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Findok · BFG-Entscheidungen

BFG RV/5101505/2018

Sorgfaltsmaßstab bei der Beauftragung von Subunternehmen iZm § 162 BAO

geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/5101505/2018vom 04.01.2022Teil 1 von 5
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.

Wortlaut laut Findok

IM NAMEN DER REPUBLIK Das Bundesfinanzgericht hat durch die Richterin***1*** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, vertreten durch ***2***, ***3***, über die Beschwerde vom 17.5.2018 gegen die Bescheide des Finanzamtes ***4*** vom 16.4.2018 betreffend Wiederaufnahme gemäß § 303 BAO der Einkommensteuerbescheide 2013 und 2014 sowie Einkommensteuer 2013 und 2014 zu Recht erkannt: I. Die Beschwerde wird gemäß § 279 BAO als unbegründet abgewiesen. II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.   Entscheidungsgründe Verfahrensablauf Für die Jahre 2013 bis 2015 wurde eine Betriebsprüfung durchgeführt. Im Betriebsprüfungsbericht vom 9.4.2018 wurde unter anderem Folgendes festgehalten: Tz 1 Fremdleistungen 2013 und 2014 a Rechnungen ***5*** GmbH - Bauleistungen Sub. § 19 Sachverhalt: Auf dem Aufwandskonto "5570 - Bauleistungen von Sub. § 19" seien im Jahr 2014 zwei Eingangsrechnungen einer Firma ***5*** GmbH als Aufwand verbucht worden. ER 12/2014 vom 31.1.2014: 15.000,00 €, Bezahlung 25.3.2014 ER 20/2014 vom 28.2.2014: 10.000,00 €, Bezahlung 25.3.2014 Zur ER 12/2014: "BVH: ***6*** Leistungszeitraum: Jänner 2014 MSR Verrohrung und Verkabelung Pauschale Pauschalpreis: 15.000,00 € Gesamtbetrag: 15.000,00 € Übergang Steuerschuld gemäß § 19 Abs. 1a UStG 1994 auf den Leistungsempfänger" Zur ER 20/2014: "BVH: ***7*** Leistungszeitraum: Februar 2014 Lampen Montage Pauschale 4.500,00 € Schalter und Steckdosen Montage Pauschale 5.500,00 € Gesamtbetrag: 10.000,00 € Übergang Steuerschuld gemäß § 19 Abs. 1a UStG 1994 auf den Leistungsempfänger." Zu diesen Eingangsrechnungen seien Kassabelege vorgelegt worden, auf denen aber kein Tag der Bezahlung angeführt sei. Die Bezahlung sei mit jenem Tag verbucht worden, an welchem der Rechnungsbetrag vom betrieblichen Konto der Firma ***8*** abgehoben worden wäre. Zur Firma ***5*** GmbH: Über dieses Unternehmen sei mit ***46***.2014 das Konkursverfahren eröffnet worden. Mit 16.3.2015 sei der Konkurs mangels Kostendeckung aufgehoben worden. Am 19.6.2015 sei die Firma gemäß § 40 FBG im Firmenbuch gelöscht worden. Letzter Geschäftsführer und einziger Gesellschafter wäre ***9*** gewesen. ***9*** hätte mit Spezialvollmacht vom 22.3.2013 ***10*** ermächtigt, sämtliche Tätigkeiten im Zusammenhang mit der ***5*** GmbH zu erledigen. ***9*** wäre nur von 18.1.2013 bis 17.11.2014 in Österreich gemeldet gewesen. Vom zuständigen Finanzamt sei im Jahr 2014 eine Außenprüfung für den Zeitraum 5/2013 - 3/2014 bei der Firma ***5*** GmbH durchgeführt worden. Im Bericht vom 21.10.2014 werde unter anderem Folgendes angegeben: "Allgemeines: Bei Prüfungsbeginn am 12.5.2014 war der Geschäftsführer anwesend. ***9*** spricht kein Wort Deutsch. Feststellungen: Als dann noch Rechnungen auftauchten, die selbst der Geschäftsführer als nicht die seinen identifiziert hat, war klar, dass noch andere Personen sich am Schreiben von Rechnungen beteiligten. Aufgrund der Höhe der Umsätze ist es schon nicht glaubhaft, dass der Geschäftsführer diese Umsätze bzw. Baustellen hätte managen können, noch dazu ohne Belege und tatsächlicher Bürounterlagen. Es ist daher davon auszugehen, dass bei einem Großteil der Umsätze keine Leistungen erbracht worden sind." "...es ist somit davon auszugehen, dass den ausgestellten Rechnungen keine bzw. keine auch nur annähernd adäquaten Leistungen gegenüberstehen." Dem Finanzamt würden für den Zeitraum Oktober 2013 bis Februar 2014 sieben verschiedene Rechnungen vorliegen - fünf als Kontrollmitteilungen und zwei aus dieser Außenprüfung. Diese Rechnungen hätten vier verschiedene Aussehen. Auf den beiden Eingangsrechnungen der ***5*** GmbH, welche im Zuge der Außenprüfung von der Firma ***8*** vorgelegt worden wären, sei die Firmenbuchnummer falsch angegeben. Beziehung zwischen der ***5*** GmbH und der Firma ***8***: Laut Aussage von ***Bf1*** (Firma ***8***) in der Niederschrift vom 24.5.2017 wäre ein Herr ***11*** die Kontaktperson bei dieser Firma gewesen und es sei ein Ausweis abverlangt worden. In der Beantwortung des Fragenkataloges vom 16.7.2017 werde ***12*** als Kontaktperson angegeben. Dieser hätte sich von Beginn an als Geschäftsführer der ***5*** GmbH vorgestellt, somit sei seine Identität nicht überprüft worden. Der Beschwerdeführer hätte nicht überprüft, ob diese Person auch der wirkliche Geschäftsführer der ***5*** GmbH gewesen wäre. Es hätte auch keinen Kontakt zu anderen leitenden Personen dieser Firma gegeben. Die Geschäftsräumlichkeiten der ***5*** GmbH seien nie betreten worden. Diese Firmen seien von bekannten Unternehmern empfohlen worden. Die Anbahnung der Geschäfte sei auf diversen Baustellen erfolgt. Die Barbeträge seien auch an die oben angegebene Person übergeben worden. Es sei nicht überprüft worden, ob der Geldübernehmer im Auftrag der ***5*** GmbH gehandelt habe. Die Geldbeträge seien bei der Bank in ***13*** bzw. Wien abgehoben worden. Die Geldübergabe sei teilweise auf den Baustellen oder im Restaurant "***14***" in Wien erfolgt. Das hieße, die Geldbeträge seien an die oben angegebene Person übergeben worden und ***Bf1*** hätte die Kassabelege erhalten, welche bereits vorbereitet und unterschrieben gewesen wären. ***Bf1*** hätte nicht sagen können, wer diese Kassabelege unterschrieben habe. Zu den Bauvorhaben, welche mit der ***5*** GmbH abgewickelt worden wären, gebe es keine weiteren schriftlichen Unterlagen außer den Rechnungen. Es gäbe nur mündliche Vereinbarungen. Die Baustellenabnahmen seien zwischen ***Bf1*** und dem Bauleiter des Generalunternehmens erfolgt. Es gebe nur schriftliche Unterlagen zwischen der Firma ***8*** und dem Generalunternehmen (Auftraggeber für die Firma ***8***). Laut Aussage des ***Bf1*** seien die Leistungen der ***5*** GmbH anhand dieser Baustellenabnahmen überprüft worden. Eine Zahlung an die ***5*** GmbH sei nur nach diesen Abnahmen erfolgt. Es sei aber aus keinen Aufzeichnungen ersichtlich, von wem tatsächlich die Leistungen erbracht worden wären. Dies entspreche nicht den üblichen wirtschaftlichen Gepflogenheiten. Die Aussagen seien im Rahmen einer Niederschrift, welche am 24.5.2917 erstellt worden wäre, getätigt worden bzw. im Rahmen der Beantwortung eines Fragenkataloges, welcher von der Firma ***8*** am 16.7.2017 beantwortet worden wäre. In einer Mail vom 12.6.2017 sei angegeben worden, dass ***Bf1*** x-mal (seit Beginn der Außenprüfung) versucht hätte, den "Geschäftsführer" (= Kontaktperson des ***Bf1***) der Firma ***5*** GmbH zu erreichen. Aber ohne Erfolg. Laut Abfragen durch das Finanzamt wären die oben angeführten Kontaktpersonen nicht bei der Firma ***5*** GmbH als Arbeitnehmer angemeldet gewesen. b. Rechnungen Firma ***15*** GmbH - Bauleistungen Sub. § 19 Sachverhalt: Auf dem Aufwandskonto "5770-Bauleistungen von Sub. § 19" seien im Jahr 2013 Eingangsrechnungen einer Firma ***15*** GmbH als Aufwand verbucht worden. Es handle sich dabei um insgesamt 41 Rechnungen mit Ausstellungsdatum zwischen 27.5.2013 und 31.12.2013 mit einem Gesamtbetrag in Höhe von 265.755,00 €. Es handle sich dabei um diverse Montage- und Verkabelungsleistungen. Übergang Steuerschuld gemäß § 19 Abs. 1a UStG 1994 auf den Leistungsempfänger. Die Firma ***8*** sei bei diesen Bauvorhaben immer nur Subunternehmer und nicht Generalunternehmer gewesen. Alle diese Rechnungen seien bar bezahlt worden. Das Geld sei vom Bankkonto abgehoben und laut Kassabelegen in Wien übergeben worden. Zur Firma ***15*** GmbH: Über dieses Unternehmen sei mit 15.1.2014 das Konkursverfahren eröffnet worden. Mit 26.5.2014 sei der Konkurs mangels Kostendeckung aufgehoben worden. Am 20.3.2015 sei die Firma gemäß § 40 FBG im Firmenbuch gelöscht worden. Letzter Geschäftsführer und einziger Gesellschafter wäre ***16*** gewesen. ***16*** wäre von 21.3.2013 bis 2.8.2013 und von 25.9.2013 bis 18.12.2013 in Österreich gemeldet gewesen. Vom zuständigen Finanzamt sei im Jahr 2013 eine Außenprüfung für den Zeitraum 1/2013 bis 7/2013 bei der Firma ***15*** GmbH durchgeführt worden. Im Bericht vom 9.10.2013 werde unter anderem Folgendes angegeben: "Zum Unternehmen: Betriebsgegenstand war im Prüfungszeitraum die Erbringung von diversen Bauleistungen. Inwieweit Bauleistungen iSd § 19 UStG 1994 vorliegen, kann mangels vorgelegter Unterlagen von der Betriebsprüfung nicht beurteilt werden. Auch nicht beurteilt werden kann, von wem diese Leistungen ausgeführt wurden. Betriebsgegenstand soll ab September 2013 die Führung einer Pizzeria und eines Großhandels mit Lebensmitteln sein. An der Betriebsadresse ***17*** befinden sich weder an der Außenfront, noch an der Eingangstür Hinweise auf die Firma ***15*** GmbH. Lediglich am Briefkasten ist ein kleiner Vermerk angebracht. Im Top 6 ist eine Firma ***18*** GmbH ansässig, welche Büroräumlichkeiten anderen Firmen weitervermietet. Der "Servicevertrag" mit der Firma ***15*** GmbH ist per 1.8.2012 in Kraft getreten und wurde am 19.8.2013 per SMS gekündigt, weil die Firma mit den Mietzahlungen bereits seit 4 Monaten im Rückstand war und von der Firma ***15*** GmbH bereits seit Monaten keiner dort angetroffen wurde. Es bestand immer nur Kontakt zum ehemaligen Geschäftsführer ***19*** (laut Firmenbuch seit 7.8.2013 gelöscht). Der jetzige Geschäftsführer ***16*** ("vertritt seit 1.8.2013 selbständig" laut Firmenbuch) ist dort zur Gänze unbekannt und hat seit 2.8.2013 keinen aufrechten Wohnsitz in Österreich." Beziehung zwischen Firma ***15*** GmbH und der Firma ***8*** Laut Aussagen von ***Bf1*** in der Niederschrift vom 24.5.2017 wäre ein Herr ***12*** die Kontaktperson bei dieser Firma. In der Beantwortung des Fragenkatalogs vom 16.7.2017 werde ***11*** als Kontaktperson angegeben. Dieser hätte sich von Beginn an als Geschäftsführer der ***15*** GmbH vorgestellt, somit sei seine Identität nicht überprüft worden. ***Bf1*** hätte nicht überprüft, ob diese Person auch der wirkliche Geschäftsführer der ***15*** GmbH gewesen wäre. Es hätte auch keinen Kontakt zu andere leitenden Personen dieser Firma gegeben. Die Geschäftsräumlichkeiten der ***15*** GmbH seien nie betreten worden. Diese Firmen seien von bekannten Unternehmern empfohlen worden. Die Anbahnung der Geschäfte sei auf diversen Baustellen erfolgt. Die Barbeträge seien auch an die oben angegebene Person übergeben worden. Es sei nicht überprüft worden, ob der Geldübernehmer im Auftrag der ***15*** GmbH handle. Die Geldübergabe sei teilweise auf den Baustellen oder im Restaurant "***14***" erfolgt. Das würde heißen die Geldbeträge seien an die oben angegebene Person übergeben worden und ***Bf1*** hätte die Kassabelege erhalten, welche bereits vorbereitet und unterschrieben gewesen wären. ***Bf1*** könne nicht sagen, wer diese Kassabelege unterschrieben habe. Zu den Bauvorhaben, welche mit der ***15*** GmbH abgewickelt worden wären, seien neben den Rechnungen nur Rahmenwerkverträge vorgelegt worden, sonst keine weiteren schriftlichen Unterlagen. Es hätte nur mündliche Vereinbarungen gegeben. Die Baustellenabnahmen seien zwischen ***Bf1*** und dem Bauleiter des Generalunternehmens erfolgt. Es gebe darüber nur schriftliche Unterlagen zwischen der Firma ***8*** und dem Generalunternehmen (Auftraggeber der Firma ***8***). Laut Aussage ***Bf1*** seien die Leistungen der Firma ***15*** GmbH anhand dieser Baustellenabnahmen überprüft worden. Eine Zahlung an die ***15*** GmbH sei nur nach diesen Abnahmen erfolgt. Es sei aber aus keinen Aufzeichnungen ersichtlich, von wem tatsächlich die Leistungen erbracht worden wären. Dies entspreche nicht den üblichen wirtschaftlichen Gepflogenheiten. Laut Aussage ***Bf1*** seien die Leistungen von Arbeitnehmern der ***15*** GmbH durchgeführt worden. Dafür hätten aber keine Unterlagen vorgelegt werden können. Es seien keine weiteren Subfirmen beschäftigt worden. Mit Mail vom 12.6.2017 seien Werkverträge zwischen der ***15*** GmbH und der Firma ***8*** übermittelt worden. In dieser Mail sei auch angegeben worden, dass ***Bf1*** x-mal (seit Beginn der Außenprüfung) versucht hätte, den "Geschäftsführer" (= Kontaktperson von ***Bf1***) der ***15*** GmbH telefonisch zu erreichen. Aber ohne Erfolg. Laut Abfragen durch das Finanzamt wären die oben angeführten Kontaktpersonen nicht bei der ***15*** GmbH als Arbeitnehmer angemeldet gewesen. Bemerkungen zu den vorgelegten Rahmenwerkverträgen zwischen der Firma ***8*** und der ***15*** GmbH: Zwei Werkverträge würden vom 7.1.2013 und einer vom 1.5.2013 datieren. In allen drei Werkverträgen sei auf der ersten Seite als Auftragnehmer angegeben: ***15*** GmbH, ***20***. Auf Seite 3 sei der Stempel des Auftragnehmers angebracht mit der Adresse: ***17***. Laut Firmenbuch wäre die Geschäftsanschrift von 20.12.2012 bis 25.9.2013 in der ***17***, gewesen. Auf der dritten Seite sei der Stempel des Auftragnehmers - ***15*** GmbH - und eine Unterschrift angebracht. Die Unterschrift befinde sich bei allen Werkverträgen immer an genau derselben Stelle. Dies erscheine als sehr ungewöhnlich. Beim Werkvertrag betreffend das Bauvorhaben ***21*** sei auf der dritten Seite das Datum 10.9.2013 angegeben worden, obwohl auf der 1. Seite das Datum 7.1.2013 angegeben sei. Bauvorhaben "***30***": Der Rahmenwerkvertrag zwischen der Firma ***23*** (Auftraggeber) und der Firma ***8*** (Auftragnehmer) sei datiert vom 2.4.2013. Der vorgelegte Rahmenwerkvertrag zwischen ***8*** (Auftraggeber) und der ***15*** GmbH (Auftragnehmer) sei bereits datiert vom 7.1.2013. Das sei nicht möglich. Im Zuge der Außenprüfung sei ein Ordner mit Unterlagen betreffend die ***15*** GmbH vorgelegt worden. In diesem Ordner würden sich insgesamt 65 Bautagesberichte betreffend das Bauvorhaben ***21*** befinden. Auf diesen Bautagesberichten werde als ausführende Firma die ***15*** GmbH angegeben. Diese "Zweckform Bautagesberichte 177" würden aus drei Blättern bestehen (ein Original und zwei Durchschriften). Es seien alle drei Blätter in diesem Ordner enthalten, das hieße es sei keine Durchschrift an den Auftragnehmer = ***15*** GmbH übergeben worden. ***Bf1*** könne sich nicht erklären, warum alle drei Blätter in diesem Ordner enthalten seien. In diesem Ordner seien zwei Passkopien der beiden Geschäftsführer ***16*** und ***19*** enthalten. Weiters Auszüge aus dem Gewerberegister, in welchem ***19*** als Geschäftsführer angegeben sei. Weiters Firmenbuchauszüge vom 8.1.2013 und vom 21.10.2013, in welchen die oben genannten als Geschäftsführer ausgewiesen seien. Aufgrund dieser Unterlagen hätte ***Bf1*** ersehen können, dass nicht die von ihm angegebene Kontaktperson Geschäftsführer sei und war. Weiters sei eine Saldenliste der ***15*** GmbH vom 30.6.2013 in diesem Ordner enthalten. In dieser Saldenliste würden Erlöse 20% in Höhe von 8.660,00 € ausgewiesen sein, bis 30.6.2013 seien aber bereits Rechnungen der Firma ***8*** in Höhe von 35.000,00 € fakturiert worden, das hieße in den Unterlagen der Firma ***8*** enthalten. Diese Tatsachen würden einem umsichtigen und wachsamen Kaufmann auffallen haben müssen. Bemerkungen zu den Zahlungsvorgängen: Bei einigen Zahlungsvorgängen stimme das Datum des Kassabeleges nicht mit der Abhebung der Beträge vom Bankkonto überein. Die Eingangsrechnungen Nr. 17/13 und 18/13 vom 28.6.2013 mit je 5.000,00 € Rechnungsbetrag seien laut Kassabelegen am 2.7.2013 bezahlt worden. Die dazugehörigen Bankabhebungen seien erst am 4.7.2013 erfolgt. Die Eingangsrechnungen Nr. 22/13 und 23/13 vom 29.7.2013 mit je 5.000,00 € Rechnungsbetrag seien laut Kassabelegen am 29.7.2013 bezahlt worden. Die dazugehörigen Bankabhebungen seien erst am 30.8.2013 erfolgt. Die Aussagen seien im Rahmen einer Niederschrift, welche am 24.5.2017 erstellt worden wäre, getätigt worden bzw. im Rahmen der Beantwortung eines Fragenkataloges , welcher von der Firma ***8*** am 16.7.2017 beantwortet worden wäre. Beträge in Höhe von 210.755,00 € seien nach Konkurseröffnung am 15.1.2014 bezahlt worden. Laut Aussage in der Niederschrift hätte ***Bf1*** erst im Zuge dieser Außenprüfung erfahren, dass die ***15*** GmbH in Konkurs sei. c. Rechtliche Beurteilung Der Wirtschaftsteilnehmer müsse alle Maßnahmen treffen, die vernünftigerweise von ihm verlangt werden könnten, um sicherzustellen, dass seine Umsätze nicht in einen Betrug einbezogen seien. Allgemein gelte, dass ein umso höheres Maß an Wachsamkeit und entsprechenden Maßnahmen vom Abnehmer verlangt werden, je ungewöhnlicher sich die Geschäftsverhältnisse darstellen würden. Dabei würden auch branchenspezifische Besonderheiten zu beachten sein. So wäre etwa in der sehr missbrauchsanfälligen Baubranche zu bedenken sein, dass auch unseriöse Unternehmen in der Regel darauf achten würden, Formalerfordernisse zu erfüllen, weil sie andernfalls kaum mit einer Berücksichtigung bei der Auftragsvergabe rechnen könnten. In einem solchen Wirtschaftsbereich würden daher an die notwendige Kontrolle größere Anforderungen zu stellen sein. Das Finanzamt gelange im Rahmen einer Gesamtbetrachtung aller Aspekte dieses Leistungsaustausches zu der Auffassung, dass die gebotene Sorgfalt und Umsicht als Kaufmann nicht eingehalten worden wäre. Anhand der oben beschriebenen Tatsachen sei nicht feststellbar, wer die Leistungen tatsächlich erbracht habe und wer der tatsächliche Empfänger der Geldbeträge sei. Nach Ansicht des Finanzamtes stehe fest, dass die rechnungsausstellende Firma (= Firma, welche auf den vorgelegten Rechnungen angeführt sei) nicht der wahre Geldempfänger sei. Da trotz Aufforderung gemäß § 162 Abs. 1 BAO der wahre Empfänger der abgesetzten Beträge nicht genau bezeichnet worden wäre, sei der Aufwand daher nicht anzuerkennen. § 162 BAO beruhe auf dem Grundsatz, dass das, was bei dem einen Abgabepflichtigen abzusetzen sei, bei dem anderen versteuert werden müsse, wenn nicht steuerpflichtige Einnahmen unversteuert bleiben sollten. Es könne daher die Absetzung von Betriebsausgaben trotz feststehender sachlicher Berechtigung abgelehnt werden, so lange nicht die Möglichkeit, die entsprechenden Einnahmen beim Empfänger zu besteuern, dadurch sicher gestellt sei, dass der Steuerpflichtige den Empfänger konkret genannt hätte (VwGH 25.4.2013, 2013/15/0155). Einer Aufforderung nach § 162 Abs. 1 BAO sei dann nicht entsprochen, wenn ohne Verletzung von Verfahrensvorschriften die Feststellung getroffen werde, dass die benannten Personen nicht die tatsächlichen Empfänger der abgesetzten Beträge sein würden (VwGH 1.6.2006, 2004/15/0066,0067). Im Zuge der Schlussbesprechung sei das Parteiengehör gewahrt worden und Folgendes angegeben worden: Steuerlicher Vertreter: Unübliche Geschäftsbeziehungen und Pauschalen: Barzahlungen seien in der Baubranche nicht unüblich, da vom Leistungserbringer die Vorleistungen (Material, Löhne) selbst bar bezahlt würden, da vor allem Materialien nicht auf Lieferschein abgegeben werden würden. Pauschalbeträge würden in der Baubranche sehr oft vereinbart, da Regiearbeiten zu nicht zu kontrollierenden Kostenauswüchsen führen könnten. Vom Unternehmer selbst wäre nicht erkennbar gewesen, dass es sich bei den betreffenden Firmen um Scheinfirmen handle und somit auch der § 162 BAO nicht anwendbar sei. Unterlagen, die vorliegen würden, würden das beweisen: wie die Auszüge aus dem Gewerberegister zu drei Gewerben mit dem gewerberechtlichen Geschäftsführer ***19***, die Liste der Anmeldungen der Dienstnehmer von der Wiener Gebietskrankenkasse sowie die Anmeldebestätigungen bei der Krankenkasse von diversen Dienstnehmern (Facharbeiter, Spachtler,…), als auch Bautagesberichte, Jahresabschluss der ***15*** GmbH vom 31.12.2012. Die Bautagesberichte seien laufend mit den Rechnungen an ***Bf1*** übergeben worden. Die anderen Unterlagen zu Beginn der Geschäftsbeziehung. Rechtsanwalt: Der Umstand, dass in der Baubranche Pauschalzahlungen üblich seien, ergebe sich auch aus dem zugrunde liegenden Rahmenwerkvertrag mit dem Generalunternehmer (sowie aus dem vorliegenden Angebot der ***15*** GmbH an ***Bf1*** vom 15.5.2013). Der Abgabepflichtige hätte nicht damit rechnen können, dass es sich um Scheinfirmen handle, zumal es sich bei den von Kollegen namhaft gemachten Namen ***11*** und ***12*** um persönlich bekannte Namen handle, sodass er umso weniger irgendwelche Anhaltspunkte gehabt hätte, dass es sich hier um Scheinfirmen handeln würde. Auch die Arbeitsleistungen seien von tatsächlich vor Ort erschienenen Arbeitskräften rasch und auftragsgemäß erbracht worden, was keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Scheinfirma mit sich gebracht haben würde. Die Zahlung der Geldleistungen an die vermittelten Personen wären auf Grund der ausgehändigten Visitenkarten, die deren Eigenschaften als Geschäftsführer der Firmen belegen würden, ebenfalls unproblematisch. Aus sämtlichen angeführten Gründen wäre die vorgenommene Abhandlung der vorliegenden Geschäfte inklusive deren Bezahlung für ***Bf1*** nicht ungewöhnlich. Aus einer Niederschrift über die Einvernahme des ***Bf1*** vom 24.5.2017 zum Thema Geschäftsbeziehung Firma ***5*** GmbH und Firma ***15*** GmbH geht unter anderem Folgendes hervor: "Fragen zur Firma ***15*** GmbH: Leistungsbeziehung von Mai 2013 bis Dezember 2013 1. Wer war/en die Ansprechperson/en bei der Firma ***15*** GmbH? ***12***, Techniker Sind Ihnen die Geschäftsführer der Firma ***15*** GmbH bekannt? Nein. Die Namen der beiden Geschäftsführer laut Firmenbuch wurden ***Bf1*** genannt. Er kennt diese Namen nicht. Passkopien der beiden Geschäftsführer sind in den Unterlagen vorhanden. 2. Wann wurde der Auftrag für das Bauvorhaben "***24***" vergeben? Auftraggeber war die Firma ***23***. Beginn war im April 2013. 3. Können Sie Unterlagen zu den einzelnen Auftragsvergaben vorlegen? Werden noch vorgelegt. 4. Können Sie Unterlagen zu den einzelnen Baustellenabnahmen vorlegen? Werden noch vorgelegt. 5. Wer hat die Baustellenabnahmen vorgenommen? ***Bf1*** und ein Mitarbeiter von ***25*** bzw. ***23***. 6. Von welchen Personen wurden die Arbeiten durchgeführt? Die Arbeiten wurden von Arbeitnehmern der Firma ***15*** GmbH durchgeführt. Es wurden keine Subfirmen beschäftigt. 7. Welche Vereinbarungen wurden bezüglich Bezahlung an die Firma ***15*** GmbH getroffen? Barzahlung. Erst wenn der Auftraggeber der Firma ***8*** bezahlt hat wurde an die Firma ***15*** GmbH ausbezahlt. 8. Von wem wurden die Geldbeträge entgegengenommen? Speziell im Jänner 2014: ***12***. Dieser hat immer die vorbereiteten Rechnungen und Kassabelege nach Bezahlung des Betrages übergeben. Die Kassabelege waren immer schon unterschrieben. 9. Wurden die Geldbeträge im Jänner 2014 von nur einer Person übernommen? Ja. Siehe Frage 8. 10. Wieso wurden so große Geldbeträge bar bezahlt? War so vereinbart. 11. Haben Sie gewusst, dass über die Firma ***15*** GmbH mit 15.1.2014 der Konkurs eröffnet wurde? Die Zahlungen vom 17.1., 30.1. und 31.1.2014 wurden nach Konkurseröffnung getätigt. Nein. ***Bf1*** hat erst jetzt, im Zuge der Außenprüfung erfahren, dass über die Firma ***15*** GmbH der Konkurs eröffnet wurde. 14. Wie und an welche Firma wurden diese Leistungen weiterverrechnet? BVH ***24*** an die Firma ***23***. BVH Bahnhöfe an die Firma ***25***. BVH ***26*** an die Firma ***23***. Fragen zur ***5*** GmbH: ER 12/2014, 31.1.2014, 15.000,00 € ER 20/2014, 28.2.2014, 10.000,00 € 1. Wer war/en die Ansprechperson/en bei der Firma ***5*** GmbH? ***11*** und drei Arbeiter Es wurden die Anmeldungen bei der Sozialversicherung der drei Arbeiter kontrolliert. Alle drei waren bei der ***5*** GmbH angemeldet. Von ***11*** wurde auch ein Ausweis abverlangt. Die UID-Nummer der Firma wurde am 15.4.2014 kontrolliert. Der Geschäftsführer der Firma, ***9***, ist dem Beschwerdeführer nicht bekannt. 2. Wann wurde der Auftrag für das Bauvorhaben "***6***" vergeben? Ein genaues Datum kann nicht mehr angegeben werden. Es gab keine schriftliche Vereinbarung. 3. Wann wurde der Auftrag für das Bauvorhaben "***7***" vergeben? Ein genaues Datum kann nicht mehr angegeben werden. Es gab keine schriftliche Vereinbarung. 4. Können Sie die Unterlagen zu diesen Auftragsvergaben vorlegen? Es gab nur eine mündliche Vereinbarung, da eine andere Firma ausgefallen ist und Termindruck bestand. 5. Wann wurden die Bauvorhaben beendet? Arbeiten wurden bis Herbst 2014 durchgeführt. Die ***5*** GmbH war aber nur kurzfristig beschäftigt. Jänner und Februar 2014. 6. Können Sie Unterlagen zur Baustellenabnahme vorlegen? In diesem Sinne gibt es keine Bautagesberichte. Da immer ein Bauleiter der auftraggebenden Firma vor Ort war. In diesem Fall war Generalunternehmer die Firma ***27***. Auftraggeber für die ***8*** war die Firma ***23***. Es gibt für diese Baustelle Aufzeichnungen über die Aufmaße. 7. Wer hat die Baustellenabnahme vorgenommen? Wurde vom Beschwerdeführer und vom Bauleiter der ***23*** vorgenommen. 8. In welchem Zeitraum wurden die Leistungen von der ***5*** GmbH durchgeführt? BVH ***6***: Leistungen wurden im Jänner 2014 erbracht. Weiterverrechnung erfolgte mit der AR 26-2014 vom 1.3.2014. Es soll heißen: Arbeitsleistung bis März 2014. BVH ***7***: Leistungen wurden von zwei oder drei Personen der ***5*** GmbH durchgeführt. Auf den AR stehen aber die Namen von anderen Personen, da nur diese Zutritt in das Gebäude hatten. Der Auftraggeber durfte davon nichts wissen. 9. Von welchen Personen wurden die Arbeiten durchgeführt? Drei Arbeiter der ***5*** GmbH, Anmeldungen bei der Sozialversicherung wurden vorgezeigt. 10. Welche Vereinbarungen wurden bezüglich Bezahlung an die ***5*** GmbH getroffen? Barzahlung nach Fertigstellung. 11. Von wem wurden die Geldbeträge entgegen genommen? Die Geldbeträge wurden von ***11*** entgegen genommen. Die Kassa-Eingangsbelege waren schon vorbereitet. Die Unterschrift war schon oben. Der Beschwerdeführer kann nicht sagen, wer diese Belege unterschrieben hat. 12. Wann wurden die Beträge ausbezahlt? Die Beträge wurden am 25.3.2014 vom Bankkonto abgehoben und ausbezahlt. 13. Wieso wurden so große Geldbeträge bar bezahlt? Wurde von der ***5*** GmbH so gefordert. 14. Wie und an welche Firma wurden diese Leistungen weiterverrechnet? Siehe auch Frage 8 BVH ***6***: Firma ***23***, laut den vorgelegten Rechnungen BVH ***7***: Firma ***28***, laut den vorgelegten Rechnungen" Mit 16.7.2017 wurde folgende Fragenbeantwortung durch den Beschwerdeführer eingereicht: "1. Fragen zu dem Ordner mit Unterlagen der ***15*** GmbH: a. Wer hat diesen Ordner erstellt? ***29*** (Angestellte) b. Wurde er nicht von Ihnen erstellt - von wem wurde dieser Ordner erstellt und übergeben? ***29*** (Angestellte) c. Es sind Abfragen über die Gültigkeit der UID-Nummer der ***15*** GmbH enthalten. Von wem wurden diese Abfragen durchgeführt? Anfangs von ***Bf1***, dann mit Rechnung von der ***15*** GmbH (von mir verlangt). d. Sollten die Anfragen von Ihnen durchgeführt worden sein - warum wurde die UID-Nummer innerhalb von cirka neun Monaten 30 mal abgefragt? Da ich mir nicht sicher sein konnte, dass die Firma sauber ist. e. Im Ordner sind zwei Firmenbuchauszüge der ***15*** GmbH enthalten - vom 8.1.2013 und vom 21.10.2013. In diesen ist als Geschäftszweig "Gastgewerbe in allen seinen Betriebsformen" angeführt. Ist Ihnen das aufgefallen? Nein, ist mir nicht aufgefallen, weil ich zu wenig geschaut habe. f. Im Ordner sind Bautagesberichte betreffend die Baustellen ***21*** (Auftraggeber Firma ***25***) enthalten. Warum sind alle drei Durchschläge im Ordner? g. Im Ordner ist ein Angebot der ***15*** GmbH betreffend das BVH ***24***, vom 15.5.2013 enthalten. Im Zuge der Außenprüfung wurde ein Rahmenwerkvertrag mit der ***15*** GmbH betreffend diese Baustelle vom 7.1.2013 vorgelegt. Warum wurde mit 7.1.2013 ein Rahmenwerkvertrag abgeschlossen, obwohl erst am 15.5.2013 ein Angebot für diese BVH gelegt wurde? Mit dem Rahmenwerkvertrag habe ich mir Leistungen gesichert. Dann kamen Verzögerungen vom gesamten Projekt. 2. Allgemeine Fragen zu den Firmen ***15*** GmbH und ***5*** GmbH a. Wer waren die Kontaktpersonen bei den oben genannten Firmen? ***11*** (***15*** GmbH) und ***12*** (***5*** GmbH) b .Haben Sie auch mit anderen leitenden Personen dieser Firmen Kontakt gehabt? Nein. c. Wenn ja, wer waren diese Personen? d. Haben Sie jemals die Geschäftsräumlichkeiten der oben genannten Firmen betreten? Nein. e. Wer waren die Übernehmer der Geldbeträge? siehe 2a. f. Wie haben Sie die Identität der Übernehmer der Barbeträge überprüft? Beide haben sich von Beginn an als Geschäftsführer vorgestellt, somit habe ich nie ihre Identität überprüft. ….. h. Haben Sie überprüft, ob die Geldübernehmer im Auftrag dieser beiden Firmen gehandelt haben? Nein, es war für mich klar, da die beiden auch erfolgreich Aufträge vergaben. ….. j. Wo wurden die Geldbeträge abgehoben? In ***13*** oder anderswo? Teilweise in ***13***, teilweise in Wien. k. Wo wurden die Barbeträge übergeben? Wenn möglich bitte genaue Ortsangaben zu den einzelnen Übergaben. Teilweise auf den Baustellen direkt, oder im Restaurant ***14***, Wien. l. Bitte um Vorlage folgender Grundaufzeichnungen zu den einzelnen Baustellen, welche mit diesen beiden Firmen abgewickelt wurden (soweit vorhanden): Ausschreibung: Vorort verhandelt und ausgemacht. Angebot: Teilweise Rahmenvertrag (Mappe) Auftragsvergabe: Mit ***5*** GmbH nur mündlich ausgemacht. Bautagesberichte zwischen Auftraggeber und ***8***: ***25***, ***23*** Bautagesberichte zwischen ***8*** und der ***15*** GmbH: Liegen vor. m. Sollte es schriftliche Vereinbarungen geben, von wem wurden diese übergeben bzw. an wen wurden diese übergeben? ***11***, ***12*** 3. Fragen zu Ihren Auftraggebern betreffend Baustellen, auf welchen die ***15*** GmbH und die ***5*** GmbH beschäftigt waren. a. Bitte um Vorlage der Vereinbarungen zwischen den Auftraggebern und der ***8***. ….." Mit Bescheiden je vom 16.4.2018 wurden die Verfahren betreffend Einkommensteuer 2013 und 2014 gemäß § 303 Abs. 1 BAO wieder aufgenommen. Begründet wurde wie folgt: Die Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 303 Abs. 1 BAO erfolge aufgrund der Feststellungen der abgabenbehördlichen Prüfung, die der darüber aufgenommenen Niederschrift bzw. dem Prüfungsbericht zu entnehmen seien. Daraus sei auch die Begründung für die Abweichungen vom bisherigen im Spruch bezeichneten Bescheid zu ersehen. Die Wiederaufnahme sei unter Abwägung von Billigkeits- und Zweckmäßigkeitsgründen (§ 20 BAO) verfügt worden. Im vorliegenden Fall überwiege das Interesse an der Rechtsrichtigkeit das Interesse auf Rechtsbeständigkeit. Die steuerlichen Auswirkungen könnten auch nicht als bloß geringfügig angesehen werden. Mit Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2013 vom 16.4.2018 wurden die Einkünfte aus Gewerbebetrieb mit 347.517,95 € festgesetzt. Als Begründung wurde darauf verwiesen, dass die Veranlagung unter Zugrundelegung der Feststellungen der abgabenbehördlichen Prüfung, die der darüber aufgenommenen Niederschrift bzw. dem Prüfungsbericht zu entnehmen seien, erfolgt sei. Mit Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2014 vom 16.4.2018 wurden die Einkünfte aus Gewerbebetrieb mit 58.474,26 € festgesetzt. Als Begründung wurde darauf verwiesen, dass die Veranlagung unter Zugrundelegung der Feststellungen der abgabenbehördlichen Prüfung, die der darüber aufgenommenen Niederschrift bzw. dem Prüfungsbericht zu entnehmen seien, erfolgt sei. Mit Schreiben vom 17.5.2018 wurde gegen oben angeführte Bescheide Beschwerde eingereicht. Die Beschwerde richte sich gegen die Nichtanerkennung der als Fremdleistung verbuchten Ausgaben für die Firma ***15*** GmbH in Höhe von 265.755,00 € (2013) sowie für die Firma ***5*** GmbH in Höhe von 25.000,00 € (2014). Für den Fall der Nichtstattgabe der Beschwerde und Vorlage der Beschwerde an das Verwaltungsgericht werde die Entscheidung durch den gesamten Berufungssenat beantragt, weiters werde gemäß § 274 BAO die Durchführung einer mündlichen Verhandlung beantragt. Mit Schreiben vom 5.6.2018 wurde folgende Begründung zu obiger Beschwerde nachgereicht: Einleitend werde festgehalten, dass es sich bei den oben angeführten Fremdleistungen der beiden Unternehmen um keine Scheinleistungen bzw. um keine Scheinrechnungen handle. Die Erbringung dieser Leistungen hätte im Zuge der Betriebsprüfung eindeutig und ohne Zweifel anhand verschiedenster Unterlagen (z.B. Bautagesberichte, Angebote, Weiterverrechnung im Rahmen des Rahmenwerkvertrages an den Generalunternehmer) nachgewiesen werden können. Ebenso werde festgehalten, dass das Vorliegen bzw. die Erbringung dieser besagten Fremdleistungen von der Betriebsprüfung zu keiner Zeit beanstandet bzw. bezweifelt worden wäre. Somit scheide der Tatbestand des § 23 BAO (Scheingeschäfte bzw. Scheinhandlungen) von vornherein aus. Auch die von unserem Mandanten geleisteten Zahlungen seien unstrittig. Die Betriebsprüfung begründe in der Niederschrift die Versagung des Betriebsausgabenabzuges dieser Fremdleistungen im Wesentlichen damit, dass es sich bei den Geschäftsbeziehungen mit der Firma ***15*** GmbH sowie mit der ***5*** GmbH um "ungewöhnliche Geschäftsverhältnisse" gehandelt hätte und somit der Vertragspartner (***Bf1***) ein "höheres Maß an Wachsamkeit" (Kontrollmaßnehmen) setzen hätte müssen, um letztlich den wahren Geldempfänger sicherstellen zu können. Somit sei laut Betriebsprüfung der Tatbestand des § 162 Abs. 1 BAO nicht erfüllt, weil der wahre Empfänger der abgesetzten Beträge nicht genau bezeichnet worden wäre. Als Argumente, warum diese Geschäftsbeziehungen bzw. Transaktionen unüblich seien bzw. nicht den wirtschaftlichen Gepflogenheiten entsprechen würden, führe die Betriebsprüfung in der Niederschrift folgende Aspekte an: - Die Vergütung dieser Leistungen würde durchwegs per Barzahlung erfolgen. - Die Geschäftsräumlichkeiten der Auftragnehmer (Firma ***15*** GmbH bzw. ***5*** GmbH) seien nie betreten worden bzw. hätte es nie einen Kontakt zu den tatsächlich leitenden Personen (Geschäftsführungen) der Auftragnehmer gegeben. - Die Geldbeträge seien nicht an die leitenden Organe übergeben worden bzw. nur an Personen (***11*** für die Firma ***15*** GmbH bzw. ***12*** für die Firma ***5*** GmbH), die (laut Firmenbuchauszug bzw. Gewerberegister) keine organschaftlichen Funktionen ausgeübt hätten. - Zwischen ***Bf1*** und seinen Subunternehmern (Firma ***15*** GmbH und Firma ***5*** GmbH) hätte es nur mündliche Vereinbarungen gegeben. Die rechtlichen Schlussfolgerungen der Außenprüfung seien unrichtig, der Betriebsausgabenabzug stehe aus den nachfolgenden Gründen unstrittig zu: A. Bedeutung von so genannten Scheinfirmen hinsichtlich § 162 BAO in der Judikatur Aus der Rechtsprechung ergebe sich, dass § 162 BAO nur anwendbar sei, wenn es sich bei den Vertragspartnern um so genannte Briefkastenfirmen (Scheinfirmen) handle, die keinen geschäftlichen Betrieb hätten und deswegen keine Leistungen erbringen könnten, also Scheingeschäfte abgeschlossen hätten (VwGH 18.10.2017, Ra 2015/13/0054; 20.9.2017, 2007/14/0007). Aus der einschlägigen Fachliteratur (Koller/Schuh/Woischitzschläger, Handbuch zur Praxis der steuerlichen Betriebsprüfung, Juni 2014, Punkt 3.4. Voraussetzungen und Grenzen für Verlangen nach Empfängerbenennung) gehe hervor, dass dem Steuerpflichtigen offenbar unerfüllbare Aufträge zum Nachweis der Empfänger erteilt würden. Offenbar unerfüllbar seien jene Aufträge dann, wenn eine unverschuldete tatsächliche Unmöglichkeit, die Empfänger der geltend gemachten Betriebsausgaben namhaft zu machen, vorliege. Diese Ausführungen würden für die Beurteilung der Frage implizieren, inwieweit es dem Leistungsempfänger zugemutet werden könne, eine Scheinfirma zu erkennen bzw. in weiterer Folge den wahren Geldempfänger zu benennen, Folgendes: Es hätte eine Abwägung des Grades der Unüblichkeit (siehe Punkt B) der Geschäftsbeziehung einerseits sowie eine Beurteilung der gesetzten Kontrollmaßnahmen andererseits (diese würden auf diesen Fall bezogen noch näher unter dem Punkt C dargelegt) zu erfolgen. Mit anderen Worten: Es sei im Einzelfall zu prüfen, ob für unübliche Geschäftsbeziehungen, die fallbezogen ein unterschiedliches Ausmaß annehmen könnten, auch adäquate Überprüfungsmaßnahmen seitens des Schuldners (Zahlenden) gesetzt worden wären. B. Stellungnahme bzw. Würdigung der Geschäftsbeziehung des ***Bf1*** mit der ***15*** GmbH Zu den angeführten Punkten, die von der Betriebsprüfung zur Untermauerung einer ungewöhnlichen Geschäftsbeziehung vorgebracht worden wären, würde wie folgt repliziert werden: a. Barzahlung In der Baubranche sei entgegen anderen Wirtschaftszweigen die Barzahlung eine gängige Form der Zusammenarbeit. Dies unter anderem auch deshalb, weil der Leistungserbringer (Subleister) seine Vorleistungen (Löhne, Material) selbst bar bezahlen müsse. Aufgrund der Wirtschaftslage und der finanziellen Situation vieler Bauunternehmer werde kein Material auf Rechnung von den Lieferanten mehr ausgegeben, sondern nur mehr nach Barzahlung. Umgekehrt würden somit auch die Bauunternehmer ihre Ausgangsrechnungen bzw.- Teilrechnungen von ihren Kunden bar kassieren. Dies sei auch in der Schlussbesprechung schon zu Protokoll gegeben worden. Daher könne nur aus dem Umstand, dass im vorliegenden Fall Barzahlungen geleistet würden, keine unübliche Geschäftstätigkeit (bezogen auf die Baubranche) erblickt werden. b. Kein Betreten der Geschäftsräumlichkeiten, kein Kontakt mit den Geschäftsführern Ebenso sei aus dem Umstand, dass ***Bf1*** niemals den Sitz bzw. die Geschäftsräumlichkeiten der in Rede stehenden Gesellschaften aufgesucht hätte, noch kein außergewöhnlicher Aspekt zuzuerkennen. ***Bf1*** hätte im Zuge der Betriebsprüfung mehrfach zu Protokoll gegeben, dass ihm die besagten Fremdleister von anderen bekannten Unternehmen empfohlen worden wären und die Geschäftsanbahnung direkt auf diversen Baustellen erfolgt sei. Diese Geschäftsanbahnung müsse aufgrund des enormen Zeitdrucks, des eigenen Personalmangels und der drohenden Pönalezahlungen im Falle der Nichteinhaltung der Termine auch ohne jegliche Verzögerung vorgenommen werden. Dadurch wäre ***Bf1*** angehalten gewesen, die zur Vertragserfüllung mit den Generalunternehmen erforderlichen Leistungen auf schnellstmöglichem Weg zu besorgen. Dadurch sei evident, dass diese Suche nach Subleistern bzw. diese Geschäftsanbahnung in erster Linie durch den Zeitdruck und durch keine anderen Absichten hervorgerufen worden wäre. Der Vollständigkeit halber würde auch erwähnt sein, dass auch andere Bauunternehmen, die mit ähnlichen bzw. gleichen Problemen bezüglich Auftragsabwicklung zu kämpfen hätten, zu den gleichen Praktiken punkto Auftragsabwicklung zu kämpfen hätten, zu den gleichen Praktiken punkto Geschäftsanbahnung (auf Baustellen bzw. Weiterempfehlung) greifen würden. Somit könne objektiv betrachtet und bezogen auf die allgemein bekannten Gegebenheiten bzw. Problematiken in der Baubranche aus dieser Art der Geschäftsanbahnung ebenfalls nicht der Schluss gezogen werden, dass hierbei unübliche wirtschaftliche Gepflogenheiten ausgeübt worden wären. Es würde auch angemerkt werden, dass eine diesbezügliche Entgegnung bzw. Darlegung seitens der Betriebsprüfung, ob und inwieweit eine derartige Geschäftsanbahnung in der Baubranche üblich oder unüblich sei, überhaupt fehle. Zudem könne auch aus der Argumentation, dass ***Bf1*** nie mit den tatsächlichen (handelsrechtlichen und gewerberechtlichen) Geschäftsführern Kontakt aufgenommen hätte, nichts gewonnen werden. Wie schon in der Niederschrift zur Schlussbesprechung ausgeführt, hätte ***11*** (***15*** GmbH) bzw. ***12*** (***5*** GmbH) als Kontaktperson für ***Bf1*** fungiert. Auch wenn dieser nicht als handelsrechtlicher bzw. gewerberechtlicher Geschäftsführer eingetragen gewesen wäre, so hätte ***11*** im Zuge einer zivilrechtlichen bzw. unternehmensrechtlichen Handlungsvollmacht in Form einer so genannten Anscheinsvollmacht gehandelt. Die Erteilung einer Handlungsvollmacht erfolge durch einseitige, empfangsbedürftige Willenserklärung, die keiner besonderen Form bedürfe. Sie könne sowohl ausdrücklich, als auch schlüssig erfolgen. Das Vorliegen einer Duldungs- oder Anscheinsvollmacht sei somit möglich und im Außenverhältnis wirksam. Umgelegt auf den vorliegenden Fall bedeute dies, dass ***11*** insbesondere durch die Verwendung bzw. Ausfolgung der Barbezahlungsbestätigungen (einschließlich der korrespondierenden Rechnungen) bzw. Bautagesberichte (versehen mit dem Firmenstempel der ***15*** GmbH sowie der nachweislichen Unterschrift des handelsrechtlichen Geschäftsführers ***16***), der Übergabe der Angebote (beispielsweise durch jenes vom 15.5.2013), wiederum versehen mit dem Firmenstempel, diese Duldungs- und Anscheinsvollmacht objektiv und für jedermann (und auch subjektiv für ***Bf1***) erkennbar zum Ausdruck gebracht hätte. Darüber hinaus sei punkto vermeintlicher Beschränkung der Handlungsvollmacht (im Außenverhältnis) Folgendes anzuführen: Eine Beschränkung der Handlungsvollmacht (gemäß § 55 UGB) brauche ein Dritter nur dann gegen sich gelten lassen, wenn er sie gekannt hätte bzw. kennen habe müssen. Vor dem Hintergrund der von ***Bf1*** durchgeführten Kontrollmaßnahmen wäre eine solche Einschränkung (etwa für die Entgegennahme der Zahlungen) für ***Bf1*** weder erkennbar gewesen, noch hätte er sie kennen müssen. Daher sei die Entgegennahme der Zahlungen der Herren ***11*** bzw. ***12*** durch die Anscheinsvollmacht, die zudem keiner erkennbaren Beschränkung unterlegen wäre, im Außenverhältnis zivilrechtlich gültig. c. Übergabe der Geldbeträge an nichtleitende Organe bzw. Geschäftsführer Hierfür sei ergänzend angeführt, dass ein Inkasso persönlich durch die organschaftlichen Vertreter (handelsrechtlicher und gewerberechtlicher Geschäftsführer) auf den Baustellen seinerseits ungewöhnlich sein würde, vielmehr entspreche es den Üblichkeiten im allgemeinen Wirtschaftsverkehr, dass dieses von den auftragsbezogen zuständigen Personen durchgeführt werde. Weiters würde in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hingewiesen werden, dass ***Bf1*** diese Beträge zivilrechtlich (im Lichte der vorliegenden Anscheinsvollmacht) mit schuldbefreiender Wirkung entrichtet hätte. ***Bf1*** könne auch nicht mit Regressforderungen seitens der Gesellschaft konfrontiert werden und sei übrigens auch nicht mit solchen Ansprüchen im Zuge des Insolvenzverfahrens vom Insolvenzverwalter belangt worden. Somit sei auch unstrittig, dass der Insolvenzverwalter bei seiner rechtlichen Beurteilung davon ausgegangen sei, dass ***Bf1*** diese Geldbeträge an legitimierte bzw. bevollmächtige Personen zur Auszahlung gebracht habe. d. Nur mündliche Vereinbarungen Hierzu werde entgegen gehalten, dass die mündlichen Vereinbarungen ergänzt worden wären durch Angebote (beispielhaft würde jenes vom 15.5.2013 angeführt werden) sowie durch Bautagesberichte, die die Geschäftsabwicklung demzufolge auch dokumentieren würden. Zwischenfazit Es sei der Schluss zu ziehen, dass sich der Geschäftsablauf zwischen ***Bf1*** und den beiden Subleistern als nicht derart ungewöhnlich darstelle (insbesondere unter Berücksichtigung der in der Baubranche geübten Praxis), dass ***Bf1*** eine übermäßige bzw. selbst ungewöhnliche Kontrollpflicht (wie z.B. dem Aufsuchen des Sitzes bzw. Geschäftsanschriften der beiden Unternehmen, um sich zu vergewissern, dass diese auch wirklich existent seien) seiner Auftragnehmer auferlegt werden könne. Es werde auf die unter Punkt c getroffenen Ausführungen verwiesen, wonach die Zahlungen schuld-und zivilrechtlich an ***11*** (in Vertretung der ***15*** GmbH) bzw. ***12*** (in Vertretung der ***5*** GmbH) anzuerkennen seien. Dies impliziere auch eine steuerliche Zurechnung der Zahlungen zu den beiden vertretenen Unternehmen. Darüber hinaus lasse die Betriebsprüfung die Frage offen, welche konkreten Kontrollhandlungen ***Bf1*** setzen hätte müssen, damit der Betriebsausgabenabzug der Fremdleistungen von Seiten der Finanz bejaht werden könne. C. Berücksichtigung der Überprüfungsmaßnahmen durch ***Bf1*** Nichtsdestotrotz und im Wissen, dass es im Baugewerbe immer wieder zu Missbrauchs- bzw. Hinterziehungsfällen komme, hätte ***Bf1*** von Beginn der Geschäftsbeziehung mit der ***15*** GmbH an adäquate Überprüfungsschritte getätigt, um sich von deren tatsächlichen Existenz überzeugen zu können. Diese Maßnahmen seien auch entsprechend in einem Ordner (dieser sei wiederum der Betriebsprüfung bekannt) dokumentiert, der zu Beginn der Auftragsabwicklungen von einer seiner Angestellten (***29***) angelegt worden wäre und im Laufe der Geschäftsabwicklung mit verschiedensten Unterlagen befüllt worden wäre. In diesem Ordner würden sich folgende Nachweise befinden, die zum einen die Prüfungsmaßnahmen belegen würden und zum anderen auch beweisen würden, dass ***Bf1*** zu keiner Zeit während des Auftragsverhältnisses mit der ***15*** GmbH Kenntnis habe können, dass es sich hierbei um eine Scheinfirma gehandelt hätte. - Drei Auszüge aus dem Gewerberegister (datiert mit 7.6.2013) mit einschlägigen Gewerbeberechtigungen (Hausbetreuung, bestehend in der Durchführung einfacher Reinigungstätigkeiten einschließlich objektbezogener einfacher Wartungstätigkeiten; Verspachteln von bereits montierten Gipskartonplatten; Zusammenbau und Montage beweglicher Sachen, mit Ausnahme von Möbeln und statisch belangreichen Konstruktionen, aus fertig bezogenen Teilen mit Hilfe einfacher Schraub-, Klemm-, Kleb- und Steckverbindung); - Firmenbuchauszug vom 21.10.2013; - Nachweis über die steuerliche Registrierung der ***15*** GmbH; - Identitätsnachweis des handelsrechtlichen Geschäftsführers (Reispasskopie) ***19***; - Identitätsnachweis des handelsrechtlichen Geschäftsführers (Reispasskopie), ***16*** (Anmerkung: Da auf dieser Reisepasskopie auch die Unterschrift von ***16*** ersichtlich sei, hätten in weiterer Folge auch die Barbezahlungsbestätigung, die größtenteils ebenfalls mit dieser Unterschrift versehen gewesen wären, auf Übereinstimmung geprüft werden können); - unzählige Anmeldebestätigungen (von der Gebietskrankenkasse) diverser einschlägig beschäftigter Dienstnehmer/Arbeiter (als Fahrer, Facharbeiter, Bauhilfsarbeiter, Spachtler, Reinigungskraft, Maler, etc.); - Liste aller Dienstnehmer (ausgestellt von der Gebietskrankenkasse) vom 15.1.2014; - unzählige UID-Abfragen über MIAS; - Jahresabschluss der Firma ***15*** GmbH per 31.12.2012. Aus der GuV seien Erlöse ersichtlich aus dem Jahr 2012 von 503.449,05 € bzw. für das Jahr 2011 von 758.446,52 €, denen insbesondere Fremdleistungen in der Höhe von 460.386,57 € (2012) bzw. 678.834,71 € (2011) gegenüber stehen würden. Diese beiden Kennzahlen würden objektiv nicht erkennen lassen, dass es sich um eine Scheinfirma, die nicht in der Baubranche tätig sei, handle. Dem Argument der Betriebsprüfung, dass die Saldenliste per 30.6.2013 lediglich Erlöse mit 20% Umsatzsteuer von 8.660,00 € ausgewiesen hätte, aber die fakturierten Leistungen an die Firma ***8*** zu diesem Zeitpunkt bereits 35.000,00 € betragen haben würden und dies einem "umsichtigen und wachsamen" Kaufmann auffallen hätte müssen und unter Umständen ***Bf1*** zu Zweifeln veranlassen hätte müssen, könne ebenso nichts abgewonnen werden. Zum einen seien per 30.6.2013 noch keine Zahlungen von ***Bf1*** in dieser Höhe an die ***15*** GmbH geleistet worden (somit hätte er als nichtbuchalterischer Fachmann diese Divergenz wie überhaupt den Unterschied zwischen Soll- und Istversteuerer nicht erkennen können), zum anderen sei generell fraglich, wie aussagekräftig diese Saldenliste beurteilt werden könne. Der gängigen Buchhaltungspraxis sie nämlich immer wieder zu entnehmen, dass eine (unterjährige) Buchhaltungsauswertung zu einem bestimmten Stichtag nicht alle Belege bzw. Buchungen zeitgerecht beinhalte und diese Dokumente öfters auch im Nachhinein (bzw. in späteren Monaten) verarbeitet bzw. gebucht werden würden. Zwischenfazit Die Betriebsprüfung ordne infolge der bei der ***15*** GmbH durchgeführten Betriebsprüfung im Jahr 2013 sowie aufgrund des am 15.1.2014 eröffneten Insolvenzverfahrens anhand der darin gewonnenen Erkenntnisse dieses Unternehmen als Scheinfirma ein. In diesem Zusammenhang sei aber unweigerlich festzuhalten, dass die Betriebsprüfung von einem anderen (und besseren) Kenntnisstand als der Beschwerdeführer ausgehen könne. Noch dazu hätte die Betriebsprüfung erst im Nachhinein (ex post) im Zuge der gegenständlichen Betriebsprüfung, die im Mai 2017 begonnen hätte, von diesen Feststellungen Kenntnis erlangt. Zum Zeitpunkt der Einleitung des Insolvenzverfahrens wäre die Auftragsabwicklung faktisch beendet gewesen, die letzten Geldbeträge seien kurz nach der Eröffnung zur Zahlung gebracht worden. Deswegen könne dem Beschwerdeführer nicht der Vorwurf angelastet werden, er hätte zum Zeitpunkt der Aufnahme der Geschäftsbeziehung (in der ex ante Betrachtung) sowie im Zeitraum dieser von der faktischen Tätigkeit der Scheinfirma der ***15*** GmbH wissen müssen bzw. auch tatsächlich davon auch gewusst. Für den Beschwerdeführer würde es nur mit Hilfe von völlig unverhältnismäßigen bzw. überschießenden Kontrollmaßnahmen möglich gewesen sein, die ihm auch nicht zugemutet werden hätten könnten, dies ex ante (das würde heißen bei Eingehen der Geschäftsbeziehung bzw. während dieser) zu erkennen. Die vom Beschwerdeführer gesetzten angemessenen Überprüfungshandlungen hätten keinerlei Anhaltspunkte ergeben, dass es sich bei der ***15*** GmbH um eine Scheinfirma handeln würde. Gesamtfazit Entscheidend für die Frage, ob die bezahlten Beträge für die Fremdleister als Betriebsausgaben im Lichte der Bestimmung des § 162 BAO im vorliegenden Fall abzugsfähig seien, sei unter Verweis auf die VwGH-Judikatur (18.10.2017, Ra 2015/13/0054) der Umstand, ob der Zahlungsempfänger eine nach außen hin und für jedermann erkennbare Scheinfirma sei oder nicht.

Normen und Schlagworte

Herkunft

Herkunft dieses Textes

Bestand
BFG-Entscheidungen
Dokumenttyp
Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
Geschäftszahl
RV/5101505/2018
ECLI
ECLI:AT:BFG:2022:RV.5101505.2018
Stammnummer
135819
Gültig
04.01.2022 bis auf Weiteres
Stand Bestandsliste
25.09.2026 06:13
Von uns abgerufen
26.09.2026
Quelle
Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
Lizenz
CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF

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