Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7102805/2022
Steuerliche Berücksichtigung von Unterhaltsnachzahlungen im Jahr der Zahlung
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - BeschlussRV/7102805/2022vom 12.12.2022Teil 1 von 4
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Nachzahlungen von gesetzlichen Unterhaltsleistungen für den Unterhaltsabsetzbetrag waren auch bis zum AbgÄG 2022 in der Regel im Kalenderjahr der Zahlung zu berücksichtigen. Dies ist nunmehr in § 33 Abs. 4 Z 3 lit. e EStG 1988 i. d. F. AbgÄG 2022 BGBl. I Nr. 108/2022, ausdrücklich geregelt und entspricht auch der grundsätzlich veranlagungsjahrbezogenen Systematik des § 19 EStG 1988.
Vertritt man die Auffassung, dass bis zum Inkrafttreten von § 33 Abs. 4 Z 3 lit. e EStG 1988 i. d. F. AbgÄG 2022 eine Unterhaltsnachzahlung für ein vorangegangenes Jahr in dem Jahr steuerlich zu berücksichtigen ist, für das sie geleistet wurde, kommt es darauf an, ob die im Veranlagungszeitraum tatsächlich geleisteten Unterhaltszahlungen dem Jahr der Veranlagung oder einem Unterhaltsrückstand aus Zeiträumen vor dem Jahr der Veranlagung zuzuordnen ist. Nach ständiger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs sind bei einer Pfändung des Arbeitseinkommens zur Hereinbringung rückständiger und laufender Unterhaltsbeträge die darauf geleisteten Zahlungen zunächst zur Deckung des festgesetzten laufenden Unterhaltes zu verwenden und erst die Beträge, die über den laufend zuerkannten Unterhalt hinausgehen, auf den Rückstand zu verrechnen. Diese Überlegung lässt sich, zumindest solange keine ausdrückliche andere Widmung durch den Unterhaltsschuldner erfolgt, auch auf Unterhaltszahlungen durch den Unterhaltsschuldner übertragen.
Wortlaut laut Findok
BESCHLUSS
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Dr. Rudolf Wanke im Beschwerdeverfahren betreffend über die Beschwerde der ***1*** ***2*** MBA, ***3***, ***4***, im Beschwerdeverfahren unterdessen vertreten durch emerit. Rechtsanwalt Univ.-Doz. Mag. Dr. Martin Bleckmann, 1130 Wien, Münichreiterstraße 37, vom 10. Februar 2022 gegen den Bescheid des Finanzamts Österreich vom 18. Jänner 2022 betreffend Einkommensteuer für das Jahr 2020 (Änderung gemäß § 295a BAO), Steuernummer ***5***, beschlossen:
I. Der angefochtene Bescheid vom 18. Jänner 2022 und die Beschwerdevorentscheidung vom 24. Februar 2022 werden gemäß § 278 BAO unter Zurückverweisung der Sache an das Finanzamt aufgehoben.
II. Gegen diese Entscheidung ist gemäß Art. 133 Abs. 9 B-VG in Verbindung mit Art. 133 Abs. 4 B-VG und § 25a VwGG eine (ordentliche) Revision zulässig.
Begründung
I.
Beschluss vom 19. Oktober 2022
Mit Datum 19. Oktober 2022 fasste das Bundesfinanzgericht im gegenständlichen Beschwerdeverfahren den Beschluss:
I. Den Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens wird zwecks Wahrung des Parteiengehörs zur Kenntnis gebracht:
1. Der bisherige Verfahrensgang;
2. die vorläufigen Sachverhaltsfeststellungen;
3. die Rechtsgrundlagen;
4. die vorläufige rechtliche Beurteilung.
II. Die Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens werden um Äußerung bis 25. November 2022 gebeten.
Begründend wurde wie nachstehend unter "Verfahrensgang" und "Zu den Spruchpunkten" ausgeführt:
Verfahrensgang
Einkommensteuererklärung für das Jahr 2020
In ihrer Einkommensteuererklärung für das Jahr 2020 (OZ 2) beantragte die Beschwerdeführerin (Bf) ***1*** ***2*** MBA unter anderem den ganzen Familienbonus Plus für den im März 1996 geborenen ***6*** ***9***, die im Mai 1998 geborene ***51*** ***9*** und die im März 2000 geborene ***7*** ***8*** ***9***.
Einkommensteuerbescheid 2020 vom 17. Mai 2021
Mit Bescheid vom 17. Mai 2021 wurde die Bf vom Finanzamt zur Einkommensteuer für das Jahr 2020 veranlagt, wobei ein Familienbonus Plus von 1.5000,48 € berücksichtigt wurde (OZ 3):
[Grafik]
[Grafik]
Einkommensteuerbescheid 2020 vom 18. Jänner 2022
Mit Bescheid vom 18. Jänner 2022 änderte das Finanzamt den Einkommensteuerbescheid 2020 vom 17. Mai 2021 gemäß § 295a BAO dahingehend ab, dass der Familienbonus Plus mit 750,24 €, also der Hälfte von 1.5000,48 € wie im ursprünglichen Bescheid, berücksichtigt wurde:
[Grafik]
[Grafik]
[Grafik]
[Grafik]
[Grafik]
Begründung:
Gemäß § 10 EStG 1988 kann bei der Gewinnermittlung eines Betriebes ein Gewinnfreibetrag gewinnmindernd berücksichtigt werden. Da Sie weder einen Gewinnfreibetrag in einer bestimmten Höhe beantragt haben, noch auf die Geltendmachung verzichtet haben, wurde bei den Einkünften aus selbständiger Arbeit ein Gewinnfreibetrag (Grundfreibetrag gemäß § 10 Abs. 1 Z 2 EStG 1988) in Höhe von 38,96 € berücksichtigt.
Der Familienbonus Plus kann für das Kind mit der Sozialversicherungsnummer/mit dem Geburtsdatum ***10*** nur zur Hälfte berücksichtigt werden, weil für dieses Kind die andere Hälfte des Familienbonus Plus von der/dem Unterhaltszahler/in beantragt wurde.
Der Familienbonus Plus kann für das Kind mit der Sozialversicherungsnummer/mit dem Geburtsdatum ***11*** nur zur Hälfte berücksichtigt werden, weil für dieses Kind die andere Hälfte des Familienbonus Plus von der/dem Unterhaltszahler/in beantragt wurde.
Der Familienbonus Plus kann für das Kind mit der Sozialversicherungsnummer/mit dem Geburtsdatum ***12*** nur zur Hälfte berücksichtigt werden, weil für dieses Kind die andere Hälfte des Familienbonus Plus von der/dem Unterhaltszahler/in beantragt wurde.
Der Familienbonus Plus kann für alle Kinder nur zur Hälfte berücksichtigt werden, da bereits die Hälfte vom Unterhaltsleister beantragt wurde.
Beschwerde vom 10. Februar 2020
Im Wege von FinanzOnline erhob die Bf am 10. Februar 2022 Beschwerde gegen den Einkommensteuerbescheid 2020 vom 18. Jänner 2022 und gab dazu an:
Sehr geehrtes Finanzamt, ich beeinspruche den Einkommensteuerbescheid 2020 vom 18.01.2022 betreffend Aberkennung des halben Kinderbonus, da der unterhaltspflichtige Ex-Ehemann ***52*** ***9*** den halben Kinderbonus beansprucht hat, obwohl er seinen Verpflichtungen 2020 nicht zur Gänze nachgekommen ist.
Für ***6*** (Vers.Nr. ***12***) wurden im Jahr 2020 Unterhalts-Zahlungen von ***52*** ***9*** in Höhe von gesamt Euro 450,- an seinen Sohn überwiesen, der Unterhaltsanspruch für das Jahr 2020 beträgt Euro 4200,-.
Für ***51*** (***11***) wurden im Jahr 2020 UnterhaltsZahlungen von ***52*** ***9*** in Höhe von gesamt Euro 400,- an seine Tochter überwiesen, der Anspruch für das Jahr 2020 beträgt Euro 3600,-.
Für ***7*** (***10***) wurden im Jahr 2020 Unterhalts-Zahlungen von ***52*** ***9*** in Höhe von gesamt Euro 400,- an seine Tochter überwiesen, der Anspruch für das Jahr 2020 beträgt Euro 3600,-.
Da der unterhaltspflichtige ***52*** ***9*** auch im Jahr 2019 seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen ist - die Höhe der Rückstände aus 2019 entnehmen Sie bitte dem unten angeführten Text - bin ich der Ansicht, dass dem Kindsvater der halbe Kinderbonus nicht zusteht. Als Anlage finden Sie die aktuellen Unterhaltstitel (1PU***13***-71 vom 09.12.2011, aufbauend auf Bescheid 001PU***13***-46 und 1C***14***-12) wie folgt und die Aufstellung der Zahlungseingänge der Kinder.
Die aktuellen Unterhaltstitel:
***6*** ***9*** - 350,- /Monat ***51*** ***9*** - 300,-/Monat ***7*** ***9*** - 300,-/Monat
Unterhalts-Rückstand It. Auszüge Erste Bank:
***6***: Kontonummer ***15*** 2.750,-/2019 Rückstand 3.750,-/2020 (überwiesen hat ***52*** ***9*** 450,-) gesamter Rückstand bis Ende 2020: 6.500,-
***51***: Kontonummer ***16*** 2.250,-/2019 Rückstand 3.200,-/2020 (überwiesen hat ***52*** ***9*** 400,-) gesamter Rückstand bis Ende 2020: 5.450,-
***7***: Kontonummer ***17*** 2.250,-/2019 - Rückstand 3.200,-/2020 (überwiesen hat ***52*** ***9*** 400,-) ges. Rückstand bis Ende 2020: 5.450,-
Beschwerdevorentscheidung vom 24. Februar 2022
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 24. Februar 2022 wies das Finanzamt die Beschwerde vom 10. Februar 2022 gegen den Einkommensteuerbescheid 2020 vom 18. Februar 2022 als unbegründet ab und begründete dies mit folgendem Satz:
Aufgrund der Aktenlage und den vorgelegten Unterlagen bei Herrn ***9*** ***52*** konnte der FAB0 nicht zur Gänze gewährt werden.
Vorlageantrag vom 18. März 2022
Mit Telefax vom 18. März 2022 stellte die Bf Vorlageantrag:
Ich habe am 10. Februar 2022 gegen den Bescheid des Finanzamts Österreich vom 18. Jänner 2022, Steuernummer: 08 ***60***, Versicherungsnummer: ***61***, Geschäftszahl: Team BV24, elektronisch zugestellt am 18.01.2022, Beschwerde erhoben.
Meine Beschwerde hat das Finanzamt Österreich mit Beschwerdevorentscheidung (Bescheid) vom 24. Februar 2022 dahingehend erledigt, dass die Beschwerde als unbegründet abgewiesen wurde.
Meinem Beschwerdeantrag wurde daher nicht stattgegeben.
Die Beschwerdevorentscheidung (Bescheid) vom 24. Februar 2022 enthält keine Begründung. Aus diesem Grund ist Inhalt meines - gegenständlichen - Vorlageantrags mein Vorbringen in meiner Beschwerde. Diese lautet wie folgt:
Meinen drei noch studierenden Kindern ***6***, ***51*** und ***7*** ***9*** steht Unterhalt von Seiten des Kindsvaters ***52*** ***9*** wie folgt zu:
Aktueller Unterhaltstitel (1PU***13***-71 vom 09.12.2011, aufbauend auf Bescheid 001PU***13***-46 und lC***14***-12)
***6*** ***9*** - 350,-/Monat
***51*** ***9*** - 300,-/Monat
***7*** ***9*** - 300,-/Monat
Unterhalts-Rückstand It. Auszüge Erste Bank:
***6***: Kontonummer ***15***
Rückstand Unterhalt aus 2019: Euro 2.750,-
Rückstand Unterhalt aus 2020: Euro 3.750,- -> ***52*** ***9*** hat nachweislich im Jahr 2020 nur insgesamt Euro 450,- Unterhalt an ***6*** überwiesen, trotz der Tatsache dass er noch 2.750,- Rückstand aus 2019 bei seinem Sohn hatte.
Gesamter Rückstand bis Ende 2020: Euro 6.500,-
Unterhalts-Rückstand It. Auszüge Erste Bank:
***51***: Kontonummer ***16***
Rückstand Unterhalt aus 2019: Euro 2.250
Rückstand Unterhalt aus 2020: Euro 3.200,- -> ***52*** ***9*** hat nachweislich im Jahr 2020 nur insgesamt Euro 400,- Unterhalt an ***51*** überwiesen, trotz der Tatsache dass er noch 2.250,- Rückstand aus 2019 bei seiner Tochter hatte.
Gesamter Rückstand bis Ende 2020: Euro 5.450,-
Unterhalts-Rückstand It. Auszüge Erste Bank:
***7***: Kontonummer ***17***
Rückstand Unterhalt aus 2019: Euro 2.250
Rückstand Unterhalt aus 2020: Euro 3.200,- -> ***52*** ***9*** hat nachweislich im Jahr 2020 nur insgesamt Euro 400,- Unterhalt an ***7*** überwiesen, trotz der Tatsache dass er noch 2.250,- Rückstand aus 2019 bei seiner Tochter hatte.
Gesamter Rückstand bis Ende 2020: Euro 5.450,-
Seit 2019 laufen Gehaltsexekutionen gegen ***52*** ***9***, von meinen Kindern eingebracht, denen immer stattgegeben wird, jedoch meist wegen Uneinbringlichkeit eingestellt werden oder nicht einmal ansatzweise für jedes Kind die Höhe des festgelegten Unterhalts einbringen, geschweige die Schulden aus den Vorjahren tilgen.
Wie ***52*** ***9*** es nachweisen kann, dass er im Jahr 2020 den festgelegten Unterhalt beglichen hat, ist mir schleierhaft. Ich bitte daher um schriftliche Beweise, wohin er die offenen Beträge hingewiesen bzw. welche Unterhalts-Bescheide er vorlegen konnte, der dem im Jahr 2020 überwiesenen Gesamtunterhalt der Kinder entspricht. Die zusammengefassten Überweisungen meiner Kinder von 2019 und 2020 haben wir eingebracht und entsprechen nicht der Vorgabe des Gerichts.
Andernfalls müßte er einen Unterhalts-Bescheid vorgelegt haben, der besagt, dass seinem Sohn monatlich Euro 37,50 bzw. 450,- im Jahr und seinen beiden Töchtern monatlich je Euro 33,33 Unterhalt bzw. 400,- im Jahr zusteht. Dieser Bescheid ist mir nicht bekannt.
Nur in diesen beiden Fällen könnte ***52*** ***9*** den halben Kinderbonus Plus für jedes Kind für das Jahr 2020 beim Finanzamt einfordern und bei mir dieser rückgefordert werden.
Die eingebrachten Unterlagen von ***52*** ***9*** sind von Seiten des Finanzgerichts zu prüfen, ob er dem Finanzamt ungültige Unterlagen vorgelegt hat, um den halben Kinderbonus für ***6***, ***51*** und ***7*** beantragen zu können.
Alle notwendigen Unterlagen, wie z.B. die gültigen Unterhalts-Bescheide etc, wurden schon mit der Beschwerde am 10.2.2022 von mir eingebracht.
Aus allen diesen Gründen stelle ich binnen offener Frist den
Antrag,
meine Beschwerde vom 10. Februar 2022 gegen den Bescheid des Finanzamt Österreich vom 18. Jänner 2022, Steuernummer: 08 ***60***, Versicherungsnummer: ***61***, Geschäftszahl: Team BV24, dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vorzulegen.
Beschwerde betreffend § 212a BAO vom 8. April 2022
Am 8. April 2022 wurde von der Bf folgende Beschwerde betreffend § 212a BAO eingebracht (OZ 9):
In umseits bezeichneter Verwaltungssache erhebe ich als Beschwerdeführerin gegen den Bescheid des Finanzsamts Österreich vom 11.3.2022, Steuernummer: 08 ***60***, innerhalb offener Frist
BESCHWERDE
an das Bundesfinanzgericht und führe dazu aus wie folgt:
1. Die belangte Behörde hat mit Bescheid vom 11.3.2022 meinen Antrag um Bewilligung einer Aussetzung der Erhebung gem § 212a BAO abgewiesen. Zugleich wurde ich mit diesem Bescheid aufgefordert, den Betrag idH von EUR 750,- (= Abgabenschuldigkeit) bis zum 19.4.2022 zu zahlen.
Die Behörde begründet die Abweisung damit, dass "die dem Antrag zugrunde liegende Beschwerde bereits erledigt wurde".
2. Der angefochtene Bescheid vom 11.3.2022 ist rechtswidrig. Dies aus folgenden Gründen:
3. Ich habe am 10.2.2022 gegen den ESt-Bescheid des Finanzamts Österreich vom 18.1.2022, Steuernummer: 08 ***60***, fristgerecht Beschwerde erhoben.
Meine Beschwerde hat das Finanzamt Österreich mit Beschwerdevorentscheidung (Bescheid) vom 24.2.2022 dahingehend erledigt, dass die Beschwerde als unbegründet abgewiesen wurde.
Meinem Beschwerdeantrag wurde daher nicht stattgegeben. Die Beschwerdevorentscheidung (Bescheid) vom 24.2.2022 enthält keine Begründung.
Ich stellte fristgerecht den Antrag auf Entscheidung über meine Beschwerde (Vorlageantrag) durch das Bundesfinanzgericht. Inhalt meines Vorlageantrags ist mein Vorbringen meiner Beschwerde.
4. Verfahrensgegenständlich ist mein unterhaltspflichtiger-aber nicht unterhaltleistender-Ex-Ehemann, Ing. ***52*** ***9***. Dieser hat über die letzten Jahre keinen bzw einen Bruchteil des meinen/seinen drei Kindern zustehenden Unterhalts geleistet.
Anmerkung: Der Unterhalts-Fall des Ing. ***52*** ***9*** ist wegen seiner beharrlichen und mutwilligen Weigerung und Verschleppung über ein Jahrzehnt Gegenstand von diversen behördlichen und (höchst-)gerichtlichen Verfahren; dies hat auch der OGH mit Beschluss vom 23.1.2019, 1 Ob 140/18x erkannt. Ungeachtet dessen weigert sich der Unterhaltspflichtige bis dato den inzwischen aufgrund seiner jahrelangen Weigerung zu einem mittleren sechsstelligen Unterhaltsbetrag angewachsenen Saldo gegenüber seinen unterhaltsberechtigten Kindern zu leisten.
Beweis: PV
5. Entgegen der Begründung im angefochtenen Bescheid vom 11.3.2022 habe ich aufgrund der Beschwerdevorentscheidung der belangten Behörde firstgerecht einen Vorlageantrag gestellt (vgl oben). Aus diesem Grund ist die Begründung der belangten Behörde, dass die meinem Antrag "zugrunde liegende Beschwerde bereits erledigt wurde", unrichtig. Der angefochtene Bescheid ist folglich wegen Verkennung der Sachlage rechtswidrig.
Überdies ist der angefochtene Bescheid wegen Verkennung der Rechtslage rechtswidrig. § 212a Abs 1 BAO lautet: "Die Einhebung einer Abgabe, deren Höhe unmittelbar oder mittelbar von der Erledigung einer Bescheidbeschwerde abhängt, ist auf Antrag des Abgabepflichtigen von der Abgabenbehörde insoweit auszusetzen, als eine Nachforderung unmittelbar oder mittelbar auf einen Bescheid, der von einem Anbringen abweicht, oder auf einen Bescheid, dem kein Anbringen zugrunde liegt, zurückzuführen ist, höchstens jedoch im Ausmaß der sich bei einer dem Begehren des Abgabepflichtigen Rechnung tragenden Beschwerdeerledigung ergebenden Herabsetzung der Abgabenschuld. Dies gilt sinngemäß, wenn mit einer Bescheidbeschwerde die Inanspruchnahme für eine Abgabe angefochten wird."
Dass die Aussetzung der Einhebung gem § 212a Abs 2 BAO nicht zu bewilligen gewesen wäre, behauptet nicht einmal die belangte Behörde. Daher begründet die Behörde den Abweisungsbescheid vom 11.3.2022 auch nicht mit § 212a Abs 2 BAO.
§ 212a Abs 4 BAO zufolge bewirkt die Bescheidbeschwerde gegen einen die Aussetzung ablehnenden Bescheid ebenso wie ein Vorlageantrag (§ 264 BAO) im Fall einer (teilweise) abweisenden Beschwerdevorentscheidung neuerlich eine Hemmung der Einbringung aufgrund des § 230 Abs 6 BAO (vgl auch RAE 2014 Rz 479).
Zum Ganzen iVm dem Rechtsinstitut der Aussetzung gern § 212a BAO vgl Ellinger/Sutter/Urtz, BAO3 § 212a (Stand 1.9.2020, rdb.at).
Da alle Voraussetzungen des § 212a BAO vorliegen, habe ich einen Rechtsanspruch auf die Aussetzung der Einhebung.
Aus allen diesen Gründen stelle ich daher den
ANTRAG
das Bundesfinanzgericht möge
(i) den angefochtenen Bescheid vom 11.3.2022 aufheben und meinem Antrag auf Aussetzung der Einhebung des Betrags idH von EUR 750,- stattgeben; in eventu:
(ii) den angefochtenen Bescheid vom 11.3.2022 aufheben und die Angelegenheit zur neuerlichen Entscheidung an die belangte Behörde zurückverweisen.
II.
1. Anträge auf Aussetzung der Einhebung können bis zur Entscheidung über die Bescheidbeschwerde (Abs 1) gestellt werden (§ 212a Abs 3 erster Satz BAO).
Die für Anträge auf Aussetzung der Einhebung geltenden Vorschriften sind auf Bescheidbeschwerden gegen die Abweisung derartiger Anträge und auf solche Beschwerden betreffende Vorlageanträge (§ 264) sinngemäß anzuwenden (§ 212a Abs 4 BAO).
2. Eine Entscheidung über meine fristgerecht eingebrachte Bescheidbeschwerde liegt noch nicht vor (vgl oben).
Beweis: PV
Aus allen diesen Gründen stelle ich daher den
ANTRAG
auf Aussetzung der Einhebung des Betrages idH von EUR 750,-.
Antrag auf mündliche Verhandlung
In OZ 9 ist auch folgende undatierte, offenbar am 18. März 2022 übermittelte Ergänzung zum Vorlageantrag enthalten:
Ergänzung zur Beschwerdevorentscheidung des Finanzamt Österreich
Betreff: Bescheid des Finanzamts Österreich vom 18, Jänner 2022, Steuernummer: 08 ***60***, Versicherungsnummer: ***61***, Geschäftszahl; Team BV24, elektronisch zugestellt am 18.01.2022, Vorlageantrag vom 18.03.2022
Sehr geehrte Damen und Herren!
Im Zusammenhang mit dem von mir soeben übermittelten Vorlageantrag betreffend Beschwerdevorentscheidung (Bescheid) vom 24. Februar 2022 stelle ich den
Antrag
auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Ermittlungsergebnisse Vater Ing. ***52*** ***9***
In OZ 10 des Finanzamtsakts ("KV_Stell_m_Beilagen") sind Unterlagen betreffend den Vater Ing. ***52*** ***9*** enthalten.
Auf Seite 1 dieses PDF befindet sich ein Schreiben des Ing. ***52*** ***9*** an eine Finanzamtsmitarbeiterin (Datum ist nicht ersichtlich), in welchem dieser unter anderem zum Unterhalt ausführt:
... Nachdem ich von 2003 bis 2019 den geforderten Unterhalt in voller Höhe bezahlt habe, ging sich das finanziell nicht mehr aus und ich habe den Unterhalt reduziert. Daraufhin erfolgte eine Gehaltsexekution. Ich habe also den ersten Teil von 2020 selbst gezahlt, was mir möglich war, im zweiten Teil des Jahres die aktiven Zahlungen eingestellt, da beides finanziell nicht möglich war. Die Exekutionszahlungen sind somit mein geleisteter Unterhalt. In den angehängten Dokumenten sehen sie die Belege und eine Erklärung...
Mit der Überschrift "Tilgung per 23.03.2021" betreffend "***9*** ***52*** Unterhaltsforderung Abzug" findet sich auf Seite 2 des PDF folgende Aufstellung der ***18*** GmbH, offenbar des Arbeitgebers des Vaters:
[Grafik]
Laut Auszügen aus dem Lohnkonto 2020 (Seite 3 PDF) erfolgten folgende Exektionszahlungen ("Pfändung"):
2020: Monat 7 bis 10 jeweils 461,68 €, Monat 11 708,06 €, Monat 12: 461,68 €.
Auf Seite 4 des PDF ist folgende Auflistung über Unterhaltszahlungen 2020 für ***6***, ***51*** und ***7*** ***9*** enthalten:
[...]
Dieser Auflistung zufolge wurden für ***6*** ***9*** im Jahr 2020 direkt durch den Vater oder im Wege einer Exekution insgesamt 1.455,49 € geleistet, für ***51*** und ***7*** ***9*** jeweils insgesamt 1.405,49 €.
Die Seiten 5 ff. enthalten Bankbelege zu den Zahlungen laut vorstehender Auflistung.
Seite 8 des PDF enthält die erste Seite einer Exekutionsbewilligung vom 20. Juli 2021 zugunsten von ***7*** ***9*** wegen einer Kapitalforderung über 7.850,00 € (laufender Unterhalt 300,00 €).
Seite 9 des PDF enthält die erste Seite einer Exekutionsbewilligung vom 20. Juli 2021 zugunsten von ***51*** ***9*** wegen einer Kapitalforderung über 7.822,87 € (laufender Unterhalt 300,00 €).
Seite 10 des PDF enthält ein Schreiben des Vaters an das Finanzamt vom 3. September 2021, wozu er zu ***6***, ***51*** und ***7*** ***9*** ausführt:
1) Feststellung Höhe des Unterhaltes:
***6***. ***51***, ***7*** ***9***:
Die Originalbescheide aus 2010 und 2011 für habe ich leider nicht mehr. Aber in den Exekutionsanträgen meiner 3 erwachsenen Kinder bezieht sich das Bezirksgericht auf die Beschlüsse aus 2010 und 2011 und es ist der beschlossene Unterhalt angeführt.
2) Zahlungen Unterhalt:
***6***. ***51***, ***7*** ***9***:
Bis 31.7.2020 hatte ich reduzierten Unterhalt durch Überweisungen geleistet.
Seit 1.7.2020 läuft eine Gehaltsexekution über den gesamten Unterhalt. Dadurch kann ich nicht mehr selbst aktiv überweisen, die Exekutionssumme ist somit meine Unterhaltsleistung, siehe Auflistung.
Der weitere Inhalt des PDF betrifft nicht das gegenständliche Verfahren.
Vorlage
Mit Bericht vom 16. September 2022 legte das Finanzamt die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor und führte unter anderem aus:
[Grafik]
Bezughabende Normen
Sachverhalt und Anträge
Sachverhalt:
Infolge der Geltendmachung des halben FABO+ durch den Kindesvater als Unterhaltszahler wurde der entsprechende Betrag von der Kindesmutter (=Beschwerdeführerin) nach Änderung deren Einkommensteuerbescheides 2020 gemäß §295a BAO zurückgefordert.
Die Beschwerdeführerin (Bf.) brachte gegen den Rückforderungsbescheid eine Beschwerde ein und brachte vor, dass der Kindesvater die Unterhaltsleistungen nicht bzw. nicht in voller Höhe erbracht hätte.
Die Beschwerde wurde mit BVE als unbegründet abgewiesen.
Der Vorlageantrag wurde fristgereicht eingebracht.
Beweismittel:
... Ing ***9*** ***52*** - Berücksichtigung halber FABO bei Unterhaltsleister
Stellungnahme:
Nach der Aktenlage hat der Kindesvater die Unterhaltszahlungen (vorerst) nicht in voller Höhe geleistet, ist seinen Unterhaltsleistungen in der Folge aber auf Grund gerichtlich-exekutionsrechtlicher Schritte nachgekommen, wobei nach der Rechtslage 2020, 2021 und 2022 Unterhaltsnachzahlungen im geleisteten Ausmaß den UAB im Jahr 2020 vermitteln, soweit und solange der Unterhalt für Monate des Jahres 2020 geleistet worden ist (siehe auch die Anmerkungen unten).
Der Bf. steht der FABO+ für ihre Kinder grundsätzlich jeweils zur Hälfte zu. Von der grundsätzlich dem Unterhaltszahler zustehenden Hälfte des FABO+ steht der Bf. jeweils ein Zwölftel des FABO+ für das jeweilige Kind zu, für das der Kindesvater den Unterhalt nicht vollständig bezahlt hat. Auf Grund der aktenkundigen gerichtlich-exekutionsrechtlichen Schritte und auf Grund des Umstandes, dass exekutiv eingebrachte Beträge üblicher Weise auf die ältesten Ansprüche angerechnet werden, ist das Finanzamt davon ausgegangen, dass der Unterhaltszahler seinen Unterhaltsverpflichtungen zwischenzeitig nachgekommen ist, sodass diesem ein Anspruch auf den halben FABO+ zukommt.
Das Finanzamt beantragt, der Bf. zusätzlich zu "ihrer" Hälfte des FABO+ nur jene Zwölftel des FABO+ des Unterhaltszahlers für das jeweilige Kind und für Monate zuzuerkennen, für die der Kindesvater die Unterhaltsleistungen auch in der Zwischenzeit nicht vollständig erbracht hat.
Anmerkung: Die Änderungen des Abgabenänderungsgesetzes 2022 (Novellierung des § 33 Abs. 4 Z 3 EStG 1988) sind auf den gegenständlichen Sachverhalt noch nicht anwendbar.
Stellungnahme der Bf vom 10. Oktober 2022
Mit E-Mail vom 10. Oktober 2022 an das Bundesfinanzgericht äußerte sich die Bf zum Vorlagebericht:
Das Finanzamt Österreich als belangte Behörde (Geschäftszahl: DS08/***62***) führt - nach der Beschwerdevorentscheidung vom 24.02.2022 - in der Vorlage der Beschwerde an das Bundesfinanzgericht vom 16.09.2022 - also nach mehr als sechs Monaten - aus:
1. "Nach der Aktenlage hat der Kindesvater die Unterhaltszahlungen (vorerst) nicht in voller Höhe geleistet, ist seinen Unterhaltsleistungen in der Folge aber auf Grund gerichtlich-exekutionsrechtlicher Schritte nachgekommen". In der Folge heißt es: "Das Finanzamt beantrag, der Bf. zusätzlich zu "ihrer" Hälfte des FABO+ nur jene Zwölftel des FABO+ des Unterhaltszahlers für das jeweilige Kind und für Monate zuzuerkennen, für die der Kindesvater die Unterhaltsleistungen auch in der Zwischenzeit nicht vollständig erbracht hat."
2. Die belangte Behörde geht damit von unrichtigen Annahmen (Sachverhalt) aus und kommt zu einem unrichtigen Ergebnis. Überdies widerspricht sich die Behörde, wenn sie zum einen behauptet, die der Kindesvater sei seinen Unterhaltsleistungen "in der Folge aber auf Grund gerichtlich-exekutionsrechtlicher Schritte nachgekommen" - und zwei Absätze darunter spricht sie in der Stellungnahme davon: dass "für die der Kindesvater die Unterhaltsleistungen auch in der Zwischenzeit nicht vollständig erbracht hat" der Beschwerdeführerin einen aliquoten Anspruch iZm dem FABO+ hätte.
3. Die Unrichtigkeit des Sachverhalts ergibt sich bereits daraus, dass Exekutionen - zumindest im vorliegenden Fall - immer nur für das Jahr gelten, in dem sie erfolgt sind, also sobald das Jahr abgeschlossen ist, fallen die exekutierten Beträge in das Folgejahr. So gesehen ist der Status der Rückstände für die Vorjahre 2019+20 immer noch aktuell:
Der aktuelle Unterhaltstitel (1PU***13***-71 vom 09.12.2011, aufbauend auf Bescheid 001 PU60/10-p-46 und 1 ***14***-12) ist wie folgt:
a) ***6*** ***9*** - 350,-/Monat
b) ***51*** ***9*** - 300,-/Monat
c) ***7*** ***9*** - 300,-/Monat
Unterhalts-Rückstand lt. Auszüge Erste Bank:
Ad a) ***6***: Kontonummer ***15***
2.750,-/2019 Rückstand
3.750,-/2020 (überwiesen hat ***52*** ***9*** 2020 EUR 450,-)
gesamter Rückstand bis Ende 2020: 6.500,-
Ad b) ***51***: Kontonummer ***16***
2.250,-/2019 Rückstand
3.200,-/2020 (überwiesen hat ***52*** ***9*** EUR 2020 400,-)
gesamter Rückstand bis Ende 2020: 5.450,-
Ad c) ***7***: Kontonummer ***17***
2.250,-/2019 - Rückstand
3.200,-/2020 (überwiesen hat ***52*** ***9*** 2020 EUR 400,-)
gesamter Rückstand bis Ende 2020: 5.450,-
4. Die gegenständliche Geltendmachung des halben FABO+ durch den Kindesvater erfolgte zu Unrecht.
5. Die belangte Behörde wäre überdies gehalten gewesen, zu prüfen, ob ein Verdacht strafbaren Verhaltens gegeben ist, und hätte gegebenenfalls gem § 78 StPO die Straftat anzuzeigen gehabt. Stattdessen hat die belangte Behörde die Behauptungen des Kindesvaters trotz den begründeten und belegten Einwände Beschwerdeführerin für "bare Münze" genommen.
Beweis:
PV;
Weitere Beweise im Bestreitungsfall ausdrücklich vorbehalten.
Vorläufiger Sachverhalt
Auf Grund des bisherigen Verfahrens geht das Bundesfinanzgericht vorläufig von folgendem Sachverhalt aus:
Der im März 1996 geborene ***6*** ***9***, die im Mai 1998 geborene ***51*** ***9*** und die im März 2000 geborene ***7*** ***8*** ***9*** sind Kinder der Bf ***1*** ***2*** MBA (Mutter) und des Ing. ***52*** ***9*** (Vater). Für die drei Kinder hat die Mutter ***1*** ***2*** MBA im Jahr 2020 Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag bezogen.
Der Vater Ing. ***52*** ***9*** ist zu monatlichen Unterhaltszahlungen von 350 € für ***6*** ***9***, von 300 € für ***51*** ***9*** und von 300 € für ***7*** ***9*** verpflichtet (Beschwerde vom 10. Februar 2022, Vorlageantrag vom 18. März 2022).
Zu Beginn des Jahres 2020 betrug der Unterhaltsrückstand für ***6*** ***9*** aus 2019 2.750,00 € (Beschwerde vom 10. Februar 2022, Vorlageantrag vom 18. März 2022).
Zu Beginn des Jahres 2020 betrug der Unterhaltsrückstand für ***51*** ***9*** aus 2019 2.250,00 € (Beschwerde vom 10. Februar 2022, Vorlageantrag vom 18. März 2022).
Zu Beginn des Jahres 2020 betrug der Unterhaltsrückstand für ***7*** ***9*** aus 2019 2.250,00 € (Beschwerde vom 10. Februar 2022, Vorlageantrag vom 18. März 2022).
Im Jahr 2020 wurden auf Grund einer Gehaltsexekution eingebracht:
Monat 7 bis 10 jeweils 461,68 €, Monat 11 708,06 €, Monat 12: 461,68 € (vom Vater vorgelegte Unterlagen).
Ferner wurden vom Vater im Jahr 2020 an Unterhaltszahlungen überwiesen (vom Vater vorgelegte Unterlagen):
Für ***6*** ***9*** 450,00 € (200,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00), für ***51*** ***9*** 400,00 € (50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00) und für ***7*** ***9*** 400,00 € (50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00 + 50,00).
Es wurden für ***6*** ***9*** im Jahr 2020 direkt durch den Vater oder im Wege einer Exekution insgesamt 1.455,49 € geleistet, für ***51*** und ***7*** ***9*** jeweils insgesamt 1.405,49 € (vom Vater vorgelegte Unterlagen).
Der Jahresunterhalt beträgt für ***6*** ***9*** 4.200,00 € (350,00 * 12), für ***51*** ***9*** 3.600,00 € (300,00 * 12) und für ***7*** ***9*** 3.600,00 € (300,00 * 12).
Im Jahr 2021 wurden (bis August 2021) auf Grund einer Gehaltsexekution eingebracht:
Monat 1 bis 4 jeweils 447,18 €, Monat 5: 397,59 € (vom Vater vorgelegte Unterlagen).
Laut Einkommensteuerbescheid 2020 vom 10. Jänner 2022 wurde beim Vater ein Familienbonus Plus i. H. v. 1.500,48 € sowie ein Unterhaltsabsetzbetrag berücksichtigt.
Rechtsgrundlagen
§ 295a BAO lautet:
§ 295a. (1) Ein Bescheid kann auf Antrag der Partei (§ 78) oder von Amts wegen insoweit abgeändert werden, als ein Ereignis eintritt, das abgabenrechtliche Wirkung für die Vergangenheit auf den Bestand oder Umfang eines Abgabenanspruches hat.
(2) Die Entscheidung über die Abänderung steht der Abgabenbehörde zu, die für die Erlassung des abzuändernden Bescheides zuständig war oder vor Übergang der Zuständigkeit als Folge einer Bescheidbeschwerde oder einer Säumnisbeschwerde (§ 284 Abs. 3) zuständig gewesen wäre. Ist die diesbezügliche Zuständigkeit auf eine andere Abgabenbehörde übergegangen, so steht die Entscheidung der zuletzt zuständig gewordenen Abgabenbehörde zu.
§ 19 EStG 1988 lautet:
§ 19. (1) Einnahmen sind in jenem Kalenderjahr bezogen, in dem sie dem Steuerpflichtigen zugeflossen sind. Abweichend davon gilt:
1. Regelmäßig wiederkehrende Einnahmen, die dem Steuerpflichtigen kurze Zeit vor Beginn oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres, zu dem sie wirtschaftlich gehören, zugeflossen sind, gelten als in diesem Kalenderjahr bezogen.
2. In dem Kalenderjahr, für das der Anspruch besteht bzw. für das sie getätigt werden, gelten als zugeflossen:
- Nachzahlungen von Pensionen, über deren Bezug bescheidmäßig abgesprochen wird, Bezüge gemäß § 25 Abs. 1 Z 1 lit. c, das Rehabilitationsgeld gemäß § 143a ASVG und das Wiedereingliederungsgeld gemäß § 143d ASVG,
- das versicherungsmäßige Arbeitslosengeld, das Umschulungsgeld gemäß § 39b AlVG und die Notstandshilfe oder an deren Stelle tretende Ersatzleistungen,
- Nachzahlungen im Insolvenzverfahren sowie
- Förderungen und Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln im Sinne des § 3 Abs. 4, mit Ausnahme der in § 3 Abs. 2 genannten Bezüge.
3. Bezüge gemäß § 79 Abs. 2 gelten als im Vorjahr zugeflossen. Die Lohnsteuer ist im Zeitpunkt der tatsächlichen Zahlung einzubehalten. Für das abgelaufene Kalenderjahr ist ein Lohnzettel gemäß § 84 an das Finanzamt zu übermitteln.
(2) Ausgaben sind für das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind. Für regelmäßig wiederkehrende Ausgaben gilt Abs. 1 zweiter Satz. Rückzahlungen von Einnahmen gemäß Abs. 1 Z 2 erster und zweiter Teilstrich gelten in dem Kalenderjahr als abgeflossen, für das der Anspruch bestand bzw. für das sie getätigt wurden. Die Vorschriften über die Gewinnermittlung bleiben unberührt.
(3) Vorauszahlungen von Beratungs-, Bürgschafts-, Fremdmittel-, Garantie-, Miet-, Treuhand-, Vermittlungs-, Vertriebs- und Verwaltungskosten müssen gleichmäßig auf den Zeitraum der Vorauszahlung verteilt werden, außer sie betreffen lediglich das laufende und das folgende Jahr.
§ 33 EStG 1988 lautet in der für den Beschwerdezeitraum maßgebenden Fassung auszugsweise:
(3a) Für ein Kind, für das Familienbeihilfe nach dem Familienlastenausgleichsgesetz 1967 gewährt wird und das sich ständig in einem Mitgliedstaat der EU oder Hoheitsgebiet einer anderen Vertragspartei des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz aufhält, steht auf Antrag ein Familienbonus Plus nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen zu:
1. Der Familienbonus Plus beträgt
a) bis zum Ablauf des Monats, in dem das Kind das 18. Lebensjahr vollendet, für jeden Kalendermonat 125 Euro,
b) nach Ablauf des Monats, in dem das Kind das 18. Lebensjahr vollendet, für jeden Kalendermonat 41,68 Euro.
2. [aufgehoben mit BGBl. I Nr. 135/2022]
3. Der Familienbonus Plus ist in der Veranlagung entsprechend der Antragstellung durch den Steuerpflichtigen wie folgt zu berücksichtigen:
a) Für ein Kind, für das im jeweiligen Monat kein Unterhaltsabsetzbetrag nach Abs. 4 Z 3 zusteht:
- Beim Familienbeihilfenberechtigten oder dessen (Ehe-)Partner der nach Z 1 oder Z 2 zustehende Betrag oder
- beim Familienbeihilfenberechtigten und dessen (Ehe-)Partner jeweils die Hälfte des nach Z 1 oder Z 2 zustehenden Betrages.
b) Für ein Kind, für das im jeweiligen Monat ein Unterhaltsabsetzbetrag nach Abs. 4 Z 3 zusteht:
- Beim Familienbeihilfenberechtigten oder vom Steuerpflichtigen, dem für das Kind der Unterhaltsabsetzbetrag zusteht, der nach Z 1 oder Z 2 zustehende Betrag oder
- beim Familienbeihilfenberechtigten und dem Steuerpflichtigen, dem für das Kind der Unterhaltsabsetzbetrag zusteht, jeweils die Hälfte des nach Z 1 oder Z 2 zustehenden Betrages.
Für einen Monat, für den kein Unterhaltsabsetzbetrag zusteht, steht dem Unterhaltsverpflichteten kein Familienbonus Plus zu.
c) Die Aufteilung des Familienbonus Plus gemäß lit. a und b ist bei gleichbleibenden Verhältnissen für das gesamte Kalenderjahr einheitlich zu beantragen. Wird von den Anspruchsberechtigten die Berücksichtigung in einer Höhe beantragt, die insgesamt über das nach Z 1 oder Z 2 zustehende Ausmaß hinausgeht, ist jeweils die Hälfte des monatlich zustehenden Betrages zu berücksichtigen.
d) Der Antrag kann zurückgezogen werden. Ein Zurückziehen ist bis fünf Jahre nach Eintritt der Rechtskraft des Bescheides möglich und gilt nach Eintritt der Rechtskraft als rückwirkendes Ereignis im Sinne des § 295a der Bundesabgabenordnung sowohl für den Zurückziehenden als auch für den anderen Antragsberechtigten gemäß lit. a oder b. Wird der Antrag zurückgezogen, kann der gemäß lit. a oder b andere Antragsberechtigte den ganzen nach Z 1 oder Z 2 zustehenden Betrag beantragen.
4. (Ehe-)Partner im Sinne der Z 3 ist eine Person, mit der der Familienbeihilfenberechtigte verheiratet ist, eine eingetragene Partnerschaft nach dem Eingetragene Partnerschaft-Gesetz - EPG begründet hat oder für mehr als sechs Monate im Kalenderjahr in einer Lebensgemeinschaft lebt. Die Frist von sechs Monaten im Kalenderjahr gilt nicht, wenn dem nicht die Familienbeihilfe beziehenden Partner in den restlichen Monaten des Kalenderjahres, in denen die Lebensgemeinschaft nicht besteht, der Unterhaltsabsetzbetrag für dieses Kind zusteht.
5. [aufgehoben mit BGBl. I Nr. 135/2022]
6. In der Steuererklärung ist die Versicherungsnummer (§ 31 ASVG) oder die persönliche Kennnummer der Europäischen Krankenversicherungskarte (§ 31a ASVG) jedes Kindes, für das ein Familienbonus Plus beantragt wird, anzugeben.
7. Der Bundesminister für Finanzen hat die technischen Voraussetzungen für die Berücksichtigung des Familienbonus Plus im Rahmen der Veranlagung zur Verfügung zu stellen.
(4) Darüber hinaus stehen folgende Absetzbeträge zu, wenn sich das Kind ständig in einem Mitgliedstaat der EU oder Hoheitsgebiet einer anderen Vertragspartei des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz aufhält:
1. Alleinverdienenden steht ein Alleinverdienerabsetzbetrag zu. Dieser beträgt jährlich
- bei einem Kind (§ 106 Abs. 1) 494 Euro,
- bei zwei Kindern (§ 106 Abs. 1) 669 Euro.
Dieser Betrag erhöht sich für das dritte und jedes weitere Kind (§ 106 Abs. 1) um jeweils 220 Euro jährlich.
Alleinverdienende sind Steuerpflichtige mit mindestens einem Kind (§ 106 Abs. 1), die mehr als sechs Monate im Kalenderjahr verheiratet oder eingetragene Partner sind und von ihren unbeschränkt steuerpflichtigen Ehegatten oder eingetragenen Partnern nicht dauernd getrennt leben oder die mehr als sechs Monate mit einer unbeschränkt steuerpflichtigen Person in einer Lebensgemeinschaft leben. Für Steuerpflichtige im Sinne des § 1 Abs. 4 ist die unbeschränkte Steuerpflicht des Ehegatten oder eingetragenen Partners nicht erforderlich. Voraussetzung ist, dass der (Ehe )Partner (§ 106 Abs. 3) Einkünfte von höchstens 6 000 Euro jährlich erzielt. Die nach § 3 Abs. 1 Z 4 lit. a, weiters nach § 3 Abs. 1 Z 10, 11 und 32 und auf Grund zwischenstaatlicher oder anderer völkerrechtlicher Vereinbarungen steuerfreien Einkünfte sind in diese Grenzen mit einzubeziehen. Andere steuerfreie Einkünfte sind nicht zu berücksichtigen. Der Alleinverdienerabsetzbetrag steht nur einem der (Ehe )Partner zu. Erfüllen beide (Ehe )Partner die Voraussetzungen im Sinne der vorstehenden Sätze, hat jener (Ehe )Partner Anspruch auf den Alleinverdienerabsetzbetrag, der die höheren Einkünfte im Sinne der Z 1 erzielt. Haben beide (Ehe )Partner keine oder gleich hohe Einkünfte im Sinne der Z 1, steht der Absetzbetrag dem haushaltsführenden (Ehe )Partner zu.
2. Alleinerziehenden steht ein Alleinerzieherabsetzbetrag zu. Dieser beträgt jährlich
- bei einem Kind (§ 106 Abs. 1) 494 Euro,
- bei zwei Kindern (§ 106 Abs. 1) 669 Euro.
Dieser Betrag erhöht sich für das dritte und jedes weitere Kind (§ 106 Abs. 1) um jeweils 220 Euro jährlich. Alleinerziehende sind Steuerpflichtige, die mit mindestens einem Kind (§ 106 Abs. 1) mehr als sechs Monate im Kalenderjahr nicht in einer Gemeinschaft mit einem (Ehe)Partner leben.
3. Steuerpflichtigen, die für ein Kind den gesetzlichen Unterhalt leisten, steht ein Unterhaltsabsetzbetrag von 29,20 Euro monatlich zu, wenn
- das Kind nicht ihrem Haushalt zugehört (§ 2 Abs. 5 Familienlastenausgleichsgesetz 1967) und
- für das Kind weder ihnen noch ihrem jeweils von ihnen nicht dauernd getrennt lebenden (Ehe )Partner Familienbeihilfe gewährt wird.
Leisten sie für mehr als ein nicht haushaltszugehöriges Kind den gesetzlichen Unterhalt, so steht für das zweite Kind ein Absetzbetrag von 43,80 Euro und für jedes weitere Kind ein Absetzbetrag von jeweils 58,40 Euro monatlich zu. Erfüllen mehrere Personen in Bezug auf ein Kind die Voraussetzungen für den Unterhaltsabsetzbetrag, so steht der Absetzbetrag nur einmal zu.
4. [aufgehoben mit BGBl. I Nr. 135/2022]
5. [aufgehoben mit BGBl. I Nr. 135/2022]
Vorläufige rechtliche Beurteilung
Auf Grund der vorläufigen Sachverhaltsfestellungen geht das Bundesfinanzgericht vorläufig von folgender rechtlicher Beurteilung aus:
Einen Antrag auf Berücksichtigung des Familienbonus Plus kann bei unbeschränkt Steuerpflichtigen stellen (vgl. Kanduth-Kristen in Jakom EStG, 15. Aufl. (2022), § 33 Rz 34):
- der Familienbeihilfeberechtigte,
- der (Ehe)Partner des Familienbeihilfeberechtigten,
- der Steuerpflichtige, dem für das Kind der Unterhaltsabsetzbetrag zusteht (Unterhaltsleistender).
Im Verfahren des Familienbeihilfeberechtigten besteht keine Bindungswirkung an das Verfahren des Geldunterhaltsverpflichten (vgl. Kanduth-Kristen in Jakom EStG, 15. Aufl. (2022), § 33 Rz 41).
Das heißt, im gegenständlichen Verfahren der Mutter ist unabhängig vom Verfahren des Vaters zu prüfen, ob und bejahendenfalls in welchem Umfang dem Vater für das hier verfahrensgegenständliche Jahr 2020 ein Unterhaltsabsetzbetrag nach § 33 Abs. 4 Z 3 EStG 1988 für die Kinder ***6***, ***51*** und ***7*** ***9*** zusteht. Für einen Monat, für den kein Unterhaltsabsetzbetrag zusteht, steht dem Unterhaltsverpflichteten kein Familienbonus Plus zu (§ 33 Abs. 3a lit. b EStG 1988).
Sollte dem Vater kein Unterhaltsabsetzbetrag zustehen, steht der volle Familienbonus Plus gemäß § 33 Abs. 3a Z 3 lit. a EStG 1988 der Mutter als Familienbeihilfeberechtigte zu. Steht dem Vater ein Unterhaltsabsetzbetrag zu, ist nach § 33 Abs. 3a lit. b EStG 1988 der Familienbonus Plus entweder zur Gänze dem Familienbeihilfeberechtigten oder dem Geldunterhaltsleister zuzuerkennen oder diesen Personen jeweils zur Hälfte. Beantragen beide Anspruchsberechtigten den Familienbonus Plus, ist gemäß § 33 Abs. 3a lit. c EStG 1988 der Familienbonus den Anspruchsberechtigten jeweils zur Hälfte zu gewähren.
Nach den vorläufigen Sachverhaltsfeststellungen haben sowohl die Mutter als auch der Vater für das Jahr 2020 beantragt, sodass soweit dem Vater der Unterhaltsabsetzbetrag zusteht, § 33 Abs. 3a lit. c EStG 1988 anzuwenden ist und bei der Mutter nur der halbe Familienbonus anzusetzen ist.
Anspruch auf den Unterhaltsabsetzbetrag besteht für Kalendermonate, für die der gesetzliche Unterhalt zu leisten ist und auch tatsächlich zur Gänze geleistet wird. Wird der Unterhalt nicht in vollem Ausmaß geleistet, steht der Unterhaltsabsetzbetrag nur für die Monate zu, für die sich rechnerisch eine vollständige Zahlung ergibt. Für die Monate, für die der Unterhalt nicht voll geleistet wird, steht dem Unterhaltsleistenden der Familienbonus Plus nicht zu. Dieser kann vielmehr vom Familienbeihilfeberechtigten und/oder ggf. von dessen (Ehe)Partner beansprucht werden (vgl. Kanduth-Kristen in Jakom EStG, 15. Aufl. (2022), § 33 Rz 37).
Der Unterhaltsabsetzbetrag steht erstmals für den Kalendermonat zu, für den der Unterhalt zu leisten ist und auch tatsächlich geleistet wird. Der volle Unterhaltsabsetzbetrag für ein Kalenderjahr steht zu, wenn für dieses Kalenderjahr der volle Unterhalt tatsächlich geleistet wurde (vgl. Kanduth-Kristen in Jakom EStG, 15. Aufl. (2022), § 33 Rz 78).
Wird der Unterhalt nicht in vollem Ausmaß geleistet, steht der Unterhaltsabsetzbetrag nur für die Monate zu, für die sich rechnerisch eine vollständige Leistung ergibt (vgl. VwGH 21. 12. 2016, Ro 2015/13/0008).
Nach den Gesetzesmaterialien (RV 463 BlgNR 18. GP, 9), Lehre (Kanduth-Kristen in Jakom EStG, 15. Aufl. (2022), § 33 Rz 78) und Rechtsprechung (VwGH 21. 12. 2016, Ro 2015/13/0008) sind Unterhaltsnachzahlungen beim Unterhaltsabsetzbetrag zu berücksichtigen. Wird rückständiger Unterhalt nachgezahlt, kann das daher zur Gewährung des Unterhalts führen, wobei die Frage, ob Unterhaltsnachzahlungen für das Jahr der Zahlung (i. S. v. § 19 Abs. 2 EStG 1988) oder für das Jahr, dem die Unterhaltszahlung wirtschaftlich zuzuordnen ist, nach der für den Beschwerdezeitraum geltenden Rechtslage unterschiedlich beantwortet wird.
§ 33 Abs. 4 Z 3 lit. d EStG 1988 lautet i. d. F. AbgÄG 2022 BGBl. I Nr. 108/2022, verlautbart am 19. Juli 2022:
d) Wird die Unterhaltsverpflichtung im Kalenderjahr nicht zur Gänze erfüllt, steht der Unterhaltsabsetzbetrag nur für jene Monate zu, für die rechnerisch die volle Unterhaltsleistung erfüllt wurde, wobei vorrangig die zeitlich am weitesten zurückliegende Unterhaltsverpflichtung getilgt wird.
§ 33 Abs. 4 Z 3 lit. e EStG 1988 lautet i. d. F. AbgÄG 2022 BGBl. I Nr. 108/2022, verlautbart am 19. Juli 2022:
e) Nachzahlungen von gesetzlichen Unterhaltsleistungen sind ausschließlich im Kalenderjahr der Zahlung zu berücksichtigen.
Die Gesetzesmaterialien (RV 1534 BlgNR 28. GP) führen dazu aus:
Zu Z 11 (§ 33 Abs. 4 Z 3):
§ 33 Abs. 4 Z 3 lit. a bis c entsprechen der geltenden Regelung, die Bestimmung soll jedoch neu und übersichtlicher strukturiert werden.
Mit der Ergänzung in § 33 Abs. 4 Z 3 lit. d und e soll die steuerliche Behandlung von unregelmäßigen bzw. nachgezahlten Unterhaltsleistungen gesetzlich klargestellt werden und die bisherige Verwaltungsmeinung aufgenommen werden (vgl. LStR 2002 Rz 799), da der monatliche Unterhaltsabsetzbetrag im Spannungsfeld zwischen dem tatsächlich geleisteten Unterhalt und dem Familienbonus Plus steht, für dessen Anspruch er Voraussetzung ist. Die Tilgungsreihenfolge innerhalb eines Kalenderjahres wird für die Berücksichtigung des Unterhaltsabsetzbetrages und in Folge des Familienbonus Plus gesetzlich nun so ausgestaltet, dass zunächst die älteste offene Unterhaltsverpflichtung getilgt wird, danach die nächstälteste usw. Es kommt dabei nicht darauf an, zu welchem Zeitpunkt im Jahr die (Nach-)Zahlungen getätigt wurden. Bei unregelmäßigen Zahlungen innerhalb eines Kalenderjahres ist demnach das Kalenderjahr rechnerisch von Beginn des Jahres bzw. von Beginn der Unterhaltsverpflichtung an aufzufüllen.
Beispiel:
A ist verpflichtet 200 Euro im Monat an Unterhalt für das Kind an die Kindesmutter B zu zahlen. Er zahlt unregelmäßig, dh in 5 Monaten die vollen 200 Euro, in 4 Monaten zahlt er gar nichts, und in 3 Monaten zahlt er nur 100 Euro. In Summe zahlt er daher insgesamt im Kalenderjahr 1.300 Euro (statt 2.400 Euro). Rechnerisch werden die 1.300 Euro nun auf die Monate der Unterhaltsverpflichtung angerechnet, dh beginnend ab Jänner erfüllt A seine Unterhaltsverpflichtung für sechs Monate. A steht der Unterhaltsabsetzbetrag in diesem Jahr daher für sechs Monate (Jänner bis Juni) zu.
Dieselbe Systematik gilt für Nachzahlungen nach Ablauf eines Kalenderjahres. Nachzahlungen, mit welchen nach Ablauf des Kalenderjahres offene Unterhaltsverpflichtungen aus dem Vorjahr bzw. den Vorjahren bezahlt werden, können daher für den Unterhaltsabsetzbetrag in den Vorjahren nicht berücksichtigt werden.
Beispiel:
A zahlt in den ersten Monaten im Jahr 2022 unregelmäßig und nur für drei Monate den vereinbarten Unterhalt an die Kindesmutter B. Im Dezember 2022 zahlt er für weitere drei Monate nach, im Februar 2023 leistet er noch zwei Nachzahlungen.
A steht der Unterhaltsabsetzbetrag im Jahr 2022 für sechs Monate (Jänner bis Juni) zu, entsprechend der sechs in diesem Jahr tatsächlich geleisteten Unterhaltszahlungen. Die Nachzahlungen im Februar 2023 können für das Jahr 2022 nicht berücksichtigt werden, diese sind nur in dem Jahr der Zahlung relevant, also für den Unterhaltsabsetzbetrag im Kalenderjahr 2023.
Das AbgÄG 2022 enthält diesbezüglich keine Inkrafttretensbestimmung.
Für den zeitlichen Anwendungsbereich von Abgabengesetzen ist bei Fehlen ausdrücklicher diesbezüglicher Regelungen die Zeitbezogenheit der Abgabengesetze zu beachten, das heißt, es ist jene Rechtslage anzuwenden, die im Zeitpunkt der Verwirklichung des Abgabentatbestandes gegeben war (vgl. für viele VwGH 1. 12. 2008, 2005/17/0055; VwGH 27. 5. 2008, 2005/17/0206; VwGH 7. 10. 2005, 2005/17/0168; VwGH 8. 9. 2005, 2004/17/0244; VwGH 21. 12. 2004, 2004/17/0199; VwGH 5. 7. 2004, 2004/17/0022, jeweils m. w. N.). Gemäß § 4 Abs. 2 lit. a BAO entsteht der Abgabenanspruch für die zu veranlagende Einkommensteuer mit Ablauf des Kalenderjahres, für das die Veranlagung vorgenommen wird.
§ 33 Abs. 4 Z 3 lit. d und e EStG 1988 i. d. F. AbgÄG 2022 ist daher auf das gegenständliche Verfahren betreffend Einkommensteuer 2020 nicht anzuwenden, worauf das Finanzamt im Vorlageantrag zutreffend hingewiesen hat.
Geht man davon aus, dass eine Unterhaltsnachzahlung für ein vorangegangenes Jahr im dem Jahr steuerlich zu berücksichtigen ist, in dem sie geleistet wurde (wie nunmehr in § 33 Abs. 4 Z 3 lit. e EStG 1988 i. d. F. AbgÄG 2022 geregelt; § 33 Abs. 4 Z 3 lit. d EStG 1988 i. d. F. AbgÄG 2022 betrifft nur Zahlungen innerhalb desselben Kalenderjahres und dient der Verwaltungsvereinfachung), stünde dem Vater, der im Jahr 2020 bei einer Unterhaltsverpflichtung für ***6*** ***9*** von 4.200,00 €, für ***51*** ***9*** von 3.600,00 € und für ***7*** ***9*** von 3.600,00 € tatsächlich für ***6*** ***9*** im Jahr 2020 direkt oder im Wege einer Exekution insgesamt 1.455,49 € für ***51*** ***9*** insgesamt 1.405,49 € und für ***7*** ***9*** insgesamt 1.405,49 € geleistet hat, der Unterhaltsabsetzbetrag für vier volle Monate und damit auch der Familienbonus Plus für vier volle Monate, also somit bei Antragstellung sowohl durch den Vater als auch durch die Mutter von 250,08 € ((41,68 € * 3 * 4) / 2) statt 1.500,48 € (41,68 € * 3 * 12) zu.
Geht man hingegen davon aus, dass bis zum Inkrafttreten von § 33 Abs. 4 Z 3 lit. e EStG 1988 i. d. F. AbgÄG 2022 eine Unterhaltsnachzahlung für ein vorangegangenes Jahr in dem Jahr steuerlich zu berücksichtigen ist, für das sie geleistet wurde, kommt es darauf an, ob die im Jahr 2020 geleisteten Unterhaltszahlungen dem Jahr 2020 oder dem Unterhaltsrückstand aus dem Jahr 2019 (oder Vorjahren) zuzuordnen ist.
Gesetzlicher Unterhalt wird, wenn er in Geld geschuldet ist, mangels abweichender Vereinbarung oder gerichtlicher Festsetzung gemäß § 1418 ABGB mit dem Beginn der monatlichen Unterhaltsperiode im vorhinein fällig (OGH 22. 2. 1994, 6 Ob 540/94).
§ 1416 ABGB lautet:
§ 1416. Wird die Willensmeinung des Schuldners bezweifelt, oder von dem Gläubiger widersprochen; so sollen zuerst die Zinsen, dann das Capital, von mehreren Capitalien aber dasjenige, welches schon eingefordert, oder wenigstens fällig ist, und nach diesem dasjenige, welches schuldig zu bleiben dem Schuldner am meisten beschwerlich fällt, abgerechnet werden.
Ist zur Hereinbringung rückständiger und laufender Unterhaltsbeträge eine Pfändung des Arbeitseinkommens erfolgt, sind nach ständiger Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs die darauf geleisteten Zahlungen zunächst zur Deckung des festgesetzten laufenden Unterhaltes zu verwenden und erst die Beträge, die über den laufend zuerkannten Unterhalt hinausgehen, auf den Rückstand zu verrechnen. § 1416 ABGB ist in diesem Falle nicht anwendbar. (vgl. OGH 20. 12. 1961, 3 Ob 333/61; OGH 28. 1. 1981, 3 Ob 132/80; OGH 26. 11. 1996, 1 Ob 2339/96v; OGH 10. 2. 2004, 10 ObS 276/03s; OGH 29. 3. 2006, 3 Ob 292/05w; OGH 19. 11. 2015, 7 Ob 115/15k). Das vom Unterhaltspflichtigen Geleistete muss dem nächstliegenden, dringendsten Zweck, also der Deckung des laufenden Unterhaltes zugeführt werden (vgl. OGH 20. 6. 2000, 3 Ob 261/99z).
Nach den getroffenen Sachverhaltsfeststellungen leistete der Vater für ***6*** ***9*** im Jahr 2020 im Wege einer Exekution insgesamt 1.005,49 €, für ***51*** und ***7*** ***9*** jeweils insgesamt 1.005,49 €. Geht man auch bei den direkten Zahlungen von 450,00 € bzw. je 400,00 € davon aus, dass diese vorrangig dem laufenden Unterhalt dienen sollen, ergibt dies Gesamtunterhaltsleistungen von 1.455,49 € für ***6*** ***9***, somit von 37% des Jahresunterhalts und 4 vollen Monaten sowie von je 1.405,39 € für ***51*** und ***7*** ***9***, somit von 39% des Jahresunterhalts und ebenfalls 4 vollen Monaten.
Somit stünde auch bei einer wirtschaftlichen Zuordnung der Unterhaltszahlungen dem Vater im Jahr 2020 der Unterhaltsabsetzbetrag für vier volle Monate und damit auch der Familienbonus Plus für vier volle Monate, also somit bei Antragstellung sowohl durch den Vater als auch durch die Mutter von 250,08 € ((41,68 € * 3 * 4) / 2) statt 1.500,48 € (41,68 € * 3 * 12) zu.
In beiden Fällen führen die im Jahr 2020 vom Vater vorgenommenen (freiwillig und im Wege einer Pfändung geleisteten) Zahlungen zum selben Ergebnis, das sich mit § 33 Abs. 4 Z 3 lit. e EStG 1988 i. d. F. AbgÄG 2022 deckt.
Dieses Dokument enthält 48 Grafiken, die hier noch nicht angezeigt werden — siehe Original.
Normen und Schlagworte
- § 33 Abs. 3 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 295a BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 19 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 167 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 33 Abs. 3a lit. b EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 278 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 33 Abs. 3a Z 3 lit. a EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 114 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 33 Abs. 3a lit. c EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 115 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 143 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 161 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 168 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 169 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 33 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 166 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 33 Abs. 4 Z 3 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 183 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 270 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 60 AVG, Allgemeines Verwaltungsverfahrensgesetz 1991, BGBl. Nr. 51/1991
- § 289 EO, Exekutionsordnung, RGBl. Nr. 79/1896
- § 294 EO, Exekutionsordnung, RGBl. Nr. 79/1896
- § 231 ABGB, Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch, JGS Nr. 946/1811
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Beschluss
- Geschäftszahl
- RV/7102805/2022
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2022:RV.7102805.2022
- Stammnummer
- 139135
- Gültig
- 12.12.2022 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF