Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7101877/2021
1. Zahlungen an ein Betrugsunternehmen, das kein Scheinunternehmen ist, als Betriebsausgaben 2. Vorsteuern aus Rechnungen, in denen eine bereits begrenzte UID-Nummer angeführt war 3. Keine Betriebsausgaben oder Vorsteuern aus tatsächlich nicht erbrachten Leistungen 4. Keine Wertberichtigung, wenn die Voraussetzungen in dem jeweiligen Jahr nicht nachgewiesen werden 5. Verträge zwischen "nahen Angehörigen"
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - ErkenntnisRV/7101877/2021vom 17.12.2025Teil 1 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Formelle Mängel wie das Fehlen der UID-Nummer des Leistungsempfängers oder des leistenden Unternehmers können nach ständiger EuGH-Rechtsprechung unschädlich sein, sofern die Steuerverwaltung über alle notwendigen Daten verfügt, um das Recht auf Vorsteuerabzug zu prüfen (EuGH C‑438/09 Dankowski; EuGH C‑516/14 Barlis 06).
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch die Senatsvorsitzende Richterin Mag. Katharina Deutsch LL.M., den Richter Mag. Patric Flament sowie die fachkundigen Laienrichter Mag. Sophia Grassl und Ing. Mag. Dr. Martin Jilch in der Beschwerdesache ***Bf1*** (vormals ***Name Bf1 alt***), ***Adresse Bf1***, vertreten durch HFP Steuerberatungs GmbH, Beatrixgasse 32, 1030 Wien, über die Beschwerde vom 1. September 2017 gegen die Bescheide des Finanzamtes Österreich vom 27. Juli 2017 betreffend
- Wiederaufnahme der Verfahren (§ 303 BAO) betreffend KöSt 2013 bis 2015,
- Wiederaufnahme der Verfahren (§ 303 BAO) betreffend USt 2013 bis 2014,
- Körperschaftsteuer 2013, Körperschaftsteuer 2014, Körperschaftsteuer 2015,
- Umsatzsteuer 2013, Umsatzsteuer 2014, Umsatzsteuer 2015 und
- Umsatzsteuerfestsetzung 01.2016-10.2016,
Steuernummer ***BF1StNr1***, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 12. November 2025 in Anwesenheit der Schriftführerin Tanja Zinkl zu Recht erkannt:
I. a. Die Beschwerde gegen die Bescheide betreffend die Wiederaufnahme der Verfahren betreffend USt 2013 - 2014 und KöSt 2013 - 2015 sowie gegen die KöSt-Bescheide 2013 - 2014 und die USt-Bescheide 2013 - 2014 wird gemäß § 279 BAO als unbegründet abgewiesen.
Die angefochtenen Bescheide bleiben unverändert.
b. Der Beschwerde gegen die Bescheide betreffend USt 2015 und KöSt 2015 wird gemäß
§ 279 BAO teilweise Folge gegeben. Die angefochtenen Bescheide werden abgeändert.
c. Der Beschwerde gegen den USt-Festsetzungsbescheid 01.2016-10.2016 wird gemäß
§ 279 BAO Folge gegeben. Der angefochtene Bescheid wird abgeändert.
Die Bemessungsgrundlagen und die Höhen der festgesetzten Abgaben betreffend die oben unter den lit. b. und c. angeführten Bescheide sind aus den Berechnungen unter dem Punkt 3.1.F. zu entnehmen und bilden einen Bestandteil des Spruches dieses Erkenntnisses.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Entscheidungsgründe
I. Verfahrensgang
Die ***Name Bf1 alt*** (nunmehr ***Bf1***, in der Folge als "Gesellschaft" oder Beschwerdeführerin "Bf." bezeichnet) wurde am ***TT.MM.***2012 ins Firmenbuch eingetragen. Betriebsgegenstand der Gesellschaft sei der Betrieb zweier Hotels, nämlich des Hotels ***Name Hotel 1*** und des Hotels ***Name Hotel 2*** gewesen. Bei der Bf. habe im Jahr 2017 eine Betriebsprüfung betreffend USt, KöSt, Abzugsteuer (KöSt), KeSt, Kammerumlage und ZM betreffend die Jahre 2013 bis 2015 stattgefunden.
In dieser Betriebsprüfung (BP) sein folgende Feststellungen getroffen beziehungsweise folgende Aufwendungen in Folge dieser BP seitens des Finanzamtes nicht an erkannt worden:
1. Reinigungsleistungen der ***S-GmbH*** (FN ***ZZZZZZx***; in der Folge "S-GmbH"):
Die S-GmbH sei als Nachfolgefirma der ***D-GmbH*** (FN ***ZZZZZZy***, in der Folge "***DXY***"), bei der der Geschäftsführer (GF), ***Name GF/S-GmbH*** (***Geb-Datum 1***), zuvor als Reinigungskraft beschäftigt war, gegründet worden. In beiden Unternehmen (***DXY*** und S-GmbH) sei ***Name GS/S-GmbH*** (***Geb-Datum 2***) als Gesellschafter (GS) eingetragen gewesen. ***Name Bevollmächtigte/S-GmbH*** (***Geb-Datum 3***) sei als GF der ***DXY*** und Bevollmächtigte der S-GmbH tätig gewesen. ***Name Lebensgefährte***, der Neffe des GS und Lebensgefährte von ***Name Bevollmächtigte/S-GmbH***, habe am Konto der S-GmbH eine Zeichnungsberechtigung gehabt.
Die S-GmbH habe nach der steuerlichen Vertretung Rechnungen gelegt, gegenüber dem Finanzamt aber keine Umsätze erklärt und auch keine Abgaben gemeldet oder entrichtet. Nach den Angaben des im FB eingetragenen GF wären die Arbeiter durch ihn allesamt bar bezahlt worden. Der GF habe an eine "***Vorname Bevollmächtigte/S-GmbH***" (***Nachname P***) eine Vollmacht übergeben - in der Folge sei nur mehr diese mit der steuerlichen Vertretung in Kontakt getreten. Die Initiative zur Gründung der S-GmbH sei von "***Vorname Bevollmächtigte/S-GmbH***" (***Nachname P***) ausgegangen.
Durch die BP wären Ausgangsrechnungen der S-GmbH über Reinigungsleistungen und einen Großhandel mit Parfum sowie Übersiedlungen vorgefunden worden. In der inkompletten Buchhaltung der Bf. sein auch Rechnungen der ***M-GmbH*** (in der Folge als "M-GmbH" bezeichnet) enthalten, und sei diese M-GmbH, die für die S-GmbH als Subunternehmerin tätig gewesen wäre, rechtskräftig ab 01.10.2015 (Fettdrucke an dieser Stelle und in der Folge in diesem Erkenntnis erfolgten durch das Bundesfinanzgericht) als Scheinunternehmen festgestellt worden.
Der GF habe niemals Rechnungen für die S-GmbH geschrieben, sondern habe die von "***Vorname Bevollmächtigte/S-GmbH***" vorgelegten Rechnungen blind unterschieben. Der GF habe keine Kenntnis von Subunternehmen. Die M-GmbH oder andere Fremdleister kenne er nicht. Der GF habe auch keine Parfums geliefert. Eine Befragung des GF durch die BP habe wegen mangelnder Deutschkenntnisse des GF abgebrochen werden müssen, obgleich der steuerliche Vertreter angegeben habe, dass der GF gut Deutsch spreche.
Die Bf. sei durch die BP befragt worden, ob die S-GmbH beim Eingehen der Geschäftsbeziehung überprüft worden wäre. Die Bf. habe dazu angegeben, dass die UID überprüft, aber kein Ausdruck angefertigt worden wäre. Andere Überprüfungshandlungen wären nicht vorgebracht oder nachgewiesen worden. (Anmerkung Bundesfinanzgericht: Eine Überprüfung der UID-Nummer durch die Bf. zum Zeitpunkt des Eingehens der Geschäftsbeziehung am 01.10.2025 wäre jedoch gar nicht möglich gewesen, weil der S-GmbH die UID-Nummer erst am 29.10.2015 erteilt worden ist.)
2. Rechts- und Beratungsaufwand:
***Name GS-GF/A-GmbH*** (in der Folge auch als Gesellschafter-Geschäftsführer "GS-GF" oder "Gatte" bezeichnet) sei 100% - GS-GF der ***A-GmbH*** (in der Folge auch als "***A-GmbH***" bezeichnet) mit Sitz in ***Adresse 1, Stadt, EU-Staat*** gewesen. ***Name GS-GF/A-GmbH*** wäre der Ehemann der GF der Bf., ***Name GFin/Bf.***. 100%-Gesellschafterin der Bf. wäre die ***Muttergesellschaft*** (FN ***ZZZZZZz***, in der Folge auch als "Muttergesellschaft" bezeichnet), bei der ***Name GFin/Bf.*** GS-GF und ihr Gatte, ***Name GS-GF/A-GmbH***, GF gewesen sein.
Die ***A-GmbH*** vertreten durch ***Name GS-GF/A-GmbH*** habe mit der Bf. vertreten durch ***Name GFin/Bf.*** am 25.06.2014 einen Vertrag abgeschlossen. Nach diesem Vertrag wären auch die auf Grundlage einer mündlichen Vereinbarung bereits ab Juli 2013 erbrachten Leistungen Bestandteil dieses Vertrages gewesen. Gegenstand dieses Vertrages sei gewesen:
Weltweite Suche und Auswahl von Immobilienprojekten
Erarbeitung von Marktideen für Projekte für Investments
Entwicklung im Zusammenhang mit Immobilien und deren Verwaltung und Verwertung
Als Entgelte für diese Leistungen wären vereinbart worden:
€ 6.000,00 für den Zeitraum von 07/2013 bis 02/2014, € 12.000,00 für den Zeitraum von 03/2014 bis 10/2015 und € 15.000,00 ab 11/2015 - zu den € 6.000,00 und den € 15.000,00 gäbe es keine (schriftlichen) Verträge oder wurden solche nicht vorgelegt.
Bis 07/2014 habe die ***A-GmbH*** keine DienstnehmerInnen gehabt und sei der 100%ige GS-GF allein in der/für die ***A-GmbH*** tätig gewesen. Nach einer Aufstellung der steuerlichen Vertretung/der Bf. wären erst ab 01.08.2014 zwei weitere Personen (eine Person Teilzeit mit € 450,00 brutto/Monat und eine Person mit € 2.200,00 brutto/Monat) bei der ***A-GmbH*** beschäftigt gewesen. Alle anderen von der Bf. vorgebrachten (insgesamt 10) Mitarbeiter sein erst 2016 und 2017 in die ***A-GmbH*** eingetreten. Nach einer durchgeführten IWD-Abfrage wäre in der ***A-GmbH*** von 2012 bis 2015 nur ein Mitarbeiter (nämlich der GS/GF) vorhanden gewesen.
Art, Inhalt und zeitlicher Umfang der angeblich durch die ***A-GmbH*** für die Bf. durchgeführten Tätigkeiten wären nicht nachgewiesen worden. Zu den Punkten "Weltweite Suche und Auswahl von Immobilienprojekten" und "Erarbeitung von Marktideen für Projekte für Investments" wären weder Tätigkeiten für die Bf. vorgebracht noch derartige Tätigkeiten nachgewiesen worden.
3. Forderungswertberichtigungen:
Die Wertberichtigungen haben aus gewährten Darlehen an die ***S.K-GmbH*** (FN ***XXXXXXx***; in der Folge als "S.K-GmbH" bezeichnet) und die ***C.R-GmbH*** (FN ***XXXXXXy***; in der Folge als "C.R-GmbH" bezeichnet) resultiert.
Diese Darlehensverträge wären am 30.04.2014 (C.R-GmbH) und am 31.07.2014 (S.K-GmbH) abgeschlossen worden. Die Darlehen sein endfällig und wären beide bis zum 31.12.2014 zu tilgen gewesen. In Ansehung dieser Darlehen sein bis zum Prüfungsbeginn keine Zahlungen geleistet und keine Einbringungsmaßnahmen seitens der Bf. gesetzt worden.
Darüber hinaus haben bei beiden Unternehmen "Verrechnungen" (Übernahme von Zahlungen durch die Bf. auf Grund von Liquiditätsengpässen bei den beiden Gesellschaften) vorgelegen, wobei zu diesen "Verrechnungen" keine Unterlagen vorgelegt worden sein.
4. Weiterer Verfahrensverlauf
Das Finanzamt folgte den Feststellungen der BP und erließ am 27.07.2017 Wiederaufnahmebescheide betreffend USt 2013 und 2014 und KöSt 2013-2015 sowie (neue) Sachbescheide betreffend USt 2013-2015, USt-Festsetzung 01-10/2016 (ein USt-Bescheid 2016 wurde bislang nicht erlassen) und KöSt 2013-2015.
In der eingebrachten Beschwerde habe die Bf. die Feststellungen der BP bestritten und insbesondere vorgebracht, dass die Voraussetzungen für eine zusätzliche KöSt gemäß § 22 Abs. 3 KStG nicht vorgelegen hätten, obgleich eine solche zusätzliche KöSt (die dann vorzuschreiben ist, wenn der Stpfl. einer Empfängernennung gemäß § 162 BAO nicht nachkommt) in den angefochtenen Bescheiden nicht vorgeschrieben worden sei.
In der Beschwerde beantragte die Bf. (Zitat:) "die Zeugeneinvernahme sämtlicher Personen, welche bei der leistungserbringenden ***S-GmbH*** als unselbständige Arbeiter angemeldet waren". Befragungsgegenstand sollte sein, ob die jeweils zu befragende Person für die ***S-GmbH*** tatsächlich beschäftigt gewesen sei, ob sie Reinigungsleistungen in den beiden Hotels erbracht habe, wer ihre Ansprechperson gewesen wäre und wie sie bezahlt worden sei. Darüber hinaus beantragte die Bf. in der Beschwerde die Durchführung einer mündlichen Verhandlung und eine Entscheidung durch den gesamten Senat.
Obgleich es sich bei diesem Antrag um keinen wirksamen/gültigen Beweisantrag gehandelt habe (es fehlten die Namen und die ladungsfähigen Adressen der beantragten Zeugen), wären vier der von der S-GmbH angemeldeten Personen geladen und in der Folge drei dieser Personen vernommen worden und sei der Bf. das Vernehmungsergebnis in einer Stellungnahme des Prüfers vom 28.09.2018 mitgeteilt und auch in der BVE vom 14.05.2021 berücksichtigt worden:
- eine Person sagte aus, dass sie die S-GmbH nicht kenne und auch nie dort gearbeitet habe,
- eine Person gab an, als Kellnerin tätig gewesen zu sein und nur 5 Tage bei einer Reinigungsfirma gearbeitet zu haben; die S-GmbH und der Name ***Name Bevollmächtigte/S-GmbH*** sage ihr nichts,
- eine Person gab an, zwar für eine Reinigungsfirma gearbeitet zu haben und von einem Herrn ***Nachname GF/S-GmbH*** Arbeitsaufträge erhalten zu haben, in bar bezahlt worden zu sein und kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld erhalten zu haben; trotz Beendigung ihrer Tätigkeit wäre sie aber nicht von der SV abgemeldet worden.
In der Stellungnahme des Prüfers vom 28.09.2018 sein insbesondere auch Ausführungen zu den beteiligten Personen enthalten gewesen:
Erst seit 15.12.2015 ist Herr ***Name GS-GF/A-GmbH*** alleiniger handelsrechtlicher Geschäftsführer. Frau ***Name GFin/Bf.*** hat seit 10.10.2003 ihren Hauptwohnsitz in ***Name Stadt***, Herr ***Name GS-GF 2*** hatte vom 8.4.2011 bis zum 31.7.2014 seinen Hauptwohnsitz in ***PLZ, Stadt, Adresse 3*** (Hotel) und vom 24.9.2015 bis zum 28.10.2016 seinen Nebenwohnsitz in ***PLZ, Stadt, Adresse 4*** (Unterkunftgeber Frau ***Name GFin/Bf.***).
Herr ***Name GS-GF/A-GmbH*** hatte vom 27.2.2004 bis zum 30.4.2012 und vom 31.8.2015 bis zum 15.11.2016 seinen Hauptwohnsitz in ***Name Stadt***. Von 8/2015 bis 11/2016 war Herr ***Nachname GS-GF/A-GmbH*** in ***PLZ, Stadt, Adresse 4*** (Unterkunftgeber Frau ***Name GFin/Bf.***) gemeldet. Wie bereits im BP-Bericht erwähnt, ist Herr ***Name GS-GF/A-GmbH*** mit Frau ***Name GFin/Bf.*** seit ***TT.MM.***2011 verheiratet (3 Kinder - geb. 2011, 2013, 2015).
Herr ***Name GS-GF 2*** (in der Folge als "GS-GF 2" bezeichnet) war von 22.4.2011 bis zum 7.6.2013 und Frau ***Name GFin/Bf.*** von 1.10.2010 bis zum 15.9.2014 bei der ***CXY-GmbH*** in ***PLZ, Stadt, Adresse 3***, im Angestelltenverhältnis tätig.
Lt. Handelsregisterbekanntmachungen war bzw. ist Herr ***Name GS-GF 2*** in ***EU-Staat*** bei zahlreichen Firmen als Geschäftsführer tätig bzw. als solcher eingetragen, und zwar bei 15 Unternehmen in ***Stadt, EU-Staat*** (14 x - meist mit dem Sitz in ***Adresse 1*** bzw. ***Adresse 2***) und ***Stadt 2, EU-Staat*** (1 x - ***Adresse 5***).
Zu den Darlehen enthält die Stellungnahme des Prüfers vom 28.09.2018 insbesondere die folgenden (ergänzenden) Ausführungen:
Überdies wird noch bemerkt, dass bei beiden Firmen auf dem Finanzamtsverrechnungskonto zum 31.12.2015 Guthaben von mehreren Tausend Euro vorhanden waren und dass es jahrelang keinerlei Rückstände auf dem Abgabenkonto gab.
(Anmerkung Bundesfinanzgericht: Auch eine Einsichtnahme des BFG in die Steuerkonten der Gesellschaften ergab, dass bei beiden Gesellschaften zum Zeitpunkt der Fälligkeit der Darlehen und auch danach (zum Zeitpunkt der Wertberichtigungen) teils erhebliche Guthaben auf den Abgabenkonten bestanden haben.)
Das Finanzamt wies die Beschwerde der Bf. mit Beschwerdevorentscheidung (BVE) vom 14.05.2021 als unbegründet ab. In diese BVE wurde auch die Stellungnahme des Prüfers vom 28.09.2018 eingearbeitet. Diese BVE enthielt insbesondere folgende Begründungen:
In der BVE
wurden die Beteiligungsverhältnisse an der Bf. dargelegt,
wurde angeführt, dass zu den Reinigungsleistungen der S-GmbH keine Nachweise vorgelegt worden sein,
wurde ausgeführt, dass es sich bei der S-GmbH um ein Betrugsunternehmen gehandelt habe,
wurde das Ergebnis der Vernehmung dreier Zeugen (vermeintliche Reinigungskräfte der Bf.) dargelegt,
wurde festgehalten, dass die Anmeldungen der Reinigungskräfte zur Sozialversicherung nur zum Schein erfolgt sein,
wurden die Beteiligungsverhältnisse an der ***A-GmbH*** und der Muttergesellschaft dargelegt,
wurden die Naheverhältnisse der beteiligten Personen zueinander dargelegt,
wurde ausgeführt, dass der GS-GF 2 bei insgesamt 15 Unternehmen in ***EU-Staat*** als GF tätig sei,
wurde ausgeführt, dass der GS-GF "neben der Bf. noch bei drei anderen Gesellschaften (im Inland) alleinvertretungsberechtigter Geschäftsführer" sei,
wurde festgehalten, dass die "Auftragsvereinbarung" der Bf. mit der ***A-GmbH*** vom Ehepaar ***Nachnamen GS-GF/A-GmbH und GFin/Bf.*** unterschrieben worden sei,
wurde der Inhalt des Vertrages vom 25.06.2025 dargelegt,
wurde ausgeführt, dass eine rückwirkende Gültigkeit eines Vertrages und eine regelmäßige, über einen längeren Zeitraum andauernde Leistungserbringung ohne entsprechende schriftliche Vertragsgrundlage nicht fremdüblich sein,
wurde dargelegt, dass ein detailliertes schriftliches Leistungsverzeichnis, welche Verwaltungs- und sonstigen Leistungen die ***A-GmbH*** für den Hotelbetrieb der ***Bf1*** von Juli 2013 bis laufend erbracht haben soll, seitens ***Bf1*** nicht vorliege,
wurde festgehalten, dass der GS-GF bis 01.08.2014 alleine für die/in der ***A-GmbH*** tätig gewesen sei und erst ab diesem Zeitpunkt zwei Personen mit demselben Nachnamen mit einen Bruttoverdienst von € 2.200,00 und € 450,00 für die ***A-GmbH*** tätig gewesen sein,
wurde ausgeführt, dass die Leistungsbeziehung zwischen der ***A-GmbH*** und der Bf. nicht fremdüblich gewesen sei,
wurden die Beteiligungsverhältnisse an der ***S.K-GmbH*** und der ***C.R-GmbH*** dargelegt,
wurde ausgeführt, dass die Darlehensverträge nicht fremdüblich gewesen sein und
wurde festgehalten, dass auf den Finanzamtskonten der ***S.K-GmbH*** und der ***C.R-GmbH*** hohe Guthaben bestanden hätten und die Voraussetzungen für Wertberichtigungen Ende 2015 nicht vorgelegen hätten.
Am 14.06.2021 brachte die Bf. einen Vorlageantrag ein. Ein zusätzliches Vorbringen erstattete die Bf. in diesem Vorlageantrag nicht und wurden seitens der Bf. mit diesem Vorlageantrag auch keine ergänzenden Unterlagen vorgelegt.
5. Verfahren vor dem Bundesfinanzgericht
Mit Vorlagebericht vom 23.07.2021 legte die belangte Behörde die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor.
Mit Generalversammlungsbeschluss vom 10.07.2023 wurden die Firma und der Unternehmensgegenstand der Gesellschaft geändert.
Mit Verfügung des Geschäftsverteilungsausschusses vom 29.01.2024 wurde die gegenständliche Beschwerdesache der Gerichtsabteilung 1005 zur Erledigung zugewiesen.
Mit Vorhalt des Bundesfinanzgerichts (BFG) an die belangte Behörde vom 31.03.2025 wurde die belangte Behörde ersucht, dem BFG jene Unterlagen vorzulegen, auf die im Betriebsprüfungsbericht Bezug genommen wurde, die aber dem Bundesfinanzgericht nicht vorgelegt worden waren. Beigeschafft wurden insbesondere
- der Feststellungsbescheid betreffend die M-GmbH nach dem SBBG,
- der BP-Bericht der S-GmbH
- der Strafakt des eingetragenen GF der S-GmbH und
- das Straferkenntnis des Bundesfinanzgerichts (BFG 12.01.2021, RV/7300054/2020) betreffend die Bf. wegen Nichtabfuhr von Lohnabgaben (L, DB, DZ).
In der Ladung zur mündlichen Verhandlung vom 24.09.2025 wurden die beiden Verfahrensparteien aufgefordert, sämtliche Unterlagen, die für die Feststellung des Sachverhaltes dienlich sein können oder/und auf die sich die Parteien zu beziehen beabsichtigen, dem Bundesfinanzgericht vorzulegen.
Am Tag der mündlichen Verhandlung, dem 12.11.2025, brachte die steuerliche Vertretung der Bf. kurz(fristig) vor Beginn dieser Verhandlung per Fax und in der mündlichen Verhandlung in Papierform sowie elektronisch die folgenden Stellungnahmen ein, deren Inhalte von der steuerlichen Vertretung der Bf. im Rahmen der mündlichen Verhandlung referiert wurden:
Sachverhalt "***S-GmbH***":
Die ***S-GmbH*** hat für die Beschwerdeführerin in dem von der Beschwerdeführerin in ***Name Stadt*** betriebenen Hotel ***Name Hotel 1*** (***XYZ*** Zimmer) Reinigungsleistungen erbracht, verrechnet und bezahlt bekommen. Die Reinigungsleistungen betrafen insbesondere die Gästezimmer.
Aufgenommene Beweise und Beweiswürdigung:
Das schriftliche Angebot vom 1.10.2015.
Die schriftliche Auftragskündigung vom 27.9.2016.
Die Einvernahmen des GF der ***S-GmbH*** (z.B. NS vom 13.12.2016).
Die Einvernahme von Fr. ***Name Bevollmächtigte/S-GmbH*** (NS vom 5.4.2017 insb S. 10, S. 11).
Die Einvernahmen des ehem. Mitarbeiters und jetzigen GF der der Beschwerdeführerin, ***Name GF/Bf. aktuell***, während der Außenprüfung.
Die beiden schriftlichen Zeugenaussagen vom 9.8.2017 von Fr. ***Name Zeugin 1*** und Hm. ***Name Zeuge 1*** (beglaubigte Übersetzungen).
Beantragte Zeugeneinvernahme: ***Name Hausdame***, geb. ***Geb-Datum 4***, ***PLZ Ort, Adresse 6***. Die Zeugin war 2013 - 2017 in der Beschwerdeführerin als Hausdame beschäftigt und im Hotel für die Beaufsichtigung und Abnahme der Reinigungsleistungen mitverantwortlich.
Die Reinigungskräfte selbst trugen "***S-GmbH***"-Kleidungsstücke, durch die sie optisch für die Leistungsabnehmer automatisch der leistungserbringenden ***S-GmbH*** zugeordnet wurden (Beweis: Befragung ***Nachname GF/Bf. aktuell*** durch Prüfer, Befragung Hausdame).
Die Rechnungen wurden zum Teil bar bezahlt, zum Teil aber auch überwiesen.
Der Versuch der klagsweisen Einbringung der Beträge durch die ***S-GmbH*** bei der Beschwerdeführerin (siehe Verhandlungsprotokoll 2018 01 19).
Die verrechneten Reinigungsleistungen waren der Höhe nach fremdüblich. Kalkulationsgrundlage: Pro Zimmer putzt man ca. 15min - 20min.
Die Nichtfeststellung der Scheinunternehmereigenschaft der ***S-GmbH***.
Das Nichtvorliegen von Beweisen für Kick-Back-Zahlungen an Organe der Beschwerdeführerin. (Beweis für Gegenteil: Gesprächsniederschrift ***Name Bediensteter*** (BMF) mit Verteidiger von GF ***S-GmbH*** 9.11.2016).
Hinweis: der Prüfer wurde mehrfach aufgefordert, das Hotel und die gereinigten Zimmer zu besichtigen und sich vor Ort über die tatsächlichen Verhältnisse zu informieren. Er kam dem nicht nach (Anmerkung BFG: Zum Zeitpunkt der Prüfung war die S-GmbH nicht mehr für die Bf. tätig).
Hinweis: kein Hotel der Welt führt Aufzeichnungen, welcher Mitarbeiter eines externen Reinigungsunternehmens wann welches Zimmer gereinigt hat. Die Beweisanforderung der Behörde ist unzulässig.
Rechtliche Beurteilung:
Betriebsausgaben sind ertragsteuerlich abzugsfähig.
Die Reinigung der Zimmer eines Hotels ist ausschließlich betrieblich veranlasst. Sie ist auch notwendig. Die dafür ausgegebenen Gelder sind deshalb Betriebsausgabe.
Es gibt kein gesetzliches Abzugsverbot für Beträge, deren Empfänger diese Beträge nicht versteuert, veruntreut oder was auch immer haben. Ausschließlich beurteilt wird die betriebliche Veranlassung und der Werteabfluss aus Sicht des Leistungsempfängers.
Wien, am 11.11.2025 (…)
Sachverhalt "***A-GmbH***":
Die ***A-GmbH*** (***EU-Staat***), hat für die Beschwerdeführerin ausgewählte Dienstleistungen erbracht und diese verrechnet.
Aufgenommene Beweise und Beweiswürdigung:
Die Verschriftlichung des seit Jahren gelegten Vertragsverhältnisses erfolgte am 25.6.2014.
Die Äußerungen und Erläuterungen des stl. Vertreters auf Grundlage der Angaben des Geschäftsführers.
Der Firmenbuchauszug der leistenden ***A-GmbH*** vom 17.1.2017. Mitarbeiterliste der Mitarbeiter der ***A-GmbH*** zum damaligen Zeitpunkt.
Jahresschluss 2015 der ***A-GmbH***,
Beweisantrag: Zeugeneinvernahme ***Name GS-GF/A-GmbH***, geb. ***Geb-Datum 5***, ***PLZ Ort, Adresse 7***. Der Zeuge war eine wesentlich leistungsausübende Person und soll nach dem Leistungsinhalt und Angemessenheit befragt werden.
Die ***A-GmbH*** war eine Gesellschaft, welche dem GF der Beschwerdeführerin im Prüfungszeitraum gehört hat. Der GF hat ausbedungen, dass er seine Leistungen mit dieser Gesellschaft verrechnen kann. Eine derartige Verrechnung ist auch in AT möglich und in § 2 Abs. 4a EStG ausdrücklich als zulässig bezeichnet, wenn die abrechende Gesellschaft einen eigenständigen Betrieb hat, was bei 10 Mitarbeitern nicht zu bezweifeln ist. (Anmerkungen BFG: § 2 Abs. 4a EStG ist erst ab 2016 anwendbar; bis Juli 2014 war ausschließlich der GS-GF 2 in der/für die ***A-GmbH*** tätig, danach zwei Personen mit Bruttobezügen von € 2.200 und € 450)
Rechtliche Beurteilung: Betriebsausgaben sind ertragsteuerlich abzugsfähig.
Die Führung von 2 Hotels benötigt Manpower, welche entweder selbst eingedeckt oder zugekauft werden muss. Diese Vorleistungen stellen Ausgaben dar, die durch den Betrieb veranlasst sind.
Ein gesetzliches Abzugsverbot liegt nicht vor.
Wien, am 11.11.2025 (…)
In der mündlichen Verhandlung am 12.11.2025 wurde die seitens der Bf. beantragte Hausdame als Zeugin vernommen. Der Antrag auf Vernehmung der Zeugin wurde seitens der Bf. erst am 04.11.2025 eingebracht und war eine Ladung der Zeugin durch das Bundesfinanzgericht bis zur Verhandlung am 12.11.2025 zeitlich nicht möglich. Die Zeugin wurde daher seitens der Bf. stellig gemacht und ist zum Verhandlungstermin erschienen. Die Zeugin gab in der Vernehmung insbesondere an, dass
- sie als Hausdame tätig gewesen sei,
- sie die S-GmbH ausgewählt habe,
- sie mehrere Angebote (auch von anderen Reinigungsunternehmen) gehabt habe,
- sie mit Frau ***Nachname P*** und danach mit Herrn ***Nachname GF/S-GmbH*** gesprochen habe,
- sie von Frau ***Nachname P*** keinen Ausweis kontrolliert habe,
- sie hinsichtlich der S-GmbH keinerlei Kontrollen vorgenommen habe,
- sie keine Ausweise oder Sozialversicherungsanmeldungen kontrolliert habe,
- die S-GmbH die Zimmer und allgemein zugängliche Bereiche gereinigt habe,
- es neben der S-GmbH keine andere Firma gegeben habe,
- zur Reinigung immer andere Leute gekommen sein,
- im Schnitt von den ***XYZ*** Hotelzimmern 60-70% zu reinigen gewesen wären und
- sie in den ersten 3 Monaten mit der Reinigungsleistung der S-GmbH zufrieden und kurz vor Beendigung des Vertragsverhältnisses mit den Leistungen der S-GmbH unzufrieden gewesen sei.
In der mündlichen Verhandlung am 12.11.2025 wurde der seitens der Bf. beantragte GS-GF der ***A-GmbH*** als Zeuge vernommen. Der Antrag auf Vernehmung des Zeugen wurde seitens der Bf. erst am 04.11.2025 eingebracht und war eine Ladung des Zeugen durch das Bundesfinanzgericht bis zur Verhandlung am 12.11.2025 zeitlich nicht möglich. Der Zeuge wurde daher seitens der Bf. stellig gemacht und ist zum Verhandlungstermin erschienen. Der Zeuge gab in der Vernehmung insbesondere an, dass
- seine Gattin, ***Name GFin/Bf.***, von 2013 bis 2015 GF der Bf. war,
- der Zeuge selbst ab ***TT.MM.***2015 GF der Bf. war,
- der Zeuge mit ***Name GS-GF 2*** seit 1991 befreundet ist,
- der Zeuge den ***Name GS-GF/H-GmbH*** (=100%-GS der ***H-GmbH***, die zu 50% an der Muttergesellschaft beteiligt ist) 2006 oder 2007 kennengelernt habe und mit diesem seit 2010 in Geschäftsbeziehung stehe,
- der Zeuge im Betrieb der ***A-GmbH*** für die Übernahme und den Betrieb der zwei Hotels (***Name Hotel 1*** und ***Name Hotel 2***) und unter anderem auch für den Verkauf der Zimmer zuständig gewesen sei,
- es für die Übernahme und den Betrieb der Hotels keine schriftlichen Verträge gäbe,
- es für die von der ***A-GmbH*** an die Bf. (angeblich) erbrachten Leistungen sicher Rechnungen gegeben hätte, die dem Bundesfinanzgericht aber nicht vorgelegt worden sind,
- der Zeuge "manchmal € 12.000" pro Monat und "manchmal darunter" verrechnet habe,
- der Zeuge "alles allein gemacht" habe (nämlich die Übernahme und den Betrieb der Hotels und den Verkauf der Zimmer),
- die S-GmbH für die Bf. tätig gewesen sei,
- der Zeuge selbst keinerlei Kontrollen hinsichtlich der S-GmbH vorgenommen habe,
- die von der ***A-GmbH*** an die Bf. (angeblich) verrechneten Beträge "situationsbedingt variiert" hätten, und
- die Mitarbeiter der ***A-GmbH*** im Online-Verkauf tätig gewesen wären und ein namentlich in der Niederschrift angeführter Mitarbeiter die Reservierungsabteilung der Bf. unterstützt habe.
Im Übrigen wird auf die Niederschriften betreffend die Zeugeneinvernahmen und die Niederschrift über den Verlauf der mündlichen Verhandlung verwiesen.
Seitens der steuerlichen Vertretung wurde dem Bundesfinanzgericht ein Einspruch der Bf. vom 02.11.2017 gegen einen bedingten Zahlungsbefehl des ***Name Gericht*** zur GZ ***ZZ Cg ZZ/JJJJx*** (Klägerin: die S-GmbH) und ein vorbereitender Schriftsatz der S-GmbH vom 29.12.2017 vorgelegt.
Andere Unterlagen wurden dem Bundesfinanzgericht seitens der Bf. als Vorbereitung zur mündlichen Verhandlung, in der mündlichen Verhandlung selbst oder auch nach der mündlichen Verhandlung nicht vorgelegt.
II. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
1. Sachverhalt
A. Wiederaufnahme der Verfahren
Im Jahr 2017 wurde bei der Bf. eine Betriebsprüfung insbesondere betreffend Umsatzsteuer 2013 bis 2015 und Körperschaftsteuer 2013 bis 2015 und eine Nachschau betreffend die Zeiträume 01/2016 bis 12/2016 durchgeführt.
Im Zuge dieser Betriebsprüfung sind die im Betriebsprüfungsbericht unter den Tz 1 - 3 angeführten Sachverhaltselemente betreffend die "***S-GmbH***", die "***A-GmbH***" und die Darlehen an die "***C.R-GmbH***" und die "***S.K-GmbH***" neu hervorgekommen.
In Folge der Feststellungen der Betriebsprüfung betreffend die "***S-GmbH***", die "***A-GmbH***" und die Darlehen an die "***C.R-GmbH***" und die "***S.K-GmbH***" wurden die Verfahren betreffend Umsatzsteuer 2013 und 2014 sowie Körperschaftsteuer 2013 bis 2015 wieder aufgenommen.
In den Begründungen dieser Wiederaufnahmebescheide wurde auf die TZ 1 - 3 des BP-Berichtes verwiesen.
B. Ad "***S-GmbH***"
Der Vertrag der Bf. mit der S-GmbH datiert vom 01.10.2015 und weist die UID-Nummer der S-GmbH auf, wobei der S-GmbH diese UID-Nummer erst am 29.10.2015 erteilt worden ist. Dieser Vertrag ist daher falsch oder verfälscht.
Die S-GmbH hat sich der M-GmbH als Subunternehmen bedient und ist diese M-GmbH mit Bescheid vom 01.08.2016 rechtskräftig ab 01.10.2015 als Scheinunternehmen gemäß SBBG festgestellt worden. Über den GF der S-GmbH wurde wegen nicht fristgerechter Entrichtung der Umsatzsteuern 09-12/2015 und 01-10/2016 eine Geldbuße verhängt, woraus auch ersichtlich ist, dass die S-GmbH als Unternehmen tätig gewesen ist.
Der im Firmenbuch eingetragene Geschäftsführer der S-GmbH war der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig und hatte kein detailliertes Wissen über die Tätigkeiten der S-GmbH. Die tatsächlichen Geschäftsführertätigkeiten wurden von anderen Personen ausgeübt: ***Name Bevollmächtigte/S-GmbH*** ist für die S-GmbH nach Außen aufgetreten, deren Lebensgefährte, ***Name Lebensgefährte***, war am Firmenkonto zeichnungsberechtigt. Der Onkel des Lebensgefährten (Name des Onkels: ***Name GS/S-GmbH***) war GS der S-GmbH.
Seitens der Bf. oder von den für diese Gesellschaft tätigen Personen erfolgten keinerlei Überprüfungshandlungen hinsichtlich der S-GmbH einerseits oder der für diese S-GmbH einschreitenden oder tätigen Personen andererseits.
An dem im Firmenbuch eingetragenen Firmensitz der S-GmbH (TOP 1) befand sich tatsächlich ein Restaurant - der Sitz der S-GmbH war an derselben Adresse in TOP 3.
Die am 29.10.2015 erteilte UID-Nummer wurde (Zitat aus dem BP-Bericht der S-GmbH:) "zum Hintanhalten weiterer malversiver Handlungen" mit 26.8.2016 begrenzt.
Zu den in der Folge angegebenen Rechnungsdaten war die UID-Nummer des Rechnungsausstellers bereits begrenzt worden:
037/2016 vom 31.8.2016 über 21.062,00 + 4.212,40 USt (Hotel ***Name Hotel 1*** 8/2016)
039/2016 vom 30.9.2016 über 20.013,50 + 4.002,70 USt (Hotel ***Name Hotel 1*** 9/2016)
041/2016 vom 12.10.2016 über 7.894,00 + 1.578,80 USt (Hotel ***Name Hotel 1*** 10/2016)
Trotz Begrenzung der UID-Nummer konnte die Rechnungsausstellerin anhand ihrer ungültigen UID-Nummer eindeutig identifiziert werden und lagen die übrigen materiellen Voraussetzungen für die Geltendmachung des Vorsteuerabzuges vor.
Bei der S-GmbH selbst handelte es sich nicht um ein Scheinunternehmen und hat die S-GmbH die Reinigungsleistungen an die Bf. auch tatsächlich erbracht.
Die S-GmbH hat vor dem ***Name Gericht*** die ausständigen Entgelte für durchgeführte Reinigungsleistungen aus den Rechnungen 034/2016, 037/2016, 039/2016 und 041/2016 von der Bf. eingeklagt.
C. Ad "***A-GmbH***"
Die Beteiligungen an der Bf. einerseits sowie an der Muttergesellschaft und der ***A-GmbH*** andererseits stellen sich dar wie folgt, wobei in den graphischen Darstellungen
- die ***Name Muttergesellschaft*** als "Muttergesellschaft",
- ***Name GS-GF/A-GmbH*** (***Geb-Datum 5***) als "Gatte" (von ***Name GFin/Bf.***)
- ***Name GFin/Bf.*** (***Geb-Datum 6***) als "Gattin" (von ***Name GS-GF/A-GmbH***) und
- ***Name GS-GF 2*** (***Geb-Datum 7***) als "GS-GF 2"
bezeichnet und farblich kenntlich gemacht werden: [Grafik]
Der 100%-Gesellschafter-Geschäftsführer der ***A-GmbH*** ist ***Name GS-GF/A-GmbH***, der Gatte von ***Name GFin/Bf.*** und seit 1991 langjähriger Freund von ***Name GS-GF 2***.
100%-Gesellschafterin der Bf. ist die ***Name Muttergesellschaft*** an der ***Name GFin/Bf.***, die Gattin von ***Name GS-GF/A-GmbH***, und ***Name GS-GF 2*** mit je 25% beteiligt und in der die Gattin und der GS-GF 2 als GF tätig sind. ***Name GS-GF 2*** seinerseits ist seit 1991 langjähriger Freund von ***Name GS-GF/A-GmbH*** und auch mit ***Name GFin/Bf.*** befreundet, was insbesondere darin zu ersehen ist, dass ***Name GS-GF 2*** in der Zeit von 24.9.2015 bis zum 28.10.2016 seinen Nebenwohnsitz in ***PLZ, Stadt, Adresse 4*** hatte, wobei seine Unterkunftgeberin ***Name GFin/Bf.*** gewesen ist.
Auf die Vertragsverhältnisse zwischen der Bf., der Muttergesellschaft und der ***A-GmbH*** ist unter Zugrundelegung dieser Beteiligungsverhältnisse, dieser Geschäftsführer-Bestellungen und dieser ehelichen und freundschaftlichen Beziehungen demnach die Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes über "nahe Angehörige" anzuwenden.
Nach dem Vertrag der ***A-GmbH*** (vertreten durch ***Name GS-GF/A-GmbH***) mit der Bf. (zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses vertreten durch ***Name GFin/Bf.***) vom 25.06.2014 wären folgende Leistungen vertragsgegenständlich gewesen
Weltweite Suche und Auswahl von Immobilienprojekten
Erarbeitung von Marktideen für Projekte für Investments
Entwicklung im Zusammenhang mit Immobilien und deren Verwaltung und Verwertung
und wären nach diesem Vertrag auch die auf Grundlage einer mündlichen Vereinbarung bereits ab Juli 2013 erbrachten Leistungen Bestandteil dieses Vertrages gewesen.
Art, Inhalt und zeitlicher Umfang der angeblich durch die ***A-GmbH***, insbesondere durch den GS-GF der ***A-GmbH***, für die Bf. durchgeführten Tätigkeiten sind nicht nachgewiesen worden. Zu den Punkten "Weltweite Suche und Auswahl von Immobilienprojekten" und "Erarbeitung von Marktideen für Projekte für Investments" sind weder Tätigkeiten für die Bf. vorgebracht noch derartige Tätigkeiten nachgewiesen worden. Diese im Vertrag vom 25.06.2014 angeführten Tätigkeiten sind daher tatsächlich nicht durchgeführt worden.
***Name GS-GF/A-GmbH*** war im Betrieb der ***A-GmbH*** angeblich für die Übernahme und den Betrieb zweier Hotels (***Name Hotel 1*** und ***Name Hotel 2***) und unter anderem auch für den Verkauf der Zimmer zuständig und hat diese Tätigkeiten vorgeblich alleine durchgeführt. Unterlagen zu den erbrachten Leistungen - z.B. Zeitaufzeichnungen oder Rechnungen - wurden nicht vorgelegt. Auf Grund der unterschiedlichen Leistungsgegenstände bildete der Vertrag vom 25.06.2014 nicht die tatsächliche Leistungsbeziehung zwischen der Bf. und der ***A-GmbH*** ab und hat die ***A-GmbH*** keinerlei Leistungen an die Bf., insbesondere nicht jene Leistungen, die im Vertrag vom 25.06.2014 angeführt worden waren, erbracht.
Die vorgebrachten Leistungsentgelte von € 6.000,00 für den Zeitraum von 07/2013 bis 02/2014 von € 12.000,00 für den Zeitraum von 03/2014 bis 10/2015 und von € 15.000,00 ab 11/2015 finden hinsichtlich der € 6.000,00 und der € 15.000,00 in dem Vertrag vom 25.06.2014 keine Deckung und weichen die Leistungsentgelte von € 15.000,00 für den Zeitraum ab 11/2015 auch von den Angaben des als Zeugen vernommenen GS-GS der ***A-GmbH*** ab. Andere Unterlagen (z.B. weitere schriftliche Verträge) wurden nicht vorgelegt.
Nach der Aussage des als Zeugen vernommenen GS-GF der ***A-GmbH*** hätten die verrechneten Beträge "situationsbedingt variiert" - tatsächlich steuerlich geltend gemacht wurden durch die Bf. aber ausschließlich die von der Bf. vorgebrachten Beträge. Die Aussage des als Zeugen vernommenen GS-GF der ***A-GmbH***, dass "manchmal € 12.000" pro Monat und "manchmal darunter" verrechnet worden wäre, ist mit den von der Bf. vorgebrachten Leistungsentgelten von € 6.000,00 für den Zeitraum 07/2013 bis 02/2014 und von € 15.000,00 für den Zeitraum ab 11/2015, nicht im Einklang zu bringen. Diese € 15.000,00 finden auch im dem Vertrag vom 25.06.2014, wonach maximal € 12.500,00 pro Monat ("gedeckelt") vereinbart worden wären, keine Deckung. Unterlagen betreffend die erbrachten Leistungen oder betreffend die Zahlungen (Rechnungen, Honorarnoten, …) wurden nicht vorgelegt. Die in dem Vertrag vom 25.06.2014 angeführten Leistungen sind daher tatsächlich nicht erbracht worden und die in diesem Vertrag angeführten Aufwendungen tatsächlich nicht angefallen.
Bis Juli 2014 - und damit auch zum Zeitpunkt des Abschlusses des oben angeführten Vertrages vom 25.06.2014 - hat die ***A-GmbH*** (entgegen dem Vorbringen der Bf.) keine DienstnehmerInnen gehabt und ist der 100%ige GS-GF allein in der/für die ***A-GmbH*** tätig gewesen. Die ***A-GmbH*** hatte daher bis Juli 2014 (wiederum entgegen dem Vorbringen der Bf.) keinen sich vom GS-GF abhebenden Geschäftsbetrieb.
Entgegen dem Vorbringen der Bf., wonach bei der ***A-GmbH*** 10 DienstnehmerInnen beschäftigt gewesen wären, waren in der beschwerdegegenständlichen Zeit ab August 2014 tatsächlich nur eine Person mit einem Bruttoentgelt von € 2.200,00 und eine Person mit einem Bruttoentgelt von € 450,00 bei der ***A-GmbH*** beschäftigt. Der mit einem Bruttoentgelt von € 2.200,00 beschäftigte Mitarbeiter hat nach dem Vorbringen des GS-GF die Reservierungsabteilung der Bf. unterstützt und hat daher keine der Tätigkeiten, die im Vertrag vom 25.06.2014 angeführt worden waren, ausgeführt. Unterlagen betreffend die tatsächlichen Tätigkeiten des Dienstnehmers der ***A-GmbH*** für die Bf., der angeblich die Reservierungs-abteilung der Bf. von ***EU-Staat*** aus unterstützt hätte (z.B. Unterlagen betreffend die von dem Angestellten erledigten Tätigkeiten, Arbeitszeitaufzeichnungen, Rechnungen), wurden seitens der Bf. ebensowenig vorgelegt, wie Unterlagen über die (angeblichen) Tätigkeiten der ***A-GmbH*** für die Bf. Der in ***EU-Staat*** für die ***A-GmbH*** tätige Mitarbeiter war daher nach der Überzeugung des Bundesfinanzgerichts nicht für die Bf. tätig.
Die ***A-GmbH*** hatte zum Zeitpunkt der durchgeführten IWD-Auskunft (Datum der Auskunft: 21.04.2017) lediglich die Jahresabschlüsse zum 31.12.2007, 31.12.2008 und 31.12.2011 in ***EU-Staat*** veröffentlicht. In der IWD-Abfrage war von 2012 bis 2015 nur ein Mitarbeiter (nämlich der GS-GF) angeführt, in einer KSV-Abfrage waren allerdings ab 2014 "3-5 Beschäftigte gesamt" ausgewiesen, wobei als Löhne und Gehälter durchwegs € 0,00 angeführt waren. Erst ab 01.08.2014 sind zwei weitere Personen (eine Person Teilzeit mit € 450,00 brutto pro Monat und eine mit € 2.200,00 brutto pro Monat) bei der ***A-GmbH*** beschäftigt gewesen. Nachweise dafür, dass diese Mitarbeiter der ***A-GmbH*** irgendwelche Tätigkeiten für die Bf. durchgeführt haben, hat die Bf. oder auch der GS-GF der ***A-GmbH*** im Rahmen seiner Vernehmung als Zeuge nicht vorgelegt. Diese Mitarbeiter der ***A-GmbH*** in ***EU-Staat*** waren daher nicht für die Bf. oder die Hotels der Bf. in Österreich tätig.
D. Ad "Darlehen"
Die Wertberichtigungen resultieren aus gewährten Darlehen an die folgenden mit der Bf. verbundenen Unternehmen, wobei in den graphischen Darstellungen
- die ***S.K-GmbH*** (FN ***XXXXXXx***) in der Folge als "S.K-GmbH",
- die ***C.R-GmbH*** (FN ***XXXXXXy***) in der Folge als "C.R-GmbH",
- die ***Name Muttergesellschaft*** als "Muttergesellschaft",
- ***Name GFin/Bf.*** (***Geb-Datum 6***) als "Gattin" (von ***Name GS-GF/A-GmbH***) und
- ***Name GS-GF 2*** (***Geb-Datum 7***), der ebenfalls GF der Bf. und zusätzliche GS-GF der
Muttergesellschaft gewesen ist als "GS-GF 2"
bezeichnet werden.
[Grafik]
Diese Darlehensverträge wurden am 30.04.2014 (C.R-GmbH) und am 31.07.2014 (S.K-GmbH) abgeschlossen. Die der S.K-GmbH zugezählte Darlehensvaluta betrug € 28.700,00 und die der C.R-GmbH zugezählte Darlehensvaluta betrug € 2.500,00. Die Darlehen waren endfällig und wären beide bis zum 31.12.2014 zu tilgen gewesen. In Ansehung dieser Darlehen wurden bis zum Prüfungsbeginn (2017) keine Zahlungen geleistet und keine Einbringungsmaßnahmen seitens der Bf. gesetzt. Sicherheiten wurden keine vereinbart.
Die Darlehensgeberin hat keine konkreten Umstände nachgewiesen, denen zu Folge gerade im streitgegenständlichen Jahr 2015 die Voraussetzungen für eine Wertberichtigung der Darlehensforderungen vorgelegen haben.
Bei beiden Unternehmen lagen darüber hinaus "Verrechnungen" (Übernahme von Zahlungen durch die Bf. auf Grund von angeblichen Liquiditätsengpässen bei den beiden Gesellschaften) vor, wobei zu diesen "Verrechnungen" keine Unterlagen vorgelegt worden sind.
Die Darlehen hafteten zum Ende 2015 mit folgenden Beträgen aus:
C.R-GmbH: S.K-GmbH:
[Grafik]
Die Darlehen wurden zum 31.12.2015 wertberichtigt.
Das Abgabenkonto der C.R-GmbH wies zu den folgenden Tagen folgende Guthaben auf:
22.12.2015 Guthaben von € 5.481,26
14.01.2016 Guthaben von € 7.388,86
12.02.2016 Guthaben von € 8.961,80
Das Abgabenkonto der S.K-GmbH wies zu den folgenden Tagen folgende Guthaben auf:
28.12.2015 Guthaben von € 3.194,47
14.01.2016 Guthaben von € 6.290,77
12.02.2016 Guthaben von € 7.253,26
Auf Grund der Geschäftsführertätigkeiten von ***Name GFin/Bf.*** und ***Name GS-GF 2*** für die S.K-GmbH und die C.R-GmbH sowie deren Geschäftsführerstellung in der Bf. waren der Bf. die Guthaben auf den Abgabenkonten der S.K-GmbH und der C.R-GmbH bekannt.
E. Inhalt der Beschwerdevorentscheidung
Die BVE vom 14.05.2021 enthielt insbesondere folgende Begründungen:
In der BVE wurden/wurde
die Beteiligungsverhältnisse an der Bf. dargelegt,
angeführt, dass zu den Reinigungsleistungen der S-GmbH keine Nachweise vorgelegt worden sind,
ausgeführt, dass es sich bei der S-GmbH um ein Betrugsunternehmen gehandelt hat,
das Ergebnis der Vernehmung dreier Zeugen (vermeintliche Reinigungskräfte der Bf.) dargelegt,
festgehalten, dass die Anmeldungen der Reinigungskräfte zur Sozialversicherung nur zum Schein erfolgt sind,
die Beteiligungsverhältnisse an der ***A-GmbH*** und der Muttergesellschaft dargelegt,
die Naheverhältnisse der beteiligten Personen zueinander dargelegt,
ausgeführt, dass der GS-GF 2 bei insgesamt 15 Unternehmen in ***EU-Staat*** als GF tätig ist,
festgehalten, dass der GS-GF im Inland neben der Bf. auch noch für drei andere Gesellschaften alleinvertretungsbefugter Geschäftsführer und GS-GF der A-GmbH ist,
festgehalten, dass die "Auftragsvereinbarung" der Bf. mit der ***A-GmbH*** vom Ehepaar ***Nachnamen GS-GF/A-GmbH und GFin/Bf.*** unterschrieben worden ist,
der Inhalt des Vertrages vom 25.06.2025 dargelegt,
ausgeführt, dass eine rückwirkende Gültigkeit eines Vertrages und eine regelmäßige, über einen längeren Zeitraum andauernde Leistungserbringung ohne entsprechende schriftliche Vertragsgrundlage nicht fremdüblich ist,
dargelegt, dass ein detailliertes schriftliches Leistungsverzeichnis, welche Verwaltungs- und sonstigen Leistungen die ***A-GmbH*** für den Hotelbetrieb der ***Bf1*** von Juli 2013 bis laufend erbracht haben soll, seitens der Bf. nicht vorliegt,
festgehalten, dass der GS-GF bis 01.08.2014 alleine für die/in der ***A-GmbH*** tätig gewesen ist und erst ab diesem Zeitpunkt zwei Personen mit demselben Nachnamen mit einen Bruttoverdienst von € 2.200,00 und € 450,00 für die ***A-GmbH*** tätig gewesen sind,
ausgeführt, dass die Leistungsbeziehung zwischen der ***A-GmbH*** und der Bf. nicht fremdüblich gewesen ist,
die Beteiligungsverhältnisse an der ***S.K-GmbH*** und der ***C.R-GmbH*** dargelegt,
ausgeführt, dass die Darlehensverträge nicht fremdüblich gewesen sind und
festgehalten, dass auf den Finanzamtskonten der S.K-GmbH und der C.R-GmbH hohe Guthaben bestanden und die Voraussetzungen für Wertberichtigungen Ende 2015 nicht vorgelegen haben.
Im Vorlageantrag vom 14.06.2021 wurde seitens der Bf. kein zusätzliches Vorbringen erstattet und wurden mit diesem Vorlageantrag seitens der Bf. auch keine ergänzenden Unterlagen vorgelegt.
Obgleich beide Verfahrensparteien in der Ladung vom 24.09.2025 durch das Bundesfinanzgericht aufgefordert worden sind, sämtliche Unterlagen, die für die Feststellung des Sachverhaltes dienlich sein können oder/und auf die sich die Parteien zu beziehen beabsichtigen, dem Bundesfinanzgericht vorzulegen, haben die Bf. und die von der Bf. beantragten Zeugen - mit Ausnahme der eigenen Stellungnahmen der Bf. und der Gerichtsunterlagen betreffend die Klage der S-GmbH gegen die Bf. - in Vorbereitung für die mündliche Verhandlung, in der mündlichen Verhandlung selbst oder auch danach keinerlei ergänzende Unterlagen vorgelegt.
Bereits an dieser Stelle wird seitens des Bundesfinanzgerichts festgehalten, dass einer Beschwerdevorentscheidung des Finanzamtes ein Vorhaltscharakter zukommt(VwGH 18.11.1993, 93/16/0120; VwGH 10.3.1994, 92/15/0164).
2. Beweiswürdigung
A. Wiederaufnahme der Verfahren
Dass im Jahr 2017 bei der Bf. eine Betriebsprüfung insbesondere betreffend Umsatzsteuer 2013 bis 2015 und Körperschaftsteuer 2013 bis 2015 und eine Nachschau betreffend die Zeiträume 01/2016 bis 12/2016 durchgeführt wurden, ergibt sich aus den Betriebsprüfungsunterlagen und ist unstrittig.
Dass in Folge der Feststellungen der Betriebsprüfung betreffend die "***S-GmbH***" und die "***A-GmbH***" und die Darlehen an die "***C.R-GmbH***" und die "***S.K-GmbH***" die Verfahren betreffend Umsatzsteuer 2013 und 2014 sowie Körperschaftsteuer 2013 bis 2015 wiederaufgenommen wurden, ergibt sich aus den Betriebsprüfungsunterlagen und dem Steuerakt der Bf. und ist unstrittig.
Dass im Zuge dieser Betriebsprüfung die im Betriebsprüfungsbericht unter den Tz 1 - 3 angeführten Feststellungen betreffend die "***S-GmbH***" und die "***A-GmbH***" und die Darlehen an die "***C.R-GmbH***" und die "***S.K-GmbH***" neu hervorgekommen sind, ergibt sich aus dem Betriebsprüfungsbericht.
Die Bf. brachte im Beschwerdeverfahren zwar vor, dass Angaben gefehlt hätten, über welche Informationen das Finanzamt bei Erlassung der Erstbescheide verfügt hätte und welche Tatsachen und Feststellungen neu hervorgekommen sein, aus der Steuerdatenbank des Finanzressorts und dem vorgelegten Steuerakt ist jedoch ersichtlich, dass
die USt-Erklärung 2013 am 06.11.2014 eingebracht wurde und der USt-Bescheid 2013 am 06.11.2014 ungeprüft, erklärungsgemäß erlassen worden ist,
die KöSt-Erklärung 2013 am 06.11.2014 eingebracht wurde und der KöSt-Bescheid 2013 am 06.11.2014 ungeprüft, erklärungsgemäß erlassen worden ist,
die USt-Erklärung 2014 am 15.12.2015 eingebracht wurde und der USt-Bescheid 2014 am 23.02.2016 ungeprüft, erklärungsgemäß erlassen worden ist,
die KöSt-Erklärung 2014 am 15.12.2015 eingebracht wurde und der KöSt-Bescheid 2014 am 23.02.2016 ungeprüft, erklärungsgemäß erlassen worden ist und
die KöSt-Erklärung 2015 am 03.11.2016 eingebracht wurde und der KöSt-Bescheid 2015 am 11.11.2016 ungeprüft, erklärungsgemäß erlassen worden ist.
Aus den eingebrachten Erklärungen der Bf. und den erlassenen, ebenfalls angefochtenen Umsatzsteuerbescheiden 2013 und 2014 sowie den Körperschaftsteuerbescheiden 2013 bis 2015 der belangten Behörde ergibt sich, dass seitens der belangten Behörde keine Überprüfungshandlungen vor Erlassung dieser Bescheide gesetzt worden sind. Entgegen dem Vorbringen der Bf., die das Vorliegen neuer Tatsachen und Beweismittel bestritten hat, waren sämtliche Sachverhaltselemente und Beweismittel, die im Zuge der Betriebsprüfung hervorgekommen sind, der belangten Behörde vor Durchführung der Betriebsprüfung nicht bekannt.
Dass in den Begründungen dieser Wiederaufnahmebescheide auf die TZ 1 - 3 des BP-Berichtes verwiesen wurde, ergibt sich aus diesen Bescheiden und ist unstrittig.
B. Ad ***S-GmbH***
Dass der Vertrag der Bf. mit der S-GmbH mit 01.10.2015 datiert und die UID-Nummer der S-GmbH aufweist, wobei der S-GmbH diese UID-Nummer erst am 29.10.2015 erteilt worden ist und dass dieser Vertrag daher falsch oder verfälscht worden ist, ergibt sich aus dem Vertrag und hinsichtlich des Datums der Erteilung der UID-Nummer aus der Datenbank "AIX" des Finanzressorts und ist unstrittig.
Dass sich die S-GmbH der M-GmbH als Subunternehmen bedient hat und diese M-GmbH mit Bescheid vom 01.08.2016 rechtskräftig ab 01.10.2015 als Scheinunternehmen gemäß SBBG festgestellt worden ist, ergibt sich aus der Aktenlage und diesem Feststellungsbescheid und ist unstrittig. Dass über den GF der S-GmbH demgemäß eine Geldbuße wegen nicht fristgerechter Entrichtung der Umsatzsteuern 09-12/2015 und 01-10/2016 verhängt wurde, ergibt sich aus dem durch den Berichter beigeschafften Straferkenntnis des Spruchsenates betreffend den GF der S-GmbH und ist unstrittig.
Dass der im Firmenbuch eingetragene Geschäftsführer der S-GmbH der deutschen Sprache nicht ausreichend mächtig war und kein detailliertes Wissen über die Tätigkeiten der S-GmbH hatte, ergibt sich aus den im Akt befindlichen Prüfunterlagen betreffend die S-GmbH und ist unstrittig. Dass die tatsächlichen Geschäftsführertätigkeiten von anderen Personen, nämlich von ***Name Bevollmächtigte/S-GmbH*** und deren Lebensgefährten, ***Name Lebensgefährte*** ausgeübt wurden und dass der Onkel des Lebensgefährten (Name des Onkels: ***Name GS/S-GmbH***) GS der S-GmbH war, ergibt sich aus den seitens der Bf. unbestritten gebliebenen Feststellungen der Betriebsprüfung betreffend die S-GmbH und ist auch das Bundesfinanzgericht von der Richtigkeit dieser Feststellungen überzeugt.
Dass seitens der Bf. oder von den bei dieser Gesellschaft beschäftigten Personen keinerlei Überprüfungshandlungen hinsichtlich der S-GmbH oder der für diese GmbH einschreitenden oder tätigen Personen erfolgten, ergibt sich aus den vorgelegten Unterlagen der Betriebsprüfung sowie aus der Zeugenaussage der Hausdame und des GS-GF. Die Bf. hat zwar vorgebracht, dass die UID-Nummer überprüft worden wäre, eine Überprüfung der UID-Nummer vor Beginn der Geschäftsbeziehungen war aber gar nicht möglich, weil der Vertrag der Bf. mit der S-GmbH als Datum den 01.10.2015 ausweist, die UID-Nummer der S-GmbH aber erst am 29.10.2015 erteilt worden ist. Der als Zeuge vernommene ehemalige GF der Bf. hat angegeben, sich nicht erinnern zu können, was er bei der S-GmbH kontrolliert habe, und hat damit unsubstantiiert vorgebracht, Überprüfungshandlungen gesetzt zu haben, ohne Unterlagen vorzulegen. Nach der Überzeugung des Bundesfinanzgerichts hat die Bf. aber keinerlei Überprüfungsmaßnahmen in Ansehung der S-GmbH gesetzt.
Dass sich an dem im Firmenbuch eingetragenen Firmensitz der S-GmbH tatsächlich ein Restaurant befand, ergibt sich aus den Betriebsprüfungsunterlagen und ist unstrittig.
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Normen und Schlagworte
- § 303 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 12 Abs. 1 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 11 Abs. 1 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
- § 115 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 25 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 4 Abs. 4 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 307 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 6 Z 1 und 2 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 167 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 119 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 7 Abs. 1 bis 3 KStG 1988, Körperschaftsteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 401/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7101877/2021
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2025:RV.7101877.2021
- Stammnummer
- 149938
- Gültig
- 17.12.2025 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF