Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7105018/2019
Neuberechnung der Säumniszuschläge nach Reduktion der Stammabgabe Glücksspielabgaben durch das BFG liegt in der Zuständigkeit des BFG
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7105018/2019vom 01.12.2022Teil 2 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Die Bf bekämpft vielmehr die verfassungsmäßige und damit grundsätzliche Rechtsmäßigkeit der Glücksspielabgaben gemäß § 57 Abs. 2 GSpG.
Wie schon erwähnt, sind die Gründe, die zum Zahlungsverzug geführt haben, grundsätzlich unbeachtlich (VwGH 26.5.1999, 99/13/0054).
Wie die Bf in ihrer Stellungnahme vom 15. November 2022 richtig erwähnt hat, sind die Säumniszuschläge dem Grunde nach rechtmäßig festgesetzt worden.
3.1.2.2. Höhe der Säumniszuschläge hängt an der Stammabgabe (Glücksspielabgaben)
Der Säumniszuschlag wird auf Grund der Stammabgabe bemessen, das bedeutet, dass die nicht entrichtete Abgabenschuldigkeit, im gegenständlichen Fall die Glücksspielabgaben, Bemessungsgrundlage dafür ist, wobei es nicht darauf ankommt, ob die Festsetzung der Stammabgabe rechtmäßig, angefochten oder rechtskräftig ist. Die Festsetzung eines Säumniszuschlages ist nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes unabhängig von der Rechtsmäßigkeit der Stammabgabe VwGH 26.5.1999, 99/13/0054; 18.9.2003, 2002/16/0072, und von der Rechtskräftigkeit der die Festsetzung der Stammabgabe, VwGH 30.5.1995, 95/13/0130; 26.1.2006, 2005/16/0240, sowie von der Tatsache, ob die Festsetzung mit Bescheidbeschwerde angefochten ist, VwGH 23.3.2000, 99/15/0145.
Betreffend die Höhe des Säumniszuschlages ist von essentieller Bedeutung, dass gemäß § 217 Abs. 8 BAO im Fall der nachträglichen Herabsetzung der Abgabenschuld die Berechnung der Säumniszuschläge unter rückwirkender Berücksichtigung des Herabsetzungsbetrages zu erfolgen hat, worauf auch seitens der belangten Behörde in ihren Bescheiden hingewiesen wurde.
Im gegenständlichen Fall wurde mittlerweile seitens des Bundesfinanzgerichtes entschieden und das Bundesfinanzgericht ist dem Beschwerdebegehren gegen die Glücksspielabgaben jeweils mit Erkenntnis vom 15. Juli 2022, RV/7104754/2019, im Wesentlichen nicht gefolgt. Die umfangreichen Ausführungen und Einwendungen der Bf gegen die Abgabenfestsetzung sind daher im gegenständlichen Verfahren über die Festsetzung von ersten Säumniszuschlägen irrelevant und ist daher nicht darauf einzugehen. Diese waren vielmehr verfahrensgegenständlich im Verfahren über die festgesetzten Glücksspielabgaben, wo sie geprüft wurden. Vor dem Hintergrund umfangreicher Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes zur "Teilnahme vom Inland aus" die dieses Tatbestandsmerkmal als rechtmäßig bzw. die Abgabenfestsetzung auf Grund nur eines Indizes als zulässig erachtet (siehe dazu insb VwGH vom 06.07.2020, Ro 2018/17/0005; VwGH 28.2.2020, Ra 2019/16/0060; VwGH 14.1.2020, Ro 2018/16/0046) ist das Bundesfinanzgericht daher den Ausführungen der Bf nicht gefolgt. In diesem Sinn ergeht auch die ständige Judikatur des Bundesfinanzgerichtes, gleichermaßen wie zu den Wettgebühren, die auf eine Teilnahme vom Inland aus abstellen (siehe zB BFG 25.04.2022, RV/7103142/2020, BFG 04.04.2018, RV/7104839/2017; BFG 21.08.2017, RV/7100702/2016 etc.).
Zusammengefasst teilte das Bundesfinanzgericht daher weder die Ansicht der Bf betreffend der "Teilnahme aus dem Inland" noch konnte es verfassungsrechtliche Bedenken oder unionsrechtliche Bedenken erblicken und nahm daher von einer Antragstellung an den Verfassungsgerichthof auf Aufhebung der Norm Abstand.
Lediglich auf Grund von doppelter Erfassung von Bonusbeträgen kam es trotzdem zu einer teilweise Stattgabe und die Glücksspielabgaben der gegenständlich relevanten Monate Jänner 2014 bis Dezember 2014,
Jänner 2015 bis Dezember 2015,
Jänner 2016 bis Dezember 2016,
Jänner 2107 bis Februar 2017,
Mai 2017 bis Dezember 2017 und
Jänner 2018 bis April 2018, wurde daher gänzlich neu berechnet, wie im Sachverhalt dargestellt.
Da der Säumniszuschlag auf Grund der Stammabgabe bemessen wird, bedeutet das, dass die nicht entrichtete Abgabenschuldigkeit, im gegenständlichen Fall die reduzierten Glücksspielabgaben, Bemessungsgrundlage dafür sind und die gegenständlichen Säumniszuschläge ebenfalls neu zu berechnen sind.
3.1.2.3. Zuständigkeit für die Anpassung der Säumniszuschläge liegt nach Vorlage der gegenständlichen Beschwerden beim Bundesfinanzgericht
Die Bf verweist in ihrer Stellungnahme auf § 217 Abs. 8 BAO, demzufolge im Fall der nachträglichen Herabsetzung der Abgabenschuld die Berechnung der Säumniszuschläge unter rückwirkender Berücksichtigung des Herabsetzungsbetrages zu erfolgen hat.
Auf Grund der Reduktion der Glücksspielabgaben müsse es von Amts wegen zu einer Korrektur der Säumniszuschläge kommen.
Das ist grundsätzlich richtig. Diese Berichtigung bzw. Neuberechnung kann allerdings derzeit nicht durch die Abgabenbehörde vorgenommen werden.
Gemäß § 300 Abs. 1 BAO ist ab Vorlage der Beschwerde das Bundesfinanzgericht zuständig und es können Abgabenbehörden beim Bundesfinanzgericht mit Bescheidbeschwerde angefochtene Bescheide bei sonstiger Nichtigkeit weder abändern noch aufheben.
Demzufolge sind die Säumniszuschläge vom Bundesfinanzgericht neu zu berechnen und belaufen sich auf folgende Höhen:
|
Glücksspielabgaben
|
Betrag BFG neu
(nach Erkenntnis)
|
Säumniszuschläge alt
(gegenständliche Bescheide vom 9. Mai 2019)
|
Säumniszuschläge neu
(Neuberechnung BFG)
|
Glücksspielabgaben 01/2014
|
420.719,26
|
9.635,58
|
8.414,39
|
Glücksspielabgaben 02/2014
|
358.879,86
|
8.203,40
|
7.177,60
|
Glücksspielabgaben 03/2014
|
376.966,46
|
8.820,66
|
7.539,33
|
Glücksspielabgaben 04/2014
|
410.813,19
|
9.372,56
|
8.216,26
|
Glücksspielabgaben 05/2014
|
422.589,25
|
9.638,48
|
8.451,79
|
Glücksspielabgaben 06/2014
|
402.176,49
|
9.451,99
|
8.043,53
|
Glücksspielabgaben 07/2014
|
364.430,96
|
9.371,35
|
7.288,62
|
Glücksspielabgaben 08/2014
|
355.768,50
|
8.349,11
|
7.115,37
|
Glücksspielabgaben 09/2014
|
416.474,67
|
9.560,18
|
8.329,49
|
Glücksspielabgaben 10/2014
|
392.350,02
|
9.144,25
|
7.847,00
|
Glücksspielabgaben 11/2014
|
351.774,90
|
8.114,09
|
7.035,50
|
Glücksspielabgaben 12/2014
|
379.344,90
|
8.485,75
|
7.586,90
| | | |
|
Glücksspielabgaben 01/2015
|
407.043,49
|
9.396,98
|
8.140,87
|
Glücksspielabgaben 02/2015
|
332.755,61
|
7.890,58
|
6.655,11
|
Glücksspielabgaben 03/2015
|
393.549,25
|
9.292,08
|
7.870,99
|
Glücksspielabgaben 04/2015
|
332.916,17
|
7.901,58
|
6.658,32
|
Glücksspielabgaben 05/2015
|
413.522,84
|
9.569,97
|
8.270,46
|
Glücksspielabgaben 06/2015
|
401.146,09
|
9.535,26
|
8.022,92
|
Glücksspielabgaben 07/2015
|
208.755,94
|
5.531,02
|
4.175,12
|
Glücksspielabgaben 08/2015
|
605.131,76
|
13.611,21
|
12.102,64
|
Glücksspielabgaben 09/2015
|
390.099,43
|
9.243,72
|
7.801,99
|
Glücksspielabgaben 10/2015
|
386.637,22
|
9.311,23
|
7.732,74
|
Glücksspielabgaben 11/2015
|
475.678,44
|
11.212,63
|
9.513,57
|
Glücksspielabgaben 12/2015
|
485.662,47
|
11.107,75
|
9.713,25
| | | |
|
Glücksspielabgaben 01/2016
|
423.423,87
|
10.030,45
|
8.468,48
|
Glücksspielabgaben 02/2016
|
436.764,34
|
10.160,73
|
8.735,29
|
Glücksspielabgaben 03/2016
|
456.509,69
|
10.751,72
|
9.130,19
|
Glücksspielabgaben 04/2016
|
520.558,60
|
11.756,78
|
10.411,17
|
Glücksspielabgaben 05/2016
|
466.461,23
|
10.364,01
|
9.329,22
|
Glücksspielabgaben 06/2016
|
576.462,32
|
14.075,89
|
11.529,25
|
Glücksspielabgaben 07/2016
|
554.671,87
|
13.381,90
|
11.093,44
|
Glücksspielabgaben 08/2016
|
558.807,96
|
13.654,19
|
11.176,16
|
Glücksspielabgaben 09/2016
|
580.244,82
|
13.806,94
|
11.604,90
|
Glücksspielabgaben 10/2016
|
657.534,53
|
13.130,72
|
13.150,69
|
Glücksspielabgaben 11/2016
|
561.368,24
|
13.539,97
|
11.227,36
|
Glücksspielabgaben 12/2016
|
641.535,80
|
15.880,72
|
12.830,72
| | | |
|
Glücksspielabgaben 01/2017
|
604.964,66
|
14.360,60
|
12.099,29
|
Glücksspielabgaben 02/2017
|
647.662,49
|
15.368,69
|
12.953,25
|
Glücksspielabgaben 05/2017
|
655.269,76
|
16.861,96
|
13.105,40
|
Glücksspielabgaben 06/2017
|
794.711,47
|
19.034,77
|
15.894,23
|
Glücksspielabgaben 07/2017
|
751.986,77
|
18.612,92
|
15.039,74
|
Glücksspielabgaben 08/2017
|
698.003,04
|
17.478,51
|
13.960,06
|
Glücksspielabgaben 09/2017
|
946.413,45
|
23.178,28
|
18.928,27
|
Glücksspielabgaben 10/2017
|
921.598,43
|
23.020,53
|
18.431,97
|
Glücksspielabgaben 11/2017
|
811.723,49
|
20.318,44
|
16.234,47
|
Glücksspielabgaben 12/2017
|
1.224.796,24
|
27.756,25
|
24.495,92
| | | |
|
Glücksspielabgaben 01/2018
|
1.003.715,64
|
23.554,09
|
20.074,31
|
Glücksspielabgaben 02/2018
|
856.659,58
|
21.579,35
|
17.133,19
|
Glücksspielabgaben 03/2018
|
1.091.544,84
|
27.798,30
|
21.830,90
|
Glücksspielabgaben 04/2018
|
1.018.275,93
|
25.098,42
|
20.365,52
Dies ergibt in Summe Säumniszuschläge für die gegenständlichen Glücksspielabgaben im Zeitraum Jänner 2014 bis Februar 2017 und Mai 2017 bis April 2018 in Höhe von 558.937,15 €.
Es war den Beschwerden zwar inhaltlich kein Erfolg beschieden, aber die Säumniszuschläge waren auf Grund der Anpassung an die reduzierten Stammabgaben abzuändern.
Demzufolge war spruchgemäß zu entscheiden.
Zu Spruchpunkt II. (Revision)
Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision gem. Art 133 Abs 4 B-VG iVm § 25a Abs 1 VwGG zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Diese Voraussetzungen treffen im Beschwerdefall nicht zu. Die Entscheidung ist im Einklang mit der angesprochenen umfangreichen, ständigen Judikatur des Verwaltungsgerichtshofes, sodass keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung aufgeworfen wurde.
Wien, am 1. Dezember 2022
Normen und Schlagworte
- § 300 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 217 Abs. 8 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7105018/2019
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2022:RV.7105018.2019
- Stammnummer
- 138766
- Gültig
- 01.12.2022 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF