Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100349/2007
Abweisung von Wiederaufnahmeanträgen
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/5100349/2007vom 08.02.2022Teil 1 von 5
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch die Richterin***Ri*** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, vertreten durch Dr. Wolfgang Stütz, OK Platz 1a, 4020 Linz, über die Beschwerde (vormals Berufung) vom 19.8.2005 gegen den Bescheid des ***FA*** vom 2.8.2005, Steuernummer ***Bf1StNr***, betreffend die Abweisung eines Antrages auf Wiederaufnahme der Verfahren hinsichtlich der Einkommensteuer 1998 bis 2000 zu Recht erkannt:
I. Die Beschwerde wird gemäß § 279 BAO als unbegründet abgewiesen.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Entscheidungsgründe
I. Bisheriger Verfahrensgang
1. Im Jänner 1998 erwarb ***1***, die Gattin des Beschwerdeführers, die bis dahin zu 50% an der ***2*** Unternehmensbeteiligungs GmbH (im Folgenden kurz: ***2***) beteiligt gewesen war, auch die zweite Hälfte der Anteile. Mit Generalversammlungsbeschluss vom 27.1.1998 wurde daraufhin die ***2*** als übernehmende Gesellschaft mit der ***2*** Gesellschaft m.b.H. (im Folgenden kurz: ***3***) als übertragende Gesellschaft rückwirkend per 31.12.1997 verschmolzen, die Gesellschaft in ***4*** GmbH umbenannt und in der Folge gemäß §§ 245 ff AktG in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und in ***4*** Aktiengesellschaft umbenannt. Danach wurde die ***4*** Aktiengesellschaft an die ***5*** Investment Establishment (in der Folge kurz: ***5***) um ATS 17.000.000 verkauft. ***5*** war am 16.1.1998 gegründet worden und war eine steuerlich privilegierte Sitzgesellschaft nach liechtensteinischem Recht mit Sitz in Vaduz. Unmittelbar nach dem Erwerb der ***4*** Aktiengesellschaft wurden von ***5*** 50 % der Anteile an der ***4*** Aktiengesellschaft an die ***4*** Ltd (später: ***4*** plc.), mit Sitz in Großbritannien, um ATS 36.527.050 zzgl. GBP 125.000 sowie einer eventuellen Kaufpreisanpassung in Höhe von max. ATS 6.617.000 weiterveräußert und die restlichen 50 % der Anteile in diese britische Gesellschaft als Sacheinlage im Gegenzug für eine 50%-ige Beteiligung eingebracht. Mit Hauptversammlungsbeschluss vom 17.6.1998 wurde die ***4*** Aktiengesellschaft wieder in eine GmbH umgewandelt.
Der Beschwerdeführer (in der Folge kurz: Bf.) war von 23.1.1998 bis 19.2.1998 und von 3.7.1998 bis 11.11.1999 Geschäftsführer der ***4*** GmbH und dazwischen Vorstand der ***4*** Aktiengesellschaft. Weiters war er ab 3.3.1998 als "Director" für die ***4*** International Ltd., an welcher ***5*** ebenfalls zu 50% beteiligt war und deren Sitz sich an derselben Adresse wie jener der ***4*** Ltd. befand, tätig, wobei die Vergütung dafür monatlich auf ein inländisches Konto des Bf. überwiesen, aber in Österreich nicht versteuert wurde.
2. In den Jahren 2001 und 2002 wurden Außenprüfungen beim Bf., bei dessen Gattin und bei der ***4*** GmbH durchgeführt. Im Rahmen dessen wurden am 27.03.2001 mehrere gerichtlich angeordnete Hausdurchsuchungen durchgeführt.
Im Zuge der Außenprüfungen einigten sich die Vertreter des Finanzamtes mit dem Bf. darüber, dass die Einkünfte aus dem Verkauf der ***4*** Aktiengesellschaft an ***5*** nicht dessen Gattin, sondern dem Bf., der sämtliche finanziellen Entscheidungen traf, zuzurechnen seien. Der Betriebsprüfer ging davon aus, dass die Einkünfte der ***5*** aus der Weiterveräußerung an die ***4*** Ltd. ebenfalls dem Bf. zuzurechnen seien. Diesbezüglich bestritt zwar der Bf. die wirtschaftliche Eigentümerstellung an der ***5***, gab aber am 24.9.2002 einen Rechtsmittelverzicht ab.
In der Folge wurden am 26.09.2002 Einkommensteuererstbescheide für die Jahre 1998 und 1999 und am 31.10.2002 für das Jahr 2000 erlassen. In den Einkommensteuerbescheiden wurden neben relativ geringen Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit bei der ***4*** Aktiengesellschaft bzw. ***4*** GmbH auch Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit (als "Director" der ***4*** International Ltd.; 1998: € 65.405,55; 1999: € 78.486,66; 2000: € 45.783,89) sowie sonstige Einkünfte (aus dem Verkauf der ***4*** Aktiengesellschaft, 1998: € 1.904.322,58 und 1999: € 480.876,14) festgesetzt, woraus Einkommensteuernachforderungen in Höhe von € 673.917,50 (1998), € 275.600,82 (1999) und € 17.150,79 (2000) resultierten.
3. Mit Schreiben vom 23.6.2005, eingebracht am 1.7.2005, beantragte die steuerliche Vertretung des Bf. die Wiederaufnahme des Verfahrens gem. § 303 iVm § 303a Abs. 1 BAO hinsichtlich der durch die Einkommensteuerbescheide 1998, 1999 und 2000 abgeschlossenen Verfahren. Zur Begründung wurde im Wesentlichen Folgendes ausgeführt:
Die neu hervorgekommenen Beweismittel iSd § 303 Abs. 1 BAO seien sogenannte Sorgfaltspflichtunterlagen nach Art. 6 Sorgfaltspflichtverordnung (Verordnung aufgrund von Art. 38 des liechtensteinischen Gesetzes über die beruflichen Sorgfaltspflichten bei Finanzgeschäften, sog. Sorgfaltspflichtgesetz) hinsichtlich der ***5***. Derartige Aufzeichnung seien von Rechtsanwälten, Wirtschaftsprüfern und Treuhändern zwingend zu erstellen. Diese müssten bei Aufnahme einer Geschäftsbeziehung die wirtschaftlich berechtigten Personen feststellen. Demnach habe auch Dr. ***6*** als Sorgfaltspflichtträger (iSv § 2 SPG) der ***5*** die wirtschaftliche Berechtigung bei der ***5*** nachweisen und dokumentieren müssen.
Diese Sorgfaltspflichtunterlagen seien vor kurzem hervorgekommen und würden eindeutig belegen, dass ***7*** wirtschaftlich Berechtigter der ***5*** sei. Die entsprechende Erklärung samt Aufnahme der persönlichen Identitätsdokumente stamme vom 15.1.2002.
Am 4.4.2005 sei es dem Bf. gelungen, in das Protokoll der liechtensteinischen Landespolizei über die im Rahmen eines österreichischen Rechtshilfeersuchens bei Dr. ***6*** durchgeführte Hausdurchsuchung Einsicht zu nehmen. Im Protokoll über die beschlagnahmten Unterlagen sei unter anderem "Umschlagmappe weiss ,***5*** Investment Establishment Vaduz': Sorgfaltspflichtunterlagen (wirtschaftl. Berechtigter ist ***7***, geb. ***30***, südafrik. StA)" angeführt gewesen. Kopien der Unterlagen habe er am 7. Juni 2005 vom Fürstlichen Landesgericht erhalten.
4. Mit Bescheid vom 2.8.2005, zugestellt am 5.8.2005, wurde der Antrag auf Wiederaufnahme vom 23.06.2005 abgewiesen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass das vom Beschuldigten vorgelegte Beweismittel dem liechtensteinischen Spezialitätsvorbehalt unterliege. Gerichtshilfe sei nur unter der Auflage gewährt worden, dass die Ergebnisse der Rechtshilfe an Österreich erstens in keinem anderen und zweitens in keinem Finanzstrafverfahren Verwendung finden dürften. Der Spezialitätsvorbehalt gelte gleichermaßen für Entlastendes wie Belastendes. Die vorgelegte Kopie unterliege daher dem Verwertungsverbot.
5. Mit Schreiben ebenfalls vom 02.08.2005 (eingelangt beim ***FA*** am 5.8.2005) wurde einerseits der Antrag auf Wiederaufnahme gem. § 303 BAO vom 23.6.2005 ergänzt und andererseits ein weiterer Antrag auf Wiederaufnahme gem. § 303 BAO im Hinblick auf weitere, neu hervorgekommene Beweismittel gestellt.
Ergänzend wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass Eigentümerin der ***5*** seit deren Gründung am 16.1.1998 ***8*** Establishment (im Folgenden kurz: ***8***) gewesen sei, deren Eigentümer seit der Gründung im Jahr 1995 wiederum ***7*** gewesen sei. Die Verwaltung der ***5*** sei von der Gründung bis zur Einleitung der Liquidation durch ***9*** Services reg. (insbesondere durch ***10***) und danach durch Dr. ***6*** erfolgt.
Als weiteres neues Beweismittel wurde der mit 20.11.2001 datierte Mandatsvertrag zwischen ***9*** Services reg. (im Folgenden kurz: ***9***) und ***7*** betreffend die Verwaltung der ***8***, den der Bf. im Rahmen der Akteneinsicht beim Landesgericht FL mit 7.6.2005 erlangt habe, angeführt. Darin werde beurkundet, dass ***7*** der wirtschaftlich Berechtigte der ***8*** sei. Der Vertrag beziehe sich ausdrücklich auf den Zeitraum seit Gründung der ***8*** am 3.11.1995.
Weiteres neues Beweismittel seien Sorgfaltspflichtsunterlagen zur ***11*** Equipment Establishment (in der Folge kurz: ***11***). ***Bf.*** Österreich habe Maschinen an ***11*** fakturiert und ***11*** an Endabnehmer bzw. Vertriebsgesellschaften von ***12*** in Nordamerika. Die ursprünglich von der Betriebsprüfung beabsichtigte Zurechnung der ***11***-Maschinenverkäufe an ***Bf.*** Österreich sei mangels Indizien fallen gelassen worden. Der Fall ***12*** sei uneingeschränkt mit der Geschäftsbeziehung zu ***7*** vergleichbar. ***7*** vertreibe ***Bf.***-Maschinen in Südafrika seit 1981 (ebenfalls über eigene ***Bf.***-Vertriebsgesellschaften), er habe sodann zusätzlich den Vertrieb an finanzschwache Risikokunden über ***22*** übernommen. ***7*** sei genauso wie ***12*** als unabhängiger Dritter zu ***Bf.*** zu sehen.
Im Zuge der Akteneinsicht beim Landesgericht FL erlangte Sorgfaltspflichtsunterlagen hinsichtlich der ***11*** seien anlässlich einer Hausdurchsuchung am 27.01.2004 beschlagnahmt worden und würden beurkunden, dass wirtschaftlich Berechtigter bei der ***11*** nicht der nach außen hin für die ***11*** auftretende ***12***, sondern dessen Mutter sei, wobei ausdrücklich die Zeiträume vor Ausfertigung der Sorgfaltspflichtsunterlagen dokumentiert würden. Der Aussagegehalt der für die ***11*** erstellten Sorgfaltspflichtsunterlagen lasse Rückschlüsse auf die Glaubwürdigkeit und Authentizität der nach denselben rechtlichen Vorschriften erstellten Sorgfaltspflichtsunterlagen betreffend ***5*** zu, v.a. hinsichtlich der Zeiträume vor Ausstellung der Unterlagen.
Die o.a. Unterlagen würden - insbesondere in Verbindung mit den im Rahmen des Wiederaufnahmeantrages vom 23.6.2005 vorgebrachten Unterlagen - die wirtschaftliche Berechtigtenstellung von ***7*** bei der ***5*** während der streitgegenständlichen Zeiträume belegen und daher im Spruch anderslautende Bescheide herbeigeführt haben. Die Unterlagen seien bereits zum Zeitpunkt der Erlassung der antragsgegenständlichen Bescheide existent gewesen. Es liege kein Verschulden des Abgabepflichtigen vor, da er unverschuldetermaßen und nachweislich keine Kenntnis von der Existenz dieser Unterlagen gehabt habe.
6. Am 19.8.2005 wurde gegen den abweisenden Bescheid vom 2.8.2005 vom steuerlichen Vertreter des Bf. eine mit 10.8.2005 datierte Berufung eingebracht, die im Wesentlichen damit begründet wurde, dass kein Beweisverwertungsverbot bestehe. Das Beweisverwertungsverbot beziehe sich nur auf Beweise, die den österreichischen Behörden vom ausländischen Gericht im Rechtshilfeweg übermittelt worden seien. Beweismittel, die der Abgabepflichtige selbst vorbringe, seien davon nicht erfasst. Die vorgelegten Kopien seien vom Bf. im Rahmen einer beim Liechtensteiner Landgericht zum Zweck, sich im Wiederaufnahmeverfahren bzw. in einem allfälligen Finanzstrafverfahren entlasten zu können, beantragten Akteneinsicht beschafft worden, sodass das Finanzamt die Pflicht habe, die Beweismittel zu würdigen.
Für den Fall der Berufungsentscheidung durch den Unabhängigen Finanzsenat (UFS) wurde eine mündliche Verhandlung sowie die Entscheidung durch den gesamten Berufungssenat beantragt.
7. Die Berufung wurde dem UFS am 28.9.2005 vorgelegt.
8. Mit Schreiben vom 23.8.2006, eingelangt beim ***FA*** am 29.8.2006, wurde ein Antrag auf Wiederholung der Abgabenprüfung gestellt, was im Wesentlichen mit Vorwürfen gegenüber den Finanzbeamten und mit nunmehr im Zuge eines mit den Abgabenverfahren in Zusammenhang stehenden, beim Landesgericht Linz anhängigen Finanzstrafverfahren aufgetauchten weiteren Unterlagen, die den Wahrheitsgehalt der angebotenen Sachbeweise bestätigen würden, begründet wurde. Gleichzeitig damit wurde ein mit 26.7.2005 datiertes Schreiben inkl. Beilagen übermittelt, welches - abgesehen vom Datum - exakt dem Wiederaufnahmeantrag vom 2.8.2005 entspricht.
9. In einer Ergänzung vom 31.8.2006 zum Schreiben vom 23.8.2006 brachte der steuerliche Vertreter des Bf. im Wesentlichen vor, dass die §§ 114 und 115 BAO durch die Prüforgane verletzt worden seien. Wie aus dem Gerichtsakt zu entnehmen sei, sei von allen Beschuldigten in jeder Phase des Verfahrens darauf hingewiesen worden, dass der wirtschaftlich Berechtigte der liechtensteinischen ***5***, ***7*** sei. Dieser Umstand sei auch durch völlig unbeteiligte Personen bestätigt und entsprechende Erklärungen an Eides statt vorgelegt worden (z.B. ***7***, ***10*** sowie Notar Dr. ***13***). Trotzdem habe es die Abgabenbehörde unterlassen, diese Umstände, welche im gegebenen Zusammenhang möglicher Weise zu einer beschränkten Steuerpflicht des ***7*** geführt hätten, zu prüfen. Sämtliche Ermittlungen seien ausschließlich gegen seinen Mandanten durchgeführt und negativ ausgelegt worden.
10. Die beiden Schreiben vom 23.8.2006 und 31.8.2006 wurden dem UFS vom ***FA*** am 10.10.2006 als Ergänzung zum Vorlageantrag vom 28.9.2005 übermittelt.
11. Mit Vorhalt vom 16.11.2006 ersuchte der damals zuständige Referent des UFS den Amtsbeauftragten zu den nachfolgenden Punkten Stellung zu nehmen und allenfalls erforderliche Unterlagen vorzulegen:
"1. In einem mit 2. August 2005 datierten - beim ***FA******FA*** am 5. August 2005 eingelangten - Schriftsatz wird seitens des Berufungswerbers eine "ergänzende Darstellung" zum ursprünglichen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens vom 23. Juni 2005 vorgebracht. Der Inhalt dieser Eingabe ist im Bescheid des ***FA*** vom 2. August 2005 (zugestellt durch Hinterlegung), mit dem der Antrag auf Verfahrenswiederaufnahme abgewiesen wurde, offenbar noch nicht berücksichtigt.
Es wird daher um Stellungnahme zu diesem neuen Vorbringen ersucht. Insbesondere möge auf die Rechtsansicht des Berufungswerbers zu Art 6 der liechtensteinischen Sorgfaltspflichtverordnung und dem daraus resultierenden Beweisverwertungsverbot dargelegt werden, ob sich daraus eine andere Beurteilung als im abweisenden Bescheid vom 2. August 2006 zum Ausdruck gekommen ergibt (vgl. hiezu auch Pkt. 3.).
2. Der unter Pkt. 1. angesprochene Schriftsatz enthält auch einen neuerlichen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens "im Hinblick auf weitere neu hervorgekommene Beweismittel" (vgl. Seite 6 dieser Eingabe). Über diesen neuerlichen Antrag, welcher auch andere Gründe für die behauptete Zulässigkeit einer Wiederaufnahme des Verfahrens als der ursprüngliche Antrag enthält, wurde seitens des ***FA*** aktenkundig offenbar noch nicht abgesprochen.
a) Worin liegen die Gründe hiefür?
b) Wie würde dieser Antrag - insbesondere unter Berücksichtigung des zwischen ***7*** und ***9*** Services reg. und ***9*** Management Ltd. abgeschlossenen Mandatsvertrages und der Erklärungen der ***10*** vom 18. April 2001 sowie des ***7*** vom 29. April 2002 - seitens des ***FA*** voraussichtlich erledigt werden? Diesbezüglich wird auch um entsprechende Begründung ersucht. Seitens des Unabhängigen Finanzsenats wird in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass der nach Ansicht des Berufungswerbers für seinen Standpunkt sprechende Mandatsvertrag mit 20. November 2001 datiert ist (jedoch angeblich bereits seit 3. November 1995 in Geltung steht), die Einkommensteuerbescheide, deren Wiederaufnahme beantragt wird, jedoch die Jahre 1998 und 1999 betreffen.
c) Sind die mit dem Schriftsatz vorgelegten Unterlagen als "neu hervorgekommen" iSd. § 303 BAO zu bezeichnen?
d) Von welcher Funktion ***7***'s wurde im Abgabenverfahren, welches zu den rechtskräftigen Einkommensteuerbescheiden des Berufungswerbers geführt hat, ausgegangen? - Waren der Abgabenbehörde erster Instanz die nunmehr vorgelegten Unterlagen bereits bekannt?
3. Mit Schriftsatz vom 10. August 2005 wurde gegen den Bescheid, mit dem der Antrag vom 23. Juni 2005 abgewiesen wurde, Berufung erhoben.
Es wird um Stellungnahme zum Berufungsvorbringen ersucht. Insbesondere möge erläutert werden, ob die Amtspartei nach den berufungsgegenständlichen Darstellungen, wonach die für eine Verfahrenswiederaufnahme relevanten Unterlagen vom Berufungswerber selbst vorgebracht wurden, weiterhin vom Vorliegen eines - im Abgabenverfahren grundsätzlich nicht zum Tragen kommenden - Beweisverwertungsverbots ausgeht.
4. Soweit nicht schon in der Beantwortung der Fragen 1. bis 3. darauf eingegangen wurde, möge ausführlich erläutert werden, ob aus Sicht der Amtspartei Gründe dagegensprechen, dass ***7*** als "wirtschaftlich Berechtigter" (vgl. diese Formulierung in der Eingabe des Steuerberaters Mag. ***14*** an den Vorstand des ***FA*** vom 31. August 2006) der Fa. ***5*** Investment Establishment in Liechtenstein anzusehen ist. Dabei mögen auch auf die in Pkt. 2 b) dieses Schreibens angeführten Unterlagen Bedacht genommen werden.
5. Welche Auswirkung hätte eine Beurteilung der gegenständlichen Berufung bzw. des noch nicht erledigten Antrags vom 2. August 2005 dahingehend, dass tatsächlich prinzipiell kein Beweisverwertungsverbot besteht bzw. Tatschen neu hervorgekommen sind, auf die materiell-rechtliche Seite der dahinterstehenden Abgabenverfahren betreffend Einkommensteuer des Berufungswerbers für 1998 und 1999?
Mit anderen Worten: Würden in einem derartigen Fall die entsprechenden Einkommensteuerbescheide - voraussichtlich - einen anders lautenden Inhalt haben oder würde die seinerzeit vorgenommene Zurechnung an den Berufungswerber bestehen bleiben?"
12. Am 30.11.2006 schlug der Amtsbeauftragte daraufhin vor, eine Beschwerdevorentscheidung zu erlassen, um auch über die fünf nach der Erstabweisung eingegangenen Ergänzungen (5.8.2005, 10.8.2005, 23.6.2006, 2.8.2006 und Vorbringen im Gerichtsverfahren, insbesondere in der Hauptverhandlung vom 6.11.2006) abzusprechen und zum Einbezug des ***7*** bereits im Betriebsprüfungsverfahren durch den Betriebsprüfer ausführlich Stellung zu nehmen.
13. In der Folge erließ das ***FA*** am 3.1.2007 eine Beschwerdevorentscheidung, mit welcher die Berufung vom 10.8.2005 gegen die Abweisung des Antrags auf Wiederaufnahme der Einkommensteuerverfahren 1998 bis 2000 vom 2.8.2005 als unbegründet abgewiesen wurde. Zur Begründung wurde auf den Bescheid vom 8.7.2005 verwiesen und im Wesentlichen Folgendes ergänzt:
Der Spezialitätsvorbehalt umfasse auch die seitens des Bf. direkt beim FL Landesgericht im Wege der Akteneinsicht beschafften Unterlagen, da ansonsten der Spezialitätsvorbehalt im Wege der Akteneinsicht bei der übermittelnden Behörde jederzeit unterlaufen werden könnte.
Hinsichtlich der Unterlagen nach Artikel 6 der Sorgfaltspflichtverordnung betreffend ***5*** falle auf, dass das Deckblatt und die angeblich dazugehörigen Beiblätter unterschiedliche Datumsangaben aufweisen würden (7.11.2001 It. Deckblatt und 15.1.2002 lt. Beiblättern). Ein enger zeitlicher Zusammenhang bei der Erstellung liege somit nicht vor, was die Fragen nach der Vollständigkeit und inhaltlichen Übereinstimmung mit den bei den Hausdurchsuchungen in Liechtenstein beschlagnahmten Unterlagen aufwerfe.
Es sei einerseits nicht nachvollziehbar, welchen Beweiswert die vorgelegten Unterlagen aus dem Verfahren betreffend ***11*** für das Verfahren betreffend ***5*** haben sollten und falle andererseits auf, dass zu diesem (irrelevanten) Verfahren wesentlich mehr Unterlagen vorgelegt worden seien, als zum "***5***-Verfahren" selbst (z.B.: HD-Protokoll samt Beschlagnahmeliste mit aussagekräftigen Hinweisen auf Umfang und Inhalt der beschlagnahmten Ordner), was die Frage aufwerfe, warum vergleichbare Unterlagen aus dem "eigenen" Verfahren den Anträgen nicht beigelegt worden seien.
Es seien zwei eidesstattliche Erklärungen zur "Eigentümerstellung" an der ***5*** aktenkundig:
[...]
In beiden (u. a.) von ***10*** unterfertigten Erklärungen falle auf, dass die Bezeichnung "Eigentümer" verwendet worden sei, obwohl Anstalten nach liechtensteinischem Recht keine Eigentümer, sondern nur Begünstigte hätten, woraus geschlossen wurde, dass diese Formulierung nicht von ***10*** selbst stamme oder diese Textierung zur bewussten Irreführung verwendet worden sei.
Die Bestätigung der ***5***, dass "mehrere Personen verschiedener Nationalität" an der ***5*** beteiligt seien, stehe in krassem Widerspruch zu den vorgelegten Unterlagen, wonach ***7*** seit Gründung der ***5*** deren "Eigentümer" sei.
Ausgehend von der u. a. auch vom VwGH erkannten Tatsache, dass liechtensteinische Anstalten (offensichtlich häufig) zur "Steuervermeidung" bzw. "Steuerhinterziehung" immer gerne benutzt würden, ergebe sich allein schon aus der Rechtsform, dass eine Identifizierung des Begünstigten rückwirkend nicht möglich sei, zumal der Gründer (üblicherweise ein liechtensteinisches Treuunternehmen) sofort nach Gründung mittels Zessionserklärung (zumeist Blankoausstellung) sämtliche Dispositionsbefugnisse über die Anstalt an den wahren wirtschaftlich Berechtigten übergebe. Auf Basis von Mandatsverträgen verpflichte sich üblicherweise das liechtensteinische Treuunternehmen im Innenverhältnis gegenüber dem Mandanten die von diesem gegebenen Instruktionen und Anweisungen auszuführen.
Gehe man davon aus, dass jeweils der Inhaber der Original-Zessionserklärung, welche üblicherweise "blanko" ausgestellt werde, mehr oder weniger durch körperliche Übergabe jede "Sekunde" wechseln könne, so komme diesem "Beweis" über die Begünstigten / Berechtigten einer liechtensteinischen Anstalt einige Jahre später durch die Vorlage von Unterlagen aus den Jahren 2001 bzw. 2002 keine Beweiskraft zu. In den mehrere tausend Seiten umfassenden HD-Unterlagen gebe es zahlreiche Hinweise auf eine entscheidende Einflussnahme durch den Bf., jedoch keinerlei Hinweise auf die Einflussnahme Dritter in Verbindung mit der Veräußerung der Anteile über die ***5***.
Der Fall ***11*** sei nicht mit dem gegenständlichen vergleichbar. Es sei nie angedacht gewesen, die Ergebnisse aus den Geschäften über die ***11*** dem Bf. zuzurechnen, da bei diesen Geschäften bei der österreichischen Gesellschaft fremdvergleichsübliche Gewinne erzielt worden seien.
Die Aussagen des Bf., wonach irgendwelche "Engländer" ***5*** ins Spiel gebracht hätten, "der Amerikaner" Eigentümer der ***5*** sei und dass er die wirtschaftlich Begünstigten der ***5*** nicht kenne, seien widersprüchlich. Im Zuge der "Gegendarstellung zum Besprechungsprogramm" vom 30.4.2002 seien erstmalig Unterlagen vorgelegt worden, welche ***7*** als "Wirtschaftlich Berechtigten oder Begünstigten oder Eigentümer" der ***5*** ausweisen sollten. Davor sei ***7*** lediglich als Zeuge angekündigt worden. Er sei erst nach rund einem Jahr ins Spiel gebracht worden, obwohl der Bf. angeblich bereits seit 1995 als "Generalbevollmächtigter" für ihn dessen liechtensteinische Geschäftsaktivitäten gemanagt habe.
Bei einer im Jahr 1998 in Deutschland abgeschlossenen Betriebsprüfung betreffend die ***Bf.*** Trading GmbH seien Zahlungen an eine Firma in Südafrika in Millionenhöhe nicht als Betriebsausgaben anerkannt worden, weil diese Gesellschaft nicht existiert habe bzw. keinerlei geschäftliche Aktivitäten entfaltet habe. Weiters seien Kick-Back-Zahlungen an den Bf. in Verbindung mit einer weiteren südafrikanischen Firma festgestellt worden. Im fortgesetzten Verfahren habe ***7*** am 16.8.2000 eine mehrseitige, aus dem Deutschen ins Englische übersetzte, "eidesstattliche Versicherung" unterschrieben, wonach er für diese Geschäfte verantwortlich sei und die Gebrüder ***Bf.*** keinerlei Verantwortung treffe. Davor sei der Bf. von der eingeschalteten Rechtsanwaltskanzlei mit Schreiben vom 20.7.2000 "im eigenen Interesse" aufgefordert worden, "dringlichst" den an ***7*** gestellten Fragenkatalog so weit wie möglich selbst abzuarbeiten und auf Tonband zu diktieren.
Die gesamte Darstellung und die behaupteten zeitlichen Abläufe (angebliche mündliche Kaufzusage über rund ATS 17 Mio.) ohne irgendeinen belegmäßigen, schriftlichen Hinweis, welcher im Zuge der Hausdurchsuchungen wohl vorgefunden worden wäre, sei in sich nicht schlüssig und auch nicht nachvollziehbar.
Der behaupteten Insolvenzgefährdung durch Maßnahmen der Vorprüfung wurde entgegengehalten, dass kein Bescheid über eine Forderungspfändung bei der Raiffeisenbank ***15*** zugestellt worden sei, sondern bei der VB ***16***, bei der die ***3*** im Dezember 1997 keine Geschäftsverbindung mehr gehabt habe und somit keine Firmenkonten - sondern Schwarzgeldkonten des Bf. - betroffen gewesen seien. Zwei weitere Forderungspfändungen (rd. 5,4 Mio. ATS) hätten Forderungen an die Unternehmen der Söhne des Bf. betroffen. Mit ca. 1,1 Mio. ATS sei das bestehende Guthaben (aus Vorsteuerüberhang) beim ***FA*** gepfändet worden.
Der ***3*** seien im Betriebsprüfungsverfahren 1994 - 1997 rund ATS 9,1 Mio. an zusätzlichen Abgaben vorgeschrieben worden, welche im Exekutionsweg entrichtet worden seien, und sei nicht - wie vom Bf. behauptet - der Fiskus mit einer Einmalzahlung von ATS 1, 2 - 1,6 Mio. abgefunden worden.
Der vom Bf. behauptete Kredit in Höhe von ATS 15 Mio. hätte im Jahresabschluss per 31.12.1997 bzw. in der Due Diligence Prüfung seinen Niederschlag finden müssen; aus diesen Unterlagen sei eine Kreditaufnahme jedoch nicht nachvollziehbar.
Im Schreiben vom 19.4.2001 an das Landesgericht Linz des steuerlichen Vertreters werde unter Bezugnahme auf eine Unternehmensbewertung nichts von "Insolvenzgefährdung" erwähnt. Laut einer Prognoserechnung für das Jahr 1998 sei von einem Gewinn nach Steuern von DM 5,2 Mio. ausgegangen und bei der Due-Diligence Prüfung das Kapital mit ATS 6,6 Mio. ermittelt worden. Dies seien eindeutige Indizien gegen eine Insolvenzgefährdung zum Zeitpunkt der Verhandlungen.
Weiters enthält die Beschwerdevorentscheidung eine Aufzählung von im Besprechungsprogramm betreffend ***1*** ausführlich dargestellten Unterlagen, aus welchen sich eindeutig ergebe, dass ausschließlich der Bf. im fraglichen Zeitraum des Jahres 1998 der wirtschaftlich Berechtigte der ***5*** gewesen und die ***5*** von ihm lediglich aus steuerlichen Gründen "zwischengeschaltet" worden sei.
Aus mehreren tausend Seiten an beschlagnahmten Unterlagen hätten sich keinerlei konkrete Hinweise auf die vom Bf. behaupteten Vereinbarungen zwischen ihm und den angeblichen wirtschaftlich Berechtigten der ***5*** ergeben.
Der wohl schlüssigste Beweis, dass jedenfalls zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses die ***5*** ausschließlich dem Bf. gehört habe, sei mit dem bei der Hausdurchsuchung aufgefundenen Entwurf eines Schreibens vom 27.2.1998 an die ***9*** Services in Liechtenstein erbracht, wonach der Bf. ***9*** mit folgenden Worten anweise: "Die Hinterlegung der Zessionserklärung kann mit meinem ausdrücklichen Einverständnis erfolgen". Die Hinterlegung der Zessionserklärung könne nur der Mandant aufgrund eines mit dem "Auftragnehmer" (=Treuhandgesellschaft) abgeschlossenen Mandatsvertrages anweisen. Dass ein vom Mandanten beauftragter Dritter (z.B.: zur Führung der Tagesgeschäfte ernannter Bevollmächtigter) diese Anweisung geben könne bzw. eine solche vom Auftragnehmer ausgeführt werde, sei ausgeschlossen.
Die Anstalt nach liechtensteinischem Recht kenne weder Mitglieder noch Teilhaber oder Anteilsinhaber, sondern nur Begünstigte. Das seien Personen, welche die wirtschaftlichen Vorteile aus der Anstalt ziehen und die die Gründerrechte besitzen würden. Die Gründerrechte könnten abgetreten, übertragen und vererbt werden. Die Übertragung der Gründerrechte unter Lebenden erfolge durch Zession. Im Öffentlichkeitsregister sei nur der Verwaltungsrat, jedoch nicht der Inhaber der Gründerrechte einzutragen.
Die Abtretung der Gründerrechte sei denkbar einfach zu vollziehen und sei nicht ins liechtensteinische Öffentlichkeitsregister einzutragen. Typischerweise - wie aus der Judikatur des österreichischen Verwaltungsgerichtshofes ersichtlich sei - werde die Gesellschaftsform der liechtensteinischen Anstalt neben anderen Zwecken (z.B.: Gläubigerschädigung) zur "Steuervermeidung" bzw. "Steuerhinterziehung" immer wieder benutzt.
In der fehlenden rechtzeitigen Offenlegung der vollen Verfügungsmacht des Bf. über die ***5*** liege "grobes" Verschulden vor.
14. Am 9.1.2007 wurde das Berufungsverfahren beim UFS wegen abschließender Erledigung durch das Finanzamt gem. § 276 Abs. 6 BAO eingestellt.
15. Mit Schreiben vom 29.1.2007, eingebracht am 30.1.2007, wurde gegen die Berufungsvorentscheidung vom 3.1.2007, innerhalb offener Frist die Entscheidung über die Berufung durch die Abgabenbehörde 2. Instanz, eine mündliche Verhandlung sowie die Entscheidung durch den gesamten Berufungssenat beantragt.
16. Mit unmittelbar beim UFS eingebrachter Ergänzung vom 7.3.2007 zum Vorlageantrag vom 29.1.2007 wurde im Wesentlichen wie folgt zu den Ausführungen in der Berufungsvorentscheidung Stellung genommen:
Die Berufungsvorentscheidung enthalte zahlreiche untergriffige Formulierungen, aus denen sich die persönliche Missgunst bzw. Voreingenommenheit gegenüber dem Bf. deutlich ergebe.
Zur Beanstandung, dass zum Fall ***11*** aussagekräftigere Unterlagen vorgelegt worden seien als zu ***5***, wurde angemerkt, dass die entsprechenden Unterlagen (HD-Protokolle) auch zu ***5*** vorlägen und würden diese in der Beilage zu diesem Schreiben nachgereicht.
Mit Eigentümer sei wohl der "wirtschaftliche Eigentümer" im Sinn eines wirtschaftlichen Verfügungsberechtigten gemeint gewesen.
Trotz des Umstandes, dass wirtschaftlich Berechtigter der jeweilige "Inhaber" bzw. "Berechtigte" der Zessionserklärung sei, müsse sich der Verwaltungsrat wohl dennoch überzeugen, wer der Inhaber bzw. Berechtigte der Zessionserklärung sei. Annahmegemäß werde aus diesem Grund die Zessionserklärung beim Verwaltungsrat hinterlegt. Da der Verwaltungsrat somit über den jeweiligen Inhaber bzw. Berechtigten der Zessionserklärung informiert sein müsse, könne er wohl auch für zurückliegende Zeiträume bestätigen, wer der jeweilige Inhaber bzw. Berechtigte und somit der wirtschaftlich Berechtigte gewesen sei.
Es bestehe wohl die Vermutung, dass sich fremde Dritte (der Bf. und ***7***) nichts schenken. Dies spreche dagegen, dass "jede Sekunde" die wirtschaftliche Berechtigung an der (vermögenden) ***5*** übertragen werde.
Hinsichtlich des Rechtsmittelverzichts lasse sich anstelle eines "Argumentationsnotstandes" genauso gut ein "Beweisnotstand" vorbringen, der durch die Sorgfaltspflichtsunterlagen habe beseitigt werden können, weshalb auch im Jahr 2005 ein Wiederaufnahmeantrag eingebracht worden sei.
Zur Aussage von Mag. ***14***, wurde angemerkt, dass mit "liechtensteinischer Investorengruppe" durchaus die ***5*** gemeint gewesen sein könne.
Der Verwendungszweck der schriftlichen Bestätigung von ***7*** sei für deutsche bzw. österreichische Behörden gedacht gewesen. Vor diesem Hintergrund sei wohl klar, dass in einem ersten Schritt ein diesen Anforderungen entsprechender deutscher Formulierungsvorschlag erstellt werde und dieser sodann ins Englische übersetzt werde.
Der mündliche Vertrag zwischen dem Bf. (als Bevollmächtigtem seiner Frau) und ***7*** könne als Vertrag unter einer aufschiebenden Bedingung (Einigung mit dem Finanzamt) zugunsten des Käufers ***7*** gesehen werden. Der Bf. sei somit zivilrechtlich sehr wohl an den Kaufvertrag gebunden gewesen, auch schon bevor die Einigung mit dem Finanzamt erzielt worden sei.
Hinsichtlich des "Entwurfs" eines Schreibens des Bf. an ***9*** betreffend die Hinterlegung der Zessionserklärung nehme die Abgabenbehörde eine abschließende Beurteilung zum liechtensteinischen Zivilrecht vor, die wohl einem Sachverständigen vorbehalten sein solle. Außerdem handle es sich bei dem Schriftstück nur um den "Entwurf" eines Schreibens.
Die in der Berufungsvorentscheidung angeführten, vom steuerlichen Vertreter dem Landesgericht Linz im Jahr 2001 vorgelegten Mandatsverträge seien nicht Gegenstand der Wiederaufnahmeanträge. Der Vorwurf des Verschuldens an der Nicht-Vorlage der antragsgegenständlichen Beweismittel sei daher nicht nachvollziehbar.
17. Der Vorlageantrag vom 29.1.2007 wurde dem UFS am 19.3.2007 übermittelt.
18. Am 9.5.2007 wurde neuerlich ein Antrag auf Wiederaufnahme, datiert mit 8.5.2007, eingebracht, in dem im Wesentlichen Folgendes ausgeführt wird:
Mit dem gegenständlichen Wiederaufnahmeantrag würden folgende neu hervorgekommene Beweismittel iSd § 303 Abs. 1 BAO geltend gemacht:
a) Zessionserklärung hinsichtlich der Gründerrechte an der ***5*** Investment Establishment vom 16.1.1998 (Anlage 1); die Statuten der ***5*** Investment Establishment vom 16.1.1998, die Gründungsurkunde, die Meldung der Gesellschaftsgründung samt Zahlungsbeleg der liechtensteinischen Steuerverwaltung und einen Auszug aus dem Handelsregister Fürstentum Liechtenstein (Anlage 2).
Die Zessionserklärung sei vor kurzem hervorgekommen und belege, dass ***7*** wirtschaftlich Berechtigter der ***5*** sei.
b) Zeuge ***17***
c) Zeuge Dr. ***18***
Auf der Zessionserklärung sei ersichtlich, dass diese von ***17*** in seiner Funktion als Verwaltungsrat der ***9*** Services reg. gezeichnet worden sei. ***18*** habe die Eintragung für die Abtretung der Gründerrechte an ***7*** auf der Zessionsurkunde vorgenommen. Mit Hervorkommen der Zessionsurkunde sei somit erst die sachbezogene Zeugnisfähigkeit dieser Personen bekannt geworden. Die beiden hätten nach Hervorkommen der Zessionsurkunde auch bereits Erklärungen zur Authentizität und zur Beweiskraft der Urkunde gemacht. Aus den Aussagen ergebe sich, dass sie als Zeugen entscheidende und zweckdienliche Aussagen zum Beweisthema (Stichwort: Wirtschaftliche Berechtigung an der ***5*** Investment Establishment) hätten machen können, die zu im Spruch anders lautenden Einkommensteuerbescheiden für die Jahre 1998, 1999 und 2000 geführt hätten.
Hinsichtlich der sachbezogenen Zeugnisfähigkeit von ***17*** werde auf die beiliegende Erklärung (Anlage 3) verwiesen. Kurz zusammengefasst werde darin ausgeführt, dass die ***5*** als Anstalt nach liechtensteinischem Recht am 16.1.1998 durch die ***9*** errichtet worden sei. Unmittelbar nach Errichtung seien die Gründerrechte an der ***5*** mittels Zessionserklärung vom 16.1.1998 abgetreten und in die Zessionserklärung ***7*** als Zessionar eingesetzt worden. Aufgrund der Zession und der Statuten der Anstalt sei ***7*** somit einziger Begünstigter und über das Vermögen der Anstalt uneingeschränkt verfügungsberechtigt gewesen. Herr ***17*** bestätige, dass ihm bis zu seinem Ausscheiden aus der ***9*** keine Änderungen der Begünstigten bekannt geworden seien.
Hinsichtlich der sachbezogenen Zeugnisfähigkeit von ***18*** werde auf das Protokoll zur Hauptverhandlung vom 12.3.2007 verwiesen, welches dem Wiederaufnahmeantrag beigelegt wurde und worin ***18*** die Aussagen von ***17*** und des Weiteren, dass er die Eintragung von ***7*** auf der Zessionsurkunde vorgenommen habe (Anlage 4), bestätige.
Der Zessionserklärung sei zu entnehmen, dass diese mit 16.1.1998 errichtet worden sei. Damit sei diese vor dem Zeitpunkt der Erlassung der Bescheide gelegen und sei somit ein taugliches novum repertum. Auch der Umstand der sachbezogenen Zeugnisfähigkeit der beantragten Zeugen ***17*** und ***18*** habe zum damaligen Zeitpunkt bereits bestanden, sei aber erst jetzt infolge des Hervorkommens der Zessionsurkunde bekannt geworden.
Im Zuge von Bemühungen des Bf. weitere Beweismittel zusammenzutragen, habe ***7*** die antragsgegenständliche Zessionserklärung am 26.2.2007 per Fax an den Bf. gesendet (Anlage 5). Die nach § 303 Abs. 2 BAO maßgebende Drei-Monatsfrist beginne somit mit 26.2.2007 zu laufen und ende erst mit 26.5.2007. Der vorliegende Antrag sei somit rechtzeitig eingebracht.
Der Wiederaufnahme der Einkommensteuerbescheide für 1998, 1999 und 2000 stehe nach § 304 lit b BAO auch der Eintritt der Verjährung nach § 207 BAO nicht entgegen, da der Antrag vor Ablauf einer Frist von fünf Jahren nach Eintritt der Rechtskraft der antragsgegenständlichen Einkommensteuerbescheide eingebracht werde.
Im konkreten Fall liege überhaupt kein Verschulden des Abgabenpflichtigen (und damit keinesfalls grobes Verschulden) vor, da er im abgeschlossenen Abgabenverfahren unverschuldetermaßen keine Kenntnis von der Existenz der Zessionserklärung gehabt habe. Erst aufgrund umfangreicher Nachforschungen, die er nach Abschluss des Abgabenverfahrens zur Abwehr von gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Vorwürfen in Kauf nehmen habe müssen, und mit intensiver Unterstützung seiner strafrechtlichen Verteidigung sei es ihm überhaupt möglich gewesen, Kenntnis von der Existenz der Zessionserklärung zu erlangen.
19. Mit Schreiben vom 23.5.2007 nahm der Amtsbeauftragte zu der mittlerweile dem Finanzamt übermittelten Ergänzung zum Vorlageantrag vom 7.3.2007, dem Wiederaufnahmeantrag vom 8.5.2007 sowie den im Finanzstrafverfahren gegen den Bf. beim Straflandesgericht Linz durchgeführten Hauptverhandlungen vom 11.1.2007 und 12.3.2007 im Wesentlichen wie folgt Stellung und legte dem UFS die Protokolle zu den Hauptverhandlungen vom 6.11.2006 und 11.1.2007 vor:
Die Problematik des Verfahrens auf Beweisebene liege unter anderem darin, dass keine Originalurkunden vorliegen würden, sondern immer wieder nur Kopien von Kopien vorgelegt worden seien. Es wäre Sache des Bf. gewesen, für das Vorliegen von Originalurkunden Vorsorge zu tragen ("Beweisvorsorgepflicht" bei Auslandssachverhalten) oder zumindest später diese Originale beizuschaffen. Nach Ansicht der Finanzverwaltung komme den Beweisen, die über die gerichtlichen Hausdurchsuchungen der Finanzverwaltung im Finanzstrafverfahren (27.3.2001) und im Rahmen des Kridaverfahrens (2.10.2003, bei Dr. ***6***, durch das FL-Landgericht) in den Besitz des Straflandesgerichtes Linz gelangt seien, mehr Glaubwürdigkeit zu als etwaigen nachträglichen Rekonstruktionsversuchen.
Es gebe im liechtensteinischen Gesellschaftsrecht bzw. nach dem Sorgfaltspflichtgesetz in der Praxis grundsätzlich drei unmittelbare Beweise, wer "Wirtschaftlich Berechtigter" sei, nämlich
1. die Urkunde über "die Feststellung des Wirtschaftlichen Berechtigten"
2. den "Mandatsvertrag"
3. die Zessionserklärung.
Die ihn wirklich entlastenden Urkunden habe der Bf. nie zeitnah vorgelegt. Erst mit dem Antrag auf Wiederaufnahme (23.6.2005) werde erstmalig der Versuch unternommen, den unmittelbaren Beweis zu erbringen, dass ***7*** im Tatzeitraum der Wirtschaftlich Berechtigte gewesen sei. Es stelle sich die Frage, weshalb diese Anstrengungen nicht zeitnah, sondern erst rund 7 bis 9 Jahre nach dem Tatzeitraum unternommen würden.
Die Urkunde über "die Feststellung des Wirtschaftlichen Berechtigten" sei nie vorgelegt worden.
Dem Straflandesgericht sei eine "Zessionserklärung" vorgelegt worden (diese sei den Vertretern der Finanzverwaltung erstmalig während der Hauptverhandlung vom 12.3.2007 zur Kenntnis gebracht worden). Eine Umwandlung der Zessionserklärung vom "Inhaberpapier" in ein Namenspapier (durch angeblich sofortigen Vermerk des Zeugen ***18*** noch am 16.1.1998) sei ein rechtlicher Schritt, der sich mit den bisherigen Erfahrungen der Betriebsprüfung nicht decke. Ratio legis des liechtensteinischen Gesellschaftsrechtes sei es, dass die Zessionsurkunde nie den eigentlichen Wirtschaftlichen Berechtigten selbst offenlege, sondern dies nur mittels Beilage geschehe. In diesem Zusammenhang falle insbesondere auf, dass die nunmehr aufgetauchte und nur in Kopie durch ***18*** (welcher zum Zeitpunkt seiner Aussage vor Gericht schon seit geraumer Zeit nicht mehr für die Treuhandgesellschaft ***9*** tätig gewesen sei) vorgelegte Zessionserklärung handschriftlich die Ergänzung "***7*** P.O.B. 331, … Malawi" aufweise, obwohl in der Regel von den Treuhändern in Liechtenstein jeglicher Hinweis auf den tatsächlichen wirtschaftlich Berechtigten auf der Zessionserklärung selbst tunlichst vermieden werde.
Sämtliche seitens des Bf. - um 7 Jahre verspätet - vorgelegten Beweismittel, beigebrachten Zeugenaussagen usw. habe der Bf. im Rahmen der Beweisvorsorgepflicht schon im Tatzeitraum selbst besorgen können. Immerhin sei das Betriebsprüfungs- bzw. Finanzstrafverfahren schon seit Ende 2000 gerichtshängig. Diese Beweise hätte der Bf. zeitnah selbst oder über den - von ihm selbst stets als Freund bezeichneten - ***7*** besorgen können.
20. Mit Urteil des Landesgerichts Linz vom 4.6.2007 wurde der Bf. von der Anklage wegen Abgabenhinterziehung gem. § 33 Abs. 1 FinStrG in Zusammenhang mit dem Verkauf der Aktien an der ***4*** AG freigesprochen. Begründet wurde der Freispruch im Wesentlichen damit, dass zur Frage, wer wirtschaftlich Begünstigter der ***5*** war, keine positiven Feststellungen getroffen werden konnten.
Ob im relevanten Zeitraum (1998) eine Übertragung der Gründerrechte an den Bf. erfolgt sei, sei nicht feststellbar. Die für das Strafverfahren relevante Frage einer wirtschaftlich beherrschenden Stellung der ***5*** durch den Bf. könne nicht mit der für ein Strafverfahren notwendigen Zweifelsfreiheit bejaht werden. Ein Irrtum der Verfasserin des Schreibens von Deloitte & Touche, wonach die ***5*** zur Gänze von ***Bf.*** beherrscht werde, könne nicht ausgeschlossen werden. Aus der nicht unterfertigten Vollmacht an die ***9***, wonach der Bf. diese - unter Bezugnahme auf die Vertragsunterfertigung am 3.3.1998 - am 27.2.1998 beauftragt habe, alle notwendigen Unterlagen der ***5*** einem anderen Unternehmen vorzulegen, dem Gesellschaftsvertrag zwischen der ***21***-Gruppe, ***5***, dem Bf. und ***4*** Ltd, den Dokumenten zur Besprechung vom 10.1.1998 und dem Grundsatzübereinkommen vom 5.2.1998 zwischen ***21*** und dem Bf. würden sich schwerwiegende Verdachtsmomente gegen den Bf. ergeben und den Verdacht stützen, dass die Ehegatten ***Bf.*** die eigentlich wirtschaftlich Begünstigten und Verantwortlichen der ***5*** gewesen seien und damit letztlich der erzielte Erlös aus dem Aktienverkauf an die ***21***-Gruppe ihnen selbst zugekommen sei. Auch der zeitliche Ablauf und die Diskrepanzen in den Angaben des Erstangeklagten würden die Verdachtsmomente bekräftigen. Dennoch würden nach dem durchgeführten Beweisverfahren (etwa den Zeugenaussagen von Dr. ***18*** und ***7***) Zweifel verbleiben, die positiven Feststellungen im Sinne der Anklage entgegenstünden. Es lägen weder Beweise noch Gegenbeweise für die behauptete beherrschende Stellung von ***7*** vor. Wiederholt hätten Anklage und Finanzbehörde durchaus schlüssige Argumente dafür geliefert, dass ***7*** als "Eigentümer" der ***5*** bloß vorgeschoben worden sei, tatsächlich aber der Bf. "Beherrscher" der ***5*** gewesen sei. Trotzdem vermöge das erkennende Gericht belastende Feststellungen im Sinne dieser Vorwürfe nicht mit der für das Strafverfahren erforderlichen Sicherheit zu treffen, da die Würdigung der Ergebnisse des Beweisverfahrens Zweifel an einem schuldhaften Verhalten des Bf. bestehen lasse.
Die gegen den Freispruch am 29.1.2008 von der Staatsanwaltschaft Linz erhobene Nichtigkeitsbeschwerde wurde mit Beschluss des Obersten Gerichtshofs vom 23.4.2008 u.a. wegen unzulässiger Bekämpfung der erstgerichtlichen Beweiswürdigung und im kollegialgerichtlichen Verfahren unzulässiger Schuldberufung zurückgewiesen.
21. Infolge eines Devolutionsantrags vom 20.5.2008 hinsichtlich der am 2.8.2005 und 8.5.2007 gestellten Wiederaufnahmeanträge wurde dem ***FA*** mit Schreiben des UFS vom 29.5.2008 unter Hinweis auf § 311 BAO aufgetragen, bis 23. August 2008 die vom Antragsteller angesprochenen Bescheide zu erlassen und gegebenenfalls Abschriften der Bescheide vorzulegen oder anzugeben, warum in den beiden Fällen eine Verletzung der Entscheidungspflicht nicht vorliege.
22. Daraufhin erließ das ***FA*** am 15.7.2008 einen am 17.7.2008 zugestellten Bescheid, mit welchem die Anträge vom 2.8.2005 und 8.5.2007 auf Wiederaufnahme der Einkommensteuerverfahren 1998 bis 2000 als verspätet zurückgewiesen bzw. abgewiesen wurden. Zur Begründung wurde - neben hier Großteils nicht relevanten Ausführungen zum Urteil des Landesgerichts vom 4.6.2007 - auf bisherige Ausführungen verwiesen bzw. wurden diese wiederholt und im Wesentliches Folgendes ergänzt:
Zum Verkauf unter Wert habe der zuständige Staatsanwalt in seiner Nichtigkeitsbeschwerde ausführt, dass ein "Blindkauf" um einen mehrstelligen Millionen-Schilling-Betrag, wie ihn ***7*** zugesichert habe, im realen Geschäftsleben nicht stattfinde, es sei denn, dass das Rechtsgeschäft in seiner konkreten Ausgestaltung nicht gewollt gewesen wäre. Fallbezogen indiziere die Aussage des Bf. eine Treuhandschaft des ***7*** als Treunehmer für ***Bf1*** als Treugeber. Dem Urteil könne nicht entnommen werden, welche Umstände eine Haftung des Angeklagten begründen könnten, die weit über jene Leistung hinausgehe, die er selbst aus diesem Geschäftsfall bezogen habe. Es sei weder vom Schöffensenat festgestellt worden, noch seien Beweisergebnisse aktenkundig, dass ***7*** eine Haftung übernommen habe. Es seien zu keinem Zeitpunkt Vermögenswerte des ***7*** an den Angeklagten ***Bf1*** und/ oder seine Frau ***1*** geflossen.
Im Urteil fehle jegliche Auseinandersetzung mit den in sich völlig widersprüchlichen Abläufen iVm dem Verkauf und der Verkaufspreisfestlegung: am 5.2.1998 werde zwischen ***21*** und ***Bf.*** der Preis für 50% der Anteile mit GBP 1,875 Mio. (das entspricht rund ATS 36,5 Mio.) ausverhandelt, am 10.2.1998 verkaufe ***1*** 100% der Anteile (trotz Information von ***Bf.***, dass der Kaufpreis ca. das 4-fache betrage) um ATS 17,15 Mio.
Laut Urteil erkläre der Zeuge ***7*** die Diskrepanz der Beträge mit der Selbstverständlichkeit seines gewinnorientierten Handelns. Das Gericht akzeptiere einerseits die "Selbstverständlichkeit" von gewinnorientiertem Handeln (beim Erwerber), gestehe dieses dem Veräußerer (***Bf.***) jedoch in keinster Weise zu, obwohl dieser im Urteil selbst als "versierter Geschäftsmann" beschrieben werde. Diese Urteilsbegründung sei in sich widersprüchlich und nicht nachvollziehbar, genauso wenig wie der Verzicht des Bf. (obwohl von ihm selbst ausverhandelt, nämlich noch vor dem Verkauf der Anteile an ***5***) auf ¾ des Veräußerungsgewinnes.
Auch wenn der Bf. von ***7*** von Jänner bis März 1998 eine "Generalvollmacht" für die ***5***-Geschäftsführung eingeräumt worden wäre und ***7*** tatsächlich der wirtschaftlich Berechtigte der ***5*** gewesen wäre, hätte der Bf. ***5*** nicht rechtsverbindlich verpflichten können, über einen Zeitraum von drei Jahren ab Vertragsabschluss den Ort oder die Verwaltung nicht zu ändern, die Befugnisse der ***5*** bzw. deren Direktoren oder Führungskräfte nicht zu ergänzen, zu ändern, keine neuen Direktoren oder Führungskräfte zu ernennen, die von der ***5*** gehaltenen Aktien an der ***4*** Aktiengesellschaft nicht zu belasten, die Gründungsdokumente von ***5*** nicht zu ändern, die ***9*** als Inhaber der Rechte des Gründers an der ***5*** nicht zu ändern, keine Anweisungen, einen der vorgenannten Schritte zu setzen, an die ***9*** zu geben und die Umsetzung aller Verpflichtungen seitens der ***5*** vertragsgemäß durchzuführen.
Diese Regelungen würden klar erkennen lassen, wer über die ***5*** bestimmen habe können und, dass der/die wahre(n) wirtschaftliche(n) Eigentümer der ***5*** in der Familie ***Bf.*** zu finden sei / seien. Der Bf. habe die Umsetzung aller Verpflichtungen nur garantieren können, wenn er diese Einflussmöglichkeit auch wirklich gehabt habe. All diese Handlungen hätte ausschließlich der Inhaber der Gründerrechte setzen können, nicht aber ein "Universalgeschäftsführer".
Die u. a. vom Beschuldigten vorgelegten Urkunden seien weiterhin mehr als fragwürdig. Es würden keine Originalurkunden vorliegen. Es sei Sache des Bf. gewesen, für das Vorliegen von Originalurkunden Vorsorge zu tragen ("Beweisvorsorgepflicht" bei Auslandssachverhalten) oder zumindest später diese Originale beizuschaffen. Den Kopien komme wenig bis keine Beweiskraft zu.
Lt. Gesetzeslage gebe es im liechtensteinischen Gesellschaftsrecht bzw. nach dem Sorgfaltspflichtgesetz in der Praxis grundsätzlich 4 unmittelbare Beweise, wer "Wirtschaftlich Berechtigter" sei, und zwar:
1. die Urkunde über "die Feststellung des Wirtschaftlich Berechtigten"
2. den "Mandatsvertrag"
3. die Mandatsübernahme verbunden mit der "Identifikation des Vertragspartners" und
4. die Zessionserklärung.
Im gesamten Betriebsprüfungsverfahren seien die den Bf. wirklich entlastenden Urkunden nie zeitnah vorgelegt worden, sondern sei erst - rund 7 bis 9 Jahre nach dem Tatzeitraum - mit dem Antrag auf Wiederaufnahme (23.6.2005) erstmalig der Versuch unternommen worden, den unmittelbaren Beweis zu erbringen, dass ***7*** der wirtschaftlich Berechtigte gewesen sei. Entscheidend sei nicht nur, was vom Bf. vorgelegt worden sei, sondern auch, was von ihm - bewusst - nicht vorgelegt worden sei.
Die Urkunde über "die Feststellung des Wirtschaftlich Berechtigten" vom 16.1.1998 und der "Mandatsvertrag" seien nie vorgelegt worden. Der Mandatsvertrag regle das Innenverhältnis der Vertragspartner, werde zeitlich immer vor der Erstellung der Urkunde über "die Feststellung des Wirtschaftlichen Berechtigten" abgefasst, weil dieser Vertrag deren Vorbedingung sei. Dieser Vertrag enthalte ausführliche Angaben u. a. darüber, wer "Mandant" sei (lt. Beweislage ***Bf1***), wer "Auftragnehmer" sei (***9***-Services), vor allem, wer der Wirtschaftliche Berechtigte sei (lt. Beweislage ***Bf1***), den Auftrag zur Gründung der ***5***, Rechte und Pflichten der Vertragspartner und das Entscheidendste: der Wirtschaftlich Berechtigte müsse dies im Mandatsvertrag mit seiner persönlichen Unterschrift bestätigen.
Normen und Schlagworte
- § 303 Abs. 1 bis 3 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 304 lit. b BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 303 Abs. 1 und 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5100349/2007
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2022:RV.5100349.2007
- Stammnummer
- 135847
- Gültig
- 08.02.2022 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF