Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5102148/2015
Zurechnung von Einkünften / Umsätzen iZm der Vermittlung von Pflegerinnen
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/5102148/2015vom 19.09.2023Teil 2 von 5
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Somit widerspreche ich auch erneut vehement Ihrer Behauptung, dass keiner der angeführten Damen jemals in der Betriebsführung tätig waren, dies ist definitiv nicht zutreffend, auch hier wurden eindeutige Beweise bereits vorgelegt. Die gemachten Angaben stellen aus meiner Sicht ein erhebliches Hindernis dar, einer solchen Vorladung Folge zu leisten, zumal Sie, wie bereits ausgeführt, einem laufenden Ermittlungsverfahren vorgreifen und vorliegende Fakten kontinuierlich ignorieren."
14. Im Bericht über das Ergebnis der Außenprüfung vom 24.06.2015 wurde nach Widergabe des chronologischen Verfahrensverlaufs (Tz1) ausgeführt, dass beide Vorladungen vom Bf. abgelehnt und keine geeigneten Beweismittel vorgelegt worden seien, weshalb die Besteuerungsgrundlagen gemäß Schlussbesprechungsprogramm für die Zeiträume 2010-2013 festgesetzt würden.
Zur Behauptung des Bf., dass der Zwischenbericht des LKA, aufgrund erheblicher Ermittlungsfehler nicht mehr den Tatsachen entsprechen würde, wurde ausgeführt: "Hr. ***Bf*** legte bis dato keine Beweismittel vor. Nach Rücksprache mit Hr. Insp. ***34*** gibt es hinsichtlich der steuerlichen und finanzstrafrechtlichen Sachverhalte keine Änderungen. Die für die BP wesentlichen Bankkontodaten, aus denen die Einnahmen und Ausgaben samt Gewinn und Umsatz hervorgehen, ändern sich nicht mehr, da sie unveränderte Originaldaten sind. […] Da Hr. ***Bf*** zu keinem SB-Termin erschienen ist und keine geeigneten Beweismittel vorgelegt hat, werden die Besteuerungsgrundlagen gemäß SB-Programm für die Zeiträume 2010 - 2013 festgesetzt und die Erstveranlagung nach Betriebsprüfung durchgeführt."
Unter Tz. 2 "Schätzung - SB Programm" wurden die Ausführungen und die Schätzungen des Schlussbesprechungsprogramms wiederholt.
Abschließend wurde darauf hingewiesen, dass die Schlussbesprechung entfallen sei, da weder der Abgabepflichtige noch sein steuerlicher Vertreter zur Schlussbesprechung erschienen seien.
15. Mit den Einkommensteuerbescheiden für die Jahre 2011, 2012 und 2013 und den Umsatzsteuerbescheiden für die Jahre 2010, 2011, 2012 und 2013, jeweils vom 25.06.2015, wurden zur StNr. ***BfStNr2*** (nunmehr ***BfStNr1***) folgende Bemessungsgrundlagen und Abgabenbeträge festgesetzt:
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Jahr
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Gesamtbetrag der Einkünfte
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Einkommensteuer
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2011
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30.970,40
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7.664,00
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2012
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30.525,88
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7.472,00
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2013
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56.008,29
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18.484,00
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Jahr
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Umsätze (20%)
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Umsatzsteuer
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2010
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1.209,90
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241,98
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2011
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37.792,33
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7.558,47
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2012
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52.266,29
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10.453,26
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2013
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169.707,88
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33.941,58
Zur Begründung wurde jeweils auf die Feststellungen der Außenprüfung und den Bericht vom 24.06.2015 verwiesen.
16. Am 14.07.2015 erhob der Bf. Beschwerde gegen den Einkommensteuerbescheid 2011 und die Umsatzsteuerbescheide 2010 und 2011 und führte dazu aus:
16.1. Beschwerde betreffend Umsatzsteuerbescheid 2010
"Der Gesamtbetrag der Bemessungsgrundlagen in Höhe von 1.209,90 Euro und die daraus resultierende Umsatzsteuer in Höhe von 241,98 Euro sind nicht mir zuzurechnen. Begründung: Die steuerpflichtigen Leistungen in Höhe von 1.209,90 Euro sind nachweislich zur Gänze auf dem Konto der damaligen Firmeninhaberin der Firma ***2***, Frau ***1***, Kontonummer ***Kto1***, eingelangt. Die Forderungen betreffen somit ausschließlich Frau ***1*** und sind definitiv nicht mir anzulasten.
Ich beantrage, dies zu berücksichtigen und den Bescheid aufzuheben, zumal Ihnen bereits Beweise vorgelegt wurden, die eindeutig belegen, dass Frau ***1*** sehr wohl in der Geschäftsführung tätig war, siehe Schreiben von Frau Dr. ***35*** vom 29.05.2012, welches Ihnen nun zum wiederholten Male in der Anlage übermittelt wird."
Im als Anlage zur Beschwerde beigeschlossenen Schreiben von Dr. ***35*** vom 29.05.2012 ist Folgendes zu lesen:
"Ich erlaube mir die rechtsfreundliche Vertretung von Frau ***1***, Inhaberin der Firma ***2*** anzuzeigen.
Nachdem meine Mandantin aufgrund der bekannten Vorfälle die frühere gemeinsame Wohnung in ***BfAdr*** in welcher sich auch die Geschäftsräumlichkeiten des Unternehmens meiner Mandantin befinden, überstürzt verlassen musste, hat diese keinen Zugang zu den Geschäftsunterlagen und darf ich Sie daher auffordern, mir umgehend sämtliche Geschäftspapiere, Akten sowie steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Unterlagen betreffend das Unternehmen ***2*** vollständig zu übermitteln.
Meine Mandantin hat im Zusammenhang mit der Neuordnung ihrer Lebensverhältnisse nach Auflösung der Lebensgemeinschaft die beiden Gewerbeberechtigungen betreffend das Unternehmen ***2***, Register Nr. […] rückwirkend zum 01.05.2012 ruhend gestellt […].
Um gerichtliche Schritte hintanzuhalten ersuche ich um umgehende Übermittlung der erwähnten Unterlagen"
16.2. Beschwerde betreffend Einkommensteuer 2011
"Der Gesamtbetrag der Bemessungsgrundlagen / Einkünfte in Höhe von 30.970,40 Euro und die daraus resultierende Einkommensteuer in Höhe von 7.664,00 Euro sind nicht in voller Höhe mir zuzurechnen.
Begründung: Von den im Bescheid genannten Einkünften in Höhe von 30.970,40 Euro sind lediglich 14.018,16 Euro auf meinem Konto bei der ***, Kontonummer: ***KtoBf*** eingelangt (siehe Anlage 1), der verbleibende Betrag (16.952,24 Euro) ging auf das Konto der damaligen Firmeninhaberin der Firma ***2***, Frau ***1***, *** Kontonummer ***Kto1***. Die Forderungen betreffen somit zum Teil Frau ***1*** und sind definitiv nicht mir anzulasten. Die aus den 14.018,16 Euro resultierende Einkommensteuer 2011 liegt deutlich niedriger, abzüglich Pauschbetrag für Sonderausgaben verbleiben 13.958,16 Euro, und somit rund 1.080,00 Euro Einkommensteuer.
Ich beantrage, dies zu berücksichtigen und den Bescheid zu ändern. Die Ausführungen zur Geschäftstätigkeit von Frau ***1*** besitzen natürlich weiterhin Gültigkeit und es wird bestritten, dass Frau ***1*** nicht in der Geschäftsführung tätig war. Gleichfalls hat Frau ***1*** über das Konto ***Kto1*** verfügt, siehe die vielfachen Überweisungen nach Rumänien an Ihren Sohn, Herrn ***67***."
Die Anlage 1 zur Beschwerde gegen den Einkommensteuerbescheid 2011 listet Kontobewegungen auf dem Konto des Bf. auf und lautet wie folgt:
"Konto: Mag. ***Bf***, Konto-Nr. ***KtoBf***
Zahlungseingänge 27.07.2011 bis 31.12.2011
Bemessungsgrundlage zur Ermittlung der Einkommensteuer
[...]
16.3. Beschwerde betreffend Umsatzsteuerbescheid 2011
"Der Gesamtbetrag der Bemessungsgrundlagen in Höhe von 37.792,33 Euro und die daraus resultierende Umsatzsteuer in Höhe von 7.558,47 Euro sind nicht in voller Höhe mir zuzurechnen.
Begründung: Von den steuerpflichtigen Leistungen in Höhe von 37.792,33 Euro sind lediglich 14.723,66 Euro auf meinem Konto bei ***, Kontonummer ***KtoBf*** eingelangt (siehe Anlage 1), der weitaus höhere Betrag (22.568,67 Euro) ging auf das Konto der damaligen Firmeninhaberin der Firma ***2***, Frau ***1***, Kontonummer ***Kto1***. Die Forderungen betreffen somit größtenteils Frau ***1*** und sind definitiv nicht mir anzulasten. Die aus den 14.723,66 Euro resultierende Umsatzsteuer 2011 läge bei lediglich 1.945,74 Euro. Da aber auch die Umsatzgrenze von 30.000,00 Euro Jahresumsatz somit bei weitem unterschritten ist, ferner auch kein Vorsteuerabzug geltend gemacht wird, beanspruche ich die Kleinunternehmerregelung. Ich beantrage, dies zu berücksichtigen und den Bescheid aufzuheben. Die Ausführungen zur Geschäftstätigkeit von Frau ***1*** besitzen natürlich weiterhin Gültigkeit und es wird bestritten, dass Frau ***1*** nicht in der Geschäftsführung tätig war."
Die Anlage 1 zur Beschwerde gegen den Umsatzsteuerbescheid 2011 listet Kontobewegungen auf dem Konto des Bf. inkl. Angabe einer ev. Umsatzsteuer auf und lautet wie folgt:
"Konto: Mag. ***Bf***, Konto-Nr. ***KtoBf***
Zahlungseingänge 27.07.2011 bis 31.12.2011
[...]
17. Am 19.07.2015 erhob der Bf. Beschwerde gegen die Einkommensteuer- und Umsatzsteuerbescheide 2012 und führte darin im Wesentlichen aus:
17.1. Beschwerde betreffend Einkommensteuerbescheid 2012
"Der Gesamtbetrag der Bemessungsgrundlagen / Einkünfte in Höhe von 30.465,88 Euro und die daraus resultierende Einkommensteuer in Höhe von 7.472,00 Euro sind nicht in voller Höhe mir zuzurechnen.
Begründung: Von den im Bescheid genannten Einkünften in Höhe von 30.465,88 Euro sind lediglich 13.223,90 Euro auf meinem Konto bei der ***, Kontonummer ***KtoBf*** eingelangt (siehe Anlage 1), weitere 8.994,52 Euro sind durchlaufende Posten in Form von Werklöhnen, Erstattung verauslagter Fahrtkosten von Betreuerinnen, SVA-Beiträge für Betreuerinnen, etc., der verbleibende Betrag (8.247,46 Euro) ging auf das Konto der damaligen Firmeninhaberin der Firma ***2***, Frau ***1***, *** Kontonummer ***Kto1*** bzw. das Konto Ihrer Rechtsnachfolgerin Frau ***12***, *** Konto ***Kto12***. Die Forderungen betreffen somit zum Teil Frau ***1*** bzw. Frau ***12*** und sind definitiv nicht mir anzulasten.
Die aus den 13.223,90 Euro resultierende Einkommensteuer 2012 liegt deutlich niedriger, abzüglich Pauschbetrag für Sonderausgaben verbleiben 13.163,90 Euro. Da ich jedoch laut Arbeitsvertrag vom 14.10.2011 ab dem 17.10.2011 als Angestellter der Firma ***2*** beschäftigt bin, steht mir in 2012 ein Netto-Lohn gemäß Arbeitsvertrag in Höhe von 1.248,00 Euro pro Monat zu, also 14.976,00 Euro in 2012. Die Bezahlung der Lohnsteuer / Einkommensteuer hatte somit eindeutig vom Arbeitgeber, i. e. von den Firmeninhaberinnen ***1*** bzw. ***12*** erledigt und beglichen werden müssen, was aber nicht geschehen ist! Hier behalte ich mir weiters rechtliche Schritte gegen Frau ***1*** und Frau ***12*** wegen des Verdachts des Sozialversicherungsbetrugs vor.
Ich beantrage, dies zu berücksichtigen und den Bescheid aufzuheben. Die Ausführungen zur Geschäftstätigkeit von Frau ***1*** und Frau ***12*** besitzen natürlich weiterhin Gültigkeit und es wird bestritten, dass Frau ***1*** wie auch Frau ***12*** nicht in der Geschäftsführung tätig waren."
Die Anlage 1 zur Beschwerde gegen den Einkommensteuerbescheid 2012 listet Kontobewegungen auf dem Konto des Bf. auf und lautet wie folgt:
"Konto: Mag. ***Bf***, Konto-Nr. ***KtoBf***
Zahlungseingänge 01.01.2012 bis 31.12.2012
[...]
Hiervon steuerlich für die Einkommensteuer nicht relevant:
[...]
17.2. Beschwerde betreffend Umsatzsteuerbescheid 2012
"Der Gesamtbetrag der Bemessungsgrundlagen in Höhe von 52.266,29 Euro und die daraus resultierende Umsatzsteuer in Höhe von 10.453,26 Euro sind nicht in voller Höhe mir zuzurechnen.
Begründung: Von den steuerpflichtigen Leistungen in Höhe von 52.266,29 Euro sind lediglich 22.218,42 Euro auf meinem Konto bei *** Kontonummer ***KtoBf*** eingelangt (siehe Anlage 1), der weitaus höhere Betrag (30.047,87 Euro) ging auf die Konten der damaligen Firmeninhaberin der Firma ***2***, Frau ***1***, Kontonummer ***Kto1*** bzw. deren Rechtsnachfolgerin Frau ***12***, Kontonummer ***Kto12***. Die Forderungen betreffen somit größtenteils Frau ***1*** bzw. Frau ***12*** und sind definitiv nicht mir anzulasten. Bei den auf meinem Konto eingelangten 22.218,42 Euro ist zudem ein Betrag in Höhe von 10.594,52 für die Ermittlung der Umsatzsteuer nicht relevant, da es sich hier nachweislich um steuerfreie Werklöhne und Sozialversicherungsbeiträge von Betreuerinnen, Privateinlagen, Privatverkäufe und Ähnliches handelt."
Die Anlage 1 zur Beschwerde gegen den Umsatzsteuerbescheid 2012 listet Kontobewegungen auf dem Konto des Bf. auf und entspricht der ersten Seite der Anlage 1 zur Beschwerde gegen den Einkommensteuerbescheid 2012.
Weites war der Beschwerde ein Arbeitsvertrag vom 14.10.2011 zwischen ***2***.at, Inh. ***1***, ***BfAdr1*** und Mag. ***Bf***, ***BfAdr1*** angeschlossen (Anlage 2). Demnach habe das Arbeitsverhältnisses am 17.10.2011 begonnen und sei der Bf. als Sachbearbeiter und Büroangestellter aufgenommen worden und erhalte ein Monatsgehalt von € 1.690,00 brutto sowie jährlich eine Urlaubsbeihilfe und eine Weihnachtsrenumeration, jeweils in der Höhe eines Monatsgehalts.
18. Mit Eingaben vom 22.07.2015 erhob der Bf. Beschwerde gegen die Einkommensteuer- und Umsatzsteuerbescheide 2013 und führte zur Begründung aus:
18.1. Beschwerde betreffend Einkommensteuerbescheid 2013
"Der Gesamtbetrag der Bemessungsgrundlagen / Einkünfte in Höhe von 56.008,29 Euro und die daraus resultierende Einkommensteuer in Höhe von 18.484,00 Euro sind in keinster Weise begründet und nachvollziehbar.
Begründung: Zunächst ist richtig, dass auf meinem Konto bei der ***, Konto ***KtoBf***, im Jahr 2013 Zahlungseingänge in Höhe von 169.707,88 Euro erfolgt sind. In diesem Betrag sind jedoch erhebliche Summen an Werklöhnen enthalten, sowie Privatverkäufe und Privateinlagen, die zweifelsfrei nicht meinem Einkommen zuzuschreiben sind. Vor allem bei den Werklöhnen handelt es sich um durchlaufende Posten, die an die Betreuerinnen der Firma ***2*** nachweislich weitergeleitet wurden. Von dem im Bescheid genannten Einkünften in Höhe von 56.008,29 Euro kann keine Rede sein, es sind lediglich 17.690,71 Euro als Einkünfte zu werten (siehe Anlage 1).
Die aus den 17.690,71 Euro resultierende Einkommensteuer 2013 liegt deutlich niedriger, abzüglich Pauschbetrag für Sonderausgaben verbleiben 17.630,71 Euro. Da ich jedoch laut Arbeitsvertrag vom 14.10.2011 ab dem 17.10.2011 als Angestellter der Firma ***2*** beschäftigt bin, steht mir in 2013 ein Netto-Lohn gemäß Arbeitsvertrag in Höhe von 1.248,00 Euro pro Monat zu, bei 14 Gehältern also 17.472,00 Euro in 2013. Die Bezahlung der Lohnsteuer / Einkommensteuer hätte somit eindeutig vom Arbeitgeber, i. e. von der Firmeninhaberin ***12*** erledigt und beglichen werden müssen, was aber nicht geschehen ist! Hier behalte ich mir weiters rechtliche Schritte gegen Frau ***12*** wegen des Verdachts des Sozialversicherungsbetrugs vor.
Ich beantrage, dies zu berücksichtigen und den Bescheid aufzuheben. Die Ausführungen zur Geschäftstätigkeit von Frau ***12*** besitzen natürlich weiterhin Gültigkeit und es wird bestritten, dass Frau ***12*** nicht in der Geschäftsführung tätig war."
Die Anlage 1 zur Beschwerde gegen den Einkommensteuerbescheid 2013 listet Kontobewegungen auf dem Konto des Bf. auf. [Anm.: Buchungen zwischen 06.08.2013 und 04.11.2013 fehlen, sind aber bis auf € 504,96 der Anlage 1 zur Beschwerde gegen den Umsatzsteuerbescheid 2013 zu entnehmen.]
"Hiervon steuerlich für die Einkommensteuer nicht relevant:
[...]
18.2. Beschwerde betreffend Umsatzsteuerbescheid 2013
"Der Gesamtbetrag der Bemessungsgrundlagen in Höhe von 169.707,88 Euro und die daraus resultierende Umsatzsteuer in Höhe von 33.941,58 Euro sind nicht richtig ermittelt.
Begründung: Zunächst ist zwar richtig, dass ein Betrag in Höhe von 169.707,88 Euro auf meinem Konto bei der ***, Kontonummer ***KtoBf*** eingelangt ist, dieser Betrag beinhaltet jedoch eine hohe Summe an Werklöhnen, die nachweislich an Betreuerinnen der Firma ***2*** weitergeleitet wurden, somit nur Durchlaufende Posten darstellen und steuerlich für die Umsatzsteuer keine Bedeutung haben. Es handelt sich um einen Betrag in Höhe von 150.015,15 Euro (siehe Anlage 1). Der Gesamtbetrag der steuerpflichtigen Leistungen reduziert sich somit auf gerade einmal 19.692,73 Euro, die daraus resultierende Umsatzsteuer 2013 läge bei lediglich 3.282,12 Euro.
Da aber auch die Umsatzgrenze von 30.000,00 Euro Jahresumsatz somit bei weitem unterschritten ist, ferner auch kein Vorsteuerabzug geltend gemacht wird, beanspruche ich die Kleinunternehmerregelung. Ich beantrage, dies zu berücksichtigen und den Bescheid aufzuheben. Vorsorglich weise ich darauf hin, dass die Ausführungen zur Geschäftstätigkeit von Frau ***12*** natürlich weiterhin Gültigkeit besitzen und es wird bestritten, dass Frau ***12*** nicht in der Geschäftsführung tätig war."
Die Anlage 1 zur Beschwerde gegen den Umsatzsteuerbescheid 2013 listet Kontobewegungen auf dem Konto des Bf. auf und lautet wie folgt:
"Konto: Mag. ***Bf***, Konto-Nr. ***KtoBf***
Zahlungseingänge 01.01.2013 bis 31.12.2013
Hiervon steuerlich für die Umsatzsteuer nicht relevant:
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[...]
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Zahlungseingänge 01.01.2013 - 31.12.2013
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169.707,88
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Nicht relevant für Umsatzsteuer
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-150.015,15
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Tatsächliche Bemessungsgrundlage 19.692,73
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19.692,73
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Umsatzsteuer hieraus 20%
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3.282,12"
19. Der zuständige Betriebsprüfer verfasste am 05.10.2015 folgende Stellungnahme der belangten Behörde zu den Beschwerden des Bf.:
"Wie bereits im Schlussbesprechungsprogramm und im Prüfbericht vom 24.06.2014 niedergeschrieben: Die Damen ***1***, ***12*** und ***21*** sind lt. Ansicht des LKA und der Betriebsprüfung NICHT die Firmeninhaberinnen. Vielmehr ist Hr. ***Bf*** der eigentliche Geschäfts- bzw. Betriebsinhaber. Im Zwischenbericht des Landeskriminalamtes an die Staatsanwaltschaft wurde festgehalten, dass Herr ***Bf*** alle Tätigkeiten eines Geschäftsführers und Betriebsinhabers ausführt. Weiters besitzt Hr. ***Bf*** den Zugang sowie die Zeichnungsberechtigung der Bankkonten der Damen ***1***, ***12*** und ***21***. Hr. ***Bf*** überprüft auf diesen Konten sämtliche Ein- und Ausgänge bzw. führt diese auch aus. Als faktischem Machthaber sind die erzielten Umsätze und Einkünfte aus dieser Tätigkeit ausschließlich ihm zuzurechnen.
Da keine Buchführung vorgelegt wurde, wurden die Bemessungsgrundlagen gem. § 184 BAO geschätzt. Als Grundlage der Schätzung wurden vom Finanzamt die Ein- und Ausgänge aus jenen Bankkonten herangezogen, die die Polizei ausgewertet hat. Aus den jeweiligen Verträgen zwischen gepflegter Person, ***2***.at und pflegender Person geht hervor, dass die Zahlungen inkl. Umsatzsteuer erfolgten. Daher wurde aus den Bruttoeingängen die Umsatzsteuer herausgerechnet. Für die Gewinnermittlung wurde von den Nettoeingängen die Zahlungen an die Pflegerinnen und an die Sozialversicherung abgezogen. Aufgrund dessen, dass die Belegsammlung und die Buchführung nicht vorgelegt wurden, konnte nicht geprüft werden, ob die bisherigen Auswertungen vollzählig sind. Es konnte auch nicht geklärt werden ob Barzahlungen und weitere Einkünfte vorliegen. Deshalb wurde ein Sicherheitszuschlag von 15% festgesetzt. Die betragliche Auswirkung ist dem Prüfbericht vom 24.06.2015 zu entnehmen."
20. Mit Schreiben der belangten Behörde vom 06.10.2015 übermittelte diese dem Bf. ihre Stellungnahme vom 05.10.2015 zur Gegenäußerung.
21. Die Gegenäußerung des Bf. vom 26.10.2015 zur Stellungnahme der belangten Behörde lautet:
"Zunächst halte ich fest, dass Sie erneut sämtliche Einwände aus meinen Schreiben vom 14.07.2015, 19.07.2015, 20.07.2015 und 22.07.2015 konsequent ignorieren, geschweige denn, eine Stellungnahme zu den Einwänden abgeben. Zudem halte ich fest, dass irgendwelche Ansichten - insbesondere - vor dem Hintergrund der Vorlage von geeigneten BEWEISEN meinerseits!!! wohl kaum ausreichend sind und zum Beweis gereichen, dass Frau ***1***, Frau ***12*** und Frau ***21*** nicht Firmeninhaberinnen gewesen sind bzw. sind.
Auch eine Zeichnungsberechtigung auf Firmenkonten allein besagt wohl kaum, dass ich als Betriebsinhaber zu werten bin. Es gibt wohl tausende Firmen, bei denen Mitarbeiter auf Firmenkonten zeichnungsberechtigt sind, ohne die Stellung eines Geschäftsführers oder gar Betriebsinhabers inne zu haben.
Ebenso ignorieren Sie konsequent meine Aufstellungen der Schreiben vom 14.07.2015, 19.07.2015, 20.07.2015 und 22.07.2015, wonach eindeutig daraus hervorgeht, dass eine beträchtliche Summe an Zahlungseingängen zB. Werklöhne betrifft, die weder der Einkommen- noch der Umsatzsteuer unterliegen. Dies hätte von Ihnen anhand der vorliegenden Kontoauszüge und der Auswertung des LKA ohne Schwierigkeiten geprüft werden können. Sämtliche betraglichen Auswirkungen sind somit nicht korrekt und sind von Ihnen zu korrigieren!
Deshalb fordere ich Sie auf, auf meine zitierten Schreiben vom 14.07.2015, 19.07.2015, 20.07.2015 und 22.07.2015 dezidiert Stellung zu nehmen. Vorsorglich weise ich darauf hin, dass mir von meinem Anwalt bereits angeraten wurde, Strafanzeige wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs bei der zuständigen Staatsanwaltschaft zu stellen."
22. Mit den Beschwerdevorentscheidungen vom 03.11.2015 wies die Abgabenbehörde die Beschwerden gegen die Einkommensteuerbescheide für die Jahre 2011 bis 2013 und die Umsatzsteuerbescheide für die Jahre 2010 bis 2013 ab und führte zur Begründung aus:
"Sämtliche Abgabennachforderungen resultieren aus den umfangreichen Erhebungen inklusive einer Hausdurchsuchung durch die Polizei und den Feststellungen der Betriebsprüfung. Seitens des Beschwerdeführers wurden keinerlei Unterlagen vorgelegt, sodass die Bemessungsgrundlagen im Schätzungswege zu ermitteln waren. Da auch im Beschwerdeverfahren nichts vorgebracht wurde, was zu einer Abänderung der angefochtenen Bescheide berechtigt hätte, hatte eine Abweisung der Beschwerde zu erfolgen."
23. Mit Schreiben vom 01.12.2015, fristgerecht eingebracht am 02.12.2015, stellte der Bf. Anträge auf Vorlage seiner Beschwerden gegen die Einkommensteuerbescheide 2011 bis 2013 und die Umsatzsteuerbescheide 2010 bis 2013 an das Bundesfinanzgericht.
24. Am 18.12.2015 legte die belangte Behörde dem Bundesfinanzgericht die Beschwerden zur Entscheidung vor und führte aus, dass der Bf. in ***BfAdr*** ein Haus angemietet gehabt und von dort ab 2010 die Vermittlung von Pflegerinnen betrieben habe. Seine Tätigkeit habe er der Abgabenbehörde nicht bekanntgegeben. Als der Bf. mit dem Sachverhalt konfrontiert worden sei, habe er die Verantwortung auf andere Personen (***1***, ...) abgeschoben. Die umfangreichen Erhebungen der Finanzpolizei, der Polizei und der Betriebsprüfung hätten jedoch ergeben, dass der Bf. selbst das Unternehmen betrieben habe. Die belangte Behörde verwies zum Beweis dessen auf den Betriebsprüfungsbericht, Erhebungen der Finanzpolizei, einen Bericht des Landeskriminalamtes Oberösterreich, Erhebungen der Abgabenbehörde und auf Kontoöffnungsergebnisse. Nach Ansicht der Abgabenbehörde würden sämtliche Behauptungen des Bf. Schutzbehauptungen darstellen. Es werde daher ersucht, die Beschwerden als unbegründet abzuweisen.
Die belangte Behörde legte mit dem Vorlagebericht zusätzlich zu den bereits angeführten Unterlagen u.a. folgende Beweismittel vor:
tabellarische Aufstellungen der Ein- und Ausgänge auf Bankkonten lautend auf den Bf., ***1***, ***12*** und ***21***
Kontoauszüge betreffend das Konto Nr. ***KtoBf*** für 2011 bis 2013
Liste vermittelter Pflegerinnen
Fragebogen zur Betriebseröffnung betreffend ***21*** vom 14.11.2013, versehen mit dem Stempel von "***2***.at"
Seiten 1 und 3 von 4 des Versicherungsdatenauszugs vom 07.04.2015 betreffend den Bf., ab 01.01.2005. Daraus ist lediglich ***21*** als einzige Dienstgeberin (ohne Angabe des Zeitraums der Beschäftigung) ersichtlich.
Seiten 1 und 3 von 4 des Versicherungsdatenauszugs vom 26.05.2014 betreffend den Bf. für den Zeitraum von 01.01.2004 bis 26.05.2013. Daraus ist lediglich ***36*** als einzige Dienstgeberin des Bf. (ohne Angabe des Zeitraums der Beschäftigung) ersichtlich.
Versicherungsdatenauszug vom 18.01.2013 betreffend den Bf., wonach der Bf. in den Jahren 2004 und 2005 bei ***36*** unselbstständig beschäftigt war.
Versicherungsdatenauszug betreffend ***1*** vom 18.01.2013, wonach diese im Zeitraum 14.01.2011 bis 30.04.2012 gewerblich selbständig erwerbstätig und von 26.09.2012 bis 10.11.2012 geringfügig als Arbeiterin gemeldet war.
Auszug aus dem Zentralen Melderegister betreffend ***1*** vom 26.05.2014. Laut diesem war sie ab 05.05.2009 mit Nebenwohnsitz und von 10.12.2009 bis 13.01.2012 mit Hauptwohnsitz in ***BfAdr1*** gemeldet.
Auszug aus dem Zentralen Melderegister betreffend ***12*** vom 03.01.2013. Demnach war sie von 11.06.2012 - 25.10.2012 an der Adresse ***BfAdr*** mit Hauptwohnsitz gemeldet.
Auszug aus dem Zentralen Melderegister betreffend ***12*** vom 26.05.2014 (idente ZMR-Zahl wie ***12***). Demnach war sie vom 11.06.2012 - 25.10.2012 an der Adresse ***BfAdr*** mit Hauptwohnsitz sowie an einer weiteren Adresse von 04.01.2012 - 25.10.2012 mit Nebenwohnsitz und danach mit Hauptwohnsitz gemeldet.
Auszug aus dem Gewerberegister vom 03.01.2013 betreffend ein von ***1*** ab 07.02.2011 gemeldetes freies Gewerbe der (eingeschränkten) Vermittlung von Werkverträgen
Diverse Auszüge aus dem KFZ-Zentralregister vom 24.07.2013, wonach der Bf. seit 15.05.2013 als Zulassungsbesitzer eines PKW Mercedes Benz C124 und ***1*** als Zulassungsbesitzerin diverser PKW eingetragen waren.
Bildschirmausdrucke aus dem Abgabeninformationssystem des Bundes vom 11.03.2013 betreffend die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer ***38***, deren Begrenzung vom 08.02.2012 und betreffend Erwerbe aus anderen Mitgliedsstaaten
Kontrollmaterial der Wirtschaftskammer Salzburg, basierend auf Anzeigen von Pflegerinnen, wegen des Verdachtes auf Übertretung der Gewerbeordnung durch Ausübung der Gewerbe der Personenbetreuung und Arbeitskräfteüberlassung ohne aufrechter Gewerbeberechtigung (Schreiben der Wirtschaftskammer Salzburg vom 17.03.2014 und 31.03.2014) mit näheren Schilderungen und Beilagen (Werkvertrag und Rechnungen):
Schreiben der Wirtschaftskammer Salzburg an die Bezirkshauptmannschaft Hallein vom 17.03.2014 wegen des Verdachts der Übertretung der Gewerbeordnung: Demnach betreibe der Bf. die Gewerbe der Personenbetreuung und Arbeitskräfteüberlassung, ohne dafür eine aufrechte Gewerbeberechtigung zu besitzen. Die rumänische Staatsbürgerin ***39*** habe im Referat für Wettbewerbsschutz der Wirtschaftskammer Salzburg eine Rechnung und einen Werkvertrag vorgelegt. Die "***2***.at", ***BfAdr***, Mobil +43 ***40***, Email: ***E-Mail2***, ***HP***, schreibe am 9. November 2013 die Rechnung Nr. 2013-0092 an ***39***. Es werde ein Vermittlungshonorar, eine SIM-Karte und 20 % gesetzl. MwSt, mit der Gesamtsumme von € 410,- in Rechnung gestellt. Als Bankverbindung werde "Mag. ***Bf***, BLZ ***, Konto: ***KtoBf***, IBAN: ***KtoBf***, BIC: ***, UID-Nr.: ***38***" angegeben. Laut einem Werkvertrag solle ***41*** gepflegt werden. Unter Punkt 4. Vertretung werde bei der Agentur "***2***.at" als Inhaberin ***12*** (aktueller Name ***12***) geführt. Unter Punkt 9. Entgelt sei zu lesen, dass der Werklohn von € 1.190,- EUR incl. MwSt pro Monat auf das Konto bei der IBAN: ***KtoBf***, lautend auf Mag. ***Bf***, ***2***, zu überweisen sei. Mit dem vereinbarten Entgelt seien sämtliche, wie auch immer gearteten Kosten, Spesen, Aufwendungen, Steuern, Abgaben, etc. des/der Auftragnehmers/in, insbesondere auch - sozialversicherungsrechtliche und gewerbebezogene Abgaben - Haftpflichtversicherung, sämtliche Transferleistungen abgedeckt. Mag. ***Bf*** habe diesen Werkvertrag der Auftraggeberin ***42*** und der Auftragnehmerin ***39*** zur Unterschrift vorgelegt. Laut den beigelegten Detailinformationen eines Dauerauftrages vom 5.10.2012 müsse von dem Werklohn von € 1.190,- aber ein monatlicher Betrag von € 151,- an Mag. ***Bf*** auf das Konto bei der ***überwiesen werden. Dieser Betrag werde von Mag. ***Bf*** einbehalten und er bezahle damit die gesetzlichen Abgaben der "selbständigen Personenbetreuer". Den verminderten Werklohn von € 1.039,- würden dann die selbständigen Personenbetreuer direkt von den Angehörigen ausbezahlt erhalten. Mag. ***Bf*** sei in der Wirtschaftskammer Salzburg dafür bekannt, dass er alle Unterlagen, dass die rumänischen Staatsangehörigen selbständige Personenbetreuer würden, vorlege. Mag. ***Bf*** sage immer, dass er Mitarbeiter des Unternehmens "***2***.at" sei. Für ***39*** habe Mag. ***Bf*** aber keine Gewerbeanmeldung gemacht. Sie sei auch seit November 2013 in keinem Dienstverhältnis. Den monatlichen Betrag von € 151,- habe Mag. ***Bf*** laut Dauerauftrag aber trotzdem erhalten. In zwei weiteren Überweisungsaufträgen sei ersichtlich, dass auf das Konto bei der *** von Mag. ***Bf*** am 05.12.2011 ein Betrag von € 498,- für eine Vermittlungsgebühr ***41*** und am 30.04.2013 ein Betrag von € 498,- für "Re. 2013-0029 Honorar Vertragsverl. 04/13" überwiesen worden seien. Mag. ***Bf*** sei aber selber in keinem aufrechten Dienstverhältnis und es werde daher angenommen, dass Mag. ***Bf*** den selbständigen Personenbetreuern selber die Aufträge erteile und an die Angehörigen vermittle, die Werkverträge unterschreiben lasse und dafür Provisionen erhalte. Unter der Homepage: ***HP*** würden diese Dienstleistungen für die Personenbetreuung angeboten. Im Impressum sei ***1***, wohnhaft ***BfAdr*** eingetragen. ***1*** sei angeblich die jetzige Freundin von Mag. ***Bf***. Es werde daher gebeten, gegen Mag. ***Bf*** als Verantwortlichen der "***2***.AT" wegen Übertretung gem. § 366 Abs. 1 GewO im Zusammenhang mit § 5 Abs. 1 GewO bzw. § 1 GewO ein Strafverfahren einzuleiten.
Laut E-Mail der Wirtschaftskammer Salzburg vom 31.03.2014 sei der Bf. an diesem Tag wieder in der Wirtschaftskammer Salzburg gewesen und habe 2 Gewerbeanmeldungen für 2 rumänische Personen durchgeführt. Er sei bei einer neuen Dienstgeberin angestellt, wieder eine rumänische selbständige Personenbetreuerin. Er sage, er sei total unschuldig, weil er habe bestehende Arbeitsverträge, aber seine 3-4 Dienstgeberinnen hätten ihn nie angestellt. Er habe auch seit Jahren monatliche Gehaltsabrechnungen erhalten, er könne sich nicht vorstellen, wer die Abrechnungen gemacht habe. Er sei Besitzer oder Mieter einer Wohnung in ***BfAdr***, und vermiete diese Wohnung an die selbständigen Personenbetreuer weiter. Seine letzte Dienstgeberin ***12*** sei Ende 2012 von dieser Adresse verschwunden und habe alle Konten aufgelöst. Er sei der einzige Mitarbeiter im Büro gewesen. So habe er die Geschäfte selbständig weitergeführt und ein eigenes Konto bei der *** aufgemacht, worauf alles Geld einlaufe. So gebe er zu, selbständig gearbeitet zu haben. Es sei ihm ein persönliches Anliegen gewesen, die "alten Leute" nicht im Stich zu lassen. Warum er dann nicht selber das Gewerbe der Personenbetreuung angemeldet habe, wolle er nicht sagen. Es liege eine neuerliche Anfrage einer selbständigen Personenbetreuerin vor, für welche Mag. ***Bf*** die SVA-Beiträge nicht einbezahlt habe.
Weiters wurde von der Wirtschaftskammer Salzburg am 22.04.2014 ein Schreiben an das Gewerbeamt beim Magistrat Salzburg wegen des Verdachts der Übertretung der Gewerbeordnung durch den Bf. übermittelt., wonach dieser die Gewerbe der Personenbetreuung und Arbeitskräfteüberlassung betreibe, ohne dafür eine aufrechte Gewerbeberechtigung zu besitzen. Die selbständige Personenbetreuerin ***43*** habe sich in der Wirtschaftskammer Salzburg über Mag. ***Bf***, welcher für eine "***2***.at, ***BfAdr***" in der Öffentlichkeit auftrete, beschwert. Der Wirtschaftskammer Salzburg liege ein Vertrag zur Vermittlung von Personenbetreuern zwischen der Auftraggeberin ***44*** und dem Vermittler ***2***.at, Inh. ***1***, GF: Mag. ***Bf***, ***BfAdr***, Mobil: ***45***, Email: ***E-Mail2*** vom 17.03.2012 vor. Dafür erhalte die ***2***.at eine Zahlung, welche auf die Bankverbindung: Mag. ***Bf***, BLZ ***, Konto ***KtoBf*** zu begleichen sei. Die Personenbetreuerin ***43*** sei seit 2011 für die ***2***.at tätig und betreue seit September 2013 die Mutter von ***44***. Es sei ausgemacht, dass die ***2***.at von den Auftraggebern für die selbständigen Personenbetreuer den ausgemachten Werklohn von € 1.190,- erhalten und dann die gesetzlichen Abgaben, wie Sozialversicherung, Finanzamt etc. an die Behörden abrechnen würde. Der Rest vom Werklohn werde dann von der ***2***.at auf das Konto der selbständigen Personenbetreuer überwiesen. Die Personenbetreuerin habe Mag. ***Bf*** ein Honorar für den Zeitraum vom Oktober 2013 - Oktober 2014 in Höhe von € 400,- und einen Betrag für die Sozialversicherung für den Zeitraum vom 15. September 2013 - 14. Dezember 2013 in Höhe von € 450,- am 13.12.2013 bar an Mag. ***Bf*** ausbezahlt. Über die ***2***.at sei ***43*** auch für die Auftraggeberin ***46***, als Personenbetreuerin tätig gewesen. Auch hier sei vereinbart, dass die ***2***.at die Rechnungen für die selbständigen Personenbetreuer an die Auftraggeber schreibe, verschicke und den Erhalt des Werklohnes überprüfe. So werde angenommen, dass der Werklohn auf das Konto von Mag. ***Bf***, IBAN: ***KtoBf***, einlange. Es gebe an ***46*** die Rechnungen 2013-01 vom 09.05.2013 für den Zeitraum 10.04.2013 - 09.05.2013 über € 1.490,-, 2013-02 vom 09.06.2013 für den Zeitraum 10.05.2013 - 09.06.2013 über € 1.490,- und 2013-03 vom 06.07.2013 für den Zeitraum 10.06.2013 - 06.07.2013 über € 1.273,74 (jeweils mit Hinweis auf die Kleinunternehmerregelung). In einem weiteren Werkvertrag werde über die ***2***.at für die Auftraggeberin ***44*** eine weitere selbständige Personenbetreuerin ***47*** vermittelt. Unter Punkt 9. Entgelt sei zu lesen, dass der Auftraggeber den monatlichen Werklohn von € 1.190,- ("incl. MwSt") auf das Konto bei der ***, IBAN: ***KtoBf*** lautend auf Mag. ***Bf*** ***Bf***, ***2***, zu überweisen habe. Der Vertrag sei am 01.06.2013 unterfertigt worden. Am 31.03.2014 sei Mag. ***Bf*** in der Wirtschaftskammer Salzburg gewesen und habe gesagt, dass er im November/Dezember 2012 als Angestellter mitbekommen habe, dass seine "Chefin und Freundin" ***1*** das Geschäft als selbständige Personenbetreuerin nicht mehr durchgeführt habe und angeblich zurück nach Rumänien gefahren sei. So habe Mag. ***Bf*** dann von Dezember 2012 - Oktober 2013 selbständig die ***2***.at weitergeführt ohne die selbständigen Personenbetreuer oder die Kunden davon zu unterrichten. Alle Einzahlungen seien auf sein eigenes Bankkonto eingelangt, Mag. ***Bf*** habe aber die gesetzlichen Abgaben der selbständigen Personenbetreuer dann nicht weitergegeben. Mag. ***Bf*** sei auch bis Oktober 2013 in keinem aufrechten Dienstverhältnis gewesen, obwohl er als "Geschäftsführer" auf Verträgen aufscheine. Warum er nicht selbst eine Gewerbeberechtigung als Personenbetreuer erlangt habe, wolle er nicht sagen, das sei seine Privatsache. Es werde gebeten, gegen Mag. ***Bf*** ***Bf*** als Verantwortlichen der "***2***.AT" wegen Übertretung gem. § 366 Abs. 1 GewO im Zusammenhang mit § 5 Abs. 1 GewO bzw. § 1 GewO ein Strafverfahren einzuleiten.
25. Dem digitalen Archiv der Betriebsprüfung (BP2000) sind die Berechnungen der belangten Behörde im Excel-Format, basierend auf Ein- und Ausgängen auf Bankkonten des Bf. bzw. der angeblichen Inhaberinnen, sowie Kontoauszüge betreffend das Konto lautend auf ***12*** zu entnehmen.
26. Am 31.03.2022 brachte der Bf. folgende ergänzende Stellungnahme, datiert mit 30.03.2022, ein:
"ergänzend zu meinen im Jahr 2015 eingereichten Beschwerden gegen die Steuerbescheide der Jahre 2011 bis 2013, welche beim BFG Linz zu Geschäftszahl RV/5102148/2015 geführt werden, übermittle ich Ihnen in der Anlage die im Finanzstrafverfahren von meinem gem. § 77 Abs. 4 FinStrG eingereichte Rechtfertigung, welche nach Ansicht meines Verfahrenshilfeverteidigers gleichermaßen auch Relevanz für das gegenständliche Abgabenverfahren hat.
Wie bereits in den ursprünglichen Beschwerden ausgeführt, darf ich die Gelegenheit benutzen, zusammenfassend nochmals meinen Rechtsstandpunkt zu übermitteln. Zunächst ist festzuhalten, dass weiterhin von mir bestritten wird, dass die verfahrensgegenständliche Steuerlast meiner Person zuzurechnen ist. Vielmehr ist richtig, dass es in der Zeit von 2011 bis 2014 zwei Eigentümerwechsel der Firma ***2*** gab (Inhaber 1. ***1*** 2011-2012, Inhaber 2: ***12*** 2012-2014, Inhaber 3: ***21*** 2014 - aktuell), und ich von 2011 bis 2018 Angestellter der Firma ***2*** gewesen bin. Bestritten wird jedoch ausdrücklich, dass ich in dieser Zeit als Selbständiger oder Geschäftsführer bzw. faktischer Machthaber der Firma tätig war. Auf die in der Rechtfertigung meines Verfahrenshilfeverteidigers übermittelten Schreiben von Frau Dr. ***35*** vom 29.05.2012, sowie zwei Kontoauszüge von Frau ***1*** vom 29.06.2012 wird höflichst verwiesen. Allein hierdurch wird klar, dass die gegenständliche Steuerlast nicht meiner Person zugerechnet werden kann.
Sollte hingegen das BFG zu der Erkenntnis gelangen, dass die Steuerlast meiner Person zuzurechnen sei, so wird jedoch die angenommene Höhe der Steuerlast ausdrücklich bestritten. Die seitens des Finanzamts ***FA*** zugrunde gelegte Schätzung der Abgaben basiert auf unrichtigen und fehlerhaften Ermittlungsergebnissen im damaligen Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft ***49***, Zahl ***48***. Ausdrücklich wird darauf verwiesen, dass dieses zeitnah von der Staatsanwaltschaft ***49*** mit Beschluss vom 15.09.2017 mangels tatsächlichen Grundes für eine weitere Verfolgung nach §190 Z 2 StPO eingestellt wurde. Hinsichtlich der Bemessungsgrundlage dieser Schätzungen wurden seitens des Finanzamts ***FA*** unzutreffende Werte aus den Ermittlungsergebnissen der LPD LKA EB 7 übernommen, bei denen es sich nachweislich um bloß durchlaufende Posten im Sinne von an damals unter Vertrag stehenden Personen weitergeleitete Werklöhne handelte. Hierzu wurde seinerzeit bereits der Staatsanwaltschaft ***49*** eine 24-seitige detaillierte Auflistung aller eingenommenen und weitergeleiteten Werklöhne übermittelt, welche eindeutig belegt, dass es sich bei den vom Ermittlungsbeamten als "Einnahmen" bezeichneten Zahlungseingängen eben gerade nicht um steuerpflichtige Einnahmen handelt, sondern um steuerlich nicht relevante Durchlaufposten im Sinne von weitergeleiteten Werklöhnen der Personenbetreuerinnen. Sollte diese Aufstellung nicht in Ihren Akten enthalten sein, so würde ich diese umfassende Aufstellung selbstverständlich übermitteln."
In der beigelegten Rechtfertigung gem. § 116 FinStrG wurde Folgendes ausgeführt:
"Herr Mag. ***Bf*** erklärt sich zu den erhobenen Vorwürfen in vollem Ausmaß als NICHT SCHULDIG.
Wie schon im gesamten bisherigen Verfahren dargelegt, wird bereits dem objektiven Tatbestand der Abgabenhinterziehung entgegengetreten, da weder eine Verkürzung an Abgaben noch eine Verletzung einer abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- oder Wahrheitspflicht besteht. Im Besonderen ist auf das zugrundeliegende noch offene Verfahren in Abgabensachen (behängend beim BFG Linz) zu verweisen, welches noch nicht rechtskräftig abgeschlossen ist.
Zentrales Thema im Abgabenverfahren ist die Frage, ob Herrn Mag. ***Bf*** die Einkünfte aus der Betreuungsagentur "***2***. at" zuzurechnen sind oder nicht. Nach Studium der im Rahmen der Akteneinsicht erlangten Akten bestehen erhebliche Zweifel an der Zurechenbarkeit der Einkünfte der Betreuungsagentur "***2***.at" an Herrn Mag. ***Bf***.
Rein exemplarisch wird auf folgende 2 Umstände hingewiesen, welche sich bereits in den bisherigen Akten befinden:
• Schreiben der Rechtsanwältin Dr. ***35*** vom 29.5.2021 [gemeint: 2012]:
In diesem Schreiben wird ausgeführt, dass Frau RA ***35*** für ihre Mandantin, Frau ***1***, von Herrn ***Bf*** umgehend die Aushändigung sämtlicher Geschäftspapiere, Akten sowie steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Unterlagen betreffend das Unternehmen "***2***.at" verlangt. Im Besonderen ist auf den Einleitungssatz dieses Aufforderungsschreibens zu verweisen. Dort wird ausgeführt:
"Ich erlaube mir die rechtsfreundliche Vertretung von Frau ***1***, Inhaberin der Firma ***2*** anzuzeigen."
Es wird somit ausdrücklich darauf Bezug genommen, dass Frau ***1*** Inhaberin der Betreuungsagentur "***2***.at" ist.
• *** Kontoauszug 2/001 vom 29.06.2012 von Frau ***1***: Aus diesem Kontoauszug geht eindeutig hervor, dass der bisherigen Inhaberin der "***2***.at", Frau ***1*** von der neuen Inhaberin, Frau ***12*** mehrere Ablösezahlungen für den Kundenstock erhalten hat.
Schließlich kann daher festgehalten werden, dass durch Zusammenschau dieser beiden Beweismittel schließlich der Beweis erbracht werden konnte, dass sowohl Frau ***1*** als auch Frau ***12*** als alleinige Inhaberinnen der Betreuungsagentur "***2***.at" anzusehen sind und daher sowohl für das objektive Tatbestandsmerkmal der Verkürzung an Abgaben als auch der Verletzung einer abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- oder Wahrheitspflicht kein Raum bleibt.
Sowohl das Schreiben der Rechtsanwältin ***35*** als auch der Kontoauszug der *** werden diesem Schreiben als Anlage beigefügt."
[...]
Weiters wurde ein Schreiben der Staatsanwaltschaft ***49*** vom 15.09.2017 übermittelt, mit welchem der Bf. von der Einstellung des gegen ihn wegen des Verdachts auf Veruntreuung (§ 133 Abs. 1 und 2 StGB) sowie gewerbsmäßigen Betrugs (§ 146 ff StGB) geführten Ermittlungsverfahren gemäß § 190 Z 2 StPO verständigt wurde. Darin wurde ausgeführt: "Tatbestand der Veruntreuung oder des Betruges mit der für ein Strafverfahren erforderlichen Sicherheit nicht erfüllt. Offensichtlich zahlreiche Missverständnisse und Kommunikationsprobleme. Ein Bereicherungsvorsatz war nicht erweislich. Zivilrechtliche Angelegenheit."
27. Aus einer weiteren Stellungnahme des Verfahrenshilfeverteidigers im gegen den Bf. geführten Finanzstrafverfahren vom 14.05.2022 geht im Wesentlichen Folgendes hervor:
Der Verdacht, der Beschuldigte sei faktischer Machthaber des Einzelunternehmens "***2***.at" gewesen, werde weiterhin bestritten und es werde erneut auf die bereits in der Rechtfertigung nochmals explizit vorgelegten Beweismittel verwiesen: Im Schreiben von Rechtsanwältin ***35*** vom 29.05.2012 sei die Herausgabe sämtlicher Geschäftspapiere, Akten, sowie steuerlicher und sozialversicherungsrechtlicher Unterlagen gefordert worden und dieser Aufforderung nachweislich und unverzüglich nachgekommen worden. Weiters auf Kontoauszüge der *** von ***1*** vom 29.06.2012, die belegen würden, dass das Unternehmen "***2***.at" von ***1*** an ***12*** veräußert worden sei. Zudem der Umstand, dass dem Beschuldigten im Oktober 2012 seitens Frau ***12*** die Kontovollmacht für das Geschäftskonto entzogen worden sei. All diese Fakten würden deutlich zeigen, dass der Beschuldigte zu keiner Zeit faktischer Machthaber der Firma "***2***.at" gewesen sein könne.
Völlig unzutreffend werde in der Niederschrift vom 24. Jänner 2014 der Sachverhalt wiedergegeben, wonach der Beschuldigte der Anforderung diverser Unterlagen trotz Aufforderung nicht nachgekommen sei und sich ausdrücklich geweigert habe, Bankauszüge vorzulegen. Seitens des Beschuldigten werde ausdrücklich klargestellt, dass diese Weigerung nicht auf einem Willensentschluss seinerseits beruht habe, sondern dass es ihm mangels rechtlicher noch tatsächlicher Innehabung über diese Dokumente schlichtweg unmöglich gewesen sei, diese herauszugeben, da diese gemäß Aufforderungsschreiben vom 29.05.2012 an RA ***35*** übermittelt worden seien und sich diese somit im Besitz von ***1*** und/oder ***12*** befinden müssten.
Dass der Zwischenbericht des Insp. ***34*** vom LKA aufgrund erheblicher Ermittlungsfehler nicht mehr den Tatsachen entsprechen würde, ergebe sich aus dem Beschluss der StA ***49*** vom 15.09.2017, wonach das Ermittlungsverfahren mangels tatsächlichen Grundes für eine weitere Verfolgung nach § 190 Z 2 StPO eingestellt worden sei. Das Finanzamt hätte eine Neubewertung der von Insp. ***34*** herangezogenen Ermittlungsergebnisse durchführen müssen, woraus sich ergeben hätte müssen, dass die von ihm erhobenen Daten nicht als Grundlage für die Ermittlung einer Bemessungsgrundlage dienen könnten.
Auch die Aussage in der damaligen Rücksprache mit Insp. ***34*** seitens des Finanzamts ***FA***, wonach es hinsichtlich der steuerlichen und finanzstrafrechtlichen Sachverhalte keine Änderungen gäbe, sei spätestens mit dem Beschluss der StA ***49*** vom 15.09.2017 nicht mehr aufrechtzuerhalten.
Es sei zwar zutreffend, dass sich die für die BP wesentlichen Bankkontodaten nicht mehr ändern würden; völlig unzutreffend sei jedoch, dass aus diesen Bankkontodaten die Einnahmen und Ausgaben samt Gewinn hervorgingen. Seitens Insp. ***34*** sei im Zuge der Ermittlungen eine völlig undifferenzierte Aufstellung erstellt worden, in der wesentliche Aspekte, wie durchlaufende Posten gänzlich unberücksichtigt geblieben seien. Zudem seien durchlaufende Posten, i. e. Werklöhne der unter Vertrag stehenden Betreuerinnen, zur Gänze den steuerbaren Betriebseinnahmen zugeschrieben und in der Folge auch USt darauf erhoben worden, obwohl sämtliche Personenbetreuerinnen auf selbständiger Basis als Kleinunternehmer agieren würden und auf deren Werklöhne keine USt gem. § 6 Abs. 1 Z 27 UStG anfalle.
Absolut zutreffend sei auch die Aussage des Beschuldigten, dass die Einkünfte nicht ihn betreffen würden und der Verweis auf die Fehlerhaftigkeit des Zwischenberichts des LKA, wiederum belegbar mit dem Beschluss der StA ***49*** vom 15.09.2017, wonach das Ermittlungsverfahren mangels tatsächlichen Grundes für eine weitere Verfolgung nach § 190 Z 2 StPO eingestellt worden sei. Spätestens seit 15.09.2017 hätte also auch dem Finanzamt ***FA*** bekannt sein müssen, dass die seitens des Finanzamts herangezogenen Ermittlungsergebnisse von Insp. ***34*** falsch gewesen seien und die erhobenen Daten nicht als Grundlage für die Ermittlung einer Bemessungsgrundlage herangezogen werden hätten dürfen.
Der Umstand, dass der Beschuldigte auf den Konten der Firmeninhaberinnen zeichnungsberechtigt gewesen sei, könne nicht dazu führen, dass dieser als Geschäftsführer bzw. faktischer Machthaber anzusehen sei. Die bloße Zeichnungsberechtigung schließe eine Vielzahl von Aktivitäten aus (Abschluss von Kreditverträgen, etc.), die ausschließlich vom Firmen- bzw. Kontoinhaber vorgenommen werden könnten.
Ausdrücklich widersprochen werde auch der Feststellung, dass die angeführten Damen niemals in der Betriebsführung tätig gewesen seien. Seitens ***1*** sei z.B. zu Beginn ihrer Tätigkeit bei der *** ein Kreditrahmen eingerichtet worden, ferner habe sie rechtlichen Beistand bei Dr. ***35*** in Anspruch genommen, um die Herausgabe sämtlicher in der gemeinsamen Wohnung befindlichen Firmenunterlagen zu fordern, schließlich habe Frau ***1*** den Verkauf der Firma "***2***.at" an ***12*** gegen Ablösezahlungen des Kundenstocks durchgeführt (siehe hier Kontoauszüge der *** von Frau ***1***, Kto. ***Kreditkonto*** vom 29.06.2012), ***12*** schließlich habe z.B. im Oktober 2012 die Zeichnungsberechtigung des Beschuldigten auf dem Firmenkonto widerrufen. Diese Tätigkeiten würden allesamt Tätigkeiten eines Geschäftsführers bzw. Betriebsinhabers wiederspiegeln. Sämtliche Firmeninhaberinnen seien daher in ihrer Funktion als Betriebsinhaberinnen in Erscheinung getreten, womit die steuerlichen Einkünfte der "***2***.at" auch diesen Personen zuzurechnen seien. Für die Eigenschaft eines faktischen Machthabers des Beschuldigten bleibe daher kein Raum mehr.
Auch die Grundlage der Schätzung, bei denen vom Finanzamt lediglich die Ein- und Ausgänge aus jenen Bankkonten herangezogen worden seien, die die Polizei ausgewertet habe, basiere auf gravierenden Ermittlungsfehlern und falschen Schlussfolgerungen des Insp. ***34***. So werde angeführt, dass sich aus den jeweiligen Verträgen zwischen gepflegter Person, ***2***.at und pflegender Person ergeben habe, dass die Zahlungen gänzlich inkl. Umsatzsteuer erfolgt seien. Dies sei unzutreffend; entsprechende Dokumente in den damals sichergestellten Unterlagen würden das Gegenteil belegen. Zutreffend sei vielmehr, dass die Vermittlungshonorare gegenüber der gepflegten Person, wie auch die Vermittlungshonorare gegenüber den pflegenden Personen steuerpflichtige Umsätze darstellen würden. Unzutreffend sei hingegen, dass es sich auch bei den von den Familien geleisteten Zahlungen der Werklöhne für die pflegenden Personen um steuerpflichtige Umsätze handle. Bei den seitens der Firma ***2***.at vereinnahmten und in der Folge an die pflegenden Personen weitergeleiteten Werklöhne, die zudem einen erheblichen Anteil der Zahlungseingänge auf den gegenständlichen Konten darstellen würden, handle es sich um durchlaufende Posten, nicht um steuerpflichtige Umsätze. Zudem würden sämtliche pflegenden Personen die Kleinunternehmerbefreiung gem. § 6 Abs. 1 Z 27 UStG in Anspruch nehmen. Exemplarisch wurde eine Rechnung aus dem Jahr 2012 von ***5*** an ***2*** für die Betreuung von ***4*** über ein Betreuungsentgelt in Höhe von € 1.134,48 abzüglich SVA-Beiträge in Höhe von € 151,68, gesamt € 982,80 und dem Hinweis, dass laut anzuwendender Kleinunternehmerregelung analog § 6 UStG kein Ausweis der USt erfolge, beigefügt.
[...]
Diese Rechnungen seien in den sichergestellten Unterlagen im Ermittlungsverfahren der StA ***49*** enthalten gewesen, und zwar von sämtlichen pflegenden Personen, in der Auswertung der Unterlagen seien diese jedoch seitens Insp. ***34*** offensichtlich nicht beachtet und gewürdigt und nicht als durchlaufende Posten gewertet worden. Aus diesem unrichtigen Ermittlungsansatz seien vom zuständigen Finanzamt in der Folge unzutreffende Schätzungen vorgenommen worden.
So sei es nachweislich unzutreffend, dass aus den gesamten Bruttoeingängen die Umsatzsteuer herausgerechnet worden sei. Ebenso unzutreffend sei, dass für die Gewinnermittlung von den Nettoeingängen lediglich die Zahlungen an die Pflegerinnen, sowie die Zahlungen an die Sozialversicherung abgezogen worden seien. Stetig wiederkehrende und auf den Bankkonten eindeutig ersichtliche und zuordenbare Ausgaben / Zahlungen wie z. B. Miete, Kfz-Versicherungen, Telefon, Internet, etc., die sich erheblich steuermindernd auswirken würden, seien bei diesen Schätzungen völlig unberücksichtigt geblieben.
Auch die in der Niederschrift der Finanzpolizei vom 06.02.2013 getroffene Aussage, wonach die Pflegerinnen ein jährliches Vermittlungshonorar von 415,00 Euro (bzw. später höher) zuzüglich Umsatzsteuer und jeweils eine Bearbeitungsgebühr von 15,00 Euro zuzüglich Umsatzsteuer zu entrichten gehabt hätten, sei unzutreffend. Exemplarisch werde eine Rechnung angefügt, die den tatsächlichen Sachverhalt klar belege.
[...]
Normen und Schlagworte
- § 4 Abs. 3 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 2 Abs. 1 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5102148/2015
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.5102148.2015
- Stammnummer
- 142332
- Gültig
- 19.09.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF