*** und erfolgten alle Zahlungen auf diese Rechnungen
in das Betriebsvermögen der ***[8]*** ***[9]***. Es ist daher völlig unerfindlich, wieso die
belangte Behörde dazu kommt, derartige Umsätze der Beschwerdeführerin zuzurechnen
und nicht der ***[8]*** ***[9]***.
(22) Generell gilt für die Ausführungen der belangten Behörde im Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom 14.04.2015, dass die einzelnen Behauptungen immer äußerst
vage formuliert sind und insbesondere kein Bezug zu irgendeinem Beweismittel hergestellt
wird. Die Erledigungen der belangten Behörde enthalten keine schlüssige und
nachvollziehbare Begründung. Die Bedeutung der Begründung für das Rechtsstaatsprinzip
wird von der Lehre wie folgt betont:
"Erst die Begründung macht den Bescheid für den Abgabenpflichtigen nachvollziehbar
und kontrollierbar. Die Bescheidbegründung ist für einen effizienten
Rechtsschutz des Abgabepflichtigen von grundlegender Bedeutung: Der
Abgabepflichtige soll nicht rätseln müssen, warum ihm eine Abgabe vorgeschrieben wird." (
Beiser in Steuern3
, 257, zitiert aus Ritz, BA03 § 93 Tz 10).
(23) Wie Lehre und Rechtsprechung weiter betonen, ist ein zentrales Begründungselement
die Anführung des Sachverhalts, den die Behörde als erwiesen annimmt. Gefordert ist
dabei eine zusammenhängende Darstellung desselben. Diese kann durch den bloßen
Hinweis auf irgendwelches dem Abgabepflichtigen bekanntes Aktenmaterial nicht ersetzt werden. (Ritz BA03 § 93 Tz 11 und die dort zitierte Judikatur.) Genau letzteres liegt hier aber vor.
(24) Misst man die Begründung des angefochtenen Bescheides an den oben dargestellten
Erfordernissen ist evident, dass der angefochtene Bescheid und seine Begründung
diesen nicht entsprechen. Schon das allein belastet den angefochtenen Bescheid mit
Rechtswidrigkeit.
(25) Im Folgenden werden einzelne Punkte der insgesamt mangelhaften Begründung des
angefochtenen Bescheids dargestellt.
(26) Die Tatsache, dass bei der Nachschau am 11.09.2013, Beilage 1 zum Bericht über die
Außenprüfung, Punkt 1.a), dritter Absatz, in der Ausgangspost der Beschwerdeführerin
mit österreichischen Briefmarken frankierte Briefe der ***[8]*** ***[9]*** gefunden wurden, ist
kein ausreichender Grund, die grundsätzlich nicht in Österreich steuerbaren Düngemittel-
Umsätze der ***[8]*** ***[9]*** als solche der Beschwerdeführerin zu qualifizieren.
(27) Die Aussage der belangten Behörde in Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung,
Punkt 1.a), vorletzter Absatz, dass „viele Dokumente auf Briefpapier dar Fa ***[1]***
VertriebsgmbH gedruckt waren", ist falsch und irreführend. Tatsächlich handelt es sich
nur um einige interne Ausdrucke von Dokumenten und Unterlagen der ***[8]*** ***[9]***, die,
um Papier zu sparen, auf wiederverwendetem Papier der Beschwerdeführerin ausgedruckt
wurden.
(28) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), schreibt die belangte
Behörde: Die Landwirte wurden im Rahmen von Informationsveranstaltungen der Fa.
***[1]*** VertriebsgesmbH auf die Möglichkeit des Einkaufes von günstigem Dünger
aus Osteuropa aufmerksam gemacht." Diese Behauptung ist unrichtig. Bezeichnenderweise
kann die belangte Behörde dafür auch überhaupt kein Beweismittel anführen.
Aus dem Flugblatt Beilage ./6 ergibt sich gerade, dass die Beschwerdeführerin an den
genannten Vorgängen eben nicht im eigenen Namen und auf eigene Rechnung teilnimmt.
In Bezug auf die „Informationsveranstaltungen" dürfte die belangte Behörde
außerdem eine Fehlinformation verwerten. Die Beschwerdeführerin hat noch nie Informationsveranstaltungen
über den Bezug von Dünger aus Polen durchgeführt und
trat auch nie als Verkäuferin von Dünger aus Polen auf.
Beweis: Einvernahme ***[10]*** ***[11]***.
(29) Tatsächlich ist der Beschwerdeführerin bekannt, dass eine in ***[67]***
***[68]***
, ***[69]*** 1, ansässige Firma ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH, deren Unternehmensgegenstand der Vertrieb von Pflanzenschutzmitteln an Landwirte ist, regelmäßig Informationsveranstaltungen in der näheren und weiteren Umgebung des Sitzes der Beschwerdeführerin durchführt. Die Ähnlichkeit dieses Firmenwortlauts mit dem von ***[8]*** ***[9]*** dürfte zu Verwechslungen führen.
Beweis: Ausdruck von der Webseite der ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH, Beil
age ./7;
Firmenbuchauszug FN ***[70]*** k der ***[48]*** ***[8]*** Analyse und Handels GmbH,
Beilage ./8;
Einvernahme von Herrn ***[10]*** ***[11]***.
(30) Die belangte Behörde zitiert in der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung mehrfach
eine Frau ***[109]*** ***[17]***. Tatsächlich ist Frau ***[109]*** ***[17]*** eine Mitarbeiterin der ***[8]***
***[9]*** und war während des gesamten hier in Rede stehenden Zeitraums auch Angestellte
der Firma ***[8]*** ***[9]***. Richtig ist, dass sie auch in der Zeit vom 31 .01 .2013 bis
zum 22.03.2013, vom 08.04.2013 bis zum 07.05.2013 und vom 17.07.2013 bis
18.09.2013 bei der Beschwerdeführerin angestellt war. Das ist weder unzulässig, noch
ändert es etwas an der Tatsache, dass sie im Rahmen der gegenständlichen Abhollieferungen
für die ***[8]*** ***[9]*** tätig war. Eine Zurechnung der Umsätze an die Beschwerdeführerin
aus dem Grund, dass Frau ***[109]*** ***[17]*** in den Betriebsräumlichkeiten der Beschwerdeführerin
anwesend war, ist unzulässig und rechtlich verfehlt.
Beweis: Aufstellung über die Anmeldung von Frau ***[109]*** ***[17]*** bei ***[8]*** ***[9]*** und die
gezahlten Gehälter sowie Sozialversicherungsbeiträge, Beilage ./9.
(31) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), führt die belangte
Behörde unter der Überschrift "Zum Bestellvorgang" aus, dass die Bestellungen „von
Mitarbeitern der Fa. ***[1]*** VertriebsgesmbH (federführend dabei Fr. ***[109]*** ***[17]***)
aufgearbeitet wurden." Diese Behauptung ist ebenfalls unrichtig. Wie vorhin bewiesen
wurde, war Frau ***[109]*** ***[17]*** Mitarbeiterin der ***[8]*** ***[9]***. Eine Zurechnung der Umsätze
an die Beschwerdeführerin scheidet daher auch aus diesem Grund aus.
(32) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), unter der Überschrift
"Zum Bestellvorgang" führt die belangte Behörde weiter aus: „Fr. ***[109]*** ***[17]*** hat daraufhin
den Dünger bei den osteuropäischen Produzenten geordert und den Dünger
am Gelände der Firma ***[8]*** ***[9]*** in Polen gesammelt." Abgesehen davon, dass die
belangte Behörde nicht angibt, auf welches Beweismittel sie diese Feststellung stützt,
kann aus der Feststellung nicht abgeleitet werden, dass die Umsätze der Beschwerdeführerin
zuzurechnen sind. Die belangte Behörde behauptet bezeichnenderweise eben gerade nicht, dass Frau ***[109]*** ***[17]*** den Bestellvorgang im Namen und auf Rechnung
der Beschwerdeführerin gemacht hätte. Die belangte Behörde bietet für eine solche
allfällige Behauptung auch keinen wie immer gearteten Beweis.
(33) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), unter der Überschrift
„Zur Transportabwicklung" führt die belangte Behörde aus: „Bei sehr vielen dieser erstellten
Transportaufträge scheint die Fa. ***[1]*** VertriebsgesmbH mit ihren Standorten
in ***[3]*** und in ***[18]*** als Ablageort auf." Abgesehen davon, dass
auch für diese Behauptung auf kein Beweismittel Bezug genommen wird, ist die Behauptung
deshalb unrichtig, weil der Abladeort ***[3]*** für Abhollieferungen von
Landwirten, die sich in der Einkaufsgemeinschaft ***[117]*** zusammengeschlossen
haben, gewählt wurde, weil diese in der Nähe von ***[3]*** ansässig sind. Außerdem
gilt das nur in wenigen Ausnahmefällen für jene Transporte, bei denen für einzelne
Landwirte nur Kleinmengen transportiert wurden. Zur Erzielung eines niedrigen
Frachtpreises war es rentabler, Lieferungen, die für mehr als einen Landwirt bestimmt
waren, an einen gemeinsamen Abladeort zu bringen, als wenn der Spediteur von einem
Landwirt zum nächsten fährt.
(34) Aus der Liste der unterstellten Umsätze geht unter anderem auch der Gesamtbetrag,
den der einzelne Landwirt für Düngerlieferung an ***[8]*** ***[9]*** bezahlt hat, hervor. Je
nach Art des Düngers kostet eine Tonne zwischen € 400 und € 500 brutto. Nach der
Gesamtgewichtung der einzelnen Düngerarten kann man von einem kalkulatorischen
Durchschnittpreis von ca. € 430 Euro pro Tonne ausgehen. Ein LKW-Zug lädt bis zu
24 Tonnen (das sind ca. 40 Big Bags). Eine volle Ladung eines LKW-Zugs hat somit
einen Rechnungswert von etwa (430 x 24) € 10.320,00. Entgegen der Darstellung der
belangen Behörde im Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom 14.04.2015 erfolgte
nur eine geringe Anzahl von LKW-Lieferungen unter Nutzung des Lagerplatzes
der Beschwerdeführerin in ***[3]***. Man sieht auch aus den Beträgen und aus
den Lieferdaten, dass die weitaus überwiegende Zahl der Transporte Direktlieferungen
waren, weil Bestellungen von ein oder zwei, bis max drei Landwirten in der Regel bereits
einen vollen LKW ausmachen.
Beweis: Einvernahme ***[10]*** ***[11]***.
(35) Die belangte Behörde negiert in den Ausführungen in der Beilage 1 zum Bericht über
die Außenprüfung, Punkt 1.b), unter der Überschrift "Zur Transportabwicklung", dass
jede einzelne Einkaufsgemeinschaft einen Sprecher hat, der für die Mitglieder der Einkaufsgemeinschaft
tätig wird. Rechtlich ist das als Bevollmächtigung des Sprechers
der Einkaufsgemeinschaft durch jeweils jedes einzelne Mitglied der Einkaufsgemeinschaft
anzusehen. Aus der Behauptung der belangten Behörde, "Es ist somit auszuschließen,
dass die Landwirte selbst den Transport beauftragen", ist daher für den
Rechtsstandpunkt der belangten Behörde nichts zu gewinnen. Es bleibt jedem Landwirt
unbenommen, sich bei der Durchführung einer Abhollieferung eines Bevollmächtigten
zu bedienen, der für ihn den Transport und andere administrative Erledigungen
durchführt. Bezeichnenderweise hat die belangte Behörde im Sicherstellungsverfahren
nur den Sprecher der Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** vernommen, nicht aber die
Sprecher der anderen Einkaufsgemeinschaften.
Beweis: Einvernahme ***[113]*** ***[51]***, DI ***[111]*** ***[47]***, ***[10]*** ***[11]***, ***[114]*** ***[60]***.
(36) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.b), unter der Überschrift "
Zum Zahlungsvorgang" stellt die belangte Behörde insofern richtig fest, dass die Bezahlung
des Düngers auf ein österreichisches Konto der Bank Austria lautend auf ***[8]***
***[9]*** Sp.z.o.o. erfolgte. Aus diesem Vorgang jedoch abzuleiten, die diesbezüglichen
Umsätze seien der Beschwerdeführerin zuzurechnen, entbehrt jeder sachlichen und
rechtlichen Grundlage. Umsätze, die ohnedies im Betriebsvermögen der ***[8]*** ***[9]***
stattfinden, weil sie eben auf ein von ***[8]*** ***[9]*** gehaltenes Konto gelangen, dürfen
nicht der Beschwerdeführerin zugerechnet werden. Bezeichnenderweise kann die belangte
Behörde für ihren Standpunkt keine wie immer geartete plausible Begründung
bringen. Es handelt sich hier um einen reinen Willkürakt. Dass Herr ***[10]*** ***[11]*** auf diesem
Konto zeichnungsbefugt ist, ist selbstverständlich, ist er doch Geschäftsführer der
***[8]*** ***[9]***.
(37) Auf dem Konto bei der UniCredit Bank Austria AG mit der Nummer ***[7]***, lautend auf ***[10]*** ***[11]***, das dieser einigen Einkaufsgemeinschaften zur Verfügung ge
stellt hat, war ausschließlich ***[10]*** ***[11]*** zeichnungsberechtigt. Die Behauptung der belangten
Behörde, Frau Sonja ***[15]*** und Frau ***[109]*** ***[17]*** wären auf diesem Konto zeichnungsbefugt
gewesen ist daher unrichtig. Dieses Konto wurde außerdem etwa ein
Jahr bevor die ***[8]*** ***[9]*** gegründet wurde eröffnet. Das beweist die schon damals
bestandene Tätigkeit der Einkaufgemeinschaften, und dass diese unabhängig von ***[8]***
***[9]*** ist.
Beweis: Bestätigung der UniCredit Bank Austria AG vom 08.07.2015, Beilage ./10.
(38) In der rechtlichen Würdigung, Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung,
Punkt 1.c), werden im dritten Absatz aktenwidrig plötzlich folgende wesentliche Sachverhaltsannahmen
getätigt:
• „Im vorliegenden Fall wurden bei der Fa. ***[1]*** VertriebsgmbH von österreichischen
Landwirten Düngemittel bestellt."
• „Diese Düngemittel wurden über Transportauftrag der Fa. ***[1]*** VertriebsgmbH
von den Spediteuren bei der der Fa. ***[8]*** ***[9]*** Sp.zo.o in Polen abgeholt."
(39) Auf der Grundlage dieser aktenwidrigen Feststellungen werden dann die Abhollieferungen
der Landwirte der Beschwerdeführerin zugerechnet. Das ist rechtswidrig.
• Vielmehr geht es bei der ersten zentralen Frage, wer tritt als Lieferant auf, wer
nimmt Bestellungen entgegen und wer hat diesen Umsatz zu versteuern, um objektive
Merkmale. Solche objektiven Merkmale zu berücksichtigen fordern die
Richtlinie 2006/112/EG vom 28. November 2006 über das gemeinsame Mehrwertsteuersystem
und das UStG. Diese objektiven Merkmale sind;
o Leistung und Gegenleistung und der innere Zusammenhang der beiden
Transaktionen.
o Leistender ist, wer im Außenverhältnis zur Leistung verpflichtet ist (
Mayr/Ungericht, USTG 944 § 1 Anm 4 mit weiteren Nachweisen: z.B. VwGH 24.6.2003, 2002/14/0134; detto
Windsteig in Melhard/Tumpel, UStG 2 § 1 Anmerkung 80 ff.) und
wer die Leistung im eigenen Namen erbringt (wobei ein Handeln auf
fremde Rechnung unbeachtlich wäre).
Das heißt, es kommt vor allem auf ein Handeln im Rahmen eines Unternehmens
und auf einen entsprechenden Außenauftritt im eigenen Namen
am Markt an, z.B. Werbung (Flugblatt) bei potentiellen Kunden, Entgegennahme
der Kunden-Bestellungen im eigenen Namen. Im gegenständlichen
Fall jedoch liegen Bestellungen vor, die explizit auf einen anderen
Lieferanten lauten, nämlich ***[8]*** ***[9]*** und die bei der Einkaufsgemeinschaft
zur Weiterleitung an ***[8]*** ***[9]*** abgegeben wird.
o Bestätigung der erhaltenen Bestellung und eigene Lieferbereitschaft, Abrechnung
der eigenen Leistung, Inkasso des Rechnungsbetrags als eigener
und nicht als fremder Erlös.
o All diese Aktivitäten in Zusammenhang mit den untersuchten Düngemittellieferungen
sind nie im Namen der Beschwerdeführerin erfolgt, sondern
immer nur im Namen und auf Rechnung der ***[8]*** ***[9]***. Die Beschwerdeführerin
hat keine Umsätze verheimlicht oder gar hinterzogen. Es waren
explizit Umsätze eines andern Unternehmens, nämlich der ***[8]*** ***[9]***.
• In der zweiten Frage geht es um eine zentrale aktenwidrige Sachverhaltsfeststellung,
nämlich um die Unterstellung, dass die Bestellung eines Transports von Polen
nach Österreich im eigenen Namen der Beschwerdeführerin erfolgte und somit
gleich auch um die Unterstellung eines Waren-Einkaufs der Beschwerdeführerin
bei ***[8]*** ***[9]***.
o Abgesehen davon, dass es keine Bestellungen von den gelieferten Waren
durch die Beschwerdeführerin bei ***[8]*** ***[9]*** gibt, sondern die Bestellungen
explizit und eigenhändig von den einzelnen Landwirten erfolgten,
lässt kein der Beschwerdeführerin bekanntes Beweismittel darauf schließen,
dass die Beschwerdeführerin Waren oder auch nur Transporte dieser
Waren von Polen nach Österreich im eigenen Namen bestellt hätte
und somit als Teil einer Lieferkette zu qualifizieren wäre. Sämtliche Ladeaufträge
wurden im Namen der Einkaufsgemeinschaften oder vom
Landwirt direkt erteilt, die Rechnungen der Spediteure lauteten auf die Einkaufsgemeinschaft, es ist keine Transportbestellung zu diesen Dün
gergeschäften bekannt, wo die Beschwerdeführerin als Leistungsempfänger aufschiene. (
Lediglich bei Ladeaufträgen der Einkaufsgemeinschaften ***[117]*** und ***[118]*** an LKW ***[34]*** (Polen)
gibt es Auftragsbestätigungen, wo zunächst sämtliche gegebenen Spezifikationen der Einkaufsgemeinschaft ü
bernommen werden, aber die beim Frächter systemmäßig hinterlegte ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H. als Adressat
aufscheint. Es ist aber schon in den beschlagnahmten Unterlagen klar dokumentiert, dass es sich dabei nur
um einen nicht korrigierten Fehler des Frachtdienstleisters handelt, weil jede vorangehende Auftragserteilung
explizit im Namen der Einkaufsgemeinschaften erfolgte. Jede andere Schlussfolgerung wäre einseitig und
rechtswidrig. Alle anderen Bestätigungen und Rechnungen lauten auf die Einkaufsgemeinschaften.
)
o Auf der Grundlage dieser aktenwidrigen Feststellungen werden dann die
Abhollieferungen der Landwirte der Beschwerdeführerin zugerechnet.
o Darüber hinaus ist es auch unschlüssig, in der rechtlichen Würdigung,
Punkt 1 c) von Beilage 1, von innergemeinschaftlichem Erwerb zu sprechen
und dann im angefochtenen Bescheid, die Beträge der erklärten innergemeinschaftlichen
Erwerbe nicht entsprechend zu verändern.
o Ohne nachvollziehbare Sachverhaltsfeststellungen und eine entsprechende
rechtliche Begründung auf Basis des UStG und der Mehrwertsteuer-
Richtlinie 2006/112/EG (unter Berücksichtigung der dort geforderten
eigenständigen objektiven Merkmale für die Annahme einer Lieferung
von ***[8]*** ***[9]*** an die Beschwerdeführerin und von der Beschwerdeführerin
an die Landwirte) kann und wird diese Sichtweise der österreichischen
Finanzverwaltung auch in Polen keine korrespondierende Behandlung erfahren.
Aus der Sicht der ***[8]*** ***[9]*** führt die nicht nachvollziehbare Unterstellung
eines völlig anderen Kunden (nämlich der Beschwerdeführerin)
statt der bisher erklärten Inlandsumsätze in Polen, wegen der Abhollieferungen
von österreichischen Landwirten ohne UID Nummer, auch zu einer
vorhersehbaren Unmöglichkeit, die korrespondierende Steuerfreiheit
in Polen geltend machen zu können. Die ***[8]*** ***[9]*** hat nämlich keinen
ausreichender Buch- und kein Belegnachweis für eine Darstellung dieser
Geschäftsfälle den polnischen Steuerbehörden gegenüber im Sinne der
Sichtweise der belangten Behörde. Eine derartige Feststellung führt somit
zu einer rechtswidrigen Doppelbesteuerung. Es ist auch zu bedenken,
dass bei grenzüberschreitenden Sachverhalten nicht nur österreichische Rechtsnormen zu beachten sind, sondern eine rechtliche Beurtei
lung auch dem EU-Mehrwertsteuer-Recht jenseits der Binnenmarktgrenze
entsprechen muss, damit es zu einer richtlinienkonformen und konsistenten
Einmal-Besteuerung der Umsätze innerhalb des Binnenmarkts
kommt.
(40) Aus dem Verstehenden ergibt sich, dass ein Abgabenanspruch gegen die Beschwerdeführerin
nicht besteht.
(41) Außerdem war die belangte Behörde nicht bereit, die Beschwerdeführerin zu den oben
dargestellten Umständen, die alle schon aktenevident sind, ausreichend zu hören. Die
belangte Behörde hat nämlich der Beschwerdeführerin in der Schlussbesprechung
vom 08.04.2015 nicht die Möglichkeit gegeben, auf diese Sachverhaltsfeststellungen
innerhalb einer angemessenen Frist zu antworten. Mit dieser Vorgangsweise verletzt
die belangte Behörde die sich aus § 115 BAO ergebende Verpflichtung, die tatsächlichen
und rechtlichen Verhältnisse von Amts wegen zu vermitteln. § 115 Abs. 2 BAO
legt ausdrücklich fest, dass den Parteien Gelegenheit zur Geltendmachung ihrer Rechte
und rechtlichen Interessen zu geben ist. Mit dieser gesetzlichen Vorschrift wird der
Grundsatz des Parteiengehörs verankert. Literatur und Judikatur führen in diesem Zusammenhang
aus, dass der Grundsatz des Parteiengehörs auch in Abgabenverfahren "
zu den fundamentalen Grundsätzen des Rechtsstaats bzw. zu den allgemeinen Grundsätzen eines geordneten Verfahrens" gehört. (Ritz, BA03 §115 Tz 14.) Gemäß § 161 Abs. 3 BAO sind
dem Abgabenpflichtigen überdies, wenn von der Abgabenerklärung abgewichen werden
soll, wie im gegenständlichen Fall, die Punkte, in denen eine wesentliche Abweichung
zu seinen Ungunsten in Frage kommt, zur vorherigen Äußerung mitzuteilen.
Auch das ist im gegenständlichen Fall nicht erfolgt, weil der Beschwerdeführerin entgegen
ihrem Antrag in dar Schlussbesprechung vom 08.04.2015 nicht mehr Gelegenheit
geboten wurde, zu den umfangreichen Vorhaltungen der belangten Behörde innerhalb
einer angemessenen Frist Stellung zu nehmen.
(42) Aus allen diesen Gründen stellt die Beschwerdeführerin daher nachstehende
Anträge:
a) Gemäß § 262 Abs. 2 lit. a BAO keine Beschwerdevorentscheidung zu erlassen;
b) gemäß § 274 BAO auf Anberaumung einer mündlichen Verhandlung;
c) auf Abänderung des angefochtenen Bescheides dahingehend, dass die Bemessungsgrundlage
für die 20 %igen Umsätze für das Jahr 2013 gemäß der Erklärung,
Kennziffer 022, mit € 203.811,82 festgesetzt wird.
Beschwerde gegen den Umsatzsteuerfestsetzungsbescheid 7/2013 (OZ 3)
Mit Telefax vom 24. 7. 2015 erhob die Bf durch ihre rechtsfreundliche Vertreterin Beschwerde gegen den Umsatzsteuerfestsetzungsbescheid 7/2013 vom 21. 4. 2015:
In umseitig rubrizierter Abgabensache hat das Finanzamt Waldviertel unserer ausgewiesenen
Rechtsvertretung am 27.04.2015 den Bescheid vom 21 .04.2015, mit dem die Umsatzsteuer
für den Monat Juli 2013 festgesetzt wurde, zugestellt.
Mit Datum 27.05.2015 hat die Beschwerdeführerin einen Antrag auf Verlängerung der Frist
zur Einbringung der Beschwerde eingebracht. Mit Bescheid vom 29.05.2015, der Beschwerdeführerin
zuhanden deren ausgewiesenen Rechtsvertreterin zugestellt am
03.06.2015, wurde dem Ansuchen um Fristverlängerung stattgegeben und die Frist bis zum
27.07.2015 verlängert.
Innerhalb offener, verlängerter Frist erhebt die Beschwerdeführerin nachstehende
Beschwerde,
an das Bundesfinanzgericht und begründet sie wie folgt:
(1) Die Beschwerde richtet sich gegen den Bescheid der belangten Behörde vom
21.04.2015, mit dem die Umsatzsteuer für den Monat Juli 2013 festgesetzt wird (im Folgenden auch kurz angefochtener Bescheid).
Der Bescheid wird insofern angefochten,
als von der eingereichten Erklärung abgewichen wird und die Bemessungsgrundlage fü
r die 20 %ige Umsatzsteuer für den Monat Juli 2013 mit einem Betrag von
€ 27.644, 17 und eine bisher vorgeschriebene Umsatzsteuer von € 116.911,46 festgesetzt
wurde und demzufolge die belangte Behörde zu einer Abgabennachforderung
von € 284,93 und nicht wie in der Erklärung zu einer Abgabengutschrift von
€ 116.911,46 kommt.
(2)
Zur Begründung des angefochtenen Bescheides verweist die belangte Behörde völlig
unpräzise und unzureichend darauf: „Die Festsetzung erfolgte unter Zugrundelegung
der Feststellungen der abgabenbehördlichen Prüfung, die der darüber aufgenommenen
Niederschrift bzw. dem Prüfungsbericht zu entnehmen sind."
(3) Die Beschwerdeführerin hat für ihre Umsätze im Juli 2013 die Umsatzsteuererklärung abgegeben.
Diese Umsatzsteuererklärung deklariert Lieferungen und Leistungen von
€ 352.189,88. Dem gegenüber unterstellt die belangte Behörde im angefochtenen Bescheid
Lieferungen und Leistungen in einem Betrag von € 353.614,56. Die Beschwerdeführerin
kommt in ihrer Umsatzsteuererklärung zu einem Guthaben für den Monat
Juli 2013 von € 116.911,46, wohingegen die belangte Behörde eine Abgabennachforderung
an Umsatzsteuer von € 284,93 festlegt. Der angefochtene Bescheid steht in
einem inhaltlichen Zusammenhang mit dem Umsatzsteuerbescheid für das gesamte
Wirtschaftsjahr 2013, der von der Beschwerdeführerin gesondert mit Beschwerde vom
24.07.2015 angefochten wurde. Alle Einwendungen gegen die Umsatzsteuerfestsetzung
für das gesamte Wirtschaftsjahr 2013 werden daher auch gegen den angefochtenen
Bescheid erhoben und wie nachstehende detailliert ausgeführt.
(4) Im Zuge des gegen die Beschwerdeführerin und deren Geschäftsführer, Herrn ***[10]***
***[11]***, geführten abgabenrechtlichen Verfahrens wurden in den Geschäftsräumlichkeiten
der Beschwerdeführerin Geschäftsunterlagen der Firma ***[8]*** ***[9]*** Sp.z.o.o. im
Umfang von 13 Ordnern beschlagnahmt. Aus den in den beschlagnahmten Geschäftsunterlagen
dokumentierten Geschäftsfällen leitet die belangte Behörde ab, dass
diese Geschäftsfälle - Verkäufe von Düngemitteln an Landwirte - der Beschwerdeführerin
zuzurechnen sind und somit die Beschwerdeführerin Umsätze getätigt hätte, die
sie bisher nicht deklariert hat. Das ist rechtsirrig und wird durch die bereits vorliegenden
und vorzulegenden Beweismittel widerlegt.
(5) Aus den beschlagnahmten Geschäftsunterlagen ergibt sich aber bei einer objektiven
und unbefangenen Betrachtung und Wertung der Unterlagen gerade das Gegenteil,
nämlich, dass jedenfalls gegenüber der Beschwerdeführerin kein Abgabenanspruch
besteht.
(6) Zunächst stellt die Beschwerdeführerin die im gegenständlichen Fall handelnden Personen
dar:
• ***[8]*** ***[9]*** Sp.zo.o.:
Das Unternehmen wurde im Sommer 2011 gegründet und hat seinen Sitz in
ul. ***[21]*** 17, PL***[23]*** ***[24]***, Polen. Alleiniger Gesellschafter und einziger
Geschäftsführer dieses Unternehmens ist Herr ***[10]*** ***[11]***. Bei diesem Unternehmen
handelt es sich keinesfalls nur um eine Briefkastenfirma, wie die belangte
Behörde vielleicht unterstellen mag, sondern um ein lebendes Unternehmen
mit einer unternehmerischen Substanz. ***[8]*** ***[9]*** Sp.zo.o. (im Folgenden
kurz ***[8]*** ***[9]***) hat umfangreiche Betriebsräumlichkeiten angemietet. Sie beschäftigt
Dienstnehmer, zahlt dafür Sozialversicherungsbeiträge, hat zwei Bankkonten
bei der polnischen Niederlassung der UniCredit Bank Austria, ein EuroKonto
und ein Zloty-Konto, und ein Euro-Konto bei der UniCredit Bank Austria in
Österreich sowie eigene Telefonnummern.
Beweis:
Fotodokumentation über Betriebsräumlichkeiten der ***[8]*** ***[9]***, Beilage ./1;
Konvolut Mietrechnungen, Beilage ./2;
Konvolut Zahlungsbelege für Sozialversicherung, Beilage ./3;
Konvolut Telekomrechnungen, Beilage ./4;
Herr ***[10]*** ***[11]*** als Zeuge.
• ***[1]*** Vertriebsges.m.b.H.:
Das Unternehmen hat seinen Sitz in ***[4]***, ***[2]*** ***[3]***,
und ist zur Zahl FN ***[50]***w des Firmenbuchs des Landesgerichts Krems an der
Donau protokolliert. Mehrheitsgesellschafter ist Herr ***[10]*** ***[11]***, der auch einziger
Geschäftsführer ist. Die Betriebsanlagen am Sitz des Unternehmens sind der
belangten Behörde bekannt. Dass es sich dabei um ein lebendes Unternehmen
handelt dürfte außer Streit stehen, das muss nicht weiter bewiesen werden.
Beweis:
Einvernahme des Herrn ***[10]*** ***[11]***.
• Einkaufsgemeinschaften:
Entgegen der Behauptung der belangten Behörde in der Besprechungsgrund
lage vom 07.04.2015 und dem Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung
vom 14.04.2015 wurden die hier verfahrensgegenständlichen Umsätze mit
Düngemitteln nicht von der Beschwerdeführerin getätigt und sind dieser auch
nicht zuzurechnen. Vielmehr handelt es sich um Abhollieferungen einzelner
Landwirte. Die einzelnen Landwirte sind in losen Einkaufsgemeinschaften,
die keine Rechtspersönlichkeit haben, organisiert. Es gibt folgende Einkaufsgemeinschaften:
o Einkaufsgemeinschaft ***[115]***
Die Einkaufsgemeinschaft ***[115]*** besteht seit 1999. Sprecher der
Einkaufsgemeinschaft ist Herr ***[113]*** ***[51]***, Landwirt in ***[52]*** ***[53]***, ...
, ***[54]*** 9.
o Einkaufsgemeinschaft ***[116]***
Die Einkaufsgemeinschaft ***[116]*** besteht seit 1999. Sprecher der
Einkaufsgemeinschaft ist Herr DI ***[111]*** ***[47]*** in ***[55]*** 30,
***[56]*** ***[57]***.
o Einkaufsgemeinschaft ***[117]***
Die Einkaufsgemeinschaft ***[117]*** besteht seit 2002. Sprecher der
Einkaufsgemeinschaft ist Herr ***[10]*** ***[11]*** in ***[58]*** 27, ***[59]*** ***[37]***-
***[38]***.
o Einkaufsgemeinschaft ***[118]***
Die Einkaufsgemeinschaft ***[118]*** besteht seit 2002. Sprecher der
Einkaufsgemeinschaft ist Herr ***[114]*** ***[60]***, ***[61]*** 54, ***[59]***
***[18]***.
o Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** (vormals ***[112]***)
Die Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** (vormals ***[112]***) besteht
seit 1998. Sprecher der Einkaufsgemeinschaft ist Herr ***[110]*** ***[39]***
in ***[62]*** ***[63]***, ***[64]*** 19.
Beweis:
Einvernahme ***[113]*** ***[51]***, DI ***[111]*** ***[47]***, ***[10]*** ***[11]***, ***[114]*** ***[60]***,
***[110]*** ***[39]***; als Zeugen, zu laden unter den oben angegebenen Anschriften.
(7) Bei der Beurteilung der Frage, ob die Einkaufsgemeinschaften bestehen oder nicht, hat
die belangte Behörde mehrere Zeugenaussagen gänzlich unberücksichtigt gelassen.
So etwa die des Landwirts Otmar ***[16]***, der am 09.04.2014 im Sicherstellungsverfahren
vernommen wurde und der ausdrücklich angegeben hat, dass er die Einkaufsgemeinschaft
***[117]***/***[118]*** kennt und dort Herr ***[11]*** sein Ansprechpartner
ist. Auch der Landwirt Othmar ***[65]***, einvernommen im Sicherstellungsverfahren am
11.12.2013, gibt an, dass er die Einkaufsgemeinschaft ***[117]***/***[118]*** kennt.
Ebenso bestätigt der Landwirt Franz ***[66]***, einvernommen im Sicherstellungsverfahren
am 11.12.2013, dass die Frachtkosten an die Einkaufsgemeinschaft ***[117]***/
***[118]*** gezahlt wurden. Aus alten diesen Aussagen ergibt sich, dass die Einkaufsgemeinschaften
***[117]*** und ***[118]*** bestehen und bei den Abholungen
der Landwirte auch eine tatsächliche Funktion haben.
(8) Dem Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom 14.04.2015 ist als Beilage 2
eine siebenseitige Liste angeschlossen. Die Liste enthält die Namen und Anschriften
all jener Landwirte, die Düngemittel eingekauft haben - und zwar aus der Sicht der Beschwerdeführerin
im Rahmen von Abhollieferungen bei ***[8]*** ***[9]*** - und die Umsätze,
die die belangte Behörde der Beschwerdeführerin zurechnen möchte. Die Liste ist
im Ergebnis unrichtig und keine taugliche Grundlage, die fraglichen Umsätze der Beschwerdeführerin
zuzurechnen. Sie ist vor allem deshalb unrichtig, weil sie keine Zuordnung
der einzelnen in der Beilage genannten Landwirte zu den einzelnen Einkaufsgemeinschaften
enthält.
(9) Die Beschwerdeführerin hat die Liste dahingehend erweitert, dass sie eine Zuordnung
der einzelnen genannten Landwirte zu den einzelnen Einkaufsgemeinschaften vorgenommen
hat. Zusätzlich hat die Beschwerdeführerin in diese erweiterte Liste alle Einkäufe
der Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** aufgenommen, denn diese fehlen in der
Beilage 2. Daraus ergibt sich auch die Differenz zwischen dem von der belangten Behörde
angenommenen Gesamtumsatz zu dem nun in der erweiterten Liste der Beschwerdeführerin
ausgewiesenen Gesamtvolumen.
(10) Aus der erweiterten Liste der Beschwerdeführerin ergibt sich, dass die Einkaufsge
meinschaft ***[115]*** Einkäufe von € 112.503, 19, das sind 8,97 % des Gesamtvolumens,
die Einkaufsgemeinschaft ***[116]*** Einkäufe von € 20.104,88, das sind 1 ,60 %
der Gesamtvolumens, die Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** Einkäufe von
€ 410.440, 12, das sind 32,72 % des Gesamtvolumens, die Einkaufsgemeinschaft
***[117]*** Einkäufe von € 347.175,56, das sind 27,67 % des Gesamtvolumens und
die Einkaufsgemeinschaft ***[118]*** Einkäufe von € 364.354,20, das sind 29,04 %
des Gesamtvolumens, getätigt haben.
Beweis: Erweiterte Liste, Beilage ./5.
(11)
Auf Seite 7 der Liste Beilage 2 zum Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom
14.04.2015 sind die von der belangten Behörde im angefochtenen Bescheid für Juli
2013 zugrunde gelegten Umsätze den Landwirten ***[114]*** ***[60]*** und Willibald ***[148]***
zugeordnet. Beide gehören zur Einkaufsgemeinschaft ***[118]***.
(12) Die Tatsache, dass die belangte Behörde nur die von der Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** getätigten Einkäufe nicht der Beschwerdeführerin zurechnet und diese aus
dem ursprünglichen Sicherstellungsauftrag vom 29.10.2013 über insgesamt
€ 210.775,00 - jedoch mit einem zu geringen Betrag - herausgerechnet hat, ist zwar
richtig, stellt aber eine unvollständige Erledigung dar. In der Schlussbesprechung vom
08.04.2015 hat die belangte Behörde zugestanden, dass die Einkaufsgemeinschaft
***[64]*** „besteht". Ohne das zu begründen oder zu beweisen, hat sie das Bestehen
der anderen Einkaufsgemeinschaften jedoch verneint.
(13) Einkaufsgemeinschaften gibt es in der österreichischen Landwirtschaft bereits seit vielen
Jahren, lange vor dem EU-Beitritt Österreichs. Ursprünglich waren sie gebildet
worden, um Landwirten außerhalb des heimischen Markts verbesserte Möglichkeiten,
vor allem bei Spritzmitteleinkäufen zu bieten. Für den gegenständlichen Fall besonders
relevant ist der Umstand, dass alle oben dargestellten Einkaufsgemeinschaften
viel älter sind als die ***[8]*** ***[9]***. Das beweist, dass die Einkaufsgemeinschaften ihre
Tätigkeit unabhängig von der ***[8]*** ***[9]*** und der Beschwerdeführerin ausüben.
(14) In der Beilage 1 zum Bericht über die Außenprüfung, Punkt 1.a), verweist die belangte
Behörde darauf, dass in einem offen einsehbaren Aktenschrank Buchhaltungsordner
lautend auf „Einkaufsgemeinschaft" wahrgenommen worden seien. Wenn es also tatsächlich Buchhaltungsunterlagen über die Einkaufsgemeinschaften gibt, ist es un
schlüssig, wenn die belangte Behörde nur die Einkaufsgemeinschaft ***[64]*** als
bestehend annimmt, nicht jedoch die anderen.
(15) Wie derartige Abhollieferungen tatsächlich durchgeführt wurden, ergibt sich aus den
Flugblättern der ***[8]*** ***[9]***, mit denen sie für die Abhollieferungen geworben hat. Diese
Flugblätter befinden sich im Ordner „Diverse" der von der belangten Behörde beschlagnahmten
Geschäftsunterlagen. In den Flugblättern sind der Bestellvorgang und
die Abhollieferung detailliert beschrieben. Schon dort findet sich der Hinweis, dass das
Bestellformular vom einzelnen Landwirt an die Einkaufsgemeinschaft weitergeleitet
werden soll. Nirgendwo in den Flugblättern kommt die Beschwerdeführerin vor oder
wird auf sie Bezug genommen. Tatsächlich hat die Beschwerdeführerin keinen wie
immer gearteten eigenen Anteil an diesen Vorgängen. Zu keinem Zeitpunkt derarti
ger Bestellvorgänge und Abhollieferungen tritt die Beschwerdeführerin im eigenen
Namen und auf eigene Rechnung auf. Insbesondere bestellt die Beschwerdeführerin
auch den Dünger nicht bei den Produzenten. Das wird alles von ***[8]*** ***[9]*** in
Polen in deren eigenem Namen und auf deren eigene Rechnung durchgeführt.
Beweis: Flugblatt über 1. Düngeraktion 13/14, Beilage ./6.
(16) Entgegen der Darstellung der belangten Behörde in der Beilage 1 zum Bericht über die
Außenprüfung, Punkt 1.b), stellen sich die Bestell-, Liefer, und Bezahlvorgänge im gegenständlichen
Zusammenhang wie folgt dar:
• Im Bereich Düngemittel werden traditionell zu bestimmten Saisonzeiten von allen
wesentlichen Anbietern sogenannte Düngemittelaktionen durchgeführt. In diesen
Zeiten wurden auch von der ***[8]*** ***[9]*** Informationsmaterialien an die Landwirte
versandt. Die Sprecher der Einkaufsgemeinschaften erkundigen sich über Angebote
und Preise, vergleichen teilweise mit anderen Anbietern und informieren ihre
Mitglieder oder werden von diesen, telefonisch, mit Fax oder mündlich, kontaktiert.
Bei den Aussendungen der ***[8]*** ***[9]*** ist immer eine ganzseitige Erläuterung mit
klarer Aussage, dass nur gegen Selbstabholung mit 8 % polnischer Mehrwertsteuer verkauft wird und klarer Erläuterung, wie Bestellung und Verkaufsvorgang ab
laufen, dabei (Beilage ./6).
• Die Sprecher der Einkaufsgemeinschaften sind in Kontakt mit Frächtern und haben
die Fracht-Preislisten (Fixpreise abhängig von bestellter Tonnage, zu fahrenden
Kilometern und Anzahl der Abladepunkte) aufliegen und treffen eine Vorauswahl
der Frachtdienstleister.
Normen und Schlagworte
- § 1 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 2 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 3 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 3a UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 253 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 270 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 166 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 87 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 169 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 174 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 85 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 250 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- Art. 3 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- Art. 6 Abs. 1 Buchstabe b CMR, Beförderungsvertrag im internationalen Straßengüterverkehr, BGBl. Nr. 138/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7105311/2015
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2019:RV.7105311.2015
- Stammnummer
- 126394
- Gültig
- 03.10.2019 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF