Findok · UFS-Entscheidungen
UFSW RV/0431-W/04
Ermessensübung bei Anwendung der Aufforderung zur Empfängerbenennung
geltende FassungBerufungsentscheidung - Steuer (Senat)RV/0431-W/04vom 27.11.2012Teil 3 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Es braucht daher nicht untersucht werden, ob - und gegebenenfalls ab welchem Zeitpunkt - ein Steuerpflichtiger, der regelmäßig Geschäfte mit einer eindeutig wirtschaftlich aktiven Domizilgesellschaft tätigt, im Hinblick auf § 162 BAO prüfen muss, ob die Voraussetzungen des Vorliegens einer wirtschaftlich aktiven Gesellschaft noch gegeben sind, wobei im gegenständlichen Fall die Geschäftsabwicklung verglichen mit früheren Geschäften keinen Anhaltspunkt für das Vorliegen einer bloßen "Briefkastengesellschaft" geliefert hat.
Die im Verhältnis zur Schweiz bestehende Kapitalverkehrsfreiheit (vgl. Haslehner, Die Anwendung von EG-Grundfreiheiten im Verhältnis zur Schweiz, SWI 2007, 221) wird von einer Aufforderung nach § 162 BAO zwar berührt, diese Norm dürfte aber mit dem freien Kapitalverkehr vereinbar sein. Eine Aufforderung nach § 162 BAO beschränkt zwar den freien Kapitalverkehr. Diese Beschränkung ist aber gerechtfertigt, wenn es an einem steuerlichen Auskunftsaustausch mit dem anderen Staat fehlt und deshalb das Interesse der Allgemeinheit, Steuerhinterziehung zu bekämpfen, und die Notwendigkeit, die Wirksamkeit von Steuerprüfungen zu wahren, in anderer Weise sichergestellt wird, wenn es sich um eine hierfür geeignete, erforderliche und verhältnismäßige Regelung handelt (vgl. BFH 22. 12. 2010, I R 86/09, zu Liechtenstein, unter Hinweis auf EuGH 28. 10. 2010, C-72/09 "Établissements Rimbaud", IStR 2010, 842, und EuGH 19. 11. 2009, C-540/07 "Kommission / Italien", IStR 2009, 853).
Mit der Schweiz bestand für den Berufungszeitraum kein Amtshilfeabkommen in Steuersachen und auch kein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung mit einer gleichwertigen Auskunftsregelung. Eine fehlende Amtshilfemöglichkeit im Verhältnis zu Drittstaaten kann die Beschränkung der Kapitalverkehrsfreiheit nach Art. 56 EGV (Art. 63 AUEV) rechtfertigen, wenn ohne die Amtshilfe die Besteuerungsgrundlagen nicht zutreffend festgestellt werden können (vgl. Rehm/Nagler, Zurechnungsbesteuerung bei ausländischen Familienstiftungen (§ 15 AStG) und die Empfängerbenennung (§ 160 AO) auf dem Prüfstand des Gemeinschaftsrechts, IStR 2008, 284, m. w. N.).
Im Übrigen könnte fraglich sein, ob im gegenständlichen Fall tatsächlich der freie Kapitalverkehr (Art. 56 EGV) und nicht vielmehr der - im Verhältnis zur Schweiz nicht zum Tragen kommende - freie Dienstleistungsverkehr berührt wird (vgl. EuGH 3. 10. 2006, C-452/04, Fidium Finanz, dazu etwa ausführlich Lang, Kapitalverkehrsfreiheit, Steuerrecht und Drittstaaten, StuW 2011, 209).
Allerdings wird die Anwendung des § 162 BAO unionsrechtlich in einer Weise zu erfolgen haben, dass die Verhältnismäßigkeit im Hinblick auf die Grundfreiheiten gewahrt bleibt.
Auch im Lichte dieser Verhältnismäßigkeit war das Ermessen durch die Berufungsbehörde dahingehend zu üben, dass im gegenständlichen Fall eine Aufforderung nach § 162 BAO zu unterbleiben hatte.
Es verbleibt daher zu prüfen, ob die Zinszahlungen an die Me***** AG nach den allgemeinen Vorschriften des Ertragsteuerrechts als Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 4 EStG 1988) abzugsfähig sind.
Leistungsbeziehungen mit Domizilgesellschaften in Steueroasen können dann nicht als erwiesen angesehen werden, wenn nicht jede einzelne Leistung konkret und detailliert dargestellt und bewiesen wird (VwGH 22. 11. 2001, 98/15/0089).
Das Finanzamt hat zu Recht keine Zweifel an der tatsächlichen Bestellung der Maschinen durch die Me***** AG und an der späteren Rückabwicklung des Geschäfts geäußert.
Der Betriebsausgabenabzug für die an die Me***** AG von der Bw zu leisten gewesenen Zinsen steht der Bw daher zu.
Die Einkünfte der Bw laut Betriebsprüfung von 670,00 S (669,98 S) im Jahr 2000 sowie von -969.655,00 S (-969.654,96 S) sind im Jahr 2000 um 40.854,29 S und im Jahr 2001 um 142.029,82 S zu vermindern, sodass sich ein Verlust von -40.184,00 im Jahr 2000 und von -1.111.685,00 S im Jahr 2001 ergibt.
Die Berechnung der Einkünfteverteilung ist der folgenden Tabelle zu entnehmen:
|
Beteiligter (2000) Betriebsprüfung
|
%
|
Anteil vor Haftungsprämie (50.000,00)
|
Anteil S
|
Anteil €
|
A*****Pr***** Technik GmbH (StNr. 09*****)
|
7,50
|
-3.699,75
|
46.300
|
3.364,77
|
A*****B***** & Co GmbH (StNr. 33*****)
|
37,50
|
-18.498,75
|
-18.499
|
-1.344,36
|
Ing. K*****N***** (StNr. 38*****)
|
30,00
|
-14.799,00
|
-14.799
|
-1.075,49
|
J*****NLA*****R (StNr. 27*****)
|
25,00
|
-12.332,50
|
-12.333
|
-896,24
|
|
100,00
|
-49.330,00
|
670
|
48,69
|
Beteiligter (2000) UFS
|
%
|
Anteil vor Haftungsprämie (50.000,00)
|
Anteil S
|
Anteil €
|
A*****Pr***** Technik GmbH (StNr. 09*****)
|
7,50
|
-6.763,82
|
43.236
|
3.142,10
|
A*****B***** & Co GmbH (StNr. 33*****)
|
37,50
|
-33.819,11
|
-33.819
|
-2.457,73
|
Ing. K*****N***** (StNr. 38*****)
|
30,00
|
-27.055,29
|
-27.055
|
-1.966,18
|
J*****NLA*****R (StNr. 27*****)
|
25,00
|
-22.546,07
|
-22.546
|
-1.638,49
|
|
100,00
|
-90.184,29
|
-40.184
|
-2.920,31
|
Beteiligter (2001) Betriebsprüfung
|
%
|
Anteil vor Haftungsprämie (50.000,00)
|
Anteil S
|
Anteil €
|
A*****Pr***** Technik GmbH (StNr. 09*****)
|
7,50
|
-76.474,13
|
-26.474
|
-1.923,95
|
A*****B***** & Co GmbH (StNr. 33*****)
|
37,50
|
-382.370,63
|
-382.371
|
-27.787,96
|
Ing. K*****N***** (StNr. 38*****)
|
|
20.000,00
|
20.000
|
1.453,46
|
J*****NLA*****R (StNr. 27*****)
|
25,00
|
-254.913,75
|
-254.914
|
-18.525,30
|
Al*****N***** (StNr. 38 NEU)
|
30,00
|
-325.896,50
|
-325.897
|
-23.683,82
|
|
100,00
|
-1.019.655,00
|
-969.655
|
-70.467,58
|
Beteiligter (2001) UFS
|
%
|
Anteil vor Haftungsprämie (50.000,00)
|
Anteil S
|
Anteil €
|
A*****Pr***** Technik GmbH (StNr. 09*****)
|
7,50
|
-87.126,36
|
-37.126
|
-2.698,08
|
A*****B***** & Co GmbH (StNr. 33*****)
|
37,50
|
-435.631,81
|
-435.632
|
-31.658,60
|
Ing. K*****N***** (StNr. 38*****)
|
|
20.000,00
|
20.000
|
1.453,46
|
J*****NLA*****R (StNr. 27*****)
|
25,00
|
-290.421,21
|
-290.421
|
-21.105,73
|
Al*****N***** (StNr. 38 NEU)
|
30,00
|
-368.505,45
|
-368.505
|
-26.780,34
|
|
100,00
|
-1.161.684,82
|
-1.111.685
|
-80.789,29
Die im Wirtschaftsjahr 1999/2000 erzielten Einkünfte werden gemäß
§ 188 BAO festgestellt:
Einkünfte aus Gewerbebetrieb: -40.184,00 S = -2.920,31 €
|
|
Anteil S
|
Anteil €
|
A***** Pr***** Technik GmbH (StNr. 09*****)
|
43.236
|
3.142,10
|
A***** B***** & Co GmbH (StNr. 33*****)
|
-33.819
|
-2.457,73
|
Ing. K***** N***** (StNr. 38*****)
|
-27.055
|
-1.966,18
|
J*****N LA*****R (StNr. 27*****)
|
-22.546
|
-1.638,49
Die im Wirtschaftsjahr 2000/2001 erzielten Einkünfte werden gemäß
§ 188 BAO festgestellt:
Einkünfte aus Gewerbebetrieb: -1.111.685,00 S = -80.789,29 €
|
|
Anteil S
|
Anteil €
|
A***** Pr***** Technik GmbH (StNr. 09*****)
|
-37.126
|
-2.698,08
|
A***** B***** & Co GmbH (StNr. 33*****)
|
-435.632
|
-31.658,60
|
Ing. K***** N***** (StNr. 38*****)
|
20.000
|
1.453,46
|
J*****N LA*****R (StNr. 27*****)
|
-290.421
|
-21.105,73
|
Al***** N***** (StNr. 38 NEU)
|
-368.505
|
-26.780,34
Hinsichtlich der weiteren (unstrittigen) Feststellungen wird auf die Darstellung in den angefochtenen Bescheiden vom 14. 11. 2003 verwiesen, die, insoweit sie nicht mit den vorstehenden Feststellungen im Widerspruch stehen, einen Bestandteil auch dieses Bescheidspruches bilden. Diese Feststellungen wurden auch vom Finanzamt nach der Betriebsprüfung nicht geändert. Infolge des Umfangs dieser Feststellungen unterbleibt eine neuerliche Darstellung in diesem Bescheid.
Wien, am 27. November 2012
Normen und Schlagworte
- § 162 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 20 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- Art. 56 EGV, EG-Vertrag, ABl. Nr. C 241 vom 29.08.1994 S. 1
- § 4 Abs. 4 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- Art. 63 AEUV, ABl. Nr. C 83 vom 30.03.2010 S. 47
EmpfängerbenennungErmessenExportgeschäftBriefkastenDomizilgesellschaftSitzgesellschaftoperativ tätige GesellschaftSchweiz
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- UFS-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Berufungsentscheidung - Steuer (Senat)
- Geschäftszahl
- RV/0431-W/04
- Stammnummer
- 62739
- Gültig
- 27.11.2012 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF