Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7101526/2018
Einstellung des Beschwerdeverfahrens mit Beschluss, wenn die beschwerdeführende GmbH wegen Vermögenslosigkeit gelöscht worden ist und kein Abwicklungsbedarf (mehr) besteht
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - BeschlussRV/7101526/2018vom 08.01.2025Teil 1 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
BESCHLUSS
Das Bundesfinanzgericht hat durch die Senatsvorsitzende Richterin Mag. Katharina Deutsch LL.M., den Richter Mag. Patric Flament und die fachkundigen Laienrichter Mag. Johannes Denk und Mag Markus Fischer in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, betreffend Beschwerde vom 20. Mai 2010 gegen die Bescheide des Finanzamtes Neunkirchen Wr. Neustadt, nunmehr Finanzamt Österreich, Dienststelle Niederösterreich Mitte, vom 27. April 2010 betreffend Umsatzsteuer 2006 und Umsatzsteuer 2007 Steuernummer ***BF1StNr1***, AP/U nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 4. November 2024 beschlossen:
I. Das Beschwerdeverfahren wird gemäß § 278 BAO eingestellt.
II. Gegen diesen Beschluss ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Begründung
I. Verfahrensgang
Die ***Bf1*** (in der Folge als Beschwerdeführerin "Bf." bezeichnet) ist eine in der Rechtsform einer GmbH gegründete ***regionaler Vertrieb*** ***(Abkürzung1)*** von ***Handelsmarke*** ***(Abkürzung2)***. Der Betriebsgegenstand ist die Vermittlung von ***Produkte der Handelsmarke***, die ausschließlich auf ***Verkaufsveranstaltung*** verkauft werden.
Im Jahr 2010 fand bei der Bf. eine Betriebsprüfung (PB) betreffend Umsatzsteuer, Körperschaftsteuer, zusammenfassende Meldung, Kammerumlage und Kapitalertragsteuer für die Jahre 2006 bis 2008 statt. Im Betriebsprüfungsbericht (BP-Bericht) vom 21. April 2010 stellte die Betriebsprüferin (Prüferin) das Folgende fest:
"Das geprüfte Unternehmen ist eine ***regionaler Vertrieb*** von ***Handelsmarke*** ***EU-Land*** und ihr Betriebsgegenstand ist der Handel mit Waren aller Art, insbesondere mit ***Produkte der Handelsmarke***. Dieser erfolgt ausschließlich auf ***Verkaufsveranstaltung***, die im ***Bezeichnung Ort1*** von ***Bezeichnung Person1***, meist ***Tätigkeit Person1*** stattfinden. An den ***Verkaufsveranstaltung*** nimmt eine geschulte ***Bezeichnung Person2*** teil, die die Produkte vorführt. Nach Ablauf der ***Verkaufsveranstaltung***, füllt jeder ***Kunde*** der ein Produkt erwerben will eine Bestellkarte aus. Diese wird der ***Bezeichnung Person2*** übermittelt. Die ***Bezeichnung Person1*** sammelt von den ***Kunden*** den Betrag der bestellten Artikel (100 % des Katalogpreises) ein und händigt ihn der ***Bezeichnung Person2*** aus. Diese wiederum teilt die von der ***regionaler Vertrieb*** zusammengestellten ***Produkte*** pro ***Kunde*** aus. Die ***Bezeichnung Person2*** übergibt der ***Bezeichnung Person1*** die Ausgangsrechnung der ***regionaler Vertrieb***. Darin sind die Katalogpreise der Produkte angeführt, von der Summe wird ein Rabatt in Höhe von 22,5 % abgezogen und vom verbleibenden Betrag (=77,50 %) die Umsatzsteuer ausgewiesen. Vom übergebenden Geldbetrag behält sich die ***Bezeichnung Person2*** die 22,50 % als Honorar ein und überweist die restlichen 77,50 % an die ***regionaler Vertrieb***. Das geprüfte Unternehmen hat dieses Vertriebssystem bis 3/2007 durchgeführt. Ab 4/2007 erfolgt der Verkauf als Kommissionsgeschäft über die ***Bezeichnung Person2*** als Kommissionärin. Gemäß § 4 Abs. 1 UStG 1994 wird der Umsatz bei Lieferungen nach dem Entgelt bemessen. Entgelt ist alles, was der Empfänger einer Lieferung aufzuwenden hat, um die Lieferung zu erhalten. Da die ***Bezeichnung Person1*** mehr als die in Rechnung gestellten 77,50 %, nämlich regelmäßig die vollen 100 % ohne Abzug des Rabattes einkassieren und der ***Bezeichnung Person2*** zur Einzahlung übergeben, stellen die 22,50 % ebenfalls Entgelt an die ***regionaler Vertrieb*** dar. Daher werden im Zuge der AP die vollen 100 % für den Zeitraum 2006 - 3/2007 der Umsatzsteuer unterzogen.
Daraus ergeben sich folgende Änderungen der Bemessungsgrundlage:"
[Grafik]
Das Finanzamt folgte den Feststellungen der Prüferin und erließ am 27. April 2010 die nunmehr beschwerdegegenständlichen Umsatzsteuerbescheide für 2006 und 2007. Begründend verwies das Finanzamt auf den Betriebsprüfungsbericht vom 21. April 2010.
Am 20. Mai 2010 brachte die Bf. eine Beschwerde ein, die sie mit gesonderten Schriftsatz vom 30. Juni 2010 wörtlich begründete wie folgt:
"Das ***Handelsmarke***- Vertriebssystem
Vertriebssystem vor dem 1. April 2007
Die Verfahrensbeteiligten gehen von folgendem unstreitigen Sachverhalt aus:
***Produkte der Handelsmarke*** werden im Wege des ***Art Verkaufssystem*** ausschließlich im Rahmen der sogenannten ***Verkaufsveranstaltung*** vertrieben, die in der Regel von natürlichen Personen (nachfolgend als "***Bezeichnung Person1***" bezeichnet) veranstaltet werden. Die ***Bezeichnung Person1*** wurde und wird bei der Planung und Durchführung der ***Verkaufsveranstaltung*** von einer ***Handelsmarke***-***Bezeichnung Person2*** (nachfolgend "***Bezeichnung Person2***") unterstützt. Von 1996 bis zum 30. März 2007 bestellten die ***Kunden*** mittels von diesen auszufüllenden Bestellkarten die gewünschten Waren bei der ***Bezeichnung Person1*** welche wiederum die gewünschten Artikel bei der Berufungswerberin bestellte. Für ihre Tätigkeit erhielt die ***Bezeichnung Person2*** von der ***Bezeichnung Person1*** eine Provision. Die von der ***Bezeichnung Person1*** bestellten ***Produkte der Handelsmarke*** wurden von der Berufungswerberin direkt an die ***Bezeichnung Person1*** transportiert, wobei die ***Bezeichnung Person2*** die Waren zumeist bei der Berufungswerberin abholte und der ***Bezeichnung Person1*** persönlich vorbeibrachte. Die ***Bezeichnung Person1*** überbrachte sodann diese Waren den ***Kunden***, die sie bei der ***Bezeichnung Person1*** bestellt hatten.
Entsprechend der Lieferkette fakturierte die Berufungswerberin an die ***Bezeichnung Person1*** den Verkaufspreis der Waren abzüglich eines ***Rabatt Person1*** in Höhe von 22,5%. Die so verbleibenden 77,5% des Verkaufspreises wurden von der Berufungswerberin entsprechend der Umsatzsteuer unterzogen. Die ***Bezeichnung Person2*** wiederum fakturierte ihre ***Leistung Person2*** an die ***Bezeichnung Person1*** in Form einer Provision. Diese Provision kann bis zu 22,5% des unverbindlichen Verkaufspreises betragen, ist jedoch grundsätzlich verhandelbar.
Vorbringen der Betriebsprüfung
Die Außenprüfung kommt nun in Tz. 1 des Berichts zu dem Schluss, dass die ***Bezeichnung Person1*** insgesamt 100% des Verkaufspreises aufwende, um die Lieferung der ***Produkte der Handelsmarke*** zu erhalten. Die ***Bezeichnung Person1*** kassiere mehr als die von der Berufungswerberin in Rechnung gestellten 77,5% bei den ***Kunden*** ein, nämlich regelmäßig die vollen 100% ohne Abzug eines Rabattes. Dieser Betrag werde der ***Bezeichnung Person2*** zur Einzahlung übergeben und somit würden die 22,5% ebenfalls Entgelt der Berufungswerberin darstellen. Dementsprechend wende die ***Bezeichnung Person1*** 100% des Verkaufspreises als Entgelt im Sinne des § 4 Abs. 1 UStG 1994 auf und dementsprechend seien auch 100% auf der Ebene der Berufungswerberin der Umsatzsteuer zu unterziehen. Ohne es direkt auszusprechen geht die Außenprüfung wohl davon aus, dass die ***Bezeichnung Person2*** ihre Leistung gegenüber der Berufungswerberin (***regionaler Vertrieb***) erbringen würde und nicht entsprechend der vertraglichen Situation gegenüber der ***Bezeichnung Person1***. Der von der Betriebsprüfung angenommen Liefervorgang kann somit wie folgt dargestellt werden:
[...]
Ergänzungen zum Sachverhalt
Bevor die rechtliche Beurteilung näher ausgeführt wird, werden zunächst weitere Informationen zum Sachverhalt dargelegt, die von der Außenprüfung gänzlich unberücksichtigt blieben, jedoch von erheblichem Einfluss auf die rechtliche Bewertung sind.
Es ist korrekt, dass die ***Bezeichnung Person1*** bei Durchführung einer ***Verkaufsveranstaltung*** von einer ***Bezeichnung Person2*** unterstützt wird. Die Einzelheiten dieser ***Leistung Person2*** sowie die von den Beteiligten zu unterzeichnenden Dokumente lässt die Außenprüfung jedoch gänzlich unberücksichtigt. Die ***Bezeichnung Person2*** erbringt an die ***Bezeichnung Person1*** eine umfassende ***Leistung Person2***. So hält die ***Bezeichnung Person2*** im Vorfeld einer ***Verkaufsveranstaltung*** mit der ***Bezeichnung Person1*** eine Vorbesprechung ab, in der sowohl der ***Termin Verkaufsveranstaltung*** als auch die zur Vorführung zu gelangenden Artikel festgelegt werden. Die ***Bezeichnung Person2*** übergibt der ***Bezeichnung Person1*** einen ***Ablauf der Verkaufsveranstaltung*** (Beilage ./A), in dem der Ablauf der ***Verkaufsveranstaltung*** in folgender Weise beschrieben wird:
"Die ***Kunden*** übergeben Ihnen die Bestellungen über die gewünschten ***Produkte der Handelsmarke***. Mit dem Formular bestellen bzw. kaufen Sie in der Folge Ihren Eigenbedarf sowie die gewünschten ***Produkte der Handelsmarke*** bei einem autorisierten ***Handelsmarke*** ***regionaler Vertrieb***. Die von Ihnen bestellten ***Produkte der Handelsmarke*** werden vom ***regionaler Vertrieb*** an Sie geliefert und verrechnet."
Bei der ***Verkaufsveranstaltung*** selbst wird die ***Bezeichnung Person1*** sodann von der ***Bezeichnung Person2*** in der Weise unterstützt, dass diese die Artikel vorführt und gegebenenfalls Fragen der ***Kunden*** beantwortet. Nach Vorführung der Artikel bestellen die ***Kunden*** auf einzelnen Bestellkarten, die von ihnen persönlich ausgefüllt werden, die von ihnen gewünschten Artikel bei der ***Bezeichnung Person1***. Ein Muster der Bestellkarte ist als Beilage ./B angefügt. Auf der Rückseite der Bestellkärtchen sind die Artikel mit den dazugehörigen Katalogpreisen abgedruckt, wobei es sich bei diesen Preisen laut Vermerk um unverbindlich empfohlene Richtpreise handelt. Die Bestellkärtchen werden in der Regel von den ***Kunden*** nicht unterschrieben, jedoch mit Name und Adresse versehen. Diese Bestellkarten lassen weder den Namen noch die Adresse der Berufungswerberin erkennen, sondern sind ausschließlich an die ***Bezeichnung Person1*** gerichtet.
Die ***Bezeichnung Person1*** fasst sodann mit Hilfe der ***Bezeichnung Person2*** die einzelnen Bestellungen der ***Kunden*** auf einer Sammelbestellkarte (Beilage ./C) zusammen, auf der sich folgende Einverständniserklärung befindet:
"Liebe ***Bezeichnung Person1***!
Mit diesem Formular bestellen Sie im eigenen Namen und auf eigene Rechnung zum Weiterverkauf die angeführten Produkte. Der weitere Ablauf ist wie folgt: Diese Waren werden von der angeführten ***regionaler Vertrieb*** an Sie geliefert und fakturiert und von Ihnen an Ihre ***Kunden*** weiterverkauft. Sie werden bei Ihren Aufgaben von einer von ***Handelsmarke*** geschulten ***Bezeichnung Person2*** unterstützt. Die ***Bezeichnung Person2*** rechnet das Honorar für ihre Leistung direkt mit Ihnen ab.
Wir ersuchen Sie durch Ihre Unterschrift zu bestätigen, dass Sie über den vorstehend dargestellten Ablauf informiert wurden und ihn zustimmend zur Kenntnis nehmen. Wir ersuchen um Verständnis dafür, dass ohne Ihre persönliche Unterschrift eine Auslieferung nicht erfolgen kann."
Wie bereits erläutert, findet sich ein ähnlicher Text auch in dem bereits oben erwähnten ***Ablauf der Verkaufsveranstaltung***. Hierzu ist zu bemerken, dass in einer ministeriellen Erledigung vom ***TT Monat JJJJ*** das ***Ministerium*** (Beilage ./D) in Bezug auf diese Einverständniserklärung festgehalten wurde, dass diese ausreicht, den Lieferwillen der ***Bezeichnung Person1*** zu bezeugen, sofern auch der tatsächliche Liefervorgang der Einverständniserklärung entspricht. Denn dann liefere die Berufungswerberin an die ***Bezeichnung Person1*** und diese an die Endabnehmer (***Kunden***). Dementsprechend habe die Berufungswerberin nur das von ihr vereinnahmte Entgelt zu versteuern. Auf gesonderte Nachfrage des steuerlichen Vertreters von ***Name Vertriebsgesellschaft***. (im folgenden "***Handelsmarke***" genannt) hat das ***Ministerium*** sodann in einer weiteren ministeriellen Erledigung vom ***TT Monat JJJJ*** (Beilage ./E) zusätzlich bestätigt, dass der Liefervorgang der Einverständniserklärung dann entspricht, wenn die ***Produkte der Handelsmarke*** von der Berufungswerberin an die ***Bezeichnung Person1*** und von der ***Bezeichnung Person1*** an die Endkunden geliefert werden.
Die von der ***Bezeichnung Person1*** unterzeichnete Sammelbestellkarte ist an die Berufungswerberin gerichtet und lässt weder den Namen noch die Adresse der einzelnen ***Kunden*** erkennen. Die so ausgefüllte Sammelbestellkarte wird durch die ***Bezeichnung Person2*** persönlich oder per Fax an die Berufungswerberin übermittelt, wobei die von den ***Kunden*** ausgefüllten Einzelbestellkarten bei der ***Bezeichnung Person2*** bleiben. Die Berufungswerberin erhält somit eine Sammelbestellung, welche ausschließlich im Namen der ***Bezeichnung Person1*** erstellt und von dieser unterzeichnet wird, die ***Kunden*** jedoch nicht erkennen lässt. Nach der ***Verkaufsveranstaltung*** sammelt die ***Bezeichnung Person1*** von den ***Kunden*** in der Regel 100% des unverbindlich empfohlenen Richtpreises ein. Die ***Bezeichnung Person2*** holt die bestellten Waren in weiterer Folge von der Berufungswerberin ab und teilt sie anhand der bei ihr verbliebenen Einzelbestellkarten auf die einzelnen Kunden in ***Produkte*** auf. Auch diese Leistung ist üblicherweise in dem von der ***Bezeichnung Person1*** an die ***Bezeichnung Person2*** zu zahlenden, vereinbarten Honorar enthalten.
Insofern ist die Sachverhaltsdarstellung der Außenprüfung falsch, denn nicht die Berufungswerberin teilt die Waren auf die ***Produkte*** auf, sondern die ***Bezeichnung Person2***. Die Berufungswerberin kann eine solche Aufteilung auch gar nicht vornehmen, da sie weder die ***Kunden*** kennt noch weiß, welcher ***Kunde*** welche Waren bestellt hat, da die Einzelbestellkarten bei der ***Bezeichnung Person2*** verbleiben. Diese werden von der ***Bezeichnung Person2*** jeder Warenlieferung beigelegt, sodass der Endkunde das ***Produkte*** anhand seiner eigenen Karte auf Vollständigkeit überprüfen kann. Nach Aufteilung der Einzelbestellungen auf die ***Produkte*** übergibt die ***Bezeichnung Person2*** diese der ***Bezeichnung Person1***. Im Gegenzug übergibt die ***Bezeichnung Person1*** der ***Bezeichnung Person2*** in der Regel die von den ***Kunden*** eingesammelte Gesamtsumme einerseits zur Deckung der der ***Bezeichnung Person2*** zustehenden Provision und andererseits damit diese im Auftrag der ***Bezeichnung Person1*** deren Verbindlichkeit gegenüber der Berufungswerberin für die von der ***Bezeichnung Person1*** bei der Berufungswerberin bestellten Waren bezahlen kann.
Den Warenlieferungen ist die Rechnung der Berufungswerberin an die ***Bezeichnung Person1*** nebst einer von der ***Bezeichnung Person1*** zu unterzeichnenden Übernahmebestätigung beigefugt. Weiters und unabhängig davon erhält die ***Bezeichnung Person1*** üblicherweise von der ***Bezeichnung Person2*** eine gesonderte Rechnung über die Erbringung von ***Leistung Person2***. Die Rechnung der Berufungswerberin ist an die ***Bezeichnung Person1*** gerichtet und enthält als Bemessungsgrundlage den unverbindlich empfohlenen Verkaufspreis abzüglich einer ***Provision Person1*** in Höhe von 22,5% des Nettorichtpreises. Dieser Betrag wird ordnungsgemäß der Umsatzsteuer unterzogen.
Die Rechnung der ***Bezeichnung Person2*** weist die mit der ***Bezeichnung Person1*** vereinbarte Provision aus, deren Höhe in der Regel dem ***Rabatt Person1*** in Höhe von 22,5% entspricht, jedoch frei verhandelbar ist. Die ***Bezeichnung Person2*** unterzieht die Provision grundsätzlich der Umsatzsteuer, sofern sie nicht unter die Kleinunternehmerregelung fällt. Die an die ***Bezeichnung Person1*** gelieferten Artikel werden sodann in der Regel von den ***Kunden*** bei der ***Bezeichnung Person1*** abgeholt.
Der Liefer- und Leistungsvorgang kann somit wie folgt dargestellt werden:
[...]
Zusammenfassung der Ergebnisse der rechtlichen Beurteilung
• Es bestehen ausschließlich zwischen der ***Bezeichnung Person1*** und der ***Bezeichnung Person2*** einerseits und zwischen der ***Bezeichnung Person1*** und der Berufungswerberin andererseits vertragliche Beziehungen. Eine Negierung dieser zivilrechtlichen Leistungsbeziehungen ist nicht statthaft.
• Die ***Bezeichnung Person1*** wird ausdrücklich als Eigenhändlerin tätig. Sie erwirbt als solche die ***Produkte der Handelsmarke*** von der Berufungswerberin und verkauft diese sodann an die ***Kunden***. Ein vertragliches Verhältnis zwischen den ***Kunden*** und der Berufungswerberin besteht nicht und kann auch nicht bestehen, da weder die Berufungswerberin die ***Kunden*** kennt noch die ***Kunden*** Kenntnis von der Berufungswerberin haben.
• Die ***Bezeichnung Person1*** erhält von der Berufungswerberin eine Rechnung für die von dieser erworbenen ***Produkte der Handelsmarke***, welche den Kaufpreis in Höhe von 77,5% des unverbindlichen Verkaufspreises ausweist und zahlt diesen an die Berufungswerberin. Das Entgelt wird in der Regel an ***Bezeichnung Person2*** übergeben, welches dieses im Rahmen ihres mit der ***Bezeichnung Person1*** bestehenden Auftrages an die Berufungswerberin weiterleitet.
• Die Lieferung der ***Produkte der Handelsmarke*** ist der ***Bezeichnung Person1*** nicht nur zivilrechtlich, sondern auch umsatzsteuerrechtlich zuzuordnen. Nur sie wendet den ***Kunden*** Substanz, Wert und Ertrag an den ***Produkten der Handelsmarke*** zu, und nur sie ist als zivilrechtliche Eigentümerin der Produkte dazu in der Lage.
• Eine allfällig fehlende Qualifikation der ***Bezeichnung Person2*** als umsatzsteuerlicher Unternehmer hat auf diese Beurteilung keinen Einfluss, da in einem solchen Fall zwischen der ***Bezeichnung Person1*** und den ***Kunden*** eine umsatzsteuerlich irrelevante Lieferung unter Privatpersonen vorliegt. An der Lieferung zwischen der Berufungswerberin und der ***Bezeichnung Person1*** ändert diese Bewertung jedoch nichts.
• Weder die ***Bezeichnung Person2*** noch die ***Bezeichnung Person1*** werden als Vermittler oder als sonstige unselbstständige Hilfsperson für die Berufungswerberin tätig. Weder die ***Bezeichnung Person2*** noch die ***Bezeichnung Person1*** sind derart in die Organisation der Berufungswerberin eingebunden, dass diese als unselbstständige Hilfspersonen zu qualifizieren wären. Vielmehr werden beide Personen selbstständig, in eigenem Namen und auf eigene Rechnung tätig. Eine Zurechnung der Lieferung an die Berufungswerberin aus jedwedem Titel scheidet daher aus.
• Die ***Bezeichnung Person2*** wird ausschließlich im Auftrag der ***Bezeichnung Person1*** tätig und schließt auch nur mit dieser einen Vertrag ab. Ein ausdrücklicher, stillschweigender oder konkludenter Vertrag mit der Berufungswerberin besteht nicht. Die ***Bezeichnung Person2*** erbringt somit ihre Leistung ausschließlich an die ***Bezeichnung Person1*** und wird von dieser entsprechend bezahlt. Das Entgelt für diese ***Leistung Person2*** entspricht in der Regel 22,5% des unverbindlichen Verkaufspreises und wird, sofern die ***Bezeichnung Person2*** nicht der Kleinunternehmerregelung unterliegt, von dieser der Umsatzsteuer unterzogen. Die ***Bezeichnung Person1*** erhält von der ***Bezeichnung Person2*** eine entsprechende Rechnung.
• Die ***Bezeichnung Person1*** wendet somit entsprechend dem Entgeltlichkeitszusammenhang bis zu 22,5% des unverbindlichen Verkaufspreises für den Erhalt der Serviceleistung von der ***Bezeichnung Person2*** auf und 77,5% des unverbindlichen Verkaufspreises werden für den Erhalt der ***Produkte der Handelsmarke*** von der Berufungswerberin aufgewendet.
• Die von der Berufungswerberin vorgenommene Versteuerung von 77,5% des unverbindlichen Verkaufspreises und somit jenes Betrages, den sie von der ***Bezeichnung Person1*** erhalten hat, ist somit rechtlich und wirtschaftlich gedeckt und entspricht den Regelungen des Umsatzsteuergesetzes 1994. Die Bescheide vom 27. April 2010 sind somit rechtswidrig und aufzuheben.
Begründung der Berufung
1. Aufhebung der Bescheide von 27. April 2010 wegen Rechtswidrigkeit des Inhalts
Die Bescheide vom 27. April 2010 sind hinsichtlich der Erhöhung der Umsatzsteuerbemessungsgrundlage rechtswidrig und daher aufzuheben. Die Erhöhung der Umsatzsteuerbemessungsgrundlage entbehrt jeglicher rechtlichen Grundlage. Die von der Außenprüfung angeführte Bescheidbegründung ist nicht nachvollziehbar und ungenügend.
1.1 Zivilrechtliche Leistungsbeziehungen
Gemäß § 1 Abs. 1 UStG 1994 unterliegen Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, der Umsatzsteuer. Es entspricht der herrschenden Auffassung, dass grundsätzlich der wirtschaftliche Gehalt einer Leistung für die umsatzsteuerliche Beurteilung derselben ausschlaggebend ist. Allerdings ist der wirtschaftliche Gehalt einer Leistung zunächst unter Rückgriff auf die zugrundeliegenden zivilrechtlichen Vereinbarungen unter Beachtung des Parteiwillens und der Verkehrsauffassung zu ermitteln. Somit geben die zugrundeliegenden zivilrechtlichen Vertragsbeziehungen der involvierten Parteien grundsätzlich Aufschluss über Inhalt, Umfang und den wahren wirtschaftlichen Gehalt der Leistung und stellen ein Indiz für die umsatzsteuerliche Beurteilung der Leistung dar. Wenn keine gegenteiligen Beweisanzeichen vorliegen, kann davon ausgegangen werden, dass das, was rechtlich geschuldet wird, auch tatsächlich erfüllt worden ist. Um den gegenständlichen Liefervorgang umsatzsteuerlich würdigen zu können, müssen daher zunächst die zugrundeliegenden zivilrechtlichen Vereinbarungen analysiert werden.
1.2 Vertragsverhältnis zwischen der ***Bezeichnung Person2*** und der ***Bezeichnung Person1***
Die ***Bezeichnung Person2*** steht mit der ***Bezeichnung Person1*** in einem Auftragsverhältnis. Der diesbezügliche Vertrag wird zwischen den Parteien in der Regel mündlich geschlossen.
Die ***Bezeichnung Person2*** wird ausschließlich auf Ersuchen einer ***Bezeichnung Person1*** tätig, wobei der Erstkontakt in der Regel von der ***Bezeichnung Person2*** selbst hergestellt wird. Dies erfolgt entweder auf einer ***Verkaufsveranstaltung*** oder die ***Bezeichnung Person2*** spricht potentielle ***Bezeichnung Person1*** in ihrem Bekanntenkreis an. Nachdem eine ***Bezeichnung Person1*** den Willen erklärt hat, eine ***Verkaufsveranstaltung*** zu veranstalten, hilft die ***Bezeichnung Person2*** bei der ***Planung Verkaufsveranstaltung***, stellt ihr gewisse Hilfsmittel wie Kataloge zur Verfügung, stellt die Produkte vor und beantwortet Fragen zu diesen. Die ***Bezeichnung Person2*** und die ***Bezeichnung Person1*** schließen somit einen mündlichen Vertrag über die Erbringung von ***Leistung Person2*** ab.
Inhalt der geschlossenen Vereinbarung ist nicht nur die Unterstützung bei der Veranstaltung der ***Verkaufsveranstaltung***, sondern auch das Angebot der ***Bezeichnung Person2***, die Sammelbestellung für die ***Bezeichnung Person1*** aufgrund der von den ***Kunden*** ausgefüllten Einzelbestellungen auszufüllen, die Waren abzuholen und für die ***Bezeichnung Person1*** auf die "***Produkte***" anhand der Einzelbestellkarten aufzuteilen sowie den Kaufpreis (das Entgelt für die von der Berufungswerberin an die ***Bezeichnung Person1*** gelieferte Ware) für und im Namen der ***Bezeichnung Person1*** an die Berufungswerberin zu bezahlen. Der Hauptinhalt der Leistung der ***Bezeichnung Person2*** wird unmissverständlich in dem der ***Bezeichnung Person1*** übergebenen ***Ablauf der Verkaufsveranstaltung*** dargelegt, in dem auch deutlich darauf hingewiesen wird, dass das Honorar der ***Bezeichnung Person2*** von der ***Bezeichnung Person1*** mit der ***Bezeichnung Person2*** vereinbart wird. Die ***Bezeichnung Person2*** erbringt somit umfassende Serviceleistungen an die ***Bezeichnung Person1*** und wird für diese als Erfüllungsgehilfin tätig, soweit es um die Abholung der ***Produkte der Handelsmarke*** bei der Berufungswerberin und der Weiterleitung des Entgeltes an die Berufungswerberin geht. Durch die Unterzeichnung der Einverständniserklärung erklärt die ***Bezeichnung Person1*** auch deutlich, von der Vertragsbeziehung zwischen ihr und der ***Bezeichnung Person2*** Kenntnis zu haben. Es bestehen keine Anhaltspunkte, bei generell geschäfts- und handlungsfähigen Personen den Inhalt einer solchen Erklärung in Frage zu stellen. Überdies wird das von der Außenprüfung auch nicht vorgebracht, sodass davon auszugehen ist, dass die ***Bezeichnung Person1*** wussten, verstanden und einverstanden waren, dass sie als Eigenhändlerinnen tätig werden.
1.3 Kein Vertragsverhältnis zwischen der Berufungswerberin und der ***Bezeichnung Person2***
Die ***Bezeichnung Person2*** hat mit der Berufungswerberin weder einen ausdrücklichen mündlichen oder schriftlichen noch einen konkludenten Vertrag geschlossen. Sie erbringt an die Berufungswerberin weder Beratungs- noch Vertriebsleistungen. Sie steht ausschließlich mit der ***Bezeichnung Person1*** in einem vertraglichen Verhältnis.
Die ***Bezeichnung Person2*** steht mit der Berufungswerberin in keinerlei vertraglicher Beziehung. Es liegen weder ein schriftlicher noch ein mündlicher oder konkludenter Auftrag der Berufungswerberin vor. Die ***Bezeichnung Person2*** ist in der Organisation ihrer Beratungstätigkeit gänzlich frei. Sie alleine entscheidet, wann und wie sie eine ***Bezeichnung Person1*** bei der Abhaltung einer ***Verkaufsveranstaltung*** unterstützt. Sie unterliegt keinerlei Konkurrenzverbot oder Weisungsrechten seitens der Berufungswerberin. Weiters wird auch durch die verwendeten Bestellkarten und sonstigen Materialien deutlich, dass die ***Bezeichnung Person2*** in keiner Weise im Namen oder im Auftrag der Berufungswerberin tätig wird.
Darüber hinaus spricht gegen ein konkludentes Auftragsverhältnis, dass die ***Bezeichnung Person2*** ausschließlich auf Ersuchen einer ***Bezeichnung Person1*** tätig wird. Dies erfolgt wiederum ohne Einmengung der Berufungswerberin, da die ***Bezeichnung Person2***, wie dargelegt, in der Regel von der ***Bezeichnung Person1*** nach einer ***Verkaufsveranstaltung*** angesprochen oder aufgrund persönlicher Bekanntschaft ausgewählt wird oder die ***Bezeichnung Person2*** selbst eine potentielle ***Bezeichnung Person1*** anspricht. Die Berufungswerberin hat zu keiner Zeit Einfluss auf den Veranstaltungsort oder auf die Person der ***Bezeichnung Person1***, bei der eine ***Verkaufsveranstaltung*** ausgerichtet wird. Würde ein solches Auftragsverhältnis vorliegen, so wäre es mehr als wahrscheinlich, dass sich die Berufungswerberin Tätigkeitsberichte, Planungen über zukünftige ***Verkaufsveranstaltung*** und ähnliche Information verbindlich geben ließe. Weiters wird nochmals auf den fehlenden Gebietsschutz für die ***Bezeichnung Person2*** hingewiesen. Würde ein Auftragsverhältnis vorliegen, wäre es in diesem Fall unüblich, dass der ***Bezeichnung Person2*** kein bestimmtes Einzelgebiet zugewiesen wird.
Die Tatsache, dass die ***Bezeichnung Person2*** für die ***Bezeichnung Person1*** meist die Inkasso-Tätigkeit ausübt, spricht jedenfalls auch nicht für ein Auftragsverhältnis zwischen der Berufungswerberin und der ***Bezeichnung Person2***. Die ***Bezeichnung Person2*** bietet vielmehr im Rahmen des mit der ***Bezeichnung Person1*** bestehenden Vertragsverhältnisses an, die vereinnahmten Entgelte an die Berufungswerberin weiter zu geben, d.h. im Namen der ***Bezeichnung Person1*** zu bezahlen. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass die Sachverhaltsdarstellung der Außenprüfung falsch ist. Die ***Bezeichnung Person1*** übergibt der ***Bezeichnung Person2*** nicht 100% des eingesammelten Entgeltes "zur Einzahlung", sondern es ist lediglich ein Betrag entsprechend 77,5% des unverbindlichen Verkaufspreises zur Weiterleitung an die Berufungswerberin zur Bezahlung des Kaufpreises laut Rechnungen an die ***Bezeichnung Person1*** bestimmt. Abhängig von der mündlichen Vereinbarung zwischen der ***Bezeichnung Person2*** und der ***Bezeichnung Person1*** sind die verbleibenden bis zu 22,5 % als Entgelt für die der ***Bezeichnung Person1*** gegenüber erbrachten Leistung der ***Bezeichnung Person2*** bestimmt. Diese Tätigkeit der ***Bezeichnung Person2*** für die ***Bezeichnung Person1*** wird auch ausdrücklich im ***Ablauf der Verkaufsveranstaltung*** als "Unterstützung bei der Zahlungsabwicklung" angefühlt, d.h. eindeutig als Unterstützung der ***Bezeichnung Person1*** und nicht vielleicht der Berufungswerberin.
Die Berufungswerberin hat keinerlei Einfluss auf die Inkasso-Tätigkeit der ***Bezeichnung Person2*** für die ***Bezeichnung Person1***, erhebt aber keine Einwendungen gegen diese Tätigkeit, da sie in der Vergangenheit mit diesem System gute Erfahrungen gemacht hat. Die ***Bezeichnung Person1*** hat jedoch auch jederzeit die Möglichkeit, den Kaufpreis direkt an die Berufungswerberin zu überweisen oder bar zu bezahlen.
Es wird somit mehr als deutlich, dass die ***Bezeichnung Person2*** in keinerlei Auftragsverhältnis oder sonstigem vertraglichen Verhältnis zur Berufungswerberin steht.
1.4 Vertragsverhältnis zwischen der ***Bezeichnung Person1*** und der Berufungswerberin
Wie bereits erläutert, werden die ***Bezeichnung Person1*** als Eigenhändler und Wiederverkäufer tätig und schließen daher mit der Berufungswerberin in jedem einzelnen Fall einen Kaufvertrag über die bestellten ***Produkte der Handelsmarke*** ab. Ein Kaufvertrag zwischen der Berufungswerberin und den ***Kunden*** kommt nicht zustande und wäre in diesem System auch praktisch nicht durchführbar.
Zunächst ist festzuhalten, dass die Sachverhaltsfeststellung der Außenprüfung unrichtig oder zumindest missverständlich ist. Die Außenprüfung hält fest, dass die Bestellkarten an die ***Bezeichnung Person2*** übermittelt werden und impliziert dabei, dass die ***Kunden*** selbst die Bestellkarten an die ***Bezeichnung Person2*** übergeben. Dies ist so nicht richtig. Vielmehr werden die Einzelbestellkarten der ***Bezeichnung Person1*** übergeben, die sodann diese Einzelbestellungen mit Hilfe der ***Bezeichnung Person2*** auf eine Sammelbesteilkarte überträgt. Nur diese Sammelbestellkarte, die ausdrücklich und für die ***Bezeichnung Person1*** ersichtlich an die Berufungswerberin gerichtet ist, wird an selbige übermittelt. Wie bereits erläutert, lässt diese Sammelbestellkarte die einzelnen ***Kunden*** sowie die Aufteilung der Bestellung auf die einzelnen ***Kunden*** nicht erkennen. Die Karte zeigt ausschließlich den Namen und die Adresse der Käuferin, d.h. der ***Bezeichnung Person1***, und enthält überdies die ausdrückliche Einverständniserklärung, dass die ***Bezeichnung Person1*** als Eigenhändlerin tätig wird und als solche sämtliche Produkte bei der Berufungswerberin bestellt. Diese Einverständniserklärung wird von jeder ***Bezeichnung Person1*** unterschrieben. Weiters wird dieser Bestellvorgang in den verschiedenen Dokumenten, die einer ***Bezeichnung Person1*** vor der Veranstaltung einer ***Verkaufsveranstaltung*** übergeben werden, genauestens erläutert. Es wird in diesem Zusammenhang nochmals auf den deutlichen Hinweis in dem der ***Bezeichnung Person1*** übergebenen ***Ablauf der Verkaufsveranstaltung*** hingewiesen.
Mit der Übersendung der Sammelbestellkarte an die Berufungswerberin bestellt die jeweilige ***Bezeichnung Person1*** somit ausdrücklich im eigenen Namen und auf eigene Rechnung die ***Produkte der Handelsmarke*** bei der Berufungswerberin.
1.5 Zwischenergebnis
Zusammenfassend kann somit festgestellt werden, dass sich die rechtlichen Beziehungen der ***Bezeichnung Person2*** zur ***Bezeichnung Person1*** bzw. zur Berufungswerberin wie folgt darstellen:
Die ***Bezeichnung Person2*** steht ausschließlich in einem Auftragsverhältnis zur ***Bezeichnung Person1*** und hat auch nur dieser gegenüber einen Anspruch auf Zahlung eines Honorars.
Die ***Bezeichnung Person2*** hat keinerlei Vertragsverhältnis - weder ausdrücklich noch stillschweigend noch konkludent - mit der Berufungswerberin.
Die ***Bezeichnung Person1*** kauft als Eigenhändlerin bei der Berufungswerberin die jeweiligen ***Produkte der Handelsmarke*** ein und verkauft diese weiter an ihre ***Kunden***.
Es wird somit deutlich, dass die ***Bezeichnung Person2*** ausschließlich ein Auftragsverhältnis mit der ***Bezeichnung Person1*** hat, welche diese für die Unterstützung bei der Abhaltung einer ***Verkaufsveranstaltung*** engagiert. Es liegt zwischen der ***Bezeichnung Person2*** und der Berufungswerberin weder ein ausdrückliches, noch ein stillschweigendes noch ein konkludentes Vertragsverhältnis vor.
2. Umsatzsteuerliche Zurechnung der Leistung
Die von den Parteien vereinbarten zivilrechtlichen Leistungsbeziehungen wurden auch wirtschaftlich entsprechend umgesetzt. Eine Zurechnung der Lieferungen für umsatzsteuerliche Zwecke an die Berufungswerberin ist nicht statthaft. Die Bescheide sind daher rechtswidrig und aufzuheben.
2.1 Voraussetzungen nach dem UStG 1994
2.1.1 Lieferung gemäß § 1 Abs. 1 UStG 1994
Gemäß § 1 Abs. 1 UStG 1994 unterliegen Lieferungen und sonstige Leistungen, die ein Unternehmer im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt, der Umsatzsteuer. Der Leistungsaustausch an sich umfasst alles, was Gegenstand eines Rechtsverkehrs sein kann, wobei die Leistung von einem Leistungswillen getragen sein muss. Der Leistende muss dem Leistungsempfänger Substanz, Wert und Ertrag des Gegenstandes zuwenden. Es muss daher die wirtschaftliche Substanz des Gegenstandes vom Leistenden auf den Leistungsempfänger übergehen und dies muss von den Beteiligten endgültig gewollt sein. Der umsatzsteuerliche Leistungswille ist somit der Wille einer Person, eine Leistung unter bestimmten Bedingungen auszuführen. Die Motivation, die zum Leistungsentschluss geführt hat, ist hingegen gleichgültig. Die Lieferung ist dann im umsatzsteuerrechtlichen Sinne ausgeführt, wenn dem Abnehmer die Verfügungsmacht an dem gelieferten Gegenstand verschafft wird.
Für die Bestimmung des Leistungsinhalts sowie des Leistungsumfangs sind die schuldrechtlichen Vereinbarungen heranzuziehen und ihr wirtschaftlicher Gehalt zu ermitteln. Es ist somit grundsätzlich nicht die Bezeichnung oder der äußere Ablauf der Leistungsausführung, sondern der wirtschaftliche Gehalt maßgebend. Wenn keine entgegenstehenden Beweisanzeichen vorliegen, kann davon ausgegangen werden, dass das, was rechtlich unter Rückgriff auf die zugrundeliegende Vereinbarung zwischen dem Unternehmer und dem Leistungsempfänger unter Beachtung des Parteiwillens und der Verkehrsauffassung geschuldet ist, auch tatsächlich erfüllt worden ist. Die zugrundeliegende zivilrechtliche Vereinbarung ist somit zunächst für die zutreffende umsatzsteuerliche Einordnung der betreffenden Leistung von Bedeutung. Bei der Zurechnung von Leistungen folgt das Umsatzsteuerrecht somit grundsätzlich dem Zivilrecht. Wer nach zivilrechtlichen Bestimmungen zu einer Leistung verpflichtet ist, wird, sofern er die Leistung auch tatsächlich im eigenen Namen ausführt, umsatzsteuerrechtlich als Leistender angesehen. Dies gilt lediglich dann nicht, wenn die schuldrechtlichen Vereinbarungen eine andere Leistung verdecken, die wirklich ausgeführt worden ist (sog. "Scheingeschäft").
Entscheidend dafür, ob ein Leistender im eigenen oder fremden Namen tätig wird, ist sein Auftreten nach Außen. Wer die Leistung im eigenen Namen erbringt, aber auf fremde Rechnung arbeitet, hat sich die Leistung zuzurechnen. Diese Auffassung wird von dem Gedanken getragen, dass die Person, die die Leistung in der eigenen Risikosphäre erbringt und das Risiko und die Chancen der unternehmerischen Tätigkeit trägt, sich die Zurechnung gefallen lassen muss, selbst wenn sie vorgibt, im fremden Namen zu handeln. Dementsprechend gelten auch Geschäfte, die in den eigenen Geschäftsräumlichkeiten abgewickelt werden, grundsätzlich als Eigengeschäfte, es sei denn, dass in unmissverständlicher Weise dem Leistungsempfänger deutlich gemacht wird, dass der Inhaber bloß als Agent, Vermittler oder andere Hilfsperson tätig wird (sogenannte "Ladenrechtsprechung"). An die Kenntlichmachung, dass es sich um eine vermittelnde Tätigkeit handelt, werden strenge Anforderungen gestellt. Diese Rechtsprechung beruht auf der Überlegung, dass das Umsatzsteuerrecht im Hinblick auf die Grundsätze der Klarheit und insbesondere der Gleichmäßigkeit der Besteuerung einen eindeutigen Nachweis der Betätigung als Vermittler erfordert. Es ist nämlich nicht entscheidend, ob handelsrechtlich eine Vermittlungstätigkeit vereinbart war, sondern wesentlich ist vielmehr, ob eine solche nach den tatsächlichen Gegebenheiten umsatzsteuerrechtlich anerkannt werden kann.
Die Leistung muss gegen Entgelt erbracht werden. Die Gleichwertigkeit von Leistung und Gegenleistung ist nicht erforderlich. Die Höhe der Gegenleistung ist daher für den Leistungsaustausch grundsätzlich ohne Bedeutung. Voraussetzung ist jedoch, dass die Leistung im Rahmen des Unternehmens erbracht wird. Gibt es daher zwischen Leistung und Gegenleistung eine wertmäßige Diskrepanz, so ist zu untersuchen, ob diese im außerunternehmerischen Bereich ihre Ursache hat.
Leistungsempfänger ist, wer die Leistung ausbedungen hat, mag auch der effektive Nutzen der Leistung letztendlich im Vermögen eines anderen eintreten. Entscheidend ist daher bei Leistungen aufgrund vertraglicher Verpflichtungen, wer im eigenen Namen die vertraglichen Verpflichtungen übernimmt bzw. ausbedingt. Bei Dreiecksbeziehungen ist anhand der zugrundeliegenden Vereinbarungen oder sonstigen rechtlichen Grundlagen zu prüfen, zwischen welchen Personen der Leistungsaustausch zustande gekommen ist. Nur dann, wenn die Leistung ohne vertragliche Verpflichtung erbracht worden ist (z.B. Geschäftsführung ohne Auftrag) oder wenn unklar ist, ob jemand im eigenen oder fremden Namen tätig wird, kommt dem Innenverhältnis und dem wirtschaftlichen Hintergrund maßgebende Bedeutung zu. In diesem Fall ist zu fragen, wer "Herr der Leistungsbeziehung" ist, in wessen Risiko und Verantwortungsbereich die Leistung fällt.
2.1.2 Der umsatzsteuerrechtliche Unternehmerbegriff
Unternehmer ist, wer eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbständig ausübt. Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt. Eine solche Tätigkeit wird nicht selbständig ausgeübt, soweit natürliche Personen, einzeln oder zusammengeschlossen, einem Unternehmen derart eingegliedert sind, dass sie den Weisungen des Unternehmers zu folgen verpflichtet sind. Kapitalgesellschaften können sich ebenso als Unternehmer qualifizieren, sofern sie nicht bloß als Holdinggesellschaft tätig sind.
Unternehmer ist somit derjenige, der die Leistung im eigenen Namen erbringt bzw. in dessen Namen die Leistung erbracht wird. Eine Tätigkeit ist nachhaltig, wenn diese nicht nur gelegentlich oder einmalig erfolgt. Gelegentlich ist eine Tätigkeit, wenn sie nur fallweise ausgeführt wird, nicht jedoch, wenn jemand selbst darauf hinwirkt, die Voraussetzungen für sein Tätigwerden herbeizufuhren. Eine Tätigkeit ist jedenfalls dann nachhaltig, wenn mehre gleichartige Handlungen nach dem äußeren Sachverhalt und unter Ausnutzung derselben Gelegenheit oder desselben dauernden Verhältnisses vorgenommen werden. Wie oft und in welchen Zeitabständen sich derartige Handlungen wiederholen, ist zwar grundsätzlich belanglos, die einzelnen Handlungen müssen aber in einem inneren Zusammenhang stehen. Eine einmalige Tätigkeit kann dann die Unternehmereigenschaft begründen, wenn anhand objektiver Umstände auf eine Wiederholungsabsicht geschlossen werden kann.
Die nachhaltige Tätigkeit muss auch auf die Erzielung von Einnahmen, nicht jedoch notwendigerweise auf die Erzielung eines Gewinns gerichtet sein. Einnahmenerzielungsabsicht bedeutet, dass
nachhaltige Tätigkeiten, die nicht auf Einnahmenerzielung gerichtet sind, keine Unternehmereigenschaft begründen und
Unternehmereigenschaft auch bei fehlender Gewinnerzielungsabsicht vorliegen kann.
Einnahmen sind Vermögensmehrungen durch den Zugang von Geld oder geldwerten Sachgütern, wobei die Einnahmenerzielung nicht primäres Motiv der Tätigkeit sein muss. Auch Tätigkeiten, die einer privaten Neigung entspringen, können zur Unternehmereigenschaft führen. An einer Einnahmenerzielungsabsicht fehlt es lediglich dann, wenn Tätigkeiten ohne wirtschaftliches Kalkül und ohne eigenwirtschaftliches Interesse ausgeübt werden. Dies ist dann der Fall, wenn das Verhalten des Leistenden z.B. von der Absicht der Unentgeltlichkeit, der Gefälligkeit oder des familiären Zusammenwirkens bestimmt ist.
Eine Tätigkeit wird selbstständig ausgeübt, wenn die natürliche Person nicht weisungsgebunden ist und ein Unternehmerrisiko trägt. Weisungsgebundenheit ist dann gegeben, wenn eine Verpflichtung besteht, das eigene Verhalten an den Anordnungen eines anderen auszurichten, wobei diese Anordnungen nicht nur den Erfolg der Tätigkeit, sondern die Modalitäten der Erbringung der Leistung betreffen. Die Fremdbestimmung bezieht sich somit vor allem auf die Zeiteinteilung, die Anwesenheit an einem bestimmten Arbeitsort, und die Verpflichtung zur persönlichen Dienstverrichtung. Ein Unternehmerrisiko trägt der Steuerpflichtige dann, wenn der Erfolg seiner Tätigkeit durch die eigene Gestaltung und Initiative und durch die Zufälligkeiten des Wirtschaftslebens beeinflusst wird. Bei der Abwägung, ob eine Tätigkeit selbstständig ausgeführt wird oder nicht, muss auf das Gesamtbild der Verhältnisse abgestellt werden.
2.2 Lieferung der ***Handelsmarke*** Artikel durch die ***Bezeichnung Person1*** an die ***Kunden***
Die ***Bezeichnung Person1*** wurde als Unternehmerin tätig und lieferte die ***Produkte der Handelsmarke*** mit dem entsprechenden umsatzsteuerlichen Lieferwillen an die ***Kunden***. Die zivilrechtliche Vereinbarung wurde somit auch wirtschaftlich gelebt und ist daher umsatzsteuerlich anzuerkennen. Eine Zurechnung dieser Lieferung an die Berufungswerberin ist unzulässig.
2.2.1 Unternehmereigenschaft der ***Bezeichnung Person1***
Die ***Bezeichnung Person1*** ist eine Unternehmerin im Sinne des § 2 UStG, die die ***Produkte der Handelsmarke*** im Rahmen ihres Unternehmens an die ***Kunden*** weiterverkauft. Die meisten ***Bezeichnung Person1*** veranstalten zumindest ein oder mehrmals im Jahr eine ***Verkaufsveranstaltung*** und werden somit nachhaltig tätig. Sofern eine ***Verkaufsveranstaltung*** nur einmal durchgeführt wird, kann in der Regel aus den objektiven Umständen auf eine Wiederholdungsabsicht geschlossen werden. Falls eine ***Bezeichnung Person1*** eine ***Bezeichnung Person2*** von sich aus auf einer ***Verkaufsveranstaltung*** anspricht, ist davon auszugehen, dass sie dies in der Absicht getan hat, eine ***Verkaufsveranstaltung*** auszurichten. Denn in diesem Fall war die potentielle ***Bezeichnung Person1*** offensichtlich von der ***Verkaufsveranstaltung***, die sie selbst besuchte, überzeugt und meinte, diese auch im eigenen Bekanntenkreis etablieren zu können. Sofern eine ***Bezeichnung Person1*** von einer ***Bezeichnung Person2*** bei einer anderen Gelegenheit als auf einer ***Verkaufsveranstaltung*** angesprochen worden ist, spricht eine gewisse Lebenserfahrung dafür, dass eine zukünftige ***Bezeichnung Person1*** diesen Aufwand nicht nur für eine einzige ***Verkaufsveranstaltung*** in Kauf nimmt. Vielmehr ist davon auszugehen, dass auch solche ***Bezeichnung Person1*** eine Wiederholungsabsicht haben.
Die Tätigkeit der ***Bezeichnung Person1*** ist auch von einer Einnahmenerzielungsabsicht getragen. Die ***Bezeichnung Person1*** erhält als Gegenleistung für die Lieferung der ***Produkte der Handelsmarke*** 100% des tatsächlichen und meist des unverbindlichen Nettoverkaufspreises. Hierdurch kommt es zu einer Vermögensmehrung durch den Zugang von Geld. Der Umstand, dass zumeist der vereinnahmte Betrag zur Gänze an die Berufungswerberin (77,5%) sowie die ***Bezeichnung Person2*** (idR 22,5%) weitergegeben wird, ändert nichts an der Einnahmenerzielungsabsicht. Denn die ***Bezeichnung Person1*** entfaltet ihre Tätigkeiten in einem eigenwirtschaftlichen Interesse, nämlich um das von dem Bestellwert abhängige ***Sachzuwendung*** zu erhalten. Weiters hat die ***Bezeichnung Person1*** auch die Möglichkeit, mit der ***Bezeichnung Person2*** eine geringere Provision zu verhandeln, die ihr einen weiteren wirtschaftlichen Vorteil verschaffen würde. Das Verhalten der ***Bezeichnung Person1*** ist daher nicht von der Absicht der Unentgeltlichkeit bestimmt, sondern vielmehr auf den Erhalt möglichst hochwertiger ***Sachzuwendung*** und gegebenenfalls auf einen weiteren wirtschaftlichen Vorteil durch die Zahlung einer geringeren Provision gerichtet.
Die ***Bezeichnung Person1*** wird selbstständig tätig, da sie nicht weisungsgebunden ist. Sie trägt auch ein Unternehmerrisiko, denn der Erfolg ihrer Tätigkeit wird in hohem Maße durch die eigene Gestaltung und Initiative beeinflusst. Je geschickter eine ***Bezeichnung Person1*** bei der Wahl der eingeladenen ***Kunden***, der Wahl der ***Bezeichnung Person2*** und der Ausgestaltung der ***Verkaufsveranstaltung*** ist, desto höhere Bestellwerte können erzielt werden, die wiederum die Hochwertigkeit und die Anzahl der ***Sachzuwendung*** beeinflussen. Weiters kann mit der ***Bezeichnung Person2*** eine geringere Provision verhandelt werden. Darüber hinaus trägt die ***Bezeichnung Person1*** im Außenverhältnis auch das Gewährleistungsrisiko (als klassisches unternehmerisches Risiko). Die Tatsache, dass die ***Bezeichnung Person1*** im Falle der tatsächlichen Inanspruchnahme im Innenverhältnis einen gleichlautenden Gewährleistungsanspruch gegenüber einer zum ***Handelsmarke***-Vertriebssystem gehörigen Gesellschaft hat, ist dabei ohne Bedeutung. Denn es entspricht gerade unternehmerischem Verhalten, eigene Risiken durch die Möglichkeit des Rückgriffs auf Dritte abzusichern. Ausschlaggebend allein ist, dass die ***Kunden*** fehlerhafte Ware ausschließlich bei der ***Bezeichnung Person1*** abgeben können. Sofern sich ein ***Kunde*** unmittelbar an die Berufungswerberin wendet (manche ***Kunden*** suchen und finden die Kontaktdetails der jeweiligen Berufungswerberin auf der Internetseite von ***Handelsmarke*** und wenden sich direkt an diese), wird der ***Kunde*** an die für die ***Bezeichnung Person1*** tätige ***Bezeichnung Person2*** verwiesen, die die fehlerhafte Ware als Erfüllungsgehilfin der ***Bezeichnung Person1*** entgegennimmt.
Gleichfalls richtet sich die Berufungswerberin bei allfälligen Mahnungen an die ***Bezeichnung Person1*** selber und nicht an die ***Kunden*** oder die ***Bezeichnung Person2***. Da die Berufungswerberin die ***Kunden*** nicht kennt, wäre eine Mahnung derselben bei Nichtzahlung auch gar nicht möglich. Kann eine ***Bezeichnung Person1*** den von den ***Kunden*** zu zahlenden Betrag nicht einbringlich machen, so wird diese von der ***regionaler Vertrieb*** hinsichtlich der ausstehenden Rechnungsbeträge (77,5% der unverbindlich empfohlenen Katalogpreise) in Anspruch genommen. Sie trägt somit das Risiko, diese Beträge selber zahlen zu müssen, ohne das Entgelt von den ***Kunden*** zu erhalten und trägt daher ein Verlustrisiko. Die Leistung erfolgt mithin im Risiko- und Verantwortungsbereich der ***Bezeichnung Person1***, sodass diese "Herr der Leistungsbeziehung" ist.
Aus dem Gesagten folgt, dass die ***Bezeichnung Person1*** nachhaltig unter Tragung eines Unternehmerrisikos tätig wird und somit - auch bei nur einmaliger Tätigkeit - eine Unternehmerin im Sinne des § 2 UStG ist. Zu den Folgen einer fehlenden Unternehmereigenschaft siehe Punkt III. 2.2.3 unten.
2.2.2 Leistungswille der ***Bezeichnung Person1***
Die ***Bezeichnung Person1*** handelt auch mit einem entsprechenden umsatzsteuerlichen Leistungswillen. Wie bereits erläutert, ist der Leistungswille dann gegeben, wenn das Verhalten des Leistenden von einem entsprechenden Entschluss gedeckt ist. Hiervon abzugrenzen sind Vermögenseinbußen, die ein Unternehmer ohne Kenntnis oder gegen seinen Willen erleidet, wie zum Beispiel Diebstahl, Raub oder Beschädigung durch Dritte. Letzteres ist gegenständlich nicht gegeben. Vielmehr hat die ***Bezeichnung Person1*** den Entschluss gefasst, die ***Produkte der Handelsmarke*** an die ***Kunden*** zu liefern, und tut dies auch.
Die ***Bezeichnung Person1*** hat ihr Auftreten als Eigenhändlerin in eigenem Namen durch die Unterzeichnung der Einverständniserklärungen zweifellos bestätigt. Die Außenprüfung hat diese Tatsache weiteres in dem Bericht zu keinem Zeitpunkt bestritten, sodass davon auszugehen ist, dass die ***Bezeichnung Person1*** jeweils im eignen Namen und auf eigene Rechnung gehandelt hat.
Auch wendete die ***Bezeichnung Person1*** in weiterer Folge Substanz, Wert und Ertrag der Artikel den ***Kunden*** zu. Nur die ***Bezeichnung Person1*** konnte als zivilrechtliche und wirtschaftliche Eigentümerin den ***Kunden*** zivilrechtliches und wirtschaftliches Eigentum an den Artikeln verschaffen und tat dieses durch Entgegennahme des Geldes und Weiterlieferung an die ***Kunden***. Sie handelte somit als Eigenhändlerin mit dem entsprechenden umsatzsteuerlichen Leistungswillen.
2.2.3 Keine andere Beurteilung bei fehlender Unternehmereigenschaft
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Normen und Schlagworte
- § 78 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 79 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 80 Abs. 1 bis 3 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 272 Abs. 4 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 274 Abs. 3 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 278 Abs. 1 bis 3 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 40 Abs. 1 FBG, Firmenbuchgesetz, BGBl. Nr. 10/1991
- § 93 Abs. 3 GmbHG, GmbH-Gesetz, RGBl. Nr. 58/1906
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Beschluss
- Geschäftszahl
- RV/7101526/2018
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2025:RV.7101526.2018
- Stammnummer
- 146831
- Gültig
- 08.01.2025 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF