Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7102484/2022
Schätzung im Baubereich
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - ErkenntnisRV/7102484/2022vom 19.07.2023Teil 1 von 4
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Senatsvorsitzenden Dr. Sebastian Pfeiffer LL.M., den Richter Alexander Zeiler, LL.M. sowie die fachkundigen Laienrichter Peter Schagerl und DI Gerald Patschka in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, über die Beschwerden vom
20.12.2018, gegen den Bescheid des FA Wien 4/5/10 vom 07.12.2008 betreffend Einkommensteuer 2008;
21.12.2018, gegen den Bescheid des FA Wien 4/5/10 vom 07.12.2008 betreffend Umsatzsteuer 2008
21.11.2019 gegen die Bescheide des FA Wien 4/5/10 vom 21.10.2019 betreffend Einkommensteuer 2010 bis 2017 sowie Umsatzsteuer 2011, 2014, 2016 und 2017
nach Durchführung einer mündlichen Senatsverhandlung am 20.06.2023 in Anwesenheit der Schriftführerin SF zu Recht erkannt:
I. Die Einkommensteuerbescheide 2008 und 2010 bis 2017 sowie Umsatzsteuerbescheide 2008, 2011, 2014, 2016 und 2017 werden abgeändert.
Die Bemessungsgrundlagen und die Höhe der festgesetzten Abgaben sind dem Ende der Entscheidungsgründe den als Beilage angeschlossenen Berechnungsblättern zu entnehmen und bilden einen Bestandteil des Spruches dieses Erkenntnisses.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Entscheidungsgründe
I. Verfahrensgang
Bei der beschwerdeführenden Partei (in der Folge der Bf.) fanden mehrere Hausdurchsuchungen statt, weil der Bf. dabei observiert wurde, wie er Rechnungen von Gesellschaften, mit denen er weder gesellschaftsrechtlich verbunden noch für diese Gesellschaften als Arbeitnehmer beschäftigt war, an rechnungsempfangende Gesellschaften übergeben hat.
Im Rahmen der Hausdurchsuchungen wurden insb. USB-Sticks und sonstige Unterlagen sichergestellt, die im Rahmen einer Betriebsprüfung für eine Schätzung verwendet wurden.
II. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
1. Sachverhalt
Die ***1*** GmbH, ***2*** KG, ***3*** HandelsgmbH, ***4*** BaugesmbH, ***5*** BAU KG und ***6*** gmbh haben im Jahr 2008 die fakturierten Leistungen nicht erbracht. Im Jahr 2010 haben die ***7*** Bauträger GmbH, die ***8*** GmbH, die ***9*** Bauträger GmbH, die ***10*** Bau GmbH, die ***11*** GmbH und die ***12*** GmbH die fakturierten Leistungen nicht erbracht. Die ***7*** Bauträger GmbH und die ***2*** KG haben die im Jahr 2011 fakturierten Leistungen nicht erbracht. Die ***2*** KG und die ***13*** GmbH haben die im Jahr 2012 fakturierten Leistungen nicht erbracht. Die ***2*** KG bzw. ***2*** GmbH & Co KG, die ***14*** Bau GmbH, die ***13*** GmbH sowie die ***15*** Dach und Bau GmbH haben die 2013 fakturierten Leistungen nicht erbracht. Die im Jahr 2014 von der ***13*** GmbH sowie ***14*** Bau GmbH fakturierten Leistungen wurden ebenso nicht von diesen Gesellschaften erbracht. Die von der "***16***" GmbH fakturierten Leistungen im Jahr 2015 und 2016 wurden von dieser Gesellschaft nicht erbracht. Die im Jahr 2015 fakturierten Leistungen der ***17*** GmbH und der ***18*** KG wurden von diesen Gesellschaften nicht erbracht. Die ***19*** Handel und Bau GmbH war in den Jahren 2016 und 2017 nicht leistungserbringend. Die im Jahr 2017 fakturierten Leistungen der ***20*** Trockenbau GmbH wurden nicht von dieser Gesellschaft erbracht.
Die Rechnungen dieser Gesellschaften, die beim Bf. sichergestellt wurden, sind dem Bf. zuzurechnen.
Die Bargeldbehebungen von den Firmenkonten der ***19*** Handel und Bau GmbH, von der ***17*** GmbH und der "***16***" GmbH sind dem Bf. in den Jahren 2015, 2016 und 2017 zuzurechnen. Die für das Jahr 2017 sichergestellte Rechnung der ***19*** Handel und Bau GmbH ist dem Bf. zuzurechnen. Die abgerechnete Leistung wurde nicht von dieser Gesellschaft erbracht.
Das Bankkonto mit der Kontonummer Kontonummer lautet auf den Bf.
Bücher und Aufzeichnungen, die der Bf. zu führen hat, wurden nicht vorgelegt.
Insgesamt sind dem Bf. aus Tätigkeiten der tatsächlichen Erbringung von Bauleistungen und aus dem Schreiben von Rechnungen gegen Provisionen zuzurechnen:
|
Jahr
|
2008
|
2010
|
2011
|
2012
|
2013
|
Schätzung
|
4.283.282,87
|
6.678.652,25
|
723.732,60
|
7.556.318,22
|
3.636.492,71
|
Sicherheits-zuschlag*
|
428.328,29
|
667.865,22
|
72.373,26
|
755.631,82
|
363.649,27
|
Gesamt
|
4.711.611,15
|
7.346.517,47
|
796.105,86
|
8.311.950,04
|
4.000.141,98
| | | | | |
|
Jahr
|
2014
|
2015
|
2016
|
2017
|
|
Schätzung
|
221.438,51
|
4.860.388,10
|
3.883.363,73
|
6.223.549,28
|
|
Sicherheits-zuschlag
|
22.143,85
|
972.077,62
|
776.672,75
|
1.244.709,86
|
|
Gesamt
|
243.582,36
|
5.832.465,72
|
4.660.036,48
|
7.468.259,14
|
* Sicherheitszuschlag 2008-2014: 10%; 2015-2017: 20%.
Aus der Gesamtzurechnung ergeben sich folgende Einkünfte aus der tatsächlichen Erbringung von Bauleistungen:
|
Jahr
|
2008
|
2010
|
2011
|
2012
|
2013
|
Einnahmen
|
1.413.483,35
|
2.203.955,24
|
238.831,76
|
2.493.585,01
|
1.200.042,59
|
Geschätzter Aufwand 95%
|
1.342.809,18
|
2.093.757,48
|
226.890,17
|
2.368.905,76
|
1.140.040,46
|
Einkünfte
|
70.674,17
|
110.197,76
|
11.941,59
|
124.679,25
|
60.002,13
|
Jahr
|
2014
|
2015
|
2016
|
2017
|
Einnahmen
|
73.074,71
|
1.749.739,72
|
1.398.010,94
|
2.240.477,74
|
Geschätzter Aufwand 95%
|
69.420,97
|
1.662.252,73
|
1.328.110,40
|
2.128.453,85
|
Einkünfte
|
3.653,74
|
87.486,99
|
69.900,55
|
112.023,89
Aus der Gesamtzurechnung ergeben sich folgende Einnahmen aus Provisionen durch Ausstellung von Rechnungen:
|
Jahr
|
2008
|
2010
|
2011
|
2012
|
2013
|
Einnahmen
|
329.812,78
|
514.256,22
|
55.727,41
|
581.836,50
|
280.009,94
|
Geschätzter Aufwand 10%
|
32.981,28
|
51.425,62
|
5.572,74
|
58.183,65
|
28.000,99
|
Einkünfte
|
296.831,50
|
462.830,60
|
50.154,67
|
523.652,85
|
252.008,94
| | | | | |
|
Jahr
|
2014
|
2015
|
2016
|
2017
|
|
Einnahmen
|
17.050,77
|
408.272,60
|
326.202,55
|
522.778,14
|
|
Geschätzter Aufwand 10%
|
1.705,08
|
40.827,26
|
32.620,26
|
52.277,81
|
|
Einkünfte
|
15.345,69
|
367.445,34
|
293.582,30
|
470.500,33
|
Aus dem Betrieb des Gastrobetriebs werden dem Bf. mangels Feststellungsbescheid der Mitunternehmerschaft keine Einkünfte zugerechnet.
Es werden keine Einkünfte aus einem gewerblichen Autohandel zugeschätzt.
Für den Zufluss der ***8*** GmbH im Jahr 2010 iHv € 2.540 wurde Lohnsteuer einbehalten.
Dem Bf. sind im Jahr 2011 unversteuerte Einnahmen aus nichtselbständiger Arbeit der ***7*** Bauträger GmbH im Ausmaß von € 25.495,00 zugeflossen.
Insgesamt ergeben sich daher Einkünfte aus Gewerbebetrieb:
|
Jahr
|
2008
|
2010
|
2011
|
2012
|
2013
|
Betrieb Bauleistungen
|
70.674,17
|
110.197,76
|
11.941,59
|
124.679,25
|
60.002,13
|
Betrieb Provisionen
|
296.831,50
|
462.830,60
|
50.154,67
|
523.652,85
|
252.008,94
|
Gesamt
|
367.505,67
|
573.028,36
|
62.096,26
|
648.332,10
|
312.011,07
| | | | | |
|
Jahr
|
2014
|
2015
|
2016
|
2017
|
|
Betrieb Bauleistungen
|
3.653,74
|
87.486,99
|
69.900,55
|
112.023,89
|
|
Betrieb Provisionen
|
15.345,69
|
367.445,34
|
293.582,30
|
470.500,33
|
|
Betrieb Gastro*
|
11.366,67
|
18.000,00
|
21.500,00
|
24.000,00
|
|
Gesamt
|
30.366,09
|
472.932,33
|
384.982,85
|
606.524,21
|
* entspricht den bisher bereits erklärten und unstrittigen Einkünften aus einem Gastronomiebetrieb (vgl. Tz 6.3. = Seite 52 des BP-Berichts)
Die Umsatzsteuer beläuft sich geschätzt auf:
|
Jahr
|
2008
|
2011
|
2014
|
2016
|
2017
|
Gesamtbetrag der Umsätze
|
145.274,68
|
294.559,17
|
90.125,47
|
1.724.213,50
|
2.763.255,88
|
Abzüglich Bauleistungen mit Reverse-Charge
|
-101.521,00
|
-230.913,26
|
-71.717,21
|
-1.255.948,16
|
-2.012.805,34
|
Gesamtbetrag stpfl. Leistungen
|
43.753,68
|
63.645,91
|
18.408,27
|
468.265,34
|
750.450,54
|
Davon zu besteuern mit 20%
|
8.750,74
|
12.729,18
|
3.681,65
|
93.653,07
|
150.090,11
Der Bf. hat vorsätzlich Einkommen- und Umsatzsteuer hinterzogen.
2. Beweiswürdigung
Zur Nichterbringung der Leistungen durch die jeweiligen Gesellschaften
2008
***1*** GmbH
Beim Bf. wurden, das Wirtschaftsjahr 2008 betreffend, Rechnungen der ***1*** GmbH sichergestellt. Diese Umsätze wurden von der ***1*** GmbH nicht erklärt (vgl. die Feststellungen der belangten Behörde). Neben den Rechnungen wurden von der ***1*** GmbH ebenso Barzahlungsbestätigungen iRd Hausdurchsuchung beim Bf. aufgefunden. Ebenso wurden Einstellungszusagen für zwei Mitarbeiter sowie eine Gehaltsbestätigung eines Mitarbeiters aufgefunden, die bei der ***1*** GmbH angemeldet waren. Der Bf. war im Zeitraum März bis Juni 2008 bei der Sozialversicherung als Arbeitnehmer bei der ***1*** GmbH gemeldet. Lohnzettel wurden von der Gesellschaft an die Abgabenbehörde nicht übermittelt. Die Beibringung von Dienstverträgen und Lohnzetteln durch den Bf. unterblieb.
Für das Bundesfinanzgericht sprechen folgende Umstände dafür, dass die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt worden sind, nicht von der Gesellschaft erbracht wurden:
Der Geschäftsführer der ***1*** GmbH hat bereits im April 2008 seinen melderechtlichen Wohnsitz im Inland aufgegeben. Nach diesem Datum wurden aber weiterhin Rechnungen ausgestellt. Sodann wurde im Juni 2008 der Konkurs über die ***1*** GmbH eröffnet.
Den Berichten des Masseverwalters ist zu entnehmen, dass die ***1*** GmbH am Betriebsstandort gänzlich unbekannt ist und keinerlei Geschäftsunterlagen vorliegen (vgl. Erster Bericht des Masseverwalters, 2). Der Masseverwalter übermittelte eine Sachverhaltsdarstellung betreffen Abgaben- und Sozialbetruges (vgl. Endbericht des Masseverwalters, 3).
Aus einer Betriebsprüfung des ***21*** ist ersichtlich, dass dieser gegen Entgelt Scheinanmeldungen auf die ***1*** GmbH vornahm (vgl. Betriebsprüfungsbericht des ***21***).
***2*** KG:
Grundsätzlich ist aus den Rechnungen, die die belangte Behörde im Wirtschaftsjahr 2008 zur Schätzung heranzieht, nicht ableitbar, dass es sich um Rechnungen der ***2*** KG handelt. Die Prüfung bei den rechnungsempfangenden Gesellschaften hat ergeben, dass nicht die ***2*** KG, sondern die ***4*** BaugesmbH im Jahr 2008 diese Rechnungen ausgestellt hat (vgl. die von der ***90*** GmbH übermittelten Rechnungen).
Das Bundesfinanzgericht geht daher entgegen der Ansicht der belangten Behörde nicht davon aus, dass die abgerechneten Leistungen auf die ***2*** KG entfallen. Im Lichte der Ermittlungsergebnisse betreffen diese Rechnungen die ***4*** BaugesmbH.
***3*** HandelsgmbH
Beim Bf. wurden, das Wirtschaftsjahr 2008 betreffend, Rechnungen der ***3*** HandelsgmbH sichergestellt. Im Wirtschaftsjahr 2008 hat die ***3*** HandelsgmbH keine Umsätze erklärt und wurde vom Finanzamt geschätzt. Der protokollierte Geschäftsführer der ***3*** HandelsgmbH, Herr ***22*** ist seit August 2008 im Inland nicht mehr polizeilich gemeldet und kann daher nicht einvernommen werden.
Aus den Berichten des Masseverwalters bzw. der Masseverwalterin ergibt sich, dass an der Adresse der Gesellschaft diese nicht auffindbar war (vgl. Erstbericht des Masseverwalters). Unterlagen zur Geschäftsgebarung waren nicht auffindbar (vgl. Zwischenbericht der Masseverwalterin).
Aus den Dateieigenschaften einiger sichergestellten Rechnungen ist ersichtlich, dass der Bf. der Autor der sichergestellten Rechnungen ist:
[...]
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet werden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht von der Gesellschaft erbracht worden sind.
***4*** BaugesmbH
Beim Bf. wurden Rechnungen der ***4*** BaugesmbH sichergestellt, die das Wirtschaftsjahr 2008 betreffen. Zudem wurden Rechnungen ohne Rechnungskopf sichergestellt. Im Rahmen von Prüfungen bei den Rechnungsempfängern war ersichtlich, dass diese Rechnungen ebenso von der ***4*** BaugesmbH ausgestellt wurden (dazu bereits oben bei ***2*** KG). In diesem Wirtschaftsjahr wurden von der ***4*** BaugesmbH keine Umsätze erklärt. Der Bf. war bis April 2008 bei dieser Gesellschaft als Arbeitnehmer bei der Sozialversicherung angemeldet. Lohnzettel wurden von dieser Gesellschaft an die Abgabenbehörden nicht übermittelt. Ein Dienstvertrag konnte trotz Verlangen nicht vorgelegt werden. Der Bf. übermittelte zwei Gehaltsabrechnungen für Jänner und Februar 2008.
Für das Bundesfinanzgericht sprechen folgende Umstände dafür, dass die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt worden sind, nicht von der Gesellschaft erbracht wurden:
Im Rahmen einer Prüfung des ***21*** wurde festgestellt, dass auf die Gesellschaft Scheinanmeldungen durchgeführt wurden (vgl. Betriebsprüfungsbericht ***21***).
Der protokollierte Geschäftsführer der ***4*** BaugesmbH, Herr ***23***, hat seinen Wohnsitz in Österreich aufgegeben und kann nicht mehr einvernommen werden.
Der Bf. war bis ins Jahr 2007 selbst Geschäftsführer dieser Gesellschaft. Im Rahmen einer Befragung vor dem Bundesfinanzgericht gab dieser zu Protokoll, dass er nicht mehr wisse an wen er die Gesellschaft verkauft habe und dass sämtliche Buchhaltungsunterlagen beim Steuerberater sein müssten. Die Aufforderung zur Beibringung dieser Unterlagen unterblieb.
Aus den Berichten des Masseverwalters ergibt sich, dass an der Geschäftsadresse kein Hinweis auf die Gesellschaft auffindbar war (vgl. Erstbericht des Masseverwalters). Geschäftsunterlagen waren nicht auffindbar. Eingänge am Geschäftskonto der Gesellschaft wurden innerhalb kürzester Zeit behoben. Der Verbleib der Gelder ist unklar (vgl. Zwischenbericht des Masseverwalters).
***5*** BAU KG
Beim Bf. wurden, das Wirtschaftsjahr 2008 betreffend, Rechnungen der ***5*** BAU KG sichergestellt. Der Bf. selbst war für zwei Monate (Oktober und November 2008) bei dieser Gesellschaft als Arbeitnehmer bei der Sozialversicherung angemeldet. Lohnzettel wurden von dieser Gesellschaft an die Abgabenbehörden nicht übermittelt. Trotz Aufforderung wurden dem Bundesfinanzgericht weder Dienstverträge noch Lohnzettel vorgelegt.
Für das Bundesfinanzgericht sprechen die folgenden Umstände dafür, dass die Gesellschaft die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet werden, die beim Bf. sichergestellt worden sind, nicht erbracht hat:
Der protokollierte Geschäftsführer der Gesellschaft, Herr ***24***, wurde im Rahmen der internationalen Amtshilfe einvernommen. Er gab zu Protokoll, mit dem Unternehmen nichts zu tun gehabt zu haben. Er kenne den Bf. nicht.
Aus den Berichten der Masseverwalterin ergibt sich, dass an der Adresse der Gesellschaft kein Betrieb entfaltet wurde; weder Gesellschaft noch Geschäftsführer waren anzutreffen. Unterlagen waren nicht auffindbar (vgl. Erster Bericht der Masseverwalter).
Das Unternehmen wurde mangels Unterlagen und Erreichbarkeit durch die Abgabenbehörde geschätzt.
Der Autor der sichergestellten Rechnungen ist der Bf.:
[...]
***6*** gmbh
Beim Bf. wurden, das Wirtschaftsjahr 2008 betreffend, Rechnungen der ***6*** gmbh sichergestellt. Das Unternehmen selbst hat im Wirtschaftsjahr 2008 keine Umsätze und Einkünfte erklärt. Aus der Betriebsprüfung des ***21*** ergibt sich, dass dieser gegen Entgelt Scheinanmeldungen auf die ***6*** gmbh vornahm (vgl. Betriebsprüfungsbericht des ***21***). Der protokollierte Geschäftsführer der ***6*** gmbh, Herr ***25***, ist verstorben und kann daher nicht einvernommen werden.
Im Erstbericht des Masseverwalters wird daran gezweifelt, ob die ***6*** gmbh überhaupt eine geschäftliche Tätigkeit entfaltet hat, weil sie vom Masseverwalter nicht auffindbar war (vgl. Erstbericht des Masseverwalters). Es seien keine Personen auffindbar, die für die ***6*** gmbh handelten; es handele sich um einen "Bau-Betrugs-Konkursfall" (vgl. Zwischenbericht des Masseverwalters).
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet werden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht von der Gesellschaft erbracht worden sind.
2010
***7*** Bauträger GmbH
Beim Bf. wurden, das Wirtschaftsjahr 2010 betreffend, Ausgangsrechnungen der ***7*** Bauträger GmbH gefunden. Der Bf. war von März 2010 bis September 2011 bei der ***7*** Bauträger GmbH als Arbeiter angemeldet (vgl. hierzu die Feststellungen der belangten Behörde iRd Betriebsprüfung, Seite 14). Für das Jahr 2010 wurden von der Gesellschaft auch Lohnzettel an die Abgabenbehörde übermittelt.
Im Rahmen einer durch internationale Amtshilfe durchgeführte Einvernahme des protokollierten Geschäftsführers der ***7*** Bauträger GmbH (Herr ***26***), wurde ermittelt, dass der Bf. diesen gezielt angeworben und als Geschäftsführer eingesetzt hat. Seine Aufgaben bestanden darin, Baustellen zu besuchen und Geld zu beheben, um Subunternehmen zu bezahlen. Die Arbeiten wurden durch die ***7*** Bauträger GmbH nicht erbracht. Die Verträge wurden mangels Sprachkenntnissen des ***26*** durch den Bf. abgeschlossen. Den Angaben des ***26*** nach, hatte die ***7*** Bauträger GmbH keine Mitarbeiter (vgl. die Beantwortung des Auskunftsansuchens).
Aus der Einvernahme des ***27***, Geschäftsführer der ***28*** GmbH, ein rechnungsempfangendes Unternehmen der ***7*** Bauträger GmbH, ergibt sich, dass der Bf. der "Chef der ***7*** Bauträger GmbH" war. Er war seine Kontaktperson betreffend diese Gesellschaft und hat ihm die Rechnungen übergeben (vgl. Niederschrift ***27***).
Die abgabenrechtliche Prüfung der ***7*** Bauträger GmbH für die Jahre 2010 bis 2011 hat ergeben, dass die Gesellschaft eine Vielzahl von Rechnungen für Bauleistungen und Arbeitskräfteüberlassung ausgestellt hat. Diese wurden aber nicht erklärt; es erfolgte eine Schätzung durch die zuständige Abgabenbehörde. Zudem wurde festgestellt, dass die Rechnungen ein Bankkonto ausweisen, dass der steuerlichen Vertretung der ***7*** Bauträger GmbH unbekannt war. Die Zahlungen dieser Rechnungen erfolgten durchwegs bar. Die Unterschriften stimmen nicht mit der Musterunterschrift des Geschäftsführers laut Firmenbuch überein (vgl. den aktenkundigen Betriebsprüfungsbericht der ***7*** Bauträger GmbH).
Zudem rundet das Bild das Finanzstrafverfahren der Brüder ***29*** und ***30*** ab. Aus der gekürzten Urteilsausfertigung ergibt sich, dass diese unter der Verwendung von Scheinrechnungen der ***7*** Bauträger GmbH die Begleichung von betrieblichen Verbindlichkeiten vortäuschten und einen Vermögenstransfer vom Betriebsvermögen in den außerbetrieblichen Bereich der Gesellschafter verschwiegen (vgl. LG Wels 05.02.2019, GZ). Im Rahmen des Strafverfahrens des Bf. bestätigte ***30***, dass der Bf. Provisionen bekam und als Inhaber der ***7*** Bauträger GmbH auftrat (vgl. Protokoll der Hauptverhandlung).
Von Seiten des Bf. wird im Rahmen der Beschwerde und des Vorlageantrages iZm mit diesem Tatsachenkomplex lediglich darauf verwiesen, dass Herr ***26*** bisher nicht einvernommen wurde. Dieser sei einzuvernehmen, um festzustellen, dass der Bf. keinerlei Zusammenhang mit den Tätigkeiten der Gesellschaft hatte und ihm daher auch keine Einkünfte zuzurechnen seien. Dem Bf. wurde die Antwort über das Auskunftsersuchen samt Übersetzung durch die belangte Behörde im Rahmen des Erörterungstermins am 25.11.2022 übergeben. Eine neuerliche Einvernahme des ***26*** kann unterbleiben, weil einerseits der Grundsatz der Unmittelbarkeit vor dem Bundesfinanzgericht nicht gilt. Andererseits begründet der Umstand, dass die Aussage eines Zeugen nicht den Vorstellungen der Partei entspricht, keine Verpflichtung zur neuerlichen Einvernahme des Zeugen (vgl. hierzu VwGH 29.07.2010, 2007/15/0235). Ungeachtet dessen läge es am Bf. den Zeugen stellig zu machen, da sich dieser nicht im Inland befindet (vgl. ua VwGH 23.01.2020, Ra 2019/15/0099, Rn 27). Ebenso wird moniert, dass es dem Bf. nicht möglich war, den Brüdern ***29und30*** Fragen zu stellen. Diesbezüglich kann darauf verwiesen werden, dass die BAO kein Recht auf kontradiktorische Einvernahme von Zeugen vorsieht (vgl. VwGH 31.03.2011, 2009/15/0199 mVa VwGH 22.09.2005, 2003/14/0002 sowie zuletzt VwGH 29.09.2022, Ra 2021/15/0115). Sofern der Bf. im Rahmen des Vorlageantrages auf die Einvernahme des ***31*** Bezug nimmt und darauf verweist, dass er mit diesem niemals Kontakt hatte, genügt es für das Bundesfinanzgericht darauf hinzuweisen, dass die Einvernahme dieses Zeugen für das Bundesfinanzgericht nicht herangezogen wird, um die fehlende Leistungserbringung der ***7*** Bauträger GmbH zu begründen. Abschließend verweist der Bf. darauf, dass er lediglich Dienstnehmer der ***7*** Bauträger GmbH war. Mit dem Abgabenbetrug, der zwischen den Brüdern ***29und30*** und der ***7*** Bauträger GmbH stattgefunden hat, hatte er nichts zu tun. Im Lichte der vorstehenden Umstände (insb. die Einvernahmen des ***26*** und des ***27***) teilt das Bundesfinanzgericht diese Ansicht nicht.
In einer weiteren Stellungnahme gibt der Bf. an, lediglich als Bauarbeiter bei der ***7*** Bauträger GmbH beschäftigt gewesen zu sein. Es sei ***26*** gewesen, der die Geschäfte leitete. Er kenne die Brüder ***29und30*** nicht und eine Provisionszahlung sei - zusammengefasst - denkunmöglich gewesen. Ihm sei es nur so erklärbar, dass ***26*** ihn belastet habe (vgl. Eingabe vom 01.06.2023, Seite 25 sowie Beilage 7). Die Stellungnahme enthält für das Bundesfinanzgericht keine Indizien, die dafür ins Treffen geführt werden könnten, dass tatsächlich die Gesellschaft die Leistungen erbracht hat. Es ist nicht nur die Aussage des ***26***, sondern auch die Aussagen des ***30*** im Rahmen des Strafverfahrens des Bf., die es als überwiegend wahrscheinlich erscheinen lassen, dass die ***7*** Bauträger GmbH tatsächlich die fraglichen Leistungen nicht erbracht hat.
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***7*** Bauträger GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
***8*** GmbH
Beim Bf. wurden für das Wirtschaftsjahr 2010 beim Bf. Rechnungen der ***8*** GmbH sichergestellt. Der Bf. war bei dieser Gesellschaft nach den Feststellungen des Finanzamtes auch in etwa 14 Tage als Arbeitnehmer angemeldet. Lohnzettel wurden an die Behörde jedoch keine übermittelt. Der Bf. konnte weder einen Dienstvertrag, noch Lohnzettel beibringen. Übermittelt wurde lediglich die Anmeldung bei der Sozialversicherung (vgl. Eingabe vom 01.06.2023, Beilage 2). Die beim Bf. sichergestellten Rechnungen betreffen Zeiträume, in denen der Bf. nicht mehr Dienstnehmer bei dieser Gesellschaft war. Von der Gesellschaft wurden im Jahr 2010 weit weniger Umsätze erklärt als die Summe an Umsätzen aus den sichergestellten Rechnungen.
Der protokollierte Geschäftsführer, Herr ***32***, wurde im Rahmen der internationalen Amtshilfe einvernommen. Er gab zu Protokoll, im Wirtschaftsjahr 2010 keine Rechnungen ausgestellt zu haben; das Unternehmen war nicht aktiv.
Die Abgabenbehörde schätzte die ***8*** GmbH mangels verfügbarer Unterlagen. Aus den Berichten des Masseverwalters ergibt sich, dass es sich bei der ***8*** GmbH um einen Fall des "organisierten Sozialbetruges" handelt (vgl. Erstbericht des Masseverwalters). Weder sei die Gesellschaft an der Adresse auffindbar gewesen, noch seien irgendwelche geschäftliche Strukturen ersichtlich gewesen. Mit Übernahme durch den Geschäftsführer ***32*** wurde eine Vielzahl von Dienstnehmer auf die Gesellschaft angemeldet (vgl. Erstbericht des Masseverwalters). ***32*** sei nach Ansicht des Masseverwalters ein vorgeschobener Strohmann; die Vermutung, wonach das Unternehmen seit seiner formellen Übernahme durch ***32*** zu sozialbetrügerischen Zwecken missbraucht wurde, habe sich erhärtet (vgl. Endbericht des Masseverwalters).
Aus den Dateieigenschaften der sichergestellten Rechnungen ergibt sich, dass der Bf. die Rechnungen erstellt hat:
[...]
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***8*** GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat. Daran ändert auch die Stellungnahme des Bf. nichts, wonach er in keinerlei Form für diese Gesellschaft zeichnungsberechtigt gewesen sei (vgl. Eingabe 01.06.2023, Seite 15).
***9*** Bauträger GmbH
Das Wirtschaftsjahr 2010 betreffend wurden beim Bf. Rechnungen der ***9*** Bauträger GmbH sichergestellt.
Für das Bundesfinanzgericht sprechen die folgenden Umstände dafür, dass die Gesellschaft die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet werden, die beim Bf. sichergestellt worden sind, nicht erbracht hat:
Ein Rechnungsempfänger dieser Rechnungen, Herr ***33***, wurde zeugenhaft vor dem Bundesfinanzgericht einvernommen. Dieser gab zu Protokoll, dass im Rahmen eines Bauprojekts die ***9*** Bauträger GmbH mit Bauleistungen beauftragt wurde. Zwei Rechnungen, die beim Bf. sichergestellt wurden, konnten auch noch vom Zeugen vorgelegt werden. Herr ***33*** brachte den Bf. in Verbindung mit der ***9*** Bauträger GmbH, verwies aber auch darauf, dass sein Bruder den Kontakt zu dieser Gesellschaft herstellte. Auch Herr ***34***, Bruder des ***33***, wurde vor dem Bundesfinanzgericht zeugenhaft einvernommen. Da ***34*** selbst in der Baubranche tätig ist und viele Baustellen hatte, konnte er sich an die Vergabe an die ***9*** Bauträger GmbH nicht mehr erinnern (vgl. Niederschrift ***34***).
Der Bf. war weder Gesellschafter, Geschäftsführer noch Arbeitnehmer bei der ***9*** Bauträger GmbH.
Der protokollierte Geschäftsführer der Gesellschaft hat keine aufrechte Meldung im Melderegister und kann daher nicht einvernommen werden.
Aus der Betriebsprüfung des ***21*** ergibt sich, dass dieser gegen Entgelt Scheinanmeldungen auf die ***9*** Bauträger GmbH vornahm (vgl. Betriebsprüfungsbericht des ***21***).
Den Berichten der Masseverwalterin ist zu entnehmen, dass weder ein Unternehmen noch ein Betrieb an der Adresse der ***9*** Bauträger GmbH auffindbar war. Der Hausverwaltung des Hauses, in der die ***9*** Bauträger GmbH ihren Sitz haben hätte sollen, sei die Gesellschaft gänzlich unbekannt. Weder gebe es Buchhaltungsunterlagen, noch Informationen, wie die auf die Gesellschaft angemeldeten Dienstnehmer bezahlt werden hätten sollen (vgl. Erstbericht der Masseverwalterin). Es handele sich bei der ***9*** Bauträger GmbH um eine "Sozialbetrugsfirma" (vgl. Zwischenbericht der Masseverwalter).
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***9*** Bauträger GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
***11*** GmbH:
Das Wirtschaftsjahr 2010 betreffend wurde eine Rechnung der ***11*** GmbH beim Bf. sichergestellt.
Die ***11*** GmbH gab im Jahr 2010 keine Erklärungen ab. Die von der belangten Behörde durchgeführte Einvernahme des im Jahr 2009 protokollierten handelsrechtlichen Geschäftsführers im Rahmen der internationalen Amtshilfe führte zum Erkenntnis, dass dieser nie für die ***11*** GmbH gearbeitet habe und ihm sein Computer und Dokumente aus dem Auto gestohlen wurden.
Aus der Betriebsprüfung des ***21*** ergibt sich, dass dieser gegen Entgelt Scheinanmeldungen auf die ***11*** GmbH vornahm (vgl. Betriebsprüfungsbericht des ***21***).
Der Bf. war bei der Gesellschaft im fraglichen Zeitraum weder als Arbeitnehmer angemeldet, noch mit dieser gesellschaftsrechtlich verbunden.
Die im Jahr 2010 sichergestellte Rechnung wurde im Lichte der Dateieigenschaften vom Bf. erstellt:
[...]
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***11*** GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
***10*** Bau GmbH
Das Wirtschaftsjahr 2010 betreffend wurden beim Bf. Rechnungen der ***10*** Bau GmbH sichergestellt. Den Ermittlungen des Finanzamtes im Rahmen der internationalen Amtshilfe nach, gibt es den protokollierten Geschäftsführer der Gesellschaft, Herr ***35***, nicht. Das Finanzamt schätzte die ***10*** Bau GmbH mangels verfügbaren Unterlagen. Aus der Betriebsprüfung des ***21*** ergibt sich, dass dieser gegen Entgelt Scheinanmeldungen auf die ***10*** Bau GmbH vornahm (vgl. Betriebsprüfungsbericht des ***21***).
Die Berichte der Masseverwalterin ergeben, dass die Gesellschaft an der Adresse nicht auffindbar war. Ebenso konnte kein Kontakt zum Geschäftsführer hergestellt werden. Vor der Insolvenz wurden reihenweise Mitarbeiter abgemeldet (vgl. Erstbericht der Masseverwalterin). Geschäftsunterlagen waren nicht vorhanden (vgl. Zweitbericht der Masseverwalterin).
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***10*** Bau GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
***12*** GmbH
Beim Bf. wurden, das Wirtschaftsjahr 2010 betreffend, Rechnungen der ***12*** GmbH sichergestellt. Den Ermittlungen des Finanzamtes im Rahmen der internationalen Amtshilfe nach, ist dem protokollierten Geschäftsführer, Herrn ***36***, die Gesellschaft vollkommen unbekannt. Weder kennt er die ***12*** GmbH, noch kennt er den Bf.
Die Berichte der Masseverwalterin ergeben, dass die Gesellschaft an der Adresse nicht auffindbar war. Ebenso konnte kein Kontakt zum Geschäftsführer hergestellt werden. Vor der Insolvenz wurden reihenweise Mitarbeiter abgemeldet (vgl. Erstbericht der Masseverwalterin). Geschäftsunterlagen waren nicht vorhanden (vgl. Zweitbericht der Masseverwalterin).
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***12*** GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
Sofern der Bf. darauf verweist, dass im zur Verfügung gestellten Einvernahme im Rahmen der Amtshilfe keine Rückantwort enthalten war (vgl. Eingabe 01.06.2023, Seite 48), entspricht dies nicht den Tatsachen.
2011
***7*** Bauträger GmbH
Beim Bf. wurden, das Wirtschaftsjahr 2011 betreffend, Ausgangsrechnungen der ***7*** Bauträger GmbH gefunden. Der Bf. war von März 2010 bis September 2011 bei der ***7*** Bauträger GmbH als Arbeiter angemeldet (vgl. hierzu die Feststellungen der belangten Behörde iRd Betriebsprüfung, Seite 14). Lohnzettel wurden von dieser Gesellschaft an die Abgabenbehörden nicht übermittelt. Trotz Aufforderung wurde dem Bundesfinanzgericht lediglich eine Gehaltsabrechnung vom Jänner 2011 vorgelegt. Dienstverträge oder sonstige Unterlagen wurden nicht übermittelt.
Im Rahmen einer durch internationale Amtshilfe durchgeführte Einvernahme des protokollierten Geschäftsführers der ***7*** Bauträger GmbH (Herr ***26***), wurde ermittelt, dass der Bf. diesen gezielt angeworben und als Geschäftsführer eingesetzt hat. Seine Aufgaben bestanden darin, Baustellen zu besuchen und Geld zu beheben, um Subunternehmen zu bezahlen. Die Arbeiten wurden durch die ***7*** Bauträger GmbH nicht erbracht. Die Verträge wurden mangels Sprachkenntnissen des ***26*** durch den Bf. abgeschlossen. Den Angaben des ***26*** nach, hatte die ***7*** Bauträger GmbH keine Mitarbeiter (vgl. die Beantwortung des Auskunftsansuchens).
Aus der Einvernahme des ***27***, Geschäftsführer der ***28*** GmbH, ein rechnungsempfangendes Unternehmen der ***7*** Bauträger GmbH, ergibt sich, dass der Bf. der "Chef der ***7*** Bauträger GmbH" war. Er war seine Kontaktperson betreffend diese Gesellschaft und hat ihm die Rechnungen übergeben (vgl. Niederschrift ***27***).
Die abgabenrechtliche Prüfung der ***7*** Bauträger GmbH für die Jahre 2010 bis 2011 hat ergeben, dass die Gesellschaft eine Vielzahl von Rechnungen für Bauleistungen und Arbeitskräfteüberlassung ausgestellt hat. Diese wurden aber nicht erklärt; es erfolgte eine Schätzung durch die zuständige Abgabenbehörde. Zudem wurde festgestellt, dass die Rechnungen ein Bankkonto ausweisen, dass der steuerlichen Vertretung der ***7*** Bauträger GmbH unbekannt war. Die Zahlungen dieser Rechnungen erfolgten durchwegs bar. Die Unterschriften stimmen nicht mit der Musterunterschrift des Geschäftsführers laut Firmenbuch überein (vgl. den aktenkundigen Betriebsprüfungsbericht der ***7*** Bauträger GmbH).
Zudem rundet das Bild das Finanzstrafverfahren der Brüder ***29*** und ***30*** ab. Aus der gekürzten Urteilsausfertigung ergibt sich, dass diese unter der Verwendung von Scheinrechnungen der ***7*** Bauträger GmbH die Begleichung von betrieblichen Verbindlichkeiten vortäuschten und einen Vermögenstransfer vom Betriebsvermögen in den außerbetrieblichen Bereich der Gesellschafter verschwiegen (vgl. LG Wels 05.02.2019, GZ). Im Rahmen des Strafverfahrens des Bf. bestätigte ***30***, dass der Bf. Provisionen bekam und als Inhaber der ***7*** Bauträger GmbH auftrat (vgl. Protokoll der Hauptverhandlung).
Von Seiten des Bf. wird im Rahmen des Vorlageantrages iZm mit diesem Tatsachenkomplex lediglich darauf verwiesen, dass Herr ***26*** bisher nicht einvernommen wurde. Dieser sei einzuvernehmen, um festzustellen, dass der Bf. keinerlei Zusammenhang mit den Tätigkeiten der Gesellschaft hatte und ihm daher auch keine Einkünfte zuzurechnen seien. Dem Bf. wurde die Antwort über das Auskunftsersuchen samt Übersetzung durch die belangte Behörde im Rahmen des Erörterungstermins am 28.11.2022 übergeben. Eine neuerliche Einvernahme des ***26*** kann unterbleiben, weil einerseits der Grundsatz der Unmittelbarkeit vor dem Bundesfinanzgericht nicht gilt. Andererseits begründet der Umstand, dass die Aussage eines Zeugen nicht den Vorstellungen der Partei entspricht, keine Verpflichtung zur neuerlichen Einvernahme des Zeugen (vgl. hierzu VwGH 29.07.2010, 2007/15/0235). Ungeachtet dessen läge es am Bf. den Zeugen stellig zu machen, da sich dieser nicht im Inland befindet (vgl. ua VwGH 23.01.2020, Ra 2019/15/0099, Rn 27). Ebenso wird moniert, dass es dem Bf. nicht möglich war, den Brüdern ***29und30*** Fragen zu stellen. Diesbezüglich kann darauf verwiesen werden, dass die BAO kein Recht auf kontradiktorische Einvernahme von Zeugen vorsieht (vgl. VwGH 31.03.2011, 2009/15/0199 mVa VwGH 22.09.2005, 2003/14/0002 sowie zuletzt VwGH 29.09.2022, Ra 2021/15/0115). Sofern der Bf. im Rahmen des Vorlageantrages auf die Einvernahme des ***31*** Bezug nimmt und darauf verweist, dass er mit diesem niemals Kontakt hatte, bzw. auf die Unschlüssigkeit dieser Aussage Bezug nimmt (vgl. Eingabe 01.06.2023, Beilage 7) genügt es für das Bundesfinanzgericht darauf hinzuweisen, dass die Einvernahme dieses Zeugen für das Bundesfinanzgericht nicht herangezogen wird, um die fehlende Leistungserbringung der ***7*** Bauträger GmbH zu begründen.
In einer weiteren Stellungnahme gibt der Bf. an, lediglich als Bauarbeiter bei der ***7*** Bauträger GmbH beschäftigt gewesen zu sein. Es sei ***26*** gewesen, der die Geschäfte leitete. Er kenne die Brüder ***29und30*** nicht und eine Provisionszahlung sei - zusammengefasst - denkunmöglich gewesen. Ihm sei es nur so erklärbar, dass ***26*** ihn belastet habe (vgl. Eingabe vom 01.06.2023, Seite 25 sowie Beilage 7). Die Stellungnahme enthält für das Bundesfinanzgericht keine Indizien, die dafür ins Treffen geführt werden könnten, dass tatsächlich die Gesellschaft die Leistungen erbracht hat. Es ist nicht nur die Aussage des ***26***, sondern auch die Aussagen des ***30*** im Rahmen des Strafverfahrens des Bf., die es als überwiegend wahrscheinlich erscheinen lassen, dass die ***7*** Bauträger GmbH tatsächlich die fraglichen Leistungen nicht erbracht hat.
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***7*** Bauträger GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
***2*** KG
Das Wirtschaftsjahr 2011 betreffend wurden beim Bf. Rechnungen der ***2*** KG sichergestellt. Teile der Rechnungen betreffen Zeiträume, in denen noch ***37*** Komplementär und Geschäftsführer der ***2*** KG war (bspw. Rechnung 011/2011 ST über 14.242,50 Euro an die ***38*** Montage- und Reinigung GmbH. Diese Rechnung betrifft den Leistungszeitraum KW 43-47/2011 und damit einen Zeitraum ab 24.10.2011; ***37*** war bis 25.11.2011 Geschäftsführer der ***2*** KG). Im Rahmen der zeugenhaften Einvernahme des ***37*** gab dieser zu Protokoll, weder die Rechnungen noch die Rechnungsempfänger zu kennen. Das Format seiner Rechnung habe anders ausgesehen.
Im Lichte der Berichte des Masseverwalters aus 2013 ergibt sich, dass der Gesellschaft lediglich ein Bankkonto bei der Bank Austria zuzurechnen ist. Auf den sichergestellten Rechnungen aus dem Jahr 2011 scheint jedoch eine gänzlich andere Kontoverbindung bei der Erste Bank auf.
Im Rahmen der Betriebsprüfung der ***2*** KG bzw. deren Rechtsnachfolgerin ***2*** GmbH & Co KG geht die Finanzverwaltung davon aus, dass mit Übernahme der Geschäftsanteile von ***39*** eine Scheinfirma vorliegt (vgl. BP-Bericht der ***2*** KG).
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***2*** KG die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden nicht erbracht hat.
2012:
***2*** KG
Das Wirtschaftsjahr 2012 betreffend wurden beim Bf. Rechnungen der ***2*** KG sichergestellt.
Für das Bundesfinanzgericht sprechen folgende Umstände dafür, dass die ***2*** KG im Wirtschaftsjahr 2012 die Leistungen nicht erbracht hat, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden:
Im Lichte der Berichte des Masseverwalters aus 2013 ergibt sich, dass lediglich ein Bankkonto bei der Bank Austria der Gesellschaft zuzurechnen ist. Auf den sichergestellten Rechnungen scheint jedoch eine gänzlich andere Kontoverbindung bei der Erste Bank auf.
Im Rahmen der Betriebsprüfung der ***2*** KG bzw. deren Rechtsnachfolgerin ***2*** GmbH & Co KG geht die Finanzverwaltung davon aus, dass mit Übernahme der Geschäftsanteile von ***39*** eine Scheinfirma vorliegt (vgl. BP-Bericht dieser Gesellschaft)
Im Rahmen der Einvernahme des ***40***, Komplementär der ***41*** KG, Rechnungsempfänger der ***2*** KG im Wirtschaftsjahr 2012, gab dieser zu Protokoll, dass der Bf. Ansprechpartner bei der ***2*** KG war (vgl. Niederschrift Einvernahme ***40***). Anzumerken ist, dass der Bf. mit der ***2*** KG im Wirtschaftsjahr 2012 gesellschaftsrechtlich nicht verbunden war. Ebenso war der Bf. bei der ***2*** KG im Wirtschaftsjahr 2012 nicht als Arbeitnehmer beschäftigt.
Dagegen wendet sich der Bf. mit dem Argument, der Zeuge ***40*** lüge bzw. sei durch das Finanzamt beeinflusst worden (vgl. Eingabe 01.06.2023, Beilage 8). Dass eine Beeinflussung durch die Abgabenbehörde vorliegt, ist für das Bundesfinanzgericht nicht glaubhaft. Der Niederschrift ist zu entnehmen, dass ein Steuerberater als Vertrauensperson der Einvernahme beigezogen wurde. Neben dem Mitarbeiter der Steuerfahndung war bei der Einvernahme zusätzlich ein Schriftführer anwesend. Das unterfertigte Protokoll weist keine Anmerkungen des Zeugen oder dessen Vertrauensperson auf, weswegen das Bundesfinanzgericht nicht von einer Beeinflussung durch die Abgabenbehörde ausgeht. Sofern der Bf. den Zeugen der Lüge bezichtigt, bleibt weiterhin offen, warum beim Bf. die Rechnungen dieser Gesellschaft sichergestellt wurden.
***13*** GmbH:
Beim Bf. wurden, das Wirtschaftsjahr 2012 betreffend, zwei Rechnungen der ***13*** GmbH sichergestellt. Im Jahr 2012 war ***42*** der protokollierte Geschäftsführer der ***13*** GmbH. Im Rahmen einer Einvernahme gab dieser zu Protokoll, dass er lediglich am Papier der Geschäftsführer war und sein (im Jahr 2013 verstorbener) Bruder ***43*** die Geschäfte geleitet habe. Er gab ebenso zu Protokoll, dass er mit Rechnungen der ***13*** GmbH konfrontiert wurde, die tatsächlich nicht von dieser Gesellschaft ausgestellt wurden.
Warum diese beiden Rechnungen beim Bf. (elektronisch) sichergestellt wurden, wurde vom Bf. nicht beantwortet. Er verweist lediglich darauf, dass ***43*** verstorben sei, sein Bruder die Geschäfte weitergeführt hat und dieser den Bf. nicht kennt.
Das Bundesfinanzgericht geht im Lichte der Einvernahme des ***42*** aber davon aus, dass die ***13*** GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
2013:
***2*** KG / ***2*** GmbH & Co KG:
Das Wirtschaftsjahr 2013 betreffend wurden beim Bf. Rechnungen der ***2*** KG bzw. ***2*** GmbH & Co KG sichergestellt.
Für das Bundesfinanzgericht sprechen folgende Umstände dafür, dass die ***2*** KG bzw. die ***2*** GmbH & Co KG im Wirtschaftsjahr 2013 die Leistungen nicht erbracht hat, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden:
Im Lichte der Berichte des Masseverwalters aus 2013 ergibt sich, dass lediglich ein Bankkonto bei der Bank Austria der Gesellschaft zuzurechnen ist. Auf den sichergestellten Rechnungen scheint jedoch eine gänzlich andere Kontoverbindung bei der Erste Bank auf.
Im Rahmen der Betriebsprüfung der ***2*** KG bzw. deren Rechtsnachfolgerin ***2*** GmbH & Co KG geht die Finanzverwaltung davon aus, dass mit Übernahme der Geschäftsanteile von ***39*** eine Scheinfirma vorliegt (vgl. BP-Bericht dieser Gesellschaft).
Im Rahmen der Einvernahme des ***40***, Komplementär der ***41*** KG, Rechnungsempfänger der ***2*** KG im Wirtschaftsjahr 2012, gab dieser zu Protokoll, dass der Bf. Ansprechpartner bei der ***2*** KG war (vgl. Niederschrift Einvernahme ***40***). Anzumerken ist, dass der Bf. mit der ***2*** KG im Wirtschaftsjahr 2013 gesellschaftsrechtlich nicht verbunden war. Ebenso war der Bf. bei der ***2*** KG im Wirtschaftsjahr 2013 nicht als Arbeitnehmer beschäftigt.
Dagegen wendet sich der Bf. mit dem Argument, der Zeuge ***40*** lüge bzw. sei durch das Finanzamt beeinflusst worden (vgl. Eingabe 01.06.2023, Beilage 8). Dass eine Beeinflussung durch die Abgabenbehörde vorliegt, ist für das Bundesfinanzgericht nicht glaubhaft. Der Niederschrift ist zu entnehmen, dass ein Steuerberater als Vertrauensperson der Einvernahme beigezogen wurde. Neben dem Mitarbeiter der Steuerfahndung war bei der Einvernahme zusätzlich ein Schriftführer anwesend. Das unterfertigte Protokoll weist keine Anmerkungen des Zeugen oder dessen Vertrauensperson auf, weswegen das Bundesfinanzgericht nicht von einer Beeinflussung durch die Abgabenbehörde ausgeht. Sofern der Bf. den Zeugen der Lüge bezichtigt, bleibt weiterhin offen, warum beim Bf. die Rechnungen dieser Gesellschaft sichergestellt wurden.
***14*** Bau GmbH
Das Wirtschaftsjahr 2013 betreffend wurden beim Bf. Rechnungen der ***14*** Bau GmbH sichergestellt. Der Bf. war mit der ***14*** Bau GmbH weder gesellschaftsrechtlich verbunden, noch war er dort als Arbeitnehmer angemeldet.
Für das Bundesfinanzgericht sprechen folgende Umstände dafür, dass die ***14*** Bau GmbH die abgerechneten Leistungen nicht erbracht hat, die im Rahmen der Hausdurchsuchungen beim Bf. sichergestellt wurden:
Die Betriebsprüfung der ***14*** Bau GmbH brachte zu Tage, dass für die Geschäftsjahre 2011 bis 2013 keine Leistungserbringung durch die ***14*** Bau GmbH erfolgte. Rechnungen wurden zur Deckung der Personalkosten der "Kunden" der ***14*** Bau GmbH gelegt. Es erfolgten im zeitlichen Nahebereich an Überweisungen sofortige Barbehebungen (vgl. Betriebsprüfungsbericht der ***14*** Bau GmbH).
Der Bf. übergab eine Rechnung der ***14*** Bau GmbH an den Komplementär der ***44*** KG, Herr ***45***. Dieser bestätigte im Rahmen einer Zeugeneinvernahme, dass der Bf. für die ***14*** Bau GmbH auftrat (vgl. Zeugeneinvernahme ***45***, sowie nochmals im Rahmen des Strafverfahrens des Bf.).
Zudem wurde im Rahmen der Hausdurchsuchung beim Bf. ein Schreiben der Erste Bank sichergestellt, bei dem es um die Änderung des Kontolimits der ***14*** Bau GmbH geht.
Im Vorlageantrag richtet sich der Bf. gegen den Tatsachenkomplex mit dem Antrag, ***45*** einzuvernehmen, um zu bestätigen, dass die Leistungen von der ***14*** Bau GmbH erbracht wurden. Eine neuerliche Einvernahme des Zeugen kann unterbleiben, weil einerseits der Grundsatz der Unmittelbarkeit vor dem Bundesfinanzgericht nicht gilt. Andererseits begründet der Umstand, dass die Aussage eines Zeugen nicht den Vorstellungen der Partei entspricht, keine Verpflichtung zur neuerlichen Einvernahme des Zeugen (vgl. hierzu VwGH 29.07.2010, 2007/15/0235). In einer Stellungnahme verweist der Bf. - zusammengefasst - darauf, dass er mit ***45*** nichts zu tun hatte und der Zeuge lüge. Dementgegen wurde durch Augenschein festgestellt, dass der Bf. dem ***45*** eine Rechnung übergab. Über das notierte Kennzeichen und eine Mobiltelefonnummer konnte der Bf. identifiziert werden (vgl. Betriebsprüfungsbericht, Seite 4).
Aufgrund der obigen Umstände sieht es das Bundesfinanzgericht als erwiesen an, dass die ***14*** Bau GmbH die in den Rechnungen abgerechneten Leistungen nicht erbracht hat, die im Rahmen der Hausdurchsuchungen beim Bf. sichergestellt wurden.
***13*** GmbH:
Beim Bf. wurden Rechnungen der ***13*** GmbH sichergestellt, die das Wirtschaftsjahr 2013 betreffen. Die ***13*** GmbH hat diese Einkünfte nicht erklärt. Im Jahr 2013 war ***42*** der protokollierte Geschäftsführer der ***13*** GmbH. Im Rahmen einer Einvernahme gab dieser zu Protokoll, dass er lediglich am Papier der Geschäftsführer war und sein (im Jahr 2013 verstorbener) Bruder ***43*** die Geschäfte geleitet habe. Er gab ebenso zu Protokoll, dass er mit Rechnungen der ***13*** GmbH konfrontiert wurde, die tatsächlich nicht von dieser Gesellschaft ausgestellt wurden.
Warum diese Rechnungen beim Bf. (elektronisch) sichergestellt wurden, wurde vom Bf. nicht beantwortet. Er verweist lediglich darauf, dass ***43*** verstorben sei, sein Bruder die Geschäfte weitergeführt hat und dieser den Bf. nicht kennt. Auch der im Jahr 2014 protokollierte Geschäftsführer, Herr ***46***, wurde im Rahmen der internationalen Amtshilfe von der ausländischen Finanzverwaltung einvernommen. Dieser gab zu Protokoll, dass er als Pflasterer arbeitete und neue Kunden anwerben sollte. Er übernahm die Gesellschaft von Herrn ***43***. Während seiner Zeit beim Unternehmen gab es weder angestelltes Personal, noch durchgeführte Aufträge. Es gab weder Banküberweisungen noch sonstige Dokumente wie Verträge oder Bankkontoauszüge. Das Unternehmen ging sodann in Insolvenz (vgl. Antwort auf Auskunftsersuchen).
Das Bundesfinanzgericht geht daher davon aus, dass die ***13*** GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
Gegen diese Umstände bringt der Bf. vor, dass die Zeugeneinvernahmen einiger Rechnungsempfänger zu berücksichtigen sind. Insbesondere seien dies die Einvernahmen der ***47***, der ***48*** und des DI ***49***. Alle drei einvernommenen Zeugen sind Rechnungsempfänger der ***13*** GmbH und gaben zusammengefasst zu Protokoll, dass sie den Bf. nicht kennen würden und dass Ansprechpartner der ***13*** GmbH die Brüder ***42und43*** gewesen seien. Dass nicht der Bf., sondern andere Personen vorgeschoben für die ***13*** GmbH auftraten, ist im Lichte des gegenständlichen Falles nicht geeignet, die Leistungserbringung der ***13*** GmbH zu begründen. Es ergibt sich bereits aus Einvernahmen im Verhältnis zu anderen Gesellschaften, dass der Bf. gezielt Leute anwarb, damit diese für ihn gegenüber Dritten auftreten (vgl. Einvernahme ***26*** betreffend ***7*** Bauträger GmbH; ***50*** betreffend ***19*** Handel und Bau GmbH [dazu unten]). Hinzu kommt, dass auf Rückfrage des Masseverwalters von den Kunden der ***13*** GmbH bekannt gegeben wurde, dass die Geschäftsbeziehungen "größtenteils schon seit längerem beendet sind". Dementgegen kam es bis kurz vor Insolvenzeröffnung zu Bewegungen auf den Bankkonten. Am schwersten wiegt aber wohl, dass die Ausgangsrechnungen der ***13*** GmbH an diese Zeugen beim Bf. sichergestellt wurden und der Bf. abseits wenig glaubhafter Behauptungen (dazu unten unter "Zur Zurechnung der sichergestellten Rechnungen bzw. Zahlungseingänge an den Bf.") nicht darlegen kann, warum er im Besitz dieser Rechnung ist.
Das Bundesfinanzgericht geht daher unverändert davon aus, dass die ***13*** GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
***15*** Dach und Bau GmbH:
Im Rahmen der Hausdurchsuchungen wurden beim Bf. Ausgangsrechnungen der ***15*** Dach und Bau GmbH gefunden. 2013 war der Bf. bei diesem Unternehmen nicht angestellt. Der Geschäftsführer der ***15*** Dach und Bau GmbH im Jahr 2013 war Herr ***51***. Im Rahmen der durch die belangte Behörde angestoßenen internationalen Amtshilfe, wurde dieser von der ausländischen Finanzverwaltung einvernommen. Dabei gab ***51*** zu Protokoll, nichts über die ***15*** Dach und Bau GmbH zu wissen und dort niemals als Geschäftsführer tätig gewesen zu sein. Er sei für Zwecke von Arbeitsausführungen an einer Wiener Baustelle gewesen, wo er deutsche Dokumente unterschreiben musste. Diese Dokumente wurden ihm als Arbeitssicherheitsmaßnahmen erklärt. Er erhielt zudem 100 Euro als Reisekosten (vgl. Antwort auf Auskunftsersuchen).
Die ***15*** Dach und Bau GmbH erklärte die in Rechnungen abgerechneten Leistungen nicht als Einkünfte.
Dem Bericht des Masseverwalters ist zu entnehmen, dass keine Geschäftsunterlagen auffindbar waren und die Gesellschaft als Scheinfirma verwendet wurde (vgl. Bericht des Masseverwalters).
Das Bundesfinanzgericht geht anhand dieser Umstände davon aus, dass die ***15*** Dach und Bau GmbH die Leistungen, die in den Rechnungen abgerechnet wurden, die beim Bf. sichergestellt wurden, nicht erbracht hat.
2014
***13*** Bau
Beim Bf. wurden Rechnungen der ***13*** Bau GmbH sichergestellt, die das Wirtschaftsjahr 2014 betreffen. Die ***13*** Bau GmbH hat diese Einkünfte nicht erklärt. Der im Jahr 2014 protokollierte Geschäftsführer, Herr ***46***, wurde im Rahmen der internationalen Amtshilfe von der ausländischen Finanzverwaltung einvernommen. Dieser gab zu Protokoll, dass er als Pflasterer arbeitete und neue Kunden anwerben sollte. Er übernahm die Gesellschaft von Herrn ***43***. Während seiner Zeit beim Unternehmen gab es weder angestelltes Personal, noch durchgeführte Aufträge. Es gab weder Banküberweisungen noch sonstige Dokumente wie Verträge oder Bankkontoauszüge. Das Unternehmen ging sodann in Insolvenz (vgl. Antwort auf Auskunftsersuchen).
Normen und Schlagworte
- § 11 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 207 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 208 Abs. 1 lit. a BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- Charta der Grundrechte der Europäischen Union, ABl. Nr. C 83 vom 30.03.2010 S. 389
- § 12 Abs. 1 Z 1 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 4 Abs. 2 lit. a Z 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 19 Abs. 2 Z 1 lit. a UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 209 Abs. 3 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- Art. 6 EMRK, Europäische Menschenrechtskonvention, BGBl. Nr. 210/1958
- § 269 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 184 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 184 Abs. 3 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 83 Abs. 1 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 83 Abs. 2 Z 1 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 41 Abs. 1 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 115 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 183 Abs. 4 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7102484/2022
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.7102484.2022
- Stammnummer
- 141833
- Gültig
- 19.07.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF