Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100295/2022
Keine verdeckte Ausschüttung bei durch den der Gesellschafterin nahestehenden Geschäftsführer veranlassten Scheinrechnungen
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/5100295/2022vom 26.01.2023Teil 4 von 5
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
In öffentliche Registern wurde nur das Geschäftsjahr 2016 der ***8*** veröffentlicht. Gegründet wurde das Unternehmen über Initiative des ***9*** mit Gesellschaftsvertrag vom 20. November 2015 und war diese Gesellschaft als Nachfolgeunternehmen für die ***10*** vorgesehen. Gesellschafter waren zunächst laut Gesellschaftsvertrag ***9*** (45%), die Bf. (ebenfalls zu 45%) und ***37*** (mit 10%). Da ***10*** die ihr in ***EU-Mitgliedstaat 1*** vorgeschriebenen Abgaben und Sozialversicherungsbeiträge nicht vollständig beglichen hatte, standen die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Rechtsvorschriften einer Gesellschafterstellung der Gesellschafter der ***10*** in der Nachfolgegesellschaft entgegen und wollte ***9*** nicht offiziell als Gesellschafter der ***8*** auftreten, weil er befürchtete, dass seine Anteile im Rahmen seiner Privatinsolvenz verwertet werden könnten (vgl. S. 18 f der Anklageschrift betreffend ***9*** vom 27.8.2021).
Daher wurde beschlossen, dass ***68*** (90%) und ***69*** (10%) im ***EU-Mitgliedstaat 1*** Handelsregister als Gesellschafter eingetragen werden und die Anteile treuhändig für ***9*** halten sollten (vgl. S. 19 der Anklageschrift betreffend ***9*** vom 27.8.2021). Die Anzahl der Mitarbeiter wurde im Jahr 2016 mit fünf Mitarbeitern angegeben. Tatsächlich ist die ***8*** der "Firmengruppe ***34***" zuzurechnen und war ***9*** deren faktischer Geschäftsführer. Die ***8***, ***EU-Mitgliedstaat 1*** ist die Nachfolgefirma der ***10***, ***EU-Mitgliedstaat 1***, die vor allem wegen offener Steuerschulden und Sozialversicherungsbeiträge der ***10*** gegründet wurde.
Von der ***1*** wurden laut Buchhaltung Banküberweisungen auf das ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonto ***14*** im Jahr 2016 in Höhe von insgesamt
€ 163.816,00 und 2017 von insgesamt € 136.509,00 geleistet, die in der Buchhaltung auf dem Lieferantenkonto Nr. ***70*** als "AKONTO-Zahlungen" aufscheinen. Als Betriebsausgaben unter dem Titel Fremdleistungen sind laut Buchhaltung im Jahr 2016 insgesamt € 46.746,20 und im Jahr 2017 insgesamt € 446.359,47 geltend gemacht worden, die die ***8*** betreffen.
Im Jahr 2016 sind laut Buchhaltungskonto ***71*** der ***1*** an die ***8*** um € 117.069,80 zu viel an AKONTO-Zahlungen überwiesen worden. Die Überzahlung aus 2016 ist im Jahr 2017 mit Eingangsrechnungen ausgeglichen worden, wobei 2017 insgesamt € 446.359,47 als Betriebsausgaben für die ***8*** geltend gemacht wurden.
Im Jahr 2017 sind laut Buchhaltung der ***1*** insgesamt € 156.948,84 +
€ 11.937,79 (= in Summe € 168.886,63) der vorhandenen Eingangsrechnungen bar an die ***8*** bezahlt worden.
Bei den im Jahr 2017 bar bezahlten Rechnungen der ***8*** von insgesamt € 168.886,63 handelt es sich tatsächlich um Scheinrechnungen, denen keine Leistungen der ***8*** an die ***1*** zugrunde liegen.
Tatsächlich sind die laut Kassabuch der ***1*** an die ***8*** im Jahr 2017 getätigten Barzahlungen nicht an die ***8*** erfolgt, sondern sind diese Beträge ***9*** zugekommen und hat er damit zum Teil die tatsächlich für die ***1*** tätigen ***EU-Mitgliedstaat 1*** LKW-Fahrer bezahlt. Auf die Bezahlung der LKW-Fahrer entfiel dabei ein Betrag von € 132.000,00, sodass ***9*** letztlich 2016 € 36.886,63 zugeflossen sind. Von diesem Zufluss hat die Bf. nichts gewusst und lag es auch nicht in ihrem Interesse.
1.6 Zu ***26*** (vormals 20 St 8/14k) führt die ***StA*** ein Strafverfahren gegen ***9*** und zwar wegen § 156 Abs. 1 und 2 StGB, der Abgabenhinterziehung nach § 33 Abs. 1 FinStrG, wegen des Finanzvergehens der gewerbsmäßigen Abgabenhinterziehung nach §§ 33 Abs. 1, 38 Abs. 1 FinStrG idF vor BGBl. Nr. 62/2019 und des Finanzvergehens des Abgabenbetruges nach §§ 33 Abs. 1, 39 Abs. 1 lit. a FinStrG idF BGBl. I Nr. 62/2019, wobei am 27.8.2021 die Anklageschrift ergangen ist. Die laut Buchhaltung der ***1*** an die ***8*** und an die ***3*** erfolgten Zahlungen wurden im Rahmen der betrügerischen Krida mitangeklagt (Punkt VI.B. und VI.C. der Anklageschrift). Die zu Punkt 1.2 bis 1.5 festgestellten Zuflüsse an ***9*** wurden unter Punkt III.2 angeklagt (vgl. auch Punkt VIII.B der Anklageschrift).
Die Bf. wurde in diesem Strafverfahren als Mitbeschuldigte geführt und ist am 27.8.2021 die Einstellung gemäß § 190 Z 2 StPO erfolgt, weil kein tatsächlicher Grund zur weiteren Verfolgung mehr bestanden hat.
Am 20.7.2022 hat sich die Bf. dem Strafverfahren gegen ***9*** als Privatbeteiligte angeschlossen.
In der Hauptverhandlung vom 25. November 2022 vor dem Landesgericht ***72*** zu ***73*** wurde ***9*** unter anderem wegen folgende Delikte verurteilt:
Betrügerische Krida gemäß § 156 Abs. 1 und 2 StGB im Zeitraum 2016 bis zum 9.10.2017 zu Lasten der ***1*** indem er nachstehend angeführte Beträge entnommen und für unternehmensfremde Zwecke verwendet hat, wodurch er einen Gläubigerausfall von insgesamt € 389.676,26 verursacht hat:
€ 41.606,50 am 24.7.2017 unter dem Vorwand damit wären Rechnungen der ebenfalls in seinem Einflussbereich stehenden ***8*** bezahlt worden
€ 179.927,00 2016 unter dem Vorwand, damit wären 12 Eingangsrechnungen der ***3*** bezahlt worden
€ 177.142,76 im Jahr 2017 ohne werthaltige Gegenleistung
Abgabenbetrug gemäß §§ 33 Abs. 1, 39 Abs. 1 lit. a FinStrG betreffend die ***1*** unter Verwendung falscher Beweismittel, nämlich durch die Aufnahme von Scheinrechnungen und Scheingutschriften in das buchhalterische Rechenwerk, derweil die jeweiligen Beträge an die angeführten Empfänger tatsächlich weder gutgeschrieben noch bezahlt worden waren und zwar unter anderem in mehrfachen Angriffen durch Nichtabfuhr und Nichtanmeldung von Kapitalerträgen zum Fälligkeitszeitpunkt betreffend die in den Jahren 2013 bis 2017 zugeflossenen Kapitalerträge, wodurch Abgaben, die selbst zu berechnen sind, nämlich Kapitalertragsteuer zu niedrig festgesetzt wurde und zwar mit einem strafbestimmenden Wertbetrag von insgesamt € 176.379,88 (das ist die Summe der mit den angefochtenen Bescheiden der Bf. vorgeschriebenen Kapitalertragsteuer).
Dieses Urteil ist in Rechtskraft erwachsen.
2. Beweiswürdigung
Die Feststellungen betreffend die ***1*** gründen sich auf das Firmenbuch (FN ***46*** des Landesgerichts ***52***) und sind zwischen den Parteien auch nicht strittig. Die Feststellungen betreffend das in den Jahren 2015 bis 2017 anhängige Schuldenregulierungsverfahren gründen sich auf die Ediktsdatei.
Die Feststellungen betreffend die Tätigkeit der Bf. in der ***1***, deren Wissenstand und ihr Verhältnis zu ***9*** gründen sich auf die Aussage der Bf. vor dem ***74*** am 20.2.2018 (vgl. Seite 3 Frage: "Haben Sie sich oder wurden Sie jemals über die finanzielle Situation der beiden Unternehmen (Anmerkung: eine war die ***1***) informiert?" Antwort: "Ja, es ist alles gelaufen. Dass es den Unternehmen nicht so gut geht, habe ich schon mitbekommen. Aber es ist ja alles gelaufen."; Seite 4 Frage: "Waren Sie mit den Barentnahmen und Bareinlagen aus und in die Kassa der ***1*** befasst?" Antwort: "Ja, bei der ***1*** habe ich das Kassabuch gemacht."; Seite 5 Frage: "Waren Sie in die operativen Geschäfte der … ***1***, ***10*** oder ***8*** jemals eingebunden?" Antwort: "Nein.") sowie auf die Aussage von ***21*** (vgl. Seite 5 der Einvernahme vom 20.9.2017 vor dem ***74***: "Sie vertraut ***9*** blind und glaubt, dass es der Firma schlecht geht…. Sie glaubt ja er sei der Topmanager und habe Pech, weil der Geschäftsgang schlecht ist.") sowie auf die von der Bf. in der mündlichen Verhandlung am 25.1.2023 gemachten Angaben. Dass die Bf. keine Kenntnis gehabt hat, dass sich ***9*** unrechtmäßig Gelder der ***1*** zugeeignet hat, wobei diesbezüglich auf die getroffenen Feststellungen verwiesen wird, ergibt sich aus daraus, dass das gegen die Bf. wegen § 156 Abs. 1 und 2 StGB, § 153c StGB,
§§ 153 Abs. 1 Z 2 und 153e Abs. 2 StGB zu ***26*** der ***StA*** geführte Ermittlungsverfahren gemäß § 190 Z 2 StPO eingestellt wurde, weil kein tatsächlicher Grund zur weiteren Verfolgung bestanden hat (Benachrichtigung der ***StA*** vom 27.8.2021). Auch hat sich aus den von den Parteien vorgelegten Unterlagen kein Hinweis ergeben, dass der Bf. bekannt gewesen wäre, dass es sich bei den bar mit Mitteln der ***1*** bezahlten Rechnungen bzw. Gutschriften um Scheinrechnungen gehandelt hat.
Der Umstand, dass die Bf. bis zu dem Zeitpunkt an dem ihr die Verdachtslage durch die ***StA*** gegen ***9*** im Zuge des Strafverfahrens gegen ***9*** und die Bf. (***26***) im Jahr 2018 mitgeteilt wurde, nichts davon gewusst hat, dass ***9*** einen aufwendigen Lebenswandel geführt hat, ergibt sich aus der Beantwortung der Fragen 9 und 10 des Finanzamtes Österreich vom 28.7.2021. Auch entspricht es der Lebenserfahrung, dass die Führung einer außerehelichen Beziehung, wobei mit der Frau, mit der ***9*** diese Beziehung geführt hat, der aufwendige Lebensstil geführt wurde, von der Ehegattin nicht ohne irgendeine Reaktion toleriert würde. Nachdem die Bf. von der außerehelichen Beziehung durch die Ermittlungsergebnisse im Strafverfahren gegen ***9*** der ***StA*** im Jahr 2018 erfahren hat, wurde bereits im Jänner 2019 von ihr die Scheidungsklage eingereicht.
Die Feststellungen betreffend die Ehe zwischen der Bf. und ***9*** gründen sich auf die beim Bezirksgericht ***75*** zu ***76*** eingebrachten Klage der Bf. Daraus ergibt sich auch, dass die Bf. erst im Laufe des Jahres 2018 davon erfahren hat, dass ***9*** ein Doppelleben geführt haben soll (S. 2 unten der Klage).
Die Feststellung, dass ***21*** während seiner Geschäftsführung bekannt war, dass ***9*** Barmittel aus der ***1*** entnommen hat und keine Maßnahmen gesetzt hat dies zu verhindern bzw. die entnommenen Gelder zurückzufordern, gründet sich auf dessen Aussage als Zeuge in der Einvernahme durch die ***74*** am 20.9.2017, in der er angegeben hat, dass ***9*** immer wieder Gewinne als Privatentnahme entnommen hat. Die weitere Feststellung, dass die Eintragung von ***21*** als Geschäftsführer im Firmenbuch nur zum Schein erfolgt ist, gründet sich auch auf die Aussage von ***21*** vor dem ***74*** (vgl. Seite 3 der Niederschrift vom 20.9.2017: "Es war damals ja so, dass ich lediglich zum Schein als Geschäftsführer ... der ***1*** eingesetzt war. Ich hatte weder Einfluss auf die Geschäftsgebarung noch auf die finanziellen Abwicklungen gehabt.") sowie auch auf die Anklageschrift ***StA*** betreffend ***9*** zu ***26*** vom 27.8.2021, in der ausgeführt wird, dass ab 30. Oktober 2015 ***21***, MBA, zum Schein als Geschäftsführer der ***1*** fungiert hat und tatsächlicher Geschäftsführer weiterhin ***9*** gewesen ist (S. 15 der Anklageschrift).
Die Feststellung, dass ***48*** im Zeitraum 9.1.2017 bis 25.5.2017 lediglich zum Schein als Geschäftsführer im Firmenbuch eingetragen wurde und die Geschäfte der ***1*** von ***9*** geführt wurden, gründet sich aus die Aussage von ***21*** vor dem ***74***. So hat dieser ausgesagt, dass ***48*** schwerer Alkoholiker ist und sich schon ab 9 Uhr früh im Gasthaus ***77*** aufhält (Seite 5 der Niederschrift vom 20.9.2017). ***9*** hat laut Aussage von ***21*** Herrn ***48*** beim Kartenspielen kennengelernt, sodass in freier Beweiswürdigung davon ausgegangen wird, dass mangels entsprechender Kenntnisse und mangels entsprechender physischer und psychischer Verfassung Herrn ***48*** gar nicht der Lage und gewillt war die Geschäfte der ***1*** zu führen, sondern dieser - gegen eine entsprechende Gegenleistung zur Finanzierung seines Alkoholkonsums - die für die Eintragung in das Firmenbuch erforderliche Unterschrift geleistet hat.
Dass sowohl ***21*** MBA als auch ***48*** als Scheingeschäftsführer von ***9*** eingesetzt wurden und tatsächlich er die Geschäfte der ***1*** auch in diesem Zeitraum führte ergibt sich auch daraus, dass gegen ***9*** im Zeitraum 23.7.2015 bis 14.6.2017 ein Schuldenregulierungsverfahren anhängig war.
Der Umstand, dass ab Eintragung von ***47*** als Geschäftsführer der ***1*** im Firmenbuch (das war am 12.9.2017) die Geschäftsführungsentscheidungen aber weiterhin von ***9*** getroffen wurden, ergibt sich beispielsweise daraus, dass ***47*** ***9*** sogar wegen der Bezahlung eines Betrages von € 20 um Erlaubnis fragen musste (vgl. Seite 16 der Anklageschrift betreffend ***9*** vom 27.8.2021). Überdies hat ***9*** am 9.10.2017 selbst angegeben. Dass ***47*** derzeit keinerlei Entscheidungsbefugnis hätte (vgl. S. 18 unten der Anklageschrift vom 21.8.2021).
Die Feststellung, dass es sich bei den in der Buchhaltung der ***1*** enthaltenen Eingangsrechnungen der ***25*** des Jahres 2013 um Scheinrechnungen handelt und sich die laut Kassabuch der ***1*** an die ***25*** bar bezahlten Beträge - nach Abzug der Löhne, die für die tatsächlich bei der ***1*** beschäftigten ***EU-Mitgliedstaat 1*** LKW-Fahrer bezahlt wurden - ***9*** zugeeignet hat, folgt aus den Ermittlungsergebnissen der ***StA*** zu [...] (luxuriöser Lebenswandel wie zB [...] Reise nach [...] im Jahr 2015 um € 4.200,-; Ankauf von [...] für seine beiden Kinder; vgl. Seite 11 f der Ausführungen in der Anordnung zur Festnahme von ***9*** vom 6.10.2017, [...], unter Punkt A.4.). Diese Feststellung wird auch durch die Aussage von ***21*** als Zeuge durch das ***74*** am 20.9.2017 gestützt. So hat Herr ***21*** angegeben, dass ***9*** immer wieder Gewinne als Privatentnahme genommen und er von diesem Geld gelebt hat. Dies hätte Herr ***34*** auch deswegen gemacht, weil sein Gehalt gepfändet war (vgl. Seite 3 der Niederschrift vom 20.9.2017). Auch hat Herr ***21*** ausgesagt, dass Herr ***34*** immer
€ 4.000 bis € 5.000 in bar eingesteckt hatte (vgl. Seite 4 der Niederschrift vom 20.9.2017).
Der Umstand, dass die ***25*** keine Transportleistungen im Jahr 2013 für die ***1*** erbracht hat, folgt zu einem aus deren Unternehmensgegenstand. Dieser ist nämlich nicht das Transportgewerbe, sondern der Großhandel mit Foto- und optischen Erzeugnissen, elektrischen Haushaltsgeräten und Geräten der Unterhaltungselektronik (vgl. die ***29***-Auskunft vom 22.7.2019). Auch die gelegten Rechnungen selbst deuten auf das Vorliegen von Scheinrechnungen hin, weil die Frachtkosten ohne irgendeine Aufgliederung/Aufschlüsselung jeweils in einer Summe angegeben werden. Überdies liegen die Aufstellungen, die diesen Rechnungen beiliegen sollen, nicht vor. Auch finden sich in den Rechnungen keine Hinweise mit welchen Fahrzeugen (die Truck Nr. ist in den in der Buchhaltung der ***1*** enthaltenen Rechnungen nicht angeführt) die Transporte durchgeführt werden sein sollen. Ferner fehlen sonstige Nachweise über die angeblich durch die ***25*** durchgeführten Transporte (Auftragsschreiben; Frachtpapiere; CMR) zur Gänze, obwohl deren Vorlage im Rahmen der Betriebsprüfung verlangt wurde. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass Geschäftsführerin und 100%-Gesellschafterin der ***25*** die Ehefrau von ***7***, dem Geschäftsführer der ***3*** ist und daher hinsichtlich der ***25*** davon auszugehen ist, dass der Erhalt der Scheinrechnungen auf dieselbe Weise erfolgt ist wie bei der ***3***
Die Feststellungen betreffend die Beziehung der ***10*** zur ***1*** gründen sich auf folgende Beweismittel:
Dass die ***10*** für die ***1*** keine Transporte durchgeführt hat, gründet sich auf die im Zuge der Betriebsprüfung AB.Nr. ***20*** durchgeführten MIAS-Abfragen, aus denen sich ergibt, dass von der ***10*** keine Transporte oder sonstige Leistungen für die ***1*** erbracht wurden. Weiters ist darauf hinzuweisen, dass außer den Gutschriften betreffend Frachtkosten, die von der ***1*** erstellt wurden, keinerlei Unterlagen (Auftragserteilungen; Frachtpapiere wie CMR etc.) über die angeblichen Transportleistungen der ***10*** vorhanden sind bzw. vorgelegt wurden. Auch ist es betreffend die in bar bezahlten Gutschriften zu keinen entsprechenden Eingängen auf den Bankkonten der ***10*** gekommen. Auch Empfangsbestätigung darüber sind nicht vorhanden (vgl. Seite 45 der Anklageschrift betreffend ***9*** vom 27.8.2021).
Auch die von der Betriebsprüfung abgefragten ***78*** Daten (Auskunft vom 5.7.2019) über die ***10*** belegen, dass die ***10*** aufgrund der Sach- und Personalausstattung gar nicht der Lage war für die ***1*** Gütertransportleistungen zu erbringen: So hatte das Unternehmen im Jahr 2012 nur einen (!) Mitarbeiter und im Jahr 2014 drei Mitarbeiter. Der Umsatz hat laut gelegten Einzelabschlüssen 2012 und 2014 jeweils Null (!) betragen (für 2013 wurde kein Einzelabschluss gelegt, genauso wie für die Jahre 2015 bis 2018).
Dass die Bf. Alleingesellschafterin der ***10*** war, ergibt sich aus der angeführten ***78***-Auskunft vom 5.7.2019. Der Umstand, dass tatsächlich ***9*** die Geschäfte der ***10*** geführt hat, ergibt sich aus den Ermittlungsergebnissen durch die ***StA*** (im Folgenden: ***StA***) und wird diesbezüglich auf die Ausführungen in der Anordnung zur Festnahme von ***9*** vom 6.10.2017, [...] (Seite 7 unter Punkt A.2.d.), sowie auf die Ausführungen unter Punkt III.D. der Anklageschrift betreffend ***9*** vom 27.8.2021 (Seite 17 f) verwiesen.
Der Umstand, dass sich ***9*** die laut Buchhaltung der ***1*** in den Jahren 2014 und 2015 an die ***10*** bar bezahlten Beträge - nach Bezahlung der tatsächlich für die ***1*** tätigen LKW-Fahrer - zugeeignet und für die Bestreitung seiner Kosten der Lebensführung verwendet hat, folgt ebenfalls aus den Ermittlungsergebnissen der ***StA*** zu [...] (luxuriöser Lebenswandel wie zB [...] Reise nach [...] im Jahr 2015 um € 4.200,-; Ankauf von [...] für seine beiden Kinder; vgl. Seite 11 f der Ausführungen in der Anordnung zur Festnahme von ***9*** vom 6.10.2017, [...], unter Punkt A.4.). Diese Feststellung wird auch durch die Aussage von ***21*** als Zeuge durch das [...] am 20.9.2017 gestützt. So hat Herr [...] angegeben, dass ***9*** immer wieder Gewinne als Privatentnahme genommen und er von diesem Geld gelebt hat. Dies hätte Herr [...] auch deswegen gemacht, weil sein Gehalt gepfändet war (vgl. Seite 3 der Niederschrift vom 20.9.2017). Auch hat Herr [...] ausgesagt, dass Herr [...] immer € 4.000 bis € 5.000 in bar eingesteckt hatte (vgl. Seite 4 der Niederschrift vom 20.9.2017). Dass die ***9*** zugeflossenen Gelder auch für Bordellbesuche und für Lokalrunden verwendet wurden folgt zum Beispiel aus der Anklageschrift vom 27.8.2021 (S. 9).
Die Feststellung, dass mit einem Teil der laut Buchhaltung der ***1*** an die ***10***S.R.L. bar bezahlten Beträgen Herr [...] tatsächlich die für die ***1*** tätigen ***EU-Mitgliedstaat 1*** LKW-Fahrer bezahlt hat, folgt aus der Aussage des Zeugen [...] vor dem [...] (vgl. Seite 5 f der Niederschrift vom 14.9.2017: "… die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Fahrer sind mit dem Privat-PKW nach [...] gekommen und haben in der Firma ein Startgeld von 500 Euro sowie den LKW übernommen. Die Fahrer brauchten pro Monat ca. 1.500 bis 2.000 Euro Fahrtengeld. Der Fahrer fuhr die entsprechende Tour und kam wieder in die Firma nach [...] zurück. Sie haben dann die Belege abgeliefert und sind dann in bar bezahlt worden. … Die Fa. ***10*** hat tatsächlich eigentlich nie existiert.").
Die Feststellung, dass es sich bei den in der Buchhaltung der ***1*** enthaltenen Eingangsrechnungen der ***3*** des Jahres 2016 um Scheinrechnungen handelt und sich die laut Kassabuch der ***1*** an die ***3*** bar bezahlten Beträge - nach Abzug der Löhne, die für die tatsächlich bei der ***1*** beschäftigten ***EU-Mitgliedstaat 1*** LKW-Fahrer bezahlt wurden - ***9*** zugeeignet hat, folgt aus den Ermittlungsergebnissen der ***StA*** zu [...] (luxuriöser Lebenswandel wie zB [...] Reise nach [...] im Jahr 2015 um € 4.200,-; Ankauf von [...] für seine beiden Kinder; vgl. Seite 11 f der Ausführungen in der Anordnung zur Festnahme von ***9*** vom 6.10.2017, [...], unter Punkt A.4.). Diese Feststellung wird auch durch die Aussage von ***21*** als Zeuge durch das [...] am 20.9.2017 gestützt. So hat Herr [...] angegeben, dass ***9*** immer wieder Gewinne als Privatentnahme genommen und er von diesem Geld gelebt hat. Dies hätte Herr [...] auch deswegen gemacht, weil sein Gehalt gepfändet war (vgl. Seite 3 der Niederschrift vom 20.9.2017). Auch hat Herr [...] ausgesagt, dass Herr [...] immer
€ 4.000 bis € 5.000 in bar eingesteckt hatte (vgl. Seite 4 der Niederschrift vom 20.9.2017).
Der Umstand, dass die ***3*** keine Transportleistungen im Jahr 2016 für die
***1*** erbracht hat, folgt aus der Aussage des Geschäftsführers. So hat dieser bei seiner Einvernahme am 17.4.2018 vor dem [...] ausgesagt, dass er niemals Geld von ***9*** oder einer seiner Firmen bekommen hat und dass es sich bei den ausgestellten Rechnungen um Scheinrechnungen gehandelt hat (Seite 3 der Beschuldigtenvernehmung vom 17.4.2018, ab 14.00 Uhr). Auch die Darstellung des Zustandekommens dieser Scheinrechnungen durch ***7*** ist in sich widerspruchsfrei. So hat er dazu angegeben, dass ihn ***9*** angerufen und ihm dieser erzählt hat, dass er dieses Monat so und so viele Geschäfte in [...] hätte und ihm die ***3*** Rechnungen ausstellen soll, wobei ihm immer vorgegeben wurde, wie hoch der Betrag auf der jeweiligen Rechnung sein soll sowie dass der Text auf der Rechnung jeweils "Diverse Transporte" mit Angabe des jeweiligen Monats lauten soll. Auch hat Herr ***7*** eingestanden, dass diese Rechnungen allesamt nicht in der Buchhaltung der ***3*** enthalten sind, weil es sich nach Ansicht von Herrn ***7*** lediglich um Angebote gehandelt hätte (Seite 3 f der Beschuldigtenvernehmung vom 17.4.2018, ab 14.00 Uhr).
Überdies wurde im Rahmen der Ermittlungen des [...] gegen ***9*** und ***7*** (GZ: [...]) festgestellt, dass es sich bei den Excel-Aufstellungen über durchgeführte Transporte, die den sieben Eingangsrechnungen der ***3*** in der Buchhaltung der ***1*** angeschlossen waren, um Transporte gehandelt hat, die im Jahr 2010 durchgeführt wurden und diese Transportdaten des Jahres 2010 zur Erstellung von Scheinfrachtaufzeichnungen für die Jahre 2016 (und auch 2017: dies betrifft die [...]) verwendet wurden, indem der Name der jeweiligen Tabellenblätter auf zB "Oktober 2016" umbenannt wurde (vgl. die diesbezüglichen Ausführungen im Abschlussbericht des [...] vom 12.7.2018, S. 15 ff. sowie auch in der Anklageschrift betreffend ***9*** vom 27.8.2021, S. 39 f). In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass ***7*** bei seiner Einvernahme am 17.4.2018 ausgesagt hat, dass das Leistungsverzeichnis (Anmerkung: das ist die Excel-Aufstellung) für die durchgeführten Fahrten für Jänner 2016 nicht von ihm stammt (Seite 3 Beschuldigtenvernehmung vom 17.4.2018, ab 14.00 Uhr). Auffällig ist auch, dass die Bezahlung der Eingangsrechnungen der ***3*** immer der letzte Eintrag vor Abschluss des Kassabuches für den jeweiligen Monat gewesen ist (zB Rechnung Nr. 35/2016 vom 31.1.2016 über € 15.784,-; letzter Eintrag im Kassabuch der ***1*** Jänner 2016: "31.01. Beleg Nr. 13 Bezeichnung: ***3*** AUS: 15.784"
Die Feststellung, dass es sich bei den in der Buchhaltung der ***1*** enthaltenen Eingangsrechnungen der ***8*** des Jahres 2017, die laut Buchhaltung der ***1*** bar bezahlt wurden, um Scheinrechnungen handelt und sich die laut Kassabuch der ***1*** an die [...] bar bezahlten Beträge - nach Abzug der Löhne, die für die tatsächlich bei der ***1*** beschäftigten ***EU-Mitgliedstaat 1*** LKW-Fahrer bezahlt wurden - ***9*** zugeeignet hat, folgt aus den Ermittlungsergebnissen der ***StA*** zu 20 St 8/14k (luxuriöser Lebenswandel wie zB ***79*** nach ***80*** im Jahr 2015 um € 4.200,-; Ankauf von ***81*** für seine beiden Kinder; vgl. Seite 11 f der Ausführungen in der Anordnung zur Festnahme von ***9*** vom 6.10.2017, 20 St 8/14k, unter Punkt A.4.). Diese Feststellung wird auch durch die Aussage von ***21*** als Zeuge durch das ***74*** am 20.9.2017 gestützt. So hat Herr ***21*** angegeben, dass ***9*** immer wieder Gewinne als Privatentnahme genommen und er von diesem Geld gelebt hat. Dies hätte Herr ***34*** auch deswegen gemacht, weil sein Gehalt gepfändet war (vgl. Seite 3 der Niederschrift vom 20.9.2017). Auch hat Herr ***21*** ausgesagt, dass Herr ***34*** immer
€ 4.000 bis € 5.000 in bar eingesteckt hatte (vgl. Seite 4 der Niederschrift vom 20.9.2017).
Die Feststellung, dass die ***8*** tatsächlich der "Firmengruppe ***34***" zuzurechnen war und deren faktischer Geschäftsführer ***9*** war, ergibt sich aus den Ermittlungsergebnissen des zu ***26*** geführten Strafverfahrens. So hat ***82*** ausgesagt, dass ihm ***9*** erklärt habe, dass er die Anteile offiziell nicht übernehmen können, da er im Privatkonkurs sei. Seitens der im ***EU-Mitgliedstaat 1*** Handelsregister als Geschäftsführerin eingetragenen ***83*** wurde angegeben, dass ***9*** nicht nur der wirtschaftliche Eigentümer der ***8*** gewesen ist, sondern auch der faktische Geschäftsführer und er die wesentlichen Entscheidungen getroffen hat (vgl. Seite 19 f der Anklageschrift betreffend ***9*** vom 27.8.2021).
Der Umstand, dass die ***8*** keine Transportleistungen im Jahr 2017 für die ***1*** erbracht hat, soweit die in der Buchhaltung der ***1*** enthaltenen Eingangsrechnungen bar bezahlt wurden, ergibt sich aus dem Ergebnis der der Ermittlungen des ***84*** u.a. gegen ***9*** (GZ: ***87***). Es wurde nämlich von der Betriebsprüfung aufgrund der Auswertung eines Rechners, der sich im Büro der ***1*** in ***85***, ***86***, befunden hat, durch das ***74*** festgestellt, dass es sich bei drei Excel-Aufstellungen über durchgeführte Transporte, die drei Eingangsrechnungen der ***8*** in der Buchhaltung der ***1*** angeschlossen waren, tatsächlich um Transporte gehandelt hat, die im Jahr 2010 durchgeführt wurden und diese Transportdaten des Jahres 2010 zur Erstellung von Scheinfrachtaufzeichnungen für das Jahr 2017 betreffend die ***8*** verwendet wurden, indem der Name der jeweiligen Tabellenblätter auf zB "Jänner 2017" umbenannt wurde (vgl. die Excel-Aufstellungen zu den Eingangsrechnungen vom 19.4.2017 und die Seiten 19 ff. im Abschlussbericht des ***74*** vom 12.7.2018). Auch hat eine im Rahmen der Betriebsprüfung durchgeführte IWD-Anfrage ergeben, dass lediglich für das Jahr 2016 Umsätze bzw. ein Jahresergebnis (Verlust von ***88***) dem ***EU-Mitgliedstaat 1*** Handelsregister mitgeteilt wurde. Trotz Aufforderung an ***9*** im Rahmen der Vorbesprechung die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Steuererklärungen und Steuerbescheide 2016 und 2017 bis 23.9.2019 vorzulegen und die Höhe der Umsätze (Einnahmen) der die ***8*** 2016 und 2017 bekanntzugeben (samt Vorlage der dazugehörigen Ausgangsrechnungen), wurden keinerlei dieser angeforderten Unterlagen in der Folge vorgelegt. Es ist daher davon auszugehen, dass (jedenfalls) die laut Buchhaltung der ***1*** bar bezahlten Eingangsrechnungen nicht in der Buchhaltung der ***8*** enthalten sind und auch nicht - mangels tatsächlicher Erbringung der in den Eingangsrechnungen ausgewiesenen Leistungen - auch nicht erbracht wurden und auch eine Versteuerung nicht erfolgt ist.
Die Feststellung, dass die Bf. von den zu Punkten 1.2 bis 1.5 festgestellten Zuflüssen an ***9*** nichts gewusst hat und diese auch nicht in ihrem Interesse gelegen sind, ergibt sich aus ihrer Einvernahme vom 20.2.2018. So musste sie Sachhaftungen für die Banken übernehmen und hat sie auf die Frage des Finanzamtes Österreich betreffend den luxuriösen Lebenswandel von ***9*** angegeben, dass weder sie noch ihre Familie etwas davon mitbekommen hätten, weil diesen ***9*** nicht mit ihr seinen Kindern geführt hätte (Antwort auf die Fragen 9 und 10). Auch aus den Ermittlungsergebnissen der ***StA*** zu ***26*** ergibt sich, dass die Bf. keine Kenntnis gehabt hat, dass durch die Bezahlung der Scheinrechnungen der ***3***, der ***10***, der ***8*** und der ***25*** tatsächlich Entnahmen von ***9*** verschleiert wurden. So heißt es zB auf Seite 39 der Anklageschrift vom 27.8.2021: "Vielmehr legte ***7*** ***9*** auf dessen Aufforderung hin Scheinrechnungen." Eine Beteiligung der Bf. an dieser Vorgangsweise ergibt sich hingegen nicht. Dabei ist auch die Einstellung des Strafverfahrens wegen betrügerischer Krida gegenüber der Bf. zu berücksichtigen, weil eine solche nicht erfolgt wäre, wenn die ***StA*** aufgrund des bis zur Einstellung geführten umfangreichen Ermittlungsverfahrens gegen die Bf. Anhaltspunkte gehabt hätte, dass die Bf. gewusst hätte, dass es durch die Bezahlung der Rechnungen der ***3***, der ***10***, der ***8*** und der ***25*** tatsächlich zu Entnahmen von Gesellschaftsvermögen zugunsten von ***9*** gekommen ist, weil die Beihilfe zur Entnahme von Mitteln der Gesellschaft (bar oder durch Überweisung) in der finanziellen Krise und die Verwendung dieser Mittel zu gesellschaftsfremden, insbesondere privaten Zwecken, den Tatbestand des § 156 Abs. 1 StGB erfüllt (vgl. Kirchbacher in Höpfel/Ratz, WK2 StGB § 156 Rz 17 (Stand 1.12.2018, rdb.at). Soweit diesbezüglich in der Stellungnahme der belangten Behörde vom 9.11.2022 ausgeführt wird, dass der Entscheidung der ***StA*** vom 27.8.2021 betreffend Einstellung des Strafverfahrens gegen die Bf. wegen § 156 Abs. 1, 2 StGB, § 153c StGB, §§ 153e Abs. 1 Z 2 StGB und § 153 Abs. 2 StGB im gegenständlichen Beschwerdeverfahren keine Beweiskraft zukommen würde, weil sich aus dieser Entscheidung nicht ergeben würde, wie der Schuldgehalt tatsächlich zu beurteilen wäre, ist folgendes festzuhalten:
Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist es der Verwaltungsbehörde (und folglich auch dem Verwaltungsgericht) nach einer keine Bindungswirkung entfaltenden Einstellung des Strafverfahrens nicht verwehrt, über den der Einstellung zu Grunde liegenden Sachverhalt ein selbstständiges Ermittlungsverfahren und eigene Beweiswürdigungserwägungen vorzunehmen (vgl. zB VwGH 10.4.2008, 2005/01/0777; VwGH 19.3.2013, 2012/03/0180; VwGH 16.5.2022, Ra 2022/08/0052). Wie sich aus den vorstehenden Absätzen - sowie auch den nachstehenden - ergibt, hat das Bundesfinanzgericht eigene Beweiswürdigungserwägungen vorgenommen und wurde die Einstellung des Strafverfahrens gegen die Bf. als einer von mehreren Umständen im Rahmen der Beweiswürdigung berücksichtigt, zumal ja die ***StA*** das Strafverfahren nicht gleich nach Einleitung des Strafverfahrens gegen diese, sondern erst über drei Jahre später eingestellt hat und das Nichtvorhandensein von Beweismitteln für die Mitwirkung der Bf. an den unberechtigten Entnahmen von Geldmitteln aus der ***1*** im Ermittlungsverfahren der ***StA*** dafür spricht, dass die Bf. von den Malversationen des ***9*** nichts gewusst hat. Überdies ist in rechtlicher Hinsicht festzuhalten, dass für die Einstellungsentscheidung der Staatsanwaltschaft der strafprozessuale Zweifelsgrundsatz (§ 14 StPO) nicht gilt (vgl. Nordmeyer in Fuchs/Ratz, WK StPO Rz 15 § 190 (Stand 1.9.2022, rdb.at)).
Ferner ist es nach der Lebenserfahrung auszuschließen, dass die damals mit ***9*** verheiratete Bf. eine Entnahme von Geldmitteln der ***1*** für die Bezahlung von Bordellbesuchen bzw. für Reisen, an denen andere Frauen als die Bf. teilgenommen hatten, zugestimmt hätte.
Auch in der Beschwerdevorentscheidung wird davon ausgegangen, dass die Bf. aus dem Verhalten des Geschäftsführers ***9*** keine persönliche Bereicherung erfahren hat (S. 9 oben).
Soweit vom Finanzamt Österreich in der Stellungnahme vom 10.8.2022 vorgebracht wird, dass die Bf. von den von ***9*** getätigten Entnahmen gewusst hätte und ihr auch bekannt gewesen wäre, dass dafür weder nachvollziehbare Verwendungsnachweise noch Rückzahlungen erfolgt wären, ist festzuhalten, dass sich aus den vom Finanzamt Österreich vorgelegten Unterlagen nicht ergibt, dass die Bf. gewusst hätte, dass es sich bei den gelegten bzw. von ***9*** veranlassten Rechnungen der ***3***, der ***10***, der ***8*** und der ***25*** um Scheinrechnungen handelt und die zur Begleichung dieser Rechnungen von der ***1*** verausgabten Beträge ***9*** zugeflossen sind. Überdies ist
In rechtlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass bei der Kapitalertragsteuer Sache des Beschwerdeverfahrens nur jene Zuflüsse sind, die in den angefochtenen Bescheiden der Kapitalertragsteuer unterworfen wurden.
3. Rechtliche Beurteilung
3.1. Zu Spruchpunkt I. (Stattgabe)
3.1.1 Antrag auf Beischaffung des Strafaktes
Zu dem von der Bf. im Vorlageantrag gestellten Antrag, dass das Gericht vorab den Akt
***26*** anfordern möge bzw. zu dem im ergänzenden Schriftsatz vom 2.8.2022 gestellten Antrag (S. 4 oben bzw. S. 6) den Strafakt "für das gegenständliche Verfahren" beizuschaffen, ist folgendes festzuhalten:
Beweisanträge haben das Beweismittel und das Beweisthema, dh. die Tatsachen und Punkte, die durch das angegebene Beweismittel geklärt werden sollen, anzugeben (vgl. zB VwGH 2.9.2009, 2008/15/0057; VwGH 25.11.2015, 2013/16/0034 u.a.m.). Diesen Anforderungen entsprechen diese Anträge nicht, weil die Berufung auf einen Akt schlechthin kein zulässiges Beweisanbot darstellt (vgl. VwGH 10.8.2005, 2002/13/0211; VwGH 25.2.29004, 99/13/0149; VwGH 22.4.1992, 91(14/0232). Die Bf. hat es verabsäumt anzugeben, aus welchen Bestandteilen des Strafaktes sich welche für den Beschwerdefall relevanten, konkreten Umstände ergeben sollen. Überdies ist festzuhalten, dass die Bf. als Beschuldigte im Strafverfahren ***26*** Akteneinsicht hatte (§ 49 Abs. 1 Z 3 StPO) bzw. dieses ihr als nunmehrige Privatbeteiligte (nach Einstellung des Strafverfahrens gegen sie; § 68 StPO) ein solches auch zusteht. Dem Antrag auf Beischaffung des Strafaktes ***26*** der ***StA*** bzw. ***73*** des Landesgerichts ***72*** ist daher wegen Unzulässigkeit nicht nachzukommen.
Soweit die Beischaffung des Strafaktes zum Beweis dafür beantragt wurde, dass das Strafverfahren gegen die Bf. wegen mehrerer Delikte, insbesondere Krida und Betrug, eingestellt worden wäre, ist festzuhalten, dass sich das Bundesfinanzgericht diesbezüglich mit Beschluss vom 2.8.2022 ohnedies an die ***StA*** gemäß § 158 Abs. 1 BAO gewandt hat und dem Bundesfinanzgericht die Mitteilung über die Einstellung des Strafverfahrens gegen die Bf. vom 27.8.2021 übermittelt worden ist. Außerdem hat das Bundesfinanzgericht auch die Anklageschrift gegen ***9*** vom 27.8.2021 beigeschafft und hat die für das Beschwerdeverfahren relevanten Umstände aufgrund der vorliegenden Beweismittel festgestellt.
3.1.2 Zu den von der Bf. vorgebrachten Verfahrensmängeln
Soweit eine Verletzung des Parteiengehörs vor Erlassung der angefochtenen Bescheide geltend gemacht wird, ist festzuhalten, dass es sich dabei um keinen absoluten Verfahrensmangel handelt (vgl. Ritz/Koran, BAO7, Tz 21 zu § 115 BAO). Verletzt die Abgabenbehörde das Recht auf Parteiengehör ist dies im Beschwerdeverfahren sanierbar (vgl. zB VwGH 2.12.2020, Ra 2010/13/0095). Im Beschwerdeverfahren hatte die Bf. ausreichend Gelegenheit ihren Standpunkt darzulegen, sodass eine Verletzung des Parteiengehörs jedenfalls nicht mehr vorliegt. Überdies wird durch die floskelhafte Wendung im Schriftsatz vom 2.8.2022, wonach die Verletzung des Parteiengehörs einen wesentlichen Verfahrensmangel darstellen würde, da bei ordnungsgemäßer Verfahrensabwicklung von Vornherein ein anders lautender Bescheid oder gar kein Bescheid an die Bf. erlassen worden wäre, die Relevanz des behaupteten Verfahrensmangels nicht aufgezeigt (vgl. zB VwGH 23.10.2020, Ra 2020/13/0081).
Weiters wird die rechtswirksame Zustellung der angefochtenen Bescheide bestritten. Wie sich aus dem geschilderten Verfahrensgang ergibt, wurden die Kapitalertragsteuerbescheide zunächst an die ***54*** als Zustellbevollmächtigte der Bf. mit Zustellnachweis (Rsb) übermittelt. Diese wurden von der ***54*** nicht angenommen, weil die steuerliche Vertretung der Bf. mit 4.12.2019 beendet und auch die Zustellvollmacht gelöscht und dies über Finanzonline dem Finanzamt ***2*** mitgeteilt wurde.
Aus diesem Grund hat aber das Finanzamt ***2*** eine neuerliche Zustellung der KESt-Bescheide 2013 bis 2017 an die Bf. durchgeführt und zwar nunmehr an die Bf. persönlich. Diese ebenfalls mit Zustellnachweis versendeten Bescheide wurden am 23. Jänner 2020 an die Bf. zugestellt sodass das Vorbringen im Schriftsatz vom 2.8.2022, die Festsetzungsbescheide wären an die Bf. niemals rechtswirksam zugestellt worden, nicht den Tatsachen entspricht.
3.1.3 Zum Gegenstand des Beschwerdeverfahrens
Das entscheidende Merkmal einer verdeckten Ausschüttung iSd § 8 Abs. 2 KStG 1988 ist die Zuwendung von Vermögensvorteilen, die ihrer äußeren Erscheinungsform nach nicht unmittelbar als Einkommensverwendung erkennbar sind und ihre Ursache in den gesellschaftsrechtlichen Beziehungen haben, was an Hand eines Fremdvergleiches zu ermitteln ist, wobei auch darauf Bedacht zu nehmen ist, wie ein gewissenhafter, nur auf die Interessen der Körperschaft Bedacht nehmender Geschäftsleiter gehandelt hätte (vgl. zB VwGH 7.12.2020, Ra 2020/15/0004).
Die Zuwendung eines Vermögensvorteiles ist dann zu bejahen, wenn es sich bei dem zugewendeten Vorteil entweder um Geld handelt oder der Vorteil einen in Geld ausdrückbaren Wert hat, dh. er muss hinreichend bestimmt und messbar sein (vgl zB Ressler/Rohm in WU-KStG, 3. Aufl. (2022), § 8, I. Einlagen, Entnahmen und Einkommensverwendung, Rz 104 mwN).
Im gegenständlichen Fall sind die laut Buchhaltung der ***1*** an fünf ausländische Gesellschaften bar bezahlte Beträge laut festgestelltem Sachverhalt ***9*** zugekommen und handelt es sich daher eindeutig um einen bestimmten und messbaren Vermögensvorteil, sodass diese Voraussetzung zur Bejahung einer verdeckten Ausschüttung jedenfalls gegeben ist. Soweit in der Beschwerde diesbezüglich vorgebracht wird, dass bei der Zuwendung von Vermögensvorteilen an Anteilseigner bzw. diesen nahestehender Personen, die in der Buchhaltung als Aufwendungen behandelt werden, tatsächlich aber Scheinrechnungen sind, eine "grundsätzlich rechtsgültige Rechtsgrundlage" vorliegen könne, ist dieses Vorbringen dem Bundesfinanzgericht nach nachvollziehbar, weil es nicht zulässig ist tatsächlich nicht stattgefundene Geschäftsvorfälle als Aufwand in die Buchhaltung aufzunehmen.
Eine Zuwendung aus einem durch ein Scheingeschäft verdeckten Zahlung an den Anteilseigner führt jedenfalls zu einer verdeckten Ausschüttung (vgl. VwGH 27.2.2002, 98/13/0053).
Der Umstand, dass es sich bei der ***1*** um eine Körperschaft handelt, ist ebenfalls gegeben.
Eine verdeckte Ausschüttung setzt darüber hinaus einen qualifizierten Bezieher voraus. Nur bei bestimmten Beziehern kann ein Vermögensvorteil societatis causa angenommen werden. Bei Kapitalgesellschaften wie der ***1*** ist in erster Linie auf den rechtlichen und wirtschaftlichen Eigentümer der Gesellschaftsanteile abzustellen. Die Bf. ist die Alleingesellschafterin der ***1***. Ihr sind aber die Barzahlungen, die laut Buchhaltung für die Bezahlung von Fremdleistungen verwendet wurden, nicht zugekommen, sondern ***9***.
Eine verdeckte Ausschüttung kann aber auch dann verwirklicht werden, wenn der Vorteilsempfänger nicht der Gesellschafter selbst, sondern eine ihm nahestehende Person ist. Wesentlich ist, dass die Vorteilsgewährung gesellschaftsrechtlich veranlasst ist und die Gesellschaft nicht ein eigenständiges betriebliches Interesse an der Leistung an die nahe stehende Person hat (vgl. VwGH 23.4.2002, 2000/13/0208; VwGH 28.11.2001, 96/13/0127; VwGH 25.1.2006, 2002/13/0027; VwGH 19.9.2007, 2004/13/0108; VwGH 23.4.2008, 2004/13/0106; VwGH 9.7.2008, 2005/13/0020; VwGH 29.4.2010, 2005/15/0057; VwGH 27.6.2012, 2008/13/0148; VwGH 1.6.2017, Ro 2016/15/0021). Entgegen der offenbar von der Bf. vertretenen Ansicht (vgl. zB S. 5 des Schriftsatzes vom 2.8.2022) muss aber kein Nahestehen des nahen Angehörigen des Anteilsinhabers auch zur Körperschaft selbst bestehen (vgl. zB VwGH 1.6.2017, Ro 2016/15/0021; Raab/Renner in Lachmayr/Strimitzer/Vock, KStG 1988, 32. Lfg. (Dez. 2019), Tz 676 zu § 8 KStG; Ressler/Rohm in Kofler/Lang/Rust/Schuch/Spies/Staringer (Hrsg), WU-KStG, 3. Aufl. (2022), § 8, I. Einlagen, Entnahmen und Einkommensverwendung, Rz 13).
Die Bf. war im beschwerdegegenständlichen Zeitraum die Ehegattin von ***9***. Ehegatten sind in der Regel als nahe Angehörige aufgrund persönlicher Verbundenheit anzusehen (vgl. zB VwGH 23.4.2002, 2000/13/0208; VwGH 16.9.2003, 99/14/0297; VwGH 8.2.2007, 2004/15/0149). Soweit in der Beschwerde moniert wird, dass in den angefochtenen Bescheiden bzw. in Betriebsprüfungsbericht vom 17.12.2019, auf den die angefochtenen Bescheide in ihren Begründungen verweisen, ein Naheverhältnis sachverhaltsmäßig nicht festgestellt worden wäre (vgl. Seite 9 zweiter Absatz der Beschwerdeergänzung vom 28.2.2020), ist festzuhalten, dass im Prüfungsbericht von der Familie ***34*** (also ***Bf1*** und ***9*** mit Kindern; vgl. Seite 4) die Rede ist sowie dass festgestellt wurde, dass die Bf. die Ehegattin des ***9*** ist (vgl. Seite 13). Auch in der ergangenen Beschwerdevorentscheidung wird ausführlich auf das Naheverhältnis zwischen der Bf. und ***9*** eingegangen. Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass in Punkt II.1. dieser Entscheidung Feststellungen zum Naheverhältnis zwischen der Bf. und ***9*** getroffen wurden. Damit ist der Anforderung des VwGH (VwGH 24.11.1999, 96/13/0115) sachverhaltsmäßige Feststellungen über das Naheverhältnis des Empfängers zum Anteilsinhaber zu treffen, wenn der Empfänger der verdeckten Ausschüttung selbst nicht Anteilsinhaber ist, Genüge getan.
In der Beschwerde wird in diesem Zusammenhang auch ausgeführt, dass ***9*** eine außereheliche Beziehung unterhalten habe (Seite 4 unten des Schriftsatzes vom 28.2.2020) bzw. dass die Bf. nur den "zivilrechtlichen Status" als Ehefrau des ***9*** gehabt hätte (vgl. Seite 9 unten des Schriftsatzes vom 28.2.2020) und "unter materiellen Gesichtspunkten über den gesamten Zeitraum in keinster Weise von einer intakten Ehe" gesprochen werden könne (Seite 10 oben des Schriftsatzes vom 28.2.2020) sowie dass ***9*** und die Bf. nur "formalrechtlich verheiratet" gewesen wären, wobei die Ehe über längere Zeit bereits zerrüttet gewesen wäre (Seite 2 unten des Schriftsatzes vom 2.8.2022).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass während aufrechter Ehe von einem Angehörigenverhältnis zwischen den Eheleuten auszugehen ist, das ein Nahestehen begründet. Dass im Beschwerdezeitraum 2013 bis 2017 jedenfalls ein Naheverhältnis zwischen der Bf. und ***9*** bestanden hat, zeigt sich daran, dass sie ihm "blind vertraut" hat und auf die Ausübung des ihr als Alleingesellschafterin zustehenden Weisungsrechtes gemäß § 20 Abs. 1 GmbHG (vgl. zB OGH 29.9.1998, 1 Ob 226/98m) gegenüber dem Geschäftsführer ***9*** verzichtet hat, weil ein solches Verhalten gegenüber einem fremden Dritten nicht gesetzt worden wäre. Ein dem Geschäftsführer der ***1*** nicht nahestehender Gesellschafter hätte die Erteilung von Weisungen gegenüber dem Geschäftsführer bzw. die Ausübung von Informations- und Einsichtsrechten jedenfalls nicht nur deshalb unterlassen, weil vom Geschäftsführer geäußert wurde, dass "man sich sowieso nicht auskennen würde." Falls ein fremder Gesellschafter selbst über nicht ausreichendes Fachwissen zur Beurteilung von Geschäftsvorgängen in der ***1*** gehabt hätte, hätte dieser jedenfalls jemand hinzugezogen, der über das entsprechende Wissen verfügt.
Auch ergibt sich aus den zu ***76*** des Bezirksgerichts ***75*** geführten Scheidungsverfahren, die von der Bf. dem Bundesfinanzgericht vorgelegt wurden, dass die Bf. erst im Jahr 2018 - und daher nicht innerhalb des beschwerdegegenständlichen Zeitraumes 2013 bis 2017 - erfahren hat, dass der Bf. eine außereheliche Beziehung unterhalten haben soll (vgl. Seite 2 der Klage). Entgegen der im Schriftsatz vom 2.8.2022 vertretenen Ansicht (vgl. Seite 6: "***9*** als vermeintlich "naher Angehöriger" hat die Bf. über mehr als zehn Jahre hinweg ausgenutzt und betrogen.") kann die Nahe-Angehörigen-Eigenschaft der Bf. zu ***9*** für den beschwerdegegenständlichen Zeitraum nicht deshalb verneint werden, weil die Bf. nachträglich erfahren hat, dass ***9*** in diesem Zeitraum Eheverfehlungen begangen hat.
Die in der Beschwerde angezogene VwGH-Entscheidung vom 10.5.1995, 90/14/0050 (vgl. Seite 9 erster Absatz des Schriftsatzes vom 28.2.2020) enthält zu diesem Rechtsbereich gar keine Ausführungen. Vielmehr hat der VwGH in diesem Erkenntnis lediglich die Aussage getroffen, dass im Bereich der verdeckten Ausschüttung die Abgabenbehörde den Nachweis zu führen hat, dass eine Gestaltung unangemessen ist und ist es um eine verdeckte Ausschüttung an eine Gesellschafterin der Beschwerdeführerin gegangen.
Überdies ist festzuhalten, dass sich die Bf. auch für die Belange der ***1*** interessiert hat, dh. ein Engagement der Bf. im Geschäftsbetrieb der ***1*** in den Jahren 2013 bis 2017 bestanden hat. So war die Bf. in und mit dem BackOffice der Fa.
***1*** beschäftigt. Aufgrund ihrer Tätigkeit für die ***1*** war die Bf. mit der Bedienung des Rechnungswesens und den geschäftlichen Vorgängen der ***1*** vertraut. Auch hat sie sich über die finanzielle Situation der ***1*** informiert. Außerdem hat die Bf. bei der ***1*** das Kassabuch geführt. Es ist daher in rechtlicher Hinsicht davon auszugehen, dass die Bf. im Zeitraum 2013 bis 2017 nahe Angehörige zu ***9*** gewesen ist.
In der Beschwerde wird des Weiteren gegen das Vorliegen einer verdeckten Ausschüttung an die Bf. ins Treffen geführt, dass sie zu keinem Zeitpunkt Dispositionsbefugnis über die an ***9*** geflossenen Gelder erlangt habe und ausschließlich ***9*** bereichert worden wäre (Seite 9 oben und unten des Schriftsatzes vom 28.2.2020).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass bei Vorteilszuwendungen an Nahestehende auch dann eine verdeckte Ausschüttung vorliegt, die dem Anteilsinhaber zugerechnet wird, wenn der Anteilsinhaber selbst kein vermögenswertes Interesse an der vom Nahestehenden bezogenen Zuwendung gehabt hat. Auch muss der Anteilsinhaber selbst keinen Vorteil daraus gezogen haben (zB BFG 27.12.2018, RV/7104555/2016).
Weitere Voraussetzung für die Bejahung einer verdeckten Ausschüttung ist, dass eine ausdrücklich auf Vorteilsgewährung gerichtete Willensentscheidung - das Wissen und Wollen - der Körperschaft getroffen wurde. Die erforderliche subjektive Komponente der verdeckten Ausschüttung kann aus objektiven Gesichtspunkten geschlossen werden (vgl. zB VwGH 24.7.2007, 2007/14/0013; VwGH 26.4.2017, Ra 2015/13/0049; VwGH 1.6.2017, Ra 2016/15/0059).
Das Wissen und Wollen der Vorteilsgewährung muss bei einem geschäftsführenden Organ der Gesellschaft gegeben sein. Soweit ***9*** bereits laut Firmenbuch Geschäftsführer der ***1*** gewesen ist, liegt in der Zueignung der von der
***1*** ohne Rechtsgrund an ihn abgeflossener Gelder jedenfalls ein auf Vorteilsgewährung gerichtetes Handeln der ***1*** vor und ist daher eine auf Vorteilsgewährung gerichtete Willensentscheidung der ***1*** erfolgt. Davon geht die Bf. überdies auch im Schriftsatz vom 2.8.2022 aus, wenn dort ausgeführt wird, dass dann, wenn sich der nicht beteiligte gesetzliche Vertreter selbst einen Vorteil verschafft, es sich unbestritten um ein der Körperschaft zurechenbares Verhalten handelt (S. 5). In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass sich die ***1*** auch das rechtswidrige Verhalten des Geschäftsführers ***9*** zurechnen lassen muss (VwGH 28.5.2015, Ro 2014/15/0046). Für die Zeiten in denen ***21*** als Geschäftsführer der ***1*** im Firmenbuch eingetragen war (30.10.2015 bis 3.2.2017) ist aufgrund des festgestellten Sachverhaltes davon auszugehen, dass ***21*** von den ungerechtfertigten Zuwendungen durch ***9*** gewusst hat und nicht dagegen unternommen hat, dh. dass er sie gebilligt hat. Überdies ist die Einsetzung von ***21*** nur zum Schein erfolgt. Gemäß § 23 Abs. 1 BAO sind Scheingeschäfte und andere Scheinhandlungen für die Erhebung von Abgaben ohne Bedeutung, sodass es ohnedies lediglich auf das Wissen und Wollen von ***9*** auch in diesem Zeitraum ankommt.
Da auch ***48*** lediglich zum Schein als Geschäftsführer im Firmenbuch eingetragen wurde, gelten die diesbezüglich betreffend ***21*** gemachten Ausführungen für diesen Zeitraum entsprechend.
Im Schriftsatz der Bf. vom 2.8.2022 wird die subjektive Komponente - das subjektive Tatbild einer auf Vorteilsgewährung gerichteten Willensentscheidung - mit dem Argument, dass der Bf. von ***9*** Rechnungen und Barbelege vorgelegt worden wären, auf deren Richtigkeit die Bf. vertraut hat, verneint (S. 9). Diesbezüglich verkennt die Bf. die Rechtslage. Nach der ständigen Rechtsprechung des VwGH bedarf es zur Verwirklichung einer verdeckten Gewinnausschüttung rechtlich eines der Gesellschaft zuzurechnenden Verhaltens des geschäftsführenden Organs (vgl. zB VwGH 31.3.2000, 95/15/0056). ***9*** und nicht die Bf. war Geschäftsführerin der ***1***, weswegen es für die Bejahung der subjektiven Voraussetzung für eine verdeckte Ausschüttung nur eine auf Vorteilsgewährung gerichtete Willensentscheidung des Geschäftsführers und nicht auch der Bf. als Gesellschafterin angekommen ist.
Wie sich aus dem festgestellten Sachverhalt ergibt hat sich ***9*** in der Buchhaltung der ***1*** als Fremdleistungsaufwand behandelte Barzahlungen selbst zugeeignet. Der in der Buchhaltung ersichtliche Fremdleistungsaufwand (die zur Bezahlung dieses tatsächlich nicht angefallenen Aufwandes entnommenen Gelder aus der
***1***), dem Scheinrechnungen bzw. Scheingutschriften zugrunde liegen, wurde von ***9*** zum Teil zur Bezahlung der tatsächlich für die ***1*** tätigen ***EU-Mitgliedstaat 1*** LKW-Fahrer verwendet und zum Teil hat sich bei diesen entnommenen Geldern um nicht erklärte Mehrgewinne der ***1*** gehandelt, die sich ***9*** zugewendet hat.
Normen und Schlagworte
- § 8 Abs. 2 KStG 1988, Körperschaftsteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 401/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5100295/2022
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.5100295.2022
- Stammnummer
- 139468
- Gültig
- 26.01.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF