Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7102648/2020
Kapitalertragsteuer: Verdeckte Ausschüttung durch Forderungsverzicht vor Konkurseröffnung
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7102648/2020vom 18.04.2023Teil 1 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Wird dem Insolvenzverwalter eine Forderung an eine nahe stehende Gesellschaft nicht zur Kenntnis gebracht, darf die Abgabenbehörde aus diesem Umstand schließen, dass auf die Forderung verzichtet wurde, wobei angenommen werden darf, dass der Entschluss zum Zeitpunkt der Konkurseröffnung bereits gefasst war.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch den ***Einzelrichter*** über die Beschwerde des ***Bf***, ***Bf-Adr***, vertreten durch ***, vom 01.10.2019 gegen den Bescheid des Finanzamtes Wien 12/13/14 Purkersdorf vom 26.08.2019 betreffend Haftung für Kapitalertragsteuer für 2013 zu Recht erkannt:
Die Beschwerde wird als unbegründet abgewiesen.
Gegen dieses Erkenntnis ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Entscheidungsgründe
Der Beschwerdeführer war Gesellschafter und Geschäftsführer der mit Gesellschaftsvertrag vom 08.11.1993 gegründeten ***X-GmbH-alt*** (ab 05.10.2011: ***X-GmbH-neu***; siehe Firmenbuchauszug vom 11.01.2019, OZ 56).
Mit Generalunternehmervertrag vom 01.04.2005 (OZ 72/58) beauftragte die ***X-GmbH-alt*** die ***A-AG*** um 21.329.000 € mit der Errichtung einer *** Anlage auf dem der ***X-GmbH-alt*** gehörenden "mit Teilungsplan GZ *** vom 08.05.2002 neu geschaffenen Bauplatz D (Grundstück *** neu) im Ausmaß von ca. 6.467 m2 derzeit inliegend der EZ ***X*** (Neu), GB ***".
Mit Sacheinlagevertrag vom 11.9.2008 (OZ 35) brachte die ***X-GmbH-alt*** die Liegenschaft EZ ***X***, GB ***, BG ***, in die ***T-GmbH*** (eine mit Erklärung vom 24.07.2008 errichtete 100%ige Tochtergesellschaft) zum Buchwert von 520.258,79 € ein (siehe den Jahresabschluss zum 31.12.2008, OZ 21/15).
Mit Kauf- und Abtretungsvertrag vom 27.10.2008 (OZ 36) verkaufte die ***Y-GmbH die ***T-GmbH*** um den Kaufpreis von 520.258,79 € an die (im Jahr 2005 von ***K*** errichtete) ***K-GmbH*** (99,8%) und ***K*** (0,2%).
Mit einem weiteren Vertrag vom 27.10.2008 (OZ 37) vereinbarte eine andere Gesellschaft des Beschwerdeführers, die ***Y-GmbH-alt*** (Gesellschafter und Geschäftsführer: der Beschwerdeführer; später: ***Y-GmbH-neu***; siehe Firmenbuchauszug OZ 47) mit der ***K-GmbH*** die Überlassung von "Know how" zur Errichtung der ***-Anlage ***, und zwar insbesondere Konzeptunterlagen, das Konvolut aus Einreichplänen, Studien zur Frequenzentwicklung sowie Durchrechnungen und Businessplan. Als Kaufpreis nennt die Vereinbarung den Betrag von 4.229.741,21 € (zuzüglich Umsatzsteuer).
Mit Urteil des Handelsgerichts Wien vom 11.04.2013 (OZ 40) wurden die ***X-GmbH-neu*** (vormals: ***X-GmbH-alt***) und der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit dem Generalunternehmervertrag schuldig gesprochen, der ***A-GmbH*** (vormals: ***A-AG***) 2,5 Mio. € (samt Zinsen) zu zahlen.
Mit Beschluss des Handelsgerichts Wien vom 13.07.2013 wurde der Beschwerdeführer als Gesellschafter der ***X-GmbH-neu*** im Firmenbuch gelöscht und ***S*** als Gesellschafter eingetragen. Mit Beschluss des Handelsgerichts Wien vom 19.07.2013 wurde der Beschwerdeführer auch als Geschäftsführer der ***X-GmbH-neu*** im Firmenbuch gelöscht und ***S*** als Geschäftsführer eingetragen (siehe Firmenbuchauszug vom 11.01.2019, OZ 56).
Mit Beschluss des Handelsgerichts Wien vom 20.08.2013 wurde der Konkurs (aufgrund eines eigenen Konkursantrages am 03.07.2013) eröffnet und die Gesellschaft infolge Eröffnung des Konkursverfahrens aufgelöst (siehe Firmenbuchauszug vom 11.01.2019, OZ 56).
Mit Beschluss des Handelsgerichts Wien vom 26.06.2014 wurde der Konkurs nach Schlussverteilung aufgehoben und die Gesellschaft am 03.09.2014 gemäß § 40 FBG wegen Vermögenslosigkeit amtswegig gelöscht (siehe Firmenbuchauszug vom 11.01.2019, OZ 56).
Aus einer von der ***A-GmbH*** (vormals ***A-AG***) und der ***B-GmbH-neu*** (vormals ***B-GmbH-alt***) eingebrachten Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Wien vom 16.11.2017 (OZ 72) geht hervor, es bestehe der dringende Verdacht, dass der Beschwerdeführer als (Mit-)Gesellschafter und Geschäftsführer der "***X-GmbH-alt***" - im Zusammenwirken mit weiteren Personen - dieser Gesellschaft gezielt ihre Vermögenswerte entzogen und die Gesellschaft in die Insolvenz geführt habe, um dadurch die Einschreiterinnen als Gläubiger der Gesellschaft an deren Vermögen zu schädigen. Die Forderungen der zur "***A-Gruppe***" gehörenden Einschreiterinnen stünden außer Zweifel und seien gerichtlich tituliert: Die Ersteinschreiterin hätte einen Anspruch auf Zahlung einer Vertragsstrafe von 2,5 Mio € (zzgl 8 % Zinsen) gegen die ***X-GmbH-alt*** gehabt. Die Zweiteinschreiterin hätte einen Anspruch auf Ersatz des Entsorgungsaufwandes für Bodenverunreinigungen gegen die ***X-GmbH-alt*** aus einem Liegenschaftskaufvertrag gehabt; der diesbezügliche Entsorgungsaufwand betrage 1,3 Mio € (inkl. USt). Im Lichte der vorgenannten Ansprüche habe der Beschwerdeführer einen systematischen Abfluss der Vermögenswerte der ***X-GmbH-alt*** veranlasst. Die diesbezügliche Vorgangsweise sei durch internen Mailverkehr des Beschwerdeführers mit seinen Beratern belegt. In diesen Mails sprächen die Akteure davon, dass es das "***Problem-A***" zu lösen gelte und eine "Konstruktion" zu finden sei, bei der die "Pönale" an ***A*** hinfällig werde. Diese Vorgangsweise habe darin bestanden, nach Entzug der Barmittel der ***X-GmbH-alt*** im Wege von Darlehensgewährungen samt nachfolgender "Gegenverrechnung" der Darlehensforderungen mit behaupteten Gegenansprüchen der Darlehensnehmer den letzten verbliebenen Vermögenswert der Gesellschaft - eine Liegenschaft zur Errichtung einer *** Anlage im Wert von fast 4,5 Mio € - zu einem Bruchteil ihres Werts in eine Tochtergesellschaft einzubringen und die Anteile an dieser Tochtergesellschaft an einen Treuhänder der "***W-Gruppe***" abzutreten. Die Differenz zum wahren Wert der mit dieser Liegenschaft ausgestatteten Tochtergesellschaft habe sich der Beschwerdeführer im Wege eines "Know-How-Vertrags" an eine andere (ihm gehörende) Gesellschaft überweisen lassen. Aufgrund der aus dieser Vermögensverbringung resultierenden Vermögenslosigkeit sei es zur Insolvenz der ***X-GmbH-alt*** gekommen; die beiden Einschreiterinnen hätten nur einen Bruchteil ihrer Forderungen erhalten und einen Befriedigungsausfall von weit über 3 Mio. € erlitten (Seite 2). Die ***K-GmbH*** (als zwischengeschalteter Treuhänder zur Verschleierung der Vorgänge) habe die ***T-GmbH*** von der ***X-GmbH-alt*** weit unter Wert erworben und die Anteile an dieser Gesellschaft rund zwei Wochen später an die "***W-Gruppe***" abgetreten (Seite 5). Die für die Einbringung der Liegenschaft in die ***T-GmbH*** notwendige Bewertung der *** Liegenschaft habe ein naher Verwandter (nach den vorliegenden Indizien: Bruder) des Beschwerdeführers, nämlich Baumeister Ing. ***B*** durchgeführt und dabei unrichtigerweise bestätigt, dass der Verkehrswert der Liegenschaft dem Buchwert entsprochen habe. Ing. ***B*** sei auch Geschäftsführer der ***Y-GmbH (Seite 7). ***K*** habe als Treuhänder der "***W-Gruppe***" zunächst die ***T-GmbH*** mit seiner ***K-GmbH*** übernommen und die Gesellschaftsanteile hernach binnen kürzester Zeit an die "***W-Gruppe***" abgetreten. Er habe auch im Wege eines "Know-How-Vertrags" die Bezahlung des Differenzbetrags zum wahren wirtschaftlichen Wert der *** Liegenschaft an den Beschwerdeführer bewirkt. Die diesbezüglichen Geldmittel stammten von Treugeberseite, also von der "***W-Gruppe***" (Seite 7). Die ***X-GmbH-alt*** sei nach dem Generalunternehmervertrag verpflichtet gewesen, bis längstens 31.12.2008 eine Förderzusage der Stadt Wien hinsichtlich der *** Anlage einzuholen, widrigenfalls der ***A-AG*** ein Rücktrittsrecht und eine Pönalzahlung von 2,5 Mio € zustehe. Die ***X-GmbH-alt*** habe das erforderliche Förderungsansuchen nicht eingereicht. Der ***A-AG*** sei daraufhin keine andere Möglichkeit verblieben, als die vertraglich bedungene Vertragsstrafe gerichtlich einzuklagen. Das HG Wien habe der ***A-AG*** diesen Anspruch rechtskräftig zuerkannt (Seite 9). Der zweite Anspruch resultiere aus Kontaminationsschäden jener Liegenschaften, die von der ***X-GmbH-alt*** erworben worden seien. Die ***X-GmbH-alt*** habe sich vertraglich verpflichtet gehabt, die für deren Entsorgung anfallenden Kosten zu tragen. Die zu erwartenden Entsorgungskosten seien mit bis zu 2,8 Mio € geschätzt worden. Das HG Wien habe schließlich mit Urteil festgestellt, dass die ***X-GmbH-alt*** dem Grunde nach verpflichtet sei, die Kosten der Dekontamination der Grundstücke zu tragen (Seite 10). Die Vermögensverringerung der ***X-GmbH-alt*** sei zunächst im Wege intransparenter Darlehensvergaben mit nachfolgenden - ebenso intransparenten - Gegenverrechnungen der Darlehensforderungen mit angeblichen Forderungen der Darlehensnehmer erfolgt. Aber selbst der einzig verbliebene Vermögensgegenstand der ***X-GmbH-alt***, die ***-Liegenschaft, hätte - wie sich aus der Zahlung der Wertdifferenz von Buch- und Verkehrswert der Liegenschaft in Höhe von 4,2 Mio € ersehen lässt - immer noch zur Abdeckung der Forderungen der Einschreiterinnen hingereicht. Die Vermögensverringerung der ***X-GmbH-alt*** sei daher ganz gezielt auch im Wege der unterpreisigen Veräußerung des letzten verbliebenen Vermögenswerts der Gesellschaft, eben der ***-Liegenschaft, an die "***W-Gruppe***" erfolgt (Seite 20).
Zum Streitpunkt:
Strittig ist, ob die ***X-GmbH-neu*** im Kalenderjahr 2013 auf die Forderung an die ***Z-GmbH*** verzichtet und dadurch eine verdeckte Ausschüttung an den Beschwerdeführer bewirkt hat.
Die ***Z-GmbH*** ist eine mit Erklärung vom 30.04.1997 errichtete Gesellschaft. Gesellschafter und Geschäftsführer ist der Beschwerdeführer (siehe Firmenbuchauszug vom 12.08.2019, OZ 60).
In einer E-Mail vom 04.06.2009 (OZ 48) wurde der Beschwerdeführer von seinem Rechtsanwalt Dr. ***R*** im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit mit der ***A-AG*** (später ***A-GmbH***) darauf hingewiesen, dass ihm bei der bei Durchsicht der Bilanzen aufgefallen sei, dass zum 31.12.2007 Forderungen gegenüber dem Beschwerdeführer (2,527.318,90 €), der ***Z-GmbH*** (367.285,87 €) und der ***Y-GmbH-alt*** (1,562.343,75 €) ausgewiesen seien. Diese Forderungen stellten "selbstverständlich ebenfalls Aktiva der Gesellschaft dar, die gegebenenfalls zur Befriedigung von Gläubigern herangezogen werden müssten, sofern sie noch aufrecht vorhanden" seien.
Im (am 31.07.2012 aufgestellten und letzten vor Konkurseröffnung erstellten) Jahresabschluss der ***X-GmbH-neu*** (vormals ***X-GmbH-alt***) zum 31.12.2011 (OZ 30) ist die Forderung an die ***Z-GmbH*** mit dem Betrag von 438.708,41 € ausgewiesen (siehe Seite 6; siehe auch das Konto "2310 Darl. ***Z-GmbH***" auf der Saldenliste per 31.12.2011, OZ 31, auf der Saldenliste Sachkonten Jänner-Dezember 2011, OZ 32, und auf dem Kontenausdruck für das Jahr 2011 vom 11.09.2018, OZ 65).
In den Jahren 2012 und 2013 erhielt die ***X-GmbH-neu*** von der ***Z-GmbH*** folgende Zahlungen von insgesamt 46.500 € an die (siehe OZ 49).
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OZ/Seite
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Buchungsdatum Eingang Bankkonto
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Rückzahlungsbetrag
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12.10.2012
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4.000 €
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50/3
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13.12.2012
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13.000 €
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53/21
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29.01.2013
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9.500 €
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53/20
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14.03.2013
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7.000 €
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19.03.2013
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1.000 €
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53/19
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29.04.2013
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3.000 €
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53/18
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05.06.2013
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3.000 €
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53/17
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03.07.2013
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4.000 €
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53/14
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24.07.2013
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2.000 €
Im Schlussbericht der Masseverwalterin der ***X-GmbH-neu*** vom 06.05.2014 (OZ 54) ist zu den Aktiven und Passiven ausgeführt, dass aus der Einbringung der Liegenschaft in die Tochtergesellschaft und der anschließenden Abtretung der Gesellschaftsanteile an dieser Tochtergesellschaft zum Buchwert der eingebrachten Liegenschaft keine weiter zu verfolgenden Aktivansprüche der Schuldnerin hätten festgestellt werden können. Als einziger verbleibender Aktivanspruch stünden zuletzt noch Regressforderungen gegen den ehemaligen Verkäufer der Liegenschaft aufgrund der Kontamination der Liegenschaft im Raum. (Seite 2).
Im (vom Beschwerdeführer am 25.08.2014 unterzeichneten) Jahresabschluss der ***Z-GmbH*** zum 31.12.2013 (OZ 52) ist unter "Sonstige Verbindlichkeiten" für das Konto "3725 Darlehen ***X-GmbH-neu***" der Betrag von Null € ausgewiesen (ausgewiesener Vorjahresbetrag: 421.708,41 €; siehe Seite 8).
Im Zuge von strafbehördlichen Maßnahmen wurden beim Beschwerdeführer bzw. am Firmenstandort der ***X-Gruppe*** verschiedene Unterlagen sichergestellt (siehe OZ 53). Darunter befinden sich:
eine ausgedruckte (und mit handschriftlichen Vermerken des Beschwerdeführers versehene) Notiz "Lt. ***StB2***: Benötigte Unterlagen" ua. mit dem angeführten Punkt "Restliche Unterlagen von Masseverwalterin für 2013" (OZ 53/2);
eine handschriftliche Notiz des Beschwerdeführers mit der ersten Textzeile "3.9.2013 + MV" ua. mit dem Vermerk "Darlehen 421' an ***Z-GmbH*** → RAUS" (OZ 53/3);
eine handschriftliche Notiz von ***C*** auf der Buchungsmitteilung des Finanzamts vom 21.11.2014 betreffend die ***X-GmbH-neu*** ua. mit den Vermerken "***StB2*** ist gleicher Meinung", "nehmen und gehen", "Risiko verdeckte Gewinnausschüttung" und "Fristverlängerung f. Beschwerde möglich" (OZ 53/5);
eine mit 03.12.2014 datierte handschriftliche Notiz des Beschwerdeführers mit dem Vermerk "***Kürzel-C*** / ***X-GmbH-neu*** / ***RA*** will doch BILANZ 2012 + 2013 da FA Druck auf ***S*** macht / bitte so daß ***Z-GmbH*** nicht vorkommt / bei ***StB2*** bestellen" (OZ 53/9);
ein Auszug eines Bankkontos der ***X-GmbH-neu*** vom 03.07.2013, in dem eine Überweisung von 4.000 € an Dr. ***R*** verzeichnet ist (OZ 53/17).
Laut der Niederschrift über eine Zeugeneinvernahme vom 07.11.2018 (OZ 55) gab ***S*** beim Bundesamt für Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung ua. an, er habe den Beschwerdeführer irgendwann einmal durch Dr. ***R*** kennengelernt. Über die ***X-GmbH-neu*** wisse er gar nichts. Der Beschwerdeführer habe beim Konkurs nicht aufscheinen wollen. Aus diesem Grund habe er aus Gefälligkeit die Firma übernommen. Es komme manchmal vor, dass er kurz vor der Insolvenz ein Unternehmen übernehme, da es ihm egal sei, ob er öffentlich in diesem Zusammenhang aufscheine. Es sei nicht immer Dr. ***R***, der ihn darum gebeten habe, sondern es gebe noch weitere Anwälte, die sich mit einem solchen Ersuchen an ihn gewandt hätten. Er habe keine Tätigkeiten für die ***X-GmbH-neu*** durchgeführt. Das einzige, was er gemacht habe, sei die Unterschrift für die Übernahme der Firma und die Unterschrift beim Konkursantrag gewesen. Für den Gesellschafter- und Geschäftsführerwechsel habe er keine Behördengänge oder Vertragserstellungen durchgeführt. Wer das gemacht habe, wisse er nicht. Er könne nicht sagen, ob das Dr. ***R*** gewesen sei, nehme es aber an, da er den Beschwerdeführer vertreten habe. Für ihn sei es finanziell mit keinem Risiko verbunden gewesen. Er hinterfrage, ob die Stammeinlage einbezahlt worden sei, im konkreten Fall sei das sicher auch der Fall gewesen (Seite 3). Er habe keine Unterlagen von diesem Unternehmen und in diesem Zusammenhang stehenden Vereinbarungen. Er habe keine Leistungen im Unternehmen in Anspruch genommen. Er habe sich auch nicht über das Geschäftsfeld der Firma erkundigt. Der einzige Anreiz sei für ihn gewesen, eine Gefälligkeit zu leisten (Seite 4). Über den Grund der Insolvenz des Unternehmens bzw. über den Grund der Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens wisse er nichts. Zur Insolvenzverwalterin habe er keinen Kontakt gehabt und wisse nicht, wer das sei. Wenn ihm die Mitteilung von Dr. ***R*** vom 27.06.2013 vorgehalten werde, wonach der Beschwerdeführer seinem Rechtsanwalt auf ein bestimmtes Konto den Betrag von 4.000 € habe überweisen sollen und dem Beschwerdeführer seine Mobiltelefonnummer (Anmerkung: die Mobiltelefonnummer von ***S***) bekanntgegeben worden sei, gebe er an, dass er annehme, dass dies der Betrag für die Konkurseröffnung gewesen sei. Er könne sich keinen Grund erklären, weshalb seine Telefonnummer hier angeführt gewesen sei. Die 4000 € seien nicht das Honorar für die Gesellschafts- und Geschäftsführerübernahme der ***X-GmbH-neu*** gewesen (Seite 5).
Laut der Niederschrift über eine Zeugeneinvernahme vom 26.06.2019 (OZ 57) gab ***C*** (Angestellte in der Unternehmensgruppe des Beschwerdeführers) beim Bundesamt für Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung ua. an, dass ihre Tätigkeit die Buchhaltung sei. Sie erledige die laufenden Buchungen und den Zahlungsverkehr. Auch sei sie eine Assistentin des Beschwerdeführers (Seite 2). Es sei darüber beraten worden, ob die ***X-GmbH-alt*** in die Insolvenz geführt werden solle. Diese Beratung sei mit Steuerberatern und Anwälten durchgeführt worden. Der Anwalt sei Dr. ***R*** gewesen, neben dem aktuellen Steuerberater Mag. ***StB2*** seien auch noch andere, ihr unbekannte Steuerberater beteiligt gewesen (Seite 5). Wie der Wechsel des Gesellschafters und Geschäftsführers zu ***S*** genau abgelaufen sei, wisse sie nicht. Wie der Kontakt zu ihm zustande gekommen sei, sei ihr auch unbekannt. Den Geschäftsführerwechsel habe sie zwar mitbekommen. Ihr habe der neue Geschäftsführer aber nie Vorgaben gemacht und er sei ihr auch unbekannt (Seite 6). Die Überweisung von 4.000 € habe auch sie veranlasst. Sie könne aber nicht angeben, in welchem Zusammenhang diese Überweisung stattgefunden habe (Seite 7). Die Entscheidung über die Darlehensvergabe sei durch den Beschwerdeführer erfolgt. Wann (und wie) die beabsichtigte Rückzahlung der Darlehen erfolgt sei, habe der Beschwerdeführer entschieden. Die Darlehensvergaben innerhalb der ***X-Gruppe*** bestünden auch noch heute und seien erforderlich, weil damit der Finanzbedarf der einzelnen ***X-Unternehmen*** ausgeglichen werde (Seite 6-7). Zur Rückführung dieser Darlehen könne sie ohne Unterlagen nichts sagen. Verträge gebe es dazu, sie wisse aber nicht, wo sich diese befänden. Die fremdüblichen Zinsen seien gebucht worden, seien aber nicht geflossen. (Seite 8). Die ***Z-GmbH*** sei Leasingnehmer in Wien von einem Gebäude mit Grundstück. Die ***Z-GmbH*** vermiete dieses an die ***Gesellschaft-E-neu***, vormals ***Gesellschaft-E-alt***. Bei allen Unternehmen sei Geschäftsführer und Gesellschafter der Beschwerdeführer bzw. eines seiner Unternehmen. Weitere Tätigkeiten gebe es nicht und im Unternehmen seien auch keine Mitarbeiter beschäftigt. Der Firmensitz und die laufende Buchhaltung werde am Hauptstandort der ***X-Gruppe*** erledigt (Seite 32). Die Darlehenszuzählung der ***X-GmbH-alt*** an die ***Z-GmbH*** in den Jahren 2005 und 2006 sei aus dem Grund erfolgt, dass der ***Z-GmbH*** liquide Mittel zur Verfügung stünden. Das Geld, so nehme sie an, werde für die laufenden Aufwendungen wie zum Beispiel die Leasingrate verwendet (Seite 32). Sie nehme an, dass die Rückführung kontinuierlich erfolgen sollte. Wie lange die Rückzahlungen liefen, wisse sie nicht, auch nicht ob es darüber eine schriftliche Aufzeichnung oder einen Vertrag gebe (Seite 33). Wenn sie gefragt werde, was ihr zu einem Forderungsverzicht der ***X-GmbH-alt*** gegenüber der ***Z-GmbH*** im Kontext der gewährten Darlehen im Jahr 2013 in Erinnerung sei und wer einen solchen Verzicht inhaltlich vorgegeben habe, gebe sie an, dass sie leider nichts mehr in Erinnerung habe (Seite 33). Wenn ihr mehrere (Anmerkung: drei) Aktenvermerke rund um die Behandlung der Darlehensforderungen vorgehalten würden, so gebe sie zum ersten Dokument (hier: OZ 53/9) an, es sei die Schrift des Beschwerdeführers und am Seitenende ihre Handschrift. Sie bekomme oft handschriftliche Notizen wie diese hier vom Beschwerdeführer. Sie sehe das so wie eine Vorgabe, die sie zu erledigen hätte. Erinnern könne sie sich an den Vorfall nicht mehr, gehe aber davon aus, dass sie beim Steuerberater Mag. ***StB2*** Bilanzen der ***X-GmbH-alt*** bzw. der umbenannten ***X-GmbH-neu*** bestellen sollte, wo die Forderungen der ***Z-GmbH*** gegenüber nicht hätten dargestellt werden sollen. Ihre handschriftlichen Notizen interpretiere sie heute so, dass sie eine Art Telefonnotiz gemacht habe. Genauer könne sie sich aber nicht daran erinnern. Ob sie die Bilanzen dann so erhalten habe, könne sie sich nicht mehr erinnern. Beim zweiten handschriftlichen Zettel (hier: OZ 53/3) handle es sich um die Handschrift des Beschwerdeführers. Sie nehme an, dass hier vermerkt sei, dass das bestehende Darlehen der ***Z-GmbH*** gegenüber ausgebucht werden sollte. Sie könne nicht angeben, ob sie diesen Zettel zuvor schon gesehen habe. Beim dritten Zettel (hier: OZ 53/5) handle es sich um ihre Handschrift. Sie nehme auch an, dass es sich hier um eine Telefonnotiz oder um einen Aktenvermerk handle. Ob dieser Vermerk mit den zuvor vorgelegten Zetteln in Zusammenhang stehe oder was damit dokumentiert werden sollte, wisse sie nicht mehr, auch nicht, was mit der verdeckten Gewinnausschüttung gemeint sei. Sie wisse, was eine Gewinnausschüttung sei. Als Risiko sehe sie, dass es zu einer Steuernachzahlung kommen könnte. Mit den anderen Vermerken auf den Zettel fange sie heute nichts an (Seite 35-36). Wenn sie gefragt werde, was der Insolvenzverwalterin zu dieser noch vor Insolvenzeröffnung bestandenen Darlehensforderung der Gemeinschuldnerin mitgeteilt worden sei, gebe sie an, sie könne sich nicht erinnern, ob oder wer ihr etwas mitgeteilt habe. Sie könne sich nicht erinnern, mit der Insolvenzverwalterin gesprochen zu haben (Seite 36).
Laut der Niederschrift über eine Zeugeneinvernahme vom 26.08.2019 (OZ 61) gab Dr. ***MV*** (Masseverwalterin der ***X-GmbH-neu***) beim Bundesamt für Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung ua. an, dass das Insolvenzverfahren rechtskräftig abgeschlossen gewesen sei, bevor sie überhaupt auf die Idee gekommen sei, in die ***Kanzlei-RA*** zu wechseln. Dieses Insolvenzverfahren hätte auf ihre jetzige Beschäftigung absolut keinen Einfluss gehabt. Sie sei durch das Gericht (als Masseverwalterin) bestellt worden. Es habe keine Vorgespräche mit Dr. ***R*** gegeben. Dass sie dieses Verfahren habe abwickeln sollen, habe sie durch Einsicht in die Insolvenzdatei erfahren, so wie immer eigentlich. Der Einfluss, wer ein solches Insolvenzverfahren abwickeln solle, liege alleine beim Gericht. Ihre Ansprechpartner seien die jeweiligen Vertreter gewesen. Das seien Dr. ***R*** als Schuldnervertreter und Dr. ***RA2*** als Vertreter des Beschwerdeführers gewesen. Sie habe den Beschwerdeführer auch selbst einmal angeschrieben. Die Antwort auf ihr Schreiben habe sie von Dr. ***RA2*** erhalten. Sie habe mit ***S*** oder dem Beschwerdeführer keinen persönlichen Kontakt gehabt. Es habe zwei Gläubiger gegeben, das seien die zwei ***A-Firmen***, ***B-GmbH-neu*** und ***A-GmbH*** gewesen. Sie könne sich nicht erinnern, dass darüber gesprochen worden und das eine Fragestellung gewesen sei, warum die ***X-GmbH-neu*** jahrelang vor Insolvenzeröffnung im Jahr 2013 noch aufrecht gehalten worden sei, obwohl diese bereits seit 2008 kein Liegenschaftsvermögen (und damit faktisch auch keine Geschäftstätigkeit) mehr gehabt hätte (Seite 3). Zu mehreren Darlehenszuzählungen der ***X-GmbH-alt*** an die ***Z-GmbH*** in den Jahren 2005 und 2006 sei ihr nichts bekannt. Sie kenne keine solchen Darlehensverträge. Was zur Rückführung der gewährten Darlehen vereinbart gewesen sei, bis wann die ***Z-GmbH*** die Darlehen an die ***X-GmbH-alt*** zurückgezahlt haben solle und an welche Parameter in der ***Z-GmbH*** dies allenfalls gebunden gewesen sei, wisse sie nicht. Von einem Forderungsverzicht der ***X-GmbH-alt*** gegenüber der ***Z-GmbH*** im Kontext der gewährten Darlehen im Jahr 2013 (noch offener Betrag von zuletzt rund 379.300 €) wisse sie nichts, sie habe davon keine Information gehabt. Diese Forderung sei nicht kommuniziert worden. Wenn sie gefragt werde, ob der obige Darlehensanspruch gegen die ***Z-GmbH*** von ihr im Zuge der Insolvenzverwaltung für die Masse geltend gemacht worden wäre, wenn ihr ein solcher Anspruch seitens der Gemeinschuldnerin bekanntgegeben worden wäre, bejahe sie dies ("Na klar"), auch die Anfechtbarkeit des Darlehensverzichtes wäre geprüft und die Ansprüche verfolgt worden. Sie habe sich aufgrund der ihr vorliegenden Unterlagen und Informationen (Zivilprozess) vorbereitet und sie habe das Insolvenzverfahren objektiv geführt (Seite 9).
In einem an die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption und an das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung gerichteten Schreiben der ***Rechtsanwalt***GmbH vom 02.12.2019 (OZ 62) erfolgte eine Äußerung für den damals als Beschuldigten geführten Steuerberater Mag. ***StB2***, wobei (ua.) vorgebracht wurde, dass von der ***StB1*** + ***StB2*** Steuerberatung ***Gesellschaft*** folgende Leistungen für den Beschwerdeführer und die Unternehmen des Beschwerdeführers ("***X-Gruppe***") punktuell erbracht worden seien: Durchführung der laufenden Lohnverrechnung, alljährliche Bilanzerstellung, gegebenenfalls Abwicklung von Finanzamtsprüfungen und allfällige Korrespondenz mit dem Finanzamt. Mit der laufenden Buchführung der ***X-Gruppe*** sei die ***StB1*** + ***StB2*** Steuerberatung ***Gesellschaft*** nicht betraut gewesen. Die Buchhaltungen seien in den meisten Fällen von der Mitarbeiterin der ***X-Gruppe***, ***C***, geführt worden. In Ausnahmefällen oder in jener Zeit, als ***C*** eine Zeit lang nicht im Unternehmen gearbeitet habe, sei diese Tätigkeit von anderen, wechselnden Mitarbeiterinnen der ***X-Gruppe*** erbracht worden. Basierend auf diesen Buchhaltungen seien von der ***StB1*** + ***StB2*** Steuerberatung ***Gesellschaft*** die Bilanzen erstellt worden (Seite 5). Zur Darlehenssache wurde in der Äußerung des Rechtsanwalts vorgebracht, dass Mag. ***StB2*** in das Insolvenzverfahren der ***X-GmbH-alt*** nicht involviert gewesen sei. Er sei seiner Erinnerung nach nicht einmal von der Insolvenzeröffnung informiert worden. Auch hätte er im Vorfeld weder Kontakt mit dem Beschwerdeführer noch mit Rechtsanwalt Dr. ***R*** hinsichtlich der Vorbereitung und der Abwicklung der Insolvenzeröffnung gehabt. In diesem Zusammenhang widerspreche Mag. ***StB2*** den Aussagen von ***C***, die in ihrer Zeugeneinvernehmung diesbezüglich ausgesagt habe, dass gemeinsam mit ihm darüber beraten worden sei, "ob die Gesellschaft in die Insolvenz geführt werden soll". Diese Aussage entspreche nicht "seinen Wahrnehmungen". ***C*** gebe an, dass Mag. ***StB2*** und andere ihr unbekannte Steuerberater beteiligt gewesen seien. Dies sei unrichtig. Mag. ***StB2*** sei in derartige Beratungen nicht eingebunden gewesen und hätte keinen Auftrag gehabt. Er hätte dazu auch nichts beitragen können. Für ihn sei nachvollziehbar, dass solche Themen mit dem Insolvenzrechtsexperten Rechtsanwalt Dr. ***R*** besprochen und umgesetzt worden seien. Mag. ***StB2*** sei im Vorfeld auch nicht bekannt gewesen, dass die Gesellschaft samt Geschäftsführung dem ihm unbekannten ***S*** übertragen worden sei. Mag. ***StB2*** hätte auch in weiterer Folge, nach der Insolvenzeröffnung, keinen Kontakt zu ***S*** als neuen Gesellschafter-Geschäftsführer und auch nicht zur Insolvenzverwalterin Dr. ***MV*** gehabt. Beide Personen seien Mag. ***StB2*** zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt gewesen, er kenne sie auch heute nicht (Seite 14). Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die ***X-GmbH-alt*** erlösche die bisherige Vollmacht des Steuerberaters. Für Mag. ***StB2*** seien daher ohne explizite Beauftragung durch die Insolvenzverwalterin keine weiteren Handlungen zu setzen. Zu einer solchen Beauftragung sei es in weiterer Folge nie gekommen. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass Mag. ***StB2*** zu keinem Zeitpunkt Kenntnis davon oder Anhaltspunkte dafür gehabt hätte, dass die ***X-GmbH-alt*** basierend auf einem "Masterplan" vorsätzlich hätte "ausgehöhlt" werden sollen, um die Begleichung fälliger Verbindlichkeiten zu vermeiden. Vielmehr habe es sich für ihn so dargestellt, dass nach jahrelangen Gerichtsstreitigkeiten Verbindlichkeiten schlagend geworden seien und diese schließlich nicht hätten beglichen werden können (Seite 15). Alle drei (***C*** vorgehaltenen) Aktenvermerke seien Mag. ***StB2*** erst im Zuge des gegenständlichen Strafverfahrens bekannt geworden. Zum Zeitpunkt der Erstellung seien ihm diese nicht bekannt gewesen, er sei nicht an deren Erstellung beteiligt oder in diese eingebunden gewesen. Den ersten Aktenvermerk interpretiere Mag. ***StB2*** so, dass vom Finanzamt die Bilanzen bzw. Steuererklärungen 2012 und 2013 beim Geschäftsführer ***S*** eingefordert worden seien. Dies sei aus seiner Sicht nachvollziehbar und entspreche dem üblichen Ablauf. Zum Zeitpunkt der Erstellung des Aktenvermerks, dem 03.12.2014, seien die Bilanzen und Steuererklärungen 2012 und 2013 nicht beim Finanzamt eingereicht gewesen. Bei fälligen Einreichungen werde seitens des Finanzamtes üblicherweise die Einreichung eingefordert (Seite 15). Wie es scheine, habe der Beschwerdeführer gegenüber ***C*** den Wunsch geäußert, "***Z-GmbH*** nicht vorkommen" zu lassen. Mag. ***StB2*** halte dazu fest, dass von ihm keinerlei Handlungen gesetzt worden seien, die diesen Wunsch umgesetzt hätten. Bei einer aktiven Ausbuchung einer Darlehensforderung ohne wirtschaftlichen Grund bestehe aus steuerlicher Sicht das Risiko einer verdeckten Gewinnausschüttung. Einen solchen Schritt hätte Mag. ***StB2*** daher nicht vorgenommen. Generell setze Mag. ***StB2*** bzw. die ***StB1*** + ***StB2*** Steuerberatung ***Gesellschaft*** grundsätzlich keine "Wünsche" um, die rechtswidrige Folgen auslösen würden. Auch sei festzuhalten, dass von Mag. ***StB2*** in weiterer Folge auch keine solchen Bilanzen 2012 und 2013 "ohne ***Z-GmbH***m" erstellt worden seien (Seite 15-16). Zum zweiten Aktenvermerk könne Mag. ***StB2*** nichts sagen, er werde darin auch nicht erwähnt. In Bezug auf den dritten Aktenvermerk gehe Mag. ***StB2*** davon aus, dass es sich um eine Notiz von ***C*** hinsichtlich eines Telefongespräches mit ihm handle, welches mit nachfolgend darzulegenden Punkten in Zusammenhang stehe. Es solle wohl heißen "***StB2*** ist gleicher Meinung!" Mit E-Mail vom 17.12.2014 habe ***C*** Mag. ***StB2*** in Hinblick auf eine vom Beschwerdeführer angedachte Bilanzerstellung für die Jahre 2012 und 2013 die Buchhaltungsaufzeichnungen und Unterlagen der beiden Jahre übermittelt. Mit E-Mail vom nächsten Tag, dem 18.12.2014, habe ***C*** dann Steuerbescheide betreffend die Jahre 2012 und 2013 übermittelt. Das Finanzamt habe offenbar schon knapp einen Monat zuvor, am 21.11.2014, Steuerbescheide erlassen, in denen mangels Einreichung der Bilanzen und Steuererklärungen die Bemessungsgrundlagen im Schätzungswege ermittelt worden seien. ***C*** habe in diesem Mail zu den Schätzbescheiden geschrieben: "Was halten Sie davon? Nehmen und danke sagen?" Daran schließe aus der Sicht von Mag. ***StB2*** der oben angeführte Aktenvermerk von ***C*** an, in der sie die gleiche Wortwahl ("nehmen und gehen") wieder aufnehme. Es sei damit jedenfalls eindeutig, dass diese Wortwahl nicht von Mag. ***StB2*** stamme. Der Aktenvermerk von ***C*** betreffe ein auf die Übersendung der Bescheide folgendes Telefongespräch mit Mag. ***StB2*** bezüglich der Möglichkeiten bei Vorliegen von Schätzungsbescheiden. Grundsätzlich habe es in der vorliegenden Situation zwei Möglichkeiten gegeben: 1. Man ergreife kein Rechtsmittel: Dann bleibe es bei den Steuern, die im Rahmen der Schätzungsbescheide festgesetzt worden seien. Die Umsatzsteuernachzahlungen hätten im vorliegenden Fall rd. 24.000 € betragen und hätten aus der Nichtanerkennung laufend geltend gemachter Vorsteuern gestammt. Diese Nichtanerkennung der Vorsteuern und damit die Nachzahlung dieser habe nach Ansicht von Mag. ***StB2*** zu Recht bestanden. 2. Man gehe gegen die Bescheide mittels Rechtsmittel vor: Dies hätte aber die Erstellung der Bilanzen und deren Übermittlung im Rahmen eines fristgerecht eingebrachten Rechtsmittels vorausgesetzt. Im vorliegenden Fall sei die Beschwerdefrist von einem Monat schon fast abgelaufen gewesen (Bescheiddatum 21.11.2014, Erhalt des Mails am 18.12.2014), sodass allenfalls noch eine Beschwerdefristverlängerung zu überlegen gewesen sei (Seite 16). Im Aktenvermerk von ***C*** seien diese beiden von Mag. ***StB2*** erläuterten Möglichkeiten festgehalten worden: kein Rechtsmittel ergreifen in ihrer Wortwahl "nehmen und gehen" oder Rechtsmittel ergreifen - "Fristverlängerung für Beschwerde möglich" (Seite 16-17). Ob sich die von ***C*** festgehaltene "Meinung" von Mag. ***StB2*** sowie das "Risiko verdeckte Gewinnausschüttung" auf die Überlegung des Beschwerdeführers zur Ausbuchung des Darlehens ***Z-GmbH*** beziehe oder einen anderen Hintergrund habe, könne Mag. ***StB2*** heute nicht mehr mit Bestimmtheit sagen. Festzuhalten sei, dass er in der Ausbuchung eines solchen Darlehens ohne wirtschaftlichen Grund tatsächlich ein solches Risiko sehen würde. Es sei daher möglich, dass dies damals besprochen worden sei und Mag. ***StB2*** darauf hingewiesen habe. In weiterer Folge habe Mag. ***StB2*** am nächsten Tag, dem 19.12.2014, per E-Mail von ***C*** die Information erhalten, dass keine Bilanzen gemacht werden sollten, sondern die Schätzung akzeptiert werde. Mit dieser Information sei die Angelegenheit für Mag. ***StB2*** wiederum erledigt gewesen. Nachdem er in keinem Auftrags- und Bevollmächtigungsverhältnis zur Gesellschaft gestanden, sondern nur Informationen hinsichtlich der Möglichkeiten bei Schätzung durch das Finanzamt erteilt habe, hätte es für die ursprünglich angedachte Bilanzerstellung der gesonderten Beauftragung bedurft. Diese sei aufgrund der Information von ***C*** mit E-Mail vom 19.12.2014 hinfällig gewesen. Zum Themenbereich des Darlehens an die ***Z-GmbH*** sei jedenfalls ausdrücklich festzuhalten, dass das Darlehen in der zuletzt erstellten Bilanz zum 31.12.2011 der ***X-GmbH-alt*** ausgewiesen gewesen sei. Ebenso sei das Darlehen in den Mag. ***StB2*** am 17.12.2014 von ***C*** übermittelten Buchhaltungsunterlagen für die Jahre 2012 und 2013 enthalten gewesen. In der Saldenliste zum 31.12.2012 sowie den Kontoblättern 2012 sei das Darlehen an die ***Z-GmbH*** zur Gänze enthalten, in der Saldenliste zum 31.12.2013 sowie den Kontoblättern 2013 sei die Eröffnungsbilanz noch nicht gebucht, da diese nachvollziehbarerweise die Bilanzdaten 2012 verlange. Gebucht seien aber Teilrückzahlungen auf das Darlehen, die laut Buchhaltung scheinbar stattgefunden hätten. Von Mag. ***StB2*** bzw. der ***StB1*** + ***StB2*** Steuerberatung ***Gesellschaft*** seien keine Bilanzen mehr für die Jahre 2012 und 2013 erstellt worden, auch seien keinerlei Handlungen und Buchungen vorgenommen worden, die die Ausbuchung des Darlehens an die ***Z-GmbH*** zur Folge gehabt hätten. Ob dann in weiterer Folge von anderer Seite solche Bilanzen erstellt worden seien, entziehe sich der Kenntnis von Mag. ***StB2*** (Seite 17). Mag. ***StB2*** verantworte sich zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen als nicht schuldig. Vor dem Hintergrund der obigen Ausführungen werde klar, dass Mag. ***StB2*** keinerlei Handlungen getätigt habe, die das Beiseiteschaffen bzw. scheinbare Verringern des Vermögens der ***X-GmbH-alt*** bewirkt hätten. Mag. ***StB2*** habe als Steuerberater bloß die Bilanzerstellung in den Jahren 2001 bis 2011 und die Abgabe der Steuererklärungen vorgenommen. Dabei habe er auf Basis der ihm zur Verfügung gestellten und für ihn nachvollziehbaren Informationen und Belege agiert. Er sei in die wirtschaftliche Entscheidungsfindung und die Geschäftstätigkeit der ***X-GmbH-alt*** und der gesamten ***X-Gruppe*** nie eingebunden gewesen und habe auch nicht zu den einzelnen vorgeworfenen Schritten beraten. Mag. ***StB2*** hätte weder Anhaltspunkte dafür noch Kenntnis davon, dass aufgrund eines "Masterplans" eine Entreicherung der ***X-GmbH-alt***, die die Schädigung von Gläubigern zur Folge habe, geplant gewesen sei. Er habe daher weder objektiv noch subjektiv tatbestandsmäßig gehandelt. Eine Beteiligung an der vorgeworfenen qualifizierten betrügerischen Krida (§ 156 Abs. 2 StGB) sei auszuschließen (Seite 19).
Verfahrensablauf:
Die Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption (WKStA) erteilte der Finanzstrafbehörde am 31.07.2018 einen Auftrag zur Durchführung von Erhebungen hinsichtlich des Tatverdachts nach § 33 Abs. 1 FinStrG ua. betreffend den Beschwerdeführer selbst und in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der ***X-GmbH-alt*** sowie der ***Y-GmbH-alt*** Die Finanzstrafbehörde erteilte sodann der Großbetriebsprüfung Wien einen Ermittlungsauftrag. Am 11.09.2018 führte das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung eine Hausdurchsuchung durch und es wurden sämtliche relevanten Unterlagen beschlagnahmt (siehe Vorlagebericht).
Mit (an den steuerlichen Vertreter gerichtetem) Schreiben vom 27.06.2019 (OZ 58) hielt die Abgabenbehörde dem Beschwerdeführer vor, dass durch die ***X-GmbH-alt*** in einem Vorprüfungszeitraum ein Darlehen an die ***Z-GmbH***, bei der der Beschwerdeführer damals sowohl Geschäftsführer als auch Alleingesellschafter gewesen sei, vergeben worden sei. Kurz vor Eröffnung des Konkursverfahrens im Jahr 2013 sei das Ziel gewesen, dieses Darlehen im Konkursverfahren nicht aufscheinen zu lassen. Dies ergebe sich eindeutig aus dem Vermerk, gefunden in den Unterlagen "Buchhaltung 2013", "***RA*** will doch BILANZ 2012 + 2013 da FA DRUCK auf ***S*** macht, bitte so, daß ***Z-GmbH*** nicht vorhanden bei ***StB2*** bestellen". Dazu habe ***C***, eine Mitarbeiterin des Beschwerdeführers, im Zuge der Zeugenvernehmung am 26.06.2019 ausgesagt, dass es sich dabei um die Handschrift des Beschwerdeführers handle. Auf einem weiteren Vermerk des Beschwerdeführers mit dem Datum 3.9.2013 sei zu lesen "Darlehen 421' an ***Z-GmbH***m - RAUS". Auf einem weiteren Vermerk, verfasst von ***C***, finde man noch "***StB2*** ist gleicher Meinung! nehmen und gehen. Risiko verdeckte Gewinnausschüttung". Insbesondere durch diese handschriftlichen Bemerkungen sei es offensichtlich, dass den handelnden Personen bewusst gewesen sei, dass es sich bei diesem Vorgang um eine verdeckte Gewinnausschüttung handle. Die verdeckte Gewinnausschüttung berechne sich wie folgt (zum Stichtag 3.9.2013): Stand Darlehen laut JA 2011: € 438.708,41 abzügl. Rückzahlungen i.H.v. € 46.500 in den Jahren 2012 & 2013 plus nicht verrechnete Zinsen in den Jahren 2012 & 2013 (bis 3.9.2013) i.H.v. € 33.368,87. Ergebe einen Ausschüttungsbetrag von insgesamt 425.577,28 €. Der Zinssatz betrage 4,7% (in den Vorjahren angesetzter Zinssatz). Weiters habe es im Jahr 2013 eine Überweisung an Dr. ***R*** in Höhe von 4.000 € gegeben, die nicht auf das Bankkonto der Kanzlei erfolgt sei. Für diese Überweisung gebe es keine Rechnung und keinen Zahlungsgrund. Da diese Überweisung keinen wirtschaftlichen Grund gehabt habe, werde die Auszahlung als weitere verdeckte Gewinnausschüttung zugunsten des Beschwerdeführers gewertet. Somit ergebe sich eine insgesamt verdeckte Gewinnausschüttung im Jahr 2013 in der Höhe von 429.577,28 €. Mit 03.07.2013 (gleicher Tag wie die Einbringung des Konkursantrages durch Rechtsanwalt Dr. ***R***) sei ***S*** zum Alleingesellschafter des geprüften Unternehmens geworden (Abtretungspreis 1 €). Ebenfalls sei er laut Firmenbuch auch zum Geschäftsführer bestellt worden. Bei ***S*** (laut eigener Aussage ein Jugendfreund von Rechtsanwalt Dr. ***R***) handle es sich lediglich um eine vorgeschobene Person für das Konkursverfahren, da die wirklichen Entscheidungen immer noch vom Beschwerdeführer in Absprache mit Rechtsanwalt Dr. ***R*** getroffen worden seien. Ergänzend dazu habe ***S*** bei der Befragung durch das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung am 07.11.2018 ausgesagt, dass er bis auf zwei Unterschriften nie etwas mit der ***X-GmbH-neu*** zu tun gehabt hätte und die Gesellschaft nur aus Gefälligkeit für den Beschwerdeführer übernommen habe, da dieser beim Konkurs nicht habe aufscheinen wollen. Aufgrund der oben angeführten Aussage des Zeugen ***S*** gehe die Außenprüfung davon aus, dass der Beschwerdeführer weiterhin Gesellschafter gewesen sei. Aufgrund der zitierten Funde werde als Zufluss der verdeckten Gewinnausschüttung der 03.09.2013 angesehen. Dementsprechend liege durch den Forderungsverzicht zugunsten der ***Z-GmbH*** eine Vermögensvermehrung beim Beschwerdeführer im Wege einer verdeckten Gewinnausschüttung vor. Die daraus anfallende Kapitalertragssteuer werde mangels Vermögens der ***X-GmbH-neu*** dem Beschwerdeführer mit einem Bescheid über die Festsetzung der Kapitalertragsteuer direkt vorzuschreiben sein. Die zitierten Unterlagen fände der Beschwerdeführer im Anhang.
Normen und Schlagworte
- § 93 Abs. 2 Z 1 lit. a EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 95 Abs. 5 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 8 Abs. 2 KStG 1988, Körperschaftsteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 401/1988
- § 209 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 207 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 27 Abs. 1 Z 1 lit. a EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7102648/2020
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.7102648.2020
- Stammnummer
- 140514
- Gültig
- 18.04.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF