Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100295/2022
Keine verdeckte Ausschüttung bei durch den der Gesellschafterin nahestehenden Geschäftsführer veranlassten Scheinrechnungen
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/5100295/2022vom 26.01.2023Teil 1 von 5
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Verschafft sich ein einem Anteilseigner nahestehender Dritter widerrechtlich Vermögensgüter, liegt eine verdeckte Ausschüttung an den Anteilsinhaber nur dann vor, wenn festgestellt werden kann, dass der Anteilseigner von den widerrechtlich eigenmächtigen Geldentnahmen wusste und die nahestehende Person dennoch gewähren ließ.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Mag. R. in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr*** vertreten durch MONDSEE-TREUHAND Wiedlroither GmbH, Alfred Jäger-Weg 4, 5310 Mondsee, über die Beschwerde vom 27. Jänner 2020 gegen die Bescheide des Finanzamtes ***2*** (nunmehr: Finanzamtes Österreich) vom 17. Dezember 2019 betreffend Kapitalertragsteuer 2013, Kapitalertragsteuer 2014, Kapitalertragsteuer 2015, Kapitalertragsteuer 2016 und Kapitalertragsteuer 2017 Steuernummer ***BF1StNr1*** nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 25. Jänner 2023 in Anwesenheit der Schriftführerin Frau A zu Recht erkannt:
I. Der Beschwerde wird gemäß § 279 BAO stattgegeben.
Die angefochtenen Bescheide werden ersatzlos aufgehoben.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) zulässig.
Entscheidungsgründe
I. Verfahrensgang
Im Zeitraum 18. Juni 2018 bis 17. Dezember 2019 fand bei der ***1*** durch das Finanzamt ***2*** eine Außenprüfung gemäß § 147 BAO in Verbindung mit § 99 Abs. 2 FinStrG statt, wobei die Betriebsprüfung zunächst den Zeitraum 2010 bis 2016 betreffend Umsatzsteuer, Körperschaftsteuer und Kapitalertragsteuer umfasste. Am 27.11.2019 wurde die Betriebsprüfung hinsichtlich der angeführten Abgaben auch auf das Jahr 2017 ausgedehnt.
Im Rahmen dieser Betriebsprüfung wurden folgende Feststellungen getroffen (vgl. den Bericht gemäß § 150 BAO vom 17.12.2019 sowie die Niederschrift über die Schlussbesprechung vom 27.11.2019):
Tz 1 Fremdleistungen 2016 von ***3***, ***4***, ***5***
An die Fa. ***3*** ***5***, wären für Transportleistungen im Jahr 2016 monatliche Barzahlungen getätigt worden. Als Betriebsausgaben wären im Jahr 2016 insgesamt € 170.927,00 geltend gemacht worden, wobei insgesamt zwölf Monatsrechnungen der ***3*** in der Buchhaltung vorhanden gewesen wären, die beim Kassabuch der Fa. ***1*** abgelegt worden wären und aus betrieblichen Mitteln der ***1*** bar bezahlt worden wären.
Bei sieben Rechnungen wäre eine Excel-Frachtaufstellung über durchgeführte Fahrten angeheftet gewesen, bei fünf Monatsrechnungen (Februar 2016, April 2016 bis Juli 2016) wäre keine Excel-Aufstellung über durchgeführte Fahrten vorhanden gewesen. Die Excel-Aufstellungen würden offenbar aus dem Rechenwerk der ***1*** stammen, wobei lt. Abschlussbericht ***6*** vom 12.7.2018 betr. ***7*** (Punkt 5.4. Auswertung der sichergestellten Daten aus verwendeten Computern) alte Vorlagen aus dem Jahr 2010 gleichlautend als Grundlage für die den Rechnungen 2016 beigelegten Excel-Aufstellungen gedient hätten.
2017 würde in der Buchhaltung kein Fremdleistungsaufwand für die ***3*** aufscheinen.
Im Zuge der Prüfung wäre festgestellt worden, dass die im Abschlussbericht ***6*** vom 12.7.2018 betr. ***7***, Punkt 5.4. aufscheinenden Excel-Aufstellungen Jänner 2017 - März 2017 als Beilage gleichlautend zu Rechnungen der ***EU-Mitgliedstaat 1*** Firma ***8*** (drei Rechnungen ***8***, alle ausgestellt mit Datum 19.4.2017) verwendet worden wären. Auch die im Abschlussbericht ***6***, Pt. 5.4. abgebildeten Excel-Aufstellungen für den Zeitraum 9/2016, 10/2016 und 12/2016 wären als Beilage für Rechnungen der ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***8*** im Jahr 2017 verwendet worden.
Der Betreiber der ***3*** wäre Herr ***7***. Aufgrund der niederschriftlichen Aussage von Herrn ***7*** wäre von ihm angegeben worden, dass es sich bei den unten angeführten Rechnungen um "Anbote" handeln würde und keine Transporte für die Fa. ***1*** durchgeführt worden wären. Laut Aussage wäre Herr ***7*** von Herrn ***9*** angerufen worden und wäre der Betrag mitgeteilt worden, auf den die monatliche Rechnung lauten solle. Die "Anbote" wären von Herrn ***7*** als Rechnungen mit Rechnungsnummern ausgestellt worden. Die teilweise bei den Rechnungen vorhandenen Excel-Frachtaufstellungen wären nicht von Herrn ***7*** erstellt worden.
Im Zuge der Prüfung wäre festgestellt worden, dass die Rechnungen in der Buchhaltung der Fa. ***1*** als Fremdleistungsaufwendungen erfasst worden wären und die Rechnungsbeträge laut Kassabuch bar aus der Kassa entnommen worden wären. Die Rechnungen der ***3*** würden im Zuge der Prüfung als Scheinrechnungen qualifiziert werden.
Da kein wirtschaftlicher Hintergrund bestehen würde, wäre der geltend gemachte Fremdleistungsaufwand betr. der ***3*** in Höhe von € 170.927,00 als Betriebsausgaben nicht anzuerkennen und werde 2016 gewinnerhöhend bei der ***1*** angesetzt.
Der nicht anerkannte Fremdleistungsaufwand in Höhe von € 170.927,00 würde eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen.
[...]
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2016
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Gewinnerhöhung
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170.927,00
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verdeckte Gewinnausschüttung
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170.927,00
Die sich aus der verdeckten Gewinnausschüttung ergebende Kapitalertragsteuer 2016 werde direkt der Alleingesellschafterin, der Beschwerdeführerin (im Folgenden: Bf.), vorgeschrieben.
Tz 2 Fremdleistungen 2012 - 2015 von ***10***, ***11***, ***EU-Mitgliedstaat 1***
In den Jahren 2012 - 2015 wären Betriebsausgaben iHv. von insgesamt € 991.977,91 (Aufstellung siehe unten für ER v. 29.2.2012 - 30.06.2015) für Fremdleistungen an die ***10***, ***12***, ***11***, ***EU-Mitgliedstaat 1*** geltend gemacht worden. Die Abrechnungen wären mittels Gutschrift durch die ***1*** erfolgt. Die auf den Gutschriften angeführte Umsatzsteuer-Identifikations-Nummer (USt-ID-Nr.) ***13*** wäre von 4.5.2012 - 1.11.2015 gültig gewesen. Die im Zuge der Prüfung durchgeführte MIAS-Abfrage hätte ergeben, dass die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Firma keine Transporte (sonstige Leistungen) für die Fa. ***1*** gemeldet hätte.
Zahlungen wären von der ***1*** von 23.3.2012 bis 24.6.2014 an das ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonto ***14*** geleistet worden, ab 31.3.2014 bis letztmalig 31.8.2015 wäre die Bezahlung der Gutschriften mittels Barzahlungen erfolgt. Eine Empfangsbestätigung oder wer die Barzahlungen entgegengenommen hat, würde auf den im Kassaordner abgelegten Gutschriften fehlen.
lt. BH-Kto. ***27*** Fremdleistungen u. ***15***:
2012 2013 2014 2015 Summe
Summe Aufwand Kto. ***27*** 144.340,00 139.582,00 389.272,41 318.583,50 991.777,91 davon Barzahlungen 0,00 0,00 389.272,41 318.583,50 707.855,91 Saldo ***28*** [...] 35.045,00 34.928,00 -8.920,00 -12.720,00
Barzahlungen lt. Kto. ***28*** 0,00 0,00 391.498,20 318.583,50
Bankzahlungen lt. Kto. ***28*** 109.295,00 139.699,00 18.980,00 0,00
ER lt. Kto. ***27*** u. ***28*** 389.272,41
UB GS [...] 22.642,76
Es werde darauf hingewiesen, dass bei den vom ***6*** durchgeführten Hausdurchsuchungen Unterlagen der ***10*** und der Nachfolgefirma ***8*** aufgefunden wurden, die belegen würden, dass beide ***EU-Mitgliedstaat 1*** Firmen der "Firmengruppe [...]" zuzurechnen wären und von ***9*** und ***Bf1*** vertreten werden. Der Tatverdacht und die genaue Beschreibung der Unterlagen wären der Festnahmeanordnung der STA [...], AZ [...] vom 6.10.2017 und den bei der STA [...] unter AZ ***26*** (vormals AZ [...]) aufliegenden Unterlagen betreffend ***9*** u. a. zu entnehmen.
Im Zuge der Prüfung wäre festgestellt worden, dass bei der ***1*** als Betriebsausgaben für Fremdleistungsaufwand (BH-Konto ***27***) in den Jahren 2012 - 2015 für die ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***10*** insgesamt € 991.777,91 aufscheinen würden. Laut Buchhaltung wäre der gesamte Fremdleistungsaufwand im Jahr 2014 iHv. € 389.272,41 sowie im Jahr 2015 iHv. € 318.583,50, in Summe € 707.855,91 bar bezahlt worden.
Im Jahr 2012 und 2013 wären die von der ***1*** ausgestellten Gutschriften aufwandsmäßig als Betriebsausgaben geltend gemacht worden. Die als Aufwand gebuchten Gutschriften wären laut BH-Konto ***28*** in den Jahren 2012 und 2013 mittels Überweisungen vom betrieblichen Konto der ***1*** auf das ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonto ***14*** beglichen worden.
Da aufgrund der bereits durchgeführten Ermittlungen davon auszugehen wäre, dass die 2012 - 2015 bei der ***1*** als Betriebsausgaben geltend gemachten Fremdleistungen bei der ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***10*** vermutlich nicht oder nur teilweise als Betriebseinnahmen aufscheinen, wären von ***9*** unter anderem die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Steuererklärungen und Steuerbescheide der Jahre 2012 - 2015 angefordert worden.
Die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Steuererklärungen und Steuerbescheide für die Jahre 2012 - 2015 wären nicht vorgelegt worden.
Die durchgeführten IWD-Abfragen (Internationale Wirtschaftsdaten, [...] vom 11.7.2019 und [...]-Auskunft vom 8.5.2015) betreffend der ***10*** hätten keine Hinweise auf korrespondierende Umsätze betreffend der bei der ***1*** als Betriebsausgaben geltenden gemachten Fremdleistungen ergeben.
Bei der [...]-Datenbank Auskunft würden nur Daten für 2012 und 2014 vorliegen, wobei keine Umsätze aufscheinen würden. Im Jahr 2012 wäre ein Verlust von [...] (1 Mitarbeiter) und 2014 ein Verlust von [...] (3 Mitarbeiter) bekannt gegeben worden, für 2013 und 2015 würden bei der [...]-Datenbank keine Daten aufscheinen. Als kontrollierende Gesellschafterin würde die Bf. mit einer Beteiligung von 100 % aufscheinen. Als Gründungsjahr würde bei [...] 2011 aufscheinen.
Laut [...]-Auskunft vom 8.5.2015 wäre die Gesellschaft am 19.10.2011 registriert worden. Das Gründungskapital würde [...] betragen. Die 100 % Gesellschafterin wäre die Bf., die Geschäftsleitung hätte [...] seit 7.9.2011 inne. Im Jahr 2012 wären als Umsatz/Ertrag [...] und 2013 [...] ([...]-Wechselkurs 2013 ca. 1 Euro = [...]) ausgewiesen worden. Im Jahr 2013 würde daher nur ein Umsatz von umgerechnet
[...] aufscheinen. Als Verlust wäre 2012 [...] (umgerechnet ca. [...], lt. [...] 1 Mitarbeiter) und 2013 [...] (umgerechnet ca. [...], lt. [...] 2013 kein Mitarbeiter) ausgewiesen worden.
Aufgrund der oben angeführten Auskünfte wäre davon auszugehen, dass im Jahr 2014 und 2015 die geltend gemachten Baraufwendungen betreffend der ***10***, ***EU-Mitgliedstaat 1***, nicht als Betriebseinnahmen bei der ***EU-Mitgliedstaat 1*** Firma erklärt worden wären.
Mit Schreiben vom 19. Juni 2019 wären von der [...] unter anderem die aufgrund eines Rechtshilfeansuchens an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Behörden erhaltenen Daten an das Finanzamt [...] übermittelt worden.
Es wären von den ***EU-Mitgliedstaat 1*** Behörden die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonten der ***10*** (zwei Bankkonten: ein [...]-Bankkonto ([...]) [...] und ein Euro-Bankkonto ***14***, übermittelt worden.
Die beiden Bankkonten wären im Zuge der Prüfung ausgewertet und die Ein- und Ausgänge nach Jahren aufgegliedert worden.
Anhand der im Zuge der Prüfung angefertigten Excel-Auswertungen betreffend der übermittelten Bankdaten hätte sich ergeben, dass auf das [...]-Konto Eingänge des (geringen) Gesellschaftskapitals und Übertragungen vom ***EU-Mitgliedstaat 1*** Euro-Konto erfolgt wären, von denen die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Betriebsausgaben bezahlt worden wären. Insgesamt würden die Eingänge und Ausgänge in den Zeiträumen 2012 - 2015 umgerechnet rund € 24.300,00 betragen (Endsaldo 25.11.2015: 0,00).
Beim ***EU-Mitgliedstaat 1*** Euro-Konto wären im Zeitraum 2012 - 2015 Eingänge von insgesamt rd.
€ 535.400,00 festgestellt worden. Im Jahr 2012 und 2013 wären sämtliche Eingänge bis auf die erste Überweisung, welche von der [...] iHv. € 3.000,00 am 3.1.2012 erfolgt wäre, von der ***1*** erzielt worden.
Im Jahr 2014 wären Eingänge durch Überweisungen von der [...], [...] (Summe [...]), [...], [...] (Summe [...]) und der ***1*** (Summe € 18.980,00) erfolgt.
Im Jahr 2015 wären Eingänge durch Überweisungen von der [...][...], [...] (Summe [...]) und [...], [...] (Summe [...]) u. der ***1*** (ÜW Versicherung € 3.800,00) erfolgt.
Der letzte Eingang wäre am 10.07.2015 in Höhe von € 520,00 gewesen.
Die höchsten Ausgänge 2012 - 2015 würden die Anzahlungen und Leasingraten an die [...] (Summe 2012 - 2015 [...]), Zahlungen an [...] (Summe 2013 - 2015 [...] lt. Re. Gf-Gehalt ohne Barauslagen), Mautvorauszahlungen [...] (Summe 2012 - 2013 [...]), Reparaturrechnungen [...] (Summe 2012 - 2015 [...]), Versicherungszahlungen [...] (Summe 2013 - 2014 [...]), Gehaltszahlungen [...] (Summe 2012 -2015 [...], [...] monatlich) und [...] (übersetzt Einziehungen, Summe [...]) betreffen.
Der Saldo würde nach der letzten Ausgangsbuchung vom 11.12.2015 € 0,00 betragen.
Den Eingängen (Einnahmen) würden somit Ausgänge (Ausgaben) in gleicher Höhe gegenüberstehen.
Die Abrechnungen mit der ***10*** wären mittels Gutschriften durch die
***1*** erfolgt.
Laut Buchhaltung wären im Jahr 2012 und 2013 keine "Gutschriften" bar bezahlt worden. Im Jahr 2014 wären laut Buchhaltung "Gutschriften" für Fremdleistungen an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***10*** in Höhe von insgesamt € 389.272,41 und 2015 € 318.583,50 bar bezahlt worden.
Es wären 2014 und 2015 somit die gesamten "Gutschriften" an die ***10*** bar bezahlt worden.
Die den "Gutschriften" dazugehörigen Unterlagen wären nicht vorhanden. Die dazugehörigen Unterlagen und andere Unterlagen wären im vorläufigem Vorbesprechungsprotokoll angefordert worden, wären jedoch nicht vorgelegt worden.
Die an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***10*** im Jahr 2014 und 2015 bar bezahlten Fremdleistungsaufwendungen würden daher als Scheinrechnungen gewertet und als Betriebsausgaben nicht anerkannt werden.
Die nicht anerkannten Beträge würden 2014 und 2015 eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen.
Die sich aus der verdeckten Gewinnausschüttung 2014 und 2015 ergebende Kapitalertragsteuer werde direkt der Alleingesellschafterin (das ist die Bf.) vorgeschrieben.
Tz 3 Fremdleistungen 2016 - 2017 von ***8***, ***EU-Mitgliedstaat 1***
Im März 2016 und April 2016 (Rechnungen vom 23.3.2016, 1.4.2016, 19.4.2016) wären insgesamt 23 Eingangsrechnungen iHv. insgesamt € 46.746,20 von der [...], [...], [...], [...] wegen durchgeführter Transportleistungen an die ***1*** gestellt worden. Die auf den Rechnungen angegebene UID Nr. [...] wäre von 23.2.2016 bis 28.2.2017 gültig gewesen. An aconto-Zahlungen wären insgesamt € 163.816,00 von der ***1*** auf das ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonto [...] überwiesen worden.
Im April 2017 und von Juni bis Anfang November 2017 wären von der ***8***, [...], [...] mit der USt. ID. [...] Fremdleistungen iHv. insgesamt € 446.359,47 in Rechnung gestellt worden, wovon 11 Eingangsrechnungen iHv. € 168.886,63 bar bezahlt worden wären (Aufwand/Kassa).
Die UID-Nr. [...] für die ***8***, [...], [...], wäre von 1.3.2017 - 1.9.2018 gültig gewesen.
Im MIAS würden 2016 und 2017 keine sonstigen Leistungen der ***8***, ***EU-Mitgliedstaat 1*** aufscheinen.
Bei drei Barzahlungsrechnungen wäre die Zahlung bestätigt worden, wobei der Stempel der ***8*** mit der UID-Nr. [...] verwendet worden wäre.
[...]
Es werde darauf hingewiesen, dass bei den vom ***6*** durchgeführten Hausdurchsuchungen Unterlagen der ***10*** und der ***8*** aufgefunden worden wären, die belegen würden, dass beide ***EU-Mitgliedstaat 1*** Firmen der "Firmengruppe [...]" zuzurechnen wären und von ***9*** und ***Bf1*** vertreten würden. Der Tatverdacht und die genaue Beschreibung der Unterlagen wären der Festnahmeanordnung der STA [...], AZ [...] vom 6.10.2017 betreffend ***9*** und der bei der STA [...] unter AZ ***26*** (vormals AZ [...]) aufliegenden Unterlagen betreffend ***9*** u. a. zu entnehmen.
Bei der ***8***, ***EU-Mitgliedstaat 1*** würde es sich um die Nachfolgefirma der ***10***, ***EU-Mitgliedstaat 1*** handeln, die laut STA [...] vor allem wegen offener Steuerschulden und Sozialversicherungsbeiträge gegründet worden wäre.
Von der STA [...] wäre im Rechtshilfeansuchen an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Behörden auch die Kontoöffnungen der ***8*** beantragt worden. Bei den mit Schreiben vom 19.6.2019 übermittelten Unterlagen der STA [...] wären keine Bankdaten der ***8*** vorhanden gewesen.
Im Zuge der Prüfung wäre festgestellt worden, dass von der ***1*** laut Buchhaltung Banküberweisungen auf das ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonto ***14*** im Jahr 2016 in Höhe von insgesamt € 163.816,00 und 2017 von insgesamt € 136.509,00 geleistet worden wären und in der Buchhaltung auf dem Lieferantenkonto Nr. [...] als "AKONTO-Zahlungen" aufscheinen würden.
Als Betriebsausgaben betr. Aufwand Fremdleistungen wären laut Buchhaltung im Jahr 2016 insgesamt € 46.746,20 und im Jahr 2017 insgesamt € 446.359,47 geltend gemacht worden.
Im Jahr 2016 wären laut Buchhaltungskonto ***71*** an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Firma um € 117.069,80 zu viel an AKONTO-Zahlungen überwiesen worden. Die Überzahlung aus 2016 wäre im Jahr 2017 mit Eingangsrechnungen ausgeglichen worden, wobei 2017 insgesamt € 446.359,47 als Betriebsausgaben für die ***8*** geltend gemacht worden wären.
Im Jahr 2017 wären laut Buchhaltung insgesamt € 156.948,84 + € 11.937,79 = Summe
€ 168.886,63 der vorhandenen Eingangsrechnungen bar an die ***8*** bezahlt worden.
Ob in den Jahren 2016 und 2017 Rückflüsse von dem ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonto erfolgt wären, hätte im Zuge der Prüfung mangels Vorliegen der ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonten der ***8*** nicht festgestellt werden können.
Im Zuge der Prüfung wäre eine IWD-Abfrage durchgeführt worden. Bei der [...]-Datenbank (Stand 11.07.2019) würde von der ***8*** nur das Jahr 2016 aufscheinen. Gegründet wäre das Unternehmen im Jahr 2015, als Gesellschafter würden [...] (90%) und [...] (10%) aufscheinen. Die Anzahl der Mitarbeiter wäre im Jahr 2016 mit fünf Mitarbeitern angegeben worden.
Im Jahr 2016 hätte der Umsatz [...] (bei Wechselkurs [...], Umsatz 2016 rund Eur [...]) und der Jahresfehlbetrag (Verlust) [...] (ca. [...][...]) betragen.
Aufgrund der von der Staatsanwaltschaft bereits durchgeführten Ermittlungen wäre davon auszugehen, dass die 2017 bar bezahlten Betriebsausgaben bei der ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***8*** vermutlich nicht oder nur teilweise als Betriebseinnahmen aufscheinen würden. Es wären von ***9*** unter anderem die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Steuererklärungen und Steuerbescheide der Jahre 2016 - 2017 angefordert worden.
Die angeforderten Steuererklärungen und Steuerbescheide für die Jahre 2016 und 2017 und sonstige angeforderte Unterlagen (Angabe der Umsätze (=Einnahmen) der ***8*** 2016 und 2017 samt dazugehöriger Ausgangsrechnungen) wären nicht vorgelegt worden.
Die im Jahr 2016 geltend gemachten Betriebsausgaben in Höhe von € 46.746,20 würden in den erklärten Einnahmen der ***8***, ***EU-Mitgliedstaat 1***, Deckung finden. Im Jahr 2016 wären keine Barzahlungen an die ***8*** erfolgt.
Im Jahr 2017 würde der Verdacht bestehen, dass es sich bei den in bar bezahlten Rechnungen der ***8*** von insgesamt € 168.886,63 um Scheinrechnungen handeln würde. Der Verdacht werde durch den Umstand erhärtet, dass bei drei Eingangsrechnungen der ***8*** vom 19.4.2017, die gleichen Excel-Frachtaufstellungen angeheftet worden wären, die bei der Hausdurchsuchung ***7*** aufgefunden worden wären. Auch die im Abschlussbericht [...] betr. ***7***, Pt. 5.4. ff. abgebildeten Excel-Frachtaufstellungen 9/2016, 10/2016 und 12/2016 wären als Beilage für Rechnungen der ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***8*** verwendet worden.
Es würden daher die zum Fremdleistungsaufwand dazu gehörigen Ausgangsrechnungen der ***1*** angefordert worden. Die Unterlagen wären nicht vorgelegt worden.
Die an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***8*** im Jahr 2017 bar bezahlten Fremdleistungsaufwendungen würden daher als Scheinrechnungen gewertet werden und als Betriebsausgaben nicht anerkannt. Der nicht anerkannte Betrag werde 2017 bei der ***1*** gewinnerhöhend angesetzt.
Die nicht anerkannten Beträge würden 2017 eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen.
Die sich aus der verdeckten Gewinnausschüttung 2017 ergebende Kapitalertragsteuer werde direkt der Alleingesellschafterin (das ist die Bf.) vorgeschrieben.
Tz 4 Fremdleistungen 2013 von ***25***, [...], ***5***
An die [...], [...], [...], [...] wären ab Februar 2013 bis Dezember 2013 Barzahlungen iHv. insgesamt € 221.069,00 (Aufstellung siehe unten, 11 Eingangsrechnungen) für durchgeführte Transporte bezahlt worden. In den vorhandenen Eingangsrechnungen wären diverse Transporte laut beiliegender Aufstellung und div. Maut laut Auslage angeführt worden. Die Aufstellungen wären bei den im Kassaordner abgelegten Rechnungen nicht vorhanden.
Laut Buchhaltung wären nur im Jahr 2013 Transportleistungen von der ***25*** für die ***1*** durchgeführt worden.
[...]
Im Zuge der Prüfung wäre festgestellt worden, dass an die ***25*** im Jahr 2013 insgesamt € 221.069,00 in bar für Transportleistungen (insgesamt 11 Eingangsrechnungen der ***25***) ausbezahlt worden wären. In den Vorjahren und nach 2013 würden keine Fremdleistungen der ***25*** in der Buchhaltung der ***1*** aufscheinen.
Die durchgeführte IWD-Abfrage beim ***29*** hätte ergeben, dass als Tätigkeit der Firma "Großhandel mit Foto- und optischen Erzeugnissen, elektrischen Haushaltsgeräten und Geräten der Unterhaltungselektronik" aufscheint. Die Bilanzdaten wären nicht veröffentlicht worden und wären offiziell nicht erhältlich. Die Firma wäre seit 5.8.1998 aktiv. Als Firmenname würde ***30*** aufscheinen. Die Geschäftsführerin und 100%-Gesellschafterin wäre laut Auskunft Frau ***7*** [...]. Bei Frau ***7*** ***31*** würde es sich um die Ehegattin von ***7*** ***32*** handeln.
Auf den Monatsrechnungen würde als Text "Diverse Transporte laut beiliegender Aufstellung", die Frachtkosten in einer Summe und div. Maut laut Auslagen in einer Summe aufscheinen.
In den Kassaordnern würden sich bei den monatlichen Eingangsrechnungen keine beiliegenden Aufstellungen oder sonstige Belege finden. Auch würden sich in den Rechnungen keine Hinweise, mit welchen Fahrzeugen (Truck Nr. auf Rechnung nicht ausgefüllt) die Transporte durchgeführt wurden, finden.
Es wären daher im vorläufigen Besprechungsprotokoll die dazugehörigen Unterlagen und die entsprechenden Ausgangsrechnungen angefordert worden, da der Verdacht auf Vorliegen von Scheinrechnungen bestehen würde. Die angeforderten Unterlagen wären nicht vorgelegt worden.
Die elf Eingangsrechnungen der ***33*** in Höhe von insgesamt € 221.069,00 würden daher im Jahr 2013 als Scheinrechnungen gewertet und bei der ***1*** als Betriebsausgaben für Fremdleistungen nicht anerkannt.
Die nicht anerkannten Fremdleistungen würden 2013 gewinnerhöhend bei der ***1*** angesetzt werden.
Der nicht anerkannte Betrag würde eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen.
Die sich aus der verdeckten Gewinnausschüttung ergebende Kapitalertragsteuer 2013 werde direkt der Alleingesellschafterin (das ist die Bf.) vorgeschrieben.
Tz 5 Schätzung des bar bezahlten Lohnaufwandes an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Fahrer 2013 - 2017
Die in den Jahren 2013 - 2017 aus der ***1*** bar entnommenen Beträge für Fremdleistungen dürften einerseits für Lohnzahlungen oder sonstige Auslagen der ***EU-Mitgliedstaat 1*** Fahrer in bar und andererseits für private Zwecke des ***9*** bzw. der Familie ***34*** verwendet worden sein.
Im Schätzungswege würden gem. § 184 BAO die an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Fahrer bar ausbezahlten Löhne bei der ***1*** gewinnmindernd als Betriebsausgaben berücksichtigt.
Da keine Belege und Aufzeichnungen über die in den Jahren 2013 - 2017 getätigten Barlohnzahlungen an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Fahrer vorliegen würden, wäre der jährliche Aufwand im Schätzungswege zu ermitteln.
Als Grundlage für die Schätzung würde unter anderem einerseits die Zeugenvernehmung des (Schein)Geschäftsführers ***21*** vom 20.9.2017, durchgeführt vom ***6*** und andererseits die ausgewerteten ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonten der ***10*** dienen.
Herr ***21*** hätte die Firma ***22*** und ***1*** mit Ende Jänner 2017 verlassen.
Herr ***21*** wäre aufgefallen, dass ***9*** immer wieder Gewinne als Privatentnahme genommen hätte. Mit der ***1*** hätte ***9*** im Jahr 2014 und 2015 ca. € 100.000,- Gewinn gemacht, wobei aber dieses Geld nie in der Firma gewesen wäre, da ***9*** diesen Gewinn immer als Privatentnahme genommen hätte.
Laut Zeugenvernehmung wären die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Firmen ***10*** und ***8*** für den Fernverkehr gegründet worden. Die Fahrzeuge und Fahrer wären in ***EU-Mitgliedstaat 1*** angemeldet worden. Die Fahrer wären wegen der hohen Lohnnebenkosten in Österreich in ***EU-Mitgliedstaat 1*** angemeldet worden.
Laut Aussage Herr ***21*** wären die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Fahrer mit dem Privatauto nach ***35*** angereist und wären von dort mit dem LKW weggefahren. Sie hätten monatlich Fahrtengeld zwischen 1.500 - 2.000 € bekommen. Nach der Tour hätten die Fahrer die Belege abgeliefert und wären in bar bezahlt worden.
Der monatliche Verdienst der Fahrer wäre mit 1.800 - 2.400 € angegeben worden und die Fahrer wären ungefähr 9 Monate im Jahr beschäftigt gewesen. Die Abrechnung wäre nach gefahrenen Kilometern erfolgt. Im Jahr 2015 wären seiner Erinnerung nach die Fahrzeuge gestanden, da ***9*** die Fahrer nicht oder schlecht bezahlt hätte. Der Fuhrpark und die Abwicklung des Personals würde in ***35*** geschehen und die Entscheidungen würden ausschließlich von ***9*** getroffen werden.
Laut Herrn [...] hätte die Fa. ***10*** tatsächlich eigentlich nie existiert. Ein ***EU-Mitgliedstaat 1***r Frächter hätte die ***10*** nebenbei mitbetreut.
Die LKW, die bei der Fa. ***10*** gelaufen wären, wären von der Fa. ***36*** geleast oder wären von der ***1*** gemietet worden. Chef der Fa. ***36*** wäre ***37*** gewesen, der eine Zeit lang auch Geschäftsführer der ***10*** gewesen wäre. Bei der ***8*** wäre eine Frau ***38*** oder ***39*** als Buchhalterin für die administrative Abwicklung in ***EU-Mitgliedstaat 1*** zuständig gewesen.
Anhand der ausgewerteten ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonten der ***10*** wäre festgestellt worden, dass der Geschäftsbetrieb ab März 2012 aufgenommen worden wäre und ab März 2012 erste Leasingzahlungen an die ***36*** geleistet worden wären. Im Jahr 2012 wären für fünf Fahrzeuge Leasingraten überwiesen worden, mit 1.10.13 und 31.10.13 wären Anzahlungen für zwei weitere Leasingverträge überwiesen worden. Im Jahr 2014 wären Leasingzahlungen bis Mai 2014 für fünf Fahrzeuge, ab Juni 2014 bis Ende 2014 für sechs Fahrzeuge geleistet worden. Im Jahr 2015 wären bis Juni 2015 Leasingraten für fünf Fahrzeuge geleistet worden. Laut Aktenlage wäre der Geschäftsbetrieb der ***10*** mit Juni 2015 beendet worden. Anhand der ausgewerteten ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonten wäre folgender Leasingaufwand ermittelt worden:
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2012
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2013
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2014
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2015
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Summe
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Leasingauf-wand
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46.933,54
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95.995,36
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132.607,51
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51.054,45
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326.580,86
Bei der ***8*** würden keine ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonten vorliegen. Laut Buchhaltung wären Eingangsrechnungen der ***8*** ab März 2016 bis November 2017 gebucht worden und es wären Überweisungen von der ***1*** auf das ***EU-Mitgliedstaat 1*** Bankkonto für diesen Zeitraum erfolgt.
Im Schätzungswege würden daher die bar bezahlten Lohnaufwendungen der ***EU-Mitgliedstaat 1*** Fahrer für den Zeitraum 2013 - 2017 ermittelt, wobei ein durchschnittlicher Monatslohn von
€ 2.000,00 je Fahrer angesetzt werde. Bei der ***40*** würden fünf bis sechs Fahrer für den Zeitraum Jänner 2013 bis Juni 2015 angesetzt, bei der ***8*** würden sechs Fahrer für den Zeitraum März 2016 bis November 2017 angesetzt. Diese Lohnaufwendungen für die ***EU-Mitgliedstaat 1*** Fahrer würden als Betriebsausgaben bei der ***1*** angesetzt.
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2013
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2014
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2015
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2016
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2017
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Lohn mtl.
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2.000
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2.000
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2.000
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2.000
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2.000
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Anzahl Fahrer
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1-9: 5
10-12: 6
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1-5: 5
6-12: 6
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1-6: 5
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3-12: 6
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1-11: 6
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Lohnaus-zahlung bar
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126.000
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134.000
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60.000
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120.000
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132.000
Tz 6 SCHÄTZUNG der BESTEUERUNGSGRUNDLAGEN gem. § 184 BAO für 2013 - 2017
Die Besprechungspunkte hätten sich aufgrund der vorliegenden EDV-Buchhaltung (Programm ***41***), den von der "***StA***", 1030 ***42*** (kurz STA ***42***) und dem "***43***", ***42*** (kurz ***6***) umfangreich zur Verfügung gestellten Unterlagen ergeben.
Im Zuge von mehreren Hausdurchsuchungen wären Buchhaltungsunterlagen in Papierform beschlagnahmt worden (HD angeordnet durch die STA ***42*** und durchgeführt durch das ***6***), welche im Archiv des von der STA ***42*** bestellten gerichtlich beeideten Sachverständigen ***44*** in ***45*** bei ***42*** aufbewahrt wurden, und in die im Zuge der Prüfung Einsicht genommen worden wäre.
In der Strafsache (Aktenzeichen ***26***) bestünde unter anderem gegen ***9*** und ***Bf1*** (die Bf.) der Verdacht der betrügerischen Krida zum Nachteil der ***1*** durch angebliche Barzahlungen an die ***EU-Mitgliedstaat 1*** ***10*** und der ***EU-Mitgliedstaat 1*** Nachfolgefirma ***8***.
Herr ***9*** wäre laut Firmenbuch im Zeitraum 27.03.2010 - 29.10.2015 und von 17.05.2017 - 11.09.2017 handelsrechtlicher Geschäftsführer der ***1*** (FN ***46***) gewesen.
Laut Firmenbuch wäre ab 12.9.2017 Herr ***47*** Geschäftsführer und Alleingesellschafter der ***1*** gewesen. Laut Ermittlungen des ***6*** würde es sich bei dem im Zeitraum 30.10.2015 - 03.02.2017 eingesetztem Geschäftsführer ***21*** und im Zeitraum 9.1.2017 - 25.5.2017 eingesetztem Geschäftsführer ***48*** um Scheingeschäftsführer handeln. Der faktische Machthaber und Geschäftsführer wäre aufgrund der Ermittlungen des ***6*** immer ***9*** gewesen.
Die Bf. wäre seit Gründung der ***1*** lt. Firmenbuch am 27.03.2010 bis 28.02.2018 Alleingesellschafterin (Stammeinlage € 35.000,00, Anteil 100%) gewesen.
Das vorläufige Besprechungsprotokoll wäre Hrn. ***9*** im Anschluss an die Beschuldigtenvernehmung am 22.8.2019 zur schriftlichen Stellungnahme und zur Vorlage von Unterlagen ausgehändigt worden. Die Besprechungspunkte wären am gleichem Tag dem derzeitigen Masseverwalter der ***1*** per email, Herrn RA ***49*** mitgeteilt worden.
Im Zuge der Beschuldigteneinvernahme hätte Hr. ***9***, im Beisein seines Rechtsanwaltes ***50*** (Kanzlei ***51***, ***52***), vom Recht der Aussageverweigerung Gebrauch gemacht.
Als Frist zur Vorlage einer schriftlichen Stellungnahme und der Vorlage von Unterlagen wäre der 23.9.2019 gesetzt worden. Bis zu der am 27.11.2019 beim MV [...] stattgefundenen Schlussbesprechung wäre keine schriftliche Stellungnahme abgegeben worden und wären die angeforderten Unterlagen nicht vorgelegt worden.
Die nicht anerkannten Betriebsausgaben laut Tz 1 - Tz 4 würden abzüglich des geschätzten Lohnaufwandes laut Tz 5 bei der ***1*** 2013 - 2017 gewinnerhöhend angesetzt und Körperschaftsteuer in Höhe von 25 % vorgeschrieben werden.
Die nicht anerkannten Betriebsausgaben würden eine verdeckte Gewinnausschüttung darstellen. Die Kapitalertragsteuer betreffend der verdeckten Gewinnausschüttung 2013 - 2017 werde direkt der Alleingesellschafterin ***Bf1*** (100% Gesellschafterin, Ehegattin von ***9***) in Höhe von 25 % (2013 - 2015) und 27,5 % (2016 - 2017) vorgeschrieben.
Gemäß § 95 Abs. 1 EStG 1988 sei der Empfänger der Kapitalerträge Schuldner der Kapitalertragsteuer. Die Kapitalertragsteuer sei von dem gemäß § 95 Abs. 2 EStG 1988 zum Abzug Verpflichteten einzubehalten. Nach § 95 Abs. 4 EStG 1988 sei die Kapitalertragsteuer ausnahmsweise dem Empfänger der Kapitalerträge direkt vorzuschreiben, wenn der zum Abzug Verpflichtete die Kapitalerträge nicht vorschriftsmäßig gekürzt hat und die Haftung nach Abs. 1 nicht oder nur erschwert durchsetzbar wäre oder der Empfänger weiß, dass der Schuldner die einbehaltene Kapitalertragsteuer nicht vorschriftsmäßig abgeführt hat und dies dem Finanzamt nicht unverzüglich mitteilt.
Die Haftung gemäß § 95 Abs. 1 EStG 1988 würde aufgrund der Überschuldung der GmbH sowie des zwischenzeitlich über sie eingeleiteten Konkursverfahrens nicht durchsetzbar erscheinen, weshalb gemäß § 95 Abs. 4 EStG eine Direktvorschreibung der KESt an den Empfänger der Kapitalerträge erfolgen würde.
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2013
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2014
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2015
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2016
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2017
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Barbeträge Tz 1 - 4
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221.069,00
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389.272,41
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318.583,50
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170.927,00
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168.886,63
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Abz. Löhne bar Tz 5
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- 126.000,00
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- 134.000,00
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- 60.000,00
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- 120.000,00
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- 132.000,00
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Gewinnerhöhung u. verdeckte GA
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95.069,00
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255.272,41
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258.583,50
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50.927,00
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36.886,63
Am 17. Dezember 2017 erließ das Finanzamt ***53*** Bescheide über die Festsetzung der Kapitalertragsteuer für die Jahre 2013 bis 2017 mit der der Bf. für die im Prüfbericht vom 17.12.2019 festgestellten verdeckten Ausschüttungen Kapitalertragsteuer vorgeschrieben wurde.
Diese fünf Bescheide wurden gleichlautend wie folgt begründet:
Gemäß § 95 Abs. 1 EStG 1988 sei der Empfänger der Kapitalerträge Schuldner der Kapitalertragsteuer. Die Kapitalertragsteuer sei von dem gemäß § 95 Abs. 2 EStG 1988 zum Abzug Verpflichteten einzubehalten. Nach § 95 Abs. 4 EStG 1988 sei die Kapitalertragsteuer ausnahmsweise dem Empfänger der Kapitalerträge direkt vorzuschreiben, wenn der zum Abzug Verpflichtete die Kapitalerträge nicht vorschriftsmäßig gekürzt hat und die Haftung nach Abs. 1 nicht oder nur erschwert durchsetzbar wäre oder der Empfänger weiß, dass der Schuldner die einbehaltene Kapitalertragsteuer nicht vorschriftsmäßig abgeführt hat und dies dem Finanzamt nicht unverzüglich mitteilt.
Im Zuge der bei der Firma ***1*** durchgeführten Außenprüfung gemäß § 147 BAO in Verbindung mit § 99 Abs. 2 FinStrG, St.Nr. ***19***, ABNr. ***20*** wären verdeckte Gewinnausschüttungen 2013 - 2017 aufgrund nicht anerkannter Barausgaben für Fremdleistungen festgestellt worden. Laut Firmenbuch wäre die Bf. bei der ***1*** von 27.3.2010 bis 28.2.2018 Alleingesellschafterin gewesen.
Die Haftung gemäß § 95 Abs. 1 EStG 1988 würde nicht oder nur erschwert durchsetzbar erscheinen, weil die ***1*** überschuldet wäre und sich zwischenzeitlich im Konkurs befinden würde.
Auf den beiliegenden Prüfungsbericht der ***1***, St.Nr. [...]***19***, ABNr. ***20*** vom 17.12.2019 werde verwiesen.
Diese Bescheide wurden an die ***54*** als Zustellbevollmächtigte der Bf. mit Zustellnachweis (Rsb) übermittelt.
Diese wurden von der ***54*** nicht angenommen, weil die steuerliche Vertretung der Bf. mit 4.12.2019 beendet und auch die Zustellvollmacht gelöscht und dies über Finanzonline dem Finanzamt ***2*** mitgeteilt wurde.
Aus diesem Grund wurde vom Finanzamt ***2*** eine neuerliche Zustellung der KESt-Bescheide 2013 bis 2017 durchgeführt und zwar nunmehr an die Bf. persönlich. Diese ebenfalls mit Zustellnachweis versendeten Bescheide wurden am 23. Jänner 2020 an die Bf. zugestellt.
Am 27. Jänner 2020 wurde von der Bf. über FinanzOnline eine Beschwerde gegen die Kapitalertragsteuerbescheide vom 17.12.2019 für die Jahre 2013 bis 2017 eingebracht. In dieser Beschwerde wurde die Festsetzung der KESt jeweils mit 0,00 beantragt.
Diese Beschwerde wurde damit begründet, dass die Bf. keine Vorteile aus den Geschäftsfällen, die im Bericht der BP vom 17.12.2019 angeführt sind, bezogen hätte und zwar weder im objektiven noch subjektiven Sinn der Rz 568 KStR. Sie hätte lediglich die Gesellschaftsanteile gehalten.
In der Beschwerde wurde noch darauf hingewiesen, dass die steuerliche Vertretung die angefochtenen Bescheide erst am 27.1.2020 postalisch erreicht hätten, da der vorige steuerliche Vertreter es verabsäumt hätte, die Zustellvollmacht nach Zurücklegung seines Mandates für die Bf. zurückzulegen, die nunmehr Mandantin der ***55*** wäre. Eine detailliertere Begründung der Beschwerde wäre so kurzfristig unmöglich gewesen. Eine solche würde bis 20.2.2020 nachgereicht werden.
Am 28.2.2020 wurde die Beschwerde vom 27. Jänner 2020 wie folgt ergänzt:
Es gelte das Vorliegen einer verdeckten Gewinnausschüttung näher zu beleuchten.
In Bezug auf die Definition von verdeckten Ausschüttungen würden sich folgende Teilaspekte unterscheiden lassen:
I. Zuwendungen von Vermögensvorteilen außerhalb einer offenen Ausschüttung
II. durch eine Körperschaft (Kapitalgesellschaft)
III. an ihre Anteilsinhaber oder gleichzuhaltende Personen
IV. die durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst sind und
V. zudem mit Wissen und Wollen der Körperschaft erfolgen (Kapitalgesellschaft)
Die KStR 2013 (Rz 568) würden die Voraussetzungen für eine verdeckte Ausschüttung wie folgt zusammenfassen:
Es würde einer Eigentums- oder sonstigen gleichwertigen Nahebeziehung zwischen Vorteilsempfänger und Körperschaft bedürfen (dies würde im Wesentlichen den oben angeführten Kriterien II. und III. entsprechen).
Es müsse das objektive Tatbild der Bereicherung des Anteilsinhabers oder einer ihm nahestehenden Person zu Lasten der Körperschaft erfüllt sein (vgl. die oben angeführten Kriterien l. und IV.).
Es müsse weites das subjektive Tatbild einer auf Vorteilsgewährung gerichteten Willensentscheidung erfüllt sein (vgl. das oben angeführte Kriterium V.).
Somit wären die Tatbestände im Lichte des zu Grunde liegenden Sachverhaltes genauer zu prüfen:
1. Sachverhalt:
Mit. Bericht über die Außenprüfung gemäß § 150 BAO vom 17.12.2019 betreffend Prüfung der ***1*** (StrNr ***19***; FN ***46***) wären mehrere Feststellungen getroffen worden, welche die Behörde dazu veranlasst hätten bei der Bf. gemäß § 21 Abs. 3 AVOG iVm § 95 Abs. 4 EStG Kapitalertragsteuer bei dieser direkt und unmittelbar vorzuschreiben. Im Wesentlichen hätte die Behörde hierbei Vermögensminderungen in Form von Geldabflüssen (augenscheinlich für die Bezahlung von Lieferanten) auf Ebene der Gesellschaft festgestellt, deren Begründung im Wesentlich mit dem Fehlen symmetrischer steuerlicher Erfassung bei den Vertragspartnern (Anmerkung: zu ergänzen wohl: liegen würde). Die in dieser Form nicht anerkannten Betriebsausgaben wären als verdeckte Gewinnausschüttungen qualifiziert und der 100% Gesellschafterin zugerechnet worden.
2. Würdigung:
I. Zuwendungen von Vermögensvorteilen außerhalb einer offenen Ausschüttung
Eine verdeckte Ausschüttung würde einen vermögenswerten Vorteil, der dem qualifizierten Bezieher der verdeckten Ausschüttung verschafft werden soll, voraussetzen. Aus der Sicht des § 8 Abs. 2 wäre die Bereicherung des Beziehers abstrakt zu verstehen; dh es würde nicht darauf ankommen, ob ein Vermögensvorteil auch tatsächlich beim Bezieher zufließt. Es wäre aber notwendig, dass sich der vermögenswerte Vorteil eignet, dem Bezieher der verdeckten Ausschüttung einen bewertbaren Vermögensvorteil zu verschaffen (Kirchmayr in Achatz/Kirchmayr, KStG § 8 Tz 166; (Kirchmayr-Schliesselberger, Verdeckte Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften im Ertragsteuerrecht in: Leitner (Hrsg), Handbuch Verdeckte Gewinnausschüttung2,137 (142)).
Eine verdeckte Ausschüttung nach § 8 Abs. 2 KStG würde eine Vermögensminderung oder eine verhinderte Vermögensmehrung bei der betreffenden Körperschaft voraussetzen:
Bei den Vermögensminderungen würde es um gesellschaftsrechtlich veranlasste überhöhte Betriebsausgaben gehen, gleichgültig, ob als "Ausgabe" mit Geldabfluss oder als buchmäßige Aufwendung (z.B. Dotierung einer Rückstellung); diese Fallgruppe werde auch als "direkte verdeckte Ausschüttung" bezeichnet. (Kirchmayr-Schliesselberger, Verdeckte Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften im Ertragsteuerrecht in: Leitner (Hrsg), Handbuch Verdeckte Gewinnausschüttung2, 137 (142)).
Bei einer direkten verdeckten Ausschüttung würde es zu einem "überhöhten" Betriebsausgabenabzug kommen, der durch die Qualifikation als verdeckte Ausschüttung neutralisiert werde. Der Betriebsausgabenabzug wäre daher zu versagen bzw. zu kürzen.
Die Behörde würde in ihren Feststellungen von "Scheinrechnungen" und offensichtlich von "Scheingeschäften" zu Gunsten der Anteilsinhaberin ausgehen. Bei dieser Fallkonstellation könne eine -grundsätzlich rechtsgültige - Rechtsgrundlage vorliegen. Die Körperschaft würde aber eine Leistung (societatis causae) erbringen, ohne dass eine entsprechende Gegenleistung erbracht werde. Zu dieser Fallkonstellation würden die KStR 2013 in Rz 640 auch vorgetäuschte Rechtsgeschäfte zählen, die dazu dienen, die als verdeckte Ausschüttung zu qualifizierende Vorteilsgewährung zu verdecken. Zum Beispiel: in Scheinrechnungen vorgetäuschte Beauftragung von Subunternehmen (Kirchmayr/Schliesselberger, verdeckte Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften im Ertragsteuerrecht in: Leitner (Hrsg), Handbuch Verdeckte Gewinnausschüttung2, 137 (144) mwN).
II. Körperschaft
Bei der hier gegenständlichen Gesellschaft würde es sich um einen (Anmerkung: richtig wohl: eine) GmbH nach österreichischem Recht handeln.
III. Anteilsinhaber oder gleichzuhaltende Personen
Die Definition der verdeckten Ausschüttung würde auch aus Sicht des § 8 Abs. 2 KStG einen qualifizierten Bezieher voraussetzen; nur bei bestimmten Beziehern könne ein Vermögensvorteil societatis causa angenommen werden. Bei Kapitalgesellschaften wäre in erster Linie auf den rechtlichen und wirtschaftlichen Eigentümer der Gesellschaftsanteile abzustellen.
Eine verdeckte Ausschüttung würde primär darauf abstellen, dass eine Körperschaft einen Vermögensvorteil societatis causa zuwendet.
Eine verdeckte Ausschüttung könne auch verwirklicht werden, wenn der Vorteilsempfänger nicht der Gesellschafter selbst, sondern eine ihm nahestehende Person ist. Wesentlich wäre, dass die Vorteilsgewährung gesellschaftsrechtlich veranlasst ist und die Gesellschaft nicht ein eigenständiges betriebliches Interesse an der Leistung an die nahestehende Person hat. Der Empfänger der Leistung müsse dem Gesellschafter nahestehen; auf das Verhältnis zu der Gesellschaft würde es nicht ankommen. Aus steuerlicher Sicht würden die Gesellschafter Empfänger der verdeckten Ausschüttung bleiben.
Das - für die Annahme einer verdeckten Ausschüttung notwendige - "Nahestehen" zu einem Anteilsinhaber könne durch familienrechtliche, gesellschaftsrechtliche, schuldrechtliche oder rein tatsächliche Umstände begründet werden (Kirchmayr-Schliesselberger, Verdeckte Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften im Ertragsteuerrecht in: Leitner (Hrsg), Handbuch Verdeckte Gewinnausschüttung2, 137 (161) auch Kirchmayr in Achatz/Kirchmayr, KStG § 8 Tz 251, 257 mwN.)
Eine solche "nahestehende Person" wäre primär eine solche, die mit dem Anteilsinhaber persönlich verbunden ist (z.B. u.a. Ehegatte - Raab/Renner in Quantschnigg/Renner/ Schellmann/ Stöger/Vock, KStG 1988, § 8 Tz 144/1/1 mwN.). Würde sich nun eine einem Anteilseigner nahestehende dritte Person widerrechtlich Vermögensgüter verschaffen, könne eine mittelbare verdeckte Gewinnausschüttung nur angenommen werden, wenn seitens der Behörde festgestellt werde, dass dieser von den widerrechtlichen eigenmächtigen Geldentnahmen wusste und ihn dennoch gewähren ließ (Raab/Renner in Quantschnigg/Renner/Schellmann/Stöger/Vock, KStG 1988, § 8 Tz 145 mwN, insbesondere Renner, ÖStZ 2007, 454 (456)). Grundsätzlich hätte ein Geschäftsführer, der nicht beteiligt ist, keine eigentümerähnliche Stellung, wenn sie ihm nicht von den Gesellschaftern eingeräumt werde. Würde sich daher ein Geschäftsführer ohne Wissen der Anteilsinhaber und ohne diese daran zu beteiligen bereichern, so würde keine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegen (Twardosz, Verdeckte Ausschüttungen im Ertragsteuerrecht in Heinrich-Folgar-Deinhardstein (Hrsg), Verdeckte Gewinnausschüttung, 193 (212)). Hinsichtlich Rechtswidrigkeit und Informationsstand der Anteilsinhaber werde auf das "Subjektive Tatbild" Bezug genommen. Dieses würde unter V. geprüft.
Es wäre anzumerken, dass gemäß den Feststellungen der ***StA*** (siehe hierzu das Schreiben des Landesgerichtes ***16*** vom 28.07.2019 mit der Aktenzahl ***17***) von 2012 bis 2016 Herr ***9*** eine außereheliche Beziehung unterhalten hätte. in weiterer Folge wäre die Ehe im November 2019 geschieden worden, was zeigen würde, dass so nahe die Beziehung zwischen ***Bf1*** und ***9*** nicht gewesen wäre (Bordellbesuche von ***9*** und außereheliche Verhältnisse, - siehe unten unter V.).
Auch wäre zu bemerken, dass eine Feststellung, wonach der Anteilsinhaber (***Bf1***) von den widerrechtlichen eigenmächtigen Geldentnahmen wusste und die (unterstellter maßen) nahestehende dritte Person (***9***) dennoch gewähren ließ, von der Behörde weder in den Bescheiden über die Festsetzung der Kapitalertragsteuer jeweils für die Jahre 2013 bis 2017, jeweils vom 19.12.2019 adressiert an die Bf., noch in dem Bericht über die Außenprüfung der ***1*** gemäß § 150 BAO vom 19.12.2019 getroffen werde. Es werde lediglich lapidar an mehreren Stellen die Aussage getroffen, dass die nicht anerkannten Betriebsausgaben verdeckte Gewinnausschüttungen darstellen und der 100% Gesellschafterin vorgeschrieben werden.
IV. Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis
Bei der Prüfung von verdeckten Ausschüttungen wäre darauf abzustellen, ob eine Zuwendung nach ihrem "inneren Gehalt" ihre Ursache in einer schuldrechtlichen Beziehung zwischen Gesellschaft und Gesellschafter oder im Gesellschaftsverhältnis hat. Würde eine gesellschaftsrechtliche Verursachung vorliegen, wäre eine verdeckte Ausschüttung anzunehmen. Zentrales Merkmal einer verdeckten Ausschüttung wäre die Veranlassung der Zuwendung eines Vermögensvorteils aufgrund der Gesellschafterstellung außerhalb einer offenen Einkommensverwendung (Kirchmayr-Schliesselberger, Verdeckte Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften im Ertragsteuerrecht in: Leitner (Hrsg), Handbuch Verdeckte Gewinnausschüttung2, 137 (162) auch Kirchmayr in Achatz/Kirchmayr, KStG § 8 Tz 275 mwN).
Die Veranlassung societatis causa werde nach der stRspr des VwGH sowie nach der Verwaltungspraxis anhand eines Fremdvergleichs ermittelt. Im gegenständlichen Fall wären schuldrechtliche Beziehungen zwischen Gesellschafter und Gesellschaft von der Behörde nicht erwähnt worden, es würden also die angeblich bezogenen Vorteile ausschließlich als aus dem Gesellschaftsverhältnis wurzelnd angesehen werden.
V. Wissen und Wollen der Körperschaft (Kapitalgesellschaft)
Nach der Judikatur des VwGH sowie der Verwaltungspraxis würde eine verdeckte Ausschüttung eine ausdrücklich auf Vorteilsgewährung gerichtete Willensentscheidung - das Wissen und Wollen - der Körperschaft erfordern, wobei sich die Absicht der Vorteilsgewährung auch schlüssig aus den Umständen des jeweiligen Falles ergeben könne. Die erforderliche subjektive Voraussetzung der verdeckten Ausschüttung könne somit aus objektiven Gesichtspunkten geschlossen werden. Grundsätzlich wäre danach die subjektive Komponente zusätzlich zur oben dargelegten formalen und (objektiv) materiellen Komponente der Fremdüblichkeit einer Leistung zu berücksichtigen.
Die subjektive Komponente der verdeckten Ausschüttung würde den Entscheidungsmechanismus in der Körperschaft betreffen. Die "Körperschaft" als Steuersubjekt müsse von der verdeckten Ausschüttung Kenntnis haben und diese beabsichtigen oder in Kauf nehmen. Die Körperschaft würde dabei idR durch ihre Organe handeln. Dadurch würde es zu einer Abgrenzung von jenen Fällen kommen, bei denen es zu einem "unbewussten" Vermögensentzug bei der Körperschaft kommt, wie zB im Fall einer irrtümlichen Fehlbewertung einer Leistung oder im Fall eines - ebenso "ungewollten" - Diebstahls oder einer Unterschlagung durch einen Minderheitsgesellschafter.
Die subjektive Komponente der verdeckten Ausschüttung würde somit ein der Körperschaft zuzurechnendes Verhalten des geschäftsführenden Organes erfordern, das in einem aktiven Tun, Dulden oder Unterlassen bestehen könne und das den Schluss erlauben würde, dass die durch die Organe vertretene Gesellschaft die Entnahme von Gesellschaftsvermögens durch den Gesellschafter akzeptiert hat (Kirchmayr-Schliesselberger, Verdeckte Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften im Ertragsteuerrecht in: Leitner (Hrsg), Handbuch Verdeckte Gewinnausschüttung2, 137 (169) mwN; Kirchmayr in Achatz/Kirchmayr, KStG § 8 Tz 310 mwN).
Wenn sich der gesetzliche Vertreter (Herr ***9***), der nicht Gesellschafter ist, selbst - gegebenenfalls widerrechtlich - Vorteile zuwendet (zB durch Unterschlagung oder Diebstahl), würde aus der Sicht der Körperschaft keine verdeckte Ausschüttung vorliegen. Denn der bereicherte gesetzliche Vertreter als Solcher wäre kein Anteilsinhaber oder (qualifizierter) Nahestehender eines Anteilsinhabers (Kirchmayr-Schliesselberger, Verdeckte Ausschüttungen aus Kapitalgesellschaften im Ertragsteuerrecht in: Leitner (Hrsg), Handbuch Verdeckte Gewinnausschüttung2 137 (170)); Kirchmayr in Achatz/Kirchmayr, KStG § 8 Tz 318; Atzmüller, RdW 1999, 576 (577(576)) Bezug nehmend auf VwGH 28.05.1998, 96/15/0114). Auch eine "machthabende Stellung", mittels welcher man Einfluss auf die Geschehnisse in der Gesellschaft hätte ausüben können, würde der VwGH im zitierten Erkenntnis ablehnen. Würde sich der nicht beteiligte gesetzliche Vertreter selbst einen Vorteil verschaffen, würde es sich unbestritten um ein der Körperschaft zurechenbares Verhalten handeln, jedoch werde in diesen Fällen die fehlende Anteilseignereigenschaft dem Vorliegen einer verdeckten Gewinnausschüttung entgehen stehen (Ressler/Stürzlinger in Lang/Schuch/Staringer, KStG2,
§ 8 Tz 130).
Im vorliegenden Fall wären bereits ab 2016 umfangreiche Ermittlungen durch die ***StA*** gegen ***9*** durchgeführt worden (siehe hierzu das Schreiben des Landesgerichtes ***16*** vom 28.07.2019 mit der Katenzahl (Anmerkung: richtig wohl: Aktenzahl) ***17***).
Normen und Schlagworte
- § 8 Abs. 2 KStG 1988, Körperschaftsteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 401/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5100295/2022
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.5100295.2022
- Stammnummer
- 139468
- Gültig
- 26.01.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF