Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7300019/2022
Abgabenhinterziehung, Umsatzsteuervoranmeldungen, Kontenöffnung durch das BFG
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - ErkenntnisRV/7300019/2022vom 17.01.2023Teil 2 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Besch. 2: Nein. Ich verweise dazu auf mein Vorbringen vom letzten Mal zum Projekt ***41*** im Zusammenhang mit meiner Ex-Gattin, der ich Geldbeträge. die ich von ihr hatte, da das Projekt nicht zustande gekommen ist, zurückbezahlt hatte.
V: Die Barabhebungen am Bankkonto 2 wurden wie folgt getätigt.
18.7.2018 16.000,00 ***9***
25.7.2018 10.000,00 ***9***
27.7.2018 20.000.00 ***9***
1.8.2018 5.000,00 ***9***
22.8.2018 5.000,00 ***9***
24.8.2018 10.000,00 ***9***
30.8.2018 7.000,00 ***9***
3.9.2018 20.000,00 ***9***
4.9.2018 10.000,00 ***9***
7.9.2018 15.000,00 ***9***
14.9.2018 10.000,00 ***9***
18.9.2018 10.000,00 ***9***
21.9.2018 12.000,00 ***9***
24.9.2018 30.000,00 ***9***
24.9.2018 50.000,00 ***9***
27.9.2018 20.000,00 ***9***
28.9.2018 12.500,00 ***9***
15.10.2018 100.000,00 ***9***
15.10.2018 40.000,00 ***9***
15.10.2018 10.000,00 ***9***
17.10.2018 25.000,00 ***9***
17.10.2018 10.000,00 ***9***
18.10.2018 25.000,00 ***9***
19.10.2018 15.000,00 ***9***
19.10.2018 6.000,00 ***9***
24.10.2018 5.000,00 ***9***
5.11.2018 20.000,00 ***9***
19.11.2018 2.000,00 ***9***
23.11.2018 2.000,00 ***9***
26.11.2018 2.000,00 ***9***
3.12.2018 3.000,00 ***9***
17.12.2018 4.000,00 ***9***
14.2.2019 1.200,00 ***9***
20.2.2019 2.200,00 ***9***
22.2.2019 11.000,00 ***9***
1.3.2019 2.000,00 ***9***
1.4.2019 5.650,00 ***9***
2.4.2019 6.000,00 ***Bf1***
4.4.2019 5.000,00 ***9***
5.4.2019 2.000,00 ***9***
30.4.2019 13.000,00 ***Bf1***
21.5.2019 13.300,00 ***Bf1***
24.5.2019 9.700,00 ***9***
4.6.2019 22.200,00 ***Bf1***
13.6.2019 20.000,00 ***9***
21.6.2019 20.000,00 ***9***
21.6.2019 15.000,00 ***9***
21.6.2019 7.000,00 ***9***
28.6.2019 12.500,00 ***Bf1***
28.6.2019 2.000,00 ***9***
5.7.2019 15.000,00 ***9***
5.7.2019 11.000,00 ***9***
11.7.2019 7.000,00 ***9***
16.7.2019 18.000,00 ***Bf1***
16.7.2019 15.000,00 ***9***
16.7.2019 15.000,00 ***9***
Dem Verteidiger und dem AB werden Kopien der weiteren Anfrage an die Bank und deren Antwort zu den Abhebungen ausgehändigt.
V. an Besch 2: Demnach haben Sie sämtliche Eingänge der zuvor von mir als dubios bezeichneten Partnerfirmen am selben Tag nach Eingang abgehoben. Was sagen Sie dazu?
Besch. 2: Das habe ich gemeinsam mit dem Besch. 1 gemacht. Ich habe das Geld an ihn übergeben.
V: Folgenden Barabhebungen am Konto stehen korrespondierende Einzahlungen und jeweils auch gleichlautenden Auszahlungen laut Kassabuch gegenüber:
18.7.2018 € 16.000,00
25.7.2018 € 10.000,00
27.7.2018 € 20.000,00
1.8.2018 € 5.000,00
30.8.2018 € 7.000,00
12.9.2018 € 12.000,00
12.10.2018 € 5.000,00
19.10.2018 € 6.000,00
24.10.2018 € 5.000,00
Ab April 2019 wurden demnach die Abhebungen am Konto abwechselnd von ***33*** und ***Bf1*** getätigt.
***Bf1*** hat Abhebungen im zeitlichen Zusammenhang mit Eingängen der ***21***, von ***18*** und der ***27*** getätigt.
Demnach hat der Besch. 2 lange Zeit faktisch fast allein über das Bankkonto 2 verfügt und dort Barabhebungen getätigt, die zu Eingängen in der Kassa der ***4*** geführt haben und dort wiederum bar abgehoben wurden.
V an den Besch.1: Was sagen Sie dazu? War der Besch. 2 der Machthaber der ***4***?
Besch. 1: Hinsichtlich der Bausachen hat der Besch. 2 darüber gewacht. Ich war eher auf die Taxisache spezialisiert.
V: Die Geschäftspartner hat der Besch. 2 gebracht?
Besch. 1: Ja.
V: Wer hat die namhaften Geldbeträge aus der Kassa entnommen und die Einkäufe bei Hornbach, Bauhaus und Obi getätigt? Hat es in der Kassa wirklich einmal € 16.000,00 gegeben oder nur am Papier?
Besch. 1: Es war Geld in der Kassa vorhanden, ja. Der Beauftragte hat die Einkäufe des Baumaterials getätigt.
V: Wer war der Beauftragte? Ein Angestellter?
Besch. 1: Ein Beauftragter war extern und nicht Angestellter. Er hat Baumaterial gekauft, die Rechnungen vorgelegt und das Geld bekommen. Dies bekam er vom Besch. 2.
V. an den Besch. 2: Was sagen Sie dazu? Demnach war die ***4*** sehr wohl eine aktive Baufirma, die Sie als Machthaber geführt haben? Erst nach ihrem Herzinfarkt werden Barabhebungen auch vom Besch. 1 gemacht.
Besch. 2: Besch. 1 war 2018 krank, daher hat er mich gebeten die Firma zu führen, was ich nach seinen Anweisungen gemacht habe. Als er fit war, habe ich ihm alle Unterlagen ausgehändigt und er sollte die Buchhaltung machen. Er hat Anfang 2019 jemanden mit der Buchhaltung beauftragt. Der Sitz war in der ***42***. Dr. ***49*** war täglich an dieser Adresse und hat die Bauarbeiter kontrolliert. Wenn eine Abhebung zu machen war und er konnte dies nicht, habe ich es für ihn gemacht. Ich habe teilweise bezahlt, dies nur in seinem Auftrag. Es hat auch eine Prüfung der Bauarbeiterkasse gegeben, daran kann ich mich erinnern. Ich habe ihn unterstützt, wenn er mich gebraucht hat.
V: Wollen Sie dazu etwas sagen?
Besch. 1: Grundsätzlich habe ich versucht die Fahrzeuggeschichte zu überwachen. Anfangs hat es geheißen, dass der Besch. 2 mich beraten hat. Eigentlich war das schon die Sache von Besch. 2. Es hat natürlich Absprachen gegeben, weil er mehr Erfahrung hat als ich.
V an den Vertr.: Zu welchem Beweisthema soll der Zeuge befragt werden?
Vertr.: Er soll zur Rolle von ***45*** in der Fa. Angaben tätigen können, und vielleicht angeben können, wer hat den Kontakt zur Steuerberaterin ***46*** hatte.
Beginn: 09:57 Uhr
Zeuge ***43*** gibt nach WE an: geboren ***66***.1986, fremd
V: Kennen Sie ***Bf1***? Wenn ja, in welcher Funktion?
Z: Ja, ich kenne ihn. Ich habe ihn damals im Zuge eines Praktikums bei der ***3***, die er geführt hat, kennengelernt. Ich war damals in einer Praxis im Büro tätig, die sich im selben Gebäude befand.
V: Waren Sie angestellt bei der ***4***?
Z: Nein.
V: Können Sie etwas zur der ***4*** sagen?
Z: Wir waren im selben Büro in der ***42***, wir haben uns ein Büro geteilt, aber damals war ständig Herr ***45*** vor Ort. Es gab 2 weitere Personen im Sekretariat und ***Bf1***.
V: Kennen Sie Dr. ***48***-***31***? Im Zusammenhang mit der ***4***?
Z: Ja. Ich kannte ihn zuerst als Arzt. Er hat mich behandelt. Nebenbei kenne ich ihn aus der ***11***.
V: Wissen Sie was die ***4*** gemacht hat?
Z: Ja. Sie hatte ein Gewerbe für Taxi und nebenbei Bautätigkeit.
V: Hatten Sie etwas mit der Buchhaltung der Firma zu tun?
Z: Grundsätzlich hatte ich mit der Buchhaltung direkt nichts zu tun. Aber ich habe gesehen, wie die Arbeiter ins Büro gekommen sind und nach ihren Löhnen gefragt haben. Die für das Taxigeschäft angestellten Arbeiter haben die Beträge direkt von Herrn ***45*** erhalten. Er war diesbezüglich allein verantwortlich. Den Bauarbeitern gegenüber hat das Besch. 1 gemacht.
V: Wer die Buchhaltung gemacht hat oder ob es eine Steuerberaterin gegeben hat, wissen sie das?
Z: Es gab ein Sekretariat, das sich mit der steuerlichen Vertretung in Verbindung gesetzt hat. Herr ***45*** war für das Taxi auch hinsichtlich der An- und Abmeldung der Dienstnehmer verantwortlich. Ich glaube, dass er auch Kontakt mit der Steuerberaterin hatte. Den Namen der Steuerberaterin weiß ich nicht.
Vertr.: Die Steuerberaterin heißt ***46***, sie wurde beim Spruchsenat einvernommen und hat angegeben, dass sie weder den Besch. 1 noch den Besch. 2 kennt.
Z: Herr ***45*** hat die ganzen Unterlagen (Taxi, ***7***) selbst überreicht.
Vertr. Hat Herr ***45*** die Umsätze aus dem Taxibetrieb an den Besch. 1 weitergeleitet?
Z: Nein, er hat das alleine gemacht.
Vertr.: Wissen Sie welche Umsätze mit welchem Gewerbe erzielt wurden?
Z: Soweit das meiner Ansicht nach gewesen ist, so war Herr ***45*** allein für das Taxigewerbe zuständig und Besch. 1 für Bau. Ich war auch bei Örtlichkeiten zB in Graz, wo es Vorhaben gegeben hat und die Bauarbeiter kamen zum Besch. 1 um nach ihren Löhnen zu fragen. Was ich weiß ist, dass der Besch. 1 für Bau zuständig war.
Vertr.: Ich weiß nur über ein Bauvorhaben in Graz, gab es mehrere Bauprojekte?
Z: So viel ich weiß, eines in Simmering und eines in Graz.
Vertr.: Großaufträge?
Z: Es war ein Haus in Simmering und in ***65*** in Graz dürften die Bauarbeiter ihre Löhne nicht erhalten haben. Ich glaube, es wurde nicht zu Ende geführt.
AB: Er war Praktikant?
Dolmetscher erklärt, dass der Zeuge gesagt hat, dass er Praktikant in einer Arztpraxis gewesen sei, die sich das Büro mit der ***3*** geteilt habe. Es gab 2 Firmen in der Arztpraxis zusätzlich. Ein Bürozentrum mit eigenständigen Büros.
AB: Wann war er dort beschäftigt?
Z: Ende 2018 bis Anfang 2019. Ich habe ein Praktikum von 3 Monaten abgeschlossen, danach habe ich in der ***3*** gearbeitet.
AB: Nach Ihrem Praktikum und der Arbeit bei der ***3***, was machen Sie auf einer Baustelle der ***4*** in Graz?
Z: Der Besch 1 hatte kein eigenes Fahrzeug und hat mich gebeten ihn zu chauffieren. Ich habe auch ein paar Sachen nach Graz gebracht, weil mich der Besch. 1 darum gebeten hat.
Er war ja auch der Gf. der Firma, bei der ich angestellt war.
Vertr.: Die ***40*** war die auch an dieser Adresse?
Z: Ja. Die ***40*** hat die Büroräume an diese Firmen vermietet.
Zeuge verzichtet auf Zeugengebühren.
Ende der Zeugeneinvernahme: 10:21 Uhr.
V: Besch. 1 und Besch. 2 keine Erklärungen zu den Angaben des Zeugen.
Die Parteien stellen keine weiteren Fragen und Beweisanträge.
Verlesen wird der wesentliche Inhalt der Straf- und Steuerakten.
Schluss des Beweisverfahrens.
Der Amtsbeauftragte beantragt die Stattgabe seiner Beschwerden.
Der Verteidiger beantragt Abweisung unter Verweis auf das gut begründete Erkenntnis des Spruchsenates, die Beweiswürdigung des Erstsenates ist nachvollziehbar. ***45*** wurde nur von der Behörde einvernommen, wir haben ihn im Verfahren vorm SpS nicht befragen können.
Als Arzt ist der Besch. 2. zudem USt-befreit, das möge allenfalls berücksichtig werden bei der Beurteilung. Mildernd wären gegebenenfalls die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und die Sorgepflichten."
Über die Beschwerde wurde erwogen:
Rechtslage:
Gemäß § 33 Abs. 2 lit. a FinStrG macht sich der Abgabenhinterziehung schuldig, wer vorsätzlich unter Verletzung der Verpflichtung zur Abgabe von dem § 21 des Umsatzsteuergesetzes 1994 entsprechenden Voranmeldungen eine Verkürzung von Umsatzsteuer (Vorauszahlungen oder Gutschriften) bewirkt und dies nicht nur für möglich, sondern für gewiss hält.
Gemäß § 8 Abs. 1 FinStrG handelt vorsätzlich, wer einen Sachverhalt verwirklichen will, der einem gesetzlichen Tatbild entspricht; dazu genügt es, dass der Täter diese Verwirklichung ernstlich für möglich hält und sich mit ihr abfindet.
Gemäß § 11 FinStrG: Nicht nur der unmittelbare Täter begeht das Finanzvergehen, sondern auch jeder, der einen anderen dazu bestimmt, es auszuführen, oder der sonst zu seiner Ausführung beiträgt.
Gemäß § 98 Abs. 3 FinStrG hat die Finanzstrafbehörde unter sorgfältiger Berücksichtigung der Ergebnisse des Verfahrens nach freier Überzeugung zu beurteilen, ob eine Tatsache erwiesen ist oder nicht; bleiben Zweifel bestehen, so darf die Tatsache nicht zum Nachteil des Beschuldigten oder der Nebenbeteiligten als erwiesen angenommen werden.
Gemäß § 161 Abs. 1 FinStrG hat das Bundesfinanzgericht, sofern die Beschwerde nicht gemäß § 156 mit Beschluss zurückzuweisen ist, grundsätzlich in der Sache selbst mit Erkenntnis zu entscheiden. Es ist berechtigt, sowohl im Spruch als auch hinsichtlich der Begründung des Erkenntnisses seine Anschauung an die Stelle jener der Finanzstrafbehörde zu setzen und das angefochtene Erkenntnis (den Bescheid) abzuändern oder aufzuheben, den angefochtenen Verwaltungsakt für rechtswidrig zu erklären oder die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
§ 161 Abs. 3 FinStrG: Eine Änderung des angefochtenen Erkenntnisses zum Nachteil des Beschuldigten oder der Nebenbeteiligten ist nur bei Anfechtung durch den Amtsbeauftragten zulässig.
Der Umfang dieses Beschwerdeverfahrens wird durch die Beschwerde des Amtsbeauftragten vorgegeben. Zum Schuldspruch laut Punkt A des Erkenntnisses und dem diesbezüglichen Strafausspruch ist Teilrechtskraft eingetreten, das BFG hat sich im Beschwerdeverfahren nur mit den unter Punkt B des Erkenntnisses des Spruchsenates genannten Anschuldigungen zu befassen, die im Erkenntnis nur hinsichtlich der Tatzeiträume angeführt sind.
Das BFG ist Tatsacheninstanz, es ist berechtigt weitere Erhebungen zum Sachverhalt durchzuführen und im Rahmen des Anfechtungsumfanges und der Anlastungen durch die Behörde eine eigenständige Entscheidung zu treffen, ob die angelasteten Finanzvergehen als erwiesen anzusehen sind oder nicht.
Verwaltungsgeschehen:
Nach Einleitung von Finanzstrafverfahren durch die Behörde wurden die Akten mit Stellungnahme des Amtsbeauftragten vom 16.12.2020 mit folgenden Anlastungen an den Spruchsenat zur Entscheidung vorgelegt:
"***49*** ***5*** habe als Gf. der ***4*** vorsätzlich unter Verletzung der Verpflichtung zur Abgabe von dem § 21 des Umsatzsteuergesetzes entsprechenden Voranmeldungen eine Verkürzung von Vorauszahlungen an Umsatzsteuer für 6-12/2018 in der Höhe von € 38.721,50 und 1-9/2019 in der Höhe von € 49.818,21 bewirkt und dies nicht nur für möglich, sondern für gewiss gehalten und hiermit ein Finanzvergehen nach § 33 Abs. 2 lit. a FinStrG bewirkt.
***33*** wurde angelastet, diese Taten als faktischer Geschäftsführer begangen zu haben.
Zur Begründung wurde ausgeführt:
Die ***4*** wurde mit Gesellschaftsvertrag vom 12.03.2018 errichtet. Am 02.12.2019 wurde mit Beschluss des HG Wien der Konkurs eröffnet. Dieser wurde am 27.07.2020 mangels Kostendeckung aufgehoben.
Von Gründung bis Konkurseröffnung vertrat ***49*** ***5*** die Gesellschaft als Geschäftsführer. Durch Zeugenaussagen wurde bestätigt, dass ***9*** als faktischer Machthaber der ***4*** fungiert.
Mit Bericht vom 10.1.2020 wurde eine Umsatzsteuersonderprüfung für den Zeitraum 5/2018-4/2019 abgeschlossen. Bei dieser wurde festgestellt, dass keine Umsatzsteuervoranmeldungen eingereicht worden waren. Da bis auf eine Saldenliste keinerlei Unterlagen übergeben wurden, mussten die Besteuerungsgrundlagen gemäß § 184 BAO geschätzt werden. Ebenso mussten für den Zeitraum 5-11/2019 die Umsatzsteuerzahllasten mangels Abgabe von UVAs geschätzt werden.
Das Finanzstrafverfahren wurde zunächst gegen den Geschäftsführer laut Firmenbuch eröffnet. Im Zuge weiterer Ermittlungsmaßnahmen, insbesondere der Zeugenaussagen der Herrn ***10*** und ***16***, konnte ***9*** als faktischer Machthaber identifiziert werden.
Der strafbestimmende Wertbetrag ergibt sich aus den Feststellungen der Umsatzsteuersonderprüfung sowie der Schätzung für die Monate 5-9/2019.
Am 13.8.2020 fand eine Einvernahme von ***49*** ***5*** statt, der von Mag. Robert Igali-Igalffy vertreten wird, in deren Rahmen angegeben wurde:
"Die ***4*** wäre im Bau- und Taxigewerbe tätig gewesen. Für den Taxizweig wäre ***6*** verantwortlich gewesen. Dieser hätte die Einnahmen in die eigene Tasche gewirtschaftet, weshalb auch eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eingebracht worden wäre. Weiters wären Herr ***6*** und Herr ***16***, ein gelernter Buchhalter, für die steuerliche Gebarung des ***4*** verantwortlich gewesen.
Auf die Einleitung eines Finanzstrafverfahrens langte mit 2.11.2020 die Stellungnahme des Verteidigers, Mag. Robert Igali-Igalffy, im Verfahren gegen ***9*** ein, in dieser wird sinngemäß ausgeführt:
Der Beschuldigte ***9*** sei lediglich Gesellschafter der ***4*** gewesen. Der Vorwurf der faktischen Machthaberschaft wäre unrichtig. Jegliche Ermittlungsergebnisse der Behörde würden aufs Entschiedenste bestritten werden.
Aufgrund der Zeugenaussagen stehe nach Ansicht der FSB zweifelsfrei fest, dass ***12*** und ***8***, laut eigener Aussage gelernter KFZ- Mechatroniker mit sehr geringen Buchhaltungskenntnissen, lediglich auf Anweisung der Herren ***9*** und ***49*** ***5*** tätig wurden und somit zu keinem Zeitpunkt für die abgabenrechtlichen Belange verantwortlich gemacht werden können.
***49*** ***5*** habe als Geschäftsführer und Gesellschafter diverser Kapitalgesellschaften die abgabenrechtlichen Verpflichtungen gekannt, daher sei auch die subjektive Tatseite gegeben. Mit der pflichtwidrigen Unterlassung der Einreichung von Umsatzsteuervoranmeldungen habe er die Abgabenverkürzungen für gewiss gehalten.
Für den Fall einer Strafzumessung sei mildern die Unbescholtenheit und kein Umstand erschwerend.
Aufgrund der Zeugenaussagen steht nach Ansicht der FSB zweifelsfrei fest, dass Herr ***9*** für die Geschicke der ***4*** mitverantwortlich war. Durch seine langjährige Tätigkeit als Geschäftsführer, Gesellschafter sowie Prokurist bei zahlreichen inländischen Kapitalgesellschaften waren dem Beschuldigten die steuerlichen Verpflichtungen hinsichtlich der selbst zu berechnen Abgaben, insbesondere die Pflicht zur Abgabe monatlicher Umsatzsteuervoranmeldungen durchaus bekannt. Mit der pflichtwidrigen Unterlassung der Einbringung ebensolcher hielt er eine Abgabenverkürzung nicht nur für möglich, sondern für gewiss. Somit erscheint auch die subjektive Tatseite als hinlänglich erwiesen. Für den Fall einer Strafzumessung durch den Spruchsenat wurde kein mildernder Umstand vorgefunden, als erschwerend die finanzstrafbehördliche Vorstrafe."
***49*** ***5*** hat am 13.8.2020 vor der Finanzstrafbehörde Folgendes ausgesagt:
"Die ***4*** hat zwei verschiedene Gewerbe betrieben, das Taxigewerbe und das Baugewerbe. Für das Taxigewerbe war ***12*** verantwortlich. Es gibt eine Anzeige gegen ihn, dass er den Umsatz in die eigene Tasche gewirtschaftet hat, die ich in Kopie übergebe. Die ***4*** hatte 10 Autos zur Verfügung, diese wurden von der Mutter, der ***11*** zur Verfügung gestellt. Wir hatten einen Auftrag als Bauunternehmen, da wir aber keinen Kredit bekommen haben, konnten wir diesen nicht realisieren. Der Antrag auf Vergabe einer UID Nummer vom 18.3.2019 ist mir bekannt und wurde von mir unterfertigt. Die dem Antrag beigelegten Rechnungen wurden von mir ausgestellt, die Lieferung des Baumaterials wurde jedoch nicht verwirklicht.
Ich habe mit ***12*** vereinbart, dass sich ein Angestellter, Herr ***16***, gelernter Buchhalter, um die steuerlichen Verpflichtungen der Gesellschaft kümmern soll. ***12*** war bei der Firma angestellt, hatte aber keine offizielle Funktion. Ich habe mich auf ihn verlassen.
Die beiliegende Anzeige weist als Einschreiterin die ***11*** auf und stammt vom 8.4.2020. Es wird darin ausgeführt, dass die eingesetzten Autos einen monatlichen Umsatz von nahezu € 30.000 erbringen."
Am 1.10.2020 wurde ***12*** als Zeuge einvernommen und hat Folgendes angegeben:
"Ich habe von 2018 bis zur Konkurseröffnung bei der ***4*** als Taxi-, bzw. Mietwagenfahrer gearbeitet. Ich habe im Laufe der Zeit auch Führungsaufgaben übernommen, da sich der Chef ***9*** nicht so gut ausgekannt hat. Ich habe auch Mitarbeiter zur Sozialversicherung angemeldet und auf Anweisungen Fahrer bezahlt und Überweisungen getätigt. Es war aber oft nicht möglich zu bezahlen, ***Bf1*** das Konto geleert hat.
Ich habe auch Autobestellungen unterschrieben, diese wurden aber erst nach Rücksprache mit ***9*** genehmigt. Die Arbeitsanweisungen und die Personaleinteilung kamen von ***9***. Die Fahrer mussten auch ihm das Geld abliefern. Ich habe auch die Taxikonzession beschafft, da ich jemanden kannte, der sie hat. Man wollte mir die Firma übergeben, das ist glücklicherweise gescheitert, weil die Firma hoch verschuldet war.
***49*** ***5*** ist der Geschäftsführer und hat sich als Chef gegeben. Er und ***9*** sind beide für die Firma verantwortlich, ***49*** ***5*** wusste, dass keine Umsatzsteuer gemeldet und bezahlt wird."
***16*** wurde ebenfalls am 1.10.2020 als Zeuge einvernommen und hat Folgendes angegeben:
"Ich habe von 27.4.2019 bis 6.12.2019 für die ***4*** gearbeitet und war geringfügig angemeldet. Ich bin gelernter Mechatroniker und habe nur sehr geringe Buchhaltungskenntnisse. Ich kann nur Belege für den Steuerberater sortieren und vorbereiten. ***12*** hat mich gefragt, ob ich ihm im Büro helfen könnte. Ich habe Rechnungen gesammelt und sie an ihn übergeben. Ich habe auch neuen Fahrern bei der Installation der Registrierkassen-App geholfen. Die Stundenaufzeichnungen der Fahrer habe ich aus dem System ausgelesen, gedruckt und an den Steuerberater geschickt. Diese Übermittlung erfolgte per Mail, der Name des Steuerberaters ist mit nicht mehr erinnerlich. Ich glaube, dass eine Frau die Steuerberaterin war. Ich habe Mahnungen des Steuerberaters wegen nicht bezahlter Honorare gesehen. Mit meinem Gehalt gab es auch Probleme, ***12*** hat mir gesagt, dass er mein Gehalt auch aus der eigenen Tasche bezahlt hat. Es hat oft Streit zwischen ***12*** und ***49*** ***5*** gegeben. ***12*** hat nur auf Anweisung von ***49*** ***5*** gearbeitet. ***49*** ***5*** war der Geschäftsführer, aber ***9*** war der Chef."
Auf die Einleitung eines Finanzstrafverfahrens gegen ***9*** wurde mit Rechtfertigung vom 2.11.2020 vorgebracht, dass er lediglich seine Rechte als Gesellschafter wahrgenommen habe, jedoch nicht als faktischer Geschäftsführer anzusehen sei.
In der mündlichen Verhandlung vor dem Spruchsenat wurde am 12.5.2021 Folgendes erhoben:
"***49*** ***5***: Richtig ist, dass ich alleinvertretungsbefugter GF der ***4*** war. Ich habe mich ausschließlich um die bautechnischen Belange gekümmert. Für den Transportteil wie auch für die steuerlichen und buchhalterischen Angelegenheiten war ***12*** verantwortlich.
Wir hatten einen Kooperationsvertrag mit ***7***. Die Kontrolle der Fahrer und somit auch die Kontrolle über die Einkünfte hat ausschließlich ***12***. Dass UVAs abzugeben sind, ist mir natürlich grundsätzlich bekannt. Es hat auch keine finanzielle Mittel zur Begleichung der UVZ vorhanden, da ***12*** sämtlich Einnahmen immer abgehoben hat.
Über Frage, warum ich ihm nicht die Bankvollmacht entzogen habe, da ich ja GF war, gebe ich an, dass ich ihm ohnehin einen Monat lang die Bankomatkarte weggenommen habe, er sie sich aber wieder zurückgeholt hat.
***44*** hatte mit der Gesellschaft nichts zu tun.
Über Vorhalt der Zeugenaussage des ***12*** im Ermittlungsverfahren, gebe ich an, dass diese nicht stimmt. Ich lege vor eine Liste von Zeugen, die für die Firma gefahren sind und das Gegenteil angeben können.
Über Frage der Beisitzerin: Ich konnte die Umsätze natürlich auf dem Firmenkonto einsehen und wusste daher, wie hoch diese waren, aber wurden die Beträge, wie erwähnt, immer abgehoben. Wenn ich keine Umsatzsteuer bezahle, weiß ich natürlich, dass dieser (Anmerkung: Gemeint ist wohl der Staat) um die Umsatzsteuer umfällt.
Über Frage des Vert.: Natürlich habe ich dem Stb. die monatlichen Umsätze mitgeteilt und mich dann darauf verlassen, dass er die Erklärungen macht. Beim Stb handelt es sich um die ***13*** in ***14***. Ich entbinde den Stb. Von der Verschwiegenheitspflicht.
Auch den Kontakt zum MV hatte ***12***.
Zweitbesch. ***9*** bringt vor:
Ich war an der ***4*** über meine Gesellschaft die ***11*** beteiligt und habe auch die Gewebeberechtigung zur Verfügung gestellt, ich habe auch einige Fahrzeuge in die Firma eingebracht. Mit dem täglichen Geschäftsleben hatte ich nichts zu tun.
Erstbesch. ***49*** ***5***:
Die vorgelegte Liste ist zum Beweis dafür, dass die Fahrer weder mich noch den Zweitbesch. kennen, sondern ausschließlich zu ***12*** Kontakt hatten."
Am 15.9.2021 hat der Spruchsenat die mündliche Verhandlung fortgesetzt und die Zeugen ***15*** und den Prüfer ***2*** einvernommen:
"***15***: Wir haben die Buchhaltung der ***4*** bis Dezember 2018 und die Lohnverrechnung bis November 2019 gemacht. Ich kann nicht mehr angeben, wer im Unternehmen mein Ansprechpartner war und wer damit die Geschicke des Unternehmens geleitet hat. Es war jedenfalls keiner der beiden Beschuldigten, der mir die Unterlagen gebracht hat. Es war derjenige, der für den Fuhrpark zuständig war.
***2*** (Betriebsprüfer): Mein Ansprechpartner war zunächst die Buchhalterin aber auch die beiden Beschuldigten, wobei ich den Eindruck hatte, dass der Beschuldigte ***49*** ***5*** keine Ahnung von der Materie hatte und ***9*** der tatsächliche Chef des Unternehmens war, welcher auch alle meine Fragen beantwortet hat. Der Name ***12*** sagt mir nichts. Dass ***9*** besser informiert war als ***49*** ***5*** habe ich daraus geschlossen, dass er meine Fragen beantwortet hat ohne vorher ***49*** ***5*** zu dolmetschen. Ich hatte den Eindruck, dass der Beschuldigte ***49*** ***5*** meine Fragen auch auf Deutsch versteht. Den Prüfungsauftrag hat er unterschrieben."
Zur mündlichen Verhandlung vom 27.4.2022 sind die Zeugen ***12*** und ***16*** nicht erschienen, es wurde in der Folge ohne deren weitere Einvernahme entschieden.
Zum objektiven Tatbestand:
Unter Tz 1 des Prüfungsberichtes vom 10.1.2020 wird ausgeführt, dass für die ***4*** keine Umsatzsteuervoranmeldungen eingereicht und auch keine Vorauszahlungen entrichtet worden seien. Für die Prüfung seien lediglich eine Saldenliste, eine Dienstnehmerliste und 2 Subunternehmerwerkverträge mit der Firma ***64*** v. 19.6.2019 und 11.7.2019 zur Verfügung gestanden.
Die Besteuerungsgrundlagen mussten daher gemäß § 184 BAO im Schätzungsweg ermittelt werden.
Für 6 bis 12/2018 wurde eine Bemessungsgrundlage für Lieferungen und Leistungen von € 212.000 angenommen und Umsätze aus Bauleistungen von € 1.285,00 erfasst. Die Prüfung erbrachte eine Abgabennachforderung von € 38.721,50.
Für den Zeitraum 1-4/2019 wurde die Bemessungsgrundlage für Lieferungen und Leistungen mit € 121.200 angenommen und Umsätze aus Bauleistungen von € 800,00 erfasst. Die Prüfung erbrachte eine Abgabennachforderung von € 22.160,00.
Für die Monate 5 bis 11/2019 wurden wiederum keine Voranmeldungen eingereicht und auch keine Vorauszahlungen geleistet, weswegen die Besteuerungsgrundlagen ebenfalls geschätzt wurden. Daraus resultiert eine Abgabennachforderung von € 38.721,50, damit fällt auf den Zeitraum 5-9/2019 ein Anteil von € 27.658,21
Gemäß § 21 Abs. 1 UStG hat der Unternehmer spätestens am 15. Tag (Fälligkeitstag) des auf einen Kalendermonat (Voranmeldungszeitraum) zweitfolgenden Kalendermonates eine Voranmeldung bei dem für die Einhebung der Umsatzsteuer zuständigen Finanzamt einzureichen, in der er die für den Voranmeldungszeitraum zu entrichtende Steuer (Vorauszahlung) oder den auf den Voranmeldungszeitraum entfallenden Überschuss unter entsprechender Anwendung des § 20 Abs. 1 und 2 und des § 16 selbst zu berechnen hat. Die Voranmeldung gilt als Steuererklärung. Als Voranmeldung gilt auch eine berichtigte Voranmeldung, sofern sie bis zu dem im ersten Satz angegebenen Tag eingereicht wird. Der Unternehmer hat eine sich ergebende Vorauszahlung spätestens am Fälligkeitstag zu entrichten.
Tat ist die Verkürzung einer Abgabe für einen bestimmten Zeitraum, daher wird mangels anderer Anhaltspunkte für Zwecke des Finanzstrafverfahrens für die Monate 7, 8, 9, 10, 11, 12/2018 von einer Verkürzung von € 6.453,58 ausgegangen. Für 5, 6, 7, 8, 9/ 2019 von einer Verkürzung von je € 5.531,64 pro Monat und für 1, 2, 3, 4/2019 von je € 5.540 pro Monat.
Prävalenz des Versuches der Verkürzung der Jahresumsatzsteuer:
Für das Jahr 2018 wäre am 30.4.2019 eine Umsatzsteuerjahreserklärung einzureichen gewesen, dies wurde gleichfalls unterlassen, daher kam es nach Abweisungen zu Fristerstreckungen zur Schätzung durch die Betriebsprüfung.
Die Nichtabgabe einer Steuererklärung durch einen steuerlich erfassten Abgabepflichtigen stellt den Versuch der Verkürzung einer Abgabe dar. Bereits die versuchte Verkürzung einer bescheidmäßig festzusetzenden Jahresumsatzsteuer geht nach ständiger Judikatur des BFG sowie der Höchstgerichte einem Vergehen im Voranmeldungsstadium voran.
Es gab jedoch Fristverlängerungen bis 28.2.2020, somit über die Konkurseröffnung hinaus, daher war im Zeitpunkt des Eintritts der Verpflichtung eine Jahreserklärung einzureichen bereits der Masseverwalter für deren Erstattung zuständig.
Hinsichtlich der Verkürzungen für 2019 ist festzuhalten, dass vor Ablauf der Erklärungsfrist einerseits bereits Abgabenfestsetzungen erfolgt sind und zudem auch bereits vor deren Eintritt der Konkurs über das Vermögen der Gesellschaft eröffnet wurde, weswegen den Beschuldigten eben auch für das Jahr 2019 keine Jahreserklärungslegungspflicht mehr getroffen hat.
Für den Zeitraum Juni 2018 ergaben jedoch weder die im abgabenbehördlichen Verfahren vorgelegten Unterlagen noch die Bankkonten einen Hinweis, dass steuerpflichtige Umsätze erzielt worden wären.
Demnach verbleiben nach der Aktenlage 15 Taten zu Verkürzungen von Umsatzsteuervorauszahlungen bei Unterlassung der Einreichung von Umsatzsteuervoranmeldungen.
Da die Bankkonten den Eingang wesentlich höherer Beträge aufzeigen als in der Liste, die für die Tatzeiträume 2018 vorgelegt und im Schätzungsweg für 2019 umgelegt wurde, enthalten war, erscheinen die Schätzungen der Abgabenbehörde unbedenklich auch für Zwecke des Finanzstrafverfahrens übernehmbar, da diese Schätzungen weit unter den offensichtlich tatsächlich erzielten Umsätzen laut Konto liegen.
Zu dem Schluss haben die folgenden Ermittlungen und Überlegungen des Senates geführt:
Zum Einwand, dass ***6*** für die abgabenrechtlichen Angelegenheiten zuständig gewesen sei und Barabhebungen getätigt habe sowie wegen des Umstandes, dass abgabenbehördlich wegen Nichteinreichen von Umsatzsteuervoranmeldungen gemäß § 184 BAO Schätzungen vorgenommen werden mussten, wurden seitens des BFG zur Verbreiterung der Entscheidungsgrundlagen Kontenöffnungen nach § 99 Abs. 6 FinStrG vorgenommen.
Zum Konto 1, AT ***50***:
Feststellungen:
Die erste Buchung ist eine Überweisung an die ***28*** vom 2.1.2019. Diese Firma wurde am 22.12.2017 in die ***11*** eingebracht.
Auf diesem Konto sind im Zeitraum Jänner bis Mai 2019 zahlreiche Barabhebungen (zumeist € 300,00 oder € 400,00) und vereinzelte Abhebungen im Juli, August und September 2019 ersichtlich. Der maximale Kontostand lag bei € 5.000,00.
***9*** scheint auf diesem Konto am 7.2.2019 (€ 2.000), am 27.2.2019 (€ 2.000), am 29.8.2019 (€ 2.200) und am 7.10.2019 (€ 3.600) mit George Überweisungen auf.
Zu ***Bf1*** gibt es am 25.2.2019 eine Buchung mit dem Wert von € 300,00, am 21.6.2019 eine Buchung Lohn für Gf. € 200,00, eine Buchung vom 13.8.2019 Pacht Leasingautos (€ 1.283,68) und eine George Überweisung vom 23.9.2019 (€ 441.13) auf.
Am 10.4.2019 wurde von diesem Konto ein Betrag von € 800,00 an die ***53*** überwiesen.
Am 15.4.2019 gingen € 300,00, am 5.6.2019 € 3.000, am 2.9.2019 € 1.575, am 3.9.2019 € 3.500,00 an die ***11***.
Am 27.8.2019 scheint eine Mietzahlung von € 600,00 auf.
***16*** hat am 1.10.2019 eine George Überweisung von € 140,00, am 3.10.2019 eine Überweisung von € 160,00 und am 14.11.2019 eine Überweisung von € 200,00 vorgenommen.
Bewertung:
Über dieses Konto, auf dem auch ***6*** zeichnungsberechtigt war, sind im Jahr 2019 die kleinen Barabhebungen von 300/400 € erfolgt, von denen im behördlichen Verfahren gesprochen wurde. Es ist sichtlich dem Geschäftszweig Taxigewerbe zuzuordnen.
Aus der Höhe der getätigten Barabhebungen und den Angaben der steuerlichen Vertreterin, dass sie erst 2019 Unterlagen für die Berechnung von Umsatzsteuervorauszahlungen für Juni bis Dezember 2018 erhalten habe und in der Folge keinerlei Unterlagen für 2019 ergibt sich für den Senat zweifelsfrei, dass die Behauptung ***12*** sei für die Einreichung der Voranmeldungen und Begleichung der Umsatzsteuervorauszahlungen verantwortlich gewesen, als reine Schutzbehauptung anzusehen ist.
Im Jahr 2018 war ***12*** erst ab 17.12. auf dem Konto zeichnungsberechtigt, daher konnte er schon allein deswegen keine Überweisungen von Umsatzsteuervorauszahlungen vorgenommen haben, zudem wurde von diesem Konto keine Abhebungen in einer Größenordnung getätigt, die für eine Vorauszahlung benötigt worden wären.
Die Feststellung im Erkenntnis des Spruchsenates, dass ***45*** die Kontrolle über die Geldmittel der ***4*** gehabt habe, ist durch die Kontenlage widerlegt.
Konto 2, AT ***51***:
Auf diesem Konto scheint eine erste Bareinzahlung vom 16.4.2018 auf.
Am 17.7.2018 gibt es einen Eingang ***29*** in der Höhe von € 16.908,00. Der Betrag von € 16.000,00 wurde am nächsten Tag bar abgehoben.
Am 20.7.2018 gibt es einen Eingang von € 200.000,00 Projekt ***17*** ***18***, am 30.7.2018 einen weiteren Eingang von € 200.000,00 (weitere Ausführungen zu ***18*** siehe unten)
Am 3.9.2018 ging von der Firma ***19*** ein Betrag von € 36.036,00 ein (diese Rechnung lag im behördlichen Verfahren vor, Ust € 6.006,00), dazu wurde zeitnah am 3.9.2018 ein Betrag von € 20.000,00 vom Konto bar abgehoben. Diese Firma ist steuerlich nicht erfasst.
Am 7.9.2018 ging ebenfalls von der Firma ***19*** ein Betrag von € 19.008,00 (dazu gibt es keine Rechnung) am Konto ein, am selben Tag wurden € 15.000,00 in bar abgehoben.
Am 10.9.2018 wurden von diesem Konto Überweisungen für lohnabhängige Abgaben an die Abgabenbehörde von € 151,22 und € 33,71 getätigt.
Am selben Tag gingen auch € 66 an die ***53***.
Am 14.9.2918 gingen € 10.400,00 von ***20*** am Konto ein, dem folgte eine Abhebung vom selben Tag in der Höhe von € 10.000,00.
Am 16.10.2018 gingen € 14.666,40 von der ***21*** ein, am nächsten Tag wurden € 35.000,00 in bar abgehoben. Diese Firma ist ebenfalls steuerlich nicht erfasst. Eine Firma mit dem Namen wurde 2012 im Firmenbuch gelöscht.
Am 18.10.2018 gingen weitere € 9.000,00 von der ***20*** ein, wobei am selben Tag € 25.000,00 abgehoben wurden.
***29*** in Wien zahlten am 19.10.2018 € 17.100,00 ein, am selben Tag wurden € 21.000,00 in bar abgehoben.
Von ***21*** ist am 19.2.2019 ein Betrag von € 2.256,00 auf dem Konto eingegangen, dazu gibt es am 20.2.2019 eine Abhebung von € 2.200,00.
Am 21.2.2019 gingen € 2.880,00 von ***22*** ein und € 8.206,80 von ***21***, dazu gibt es eine Barauszahlung von € 11.000,00 am darauffolgenden Tag. Diese Firma ist ebenfalls steuerlich nicht erfasst. Eine Firma mit dem Namen gibt es auch im Firmenbuch nicht.
Am 26.2.2019 sind € 1.680,00 von ***23*** eingegangen und am 27.2.2019 € 1.692,00 wiederum von ***22***. Am 1.3.2019 wurden € 2.000,00 abgehoben. Eine Person mit dem Namen ***23*** ist steuerlich nicht erfasst.
Am 1.4.2019 gingen € 6.000,00 von ***24*** ein, dazu wurde am selben Tag ein Betrag von € 5.650,00 bar abgehoben. Eine Person mit diesem Namen ist steuerlich nicht erfasst.
Am 2.4.2019 ging ein Betrag von € 8.236,80 von der ***21*** ein, dem folgten zwei Barabhebungen am selben Tag von € 1.500,00 und € 6.000,00.
Am 4.4.2019 scheint ein Eingang von ***25*** von € 4.487,96 auf, am selben Tag wurden € 5.000,00 abgehoben. Ein Rechtssubjekt mit dieser Bezeichnung ist ebenfalls steuerlich nicht erfasst. Es gibt auch keine Firma mit dem Namen im Firmenbuch.
Am 5.4.2019 gibt es einen Eingang von ***26*** mit € 2.400,00 und eine Abhebung von € 2.000,00.
Am 30.4.2019 scheint ein Eingang von ***21*** von € 14.485,00 auf sowie eine Abhebung von € 13.000,00.
Am 20.5.2019 gibt es einen Eingang von ***21*** von € 13.366,08 mit der korrespondierenden Abhebung von € 13.300,00 am nächsten Tag.
Am 16.7.2019 gibt es einen Eingang der ***27*** von € 30.000,00, dem zwei Barabhebungen von je € 15.000,00 am selben Tag gegenüberstehen. Diese GmbH ist steuerlich ebenfalls nicht erfasst und es gibt auch keine Firma mit diesem Namen im Firmenbuch.
Weitere Eingänge mit der Bezeichnung "***18***" und korrespondierende Barabhebungen:
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Eingang in €
|
Datum
|
Abhebung in €
|
Datum
|
1.583,28
|
19.11.2018
|
2.000,00
|
19.11.2018
|
2.637,45
|
26.11,2018
|
2.000,00
|
26.11.2018
|
1.356,00
|
26.11.2018
|
1.200,00
|
14.2.2019
|
10.000,00
|
24.5.2019
|
9.700,00
|
24.5.2019
|
13.580,00
|
4.6.2019
|
22.200,00
|
4.6.2019
|
28.100,00
|
13.6.2019
|
20.000,00
|
13.6.2019
|
43.068,00
|
21.6.2019
|
20.000,00
15.000,00
7.000,00
960,00
|
21.6.2019
|
14.078,28
|
28.6.2019
|
12.500,00
2.000,00
|
28.6.2019
|
26.772,00
|
5.7.2019
|
15.000,00
11.000,00
|
5.7.2019
|
7.000,00
|
11.7.2019
|
7.000,00
|
11.7.2019
|
20.661,00
|
16.7.2019
|
18.000,00
500,00
500,00
|
16.7.2019
Der Zweitbeschuldigte war zwischen 1995 und 2015 mit ***30*** verheiratet, die auch den Namen Al-***31*** trug, nunmehr aber wieder ***30*** heißt.
Bewertung:
Wie man diesem Konto entnehmen kann, hat es sehr wohl bedeutende Umsätze gegeben, die jedoch nicht gegenüber der Abgabenbehörde offengelegt wurden.
Auf den Konten scheinen weder regelmäßige Lohnzahlungen an Arbeitnehmer auf noch Geschäftsführergehälter. Es ist daher nicht ersichtlich in welchem Umfang Betriebsausgaben angefallen sind.
Dass die Eingänge auf dem Konto 2 von Subunternehmern stammen sollen, ist eine reine Schutzbehauptung. Eingänge können nur von Auftraggeberfirmen kommen, Subunternehmerfirmen sind zu bezahlen, dies ergäbe einen Ausgang und nicht einen Eingang am Bankkonto.
Die Schätzung für 6-12/2018 erfolgte an Hand einer im Zuge der Prüfung vorgelegten Auflistung Mehrwertsteuer 1-12/2018 (Ordner 195), die nicht mit einem Bankkonto in Einklang zu bringen ist. Laut Bankkonto 2 gab es wesentlich höhere Eingänge, als sich aus dieser Liste steuerpflichtige Umsätze ableiten lassen.
Zu den auf der Liste genannten Firmen ***59***, ***60***, ***61***., ***62*** und ***63*** gibt es keinen Eingang auf einem der beiden Bankkonten.
Das Bankkonto 2 zeigt namhafte Eingänge unter Bezeichnungen von Firmen auf, deren tatsächliche Existenz äußert fragwürdig erscheint, da sie weder steuerlich erfasst waren noch unter den genannten Namen im Firmenbuch aufscheinen.
Die Barabhebungen wurden bis April 2019 ausschließlich von ***33*** getätigt.
Folgenden Barabhebungen am Konto stehen korrespondierende Einzahlungen und jeweils auch gleichlautenden Auszahlungen am Kassabuch gegenüber:
18.7.2018 € 16.000,00
25.7.2018 € 10.000,00
27.7.2018 € 20.000,00
1.8.2018 € 5.000,00
30.8.2018 € 7.000,00
12.9.2018 € 12.000,00
12.10.2018 € 5.000,00
19.10.2018 € 6.000,00
24.10.2018 € 5.000,00
Ab April 2019 wurden die Abhebungen am Konto abwechselnd von ***33*** und ***Bf1*** getätigt.
***Bf1*** hat Abhebungen im zeitlichen Zusammenhang mit Eingängen der ***21***, von ***18*** und der ***27*** getätigt.
Es liegen somit keine Unterlagen vor, aus denen sich der tatsächliche Umfang der Geschäftstätigkeit zweifelsfrei ableiten ließe. Da in der Auflistung für 2018 Umsätze erfasst sind, die keinen Eingang in das Bankkonto gefunden haben und am Bankkonto erfasste Umsätze nicht auf der Liste aufgeschienen sind, ergibt nichts valide Berechnungsgrundlagen, aber es besteht eine Basis für eine Schätzungsberechtigung auch im Finanzstrafverfahren. Der Senat ist zum Schluss gekommen, dass die abgabenrechtlich vorgenommene Schätzung nach § 184 BAO, eben auch unbedenklich auch für Zwecke des Finanzstrafverfahrens übernehmbar ist, da zumindest Verkürzungen in dieser Größenordnung bewirkt wurden.
Dem Spruchsenat lagen diese Daten zu den Bankkonten nicht vor, die ein ganz anderes Licht auf den tatsächlichen Geschäftsumfang und die angenommene Aufsplittung in Taxibetriebumsätze und andere Umsätze werfen.
Zum subjektiven Tatbestand:
Der Beschuldigte ***49*** ***5*** fungierte ab Gründung seit 25.5.2018 als handelsrechtlicher Geschäftsführer, daher war er verpflichtet deren abgabenrechtliche Belange im Zeitraum seiner Geschäftführung wahrzunehmen. Am 2.12.2019 wurde über das Vermögen der Gesellschaft das Konkursverfahren eröffnet.
Der Beschuldigte ***9*** fungierte weder als Gesellschafter noch Geschäftsführer der ***4***, er war Geschäftsführer der ***11***, die Gesellschaftsanteile an der ***4*** im Ausmaß von € 17.500 (davon € 5.000 einbezahlt) hielt.
Es wurden für die ***4*** niemals Umsatzsteuervoranmeldungen eingereicht, lediglich sehr geringe Beträge an lohnabhängigen Abgaben und dies verspätet gemeldet und diese ebenfalls nicht entrichtet.
Erst am 18.03.2019 langte bei der Abgabenbehörde ein vom Beschuldigten ***49*** ***5*** unterfertigter Antrag auf Vergabe einer UID-Nummer für die ***4*** ein. In diesem wird um Vergabe einer UID-Nummer ersucht, da die Auftraggeber (***7***) die UID-Nummer benötigen würden. In diesem Antrag wird auch eine Einbringung von Umsatzsteuervoranmeldungen binnen 4 Wochen in Aussicht gestellt, was jedoch unterblieben ist.
Dass ***49*** ***5*** im März 2019 eine UID Nummer für die Gesellschaft haben wollte, ergibt sich aus der Vielzahl an Geschäftspartnern, die in der Folge Überweisungen auf das Konto 2 getätigt haben. Seine Angabe vom 13.8.2020 vor der Finanzstrafbehörde, es habe keine Bauumsätze gegeben und wiederum am 6.9.2022 vor dem BFG, war demnach falsch und wird durch das Bankkonto 2 der ***4*** widerlegt.
***Bf1*** ist unter ***35*** steuerlich erfasst. Auf diesem Abgabenkonto ist ersichtlich, dass er im Jahr 2005 Umsatzsteuervoranmeldungen eingereicht hat, daher war er auch in den Tatzeiträumen in Kenntnis dieser Verpflichtung.
Vor dem Spruchsenat hat ***Bf1*** am 12.5.2021 ausgesagt, dass er monatlich der Steuerberaterin die Umsätze mitgeteilt hat, was durch deren Zeugenaussage widerlegt wurde. Ebenso ist es unzutreffend, dass ***16*** als Buchhalter die steuerlichen Belange wahrnehmen sollte, weil er erst ab 4/2019 im Unternehmen war.
Die Behauptung, dass ***12*** für die abgabenrechtlichen Belange zuständig gewesen sei, stellt sich bei Betrachtung der Bankkonten 1 und 2 ebenfalls als reine Schutzbehauptung dar. Selbst, wenn er die Bankomatabhebungen, ersichtlich auf Konto 1, vorgenommen haben sollte, steht dies in keiner Relation zu den tatsächlichen Umsätzen und ergibt sich gerade aus den runden Abhebungen von meist € 300 oder € 400, dass er damit keine Vorauszahlungen bei deren Fälligkeit entrichtet haben kann.
Er hatte wesentliche Aufgaben in der ***4*** im Geschäftszweig Taxibetrieb und hat auch als Zeuge unter Wahrheitspflicht von der Behörde einvernommen ausgesagt, dass er Zahlungen an Fahrer vorgenommen sowie überlegt habe diesen Unternehmenszweig zu übernehmen. Jedoch steht nach dem durchgeführten Beweisverfahren für den Senat fest, dass dieser Bereich, im Gegensatz zu den andauernden Beteuerungen der beiden Beschuldigten, die sich laufend in Widersprüche zueinander und zu den vorliegenden Unterlagen gebracht haben, erstens lediglich eine untergeordnete Rolle in der Gesamtumsatzerzielung der ***4*** eingenommen hat und zweitens eben ***12*** mangels Verfügungsmöglichkeit über die Geldmittel der Gesellschaft nicht mit der Entrichtung der Abgabenschuldigkeiten dieser Gesellschaft betraut gewesen sein kann.
Es mag zutreffen, dass er Unterlagen an die Steuerberaterin weitergeleitet hat, es wurde jedoch nie behauptet, dass er auch eine Aufgabe im Zusammenhang mit Bauumsätzen gehabt habe, daher kannte er wohl nicht den Gesamtumfang der Tätigkeiten der ***4*** und hätte die Steuerberaterin niemals in Kenntnis aller Umstände setzen können, die sie in die Lage versetzt hätten, richtige Voranmeldungen zu den Fälligkeitstagen zu erstellen.
***Bf1*** traf als Geschäftsführer die abgabenrechtliche Verpflichtung die Meldungen und Zahlungen vorzunehmen, er ist der unmittelbare Täter. Er hat zunächst auch immer nur, der offensichtlich zwischen den beiden Beschuldigten vereinbarten Verfahrenseinlassung folgend, auf den Taxibetrieb und die dort federführende Stellung von ***12*** verwiesen. Durch die Kontodaten überführt, hat er in der Folge sehr wohl seine zahlreichen Falschangaben (keine Bauumsätze, nur in Summe € 11.000,00 abgehoben, ***45*** ist der faktische Geschäftsführer) letztlich revidiert und einbekannt, dass die Kontakte zur Erzielung der Bauumsätze der Zweitbeschuldigte ***33*** hergestellt habe.
Da somit unzweifelhaft der steuerlichen Vertreterin nicht alle für die Berechnung der Umsatzsteuerzahllasten benötigten Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden, wusste er, dass sie nicht in der Lage sein werde, richtige Voranmeldungen einzureichen. Da keinerlei Vorauszahlungen geleistet wurden, wusste er auch, dass die Zahlungspflicht monatlich verletzt wurde.
Der Senat sieht ihn als von ***33*** eingesetzten Geschäftsführer, der faktisch dessen Entscheidungsbefugnis unterstand und seinen abgabenrechtlichen Verpflichtung einerseits zunächst einfach nicht nachgekommen ist, andererseits jedoch in Folge eigener Abhebungen vom Konto 2 in bedeutender Höhe eben auch in Kenntnis des Umstandes gewesen ist, dass laufend namhafte Umsätze erzielt, jedoch keinerlei Steuerzahlungen und Meldungen dazu geleistet werden. Er hat die jeweiligen Verkürzungen demnach für gewiss gehalten und auch die Nichtabgabe von richtigen Voranmeldungen ernstlich für möglich gehalten und sich damit abgefunden.
***9*** hat über weite Strecken über das Konto 2 verfügt und ist daher tatsächlich als faktischer Machthaber der ***4*** anzusehen. Über das Konto 1 hat er auch 3x Zahlungen erhalten, die seinem monatlich einbekannten Einkommen entsprechen.
Er hat sichtlich mehrere Firmen unter seinem Einflussbereich gehabt und die Geschäftsführung jedoch nicht selbst übernommen, sondern seinen alten Bekannten ***Bf1*** damit betraut. Seine Angaben sind gänzlich unglaubwürdig, dass er den handelsrechtlichen Geschäftsführer lediglich unterstützt haben will und dieser die Gesellschaft geführt habe. Die Beobachtungen der Zeugen ***12***, ***16*** und des Betriebsprüfers, dass er der "Chef" der Firma war, stehen in Einklang mit dem Umstand, dass bis zum Mai 2019 ausschließlich er die namhaften Barabhebungen vom Konto 2 getätigt hat und letztlich hat ja auch ***Bf1*** nach Vorhalt des Konto 2 vor dem BFG angegeben, dass ***9*** die Bauaufträge dazu gebracht habe und nicht er. Seine Aussage vor dem BFG am 6.9.2022, dass er ausschließlich mit Abhebungen zum Projekt ***17*** in Verbindung mit seiner Exgattin zu tun gehabt habe, wurde durch die weiteren Erhebungen zu den getätigten Barabhebungen widerlegt.
Der Zeuge ***43*** konnte als Praktikant bei einem Arzt, in einem Büro im selben Gebäude in dem auch die ***4*** ihren Sitz hatte, naturgemäß nur punktuelle Beobachtungen zu tatsächlichem Geschehen haben. Er konnte keinerlei Wahrnehmungen zur Nichteinreichung von Umsatzsteuervoranmeldungen haben, genauso wenig hatte er Einblick in eine Einteilung von Geldmitteln der Gesellschaft und die Verwendung der auf den Konten eingegangenen Zahlungen von Kunden. Seine Angaben, dass ***45*** Taxifahrer bezahlt habe, deckt sich mit dessen Aussage und ist unstrittig.
Er hat lediglich bestätigt, dass die Gesellschaft eben auch Bauaufträge hatte, was ***Bf1*** ursprünglich im Verfahren vor der Behörde und beim ersten Verhandlungstag vor dem BFG noch bestritten hat. Ansonsten zeigt auch seine Anstellung bei der ***11*** einmal mehr auf, dass alle Fäden bei ***9*** zusammenlaufen, weil ja auch ***12*** zunächst bei dieser Firma angestellt gewesen ist. Die zum Akt genommenen Unterlagen mit Unterschriften von ***12*** für die ***4*** bestätigen nur seine Angaben eben für diese Firma auch federführend in der Sparte Taxibetrieb tätig gewesen zu sein, es geht daraus aber weder ein faktisches Handeln für buchhalterische Belange noch eine Übernahme einer abgabenrechtlichen Verantwortlichkeit für die ***4*** hervor.
***9*** hat damit durch die Vermittlung von Bauumsätzen an die ***4***, die zu namhaften Eingängen am Konto 2 geführt haben, zu denen er jeweils zeitnah namhafte Barabhebung vorgenommen hat, wobei diese Umsätze keinen Niederschlag in einem Rechnungswesen der ***4*** hatten, den handelsrechtlichen Geschäftsführer als Bestimmungstäter zur Nichtabgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen und Verkürzung von Vorauszahlungen bei deren Fälligkeit bestimmt. Er hat die Verkürzungen ebenfalls für gewiss gehalten und es ernstlich für möglich gehalten und damit abgefunden, dass auch eine Meldungslegung unterbleibt.
Der Tatbestand des § 33 Abs. 2 lit. a FinStrG ist somit in 15 Tatzeiträumen in objektiver und subjektiver Hinsicht erfüllt worden.
Eine allfällige Beitragstäterschaft von ***12*** zu den Abgabenverkürzungen der beiden Beschuldigten war nicht Sache des Verfahrens vor dem BFG.
Strafbemessung:
§ 33 Abs. 5 FinStrG: Die Abgabenhinterziehung wird mit einer Geldstrafe bis zum Zweifachen des für den Strafrahmen maßgeblichen Verkürzungsbetrages (der ungerechtfertigten Abgabengutschrift) geahndet. Dieser umfasst nur jene Abgabenbeträge (ungerechtfertigte Gutschriften), deren Verkürzung im Zusammenhang mit den Unrichtigkeiten bewirkt wurde, auf die sich der Vorsatz des Täters bezieht. Neben der Geldstrafe ist nach Maßgabe des § 15 auf Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu erkennen.
Gemäß § 21 Abs. 1 FinStrG gilt: Hat jemand durch eine Tat oder durch mehrere selbständige Taten mehrere Finanzvergehen derselben oder verschiedener Art begangen und wird über diese Finanzvergehen gleichzeitig erkannt, so ist auf eine einzige Geldstrafe, Freiheitsstrafe oder Geld- und Freiheitsstrafe zu erkennen. Neben diesen Strafen ist auf Verfall oder Wertersatz zu erkennen, wenn eine solche Strafe auch nur für eines der zusammentreffenden Finanzvergehen angedroht ist.
Abs. 2: Die einheitliche Geld- oder Freiheitsstrafe ist jeweils nach der Strafdrohung zu bestimmen, welche die höchste Strafe androht. Es darf jedoch keine geringere Strafe als die höchste der in den zusammentreffenden Strafdrohungen vorgesehenen Mindeststrafen verhängt werden. Hängen die zusammentreffenden Strafdrohungen von Wertbeträgen ab, so ist für die einheitliche Geldstrafe die Summe dieser Strafdrohungen maßgebend. Ist in einer der zusammentreffenden Strafdrohungen Geldstrafe, in einer anderen Freiheitsstrafe oder sind auch nur in einer von ihnen Geld- und Freiheitsstrafen nebeneinander angedroht, so ist, wenn beide Strafen zwingend vorgeschrieben sind, auf eine Geldstrafe und auf eine Freiheitsstrafe zu erkennen. Ist eine von ihnen nicht zwingend angedroht, so kann sie verhängt werden.
Normen und Schlagworte
- § 185 Abs. 1 lit. a FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 20 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 33 Abs. 5 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 33 Abs. 2 lit. a FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7300019/2022
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.7300019.2022
- Stammnummer
- 139864
- Gültig
- 17.01.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF