Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7102738/2022
Lebensmittelpunkt in Österreich oder in Ungarn?
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7102738/2022vom 12.01.2023Teil 1 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Sind sowohl die Beschwerdeführerin als auch die in Österreich geborenen Kinder österreichische Staatsbürger, ging die Beschwerdeführerin in Österreich einer selbständigen oder nichtselbständigen (geringfügigen) Erwerbstätigkeit nach, verfügt die Beschwerdeführerin in Österreich über eine Wohnung, gingen die Kinder teilweise von Österreich und teilweise von Ungarn aus in eine deutschsprachige Schule in Grenznähe in Ungarn, wurden die Kinder in Österreich medizinisch betreut und wohnte die Familie (Mutter, Vater, drei damals minderjährige Kinder) teilweise in Österreich, teilweise in Ungarn, und zwar teilweise gemeinsam, teilweise einzelne Familienmitglieder getrennt, kann der Beschwerdeführerin nicht entgegengetreten werden, wenn sie ihren Lebensmittelpunkt als in Österreich gelegen ansieht.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch die Richterin Elisabeth Wanke über die Beschwerde der ***1*** ***2***, ***3***, ***4*** ***5***, vertreten durch GT-KMU Wirtschaftsprüfungs-und Steuerberatungs-GmbH, 1130 Wien, Auhofstraße 1, vom 20.12.2019, gegen den Bescheid des damaligen Finanzamtes Wien 3/6/7/11/15, 1030 Wien, Marxergasse 4, 2/20/21/22, nunmehr Finanzamt Österreich, vom 22.11.2019, Sozialversicherungsnummer ***6***, wonach zu Unrecht bezogene Beträge an Familienbeihilfe (€ 45.042,30) und Kinderabsetzbetrag (€ 17.636,80), insgesamt € 62.679,10, für die im Februar 2000 geborene ***7*** ***8*** ***2***, für den im Juni 2004 geborenen ***9*** ***2*** und für die im August 2006 geborene ***10*** ***11*** ***2*** jeweils für den Zeitraum November 2009 bis Februar 2018 gemäß § 26 FLAG 1967 und § 33 EStG 1988 zurückgefordert werden, zu Recht erkannt:
I. Der Beschwerde wird gemäß § 279 BAO Folge gegeben.
Der Bescheid wird ersatzlos aufgehoben.
II. Gegen diese Entscheidung ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 B-VG nicht zulässig.
Entscheidungsgründe
Bescheid
Mit Bescheid vom 22.11.2019 forderte das Finanzamt von der Beschwerdeführerin (Bf) ***1*** ***2*** zu Unrecht bezogene Beträge an Familienbeihilfe (€ 45.042,30) und Kinderabsetzbetrag (€ 17.636,80), insgesamt € 62.679,10, für die im Februar 2000 geborene ***7*** ***8*** ***2***, für den im Juni 2004 geborenen ***9*** ***2*** und für die im August 2006 geborene ***10*** ***11*** ***2*** jeweils für den Zeitraum November 2009 bis Februar 2018 gemäß § 26 FLAG 1967 und § 33 EStG 1988 mit folgender Begründung zurück:
Sie haben in Wien im 7. Bezirk in der ***4*** ***5*** eine Wohnung (37 qm) gemietet, in der Sie mit Ihren Kindern gemeldet sind. Ihr Mann besitzt in ***12*** ein Haus. Laut den ungarischen Behörden sind aber weder Sie noch die Kinder in Ungarn gemeldet, daher besteht dort auch kein Anspruch auf Familienbeihilfe. Allerdings besuchen die Kinder (***7*** geb 2000, ***9*** geb 2004 und ***10*** geb. 2006) in Ungarn die Schule und ein Nachweis über die tägliche Hin- und Rückfahrt wurde von Ihnen trotz Aufforderung nicht erbracht.
Sie geben selbst an die Wohnung im Krankheitsfall der Kinder zu nutzen, um ihnen hier eine gute ärztliche Versorgung zu bieten. Laut Ihren Angaben ist die Ehegemeinschaft mit dem Kindesvater aufrecht.
Seit Juli 2014 sind Sie in ***13*** beschäftigt, verdienen aber unter der Geringfügigkeitsgrenze (2009 mtl 357,74 €, 2018 mtl 438,05 €). Davor waren Sie in Österreich nicht beschäftigt, für Ihre Kinder erhielten Sie laut unseren Ermittlungen Karenzgeld. Weiters geben Sie an, fallweise Bekleidung (Hochzeits- und Ballkleider) für verschiedene Personen angefertigt zu haben. Ein Gewerbe wurde nie angemeldet, auch Einkommensteuererklärungen wurden nicht erstellt und abgegeben, da lt. Ihnen die Einkünfte so gering waren.
Gemäß § 2 Abs. 1 Familienlastenausgleichsgesetz 1967 (FLAG) haben Anspruch auf Familienbeihilfe Personen, die im Bundesgebiet einen Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben, unter anderem a) für ihre minderjährigen Kinder und b) für volljährige Kinder, die das 24. Lebensjahr noch nicht vollendet haben und für einen Beruf ausgebildet oder in einem erlernten Beruf in einer Fachschule fortgebildet werden, wenn ihnen durch den Schulbesuch die Ausübung ihres Berufes nicht möglich ist.
Gemäß § 2 Abs. 8 Abs. FLAG 1967 haben Personen nur dann Anspruch auf Familienbeihilfe, wenn sie den Mittelpunkt der Lebensinteressen im Bundesgebiet haben. Eine Person hat den Mittelpunkt der Lebensinteressen in dem Staat, zu dem sie die engeren persönlichen und wirtschaftlichen Beziehungen hat.
Für Ihre Kinder ***7*** (geb. ***14***), ***9*** (geb. ***15***) und ***10*** (geb. ***16***) ***2*** wurde Familienbeihilfe bezogen, obwohl die Voraussetzungen nach FLAG bereits seit Ende des Karenzgeldbezuges für das Kind ***10*** (2008) nicht mehr vorliegen.
Sie haben bei Antragstellung unterschrieben dass Sie die angeführten Angaben nach bestem Wissen und Gewissen richtig und vollständig gemacht haben und dass Sie zur Kenntnis nehmen, dass Sie sämtliche Änderungen Ihrer Angaben binnen einem Monat dem Finanzamt melden müssen. Sie haben es versäumt den Wegfall der Voraussetzungen für den gerechtfertigten Bezug der Familienbeihilfe dem Finanzamt anzuzeigen und sind somit der aus § 25 FLAG ergebenden Verpflichtung nicht nachgekommen. Damit sind die Voraussetzungen für die Anwendung der zehn jährigen Verjährungsfrist gemäß 207 Abs. letzter Satz in Verbindung mit § 207 Abs. Bundesabgabenordnung gegeben.
Es widerspricht den Erfahrungen des täglichen Lebens schulpflichtige Kinder in diesem Alter täglich diesen langen Schulweg auf sich nehmen zu lassen, wenn am Schulort oder in der Nähe ein eigenes Haus zur Verfügung steht. Auch die Wohnungsgröße spricht nicht dafür, sich ständig mit Kindern dort aufzuhalten Ihre Arbeitsstelle ist von Ungarn ebenso einfach zu erreichen wie von Wien aus. Auch stellt eine Meldung in Österreich lediglich ein Indiz für den Aufenthalt dar, ist aber kein Beweis für den Aufenthalt.
Unter Subsumtion aller Tatsachen und Beweggründe ist laut Ansicht des Finanzamtes der Lebensmittelpunkt von Ihnen und Ihrer Kinder in Ungarn. Es besteht daher kein Anspruch auf Familienbeihilfe aus Österreich. Aufgrund der Geringfügigkeit der Beschäftigung besteht auch kein Anspruch auf Ausgleichszahlung.
Beschwerde
Mit Schreiben ihrer steuerlichen Vertretung vom 20.12.2019 erhob die Bf Beschwerde gegen den Rückforderungsbescheid und führte aus:
Die Beschwerde richtet sich gegen die Rückforderung von EUR 62.679,10 an FB und KB.
Es wird die Aufhebung des Bescheides beantragt und die Herabsetzung des Rückforderungsbetrages auf EUR 0,00 beantragt.
Begründung:
Frau ***2*** war in der Zeit ab 2009 in Österreich beschäftigt. Die Beschäftigung war nicht von gänzlich untergeordneter Bedeutung und auch nicht unwesentlich. Der Mittelpunkt der Lebensinteressen von Frau ***2*** lag und liegt weiterhin in Österreich. Es wird darauf verwiesen, dass bei ihrem Einkommen keine Verpflichtung zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung bestand.
Im Übrigen verweise ich darauf, dass auch für den Fall, dass der Mittelpunkt des Lebensinteresses von Frau ***2*** in Ungarngelegen sein sollte - was jedoch bestritten wird - trotzdem Anspruch auf Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag in Österreich besteht.
Weiters stelle ich den Antrag auf Aussetzung der Einhebung des Rückforderungsanspruches von Familienbeihilfe für die Jahre 2009 bis 2018 in Höhe von EUR 45.042,30 und von Kinderabsetzbeträgen für die Jahre 2009 bis 2018 in Höhe von EUR 17.636,80 (insgesamt somit EUR 62.679,10) bis zur Erledigung der vorliegenden Beschwerde.
Begründung:
Bei einer antragsgemäßen Erledigung der vorliegenden Beschwerde wird der Rückforderungsanspruch auf EUR 0,00 gestellt.
Beschwerdevorentscheidung
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 13.9.2021, zugestellt am 6.10.2021, wies das Finanzamt die Beschwerde vom 20.12.2019 als unbegründet ab und führte dazu aus:
Sie haben in Ihrer Beschwerde nichts Neues vorgebracht und auch das Ersuchen um Ergänzung vom 2.11.2020 (zugestellt am 6.11.2020) nicht beantwortet.
Laut Auskunft Ihrer Nachbarn waren in der Wohnung in Wien nie Kinder anzutreffen zudem wurde am 12.4.2021 die Abmeldung der Kinder nach Ungarn bekanntgegeben. Dies bestätigt den vorherigen Standpunkt des Finanzamtes, dass der Mittelpunkt der Lebensinteressen nicht in Österreich begründet war.
Auf die ausführliche Begründung im Bescheid vom 22.11.2019 wird verwiesen.
Es war daher spruchgemäß zu entscheiden.
Hinweis: Ob Anspruch auf Ausgleichszahlung besteht kann nicht in diesem Verfahren überprüft werden.
Vorlageantrag
Mit Schreiben der steuerlichen Vertretung vom 21.10.2021 stellte die Bf Vorlageantrag:
***2*** ***1***, Ordnungsbegriff ***17***
Vorlageantrag, Antrag auf Abhaltung einer mündlichen Verhandlung, Antrag auf Aussetzung der Einhebung von Abgaben
Sehr geehrte Damen und Herren!
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 13.9.2021, eingelangt am 6.10.2021, betreffend die Beschwerde vom 20.1.2019, eingelangt am 20.12.2019, von Frau ***1*** ***2***, ***3***, ***4*** ***5***, gegen den Rückforderungsbescheid vom 22.11.2019 wurde die Beschwerde vom 20.12.2019 als unbegründet abgewiesen.
Namens und auftrags von Frau ***1*** ***2*** stelle ich den Antrag auf Entscheidung über die Beschwerde(Vorlageantrag )durch das Bundesfinanzgericht beim Finanzamt Österreich. Außerdem beantrage ich gemäß § 274 BAO die Abhaltung einer mündlichen Verhandlung.
Zur Frage der Beantwortung des Ersuchens um Ergänzung vom 2.11.2020 ist festzuhalten, dass dieses am 27.9.2021 mittels eingeschriebenen Brief samt umfangreichen Anlagen zu Steuernummer 03 ***18*** AV Team 01 beantwortet wurde. Die Beantwortung erfolgte innerhalb der beantragten Fristverlängerungen (es erfolgten zu diesen Anträgen keine Abweisungen) vor Einlangen der Beschwerdevorentscheidung vom 13.9.2021.
Weiters stelle ich den Antrag auf Aussetzung der Einhebung des Rückforderungsanspruches von Familienbeihilfe für die Jahre 2009 bis 2018 in Höhe von EUR 45.042,30 und von Kinderabsetzbeträgen für die Jahre2009 bis 2018 in Höhe von EUR 17.636,80 (insgesamt somit EUR 62.679,10) bis zur Erledigung des vorliegenden Antrags und begründe dies damit, dass bei einer antragsgemäßen Erledigung des Vorlageantrags der Rückforderungsanspruch EUR 0,00 betragen wird.
Vorlage
Mit Bericht vom 13.9.2022 legte das Finanzamt die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor und führte unter anderem aus:
Bezughabende Normen
§ 2 Abs. 1 FLAG, § 2 Abs 8 FLAG, § 26 Abs 1. FLAG
Sachverhalt und Anträge
Sachverhalt:
Frau ***2*** bezog laufend die Familienbeihilfe für ihre drei Kinder. Aufgrund einer Mitteilung vom Stadtschulrat und anschließender Ermittlungen wurde festgestellt, dass die Kinder die Schule nicht in Österreich besuchten, sondern in Ungarn. In Österreich hat die Beschwerdeführerin in ***3*** eine 37m2 Wohnung gemietet, in Ungarn (***12***) besitzt der Ehemann ein Haus und und lebt auch dort.
Beweismittel:
Mietvertrag
Niederschrift mit Nachbarin
Vorhaltsbeantwortung vom 13.7.2018
Stellungnahme:
Nach Ansicht der ho. Abgabenbehörde wurde im strittigen Zeitraum die Wohnung in Wien aufgrund der Angaben der Beschwerdeführerin hauptsächlich für die ärztliche Versorgung der Kinder in Österreich und gelegentlich als Schneideratelier genutzt. Dass diese 37 m2 Wohnung durch die gesamte Familie als Wohnsitz genutzt wurde, erscheint nicht glaubhaft, zumal die Kinder die Schule in Ungarn besuchten/besuchen, mit dem Ehemann der Beschwerdeführerin in einem Haus lebten/leben und von Verwandten (Mutter der Beschwerdeführerin und Schwägerinnen) betreut wurden. Die nun vorgelegte Schulbesuchsbestätigung der Tochter ***7*** ***8*** und die Aufnahme einer weiteren Tätigkeit in Österreich (Vorlage von Lohn-Gehaltsabrechnungen ab Juni 2020) ändert nachträglich nichts an den Umständen im Rückforderungszeitraum November 2009 bis März 2018. Das angebliche tägliche Pendeln von Wien zur Schule der Kinder in ***12***, obwohl es eine nahegelegene Wohnmöglichkeit und den Kindesvater dort gibt, wurde nicht glaubhaft gemacht.
Daher geht die Abgabenbehörde weiterhin davon aus, dass im strittigen Zeitraum die engeren persönlichen Beziehungen zu Ungarn bestanden und der Mittelpunkt der Lebensinteressen nicht in Österreich lag. Es wird um Abweisung ersucht.
Akteninhalt
Im elektronisch vorgelegten Finanzamtsakt ist enthalten:
Überprüfungsschreiben
Ein Schreiben des Finanzamts vom 31.1.2018 betreffend Überprüfung des Anspruches auf Familienbeihilfe wurde von der Bf am 7.3.2018 beantwortet. Der Dienstgeber (nunmehr in ***13***) wurde berichtigt. Laut den Angaben im Überprüfungsschreiben sind Mutter und Kinder österreichische Staatsbürger, der Vater, von dem die Mutter nicht dauernd getrennt lebt, ist ungarischer Staatsbürger. Die Kinder wohnten ständig bei der Mutter und seien Schüler. Vorgelegt wurde eine Bescheinigung eines Gimnáziums in ***12*** vom 5.3.2018, wonach ***7*** ***2***, wohnhaft ***3***, ***4*** ***5***, im Schuljahr 2017/2018 eingeschrieben sei.
Mietvertrag
Aktenkundig ist ein zwischen Wiener Wohnen und ***1*** ***19***, Beruf bzw. Unternehmensgegenstand Schneiderin, abgeschlossener Mietvertrag, wonach diese ab Jänner 1998 eine Wohnung in ***3***, ***4*** ***5***, Fläche 37 qm, bestehend aus VR, KUE, WR, WC zu einem Hauptmietzins von ATS 606,80 netto (Betriebskosten ATS 841,01 netto), gesamt brutto ATS 1.592,59 miete.
Stadtschulrat
Der Stadtschulrat für Wien teilte dem Finanzamt mit Schreiben vom 8.3.2018 mit:
Im Zuge der Überprüfung der Erfüllung der Schulpflicht stellte der Stadtschulrat für Wien fest, dass folgende Kinder trotz Hauptwohnsitzmeldung in Wien ihren dauernden Aufenthalt im Ausland haben.
Der Stadtschulrat für Wien vermutet, dass die Voraussetzungen für einen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Wien im Sinne des § 2 Abs. 1 FLAG nicht mehr gegeben sind und ersucht um weitere Veranlassungen.
Name des Kindes / Geburtsdatum / gemeldete Wohnadresse
***2*** ***10*** / ***16***/ ***3***, ***4*** ***5***
***2*** ***9*** / ***15*** / ***3***, ***4*** ***5***
Lt. Best. Schulbesuch im Ausland.
Ergänzungsersuchen vom 15.3.2018
Das Finanzamt ersuchte die Bf mit Schreiben vom 15.3.2018:
Nachweis, dass kein bzw. für welchen Zeitraum Anspruch auf eine der österr. Familienbeihilfe gleichzusetzenden ausländische Beihilfe bestand/besteht
von allen Kindern ab Geburt von den ungarischen Behörden bestätigt Meldebestätigung der gesamten Familie ab Geburt der Kinder in Ungarn
Schulbestätigung oder Schulnachricht/Jahreszeugnis von allen Kindern ab Schulpflicht.
Einkommensnachweis von Ihnen und Ihren Gatten ab 2008 bis laufend.
Alle Unterlagen müssen Übersetzt sein.
Die Bf antwortete daraufhin am 5.3.2018:
Ich bestätige, dass mein Mann in Ungarn nach unsere Kinder keine Familienbeihilfe und auch sonst keine finanzielle Unterstützung bekommen hat! Nichts! ***1*** ***2***.
Beigefügt waren Schulbesuchsbestätigungen eines Gimnáziums in ***12*** vom 24.4.2018 betreffend ***7*** ***8*** ***2*** und die Schuljahre 2017/2018, 2016/2017, 2015/2016, 2014/2015; Schulbesuchsnachweise einer Schule in ***12*** betreffend ***7*** ***2*** für die Schuljahre 2006/2007, 2007/2008, 2008/2009, 2009/2010, 2010/2011, 2011/2012, 2012/2013, 2013/2014; betreffend ***10*** ***2*** für die Schuljahre 2013/2013, 2014/2015, 2015/2016, 2016/2017, 2017/2018; betreffend ***9*** ***2*** für die Schuljahre 2011/2012, 2012/2013, 2013/2014, 2014/2015, 2015/2016, 2016/2017, 2017/2018. Außerdem waren Meldebestätigungen beigefügt, wonach ***10*** ***11*** ***2*** seit 24.8.2006 mit Hauptwohnsitz in ***3***, ***4*** ***5*** gemeldet ist, ***9*** ***20*** ***2*** dort seit 28.6.2004, ein Meldezettel betreffend ***7*** ***8*** ***2***, dort seit 3.3.2000, ein Meldezettel betreffend ***1*** ***2***, geb. ***21***, dort seit 23.2.2000.
Die Kopie einer Amtlichen Bescheinigung über die Wohnadresse (Lakcimet igazolo hatosagi igazolvany) betreffend ***22*** ***23*** ***2***, wohnhaft in ***12*** (frühere und aktuelle Anschrift) wurde vorgelegt.
Bescheinigung EU/EWR / Certificate and Declaration EU/EEA der ausländischen Steuerbehörde zur Einkommensteuererklärung für Staatsangehörige von Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) vom 3.4.2018/4.4.2018, wonach ***22*** ***23*** ***2*** im Jahr 2008 in Ungarn zu versteuernde Einkünfte von HUF 324.000 hatte, im Jahr 2009 von HUF 324.000, im Jahr 2010 von HUF 802.386, im Jahr 2011 von HUF 342.300, im Jahr 2012 von HUF 247.500, im Jahr 2013 von HUF 270.000, im Jahr 2014 von HUF 270.000, im Jahr 2015 von HUF 270.000, im Jahr 2016 von HUF 270.000. Dr. ***24*** ***25***, ***13***, bestätigte am 18.4.2018, dass die Bf seit Juli 2014 in ungekündigter Stellung als Bedienerin bei einem monatlichen Bruttobezug von EUR 250,00 (Sonderzahlungen jährlich EUR 500,00) beschäftigt sei. Laut Formular E411 hat der Ehegatte eine Wohnanschrift in ***12***, Ungarn, während die Mutter und die Kinder in Wien, Österreich, wohnen sollen. Ausgefüllt sind nur die Felder 1, 2 und 3, eine behördliche Bestätigung liegt nicht vor.
Ergänzungsersuchen vom 17.5.2018
Mit Ergänzungsersuchen vom 17.5.2018 ersuchte das Finanzamt die Bf um folgende Auskunft:
Bitte erläutern Sie, warum die Kinder in Ungarn zur Schule gehen. Mietvertrag von der Wohnung in Wien und von dem Wohnsitz in ***12***. Sowie Angaben wo die Kinder ab Geburt leben. Einkommensnachweise von Ihnen von 2008 bis 2014.
Dieses Ersuchen wurde durch die steuerliche Vertretung am 13.7.2018 wie folgt beantwortet:
Durch meine Arbeit in Wien von 1983 - 2000 (hernach 2000-2002 in Karenz) im Nichtselbstständigen-Arbeitsverhältnis verlegte ich den Wohnsitz nach Wien (zuletzt Schneiderei und ***26***). Ich nahm auch die österreichische Staatsbürgerschaft an.
Hier kamen auch alle drei Kinder im ***27*** Spital zur Welt.
Alle drei Kinder sind ausschließlich österreichische Staatsbürgerinnen.
Durch meinen zweiten Mann, der in Ungarn von seiner Arbeit her gebunden war, wohnten wir sowohl in Ungarn, wie auch in Wien.
Die Entscheidung die Kinder in Ungarn (***12***) in eine deutschsprachige Grundschule zu schicken fiel, als wir zu Kenntnis nehmen mussten, dass es in der zuständigen Wiener Volksschule zu 95 Prozent Türken und Serben mit Sprachproblemen gab.
Das Niveau der deutschsprachigen Grundschule in ***12*** wurde nicht annähernd erreicht.
Die Wohnung in Wien gab ich nicht auf, da Ich diese benötigte, wenn ich mit meinen zwei jüngeren Kindern In Wien länger dauernde Behandlungen und Spitalaufenthalte hatte (mein Sohn benötigte Therapien am Fußgelenk und meine Tochter ***10*** hatte lange Zeit Hüftprobleme). So war die Familie oft geteilt, sodass ich mit meinen zwei jüngeren Kindern in Wien war und mein Mann mit der größeren Tochter in ***12***.
Am Wochenende sah sich die Familie, sowohl In Wien, wie auch in ***12***. Mein Mann hatte meine Mutter und meinen Schwägerinnen (beide Lehrerinnen) als Betreuungshilfe.
Nachdem ich die Arbeit als Schneiderin gekündigt hatte, meldeten sich jedoch immer wieder ehemalige österreichische Kundschaften bei mir, weil sie von meinen Designideen und meiner Arbeit überzeugt waren.
So wurde meine Wiener Wohnung auch zur Werkstatt. Mit ein bis zwei Kleidern pro Monat lag mein Verdienst in Wien weit unter der Grenze jeglicher steuerlicher Verpflichtung. Auch überstieg mein Einkommen nie die Geringfügigkeitsgrenze gemäß § 5 Abs. 2 ASVG (siehe Aufzeichnungen).
Für die Braut-, Abend- oder Traditionskleider brachten die Damen den Stoff und sonstiges Zubehör mit. Die Firma ***45*** war ja nicht weit entfernt. Zusätzlich hatte ich die sehr gute Abfertigung der Schneiderei. Finanziell war ich dann auch noch durch eine Erbschaft zusätzlich abgesichert.
Da dieses Einkommen sehr nachließ (drei bis vier Kleider pro Jahr), suchte ich mir Im Burgenland eine Arbeitsstelle. Als Reinigungskraft bei Dr. ***24*** ***25*** bin ich seit Juni 2014 beschäftigt und gemeldet.
Dadurch, dass ich jährlich beim Wiener Stadtschulrat um Genehmigung ansuchen musste, damit meine Kinder in Ungarn zur Schule gehen durften war ich der Annahme hiermit auch steuerrechtlich alle Unterlagen zeitgerecht nachgereicht zu haben.
Da meine Kinder österreichische Staatsbürgerinnen sind müssten wir auch für sie um Aufenthaltsgenehmigung ansuchen
Die ungarischen Behörden verweigern auch aus diesem Grund die Zahlung jeglicher Beihilfen.
Zusätzlich entfielen steuerliche Vergünstigungen in Ungarn (z,B. 10.000.000,- HUF zinsfreier Kredit und Familienförderung 10,000.000,- HUF) da alle drei Kinder österreichische Staatsbürgerinnen sind.
Beilagen:
Mietvertrag
Staatsbürgerschaftsnachweise ***2*** ***1***
***2*** ***7*** ***8***
***2*** ***9*** ***20***
***2*** ***10***
Geburtsurkunden ***2*** ***7*** ***8***
***2*** ***9*** ***20***
***2*** ***10***
Meldebestätigungen ***2*** ***7*** ***8***
***2*** ***9*** ***20***
***2*** ***10***
Schulbesuchbestätigungen ***2*** ***7*** ***8***
***2*** ***9*** ***20***
***2*** ***10***
Aufzeichnungen Einnahmen 2008 - 2014
Bestätigungen von ***28*** ***29*** (Kundin)
***30*** ***32***
All diese Unterlagen waren beigefügt. Die in ***12*** geborene Bf ist seit 1986 österreichische Staatsbürgerin und führte damals den Nachnamen ***19***. Die Kinder sind laut Geburtsurkunden jeweils in Wien geboren und laut Staatsbürgerschaftsnachweisen österreichische Staatsbürger.
Aus den Einnahmenaufzeichnungen ergibt sich, dass im Jahr 2008 Einnahmen (Abendkleid, Kostüm, Vorhänge usw) von insgesamt € 1.545, im Jahr 2009 Einnahmen von insgesamt € 2.630, im Jahr 2010 Einnahmen von insgesamt € 2.470, im Jahr 2011 Einnahmen von insgesamt € 3.520, im Jahr 2012 Einnahmen von insgesamt € 1.610, im Jahr 2013 Einnahmen von insgesamt € 2.758, im Jahr 2014 Einnahmen von insgesamt € 2.519 erzielt wurden.
***28*** ***29*** bestätigte, dass sie seit Jänner 2014 von der Bf drei Kleider aus selbst beigestelltem Stoff habe fertigen lassen. ***30*** ***32*** bestätigte, dass zwischen Dezember 2013 und Jänner 2014 ein Traditionsballkleid für den Husarenball von der Bf geschneidert wurde.
Schreiben von Magyar Államkincstár Családtámogatási Főosztály
Magyar Államkincstár Családtámogatási Főosztály (Abteilung für Familienunterstützung des Ungarischen Staatsschatzes) teilte dem Finanzamt mit Schreiben vom 14.6.2018 mit:
Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei schicken wir Ihnen folgendes Formular E411 von Frau ***2*** ***1*** (geb.: ***33***) Angestellterin unausgefüllt zurück.
Unser Klient (Herr ***2*** ***22***) und die Kinder befinden sich nicht in unserem zentralen Melderegister, es scheint keinen Informationen über sie.
Frau ***2*** ***1*** übt keine berufliche Tätigkeit in Ungarn. Keinen Antrag auf Familienbeihilfe in Ungarn wurde gestellt.
E 411 vom 10.12.2018
Am 27.12.2018 langte beim Finanzamt ein von Magyar Államkincstár am 10.12.2018 bestätigtes Formular E 411 ein. Danach wohnt die Mutter (Feld 1) in Wien an der aktenkundigen Anschrift, der Vater (Feld 2) in ***12*** an einer näher angegebenen Anschrift, die Kinder ***7***, ***9*** und ***10*** (Feld 3) wohnen in Wien. Der Vater (Feld 2) hat von 28.5.2018 bis laufend eine berufliche Tätigkeit (Angestellter bei einem Arbeitgeber in ***12***) ausgeübt bzw. sich in gleichgestellten Verhältnisses im Sinne des Beschlusses Nr. 119 befunden, zuvor nicht. Anspruch auf Familienleistungen ab 1.6.2014 habe nicht bestanden, da Österreich der zuständige Staat sei. Mutter und Kinder lebten in Wien.
Aussage ***34*** ***35*** (Nachbarin) vom 9.1.2019
***34*** ***35***, die am 9.1.2019 um 13:45 Uhr die Tür der Wohnung der Bf in Wien geöffnet hat, gab vom Finanzamt als Auskunftsperson befragt an:
F: Ist Frau ***2*** zu Hause?
A: Nein, diese kommt gegen 4 Uhr nach Hause. Ich warte hier auf sie, räume etwas auf und gehe dann nach Hause.
F: Sind die Kinder zu Hause?
A: Keine Ahnung, ich warte nur auf Fr. ***2***.
F: Ist ihr Mann zu Hause!
A: Ich weiß nicht, ob sie einen Mann hat.
F: Wie viele Kinder hat Frau ***2***?
A: Ich glaube 3.
F: Sind die Kinder noch klein oder erwachsen?
A: Ich weiß nicht, heute beim Zusammenräumen habe ich Spielsachen eingeräumt.
F: Bekommen Sie Geld für das Putzen?
A: Ja, aber nur Taschengeld.
Schulbesuchsbestätigung Wien
Am 16.9.2019 legte die Bf dem Finanzamt eine Schulbesuchsbestätigung einer Höheren Bundeslehranstalt in Wien vom 10.9.2019 vor. So besuche ***7*** ***8*** ***2*** die 1. Klasse im Schuljahr 2019/20 vom 2.9.2019 bis 31.1.2020.
Beschluss BFG 10.2.2020, RS/7100142/2019
Mit Beschluss BFG 10.2.2020, RS/7100142/2019 wies das BFG eine Säumnisbeschwerde der Bf vom 29.8.2019 gemäß § 284 Abs. 7 lit. b BAO i.V.m. § 260 Abs. 1 lit. a BAO als unzulässig zurück, da das mit 31.1.2018 datierte Formular "Überprüfung des Anspruches auf Familienbeihilfe" keinen Antrag im Sinne des § 10 Abs. 1 FLAG 1967 enthalten habe.
Ergänzungsersuchen vom 2.11.2020
Mit Ergänzungsersuchen vom 2.11.2020, zugestellt am 6.11.2020, ersuchte das Finanzamt die Bf:
Bitte erläutern Sie warum die Kinder in Ungarn zur Schule gehen.
Mietvertrag von der Wohnung in Wien und von dem Wohnsitz in ***12***.
Sowie Angaben wo die Kinder ab Geburt leben.
Meldebestätigung der gesamten Familie ab Geburt der Kinder in Ungarn
Bekanntgabe Ihres Mittelpunkt der Lebensinteressen inkl. Entsprechender Nachweisen.
Weisen Sie Ihre und die Anwesenheit der Kinder in Österreich nach Kontoauszüge die Einkäufe des täglichen Bedarfs in Österreich nachweisen
Einnahmen-Ausgaben mit entsprechenden Belegen nachweisen
Fahrkarten zum Schulbesuch aller Kinder vorlegen
E9
Alle Unterlagen müssen übersetzt sein.
Benötigte Nachweise:
Einkommensnachweis von Ihnen und Ihrem Gatten ab 2008-laufend
Nachweis, dass kein bzw. für welchen Zeitraum Anspruch auf eine der österreichischen Familienbeihilfe gleichartigen ausländischen Familienleistung bestand/besteht von allen Kindern ab Geburt von den ungarischen Behörden bestätigt
Schulbesuchsbestätigung (bitte auch um Bekanntgabe der voraussichtlichen Ausbildungsdauer) oder Schulnachricht/Jahreszeugnis von allen Kindern ab Schulpflicht.
Am 17.12.2020 wurde ein Fristverlängerungsansuchen über FinanzOnline eingebracht:
Namens und auftrags von Frau ***1*** ***2*** beantrage ich für die Beantwortung Ihres Ersuchens um Ergänzung vom 2.11.2020 betreffend Versicherungsnummer ***6*** eine Fristverlängerung bis 15.3.2021. Begründung: Es wurden sowohl bei der österreichischen Sozialversicherung als auch bei der ungarischen Sozialversicherung um Bestätigungen, die für die Beantwortung Ihres Vorhalts relevant sind, angesucht. Diese sind bisher - wahrscheinlich Covid-19 bedingt - noch nicht bearbeitet bzw. Frau ***1*** ***2*** nicht zugestellt worden.
Anträge vom 12.4.2021
Am 12.4.2021, unterfertigt am 20.2.2021, langten beim Finanzamt mit Formular Beih 100 gestellte Anträge auf Familienbeihilfe ein. Antragstellerin sei ***1*** ***2***, österreichische Staatsbürgerin, wohnhaft ***3***, ***4*** ***5***, verheiratet seit dem Jahr 2000 mit ***22*** ***2***, ungarischer Staatsbürger. Beantragt werde ohne Angabe eines Beginndatums Familienbeihilfe für ***7*** ***8*** ***2***, wohnhaft ***3***, ***4*** ***5***, Ausbildung "FH", voraussichtliches Ende 062021. Beantragt werde mit dem Vermerk "Adressänderung wegen Corona ab 01032020" ohne Angabe eines Beginndatums Familienbeihilfe für ***9*** ***20*** ***2***, wohnhaft ***36*** ***12***, ***37***, Ungarn, Ausbildung "Lehre", voraussichtliches Ende 062024.Beantragt werde ohne Angabe eines Beginndatums Familienbeihilfe für ***10*** ***11*** ***2***, wohnhaft ***3***, ***4*** ***5***, Ausbildung "Schule", voraussichtliches Ende 062021.
Beigefügt war ein Schreiben der Bf, wonach diese im Februar 2020 bei der Firma ***38*** GmbH zu arbeiten angefangen und damals beim Finanzamt Anträge auf Familienbeihilfe gestellt habe. "Seitdem ist über ein Jahr vergangen, aber ich habe weder Geld noch eine Antwort erhalten. Ich hoffe, diesmal klappt es!"
E 411 vom 1.9.2021
Am 24.9.2021 langte beim Finanzamt ein von Győr-Moson-Sopron Megyei Kormányhivatal am 1.9.2021bestätigtes Formular E 411 ein. Demnachwohnt die Mutter (Feld 1) in ***36*** ***12***, ***37***, Ungarn, der Vater (Feld 2) in ***36*** ***12***, ***39*** an einer näher angegebenen Anschrift, die Kinder ***9*** ***20*** und ***10*** ***11*** (Feld 3) wohnen "w.o.". Der Vater (Feld 2) hat von 13.5.2018 bis laufend eine berufliche Tätigkeit (Angestellter bei einem Arbeitgeber in ***12***) ausgeübt bzw. sich in gleichgestellten Verhältnisses im Sinne des Beschlusses Nr. 119 befunden. Er hatte Anspruch auf Familienleistungen und solche i.H.v. HUF 26.600/Monat ab 04.2021 bezogen. Von 06.2018 bis 03.2021 sei kein Antrag gestellt worden, der Anspruch habe HUF 26.600 betragen.
Vorhaltsbeantwortung
Am 28.9.2021 langte ein mit 27.9.2021 datiertes Schreiben der steuerlichen Vertretung beim Finanzamt ein:
Namens und auftrags von Frau ***1*** ***2*** übermittle ich Ihnen in Beantwortung Ihres Ersuchens um Ergänzung vom 2.11.2020 die Stellungnahme von Frau ***2*** sowie weitere Anlagen:
• Anlage ./1: Stellungnahme von Frau ***2*** (2 Seiten)
• Anlage ./2: Versicherungsdatenauszug der Österreichischen Sozialversicherung (8 Seiten)
• Anlage ./3: Lohn- und Gehaltsbestätigung Dr. ***24*** ***25*** ( 1 Seite)
• Anlage ./4: Lohn - Gehaltsabrechnung Juni bis September 2020 Atelier ***38*** GmbH ( 2 Seiten)
• Anlage ./5: Ungarische Personalausweise für die drei Kinder (2 Seiten)
• Anlage ./6: Mutter-Kind-Pass ***2*** ***9*** ***20*** (29 Seiten)
• Anlage ./7: Mutter-Kind-Pass ***2*** ***10*** (27 Seiten)
• Anlage ./8: Mutter-Kind-Pass ***2*** ***7*** (20 Seiten)
• Anlage ./9: Meldezettel ***2*** ***1*** vom 23.2.2000 und ***2*** ***7*** vom 3.3.2000 (2 Seiten)
• Anlage ./10: Meldebestätigung ***2*** ***9*** seit 28.6.2004 und ***2*** ***10*** seit 24.8.2008 (2 Seiten)
• Anlage ./11: Schulbesuchsbestätigung vom 10.12.2020 für ***2*** ***7*** (1 Seite)
• Anlage ./12: Mietvertrag ***4*** ***5*** für Frau ***1*** ***19*** (1 Seite)
Die ungarischen Schulbestätigungen wurden im Rahmen der ersten Vorhaltsbeantwortung vorgelegt und müssen im Amt aufliegen.
Für Herrn ***2*** gibt es keinen Mietvertrag, da er in seinem Eigentum wohnt.
Anlage 1:
Meine Antwort auf die Frage, warum die Kinder nicht in Wien in die Schule gehen: Als ich mit 41 jahren ungewollt (trotz Verhütung!!) wieder schwanger geworden bin,war dies ein Schock. Aber nachdem ich 3 Fehlgeburten nach mein 1. Kind hatte, kam eine Abtreibung nicht in Frage. ***10*** kam ende August auf die Welt (siehe Mutter Kind Pass), eine Woche später hat ***7*** in der Grundschule angefangen. Da hatte ich dazwischen noch ein einjährigen Sohn. Es war alles sehr chaotisch,wir mussten uns überlegen,wie ich das schaffe mit 3 kindern ,wo ich tagsüber alleine war.
Dass wir in einem gemeinsamen Haushalt leben mit mein Mann, das stimmt natürlich, aber halt auf 2 Orten. Nachdem wir beide schon eine gescheiterte Ehe hinter uns hatten, waren wir etwas vorsichtiger, aber auch uns klar darüber, dass wir miteinander leben und eine Familie gründen wollen.Er wollte/konnte nicht alles in Ungarn aufgeben und ich mein Leben in Wien schon garnicht,wofür ich hart gekämpft hatte! Und dass unsere Kinder in Wien leben, lernen und später arbeiten, da waren wir uns einig.Der beste Beweis dafür ist, dass meine grosse Tochter ***7*** in ***40*** zu Schule geht und dort sehr glücklich ist. Die Schulbesuschsbestätigung habe ich beim Finanzamt Marxergasse) am 16. Sept. persönlich abgegeben, die "kurioserweise" verschwunden ist. Eine aktuelle Bestätigung ist im Anhang.
Gemeinsam heisst für mich, gemeinsam Entscheidungen zu treffen, gemeinsam leben, Kinder erziehen, gem. Kassa, usw.. Nachdem es seit 22 Jahren funktioniert, glaube ich, es war richtig.
Wir hatten also das Problem, wie schaffe ich das. Dann kam die Idee mit ungarische Schule (ich glaube, von meiner Schwägerin, die Gymnasialprofessorin ist). Also bin ich zum Wiener Stadtschulrat in der Wipplingerstraße gegangen und habe mich erkundigt, ob es überhaupt möglich wäre. Die nette Dame, nachdem ich meine Situation geschildert habe, versicherte, dass dies kein Problem wäre, gemäß bestehenden EU-Verordnungen! Wir haben die beste 2-sprachige Schule ausgesucht in ***12*** und ***7*** angemeldet. Es war dann schon leichter nur mit 2 Kinder tagsüber, obwohl es mit ***10*** sehr schwer war. Sie hatte Probleme mit der Hüfte und dem Magen. Sie musste 8 Monate lang alle 2 Stunden essen, weil sie stetig erbrach und dauernd Hunger hatte (Tag und Nacht). Dann musste ich ständig in's Spital wegen ihre Hüfte. Dies alles in österreichischen Spitälern und bei österreichischen Ärzten (siehe Mutter Kind Pass und medizinische Unterlagen im Anhang). ***9*** hatte auch mit dem linken Fuss Probleme. Mit ihm musste ich auch immer zum Orthopäden (Österreich) und Heilmasseurin (Österreich) mit ***10*** auch. Meinen Wiener Kinderarzt (Dr. ***41*** ***42***) wechselte ich, als dieser neben einer medizinischen Fehlentscheidung auch noch den Krankenschein verschmiss. Dies kostetet mich ATS 400,- . Eine österreichisch Freundin empfahl mir Herrn Dr. ***43*** ***44*** - leider in ***46***. Dieser war sehr kompetent. Durch seine Hilfe wurden die kranken Kinder gesund.
Während dieser Zeit (bis heute - jetzt nicht täglich) fuhr mein Mann als Chauffeur zwischen ***12***, Spitälern, Ärzten und Wiener Wohnung. Dazu auch die Belege zu Jahresvignetten für Österreich.
Als die 2 Kleinen auch ihr Schulalter erreichten, waren wir so von diese Schule begeistert, dass wir sie auch in der selbe Schule einschrieben ließen - natürlich vorher wieder das ok beim Stadtschulrat eingeholt. Das Pendeln war kein Problem, nachdem der unterricht spätestens um 15:30 zu Ende war. In eine Stunde waren wir zuhause mit die Kinder. Es gab natürlich Ausnahmen, z.B. wenn von der Schule aus eine Theateraufführung war, Schwimmunterricht, oder die Wetterlage (viel Schnee), was aber selten war.
Aber wer hebt sich schon, als Nichtselbstständiger private Tankrechnungen oder Vignettenrechnungen über 10 Jahre auf.
Aber genau diese Jahresvignette am Fahrzeug meines Mannes, das er mir zum Möbeltransport für ein paar Tage borgte, wurde mir letztes Jahr zum Verhängnis.
Polizisten, die mich aufhielten, behaupteten, dass diese Vignette ein Nachweis wäre, dass ich unberechtigt mit ungarischem Kennzeichen das Fahrzeug mehr als ein Monat in Österreich bewege. Es folgte eine Strafanzeige und eine Strafverfügung mit € 360,- Strafe (siehe Anhang). Als die Verständigung über diese Verfügung in das Wiener Postfach gelegt wurde war ich bei einer Freundin in Budapest auf Urlaub, Mein Einspruch wurde wegen einem Tag Verspätung zurückgewiesen. Das heisst aber auch, das eine Behörde mich bestraft, weil mein Lebensmittelpunkt in Österreich ist und die andere Behörde dies bestreitet. Das ist schon reif die Öffentlichkeit (ORF - Dr. Resetarits, Volksanwalt, usw.)
Genauso realitätsfremd ist die Forderung von 10 Jahre alten Lebensmittelrechnungen. Vielleicht ist es unverständlich für all jene, die das Glück hatten nicht im " Ostblock" aufwachsen zu müssen! Wir waren in unsere Kindheit und Jugend sozusagen eingesperrt. Und das war ein würgendes Gefühl! Wir wollen unsere Kinder das Gefühl von Freiheit geben, die wir als Kinder nie hatten.
Es stimmt, mein Mann besitzt ein Haus. Aber die Nachbarbaustelle über 8 Jahre war mit ein Grund warum die Kinder großteils in Wien schliefen. Es war nicht zum aushalten. Durch technische Mängel wurde gebaut und wieder abgerissen und wieder neu gebaut. Zum Lernen gab es keine Ruhe.
Anlage 2:
Sozialversicherungsdatenauszug mit Stand vom 17.12.2020:
18.05.1984 18.07.1984 Hausgehilfin - 01
01.04.1986 30.09.1986 Arbeiterin - 02
23.04.1986 30.06.1986 Arbeiterin - 03
01.07.1986 06.07.1986 Arbeiterin
11.08.1986 31.12.1988 Arbeiterin - 04
01.01.1989 22.01.1989 Arbeiterin
26.01.1989 29.01.1989 Krankengeldbezug (DGKTONR-bezogen)
30.01.1989 15.05.1989 Arbeiterin
19.05.1989 04.06.1989 Krankengeldbezug (DGKTONR-bezogen)
05.06.1989 31.12.1989 Arbeiterin - 05
01.01.1990 17.03.1995 Arbeiterin - 06
18.03.1995 14.04.1995 Ersatzzeit Urlaubsentsch./Urlaubsabfind.
15.04.1995 27.04.1995 Arbeitslosengeldbezug
01.05.1995 31.07.1995 Arbeitslosengeldbezug
08.08.1995 20.08.1995 Arbeitslosengeldbezug - 07
21.08.1995 13.10.1996 Arbeiterin - 08
16.10.1996 06.01.1997 Arbeitslosengeldbezug - 07
07.01.1997 10.01.1999 Arbeiterin
11.01.1999 17.01.1999 Krankengeldbezug (DGKTONR-bezogen)
18.01.1999 09.11.1999 Arbeiterin
10.11.1999 22.04.2000 Wochengeldbezug (DGKTONR-bezogen) - 09
***14*** ***14*** Anzeige einer Lebendgeburt - 10
01.03.2000 29.02.2004 Versicherungszeit wegen Kindererziehung - 11
23.04.2000 27.08.2001 Karenzurlaubsgeldbezug - 10
10.04.2002 22.06.2004 Selbstvers. Krankenvers. § 16 ASVG ***2*** ***1*** 12
***15*** 20.02.2009 Bezug/Anspruch von/auf pauschalern(s) KBG - 10
***15*** ***15*** Anzeige einer Lebendgeburt
01.07.2004 31.08.2010 Versicherungszeit wegen Kindererziehung
***16*** ***16*** Anzeige einer Lebendgeburt - 11
07.04.2009 14.07.2014 Selbstversicherung § 16 Abs. 1 ASVG - 10
15.07.2014 03.05.2020 Selbstvers. § 19a ASVG Arbeiterin ***1*** ***2*** - 14
15.07.2014 laufend geringfügig beschäftigte Arbeiterin Dr. ***24*** ***25*** - 14
17.02.2020 16.03.2020 Arbeiterin … ***38*** - 15
04.05.2020 laufend Arbeiterin Atelier ***38*** GmbH 16
Anlage 3
Bereits aktenkundig.
Anlage 4
Lohn- und Gehaltsabrechnung von Atelier ***38*** GmbH:
Juni 2020: Lohn mit Urlaubszuschuss und Weihnachtsgeld brutto € 1.351,40,
Juli 2020, August 2020, September 2020: Bruttolohn € 1.033,50.
Anlage 5
Ungarische Personalausweise für die drei Kinder
Anlagen 6, 7, 8
Mutter-Kind-Pass ***2*** ***9*** ***20***:
Untersuchungen und Impfungen (Fachärzte in Wien oder im Burgenland, Labor in Wien, in der Reihenfolge der Eintragungen laut PDF): 27.11.2003, 19.12.2003, 22.1.2004, 20.2.2004, 15.3.2004, 17.3.2004, 19.4.2004, 17.5.2004, 3.6.2004, Entbindung im Juni 2004 in Wien, 5.7.2004, 2.8.2004, 16.9.2004, 5.7.2005, 16.10.2006, 26.4.2007, 18.9.2008, 30.4.2008, 16.9.2004, 14.10.2004, 4.11.2004, 16.10.2006, 12.11.2010, 14.11.??, 26.10.2016, 16.10.2006, 24.11.2006.
Mutter-Kind-Pass ***2*** ***10***:
Untersuchungen und Impfungen (Fachärzte in Wien oder im Burgenland, Labor in Wien, in der Reihenfolge der Eintragungen laut PDF): 19.6.2007, 10.1.2008, 25.2.2005, 5.4.2005, 26.4.2007, 25.8.2010, 25.8.2015, 18.4.2009, 30.4.2009, 1.2.2006, 24.3.2006, 10.5.2006, 16.6.2006, 19.3.2006, 18.5.2006, 19.1.2006, 10.5.2006, August 2006 Entbindung in Wien, 1.9.2006, ?.9.2006, 21.9.2006, 24.11.2006, 19.6.2007, 17.7.2007, 18.9.2008, ?.10.2008, 28.10.2008, 14.11.2011.
Mutter-Kind-Pass ***2*** ***7***:
Untersuchungen und Impfungen (Fachärzte in Wien oder im Burgenland, Labor in Wien, in der Reihenfolge der Eintragungen laut PDF): 24.11.2006, 22.12.2006, 22.1.2007, 6.3.2008, 8.11.2012, 15.7.2013, 22.1.2008, 18.9.2008, 28.10.2010, 30.5.2011, 19.6.2007, 17.7.2007, 22.1.2008, 30.5.2011, 25.8.2015, 28.10.2010, 8.11.2012, 18.10.2006, ?.?.2014, 16.10.2006, ?.?.?, 25.2.2005, verschiedene Eintragungen unleserlich, 16.9.2000, 14.10.2000, 1.3.2000, 15.9.2000, 25.2.2005.
Anlagen 9, 10
Bereits aktenkundig.
Anlage 11
Schulbesuchsbestätigung einer HBLA für ***7*** ***8*** ***2*** für das Schuljahr 2020/21 (7.9.2020 bis 29.1.2021)
Anlage 12
Bereits aktenkundig.
Sozialversicherungsdaten
Laut Abfrage Sozialversicherungsdaten für den Zeitraum 28.2.2012 bis 28.2.2022 ist die Bf seit Juli 2014 geringfügig beschäftigte Arbeiterin bei Dr. ***24*** ***25***, Beitragsgrundlagen 1.1.2019 bis 31.1.2022 insgesamt € 9.250,00. Arbeitslosengeldbezug erfolgte von 03.01.2022 - 16.01.2022, 03.01.2022 - 16.01.2022, 21.12.2021 -25.12.2021, 14.12.2021 - 18.12.2021.
Bei der Atelier ***38*** GmbH war die Bf von Mai 2020 bis November 2021 als Arbeiterin beschäftigt (Beitragsgrundlagen 1.5.2020 bis 30.11.2021 insgesamt € 19.062,07). Selbstversicherung von 04.05.2020 -31.12.202, 17.02.2020 - 16.03.2020.
Beschäftigung bei ***38*** als Arbeiterin im Februar und März 2020 (Beitragsgrundlagen 1.2.2020 bis 31.3.2020 insgesamt € 999,05). Arbeitssuchendmeldungen von 03.01.2022 - 16.01.2022, 14.12.2021 -31.12.2021, 17.03.2020 -03.05.2020, 07.01.2020 - 16.02.2020.
Mündliche Verhandlung
Mit Telefax vom 12.1.2023 wurde der Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung zurückgezogen.
Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
Sachverhalt
Die Bf ***1*** ***2*** ist österreichische Staatsbürgerin. Ihre Kinder, die im Februar 2000 in Österreich geborene ***7*** ***8*** ***2***, der im Juni 2004 in Österreich geborenen ***9*** ***2*** und die im August 2006 in Österreich geborene ***10*** ***11*** ***2*** sind österreichische Staatsbürger.
Im Rückforderungszeitraum (November 2009 bis Februar 2018) verfügte die Bf über eine 37 qm große Wohnung in ***3***, ***4*** ***5***, bestehend aus VR, KUE, WR, WC, die ab Jänner 1998 zu einem damaligen Hauptmietzins von ATS 606,80 netto gemietet wurde (Bruttomietkosten damals gesamt ATS 1.592,59, umgerechnet rund € 115). ***1*** ***2***, geb. ***21***, ist dort seit 23.2.2000 mit Hauptwohnsitz gemeldet, ***10*** ***11*** ***2*** seit 24.8.2006, ***9*** ***20*** ***2*** seit 28.6.2004, ***7*** ***8*** ***2*** seit 3.3.2000.
Der Vater ***22*** ***23*** ***2***, ungarischer Staatsbürger, mit dem die Bf seit dem Jahr 2000 in aufrechter Ehe lebt, verfügte im Rückforderungszeitraum jeweils über einen Wohnsitz in ***12***, Ungarn. ***22*** ***23*** ***2*** ist Eigentümer eines Hauses in ***12***. Über acht Jahre lang befand sich auf dem Nachbargrundstück eine Baustelle. Wegen des damit verbundenen Lärms versuchte die Bf, mit allen oder einigen ihrer Kinder möglichst in Wien zu wohnen. Die Familie wohnte im Rückforderungszeitraum teils in Österreich, teils in Ungarn im gemeinsamen Haushalt. Die Wohnung in Wien wurde von der Bf teils beruflich genutzt, teils für Aufenthalte mit der ganzen Familie oder mit Teilen der Familie. Die medizinische Betreuung der Kinder erfolgte in Österreich. Unter der Woche lebten die Eltern teilweise getrennt, am Wochenende kam die gesamte Familie in Wien oder ***12*** zusammen. Teilweise wurde täglich zwischen Wien, diversen Ärzten und Krankenhäusern und ***12*** gefahren. Die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen aller drei Kinder erfolgten in Österreich.
Der Vater ***22*** ***23*** ***2*** hatte im Jahr 2008 in Ungarn zu versteuernde Einkünfte von HUF 324.000 hatte, im Jahr 2009 von HUF 324.000, im Jahr 2010 von HUF 802.386, im Jahr 2011 von HUF 342.300, im Jahr 2012 von HUF 247.500, im Jahr 2013 von HUF 270.000, im Jahr 2014 von HUF 270.000, im Jahr 2015 von HUF 270.000, im Jahr 2016 von HUF 270.000. Seit dem Mai 2018 ist der Vater als Angestellter in Ungarn nichtselbständig beschäftigt.
Die Bf arbeitete seit dem Jahr 1984 - mit kurzen Unterbrechungen - bis zur Geburt ihrer ersten Tochter im Jahr 2000 bei Arbeitgebern in Österreich. Bis August 2001 wurde Karenzurlaubsgeld bezogen. Nach der Geburt ihres Sohnes im Jahr 2004 wurde bis 2009 pauschales Kinderbetreuungsgeld bezogen. Im Jahr 2006 wurde ihre zweite Tochter geboren. Im Rückforderungszeitraum (November 2009 bis Februar 2018) war die Bf ***1*** ***2*** ab Beginn (und bereits davor) selbständig in Wien als Schneiderin für Personen, die sie noch aus ihrer Zeit, in der sie als Schneiderin für einen österreichischen Arbeitgeber arbeitete, kannte, und fertigte keine oder ein oder mehrere Kleidungsstücke im Monat an. Es wurden folgende Einnahmen erzielt: Im Jahr 2008 Einnahmen (Abendkleid, Kostüm, Vorhänge usw) von insgesamt € 1.545, im Jahr 2009 Einnahmen von insgesamt € 2.630, im Jahr 2010 Einnahmen von insgesamt € 2.470, im Jahr 2011 Einnahmen von insgesamt € 3.520, im Jahr 2012 Einnahmen von insgesamt € 1.610, im Jahr 2013 Einnahmen von insgesamt € 2.758, im Jahr 2014 Einnahmen von insgesamt € 2.519.
Des weiteren wurden ihre Lebenshaltungskosten teilweise mit der Abfertigung durch den Arbeitgeber und teilweise durch eine Erbschaft finanziert. Die Bf ***1*** ***2*** ist seit Juli 2014 in ungekündigter Stellung als Bedienerin bei einem monatlichen Bruttobezug von EUR 250,00 bei einem Arzt in ***13***, Burgenland, beschäftigt, da das Einkommen aus der Schneiderei zurückging. Weiters war die Bf von Februar 2020 bis November 2021 zusätzlich wieder als Schneiderin für einen österreichischen Arbeitgeber nichtselbständig tätig (Monatsbruttolohn € 1.033,50).
***7*** ***8*** ***2*** besuchte in den Schuljahren 2006/2007, 2007/2008, 2008/2009, 2009/2010, 2010/2011, 2011/2012, 2012/2013, 2013/2014 sowie in den Schuljahren 2014/2015, 2015/2016, 2017/2018 jeweils eine Schule in ***12***, Ungarn, ***9*** ***2*** in den Schuljahren 2011/2012, 2012/2013, 2013/2014, 2014/2015, 2015/2016, 2016/2017, 2017/2018 ebenfalls, ***10*** ***2*** in den Schuljahren 2013/2013, 2014/2015, 2015/2016, 2016/2017, 2017/2018 ebenfalls. Die Wahl fiel auf eine deutschsprachige Schule in ***12***, da sich die Eltern einen besseren Unterricht als in einer Wiener Volksschule mit Kindern, die die deutsche Sprache nicht beherrschen, erhofften und damit die Zweisprachigkeit der Kinder (deutsch/ungarisch) gefördert wurde. Seit 2.9.2019 besucht ***7*** ***8*** ***2*** eine HBLA in Wie.n
Im Rückforderungszeitraum übte die Bf keine berufliche Tätigkeit in Ungarn aus. Ein Antrag auf ungarische Familienleistungen wurde nicht gestellt. Ein Anspruch auf Familienleistungen bestand nicht, da nach Ansicht des ungarischen Trägers Österreich der dazu zuständige Staat gewesen sei. Mutter und Kinder lebten nach Auskunft des ungarischen Trägers in Wien. Es wurden bis März 2021 keine ungarischen Familienleistungen erbracht. Der Vater ***22*** ***23*** ***2*** hatte zwischen Juni 2018 und März 2021 Anspruch auf ungarische Familienleistungen in Höhe von HUF 26.600/Monat, aber solche nicht beantragt. Seit April 2021 leistet Ungarn Familienleistungen in Höhe von HUF 26.600/Monat.
Beweiswürdigung
Die getroffenen Feststellungen ergeben sich aus dem Akteninhalt, insbesondere auch aus dem eigenen Vorbringen der Bf und den Bestätigungen der ungarischen Behörden. Das Vorbringen der Bf ist, soweit es die entscheidungswesentlichen Fragen betrifft, glaubwürdig und schlüssig. Vom Finanzamt wurde nichts Gegenteiliges festgestellt. Aus der Aussage von ***34*** ***35*** vom 9.1.2019 ergibt sich, dass die Bf ihre Wohnung in Wien jedenfalls weiterhin nutzt. Weitere Erhebungen im Haus wurden vom Finanzamt nicht durchgeführt. Auch die große Tochter geht nunmehr in Wien in eine Höhere Lehranstalt. Die Angabe, dass die Bf in Wien selbständig als Schneiderin tätig war, wurde von zwei Personen nachweislich bestätigt, wobei die Bf für mehr Personen gearbeitet hat. Auch hier wurde vom Finanzamt nichts Gegenteiliges festgestellt.
Rectsgrundlagen
Unionsrecht
Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
Für den Streitzeitraum ist die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (im Folgenden: VO 883/2004) maßgebend.
Die VO 883/2004 gilt für alle Rechtsvorschriften über Zweige der sozialen Sicherheit, welche Familienleistungen betreffen (Art. 3 Abs. 1 Buchstabe j VO 883/2004). Die in Rede stehende Familienbeihilfe ist eine Familienleistung.
Aus den Erwägungsgründen dieser Verordnung:
(1) Die Vorschriften zur Koordinierung der nationalen Systeme der sozialen Sicherheit sind Teil des freien Personenverkehrs und sollten zur Verbesserung des Lebensstandards und der Arbeitsbedingungen beitragen.
(2) Für die Annahme geeigneter Maßnahmen im Bereich der sozialen Sicherheit für andere Personen als Arbeitnehmer sieht der Vertrag keine anderen Befugnisse als diejenigen des Artikels 308 vor. [nunmehr: Art. 350 AEUV].
(11) Die Gleichstellung von Sachverhalten oder Ereignissen, die in einem Mitgliedstaat eingetreten sind, kann in keinem Fall bewirken, dass ein anderer Mitgliedstaat zuständig wird oder dessen Rechtsvorschriften anwendbar.
(13) Die Koordinierungsregeln müssen den Personen, die sich innerhalb der Gemeinschaft bewegen, sowie ihren Angehörigen und Hinterbliebenen die Wahrung erworbener Ansprüche und Vorteile sowie der Anwartschaften ermöglichen.
(15) Es ist erforderlich, Personen, die sich innerhalb der Gemeinschaft bewegen, dem System der sozialen Sicherheit nur eines Mitgliedstaats zu unterwerfen, um eine Kumulierung anzuwendender nationaler Rechtsvorschriften und die sich daraus möglicherweise ergebenden Komplikationen zu vermeiden.
(17) Um die Gleichbehandlung aller im Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats erwerbstätigen Personen am besten zu gewährleisten, ist es zweckmäßig, als allgemeine Regel die Anwendung der Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats vorzusehen, in dem die betreffende Person eine Beschäftigung oder eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt.
(17a) Sobald Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats für eine Person nach Titel II dieser Verordnung anwendbar werden, sollten die Voraussetzungen für einen Anschluss und den Anspruch auf Leistungen durch die Rechtsvorschriften des zuständigen Mitgliedstaats geregelt werden, wobei das Gemeinschaftsrecht einzuhalten ist.
(18) Von dieser allgemeinen Regel ist in besonderen Fällen, die andere Zugehörigkeitskriterien rechtfertigen, abzuweichen.
(18a) Der Grundsatz, dass nur die Rechtsvorschriften eines einzigen Mitgliedstaats anzuwenden sind, ist von großer Bedeutung und sollte hervorgehoben werden. Dies sollte jedoch nicht bedeuten, dass allein die Gewährung einer Leistung nach dieser Verordnung, einschließlich der Zahlung von Versicherungsbeiträgen oder der Gewährung eines Versicherungsschutzes für den Begünstigten, die Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, dessen Träger diese Leistung erbracht hat, zu den für diese Person geltenden Rechtsvorschriften macht.
(35) Zur Vermeidung ungerechtfertigter Doppelleistungen sind für den Fall des Zusammentreffens von Ansprüchen auf Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften des zuständigen Mitgliedstaats mit Ansprüchen auf Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats der Familienangehörigen Prioritätsregeln vorzusehen.
Nach Art. 2 Abs. 1 VO 883/2004 gilt diese Verordnung für Staatsangehörige eines Mitgliedstaats, Staatenlose und Flüchtlinge mit Wohnort in dem Mitgliedstaat, für die die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten gelten oder galten, sowie für ihre Familienangehörigen und Hinterbliebenen.
Normen und Schlagworte
- § 53 Abs. 1 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 2 Abs. 1 lit. a FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 2 Abs. 1 Satz 1 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 2 Abs. 8 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 26 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 33 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 2 Abs. 1 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- Art. 2 Abs. 1 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 1 Abs. 1 Buchstabe j VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 5 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 11 Abs. 1 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 67 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 60 VO 987/2009, ABl. Nr. L 284 vom 30.10.2009 S. 1
- Art. 68 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 6 VO 987/2009, ABl. Nr. L 284 vom 30.10.2009 S. 1
- Art. 11 VO 987/2009, ABl. Nr. L 284 vom 30.10.2009 S. 1
- Art. 59 VO 987/2009, ABl. Nr. L 284 vom 30.10.2009 S. 1
- Art. 7 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7102738/2022
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.7102738.2022
- Stammnummer
- 139334
- Gültig
- 12.01.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF