Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100366/2021
Zuteilung der Kommunalsteuerbemessungsgrundlagen für die ersten sechs Monate bei Arbeitskräfteüberlassung
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/5100366/2021vom 05.11.2024Teil 2 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Personalverrechnung, Krankmeldungen, Urlaubsmeldungen und weitere laufende administrative Tätigkeiten, bezogen auf die überlassenen Zeitarbeitskräfte, seien, soweit sie nicht über die Niederlassung ***Gem*** des Arbeitskräfteüberlassers geführt worden seien, an die ***** in ***Ort2*** und andere Unternehmen, also an externe Dienstleistungsunternehmen, welche diese Tätigkeiten im Auftrag des Arbeitskräfteüberlassers besorgt hätten, ausgelagert worden.
Die Beziehung der Zeitarbeitskräfte zur Niederlassung des Arbeitskräfteüberlassers in ***StGem*** sei gegenüber jener zur Niederlassung in ***Gem*** eindeutig untergeordnet.
Die Tatsache, dass die ungleich engere Beziehung der überlassenen Zeitarbeitskräfte zur Niederlassung der erstmitbeteiligten Partei in ***Gem*** bestanden habe, belaste den angefochtenen Bescheid mit materieller Rechtswidrigkeit.
Die Tatsache, dass die belangte Behörde die maßgeblichen Sachverhalte offenbar nur unvollständig erhoben habe, belaste den angefochtenen Bescheid mit formeller Rechtswidrigkeit. Hätte die belangte Behörde den Sachverhalt im oben aufgezeigten Sinne vollständig erhoben, wäre sie zu einer anderen als der angefochtenen Entscheidung gelangt.
Hinsichtlich der gegenständlichen Kommunalsteuer für die Jahre 2007 bis 2010 habe im Übrigen eine GPLA-Prüfung keine Differenzen festgestellt und die Feststellungen seien anerkannt worden. Auch dieser Umstand der "entschiedenen Sache" stehe dem nunmehr angefochtenen Bescheid entgegen.
Die Bf. beantragte, eine mündliche Verhandlung anzuberaumen, Herrn ***NL*** als Zeugen einzuvernehmen und den angefochtenen Bescheid zur Gänze aufzuheben.
Der Beschwerde beigefügt ist als Beilage ./1 ein Auszug bzw. Verständigung der Bezirkshauptmannschaft ***Bzrk1*** vom 09.01.2008 über die weitere Betriebstätte ***Gem*** der ***A-GmbH*** sowie als Beilage ./2 der mit dem Zeugen ***NL*** aufgenommene Amts-Aktenvermerk vom 28.05.2019 der Bf.
Über Ersuchen des Finanzamtes nahm die Stadtgemeinde ***StGem*** in einem Schriftsatz vom 29. Oktober 2019 zur eingebrachten Beschwerde Stellung und legte folgende Beweismittel vor:
1. Niederschrift über die Einvernahme von Frau ***TS*** vom 14.10.2019 vor der Stadtgemeinde ***StGem***
2. Niederschrift über die Einvernahme von Herrn ***JP*** vom 15.10.2019 vor der Stadtgemeinde ***StGem***
3. Niederschrift über die Einvernahme von Frau ***KV*** vom 15.10.2019 vor der Stadtgemeinde ***StGem***
4. Niederschrift über die Einvernahme von Herrn ***KT*** vom 15.10.2019 vor der Stadtgemeinde ***StGem***
5. Niederschrift über die Einvernahme von Frau ***MB*** vom 14.10.2019 vor der Stadtgemeinde ***StGem***
6. Schreiben von Frau ***MB*** vom 8.8.2012 betreffend Auflösung Dienstverhältnis
7. Schreiben der ***A-GmbH*** an Frau ***MB*** vom 31.5.2012 betreffend Einsatztermin bei der Firma ***B-GmbH*** im Sommer 2012
8. Notfallskarte der ***A-GmbH*** betreffend Firma ***B-GmbH***
9. Niederschrift über die Einvernahme von Frau ***OS*** vom 15.10.2019 vor der Stadtgemeinde ***StGem***
10. Niederschrift über die Einvernahme von Frau ***MS*** vom 23.10.2019 vor der Stadtgemeinde ***StGem***
11. Niederschrift über die Einvernahme von Frau ***JH*** vom 23.10.2019 vor der Stadtgemeinde ***StGem***
In der genannten Eingabe vom 29. Oktober 2019 führte die Stadtgemeinde ***StGem*** auszugsweise Folgendes an:
"…
1.
Festgehalten wird, dass im Hinblick auf die gegenständlichen Abgabenansprüche für den Zeitraum November 2007 bis Dezember 2013 weder die absolute Verjährung, noch die Festsetzungs- bzw. Bemessungsverjährung eingetreten ist. Gemäß § 10 Abs. 5 Kommunalsteuergesetz hat das Finanzamt auf Antrag des Steuerschuldners oder einer beteiligten Gemeinde die Bemessungsgrundlage zuzuteilen, wenn zwei oder mehrere Gemeinden die auf einen Dienstnehmer entfallende Bemessungsgrundlage ganz oder teilweise für sich in Anspruch nehmen und ein berechtigtes Interesse an der Zuteilung dargetan wird. Dieser Antrag kann nach der Bestimmung des § 10 Abs. 5 Kommunalsteuergesetz nur bis zum Ablauf von 10 Jahren ab Entstehung der Steuerschuld gestellt werden. Gemäß § 11 Abs. 1 Kommunalsteuergesetz entsteht die Steuerschuld mit Ablauf des Kalendermonats in dem Lohnzahlungen gewährt, Gestellungsentgelder gezahlt oder Aktivbezüge ersetzt worden sind.
Die gegenständlichen Kommunalsteuerbeträge entstehen gemäß § 11 Abs. 1 Kommunalsteuergesetz mit Ablauf des Kalendermonates. Wie bereits zuvor ausgeführt, kann der Antrag bis zum Ablauf von 10 Jahren ab Entstehung der Steuerschuld gestellt werden. Gegenständlich wurde der Antrag auf Kommunalsteuerzuteilung am 22.11.2017 gestellt. Für den Zeitraum November 2007 bis Dezember 2013, war der Antrag auf Zuteilung der Kommunalsteuer somit noch nicht verjährt und wurden die diesen Zeitraum betreffenden Zuteilungsbescheide durch das belangte Finanzamt zu Recht erlassen.
2. …
Arbeitnehmer, die nach der Eigenart ihrer Tätigkeit zumindest überwiegend im Außendienst bei Unternehmen als Leiharbeiter eingesetzt werden, sind bei jener von mehreren Betriebsstätten ihres Arbeitgebers als beschäftigt anzusehen, zu der ihre Tätigkeit unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten die überwiegende und stärkste Beziehung hat. Für die Frage der kommunalsteuerlichen Zuordnung eines Außendienstmitarbeiters kommt es nach der Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes darauf an, wo sich die Haupttätigkeit des Arbeitnehmers vollzieht (Vgl. VwGH 30.3.1992 91/15/0112). Entscheidend ist, zu welcher Betriebsstätte die engere Beziehung besteht, was nicht allein von der Frage abhängt, von wo aus der leitende Einsatz des Dienstnehmers erfolgt, sondern auch von Faktoren, wie Beziehung der Außendienstmitarbeiter zu den sonst tätigen anderen Dienstnehmern oder das Aufsuchen der Geschäftsstelle.
Im gegenständlichen Zusammenhang bestand eindeutig eine engere Beziehung jener überlassenen Arbeitskräfte, für welche die Kommunalsteuer für den gegenständlichen Zeitraum geleistet wurde, zu jener Niederlassung, welche sich in ***StGem*** befand, was sich unter anderem eindeutig aus den Aussagen einiger der betroffenen, überlassenen Arbeitnehmer ergibt:
…
Aus diesen niederschriftlichen Aussagen von ehemaligen Dienstnehmern der ***A-GmbH***, welche als Arbeitskräfte an die Firma ***B-GmbH*** in ***StGem*** überlassen wurden bzw. im Büro der ***A-GmbH*** in ***StGem*** tätig waren, ergibt sich eindeutig, dass die an die Firma ***B-GmbH*** überlassenen Dienstnehmer der ***A-GmbH*** zur Betriebstätte bzw. zum Büro der ***A-GmbH*** in ***StGem*** die engere Beziehung bzw. die einzige Beziehung hatten. Zu keiner anderen Betriebsstätte, insbesondere auch nicht zum Büro der ***A-GmbH*** in ***Gem***, bestand eine Beziehung dieser Dienstnehmer. Die an die Firma ***B-GmbH*** von der ***A-GmbH*** überlassenen Mitarbeiter wurden lediglich von den Mitarbeitern bzw. Mitarbeiterinnen, welche am Betriebsstandort ***StGem*** tätig waren, betreut.
Die Einvernahmen, aber auch der sonstige Akteninhalt zeigen eindeutig - ja es ist geradezu "greifbar" - dass hier einfach der Versuch unternommen wurde, nach außen hin einen Standort zu konstruieren, um zu Steuern zu gelangen. Es wurde offensichtlich der Versuch unternommen, aus einer "besseren Besenkammer" einen Betriebsstandort zu konstruieren, tatsächlich ist nicht einmal die "Besenkammer", sprich das angebliche Büro, von allen Anfang in irgendeiner Form ge- und benutzt worden. Zu keinem Zeitpunkt bestand für die Mitarbeiter hier ein Bezug zu diesem Büro und war das Büro de facto ja auch nie besetzt. Man könnte mit Sicherheit mit der Einvernahme von ehemaligen oder nach wie vor im Dienstverhältnis stehenden Mitarbeitern fortfahren, es würde sich mit Sicherheit genau das gleiche Bild ergeben, nämlich dass nie hier ein Betriebsstandort gegeben war. Was hier versucht wird, greift somit sogar ein "Blinder". Eine Verjährung bzw. Verfristung des Anspruches ist jedenfalls nicht gegeben, dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass allenfalls hier auch ein strafbarer Tatbestand im Raume steht. Der Umstand, dass letztlich das Verfahren eingestellt wurde spielt für die rechtliche Beurteilung naturgemäß keine Rolle, da ja die Einstellung deshalb erfolgt, da im Strafverfahren die Zweifelsregel gilt.
Die belangte Behörde hat ihren Bescheid vom 17.5.2019, wonach die Kommunalsteuer für den Zeitraum November 2007 bis Dezember 2013, bezogen auf die von der ***A-GmbH*** an die Firma ***B-GmbH*** überlassenen Dienstnehmer der Stadtgemeinde ***StGem*** zustehe und nicht der ***Bf1***, daher zu Recht damit begründet, dass diese überlassenen Dienstnehmer im Sinne des Kommunalsteuergesetzes einen engeren Bezug zur Stadtgemeinde ***StGem*** als zur ***Bf1*** gehabt haben. Der gegenständliche Bescheid der belangten Behörde ist daher nicht zu beanstanden.
…"
Die Stellungnahme der Stadtgemeinde ***StGem*** wurde in der Folge der Bf. zur Kenntnis gebracht und ihr Gelegenheit gegeben, sich dazu zu äußern.
Die Bf. brachte daraufhin in ihrer Stellungnahme vom 5. Dezember 2019 u.a. vor, dass die Finanzbehörde in einem gleichgelagerten Fall im Ergebnis die Kommunalsteuer jener Gemeinde zugesprochen habe, in der die "Zentrale" des Personalüberlassers situiert gewesen sei bzw. sei. Die Kommunalsteuer für die ersten sechs Beschäftigungsmonate des durch diesen Personalüberlasser einem Betrieb in ***StGem*** bereitgestellten Personals habe sohin - so die rechtskräftige Entscheidung des Finanzamts ***Ort8*** - der Gemeinde, in der die "Zentrale" des Personalüberlassers situiert sei (und nicht der Stadtgemeinde ***StGem***) zuzufließen, obwohl in ***StGem*** - sowie im gegenständlichen Fall - ebenfalls eine Geschäftsstelle bestehe.
Im beschwerdegegenständlichen Fall habe der Personalüberlasser (***A-GmbH***) seine Zentrale in der Stadtgemeinde ***Ort2*** gehabt. Konsequenterweise hätte daher die Kommunalsteuer der ersten sechs Beschäftigungsmonate des überlassenen Personals unbeschadet der Tatsache, dass der Personalüberlasser auch in ***StGem*** ein Büro unterhalten habe und dieses "Leihpersonal" in einem Produktionsbetrieb in ***StGem*** beschäftigt worden sei, der Stadtgemeinde ***Ort2*** und nicht der Stadtgemeinde ***StGem*** zugeordnet werden müssen, wenn die belangte Behörde schon zum Ergebnis gelangen habe wollen, dass diese Kommunalsteuer nicht der beschwerdeführenden ***Bf1*** zustünde.
Den Unternehmensstandort der ***A-GmbH*** in ***Gem*** habe die belangte Behörde in den angefochtenen Bescheiden bestätigt und habe die Kommunalsteuer für den Standortleiter, Herrn ***NL***, und für die Standortmitarbeiterin, Frau Mag. ***SB***, der ***Bf1*** zugeordnet.
Hinsichtlich des "engsten Bezuges" des Leihpersonals werde das bisherige Vorbringen wiederholt. Der engste Bezug im Sinne der Judikatur sei, zumindest für die ersten sechs Monate der jeweiligen Beschäftigungsverhältnisse des überlassenen Personals, in ***Gem*** gelegen, weshalb die erstmitbeteiligte Partei rechtens ihre Kommunalsteuer diesbezüglich zugunsten der beschwerdeführenden ***Bf1*** erklärt und die ***Bf1*** in bestem Wissen und Gewissen und in rechtskonformer Vollziehung des Kommunalsteuergesetzes und der weiteren einschlägigen Normen diese Kommunalsteuer vereinnahmt habe. Ab dem siebenten Beschäftigungsmonat habe die zweitmitbeteiligte Partei, Stadtgemeinde ***StGem***, die Kommunalsteuer dieses überlassenen Personals vereinnahmt.
In einem Schriftsatz vom 11. März 2020 äußerte sich die Stadtgemeinde ***StGem*** zusammengefasst dahingehend, dass der in der Stellungnahme der Bf. vom 5. Dezember 2019 erwähnte Fall noch nicht rechtskräftig entschieden sei, da gegen die genannte Entscheidung des Finanzamts ***Ort8*** eine Beschwerde eingebracht worden sei.
Beschwerdevorentscheidung
Im Spruch der als "Beschwerdevorentscheidungen" bezeichneten Entscheidung des Finanzamtes vom 11. Februar 2021 heißt es:
"Es ergehen die Beschwerdevorentscheidungen betreffend die Beschwerden vom 17.06.2019 (eingelangt am 19.06.2019) von der ***Bf1***, ***Bf1-Adr*** vertreten durch ***V.*** gegen die Zuteilungsbescheide Kommunalsteuer für November 2007 bis Dezember 2013 betreffend die Firma ***A-GmbH*** in Liqu. vom 09.05.2019 (Übernahme am 17.05.2019).
Über die Beschwerden der ***Bf1*** wird auf Grund des § 263 Bundesabgabenordnung (BAO) entschieden:
Die Beschwerden gegen die Zuteilungsbescheide November 2007 und Dezember 2007 werden gemäß § 261 BAO als gegenstandslos erklärt.
Die Beschwerden gegen die Zuteilungsbescheide Jänner 2008 bis Dezember 2013 werden als unbegründet abgewiesen."
Das Finanzamt führte zur Begründung u.a. an, dass der Antrag der Stadtgemeinde ***StGem*** vom 22. November 2017 für die Zeiträume Jänner bis Oktober 2007 wegen Verfristung zurückzuweisen gewesen sei. Für die Monate November 2007 bis Dezember 2013 sei der Antrag der Stadtgemeinde ***StGem*** auf Zuteilung der Bemessungsgrundlage für die Kommunalsteuer noch nicht verjährt, weil dieser innerhalb von zehn Jahren ab Entstehung der Steuerschuld eingebracht worden sei. Der Einwand der absoluten Verjährung gemäß § 209 Abs. 3 BAO greife somit nicht. Da aber die Zuteilungsbescheide betreffend die Zeiträume November 2007 und Dezember 2007 keine Minderung der Kommunalsteuerbeträge für die Bf. ergeben hätten, sei die Bf. insoweit nicht beschwert und daher seien die Beschwerden gegen die Zuteilungsbescheide November 2007 und Dezember 2007 mangels Beschwer als gegenstandslos zu erklären.
Nach Darstellung des Verfahrensganges und der Rechtsgrundlagen führte die Behörde weiter aus, dass im konkreten Fall die Frage relevant sei, welcher Betriebsstätte - ***Gem*** oder ***StGem*** - die Kommunalsteuer für die überlassenen Dienstnehmer für die ersten sechs Monate im Beschwerdezeitraum Jänner 2008 bis Dezember 2013 zuzuteilen sei. Dies insbesondere unter dem Gesichtspunkt, dass die Leiharbeiter vorwiegend am Einsatzort betreut worden seien und daher wenig Kontakt zur einer der Betriebsstätten des Arbeitskräfteüberlassers gehabt hätten.
Die rechtliche Beurteilung, dass die überlassenen Dienstnehmer nach Auffassung der Finanzverwaltung eine engere ständige Beziehung zur Betriebsstätte in der Stadtgemeinde ***StGem*** aufweisen würden, sei den Zuteilungsbescheiden vom 9. Mai 2019 zu entnehmen. Diese Zuordnung werde durch die weiteren Stellungnahmen im Beschwerdeverfahren bestätigt.
Eine Betriebsbesichtigung hätte nicht mehr vorgenommen werden können, da beide Standorte - sowohl in ***StGem*** als auch in ***Gem*** - nicht mehr existieren würden. Auch von einem Gespräch mit den Zuständigen dieser Gemeinden sei Abstand genommen worden, da diesbezüglich schon der Gemeindebund ****** (Schreiben vom 13. November 2017) vergeblich versucht habe, eine rasche unbürokratische Lösung zwischen den beiden Gemeinden zu erreichen.
Unterlagen der ***A-GmbH***, wie Verträge, Überlassungsvereinbarungen, Stundenaufzeichnungen hätten dem Finanzamt nicht mehr vorgelegt werden können. Im Zuge des Beschwerdeverfahrens seien Stellungnahmen angefordert worden. Stellungnahmen seien sowohl von den Gemeinde ***StGem*** vom 29. Oktober 2019 und 11. März 2020 als auch von der ***Bf1*** vom 5. Dezember 2019 eingebracht worden. Die ***A-GmbH*** habe keine Stellungnahmen (Schreiben vom 24. September 2019 und 18. November 2019) mehr abgegeben.
Unstrittig sei, dass in ***StGem*** eine Niederlassung der ***A-GmbH*** bestanden habe. Fraglich sei, ob sich bei den Dienstnehmern bzw. Leiharbeitskräften eine Änderung ***StGem*** habe, als eine weitere Niederlassung in ***Gem*** Ende 2007 errichtet worden sei. Für die Zuteilung der Kommunalsteuer sei die überwiegende und stärkste Beziehung der Dienstnehmer zu einer der Betriebsstätten der ***A-GmbH*** - ***Gem*** oder ***StGem*** - relevant.
Nach Würdigung der vorliegenden Beweise gelangte das Finanzamt zum Ergebnis, dass mit Ausnahme von Herrn ***NL*** und Frau ***SB*** die Dienstnehmer bzw. die Leiharbeitskräfte der ***A-GmbH*** der Niederlassung in ***StGem*** zuzuordnen seien. Im Beschwerdeverfahren sei bestätigt worden, dass die engere ständige Beziehung der überlassenen Dienstnehmer zur Betriebsstätte in ***StGem*** bestanden habe. Dies zeige sich daran, dass Dienstnehmer bei Urlaubs- und Krankmeldungen und bei anderen dienstlichen Angelegenheiten Kontakt zum Büro in ***StGem*** gehabt hätten, Dienstverträge im Büro in ***StGem*** unterzeichnet worden seien und auch Kündigungen an das Büro in ***StGem*** übermittelt worden seien. Dies werde auch durch die Aussagen der Dienstnehmer bekräftigt, deren Dienstzeit erst nach Ende 2007 begonnen habe und die weitere Niederlassung in ***Gem*** schon bestanden habe.
Dass in der Stadtgemeinde ***Ort2*** die Geschäftsführung und damit eine Betriebstätte der ***A-GmbH*** vorgelegen sei, sei unstrittig. Hätte die Stadtgemeinde ***Ort2*** einen Anhaltspunkt gehabt, dass die Kommunalsteuer für die überlassenen Dienstnehmer dem Standort in ***Ort2*** zuzurechnen gewesen wäre, wäre sicherlich diesbezüglich ein Antrag gestellt worden. Der Beweisantrag der ***Bf1***, den Akt eines ähnlich gelagerten Falles anzufordern, in dem ebenfalls die ***Bf1*** und ***StGem*** beteiligt seien und Kommunalsteuer einer dritten Gemeinde, in der der Sitz der Geschäftsleitung des betroffenen Unternehmens situiert sei, sei abzuweisen, da ein anderes Verfahren betroffen sei und daher dieser Fall nicht für die Beurteilung des konkreten Beschwerdeverfahrens betreffend die ***A-GmbH*** herangezogen werden könne.
Dem Beschwerdevorbringen, dass die Behörde den Sachverhalt nur unvollständig erhoben habe damit die angefochtenen Bescheide mit formeller Rechtswidrigkeit belastet habe, hält das Finanzamt entgegen dass der Sachverhalt, soweit es für die zurückliegenden Zeiträume 2007 bis 2013 noch möglich gewesen sei, eingehend erhoben worden sei. Die Behörde habe als "Schiedsrichter" in freier Beweiswürdigung die Entscheidung auf Grund des Vorbringens der antragstellenden Gemeinde, der anderen Gemeinde und des betroffenen Unternehmens zu treffen.
Weder vom Unternehmen noch von dessen steuerlichen Vertretungen hätten entsprechende Unterlagen vorgelegt werden können. Selbst die Bemessungsgrundlagen der Kommunalsteuer der einzelnen Gemeinden für die entsprechenden Monate hätten nicht mehr nachvollzogen werden können. Wenn - wie in diesem Fall - keine Einigung über die Aufteilung der Kommunalsteuer zwischen der Stadtgemeinde ***StGem*** und der ***Bf1*** zustande komme und die Gemeinden sich nicht einigen würden, liege es an den Gemeinden jene Sachverhalte nachzuweisen bzw. glaubhaft zu machen, zu welcher Niederlassung eine engere Beziehung der Dienstnehmer bzw. Leiharbeitskräfte bestanden habe. Die Behörde habe auf Grundlage der vorliegenden Unterlagen zu entscheiden. Stellungnahmen in Bezug auf die Beschwerde vom 17. Juni 2019 würden sowohl von den Gemeinden ***StGem*** (29. Oktober 2019, 11. März 2020) und ***Gem*** (5. Dezember 2019) vorliegen.
Auf Grund dieser Stellungnahmen werde die ursprüngliche Feststellung der Finanzverwaltung in den Zuteilungsbescheiden vom 9. Mai 2019, wonach eine engere ständige Beziehung der Dienstnehmer bzw. Leiharbeitskräfte zur Niederlassung in ***StGem*** bestanden habe, bestätigt. Die Gründe für eine engere Beziehung zur Niederlassung in ***StGem*** seien sowohl den obigen Ausführungen als auch den Zuteilungsbescheiden zu entnehmen.
Da die Kommunalsteuer im Rahmen einer die Jahre 2007 bis 2010 betreffenden GPLA-Prüfung nicht prüfungsrelevant gewesen sei, gehe auch der Einwand, dass im Rahmen dieser Prüfung keine Differenzen festgestellt worden seien und daher der Umstand der entschiedenen Sache den angefochtenen Bescheiden entgegenstehe, ins Leere.
Die Beschwerden gegen die angefochtenen Zuteilungsbescheide seien daher hinsichtlich der Monate Jänner 2008 bis Dezember 2013 als unbegründet abzuweisen.
Vorlageantrag
Mit Schriftsatz vom 12. März 2021 beantragte die Bf. die Entscheidung über die Beschwerde durch das Bundesfinanzgericht (Vorlageantrag).
Darin heißt es (auszugsweise):
"…
3. Vorlagegründe
Den Beschwerdeanträgen um Anberaumung einer mündlichen Verhandlung, um Aufnahme der angebotenen Beweise und insbesondere um Einvernahme des Herrn ***NL***, ***Adr.3***, als Zeugen sowie um Aufhebung des angefochtenen Bescheides hat die belangte Behörde nicht entsprochen.
Entgegen der Rechtsansicht der belangten Behörde wurde die Rechtswidrigkeit des angefochtenen Bescheides klar und deutlich aufgezeigt. Die belangte Behörde ging von einer unrichtigen Sach- und Rechtslage aus und ist neben dem Vorbringen in der Beschwerdeschrift und der ergänzenden Stellungnahme vom 5.12.2019 auf weitere Punkte ergänzend zu verweisen:
3.1. Nicht erfolgte Beweisaufnahme
3.1.1. …
3.1.2. Der Grundsatz der Waffengleichheit gebietet, dass es jeder Partei angemessen ermöglicht wird, ihren Standpunkt sowie ihre Beweise unter Bedingungen vorzutragen, die sie nicht in eine gegenüber ihrem Gegner deutlich nachteilige Position versetzen (vgl. VwGH 25.1.2017, Ra 2016/12/0117). Indem die belangte Behörde die dargebotenen Beweismittel (Verfahrensakt zu GZ ***GZ3***) nicht erhob und die Zeugeneinvernahme des Herrn ***NL*** nicht durchführte, belastete sie die Beschwerdevorentscheidung mit einem wesentlichen Verfahrensmangel, indem sie der Beschwerdeführerin nicht ermöglichte, ihren Rechtsstandpunkt nachvollziehbar und effektiv darzulegen.
3.1.3. Hätte die belangte Behörde diese Beweise erhoben und frei gewürdigt, wäre diese zum Schluss gekommen, dass nicht die Stadtgemeinde ***StGem*** als Abgabengläubigerin zu qualifizieren wäre und die Mitarbeiter ein wesentlich größeres Naheverhältnis zur ehemaligen Betriebstätte in der ***Bf1*** als in der Stadtgemeinde ***StGem*** aufweisen würden.
3.1.4. Auch liegen keinerlei Beweisergebnisse vor, welche Mitarbeiter als leitende Angestellte zu qualifizieren sind, da diese in der Regel der Zentrale, sohin der ***Bf1***, zuzuordnen sind (vgl VwGH 30.3.1992, 91/15/0112). Die belangte Behörde hätte sohin zumindest die Anzahl der Personen erheben müssen, welchen eine Stellung als leitende Angestellte zukam, da diese nicht in die Bemessungsgrundlage für eine Kommunalsteuer zugunsten der Stadtgemeinde ***StGem*** einfließen können.
3.1.5. Aus den genannten Gründen und den nicht durchgeführten Erhebungen ist jedenfalls davon auszugehen, dass die Zuordnung (jedenfalls) der Höhe nach unrichtig ist.
3.2. Zeitlicher Anwendungsbereich des § 4 Abs. 3 KommStG
3.2.1. Die belangte Behörde führt in der Beschwerdevorentscheidung selbst aus, dass der in § 4 KommStG definierte Betriebsstättenbegriff für den Bereich der Kommunalsteuer eigenständig definiert ist und der allgemeinen Definition der BAO vorgeht. Dieser Begriff wurde erst im Jahr 2017 durch die Bestimmung des § 4 Abs. 3 KommStG weitergehend konkretisiert.
3.2.2. Nach § 4 Abs. 3 KommStG wird bei einer Arbeitskräfteüberlassung erst nach Ablauf von sechs Kalendermonaten in der Betriebsstätte des Beschäftigers eine Betriebsstätte des Arbeitskräfte überlassenden Unternehmens begründet.
3.2.3. Diese Bestimmung, wonach durch einen sechs Monate übersteigenden Tätigkeitsschwerpunkt eine Betriebsstätte in ***StGem*** begründet wäre, wurde erst mit der Novelle BGBl 117/2016 eingefügt und ist ab 1.1.2017 in Kraft. Sohin ist die darauf aufbauende Rechtsansicht der belangten Behörde, es läge eine Betriebsstätte in der Stadtgemeinde ***StGem*** vor, vor diesem Datum jedenfalls unrichtig. Im Umkehrschluss ist nämlich der Betriebsstättenbegriff so zu interpretieren, dass dieser aufgrund des Fehlens der konkret einschlägigen Bestimmung durch eine sechsmonatige Überlassung bis zum 31.12.2016 gerade nicht entstehen konnte. Würde man von dieser Ansicht abweichen wollen, wäre stark in Zweifel zu ziehen, wieso sich der Gesetzgeber dazu veranlasst sah, diese Norm explizit einzufügen. Durch die bloße Tatsache der Normsetzung ergibt sich, dass dieser Regelungsbestand zuvor nicht existierte und sind auf dieser Rechtsansicht aufbauende Entscheidungen für den Sachverhalt vor dem 1.1.2017 unzulässig.
3.2.4. Als Bemessungsgrundlage nach § 5 Abs. 1 KommStG sind zudem nur die Arbeitslöhne heranzuziehen, die an die Dienstnehmer der in der Gemeinde liegenden Betriebsstätte gewährt worden sind. Entsprechend dem Grundsatz der Zeitbezogenheit von Abgabenvorschriften hat das Verwaltungsgericht die Sach- und Rechtslage zum Zeitpunkt der Verwirklichung des Abgabentatbestandes seiner Entscheidung zu Grunde zu legen (vgl VwGH 31.8.2016, Ro 2014/17/0103). Da vor dem 1.1.2017 keine über sechs Monate anhaltenden Tätigkeiten eine Betriebsstätte begründen, ist eine Zuordnung der Bemessungsgrundlage zur Gemeinde ***StGem*** jedenfalls vor dem 1.1.2017 unzulässig.
3.2.5. Die sechs Monate übersteigende Arbeitskraftüberlassung vor dem 1.1.2017 kann sohin im Ergebnis nicht von Bedeutung sein und begründet diese keinesfalls eine Betriebsstätte in der Stadtgemeinde ***StGem***, sohin die abgabenauslösenden Tätigkeiten richtigerweise der Betriebsstätte in der ***Bf1*** zuzuordnen sind.
…"
Mit Vorlagebericht vom 8. April 2021 legte das Finanzamt die Beschwerde mitsamt den Verwaltungsakten dem Bundesfinanzgericht vor.
Im Verfahren vor dem Bundesfinanzgericht legte die nebenbeteiligte Stadtgemeinde ***StGem*** am 19. April 2024 folgende Niederschriften über Befragungen und Zeugeneinvernahmen vor:
- Niederschrift ***TS*** vom 14.10.2019
- Niederschrift ***MB*** vom 14.10.2019
- Niederschrift ***KV*** vom 15.10.2019
- Niederschrift ***OS*** vom 15.10.2019
- Niederschrift ***KT*** vom 15.10.2019
- Niederschrift ***JP*** vom 15.10.2019
- Niederschrift ***MS*** vom 23.10.2019
- Niederschrift ***JH*** vom 23.10.2019
- Niederschrift ***MS*** vom 22.12.2021
- Niederschrift ***MS*** vom 05.01.2022
- Niederschrift ***LW***r vom 09.08.2022
- Niederschrift ***VS*** vom 10.08.2022
- Niederschrift ***MK*** vom 10.08.2022
- Niederschrift ***BP*** vom 10.08.2022
Mündliche Verhandlung
Am 23. April 2024 und 19. September 2024 fand die von der Bf. beantragte mündliche Verhandlung vor dem Bundesfinanzgericht statt. Teilgenommen haben
- die beschwerdeführende ***Bf1*** in Anwesenheit des Bürgermeisters, der Amtsleiterin und des anwaltlichen Vertreters,
- die nebenbeteiligte Stadtgemeinde ***StGem*** in Anwesenheit des Bürgermeisters, einer Gemeindebediensteten sowie des anwaltlichen Vertreters,
- der anwaltliche Vertreter der gemäß § 93 Abs. 3 GmbHG bestimmten Verwahrerin der Bücher für die aufgelöste und im Firmenbuch gelöschte ***A-GmbH*** sowie
- die Amtsbeauftragten der belangten Behörde.
In der mündlichen Verhandlung am 23. April 2024 wurde der Leiter der Niederlassungen der ***A-GmbH*** in ***StGem*** und ***Gem*** sowie der ehemalige Stadtamtsdirektor der Stadtgemeinde ***StGem*** als Zeugen einvernommen.
Der Beweisantrag der Bf. auf Beischaffung des Verfahrensaktes des Finanzamtes ***FA-xx*** zu StNr. ***GZ3*** betr. die ***P-GmbH*** wurde zurückgenommen.
Mit einem verfahrensleitenden Beschluss im Rahmen der mündlichen Verhandlung wurden die beteiligten Gemeinden aufgefordert, darzulegen, weshalb im Falle einer geänderten Zuteilung aufgrund des Zuteilungsantrages der Stadtgemeinde ***StGem*** vom 22. November 2017 die in § 207 Abs. 2 BAO normierte fünfjährige Abgabenfestsetzungsverjährungsfrist - als auch von den beteiligten Gemeinden als Abgabenbehörden von Amts wegen wahrzunehmendes Hindernis - einem Eingriff in die bisherigen Kommunalsteuerfestsetzungen für die Jahre 2007 bis 2011 entgegensteht bzw. nicht entgegensteht und insoweit daher ein berechtigtes Interesse der Antragstellerin an einer Zuteilung der Bemessungsgrundlagen für die Jahre 2007 bis 2011 weiterhin vorliegt.
Mit E-Mail-Eingabe vom 22. Mai 2024 wiederholte daraufhin die beschwerdeführende ***Bf1*** den bereits in der Beschwerde erhobenen Einwand der Verjährung, wonach zwar nicht die Zuteilungsbescheide der Festsetzungsverjährung unterliegen würden, sehr wohl aber die davon abgeleiteten Kommunalsteuerbescheide für die Jahre 2007 bis 2011. Die Bf. zog daraus den Schluss, dass auch die Zuteilung der Kommunalsteuerbemessungsgrundlagen für diese Jahre nicht zulässig sei.
In einem als Mitteilung und Antrag bezeichneten Schriftsatz vom 3. Juni 2024 replizierte die Stadtgemeinde ***StGem*** auf die Beschwerdeschrift und führte Argumente für die Zuordnung der Leiharbeitskräfte der ***A-GmbH*** zur Betriebsstätte in ***StGem*** ins Treffen.
Mit Schriftsatz vom 30. Juli 2024 brachte die Stadtgemeinde ***StGem*** zusammengefasst vor, dass keinesfalls von einer Verjährung ausgegangen werden könne. Es seien immer wieder Handlungen und Tätigkeiten gesetzt worden, die verjährungsverlängernde Amtshandlungen dargestellt hätten.
Zur Untermauerung dieses Vorbringens wurden zusammen mit dem genannten Schriftsatz die Beilagen ./1 bis ./54 in Vorlage gebracht.
In der Folge wurde einem Beweisantrag der Stadtgemeinde ***StGem*** nachkommend Frau Mag. ***JH***, ***Adr.4***, die sowohl im Büro in ***StGem*** als auch im Büro in ***Gem*** als Dienstnehmerin für die ***A-GmbH*** tätig war, schriftlich als Zeugin einvernommen.
Die Zeugeneinvernahme wurde von der Stadtgemeinde ***StGem*** beantragt. Dies zum Beweis dafür, dass die Firma ***A-GmbH*** ihren Sitz in der Stadtgemeinde ***StGem*** unter der Adresse ***StGem***, ***Adr.0***, gehabt hat und über diese Niederlassung alle maßgeblichen administrativen Aktivitäten gesetzt wurden, wie Bewerbung von Leasingkräften, Abschluss von Verträgen und Kündigungen, steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Vorgaben für die Steuerkanzlei, Abwicklung der Personaleinstellungen, Eingaben an die Behörden und an die Gesundheitskasse. Die Einvernahme wurde auch zum Beweis dafür beantragt, dass die Aussagen der genannten Dienstnehmerin vom 23. Oktober 2019 im Zuge der Befragung durch den Stadtamtsdirektor ***StADir*** korrekt erfolgt sind und auch korrekt protokolliert worden sind, weiters zum Beweis dafür, dass die administrative Abwicklung betreffend Facharbeiter und Führungskräfte nicht in ***Gem*** erfolgt ist.
Im Zuge der nach einem Vertagungsbeschluss in der Verhandlung vom 23. April 2024 fortgesetzten mündlichen Verhandlung am 19. September 2024 wurde die Amtsleiterin der ***Bf1***, Frau ***AL***, als Zeugin einvernommen.
Die Bf. nahm den Antrag auf Einvernahme des ehemaligen Bürgermeisters der ***Bf1***, ***BGM***, als Zeugen zurück.
Die Stadtgemeinde ***StGem*** nahm die mit Schriftsatz vom 30. Juli 2024 beantragte Einvernahme näher genannter Zeugen zurück.
Den Anträgen der Bf. auf Übermittlung der Beilagen ./1 bis ./54, welche die Stadtgemeinde ***StGem*** mit dem Schriftsatz vom 30. Juli 2024 vorgelegt hatte, wurde in der mündlichen Verhandlung entsprochen.
In einer weiteren per E-Mail am 28. Oktober 2024 eingelangten Stellungnahme der Bf. wurde der Einwand der teilweisen Verjährung wiederholt und als pdf-Anhang eine Stellungnahme der ***Steuerberatung-GmbH***, beigefügt.
Im Sinne des § 207 Abs. 2 BAO sei die Verjährungsfrist für die Kommunalsteuerbescheide der Jahre 2007 bis 2010 von fünf Jahren gegeben. Die Jahre 2011 bis 2013 seien zum Antragstichtag, 22. November 2017, nicht verjährt. Die Zuteilung der Bemessungsgrundlage nach § 10 Abs. 5 KommStG habe mit einer mit Rechtskraftwirkung ausgestatteten Feststellung der Bemessungsgrundlage und somit auch der sachlichen und persönlichen Abgabepflicht einherzugehen. Obwohl das im Gegensatz zu § 10 Abs. 4 KommStG nicht normiert sei.
Gemäß § 10 Abs. 6 KommStG seien die Kommunalsteuerbescheide der Gemeinden von den Zuteilungsbescheiden abzuleiten. Wie die Zerlegungsbescheide würden die Zuteilungsbescheide keiner Festsetzungsverjährung unterliegen, wohl aber die davon abgeleiteten Kommunalsteuerbescheide.
Erst mit nachweislichen Tätigkeiten im Sinne des § 209 Abs. 1 BAO könne die Verjährungsfrist aufgehoben werden und immer nur um ein Jahr verlängert werden. Hier müsse vom zuständigen Einzelrichter entschieden werden, wann und ob es solche nachweislichen Tätigkeiten gegeben habe.
Nach Anführung näher bezeichneter Beilagen, welche die Stadtgemeinde ***StGem*** mit Schriftsatz vom 30. Juli 2024 vorlegte, hielt die Bf. zusammenfassend fest, dass für die Jahre 2007 bis 2010 die fünfjährige Verjährungsfrist gemäß § 209 Abs. 1 BAO abgelaufen sei und auch nicht durch Amtshandlungen unterbrochen worden sei.
II. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
1. Sachverhalt
Die ***A-GmbH***, ***FN***, mit Sitz in ***Ort2*** (nachfolgend auch: ***A-GmbH***) war eine Gesellschaft, deren Unternehmensgegenstand u.a. die Arbeitskräfteüberlassung war. Die Tätigkeit als Arbeitskräfteüberlasser wurde im Mai 2005 aufgenommen. Die Gesellschaft wurde infolge beendeter Liquidation am tt. Juni 2019 im Firmenbuch gelöscht. Neben dem Sitz in ***Ort2*** (Zentrale) bestanden weitere Standorte in ***Ort6***, ***Ort3***, ***Ort7*** ***Gem*** und ***StGem***.
In der Geschäftsführung waren Herr ***GF2*** (bis Okt 2014) und Herr ***GF*** tätig. Herr ***NL*** war als Niederlassungsleiter für die Standorte ***Ort3***, ***StGem*** und ***Gem*** tätig.
Mit Beschluss des Landesgerichtes ***Ort2*** vom 22. Mai 2024, GZ. ***FR000***, wurde Frau ***EA***, geb. ***GebDat***, ***Adr10***, zur Verwahrerin der Bücher und Schriften gemäß § 93 Abs. 3 GmbHG für die aufgelöste und gelöschte ***A-GmbH*** bestellt.
Die ***A-GmbH*** konnte dem Finanzamt keine Unterlagen, wie etwa Verträge, Überlassungsvereinbarungen oder Stundenaufzeichnungen, mehr vorlegen, da diese bereits vernichtet wurden.
Dem Finanzamt liegt ein schriftliches Angebot der ***A-GmbH*** vom 3. Juni 2005 mit der handschriftlichen Orts- und Datumsangabe "***StGem***, 6.6.05" vor, in dem u.a. angeführt ist, dass angesichts der verhältnismäßig großen Anzahl an Arbeitskräften, die der Beschäftiger saisonal schwankend benötige und unter Berücksichtigung des Standortes des Unternehmens, in dessen Einzugsbereich der Einsatz frei werdender Arbeitskräfte in anderen Betrieben nicht kurzfristig sichergestellt werden könne, eine am Standort ***StGem*** angesiedelte Niederlassung eines Arbeitskräfteüberlassers als einzig sinnvolle Vorgehensweise erscheine.
Aktenkundig ist auch ein Schreiben mit der Bezeichnung "Ergänzung zur Zusammenarbeitsvereinbarung Personalbereitstellung für …" vom 25. Juni 2010 und der Angabe "***StGem***, ***Adr.0***" im Firmenstempel sowie der Orts- und Datumsangabe "***StGem***, am 25.06.2010".
In vorliegenden E-Mail-Nachrichten (vom 27. Oktober 2009 und vom 3. Dezember 2009) ist ebenfalls die Anschrift ***Adr.0*** in ***StGem*** mit Mailadresse, Telefon- und Fax-Nummer angeführt.
Die im Jahr 2004 errichtete Betriebsstätte in der Stadtgemeinde ***StGem***, ***Adr.0***, war ca. 70 m2 groß und umfasste zusätzlich auch ein Lager.
Im Jahr 2007 wurde die Niederlassung in der ***Bf1*** errichtet und am 9. Jänner 2008 bei der Bezirkshauptmannschaft ***Bzrk1*** als weitere Betriebsstätte angemeldet. Es handelte sich dabei um ein ca. 15 m2 großes Büro im Wohnhaus des Herrn ***NL***, in dem neben dem genannten Niederlassungsleiter ca. einmal monatlich auch Frau Mag. ***SB*** für statistische Arbeiten und die Archivierung von Akten tätig war.
Die aus den Arbeitslöhnen der genannten Dienstnehmer resultierende Kommunalsteuer wurde an die Gemeinde ***Gem*** abgeführt.
Im Jahr 2013 wurden die Standorte in ***Gem*** und ***StGem*** wieder geschlossen.
In einer schriftlichen Vereinbarung zwischen der ***A-GmbH*** und der ***Bf1*** vom 11. Jänner 2008 ist u.a. festgehalten, dass die ***Bf1*** der ***A-GmbH*** für die Betriebsansiedelung eine Förderung in Höhe von 40 % der jeweils rechtzeitig erklärten und rechtzeitig bezahlten Kommunalsteuer erstattet.
Hauptkundin der ***A-GmbH*** war die ***B-GmbH*** (nachfolgend auch: ***B-GmbH***), die in der Stadtgemeinde ***StGem*** ein Produktionswerk betreibt. Die ***A-GmbH*** versorgte dieses Unternehmen im hier maßgeblichen Zeitraum mit Leihpersonal. Die Betreuung der an die ***B-GmbH*** verliehenen Arbeitskräfte erfolgte durch nichtselbständig beschäftigte Büro-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ***A-GmbH*** am Standort in ***StGem***. Die aus diesen Arbeitslöhnen resultierende Kommunalsteuer wurde an die Stadtgemeinde ***StGem*** abgeführt.
In der zentralen Betriebsstätte in ***Ort2***, wo auch die unternehmensstrategischen Entscheidungen getroffen wurden, waren die beiden Geschäftsführer sowie eine Sekretärin tätig. Die aus diesen Tätigkeiten resultierende Kommunalsteuer wurde an die Stadtgemeinde ***Ort2*** abgeführt.
Die Stadtgemeinde ***StGem*** beauftragte den Gemeindebund ****** zu einer Kommunalsteuerprüfung. Der Gemeindebund ****** kam in seinem Zwischenbericht vom 13. November 2017 zu dem Ergebnis, dass die seitens der ***A-GmbH*** an die ***B-GmbH*** verliehenen Mitarbeiter für die ersten sechs Monate nicht wie bisher der ***Bf1***, sondern der Betriebsstätte der diesbezüglich tatsächlich hebeberechtigten Stadtgemeinde ***StGem*** zuzuordnen seien.
Das Finanzamt schloss sich diesen Feststellungen an und erließ die angefochtenen Bescheide, wonach die Kommunalsteuerbemessungsgrundlagen für die Arbeitslöhne der von der ***A-GmbH*** an die ***B-GmbH*** verliehenen Arbeitskräfte für die ersten sechs Monate von der ***Bf1*** weg an die Stadtgemeinde ***StGem*** zugeordnet wurden. Nach den ersten sechs Monaten führte die ***A-GmbH*** die Kommunalsteuer für diese Arbeitslöhne an die Stadtgemeinde ***StGem*** ab.
Die in der Betriebsstätte in der Stadtgemeinde ***StGem*** beschäftigten DienstnehmerInnen der ***A-GmbH*** führten die Mitarbeiterbetreuung durch. Die Betreuung der verliehenen Arbeitskräfte durch die ArbeitnehmerInnen der ***A-GmbH*** erfolgte entweder von ihrem Büro in ***StGem***, ***Adr.0***, aus oder vor Ort in den Räumlichkeiten der ***B-GmbH*** als Beschäftiger.
Demnach wurden auch Anliegen der Leiharbeitskräfte bei Problemen vor Ort im Beschäftigerbetrieb, telefonisch oder im Büro in ***StGem*** entgegengenommen und behandelt.
Bewerbungsgespräche fanden in der Niederlassung ***StGem***, in Ausnahmefällen für Fachkräfte auch im Büro in ***Gem*** statt. Die im Büro in ***StGem*** tätigen Mitarbeiter der ***A-GmbH*** unterfertigten die Dienstverträge mit den Leiharbeitskräften, händigten diese aus und erstellten die Überlassungsmitteilungen, wobei die entsprechenden Formulare von der Zentrale in ***Ort2*** vorgegeben waren und im Büro in ***StGem*** etwa mit den persönlichen Daten der Leiharbeitskräfte ergänzt wurden. Die Einstufung in den Kollektivvertrag, die Bearbeitung von Urlaubsansuchen, Krankmeldungen, von Ansuchen um Zeitausgleich oder Gehaltsvorschüssen der Leiharbeitskräfte, deren Genehmigung teilweise dem Niederlassungsleiter vorbehalten war, erfolgte im Büro in ***StGem***. Kündigungsgespräche und Wiedereinstiegszusagen wurden durch die Niederlassung der ***A-GmbH*** in ***StGem*** abgewickelt, wo auch die Rechnungen an den Beschäftigerbetrieb, die ***B-GmbH***, anhand der für die überlassenen Arbeitskräfte erfassten Arbeitsstunden erstellt wurden.
Die Archivierung von Unterlagen (z.B. der Dienstverträge) erfolgte sowohl in der Betriebsstätte in ***StGem*** als auch im Büro in ***Gem***.
Die Lohnverrechnung der ***A-GmbH*** war im Streitzeitraum an eine in ***Ort2*** ansässige Steuerberatungskanzlei ausgelagert, die auch die Auszahlung der Arbeitslöhne veranlasste. Die Arbeitszeiterfassung für die Leiharbeitskräfte erfolgte im Beschäftigerbetrieb, der die entsprechenden Daten an die für die Lohnverrechnung zuständige Steuerberatungskanzlei elektronisch übermittelte. Die administrativen Tätigkeiten zur Vorbereitung der Lohnverrechnung und der Meldungen an die Sozialversicherung erfolgten im Büro der ***A-GmbH*** in ***StGem***.
2. Beweiswürdigung
Das Bundesfinanzgericht hat Beweis erhoben durch Einsichtnahme in die von der belangten Behörde vorgelegten Verwaltungsakten und in die von den Verfahrensparteien vorgelegten Unterlagen, durch Einvernahmen der nachstehend angeführten Zeugen sowie durch die Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 23. April 2024 und 19. September 2024.
Der unter Punkt 1. dargestellte, entscheidungswesentliche Sachverhalt ergab sich aus dem abgeführten Beweisverfahren, insbesondere aus den nachstehend angeführten Beweismitteln.
Gemäß § 166 BAO kommt als Beweismittel im Abgabenverfahren alles in Betracht, was zur Feststellung des maßgebenden Sachverhalts geeignet und nach Lage des einzelnen Falles zweckdienlich ist.
Im Abgabenverfahren dürfen auch Beweismittel verwendet werden, die andere Behörden erhoben haben. Eine unmittelbare Beweisaufnahme ist im Abgabenverfahren nicht erforderlich (Ritz, BAO7, § 183 Rz 1 mwN).
Im Zwischenbericht über die Kommunalsteuer-Nachschau des Gemeindebundes ****** vom 13. November 2017, GZ: ***GZ***-, ist unter Punkt 4. a) festgehalten, dass die Mitarbeiter, die bei der ***B-GmbH*** und bei ***D-GmbH*** beschäftigt waren, von der Betriebsstätte ***StGem*** aus betreut wurden.
Der Geschäftsführer der ***A-GmbH***, Herr ***GF*** gab im Rahmen der Nachschau bei einer Besprechung am 4. Juli 2017 an, dass die Dienstnehmer grundsätzlich eine engere Beziehung zur Betriebsstätte in ***StGem*** gehabt hätten und in ***Gem*** nur die Überlassungsverträge unterzeichnet worden seien.
Nach den Angaben von Frau ***MP*** (vormals ***MS***), einer Beschäftigten der ***A-GmbH*** am Standort in ***StGem***, ***Adr.0***, anlässlich ihrer Zeugeneinvernahme am 23. Oktober 2019 durch den ehemaligen Stadtamtsdirektor der Stadtgemeinde ***StGem*** (Niederschrift GZ: ***GZ*****) sei sie von ca. 2008 bis zum Betriebsschluss der ***A-GmbH*** im Frühjahr 2013 ausschließlich im Büro in ***StGem*** tätig gewesen. Ihr Aufgabenbereich sei gewesen: Stundenabrechnungen für die Kunden, Hauptkunde: Fa. ***B-GmbH*** ***StGem***, daneben ***D-GmbH***, ***Ort4***, ***XY*** ***StGem*** u. a. sowie die Krankenstandsverwaltung und Mitarbeiterbetreuung. Während ihrer Dienstzeit seien drei Dienstnehmerinnen im Büro in ***StGem*** gewesen. Frau Mag. ***JH*** sei die einzige gewesen, die manchmal im Monat im Büro ***Gem*** anwesend war. Während ihrer gesamten Tätigkeit bei der ***A-GmbH*** sei sie ein einziges Mal mit Herrn ***NL*** im Büro in ***Gem*** gewesen. Bei diesem Besuch habe Herr ***NL*** ihr und Frau Mag. ***JH*** sein Wohnhaus und das darin befindliche Büro gezeigt, sie habe dabei keine dienstlichen Aufgaben zu erfüllen gehabt. Ein Raum im Wohnhaus von Herrn ***NL*** sei als Büro eingerichtet gewesen (Schreibtisch, PC, Drucker, Kopierer usw.). Die von der ***A-GmbH*** betreuten Dienstnehmer hätten Kontakt zum Büro in ***StGem*** gehabt. Ihr sei nicht bekannt, ob jemals ein von der ***A-GmbH*** betreuter Dienstnehmer im Büro ***Gem*** anwesend gewesen sei.
Frau Mag. ***JH*** gab anlässlich ihrer Zeugeneinvernahme am 23. Oktober 2019 durch den ehemaligen Stadtamtsdirektor der Stadtgemeinde ***StGem*** (Niederschrift GZ: ***GZ*****) an, dass sie ihre Tätigkeit als Beschäftigte der ***A-GmbH*** von ca. 2007 bis ca. 2011 ausgeübt habe. Ihr Aufgabenbereich sei gewesen: Abwicklung der Personaleinstellungen (Bewerbungsgespräche bis zum Dienstvertrag, Anmeldung über das Steuerberatungsbüro), Kundenbetreuung im Außendienst, hauptsächlich ***D-GmbH*** sowie ***Ort4***, ***YZ***, ***Ort9***, ***B-GmbH***, ***StGem*** und ***XY*** ***StGem***, weiters die Rechnungslegung an die Kunden.
Ihr Arbeitsplatz sei hauptsächlich in ***StGem***, ***Adr.0***, gewesen. Das Büro in ***Gem*** sei erst wesentlich später nach ihrem Dienstbeginn 2007 eingerichtet worden. Der genaue Zeitpunkt sei ihr nicht mehr erinnerlich. Sie sei ca. einmal im Monat im Büro ***Gem*** anwesend gewesen, dies zur Aktenablage sowie für statistische Arbeiten. Ein Kontakt mit Arbeitnehmern habe in ***Gem*** nicht stattgefunden; die Bewerbungsgespräche, Unterschreiben der Dienstverträge u. a. hätten im Büro in ***StGem***, ***Adr.0***, stattgefunden. Die Betreuung der Dienstnehmer der ***A-GmbH*** (Abwicklung der Anstellung, Dienstverträge, Urlaubs-, Krankenstandsmeldungen u. a.) sei im Büro in ***StGem*** erfolgt. Zudem sei sie im Außendienst als Mitarbeiterbetreuerin einmal pro Woche direkt in den Kundenfirmen anwesend gewesen, z.B. ***D-GmbH***, ***Ort4***, ***YZ***, ***Ort9***. Die Mitarbeiter der Fa. ***B-GmbH*** seien ins Büro ***StGem*** gekommen.
Ein Raum im Wohnhaus von Herrn ***NL*** in ***Gem*** sei als Büro eingerichtet worden (Schreibtisch, PC, Drucker, Akten usw.). Die engere Beziehung der Dienstnehmer der ***A-GmbH*** habe zum Büro in ***StGem*** bestanden.
Frau Mag. ***JH*** wurde durch das Bundesfinanzgericht ein weiteres Mal als Zeugin schriftlich einvernommen und gab am 9. September 2024 Folgendes schriftlich zu Protokoll:
Sie sei im Zeitraum 2007 bis 2011 für die ***A-GmbH*** tätig gewesen. Ihr Aufgabenbereich sei gewesen: Recruiting Außendienst, Mitarbeiterbetreuung Fa. ***D-GmbH***, ***YZ***, ***B-GmbH***, ***XY***; Vorbereitung Lohnverrechnung; Rechnungslegung ***D-GmbH***, ***YZ***; Dienstverträge; Vorbereitung der Anmeldungen zur Sozialversicherung.
Ihre Angaben in der Einvernahme am 23. Oktober 2019 durch die Stadtgemeinde ***StGem*** (OAR ***StADir***), Niederschrift ZI. ***GZ*****, seien korrekt protokolliert worden und sie wolle diese Angaben nicht mehr ergänzen. Zum Außenauftritt der Niederlassung in ***Gem*** gab sie an, dass sie sich an Hinweisschilder nicht erinnern könne. Die Anschrift habe es auf einem Firmenstempel und auf Dienstverträgen gegeben. Das Büro in ***StGem*** sei durch Beschilderungen deutlich erkennbar gewesen. Die Anschrift sei auf dem Briefpapier und auf dem Firmenstempel angeführt worden. Bei Stellenausschreibungen sei zu Beginn jedenfalls die Anschrift in ***StGem*** angegeben gewesen. Sie könne sich nicht mehr erinnern, ob später auch die Anschrift ***Gem*** angeführt worden sei. Es sei unterschiedlich gewesen, wie viele Mitarbeiter in den Büros in ***StGem*** bzw. ***Gem*** beschäftigt gewesen seien, zwischen drei und fünf, jedoch sei sie sich nicht mehr sicher. An konkrete Zielvorgaben der Zentrale der ***A-GmbH*** in ***Ort2*** könne sie sich nicht erinnern. Ihr sei auch nicht bekannt, ob es Anordnungen oder Weisungen an die an die ***B-GmbH*** verliehenen Arbeitskräfte durch Mitarbeiter der ***A-GmbH*** in ***StGem*** oder in ***Gem*** gegeben habe. Als administrative Tätigkeiten, die in der Niederlassung ***StGem*** durchgeführt worden seien, führte die Zeugin (ergänzend bzw. abweichend zur Niederschrift der Stadtgemeinde ***StGem*** vom 23. Oktober 2019) die Vorbereitung der Lohnverrechnung an. Zu weiteren administrativen Tätigkeiten, die in der Niederlassung ***Gem*** durchgeführt worden seien, wurden keine Angaben gemacht.
Auf die Frage, ob Fach- und Führungskräfte einerseits und sonstige Produktionsmitarbeiter andererseits ihren Wahrnehmungen nach in unterschiedlichen Niederlassungen betreut worden seien, gab Frau Mag. ***JH*** an, dass die Mitarbeiter der Fa. ***D-GmbH*** und ***YZ*** und teilweise auch ***XY*** von ihr vor Ort betreut worden seien, der Rest sei in ***StGem*** betreut worden.
Die Dienstverträge für die Leiharbeitskräfte seien in ***StGem*** erstellt worden. Es habe eine Vorlage gegeben, sie wisse jedoch nicht, ob diese von der Zentrale in ***Ort2*** vorgegeben worden sei. Die An- und Abmeldungen zur Sozialversicherung seine durch die Lohnverrechnung in ***Ort2*** erfolgt, vorbereitet worden seien diese in ***StGem***. Die Einstufung der an die ***B-GmbH*** verliehenen Arbeitskräfte in den Kollektivvertrag sei in ***StGem*** erfolgt. Die Löhne seien von der Firma ***B-GmbH*** übermittelt wurden und im Büro eingestuft worden. Am Beginn ihrer Tätigkeit sei Arbeitskleidung in ***StGem*** ausgegeben worden, dies sei später in die jeweiligen Firmen verlagert worden. Die Bearbeitung von Urlaubsansuchen, von Ansuchen um Zeitausgleich oder Gehaltsvorschüsse der an die ***B-GmbH*** verliehenen Arbeitskräfte sei durch eine Kollegin in ***StGem*** erfolgt. Bei höheren Gehaltsvorschüssen sei Rücksprache mit Herrn ***NL*** gehalten worden. Sommerurlaube seien von den Abteilungsleitern der ***B-GmbH*** genehmigt und an die ***A-GmbH***-Mitarbeiterinnen weitergeleitet worden. Andere Urlaube seien von Arbeitskolleginnen im Büro der ***A-GmbH*** genehmigt worden. Anliegen der an die ***B-GmbH*** verliehenen Arbeitskräfte bei Problemen mit dem Beschäftiger seien vor Ort (Außendienst), telefonisch oder im Büro in ***StGem*** entgegengenommen worden. Unterlagen seien sowohl in ***StGem*** als auch in ***Gem*** archiviert worden. Die Rechnungslegung an die ***B-GmbH*** sei in ***StGem*** erfolgt. Kündigungen seien meistens von Kolleginnen im Büro in ***StGem*** durchgeführt worden. Auf die Frage, ob die administrativen Tätigkeiten betreffend die Fach- und Führungskräfte einerseits und die sonstigen Produktionsmitarbeiter andererseits in verschiedenen Niederlassungen, etwa hinsichtlich der Fach- und Führungskräfte in ***Gem*** und hinsichtlich der sonstigen Produktionsmitarbeiter in ***StGem*** erfolgt seien, gab die Zeugin an, dass dies hauptsächlich in ***StGem*** geschehen sei, ansonsten teilweise vor Ort - Fa. ***D-GmbH*** und ***YZ***. Die Überlassungsmitteilungen für die an die ***B-GmbH*** verliehenen Dienstnehmer seien in ***StGem*** erstellt worden.
Nach den übereinstimmenden Angaben von an die ***B-GmbH*** verliehenen Produktionsmitarbeitern bzw. Ferialmitarbeitern der ***A-GmbH*** anlässlich deren Zeugeneinvernahmen am 14. und 15. Oktober 2019 durch den ehemaligen Stadtamtsdirektor der Stadtgemeinde ***StGem*** (Niederschriften ***TS*** vom 14.10.2019, ***MB*** vom 14.10.2019, ***KV*** vom 15.10.2019, ***OS*** vom 15.10.2019, ***KT*** vom 15.10.2019 und ***JP*** vom 15.10.2019, GZ: ***GZ*****) habe nur zum Büro in ***StGem*** Kontakt bestanden und sei den befragen Zeugen nicht bekannt gewesen, dass die ***A-GmbH*** in ***Gem*** ein Büro betrieben habe.
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Normen und Schlagworte
- § 207 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 10 Abs. 5 KommStG 1993, Kommunalsteuergesetz 1993, BGBl. Nr. 819/1993
- § 4 KommStG 1993, Kommunalsteuergesetz 1993, BGBl. Nr. 819/1993
- § 7 Abs. 1 KommStG 1993, Kommunalsteuergesetz 1993, BGBl. Nr. 819/1993
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5100366/2021
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2024:RV.5100366.2021
- Stammnummer
- 146151
- Gültig
- 05.11.2024 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF