Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/2300004/2020
1. Abgabenverkürzungen im Zusammenhang mit Autohandel, 2. Tatbegriff, Zuordnung der Taten zu einem Steuersubjekt
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - BeschlussRV/2300004/2020vom 03.09.2020Teil 1 von 5
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
1. Gegenstand eines Finanzstrafverfahrens gegen einen Finanzstraftäter sind ein oder mehrere ihm zum Vorwurf gemachte Finanzstraftaten als strafrelevante Lebenssachverhalte, bei welchen jeweils im Falle der Erfüllung mehrerer Tatbestände derjenige mit dem höchsten deliktischen Störwert zum Tragen kommt; dessen tatsächliche Strafbarkeit konsumiert die Strafbarkeit von Vor- und Nachtaten.
So stellt die vorsätzliche oder grob fahrlässige Verkürzung einer bestimmten Abgabe für einen bestimmten Zeitraum bei einem bestimmten Abgabepflichtigen durch einen Finanzstraftäter eine Finanzstraftat“ (z.B. eine Hinterziehung an USt nach § 33 Abs. 1 FinStrG) dar; deren Strafbarkeit konsumiert die Strafbarkeit von Vortaten (z.B. der Hinterziehung von Vorauszahlungen an USt nach § 33 Abs. 2 lit. a FinStrG betreffend Voranmeldungszeiträume des strafrelevanten Veranlagungsjahres).
Innerhalb der Verfolgungsverjährungsfrist des § 31 Abs. 2 FinStrG ist solcherart bezüglich eines derartigen strafrelevanten Lebenssachverhaltes gegen einen Finanzstraftäter jeweils zu einer Finanzstraftat ein Verfahren anhängig zu machen.
2. Prüfgegenstand des BFG ist der Spruch des Erkenntnisses der belangten Behörde, allenfalls bei Undeutlichkeit, so noch möglich, ergänzt aus der Begründung des bekämpften Bescheides. Wurden aber laut Aktenlage zu Finanzstraftaten gegen die Steuerpflicht mehrerer Abgabepflichtiger Verfahren anhängig gemacht, ohne dass aus dem Spruch samt Begründung des Erkenntnisses eindeutig hervorgeht, über welche Taten gegen die Steuerpflicht welches Abgabepflichtigen abgesprochen wurde, ist durch das BFG mit einer Aufhebung des Strafbescheides und Zurückweisung der Finanzstrafsachen an die Finanzstrafbehörde gemäß § 161 Abs. 4 FinStrG mit verfahrensleitender Verfügung in Beschlussform vorzugehen.
Wortlaut laut Findok
BESCHLUSS
Der Finanzstrafsenat Graz 1 des Bundesfinanzgerichtes hat durch die Senatsvorsitzende***1***, die Richterin***2*** und die fachkundigen Laienrichter ***3*** und ***4*** in der Finanzstrafsache gegen ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, vertreten durch Dr. Wolfgang Vacarescu, RA, Jakominiplatz 16/II, 8010 Graz wegen der Finanzvergehen der fahrlässigen Abgabenverkürzung gemäß § 34 Abs. 1 des Finanzstrafgesetzes (FinStrG) und Finanzordnungswidrigkeiten nach § 49 Abs. 1 lit. a FinStrG über
1) die Beschwerde der Amtsbeauftragten vom 21.2.2020 und
2) die Beschwerde des Beschuldigten vom 26.2.2020 gegen das Erkenntnis des Spruchsenates beim Finanzamt Graz-Stadt als Organ des Finanzamtes Graz-Stadt als Finanzstrafbehörde vom 22. Mai 2019, Strafnummer SN***1*** in nichtöffentlicher Sitzung des Senates am 3.9.2020 in Anwesenheit der Schriftführerin beschlossen:
Der Beschwerde des Beschuldigten wird insoweit stattgegeben, dass das Erkenntnis des Spruchsenates gemäß § 161 Abs. 4 FinStrG aufgehoben und die Sache an die Finanzstrafbehörde zurückverwiesen wird.
Die Beschwerde der Amtsbeauftragten wird als unbegründet abgewiesen.
Eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Begründung
Der Spruchsenat II beim Finanzamt Graz-Stadt als Organ des Finanzamtes Graz-Stadt hat am 22.5.2019 (StrNr. SN1***1***, StrNr. SN2***1***, StrNr. SN3***1***) in der Finanzstrafsache gegen M.S:***1*** den Bf. schuldig erkannt, er habe
grob fahrlässig unter Verletzung der abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- und Wahrheitspflicht indem er Umsätze aus der Lieferung von Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" in der Umsatzsteuerjahreserklärung bis zum Ende der gesetzlichen Erklärungsfrist per 30.4.2012 nicht erklärt habe, eine Verkürzung der hierauf entfallenden Umsatzsteuer für 2011 in Höhe von € 93.251,59 bewirkt und
Vorauszahlungen an Umsatzsteuer für Umsätze aus Lieferungen von Fahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" für die Monate Jänner, Februar 2012 und der "A.KG***1***" für März 2012 in Höhe von insgesamt € 95.850,01 nicht spätestens am 5. Tag nach Fälligkeit entrichtet.
Anmerkung: Zu Punkt 2. fehlt im Erkenntnis des Spruchsenates die gesetzlich geforderte Angabe der Verschuldensform "vorsätzlich".
Er habe hierdurch zu Punkt 1. das Finanzvergehen der grob fahrlässigen Abgabenverkürzung nach § 34 Abs. 1 FinStrG und zu Punkt 2. die Finanzordnungswidrigkeiten nach § 49 Abs. 1 lit. a FinStrG begangen.
Er werde hierfür unter Bedachtnahme auf § 21 FinStrG nach § 34 Abs. 3 FinStrG und § 49 Abs. 2 FinStrG zu einer Geldstrafe in der Höhe von € 40.000,00 (in Worten: Euro vierzigtausend), verurteilt.
Gemäß § 20 FinStrG werde die für den Fall der Uneinbringlichkeit der Geldstrafe an deren Stelle tretende Ersatzfreiheitsstrafe mit 2 (zwei) Monaten festgesetzt.
Gemäß § 185 FinStrG habe der Beschuldigte die Kosten des Strafverfahrens in Höhe von € 500,-(in Worten: Euro fünfhundert) zu tragen.
Hingegen wurden das Verfahren wegen Verkürzung der Einkommensteuer 2010 sowie das Verfahren gegen den Zweitbeschuldigten R.S.***1*** und das Verfahren gegen den Drittbeschuldigten G.W.***1*** gemäß § 136 FinStrG eingestellt.
Zu den Entscheidungsgründen wurde ausgeführt:
"Der Beschuldigte M.S:***1*** wurde bereits in einem gerichtlich geführten Finanzstrafverfahren beim Landesgericht für Strafsachen Graz zu 13***1*** am 12. Juni 2012 wegen der Finanzvergehen der gewerbsmäßigen Abgabenhinterziehung nach §§ 33 Abs. 1, 38 Abs. 1 lit. a FinStrG zu einer Geldstrafe in der Höhe von € 1.400.000,00, im Uneinbringlichkeitsfall 14 Monate Ersatzfreiheitsstrafe, sowie zu einer zusätzlichen Freiheitsstrafe in der Höhe von 12 Monaten rechtskräftig verurteilt. Während dieses damals laufenden Gerichtsverfahrens erhoben sich weitere Verdachtsmomente, die über Anordnung der Staatsanwaltschaft zu 12St***1*** zu Ermittlungen seitens der Steuerfahndung Graz gegen M.S:***1***, R.S.***1***, G.W.***1***, K.K.***1*** und J.S.***1*** führten. Auf Grund dieser Ermittlungsmaßnahmen der Steuerfahndung, welche auch Hausdurchsuchungen und Telefonüberwachungen beinhalteten, vor allem aber auch durch zahlreiche Rechtshilfeersuchen an diverse deutsche Staatsanwaltschaften, konnte folgender Sachverhalt ermittelt werden, welcher Inhalt des gerichtlichen Strafverfahrens, 4***1*** des Landesgerichtes für Strafsachen Graz wurde. Dabei waren M.S:***1***, R.S.***1*** und Go***1*** ***5*** die Angeklagten. Die Verfahren gegen K.K.***1*** und J.S.***1*** wurden gesondert geführt und nach Geständnis der Angeklagten auch rechtskräftig abgeschlossen.
Nach dem Ermittlungsergebnis der Steuerfahndung ergab sich zunächst nachstehender Sachverhalt, dass die Tätergruppe im Zeitraum September 2011 bis März 2012 insgesamt 74 Fahrzeuge bei deutschen Autohändlern umsatzsteuerfrei erworben und in der Folge an die österreichischen Autohändler:
"A.GmbH***1*** (FN FN7***1***)
U.GmbH***1*** (FN FN2***1***)
W.GmbH***1*** (FN FN3***1***)
"S.GmbH***1*** (FN FNk***1***)
sowie die privaten Abnehmer
P.K.***1***
O.G.***1***
O.M.***1***
in Österreich und damit gem. § 1 Abs. 1 UStG umsatzsteuerpflichtig geliefert hat.
Die Fahrzeugankäufe in Deutschland erfolgten unter der missbräuchlichen Verwendung der UID-Nummern ATU1***1***, zuordenbar der in Österreich steuerlich erfassten Firma R.GmbH***1*** (FN FNt***1***) sowie ATU ATU2***1***, zuordenbar der in Österreich steuerlich erfassten Firma A.KG***1*** (FN FNa***1***), da hinsichtlich beider Firmen davon auszugehen ist, dass diese im inkriminierten Zeitraum tatsächlich untätig waren und von der Tätergruppe lediglich zum Schein vorgeschoben wurden. Den deutschen Fahrzeughändlern wurde der Eindruck vermittelt, man tätige ordnungsgemäße innergemeinschaftliche Erwerbe der Firma R.GmbH***1*** bzw. der Firma A.KG***1*** und wurde so der Ankauf der Fahrzeuge zum Nettopreis in Deutschland durch dort getätigte innergemeinschaftliche Lieferungen bewerkstelligt.
Die Fahrzeugverkäufe erfolgten gegenüber den österreichischen Abnehmern unter missbräuchlicher Verwendung der Firmendaten (Rechnungsvorlagen, Vollmachten, Firmenstempel…) der Firma R.GmbH***1*** und auch der Firma A.KG***1***, also mittels Scheinrechnungen und darin ausgewiesener Umsatzsteuer für deren Ausstellung und Weitergabe nach Lage des Falles die Beschuldigten verantwortlich zeichnen.
(Hinsichtlich der Detailaufstellungen zu den einzelnen Fahrzeuglieferungen sowie der daraus resultierenden Umsatzsteuernachforderung siehe Tabelle Pkt. 1 in der Anlage 1)
Zu den Fahrzeugkäufern
Ermittlungen "A.GmbH***1***":
Ermittelt werden konnte, dass die Tätergruppe im Zeitraum September 2011 bis Februar 2012 insgesamt 39 Fahrzeuge an die Firma A.GmbH***1*** geliefert hat.
Nach Aussage des B.F.***1*** als Geschäftsführer der Firma A.GmbH***1*** vom 22.05.2012 (Anlage 2) ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte R.S.***1*** ihm gegenüber als Geschäftswahrnehmender der R.GmbH***1*** aufgetreten ist. R.S.***1*** soll sich in diesem Zusammenhang jedoch dem B.F.***1*** gegenüber als J.K.***1*** ausgegeben haben. R.S.***1*** wurde von B.F.***1*** aufgrund einer ihm vorgelegten Fotografie eindeutig identifiziert. Die Zustellung der Fahrzeuge zum Autohof der Firma A.GmbH***1***, die Übergabe von Fahrzeugpapieren und Rechnungen der Firma R.GmbH***1*** sowie das Inkasso der Kaufpreise namens der Firma R.GmbH***1*** soll laut B.F.***1*** grundsätzlich durch den Beschuldigten G.W.***1*** durchgeführt worden sein. Mit anderen Vertretern der Firma R.GmbH***1*** hatte B.F.***1*** angeblich keinen Kontakt. Die Geschäftsanbahnungen erfolgten telefonisch bzw. per E-Mail und wurden die Kaufpreise und Lieferbedingungen angeblich mit R.S.***1*** abgewickelt.
Ermittlungen Firma U.GmbH***1***:
Ermittelt werden konnte, dass die Tätergruppe im Zeitraum November 2011 bis März 2012 insgesamt 26 Fahrzeuge an die Firma U.GmbH***1*** geliefert hat.
Nach Aussage des A.E.***1*** vom 02.05.2012 (Anlage 3 ab Seite 4 Mitte) kam die Geschäftsanbahnung zwischen der Firma U.GmbH***1*** und der Firma R.GmbH***1*** über den Beschuldigten J.S.***1*** zustande. J.S.***1*** soll die ersten beiden Fahrzeuge an die Firma U.GmbH***1*** geliefert haben, die Kaufpreise kassiert, die Fahrzeugpapiere und die von der Firma R.GmbH***1*** ausgestellten Rechnungen übergeben haben. In weiterer Folge soll A.E.***1*** von einem ihm namentlich nicht bekannten Mann telefonisch kontaktiert worden sein, der sich als Chef der Firma R.GmbH***1*** ausgab. Dieser Mann habe ihm erklärt, dass J.S.***1*** nicht mehr für die Firma R.GmbH***1*** "fährt" und es käme ein neuer Zusteller. A.E.***1*** hat in der Folge angeblich Fahrzeuge bei einer ihm namentlich unbekannten Person bestellt. Die Fahrzeugzustellungen sollen ab dieser Zeit ausschließlich durch G.W.***1*** erfolgt sein, wobei über diesen auch die Übergabe der Fahrzeugpapiere, der R.GmbH***1***-Rechnungen und der Kaufpreise abgewickelt wurde. Nach Angaben des A.E.***1*** wurden die letzten fünf Fahrzeuge dieser Geschäftsbeziehung zwar von ihm bei der Firma R.GmbH***1*** bestellt sowie an diese Anzahlungen geleistet, ***5*** habe ihm aber unter Hinweis darauf, dass es die Firma R.GmbH***1*** nicht mehr gäbe, Rechnungen einer Firma A.KG***1*** übergeben und gesagt die Firma A.KG***1*** sei die neue Firma unter der die Fahrzeuglieferungen jetzt abgerechnet werden. A.E.***1*** ist in seiner Aussage selbst davon ausgegangen, dass es sich bei den Eingangsrechnungen der Firma A.KG***1*** um Scheinrechnungen gehandelt hat. (Aussage vom 02.05.2012, letzte Seite)
Das bei der Firma U.GmbH***1*** laufende Prüfungsverfahren hat auch zwei Eingangsrechnungen der Firma R.GmbH***1*** zu Tage gebracht (Anlage 1.4 ) denen keine tatsächlichen Fahrzeuglieferungen der Tätergruppe zugrunde lagen. Im Konkreten handelte es sich dabei um ein Fahrzeug der Marke VW Amarok, welches von J.S.***1*** gemeinsam mit M.O.***1*** bereits im Juni 2011 in Deutschland (steuerfrei unter missbräuchlicher Verwendung der Umsatzsteueridentifikationsnummer der ungarischen Firma C***1***) erworben wurde und noch im Juni 2011 an die Firma U.GmbH***1*** verkauft und zugestellt wurde. Weiters um ein Fahrzeug der Marke Skoda Yeti, welches nach Aktenlage von A.E.***1*** selbst in Deutschland erworben wurde, wobei J.S.***1*** in diesem Zusammenhang als Fahrzeugübersteller fungierte (siehe dazu Vernehmung des A.E.***1*** vom 02.05.2012 ab Seite 4, Anlage 3, sowie die Bezug habende Stellungnahme des A.E.***1*** in seiner Vernehmung vom 13.09.2012 (Anlage 4)
Ermittlungen Firma W.GmbH***1***:
Ermittelt werden konnte, dass die Tätergruppe im Zeitraum September 2011 bis Dezember 2012 insgesamt 4 Fahrzeuge an die Firma W.GmbH***1*** geliefert hat.
Nach Aussage des W.T.***1*** als Geschäftsführer der Firma W.GmbH***1*** vom 06.08.2012 (Anlage 5) ist der Beschuldigte K.K.***1*** gegenüber der Firma K4***1*** GmbH als Vermittler der über die Firma R.GmbH***1*** eingekauften Fahrzeuge aufgetreten. Weiters soll in diesem Zusammenhang der Beschuldigte Go***1*** ***5*** als Fahrzeugzusteller fungiert haben, wobei von diesem auch Autopapiere und Rechnungen der Firma R.GmbH***1*** mitgeliefert wurden bzw. Fahrzeuge kassiert wurden. Erinnerlich war Herrn W.T.***1*** auch, dass er teilweise mit einer Person telefonischen Kontakt hatte, die sich ihm gegenüber als J.K.***1*** ausgab.
Weiters wurde Herr C.S.***1*** als Mitarbeiter der Firma W.GmbH***1*** am 06.08.2012 (Anlage 6) als Zeuge vernommen. Auch dieser gab an, dass der Beschuldigte K.K.***1*** mit ihm telefonisch in Kontakt getreten sei und Fahrzeuge zum Kauf angeboten habe. Da die Firma W.GmbH***1*** grundsätzlich nur bereit gewesen sein soll Fahrzeuge mit ausweisbarer Umsatzsteuer zu erwerben, sollen von K.K.***1*** in der Folge Firmenunterlagen der Firma R.GmbH***1*** per E-Mail übermittelt worden sein. Der Zeuge C.S.***1*** hatte im Zusammenhang mit den Fahrzeugbestellungen und den Preisabsprachen nur mit K.K.***1*** zu tun.
Auch der Zeuge C.S.***1*** hatte die Wahrnehmung, dass die Fahrzeugzustellungen durch Go***1*** ***5*** erfolgten, wobei dieser die Fahrzeuge kassiert und auch die Rechnungen der Firma R.GmbH***1*** beigebracht haben soll.
Ermittlungen Firma "S.GmbH***1***:
Ermittelt werden konnte, dass die Tätergruppe am 10.02.2012 ein Fahrzeug an die Firma "S.GmbH***1*** geliefert hat.
Auf das Vernehmungsprotokoll des Jo.S.***1*** als Geschäftsführer der Firma (Anlage 7) wird verwiesen. Demnach ist der Beschuldigte K.K.***1*** als Geschäftspartner gegenüber der Firma "S.GmbH***1*** aufgetreten.
Ermittlungen bei den Privatkäufern:
P.K.***1***
O.G.***1***
O.M.***1***
Ermittelt werden konnte, dass die Tätergruppe im Zeitraum 16.11.2011 bis 07.02.2012 insgesamt 4 Fahrzeuge an obige Privatabnehmer geliefert hat.
Auf die Vernehmungsprotokolle des K***1*** bzw. des M.O.***1*** (Anlage 8 und Anlage 9) wird verwiesen. G***1*** hat unter Hinweis auf die gegen seinen Sohn M.O.***1*** geführten finanzstrafrechtlichen Ermittlungen die Aussage verweigert. (Anlage 10). Nach den vorliegenden Aussagen ist gegenüber dem Privatabnehmer K***1*** der Beschuldigte K.K.***1*** in Erscheinung getreten, gegenüber den Käufern G***1*** und M.O.***1*** war dies sowohl der Beschuldigte K.K.***1*** als auch der Beschuldigte J.S.***1***.
Die missbräuchlich verwendeten Firmen:
Zur Firma R.GmbH***1*** (FN FNt***1***, Anlage 11):
Die Firma R.GmbH***1*** wurde vom Beschuldigten R.S.***1*** mit Notariatsakt vom 20.04.2011 errichtet. R.S.***1*** fungierte von der Gründung bis 03.08.2011 als Geschäftsführer und Alleingesellschafter der Firma. Der laut Firmenbuch eingerichtete Sitz der Gesellschaft befindet sich in Adr.R***1***. Bei dieser Adresse handelt es sich laut einer von R.S.***1*** am 20.04.2012 abgeschlossenen Servicevereinbarung um eine reine Büroadresse der Firma "N***1***". Mit 04.08.2011 erfolgte die Abtretung aller Geschäftsanteile an sowie die Übernahme der Funktion des Geschäftsführers durch einen gewissen J.K.***1*** (kroatischer Staatsbürger). Hinsichtlich des von J.K.***1*** laut zentralem Melderegister geführten Wohnsitz in Adr.R***1*** war von einem Scheinwohnsitz auszugehen, da sich an der besagten Adresse lediglich Büroräumlichkeiten der oben angeführten Büroserviceeagentur befanden. In einem von J.K.***1*** am 22.08.2011 an die Abgabenbehörde übermittelten E-Mail teilte dieser mit, sich bereits in Amerika aufzuhalten. Eine persönliche Kontaktaufnahme zu J.K.***1*** war für die Behörde nicht möglich und ist dessen Aufenthalt unbekannt. Seitens der Firma R.GmbH***1*** wurden gegenüber der Abgabenbehörde keine Umsätze erklärt und war die als reine Briefkastenfirma zu bezeichnende Firma R.GmbH***1*** nach Aktenlage untätig. Nach Lage des Falles ist davon auszugehen, dass die im Rahmen der Tatausführung verwendeten Firmenunterlagen der R.GmbH***1*** über den Beschuldigten R.S.***1*** besorgt wurden.
Zur Firma A.KG***1*** (FN FNa***1***, Anlage 12):
Die Einvernahme der Frau K.B.***1*** als unbeschränkt haftende Gesellschafterin der Firma (Anlage 13) brachte zu Tage, dass die Firma A.KG***1*** ihren Geschäftsbetrieb seit September 2011 eingestellt hat. Die Zeugin gab an, dass unter der Firma A.KG***1*** auch niemals Fahrzeuge erworben wurden. Unter Vorhalt der Bezug habenden Ermittlungsergebnisse der Steuerfahndung verwies die Zeugin auf ihren Lebensgefährten, Herrn H.G.***1*** als Kommanditisten der Firma, welcher ebenfalls Zugang zu den Geschäftsunterlagen gehabt habe. Frau K.B.***1*** gab weiters an, dass sie in diesem Zusammenhang niemals Unterschriften geleistet habe und ihre Unterschrift daher aller Wahrscheinlichkeit nach mittels Kopierer gefälscht wurde.
Aus der Vernehmung des H.G.***1*** (Anlage 14) geht hervor, dass dieser die Geschäftsunterlagen der Firma A.KG***1*** wie Gewerbeschein, einen Firmenbuchauszug, eine Kopie des Reisepasses der Frau K.B.***1*** und insbesondere auch eine Bestätigung wonach ein gewisser Go***1*** (Nachname nicht mehr erinnerlich) zum Fahrzeugankauf für die Firma A.KG***1*** bevollmächtigt wurde, an einen gewissen E.S.***1*** ausgehändigt hat. Auch H.G.***1*** gab zu Protokoll, er habe niemals über die Firma A.KG***1*** Fahrzeuge gehandelt. Entgegen der in weiterer Folge dargestellten Aussage des E.S.***1*** behauptet H.G.***1*** für die Bereitstellung der Firmenunterlagen kein Geld erhalten zu haben. Zu den ihm vorgehaltenen Rechnungen der Firma A.KG***1*** über die Abrechnung der Fahrzeuglieferungen an die Firma U.GmbH***1*** bemerkte H.G.***1***, dass der darauf befindliche Firmenstempel und die Unterschrift der Frau K.B.***1*** sicherlich gefälscht wurden, da am originalen Firmenstempel keine Umsatzsteueridentifikationsnummer aufscheint und Frau K.B.***1*** tatsächlich keine der an E.S.***1*** ausgehändigten Unterlagen unterschrieben habe.
H.G.***1*** ging in seiner Vernehmung davon aus, dass E.S.***1*** die Geschäftsunterlagen an einen ihm namentlich nicht bekannten Autovermittler ("der günstig Autos in Deutschland kaufen kann" siehe NS H.G.***1*** vom 02.08.2012 Seite 2) in A.G.***1*** weitergegeben hat.
Weder Frau K.B.***1*** noch Herrn H.G.***1*** waren die Namen der Beschuldigten geläufig.
Der von H.G.***1*** genannte E.S.***1*** war bei der Ermittlungsbehörde amtsbekannt und konnte daher zur Sache vernommen werden. Die Vernehmung des E.S.***1*** (Anlage 15) brachte im Ergebnis den Lückenschluss zur Tätergruppe, da E.S.***1*** die gegenständlichen Geschäftsunterlagen angeblich an den Beschuldigten R.S.***1*** ausgehändigt hat. R.S.***1*** soll gegenüber E.S.***1*** anlässlich eines Treffens am Beginn des Jahres 2012 zum Ausdruck gebracht haben, er benötige die gesamten Firmenunterlagen "wie Gewerberegisterauszug, Handelsregisterauszug, eine Ausweiskopie des Geschäftsführers und eine von dieser Firma auf ihn ausgestellte Vollmacht, damit er mit dieser Firma arbeiten kann". E.S.***1*** hat in der Folge die Geschäftsunterlagen der Firma A.KG***1*** über den ihm bekannten H.G.***1*** besorgt und dem R.S.***1*** auf einem Parkplatz in A.G.***1*** übergeben. R.S.***1*** soll dafür einen Geldbetrag in Höhe von € 800.- bezahlt haben, der zwischen E.S.***1*** und H.G.***1*** aufgeteilt wurde.
Zusammenfassend kann also festgestellt werden, dass die Firma A.KG***1*** im inkriminierten Zeitraum selbst untätig war und der Geschäftsbetrieb schon Monate davor eingestellt wurde. Nach Lage des Falles ist davon auszugehen, dass die im Rahmen der Tatausführung verwendeten Firmenunterlagen der A.KG***1*** über den Beschuldigten R.S.***1*** besorgt wurden und auch klargestellt, dass die Unterlagen nur zur Darstellung von Handlungen zur Verschleierung der wahren Sachverhalte benötigt wurden.
Dieser Sachverhalt bildete letztlich die Grundlage für die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graz, die am 22. November 2012 gegen die Beschuldigten M.S:***1***, R.S.***1*** und G.W.***1*** erging.
Die Hauptverhandlung zu 4***1*** begann am 15. Jänner 2013 und erging das Urteil am 28. Jänner 2014, welches in der Folge jedoch durch das Urteil des Obersten Gerichtshofes vom 15. April 2015 aufgehoben und zur Entscheidung im zweiten Rechtsgang verwiesen wurde. Der zweite Rechtsgang zu 4***1*** begann am 23. Mai 2016 und erging nach mehreren Verhandlungstagen am 12. Juli 2016 ein Freispruch wegen Unzuständigkeit gemäß § 214 FinStrG gegenüber allen drei Beschuldigten. Aus der Beweiswürdigung des freisprechenden Urteils des Landesgerichtes für Strafsachen Graz ergibt sich letztlich der nunmehr in der Stellungnahme der Amtsbeauftragten den drei Beschuldigten zur Last gelegte strafbestimmende Wertbetrag hinsichtlich der Umsatzsteuer für 2011 in der Höhe von € 93.251,59, Umsatzsteuer für 1-3/2012 in der Höhe von € 95.850,01 und Einkommensteuer 2010 in der Höhe von € 47.205,00.
Im Konkreten wird mit der Stellungnahme der Amtsbeauftragten den Beschuldigten M.S:***1***, R.S.***1*** und G.W.***1*** vorgeworfen, im bewussten und gewollten Zusammenwirken als für die steuerlichen Belange der von ihnen in den angeführten Zeiträumen erzielten steuerbaren Umsätze Verantwortliche
vorsätzlich unter Verletzung der abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- und Wahrheitspflicht indem sie Umsätze aus der Lieferung von Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" in der Umsatzsteuerjahreserklärung bis zum Ende der gesetzlichen Erklärungsfrist per 30.4.2012 nicht erklärt zu haben und somit eine Verkürzung der hierauf entfallenden Umsatzsteuer für 2011 iHv € 93.251,59 bewirkt und
vorsätzlich Vorauszahlungen an Umsatzsteuer für Umsätze aus der Lieferung von Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" und der "A.KG***1***" für Jänner, Februar und März 2012 iHv insgesamt € 95.850,01 nicht spätestens am 5. Tag nach Fälligkeit entrichtet zu haben.
M.S:***1*** habe überdies grob fahrlässig unter Verletzung der abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- und Wahrheitspflicht durch Nichterklären von Einkünften aus dem Fahrzeughandel in einer Einkommensteuererklärung bis zum 30.4.2011 eine Verkürzung an Einkommensteuer für 2010 iHv € 47.205,00 bewirkt.
Den Beschuldigten wird sohin zu Faktum 1. das Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung nach § 33 Abs.1 FinStrG und nach Faktum 2. die Finanzvergehen der Finanzordnungswidrigkeit nach § 49 Abs.1 lit. a FinStrG zur Last gelegt. M.S:***1*** darüber hinaus zu Faktum 3. auch das Finanzvergehen der groben Fahrlässigkeit nach § 34 Abs.1 FinStrG.
Die drei Beschuldigten fühlten sich hinsichtlich der ihnen zur Last gelegten finanzstrafrechtlichen Taten nicht schuldig und verantworteten sich im Wesentlichen dahingehend, niemals im bewussten und gewollten Zusammenwirken eine Gesellschaft bürgerrechtlichen Rechts gegründet zu haben, noch in dieser nach außen aufgetreten zu sein.
Das durchgeführte Finanzstrafverfahren hat nachstehenden Sachverhalt ergeben und wurde vom Spruchsenat wie folgt festgestellt:
Der Beschuldigte R.S.***1*** hat den Beschuldigten M.S:***1*** im Zeitraum Ende 2006 bis Anfang 2007 im Rahmen eines von ihm beabsichtigten privaten Autoverkaufes über Vermittlung des G.G.***1*** vom Z***1***, kennengelernt. Über M.S:***1*** wurde ein Kontakt zur Firma W***1*** und einem gewissen Herrn P***1*** hergestellt, wobei in der Folge dieser von R.S.***1*** beabsichtigte private Autoverkauf nicht wie von ihm gewünscht abgewickelt werden konnte.
Der Beschuldigte R.S.***1*** verzog dann in der Zwischenzeit nach I***1***, kam im Jahr 2010 wieder zurück nach Graz und hat dann in einem Solarium in der W.Str.***1*** zufällig M.S:***1*** wieder getroffen. Dort wurden Telefonnummern ausgetauscht und in der Folge ein Treffen in Ku***1*** in der HStr***1*** in Graz vereinbart. M.S:***1*** erzählte bei diesem Treffen von einem gewissen "IK***1***" (M.A.***1***), der Schwierigkeiten auf Grund eines Steuerbetruges hätte und eine Zeugenaussage benötigen würde. M.S:***1*** bat R.S.***1*** um entsprechende zeugenschaftliche Unterstützung, die dann in Begleitung des Rechtsanwaltes F.G.***1*** bei der Steuerfahndung Graz bei Herrn UG***1*** zustande kam. Es kam in der Folge zu mehreren Treffen mit M.S:***1*** und hat dieser dem R.S.***1*** vorgeschlagen, eine Firma zu gründen, da er wieder in der Autobranche Fuß fassen wolle, es aber durch ein Finanzstrafverfahren nicht leicht habe. M.S:***1*** bot R.S.***1*** eine Zusammenarbeit an, vereinbarte in der Folge einen Termin bei einem Notar in Wien und übergab dem R.S.***1*** einen Betrag von € 35.000,00 zum Einzahlen des Stammkapitals und der Kosten verbunden mit dem Auftrag, in Wien auch ein Büro anzumieten.
Mit Notariatsakt vom 20. April 2011 hat R.S.***1*** die Firma R.GmbH***1*** gegründet und fungierte von der Gründung bis zum 3. August 2011 auch als Geschäftsführer und Alleingesellschafter der Firma R.GmbH***1***. Der laut Firmenbuch eingerichtete Sitz befand sich in Adr.R***1***, wobei es sich bei dieser Adresse um eine reine Büroadresse der Firma "N***1***" handelte. R.S.***1*** hat bis zum 3. August 2011 auch die Umsatzsteuervoranmeldungen der Firma Y***1*** abgegeben, wenngleich die Firma in dieser Zeit keine Umsätze getätigt hat. Nach einigen Monaten sagte M.S:***1*** zu R.S.***1***, dass die Firma bereits zu viele Unkosten gebracht hätte und nunmehr etwas gearbeitet werden müsse und mit Autohandel könne durch seine Beziehungen Geld gemacht und könnten gute Gewinne erzielt werden. R.S.***1*** war zu diesem Zeitpunkt mit einem Betrag von ca. € 80.000,00 verschuldet und wandte sich aus diesem Grund auch wieder an M.S:***1***, da er Probleme als Geschäftsführer bei der Firma Y***1*** befürchtete. M.S:***1*** fragte daraufhin R.S.***1***, ob er nicht jemanden kennen würde, der an R.S.***1*** s Stelle die Funktion des Geschäftsführers übernehmen könnte. R.S.***1*** vermittelte aus diesem Grund den ihm bekannten ***6***, bei welchem es sich um einen kroatischen Staatsbürger handelt. Dieser erklärte sich bereit als Geschäftsführer der Firma Y***1*** aufzutreten. M.S:***1*** erklärte sich mit diesem Vorschlag einverstanden und schlug vor, die Arbeit in der Form aufzuteilen, dass G.W.***1***, der eine Autotransportfirma hatte, die Fahrzeuge nach Österreich bringen sollte, R.S.***1*** sollte als Telefonist fungieren und die Kunden telefonisch betreuen. Den E-Mailverkehr und auch die Rechnungen übernahm M.S:***1***. J.K.***1*** sollte lediglich die Unterschriften leisten. Es wurde daraufhin ein weiterer Termin beim Notar vereinbart und mit 4. August 2011 erfolgte die Abtretung aller Gesellschaftsanteile an ***6***. M.S:***1*** nahm die gesamten Unterlagen und den Firmenlaptop an sich, folgte dem R.S.***1*** und ***6*** ein Prepaid-Firmenhandy aus.
Da ***6*** in Österreich keine Meldeadresse hatte, hat er sich am offiziellen Firmensitz in Adr.R***1*** auch polizeilich angemeldet, tatsächlich dort aber nie gewohnt. Gewohnt hat J.K.***1*** immer bei einem Freund in der Nähe vom alten Arbeitsamt in der BStr.***1***. In einem von J.K.***1*** vom 22. August 2011 an die Abgabenbehörde übermittelten E-Mail teilte dieser mit, dass er sich in Amerika aufhalten würde. Eine persönliche Kontaktaufnahme zu J.K.***1*** war für die Behörde nicht möglich. Von M.S:***1*** wurden in der Folge auch die Kontakte zu B.F.***1***, J.S.***1***, der für die Firma U.GmbH***1*** in Ck***1*** zuständig sein sollte und K.K.***1***, der mit Herrn C.S.***1***, einem Autoverkäufer der Firma M.T.***1*** befreundet war, hergestellt. Bei einem weiteren Treffen hat M.S:***1*** R.S.***1*** erzählt, dass er von J.S.***1*** um die Anzahlung von einem VW Polo im Betrag von € 3.000,00 betrogen worden sei, da dieser ***5*** seinem Rücken versucht habe, Autos zu verkaufen. M.S:***1*** hat daraufhin den R.S.***1*** gebeten einen "seriösen" Zeugen zu finden, der bereit sei eine Anzeige gegen J.S.***1*** zu machen, da er selbst nicht ins Spiel gebracht werden wollte. M.S:***1*** hat in der Folge über verschiedene Autoübersteller Fahrzeuge aus Deutschland nach Österreich gebracht, diese gesamten Geschäfte organisiert und abgewickelt und den Fahrern entsprechende Vollmachten und vorunterfertigte Rechnungen der Firma R.GmbH***1***, die überwiegend von J.K.***1*** unterfertigt waren, mitgegeben.
Im Zeitraum vom 7. September 2011 bis inklusive 10. Februar 2012 wurden insgesamt 76 Fahrzeuge in einem Gesamtbetrag von € 230.390,86 namens der Firma R.GmbH***1*** in Deutschland eingekauft und an diverse Abnehmer in Österreich weiterverkauft. Weitere 5 Fahrzeuge in einem Gesamtbetrag von € 18.266,66 seitens der Firma A.KG***1***.
Nachstehende Tabelle bildet einen integrierenden Bestandteil dieser Feststellungen. Darauf sind die jeweiligen Rechnungsnummern und das Rechnungsdatum, sowie die Käufer und die entsprechenden Nettopreise der Fahrzeuge und die Umsatzsteuer tabellarisch angeführt.
|
Re. Datum
|
Re. Nr.
|
Käufer
|
Betrag netto
|
USt lt. Rechnung
|
14.9.2011
|
2011.9.003
|
K1***1***
|
21.584,00
|
4.316,80
|
14.9.2011
|
2011.9.003!
|
K1***1***
|
21.584,00
|
4.316,80
|
7.9.2011
|
2011.9.002
|
K1***1***
|
16.584,00
|
3.316,80
|
22.9.2011
|
2011.9.005
|
K1***1***
|
17.170,00
|
3.434,00
|
23.9.2011
|
2011.9.006
|
K1***1***
|
29.670,00
|
5.934,00
|
27.9.2011
|
2011.9.010
|
K1***1***
|
17.000,00
|
3.400,00
|
27.9.2011
|
2011.9.011
|
K1***1***
|
17.000,00
|
3.400,00
|
28.9.2011
|
2011.9.012
|
K1***1***
|
17.333,33
|
3.466,67
|
29.9.2011
|
2011.9.013
|
K1***1***
|
16.000,00
|
3.200,00
|
7.10.2011
|
2011.10.005
|
K4***1***
|
23.250,00
|
4.650,00
|
3.10.2011
|
2011.10.002
|
K1***1***
|
16.833,33
|
3.366,67
|
23.9.2011
|
2011.9.008
|
K1***1***
|
14.000,00
|
2.800,00
|
7.10.2011
|
2011.10.006
|
K1***1***
|
12.750,00
|
2.550,00
|
13.10.2011
|
2011.10.010
|
K4***1***
|
22.916,67
|
4.583,33
|
7.10.2011
|
2011.10.004
|
K1***1***
|
16.833,33
|
3.366,67
|
11.10.2011
|
2011.10.008
|
K1***1***
|
14.583,33
|
2.916,67
|
11.10.2011
|
2011.10.007
|
K1***1***
|
16.250,00
|
3.250,00
|
23.9.2011
|
2011.9.007
|
K1***1***
|
14.000,00
|
2.800,00
|
12.10.2011
|
2011.10.009
|
K1***1***
|
14.583,33
|
2.916,67
|
14.10.2011
|
2011.10.0011
|
K1***1***
|
30.000,00
|
6.000,00
|
18.10.2011
|
2011.10.012
|
K1***1***
|
21.250,00
|
4.250,00
|
19.10.2011
|
2011.10.013
|
K1***1***
|
15.416,67
|
3.083,33
|
24.10.2011
|
2011.10.014
|
K1***1***
|
15.000,00
|
3.000,00
|
25.10.2011
|
2011.10.015
|
K1***1***
|
21.250,00
|
4.250,00
|
2.11.2011
|
2011.10.016
|
K1***1***
|
16.833,33
|
3.366,67
|
2.11.2011
|
2011.10.017
|
K1***1***
|
16.833,33
|
3.366,67
|
14.11.2011
|
2011.11.019
|
K3***1***
|
19.083,33
|
3.816,67
|
4.11.2011
|
2011.14.018
|
K***1*** privat
|
22.400,00
|
0,00
|
17.11.2011
|
2011.11.022
|
K4***1***
|
22.416,67
|
4.483,33
|
11.1.2012
|
2012.01.004
|
K1***1***
|
11.833,33
|
2.366,67
|
14.12.2011
|
2011.12.004
|
K3***1***
|
13.250,00
|
2.650,00
|
24.11.2011
|
2011.10.023
|
K1***1***
|
13.333,33
|
2.666,67
|
25.11.2011
|
2011.10.025
|
K1***1***
|
22.416,67
|
4.483,33
|
30.11.2011
|
???
|
K3***1***
|
17.416,67
|
3.483,33
|
30.11.2011
|
2011.11.028
|
K3***1***
|
19.083.33
|
3.816,67
|
30.11.2011
|
2011.11.027
|
K3***1***
|
19.083,33
|
3.816,67
|
2.12.2011
|
2011.11.001
|
K3***1***
|
26.833,33
|
5.366,67
|
13.12.2011
|
2011.12.003
|
K3***1***
|
19.083,33
|
3.816,67
|
20.12.2011
|
2011.12.007
|
K3***1***
|
19.083,33
|
3.816,67
|
28.12.2011
|
2011.12.010
|
K4***1***
|
22.333,33
|
4.466,67
|
30.12.2011
|
2011.12.012
|
K3***1***
|
22.916,67
|
4.583,33
|
16.11.2011
|
2011-11-021
|
K3***1***
|
17.416,67
|
3.583,33
|
12.1.2012
|
2012-01-005
|
K3***1***
|
15.000,00
|
3.000.00
|
24.1.2012
|
2012-01-016
|
K1***1***
|
16.916,67
|
3.383,33
|
20.1.2012
|
2012-01-009
|
K1***1***
|
16.583,33
|
3.316,67
|
7.2.2012
|
2012-02-008
|
K3***1***
|
13.250,00
|
2.650,00
|
14.2.2012
|
2012-02-021
|
K3***1***
|
13.250,00
|
2.650,00
|
7.2.2012
|
2012-02-009
|
K3***1***
|
13.500,00
|
2.700,00
|
23.1.2012
|
2012-01-014
|
K1***1***
|
16.916,67
|
3.383,33
|
27.1.2012
|
2012-01-020
|
K1***1***
|
16.250,00
|
3.250,00
|
14.2.2012
|
2012-02-022
|
K3***1***
|
20.833,33
|
4.166,67
|
1.2.2012
|
2012-02-001
|
K3***1***
|
15.416,67
|
3.083,33
|
26.1.2012
|
2012-01-018
|
K3***1***
|
18.666,67
|
3.733,33
|
1.2.2012
|
2012-02-003
|
K3***1***
|
12.916,67
|
2.583,33
|
1.2.2012
|
2012-02-004
|
K3***1***
|
13.250,00
|
2.650,00
|
6.2.2012
|
2012-02-007
|
K3***1***
|
18.666,67
|
3.733,33
|
6.2.2012
|
2012-02-006
|
K3***1***
|
18.666,67
|
3.733,33
|
10.2.2012
|
2012-02-018
|
K1***1***
|
21.500,00
|
4.300,00
|
10.2.2012
|
2012-02-019
|
K1***1***
|
21.500,00
|
4.300,00
|
8.2.2012
|
2012-02-011
|
K1***1***
|
12.916,67
|
2.583,33
|
8.2.2012
|
2012-02-013
|
K1***1***
|
12.916,67
|
2.583,33
|
8.2.2012
|
2012-02-014
|
K1***1***
|
12.916,67
|
2.583,33
|
8.2.2012
|
2012-02-015
|
K1***1***
|
12.916,67
|
2.583,33
|
8.2.2012
|
2012-02-012
|
K1***1***
|
12.916,67
|
2.583,33
|
8.2.2012
|
2012-02-016
|
K1***1***
|
12.916,67
|
2.583,33
|
10.2.2012
|
102/12
|
K5***1***
|
29.279,20
|
5.855,80
Rechnungen A.KG***1***
|
Re. Datum
|
Re.Nr.
|
Käufer
|
Betrag netto
|
Ust lt. Rechnung
|
4.3.2012
|
0012/03/2012
|
K3***1***
|
18.250,00
|
3.650,00
|
12.3.2012
|
0015/03/2012
|
K3***1***
|
13.250,00
|
2.650,00
|
12.3.2012
|
0014/03/2012
|
K3***1***
|
21.916,67
|
4.383,33
|
13.3.2012
|
0021/03/2012
|
K3***1***
|
19.416,67
|
3.833,33
|
15.3.2012
|
0024/03/2012
|
K3***1***
|
18.500,00
|
3.700,00
Drahtzieher, Organisator und letztlich Hauptverantwortlicher, damit auch faktischer Geschäftsführer dieser über die Firma R.GmbH***1*** abgewickelten Geschäfte war M.S:***1***. Dieser erteilte intern, entweder persönlich oder über den Beschuldigten G.W.***1*** die Aufträge an die diversen Fahrer, die dann letztlich ausgestattet mit einer Vollmacht der Firma R.GmbH***1*** die Fahrzeuge bei den deutschen Verkäufern abgeholt und eine Rechnung der Firma R.GmbH***1*** an die jeweiligen Abnehmer ausgestellt haben. Die Ermittlungen der Steuerfahndung haben letztlich zu einer Sperre der UID-Nr. der Firma R.GmbH***1*** (ATU1***1***) geführt. M.S:***1*** hat daraufhin den Zweitbeschuldigten R.S.***1*** aufgefordert eine "neue Firma" aufzutreiben.
R.S.***1*** ist daher über Auftrag des M.S:***1*** an ***7***, den er aus der Baubranche kannte, herangetreten und hat diesem gesagt, er würde eine Baufirma brauchen. ***7*** hat in der Folge von H.G.***1*** Geschäftsunterlagen der Firma A.KG***1*** vergeben. R.S.***1*** hat dem ***7*** einen Geldbetrag von € 800,00 übergeben, wobei dieser € 500,00 an H.G.***1*** weitergegeben hat. Auch die Bezahlung dieses Betrages von € 800,00 hat M.S:***1*** übernommen und R.S.***1*** zur Verfügung gestellt. In der Folge wurden seit 8. März 2012 bis inklusive 15. März 2012 fünf Fahrzeuge in einem Gesamtwert von € 18.266,66 namens der f.GmbH***1*** an die Firma U.GmbH***1*** verkauft. Auch hinsichtlich dieser Fahrzeuge wird auf die oben angeführte Auflistung, die einen integrierenden Bestandteil dieser Feststellungen bildet, verwiesen.
Das durchgeführte Verfahren hat sohin eindeutig ergeben, dass hinsichtlich der Firmengründung der Firmen R.GmbH***1*** und f.GmbH***1*** und der in der Folge über diese Firmen abgewickelten Fahrzeugimporte und Weiterverkauf dieser Fahrzeuge an die in Österreich ansässigen Autohändler und Privatpersonen als Drahtzieher und Verantwortlicher, sohin als faktischer Geschäftsführer dieser Firmen, M.S:***1*** aufgetreten ist.
Aus der Aktenlage ist wiederum offensichtlich, dass für die durch die R.GmbH***1*** und A.KG***1*** getätigten Weiterverkäufe der Fahrzeuge keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt und auch keine Umsatzsteuervoranmeldungen ab 9/2011 eingereicht wurden bzw. keine Umsatzsteuerjahreserklärung für 2011 abgegeben wurde
Der Beschuldigte R.S.***1*** war insbesondere hinsichtlich der Gründung der Firma R.GmbH***1*** und in der Folge hinsichtlich Organisation der Firmenunterlagen der A.KG***1*** ein von M.S:***1*** beauftragter "Handlanger", der selbst keine eigenständigen Entscheidungen getroffen hat, sondern lediglich den Anweisungen von M.S:***1*** Folge geleistet hat.
G.W.***1*** war für M.S:***1*** als Fahrer tätig.
Die getroffenen Feststellungen gründen sich insbesondere auf das umfassend durchgeführte Beweisverfahren und die glaubwürdigen und nachvollziehbaren Angaben des Beschuldigten R.S.***1*** in seiner Videobotschaft, welche am 18.4.2013 per Post beim erhebenden Beamten der LPD Steiermark, BI***1***, einlangte, auf die er sich auch im folgenden Verfahren berufen hat und diese Angaben auch zu seiner Verantwortung erhoben hat.
Auch die umfassenden Telefonüberwachungen und insbesondere die Zeugenangaben des J.S.***1*** in der Spruchsenatsverhandlung vom 8. Februar 2019, haben das Bild hinsichtlich der Verantwortung des M.S:***1*** sehr deutlich abgerundet.
M.S:***1*** hat daher sowohl in subjektiver als auch in objektiver Hinsicht zu Punkt 1. des Spruches das Finanzvergehen der grob fahrlässigen Abgabenverkürzung nach dem § 34 Abs. 1 FinStrG begangen, da er grob fahrlässig unter Verletzung der abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- und Wahrheitspflicht Umsätze aus Lieferungen von Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der R.GmbH***1*** in der Umsatzsteuerjahreserklärung bis zum Ende der gesetzlichen Erklärungsfrist per 30. April 2012 nicht erklärt und dadurch eine Verkürzung der hierauf entfallenden Umsatzsteuer für 2011 in der Höhe von € 93.251,59 bewirkt hat und weiters zum Punkt 2. die Finanzordnungswidrigkeit nach § 49 Abs. 1 lit a FinStrG begangen, da er für die Monate 1, 2 und 3/2012 Vorauszahlungen an Umsatzsteuer für Umsätze aus Lieferungen von Fahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der R.GmbH***1*** und der A.KG***1*** mit einem Gesamtbetrag von € 95.850,01 nicht spätestens am 5. Tag nach Fälligkeit entrichtet hat.
Daraus ergibt sich ein strafbestimmender Wertbetrag von € 189.101,60. Der Strafrahmen beträgt € 141.176,59.
Die über M.S:***1*** verhängte Geldstrafe in Höhe von € 40.000,00 wurde unter Berücksichtigung seiner Einkommens- und Vermögensverhältnisse und der Erschwerungsgründe des Zusammentreffens mehrfacher Finanzvergehen über einen längeren Zeitraum, einer einschlägigen Vorstrafe zu 13***1*** des Landesgerichtes für Strafsachen Graz, sowie dem Umstand, dass die malversiven Praktiken während des laufenden Verfahrens fortgesetzt wurden, ausgemessen. Dafür wurde eine adäquate Ersatzfreiheitsstrafe in der Dauer von 2 Monaten festgesetzt.
Milderungsgründe lagen nicht vor.
****
Beschwerde der Amtsbeauftragten:
Gegen dieses Erkenntnis richtet sich die Beschwerde der AB vom 21.2.2020:
"Gegen das am 22.5.2019 verkündete Erkenntnis des Spruchsenats (zugestellt am 27.1.2020) wurde in der Spruchsenatsverhandlung vom 22.5.2019 das Rechtsmittel der BESCHWERDE angemeldet, welches nunmehr wie folgt ausgeführt wird:
Der Spruchsenat II beim Finanzamt Graz - Stadt als Organ des Finanzamtes Graz - Stadt als Finanzstrafbehörde hat folgendes Erkenntnis gefällt:
Der Beschuldigte M.S:***1*** ist schuldig, er hat
1. Grob fahrlässig unter Verletzung der abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- und Wahrheitspflicht indem er Umsätze aus der Lieferung von Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" in der Umsatzsteuerjahreserklärung bis zum Ende der gesetzlichen Erklärungsfrist per 30.4.2012 nicht erklärt hat eine Verkürzung der hierauf entfallenden Umsatzsteuer für 2011 in Höhe von € 93.251,59 bewirkt und
2. Vorauszahlungen an Umsatzsteuer für Umsätze aus Lieferungen von Fahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" für die Monate Jänner, Februar 2012 und der "A.KG***1***" für März 2012 in Höhe von insgesamt € 95.850,01 nicht spätestens am 5. Tag nach Fälligkeit entrichtet.
Er habe hierdurch zu Punkt 1. das Finanzvergehen der grob fahrlässigen Abgabenverkürzung nach § 34 Abs. 1 FinStrG und zu Punkt 2. die Finanzordnungswidrigkeiten nach § 49 Abs. 1 lit.a FinStrG begangen.
M.S:***1*** wurde dafür unter Bedachtnahme auf § 21 FinStrG nach § 34 Abs. 3 FinStrG und § 49 Abs. 2 FinStrG zu einer Geldstrafe in der Höhe von € 40.000,00 verurteilt.
Gemäß § 20 FinStrG wurde die für den Fall der Uneinbringlichkeit der Geldstrafe an deren Stelle tretende Ersatzfreiheitsstrafe mit zwei Monaten festgesetzt.
Die Kosten des Strafverfahrens wurden gemäß § 185 FinStrG mit € 500,00 festgesetzt.
Gegen die Subsumtion des festgestellten Sachverhalts unter § 34 Abs. 1 FinStrG betreffend die Umsatzsteuer 2011 und gegen die Höhe der verhängten Geld- und Ersatzfreiheitstrafe richtet sich die Beschwerde der Amtsbeauftragten.
Begründung:
Wie in der Vorlage an den Spruchsenat vom 30. März 2018 umfassend ausgeführt, handelt es sich beim gegenständlichen Fall um die Aufarbeitung eines gerichtlichen Finanzstrafverfahrens, welches bereits in zwei Rechtsgängen zu 4***1*** beim Landesgericht für Strafsachen geführt wurde.
Am 12.7.2016 erging im 2. Rechtsgang ein Freispruch wegen Unzuständigkeit gemäß § 214 FinStrG, da der Schöffensenat die Bestimmung des § 53 Abs. 1 FinStrG nicht entsprechend angewendet hat.
Diese nach Ansicht der Amtsbeauftragten jedenfalls unrichtige Unzuständigkeitsentscheidung ist bedauerlicherweise in Rechtskraft erwachsen.
Die Amtsbeauftragte war daraufhin gefordert, die noch nicht erledigten Fakten aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graz vom 22.12.2012 einer Erledigung durch den Spruchsenat zuzuführen. Dies wiederum unter Berücksichtigung des Umstandes, dass für ein Vergehen der Abgabenhinterziehung nach § 33 FinStrG kein höherer strafbestimmender Wertbetrag als € 100.000,00 zugrunde gelegt werden konnte wegen der Unzuständigkeitsentscheidung des Gerichts.
So erklärt sich auch der Antrag der Amtsbeauftragten, welcher laut Vorlageantrag vom 30. März 2018 wie folgt lautete:
Unter vorläufiger Zugrundelegung der Beweiswürdigung auf Seite 51 f. des Urteils vom 12.7.2016 wird beantragt ein Erkenntnis zu fällen, wonach M.S:***1***, R.S.***1*** und G.W.***1*** schuldig seien im bewussten und gewollten Zusammenwirken als für die steuerlichen Belange der von ihnen in den angeführten Zeiträumen erzielten steuerbaren Umsätzen Verantwortliche
1. vorsätzlich unter Verletzung der abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- und Wahrheitspflicht indem sie Umsätze aus der Lieferung von Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" in der Umsatzsteuerjahreserklärung bis zum Ende der gesetzlichen Erklärungsfrist per 30.4.2012 nicht erklärt zu haben und somit eine Verkürzung der hierauf entfallenden Umsatzsteuer für 2011 iHv € € 93.251,59 bewirkt und
2. vorsätzlich Vorauszahlungen an Umsatzsteuer für Umsätze aus der Lieferung von Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" und der "A.KG***1***" für Jänner, Februar und März 2012 iHv insgesamt € 95.850,01 nicht spätestens am 5. Tag nach Fälligkeit entrichtet zu haben.
3. M.S:***1*** habe überdies grob fahrlässig unter Verletzung der abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- und Wahrheitspflicht durch Nichterklären
von Einkünften aus dem Fahrzeughandel in einer Einkommensteuererklärung bis zum 30.4.2011 eine Verkürzung an Einkommensteuer für 2010 iHv € 47.205, - bewirkt.
Nach mehreren Verhandlungstagen vor dem Spruchsenat erging am 22.5.2019 das o.a. Erkenntnis.
Seitens der Amtsbeauftragten wurde die Einstellung des Verfahrens betreffend R.S.***1*** und G.W.***1*** unter Rechtsmittelverzicht zur Kenntnis genommen, da hier ein Schuldnachweis nicht zu erbringen war.
Hinsichtlich des Beschuldigten M.S:***1*** folgte der Spruchsenat in den Feststellungen im Erkenntnis vom 22.5.2019 zur Gänze den Angaben des R.S.***1***, die dieser zunächst im 1. Rechtsgang beim LG für Strafsachen Graz mittels Videobotschaft übermittelt hat (verschriftet im Anlassbericht der Landespolizeidirektion Steiermark vom 26.4.2013, siehe Strafakt) und bei welcher er im gesamten Verfahren (gerichtlich und Spruchsenat) geblieben ist.
Im Erkenntnis des Spruchsenats ist konkret festgestellt, dass (Seite 14f.):
Drahtzieher, Organisator und letztlich Hauptverantwortlicher, damit auch faktischer Geschäftsführer dieser über die Firma R.GmbH***1*** abgewickelten Geschäfte M.S:***1*** war. Dieser erteilte intern, entweder persönlich oder über den Beschuldigten G.W.***1*** die Aufträge an die diversen Fahrer, die dann letztlich ausgestattet mit einer Vollmacht der Firma R.GmbH***1*** die Fahrzeuge bei den deutschen Verkäufern abgeholt haben und eine Rechnung der Firma R.GmbH***1*** an die jeweiligen Abnehmer ausgestellt haben. Die Ermittlungen der Steuerfahndung haben letztlich zu einer Sperre der UID-Nr. der Firma R.GmbH***1*** (ATU1***1***) geführt. M.S:***1*** hat daraufhin den Zweitbeschuldigten R.S.***1*** aufgefordert eine "neue Firma" aufzutreiben.
R.S.***1*** ist daher über Auftrag des M.S:***1*** an ***7***, den er aus der Baubranche kannte, herangetreten und hat diesem gesagt, er würde eine Baufirma brauchen.
***7*** hat in der Folge von H.G.***1*** Geschäftsunterlagen der Firma A.KG***1*** vergeben. R.S.***1*** hat dem ***7*** einen Geldbetrag von € 800,00 übergeben, wobei dieser € 500,00 an H.G.***1*** weitergegeben hat. Auch die Bezahlung dieses Betrages von € 800,00 hat M.S:***1*** übernommen und R.S.***1*** zur Verfügung gestellt. In der Folge wurden seit 8. März 2012 bis inklusive 15. März 2012 fünf Fahrzeuge in einem Gesamtwert von € 18.266,66 namens der A.KG***1*** an die Firma U.GmbH***1*** verkauft.
Auch hinsichtlich dieser Fahrzeuge wird auf die oben angeführte Auflistung, die einen
integrierenden Bestandteil dieser Feststellungen bildet, verwiesen.
Das durchgeführte Verfahren hat sohin eindeutig ergeben, dass hinsichtlich der Firmengründung der Firmen R.GmbH***1*** und A.KG***1*** und der in der Folge über diese Firmen abgewickelten Fahrzeugimporte und Weiterverkauf dieser Fahrzeuge an die in Österreich ansässigen Autohändler und Privatpersonen als Drahtzieher und Verantwortlicher, sohin als faktischer Geschäftsführer dieser Firmen, M.S:***1*** aufgetreten ist.
Aus der Aktenlage ist wiederum offensichtlich, dass für die durch die R.GmbH***1*** und A.KG***1*** getätigten Weiterverkäufe der Fahrzeuge keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abgeführt und auch keine Umsatzsteuervoranmeldungen ab 9/2011 eingereicht wurden bzw. keine Umsatzsteuerjahreserklärung für 2011 abgegeben wurde.
Dieses festgestellte Vorgehen lässt jedoch hinsichtlich der subjektiven Tatseite des Beschuldigten M.S:***1*** nur den Schluss zu, dass dieser vorsätzlich und sogar wissentlich gehandelt hat, in Hinblick darauf, dass durch das Zwischenschalten der Firmen R.GmbH***1*** und A.KG***1*** und durch die Nichtabgabe und dadurch Nichtmeldung der in den Rechnungen an diverse Autohändler ausgewiesenen Umsatzsteuer in Umsatzsteuervoranmeldungen von September 2011 bis März 2012, bzw. nachfolgend durch Nichterklären in einer Umsatzsteuerjahreserklärung für 2011 und durch Nichtentrichtung der geschuldeten Umsatzsteuervorauszahlung, es zu einer Umsatzsteuerverkürzung kommen musste. Dies war auch der einzige Sinn dieses "Geschäftsmodells".
Die Annahme eines "nur" grob fahrlässigen Verhaltens in Hinblick auf die Umsatzsteuer 2011 und eine Bestrafung wegen bedingten Vorsatzes im Sinne des § 49 Abs.l lit.a FinStrG betreffend die Monate 1-3/2012 wiedersprechen sich jedenfalls, da die Tathandlungen und die Vorgehensweise ident waren.
Antrag:
Es wird somit beantragt, ein Erkenntnis folgenden Inhalts zu fällen, dass M.S:***1*** schuldig sei, als faktischer Geschäftsführer der R.GmbH***1*** und der A.KG***1*** und somit der für die steuerlichen Belange Verantwortliche
1. vorsätzlich unter Verletzung der abgabenrechtlichen Anzeige-, Offenlegungs- und Wahrheitspflicht indem er Umsätze aus der Lieferung von Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" in der Umsatzsteuerjahreserklärung bis zum Ende der gesetzlichen Erklärungsfrist per 30.4.2012 nicht erklärte und somit eine Verkürzung der hierauf entfallenden Umsatzsteuer für 2011 iHv € 93.251,59 bewirkt zu haben und
2. vorsätzlich Vorauszahlungen an Umsatzsteuer für Umsätze aus der Lieferung von
Kraftfahrzeugen an diverse österreichische Abnehmer unter Zwischenschaltung der "R.GmbH***1***" für Jänner und Februar 2012 und der "A.KG***1***" für März 2012 iHv insgesamt € 95.850,01 nicht spätestens am 5. Tag nach Fälligkeit entrichtet zu haben.
Es wird daher beantragt hinsichtlich Faktum 1. einen Schuldspruch nach § 33 Abs.1 FinStrG und hinsichtlich Faktum 2. nach § 49 Abs. 1 lit. a FinStrG zu fällen und eine der Schwere der Tat angemessene Geldstrafe gemäß § 33 Abs.5 FinStrG und § 49 Abs.2 FinStrG unter Bedachtnahme auf § 21 Abs. 1 und Abs. 2 FinStrG sowie eine adäquate Ersatzfreiheitsstrafe festzusetzen.
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Beschwerde des Beschuldigten
Der Beschuldigte brachte am 26.2.2020 ebenfalls eine Beschwerde ein:
"In umseitig bezeichneter Finanzstrafsache wurde die schriftliche Ausfertigung des Erkenntnisses vom 22.09.2019 dem Beschwerdeführer zu Händen seines ausgewiesenen Verteidigers am 30.01.2020 zugestellt.
Innerhalb offener Frist führt der Beschwerdeführer durch seinen ausgewiesenen Verteidiger das fristgerecht angemeldete Rechtsmittel der Beschwerde wie folgt aus:
I. Zur Rechtzeitigkeit der Beschwerde:
Das Erkenntnis des umseitig bezeichneten Senats vom 22.05.2019 zu den Strafnummern SN1***1***, SN2***1*** und SN3***1*** wurde dem Beschwerdeführer zu Händen seines Verteidigers am 30.01.2020 zugestellt, sodass gegenständliche Beschwerde jedenfalls als fristgerecht zu bezeichnen ist.
II. Anfechtungserklärung:
Das Erkenntnis wird in seinem gesamten Inhalt vollinhaltlich angefochten.
III. Zur Unzuständigkeit des Senats:
Bei der Firma R.GmbH***1*** handelt es sich unstrittig um ein Steuersubjekt, welches nicht in den Bereich des Finanzamtes Graz-Stadt fällt, welches in Wien ansässig war und somit das Finanzamt Wien 3/6/7/11/15 Gerasdorf/Schwechat für den vermeintlichen Sachverhalt zuständig gewesen wäre. Hinsichtlich des Themenkomplex der Firma R.GmbH***1*** war somit der Senat nicht für eine Entscheidungsfindung zuständig.
Zur örtlichen Unzuständigkeit des Senates lässt sich somit abschließend Folgendes zusammenfassen:
Soweit eine GmbH, wie die hier in Wien ansässige R.GmbH***1*** steuer- (§ 21 (1-3) AVOG 2010) und steuerstrafrechtlich (§ 58 (1) lit. f FinStrG) nicht in den Amtsbereich des Finanzamtes Graz-Stadt fällt, ist der Senat für deren Finanzvergehen nicht zuständig. Damit bleibt zwar ein Fiskaldelikt nicht straflos, sondern ergibt sich eine andere Zuständigkeit einer Strafbehörde.
IV. Beschwerdeausführung:
Normen und Schlagworte
- § 49 Abs. 1 lit. a FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 136 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 214 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 53 Abs. 1 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 38 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 34 Abs. 1 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 82 Abs. 2 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 100 Abs. 2 Z 2 StPO, Strafprozeßordnung 1975, BGBl. Nr. 631/1975
- § 33 Abs. 1 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
erforderliche Präzisierung des BescheidspruchesAufhebung und Zurückverweisung einer FinanzstrafsacheVerfahrensgegenstand
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Beschluss
- Geschäftszahl
- RV/2300004/2020
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2020:RV.2300004.2020
- Stammnummer
- 129670
- Gültig
- 03.09.2020 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF