Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100316/2022
Verwender im Sinn des § 4 Z 3 NoVAG 1991: Treffen die Kriterien der Verfügungsmöglichkeit und der Kostentragung auf mehrere Personen zu, so ist dem Kriterium der Verfügungsmöglichkeit gegenüber dem Kriterium der Kostentragung der Vorrang einzuräumen
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - ErkenntnisRV/5100316/2022vom 06.09.2022Teil 2 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Zumindest ab der Begründung der Zweigniederlassung der ***6*** GmbH am Standort ***30***, ***4*** war der Hauptwohnsitz des Bf. bei seinen Eltern in ***9***, ***10***. Ab dem Aufbau der Zweigniederlassung der ***6*** GmbH im Inland war der Bf. fast ausschließlich für die ***6*** GmbH an der Anschrift ***30***, ***4***, tätig.
Die ***6*** GmbH ist im Online-Handel tätig und hat über einen Webshop ***31*** betrieben. In Deutschland war der Bf. ab dem Oktober 2018 bis März 2020 für die ***6*** GmbH nur insoweit tätig als er Pakete für die Kunden zum Paketversender ***32*** in ***33*** brachte bzw. im März 2020 an der Anschrift ***34***, ***35***, Teleworking verrichtete.
Mit Wirkung ab 1. Mai 2019 hat die ***6*** GmbH von der ***36*** eine Zweizimmerwohnung in der ***3***, ***13*** ***7***, (Top Nr. ***12***) im Ausmaß von 45,91 m2 samt Loggia (5,48 m2) und einem Kellerabteil angemietet und zwar befristet auf fünf Jahre. Diese Wohnung (Top Nr. ***12***) hat ab Mietbeginn ausschließlich der Bf. bewohnt.
Mit Bestandvertrag vom 24. April 2019 hat die ***6*** GmbH von der ***36*** einen Tiefgaragenplatz mit der Nummer xxx ab dem 1. Mai 2019 angemietet. Diese Tiefgarage befindet sich unter dem Gebäude ***3***.
Der Tiefgaragenplatz Nr. xxx darf nur von Personen mit Behinderung benützt werden (Behindertenstellplatz). Der Bf. ist aufgrund seiner körperlichen Behinderung berechtigt diesen Tiefgaragenplatz Nr. xxx zu benutzen und wurde dieser Tiefgaragenplatz ausschließlich vom Bf. ab Mai 2019 zum Abstellen des PKW ***1*** mit dem Kennzeichen "***2***" verwendet.
Am 27.6.2019 wurde die ***14*** zu FN ***37*** des Landesgerichts ***7*** eingetragen. Einziger Kommanditist dieser KG ist die ***6*** GmbH. Komplementärin ist die ***38***, die mit Gesellschaftsvertrag vom ***41***2019 gegründet und zu FN ***39*** des Landesgerichts ***7*** am 25.6.2019 in das Firmenbuch eingetragen wurde. Geschäftsanschrift der ***40*** war zunächst ***4***, ***30***. Im November 2019 wurde die Anschrift an die Adresse ***Bf1-Adr*** verlegt. Seit März 2021 ist die Geschäftsanschrift der ***14*** die ***42***, ***43***. Alleingesellschafterin der ***38*** ist die ***6*** GmbH und Geschäftsführer der ***38*** ist der Bf.
Im Oktober 2018 wies das Fahrzeug ***1*** mit dem Kennzeichen "***2***" einen Marktwert von € 43.000,00 auf.
Am 11.3.2020 hat der ***1*** einen Kilometerstand von 45.283 aufgewiesen.
Beweiswürdigung
Die Feststellungen betreffend die ***6*** GmbH, deren Zweigniederlassung, sowie die ***14*** sowie die ***38*** gründen sich auf das Firmenbuch (Eintragung der Zweigniederlassung der ***6*** GmbH zu FN ***44*** des Landesgerichts ***7***) und sind zwischen den Parteien auch nicht strittig.
Der Inhalt des von der ***6*** GmbH mit der ***26*** im April 2017 abgeschlossenen Büroservicevertrages gründet sich auf diesen Vertrag.
Die Feststellungen betreffend den am 4. August 2017 durch die ***6*** GmbH erworbenen ***1*** gründen sich auf die ebenfalls vom Bf. vorgelegte Rechnung vom 4.8.2017.
Die Feststellung, dass dem Bf. der PKW ***1*** mit dem deutschen Kennzeichen "***2***" von der ***6*** GmbH zu dessen freier Verfügung überlassen wurde, gründet sich auf dessen Aussage in der Einvernahme vom 11.3.2020. Soweit in der Beschwerde vorgebracht wird, dass das genannte KFZ vom Bf. lediglich in einem sehr geringfügigen Ausmaß privat genutzt werde, nämlich nur dann, wenn er seine Eltern in ***7*** besucht, ist festzuhalten, dass mangels jeglichen Nachweises für die Richtigkeit dieses Vorbringens, eine solche Feststellung nicht zu treffen war. Überdies würde eine solche Feststellung angesichts des Umstandes, dass die Nutzung dieses Kfz keinerlei Beschränkungen unterlegen ist, der Lebenserfahrung widersprechen, weil ein von der Gesellschaft an dessen Alleingesellschafter und einzigen Geschäftsführer überlassenes Kfz naturgemäß auch für private Verrichtungen wie Einkäufe, Inanspruchnahme von Dienstleistungen (Frisör, Arzt, Bank, Restaurantbesuch etc.) genutzt wird. Schließlich ist auch zu bedenken, dass dem Bf. neben dem ***1*** kein weiteres Fahrzeug zur Verfügung gestanden ist.
Dem Vorbringen, dass die ***6*** GmbH die mit dem Betrieb des Kfz ***1*** mit dem Kennzeichen "***2***" verbundenen Kosten (Versicherungskosten, Reparaturkosten, Tankkosten) getragen hat, ist das Finanzamt nicht entgegen getreten (vgl. die diesbezüglichen Ausführungen auf Seite 2 der Beschwerdevorentscheidung vom 17.11.2021).
Die Feststellung, dass am 19.9.2018 die ***6*** GmbH mit der ***28*** einen Mietvertrag betreffend das Büro Nr. ***29*** (reine Nutzfläche von ca. 25,60 m2) in der ***30***, ***4*** abgeschlossen und dort eine Zweigniederlassung (Betriebsstätte) begründet hat, wobei das Mietverhältnis am 1. Oktober 2018 begonnen hat, gründet sich auf den Mietvertrag vom 19.9.2018.
Die Feststellung, dass das Fahrzeug ***1*** mit dem deutschen Kennzeichen "***2***" vom Bf. im Oktober 2018 in das Bundesgebiet eingebracht wurde, gründet sich auf die Aussage des Bf. in der Einvernahme vom 11.3.2020. So hat der Bf. ausgesagt, dass mit der Gründung der Zweigniederlassung der Firma ***6*** in Österreich das Fahrzeug in Österreich betrieben wurde, woraus sich ergibt, dass die Einbringung im Oktober 2018 erfolgt ist. Betreffend die Aussage des Bf., dass die Gründung der Zweigniederlassung im November 2018 erfolgt wäre, ist davon auszugehen, dass der Bf. den genauen Zeitpunkt der Gründung nicht mehr exakt in Erinnerung gehabt hat. Darum hat er auch ausgesagt, dass er glaube, dass dies im November 2018 gewesen wäre. Aufgrund des bereits angeführten Mitvertrages über das Büro in der ***30***, ***4***, mit Mietbeginn 1.10.2018, sowie auch der Anmeldung von ***45*** bei der ***46*** Gebietskrankenkasse am 4.10.2018 (mit Beginn des Dienstverhältnisses am 8.10.2018, das bis 12.10.2018 gedauert hat), ist davon auszugehen, dass die Einbringung des Kfz ***1*** in das Inland im Oktober 2018 erfolgt ist.
Die Feststellung, dass ab der Einbringung des PKW mit dem deutschen Kennzeichen "***2***" durch den Bf. im Oktober 2018 der Bf. dieses Fahrzeug weitaus überwiegend im Inland (weit mehr als 50%) für Privatfahrten bzw. betriebliche Fahrten in Österreich auf öffentlichen Straßen verwendet hat, gründet sich auf die mit der Beschwerde vorgelegten Unterlagen, in denen vom Bf. die Grenzübertritte mit dem Fahrzeug ***1*** nach Deutschland in den Monaten September 2018 bis Februar 2021 angeführt sind, wobei für das gegenständliche Beschwerdeverfahren nur der Zeitraum September 2018 bis März 2020 von Relevanz ist.
Anhand dieser Aufstellung von deren Richtigkeit das Bundesfinanzgericht ausgeht ergibt sich, dass im Zeitraum September 2018 bis März 2020 insgesamt nur rund 1.868 km in Deutschland mit dem Kfz ***1*** zurückgelegt wurden:
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Datum
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km in BRD
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Gegenstand
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02.09.2018
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5,6
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***32*** (***33***)
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02.09.2018
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0
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nicht lesbare Tankrechnung
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(es ist davon auszugehen, dass diese Tankstelle auf der Route nach ***33***
gewesen ist)
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02.09.2018
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0
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***50*** (Standort in ***33***)
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02.10.2018
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5,6
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***50*** (Standort in ***33***)
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04.10.2018
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5,6
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***50*** (Standort in ***33***)
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21.10.2018
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5,6
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***32*** (***33***)
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17.11.2018
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5,6
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Sendung ***52*** (***33***)
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29.11.2018
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81,2
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Tanken (Grabenstätt)
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? 12.2018
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350,6
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***23*** (Flug nach ***53***)
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02.01.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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23.01.2019
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5,6
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Sendung ***52*** (***33***)
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07.02.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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12.02.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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09.03.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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? 3.2019
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5,6
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***50*** (Standort in ***33***)
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01.04.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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03.04.2019
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5,6
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Sendung ***52*** (***33***)
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08.04.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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? 4.2019
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5,6
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***50*** (Standort in ***33***)
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03.05.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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08.05.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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27.05.2019
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258,6
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(***32*** ***34***)
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? 5.2019
|
5,6
|
***50*** (Standort in ***33***)
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12.06.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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22.06.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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01.07.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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27.07.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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? 7.2019
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5,6
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***50*** (Standort in ***33***)
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02.08.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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03.09.2019
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5,6
|
Sendung ***52*** (***33***)
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04.09.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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16.09.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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23.09.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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? 9.2019
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5,6
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***50*** (Standort in ***33***)
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09.10.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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03.11.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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08.11.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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20.11.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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21.11.2019
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252,6
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Tankstelle (***49***)
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11.12.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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13.12.2019
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5,6
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***32*** (***33***)
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09.01.2020
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5,6
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***32*** (***33***)
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? 1.2020
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5,6
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***50*** (Standort in ***33***)
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? 1.2020
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5,6
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***50*** (Standort in ***33***)
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05.02.2020
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5,6
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***32*** (***33***)
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12.02.2020
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448,6
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Tankstelle (***51***)
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01.03.2020
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258,6
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***34***
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1868,6
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Die Differenz zwischen dem Kilometerstand zum Zeitpunkt des Kaufes im Jahr 2017 (13.508) und am 11.3.2020 (Kilometerstand durch ein von der Finanzpolizei gemachtes Foto dokumentiert) beträgt 31.775 km. Dies ergibt für den Zeitraum September 2018 bis März 2020 eine geschätzte Gesamtkilometerleistung von 18.866,4 km (Anzahl Monate zwischen Erwerb und März 2020: 32: ergibt Kilometerschnitt pro Monat von 992,97; Anzahl Monate September 2018 bis März 2020: 19: 19 x 992,97 = 18.866,4). Daraus ergibt sich, dass der Anteil der in Deutschland zurückgelegten Kilometer lediglich 9,90% der gefahrenen Gesamtkilometer betragen hat und 90,1% der Gesamtkilometer auf Strecken im Inland entfallen sind.
Zum Vorbringen in der Beschwerde, dass der Bf. etwa die Hälfte der Woche in Österreich, die andere Hälfte der Woche jedoch in Deutschland in seiner Wohnung gewesen wäre, ist festzuhalten, dass der Bf. in seiner Aussage vom 11.3.2020 nicht angegeben hat, er wäre, die Hälfte der Woche in seiner Wohnung in Deutschland, sondern nur, dass er üblicherweise 3 bis 4 Tage der Woche in Österreich wäre. Wo er die übrige Zeit verbringt, hat er nicht angegeben. Angesichts des Umstandes, dass es sich bei der Wohnung in ***34*** um eine Zweizimmerwohnung handelt, in der sein Bruder wohnt, und ***34*** von ***7*** (dort wo sich die Zweigniederlassung der ***6*** GmbH bzw. die Geschäftsanschrift der ***14*** befunden hat) über 135 km entfernt liegt, hingegen das Wohnhaus der Eltern in ***9*** lediglich circa 45 km, widerspricht es der Lebenserfahrung, dass der Bf. die Hälfte der Woche in der Wohnung des Bruders verbracht hat. Dazu kommt, dass das Wohnhaus in ***9*** über ein Erdgeschoß und ein Obergeschoß verfügt, wie sich das aus dem Einheitswertbescheid vom 20.10.2005, ***54***, ergibt und sich daher weit mehr für Wohnzecke eignet als die Zweizimmerwohnung in ***34***, die zudem vom Bruder des Bf. bewohnt wird. Darüber hinaus ist auch der Umstand zu berücksichtigten, dass der Bf. im Jahr 2018 im Wesentlichen alleine die Zweigniederlassung der ***6*** GmbH in ***7*** betreiben musste (inklusive deren Aufbau), weil die einzige Angestellte im Jahr ***45*** nur am 8.10. bis 12.10.2018 für die ***6*** GmbH (die Zweigniederlassung) tätig gewesen ist, wie sich aus einer durchgeführten Hauptverbandsabfrage ergibt. Schließlich ist auf die der Beschwerde beigelegte Aufstellung der Grenzübertritte für den Zeitraum September 2018 bis Februar 2021 zu verweisen, in der sich eine Nutzung der Wohnung in ***34*** erst ab März 2020 ergibt. Daher ist davon auszugehen, dass sich der Bf. und damit auch das Kfz ***1*** bis auf die aus der in der Aufstellung ergebenden Zeiten im Inland aufgehalten bzw. befunden hat. Daher geht das Bundesfinanzgericht davon aus, dass die Aussage des Bf. in seiner Einvernahme vom 11.3.2020, dass er sich nur drei bis vier Tage in der Woche in Österreich aufhalten würde, nicht den Tatsachen entspricht, zumal er bei Angabe, dass er sich durchgehend in Österreich aufhält, die Verfolgung wegen eines Meldevergehens befürchten musste, da er an der Anschrift in ***9*** nur einen Nebenwohnsitz gemeldet hatte.
Dass die ***6*** GmbH im Online-Handel tätig ist und über einen Webshop ***31*** vertrieben hat, ergibt sich aus einer von der Finanzpolizei durchgeführten Online-Recherche am 15.1.2020 auf "***55***" sowie aus einer vom Bf. für die ***6*** GmbH an das Finanzamt versendeten Antwort vom 2.3.2019 betreffend eine im Februar 2019 durchgeführte Nachschau. Dass der Bf. in Deutschland ab dem Oktober 2018 bis März 2020 für die ***6*** GmbH nur insoweit tätig war als er Pakete für die Kunden zum Paketversender ***32*** in ***33*** brachte bzw. im März 2020 an der Anschrift ***34***, ***35***, Teleworking verrichtete, ergibt sich aus der mit der Beschwerde übermittelten Unterlagen. In diesem Zusammenhang ist nochmals darauf hinzuweisen, dass es sich bei der deutschen Geschäftsanschrift der ***6*** GmbH (***15*** in ***56***) lediglich um eine Kontaktanschrift gehandelt hat um mit der ***6*** GmbH in Verbindung treten zu können, dort aber - mangels jeglicher Büroinfrastruktur - die ***6*** GmbH keine operative Tätigkeit entfaltet hat. Diesbezüglich ist auch darauf zu verweisen, dass laut der vom Bf. mit der Beschwerde vom 30.8.2021 übermittelten Aufstellung im Zeitraum September 2018 bis Februar 2021 lediglich ein einziges Mal der von der ***26*** angebotene Arbeitsplatz in einem der 6 Großraumbüros tatsächlich in Anspruch genommen wurde und zwar im November 2020.
Die Feststellung, dass die ab 1.5.2019 angemietete Wohnung in der ***3***, ***13*** ***7***, (Top Nr. ***12***) ab Mietbeginn ausschließlich der Bf. bewohnt hat, ergibt sich zum einen daraus, dass am Postkasten nicht der Name der ***6*** GmbH angebracht ist, sondern der Nachname des Bf. Auch der Mietvertrag selbst stützt diese Feststellung, weil als Mieter neben der ***6*** GmbH auch der Bf. angeführt ist und zwar nicht als Vertreter der ***6*** GmbH. Soweit der Bf. in seiner Einvernahme vom 11.3.2020 ausgesagt hat, diese Wohnung werde auch von Angestellten seines Betriebes genutzt, bleibt der Bf. dafür jeden Nachweis schuldig. In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, dass die Aussage auch insoweit unglaubwürdig ist als von Angestellten - also Mehrzahl - die Rede ist. Tatsächlich war bei der ***6*** GmbH im Jahr 2018 nur eine einzige Mitarbeiterin angemeldet und zwar nur für den Zeitraum 8.10. bis 12.10.2018 (***45***) und im Zeitraum 2019 ein Mitarbeiter (***57***). Schließlich spricht auch der Umstand, dass der Tiefgaragenplatz für diese Wohnung ein Behindertenparkplatz ist und ***7*** eine Stadt mit Parkraumbewirtschaftung ist, dafür, dass nur der Bf. diese Wohnung bewohnt hat.
Dass der Tiefgaragenplatz an der Anschrift ***3*** ausschließlich vom Bf. ab Mai 2019 zum Abstellen des PKW ***1*** mit dem Kennzeichen "***2***" verwendet wurde, gründet sich auf die Aussage des Bf. in seiner Einvernahme vom 11.3.2020 und den Umstand, dass es sich um einen Behindertenabstellplatz handelt.
Dass das Fahrzeug ***1*** mit dem Kennzeichen "***2***" Im Oktober 2018 einen Marktwert von € 43.000,00 aufwies, gründet sich auf die von der Finanzpolizei durchgeführte Ermittlung des Eurotax-Wertes sowie auf Anzeigen in "***58***" für Fahrzeuges des gleichen Fahrzeugtyps und wird dieser Wert im Aufhebungsantrag vom 30.9.2020 auch nicht in Abrede gestellt.
Dass am 11.3.2020 der ***1*** einen Kilometerstand von 45.283 aufgewiesen hat, ergibt sich aus einem von der Finanzpolizei gemachten Foto des Fahrzeuges in den Fahrzeuginnenraum, das dem Bundesfinanzgericht vorgelegt wurde.
Rechtliche Beurteilung
3.1. Zu Spruchpunkt I. (Abweisung)
§ 1 Der Normverbrauchsabgabe unterliegen die folgenden Vorgänge
3. a) Die erstmalige Zulassung von Kraftfahrzeugen zum Verkehr im Inland, sofern die Steuerpflicht nicht bereits nach Z 1 oder Z 2 eingetreten ist oder nach Eintreten der Steuerpflicht eine Vergütung nach § 12 oder § 12a erfolgt ist
b) Als erstmalige Zulassung gilt auch die Zulassung eines Fahrzeuges, das bereits im Inland zugelassen war, aber nicht der Normverbrauchsabgabe unterlag oder befreit war, sowie die Verwendung eines Fahrzeuges im Inland, wenn es nach dem Kraftfahrgesetz zuzulassen wäre, ausgenommen es wird ein Nachweis der Entrichtung der Normverbrauchsabgabe in jener Höhe erbracht, die im Zeitpunkt der erstmaligen Verwendung im Inland zu entrichten gewesen wäre.
….
§ 2 Als Kraftfahrzeuge gelten:
….
2. Personenkraftwagen und andere hauptsächlich zur Personenbeförderung gebaute Kraftfahrzeuge (ausgenommen solche der Position 8702), einschließlich Kombinationskraftwagen und Rennwagen (Position 8703 der Kombinierten Nomenklatur
§ 4 Abgabenschuldner ist
Z 1 …
Z 3 im Falle der Verwendung eines Fahrzeuges im Inland, wenn es nach dem Kraftfahrgesetz zuzulassen wäre (§ 1 Z 3), der Zulassungsbesitzer und derjenige, der das Fahrzeug verwendet, als Gesamtschuldner (§ 6 Abs. 1 BAO).
§ 5 (1) ….
(2) Die Abgabe ist in allen anderen Fällen (§ 1 Z 3 und Z 4) nach dem ohne Umsatzsteuerkomponente ermittelten gemeinen Wert des Kraftfahrzeuges zu bemessen. Wird das Fahrzeug im übrigen Unionsgebiet bei einem befugten Fahrzeughändler erworben, dann gilt der Anschaffungspreis als gemeiner Wert.
(3) Die Normverbrauchsabgabe gehört nicht zur Bemessungsgrundlage
Die für den Beschwerdefall maßgeblichen Bestimmungen aus dem Kraftfahrzeugsteuergesetz 1992, BGBl. 1992/449 (KfzStG), lauten:
§ 1 (1) Der Kraftfahrzeugsteuer unterliegen…
3. Kraftfahrzeuge, die auf Straßen mit öffentlichem Verkehr im Inland ohne die kraftfahrrechtlich erforderliche Zulassung verwendet werden (widerrechtliche Verwendung)
§ 3 Steuerschuldner ist
1. bei einem in einem inländischen Zulassungsverfahren zugelassenen Kraftfahrzeug die Person, für die das Kraftfahrzeug. für die das Kraftfahrzeug zugelassen ist;
2. in allen anderen Fällen die Person, die das Kraftfahrzeug auf Straßen mit öffentlichem Verkehr im Inland verwendet.
§ 4 (1) Die Steuerpflicht dauert:
…
3. bei widerrechtlicher Verwendung (§ 1 Z 3) eines Kraftfahrzeuges vom Beginn des Kalendermonates, in dem die Verwendung einsetzt, bis zum Ablauf des Kalendermonates, in dem die Verwendung endet.
§ 6 Abs. 3: Der Steuerschuldner hat jeweils für ein Kalendervierteljahr die Steuer selbst zu berechnen und bis zum 15. Tag (Fälligkeitstag) den auf das Kalendervierteljahr zweitfolgenden Kalendermonates an das Finanzamt zu entrichten. Ein gemäß § 201 BAO festgesetzter Abgabenbetrag hat den im ersten Satz genannten Fälligkeitstag.
(4) Der Steuerschuldner hat für jedes Kalenderjahr bis zum 31. März des darauffolgenden Kalenderjahres dem Finanzamt eine Steuererklärung über die steuerpflichtigen Kraftfahrzeuge abzugeben.
Die Frage, wann ein Kraftfahrzeug widerrechtlich verwendet wird, richtet sich bei der Normverbrauchsabgabe als auch bei der Kraftfahrzeugsteuer nach den Bestimmungen des Kraftfahrgesetzes 1967 (KFG).
Gemäß § 36 lit. a KFG dürfen Kraftfahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen auf Straßen mit öffentlichem Verkehr im Inland u.a. nur verwendet werden, wenn sie zum Verkehr zugelassen sind.
Das Verwenden von Kraftfahrzeugen und Anhängern mit ausländischem Kennzeichen, die keinen dauernden Standort im Bundesgebiet haben, ist gemäß § 79 KFG auf Straßen mit öffentlichem Verkehr, unbeschadet zollrechtlicher und gewerberechtlicher Vorschriften nur zulässig, wenn die Fahrzeuge vor nicht länger als einem Jahr in das Bundesgebiet eingebracht und wenn die Vorschriften der §§ 62, 82 und 86 eingehalten wurden.
Für die Verwendung von Kraftfahrzeugen und Anhängern mit ausländischem Kennzeichen und dauerndem Standort im Inland gilt gemäß § 82 Abs. 8 KFG (mit Wirkung ab 24.04.2014) Folgendes:
§ 82 Abs. 8: Fahrzeuge mit ausländischem Kennzeichen, die von Personen mit dem Hauptwohnsitz oder Sitz im Inland in das Bundesgebiet eingebracht oder in diesem verwendet werden, sind bis zum Gegenbeweis als Fahrzeug mit dem dauernden Standort im Inland anzusehen. Die Verwendung solcher Fahrzeuge ohne Zulassung gemäß § 37 ist nur während eines Monats ab der erstmaligen Einbringung in das Bundesgebiet zulässig. Eine vorübergehende Verbringung aus dem Bundesgebiet unterbricht diese Frist nicht. Nach Ablauf eines Monats ab der erstmaligen Einbringung in das Bundesgebiet sind der Zulassungsschein und die Kennzeichentafeln der Behörde, in deren örtlichem Wirkungsbereich sich das Fahrzeug befindet, abzuliefern. Wenn glaubhaft gemacht wird, dass innerhalb dieses Monats die inländische Zulassung nicht vorgenommen werden konnte, darf das Fahrzeug ein weiteres Monat verwendet werden. Danach sind der Zulassungsschein und die Kennzeichentafeln der Behörde, in deren örtlichen Wirkungsbereich sich das Fahrzeug befindet, abzuliefern. Die Ablieferung begründet keinen Anspruch auf Entschädigung.
Gemäß § 299 Abs. 1 BAO kann die Abgabenbehörde auf Antrag der Partei oder von Amts wegen einen Bescheid der Abgabenbehörde aufheben, wenn der Spruch des Bescheides sich als nicht richtig erweist.
Im Rahmen eines Verfahrens über einen Antrag nach § 299 Abs. 1 BAO ist lediglich der geltend gemachte Aufhebungsgrund zu prüfen (vgl. VwGH 25.4.2019, Ro 2019/13/0014; VwGH 23.11.2016, Ra 2014/15/0056; VwGH 26.11.2014, 2012/13/0123; VwGH 21.11.2013, 2011/15/0170; VwGH 26.4.2012, 2009/15/0119).
Im Aufhebungsantrag vom 30.9.2020 wird vom Bf. vorgebracht, dass das Finanzamt in den vom Aufhebungsantrag umfassten Bescheiden zu Unrecht davon ausgegangen wäre, dass der Bf. als Verwender des Kfz ***1*** mit dem deutschen Kennzeichen "***2***" anzusehen wäre, weil Verwender nämlich die ***6*** GmbH wäre.
Damit ist die Sache des Beschwerdeverfahrens abgesteckt. Eine Erweiterung der Aufhebungsgründe im Rechtsmittelverfahren ist nicht möglich. Soweit in der Beschwerde - in Erweiterung des gestellten Aufhebungsantrages - auch die unrichtige Anwendung des § 82 Abs. 8 KFZ ins Treffen geführt wird (Seite 2 f der Beschwerde: Der Bf. wäre etwa die Hälfte der Woche in Österreich und die andere Hälfte der Woche in Deutschland in seiner Wohnung gewesen und hätte die Monatsfrist des § 82 Abs. 8 KFG mit jedem Grenzübertritt neu zu laufen begonnen), ist dieses Vorbringen nicht vom Aufhebungsantrag umfasst und daher nicht im Rahmen des gegenständlichen Beschwerdeverfahrens zu prüfen.
Lediglich der Vollständigkeit halber wird auf den festgestellten Sachverhalt verwiesen. Außerdem ist festzuhalten, dass mit BGBl I Nr. 26/2014 mit Wirkung ab 24.4.2014 § 82 Abs. 8 KFG dahingehend abgeändert wurde, dass eine vorübergehende Verbringung aus dem Bundesgebiet die Monatsfrist nicht unterbricht.
In der Folge ist daher lediglich zu untersuchen, ob in den Bescheiden vom 5.5.2020 betreffend Normverbrauchsabgabe für Oktober 2018, Kraftfahrzeugsteuer für 10-12/2018, für 1-12/2019 und 1-3/2020, zu Recht davon ausgegangen wurde, dass der Bf. als Verwender des ***1*** mit dem deutschen Kennzeichen "***2***" angesehen wurde.
Gemäß § 4 Z 3 NoVAG 1991 ist Abgabenschuldner im Falle der Verwendung eines Fahrzeuges im Inland, wenn es nach dem Kraftfahrgesetz zuzulassen wäre (§ 1 Z 3), der Zulassungsbesitzer und derjenige, der das Fahrzeug verwendet, als Gesamtschuldner (§ 6 Abs. 1 BAO).
Auch § 3 Z 2 KfzStG stellt im Fall des § 1 Abs. 1 Z 3 leg.cit. auf den Verwender des Fahrzeuges ab.
Diese als Klarstellung gedachte Regelung (vgl. die Materialien zu dieser Novelle 113 BlgNR XXIV. GP 79) wurde mit BGBl. I Nr. 52/2009 in das NoVAG 1991 aufgenommen.
Auf Grund der gleichartigen Zielsetzung - nämlich die Person zu bestimmen, die für die durch die Verwendung des Fahrzeuges entstandenen Folgen einzustehen hat, - ist nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes auf den bundesrechtlich geregelten Begriff des Halters des Kraftfahrzeugs nach § 5 Abs. 1 Eisenbahn- und Kraftfahrzeughaftpflichtgesetz - EKHG zurückzugreifen (VwGH 27.1.2010, 2009/16/0107).
Halter ist nach der Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofes derjenige, der das Fahrzeug auf eigene Rechnung in Gebrauch und die Verfügungsgewalt darüber hat. Dies ist nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen. Maßgebend ist, dass der Halter tatsächlich in der Lage ist, die Verfügung über das Fahrzeug auszuüben (vgl. zB OGH, 18.10.2000, 9 Ob A 150/00z). Es ist darauf abzustellen, wer den Nutzen aus der Verwendung des Fahrzeuges zieht und die Kosten dafür trägt. Die freie Verfügung über das Fahrzeug ist dann gegeben, wenn über das "wie, wann und wo" der Verwendung entschieden werden kann. Genau diese freie Verfügung über das Kfz PKW ***1*** mit dem Kennzeichen "***2***" kommt aufgrund des festgestellten Sachverhaltes alleine dem Bf. zu, weil nur er dieses Fahrzeug nutzt und er alleine darüber bestimmt, wann, wo und zu welchem Zweck (private Fahrten oder Fahrten zu betrieblichen Zwecken der ***6*** GmbH bzw. offenbar auch der ***14***).
Treffen die Kriterien der Verfügungsmöglichkeit und der Kostentragung auf mehrere Personen zu, so ist dem Kriterium der Verfügungsmöglichkeit gegenüber dem Kriterium der Kostentragung der Vorrang einzuräumen. Dies ergibt sich aus der Entscheidung des VwGH vom 24.11.2011, 2009/16/0212, in der dieser folgendes ausführt:
"Angesichts der nicht bekämpften Feststellungen im angefochtenen Bescheid, dass die Eigentümerin des Fahrzeuges, die K. GmbH in Deutschland, dem Beschwerdeführer das Fahrzeug als Dienstfahrzeug zur Verfügung gestellt habe, welches nicht nur für dienstliche Zwecke dieses Unternehmens, sondern auch für eine uneingeschränkte Nutzung für Privatfahrten und andere Dienstfahrten ohne weitere Vorgaben verwendet werden dürfe, durfte die belangte Behörde davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer Verwender des Fahrzeuges war."
Kommt es zu einem Auseinanderfallen der Verwendungsmöglichkeit und der Kostentragung ist letztlich entscheidend, wem der Nutzen des Verwendens zukommt und wer bestimmt wie das Fahrzeug verwendet wird (vgl. zB BFG 15.7.2021, RV/1100450/2018). Soweit im Aufhebungsantrag vorgebracht wird, dass der Bf. dem ***1*** nur in einem "sehr geringfügigen Ausmaß" privat verwenden würde, ist festzuhalten, dass eine solche Feststellung nicht getroffen werden konnte. In diesem Zusammenhang ist auch der Umstand zu berücksichtigen, dass Bf. kein Fahrtenbuch geführt hat. Soweit der Bf. diesbezüglich im Schreiben vom 18.3.2022 darauf verweist, dass von der "1%-Regelung" des deutschen Steuerrechts Gebrauch gemacht wurde, ist darauf zu verweisen, dass diese Regelung (§ 6 I Nr. 4 Satz dEStG iVm § 8 Abs. 2 2. Satz dEStG) voraussetzt, dass der deutschen Finanzverwaltung ein betrieblicher Nutzungsanteil von mehr als 50% dargelegt wird (vgl. Kulosa in Schmidt, dEStG40, Rz 532 zu § 6 dEStG). Ein solcher Nachweis wurde dem Finanzamt und auch dem Bundesfinanzgericht nicht vorgelegt.
In den vom Aufhebungsantrag vom 30.9.2020 umfassten Bescheiden wurde daher der Bf. zu Recht als Verwender des ***1*** angesehen und nicht die deutsche ***6*** GmbH, weil das Kriterium der Kostentragung gegenüber dem Kriterium der dauernden und unbeschränkten Verfügung über das Fahrzeug durch den Bf. in den Hintergrund tritt.
Die Beschwerde war daher als unbegründet abzuweisen.
Lediglich der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass aufgrund des festgestellten Sachverhaltes der Mittelpunkt der Lebensinteressen (Hauptwohnsitz im Sinn des § 82 Abs. 8 KFG) des Bf. im Inland gelegen ist, weswegen als dauernder Standort des ***1*** das Inland anzusehen ist.
Auch wurde der Gegenbeweis, nämlich einer überwiegenden Nutzung des Fahrzeuges im Ausland, nicht erbracht. Vielmehr wurde - trotz Aufforderung durch das Finanzamt mit Vorhalt vom 26.4.2022 - nicht einmal die auf das Inland entfallenden Gesamtkilometer pro Jahr 2017 - 2020 samt entsprechenden Belegen bekanntgegeben. Daher hat der Bf. nicht einmal im Entferntesten den vom VwGH aufgestellten Anforderungen an die Führung eines Gegenbeweises entsprochen. Um den in § 82 Abs. 8 KFG vorgesehenen Gegenbeweis erbringen zu können, hat nämlich der Beschwerdeführer selbst von sich aus initiativ und umfassend darzulegen, aus welchen Gründen das Fahrzeugen nicht als ein Fahrzeug mit dauerndem inländischem Standort anzusehen ist und dafür auch die erforderlichen Nachweise anzubieten. Reine Behauptungen sind jedenfalls nicht ausreichend (vgl. VwGH 3.10.2016, Ra 2016/02/0151; sowie auch BFG 10.4.2018, RV/7102402/2013). Überdies besteht eine erhöhte Mittwirkungsverpflichtung, weil maßgebliche Sachverhaltselemente ihre Wurzeln im Ausland haben (Ausmaß der Nutzung des Kfz im Deutschland; vgl. zB VwGH 13.9.2006, 2006/13/0100, 0101).
3.2. Zu Spruchpunkt II. (Revision)
Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Das Bundesfinanzgericht ist betreffend der Bedeutung des Begriffes des Verwenders iS des § 4 Z 3 NoVAG 1991 bzw. des § 3 Z 2 KfzStG der zitierten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes gefolgt. Im Übrigen waren lediglich Sachverhaltsfragen zu lösen, weswegen die Revision nicht zuzulassen war.
Linz, am 6. September 2022
Normen und Schlagworte
- § 1 Z 3 lit. b NoVAG 1991, Normverbrauchsabgabegesetz, BGBl. Nr. 695/1991
- § 82 Abs. 8 KFG 1967, Kraftfahrgesetz 1967, BGBl. Nr. 267/1967
- § 4 Z 3 NoVAG 1991, Normverbrauchsabgabegesetz, BGBl. Nr. 695/1991
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5100316/2022
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2022:RV.5100316.2022
- Stammnummer
- 139064
- Gültig
- 06.09.2022 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF