Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100366/2021
Zuteilung der Kommunalsteuerbemessungsgrundlagen für die ersten sechs Monate bei Arbeitskräfteüberlassung
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/5100366/2021vom 05.11.2024Teil 1 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Eine Beurteilung der Festsetzungsverjährung betreffend die von einem Zuteilungsbescheid abzuleitenden Kommunalsteuerbescheide durch das Finanzamt Österreich und in weiterer Folge durch das Bundesfinanzgericht bereits im Rahmen des Zuteilungsverfahrens nach § 10 Abs. 5 KommStG 1993 wäre ein unzulässiger Eingriff in die Abgabenhoheit der Gemeinde in Angelegenheiten der Kommunalsteuer.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter ***Ri*** in der Beschwerdesache ***Bf.***, vertreten durch ***V.***, über die Beschwerde vom 17. Juni 2019 gegen die Bescheide des damaligen Finanzamtes ***Ort2*** (nunmehr Finanzamt Österreich) vom 9. Mai 2019, Steuernummer ***BF1StNr1***, über die Zuteilung der Bemessungsgrundlagen für die Kommunalsteuer für die Zeiträume von November 2007 bis Dezember 2013 betreffend die (nach beendeter Liquidation im Firmenbuch bereits gelöschte) ***A-GmbH***, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 23. April 2024 und 19. September 2024 zu Recht erkannt:
I. Die Beschwerde wird gemäß § 279 Bundesabgabenordnung (BAO) als unbegründet abgewiesen.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) zulässig.
Entscheidungsgründe
I. Verfahrensgang
Mit Anbringen vom 22. November 2017 stellte die Stadtgemeinde ***StGem*** einen Antrag auf Erlassung eines Bescheides gemäß § 10 Abs. 5 KommStG 1993 hinsichtlich der der Betriebsstätte in ***StGem*** zuzuordnenden Dienstnehmer der ***A-GmbH*** mit Sitz in ***Ort1***, für den Zeitraum der Jahre 2007 bis 2013.
Nach § 5 Abs. 1 iVm. § 7 Abs. 1 KommStG 1993 sei die Summe der Arbeitslöhne, die an die Dienstnehmer der in der Gemeinde gelegenen Betriebsstätte gewährt worden seien, Bemessungsgrundlage der Kommunalsteuer.
Der Antrag begründe sich auf eine vom Gemeindebund ****** durchgeführte Kommunalsteuernachschau für die Jahre 2011 bis 2013, die formell zwar nicht abgeschlossen worden sei, sich daraus aber Ansprüche auf Kommunalsteuer für die Antragstellerin ableiten lassen würden.
Die Antragstellerin habe somit auf Basis des Schreibens des Gemeindebundes ****** ihr berechtigtes Interesse im Sinne des § 10 Abs. 5 KommStG dargelegt. In diesem Zusammenhang werde auch gem. § 14 Abs. 1 KommStG 1993 eine Kommunalsteuerprüfung angeregt, da es sich hier um einen begründeten Einzelfall handle.
Im erwähnten Zwischenbericht des Gemeindebundes ****** vom 13. November 2017, GZ: ***GZ***, betreffend die ***A-GmbH*** heißt es auszugsweise:
"…
1. Allgemeines
Zeitraum: Kommunalsteuer für die Kalenderjahre 01.01.2011 -31.12.2016
Für diesen Zeitraum wurden bislang Unterlagen der ***A-GmbH*** beim steuerlichen Vertreter zur Verfügung gestellt.
Ansprechpersonen bzw. Auskunftspersonen der ***A-GmbH***
Herr Geschäftsführer ***GF***
Herr ***JK*** (Steuerberatung ***STB***)
Die ***A-GmbH*** hat derzeit nur mehr einen Standort in ***Ort2***.
Im Zeitraum 2011-2013 wurden folgende Standorte unterhalten.
***Ort2***
***StGem***
***Gem***
***Ort3***
Alle genannten Standorte außer ***Ort2*** wurden 2013 geschlossen.
Die Kommunalsteuernachschau wurde von Seiten der Stadtgemeinde ***StGem*** in Auftrag gegeben. Somit wurde nur jener Sachverhalt, welcher für die Stadtgemeinde ***StGem*** relevant ist, erhoben. Zu Beginn der Kommunalsteuer-Nachschau befand sich die ***A-GmbH*** weder in Prüfung noch auf dem Prüfungsplan betreffend eine gemeinsame Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben (GPLA-Prüfung). Siehe hierzu Beilage Nr. 2.
Prüfer: Herr ***PR*** (Gemeindebund ******)
2. Stattgefundene Termine im Zuge der Kommunalsteuernachschau
In der Kanzlei des steuerlichen Vertreters der ***A-GmbH***, ***STB***, wurden vom 3.7. - 4.7.2017 zwei Termine wahrgenommen.
Am 3.7. und 4.7. war Herr ***JK*** von der ***STB*** anwesend.
Am 4.7. war Herr ***GF***, Geschäftsführer der ***A-GmbH***
a) Termine vom 3.7. - 4.7.2017:
Zu Beginn des Nachschautermins wurden die vorgelegten Unterlagen gesichtet und danach ein persönliches Gespräch mit dem Geschäftsführer, Hr. ***GF*** geführt.
Das Gespräch dauerte von ca. 12:45 - 13:15h. Dabei gab Hr. ***GF*** an, dass die Dienstnehmer grundsätzlich eine engere Beziehung zur Betriebsstätte in ***StGem*** hatten, in ***Gem*** seien nur die Überlassungsverträge unterzeichnet worden. Weiters gab er die Größe des Büros in ***Gem*** mit ca. 15 m2 und die des Büros in ***StGem*** mit ca. 70 m2 an. In ***StGem*** gab es zusätzlich dazu auch ein Lager. Unterlagen über die Personalüberlassungen (Überlassungsvereinbarungen) existieren laut Hr. ***GF*** nicht mehr, da diese geschreddert wurden. Nur der Geschäftsstellenleiter Hr. ***NL*** und Fr. Mag. ***SB*** waren im Büro in ***Gem*** tätig, die Jahreslohnkonten von beiden Dienstnehmern sind beigelegt.
Danach wurden die vorgelegten Jahreslohnkonten in Augenschein genommen, die grundsätzliche Einhaltung der Sechsmonatefrist wurde überprüft. Ein Unternehmen, auch ein Arbeitskräfteüberlassungsunternehmen, unterliegt grundsätzlich der Kommunalsteuer in der Gemeinde, in der von ihm die Betriebsstätte unterhalten wird. Wird jedoch im Falle einer Arbeitskräfteüberlassung eine Arbeitskraft einem Unternehmer in einer anderen Gemeinde länger als 6 Kalendermonate zur Arbeitsleistung überlassen, so ist die Gemeinde des Beschäftigerunternehmens (der Unternehmensleitung des Beschäftigerunternehmens) für Zeiträume nach Ablauf des 6. vollen Kalendermonats hebeberechtigt. Diese Regelung beginnt mit 1. Jänner 2002 zu wirken, sodass grundsätzlich jene Gemeinden, in der Arbeitskräfteüberlassungsunternehmen ihren Sitz haben, hebeberechtigt sind.
Dabei ist aufgefallen, dass die Löhne der Leiharbeiter ***Gem*** bis zum Ende des 6. Monats nach Diensteintritt zugeschlagen (das volle 6. Monat wurde nicht berücksichtigt und wurde in vielen untersuchten Fällen schon der Gemeinde des Beschäftigersitzes zugeordnet) wurden. Das Kommunalsteueraufkommen der Jahre 2014-2016 war wegen der verminderten Geschäftstätigkeit der ***A-GmbH*** im Vergleich zum Zeitraum 2011-2013 deutlich reduziert, die Berechnung der Jahreserklärungen als solche kann daher als richtig angenommen werden, auch war Hr. ***NL*** nur von 2011-2013 beschäftigt.
Die ***A-GmbH*** stellt Personal für die ***B-GmbH*** zur Verfügung. Der Sitz der ***B-GmbH*** befindet sich in ***StGem***.
…
Weiters wurden laut Kommunalsteuererklärungen auch an die Gemeinden ***Ort4*** (Standort der ***D-GmbH***), ***Ort3*** (Betriebstätte ***B-GmbH*** ***Ort3***) und ***Ort2*** (Administration) versendet. Diese sind nach bisheriger Durchsicht der Lohnunterlagen in der erklärten Höhe zu Recht erfolgt.
3. Kommunalsteuerzuordnung ab dem siebenten Monat
Ein Unternehmen und auch ein Arbeitskräfteüberlassungsunternehmen unterliegen grundsätzlich der Kommunalsteuer in der Gemeinde, in der von ihm die Betriebsstätte unterhalten wird. Wird jedoch im Falle einer Arbeitskräfteüberlassung eine Arbeitskraft einem Unternehmer in einer anderen Gemeinde länger als 6 Kalendermonate zur Arbeitsleistung überlassen, so ist die Gemeinde des Beschäftigerunternehmens (der Unternehmensleitung des Beschäftigerunternehmens) für Zeiträume nach Ablauf des 6. vollen Kalendermonats hebeberechtigt. Diese Regelung beginnt mit 1. Jänner 2002 zu wirken, sodass grundsätzlich jene Gemeinden, in der Arbeitskräfteüberlassungsunternehmen ihren Sitz haben, hebeberechtigt sind.
4. Kommunalsteuer-Zuordnung für die ersten sechs Monate
Ein Unternehmen und auch ein Arbeitskräfteüberlassungsunternehmen unterliegen grundsätzlich der Kommunalsteuer in der Gemeinde, in der von ihm die Betriebsstätte unterhalten wird.
Nach § 4 Abs. 1 KommStG gilt als Betriebsstätte jede feste örtliche Anlage oder Einrichtung, die mittelbar oder unmittelbar der Ausübung der unternehmerischen Tätigkeit dient. Betriebsstätte iSd § 29 Abs. 1 BAO ist jede örtliche Anlage oder Einrichtung, die der Ausübung eines Betriebes oder wirtschaftlichen Geschäftsbetriebes dient. Nach Abs. 2 leg. cit. gelten insbesondere als Betriebsstätten, die Stätte, an der sich die Geschäftsleitung befindet; Zweigniederlassungen, Fabrikationsstätten, Warenlager, Ein- und Verkaufsstellen, Geschäftsstellen und sonstige Geschäftseinrichtungen, die dem Unternehmer oder einem seinem ständigen Vertreter zur Ausübung des Betriebes dienen. Bauausführungen, deren Dauer sechs Monate überstiegen oder voraussichtlich übersteigen wird.
Gemäß § 1 Abs. 1 Arbeitskräfteüberlassungsgesetz (AÜG) 1988 gilt dieses Bundesgesetz für die Beschäftigung von Arbeitskräften, die zur Arbeitsleistung an Dritte überlassen werden.
Im konkreten Fall unterhielt die ***A-GmbH*** mehrere Betriebsstätten (Betriebsstandorte). Den Gegenstand des vorliegenden Sachverhaltes bildet die Frage, welcher der beteiligten Gemeinden ***StGem*** oder ***Gem*** die Kommunalsteuer der Jahre 2011 bis 2013 im Zusammenhang mit der Überlassung von Leiharbeitskräften nach dem Arbeitskräfteüberlassungsgesetz für die ersten sechs Monate zusteht. Dies insbesondere unter dem Gesichtspunkt, zu welcher der beiden Betriebsstätten des Arbeitskräfteüberlassers die Mitarbeiter die engere Beziehung haben. Die Kommunalsteuerbemessungsgrundlagen der betroffenen Dienstnehmer, welche an die ***B-GmbH*** überlassen wurden, sind von der ***A-GmbH*** für die ersten sechs Monaten der Betriebsstätte in ***Gem*** zugeordnet worden.
Beide Betriebsstätten des Unternehmens existieren nicht mehr, die Büros wurden mit August 2013 geschlossen.
a) Betriebsstätte ***StGem***:
Diese Betriebsstätte war 70 m2 groß und hatte zusätzlich ein Lager. Laut Hr. ***GF*** wurden die Mitarbeiter, die bei der ***B-GmbH*** und bei ***D-GmbH*** beschäftigt waren, von dort aus betreut.
Arbeitnehmer, die nach der Eigenart ihrer Tätigkeit zumindest überwiegend im Außendienst bei Unternehmen als Leiharbeiter eingesetzt werden, sind bei jener von mehreren Betriebsstätten ihres Arbeitgebers als beschäftigt anzusehen, zu der ihre Tätigkeit unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten die überwiegende und stärkste Beziehung hat. Für die Frage der Kommunalsteuer-Zuordnung eines Außendienstmitarbeiters kommt es nach der Judikatur des VwGH darauf an, wo sich die Haupttätigkeit des Arbeitnehmers vollzieht (vgl. VwGH 30.3.1992, ZI. 91/15/0112). Entscheidend ist, zu welcher Betriebsstätte die engere Beziehung besteht, was nicht allein von der Frage abhängt, wo der leitende Einsatz des Dienstnehmers erfolgt, sondern auch von Faktoren wie Beziehungen der Außendienstmitarbeiter zu den sonst tätigen anderen Dienstnehmern oder das Aufsuchen der Geschäftsstelle. Dass die Tätigkeit eines Außendienstmitarbeiters von der Zentrale aus geleitet wird, ist nur dann von Bedeutung, wenn zu keiner anderen Betriebsstätte eine konkrete Beziehung besteht. Denn der Aspekt, von wo aus der leitende Einsatz erfolgt, ist nur eines unter mehreren Merkmalen, die für die Zuordnung zu einer Betriebsstätte sprechen können (vgl. VwGH 10.11.1995, 95/17/).
Anhand der vorgelegten Unterlagen ist ersichtlich, dass die Löhne nach Ablauf der Sechsmonatefrist auch der Stadtgemeinde ***StGem*** zugeordnet wurden, wie oben beschrieben auch vor Ablauf der vollen 6 Monate. Die Berechnung der Kommunalsteuerbemessungsgrundlagen und der Zuordnung der betroffenen Dienstnehmer wurden vom Unternehmen für die betreffenden Zeiträume anhand EXCEL ermittelt. Diese Unterlagen sind für den Zeitraum 2011-2013 beigelegt (3 Listen mit insgesamt 32 Seiten).
b) Betriebsstätte ***Gem***:
An der Betriebsstätte in ***Gem*** befand sich lediglich das Büro des Geschäftsstellenleiters, Herr ***NL***, der dort laut Aussage von Herrn ***GF*** die Überlassungsverträge unterzeichnen ließ. Weiters war dort auch Fr. Mag. ***SB*** tätig. Aufgrund der Größe von ca. 15 m2 ist wohl davon auszugehen, dass keine weiteren Dienstnehmer, die im organisatorischen Bereich des Unternehmens tätig waren, dort ihren Arbeitsplatz hatten.
5. Kommunalsteuer und Kommunalsteuerbemessungsgrundlagen
Im Zuge der Nachschau wurden für den Nachschauzeitraum von 1.1.2011 bis 31.12.2013 folgende von der Selbstbemessung abweichende Feststellungen getroffen:
[Grafik]
Hinweis: Bei den festgestellten KommSt-Bemessungsgrundlagen handelt es sich um laut den bisherigen Erhebungen ermittelte Beträge. Es wären noch Detailabstimmungen beim Zahlenmaterial geplant gewesen.
Die im Zuge der bisherigen Nachschau ermittelten festgestellten Bemessungsgrundlagen ergeben sich aus der Summe des Betrages, der bislang in ***Gem*** erklärten Bemessungsgrundlage abzüglich der Löhne der Dienstnehmer ***NL*** und ***SB***, und der in ***StGem*** erklärten Bemessungsgrundlage.
Diese Summe wurde fälschlich der ***Bf1*** zugeordnet, Es hat sich im Zuge der Nachschau herausgestellt, dass die in weiterer Folge an die ***B-GmbH*** verliehenen Mitarbeiter der ***A-GmbH*** für die ersten sechs Monate nicht der Betriebsstätte in der ***Bf1*** sondern der Betriebsstätte in der Stadtgemeinde ***StGem*** zuzuordnen sind. Somit wäre diesbezüglich die Stadtgemeinde ***StGem*** hebeberechtigt.
6. Vorsprache bei der ***Bf1*** und Stellungnahme der Gemeinde
Ab 21.9.2017 wurde mit der ***Bf1*** Kontakt aufgenommen, um die Sichtweise der Gemeinde zu erfahren und möglicherweise eine rasche unbürokratische Lösung zu erreichen, im Gespräch mit Herrn Bgm. ***BGM*** stellte sich heraus, dass die ***Bf1*** davon ausging, dass Herr ***NL*** alle wesentlichen Entscheidungen, wie über Neuaufnahmen, von ***Gem*** aus traf. Das Büro in ***StGem*** gab es rein aus Servicegründen. Er geht davon aus, dass es für die Hebeberechtigung relevant ist, in welcher Betriebsstätte die Neuaufnahme durchgeführt wurde. Weiters soll die Kommunalsteuer, wo die Frist nach einer Unterbrechung von länger als einem Monat neu zu laufen beginnt ebenso wieder an ***Gem*** gehen. Da von Seiten der ***A-GmbH*** keine diesbezüglichen Unterlagen mehr existieren, wird man dies schwer nachprüfen können.
7. Derzeitiger Bearbeitungsstand
Die Kommunalsteuernachschau ist in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Es stehen schon ziemlich genaue Ergebnisse fest. In weiterer Folge wären noch Detailabstimmungen geplant gewesen. Mit Bekanntwerden der Situation, dass sich die ***A-GmbH*** auf dem Prüfungsplan des Finanzamtes ***Ort2*** befindet und einer GPLA-Prüfung unterzogen wird, werden vorerst von Seiten des Gemeindebundes ****** keine weiteren Nachschauhandlungen gesetzt.
…"
Die ***Bf1***, vertreten durch den Bürgermeister ***BGM***, brachte in Beantwortung eines Ergänzungsersuchens des Finanzamtes vom 23. April 2018 in einer Stellungnahme vom 30. Mai 2018 auszugsweise Folgendes vor:
"…
Erhebungsberechtigte Gemeinde:
Sachverhalt: Die ***A-GmbH*** besitzt in ***Gem*** das Büro und die Niederlassung des Geschäftsführers und Inhabers der Firma von welchen aus alle personellen (Neuaufnahmen) wie betrieblich strategischen Entscheidungen getroffen werden. Der Geschäftsführer zieht sich aus arbeitstechnischen Gründen für diese wichtigen Entscheidungen immer in sein Geschäftsführerbüro zurück. ALLE Neuaufnahmen werden ausschließlich über dieses Büro aufgenommen und werden von ***Gem*** aus nach ***StGem*** überlassen. Rein aus Servicegründen gibt es in der Überlassergemeinde ein Servicebüro.
Gemäß § 7/1 des Kommunalsteuer-Arbeitsüberlassungsgesetz ist in den ersten 6 Monaten der Überlassung die Kommunalsteuer an die Gemeinde zu bezahlen, in der der Überlasser sein Büro, welches die Neuaufnahmen durchführt und von wo aus die Dienstnehmer überlassen werden, unterhält!! (eindeutig in ***Gem***)
Wenn der Arbeitnehmer mehr als 6 volle Kalendermonate an dasselbe Unternehmen wie z.B. Firma ***B-GmbH*** überlassen wird, ist ab dem 7. Kalendermonat die Kommunalsteuer an jene Gemeinde zu zahlen, in der sich die Geschäftsleitung und Sitz (von wo aus die Betriebsentscheidungen getroffen werden) des Beschäftigerunternehmens befindet. (In welcher Betriebsstätte des Beschäftigers die überlassene Arbeitskraft tatsächlich eingesetzt wird, ist unerheblich.)
Die 6-Monatsfrist beginnt mit dem Ersten eines Kalendermonats zu laufen, wenn die Überlassung am 1. Tag eines Kalendermonats beginnt. Beginnt die Überlassung während eines Kalendermonates, ist die 6-Monatsfrist ab dem 1. Tag des nächstfolgenden Kalendermonates zu rechnen.
Die 6-Monatsfrist endet nach Ablauf von 6 Kalendermonaten nach Beginn des Fristenlaufs.
Arbeitsunterbrechung:
Wird die Arbeit bei einem Beschäftiger aus welchen Gründen auch immer (z.B. Krankheit, Wetter, urlaubsbedingt) länger als einen vollen Kalendermonat unterbrochen, beginnt die 6-Monatsfrist nach Ablauf des Kalendermonats der Beendigung der Arbeitsunterbrechung neu zu laufen. Die bisherige Gemeinde bleibt für die Monate der Unterbrechung erhebungsberechtigt. Wie aus dem zitierten und gültigen Kommunalsteuer-Arbeitskräfteüberlassungsgesetz ersichtlich ist, gibt das Gesetz keinen Spielraum für die Erhebungsberechtigung der Anstellungsgemeinde in den ersten 6 Monaten. Vielmehr ist es Wunsch der Wirtschaft (siehe Kommentar ARD Handuch für Arbeitskräfteüberlassung) bei länger andauernder Arbeitskräfteüberlassung (über mehr als 6 Monate) die ersten 6 Monate in der Aufnahme und Überlassergemeinde abzuführen und ab dem 7. Monat der Gemeinde in der der Sitz der Geschäftsleitung ist unabhängig davon in welcher Gemeinde die Beschäftigten tatsächlich arbeiten!
Es ist eindeutig ersichtlich, dass sich sowohl Gesetzestext wie auch Kommentare etc. decken. Daher gibt es auch kein Ermessen über die Erhebungsberechtigung.
Es ist zurzeit ein Gutachten meinerseits in Auftrag gegeben worden, welches in den nächsten zwei Wochen fertig sein wird. Gefertigt wird das Gutachten von ***GA*** aus ***Ort5***, welcher als Spezialist auf diesem Gebiet allseits bekannt ist. Dieses Gutachten werde ich in Kopie gerne übermitteln.
…
Beilagen:
Vereinbarungen Wirtschaftsförderung
Prüfergebnisse 2007bis 2010
Abgabenauflistung 2011-2013
Mitteilung Betriebsschließung
…"
In der dem Finanzamt zusammen mit der erwähnten Stellungnahme vom 30. Mai 2018 vorgelegten Vereinbarung vom 11. Jänner 2008, abgeschlossen zwischen der ***Bf1*** und der ***A-GmbH*** in ***Adr.1***, heißt es auszugsweise:
"Vereinbarung
abgeschlossen zwischen der ***Bf1*** und der Firma ***A-GmbH***, ***Adr.1*** wie folgt:
1.
Die Firma ***A-GmbH*** garantiert, in der ***Bf1*** eine kommunalsteuerliche Betriebsstätte im Sinne der Bundesabgabenordnung zu unterhalten. Diese Betriebsstätte umfasst zumindest ein Büro, in welchem zumindest ein vollzeitbeschäftigter Dienstnehmer beschäftigt ist und welcher auch tatsächlich dort seine Arbeit verrichtet.
2.
Die Firma ***A-GmbH*** garantiert, nur Kommunalsteuer für Dienstnehmer an die ***Bf1*** abzuführen, welche dieser Betriebsstätte auch tatsächlich kommunalsteuerlich zuzuordnen sind - das heißt, welche von dieser Betriebsstätte aus entsendet werden und mit dieser Betriebstätte die engste betriebliche und funktionale Verbindung haben. Die Firma ***A-GmbH*** hat beim eingesetzten Leihpersonal unter anderem die Sechsmonatsfrist, welche für die Abfuhr der Kommunalsteuer an die ***Bf1*** ausschlaggebend ist, sowie allfällige maßgebliche Unterbrechungen und Beschäftigerwechsel zu berücksichtigen.
3.
Die ***Bf1*** erstattet der Firma ***A-GmbH*** für die Betriebsansiedelung in der ***Bf1*** eine Förderung in Höhe von 40 % der jeweils rechtzeitig erklärten und rechtzeitig bezahlten Kommunalsteuer. Diese Vereinbarung ist auf Kommunalsteuerbeträge anzuwenden, welche für die Kalendermonate Jänner 2008 bis Dezember 2010 zu erklären und zu entrichten sind.
4.
Eine allenfalls ab 1.1.2011 zu gewährende Förderung wird im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der ***Bf1*** als künftige Standortforderung neu verhandelt, wobei derzeit eine voraussichtliche Förderhöhe im Ausmaß von 30 % der geleisteten Kommunalsteuer angedacht ist.
5.
Die Firma ***A-GmbH*** verpflichtet sich, alle gesetzlichen Vorschriften einzuhalten und haftet auch für den Fördelungsbeitrag bei Verstößen gegen diese Vorschriften.
6.
Die ***Bf1*** erstattet 40% der einbezahlten Kommunalsteuer binnen Wochenfrist nach Einlangen auf dem Konto der ***Bf1*** auf das Konto … der Firma ***A-GmbH***
7.
Ändert sich die Kommunalsteuerbemessungsgrundlage und die darauf entfallende Kommunalsteuer rückwirkend durch geänderte rechtskräftige Abgabenfestsetzung (etwa nach GPLA), so verändert sich auch die darauf entfallende Ansiedelungsförderung (40 % des Kommunalsteuer-Veränderungsbetrages - somit entsprechende Nach- oder Rückzahlung der Förderung wegen Erhöhung oder Verminderung des Förderungsanspruches).
…"
In einer beim Finanzamt am 4. Dezember 2018 eingelangten weiteren Stellungnahme der ***Bf1*** heißt es (auszugsweise):
"…
Sachverhalt: Die Firma ***A-GmbH*** besaß in ***Gem*** das Büro des Geschäftsleiters von welchen aus alle personellen (Neuaufnahmen) wie betrieblich strategischen Entscheidungen getroffen wurden. Der Geschäftsleiter hat sein persönliches Büro in ***Gem***, wo er auch eine Arbeitskraft beschäftigt. ALLE Neuaufnahmen wurden ausschließlich über dieses Büro aufgenommen und wurden von ***Gem*** aus den jeweiligen Firmen in verschiedenen Gemeinden It. Arbeitskräfteüberlassungsgesetz überlassen. Rein aus Servicegründen gibt es in ***StGem*** ein Servicebüro.
Gemäß § 4/(1) 2. Satz KommunalStG sind auch §29(2) und § 30 BAO sinngemäß anzuwenden (Rz 10). Demnach gilt der Ort der Geschäftsleitung, das ist der Ort, in dem sich die geschäftliche Oberleitung befindet stets als Betriebsstätte. Die Geschäftsleitung ist der Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung. Der Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung liegt dort, wo entscheidende Anordnungen getroffen werden. Als Stätte der Geschäftsleitung kommt somit der Ort in Betracht, von dem aus die wesentlichen leitenden Funktionen des Unternehmens ausgehen; zitiert nach Fellner, Kurzkommentar zum Kommunalsteuergesetz.
Nach einem persönlichen Besuch meinerseits konnte ich mich vom Büro des Herrn ***NL*** selbst ein Bild machen. Dieses Büro war voll ausgestattet und befanden sich Herr ***NL*** und eine Sekretärin im Raum. Herr ***NL*** erklärte mir, dass er in diesem Büro seine Arbeit als Geschäftsleiter ausübe, gemeinsam mit seiner Sekretärin. Alle wesentlichen strategischen Geschäfte werden von ***Gem*** aus geleitet. In ***StGem*** befindet sich lediglich ein Servicebüro, von wo aus keinerlei unternehmerische Impulse ausgehen.
Herr ***NL*** schilderte mir die Vorgangsweise über die Abfuhr der Kommunalsteuer, wobei er die ersten 6 Monaten der Überlassung die Kommunalsteuer an die ***Bf1*** bezahlt, da er als Betriebsleiter sein eigenes Büro in ***Gem***, welches die Neuaufnahmen durchführt und von wo aus die Dienstnehmer überlassen werden, unterhält. Wenn der Arbeitnehmer mehr als 6 volle Kalendermonate in selben Betrieb arbeitet, ist ab dem 7. Kalendermonat die Kommunalsteuer an jene Gemeinde zu zahlen, in der sich die Geschäftsleitung und Sitz (von wo aus die Betriebsentscheidungen getroffen werden) des Beschäftigerunternehmens befindet.
…
Abschließende Schlussfolgerung:
Rz 41 Der Begriff Betriebsstätte ist in § 4/1 KommStG definiert. Siehe dazu Rz 4, 2. Absatz.
Nach dieser Definition liegt eine Betriebsstätte dann vor, wenn eine feste örtliche Anlage oder Einrichtung vorliegt, welche mittelbar oder unmittelbar der Ausübung unternehmerischer Tätigkeiten dient. Es wird dabei nicht auf einen Gewerbebetrieb oder einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb nach § 29(1) BAO abgestellt, sondern auf die unternehmerische Tätigkeit.
Die Büroräume in ***Gem*** sind, soweit für mich überblickbar, mit den üblichen Büroanlagen ausgestattet, Computer, Kopierer, Internetverbindungen, etc. Aus meiner Sicht ergab das Büro einen organisatorischen Managementbetrieb und bin der Überzeugung, dass dies als zentrale Geschäftsstelle der Firma ***A-GmbH*** als Personalgestellungsunternehmen in ***Gem*** errichtet wurde und nirgendwo sonst.
Nach § 29 BAO gilt als Betriebstätte insbesondere die Stätte, an der sich die Geschäftsleitung befindet.
Weitere Kriterien sind u.a. jene, in welchem Grad ein Firmenstandort nach außen erkennbar ist, etwa durch Firmenschilder an der Fassade oder dergleichen. Am Hause des Herrn ***NL*** war ein großes Firmenschild angebracht, zudem auch auf der Straße ein Hinweisschild.
Somit ist aus Sicht der ***Bf1*** das Geschäftsleiterbüro in ***Gem*** personell ausgestattet mit dem Betriebsleiter und eine Sekretärin. Zudem war in ***StGem*** lediglich eine Servicestelle ohne unternehmerischen Einfluss auf die operative und strategische Geschäftsleitung.
Es ist somit ist aus unserer Sicht die KommSt in den ersten 6 Monaten nach ***Gem*** abzuführen."
Die ***A-GmbH*** brachte in Beantwortung eines Ergänzungsersuchens des Finanzamtes vom 14. August 2018 in einer Stellungnahme vom 11. Dezember 2018 auszugsweise Folgendes vor:
"…
1. ***A-GmbH*** - Grundsätzliches
1.1. Standorte
Die ***A-GmbH*** {im Weiteren mit "***A-GmbH***" bezeichnet) war eine Gesellschaft mit Firmensitz in ***Ort2*** (Zentrale) und Niederlassungen in
***Ort6***
***Gem***
***Ort3***
***Ort7*** (zeitweise)
***StGem***
1.2. Geschäftstätigkeit
Das Unternehmen war in den Geschäftsfeldern
Personalberatung (***Ort2***)
Headhunting (***Ort2***)
Personalüberlassung (***Ort6***, ***Gem***, ***Ort3***, ***Ort7***, ***StGem***) tätig.
1.3. Geschäftsführung
Hr. ***GF2*** (bis Okt. 2014)
Hr. ***GF***
1.4. Niederlassungsleiter:
Hr. ***DF***, ***Ort6***
Hr. ***NL***, ***Gem***, ***Ort3***, ***StGem***
Hr. ***GF***, ***Ort7***
1.5. GPLA-Prüfungen
GPLA-Prüfungen wurden bei ***A-GmbH*** bis einschließlich 2011 durchgeführt, wobei betreffend Berechnung und Abgabenentrichtung der Kommunalsteuer keinerlei Beanstandungen festgestellt wurden. Aus diesem Grunde gab es auch seitens der Geschäftsführung keine Veranlassung an der bis dahin gehandhabten Praxis jegliche Zweifel aufkommen zu lassen, oder daran Änderungen vorzunehmen.
1.6. Aufgabenzuordnung im Unternehmen
1.6.1. Geschäftsführung
Gesamtleitung des Unternehmens inkl. Niederlassungen
Strategische Ausrichtung
Controlling
Sämtliche kaufmännischen Agenden
Preis- und Kalkulationsfestlegungen
Personalberatung
Headhunting
Kontakt zu key-accounts
1.6.2. Niederlassungsleiter
Gesamtes Tagesgeschäft
Akquisition und Betreuung der Kunden
Leitung Personal der Niederlassung
Zuteilung der Mitarbeiterinnen zu Niederlassungen und den jeweiligen Tätigkeiten
Akquisition, Beurteilung und Auswahl von Überlassungskräften
Monatliche Abrechnung der überlassenen Mitarbeiterinnen
1.7. Geschäftsverlauf Überlassungskräfte
Die Tätigkeit als Personalüberlasser wurde im Mai 2005 aufgenommen. Sie entwickelte sich extrem rasch, sodass die ***A-GmbH*** im Jahr 2007 bereits einen Umsatz von rd. 20 Mio EUR erzielte und damit im Bezirk ***Bzrk*** zum größten Anbieter wurde. Auf Grund des immensen Erfolgs, der sich auch im Geschäftsergebnis erfreulich niederschlug, erhielt unser Niederlassungsleiter freie Hand betreffend Ausübung des gesamten Tagesgeschäfts. Ebenso erteilten die Geschäftsführer im Jahr 2007 die Zustimmung zur Eröffnung einer weiteren Niederlassung in ***Gem***. Die Argumentation des Niederlassungsleiters für diese Entscheidung erschien plausibel, da zu diesem Zeitpunkt der Markt für zusätzliche Arbeitskräfte, die dringend benötigt wurden, im gesamten ******** ausgeschöpft war und neue Arbeitskräfte nur noch im Bezirk ***Bzrk1*** gefunden wurden. Außerdem argumentierte der Niederlassungsleiter damit, von der neuen Niederlassung (sein Wohnort) noch schneller und flexibler agieren zu können. Die positive, sehr erfreuliche Geschäftsentwicklung hielt auch in den Folgejahren an, weshalb die Geschäftsführung keinerlei Veranlassung hatte, an der geübten Aufgabenzuordnung irgendwelche Veränderungen vorzunehmen, oder die Freiheiten des Niederlassungsleiters in irgendeiner Form einzuschränken. Auch gab es keine Veranlassung, Mitteilungen über die Zuordnung von eigenen Mitarbeitern oder Überlassungskräften zu den einzelnen Niederlassungen in Zweifel zu ziehen.
2. Zu Ihren konkreten Fragen:
2.1. In welcher Betriebsstätte waren die Dienstnehmer hauptsächlich beschäftigt?
Es gab und gibt für die Geschäftsführung keinerlei Anlass oder Grund, an der Zuordnung der Dienstnehmer durch den Niederlassungsleiter, die an unsere ausgelagerte Buchhaltung bzw. Lohnverrechnung im Auftrag des Niederlassungsleiters gemeldet wurde, Zweifel zu erheben.
Wir gehen davon aus, dass die Zuordnung gemäß Meldung richtig war.
2.2. Zu welcher Betriebsstätte hatten die Dienstnehmer eine engere Beziehung?
Siehe Pkt. 2.1.
2.3. Wo wurden die Dienstverträge abgeschlossen?
Siehe auch dazu Pkt. 2.1.. Außerdem ist dies für die Zuordnung zu einer Betriebsstätte irrelevant, da dies auch an einem ausgelagerten Ort geschehen kann (z.B. Ausbildungsstätte in Fohnsdorf).
2.4. Zu welcher Betriebsstätte müssen die Dienstnehmer öfters hinkommen?
Auch hier gilt grundsätzlich Pkt. 2.1., es muss aber hinzugefügt werden, dass die Überlassungskräfte hauptsächlich an Ihrem Arbeitsplatz und dort vornehmlich vom Niederlassungsleiter betreut wurden.
2.5. Von wo aus werden sie konkret einem neuen Beschäftiger überlassen
Siehe Pkt.2.1.
2.6. Wo haben die Dienstnehmer ihre Arbeitsanweisungen erhalten
Meist am Arbeitsort, bei Fa. ***B-GmbH***, bereits am Freitag vor Dienstbeginn (Montag).
2.7. Wo haben sie angerufen, wenn es etwas zu klären gab?
Angerufen wurde fast generell per und auf Mobiltelefon.
2.8. Wo wurden Gerätschaften, Werkzeuge und ...?
Diesen Fall gab es nicht, da alle überlassenen Arbeitskräfte in der Produktion eines Industriebetriebes im Einsatz waren.
2.9. Stimmt es, dass der Geschäftsstellenleiter und Frau Mag. ***SB*** in ***Gem*** tätig waren?
Im Gespräch mit dem Prüfer vom Gemeindebund habe ich ausgeführt - wie in meiner nunmehrigen schriftlichen Stellungnahme, - dass es mir nicht möglich ist, eine Zuordnung von Mitarbeiterinnen vorzunehmen bzw. an der gemeldeten Zuordnung Veränderungen vorzunehmen. Ich habe aber festgehalten, dass es doch außer Zweifel sein müsste, dass der Niederlassungsleiter von ***Gem*** aus tätig war. Frau Mag. ***SB*** war schwerpunktmäßig für die Betreuung unseres Kunden, Fa. ***D-GmbH*** in ***Ort4***, zuständig und sollte daher auch außer Zweifel ***Gem*** zuzuordnen sein.
2.10. Welche Bemessungsgrundlage für die Kommunalsteuer wurde für die beiden ....?
Dazu kann ich Ihnen keine Auskunft geben, da die gesamte Lohnverrechnung und Buchhaltung an externe Firmen vergeben war. Vom Zeitraum 2007 bis 2010 war dies Fa. ********* (ehemals *****), von 2011 bis 2013 Fa. ***STB*** (Diese Unterlagen wurden an den Prüfer des Gemeindebundes ausgehändigt).
2.11. Wo war der Geschäftsführer ***GF*** vorwiegend tätig?
In der Zentrale in ***Ort2***.
2.12. Zu welcher Betriebsstätte hatte er die engere Beziehung?
zu ***Ort2*** und ***Ort6***, kurzzeitig auch zu ***Ort7***.
2.13. Welche Bemessungsgrundlage für die Kommunalsteuer wurde für Herrn ***GF*** ...?
Hier gilt grundsätzlich Pkt. 2.10., abgeführt wurde die Kommunalsteuer natürlich nach ***Ort2***.
2.14. Es wird um einen Vorschlag seitens ***A-GmbH*** betreffend Aufteilung ...?
Wir gehen weiter davon aus, dass die Kommunalsteuer durch die beauftragten Unternehmen, es handelt sich schließlich um renommierte Wirtschaftstreuhänder, korrekt berechnet und abgeführt wurde.
3. Abschließende Stellungnahme zum vorliegenden Fall
Es handelt sich nach unserem Ermessen um einen Streit zwischen zwei Gemeinden um eine mögliche Zuteilung von Kommunalsteuer. ***A-GmbH*** hat keinerlei Interesse in diesen Streit einbezogen zu werden. Nachdem ***A-GmbH*** bis einschließlich 2011 einer eingehenden GPLA-Prüfung unterzogen wurde, geht es offensichtlich nicht darum, ob ***A-GmbH*** die Kommunalsteuer der Höhe nach korrekt abgeführt hat, sondern um deren Zuteilung zu Gemeinden. In den Berichten der Gemeinden und des Gemeindebundes wird ebenso festgehalten, dass ***A-GmbH*** je eine Betriebsstätte in ***Gem*** und in ***StGem*** unterhielt, auch steht außer Zweifel, dass unser Niederlassungsleiter ausgezeichnete Arbeit geliefert hat. Es ist aus unserer Sicht daher anzuzweifeln, dass bei der Zuordnung von Mitarbeiterinnen zu einer Betriebsstätte von ihm fehlerhafte Mitteilungen erfolgt sein sollen. Abschließend möchten wir festhalten, dass ***A-GmbH*** während der gesamten Zeit unserer Tätigkeit in ***StGem*** und ***Gem*** eine korrekte und friktionsfreie Beziehung zu beiden Gemeinden pflegte und aufrecht erhielt.
…"
Angefochtener Bescheid
Mit Zuteilungsbescheid vom 9. Mai 2019, St.Nr. ***BF1StNr1*** sprach das damalige Finanzamt ***Ort2*** (nunmehr Finanzamt Österreich) aus:
"Gemäß § 10 Abs. 5 Kommunalsteuergesetz 1993 werden den nachstehend angeführten Gemeinden folgende Bemessungsgrundlage bzw. Anteile daran zugeteilt:
BMG Kommunalsteuer 2007:
|
Gemeinde
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Zuteilung
|
***Gem***
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1.568,16
|
***StGem***
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11.438.150,91
BMG Kommunalsteuer 2008:
|
Gemeinde
|
Zuteilung
|
***Gem***
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523.057,07
|
***StGem***
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9.333.566,54
BMG Kommunalsteuer 2009:
|
Gemeinde
|
Zuteilung
|
***Gem***
|
395.190,10
|
***StGem***
|
7.485.489,48
BMG Kommunalsteuer 2010:
|
Gemeinde
|
Zuteilung
|
***Gem***
|
427.711,73
|
***StGem***
|
8.286.620,98
BMG Kommunalsteuer 2011:
|
Gemeinde
|
Zuteilung
|
***Gem***
|
357.401,06
|
***StGem***
|
7.339.404,78
BMG Kommunalsteuer 2012:
|
Gemeinde
|
Zuteilung
|
***Gem***
|
201.964,67
|
***StGem***
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6.595.816,29
BMG Kommunalsteuer 2013:
|
Gemeinde
|
Zuteilung
|
***Gem***
|
91.025,10
|
***StGem***
|
1.622.385,12
Gleichlautende Bescheide ergingen an die Stadtgemeinde ***StGem***, an die ***Bf1*** sowie an die ***A-GmbH*** in Liqu.
Den angefochtenen Bescheiden liegen folgende Sachverhaltsannahmen zugrunde:
"Die ***A-GmbH***, die sich bereits in Liquidation befindet, war eine Gesellschaft mit Firmensitz in ***Ort2*** (Zentrale) und Niederlassungen in ***Ort6***, ***Gem***, ***Ort3***, ***Ort7***, ***StGem***. Das Unternehmen war in den Geschäftsfeldern Personalberatung (***Ort2***), Headhunting (***Ort2***) und Personalüberlassung (***Ort6***, ***Gem***, ***Ort3***, ***Ort7***, ***StGem***) tätig.
In der Geschäftsführung sind bzw. waren Herr ***GF2*** (bis Okt 2014) und Herr ***GF*** tätig. Als Niederlassungsleiter waren Herr ***DF*** (***Ort6***), Herr ***NL*** (***Gem***, ***Ort3***, ***StGem***) und Herr ***GF*** (***Ort7***) tätig.
Aufgabenbereiche der Niederlassungsleiter waren:
• Gesamtes Tagesgeschäft
• Akquisition und Betreuung der Kunden
• Leitung Personal der Niederlassung
• Zuteilung der Mitarbeiterinnen zu Niederlassungen und den jeweiligen Tätigkeiten
• Akquisition, Beurteilung und Auswahl von Überlassungskräften
• Monatliche Abrechnung der überlassenen Mitarbeiterinnen
Betriebsstätte ***StGem***:
Diese Betriebsstätte war ca. 70 m2 groß und hatte zusätzlich ein Lager. Laut Auskunft vom 04.07.2017 im Rahmen der Kommunalsteuer-Nachschau des Gemeindebundes ****** gab der Geschäftsführer Herr ***GF*** an, dass die Mitarbeiter, die bei der ***B-GmbH*** und bei ***D-GmbH*** beschäftigt waren, von dort aus betreut wurden.
Betriebsstätte ***Gem***:
Im Jahr 2007 wurde in ***Gem*** eine weitere Niederlassung eröffnet, wo sich das Büro des Geschäftsstellenleiters Herr ***NL*** befand, der dort die Überlassungsverträge unterzeichnen ließ. Weiters war dort auch Frau Mag. ***SB*** tätig. Die Größe des Büros betrug ca. 15 m2. In ***Gem*** war auch der Wohnort von Herrn ***NL***.
Der Geschäftsführer gab weiters bei einer Besprechung am 04.07.2017 an, dass die Dienstnehmer grundsätzlich eine engere Beziehung zur Betriebsstätte in ***StGem*** gehabt hätten. In ***Gem*** sind nur die Überlassungsverträge unterzeichnet worden.
Von der ***A-GmbH*** konnten bis zum Jahr 2013 keine Unterlagen vorgelegt werden, da diese bei der Räumung des Büros vernichtet wurden. Es sind somit keine Verträge, Überlassungsvereinbarungen, Stundenaufzeichnungen,... mehr vorhanden.
Ein Angebot an einen Produktionsbetrieb in ***StGem*** seitens der ***A-GmbH*** vom 03.06.2005 liegt dem Finanzamt ***Ort2*** vor. Darin wurde von der ***A-GmbH*** ein Lösungsvorschlag ausgeführt, dass "eine am Standort ***StGem*** angesiedelte Niederlassung eines Arbeitskräfteüberlassers die einzig sinnvolle Vorgehensweise darstelle. Nur dadurch kann sichergestellt werden, dass in enger Kooperation mit dem Beschäftiger Arbeitskräfte am lokalen Markt - und dies ist bei Hilfskräften bei denen die Mobilität über größere Strecken unrealistisch ist, aus unserer Sicht unumgänglich notwendig, - gewährleistet werden kann. Weiters sichern die kurzen Kommunikationswege eine möglichst rasche Dispositionszeit..."
Ein weiteres Schreiben über die "Ergänzung zur Zusammenarbeitsvereinbarung" vom 25.06.2010 wurde mit einem Firmenstempel "***A-GmbH***, ***Adr.2***" gezeichnet und der Ort des Schreibens lautete ebenfalls auf ***StGem***. Auch eine Standtelefonnummer in ***StGem*** war angegeben.
Im Anhang der Mails von Frau Mag. ***SB*** (z.B. vom 27.10.2009 und vom 03.12.2009) ist ebenfalls die Niederlassung in ***StGem*** mit Telefonanschluss und Fax-Nummer angeführt.
Von der Bezirkshauptmannschaft ***Bzrk*** wurde die Rechtswirksamkeit der Beendigung der Betriebsstätte in ***StGem*** mit 31.07.2013 datiert."
Nach Darstellung der Rechtslage führte das Finanzamt in rechtlicher Hinsicht aus:
"…
Im konkreten Fall hat die ***A-GmbH*** mehrere Betriebsstätten unterhalten. Den Gegenstand des vorliegenden Sachverhaltes bildet die Frage, welcher der beteiligten Gemeinden - ***StGem*** oder ***Gem*** - die Kommunalsteuer für die betroffenen Jahre 2007 bis 2013 im Zusammenhang mit der Überlassung von Leiharbeitskräften für die ersten sechs Monate zusteht.
Die Zuordnung der Bemessungsgrundlage der Kommunalsteuer für den Geschäftsführer ***GF*** wurde ***Ort2*** zugeteilt, was außer Streit steht.
Die Zuteilung der Kommunalsteuer von Herrn ***NL*** und Frau Mag. ***SB*** an die ***Bf1*** wird ebenfalls außer Streit gestellt. Für Herrn ***NL*** ergibt sich dies aus den Aufgabengebieten des Niederlassungsleiters laut den obigen Ausführung des Geschäftsführers vom 11.12.2018.
Fraglich ist, welcher Betriebsstätte - ***Gem*** oder ***StGem*** - die Kommunalsteuer der übrigen Dienstnehmer von ***A-GmbH*** zuzuteilen sind.
...
Entscheidend ist, ob die Dienstnehmer eine engere Beziehung zum Standort in ***StGem*** oder in ***Gem*** gehabt haben. Die Standorte ***StGem*** und ***Gem*** existieren nicht mehr. Auf Grund der vorliegenden Unterlagen wird vom Finanzamt ***Ort2*** Folgendes vertreten:
Die Stellungnahme von der ***Bf1***, dass gem. § 29 Abs. 2 BAO NUR die Stätte, an der sich die Geschäftsleitung befinde, eine Betriebsstätte ist, stimmt nicht. Es können auch Zweigniederlassungen bzw. Geschäftstellen, die dem Unternehmer zur Ausübung des "Betriebes" dienen, Betriebsstätten im Sinne des § 29 Abs. 2 BAO sein.
Als Betriebstätte im Sinne des § 29 Abs. 2 BAO gilt auch eine Niederlassung. Dass eine Niederlassung in der Gemeinde ***StGem*** vorliegt, wird durch das Angebot der ***A-GmbH*** vom 03.06.2005 durch einen Firmenstempel bestätigt. Auch eine Standtelefonnummer wurde dort angegeben. Außerdem wird im Angebot ausdrücklich darauf verwiesen, dass "in enger Kooperation mit dem Beschäftiger in ***StGem*** Arbeitskräfte am lokalen Markt gewährleistet werden können". In den Mails von Frau Mag. ***SB*** ist ebenfalls als Signatur die Niederlassung in ***StGem*** angegeben.
Diese Tatsachen legen den Schluss nahe, dass sich in ***StGem*** ein Servicebüro bzw. eine Anlaufstelle für die Dienstnehmer der ***A-GmbH*** befand. Auch nach Ansicht des Erkenntnisses des VwGH vom 21.10.2015, 2012/13/0085 kann eine mittelbare Betriebsstätte der ***A-GmbH*** angenommen werden, da die Dienstnehmer der ***A-GmbH*** bei ***B-GmbH*** GmbH, ein Hauptbeschäftiger der ***A-GmbH***, in ***StGem*** gearbeitet haben. Dies ist laut dem Erkenntnis des VwGH als mittelbare Betriebsstätte der Überlasserfirma zu sehen, weil auch am Ort der Beschäftigung eine kommunalsteuerrechtliche Betriebsstätte im Sinne des Kommunalsteuergesetzes gegeben sein kann. Laut Auskunft der Geschäftsführung der ***A-GmbH*** vom 11.12.2018 waren die Dienstnehmer der ***A-GmbH*** bei ***B-GmbH*** in ***StGem*** beschäftigt. Sie haben dort auch ihre Arbeitsanweisungen erhalten. Dies spricht auch für eine mittelbare Betriebsstätte von ***A-GmbH***.
Die ursprüngliche Stellungnahme des Geschäftsführers Herr ***GF***, dass die Dienstnehmer eine engere Beziehung zu ***StGem*** gehabt haben und dass die Betreuung von ***StGem*** aus stattfand, erscheint glaubwürdig. Weitere verfügbare Unterlagen der ***A-GmbH*** zu dieser Thematik liegen dem Finanzamt ***Ort2*** nicht vor.
Man kann davon ausgehen, dass die Dienstnehmer zur Niederlassung in ***StGem*** einen engeren Kontakt hatten, da laut den Unterlagen keinerlei Indiz gegeben ist, dass ein Kontakt zur Niederlassung in der ***Bf1*** bestand, wenn auch laut Stellungnahme der ***Bf1*** die Verträge aller Neuaufnahmen ausschließlich im Büro in ***Gem*** unterschrieben wurden.
Auf Grund der dem Finanzamt vorliegenden Unterlagen wird eine Betriebsstätte in der Gemeinde ***StGem*** angenommen und die Bemessungsgrundlage der Kommunalsteuer für die Dienstnehmer, ausgenommen Herr ***NL*** und Frau Mag. ***SB***, ***StGem*** zugeordnet.
Aus verwaltungsökonomischen Gründen wurden die Kommunalsteuer-Bemessungsgrundlagen vom Gemeindebund ****** für die Stadtgemeinde ***StGem*** für die Jahre 2011 bis 2013 herangezogen.
Für die Monate November 2007 bis Dezember 2010 wurden der Finanzverwaltung keine Unterlagen für die Aufteilung der Kommunalsteuer an die Stadtgemeinde ***StGem*** und der ***Bf1*** vorgelegt. Weder vom Unternehmen noch von den zuständigen steuerlichen Vertretungen des Unternehmens gab es dazu Unterlagen.
Es wurden daher die Bemessungsgrundlagen der Kommunalsteuer für die Jahre 2008 bis 2010 von der Finanzverwaltung auf Grundlage der Lohnzettel von Herrn ***NL*** und Frau Mag. ***SB*** als Bemessungsgrundlage für die ***Bf1*** herangezogen. Für die Monate November und Dezember 2007 bleibt es mangels Nachweise für die einzelnen Monate bei den erklärten Bemessungsgrundlagen betreffend Kommunalsteuer für die beiden Gemeinden und mangels Daten für die monatlichen Bemessungsgrundlagen der Kommunalsteuer der ***Bf1*** werden die Bemessungsgrundlagen für das gesamte Jahr 2007 angegeben."
Eine Bescheidbeilage beinhaltet folgende Aufstellung:
[...]
Beschwerde
Gegen diesen Bescheid erhob die ***Bf1*** mit Schriftsatz vom 17. Juni 2019 Beschwerde.
Dies im Wesentlichen mit folgender Begründung:
Eingangs werde der Einwand der Verjährung erhoben. Abgesehen vom teilweisen Eintritt der absoluten Verjährung des § 209 Abs. 3 BAO sei insbesondere auch Festsetzungs- bzw. Bemessungsverjährung für Abgabenansprüche aus 2013 mit Ablauf des Jahres 2018 eingetreten, für Abgabenansprüche aus 2012 mit Ablauf des Jahres 2017 usw., sodass der angefochtene Bescheid schon aus diesen Gründen zu beheben sein werde.
Mit dem angefochtenen Bescheid habe die belangte Behörde festgestellt, dass der Beschwerdeführerin für den Zeitraum November 2007 bis Ende 2013, bezogen auf die in Liquidation befindliche ***A-GmbH*** in Liqu., (erstmitbeteiligte Partei, in der Folge auch "***A-GmbH***" und "Arbeitskräfteüberlasser"), erklärte Kommunalsteuer in dem im bekämpften Bescheid näher ausgeführten Ausmaß nicht zustehe, sondern dass diese Kommunalsteuer der Stadtgemeinde ***StGem*** (zweitmitbeteiligte Partei) zukomme. Die belangte Behörde begründe dies im bekämpften Bescheid damit, dass verschiedene, von ***A-GmbH*** an den Beschäftiger überlassene Arbeitskräfte, hinsichtlich derer die bescheidgegenständliche Kommunalsteuer entrichtet und eingehoben worden sei, ihren engsten Bezug im Sinne der Bestimmungen des KommStG nicht zur Beschwerdeführerin, sondern vielmehr zur Gemeinde ***StGem***, der zweitmitbeteiligten Partei, gehabt hätten.
Die Feststellungen der belangten Behörde und ihre daraus erfließende rechtliche Beurteilung sei unzutreffend. ***A-GmbH***, deren Unternehmenssitz ***Ort2*** gewesen sei und sei, habe Ende 2007 eine Niederlassung in ***Gem*** etabliert, welche sie am 09.01.2008 mit Rechtswirksamkeit vom 03.01.2008 auch als weitere Betriebsstätte bei der Bezirkshauptmannschaft ***Bzrk1*** angezeigt habe. Dies ergebe sich auch aus der Verständigung der Bezirkshauptmannschaft ***Bzrk1*** vom 09.01.2008, welche als Beilage ./1 vorgelegt werde.
Der seinerzeitige Geschäftsstellenleiter der Niederlassung ***Gem*** der ***A-GmbH***, Herr ***NL***, habe am 28.05.2019 Folgendes zu Protokoll gegeben (Beilage ./2):
"Die ***A-GmbH*** ("***A-GmbH***"), Sitz ***Ort2***, hatte Ende 2007 in ***Gem*** eine Niederlassung errichtet und diese am 09.01.2008 bei der Bezirkshauptmannschaft ***Bzrk1*** als weitere Betriebsstätte angemeldet. In dieser Niederlassung war ich seit Ende 2007 Geschäftsstellenleiter. Gegenstand der Niederlassung war das reglementierte Gewerbe der Überlassung von Arbeitskräften. Wir haben ursprünglich ausschließlich für die Firma ***B-GmbH*** ("***B-GmbH***"), ***StGem***, Zeitarbeitskräfte in umfangreichem Ausmaß rekrutiert. Wir waren sozusagen das verlängerte Personalbüro von ***B-GmbH***. ***B-GmbH*** ***StGem*** wollte sich nicht mit Bewerbern auseinandersetzen, die Personalrekrutierung sollte in ***Gem***, erfolgen und tat dies auch. ***A-GmbH*** hatte zwar 2004 eine Niederlassung in ***StGem*** gegründet, ab Gründung der Niederlassung in ***Gem*** Ende 2007 wurden aber insbesondere die Rekrutierung und Lenkung von qualifizierten, vom Auftraggeber angeforderten Zeitarbeitskräften über die Niederlassung ***Gem*** geführt. In der Niederlassung ***Gem*** waren somit ab Ende 2007 die strategische Planung, der Resourceneinsatz, das Managen der Bewerber, der Aufbau und der Rückbau des Zeitarbeitspersonals angesiedelt. Mit der Gründung der Niederlassung ***Gem*** verlagerten sich die erwähnten Tätigkeiten von ***A-GmbH*** ***StGem*** in das dann führende "Headquarter ***Gem***".
Aus der Niederlassung ***Gem*** entwickelten sich in weiterer Folge im Sinne von Innovationsschüben weitere Geschäftsabschlüsse mit dem Ziel, unabhängiger von einem Auftraggeber (***B-GmbH***) zu sein. Die Bedeutung der Niederlassung ***Gem*** stieg sukzessive weit über den Zeitarbeits-Personaleinsatz für ***B-GmbH*** ***StGem*** hinaus. ***A-GmbH*** ***Gem*** arbeitete auch eng mit den regionalen Geschäftsstellen des AMS zusammen. Die Verfügbarkeit der Arbeitskräfte im *** war ab 2007 sehr beschränkt, da sich zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe etablierten. ***B-GmbH*** hatte einen hohen Arbeitskräftebedarf, der professionell über ***A-GmbH*** ***Gem*** bedient wurde.
Ich bin in ***Gem*** geboren, war vor meiner Tätigkeit bei ***A-GmbH*** jahrzehntelang Betriebsleiter in verschiedenen Produktionsbetrieben und habe aufgrund meiner Erfahrung und meiner Herkunft die Niederlassung ***Gem*** der ***A-GmbH*** als zentrale Drehscheibe gegründet und geführt. ***B-GmbH*** war für die ***Bf1*** der größte und bedeutendste Arbeitgeber und Lehrlingsausbildner und benötigte sowohl männliche als auch weibliche Arbeitskräfte. ***Gem*** liegt neun Kilometer von ***B-GmbH*** ***StGem*** entfernt.
Die Personalverrechnung, Krankmeldungen, Urlaubsmeldungen und weitere laufende administrative Tätigkeiten waren, soweit sie nicht über die Niederlassung ***Gem*** in der neben mir auch eine vollzeitbeschäftigte Mitarbeiterin tätig war, geführt wurden, an die ***** in ***Ort2*** ausgelagert.
Das Angebot und der ursprüngliche Arbeitskräfteüberlassungsvertrag mit ***B-GmbH*** waren 2005 noch über die Niederlassung ***StGem*** von ***A-GmbH*** abgeschlossen worden. Ab Ende 2007 wurden die weiteren diesbezüglichen Vereinbarungen (Nachtragsofferte aufgrund kollektivvertraglicher Änderungen etc.) von mir über die Niederlassung ***Gem*** abgewickelt, dies unbeschadet der Tatsache, dass laut Zuteilungsbescheiden November 2007 bis Dezember 2013 des Finanzamtes ***Ort2*** der Firmenstempel und die Signatur der Niederlassung ***StGem*** verwendet wurden.
Eine Beziehung der bei ***B-GmbH*** von Ende November 2007 bis Ende 2013 eingesetzten Zeitarbeitskräfte zur Niederlassung von ***A-GmbH*** in ***StGem*** bestand zwar. Die ungleich engere Beziehung dieser Zeitarbeitskräfte bestand aber zur Niederlassung der ***A-GmbH*** in ***Gem***, wo ich meinen Sitz hatte.
***NL***"
Wie insbesondere auch die in Beilage ./2 formulierte Aussage des seinerzeitigen Geschäftsstellenleiters der Niederlassung ***Gem*** der ***A-GmbH*** als Arbeitskräfteüberlasser eindeutig belege, habe der nach der einschlägigen Judikatur relevante engste Bezug der kommunalsteuerrelevanten Arbeitnehmer eindeutig zur Gemeinde der Beschwerdeführerin, nämlich ***Gem***, und nicht zu der im angefochtenen Bescheid festgestellten Stadtgemeinde ***StGem*** bestanden. In beiden genannten Gemeinden bestanden Niederlassungen des Arbeitskräfteüberlassers. Bescheidgegenständlich sei die Kommunalsteuer von durch diesen Arbeitskräfteüberlasser verschiedenen Beschäftigern zur Verfügung gestellter Zeitarbeitskräfte für die ersten sechs Monate der Beschäftigung.
Der VwGH habe in ständiger Rechtsprechung, beispielsweise in seinem von der belangten Behörde im angefochtenen Bescheid zitierten Erkenntnis vom 16.12.1994, ZI. 92/17/0102, festgestellt, dass es entscheidend sei, zu welcher von mehreren Betriebsstätten die engere ständige Beziehung bestehe, was von verschiedenen Faktoren abhängig sei.
In der Berufungsentscheidung vom 08.03.2012, RV/3748-W/10 habe der Unabhängige Finanzsenat diese "engste oder engere Beziehung" mit weiteren Beispielen belegt.
Wie Beilage ./2 beweise, sei die Geschäftsstelle des Arbeitskräfteüberlassers in ***Gem*** sozusagen das verlängerte Personalbüro des in ***StGem*** ansässigen Beschäftigers (***B-GmbH***) gewesen. In der Niederlassung des Arbeitskräfteüberlassers in ***Gem*** seien die Rekrutierung, die strategische Planung, der Ressourceneinsatz, das Managen, der Aufbau und der Rückbau der überlassenen Zeitarbeitskräfte erfolgt.
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Normen und Schlagworte
- § 207 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 10 Abs. 5 KommStG 1993, Kommunalsteuergesetz 1993, BGBl. Nr. 819/1993
- § 4 KommStG 1993, Kommunalsteuergesetz 1993, BGBl. Nr. 819/1993
- § 7 Abs. 1 KommStG 1993, Kommunalsteuergesetz 1993, BGBl. Nr. 819/1993
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5100366/2021
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2024:RV.5100366.2021
- Stammnummer
- 146151
- Gültig
- 05.11.2024 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF