Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100983/2021
Nichtanerkennung eines Dienstverhältnisses zu einer Ex-Lebensgefährtin mangels eindeutigen Inhaltes der Vereinbarung und fremdunüblicher Abwicklung im Zusammenhang mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - ErkenntnisRV/5100983/2021vom 07.03.2023Teil 3 von 4
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Als das Verfahren bei Vernehmung von Frau ***2*** am 17.9.2020 wieder offen gewesen wäre, hätte man eine ordentliche, ehrliche, gewissenhafte und unparteiische Ermittlung durch Vorlage der Stromrechnungen der ***63*** von ***26***, Bescheid der Mutter der Pflegestufe 5, Pflegekarenznachweis von Frau ***2*** 2015 oder durch Besichtigung des Zustandes der Immobilie in ***26*** schnell und kostengünstig durchführen können um die materielle Wahrheit ans Licht zu bringen.
Auf Grundlage dieser halbrichtigen Meldedaten und der verschleierten materiellen Wahrheit der Finanzbehörde, der nicht berücksichtigten Seite 2 der Vernehmung von Frau ***2*** am 17.9.2020, würde sich der Verfasser der Bescheidbegründung vom 16.04.2021 stützen und würde ohne ausreichende fallbezogene Prüfung und ohne nachgewiesener faktischer Nahebeziehung irreführend behaupten, indem er schreiben würde: "Die Angehörigenjudikatur ist anwendbar" um gleichzeitig scheinen lassen zu wollen, dass eine faktische Nahebeziehung 2016 zwischen Frau ***2*** und dem Bf. als erwiesen gelten solle.
Arbeitskalender von Frau ***2*** von 2016:
Abgesehen davon, dass der Bf. den Arbeitskalender 2016 von Frau ***2*** bereits am 6.11.2019 der Finanzbehörde per Mail angeboten hätte ihn gerne kurzfristig vorbeizubringen, hätte der Bf. ihn auch während der Schlussbesprechung am 20.2.2020 mitgebracht und drei Mal der BP angeboten, jedoch wäre dies ignoriert worden weil die BP, wie sie selber zugegeben hätte, ihn nicht sehen hätte wollen.
Weiters möchte der Bf. auf die Aussage von Frau ***2*** hinweisen, bei deren Vernehmung am 17.9.2020 die Prüferin im Beisein ihrer Kollegin Frau ***67***, zuerst unwahrheitsgemäß behauptet hätte indem sie gesagt hätte, dass der Bf. den Kalender bei der Schlussbesprechung gar nicht mitgehabt hätte. . .dann zugestanden hätte, dass der Bf. ihn ihr doch angeboten hätte und sie schließlich den Kalender nach eigener Aussage aber nicht sehen habe wollen.
Es werde daher um Anerkennung der Vollbeschäftigung von Frau ***2*** 2016 ersucht.
Dieser Nachtrag wurde dem Finanzamt Österreich mit Beschluss vom 3.10.2022 zur Kenntnis gebracht und eine Frist für eine Stellungnahme von vier Wochen gesetzt. Außerdem wurde das Finanzamt Österreich um die Beantwortung nachstehender Fragen innerhalb von vier Wochen ersucht:
a. Wurde bei der Schlussbesprechung am 20.2.2020 (diesbezüglich wird um Bestätigung ersucht, dass diese tatsächlich an diesem Tag stattgefunden hat, weil die vom Finanzamt vorgelegte Niederschrift über die Schlussbesprechung mit 25.2.2020 datiert ist und vom Beschwerdeführer mit dem Vorlageantrag eine Niederschrift datiert mit 11.2.2020 [=B 66/1] vorgelegt wurde) vom Beschwerdeführer die Vorlage des laut Beschwerdevorbringen von ***2*** geführten Kalenders über die laut dem Beschwerdeführer für ihn im Zeitraum 1.3. bis 30.9.2016 geleisteten Tätigkeiten angeboten, dh. hatte dieser den Kalender mit?
b. Falle die Frage 2.a bejaht wird: Wieso wurde dieser Kalender nicht zum Arbeitsbogen genommen bzw. kopiert?
c. Hat der Beschwerdeführer im Jahr 2016 über eine Kehrmaschine verfügt (aus dem Anlageverzeichnis 1.1.2016 - 31.12.2016 ist dies nicht erkennbar)?
d. Hat der Beschwerdeführer im Jahr 2016 über einen Rasenmäher verfügt?
e. Auf welche Ermittlungsergebnisse stützt sich die in der Beschwerdevorentscheidung vom 16.4.2021 getroffene Feststellung, dass auch in den Jahren 2015 und 2016 ein persönliches Naheverhältnis zwischen dem Beschwerdeführer und ***2*** bestanden hat?
f. Hat nach Ansicht des Finanzamtes Österreich eine Bewohnbarkeit des Objektes ***26***, ***17*** bestanden?
Mit Schreiben vom 31. Oktober 2022 hat das Finanzamt Österreich zum Nachtrag vom 4.2.2022 zum Vorlageantrag des Bf. folgende Stellungnahme abgegeben:
Die Unterstellungen des Bf., Organe der Finanzverwaltung hätten Unwahrheiten "dazuformuliert", "Fangfragen gestellt", oder gar Beweismittel unterschlagen, würden entschieden zurückgewiesen werden. Die Außenprüferin ***32*** hat zu den Auszügen aus dem Nachtrag des Bf. wie folgt Stellung genommen:
Zu folgendem Vorbringen des Bf.: "Lt. Gespräch des Augenscheins am 18.10.2019 zwischen der BP und mir wurde ich bereits nach neun Minuten des Kennenlernens noch vor meinem Haus
***57*** stehend zur "Lebensgefährtin", die bereits seit 2013 meine ehemalige Lebensgefährtin ist, wortwörtlich befragt:
***32***: "da lebt die Tochter drinnen, de Lebensgefährtin mit ihna". (Fangfrage, Vorbereitungshandlung)
Ich: "Na jo, jo mia san (hier habe ich kurz inngehalten und das Wort "getrennt" nicht ausgesprochen, da zu privat) de "Lebensgefährtin" is net so oft da".
***29*** und....***32*** unterbricht.
***32***: "und wer wohnt jetzt da drinnen?
***Bf1***: "da, eigentlich hauptsächlich ich" (d.h. Fr. ***2*** wohnt hier nicht)
***32***: "sie wohnen da drinnen, de Tochter a"
Stellungnahme ***32***:
"Bei der Betriebsbesichtigung am 18.10.2019 wurde ich nach dem Klingeln sofort in das Haus ***8*** hereingebeten. Es gab kein "Stehen" im Freien. Als ich das Haus verlassen habe, habe ich die Garagen und die Fassade sowie den Innenrohbau des "Neubaus" begutachtet. Anschließend habe ich das Grundstück verlassen.
Herr ***Bf1*** beschreibt hier sehr ausführlich, dass ich ihn immer wieder nach seiner "Lebensgefährtin" und der Tochter gefragt habe. Dies ist nicht richtig. Frau ***2*** wurde bei der Betriebsbesichtigung nur einmal von Herrn ***Bf1*** erwähnt und zwar als er mir erklärte, dass die Heizung ausgefallen sei und seine Lebensgefährtin deshalb zur Zeit in ***26*** wohnt.
Dass der Wohnort der ehemaligen Lebensgefährtin im Zusammenhang mit der Lohnvorauszahlung bei der Betriebsbesichtigung noch kein Thema war, ist auch anhand der übermittelten Mail des Beschwerdeführers vom 31.10.2020 "Antwort Fragen Betriebsbesichtigung" ersichtlich."
Zu folgendem Vorbringen des Bf. aus dem Nachtrag vom 4.2.2022:
"Lt. Aufzeichnung vom 18.10.2019 habe ich weder von einer abgeschalteten Heizung gesprochen noch bestätigt, dass Fr. ***2*** aktuell in ***26*** wohnt.
Weiters habe ich sehr wohl ***29*** erwähnt und da mein Haus in ***8*** durchgehend seit 1987 bewohnt wird kann es nicht unbewohnt scheinen. Die Aussage der BP entbehrt jeder Grundlage um festzustellen, dass Fr. ***2*** meine aktuelle Lebensgefährtin sein soll, zudem wurden mehrere Unwahrheiten von der BP im Nachhinein eindrucksvoll "dazuformuliert".
Stellungnahme ***32***:
"Hauptsächliches Anliegen der Besichtigung war die Klärung bzgl. Sanierung und Umbau der zweiten Haushälfte, da hier sehr hohe Aufwendungen getätigt wurden. ***29*** wurde nicht erwähnt."
Zu folgendem Vorbringen des Bf. aus dem Nachtrag vom 4.2.2022:
"FB o.a. materielle Wahrheit vor anderen Behörden zu verschleiern indem die Seite 2 der Vernehmung von Fr. ***2*** v. 17.09.2020 unterschlagen wurde und es erst"
Stellungnahme ***32***:
"Ich habe keine 'Seite 2' unterschlagen, sondern sie wurde versehentlich beim Scannen vergessen. Herr ***68*** von der ***69*** und auch ***70*** haben mich am 09.08.2021 per Mail darüber informiert, wonach ich die gesamte Niederschrift unverzüglich übermittelte."
Die im Beschluss des Bundesfinanzgerichts vom 3.10.2022 gestellten Fragen wurden vom Finanzamt wie folgt beantwortet:
a) Zur Schlussbesprechung und zur Vorlage des Kalenders
Die Schlussbesprechung über die Außenprüfung beim Bf. hätte am 20.02.2020 im Finanzamt ***27*** (nunmehr: Finanzamt Österreich, Dienststelle ***27***) am Standort ***34***, ***71***, um 9:30 Uhr stattgefunden.
Zur Vorbereitung auf die Schlussbesprechung wäre dem damaligen steuerlichen Vertreter des Bf. eine vorläufige Version der Niederschrift, datiert mit 11.02.2020, übermittelt worden.
Im Rahmen der Schlussbesprechung vom 20.02.2020 wäre es zu Änderungen gekommen, woraufhin dem steuerlichen Vertreter eine geänderte Niederschrift, datiert mit 25.02.2020, geschickt worden wäre. Die Unterschrift wäre vom Bf. verweigert worden.
Der Kalender wäre der Prüferin in einem früheren Verfahrensstadium angeboten worden. Zum damaligen Zeitpunkt wäre dafür keine Notwendigkeit gesehen worden. Die Prüferin hätte den Kalender im gesamten Prüfungsverfahren nicht gesehen.
b) Zur Aufnahme des Kalenders in den Arbeitsbogen
Vom Bf. wären am 31.01.2020 Kalenderaufzeichnungen (Eine Seite Februar/März 2016 und zwei Seiten vom Juni 2016) übermittelt worden. Diese wären auch in den Arbeitsbogen übernommen worden.
Mit Mail vom 31.01.2020 (Beilage 1) an den vormaligen steuerlichen Vertreter ***35*** hätte der Bf. mitgeteilt, dass die Arbeitszeiten des Kalenders zwecks besserer Übersicht in Tabellenform von ihm übernommen (Stundenaufzeichnungen) worden wären. Diese Stundenaufzeichnungen würden sich ebenfalls im Arbeitsbogen befinden.
c) und d) Kehrmaschine und Rasenmäher
Es wären weder eine Kehrmaschine noch ein Rasenmäher aktiviert worden. Ob der Bf. über diese Geräte verfügt, könne nicht beantwortet werden. Die Prüferin hätte bei der Betriebsbesichtigung keine Kehrmaschine und keinen Rasenmäher gesehen.
e) Zum persönlichen Naheverhältnis
Es werde auf die Beschwerdevorentscheidung vom 16.04.2021, Seite 2, verwiesen:
"Frau ***2***, geb. ***3***, war von 1. März 2016 bis 30. September 2016 als Dienstnehmerin des Beschwerdeführers gemeldet. Unstrittig hat sie bis 2012 in einer Lebensgemeinschaft mit dem Beschwerdeführer gelebt. Aus der Aktenlage ergibt sich, dass Frau ***2*** und der Beschwerdeführer vom 19.02.1992 bis zum 20.07.2015 ihren gemeinsamen Hauptwohnsitz an der Adresse ***Bf1-Adr*** hatten. Auch die gemeinsamen Kinder ***72*** (geb. ***43***) und ***44*** (geb. ***45***) waren lange Zeit dort wohnhaft. Seit 20.07.2015 ist der Hauptwohnsitz von ***2*** an der Adresse ***26***, ***17***. Bei dieser Adresse handelt es sich um ein Haus im Besitz des Beschwerdeführers.
Nach Ansicht des Finanzamtes wäre es realitätsfern anzunehmen, dass nach einer jahrzehntelangen Lebensgemeinschaft, nur wenige Monate nach Verlegung des Hauptwohnsitzes, nämlich zum vorgeblichen Zeitpunkt des Abschlusses eines mündlichen Dienstvertrages am 09.12.2015 (S. 6 der Beschwerdeschrift), kein persönliches Naheverhältnis zwischen ***2*** und dem Beschwerdeführer bestanden haben soll. Dies insbesondere im Hinblick auf die Verlegung des Wohnsitzes in eine Wohnung, die sich im Besitz des Beschwerdeführers befindet. Die Angehörigenjudikatur ist daher anwendbar."
Die Feststellung des Finanzamtes würde sich auf folgende Ermittlungsergebnisse stützen:
Auszug aus dem Zentralen Melderegister (Beilage 2)
Dass bis 2012 eine Lebensgemeinschaft bestand, wäre vom Bf. (siehe auch Beschwerdeschrift Seite 4) selbst vorgebracht worden:
"Ich und Frau ***2*** waren nie verheiratet und haben bis Ende 2012 in einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft zusammengelebt. 2013 wurde dann ein"
Im Zusammenhang mit ehemaligen Lebensgefährten wäre höchstgerichtlich ausgesprochen worden, dass es einer fallbezogenen Prüfung bedürfe, ob noch eine faktische Nahebeziehung bestehe, auf die sich die Beurteilung als naher Angehöriger gründen lasse (Erkenntnis des VwGH vom 28. Juni 2012, 2010/15/0016). Eine bloße Bekanntschaft, mag sie auch schon "sehr lange" dauern, würde nicht ausreichen, um eine Person einem "nahen Angehörigen" gleichzuhalten (Erk. des VwGH vom 26. März 2014, 2011/13/0036).
In Anbetracht des Sachverhaltes (gemeinsame Kinder, gemeinsamer Hauptwohnsitz laut ZMR bis Juli 2015, Wohnung der ehemaligen Lebensgefährtin im Eigentum des Bf.) könne nach Ansicht des Finanzamtes keinesfalls von einer "bloßen Bekanntschaft" ausgegangen werden.
Abgabenrechtliche Fragen wären nach ihrem wahren wirtschaftlichen Gehalt zu beurteilen. Mit E-Mail vom 6. November (Beilage 3, S. 9) hätte der Bf. die Frage nach Arbeitsverträgen mit Angehörigen wie folgt beantwortet:
"3. Betreffende Arbeitsverträge für Lebensgefährtin und Tochter gibt es nicht, lediglich ein persönlicher Wochenkalender (2016) mit Arbeitsnotizen von der Lebensgefährtin ist vorhanden. Teilen Sie mir bitte mit, ob Sie diesen Kalender benötigen. Gerne kann ich Ihnen diesen kurzfristig vorbeibringen."
In freier Beweiswürdigung würde das Finanzamt vom Bestehen eines Naheverhältnisses ausgehen. Es werde darauf hingewiesen, dass selbst wenn keine Nahebeziehung bestanden hätte, die betriebliche Veranlassung der getätigten Zahlungen zu hinterfragen wäre.
f) Zur Bewohnbarkeit des Objektes ***26***,***17***
Diese Frage könne nicht beantwortet werden, da die Räumlichkeiten nicht besichtigt worden wären. Von außen wäre das Objekt bewohnbar erschienen (Beilage 4).
Mit Beschluss vom 11. November 2022 wurde diese Stellungnahme des Finanzamtes Österreich vom 31.10.2022 dem Bf. samt Beilagen zur Kenntnis gebracht und für eine Äußerung eine Frist von drei Wochen gesetzt.
Am 22. November 2022 ***44***, der Sohn des Bf., aufgrund einer vom Bf. am 21.11.2022 erteilten Vollmacht Akteneinsicht in den Akt des Beschwerdeverfahrens des Bundesfinanzgerichts genommen.
Am 24.11.2022 hat der Bf. um Verlängerung der Frist für eine Äußerung bis 9.1.2023 ersucht. Diesem Ersuchen wurde mit Beschluss vom 29.11.2022 entsprochen.
Am 5.1.2023 hat der Bf. eine Stellungnahme zum Schreiben des Finanzamtes Österreich vom 31.10.2022 abgegeben und auch "Mp3-Dateien" betreffend die am 18.10.2019 erfolgte Betriebsbesichtigung, über die Schlussbesprechung vom 20.2.2020 sowie über die Einvernahme von Frau ***2*** vom 17.9.2020 angeschlossen.
In diesem Schreiben wurde zusammengefasst folgendes Vorbringen erstattet:
Zunächst wird das Vorbringen auf Seite 2 des Nachtrages zum Vorlageantrag vom 4.2.2022 wiederholt.
Zum Vorbringen der Stellungnahme der Betriebsprüfung vom 17.7.2020, wonach sich die Prüfung mit dem Bf. äußerst schwierig gestaltet hätte, wobei diese Meinung auch sein damaliger Steuerberater ***35*** vertreten hätte, welcher die steuerliche Vertretung nach Abschluss der Prüfung zurückgezogen hätte, führt der Bf. aus, dass ***35*** ihn beim weiteren Beschwerdeverfahren unterstützt hätte.
Auch die Ausführungen in der Stellungnahme vom 17.7.2020 wonach der Bf. letztendlich bei allen Feststellungen, nicht nur bei Tz. 1, keine Einsicht gehabt hätte und vehement auf seinen Ansichten beharrt hätte, werden vom Bf. bestritten.
Soweit das Finanzamt behaupten würde keine "Fangfragen" gestellt zu haben, wird vom Bf. vorgebracht, dass der Umstand, ob es sich bei der Betriebsbesichtigung um Vorbereitungshandlungen sowie um Fangfragen gehandelt hätte, sich aus der Vorgehensweise von selbst belegen würde. Laut Auskunft von seinem Steuerberater (Steuerbüro ***35***) am 8.10.2019 würde es um das Beschäftigungsverhältnis gehen.
Folgende Äußerungen wären bei der Betriebsbesichtigung am 18.10.2019 getätigt worden:
Prüferin: "Da [Anmerkung: im Objekt ***8***] lebt die Tochter drinnen, die Lebensgefährtin mit ihna. … Wer wohnt denn da jetzt?"
Obwohl die BP vorher am 3.10.2019 die Grunddaten-Auskunft bezgl. Frau ***2*** abgefragt und genau gewusst hätte, dass Frau ***2*** in ***26*** gemeldet gewesen wäre. Diese Datenabfrage hätte die Prüferin bereits in ihre Unterlagen eingefügt und den Bf. trotzdem kurz vorher gefragt, ob die Lebensgefährtin mit dem Bf. in ***57*** wohnen würde. Dabei würde es sich um eine klassische Fangfrage handeln.
Entschieden zurückgewiesen würde vom Finanzamt auch die Unterschlagung von Beweismitteln. Gemeint wäre die Seite 2 der Vernehmung von Frau ***2***. Laut der Betriebsprüfung wäre diese Seite 2 zum Scannen "vergessen" worden. Bei der Verfassung der Bescheidbegründung vom 16.4.2021 von ***112*** wäre die Seite 2 auch "vergessen" worden, da sonst die Bescheidbegründung nicht so verfasst werden hätte können wie sie verfasst worden wäre (Also wäre die Seite 2 mehrmals "vergessen" worden?).
Die Angabe von AR ***32***, dass sie bei der Betriebsbesichtigung am 18.10.2019 nach dem Klingeln sofort in das Haus ***57*** hereingebeten worden wäre, wäre unrichtig. Treffprunkt des Termines mit der BP zum Augenschein am 18.10.2019 wäre bei der Tankstelle ***51*** gewesen. Sodann hätte es einen kurzen Betriebsrundgang betreffend ***51***, ***94*** (Fa. ***42***) und ***25*** (Fa. ***46***) gegeben.
Sodann wird die Befragung der Prüferin betreffend Frau ***2*** bei der Betriebsbesichtigung am 18.10.2019 wie folgt wiedergegeben:
Prüferin: "Da lebt die Tochter drinnen, de Lebensgefährtin mit Ihnen."
Bf.: "Na o, jo mia san (hier hätte der Bf. kurz innegehalten und das Wort "getrennt" nicht ausgesprochen, da zu privat) de Lebensgefährtin is net so oft da… ***29*** und …" Die Prüferin hätte unterbrochen: "und wer wohnt jetzt da drinnen?"
Bf.: "Ja, eigentlich hauptsächlich ich" (d.h. Frau ***2*** würde hier nicht wohnen).
Prüferin: "Sie wohnen da drinnen, de Tochte a"
Es wäre fraglich wie die Prüferin überhaupt auf eine Lebensgefährtin kommen würde. Zuvor hätte er sie noch nie in seinem Leben getroffen. Auf den Zahlungen der Lohnüberweisungen wäre nur "***2***" gestanden.
Sodann werden Fragen der Prüferin zu ***26*** wie folgt wiedergegeben:
Prüferin : "Wo ist denn ***26***, wo ist denn des?"
Bf.: "Des is in ***93***."
Prüferin: "Des gehört ja a ihna, geu?"
Bf.: "Ja."
Prüferin: "Wer wohnt da jetzt?" (Die Prüferin hätte zuvor am 3.10.2019 noch vor dem ersten Termin beim Steuerberater des Bf. am 7.10.2019 die Grunddaten-Auskunft abgefragt und hätte ganz genau gewusst, dass Frau ***2*** in ***26*** gemeldet wäre, also würde sie indirekt das Thema "Frau ***2***" ansprechen und würde weiterhin vorbereiten. Eine gute Stunde zuvor hätte sie den Bf. noch gefragt, ob er mit Frau ***2*** in ***8*** zusammenwohnen würde.)
Bf.: "Die Lebensgefährtin, teilweis, sie ist gemeldet da drüben. Sie ist in ***29*** auch viel, ie is a bei mir, sie is überall." (Hier hätte die BP bezüglich ***29*** nachfragen sollen was sie aber nicht getan hätte.)
Prüferin: "Ah, ok. Is des a Wohnhaus drüben a?"
Bf.: "Ja, des is a ganz altes Haus, als, des is eigentlich kann ma sagen … (hier hätte der Bf. noch ausführen wollen, dass dieses Haus unvermietbar wäre und sich in einem äußerst schlechten Zustand befinden würde. Wasserrohrbruch, alte Elektrik, Brunnenwasser, kein Kanalanschluss, Strom abgeschaltet usw…) wäre aber von der Prüferin unterbrochen worden.)
Prüferin: "Da wohnt die Frau ***2***, zumindest is bei uns …"
Bf.: "Ja, ja sag ma auf alle Fälle (damit hätte er die Meldung gemeint) im Winter is a Katastrophe."
Prüferin: "Aber Sie wohnen da?" (***57***) Die Prüferin hätte nicht gefragt, ob er mit der Lebensgefährtin hier wohnen würde."
Bf.: "Ja, ja."
…
Prüferin: "Schlafen Sie da? Wohnen Sie da? In dem Haus?"
Bf.: "Ja, warum?"
Prüferin: "Und wo schlafen Sie da?"
Bf.: "Es ist eh ein Schlafzimmer da."
Aus heutiger Sicht würde sich der Bf. hintergangen fühlen, da das eigentliche Thema (Beschäftigungsverhältnis mit Frau ***2***) bei der Betriebsbesichtigung nicht an(aus)gesprochen worden wäre, sondern versucht worden wäre durch eine Hintertür zu ermitteln, um den Bf. später zu überführen.
Frau ***2*** wäre vom Bf. nur wegen der Beantwortung der Fragen der Prüferin erwähnt worden. Die Prüferin hätte Frau ***2*** auch indirekt angesprochen.
Der Bf. würde davon ausgehen, dass das Beschäftigungsverhältnis mit Frau ***2*** bereits vor der Betriebsbesichtigung am 18.10.2019 ein Thema gewesen wäre.
Auch wäre es bei der Betriebsbesichtigung um sämtliche ungeklärte Investitionen und Mietverträge gegangen und nicht nur um die Klärung bezüglich der Sanierung und Umbau der zweiten Haushälfte ***8***.
Auf Seite 8 oben des Schriftsatzes vom 5.1.2013 erstattet der Bf. ein Vorbringen betreffend die Nichtübermittlung der Seite 2 der Einvernahme von Frau ***2*** vom 17.9.2020 mit der Anzeige des Amtes für Betrugsbekämpfung vom 21.6.2021.
Betreffend die verweigerte Unterschrift der Niederschrift über die Schlussbesprechung vom 20.2.2020 bzw. 25.2.2020 bringt der Bf. vor, dass er seine Unterschrift nicht geleistet habe, weil er das Gefühl gehabt hätte ungerecht behandelt worden zu sein und zwar aufgrund der fehlenden fallbezogenen Prüfung zur faktischen Nahebeziehung zu Frau ***2***, des fehlenden Parteiengehörs und weil seine Beweise wie zum Beispiel der Kalender und die "Bestätigung der Trennung der Lebensgemeinschaft mit Frau ***2***" nicht angenommen und ignoriert worden wären. Er hätte bei der Schlussbesprechung den Kalender mitgehabt und hätte ihn mehrmals während der Schlussbesprechung auch indirekt angeboten. Auch andere Teilziffern wären wegen der Unterschrift-Verweigerung betroffen gewesen.
Bereits am 6.11.2019 hätte der Bf. mit Mail angeboten den Kalender kurzfristig vorbeizubringen. Im Arbeitskalender von Frau ***2*** wären der Arbeitsumfang, sowie welche Tätigkeiten mitsamt der Stundenaufzeichnungen täglich angeführt gewesen.
Die Prüferin hätte bei der Schlussbesprechung den Kalender nicht sehen wollen.
Es wären drei Kalenderseiten in den Arbeitsbogen übernommen worden, wobei eine davon in der Beschwerdevorentscheidung verstümmelt worden wäre.
Es wäre mehrmals in der Sphäre der Betriebsprüfung gelegen den Kalender zu sehen, anzunehmen und in das Protokoll einzufügen. Den Kalender nicht in das Protokoll einzufügen wäre deshalb erfolgt um die Darlegungen der BP und des Fachbereichs aufrechtzuerhalten.
Die Recherchen nach Wiedereröffnung des Verfahrens (Anmerkung: damit meint der Bf. offenbar die Ermittlungen des Finanzamtes nach Erhebung der Beschwerde) wären von der BP nicht rechtmäßig durchgeführt worden. Er wäre über die Ergebnisse der Recherchen nicht informiert worden, was ihm als Partei zugestanden wäre. Auch hätte er bei der Lohnzahlung im Dezember 2015 an Frau ***2*** keine Ahnung von einer Beihilfe des AMS 2016 haben können.
Er hätte eine "***73*** Kehrmaschine" vor circa 25 Jahren gebraucht gekauft. Diese wäre circa 40 Jahre alt und würde sich in einem funktionsfähigen Zustand befinden. Am 7.8.2017 wären zwei neue Reifen samt Schläuchen für diese Kehrmaschine angeschafft und von seinem Sohn am 21.8.2017 montiert worden.
Es würden sich zur Zeit zwei Rasenmäher in der Immobilienvermietung befinden, wobei einer ein sehr alter 2-Takter wäre, der jedoch noch voll funktionsfähig und einsatzbereit wäre. Der neuere Rasenmäher wäre am 19.10.2017 auch für die Vermietung ***58***, ***59*** und ***74*** angeschafft worden.
Die Betriebsprüfung hätte außer ***57*** seine Immobilien (Gewerbeobjekte) nur von außen besichtigt und hätte daher keine Kenntnis über die darin befindlichen Geräte und Maschinen und würde daher über kein Wissen des Interieurs verfügen.
Schließlich wird ein Vorbringen betreffend einen im Jahr 2018 eingetretenen Wasserrohrbruch im Objekt ***26***, ***17***, erstattet, woraus folgen würde, dass sich die Bewohnbarkeit dieses Objektes nicht von außen beurteilen lassen würde.
Das neuere angebaute Wohnhaus würde sich im Inneren im Rohbauzustand befinden und wäre ebenfalls nicht bewohnbar.
Mit Schreiben vom 26. Jänner 2023 gab das Finanzamt Österreich folgende Stellungnahme ab:
Stellungnahme zum Nachtrag vom 4.2.2022 zum Vorlageantrag:
Die wiederholten Unterstellungen des Bf. würden erneut zurückgewiesen. Welchen Beitrag die geheim angefertigten Audio-Aufnahmen zur Klärung des beschwerdegegenständlichen Sachverhaltes liefern würden, wäre für das Finanzamt nicht erkennbar. Ein weiteres Eingehen auf die Vorwürfe gegen die Betriebsprüferin und den Rechtsmittelbearbeiter würde nicht sachdienlich scheinen und würde daher unterbleiben.
Beantwortung der Fragen des Bundesfinanzgerichts:
a) Zur Schlussbesprechung und zur Vorlage des Kalenders
Entscheidungsrelevant wäre nach Ansicht des Finanzamtes, ob der Bf. den Kalender dem Bundesfinanzgericht vorlegt, bzw. gegebenenfalls der Inhalt dieses Kalenders. Dazu würde sich der Bf. leider nicht äußern.
b) Zur Aufnahme des Kalenders in den Arbeitsbogen
Die Ausführungen zu diesem Punkt würden erneut Unterstellungen und persönliche Vorwürfe enthalten. Eine Stellungnahme des Finanzamtes wäre entbehrlich.
c) und d) Kehrmaschine und Rasenmäher
Die vorgelegten Unterlagen würden weder die betriebliche Verwendung noch die vorgebliche Tätigkeit der ***2*** belegen.
e) Zum persönlichen Naheverhältnis
Es werde auf die Beschwerdevorentscheidung vom 16.04.2021, Seite 2, verwiesen.
f) Zur Bewohnbarkeit des Objektes ***26***,***17***
Die Ausführungen zu einem Wasserrohrbruch im Jahr 2018 würden nichts zur Klärung der Frage beitragen, ob das Gebäude im Beschwerdezeitraum (2015-2016) bewohnbar gewesen wäre.
II. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
1. Sachverhalt
Der Bf. hat bis 30. Juni 2012 eine Kfz-Werkstatt sowie eine Tankstelle betrieben. Der Bf. ist unter anderem grundbücherlicher Eigentümer nachstehender Liegenschaften:
EZ ***75*** KG ***76*** ***77*** mit der Anschrift ***26***
EZ ***78*** KG ***76*** ***77*** mit der Anschrift ***79***
EZ ***80*** KG ***76*** ***77*** mit den Anschriften ***81*** (GSt.Nr. ***82***), ***83*** (GSt.Nr. ***84***) und ***8*** (GSt.Nr. ***85***); auch das Grundstück Nr. ***86*** mit einer Fläche von 51 m2 gehört zu dieser Einlagezahl
EZ ***87*** KG ***88*** ***31*** mit der Anschrift ***51*** mit den Grundstücken Nummer ***47*** und ***89***
EZ ***90*** KG ***88*** ***31*** mit dem Grundstück Nr. ***91*** (***25*** bzw. ***92***)
Seit 1.7.2012 erzielt er neben Pensionseinkünften Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung von folgenden Objekten:
***94*** (EZ ***80*** KG ***76*** ***77***, GSt.Nr. ***82***; EZ ***90*** KG ***88*** ***31***, GSt.Nr. ***91*** und EZ ***87*** KG ***88*** ***31*** GSt.Nr. ***47*** und ***89***): Es wird eine Halle auf Grundstück Nr. ***91*** und ***82***, 150 m2 von Grundstück Nr. ***89*** und 850 m2 von Grundstück Nr. ***47*** vermietet und zwar seit 1.8.2010 an die ***46***. Mietzweck ist die Verwendung im Rahmen eines Kraftfahrzeugreparaturgewerbes.
***25*** (EZ ***80*** KG ***76*** ***77***, GSt.Nr. ***82*** und EZ ***90*** KG ***88*** ***31***, GSt.Nr. ***91***): Es werden Teile der Halle im Ausmaß von 545 m2 sowie der an die östliche Front des Betriebsgebäudes angrenzende Vorplatz bis hin zur ***93*** Bundesstraße im Ausmaß von 225 m2 vermietet und zwar seit 19.2.2007 an die ***49***, die im September 2012 ihren Namen auf ***42*** geändert hat. Mietzweck ist Verwendung im Rahmen des Maschinen- und Mechatronikergewerbes (Bäckereitechnik).
***51*** (EZ ***87*** KG ***76*** ***77***, GSt.Nr. ***47*** und ***89***): Es wird ein Betriebsgebäude im Ausmaß von 140 m2, eine überdachte Tankstellenfläche von 160 m2, eine asphaltierte Freifläche von 280 m2 um den Tankstellenbereich sowie ein Teil der Freifläche auf der Rückseite des Gebäudes (Container-Stellplatz und Tor-Ausfahrten) und zwar seit 1.7.2012 an die ***40*** vermietet. Mietzweck ist die Verwendung als Tankstelle, des Handels mit Waren aller Art (Tankstellenshop) sowie der Betrieb einer Auto-Waschanlage.
Im Mietvertrag mit der ***46*** vom 17.5.2010 betreffend das Objekt ***94*** findet sich unter anderem folgende Regelung (Punkt V. Absätze 2 bis 4):
"Die Mieterin verpflichtet sich, die Nutzungsgegenstände pfleglich zu behandeln, zu warten und zu erhalten bzw. gegen gleichwertige Geräte zu ersetzen. Die Mieterin erklärt, den Mietgegenstand besichtigt und in altersgemäß gutem Zustand vorgefunden zu haben. Sie verpflichtet sich, den Mietgegenstand pfleglich zu behandeln und nach Beendigung des Mietverhältnisses dem Vermieter in ordnungsgemäßem Zustand, das heißt ohne Beschädigungen und besengereinigt zurückzustellen. Für die normale Abnutzung bei schonendem Gebrauch hat die Mieterin nicht einzustehen. Die Mieterin verpflichtet sich, das Mietobjekt sowie dessen Versorgungsanlagen zu warten und instandzuhalten und erklärt, den Vermieter hinsichtlich einer aus der Verletzung dieser Instandhaltungspflicht resultierenden Inanspruchnahme schad- und klaglos zu halten. Die Mieterin trifft daher die Erhaltungspflicht des § 1096 ABGB, außer es handelt sich um ernste Schäden am Objekt.
Die Fenster des Gebäudes sind zumindest einmal jährlich gründlich zu reinigen, das Dach und die Dachrinnen sind mehrmals jährlich zu reinigen. Schrottgegenstände dürfen vorübergehend nur im hinteren Bereich des Grundstückes ***47*** gelagert werden."
Es trifft daher die Mieterin des Objektes ***94*** die Verpflichtung das Objekt während der Dauer des Bestandverhältnisses instandzuhalten, wobei dies auch Reinigungstätigkeiten beinhaltet.
Im Mietvertrag mit der ***42*** (vormals ***49***) vom 14.2.2007 betreffend das Objekt ***25*** wurde unter anderem folgende Regelung getroffen (Punkt V. Absätze 2 und 3):
"Die Mieterin erklärt, den Mietgegenstand besichtigt und in altersgemäß gutem Zustand vorgefunden zu haben. Sie verpflichtet sich, den Mietgegenstand pfleglich zu behandeln und nach Beendigung des Mietverhältnisses dem Vermieter in ordnungsgemäßem Zustand, das heißt ohne Beschädigungen und besengereinigt zurückzustellen. Für die normale Abnutzung bei schonendem Gebrauch hat die Mieterin nicht einzustehen.
Die Mieterin verpflichtet sich, das Mietobjekt sowie dessen Versorgungsanlagen zu warten und instandzuhalten und erklärt, den Vermieter hinsichtlich einer aus der Verletzung dieser Instandhaltungspflicht resultierenden Inanspruchnahme schad- und klaglos zu halten. Die Mieterin trifft daher die Erhaltungspflicht des § 1096 ABGB, außer es handelt sich um ernste Schäden am Objekt."
Es trifft daher die Mieterin des Objektes ***25*** die Verpflichtung das Objekt während der Dauer des Bestandverhältnisses instandzuhalten, wobei dies auch Reinigungstätigkeiten beinhaltet.
Der Mietvertrag mit der ***95*** vom 21. Juli 2012 betreffend das Objekt ***51*** enthält unter anderem folgende Regelung (Punkt V. Absätze 8 und 9):
"Die Mieterin erklärt, den Mietgegenstand besichtigt und in altersgemäß gutem Zustand vorgefunden zu haben. Sie verpflichtet sich, den Mietgegenstand pfleglich zu behandeln und nach Beendigung des Mietverhältnisses dem Vermieter in ordnungsgemäßem Zustand, das heißt ohne Beschädigungen und besengereinigt zurückzustellen. Für die normale Abnutzung bei schonendem Gebrauch hat die Mieterin nicht einzustehen.
Die Mieterin verpflichtet sich, das gesamte Mietobjekt samt Türen, Fenstern und Toren sowie dessen Versorgungs- und Abwasseranlagen zu warten und instand zu halten und erklärt, den Vermieter hinsichtlich einer aus der Verletzung dieser Instandhaltungspflicht resultierenden Inanspruchnahme schad- und klaglos zu halten. Die Mieterin trifft daher die Erhaltungspflicht des § 1096 ABGB, außer es handelt sich um ernste Schäden am Objekt.
Die Fenster, die Türen und die Tore des Gebäudes sind zumindest einmal jährlich gründlich zu reinigen und die Dachrinnen sind mehrmals jährlich zu reinigen. Die Fahrbahn samt dazugehörigen Verkehrsinseln ist ganzjährig entsprechend sauber, Schnee- und Eisfrei zu halten."
Es trifft daher die Mieterin des Objektes ***51*** die Verpflichtung das Objekt während der Dauer des Bestandverhältnisses instandzuhalten, wobei dies auch Reinigungstätigkeiten beinhaltet.
Der Bf. besitzt des weiteren auch noch ein Gebäude an der Anschrift ***8***, das von ihm bewohnt wird. Ein Teil dieses Gebäudes im Ausmaß von 56 m2 hat der Bf. beabsichtigt für Geschäftszwecke (Praxis) zu vermieten, wobei bis 2020 keine Vermietung erfolgt ist. Der für die Vermietung vorgesehene Teil war in einem sanierungsbedürftigen Zustand (mit Pilz befallener Innenputz). Auch haben sich in dieser Räumlichkeit zahlreiche Gegenstände wie zB Ordner befunden.
Der Bf. hat mit Frau ***2***, die jedenfalls bis März 2013 seine Lebensgefährtin gewesen ist, zwei Kinder und zwar ***72***, geboren am ***43***, und ***44***, geboren am ***45***.
Auch nach der Auflösung der Lebensgemeinschaft zwischen dem Bf. und ***2*** und daher auch in den Jahren 2015 und 2016 bestand ein freundschaftliches bzw. weiterhin ein enges persönliches Verhältnis zwischen den beiden.
***2*** hat im Zeitraum 1. April 2014 bis 30. April 2015 Arbeitslosengeld bezogen. Im Zeitraum 1. Mai 2015 bis 31. Juli 2015 wurde ihr auf ihren Antrag Pflegekarenzgeld gemäß
§ 21c Bundespflegegeldgesetz (BPGG) für die Pflege ihrer pflegebedürftigen Mutter, die in ***29***, ***30***, wohnt, gewährt. Ab 1.10.2014 hat die Mutter von Frau ***2*** Pflegegeld in der Stufe 5 bezogen. Am 1. und 2. August 2015 hat ***2*** wiederum Arbeitslosengeld bezogen und im Zeitraum 3.8.2015 bis 29.2.2016 Notstandshilfe.
Frau ***2*** hat im Jahr 1991 beim ***96*** eine Veranstaltung "geprüfter Buchhalter" (172 Lehreinheiten) besucht (Teilnahmebestätigung des ***96*** vom 30.4.1991). Im Jahr 1980 hat sie die Lehre zum landwirtschaftlichen Facharbeiter mit der Lehrabschlussprüfung erfolgreich abgeschlossen (Zeugnis der land- und forstwirtschaftlichen Fachausbildungsstelle bei der Landwirtschaftskammer für ***97*** vom 17.3.1980). Sie verfügt unter anderem über die Lenkerberechtigung für die Fahrzeuge der Gruppe E (Kraftwagen mit denen andere als leichte Anhänger gezogen werden) und F (Zugmaschinen, Motorkarren, selbstfahrende Arbeitsmaschinen, landwirtschaftliche selbstfahrende Arbeitsmaschinen; am 31.10.1986 ausgestellter Führerschein = Beilage B 54/2 des Vorlageantrages).
Im Dezember 2015 - der genaue Zeitpunkt kann nicht festgestellt werden - hat es ein Gespräch zwischen dem Bf. und ***2*** gegeben, in dem über eine etwaige künftige Tätigkeit von Frau ***2*** für den Bf. gesprochen wurde. Dabei wurde der Beginn der Tätigkeit sowie die Arten der von Frau ***2*** zu verrichtenden Arbeiten noch nicht konkret besprochen. Auch die Höhe der Entlohnung wurde noch nicht festgelegt.
Am 31.12.2015 hat der Bf. an ***2*** einen Betrag von € 9.000,- überwiesen und als Verwendungszweck "Lohn-Vorauszahlung für 2016" angegeben. Diese Zahlung wurde weder der Lohnsteuer noch dem Dienstgeberbeitrag noch anderen lohnabhängigen Abgaben unterworfen. Auch zu diesem Zeitpunkt war noch kein Arbeitsvertrag zwischen dem Bf. und Frau ***2*** zustande gekommen. Diese Zahlung ist nicht deswegen erfolgt, weil Frau ***2*** auf diese Vorauszahlung bestanden hat, sondern ging die Initiative für diese Zahlung noch im Jahr 2015 vom Bf. aus. Es ist im Wirtschaftsleben vor dem Abschluss eines Dienstvertrages bzw. vor dem Beginn des Dienstverhältnisses nicht üblich, dass Anzahlungen auf das künftige Gehalt geleistet werden. Vielmehr werden üblicherweise nur dem künftigen Dienstnehmer vor Beginn des Dienstverhältnisses erwachsene Aufwendungen (zB Reisekosten für Vorstellungsgespräche) ersetzt und erfolgen Gehaltsvorschüsse erst dann wenn die Tätigkeit bereits begonnen wurde.
Am 5.2.2016 erfuhr ***2*** von einer Mitarbeiterin des Arbeitsmarktservice, dass sie zum förderbaren Kreis für die Eingliederungsbeihilfe gemäß § 34 Arbeitsmarktservicegesetz (Aktion "COME BACK") zählt und wurde Frau ***2*** ein entsprechendes Antragsformular ausgefolgt, das bis 18.3.2016 einzureichen war.
Dass für sie eine Eingliederungsbeihilfe zustehen würde, teilte ***2*** in der Folge dem Bf. mit, der den Antrag auf Eingliederungsbeihilfe für Frau ***2*** am 14.3.2016 beim Arbeitsmarktservice abgegeben hat.
Im Februar des Jahres 2016 und zwar nachdem für den Bf. festgestanden ist, dass Frau ***2*** eine Eingliederungsbeihilfe aus der Aktion "Come Back" vom Arbeitsmarktservice für sechs Monate erhalten wird, wurde zwischen dem Bf. und Frau ***2*** vereinbart, dass sie für den Bf. Tätigkeiten im Zusammenhang insbesondere mit dem Objekt ***8*** ausführen wird und dafür von ihm ein Entgelt von € 2.500,- brutto monatlich erhält.
Es wurde am 29.2.2016 sodann für ***2*** ein Dienstzettel mit folgendem Inhalt verfasst, der von Frau ***2*** nicht unterschrieben wurde, deren wesentlicher Inhalt ihr aber bekannt war:
Verwendung als: alle die Vermietung betreffenden Tätigkeiten.
Z. B. Aufräumarbeiten im Freien und in den Vermietungsräumlichkeiten. Aus- und Umräumen der Betriebsräumlichkeiten sowie Ausmalen, Pflege der Betriebsplätze und Betriebsgrundstücke mit Rasenmäher, Motorsäge, Traktor, Anhänger und Kehrmaschine sowie allg. Bürotätigkeiten.
Beschäftigt ab: 01.03.2016
Arbeitsende: unbefristet
Kündigungsfrist: 6 Wochen
Arbeitsort: ***8***, ***17***
Gehalt: 2.500, Euro brutto per Monat
Sonderzahlungen gesetzlich, siehe Lohnverrechnung ***38***
Fälligkeit des Entgeltes Monatsende
Urlaubsausmaß: gesetzlich
Arbeitszeit: Arbeitsbeginn 7 Uhr dann gleitendes Arbeitsende
10 Uhr - 30min. Pause
13 Uhr bis 14 Uhr Mittagspause
Kollektiv: gesetzlich, ev. Mehrbezahlung/Leistung
***55***
Dienstzeitaufzeichnungen sind selbständig zu führen, da gleitend.
Mit Schreiben vom 11. April 2016 teilte das Arbeitsmarkservice dem Bf. mit, dass für die Beschäftigung von ***2*** eine Eingliederungsbeihilfe ab 1.3.2016 gewährt wird und zwar für sechs Monate. In der Folge erhielt der Bf. die Eingliederungsbeihilfe in Höhe von
€ 16.875,00 in sechs Teilbeträgen á € 2.812,- beginnend ab 11.4.2016 ausbezahlt (letzter Teilbetrag am 31.10.2016).
***2*** hat ab 1.3.2016 für den Bf. insbesondere beim Objekt ***8*** diverse Aufräumarbeiten, landschaftsgärtnerische Tätigkeiten und auch Bürotätigkeiten verrichtet, wobei die konkrete Art der Tätigkeit sowie der Umfang dieser Tätigkeit nicht festgestellt werden kann.
Am 4. März 2016 wurde ***2*** von ***38*** als kaufmännische Angestellte, die beim Bf. ab 1.3.2016 beschäftigt ist, zur Sozialversicherung angemeldet und zwar mit 38,5 Stunden pro Woche und einem Bruttomonatslohn von € 2.500,00 (Anmeldebestätigung für den Dienstgeber vom 4.3.2016 sowie ELDA-Protokoll vom 4.3.2016).
Frau ***2*** hat im Zeitraum 1.3.2016 bis 30.9.2016 keine Lohnzahlungen vom Bf. erhalten. Erst am 5.10.2016 wurde vom Bf. an Frau ***2*** ein Betrag von € 3.240,55 überwiesen.
Am 28.9.2016 wurde ***2*** als Dienstnehmerin des Bf. zur Sozialversicherung abgemeldet und als Abmeldegrund Bildungskarenz gemäß § 11 AVRAG angegeben.
Der Sohn des Bf., ***44***, war beim Bf. von 1.10.2016 bis 21.2.2018 als Angestellter geringfügig beschäftigt.
Ab 1.1.2019 hat die ***52***, die in den Bestandvertrag mit der ***40*** vom 21.7.2012 mit Vereinbarung vom 12.12.2017 mit Wirkung 1.1.2018 auf Mieterseite eingetreten ist, einen weiteren Raum in Bestand genommen und zwar für Zwecke der Gastronomie und mit dem Angebot eines Wett-Terminals bzw. kleinem Glücksspiel (Nachtrag 2018 vom 10.12.2018). Ob bzw. inwieweit dieser Raum aufgrund von Arbeiten von Frau ***2*** im Jahr 2016 für den Bf. nutzbar gemacht wurde, kann nicht festgestellt werden.
In den Jahren 2015 und 2016 sind zahlreiche Aufwendungen vom Bf. getätigt worden, welche in der Buchhaltung als Sofortaufwand gebucht wurden. Eine stichprobenartige Überprüfung der Eingangsrechnungen hat ergeben, dass auch Ausgaben getätigt worden sind, welche für den Haushalt des Abgabepflichtigen bestimmt waren oder auch dessen private Lebensführung berührt haben und daher gemäß § 20 EStG nicht abzugsfähig sind. Die nichtabzugsfähigen Aufwendungen wurden mit 30% der verbuchten Aufwendungen geschätzt. Auf 2015 entfiel ein nicht abzugsfähiger Betrag von € 1.510,54 und auf 2016 ein Betrag von € 2.997,84.
Am 31.12.2016 ist ein Bodenbelag ("***4***") gemeinsam mit Steinplatten der Fa. ***5*** aktiviert worden. Der Bareinkauf für den Boden ist bei der Firma ***6*** in ***7***, in Höhe von € 3.190,63 getätigt worden. Bei Betriebsbesichtigung im Rahmen der Betriebsprüfung im Jahr 2019 hat sich der Boden originalverpackt in der privaten Garage des Bf. befunden.
Am 1.9.2016 wurde vom Bf. ein Frequenztherapiegerät um € 12.580,16 angeschafft. Für Schulungen im Zusammenhang mit diesem Gerät hat der Bf. 2016 einen Betrag von € 1.994,90 verausgabt. Die Anschaffung (samt Schulung) ist für die Tochter des Bf. erfolgt und steht in keinem Zusammenhang mit der Vermietungstätigkeit des Bf.
Für das Objekt ***8*** wurden Fenster, Rolläden und zwei Haustüren eingebaut. Eine bauliche Veränderung - im Sinne eines Versetzens von Fenstern und Türen an einen neuen Platz als die ersetzten Türen und Fenster - wurde nicht vorgenommen. Dafür hat der Bf. im Jahr 2015 für die beabsichtigte Vermietung eines Teiles dieses Objektes einen Betrag von
€ 10.929,- verausgabt.
Für die Sanierung der Wand- und Deckenflächen nach Schimmelbefall des für die Vermietung vorgesehenen Teiles des Objektes ***8*** hat der Bf. 2016 einen Betrag von € 12.901,00 verausgabt.
2015 erfolgte beim Objekt ***25*** eine Umstellung der Energieversorgung von Freileitung auf Erdkabel und wurde dem Bf. ein Netzzutrittsentgelt in Höhe von € 5.420,00 netto in Rechnung gestellt, dass der Bf. auch bezahlt hat.
Für die Vermietung der landwirtschaftlichen Flächen an der Anschrift ***26*** hat der Bf. in den Jahren 2015 und 2016 jeweils € 3.142,50 jährlich erhalten. An Beiträge für die Pflichtversicherung der SVA der Bauern fiel im Jahr 2015 in Betrag von € 170,76 und im Jahr 2016 ein Betrag von € 174,96 an.
2. Beweiswürdigung
Die Feststellungen ergeben sich - soweit im Folgenden nicht für einzelnen Feststellungen Ausführungen erfolgen - aus den vom Finanzamt vorgelegten Aktenteilen sowie aus vom Bundesfinanzgericht durchgeführten Abfragen im Grundbuch betreffend den vom Bf. in seinem Vorlageantrag auf Seite 2 angeführten Liegenschaftsbesitz. Soweit Feststellungen zwischen den Parteien nicht strittig sind und auf Urkunden beruhen, wurde in den Feststellungen das entsprechende Schriftstück in Klammern angeführt.
Eingangs ist festzuhalten, dass die vom Bf. mit Schreiben vom 5.1.2023 vorgelegten "Mp3-Aufnahmen" nicht berücksichtigt wurden, weil diese nicht mit Zustimmung der Prüferin erfolgt sind wie sich aus der Stellungnahme des Finanzamtes Österreich 26.1.2023 ergibt. Überdies wurde davon ausgegangen, dass die im Schriftsatz vom 5.1.2023 wörtlich wiedergegebenen Passagen so gefallen sind, wobei allerdings zu betonen ist, dass die Würdigung dieser Gesprächspassagen dem Bundesfinanzgericht zukommt.
Die Feststellungen betreffend die vermieteten Objekte ***94***, ***98*** und ***99*** ergeben sich aus den vom Finanzamt Österreich dem Bundesfinanzgericht vorgelegten Mietverträgen.
Dass der Bf. bis 30.6.2012 eine Kfz-Werkstatt betrieben hat, ergibt sich beispielsweise aus der Einkommensteuererklärung für 2012, in der eine Betriebsaufgabe mit 30.6.2012 erklärt wurde, sowie aus der Stellungnahme der Prüferin zur Beschwerde vom 17.7.2020 und ist zwischen den Parteien auch nicht strittig.
Der Umstand, dass der im Gebäude an der Anschrift ***8*** für die Vermietung vorgesehene Teil jedenfalls bis 2020 nicht vermietet war, ergibt sich aus den vom Bf. abgegebenen Einkommensteuererklärungen bis 2020.
Der Zustand des vom Bf. für die Vermietung vorgesehenen Gebäudeteiles an der Anschrift ***8*** ergibt sich aus dem vom Bf. mit dem Vorlageantrag vorgelegten Foto (Beilage
B 36).
Die Feststellung, dass der Bf. mit Frau ***2*** zwei Kinder und zwar ***72***, geboren am ***43***, und ***44***, geboren am ***45***, hat, ist zwischen den Parteien nicht strittig und ergibt sich außerdem aus den dem Bundesfinanzgericht vorgelegten Unterlagen.
Der Umstand, dass ***2*** bis März 2013 die Lebensgefährtin des Bf. gewesen ist, ergibt sich aus dem vom Bf. vorgelegten Übereinkommen vom 23.3.2013.
Dass auch nach der Auflösung der Lebensgemeinschaft zwischen dem Bf. und ***2*** ein freundschaftliches bzw. weiterhin enges persönliches Verhältnis zwischen den beiden bestanden hat, ergibt sich aus folgenden Umständen:
Zum einen war ***2*** bis 20.7.2015 an der Anschrift des Bf. in ***8*** als Hauptwohnsitz gemeldet. Soweit diesbezüglich in dem von ***2*** gefertigten Schreiben vom 20.7.2021 ausgeführt wird, dass es ***2*** "nie so genau mit dem Ummelden" genommen hätte, erscheint diese Darstellung dem Bundesfinanzgericht nicht als glaubwürdig, weil in dem am 23.3.2013 getroffenen Übereinkommen genaue Regelungen für die Zeit nach der Beendigung der Lebensgemeinschaft getroffen worden sind. Auch entspricht es nicht der Lebenserfahrung, dass auf eine Ummeldung mehr als ein Jahr lang "vergessen" wird und hätte die Abmeldung durch die Meldebehörde auch der Bf. veranlassen können. Daher geht das Bundesfinanzgericht in freier Beweiswürdigung gemäß § 167 Abs. 2 BAO davon aus, dass ***2*** auch nach März 2013 das Haus an der Anschrift ***8*** als Wohnmöglichkeit genutzt hat. In diesem Zusammenhang ist hinsichtlich des Urhebers des Schreibens vom 20.7.2021 (=Beilage B 12/1 bis B 12/5 des Vorlageantrages) festzuhalten, dass das Bundesfinanzgericht aufgrund der Formulierungen, die jenen im Vorlageantrag und der Beschwerde entsprechen (eher lange Sätze in Kombination mit Aussagen in Klammern; Verwendung von Abkürzungen), des Schriftbildes sowie des Umstandes, dass Beilagenbezeichnungen verwendet wurden, die mit jenen des Vorlageantrages identisch sind (zB Beilage B 12/6) und die Beilagennummerierung im Schreiben vom 20.7.2021 nicht bei "1" beginnt, davon ausgeht, dass das Schreiben vom 20.7.2021 vom Bf. verfasst und sodann lediglich von ***2*** unterfertigt wurde.
Überdies sind die Angaben des Bf. bei der am 18.10.2019 erfolgten Betriebsbesichtigung gegenüber dem Prüforgan zu berücksichtigen, wonach der Bf. die Frage der Prüferin, ob der Bf. und seine Lebensgefährtin im Haus ***8*** wohnen würden, bejaht hat. Das Vorbringen des Bf., dass er bei der Betriebsbesichtigung am 18.10.2019 bei der Antwort auf die Frage der Prüferin vor der Verwendung des Wortes Lebensgefährtin "kurz innegehalten" hätte, weil er eigentlich sagen wollte, dass sich er und Frau ***2*** getrennt haben, kann nicht festgestellt werden, weil es üblicherweise so ist, dass bei einem Gespräch zwischen einzelnen Wörtern immer wieder kurze Pausen eingelegt werden. Das Vorbringen des Bf., er habe das Wort "getrennt" nicht ausgesprochen, weil es "zu privat" gewesen wäre (vgl. Seite 5 der Stellungnahme vom 5.1.2023), kann angesichts des Umstandes, dass im Abgabenverfahren eine Verpflichtung des Abgabepflichtigen besteht, an der Feststellung des abgabenrechtlich maßgeblichen Sachverhaltes mitzuwirken, sowie weil in § 48a Abs. 1 BAO eine Verpflichtung besteht, der Öffentlichkeit unbekannte Verhältnisse geheim zu halten, nicht nachvollzogen werden. In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, dass es für das gegenständliche Beschwerdeverfahren von keiner Relevanz ist wieso die Prüferin bei der Betriebsbesichtigung am 18.10.2019 Frau ***2*** als Lebensgefährtin des Bf. bezeichnet hat. Auch kann entgegen der Ansicht des Bf. die von der Prüferin bei der Betriebsbesichtigung gestellte Frage, ob neben der Tochter des Bf. auch Frau ***2*** (die die Prüferin als Lebensgefährtin des Bf. bezeichnet hat) im Objekt ***8*** wohnt, nicht deswegen als Fangfrage bezeichnet werden, weil die Prüferin am 3.10.2019 eine Abfrage in der Grunddatenverwaltung der Finanzverwaltung gemacht hat, die ergeben hat, dass als Anschrift von Frau ***2*** ***17***, ***26***, gespeichert war, da im Abgabenverfahren der Grundsatz der Unbeschränktheit der Beweismittel gilt (vgl. zB Ritz/Koran, BAO7, Tz 2 zu § 166 BAO) und eine Außenprüfung dazu dient, den abgabenrechtlich relevanten Sachverhalt nach allen Richtungen zu ermitteln. Überdies ist eine polizeiliche Anmeldung nicht alleine entscheidend für die Beurteilung der Frage, wo jemand einen Wohnsitz hat (vgl. zB VwGH 3.7.2003, 99/15/0104). Auch muss entgegen der offenbaren Ansicht des Bf. (vgl. Seite 6 unten des Schriftsatzes vom 5.1.2023) bei einer Befragung nicht vorher angegeben werden welchen rechtlichen Hintergrund gestellte Fragen haben.
Der erkennende Senat geht in freier Beweiswürdigung davon aus, dass Frau ***2*** auch in den Jahren 2015 und 2016 noch das Gebäude ***8*** als Wohnmöglichkeit genutzt hat. Dafür spricht auch, dass am 2.9.2020 Frau ***2*** an der laut ZMR als Hauptwohnsitz zu diesem Zeitpunkt gemeldeten Adresse in ***29***, ***30***, von der Prüferin des Finanzamtes nicht angetroffen werden konnte und der Sohn des Bf. und Frau ***2***, ***44***, am 2.9.2020 gegenüber der Prüferin telefonisch auf die Frage, wo seine Mutter wohne, geantwortet hat: "Wo man halt wohnt, wenn man mehrere Wohnsitze hat."
Auch die Einräumung eines bloßen Prekariums an der Dreizimmerwohnung im Erdgeschoß des Hauses ***26***, ***17***, durch den Bf. an ***2*** spricht dafür, dass auch nach der Beendigung der Lebensgemeinschaft weiterhin eine enge persönliche Verbundenheit zwischen dem Bf. und ***2*** bestanden hat. Bei einem Prekarium iS des § 974 ABGB wird der Gebrauch der Sache gegen jederzeitigen Widerruf eingeräumt, sodass der Verleiher die Sache nach Willkür zurückfordern kann. Daher ist davon auszugehen, dass sich ***2*** auf die Einräumung eines Prekariums am Objekt ***26***, ***17*** nur deswegen eingelassen hat, weil nach wie vor eine enge freundschaftliche Beziehung mit dem Bf. bestanden hat.
Soweit vom Bf. die fehlende Nahebeziehung mit ***2*** in den Jahren 2015 und 2016 damit zu begründen versucht wird, dass ***2*** ihre Mutter an der Anschrift ***29***, ***30***, gepflegt hat, hindert eine solche Pflege das Bestehen einer Nahebeziehung mit dem Bf. nicht.
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die beiden Kinder des Bf. und von ***2*** nach der Auflösung der Lebensgemeinschaft weiterhin am Wohnsitz des Bf. als Hauptwohnsitz gemeldet waren und zwar ***72*** bis 13.3.2017 und ***44*** bis 20.2.2018 wie sich aus dem ZMR ergibt. Überdies entspricht es der Lebenserfahrung, dass bei gemeinsamen Kindern, die noch über keinen eigenen Wohnsitz verfügen, nach wie vor ein enger persönlicher Kontakt zwischen den Eltern besteht. In diesem Zusammenhang ist auch zu berücksichtigen, dass laut Übereinkommen vom 23.3.2013 die Kosten für Unterhalt, Schule, Universität und Ausbildung der beiden gemeinsamen Kinder vom Bf. übernommen werden. Eine solche Vereinbarung, in der keine betragsmäßige Festsetzung der für den Unterhalt zu leistenden Beträge erfolgt, wird nach der Lebenserfahrung nur dann getroffen, wenn zwischen den Eltern auch nach der Trennung weiterhin eine enge freundschaftliche Verbindung und ein entsprechendes Vertrauen in an den anderen besteht.
Normen und Schlagworte
- § 16 Abs. 1 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5100983/2021
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.5100983.2021
- Stammnummer
- 140122
- Gültig
- 07.03.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF