Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7300011/2025
Grob fahrlässige Meldepflichtverletzung nach § 15 Abs 1 Z 2 WiEReG durch Strohmann - Strafbemessung - beneficium cohaesionis
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7300011/2025vom 14.04.2026Teil 1 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Dies gilt für die Verletzung aller drei nach § 5 WiEReG vorgesehenen Meldeverpflichtungen (Erstmeldung, Jahresmeldung oder eine Meldung infolge Wegfalls der Meldebefreiung).
Bei Unterlassung der Einsichtnahme in die Databox ist der Eintritt eines dem gesetzlichen Tatbild entsprechenden Sachverhaltes als geradezu wahrscheinlich vorhersehbar (BFG 11.12.2025, RV/2300013/2025).
Ein Geschäftsführer hat dafür Sorge zu tragen und muss sicherstellen, dass er entweder selbst die via FinanzOnline in die Databox zugestellten Nachrichten abrufen kann oder dass jemand die Nachrichten für ihn abruft und an ihn weiterleitet.
Keine Kenntnisnahme von rechtswirksamen Erinnerungen ist nicht schädlich. Es ist nicht erforderlich, dass der Bf. nachweislich Kenntnis von den Erinnerungen hatte, es genügt, dass er grob fahrlässig keine Kenntnis von rechtswirksamen Erinnerungen erlangt hat.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch die Richterin ***Ri*** in der Finanzstrafsache gegen Herrn ***Bf1***, ***Bf1-Geb-Datum***, ***Bf1-Adr***, wegen der Finanzvergehen gemäß § 15 Abs. 1 Z 2 Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz (WiEReG) über die Beschwerde des Beschuldigten vom 28. Februar 2025 gegen das Straferkenntnis des Amtes für Betrugsbekämpfung als Finanzstrafbehörde vom 4. Dezember 2024, Geschäftszahl ***Bf1-FV-GZ***, Strafkontonummer ***Bf1-StrafKtoNr***, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 in Anwesenheit des Beschuldigten, seines Verteidigers Lehner, Baumgartner & Partner Steuerberatung GmbH & Co KG, vertreten durch ***BfV1*** und ***BfV2***, des Amtsbeauftragten ***AB1*** sowie des Schriftführers ***S1*** und der fortgesetzten mündlichen Verhandlung am 14. April 2026 in Anwesenheit des Beschuldigten, des Amtsbeauftragten ***AB1*** sowie der Schriftführerin ***S2*** zu Recht erkannt:
I. Der Beschwerde wird teilweise stattgegeben und das angefochtene Straferkenntnis gemäß § 161 Abs. 1 FinStrG abgeändert, wie folgt:
1. Die Finanzstrafverfahren bezüglich der vom ABB als Finanzstrafbehörde zur StrafKtoNr ***Bf1-StrafKtoNr*** angelasteten Finanzvergehen nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG wegen grob fahrlässiger Verletzung
a. der zum 18. November 2020 für die ***Verband KG*** bestehenden Meldepflicht nach § 5 WiEReG durch Nichtabgabe der Erstmeldung im Zeitraum vom 20. Juli 2021 bis zum 4. April 2022 trotz Aufforderung am 17. Februar 2021 und am 27. Mai 2021;
b. der zum 18. November 2021 für die ***Verband KG*** bestehenden Meldepflicht nach § 5 WiEReG durch Nichtabgabe der Jahresmeldung im Zeitraum vom 8. März 2022 bis zum 4. April 2022 trotz Aufforderung am 19. November 2021 und am 12. Jänner 2022
werden gemäß §§ 157, 136 Abs. 1 iVm § 82 Abs. 3 lit c FinStrG eingestellt.
2. Herr ***Bf1*** ist schuldig, als Geschäftsführer der ***Verband GmbH*** grob fahrlässig die zum 11. Dezember 2020 bestehende Meldepflicht nach § 5 WiEReG verletzt zu haben, indem er trotz Aufforderung am 10. Juni 2021 und am 13. August 2021 die Erstmeldung infolge des Wegfalls der Meldebefreiung am 13. November 2020 im Zeitraum vom 5. Oktober 2021 bis zum 1. Juli 2022 nicht abgegeben hat.
Er hat hierdurch das Finanzvergehen gemäß § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG begangen.
Dafür wird über ihn nach § 15 Abs. 1 WiEReG (2. Strafsatz) eine Geldstrafe von EUR 8.000,00 ausgesprochen.
Für den Fall der Uneinbringlichkeit der Geldstrafe wird gemäß § 20 Abs. 2 FinStrG die Ersatzfreiheitsstrafe mit 9 Tagen festgesetzt.
Gemäß § 185 Abs. 1 lit. a FinStrG werden die Kosten des Verfahrens mit EUR 500,00 bestimmt.
II. Aus Anlass der Behandlung der Beschwerde des Beschuldigten Herrn ***Bf1*** wird gemäß § 161 Abs. 3 zweiter Satz FinStrG die Strafverfügung vom 05.08.2024 dahingehend abgeändert, dass es zu lauten hat:
Die gegen die ***Verband KG*** (vormals: ***Verband KG***), ***FN Verband KG***, ***Verband KG-Adr***, beim ABB als Finanzstrafbehörde zur StrafKtoNr ***Verband KG-StrafKtoNr*** und GZ ***Verband KG-FV-GZ*** geführten Finanzstrafverfahren wegen des Verdachts, sie trage gemäß § 3 Abs. 1 und 2 VbVG die finanzstrafrechtliche Verantwortung dafür, dass Herr ***Bf1***, ***Bf1-Geb-Datum***, als Geschäftsführer der geschäftsführenden Komplementärin die Finanzvergehen nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG wegen grob fahrlässiger Verletzung
1. der zum 18. November 2020 für die ***Verband KG*** bestehenden Meldepflicht nach § 5 WiEReG durch Nichtabgabe der Erstmeldung im Zeitraum von 20. Juli 2021 bis zum 4. April2022 trotz Aufforderung am 17. Februar 2021 und am 27. Mai 2021;
2. der zum 18. November 2021 für die ***Verband KG*** bestehenden Meldepflicht nach § 5 WiEReG durch Nichtabgabe der Jahresmeldung im Zeitraum 8. März 2022 bis zum 4. April 2022 trotz Aufforderung am 19. November 2021 und am 12. Jänner 2022
begangen habe, werden gemäß §§ 157, 136 Abs. 1 iVm § 82 Abs. 3 lit c FinStrG eingestellt.
III. Eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) ist weder hinsichtlich Spruchpunkt I. noch II. zulässig.
Entscheidungsgründe
Verfahrensgang
Das Amt für Betrugsbekämpfung als Finanzstrafbehörde verständigte Herrn ***Bf1*** gemäß § 83 Abs. 2 FinStrG mit Schreiben vom 4. April 2022 über das gegen ihn eingeleitete Finanzstrafverfahren wegen des Verdachtes, dass er als Entscheidungsträger iSd § 2 Verbandsverantwortlichkeitsgesetz (VbVG) der ***Verband KG*** (nachstehend: ***Verband KG***) und somit für die Einhaltung der Meldepflicht gemäß § 5 WiEReG als Verantwortlicher trotz zweimaliger Aufforderung im Jahr 2021 (Zustellungen am 7. Juni 2021 und 23. November 2021) und im Jahr 2022 (Zustellungen am 20. Jänner 2022 und 24. März 2022) eine Verletzung der Meldepflicht nach § 5 WiEReG verwirklicht und hiermit ein Finanzvergehen nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG iVm § 11 FinStrG im Jahr 2021 und im Jahr 2022 begangen habe.
Mit Schreiben vom 1. Juli 2022 verständigte die belangte Behörde Herrn ***Bf1*** gemäß § 83 Abs. 2 FinStrG über das gegen ihn eingeleitete Finanzstrafverfahren wegen des Verdachtes, dass er als handelsrechtlichen Geschäftsführer der ***Verband GmbH*** (nachstehend: ***Verband GmbH***) der Meldepflicht gemäß § 5 WiEReG als Verantwortlicher trotz dreimaliger Aufforderung am 10. Juni 2021, am 13. August 2021 sowie am 12. Februar 2022 nicht nachgekommen sei und somit eine Meldepflichtverletzung nach § 5 WiEReG verwirklicht und hiermit ein Finanzvergehen nach § 15 WiEReG iVm § 11 FinStrG begangen habe.
Mit Schreiben vom 20. Februar 2023 verständigte die belangte Behörde Herrn ***Bf1*** gemäß § 83 Abs. 2 FinStrG unter Verweis auf die Verständigung vom 1. Juli 2022 über die Erweiterung des eingeleiteten Finanzstrafverfahrens, weil der Verdacht bestehe, dass er als handelsrechtlicher Geschäftsführer der ***Verband GmbH*** ein Finanzvergehen gemäß § 15 WiEReG begangen habe, weil er die Meldepflicht gemäß § 5 WiEReG als Verantwortlicher trotz zweimaliger Aufforderung am 14. Dezember 2022 und am 10. Februar 2023 nicht nachgekommen sei.
Am 5. August 2024 erging die Strafverfügung, mit welcher Herr ***Bf1*** für schuldig befunden wurde, dass er nach Spruchpunkt I. vorsätzlich eine Verletzung der Meldepflicht nach § 5 WiEReG verwirklicht habe, indem er trotz zweimaliger Aufforderung im Jahr 2021 (17. Februar 2021 und 27. Mai 2021) und im Jahr 2022 (19. November 2021 und 12. Jänner 2022) keine Meldung innerhalb der gesetzlichen Frist an das Register der wirtschaftlichen Eigentümer bei der ***Verband KG*** eingebracht habe, weshalb er dadurch das Finanzvergehen der Meldepflichtverletzung nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG im Zeitraum 20. Juli 2021 bis 3. April 2022 bzw 8. März 2022 bis 3. April 2023 begangen habe; nach Spruchpunkt II.a. vorsätzlich eine Verletzung der Meldepflicht nach § 5 WiEReG verwirklicht habe, indem er trotz zweimaliger Aufforderung im Jahr 2021 (10. Juni 2021 und 13. August 2021) keine Meldung innerhalb der gesetzlichen Frist an das Register der wirtschaftlichen Eigentümer bei der ***Verband GmbH*** eingebracht habe, weshalb er dadurch das Finanzvergehen der Meldepflichtverletzung nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG im Zeitraum 05. Oktober 2021 bis 30. Juni 2022 begangen habe; nach Spruchpunkt II.b. als für die Wahrnehmung der abgabenrechtlichen Obliegenheiten der ***Verband GmbH*** verantwortlicher handelsrechtlicher Geschäftsführer vorsätzlich unter der Verletzung der Verpflichtung zur Abgabe von § 21 UStG entsprechenden Voranmeldungen eine Verkürzung von Umsatzsteuer (Vorauszahlungen oder Gutschriften) durch ungerechtfertigten Vorsteuerabzug bewirkt habe und dies nicht nur für möglich, sondern für gewiss gehalten habe und zwar Umsatzsteuer im Zeitraum 01-03/2022 in Höhe von EUR 5.181,00, Umsatzsteuer im Zeitraum 04-06/2022 in Höhe von EUR 3.331,33, und Umsatzsteuer im Zeitraum 10-12/2022 in Höhe von EUR 1.000,00, weshalb er dadurch das Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung gemäß § 33 Abs. 2 lit a FinStrG begangen habe. Die belangte Behörde verhängte über ihn deswegen eine Geldstrafe von EUR 30.000,00; die für den Fall der Uneinbringlichkeit der Geldstrafe an deren Stelle tretende Ersatzfreiheitsstrafe wurde mit 25 Tagen und die Kosten des Strafverfahrens iHv EUR 500,00 festgesetzt.
Gegen die Strafverfügung erhob Herr ***Bf1*** am 5. September 2024 Einspruch und führte im Wesentlichen aus, dass er die Geschäftsführung der ***Verband GmbH*** nur ehrenamtlich bzw aus Freundschaft zur ***Familie A*** übernommen habe; er habe dafür keinen Lohn gefordert. Er beantrage die Aufhebung der Strafe iHv EUR 30.000,00 zzgl Kosten, zumal aus demselben Grund die ***Verband KG*** eine Strafe erhalten habe; eine mehrmalige Bestrafung wegen ein und desselben Deliktes sei unzulässig.
In der mündlichen Verhandlung am 25. November 2024 sagte Herr ***Bf1*** vor der belangten Behörde aus, dass er Schreiben, die er vom Finanzamt Österreich erhalten habe, sofort an Herrn ***Mag. A*** weitergeleitet habe; bearbeitet habe er nie etwas. Er wisse nicht, wie der interne Postlauf bei den Unternehmen sei. Er sei für die Unternehmen nie nach außen hin tätig gewesen. Er habe nur seinen Namen fürs Firmenbuch "hergegeben". Das heiße, er könne auch nichts über die Abläufe in den Unternehmen sagen. Die Geschäfte seien wahrscheinlich von Herrn ***Dr. A*** geführt worden, genaue Angaben könne er dazu nicht machen. Die Frage, ob er Herrn ***B*** kenne, verneinte er. Er habe nur mit Herrn ***Mag. A*** Kontakt gehabt. Weiters sagte er aus, dass ihm nicht bekannt sei, dass er die FinanzOnline-Zugangsdaten habe; er habe auch nie in FinanzOnline nachgesehen. Hinsichtlich der Aufforderungen zur Rechtfertigung teilte er mit, dass er davon nichts gewusst habe, weil er diese direkt an Herrn ***Mag. A*** weitergeleitet habe. Der Einzelbeamte behielt sich die Entscheidung für die schriftliche Ausfertigung vor.
Mit Erkenntnis der belangten Behörde vom 4. Dezember 2024, Geschäftszahl ***Bf1-FV-GZ***, wurde Herr ***Bf1*** schuldig gesprochen nach Spruchpunkt I. grob fahrlässig eine Verletzung der Meldepflicht nach § 5 WiEReG verwirklicht zu haben, indem er trotz zweimaliger Aufforderung im Jahr 2021 (17. Februar 2021 und 27. Mai 2021) und im Jahr 2022 (19. November 2021 und 12. Jänner 2022) keine Meldung innerhalb der gesetzlichen Frist an das Register der wirtschaftlichen Eigentümer für die ***Verband KG*** (***FN Verband KG***) eingebracht habe, weshalb er dadurch das Finanzvergehen der Meldepflichtverletzung nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG im Zeitraum 20. Juli 2021 bis 3. April 2022 bzw 8. März 2022 bis 3. April 2023 begangen habe, und nach Spruchpunkt II. grob fahrlässig eine Verletzung der Meldepflicht nach § 5 WiEReG verwirklicht zu haben, indem er trotz zweimaliger Aufforderung im Jahr 2021 (10. Juni 2021 und 13. August 2021) keine Meldung innerhalb der gesetzlichen Frist an das Register der wirtschaftlichen Eigentümer für die ***Verband GmbH*** (***FN Verband GmbH***) eingebracht habe, weshalb er dadurch das das Finanzvergehen der Meldepflichtverletzung nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG im Zeitraum 5. Oktober 2021 bis 30. Juni 2022 begangen habe. Die belangte Behörde verhängte über ihn nach § 15 Abs. 1 WiEReG eine Geldstrafe iHv EUR 15.000,00; die Ersatzfreiheitsstrafe setzte sie gemäß § 20 FinStrG mit 18 Tagen fest und bestimmte gemäß § 185 FinStrG die Kosten des Strafverfahrens mit EUR 500,00. Das Verfahren wegen des Finanzvergehens nach § 33 Abs. 2 lit a FinStrG betreffend die Umsatzsteuer der ***Verband GmbH*** in den Zeiträumen 01-03/2022, 04-06/2022 sowie 10-12/2022 stellte die belangte Behörde gemäß § 124 Abs. 1 FinStrG ein, weil die Tat nicht mit der im Finanzstrafverfahren notwendigen Sicherheit erwiesen werden könne. Aus der Begründung ergibt sich zur ***Verband KG***, dass die ***Verband KG*** vom Finanzamt Österreich mit Schreiben vom 17. Februar 2021 (Mahnung) und 27. Mai 2021 (1. Zwangsstrafe), welche der ***Verband KG*** nachweislich postalisch zugestellt worden sei, der jährlichen Meldepflichtverletzung an das Wirtschaftliche Eigentümerregister nachzukommen aufgefordert worden sei. Die Meldungen an das Wirtschaftliche Eigentümerregister hätten im Jahr 2021 bis spätestens 19. Juli 2021 (Nachfrist angeführt im Bescheid über die Festsetzung einer Zwangsstrafe vom 27. Mai 2021) erfolgen müssen. Da es zu keinen Meldungen an das Wirtschaftliche Eigentümerregister im Jahr 2021 gekommen sei, sei es daher im Jahr 2022 abermals zu Aufforderungen des Finanzamt Österreichs zur Abgabe von Meldungen gekommen. Betreffend das Jahr 2022 sei ebenfalls jeweils zwei Aufforderungen, nämlich mit Erinnerungsschreiben vom 19. November2021 und mit Bescheid über die Festsetzung einer Zwangsstrafe vom 12. Jänner 2022 erfolgt. Die Zustellungen seien ebenfalls nachweislich postalisch erfolgt. Die Meldungen an das Wirtschaftliche Eigentümerregister hätte im Jahr 2022 bis spätestens 7. März 2022 (Nachfrist angeführt im Bescheid über die Festsetzung einer Zwangsstrafe vom 12. Jänner 2022) erfolgen müssen. Eine Meldung an das Wirtschaftliche Eigentümerregister sei jedoch erst mit 29. April 2023 erfolgt. Mit Verständigung über die Einleitung eines Finanzstrafverfahren am 4. April 2022 sei die ***Verband KG*** und Herr ***Bf1*** über diese Meldepflichtverletzung gemäß § 5 WiEReG im Jahr 2021 in Kenntnis gesetzt worden. Die Einleitung eines Finanzstrafverfahrens sei nachweislich postalisch am 8. April 2022 zugestellt worden. Zur ***Verband GmbH*** ist der Begründung zu entnehmen, dass die ***Verband GmbH*** vom Finanzamt Österreich mit Schreiben vom 10. Juni 2021 (Mahnung) und 13. August 2021 (1. Zwangsstrafe), aufgefordert worden sei, der jährlichen Meldepflichtverletzung an das Wirtschaftliche Eigentümerregister nachzukommen. Die Zustellungen sei elektronisch in die FinanzOnline-Databox der ***Verband GmbH*** erfolgt. Die Meldungen an das Wirtschaftliche Eigentümerregister hätten im Jahr 2021 bis spätestens 4. Oktober 2021 (Nachfrist angeführt im Bescheid über die Festsetzung einer Zwangsstrafe vom 13. August 2021) erfolgen müssen. Eine Meldung sei jedoch erst mit 3. April 2023 erfolgt. Die Einleitung eines Finanzstrafverfahrens datiert mit 1. Juli 2022 sei nachweislich am 7. Juli 2022 postalisch zugestellt worden. Die darin enthaltene Rechtfertigungsfrist sei bis 8. August 2022 angegeben gewesen. Die Gelegenheit zur Abgabe einer Rechtfertigung sei allerdings nicht wahrgenommen worden. Die Erweiterung der Einleitung eines Finanzstrafverfahrens datiert mit 20. Februar 2023 sei nachweislich am 6. März 2023 postalisch zugestellt worden. Die darin enthaltene Rechtfertigungsfrist sei bis 24. März 2023 gewährt worden. Die Gelegenheit zur Abgabe einer Rechtfertigung sei allerdings nicht wahrgenommen worden.
In der am 28. Februar 2025 gegen das Straferkenntnis erhobenen Beschwerde führte Herr ***Bf1*** (nachstehend: Bf.) ua aus, dass er Mindestpensionist ("mit gerade am Existenzminimum") sei und die Strafe in der im Straferkenntnis ausgesprochenen Höhe nicht bezahlen könne, weshalb er deren gänzliche Aufhebung fordere, zumal er kein Abgabendelikt (hinterzogene Abgabe oder Steuer), sondern nur ein Formaldelikt (keine elektronische Eingabe, die er nicht könne) begangen habe. Er sei Kleinstunternehmer gewesen und habe keine Vorkenntnisse. Ein Kurs für ihn müsse vier bis acht Wochen dauern, um die Sache halbwegs zu verstehen und dann sei nicht gewährleistet, dass er es schaffe. Er führte weiters aus: "Derartige Gesetze bzw Durchführungsanordnungen sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Personen die diese anwenden oder versuchen diese anzuwenden Erfüllungsgehilfen des Verbrechens!" Die Angelegenheit der wirtschaftlichen Eigentümer in Sachen der ***Verband GmbH*** sei bereits wiederholt schriftlich dargestellt worden und er wolle sich nicht zum X. Mal wiederholen.
Mit Vorlagebericht vom 1. April 2025 legte die belangte Behörde die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht vor.
Am 25. März 2026 und am 14. April 2026 fanden betreffend oa Meldepflichtverletzungen nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG in Anwesenheit des Bf., dessen Verteidiger (nur am 25. März 2026), des Amtsbeauftragten und der Schriftführer mündliche Verhandlungen statt.
Über die Beschwerde wurde erwogen:
Festgestellter Sachverhalt
Mit Beschluss in der ordentlichen Hauptversammlung vom 26. September 2018 wurde die ***AG*** (nachstehend kurz: ***AG***) in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt. Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung, eingetragen zur ***FN Verband GmbH***, ***Verband GmbH-Adr***, firmiert seit der Umwandlung unter dem Firmennamen ***Verband GmbH***. Alleinaktionär und in Folge der Umwandlung Alleingesellschafter der ***Verband GmbH*** war Herr ***Dr. A***, geboren am ***Dr. A-Geb-Datum***, wohnhaft in ***Dr. A-Adr***. Mit Abtretungsvertrag vom ***November 2020*** trat Herr ***Dr. A*** die Anteile an der ***Verband GmbH*** im Ausmaß von 94% an die ***Verband KG*** ab. Die Eintragung der Änderung im Gesellschafterstand erfolgte am 13. November 2020.
Die ***Verband KG*** (nunmehr: ***Verband KG*** mit der Geschäftsanschrift ***Verband KG-Adr***) ist eine seit 21. Oktober 2020 zur ***FN Verband KG*** im Firmenbuch eingetragene Kommanditgesellschaft. Die ***Verband GmbH*** ist unbeschränkt haftende Gesellschafterin und war bis zum 11. Juli 2025 alleinvertretungsbefugte Geschäftsführerin der ***Verband KG***. Kommanditist der ***Verband KG*** ist Herr ***B***, geboren am ***B-Geb-Datum***, wohnhaft in ***B-Adr***.
Der Bf., Herr ***Bf1***, ist seit 20. November 2018 handelsrechtlicher Geschäftsführer der ***Verband GmbH*** im Firmenbuch eingetragen.
Die ***Verband KG*** wurde mit Aufforderungsschreiben vom 17. Februar 2021 und vom 27. Mai 2021 aufgefordert, der Meldepflicht nach § 5 WiEReG nachzukommen. Die in der Aufforderung vom 27. Mai 2021 mitgeteilte Nachfrist endete am 19. Juli 2021. Die beiden Aufforderungsschreiben wurden postalisch an Herrn ***B*** am 4. März 2021 (1. Aufforderung) und am 7. Juni 2021 (2. Aufforderung) zugestellt.
Weiters wurde die ***Verband KG*** mit Aufforderungsschreiben vom 19. November 2021 und vom 12. Jänner 2022 aufgefordert, der Meldepflicht nach § 5 WiEReG nachzukommen. Die in der Aufforderung vom 12. Jänner 2022 mitgeteilte Nachfrist endete am 7. März 2022. Die beiden Aufforderungsschreiben wurden postalisch an Herrn ***B*** am 23. November 2021 (1. Aufforderung) und am 20. Jänner 2022 (2. Aufforderung) zugestellt.
Herr ***B*** verfügte zu den festgestellten Zustellzeitpunkten über keine Vertretungs- oder Zustellvollmacht betreffend die ***Verband KG***.
Die ***Verband GmbH*** wurde am 10. Juni 2021 und am 13. August 2021 via FinanzOnline aufgefordert, der Meldepflicht gemäß § 5 WiEReG nachzukommen. Die in der Aufforderung vom 13. August 2021 mitgeteilte Nachfrist endete am 4. Oktober 2021.
Das Aufforderungsschreiben vom 10. Juni 2021 wurde am 13. Juni 2021 um 04:33 Uhr und das Aufforderungsschreiben vom 13. August 2021 am 17. August 2021 um 00:31 Uhr gelesen. Der Leser verwendete die Zugangsdaten der ***Verband GmbH***.
Die FinanzOnline-Zugangsdaten wurden Herrn ***Dr. A*** als Vorstand der ***AG*** im Jahr 2014 mitgeteilt und änderten sich in Folge der Umwandlung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nicht. Der Bf. kannte die FinanzOnline-Zugangsdaten der ***Verband GmbH*** nicht und hatte keinen Zugriff auf das FinanzOnline-Postfach der ***Verband GmbH***.
Weder für die ***Verband KG*** noch für die ***Verband GmbH*** wurden bis zur Einleitung der Finanzstrafverfahren am 4. April 2022 (wegen Meldepflichtverletzungen nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG betreffend die ***Verband KG***) und am 1. Juli 2022 (wegen Meldepflichtverletzung nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG betreffend die ***Verband GmbH***) Meldungen nach § 5 WiEReG durchgeführt.
Der Bf. war nur am Papier Geschäftsführer der ***Verband GmbH*** und kümmerte sich nicht um die (abgaben)rechtlichen Pflichten der ***Verband GmbH*** und der ***Verband KG***, konkret auch nicht um die Einhaltung der WiEReG-Meldeverpflichtungen dieser beiden Gesellschaften.
Der Bf. hat keine Sorgepflichten, kein Vermögen und keine Schulden. Er verfügt über ein monatliches Einkommen als Pensionist iHv EUR 1.600,00.
Gegenüber der ***Verband KG*** als belangter Verband erging am 5. August 2024 wegen zwei Finanzvergehen der Meldepflichtverletzung gemäß § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG eine Strafverfügung zur ***Verband KG-FV-GZ***, Strafkontonummer ***Verband KG-StrafKtoNr***, mit dem Ausspruch einer Verbandsgeldbuße iHv EUR 17.000,00 zzgl Verfahrenskosten iHv EUR 500,00.
Gegenüber der ***Verband GmbH*** als belangter Verband erging am 5. August 2024 wegen des Finanzvergehens der vorsätzlichen Meldepflichtverletzung gemäß § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG und der vorsätzlich unter Verletzung der Verpflichtung zur Abgabe von dem § 21 UStG entsprechenden Voranmeldungen bewirkten Verkürzung von Umsatzsteuer (Vorauszahlungen oder Gutschriften) im Zeitraum 01-03/2022 iHv EUR 5.181,00, im Zeitraum 04-06/2022 iHv EUR 3.331,33 und im Zeitraum 10-12/2022 iHv EUR 1.000,00 nach § 33 Abs. 2 lit a FinStrG eine Strafverfügung zur **Verband GmbH-FV-GZ***, Strafkontonummer ***Verband GmbH-StrafKtoNr***, mit dem Ausspruch einer Verbandsgeldbuße iHv EUR 25.000,00 zzgl Verfahrenskosten iHv EUR 500,00.
Die ***Verband GmbH*** und die ***Verband KG*** erhoben jeweils mit einem Schreiben vom 3. Dezember 2024, beide per Telefax beim Amt für Betrugsbekämpfung eingelangt am 6. Dezember 2024, Einspruch. Die beiden Einsprüche wies das Amt für Betrugsbekämpfung jeweils als verspätet mit Bescheid vom 13. Dezember 2024 zurück. Die gegen die Zurückweisungsbescheide erhobenen Beschwerden sind hg zur GZ RV/7300012/2025 und GZ RV/7300013/2025 anhängig.
Weder die ***Verband KG*** noch die ***Verband GmbH*** erhob Beschwerde gegen das beschwerdegegenständliche Straferkenntnis vom 4. Dezember 2024.
Beweiswürdigung
Die Umwandlung der ***AG*** in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist aus dem im Firmenbuch abrufbaren Hauptversammlungsprotokoll ersichtlich (BFG-OZ 3.7).
Die Organfunktion des Bf., die Gesellschafterverhältnisse und die Gesellschafter betreffend die ***Verband GmbH*** und die ***Verband KG*** ergeben sich ebenfalls aus dem Firmenbuch (RemA-OZ 11 und 12 sowie BFG-OZ 1.13, 1.14 und 1.16).
Die Abtretung von 94% der ***Verband GmbH***-Anteile an die ***Verband KG*** zum ***November 2020*** geht aus dem im Firmenbuch abrufbaren Abtretungsvertrag vom ***November 2020*** hervor (BFG-OZ 1.12).
Die Richtigkeit der Eintragungen im Firmenbuch und der im Firmenbuch hinterlegten Urkunden wurde vom Bf. nicht bestritten.
Die postalischen Zustellungen der Aufforderungen betreffend die ***Verband KG*** vom 17. Februar 2021 (BFG-OZ 2.1), vom 27. Mai 2021 (BFG-OZ 2.3), vom 19. November 2021 (BFG-OZ 2.5) und vom 12. Jänner 2022 (BFG-OZ 2.7) erfolgten aufgrund der vom Bundesfinanzgericht erhobenen Übernahmebestätigungen nachweislich am 4. März 2021 (BFG-OZ 2.2), am 7. Juni 2021 (BFG-OZ 2.4), am 23. November 2021 (BFG-OZ 2.6) und am 20. Jänner 2022 (BFG-OZ 2.8) an Herrn ***B***.
Laut Firmenbuch war die ***Verband GmbH*** im Zeitraum 21. Oktober 2020 bis 11. Juli 2025 Komplementärin und alleinvertretungsbefugte Geschäftsführerin der ***Verband KG*** sowie Herr ***B*** Kommanditist der ***Verband KG*** (BFG-OZ 1.13). Herr ***B*** ist zur mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 und am 14. April 2026 trotz ordnungsgemäßer Ladung als Zeuge (RemA-OZ 41; RemA-OZ 72) unentschuldigt nicht erschienen. Das infolge der Ladung zur mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 beim Bundesfinanzgericht am 24. März 2026 eingegangene, nicht unterzeichnete Schreiben mit dem Inhalt: "Der Patient kann aus medizinischen Gründen am 25.03.2026 nicht zur Zeugenvorladung erscheinen" (RemA-OZ 42) genügt den Anforderungen des § 105 FinStrG nicht. Die Ladung zur mündlichen Verhandlung am 14. April 2026 wurde als nicht behoben an das Bundesfinanzgericht retourniert (eingelangt am 23. April 2026; RemA-OZ 77). Von der Einvernahme des unentschuldigt ferngebliebenen Zeugen ***B*** konnte jedoch abgesehen werden, weil die belangte Behörde nach Vorhalte des Bundesfinanzgerichts (BFG-OZ 5 und 10) erheben konnte, dass Herr ***B*** mit 26. Jänner 2021 als Vertreter gemäß § 81 BAO der ***Verband KG*** in den Datenbanken der Abgabenbehörden hinterlegt war (BFG-OZ 9.1), diese vom Finanzamt vorgenommene Hinterlegung allerdings ohne Grundlage erfolgte (BFG-OZ 11.2). Der Bf. sagte in der Beschuldigtenvernehmung im Rahmen der mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 aus, dass er Herrn ***B*** nur einmal beim Notar gesehen habe (BFG-OZ 15, pdf-S 3) und dieser nicht in die Geschäftsführung der ***Verband KG*** eingebunden gewesen sei (BFG-OZ 15, pdf-S 4). Vor dem Hintergrund, dass seitens der belangten Behörde erhoben wurde, dass die Hinterlegung des Herrn ***B*** als § 81 BAO-Vertreter ohne Grundlage erfolgte, erscheint die Aussage des Bf., dass Herr ***B*** nicht in die Geschäftsführung der ***Verband KG*** eingebunden war, glaubwürdig und entspricht auch dem Stand im Firmenbuch. Dem Bundesfinanzgericht liegen keine Informationen vor, die den Wahrheitsgehalt der Aussage des Bf. und des Firmenbuchstandes bezweifeln lassen und für das Vorliegen einer Vertretungs- oder Zustellvollmacht des Herrn ***B*** betreffend die ***Verband KG*** sprechen.
Die elektronischen Zustellungen der Aufforderungen betreffend die ***Verband GmbH*** am 10. Juni 2021 (BFG-OZ 2.9) und am 13. August 2021 (BFG-OZ 2.10) sowie die Zeitpunkte, in denen die Aufforderungen gelesen wurden, ergeben sich aus der Abfrage in der WiEReG Zwangs- und Ordnungsstrafenanwendung (BFG-OZ 1.6).
Die ***Verband GmbH*** ist FinanzOnline-Teilnehmerin (BFG-OZ 1.5) und die im Auftrag des Bundesfinanzgerichts (BFG-OZ 5) von der belangten Behörde durchgeführten Erhebungen haben ergeben, dass der FinanzOnline-Zugang der ***Verband GmbH*** (SID 13234489) nur von einem Benutzer (ID: "***Verband GmbH-FOnID***") verwendet wurde (BFG-OZ 9.1). Laut Auskunft der Verfahrensbetreuung FABE des Zentralen Services ist und war immer nur ein Benutzer angelegt (BFG-OZ 9.4). Die belangte Behörde konnte erheben, dass die Anmeldung der ***AG*** zu FinanzOnline durch Herrn ***Dr. A*** als Vorstand der AG (siehe historischen Firmenbuchauszug vom 13. April 2026; BFG-OZ 1.16) am 29. September 2014 durchgeführt wurde, wobei Herr ***Dr. A*** persönlich beim Finanzamt erschienen ist und sich mit seinem Reisepass ausgewiesen hat (BFG-OZ 9.3). Am 6. November 2014 erfolgte eine Rücksetzung der Daten und die Ausstellung neuer Zugangsdaten auf persönlichen Antrag des Herrn ***Dr. A*** (BFG-OZ 9.2). Mangels gegenteiliger Informationen ist davon auszugehen, dass in Folge der Umwandlung der ***AG*** in die ***Verband GmbH*** weder neue Zugangsdaten ausgestellt noch die Ausstellung neuer Zugangsdaten beantragt wurden. Dadurch wird der Wahrheitsgehalt der Aussage des Bf. bestätigt, weil dieser in seiner Einvernahme im Rahmen der mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 angab, dass er über keine FinanzOnline-Zugangsdaten verfügte (BFG-OZ 15, pdf-S 3).
Laut Abfrage in der WiEReG Zwangs- und Ordnungsstrafenanwendung wurden betreffend ***Verband GmbH*** die gegenständlichen Aufforderungen an die ***Verband GmbH*** (SID 13234489) zugestellt (BFG-OZ 1.6) und gelesen (BFG-OZ 1.6; BFG-OZ 17.4). Über Nachfrage der Richterin teilte der Bf. mit, dass er vermute, dass Herr ***Mag. A***, Bruder des früheren Vorstandes und Alleingesellschafters ***Dr. A***, über die FinanzOnline-Zugangsdaten verfügte, weil er sich um alles gekümmert habe (BFG-OZ 15, pdf-S 3). In diesem Zusammenhang ergänzte der Verteidiger, dass er ebenfalls vermute, dass die FinanzOnline-Meldungen von Herrn ***Mag. A*** durchgeführt worden seien und zwar basierend darauf, dass sie bei Übernahme der steuerlichen Vertretung sämtliche Unterlagen von Herrn ***Mag. A*** erhalten hätten (BFG-OZ 15, pdf-S 3). Herr ***Dr. A*** sagte in der Zeugeneinvernahme im Rahmen der mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 aus, dass ihm nicht mehr erinnerlich sei, ob er für die AG einen FinanzOnline-Zugang hatte, und, dass er betonen wolle, dass er nie FinanzOnline genutzt habe (BFG-OZ 15, pdf-S 7). Über Vorhalt der aktenkundigen elektronischen Zustelldaten betreffend die Aufforderungen an die ***Verband GmbH*** (BFG-OZ 2) durch die belangte Behörde antwortete anstelle des befragten Zeugens ***Dr. A*** der Verteidiger des Bf. und gab zu Protokoll, dass es sein könne, dass sich Herr ***Mag. A*** um alle FinanzOnline-Sachen gekümmert habe (BFG-OZ 15, pdf-S 7). ***Mag. A*** habe Jus und Wirtschaft studiert und hätte den Bf. bereits zu Kaffeehauszeiten bei den abgabenrechtlichen Angelegenheiten unterstützt, wie auch dann später betreffend die abgabenrechtlichen Angelegenheiten der GmbH (BFG-OZ 15, pdf-S 7). Aufgrund dieser Ausführung wurde die mündliche Verhandlung zur Einvernahme des Herrn ***Mag. A***, geboren am ***Mag. A-Geb-Datum***, wohnhaft in ***Mag. A-Adr*** (BFG-OZ 1.18), als Zeugen auf den 14. April 2026 vertagt. Hinsichtlich der ladungsfähigen Adresse hat der Bf. noch im Verhandlungsaal im Anschluss an die mündliche Verhandlung am 25. März 2026 telefonisch mit Herrn ***Mag. A*** Kontakt aufgenommen und wurde von diesem die Adresse ***Verband KG-Adr***, als ladungsfähige Adresse bekanntgegeben. Die Zeugenladung vom 25. März 2026 wurde am 30. März 2026 hinterlegt (Beginn der Abholfrist am 31. März 2026; RemA-OZ 69) und als nicht behoben an das Bundesfinanzgericht retourniert (eingelangt am 24. April 2026; RemA-OZ 78). Aufgrund der Ausführungen des Verteidigers des Bf. in der mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 und der glaubwürdigen Aussagen des Bf. in den mündlichen Verhandlungen am 25. März 2026 und 14. April 2026 sowie der von der belangten Behörde erhobenen Informationen betreffend die FinanzOnline-Zugangsdaten konnte auf die Einvernahme des Zeugens ***Mag. A***, der unentschuldigt der mündlichen Verhandlung am 14. April 2026 ferngeblieben ist, verzichtet werden.
Unter Berücksichtigung der Aussagen des Bf. und des Zeugens ***Dr. A***, der Ausführungen des Verteidigers des Bf. und der von der belangten Behörde erhobenen Informationen betreffend die FinanzOnline-Zugangsdaten kommt das Bundesfinanzgericht in freier Beweiswürdigung im Hinblick auf die Frage, ob der Bf. über die FinanzOnline-Zugangsdaten verfügte und - sofern ihm die Zugangsdaten bekannt waren - er sich mit dem Benutzer (ID: "***Verband GmbH-FOnID***") in FinanzOnline einloggte und die gegenständlichen Aufforderung gelesen hat, zu dem Ergebnis, dass dem Bf. die FinanzOnline-Zugangsdaten nicht bekannt waren und er keinen Zugriff auf die FinanzOnline-Databox hatte.
Dass weder betreffend die ***Verband KG*** noch die ***Verband GmbH*** eine Meldung nach § 5 WiEReG innerhalb der jeweiligen Nachfrist entsprechend der jeweiligen 2. Aufforderung und bis zur Einleitung der Finanzstrafverfahren am 4. April 2022 (wegen Meldepflichtverletzungen nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG betreffend ***Verband KG***) und am 1. Juli 2022 (wegen Meldepflichtverletzung nach § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG betreffend ***Verband GmbH***) durchgeführt wurde, ist aus der jeweiligen Vollzugsübersicht der WiEReG-Auszüge vom 21. Jänner 2026 (BFG-OZ 1.8 und 1.9) ersichtlich und wurde vom Bf. auch nicht bestritten.
In der mündlichen Verhandlung vor der belangten Behörde am 25. November 2024 sagte er aus, dass er für die Unternehmen nie nach außen hin tätig gewesen sei und er nur seinen Namen fürs Firmenbuch hergegeben habe (RemA-OZ 8). In der mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 bestätigte der Bf. seine Aussage vom 25. November 2024 vor der belangten Behörde im Rahmen der Beschuldigtenvernehmung und gab an, dass er keine Aufgaben betreffend die Geschäftsführung der ***Verband GmbH*** zu erfüllen gehabt habe (BFG-OZ 15, pdf-S 3) und er auch nach Einleitung der Finanzstrafverfahren keine Handlungen gesetzt habe, um den rechtsrichtigen Zustand herzustellen (BFG-OZ 15, pdf-S 5). Dem Bundesfinanzgericht liegen keine Informationen vor, die Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen des Bf., dass er nur am Papier Geschäftsführer der ***Verband GmbH*** war, hervorrufen würden, zumal der Bf. glaubhaft beschrieb, wie die Weiterleitung von postalisch zugestellten behördlichen Schriftstücken an Herrn ***Mag. A*** ablief (BFG-OZ 15, pdf-S 5) und seine Aussagen in den Beschuldigtenvernehmungen am 25. März 2026 und 14. April 2026 konsistent zu seiner Aussage am 25. November 2024 und den aktenkundigen Eingaben waren.
In der ergänzenden Beschuldigtenvernehmung im Rahmen der fortgesetzten mündlichen Verhandlung gab der Bf. über Nachfrage durch die Richterin an, dass er weder die gegenständliche Beschwerde noch alle anderen Eingaben verfasst habe; er habe sie lediglich nach Durchsicht unterschrieben (BFG-OZ 21, pdf-S 2). Herr ***Mag. A*** habe die Beschwerde (und sämtliche andere Eingaben) verfasst und - sobald er diese unterzeichnet hatte - zur Post getragen. Deshalb könne er auch hinsichtlich des Beweisantrages "Beweis ***C*** Abgabensicherung" weder das Beweisthema noch das Beweismittel bezeichnen (BFG-OZ 21, pdf-S 2). Der Zeuge ***Mag. A*** ist zur fortgesetzten mündlichen Verhandlung am 14. April 2026 unentschuldigt nicht erschienen (BFG-OZ 21, pdf-S 1). Das Beweisthema und das Beweismittel konnten deshalb nicht erhoben werden, weshalb der Beweisantrag wegen nicht ordnungsgemäßer Ausführung in der mündlichen Verhandlung am 14. April 2026 abgelehnt wurde.
Seine aktuellen Einkommens- und Vermögensverhältnisse legte der Bf. zu Beginn der mündlichen Verhandlung am 25. März 2026 offen (BFG-OZ 15, pdf-S 2). Die von der belangten Behörde für die Strafbemessung im angefochtenen Straferkenntnis erhobenen persönlichen Umstände basieren auf den eigenen Angaben des Bf. und wurden weder von der belangten Behörde noch vom Bf. im Rahmen der mündlichen Verhandlungen am 25. März 2026 und am 14. April 2026 in Frage gestellt.
Die Strafverfügungen betreffend die ***Verband KG*** und die ***Verband GmbH*** und die Beschwerden gegen die Zurückweisungsbescheide betreffend die Einsprüche sind hg anhängig und die Schriftstücke hg aktenkundig (RV/7300012/2025 und RV/7300013/2025).
Rechtliche Beurteilung
Zu Spruchpunkt I.
Gemäß § 160 Abs. 1 FinStrG ist über Beschwerden nach vorangegangener mündlicher Verhandlung zu entscheiden, es sei denn, die Beschwerde ist zurückzuweisen oder der angefochtene Bescheid bereits aufgrund der Aktenlage aufzuheben, das Verfahren einzustellen oder es ist nach § 161 Abs. 4 FinStrG vorzugehen.
Gemäß § 161 Abs. 1 FinStrG hat das Bundesfinanzgericht grundsätzlich in der Sache selbst mit Erkenntnis zu entscheiden. Es ist berechtigt, sowohl im Spruch als auch hinsichtlich der Begründung des Erkenntnisses seine Anschauung an die Stelle jener der Finanzstrafbehörde zu setzen und das angefochtene Erkenntnis (den Bescheid) abzuändern oder aufzuheben, den angefochtenen Verwaltungsakt für rechtswidrig zu erklären oder die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
Gemäß § 98 Abs. 3 FinStrG hat die Finanzstrafbehörde unter sorgfältiger Berücksichtigung der Ergebnisse des Verfahrens nach freier Überzeugung zu beurteilen, ob eine Tatsache erwiesen ist oder nicht; bleiben Zweifel bestehen, so darf die Tatsache nicht zum Nachteil des Beschuldigten oder der Nebenbeteiligten als erwiesen angenommen werden.
Zur objektiven Tatseite
Gemäß § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG macht sich eines Finanzvergehens schuldig, wer seiner Meldepflicht (§ 5 WiEReG) trotz zweimaliger Aufforderung nicht nachkommt.
a) Anwendbarkeit des WiEReG
Gemäß § 1 Abs. 1 WiEReG ist das WiEReG auf Kommanditgesellschaften (§ 1 Abs. 2 Z 2 WiEReG) und Gesellschaften mit beschränkter Haftung (§ 1 Abs. 2 Z 4 WiEReG) als Rechtsträger anwendbar.
Die ***Verband KG*** (vormals: ***Verband KG***) ist eine Kommanditgesellschaft und die ***Verband GmbH*** ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Auf beide Gesellschaften ist somit das WiEReG gemäß § 1 Abs. 1 WiEReG anwendbar.
b) Täter
Gemäß § 5 WiEReG sind Rechtsträger zur Meldung bestimmter Daten über ihre wirtschaftlichen Eigentümer verpflichtet.
Adressat der Strafbestimmung des § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG ist der nach § 5 WiEReG meldepflichtige Rechtsträger als Pflichtenträger.
Da es sich beim Pflichtenträger aufgrund der Formulierung und Systematik des WiEReG um eine juristische Person handelt, obliegt die Erfüllung der Verpflichtungen grundsätzlich sämtlichen Organen, die die juristische Person vertreten, und kommen diese insoweit auch als unmittelbare Täter in Betracht. Unmittelbare Täter betreffend Finanzvergehen nach § 15 WiEReG sind somit die für den Rechtsträger handelnden bzw zur Handlung verpflichteten Personen (BFG 14.03.2023, RV/7300011/2022; Reiner/Zahradnik, WiEReG § 15, Rz 7; Schmitt in Köck/Schmitt/ Djakovic, FinStrG Bd 16 § 15 WiEReG, Rz 5).
Die ***Verband GmbH*** ist Komplementärin der ***Verband KG*** und war im Zeitraum 21. Oktober 2020 bis 11. Juli 2025 alleinvertretungsbefugte Geschäftsführerin der ***Verband KG***.
Der Bf. ist seit 20. November 2018 alleinvertretungsbefugter Geschäftsführer der ***Verband GmbH***.
Als nach außen zur Vertretung befugtes Organ der ***Verband GmbH*** war der Bf. verpflichtet, die Meldungen nach dem WiEReG für die ***Verband KG*** und für die ***Verband GmbH*** durchzuführen oder deren Durchführung bspw durch einen berufsmäßigen Parteienvertreter zu veranlassen.
Dem Kommanditisten ***B*** kommt keine Vertretungsbefugnis betreffend die ***Verband KG*** zu, weshalb er nicht dazu verpflichtet war, die Meldungen nach dem WiEReG für die ***Verband KG*** durchzuführen oder deren Durchführung zu veranlassen.
c) Meldeverpflichtung nach § 5 WiEReG
Gemäß § 5 Abs. 1 WiEReG sind die meldepflichtigen Daten binnen vier Wochen nach der erstmaligen Eintragung in das jeweilige Stammregister oder der Kenntnis vom Wegfall einer Meldebefreiung gemäß § 6 WiEReG zu übermitteln bzw sind bei der jährlichen Überprüfung gemäß § 3 Abs. 3 WiEReG festgestellte Änderungen binnen vier Wochen nach der Fälligkeit der jährlichen Überprüfung zu melden oder die gemeldeten Daten zu bestätigen.
Gemäß § 3 Abs. 1 WiEReG haben Rechtsträger die Identität ihres wirtschaftlichen Eigentümers festzustellen und angemessene Maßnahmen zur Überprüfung seiner Identität zu ergreifen, so dass sie davon überzeugt sind zu wissen, wer ihr wirtschaftlicher Eigentümer ist. Diese Sorgfaltspflicht haben Rechtsträger gemäß § 3 Abs. 3 WiEReG zumindest jährlich durchzuführen und dabei angemessene, präzise und aktuelle Informationen über die wirtschaftlichen Eigentümer, einschließlich genauer Angaben zum wirtschaftlichen Interesse, einzuholen und zu prüfen, ob die an das Register gemeldeten wirtschaftlichen Eigentümer noch aktuell sind.
Gemäß § 6 Abs 2 WiEReG sind Gesellschaften mit beschränkter Haftung gemäß § 1 Abs. 2 Z 4 WiEReG von der Meldung gemäß § 5 WiEReG befreit, wenn alle Gesellschafter natürliche Personen sind.
Die Meldeverpflichtung gemäß § 5 Abs. 1 WiEReG besteht grundsätzlich ab der erstmaligen Eintragung im Firmenbuch, sofern keine Meldebefreiung greift.
Die Meldeverpflichtung gemäß § 5 Abs. 1 WiEReG kann auch zu einem späteren Zeitpunkt als mit Ersteintragung ins Firmenbuch entstehen, und zwar dann, wenn die im Zeitpunkt der Ersteintragung bestehende Meldebefreiung gemäß § 6 WiEReG zu einem späteren Zeitpunkt wegfällt. Die Meldebefreiung fällt weg, wenn aufgrund eines Gesellschafterwechsels oder -beitritts nicht mehr alle Gesellschafter jener juristischen Person, die in den Anwendungsbereich des WiEReG fällt, natürliche Personen sind (BFG 27.03.2026, RV/7300060/2025).
§ 5 Abs. 1 WiEReG sieht sowohl für die Erstmeldung nach erstmaliger Eintragung im Firmenbuch oder nach Wegfall der Meldebefreiung als auch für die Jahresmeldung eine vierwöchige Meldefrist vor.
Zur Meldeverpflichtung der ***Verband KG***
Die Eintragung der ***Verband KG*** ins Firmenbuch erfolgte am 21. Oktober 2020.
Mit Eintragung der KG ins Firmenbuch am 21. Oktober 2020 entstand die Meldeverpflichtung für das Jahr 2020 gemäß § 5 Abs. 1 WiEReG. Die die vierwöchige Frist der Erstmeldung für die ***Verband KG*** endete gemäß § 5 Abs. 1 letzter Absatz WiEReG am 18. November 2020.
Für die ***Verband KG*** begann am 21. Oktober 2021 die vierwöchige Frist für die Meldung aufgrund der jährlichen Überprüfung für das Jahr 2021. Die Frist endete gemäß § 5 Abs. 1 letzter Absatz WiEReG am 18. November 2021.
Die tatbildmäßig vorausgesetzten Meldeverpflichtungen der ***Verband KG*** betreffen somit jene,
die für die Erstmeldung für die ***Verband KG*** für das Jahr 2020 mit dem Meldezeitraum beginnend mit der Ersteintragung am 21. Oktober 2020 und endend mit Ablauf der vierwöchigen Meldefrist am 18. November 2020, und
die für die Jahresmeldung für die ***Verband KG*** für das Jahr 2021 mit dem Meldezeitraum beginnend mit 21. Oktober 2021 und endend mit Ablauf der vierwöchigen Meldefrist am 18. November 2021
bestanden.
Zur Meldeverpflichtung der ***Verband GmbH***
Herr ***Dr. A*** hat mit Vertrag vom ***November 2020*** 94% seiner ***Verband GmbH***-Anteile an die ***Verband KG*** abgetreten. Die Änderung im Gesellschafterstand wurde am 13. November 2020 ins Firmenbuch eingetragen.
Mit Eintragung der Änderung im Gesellschafterstand am 13. November 2020 ist die wegen der ausschließlichen Beteiligung von natürlichen Personen bestehende Meldebefreiung gemäß § 6 WiEReG weggefallen.
Wegen des Wegfalls der Meldebefreiung war ab 13. November 2020 binnen vier Wochen die Meldung nach § 5 Abs. 1 WiEReG für die ***Verband GmbH*** vorzunehmen. Die vierwöchige Meldefrist gemäß § 5 Abs. 1 WiEReG endete am 11. Dezember 2020.
Die tatbildmäßig vorausgesetzte Meldeverpflichtung der ***Verband GmbH*** betrifft somit jene, die für die Meldung für das Jahr 2020 mit dem Meldezeitraum beginnend mit Wegfall der Meldebefreiung am 13. November 2020 und endend am 11. Dezember 2020 bestand.
d) Tathandlung
Gemäß § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG ist zu bestrafen, wer seiner Meldepflicht trotz zweimaliger Aufforderung nicht nachkommt.
Gemäß § 56 Abs. 3 erster Satz FinStrG gelten für Zustellungen das Zustellgesetz (ZustG) und sinngemäß die Bestimmungen des 3. Abschnittes der Bundesabgabenordnung.
Gemäß § 5 ZustG hat die Zustellverfügung den Empfänger möglichst eindeutig zu bezeichnen und die für die Zustellung erforderlichen sonstigen Angaben zu enthalten.
Empfänger ist die von der Behörde in der Zustellverfügung namentlich als solche bezeichnete Person (§ 2 Z 1 ZustG). Ist der Empfänger keine natürliche Person, so ist das Dokument einem zur Empfangnahme befugten Vertreter zuzustellen (§ 13 Abs. 3 ZustG).
Gemäß § 9 Abs. 1 ZustG können Parteien andere natürliche oder juristische Personen oder eingetragene Personengesellschaften gegenüber der Behörde zur Empfangnahme von Dokumenten bevollmächtigen (Zustellungsvollmacht), soweit in den Verfahrensvorschriften nicht anderes bestimmt ist. Ist ein Zustellungsbevollmächtigter bestellt, so hat die Behörde, soweit gesetzlich nicht anderes bestimmt ist, diesen als Empfänger zu bezeichnen (§ 9 Abs. 3 erster Satz ZustG).
Unterlaufen im Verfahren der Zustellung Mängel, so gilt die Zustellung als in dem Zeitpunkt dennoch bewirkt, in dem das Dokument dem Empfänger tatsächlich zugekommen ist (§ 7 ZustG).
Die Unterlassung der Erstattung von Meldungen, die nach dem Gesetz in einer bestimmten Frist oder "unverzüglich" vorzunehmen sind, begründen ein Dauerdelikt (VwGH 27.04.2017, Ro 2016/02/0020).
Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist bei einem Dauerdelikt nicht nur die Herbeiführung des rechtswidrigen Zustandes, sondern auch dessen Aufrechterhaltung pönalisiert (VwGH 15.09.1995, 93/17/0250). Die Tat wird solange begangen, als der verpönte Zustand dauert (VwGH 21.03.1997, 96/02/0027) und das mit Strafe bedrohte Verhalten hört erst mit der Beendigung des gesetzeswidrigen Zustandes auf (VwGH 29.06.1995, 94/07/0181; VwGH 29.04.2019, Ra 2018/16/0189).
Bei Dauerdelikten sind Anfang und Ende des strafbaren Verhaltens im Spruch des Bescheides anzuführen (VwGH 14.02.2017, Ra 2016/02/0015 mwN; VwGH 29.04.2019, Ra 2018/16/0189).
Die Festlegung der Tatzeit mit jenem Zeitpunkt, zu dem die Tat entdeckt wurde, ist demnach nicht rechtswidrig (VwGH 04.02.1993, 92/18/0427; VwGH 21.03.1997, 96/02/0027; VwGH 17.12.2002, 2002/04/0192; VwGH 23.09.2004, 2001/07/0136).
Das Tatbild des § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG stellt darauf ab, dass trotz zweimaliger Aufforderung zur Nachholung der Meldung nach Ablauf der vierwöchigen Meldefrist des § 5 Abs. 1 WiEReG bis zum Ablauf der Nachfrist keine Meldung vom Rechtsträger abgegeben wird (BFG 27.03.2026, RV/7300060/2025).
§ 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG pönalisiert somit, dass eine bereits zu einem früheren Zeitpunkt bewirkte Meldepflichtverletzung nicht durch Nachholung der Meldung beseitigt wird. Folglich ist die Tathandlung die Nichtvornahme einer Meldung nach § 5 WiEReG, die nur in einem Unterlassen liegen kann. Es handelt sich um ein echtes Unterlassungsdelikt (BFG 27.03.2026, RV/7300060/2025).
Das gesetzliche Tatbild des § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG erschöpft sich nicht in der Nichtmeldung binnen des maßgeblichen Meldezeitraums (Herbeiführung des rechtswidrigen Zustandes), sondern erfasst auch die weiter andauernde Meldepflichtverletzung trotz zweimaliger Aufforderung zur Nachholung der pflichtwidrig unterlassenen Meldung (Aufrechterhaltung des herbeigeführten rechtswidrigen Zustandes). Bestraft wird eine zeitliche Beharrlichkeit hinsichtlich der bereits seit dem Säumnistag vorliegende Meldepflichtverletzung, die auch bis zum Ablauf der Nachfrist nicht beseitigt wird, sondern weiterbesteht. Damit wird neben der Bewirkung einer Meldepflichtverletzung auch ein Verhalten nach Eintritt der Meldepflichtverletzung bestraft. Deshalb stellt diese Strafbestimmung ein Dauerdelikt dar (BFG 27.03.2026, RV/7300060/2025).
Die Meldepflichtverletzung besteht ab dem Säumnistag. Säumnistag ist der Tag, der auf den Tag folgt, an dem die vierwöchige Meldefrist abgelaufen ist. Die Strafbarkeit der WiEReG-Meldepflichtverletzung gemäß § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG tritt jedoch erst ein, wenn trotz zweimaliger Aufforderung zur Nachholung der Meldung nach § 5 WiEReG keine Meldung abgegeben wird bzw wurde. Im Zeitraum zwischen dem Säumnistag und dem Tag der Nachfrist ist die bereits am Säumnistag eingetretene Meldepflichtverletzung bewirkt, allerdings noch nicht strafbar. Deshalb beginnt der Tatzeitraum einer WiEReG-Meldepflichtverletzung gemäß § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG mit dem Tag nach Ablauf der Nachmeldefrist entsprechend der zweiten Aufforderung und endet mit dem Tag der verspäteten Nachmeldung (BFG 27.03.2026, RV/7300060/2025) oder der Feststellung der Behörde, dass eine Meldung trotz der vorgenommenen Erinnerungen weiterhin unterblieben ist (BFG 20.04.2023, RV/2300006/2022).
Dies gilt für die Verletzung aller drei nach § 5 WiEReG vorgesehenen Meldeverpflichtungen (Erstmeldung, Jahresmeldung oder eine Meldung infolge Wegfalls der Meldebefreiung).
Im beschwerdegegenständlichen Fall endete die vierwöchige Meldefrist gemäß § 5 Abs. 1 WiEReG
am 18 November 2020 für die Erstmeldung der ***Verband KG*** für das Jahr 2020 infolge der erstmaligen Eintragung ins Firmenbuch am 21. Oktober 2020, und
am 18. November 2021 für die Jahresmeldung der ***Verband KG*** für das Jahr 2021, sowie
am 11. Dezember 2020 für die Meldung der ***Verband GmbH*** infolge des Wegfalls der Meldebefreiung am 13. November 2020.
Weder die ***Verband KG*** noch die ***Verband GmbH*** hat innerhalb des jeweils verfahrensrelevanten Meldezeitraumes eine Meldung an das Register der wirtschaftlichen Eigentümer erstattet.
Zur ***Verband KG***
Bei der ***Verband KG*** lagen mit 19. November 2020 (Säumnistag betreffend Erstmeldung für das Jahr 2020) und 19. November 2021 (Säumnistag betreffend Jahresmeldung 2021) Verletzungen der bestehenden Meldeverpflichtungen vor.
Die ***Verband KG*** wurde betreffend die Erstmeldung für das Jahr 2020 mit Schreiben vom 17. Februar 2021 und vom 27. Mai 2021 und betreffend die Jahresmeldung 2021 mit Schreiben vom 19. November 2021 und vom 12. Jänner 2022 aufgefordert, der jeweils bestehenden Meldepflicht nach § 5 WiEReg nachzukommen.
Gemäß § 13 Abs. 3 ZustG ist bei juristischen Personen an einen zur Empfangnahme befugten Vertreter zuzustellen, widrigenfalls ein Zustellmangel vorliegt.
Da der Tatbestand des § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG fordert, dass der Meldepflicht trotz zweimaliger Aufforderung nicht nachgekommen wird, setzt dies eine ordnungsgemäße Zustellung dieser Aufforderungen voraus. Liegt ein (nicht geheilter oder nicht heilbarer) Zustellmangel vor, so sind nicht alle Tatbestandsmerkmale des § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG erfüllt und scheitert die Strafbarkeit an der nicht ordnungsgemäßen Zustellung der Aufforderungen.
Die Aufforderungen an die ***Verband KG*** waren zu Handen des Kommanditisten ***B*** adressiert und wurden diesem auch zugestellt. Allerdings war der Kommanditist ***B*** weder zur Vertretung der ***Verband KG*** nach außen berufen und berechtigt noch verfügte er über eine Zustellvollmacht. Somit waren die Aufforderungen betreffend die ***Verband KG*** nicht ordnungsgemäß zugestellt.
Die Finanzstrafverfahren gegen den Bf. wegen der grob fahrlässigen Meldepflichtverletzungen betreffend die ***Verband KG*** waren sohin spruchgemäß einzustellen.
Zur ***Verband GmbH***
Für die ***Verband GmbH*** hätte infolge des Wegfalls der Meldebefreiung am 13. November 2020 die Meldung nach § 5 WiEReG bis zum 11. Dezember durchgeführt werden müssen.
Da dies nicht geschah, lag mit Ablauf des 11. Dezember 2020 (Säumnistag sohin der 12. Dezember 2020) eine Verletzung der bestehenden Meldeverpflichtung der ***Verband GmbH*** vor.
Normen und Schlagworte
- § 15 Abs. 1 Z 2 WiEReG, Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz, BGBl. I Nr. 136/2017
- § 161 Abs. 3 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 8 Abs. 2 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 8 Abs. 3 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7300011/2025
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2026:RV.7300011.2025
- Stammnummer
- 151884
- Gültig
- 14.04.2026 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF