Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RS/5100006/2025
Keine Säumnisbeschwerde gegen das Unterbleiben einer amtswegigen Wiederaufnahme
geltende FassungSäumnisbeschwerde - Einzel - BeschlussRS/5100006/2025vom 01.07.2025Teil 1 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
BESCHLUSS
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter ***Mag. R. *** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, vertreten durch AREA Bollenberger Oberösterreich GmbH Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Winkelstraße 10, 4059 Leonding, betreffend Säumnisbeschwerde (§ 284 BAO) vom 28. März 2025 wegen behaupteter Säumnis des Finanzamtes für Großbetriebe betreffend Lohnsteuererstattung gemäß § 240 Abs. 3 BAO für die Jahre 2013 und 2014 für den Dienstnehmer ***3*** nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 26. Juni 2025 in Anwesenheit der Schriftführerin ***1*** Steuernummer ***BF1StNr1*** beschlossen:
Die Säumnisbeschwerde (§ 284 BAO) vom 28. März 2025 wird gemäß § 284 Abs. 7 lit. b iVm
§ 260 Abs. 1 lit. a BAO als unzulässig zurückgewiesen.
Gegen diesen Beschluss ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Begründung
1. Verfahrensgang
Mit Schreiben vom 28. März 2024, das am 1. April 2025 beim Bundesfinanzgericht eingelangt ist, brachte die Beschwerdeführerin (im Folgenden: Bf.) eine Säumnisbeschwerde ein, wobei beantragt wurde, dass das Bundesfinanzgericht der zuständigen Dienststelle des Finanzamtes für Großbetriebe als Nachfolgeorganisation des Finanzamtes ***2*** gemäß § 284 Abs. 2 BAO auftragen möge, betreffend des offenen, am 6. Feber 2019 an das Finanzamt ***2*** adressierten deklarativen Antrages auf Lohnsteuererstattung für ***3***, SVNr. ***4***, für die Jahre 2013 und 2014 gemäß § 240 (3) BAO in der Sache zu entscheiden.
Weiters wurde beantragt, dass das zuständige Finanzamt sich anschließend mit dem am 6. Feber 2019 eingebrachten Antrag auf Lohnsteuererstattung für das Jahr 2013 in Höhe von
€ 10.460,92 und für das Jahr 2014 in Höhe von € 9.230,93 befassen sowie die jeweiligen Jahresguthaben laut Abtretungsanzeige vom 16. Juli 2018 direkt an die Bf. auszahlen möge.
Diese Säumnisbeschwerde wurde wie folgt begründet:
1) Sachverhalt:
Herr ***3*** wäre als Dienstnehmer der Bf. in den Jahren 2013 bis 2014 auf Baustellen in ***EU-MS *** eingesetzt und dementsprechend in ***EU-MS *** lohnsteuerpflichtig gewesen. Die Zeiträume wären im Detail den beigeschlossenen Unterlagen zu entnehmen.
2) Verwaltungsgeschehen:
Mit den Bescheiden vom 20. März 2018 wären vom Finanzamt ***5*** an ***3*** adressierte Bescheide für 2013 und 2014 über Einkommensteuer ***6*** erlassen worden. Aufgrund der zeitgleichen Abrechnung des Gehalts von ***3*** in der Lohnverrechnung 2013 und 2014 des österreichischen Stammhauses und entsprechender Abführung der österreichischen Lohnsteuer an das Finanzamt ***2*** wäre somit eine Doppelbesteuerung enstanden.
Im Juli 2018 hätte der Sachbearbeiter ***7*** der steuerlichen Vertretung ***StB 1 *** der Bf. Kontakt mit der zuständigen Sachbearbeiterin ***8*** vom damaligen Finanzamt ***2*** aufgenommen, um das Prozedere der Lohnsteuerrückerstattung zu koordinieren. Geplant wäre die Rückerstattung des Lohnsteuerguthabens nicht direkt auf das Konto des Antragsberechtigten nach § 240 (3) BAO, des Angestellten ***3*** persönlich, sondern auf das Konto der Arbeitgeberin, der Bf., mittels Abtretungsanzeige vom 16. Juli 2018 gewesen.
Zu diesem Zeitpunkt wäre die Lohnsteuererstattung der Jahre 2013 und 2014 für Herrn ***3*** in vollem Umfang detailliert an Frau ***8*** kommuniziert und folglich konkludent eingebracht worden. Die schriftliche Einreichung der Erklärung im Feber 2019 wäre daher deklarativ erfolgt.
Es wäre inhaltlich ein Antrag gemäß § 240 (3) BAO gestellt worden, der formell mit Frau ***8*** in der Weise akkordiert worden wäre, dass die ***EU-MS *** Bescheide, die korrigierten Lohnzettel sowie die Abtretungsanzeige an Frau ***8*** zu übermitteln gewesen wären und auf Basis der übermittelten Unterlagen die Lohnsteuererstattung auf das Konto der Bf. erfolgen sollte.
Sämtliche erforderlichen Unterlagen wären deklarativ am 6. Feber 2019 postalisch an Frau ***8*** übermittelt worden. Mit dem Schreiben vom 6. Feber 2019 wäre die Lohnsteuererstattung für acht Mitarbeiter beantragt worden (siehe Kopie der Eingabe der Kanzlei ***StB 1 ***), wobei mit Ausnahme jenes Antrages für Herrn ***3*** die übrigen sieben Anträge antragsgemäß erledigt worden wären.
Über den Antrag für Herrn ***3*** wäre keine bescheidmäßige Erledigung erfolgt und auch sehr lange Zeit überhaupt keine Äußerung der Behörde.
Im Telefonat vom 11. September 2024 hätte die damalige Sachbearbeiterin ***8*** auf Anfrage der nunmehrigen steuerlichen Vertretung der Bf. bekanntgegeben, dass die Lohnzettel von ihr korrigiert worden seien und der Akt an die Veranlagungsstelle geschickt worden sei, aber keine Lohnsteuererstattung erfolgen könne, weil seinerzeit bei Herrn ***3*** keine Arbeitnehmerveranlagung vor dem gestellten Lohnsteuererstattungsantrag stattgefunden habe und daher keine Wiederaufnahme erfolgen könne.
Diese Meinung wäre auf Anfrage der nunmehrigen steuerlichen Vertretung von Frau ***9*** im Telefonat vom 13. Dezember 2024 bekräftigt worden.
Aufgrund von Sachbearbeiterwechseln in der Steuerberatungskanzlei ***StB 1 *** und wohl auch beim Finanzamt ***2*** wäre der Antrag bis heute noch nicht erledigt worden.
3) Rechtliche Beurteilung:
Der von Frau ***8*** akzeptierte Antrag der Bf. zur Geltendmachung der Lohnsteuererstattung für Herrn ***3*** für die Jahre 2013 und 2014 würde nicht den formalen Erfordernissen des § 240 (3) BAO entsprechen, weil diese Bestimmung vorsehen würde, dass Herr ***3*** selbst diese Anträge hätte stellen müssen; stattdessen wären die Anträge nach Absprache mit Frau ***8*** (wohl aus Praktikabilitätsüberlegungen, damit nicht acht verschiedene Anträge gestellt werden mussten!) von dessen Dienstgeberin, von der Bf., gestellt worden.
Herr ***7*** hätte auf die Rechtmäßigkeit dieser Auskunft vertraut. Es würde schließlich ein subjektiv - öffentliches Recht auf eine richtige Auskunft bestehen (OGH 22.2.2000,1 Ob 14/00s). Die Erteilung unrichtiger Rechtsauskünfte würde nicht ohne Wirkungen bleiben, Folgen würden sich aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (Ritz, ÖStZ 1991, 285) ergeben, auch das Amtshaftungsgesetz (Harbich, RZ 1992, 172; OGH 22.2.2000, 1 Ob 14/00s) würde darauf Bezug nehmen.
Auch wenn die Behörde nicht an die bekannt gegebene Rechtsansicht eines ihrer Organe gebunden wäre, würde doch aus dem Grundsatz von Treu und Glauben eine Einstandspflicht für die rechtliche Grundaussage von Frau ***8*** bestehen, wonach der Antrag auf Lohnsteuererstattung gemäß § 240 (3) BAO auch von der Arbeitgeberin, der Bf., gestellt werden hätte dürfen. Es würde sich bei der Angabe von Frau ***8*** um eine Rechtsauskunft handeln, konkret um die Anleitung zur richtigen Antragstellung zur Geltendmachung einer Lohnsteuererstattung.
Hätte Frau ***8*** auf die formell korrekte Handhabung des Antrages nach § 240 (3) BAO hingewiesen, hätte die Bf. die formell richtigen Anträge auch in offener Frist eingereicht.
Es werde daher im Sinne des Auskunftspflichtgesetzes den Antrag gestellt, die aufgrund der seinerzeitigen Rechtsbelehrung von Herrn ***7*** durch Frau ***8*** im Sinne von Treu und Glauben beantragte Lohnsteuererstattung für die Jahre 2013 und 2014 im seinerzeit beantragten Ausmaß durchzuführen. Diese Eingabe würde als Actus contrarius im Namen der Bf. korrespondierend zum Actus primus erfolgen, also der formellen Anknüpfung an die seinerzeitige Einbringung des Antrages namens und Auftrags der Bf.
Der BAO wäre keine Bestimmung und auch kein Rechtsprinzip zu entnehmen, dass eine Lohnsteuererstattung im Zuge einer doppelten Lohnsteuerabfuhr in zwei verschiedenen Ländern an die Vornahme einer vorherigen Arbeitnehmerveranlagung gebunden wäre. Schließlich würde ja die Lohnsteuererstattung im Sinne des § 240 (3) BAO eine Lex specialis zur Arbeitnehmerveranlagung gemäß § 41 (1) Z 2 EStG darstellen, wonach sogar eine Veranlagungspflicht bestehen würde, wenn im Kalenderjahr zumindest zeitweise gleichzeitig mindestens zwei lohnsteuerpflichtige Einkünfte, die beim Lohnsteuerabzug gesondert versteuert wurden, bezogen worden sind.
Dies würde auf die Montagetätigkeiten von Herrn ***3*** in ***EU-MS *** in den Jahren 2013 und 2014 zutreffen, aufgrund deren sowohl die Republik Österreich als auch die ***10*** ***EU-MS *** Lohnsteuer einbehalten hätten.
Der Sachbearbeiterwechsel bei der Steuerberatungskanzlei der Bf. würde jedoch kein überwiegendes Verschulden der Bf. gemäß § 284 Abs. 4 BAO darstellen, weil der Antrag auf Lohnsteuererstattung in Absprache mit Frau ***8*** eingebracht worden wäre und die übrigen Lohnsteuererstattungen für die Bf. erledigt worden wären, also auch kein längeres Ermittlungsverfahren notwendig gewesen wäre und insbesondere die Behörde nicht unverzüglich die Mängelbehebung der schriftlichen Anträge veranlasst hätte (Walter/Kolonovits/Muzak/Stöger, Verwaltungsverfahrensrecht9, Tz 646).
Mit Beschluss vom 2. April 2025 wurde die Säumnisbeschwerde an das Finanzamt für Großbetriebe übermittelt und dem Finanzamt für Großbetriebe gemäß § 284 Abs. 2 BAO aufgetragen, bis spätestens 1.7.2025 die versäumte Entscheidung zu erlassen und eine Abschrift dieser Entscheidung (samt Zustellnachweis) vorzulegen oder anzugeben, warum eine Verletzung der Entscheidungspflicht nicht oder nicht mehr vorliegt.
Am 20. Mai 2025 langte ein Schreiben des Finanzamtes für Großbetriebe ein, in dem ausgeführt wurde, dass im Finanzamt für Großbetriebe kein Antrag gem. § 240 Abs. 3 BAO eingelangt wäre, von diesem keine Stellungnahme gegeben werden könne. Die Stellungnahme wäre seitens des Finanzamtes Österreich erstellt worden und werde hiermit als Beilage übermittelt. In der Stellungnahme des Finanzamtes Österreich - Dienststelle ***2*** - vom 13. Mai 2025 wird zunächst der Verfahrensgang bzw. Sachverhalt aus Sicht des Finanzamtes Österreich dargestellt und werden im Anschluss daran folgende rechtlichen Ausführungen erstattet:
Ein Antrag gem. § 240 BAO per Mail vom 4.9.2024 wäre jedenfalls unzulässig. Nach dem Erkenntnis des VwGH vom 11.06.2021, Ra 2019/13/0112, würde einer E- Mail im Anwendungsbereich der BAO nicht die Eigenschaft einer Eingabe zukommen. Es würde sich dabei nicht einmal um eine einem Formgebrechen unterliegende, der Mängelbehebung gemäß § 85 BAO zugängliche Eingabe handeln. Ein mit E-Mail eingebrachtes Anbringen würde keine Entscheidungspflicht der Behörde auslösen.
Für einen Antrag auf Durchführung einer Arbeitnehmerveranlagung wäre eine Frist von fünf Jahren vorgesehen. Herr ***3*** hätte für die Arbeitnehmerveranlagung für das Jahr 2013 bis Ende des Jahres 2018 Zeit gehabt, eine Steuererklärung abzugeben. Die Frist für die Abgabe einer Steuererklärung für das Jahr 2014 wäre bis Ende des Jahres 2019 gelaufen.
Bereits im Juli 2018 wäre Herrn ***3*** bekannt gewesen, dass es zu Lohnzettelkorrekturen für die Jahre 2013 und 2014 kommen wird. Die vorgelegte Abtretungsanzeige wäre von Herrn ***3*** am 16.7.2018 unterschrieben worden. Darin würde er bestätigen, dass sämtliche Guthaben, die aus der Wiederaufnahme der Arbeitnehmerveranlagungen entstehen, an das Unternehmen abgetreten werden sollen. Zu diesem Zeitpunkt wären die Veranlagungen für 2013 und 2014 noch möglich gewesen. Selbst nach der Übernahme der steuerlichen Vertretung für Herrn ***3*** durch die ***StB 1 *** am 2.5.2019 wäre noch eine Veranlagung für 2014 zulässig gewesen.
Eine automatische Wiederaufnahme gem. § 303 (1) BAO, die bei Lohnzettelkorrekturen angestoßen wird, würde nur dann in Betracht kommen, wenn bereits Einkommensteuerbescheide vorgelegen haben, was im konkreten Fall nicht gegeben wäre.
Durch die im Zuge der Lohnzettelberichtigungen für die Jahre 2013 und 2014 im Jahr 2019 wäre daher keine Wiederaufnahme angestoßen worden, weil keine Erstbescheide vorhanden gewesen wären.
Mit dem Schreiben vom 6.2.2019, das von der nunmehrigen steuerlichen Vertretung der ***StB 2 *** als "deklarativer" Antrag auf Lohnsteuererstattung für ***3*** (SV-Nr. ***4***) bezeichnet wird, wären berichtigte Lohnzettel durch die Bf. für die Jahre 2013 und 2014 betreffend acht Dienstnehmer, darunter auch Herr ***3***, übermittelt worden. Die Lohnzettelkorrekturen wären im Februar 2019 vom Finanzamt ***2*** ordnungsgemäß durchgeführt worden.
In der Säumnisbeschwerde vom 28.3.2025 würde in der rechtlichen Beurteilung unter anderem Folgendes stehen:
"Der von Frau ***8*** akzeptierte Antrag der ***Bf1*** zur Geltendmachung der Lohnsteuererstattung für Herrn ***3*** für die Jahre 2013 und 2014 entspricht nicht den formalen Erfordernissen des § 240 (3) BAO, weil diese Bestimmung
vorsieht, dass Herr ***3*** selbst diese Anträge hätte stellen müssen; stattdessen wurden die Anträge nach Absprache mit Frau ***8*** (wohl aus Praktikabilitätsüberlegungen, damit nicht acht verschiedene Anträge gestellt werden mussten!) von dessen Dienstgeberin ***Bf1*** gestellt."
Die vorgebrachten Behauptungen würden nicht der Aktenlage entsprechen.
Außerdem wäre in der rechtlichen Beurteilung der Säumnisbeschwerde vom 28.3.2025 hingewiesen worden, dass es sich durch die Angaben von Frau ***8*** um eine Rechtsauskunft, konkret um die Anleitung zur richtigen Antragstellung zur Geltendmachung einer Lohnsteuererstattung gehandelt habe. "Hätte Frau ***8*** auf die formell korrekte Handhabung des Antrages nach § 240 (3) BAO hingewiesen, hätte die Mandantschaft die formell richtigen Anträge auch in offener Frist eingereicht."
Darin würde die Manuduktionspflicht angesprochen werden, die in § 113 BAO geregelt ist:
Die Abgabenbehörden haben den Parteien, die nicht durch berufsmäßige Parteienvertreter vertreten sind, auf Verlangen die zur Vornahme ihrer Verfahrenshandlungen nötigen Anleitungen zu geben und sie über die mit ihren Handlungen oder Unterlassungen unmittelbar verbundenen Rechtsfolgen zu belehren, diese Anleitungen und Belehrungen können auch mündlich erteilt werden, worüber erforderlichenfalls ein Aktenvermerk aufzunehmen ist.
Eine Manuduktionspflicht wäre nicht gegeben, da es hier zum Austausch mit der steuerlichen Vertretung gekommen wäre und nicht mit der Partei selbst.
Festgehalten werde, dass in den Schreiben der vorigen steuerlichen Vertretung kein Wort hinsichtlich der Lohnsteuererstattung gem. § 240 BAO erwähnt werde. Was die nunmehrige steuerliche Vertretung in der Säumnisbeschwerde vom 28.3.2025 mit "deklarativen" Antrag meint, wäre unklar.
Das Finanzamt würde abschließend festhalten, dass ein Antrag auf Lohnsteuerrückerstattung gem. § 240 BAO dem Schreiben von 6.2.2019 nicht zu entnehmen wäre.
Diese Stellungnahme samt den Beilagen, die nicht bereits der Säumnisbeschwerde angeschlossen waren, sowie das Schreiben des Finanzamtes für Großbetriebe vom 20.5.2025 wurde der Bf. mit Beschluss vom 26.5.2025 zur Kenntnis gebracht und darauf hingewiesen, dass eine Äußerung spätestens in der mündlichen Verhandlung am 26.6.2025 zu erfolgen hat.
Mit Schreiben vom 23. Juni 2025 erstattete die Bf. folgende Replik zur Stellungnahme des Finanzamtes Österreich vom 13. Mai 2025:
1) + 2) + 3) Den Stellungnahmen der Finanzämter für Großbetriebe bzw. Österreich werde inhaltlich mit folgenden Ausnahmen grundsätzlich weitgehend beigepflichtet:
a) Die steuerliche Vertretung könne nur auf Basis der Aktenlage die Thematik beurteilen: Unstrittig hätte im Jahr 2018 eine Korrespondenz zwischen Herrn ***7*** und Frau ***8*** vom damaligen Finanzamt ***2*** stattgefunden, was in der Stellungnahme des Finanzamts Österreich auch anerkannt werden würde.
Der abschließenden Feststellung des Finanzamtes Österreich, wonach "ein Antrag auf Lohnsteuerrückerstattung gern. § 240 BAO dem Schreiben von 6.2.2019 nicht zu entnehmen ist", würden folgende Argumente entgegengehalten:
Materiell richtig wäre in dieser Angelegenheit ein Antrag gemäß § 240 Abs. 3 BAO zu stellen gewesen, das würde außer Diskussion stehen. Daran anknüpfend würde sich im Umkehrschluss die Frage stellen, weshalb die gegenständlich komplizierte Vorgangsweise gewählt worden wäre, dass nicht der Dienstnehmer im eigenen Namen den Antrag gemäß § 240 Abs. 3 BAO - wie formell richtig - einreicht, sondern die Dienstgeberin selbst und diesen Antrag mit einer Abtretungsanzeige verknüpft, damit die Dienstgeberin die entrichtete Lohnsteuer auch wieder bekommt.
Im Schreiben vom 06. Feber 2019 würde nicht nur die Korrektur der Lohnzettel thematisiert, sondern auf Seite 2 auch die umfassende Antragstellung der Lohnsteuererstattung deutlich gemacht werden:
"Durch die Wiederaufnahme der Verfahren wird bei allen Dienstnehmern ein Guthaben entstehen, welches NICHT an die einzelnen Mitarbeiter zurückzuzahlen ist, da die ***11*** Lohnsteuer vorerst durch unsere Mandantin beglichen wurde. In diesem Zusammenhang verweise ich auf die ebenfalls beigelegten Abtretungserklärungen der einzelnen Mitarbeiter, in welchen die Guthaben an unsere Mandantin abgetreten werden."
In der Stellungnahme würde das Finanzamt Österreich auch von einer fehlenden Manuduktionspflicht gemäß § 113 BAO sprechen, wonach Frau ***8*** nicht auf die Notwendigkeit eines Antrages gemäß § 240 Absatz 3 BAO hinweisen hätte müssen, weil die Bf. ja steuerlich vertreten gewesen wäre und die Manuduktionspflicht nur gegenüber Parteien gelte, die nicht durch berufsmäßige Parteienvertreter vertreten sind.
Die Kontaktaufnahme im Jahr 2018 würde jedoch vielmehr den Umkehrschluss nahelegen, wonach eben vom damaligen Finanzamt ***2*** die Anleitung, die Lohnsteuererstattung im Zuge der korrigierten Lohnzettel und der Abtretungsanzeige durchzuführen, gegenüber der steuerlichen Vertretung der Bf. abgegeben worden wäre. Es würde keinen vernünftigen Grund geben anzunehmen, dass die damalige steuerliche Vertretung einen so vertrackten und unorthodoxen Weg der Lohnsteuererstattung gewählt haben würde.
Die Aktenlage würde ergeben, dass eine Auskunft gemäß § 2 APG im Jahr 2018 gestellt worden wäre, und vom Finanzamt ***2*** die steuerliche Vertretung angeleitet worden wäre, diesen Antrag zur Lohnsteuererstattung genau in dieser Weise zu stellen, also mit der Arbeitgeberin
und Bf. als Antragstellerin und mit Ausstellung der gegenständlichen Abtretungsanzeige. Es würde nicht der allgemeinen Lebenserfahrung entsprechen, dies zu verneinen. Die steuerliche Vertretung wäre auf Basis der Aktenlage angehalten gewesen, die Lohnsteuerberichtigung und den Antrag auf Lohnsteuererstattung eben mündlich einzubringen. Die Eingabe vom 6. Februar 2019 wäre daher deklarativ, weil der Bf. zugesichert worden wäre, den Antrag auf Lohnsteuererstattung gemäß § 240 Abs. 3 BAO eben nicht in der vorgesehenen Form, sondern wie folgt durchzuführen:
Antragstellung durch die Dienstgeberin und Bf. selbst und nicht durch den Dienstnehmer;
Ausstellen der Abtretungsanzeige, wodurch die an den Dienstnehmer refundierte österreichische Lohnsteuer an die Bf. abgetreten wird;
Man hätte der steuerlichen Vertretung zu verstehen gegeben, dass die Anspruchsgrundlagen der Lohnsteuererstattung im Jahr 2018 nach Art und Umfang bekannt zu geben seien.
Bei der Korrespondenz zwischen Herrn ***7*** und Frau ***8***, den Anleitungen durch Letztere und den darauf basierenden Korrekturen der Lohnzettel und Ausstellung der Abtretungsanzeigen würde es sich um einen Antrag nach dem Auskunftspflichtgesetz handeln; Anträge nach dem Auskunftspflichtgesetz könnten gemäß § 2 APG auch mündlich gestellt werden.
Die Aktenlage würde nahelegen, dass die der Finanzverwaltung umfänglich bekannt gegebenen Anträge bereits 2018 der Behörde mündlich mitgeteilt worden wären und am 6. Feber 2019 durch die schriftliche Eingabe bekräftigt worden wären, deshalb der Ausdruck "deklarativer" Antrag für die Eingabe vom 6. Feber 2025.
Die Widersprüche zwischen der Ansicht der steuerlichen Vertretung und den Aktennotizen auf den Schriftstücken durch Dienstnehmerder Finanzverwaltung würde sich aus einem Kommunikationsmanko zwischen den jeweiligen Dienststellen und Abteilungen der Finanzverwaltung erklären, das sich die Finanzverwaltung zuzurechnen hätte.
4) Der steuerliche Vertreter wäre in Kenntnis der Abtretungsanzeige vom 16.07.2020 (Anmerkung: richtig wohl: 16.7.2018), bisher jedoch nicht der Aktennotiz "AV01, ***4*** -> hochgeladen Veranlagung noch nicht gemacht ->Hr. ***12*** (?) (AV 01) Vermerk gemacht 14.2.19 Kopie an AV01 11.2.19".
Mit dieser Aktennotiz würde die Behörde feststellen, dass die Veranlagung von ***3*** noch nicht gemacht worden wäre. Es würde sich dabei um eine unmissverständliche Feststellung handeln. "Noch nicht gemacht" und "hochgeladen" würden auf eine beabsichtigte Aktivität der Finanzverwaltung hindeuten, die Lohnsteuererstattung durchzuführen. Das Bewusstsein der Behörde wäre offensichtlich vorgelegen.
Die Erlassung der beantragten Bescheide hätte demnach erfolgen müssen.
5) Bei der FinanzOnline-Eingabe vom 20.2.2020 würde es sich um einen nachgelagerten Schriftsatz zum Anbringen vom 6.2.2019 und zur Korrespondenz zwischen Frau ***8*** und Herrn ***7*** ab dem Jahr 2018 handeln. Die Bezeichnung "amtswegige Wiederaufnahme der Veranlagungen der Jahre 2013 und 2014" würde sich untechnisch im Sinne der urgierten Erledigung der Anträge verstehen, die schriftlich am 6.2.2019 formuliert worden wären, nicht jedoch im Sinne der §§ 303ff BAO.
Von der Aktennotiz auf der Kopie der FinanzOnline-Eingabe vom 20.02.2020 vom 28.10.2020 durch Frau ***13*** hätte der steuerliche Vertreter bisher keinerlei Kenntnis gehabt.
6) Bei der FinanzOnline-Eingabe vom 8.10.2020 würde es sich wiederum um einen nachgelagerten Schriftsatz zur Urgenz vom 20.2.2020 handeln. Die Bezeichnung "amtswegige Wiederaufnahme der Veranlagungen der Jahre 2013 und 2014" würde sich auch in diesem Kontext untechnisch im Sinne der urgierten Erledigung der Anträge verstehen, die schriftlich am 06.02.2019 formuliert wurden, nicht jedoch im Sinne der §§ 303ff BAO.
Von der Aktennotiz auf der Kopie der FinanzOnline-Eingabe vom 8.10.2020 vom 27.10.2020 hätte der steuerliche Vertreter bisher keinerlei Kenntnis gehabt.
7 + 8) Die E-Mails der steuerlichen Vertretung mit der Finanzverwaltung vom 04.09. und 17.12.2024 hätten dazu gedient, den Stand des Verfahrens auszuloten bzw. voranzutreiben.
Fazit: Der Modus der Erstattung der österreichischen Lohnsteuer wäre von der Finanzverwaltung in der nahegelegten Weise mittels Beantragung durch die Dienstgeberin und Ausstellung einer Abtretungsanzeige im Jahr 2018 angeregt worden. Die Finanzverwaltung wäre daher bereits im Jahr 2018 in Kenntnis von Art und Umfang des Erstattungsanspruches gewesen und hätte entsprechende Bescheidausstellungen unterlassen.
Am 26. Juni 2025 fand eine mündliche Verhandlung statt, bei der der in der Säumnisbeschwerde angeführte Zeuge ***7*** als Zeuge einvernommen wurde und wird hinsichtlich des Verlaufes dieser Verhandlung auf die darüber aufgenommene Niederschrift verwiesen, die den beiden Parteien bereits übermittelt wurde.
2. Festgestellter Sachverhalt
***3*** war auch in den Jahren 2013 und 2014 Dienstnehmer der Bf. und hat demgemäß von der Bf. Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit bezogen. ***3*** wurde in den Jahren 2013 bis 2014 und zwar im Jahr 2014 bis Juli auf Baustellen der Bf. in ***EU-MS *** eingesetzt.
Die Bf. hat für die Zeit der Tätigkeit von ***3*** für die Bf. auf Baustellen in ***EU-MS *** folgende österreichische Lohnsteuer einbehalten und an das Finanzamt ***2*** als zuständiges Arbeitgeberfinanzamt abgeführt:
2013 (Jänner bis Dezember):
€ 10.246,18 laufende Lohnsteuer
€ 214,74 für Bezüge gemäß § 67 Abs. 1 EStG 1988
in Summe daher € 10.460,92
2014 (Jänner bis Juli):
€ 9.138,88 laufende Lohnsteuer
€ 92,05 für Bezüge gemäß § 67 Abs. 1 EStG 1988
in Summe daher € 9.230,93
Es wurden für ***3*** von der Bf. für das Jahr 2013 ein Lohnzettel der Art 1 ("normaler Lohnzettel") am 17.2.2014 sowie für den gesamten Zeitraum des Jahres 2014 ebenfalls ein Lohnzettel der Art 1 ("normaler Lohnzettel") am 9.2.2015 elektronisch beim Finanzamt ***2*** übermittelt.
In der Folge hat in ***EU-MS *** eine Lohnsteuerprüfung der Bf. stattgefunden, die auch die Jahre 2013 und 2014 betroffen hat. Diese hat zu einer Nachforderung an ***14*** Lohnsteuer betreffend auch den 2013 und 2014 auf Baustellen in ***EU-MS *** eingesetzten Dienstnehmer der Bf. ***3*** geführt.
In der Folge wurde von ***3*** in ***EU-MS *** eine Veranlagung für die Jahre 2013 und 2014 durchgeführt (Einkommensteuerbescheide des Finanzamtes ***5*** vom 20.3.2018).
In den Jahren 2018 bis 2020 war die ***StB 1 *** die steuerliche Vertretung der Bf. Im Jahr 2018 hat der Sachbearbeiter der ***StB 1 ***, Herr ***7***, betreffend eine Lohnsteuerrückzahlung von Dienstnehmern, die in den Jahren 2013 und 2014 auf Baustellen der Bf. in ***EU-MS *** tätig gewesen sind, und für die aufgrund der stattgefundenen Lohnsteuerprüfung in ***EU-MS *** für denselben Zeitraum ***11*** Lohnsteuer vorgeschrieben worden ist, telefonisch Kontakt mit ***8*** vom Finanzamt ***2*** aufgenommen.
Eine Korrespondenz im Sinne einer schriftlichen Eingabe an das Finanzamt ***2*** für die Bf. durch die ***StB 1 *** hat es im Jahr 2018 betreffend eine Lohnsteuerrückzahlung hinsichtlich der 2013 und 2014 in ***EU-MS *** beschäftigten Dienstnehmer nicht gegeben.
***7*** hat in den 2018 geführten Telefonaten mit ***8*** die Thematik der zu viel einbehaltenen inländischen Lohnsteuer der von der Bf. in den Jahren 2013 und 2014 in ***EU-MS *** eingesetzten Dienstnehmern angesprochen. Von ***8***, die in der betrieblichen Veranlagung des Finanzamtes ***2*** tätig war, hat ***7*** sodann lediglich telefonisch mitgeteilt, dass berichtigte Lohnzettel abzugeben wären. Weiterer Gegenstand der von ***7*** mit ***8*** im Jahr 2018 geführten Telefonate war lediglich die Thematik in welcher Form die berichtigten Lohnzettel an das Finanzamt ***2*** zu übermitteln sind, weil eine elektronische Übermittlung nicht mehr möglich war. ***8*** hat ***7*** mitgeteilt, dass die berichtigten Lohnzettel (der Art 1 und neue Lohnzettel der Art 8 = Lohnzettel für Steuerpflichtige, für die aufgrund DBA keine Lohnsteuer einzubehalten ist) in Papierform einzubringen wären.
Ob ***7*** mit Frau ***8*** auch darüber gesprochen hat, dass Abtretungserklärungen, die aus der Lohnsteuerkorrektur resultieren könnten, der betroffenen Dienstnehmer dem Finanzamt ***2*** vorgelegt werden, kann nicht festgestellt werden.
Festgestellt wird, dass Gegenstand der Telefonate von ***7*** mit ***8*** im Jahr 2018 und auch nicht im Jahr 2019 nicht die Erörterung der verfahrensrechtlichen Grundlagen der von der Bf. gewollten Lohnsteuerrückerstattung gewesen ist. Es wurde daher insbesondere auch nicht darüber gesprochen, dass eine Lohnsteuerrückerstattung auf Grundlage des § 240 Abs. 3 BAO erfolgen soll. ***8*** hat ***7*** in den im Jahr 2018 geführten Telefonaten auch nicht dazu angeleitet bzw. aufgefordert, Anträge gemäß § 240 Abs. 3 BAO auf Lohnsteuerrückzahlung namens der Bf. zu stellen.
Festgestellt wird weiters, dass im Jahr 2018 weder von der Bf. noch von ***3*** ein Antrag auf Rückerstattung der inländischen Lohnsteuer 2013 und 2014, die auf Zeiträume der Beschäftigung in ***EU-MS *** entfällt, gemäß § 240 Abs. 3 BAO gestellt wurde. ***3*** hat weder in den Jahren 2018 noch 2019 bzw. vor diesem Zeitpunkt (also 2014 bis 2017 für das Jahr 2013 noch 2015 bis 2017 für das Jahr 2014) einen Antrag auf Arbeitnehmerveranlagung für die Jahre 2013 und 2014 gestellt.
Nach den von ***7*** mit ***8*** geführten Telefonaten hat ***7*** die Korrektur der Lohnzettel unter anderem für den Dienstnehmer ***3*** für die Jahre 2013 und 2014 veranlasst bzw. durchgeführt und für die Zeiträume, in denen ***3*** 2013 und 2014 in ***EU-MS *** auf Baustellen der Bf. tätig war, Lohnzettel der Art 8 erstellt. Auch wurden Lohnkonten für diese Zeiträume erstellt. Überdies wurden von den betroffenen Dienstnehmern und damit auch für ***3*** Abtretungsanzeigen mit folgendem Inhalt veranlasst, die von den betroffenen Dienstnehmern unterfertigt wurden:
"Hiermit halte ich, ***3***, Steuer-Nr. ***15***, fest, dass sämtliche Guthaben, die aus der Wiederaufnahme der Arbeitnehmerveranlagungen (Einkommenssteuererklärungen) im Zuge der Entsendungen nach ***EU-MS *** aus den Jahren 2013 bis 2016 entstehen, an das Unternehmen ***Bf1***, ***16***, ***17*** (Steuer-Nr. ***15***) vollumfänglich abgetreten werden und auf deren Konto IBAN ***18*** / BIC: ***19*** (***20***) ausbezahlt werden sollen."
Die Korrektur bzw. erstmalige Erstellung der Lohnzettel, der Lohnkonten für die Zeiträume der Beschäftigung in ***EU-MS *** sowie der Veranlassung der Abtretungserklärungen hat einige Monate in Anspruch genommen.
Am 6. Februar 2019 hat die ***StB 1 *** durch ihren Sachbearbeiter ***7*** ein Schreiben an das Finanzamt ***2*** zu Handen von ***8*** mit folgendem Inhalt verfasst, wobei dieses Schreiben mit "St.Nr.: ***15***; ***Bf1***
Berichtigte Lohnzettel 2013 und 2014 - LZ-Art" tituliert ist:
Auftrags und in Vollmacht der Bf. dürfen wie bereits telefonisch besprochen in der Beilage die berichtigten Lohnzettel der nachfolgenden genannten Mitarbeiter (einer dieser Mitarbeiter war ***3***) für die Jahre 2013 und 2014 übermittelt werden.
Des Weiteren enthielt dieses Schreiben wörtlich die nachstehend wiedergegebenen Ausführungen:
"Sämtliche o.a. Personen waren bzw. sind noch Dienstnehmer der Firma ***Bf1***, ***17***. Diese Dienstnehmer waren in unterschiedlichen Zeiträumen auf Baustellen in ***EU-MS *** eingesetzt und somit in ***EU-MS *** lohnsteuerpflichtig.
Eine entsprechende Zahlungsbestätigung des Finanzamts ***5*** zur Steuernummer ***21*** habe ich ebenfalls diesem Schreiben beigelegt.
Auf Grund der Tatsache der ***EU-MS *** Lohnsteuerpflicht sind somit für die Zeiträume dieser Beschäftigung in Österreich berichtigte Lohnzettel abzugeben (Format 8). Zur besseren Nachvollziehbarkeit habe ich für die Ermittlung der Grundlagen der LZ-Art 8 ein entsprechendes Lohnkonto für jeden Mitarbeiter beigelegt.
Zum erweiterten Nachweis des Einbehalts der ***EU-MS *** Lohnsteuer darf ich ebenfalls in der Beilage den entsprechenden Einkommensteuerbescheid (soweit dieser von den betroffenen Personen an uns übermittelt wurde) vorlegen.
Durch die Wiederaufnahme der Verfahren wird bei allen Dienstnehmern ein Guthaben entstehen, welches NICHT an die einzelnen Mitarbeiter zurückzuzahlen ist, da die ***11*** Lohnsteuer vorerst durch unsere Mandantin beglichen wurde. In diesem Zusammenhang verweise ich auf die ebenfalls beigelegten Abtretungserklärungen der einzelnen Mitarbeiter, in welchen die Guthaben an unsere Mandantin abgetreten werden.
Auf diesem Wege möchte ich mich sehr herzlich für Ihr Entgegenkommen bedanken und sehe einer positiven Erledigung entgegen."
Diesem Schreiben waren betreffend ***3*** folgende Beilagen angeschlossen:
Abtretungsanzeige vom 16.7.2018
Einkommensteuerbescheides des Finanzamtes ***5*** für 2013 und 2014 vom 20.3.2018
Händisch ausgefüllte Lohnzettel mit "FORMAT 1" und "FORMAT 8" für 2013 und 2014
Lohnkonten für 2013 und für Jänner bis Juli 2014
Außerdem war eine vom Finanzamt ***5*** ausgestellte Bescheinigung vom 12.5.2017 betreffend u.a. die in den Jahren 2013 und 2014 abgegebenen und bezahlten Lohnsteueranmeldungen der Bf. beigelegt.
Am 11. Februar 2019 hat ***8*** für das Finanzamt ***2*** die am 17.2.2014 bzw. 9.2.2015 von der Bf. übermittelten Lohnzettel für ***3*** im Abgabeninformationssystem der Finanzverwaltung storniert und die mit dem Schreiben vom 6.2.2019 übermittelten händischen Lohnzettel im Abgabeninformationssystem der Finanzverwaltung erfasst.
Die dem Schreiben vom 6.2.2019 beigelegten Abtretungsanzeigen wurden von ***8*** an die damals (vor dem 1.1.2021) noch zuständigen Wohnsitzfinanzämter bzw. soweit das Finanzamt ***2*** auch für die Veranlagung des jeweiligen Dienstnehmers zuständig war - dieser Umstand hat auf ***3*** zugetroffen - an das für die Veranlagung des Dienstnehmers zuständige Arbeitnehmerveranlagungsteam weitergeleitet. ***8*** hat einen diesbezüglichen handschriftlichen Vermerk auf der zweiten Seite des Schreibens vom 6.2.2019 angebracht.
Aufgrund dieser Lohnzettelkorrekturen durch das Finanzamt ***2*** im Februar 2019 wurden damals im System der Finanzverwaltung für die Dienstnehmer, die bereits veranlagt waren, automatische Wiederaufnahmen angestoßen. Die amtswegigen Wiederaufnahmen der Einkommensteuerbescheide der einzelnen Dienstnehmer gem. § 303 (1) BAO wurden von den zuständigen Sachbearbeitern der Wohnsitzfinanzämter entsprechend erledigt.
Die automatische Wiederaufnahme erfolgte aber nur bei jenen Dienstnehmern, die bereits für die Jahre 2013 bzw. 2014 veranlagt waren. Herr ***3*** hatte zu diesem Zeitpunkt (Februar 2019) weder für das Jahr 2013 noch für das Jahr 2014 eine Erklärung zur Arbeitnehmerveranlagung (L1) abgegeben. Es lagen daher keine Einkommensteuerbescheide (Arbeitnehmerveranlagungen) 2013 und 2014 betreffend ***3*** vor, weswegen eine automatische Wiederaufnahme gem. § 303 (1) BAO wurde in diesem Fall nicht angestoßen wurde, weil eben keine Einkommensteuerbescheide (Arbeitnehmerveranlagungen) 2013 und 2014 vorgelegen haben. Dafür hätte ***3*** Erklärungen zur Arbeitnehmerveranlagung 2013 und 2014 abgeben müssen.
Seit 2.5.2019 wurde auch ***3*** von der ***StB 1 *** vertreten. Am 20.02.2020 ist ein "Sonstige Anbringen und Anfragen" für ***3*** von der steuerlichen Vertretung ***StB 1 *** über FinanzOnline mit folgendem Inhalt eingebracht worden:
"Unser Mandant war in den Jahr 2013 und 2014 in ***EU-MS *** einkommensteuerpflichtig. Es wurden bereits im Jänner 2019 vom Dienstgeber, ***Bf1***, ***17***, berichtigte Lohnzettel sowie Nachweise über den Einbehalt der ***22*** Einkommensteuer dem Finanzamt ***2*** (Frau ***8***) vorgelegt. Auftrags und in Vollmacht bitten wir um amtswegige Wiederaufnahme der Veranlagungen der Jahr 2013 und 2014 und Auszahlung des Guthabens entsprechend der ebenfalls vorgelegten Abtretungserklärung an die Dienstgeberin, ***Bf1***, ***17***. Frau ***8*** (FA ***2***) hat die Berichtigung der Lohnzettel vorgenommen und wäre in dieser Angelegenheit auch die optimale Ansprechperson. Wir bitten um antragsgemäße Erledigung und verbleiben mit freundlichen Grüßen."
Am 8.10.2020 ist von der steuerlichen Vertretung der Bf., der ***StB 1 *** ein "Sonstige Anbringen und Anfragen" für die Bf. über FinanzOnline eingebracht worden, in der auf das Anbringen von ***3*** vom 20.2.2020 verwiesen wurde. Der Betreff im "Sonstige Anbringen und Anfragen" lautet: "Wiederaufnahme Veranlagung 2013 und 2014:" und hat dieses Anbringen folgenden Inhalt:
"Wir haben am 21.2.2020 folgenden Antrag eingebracht:
Unser Mandant war in den Jahr 2013 und 2014 in ***EU-MS *** einkommensteuerpflichtig. Es wurden bereits im Jänner 2019 vom Dienstgeber, ***Bf1***, ***17***, berichtigte Lohnzettel sowie Nachweise über den Einbehalt der ***22*** Einkommensteuer dem Finanzamt ***2*** (Frau ***8***) vorgelegt. Auftrags und in Vollmacht bitten wir um amtswegige Wiederaufnahme der Veranlagungen der Jahr 2013 und 2014 und Auszahlung des Guthabens entsprechend der ebenfalls vorgelegten Abtretungserklärung an die Dienstgeberin, ***Bf1***, ***17***. Frau ***8*** (FA ***2***) hat die Berichtigung der Lohnzettel vorgenommen und wäre in dieser Angelegenheit auch die optimale Ansprechperson."
Auf dieses Anbringen hin erfolgte durch ***8*** im Oktober 2020 ein Telefonat mit ***23*** von der ***StB 1 ***. Dabei ist es um die Frage gegangen, ob für ***3*** eine Arbeitnehmerveranlagung für 2013 und 2014 noch möglich sei. ***8*** hat in der Folge Rücksprache mit einer Teamleiterin der Arbeitnehmerveranlagung gehalten, da sie ja als Mitarbeiterin in der betrieblichen Veranlagung nicht mit Arbeitnehmerveranlagungen befasst gewesen ist.
Am 27.10.2020 hat ***8*** ***23*** - dieser war und ist der Geschäftsführer der ***StB 1 *** (vgl. Firmenbuch des Landesgerichts ***2*** zu FN ***24***) - telefonisch mitgeteilt, dass für eine Arbeitnehmerveranlagung eine Fünf-Jahresfrist vorgesehen ist und daher die Arbeitnehmerveranlagungen für die Jahre 2013 und 2014 betreffend ***3*** im Jahr 2020 nicht mehr möglich sind. Festgehalten wird, dass ***7*** zum Zeitpunkt dieses Telefonates nicht mehr in einem Dienstverhältnis zur ***StB 1 *** gestanden ist (vgl. Seite 5 oben der Niederschrift über seine Zeugenaussage vom 26.6.2025).
Von der damaligen steuerlichen Vertretung der Bf. wurde diese Auskunft zur Kenntnis genommen und wurden in dieser Angelegenheit keine weiteren Schritte gegenüber dem Finanzamt ***2*** bzw. ab 1.1.2021 gegenüber dem für die Bf. zuständig gewordenen Finanzamt für Großbetriebe gesetzt.
Am 4.9.2024 wendete sich ***25*** von der nunmehrigen steuerlichen Vertretung des Dienstgebers, der ***StB 2 ***, per Mail an ***8***. Dieses Mail hat folgenden Inhalt:
"Ich wende mich als Geschäftsführer der Steuerberatungsgesellschaft ***StB 2 *** an Sie: Mit ***26*** 2023 haben wir die Kanzlei der ***StB 1 *** erworben.
Bei der Durchsicht der offenen Fälle ist uns aufgefallen, dass seinerzeit bereits im Jahr 2018 von ***7***, einem Angestellten der Kanzlei ***StB 1 ***, Anträge auf Durchführung der Lohnsteuererstattungen 2013 und 2014 für Mitarbeiter der ***Bf1***, die in der ***EU-MS *** Betriebsstätte tätig waren, eingebracht wurden.
Mit Ausnahme jener von ***3*** wurden sämtliche Lohnsteuererstattungen der Dienstnehmer der ***Bf1*** antragsgemäß erledigt. Als Rechtsnachfolgerin der Kanzlei ***StB 1 *** der ***Bf1*** beantragen wir deshalb die Durchführung der beantragten Lohnsteuererstattung der Jahre 2013 und 2014 für Herrn ***3*** und um Gutschrift auf das Konto der ***Bf1***. Falls Sie Unterlagen benötigen, bitte melden!"
In den darauffolgenden Telefonaten von ***8*** und von Frau ***9*** (Finanzamt Österreich, Dienststelle ***2***) mit ***25*** wurde nochmals hingewiesen, dass es keinen Antrag gem. § 240 BAO gegeben habe.
3. Beweiswürdigung
Die Feststellungen betreffend die Beschäftigung von ***3*** für die Bf. in ***EU-MS *** in den Jahren 2013 und 2014 sowie die für diesen Zeitraum von der Bf. abgeführte inländische Lohnsteuer ergeben sich aus den mit der Säumnisbeschwerde vorgelegten Unterlagen (Schreiben der ***StB 1 *** vom 6.2.2019; Einkommensteuerbescheide des Finanzamtes ***5*** vom 20.3.2018 für 2013 und 2014; Lohnkonten 2013 und 2014) und wurde diesem Sachverhalt von der belangten Behörde auch nicht entgegengetreten.
Der Umstand, dass der Sachbearbeiter der ***StB 1 ***, Herr ***7***, betreffend eine Lohnsteuerrückzahlung von Dienstnehmern, die in den Jahren 2013 und 2014 auf Baustellen der Bf. in ***EU-MS *** tätig gewesen sind, und für die aufgrund der stattgefundenen Lohnsteuerprüfung in ***EU-MS *** für denselben Zeitraum ***11*** Lohnsteuer vorgeschrieben worden ist, lediglich telefonisch im Jahr 2018 Kontakt mit ***8*** vom Finanzamt ***2*** aufgenommen hat und es entgegen dem Vorbringen im Schriftsatz der Bf. vom 23.6.2025 keine Korrespondenz im Sinne einer schriftlichen Eingabe an das Finanzamt ***2*** ergeben hat, ergibt sich aus der Zeugenaussage von ***7*** in der mündlichen Verhandlung vom 26.6.2025 (vgl. Seite 3 Mitte der Niederschrift vom 26.6.2025: "Wie ist die Kommunikation erfolgt? Zeuge ***7***: Das ist telefonisch erfolgt.").
Der festgestellte Inhalt der zwischen ***7*** und ***8*** vom Finanzamt ***2*** geführten Telefonate ergibt sich ebenfalls aus der Zeugenaussage von ***7*** (Seite 3 der Niederschrift vom 26.6.2025). Der Umstand, dass Gegenstand der Telefonate von ***7*** mit ***8*** im Jahr 2018 und auch nicht im Jahr 2019 nicht die Erörterung der verfahrensrechtlichen Grundlagen der von der Bf. gewollten Lohnsteuerrückerstattung gewesen ist und daher insbesondere auch nicht darüber gesprochen wurde, dass eine Lohnsteuerrückerstattung auf Grundlage des § 240 Abs. 3 BAO erfolgen soll, ergibt sich ebenfalls aus der Aussage des Zeugen ***7*** (vgl. Seite 4 oben der Niederschrift vom 26.6.2025: "Wurde über die verfahrensrechtlichen Grundlagen der Lohnsteuerrückerstattung gesprochen. Zeuge ***7***: Nein." Aus der Aussage des Zeugen ***7*** folgt auch, dass ***8*** ***7*** in den im Jahr 2018 geführten Telefonaten ihn nicht dazu angeleitet bzw. aufgefordert hat, Anträge gemäß § 240 Abs. 3 BAO auf Lohnsteuerrückzahlung namens der Bf. zu stellen und ergibt sich dies auch aus dem Schreiben vom 6.2.2019, wonach in diesem Schreiben nur insoweit auf die mit Frau ***8*** geführten Telefonate Bezug genommen wird als berichtigte Lohnzettel vorgelegt worden sind. Überdies ist zu bedenken, dass Frau ***8*** als Mitarbeiterin der betrieblichen Veranlagung gar nicht für Anträge von Dienstnehmern gem. § 240 Abs. 3 BAO zuständig war und sie deshalb nur die Lohnzettelkorrekturen durchgeführt und sodann die Abtretungsanzeigen an die zuständigen Wohnsitzfinanzämter weitergeleitet hat.
Der Inhalt der Abtretungsanzeige von ***3*** vom 16.7.2018 sowie des Schreibens der ***StB 1 *** an das Finanzamt ***2*** vom 6.2.2019 samt der übrigen diesem Schreiben angeschlossenen Beilagen ergibt sich aus der Abtretungsanzeige vom 16.7.2018 sowie dem Schreiben vom 6.2.2019.
Dass ***8*** am 11. Februar 2019 für das Finanzamt ***2*** die am 17.2.2014 bzw. 9.2.2015 von der Bf. übermittelten Lohnzettel für ***3*** im Abgabeninformationssystem der Finanzverwaltung storniert und die mit dem Schreiben vom 6.2.2019 übermittelten händischen Lohnzettel im Abgabeninformationssystem der Finanzverwaltung erfasst hat, ergibt sich aus der Stellungnahme des Finanzamtes ***2*** vom 13.5.2025 und wurde von der Bf. auch nicht in Abrede gestellt.
Die Feststellung, dass die dem Schreiben vom 6.2.2019 beigelegten Abtretungsanzeige von ***8*** an die damals (vor dem 1.1.2021) noch zuständigen Wohnsitzfinanzämter bzw. soweit das Finanzamt ***2*** auch für die Veranlagung des jeweiligen Dienstnehmers zuständig war - dieser Umstand hat auf ***3*** zugetroffen - an das für die Veranlagung des Dienstnehmers zuständige Arbeitnehmerveranlagungsteam weitergeleitet wurden, ergibt sich ebenfalls aus der Stellungnahme des Finanzamtes ***2*** vom 13.5.2025 und ist dieser Umstand auch durch folgenden Vermerk vom 11.2.2019 auf der zweiten Seite des Schreiben vom 6.2.2019 belegt: "bei DG hochgeladen bei DN FA ***27*** ebenf. hochgeladen Mail an alle WSFÄ gesch.".
Dass aufgrund dieser Lohnzettelkorrekturen durch das Finanzamt ***2*** im Februar 2019 damals im System der Finanzverwaltung für die Dienstnehmer, die bereits veranlagt waren, automatische Wiederaufnahmen angestoßen wurden und diese von der EDV der Finanzverwaltung angestoßenen amtswegigen Wiederaufnahmen der Einkommensteuerbescheide der einzelnen Dienstnehmer gem. § 303 (1) BAO von den zuständigen Sachbearbeitern der Wohnsitzfinanzämter entsprechend erledigt wurden, ergibt aus der in sich schlüssigen und auch in Schreiben der Bf. vom 23.6.2025 unwidersprochen gebliebenen Stellungnahme des Finanzamtes Österreich vom 13.5.2025.
Dass bei ***3*** keine amtswegige Wiederaufnahme für die Jahre 2013 und 2014 angestoßen wurde, weil er zu diesem Zeitpunkt keine Erklärungen zur Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) abgegeben hatte, ergibt sich ebenfalls aus den von der Bf. nicht in Abrede gestellten Ausführungen in der Stellungnahme des Finanzamtes Österreich vom 13.5.2025 sowie dem in der mündlichen Verhandlung vom 26.6.2025 vom Vertreter der belangten Behörde vorgelegten elektronischen Vermerk vom 14.2.2019 im Arbeitnehmerveranlagungsakt von ***3***: "Bei event. Beantragung ANV 2013 bzw. 2014 ev. Guthaben an Fa. ***Bf1***, Vermerk GPLA @***28*** ,140219@."
Die Feststellungen betreffend das sonstige Anbringen vom 20.2.2020 betreffend ***3*** sowie das am 8.10.2020 per FinanzOnline für die Bf. eingebrachte sonstige Anbringen bzw. Anfrage ergeben sich aus den Ausdrucken, die der der Stellungnahme des Finanzamtes Österreich vom 13.5.2025 beigelegt waren.
Dass ***8*** - nach Kontaktaufnahme mit einer Teamleiterin der Arbeitnehmerveranlagung des Finanzamtes ***2*** - ***23*** am 27.10.2020 telefonisch mitgeteilt hat, dass für eine Arbeitnehmerveranlagung eine Fünf-Jahresfrist vorgesehen ist und daher die Arbeitnehmerveranlagungen für die Jahre 2013 und 2014 betreffend ***3*** im Jahr 2020 nicht mehr möglich sind, von der damaligen steuerlichen Vertretung der Bf. diese Auskunft zur Kenntnis genommen wurde und in dieser Angelegenheit keine weiteren Schritte gegenüber dem Finanzamt ***2*** bzw. ab 1.1.2021 gegenüber dem für die Bf. zuständig gewordenen Finanzamt für Großbetriebe gesetzt wurden, ergibt sich aus dem händischen Aktenvermerk vom 27.10.2020 auf dem ausgedruckten Anbringen vom 8.10.2020.
Der Inhalt des Mails vom 4.9.2024 von ***25*** von der ***StB 2 *** ergibt sich aus dem von der mit der Stellungnahme vom 13.5.2025 vorgelegten diesbezüglichen Mail sowie die Reaktion der Mitarbeiter des Finanzamtes Österreich auf dieses Mail ergibt sich aus den von der Bf. unbestritten gebliebenen Ausführungen in der Stellungnahme des Finanzamtes Österreich vom 13.5.2025.
4. Rechtliche Beurteilung
4.1. Zu Spruchpunkt I. (Zurückweisung)
§ 284 Abs. 1 BAO lautet wie folgt:
Wegen Verletzung der Entscheidungspflicht kann die Partei Beschwerde (Säumnisbeschwerde) beim Verwaltungsgericht erheben, wenn ihr Bescheide der Abgabenbehörden nicht innerhalb von sechs Monaten nach Einlangen der Anbringen oder nach dem Eintritt zur Verpflichtung zu ihrer amtswegigen Erlassung bekanntgegeben (§ 97) werden. Hiezu ist jede Partei befugt, der gegenüber der Bescheid zu ergehen hat.
Sinngemäß auf Säumnisbeschwerden ist unter anderem § 260 Abs. 1 lit. a BAO (Unzulässigkeit; § 284 Abs. 7 lit. b BAO) anzuwenden.
Im gegenständlichen Säumnisbeschwerdeverfahren ist zwischen den Parteien strittig, ob seitens der Bf. im Jahr 2018 bzw. mit Schreiben vom 6.2.2019 ein Antrag gemäß § 240 Abs. 3 BAO auf Rückzahlung von zu Unrecht einbehaltener Lohnsteuer für die Jahre 2013 und 2014 betreffend den Dienstnehmer ***3*** eingebracht wurde (Sichtweise der Bf.) oder lediglich eine amtswegige Anregung auf Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) 2013 und 2014 betreffend den Dienstnehmer ***3*** gestellt wurde (Sichtweise der belangten Behörde).
Diesbezüglich ist zunächst auf den festgestellten Sachverhalt hinzuweisen, wonach ***8*** vom Finanzamt ***2*** ***7*** als Sachbearbeiter der damaligen steuerlichen Vertretung der Bf. in den im Jahr 2018 geführten Telefonaten nicht dazu angeleitet bzw. aufgefordert hat, Anträge gemäß § 240 Abs. 3 BAO auf Lohnsteuerrückzahlung namens der Bf. zu stellen.
Daher ist für die Beurteilung dieser Frage, ob mit dem Schreiben vom 6.2.2019 eine amtswegige Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) 2013 und 2014 betreffend den Dienstnehmer ***3*** durch die Bf. angeregt wurde oder ein Antrag gemäß § 240 Abs. 3 BAO auf Rückzahlung von zu Unrecht einbehaltener Lohnsteuer für die Jahre 2013 und 2014 betreffend den Dienstnehmer ***3*** eingebracht wurde, die Bestimmung des § 85 Abs. 1 BAO maßgeblich, die wie folgt lautet:
Anbringen zur Geltendmachung von Rechten oder zur Erfüllung von Verpflichtungen (insbesondere Erklärungen, Anträge, Beantwortungen von Bedenkenvorhalten, Rechtsmittel) sind vorbehaltlich der Bestimmungen des Abs. 3 schriftlich einzureichen (Eingaben).
Daraus folgt, dass entgegen dem Vorbringen in der Säumnisbeschwerde durch die mit ***8*** vom Finanzamt ***2*** von ***7*** im Jahr 2018 geführten Telefonate jedenfalls kein Antrag gemäß § 240 Abs. 3 BAO "konkludent" eingebracht werden konnte, weil telefonische Anbringen keine "mündlichen Anbringen" im Sinne des § 85 Abs. 1 BAO sind (vgl. zB VwGH 31.3.2005, 2004/15/0089; VwGH 17.11.2005, 2001/13/0279; VwGH 29.7.2010, 2006/15/0215; VwGH 28.9.2011, 2008/13/0070; so auch BFG 19.6.2018, RV/7100187/2015).
Für die Beurteilung von Anbringen kommt es nicht auf die Bezeichnung von Schriftsätzen und zufälligen verbalen Formen an, sondern auf den Inhalt, das erkennbare oder zu erschließende Ziel des Parteischrittes. Maßgebend für die Wirksamkeit einer Prozesserklärung ist das Erklärte, nicht das Gewollte. Allerdings ist das Erklärte der Auslegung zugänglich (VwGH 5.7.1999, 99/16/0115; VwGH 29.7.2010, 2009/15/0152). Parteierklärungen sind nach ihrem objektiven Erklärungswert auszulegen, dh es kommt darauf an, wie die Erklärung unter Berücksichtigung der konkreten gesetzlichen Regelung, des Verfahrenszweckes und der der Behörde vorliegenden Aktenlage objektiv verstanden werden muss (VwGH 30.1.2015, Ra 2014/17/0025). Es besteht keine Befugnis oder Pflicht der Behörde, von der Partei tatsächlich nicht erstattete Erklärungen aus der Erwägung als erstattet zu fingieren, dass der Kontext des Parteivorbringens die Erstattung der nicht erstatteten Erklärung nach behördlicher Beurteilung als notwendig, ratsam oder empfehlenswert erscheinen lasse (VwGH 8.4.1992, 91/13/0123; VwGH 24.9.2014, 2011/13/0082; VwGH 27.5.2020, Ra 2018/16/0042). Bei einem eindeutigen Inhalt eines Anbringens ist eine davon abweichende, nach außen hin auch nur andeutungsweise nicht zum Ausdruck kommende Absicht des Einschreiters nicht maßgeblich (VwGH 18.5.2006, 2003/16/0009; VwGH 2.9.2020, Ra 2020/15/0047).
Prüft man den Inhalt des Schreibens der steuerlichen Vertretung der Bf. vom 6.2.2019 nach der im Vorabsatz dargelegten Rechtsprechung des VwGH ergibt sich, dass mit diesem Schreiben zum einen berichtigte Lohnzettel von in diesem Schreiben namentlich angeführten Dienstnehmern für die Jahre 2013 und 2014 übermittelt wurden und daraus abzuleiten ist, dass die Vornahme der Berichtigung dieser Lohnzettel im Abgabeninformationssystem der Finanzverwaltung (AIS-DB2) begehrt worden ist, was auch geschehen ist. Diesbezüglich liegt jedenfalls keine Säumigkeit des damaligen Finanzamtes ***2*** bzw. nunmehr des Finanzamtes für Großbetriebe vor.
Normen und Schlagworte
- § 260 Abs. 1 lit. a BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 284 Abs. 7 lit. b BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 303 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 284 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Säumnisbeschwerde - Einzel - Beschluss
- Geschäftszahl
- RS/5100006/2025
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2025:RS.5100006.2025
- Stammnummer
- 148629
- Gültig
- 01.07.2025 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF