Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7100053/2021
Keine Beschwerdelegitimation des Kindes gegen an den Familienbeihilfebezieher ergangenen Rückforderungsbescheid
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - BeschlussRV/7100053/2021vom 24.06.2021Teil 2 von 4
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Ad § 26 Abs. 4 FLAG: Nach der ständigen Rechtsprechung des VwGH besteht auf die Ausübung des Aufsichtsrechtes kein Rechtsanspruch (vgl. etwa VwGH 16.2.1988, 85/14/0130; 13.3.1991, 90/13/0241; 22.4.1998, 98/13/0067 oder 21.10.1999, 97/15/0196; 23.9.2005, 2005/15/0080).
Das Unterlassen von auf die Ausübung des Aufsichtsrechtes gerichteten Maßnahmen begründet daher auch keinen im Rahmen einer Bescheidbeschwerde vor dem Verwaltungsgericht (BFG) oder einer Revision vor dem VwGH erfolgreich geltend zu machenden Verfahrensmangel (vgl. VwGH 28.10.2009, 2009/15/0042; 22.4.2009, 2008/15/0323; 27.8.2008, 2006/15/0080; 20.2.2008, 2006/15/0076; 18.4.2007, 2006/13/0174).
Den oben zitierten Erkenntnissen des VwGH lagen jeweils vom Finanzamt erlassene und im Instanzenzug angefochtene Rückforderungsbescheide zu Grunde, in denen das Unterlassen von Maßnahmen in Ausübung des Aufsichtsrechtes als Verfahrensmangel gerügt wurde (vgl. Wanke in Lenneis/Wanke (Hrsg), FLAG, 2. Aufl. 2020, § 26, II. Systematik der Auszahlung von FB Rz 71-72).
Ihre Beschwerde betreffend den Rückforderungsbescheid vom 31.05.2019 erweist sich sohin als unbegründet und war daher abzuweisen.
Mit Erlassung dieser Beschwerdevorentscheidung gelten Ihre Anträge in der Bescheidbeschwerde als spruchgemäß miterledigt.
Hinweis: Hinsichtlich des Vorbringens der "(sogenannten) Zweitbeschwerdeführerin ***5***-***6*** ***2***" wird eine gesonderte Erledigung (Beschwerdevorentscheidung) ergehen.
Beschwerdevorentscheidung ***5***-***6*** ***2***
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 26.3.2020 wies das Finanzamt die Beschwerde der ***5***-***6*** ***2*** gegen den Rückforderungsbescheid vom 31.5.2019 gemäß § 260 Abs. 1 lit. a BAO i. V. m. § 262 BAO als unzulässig zurück.
Mit dem Rückforderungsbescheid vom 31.05.2019 wurde Ihr Onkel ***1*** ***2*** (als Beihilfenbezieher und Meldepflichtiger iSd § 25 FLAG 1967) verpflichtet, die zu Unrecht bezogenen Beihilfenbeträge für seine haushaltszugehörige und anspruchsvermittelnde Nichte ***5***-***6*** (Pflegebefohlene), für den Zeitraum Jänner 2014 bis Mai 2019 in Höhe von EUR 24.116,80 zurückzuzahlen (siehe Ablichtung des Rückforderungsbescheides vom 31.05.2019).
...
Im Wesentlichen wurde begründend ausgeführt, dass seine volljährige Nichte ***5***-***6*** (haushaltszugehörige Pflegebefohlene) seit dem Kalenderjahr 2014 (bis laufend) die familienbeihilfeschädliche Einkommensgrenze deutlich überschritten hat.
Mit diesem Rückforderungsbescheid wurde Ihr Onkel darüber informiert, dass aufgrund mangelnder Voraussetzungen (beihilfenschädliches Einkommen) nach FLAG 1967 ab 01.01.2014 sein Anspruch auf Familienbeihilfe weggefallen und verpflichtet die zu Unrecht bezogene Familienbeihilfe ab 01.01.2014 zurückzuzahlen.
Gegen diesen Rückforderungsbescheid erhoben Sie am 24.06.2019 eine Beschwerde.
Die obigen Sachverhaltsfeststellungen sind aktenkundig. Dagegen sprechende Umstände sind nicht ersichtlich und wurden von der Beschwerdeführerin weder substantiell vorgetragen noch finden sich solche in den Akten, weshalb die vorgenommene Beweiswürdigung zu diesen Feststellungen führen dürfte.
Vor diesem Hintergrund nimmt das Finanzamt den obigen Sachverhalt als erwiesen an (§ 167 Abs. 2 BAO).
Dazu wird ausgeführt:
§ 243 BAO lautet:
"Gegen Bescheide, die Abgabenbehörden erlassen, sind Beschwerden (Bescheidbeschwerden) an die Verwaltungsgerichte zulässig, soweit in Abgabenvorschriften nicht anderes bestimmt ist."
§ 260 Abs. 1 lit. a BAO lautet:
"Die Bescheidbeschwerde ist mit Beschwerdevorentscheidung (§ 262) oder mit Beschluss (§ 278) zurückzuweisen, wenn sie nicht zulässig ist."
§ 262 Abs. 1 BAO lautet:
"Über Bescheidbeschwerden ist nach Durchführung der etwa noch erforderlichen Ermittlungen von der Abgabenbehörde, die den angefochtenen Bescheid erlassen hat, mit als Beschwerdevorentscheidung zu bezeichnendem Bescheid abzusprechen."
Rechtliche Beurteilung:
Ihr Onkel ***1*** ***2*** hat als Beihilfenbezieher gegen die Meldepflicht des § 25 FLAG 1967 verstoßen, da ab Kalenderjahr 2014 (bis laufend) ein beihilfenschädliches Einkommen bezogen wurde und ab 01.01.2014 kein Anspruch auf Familienbeihilfe und Kinderabsetzbetrag mehr bestand. Der Rückforderungsbescheid vom 31.05.2019 wurde an Ihren Onkel ***1*** ***2*** adressiert und rechtswirksam zugestellt.
Herr ***1*** ***2*** war als Beihilfenbezieher der alleinige Bescheidadressat gegenständlicher Rückforderung. Ergänzend dazu und davon zu differenzieren ist seine Rechtsposition als gerichtlicher Erwachsenenvertreter im gegenständlichen Verfahren.
Aus oben ausgeführten Gründen waren und sind Sie zu keinem Zeitpunkt rechtsmittellegitimiert gewesen (mangelnde Beschwerdebefugnis des Einschreiters iSd § 260).
Demnach war Ihre Beschwerde als unzulässig zurückzuweisen.
Im Übrigen ist inhaltlich in der verfahrensgegenständlichen Sache anzumerken, dass der Rückforderungsbescheid vom 31.05.2019 an Herrn ***1*** ***2*** de lege lata rechtskonform ergangen ist, da für den Zeitraum Jänner 2014 bis Mai 2019 der Familienbeihilfeanspruch iSd §§ 2 iVm 5 Abs. 1 FLAG 1967 weggefallen ist und die Rückforderung nach §§ 25 iVm 26 FLAG 1967 zwingend erfolgen musste. Denn die Rückforderung gem. § 26 Abs. 1 bis 3 ist keine Ermessensentscheidung. Billigkeitsüberlegungen sind im Rückforderungsverfahren nach § 26 Abs. 1 bis 3 vom Finanzamt oder vom BFG nicht anzustellen (vgl BFG 24.4.2017, RV/7105636/2015 und 20.6.2016, RV/7100264/2016, jeweils unter Hinweis auf VwGH 20.2.2008, 2006/15/0076).
Hinweis: Hinsichtlich der Beschwerde des "(sogenannten) Erstbeschwerdeführers ***1*** ***2***" wird eine gesonderte Erledigung (Beschwerdevorentscheidung vom 26.03.2020 zur GZ./SVNr.: ***7***) an Herrn ***1*** ***2*** ergehen.
Vorlageantrag
Mit Telefax vom 1.4.2020 stellten 1. ***1*** ***2*** und 2. ***5***-***6*** ***2*** Vorlageantrag.
In umseits bezeichneter Rechtssache nehmen die beiden Beschwerdeführer Bezug auf die beiden Beschwerdevorentscheidungen des FINANZAMTES Gänserndorf Mistelbach (FA18) jeweils vom 26.03.2020, dem Beschwerdeführerrechtsvertreter jeweils am 01.04.2020 postalisch zugestellt, wonach die Beschwerde der beiden Beschwerdeführer vom 24.06.2019 als unbegründet abgewiesen bzw. gemäß § 260 Abs. 1 lit. a BAO iVm. § 262 BAO als unzulässig zurückgewiesen wurde, und stellt nunmehr innerhalb der offenen gesetzlichen Frist den Antrag, das erstinstanzliche FINANZAMT Gänserndorf Mistelbach (FA18) möge die gegenständliche Beschwerde der beiden Beschwerdeführer vom 24.06.2019 dem zweitinstanzlichen BUNDESFINANZGERICHT zur Entscheidung vorlegen.
Das zweitinstanzliche BUNDESFINANZGERICHT möge in der Folge:
1. Der Beschwerde der beiden Beschwerdeführer vom 24.06.2019 aufschiebende Wirkung zuerkennen;
2. eine mündliche Beschwerdeverhandlung anberaumen;
3. der gegenständlichen Beschwerde der beiden Beschwerdeführer letztlich Folge geben und den erstinstanzlichen Bescheid des FINANZAMTES Gänserndorf Mistelbach (FA18) vom 31.05.2019 sowie die beiden Beschwerdevorentscheidungen des FINANZAMTES Gänserndorf Mistelbach (FA18) jeweils vom 26.03.2020 ersatzlos vollinhaltlich aufheben.
Abschließend rügen die beiden Beschwerdeführer ausdrücklich, dass die erstinstanzliche Beihilfenbehörde den Antrag auf Einleitung eines Verfahrens gemäß § 26 Abs. 4 FLAG 1967 beim Bundesministerium für Frauen, Familien und Jugend im Bundeskanzleramt (bezüglich deren gesetzlicher Ermächtigung, in Ausübung des Aufsichtsrechtes die nachgeordneten Abgabenbehörden anzuweisen, von der Rückforderung des unrechtmäßigen Bezuges abzusehen, zumal die Rückforderung unbillig wäre) ausdrücklich rechtswidrig nicht behandelt hat, weshalb die beiden Beschwerdeführer diesbezüglich ausdrücklich stellen den Antrag das zweitinstanzliche BUNDESFINANZGERICHT möge dem erstinstanzlichen FINANZAMT Gänserndorf Mistelbach (FA18) die Einleitung eines Verfahrens gemäß § 26 Abs. 4 FLAG 1967 beim Bundesministerium für Frauen, Familien und Jugend im Bundeskanzleramt (bezüglich deren gesetzlicher Ermächtigung, in Ausübung des Aufsichtsrechtes die nachgeordneten Abgabenbehörden anzuweisen, von der Rückforderung des unrechtmäßigen Bezuges abzusehen, zumal die Rückforderung unbillig wäre) auftragen.
Vorlage
Vorlagebericht vom 23.12.2020
Mit Bericht vom 23.12.2020 legte das Finanzamt Gänserndorf Mistelbach die Beschwerde des ***1*** ***2*** dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor und führte unter anderem aus:
Inhaltsverzeichnis zu den vorgelegten Aktenteilen (Aktenverzeichnis)
Beschwerde
1 Beschwerde 24.06.2019
Bescheide
2 Familienbeihilfe (Zeitraum: 01.2014-05.2019) 29.05.2019
Zusatzdokumente Bescheide
3 Rückschein Rückforderungsbescheid 04.06.2019
Beschwerdevorentscheidung
4 Beschwerdevorentscheidung ad Beschwerde v. 24.06.2019 (***5***-***6*** ***2***) 24.06.2019
5 Beschwerdevorentscheidung ad Beschwerde v. 24.06.2019 (***1*** ***2***) 26.03.2020
Vorlageantrag
6 Vorlageantrag 01.04.2020
Vorgelegte Aktenteile
AE-Verfahren
7 Bescheid über die Bewilligung einer Aussetzung der Einhebung 24.03.2020
8 Bescheid über den Ablauf einer Aussetzung der Einhebung 26.03.2020
9 Bescheid über die Festsetzung von Aussetzungszinsen 26.03.2020
10 Beschwerde gegen den Bescheid über die Bewilligung einer Aussetzung der Einhebung vom 24.03.2020 01.04.2020
11 Beschwerden gegen den Bescheid über den Ablauf einer Aussetzung der Einhebung vom 26.03.2020 sowie den Bescheid über die Festsetzung von Aussetzungszinsen vom 24.03.2020 03.04.2020
Bezughabende Normen
§ 2 Abs. 1 lit. c, h, § 5 Abs. 1, § 8 Abs. 5, § 8 Abs. 6, § 8 Abs. 6a, § 10 Abs. 2, § 13, § 25, § 26 Abs. 1 FLAG 1967 und § 29 Abs. 1 FLAG 1967 iVm § 33 Abs. 3 EStG 1988
Sachverhalt und Anträge
Sachverhalt:
Am 1.8.2011 wurde erstmals durch den Bf., Herrn ***1*** ***2***, erhöhte Familienbeihilfe für seine pflegebefohlene Nichte ***5***-***6*** ***2*** beantragt. Am 30.8.2011, 22.11.2012, 04.03.2014 sowie am 14.01.2019 wurde seitens des Bf. der Antrag auf unbefristete Verlängerung erhöhter Familienbeihilfe gestellt und als Verwandtschaftsverhältnis in allen Anträgen "Pflegekind mit erheblicher Behinderung" angeführt. Des Weiteren wurde jeweils angegeben, dass die pflegebefohlene ***5***-***6*** haushaltszugehörig ist und der Unterhalt überwiegend vom Bf. getragen wird. Die Eingabe auf Änderung des Nachnamens der Pflegebefohlenen von ***14*** in ***2*** erfolgte am 06.08.2012. Mit der Urkunde des Bezirksgericht ***30*** vom 25.02.2015 wurde der Bf. gem. § 268 ABGB zum Sachwalter (nunmehr Erwachsenenvertreter) bestellt. Der Wirkungsbereich erstreckte sich auf alle Angelegenheiten, davon ausgenommen waren lediglich die rechtsgeschäftliche Vertretung bei Geschäften des täglichen Lebens aus vorgegebenen Wirtschaftsgeld. Die erhöhte Familienbeihilfe für die volljährige Pflegebefohlene wurde vom Bf. für den Zeitraum Juli 2011 bis Mai 2019 bezogen. Im Zuge der Überprüfung des Verlängerungsantrages wurde festgestellt, dass ***5***-***6*** ***2*** in den Kalenderjahren 2014 bis 2019 ein zu versteuerndes Einkommen gem. § 33 Abs. 1 EStG von weit mehr als 10.000 € bezogen hat. Mit dem Rückforderungsbescheid vom 29.05.2019 wurde der Bf. verpflichtet, die zu Unrecht bezogenen Beihilfenbeträge betreffend seiner Pflegebefohlenen ***5***-***6*** ***2*** für den Zeitraum Jänner 2014 bis Mai 2019 zurückzuzahlen. Gegen diesen Bescheid wurde fristgerecht, am 24.06.2016, Beschwerde eingebracht. Im Wesentlichen wurde die mangelnde passive Verfahrenslegitimation eingewandt. Diese wurde damit begründet, dass die pflegebefohlene ***5***-***6*** ***2*** nicht das Kind des Bf. sei, sondern der Bf. lediglich der gerichtlich bestellte Erwachsenenvertreter sei und er somit für die Beihilfenrückforderung nicht hafte. Der Antrag auf erhöhte Familienbeihilfe am 04.03.2014 wurde vielmehr von ***5***-***6*** ***2*** als Erwachsene im eigenen Namen gestellt. Des Weiteren wurde vorgebracht, dass die erhöhte Familienbeihilfe sowie der Kinderabsetzbetrag durch ***5***-***6*** ***2*** längst gutgläubig verbraucht worden seien, Kreditwürdigkeit nicht gegeben sei, eine Ratenzahlungspflicht nicht erfüllt werden könne und die Beihilfenrückforderung ***5***-***6*** ***2*** von einer Privatinsolvenz bedrohe. Mit der Beschwerdevorentscheidung vom 26.03.2020 wurde die Beschwerde des Bf. als unbegründet abgewiesen. Begründet wurde die Abweisung u.a. damit, dass der Anspruch auf Familienbeihilfe mit Ablauf des Monats erlischt, in dem eine Anspruchsvoraussetzung wegfällt oder ein Ausschließungsgrund hinzukommt (§ 10 Abs. 2 FLAG). Im gegenständlichen Verfahren fällt der Anspruch mit Ablauf des Monats Dezember 2013 weg, da ***5***-***6*** ***2*** ab März 2014 durchgehend beihilfeschädliches Einkommen erzielt hat. Gegen die mangelnde passive Verfahrenslegitimation wurde ausgeführt, dass derjenige zur Rückzahlung eines unrechtmäßigen Bezuges der Familienbeihilfe nach § 26 Abs. 1 leg. cit. verpflichtet ist, der diese bezogen hat.
Darüber hinaus normiert § 26 FLAG eine objektive Erstattungspflicht der zu Unrecht bezogenen Beihilfenbeträge, sodass auf Umstände wie Verschulden und Gutgläubigkeit seitens des Anspruchsberechtigten keine Rücksicht genommen werden könne. Am 01.04.2020 und am 03.04.2020 wurde fristgerecht ein Vorlageantrag eingebracht. Darin wurde vom Bf. - neben den bereits in der Beschwerde Vorgebrachten - der Antrag gestellt, das BFG möge dem erstinstanzlichen Finanzamt die Einleitung des Verfahrens der Abstandnahme der Rückforderung durch die Oberbehörde gem. § 26 Abs. 4 FLAG auftragen.
Beweismittel:
Siehe vorgelegte Aktenstücke des verfahrensgegenständlichen Beschwerdeaktes. Es wird darauf hingewiesen, dass ein physischer Papierakt vorhanden ist, der auf Wunsch vorgelegt werden könnte.
Stellungnahme:
Ad Wegfall der Anspruchsvoraussetzungen:
Liegt in einem Kalenderjahr ein zu versteuerndes Einkommen gem. § 33 Abs. 1 EStG eines Kindes (Pflegebefohlenen) von mehr als 10.000 € vor, so führt dies zum Wegfalls der Anspruchsvoraussetzungen und in Folge dessen, steht für das gesamte Kalenderjahr keine Familienbeihilfe zu (§ 5 Abs. 1 FLAG). Die Einkommensgrenze von 10.000 € ist nicht zu aliquotieren und gilt unabhängig von der Dauer des Familienbeihilfenanspruches in einem Kalenderjahr. Festzuhalten ist, dass der Grenzbetrag einen Jahresbetrag darstellt, der auch für ein erheblich behindertes Kind gilt (§ 8 Abs. 4 FLAG). ***5***-***6*** ***2*** hat ab ***12*** beihilfenschädliches Einkommen bezogen und den beihilfeschädlichen Grenzbetrag von 10.000 € weit überschritten. Laut Lohnzettel-Auskunft beträgt das zu versteuernde Einkommen konkret:
- für das Jahr 2014: 14.232,69 €
- für das Jahr 2015: 19.206,77 €
- für das Jahr 2016: 21.496,52 €
- für das Jahr 2017: 18.537,86 €
- für das Jahr 2018: 19.506,11 €
- für das Jahr 2019: 20.334,55 €
Ad Verfahrenslegitimation:
Die Rückforderung richtet sich an den Bf. als Beihilfenbezieher, da dieser zu Unrecht Familienbeihilfe bezogen hat und gegen die Meldepflicht (§ 25 FLAG) verstoßen hat. Dies gilt auch für jene Fälle, in denen die Familienbeihilfe und der Kinderabsetzbetrag für ein anspruchsvermittelndes volljähriges Kind (Pflegebefohlenen) direkt auf das Konto des Kindes (Pflegebefohlenen) ausgezahlt wird (§ 14 FLAG).
Ad objektive Rückzahlungspflicht:
Da über die Zuerkennung von Familienbeihilfe kein Bescheid erlassen wird, kann innerhalb der Verjährungsfrist zu Unrecht bezogene Familienbeihilfe zurückgefordert werden, ohne dass es besonderen Voraussetzungen bedarf. Stellt sich, wie im verfahrensgegenständlichen Fall, bei der Überprüfung heraus, dass in der Vergangenheit Familienbeihilfe zu Unrecht ausbezahlt wurde, ist ein Rückforderungsbescheid gem. § 26 Abs. 1 FLAG zu erlassen. Aus § 26 Abs. 1 FLAG ergibt sich eine rein objektive Rückzahlungspflicht desjenigen, der die Familienbeihilfe zu Unrecht bezogen hat (vgl. etwa VwGH 20.12.1968, 0486/68; 9.6.1978, 1019/77; 28.2.2008, 2006/15/0076; 22.4.2009, 2008/15/0323; 8.7.2009, 2009/15/0089; 28.10.2009, 2008/15/0329; 29.9.2010, 2007/13/0120; 19.12.2013, 2012/16/0047). Diese objektive Erstattungspflicht hat zur Folge, dass der Behörde, sobald die Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug von FB nicht mehr gegeben sind, hinsichtlich der Rückforderung von bereits bezogener FB kein Ermessensspielraum bleibt (vgl. BFG 13.6.2018, RV/7104954/2017).
Alleine die objektive Rechtswidrigkeit (§ 26 Abs. 1 FLAG) - das Fehlen der Anspruchsvoraussetzungen für den Leistungsbezug von Familienbeihilfe und den Kinderabsetzbetrag - ist entscheidend (vgl. etwa VwGH 10.12.1997, 97/13/0185; 22.4.1998, 98/13/0067). Gutgläubiger Empfang wie auch die Verwendung der Familienbeihilfe, sind nach ständiger Judikatur des VwGH für die Verpflichtung zur Rückerstattung unrechtmäßiger Beihilfenbezüge unerheblich (vgl. etwa VwGH 20.12.1968,0486/68; 10.12.1997, 97/13/0185; 31.10.2000, 2000/15/0035; 3.8.2004, 2001/13/0048; 23.9.2005, 2005/15/0080; 18.4.2007, 2006/13/0174; 19.12.2013, 2012/16/0047). Die Rückforderung gem. § 26 Abs. 1 bis 3 FLAG stellt keine Ermessensentscheidung dar. Billigkeitsüberlegungen sind im Rückforderungsverfahren nach § 26 Abs. 1 bis 3 leg. cit. vom Finanzamt oder vom BFG nicht anzustellen (vgl. BFG 24.4.2017, RV/7105636/2015 und 20.6.2016, RV/7100264/2016, jeweils unter Hinweis auf VwGH 20.2.2008, 2006/15/0076).
Der Umstand, dass die Behörde nach Prüfung des Sachverhalts FB ausbezahlt hat, steht einer Rückforderung nach § 26 leg. cit. FLAG nicht entgegen.
Ad Verjährung:
Nach § 208 Abs. 1 lit. c BAO beginnt die Verjährung in den Fällen des § 207 Abs. 4 BAO mit dem Ablauf des Jahres, in dem die rückzufordernden Beihilfen, Erstattungen, Vergütungen oder Abgeltungen geleistet wurden (vgl. BFG 22.3.2018, RV/7103009/2015). Gemäß § 207 Abs. 4 BAO verjährt das Recht, die Rückzahlung zu Unrecht bezogener Beihilfen zu fordern, in fünf Jahren (vgl. Wanke in Lenneis/Wanke (Hrsg), FLAG, 2. Aufl. 2020, § 26, II. Systematik der Auszahlung von FB Rz 39 f). Die Rückforderung erfolgte im Rahmen der fünfjährigen Verfahrungsfrist ab 01.01.2014. Für den verfahrensgegenständlichen Fall, hinsichtlich des Jahres 2014, mit Ablauf des 31.12.2014.
Es wird der Antrag gestellt, das Bundesfinanzgericht möge den Ausführungen im Sinne der Beschwerdevorentscheidung vom 26.03.2020 folgen, und die Bescheidbeschwerde als unbegründet abweisen.
Bericht des Finanzamts vom 28.12.2020
Über Nachfrage des Bundesfinanzgerichts gab das Finanzamt bekannt, dass die Aussetzung der Einhebung verfügt worden sei. Derzeit sei ein Betrag von € 24.330,51 ausgesetzt:
[Grafik]
Bericht des Finanzamts an das Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend
Über Anregung des Bundesfinanzgerichts berichtete das Finanzamt am 20.1.2021 dem damaligen Bundesministerium für Arbeit, Familie und Jugend und führte aus:
Herr ***1*** ***2*** hat, in seiner Beschwerde vom 24.06.2019, vertreten durch Hr. RA Dr. ***18*** ***17***, ***20***, A-***19***, gegen den Bescheid über die Rückforderung zu Unrecht bezogener Beträge vom 31.05.2019 auch einen Antrag gem. § 26 Abs 4 FLAG gestellt.
Die Beschwerde vom 24.06.2019 wurde in casu ***1*** ***2*** (SVNr: ***7***) als unbegründet abgewiesen sowie im Falle der sog. Zweitbeschwerdeführerin ***5***-***6*** ***2*** (SVNr.: ***10***) als unzulässig zurückgewiesen.
Folglich wurde die Beschwerde im Fall ***2*** am 23.12.2020 an das Bundesfinanzgericht vorgelegt (siehe BFG unter RV/7104918/2020).
Dazu wird ausgeführt:
§ 26 Abs. 4 FLAG 1967 lautet: "Die Oberbehörden sind ermächtigt, in Ausübung des Aufsichtsrechtes die nachgeordneten Abgabenbehörden anzuweisen, von der Rückforderung des unrechtmäßigen Bezuges abzusehen, wenn die Rückforderung unbillig wäre."
Die Sonderregelung des § 26 Abs. 4 leg. cit. berechtigt die Oberbehörde zur Anweisung an die nachgeordnete Abgabenbehörde, von der Rückforderung des unrechtmäßigen Bezuges von Familienbeihilfe abzusehen, sofern im konkreten Fall die Rückforderung unbillig wäre. Der Rückforderungsbescheid war jedoch bei Einlangen des Antrages bereits erlassen und ist im Zuge des Beschwerdeverfahrens vom Finanzamt mit Beschwerdevorentscheidung (siehe Beilagen) als unbegründet abgewiesen - sowie in casu ***5***-***6*** ***2*** als unzulässig zurückgewiesen - worden.
Da Stoll die Ansicht vertritt, dass diese Sonderbestimmung des § 26 Abs. 4 FLAG 1967 die Oberbehörde berechtigt, sowohl von der Festsetzung als auch von der Eínhebung (z.B. § 231 BAO) des einzubringenden Betrages an zu Unrecht bezogener FB abzusehen, wird zur wirtschaftlichen Lage (im verfahrensgegenständlichen Zeitraum 2014 bis 2019) des Herrn ***1*** ***2*** ausgeführt:
Im Jahr 2014 betrug der Gesamtbetrag der Einkünfte EUR 35.899,13 - zzgl. einer Gutschrift aus der Arbeitnehmerveranlagung 2014 iHv. EUR 1.570,00 - verbleiben ihm im Jahr 2014 EUR 37.469,13.
Im Jahr 2015 betrug der Gesamtbetrag der Einkünfte EUR 46.891,41 abzüglich EUR 1.331,00 Einkommensteuer - verbleiben ihm im Jahr 2015 EUR 45.560,41.
Im Jahr 2016 betrug der Gesamtbetrag der Einkünfte EUR 58.498,47 - abzüglich EUR 5.781,00 Einkommensteuer - verbleiben ihm im Jahr 2016 EUR 52.717,47.
Im Jahr 2017 betrug der Gesamtbetrag der Einkünfte EUR 61.058,33 - abzüglich EUR 5.096,00 Einkommensteuer - verbleiben ihm im Jahr 2017 EUR 55.962,33.
Im Jahr 2018 betrug der Gesamtbetrag der Einkünfte EUR 59.664,04 abzüglich EUR 5.445,00 Einkommensteuer - verbleiben ihm im Jahr 2018 EUR 54.219,04.
Im Jahr 2019 betrug der Gesamtbetrag der Einkünfte EUR 86.570,37 - abzüglich EUR 15.161,00 Einkommensteuer - verbleiben ihm im Jahr 2019 EUR 71.409,37.
Für das Jahr 2020 sind noch keine Daten vorliegend.
Nach Grundbesitzinformationssystem ist Herr ***1*** ***2*** Alleineigentümer von vier unbebauten Grundstücken mit einer Gesamtfläche von 858 m2 (***39***) sowie eines weiteren bebauten Grundstückes, respektive eines Einfamilienhauses mit einer Grundstücksfläche von 296 m2, zuzüglich eines Gartens (156 m2) in der ***40***. Darüber hinaus ist Herr ***2*** grundbücherlicher Miteigentümer der Liegenschaft mit der Einlagenzahl ***41*** samt Wohnungseigentum an einer 3-Zimmerwohnung von insgesamt ca. 91 m2.
Die über § 206 BAO hinausgehende Sonderregelung des § 26 Abs. 4 FLAG 1967 berechtigt nur unter gewissen Voraussetzungen die Oberbehörde zur Anweisung an die nachgeordnete Abgabenbehörde, von der Rückforderung des unrechtmäßigen Bezuges von Familienbeihilfe abzusehen, und zwar nur wenn die Rückforderung unbillig wäre.
Nach der ständigen Rsp. des VwGH besteht auf die Ausübung des Aufsichtsrechtes kein Rechtsanspruch (vgl. etwa VwGH 16.2.1988, 85/14/0130; 13.3.1991, 90/13/0241; 22.4.1998, 98/13/0067 oder 21.10.1999, 97/15/0196; 23.9.2005, 2005/15/0080). Das Unterlassen von auf die Ausübung des Aufsichtsrechtes gerichteten Maßnahmen begründet daher auch keinen im Rahmen einer Bescheidbeschwerde vor dem VwG oder einer Revision vor dem VwGH erfolgreich geltend zu machenden Verfahrensmangel (vgl. VwGH 28.10.2009, Seite 448 Seite 449 Seite 449 2009/15/0042; 22.4.2009, 2008/15/0323; 27.8.2008, 2006/15/0080; 20.2.2008, 2006/15/0076; 18.4.2007, 2006/13/0174).
Den zitierten Erkenntnissen des VwGH lagen jeweils vom Finanzamt erlassene und im Instanzenzug angefochtene Rückforderungsbescheide zu Grunde, in denen das Unterlassen von Maßnahmen in Ausübung des Aufsichtsrechtes als Verfahrensmangel gerügt wurde.
Im Zusammenhang mit der Rückforderung zu Unrecht bezogener Familienbeihilfe ist auszuführen, dass als mögliche Billigkeitsmaßnahme eine Abstandnahme von der Rückforderung oder eine Nachsicht nach § 236 der Bundesabgabenordnung vorgesehen ist.
Zur rechtlichen Darlegungen des Finanzamtes und des Beschwerdeführers wird auf verfahrensgegenständliche Beilagen verwiesen.
Beilagen:
- Rückforderungsbescheid vom 31.05.2019,
- Beschwerde vom 24.06.2019,
- Beschwerdevorentscheidungen vom 26.03.2020,
- Vorlageantrag vom 01.04.2020
Vorlagebericht vom 21.1.2021
Mit Bericht vom 21.1.2021 legte das Finanzamt Österreich, Dienststelle Weinviertel (FA22) die Beschwerde der ***5*** ***6*** ***2*** dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor (RV/710053/2021) und führte unter anderem aus:
Bezughabende Normen
§ 2 Abs. 1 lit. c, h, § 5 Abs. 1, § 8 Abs. 5, § 8 Abs. 6, § 8 Abs. 6a, § 10 Abs. 2, § 13, § 25, § 26 Abs. 1 FLAG 1967 und § 29 Abs. 1 FLAG 1967 iVm § 33 Abs. 3 EStG 1988, § 260 BAO
Sachverhalt und Anträge
Sachverhalt:
Am 1.8.2011 wurde erstmals durch den Bf., Herrn ***1*** ***2***, erhöhte Familienbeihilfe für seine pflegebefohlene Nichte ***5***-***6*** ***2*** beantragt. Am 30.8.2011, 22.11.2012, 04.03.2014 sowie am 14.01.2019 wurde seitens des Bf. ***1*** ***2*** der Antrag auf unbefristete Verlängerung erhöhter Familienbeihilfe gestellt und als Verwandtschaftsverhältnis in allen Anträgen "Pflegekind mit erheblicher Behinderung" angeführt. Des Weiteren wurde jeweils angegeben, dass die pflegebefohlene ***5***-***6*** haushaltszugehörig ist und der Unterhalt überwiegend vom Bf. ***1*** ***2*** getragen wird. Die Eingabe auf Änderung des Nachnamens der Pflegebefohlenen von ***14*** in ***2*** erfolgte am 06.08.2012. Mit der Urkunde des Bezirksgericht ***30*** vom 25.02.2015 wurde der Bf. ***1*** ***2*** gem. § 268 ABGB zum Sachwalter (nunmehr Erwachsenenvertreter) bestellt. Der Wirkungsbereich erstreckte sich auf alle Angelegenheiten, davon ausgenommen waren lediglich die rechtsgeschäftliche Vertretung bei Geschäften des täglichen Lebens aus vorgegebenen Wirtschaftsgeld. Die erhöhte Familienbeihilfe für die volljährige Pflegebefohlene wurde vom Bf. ***1*** ***2*** für den Zeitraum Juli 2011 bis Mai 2019 bezogen. Im Zuge der Überprüfung des Verlängerungsantrages wurde festgestellt, dass ***5***-***6*** ***2*** in den Kalenderjahren 2014 bis 2019 ein zu versteuerndes Einkommen gem. § 33 Abs. 1 EStG von weit mehr als 10.000 € bezogen hat. Mit dem Rückforderungsbescheid vom 29.05.2019 wurde ***1*** ***2*** verpflichtet, die zu Unrecht bezogenen Beihilfenbeträge betreffend seiner Pflegebefohlenen ***5***-***6*** ***2*** für den Zeitraum Jänner 2014 bis Mai 2019 zurückzuzahlen. Gegen diesen Bescheid wurde fristgerecht, am 24.06.2016, Beschwerde durch ***1*** ***2*** und ***5***-***6*** ***2*** eingebracht.
Liegt in einem Kalenderjahr ein zu versteuerndes Einkommen gem. § 33 Abs. 1 EStG eines Kindes (Pflegebefohlenen) von mehr als 10.000 € vor, so führt dies zum Wegfalls der Anspruchsvoraussetzungen und in Folge dessen, steht für das gesamte Kalenderjahr keine Familienbeihilfe zu (§ 5 Abs. 1 FLAG). Die Einkommensgrenze von 10.000 € ist nicht zu aliquotieren und gilt unabhängig von der Dauer des Familienbeihilfenanspruches in einem Kalenderjahr. Festzuhalten ist, dass der Grenzbetrag einen Jahresbetrag darstellt, der auch für ein erheblich behindertes Kind gilt (§ 8 Abs. 4 FLAG). ***5***-***6*** ***2*** hat ab ***12*** beihilfenschädliches Einkommen bezogen und den beihilfeschädlichen Grenzbetrag von 10.000 € weit überschritten (alle ESt-Bescheide 2014-2019 wurden rechtskonform z. Hd. ***1*** ***2*** als gesetzlichen Vertreter zugestellt). Laut Lohnzettel-Auskunft beträgt das zu versteuernde Einkommen konkret:
- für das Jahr 2014: 14.232,69 €
- für das Jahr 2015: 19.206,77 €
- für das Jahr 2016: 21.496,52 €
- für das Jahr 2017: 18.537,86 €
- für das Jahr 2018: 19.506,11 €
- für das Jahr 2019: 20.334,55 €
Ad Verfahrenslegitimation:
Die Rückforderung richtet sich an den Bf. ***1*** ***2*** als Beihilfenbezieher, da dieser zu Unrecht Familienbeihilfe bezogen hat und gegen die Meldepflicht (§ 25 FLAG) verstoßen hat. Dies gilt auch für jene Fälle, in denen die Familienbeihilfe und der Kinderabsetzbetrag für ein anspruchsvermittelndes volljähriges Kind (Pflegebefohlenen) direkt auf das Konto des Kindes (Pflegebefohlenen) ausgezahlt wird (§ 14 FLAG).
Herr ***1*** ***2*** war als Beihilfenbezieher der alleinige Bescheidadressat gegenständlicher Rückforderung. Ergänzend dazu und davon zu differenzieren ist seine Rechtsposition als gerichtlicher Erwachsenenvertreter im gegenständlichen Verfahren.
Aus oben ausgeführten Gründen war/ist Frau ***5***-***6*** ***2*** zu keinem Zeitpunkt rechtsmittellegitimiert gewesen (mangelnde Beschwerdebefugnis der Einschreiterin iSd § 260). Daher war die Beschwerde von Fr. ***5***-***2*** als unzulässig zurückzuweisen und die Beschwerde des ***1*** ***2*** als unbegründet abzuweisen (siehe dazu Ausführungen des Finanzamtes in der Vorlage zu RV/7104918/2020).
Beweismittel:
Siehe vorgelegte Aktenstücke des verfahrensgegenständlichen Beschwerdeaktes. Es wird darauf hingewiesen, dass ein physischer Papierakt vorhanden ist, der auf Wunsch vorgelegt werden könnte. Darüber hinaus wird auf die Ausführungen im verbundenen Fall ***1*** ***2*** (siehe Vorlage v. 23.12.2020 zu RV/7104918/2020) verwiesen.
Stellungnahme:
Ad Wegfall der Anspruchsvoraussetzungen:
Liegt in einem Kalenderjahr ein zu versteuerndes Einkommen gem. § 33 Abs. 1 EStG eines Kindes (Pflegebefohlenen) von mehr als 10.000 € vor, so führt dies zum Wegfalls der Anspruchsvoraussetzungen und in Folge dessen, steht für das gesamte Kalenderjahr keine Familienbeihilfe zu (§ 5 Abs. 1 FLAG). Die Einkommensgrenze von 10.000 € ist nicht zu aliquotieren und gilt unabhängig von der Dauer des Familienbeihilfenanspruches in einem Kalenderjahr. Festzuhalten ist, dass der Grenzbetrag einen Jahresbetrag darstellt, der auch für ein erheblich behindertes Kind gilt (§ 8 Abs. 4 FLAG).
***5***-***6*** ***2*** hat ab ***12*** beihilfenschädliches Einkommen bezogen und den beihilfeschädlichen Grenzbetrag von 10.000 € weit überschritten. Laut Lohnzettel-Auskunft beträgt das zu versteuernde Einkommen konkret:
- für das Jahr 2014: 14.232,69 €
- für das Jahr 2015: 19.206,77 €
- für das Jahr 2016: 21.496,52 €
- für das Jahr 2017: 18.537,86 €
- für das Jahr 2018: 19.506,11 €
- für das Jahr 2019: 20.334,55 €
Die Rückforderung richtet sich an den im Spruch genannten Bescheidadressaten ***1*** ***2*** als Beihilfenbezieher, da dieser zu Unrecht Familienbeihilfe bezogen hat und gegen die Meldepflicht (§ 25 FLAG) verstoßen hat. Dies gilt auch für jene Fälle, in denen die Familienbeihilfe und der Kinderabsetzbetrag für ein anspruchsvermittelndes volljähriges Kind (Pflegebefohlenen) direkt auf das Konto des Kindes (Pflegebefohlenen) ausgezahlt wird (§ 14 FLAG).
Es wird der Antrag gestellt, das Bundesfinanzgericht möge den Ausführungen im Sinne der Beschwerdevorentscheidungen vom 26.03.2020 (zu ***7***) folgen, und die gegenständliche Bescheidbeschwerde von ***5***-***6*** ***2*** als unzulässig zurückweisen (mangelnde Beschwerdelegitimation iSd § 260 BAO) und die Beschwerde des ***1*** ***2*** (verbundener Fall ad RV/7104918/2020) als unbegründet abweisen.
Akteninhalt
In dem zu RV/7100053/2021 vorgelegtem elektronischen Akt ist ergänzend zu dem zu RV/7104918/2020 vorgelegten Akt enthalten:
Einkommensteuerbescheide
Einkommensteuerbescheide für ***5*** ***6*** ***2***:
Einkommensteuerbescheid 2014 vom 27.4.2015: Einkommen: € 15.158,31
Einkommensteuerbescheid 2015 vom 20.6.2016: Einkommen: € 19.014,77
Einkommensteuerbescheid 2016 vom 8.8.2017: Einkommen: € 19.024,52
Einkommensteuerbescheid 2017 vom 28.3.2018: Einkommen: € 14.615,63
Einkommensteuerbescheid 2018 vom 30.4.2019: Einkommen: € 18.204,15
Einkommensteuerbescheid 2019 vom 11.2.2020: Einkommen: € 16.699,55.
Korrespondenz mit dem rechtsfreundlichen Vertreter
Das Bundesfinanzgericht brachte dem rechtsfreundlichen Vertreter mit E-Mail vom 22.1.2021 der dem Bundesfinanzgericht übermittelte Bericht des Finanzamts Österreich an seine Oberbehörde zur Kenntnis. Mit E-Mail vom 22.1.2021 gab der rechtsfreundliche Vertreter bekannt:
In obiger Beschwerdesache danke ich für Ihr heutiges unten ersichtliches Email vom 22.01.2021 samt dem beiliegenden Schreiben der belangten Behörde, des FINANZAMTES ÖSTERREICH, Dienststelle Weinviertel (FA22), Hrn. Mag. ***42*** ***43***, an das BUNDESMINISTERIUM für Arbeit, Familie und Jugend, Abteilung III/1, z. Hd. Hrn. MR Dr. ***44*** ***45***, vom 20.01.2021 bezüglich den Antrag gemäß § 26 Abs. 4 FLAG 1967 der beiden Beschwerdeführer bzw. meiner beiden Mandanten, Frau ***5***-***6*** ***2*** (Versicherungsnummer: ***10***) und Herrn ***1*** ***2*** (Versicherungsnummer: ***7***), wobei ich mir diesbezüglich auftragsgemäß erlaube folgendes richtig zu stellen:
Die belangte Behörde, FINANZAMTES ÖSTERREICH, Dienststelle Weinviertel (FA22), verkennt offenbar wider besseres Wissen, dass die verfahrensgegenständliche Familienbeihilfe samt Kinderabsetzbetrag von Frau ***5***-***6*** ***2*** bezogen wurde und von Herrn ***1*** ***2*** lediglich als deren gerichtlich bestellter Erwachsenenvertreter infolge deren geistiger Behinderung beantragt wurde.
Insofern ist bezüglich des Antrages gemäß § 26 Abs. 4 FLAG 1967 auch lediglich das Einkommen und Vermögen der Frau ***5***-***6*** ***2*** relevant (welche aufgrund ihrer geistigen Behinderung lediglich über ein geringes Einkommen verfügt und keinerlei Vermögen hat!) und daher ausdrücklich nicht das Einkommen und Vermögen des Herr ***1*** ***2*** als deren gerichtlich bestellter Erwachsenenvertreter, zumal dieser auch lediglich der Onkel der betroffenen Person ist!
Das Bundesfinanzgericht möge daher die belangte Behörde, das FINANZAMT ÖSTERREICH, Dienststelle Weinviertel (FA22), Hrn. Mag. ***42*** ***43***, anweisen das beiliegende unrichtige Schreiben an das BUNDESMINISTERIUM für Arbeit, Familie und Jugend, Abteilung III/1, z. Hd. Hrn. MR Dr. ***44*** ***45***, entsprechend richtig zu stellen.
Für etwaige Rückfragen steht Ihnen meine Rechtsanwaltskanzlei selbstverständlich gerne telefonisch zur Verfügung.
Die Richterin antwortete am selben Tag:
Die Frage, ob Bezieher der zurückgeforderten Familienbeihilfe Herr ***1*** ***2*** oder Frau ***5***-***6*** ***2*** war, ist bekanntlich Gegenstand des hier zu der Zahl RV/7104562/2020 (***1*** ***2***) anhängigen Bescheidbeschwerdeverfahrens.
Das Bundesfinanzgericht wird diese Frage bei Erledigung der Bescheidbeschwerde entscheiden.
Ich bitte um Verständnis, dass dies angesichts des Umstands, dass diese Bescheidbeschwerde dem Bundesfinanzgericht am 23.12.2020 vorgelegt wurde und in meiner Gerichtsabteilung eine Vielzahl an Verfahren älteren Datums anhängig sind, noch dauern wird. Ich habe zur Vermeidung von Verzögerungen lediglich formlos veranlasst, dass Ihrem Wunsch, das Finanzamt möge die Oberbehörde informieren, vom Finanzamt nachgekommen wird.
Es steht Ihnen frei, der Oberbehörde des Finanzamts von sich aus Ihre Rechtsansicht oder allfällige Tatsachen, wie die Einkommens- und Vermögensverhältnisse von ***5***-***6*** ***2***, mitzuteilen.
Ergänzung des rechtsfreundlichen Vertreters vom 26.1.2021
Der rechtsfreundliche Vertreter übermittelte die vorstehende Korrespondenz mit E-Mail vom 26.1.2021 Ministerialrat Dr. ***44*** ***45*** und gab an:
In obiger Beschwerdesache nehme ich Bezug auf das beiliegende Schreiben der belangten Behörde, des FINANZAMTES ÖSTERREICH, Dienststelle Weinviertel (FA22), Hrn. Mag. ***42*** ***43***, an das BUNDESMINISTERIUM für Arbeit, Familie und Jugend, Abteilung III/1, z. Hd. Hrn. MR Dr. ***44*** ***45***, vom 20.01.2021 sowie die unten ersichtliche Email-Korrespondenz mit dem BUNDESFINANZGERICHT (Frau Rat Elisabeth WANKE) vom 22.01.2021 und übersende Ihnen diesbezüglich nunmehr hinsichtlich des Antrages gemäß § 26 Abs. 1 Zif. 4 FLAG 1967 der Vollständigkeit halber in der Beilage die seinerzeitige Beschwerde meiner Rechtsanwaltskanzlei vom 24.06.2019 samt 3 Beilagen zur gefälligen Kenntnisnahme und weiteren Verwendung.
Diesbezüglich halte ich daher abermals der guten Ordnung halber fest, dass bezüglich des Antrages gemäß § 26 Abs. 1 Zif. 4 FLAG 1967 richtigerweise lediglich das Einkommen und Vermögen der Frau ***5***-***6*** ***2*** heranziehen ist, zumal Herr ***1*** ***2*** nur deren gerichtlich bestellter Erwachsenenvertreter ist.
Für etwaige Rückfragen steht Ihnen meine Rechtsanwaltskanzlei selbstverständlich gerne telefonisch zur Verfügung.
Schreiben des Bundeskanzleramts vom 8.4.2021
Das Bundeskanzleramt, Bundesministerin für Frauen, Familie, Jugend und Integration, schrieb dem rechtsfreundlichen Vertreter zur Geschäftszahl 2021-0.065.369 am 8.4.2021:
***1*** bzw. ***5***-***6*** ***2***; Antrag gemäß § 26 Abs. 4 FLAG 1967
Sehr geehrter Herr RA Dr. ***17***!
In der Familienbeihilfenangelegenheit von Frau ***5***-***6*** bzw. Herrn ***1*** ***2***, ersuchten Sie um Prüfung und Mitteilung, ob die Voraussetzungen für die Erteilung einer Nachsicht der Abgabenschuldigkeit gemäß § 26 Abs. 4 FLAG 1967 iVm. § 236 Bundesabgabenordnung möglich sei.
Dazu teilt Ihnen die Fachabteilung des Bundeskanzleramtes Nachstehendes mit:
Nach Abschluss der Überprüfung und rechtlichen Würdigung wird festgestellt, dass das ho. Ressort unzuständig ist und für den Antrag die Abgabenbehörde erster Instanz zuständig ist.
Kein Verwaltungsakt betreffend Familienbeihilfe an ***5*** ***6*** ***2***
Aus dem elektronischen Beihilfeprogramm FABIAN ergibt sich, dass für ***5*** ***6*** ***2*** als Antragstellerin und Bezieherin von Familienbeihilfe kein Verwaltungsakt geführt wird. Als antragstellende Person scheint unter Bezugnahme auf die Sozialversicherungsnummer von ***5*** ***6*** ***2*** nur ***1*** ***2*** auf:
[...]
Mitteilungen über den Bezug der Familienbeihilfe
Aus dem elektronischen Beihilfeprogramm FABIAN ergibt sich, dass an ***1*** ***2*** folgende Mitteilungen des Finanzamts über den Bezug der Familienbeihilfe für ***5***-***6*** ***2*** ergangen sind:
10.6.2014: Familienbeihilfe wird von Juli 2011 bis Juni 2019 gewährt, Anmerkung: erhöht:
[...]
31.5.2019: Familienbeihilfe wird von Juli 2011 bis Dezember 2013 gewährt, Anmerkung: erhöht:
[...]
Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
Sachverhalt
Das Finanzamt erließ mit Datum 31.5.2019 gegenüber ***1*** ***2***, Sozialversicherungsnummer ***7***, einen Bescheid, mit welchem Familienbeihilfe (€ 20.320,80) und Kinderabsetzbetrag (€ 3.796,00) für die im Februar 1991 geborene ***5***-***6*** ***2*** für den Zeitraum Jänner 2014 bis Mai 2019 gemäß § 26 Abs. 1 FLAG 1967 und § 33 Abs. 3 EStG 1988 zurückgefordert wurde (Gesamtrückforderungsbetrag € 24.116,80), da das Einkommen von ***5***-***6*** ***2*** in diesem Zeitraum jeweils die Einkommensgrenze des § 5 Abs. 1 FLAG 1967 überschritten habe. Dieser Bescheid wurde ***1*** ***2******4*** am 4.6.2019 zugestellt.
Gegen den Rückforderungsbescheid vom 31.5.2019 erhoben mit Telefax ihres rechtsfreundlichen Vertreters vom 24.6.2019 1. ***1*** ***2***, Sozialversicherungsnummer ***7***, wohnhaft ***3***, ***4***, "als gerichtlich bestellter Erwachsenenvertreter bzw. Sachwalter der betroffenen Person bzw. Zweitbeschwerdeführerin des Bezirksgerichtes ***30*** zu 77 P ***9*** i)" sowie 2. ***5***-***6*** ***2***, Sozialversicherungsnummer ***10***, ebendort, "als betroffene Person" Beschwerde mit dem Antrag, diesen ersatzlos aufzuheben.
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 26.3.2020 wies das Finanzamt die Beschwerde von ***1*** ***2*** als unbegründet ab, da dieser Bezieher der Familienbeihilfe gewesen sei und das Einkommen des Kindes die Einkommensgrenze überschritten habe.
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 26.3.2020 wies das Finanzamt die Beschwerde der ***5***-***6*** ***2*** gegen den Rückforderungsbescheid vom 31.5.2019 wird § 260 Abs. 1 lit. a BAO i. V. m. § 262 BAO als unzulässig zurück, da an diese der Rückforderungsbescheid vom 31.5.2019 nicht ergangen sei.
Mit Telefax vom 1.4.2020 stellten 1. ***1*** ***2*** und 2. ***5***-***6*** ***2*** Vorlageantrag.
Mit Bericht vom 23.12.2020 legte das Finanzamt Gänserndorf Mistelbach die Beschwerde des ***1*** ***2*** dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor, mit Bericht vom 21.1.2021 das Finanzamt Österreich, Dienststelle Weinviertel (FA22) die Beschwerde der ***5*** ***6*** ***2***.
Beweiswürdigung
Die getroffenen Feststellungen ergeben sich aus der Aktenlage und sind unstrittig.
Der Beweisantrag, ***1*** ***2*** als Partei zu vernehmen, bezieht sich auf die Frage, ob dieser oder ***5***-***6*** ***2*** Bezieher der zurückgeforderten Familienleistungen war. Diese Frage ist jedoch im Verfahren, ob ***5***-***6*** ***2*** Adressatin des Rückforderungsbescheids war, unerheblich. Dass der Rückforderungsbescheid nur an ***1*** ***2*** adressiert war, ist nicht strittig und ergibt sich auch aus diesem Bescheid. Dem Beweisantrag auf Einvernahme von ***1*** ***2*** ist daher in diesem Verfahren gemäß § 183 Abs. 3 BAO mangels Erheblichkeit nicht nachzukommen.
Rechtsgrundlagen
Bundesabgabenordnung
§ 2 lit. a BAO lautet:
§ 2. Die Bestimmungen dieses Bundesgesetzes gelten, soweit sie hierauf nicht unmittelbar anwendbar sind und nicht anderes bestimmt ist, sinngemäß in Angelegenheiten
a) der von den Abgabenbehörden des Bundes zuzuerkennenden oder rückzufordernden bundesrechtlich geregelten
1. Beihilfen aller Art und
2. Erstattungen, Vergütungen und Abgeltungen von Abgaben und Beiträgen;
§ 2a BAO lautet:
§ 2a. Die Bestimmungen dieses Bundesgesetzes gelten sinngemäß im Verfahren vor den Verwaltungsgerichten, soweit sie im Verfahren der belangten Abgabenbehörde gelten. In solchen Verfahren ist das Verwaltungsgerichtsverfahrensgesetz (VwGVG) nicht anzuwenden. § 54 VwGVG gilt jedoch sinngemäß für das Verfahren der Verwaltungsgerichte der Länder.
§ 4 Abs. 1 BAO lautet:
§ 4. (1) Der Abgabenanspruch entsteht, sobald der Tatbestand verwirklicht ist, an den das Gesetz die Abgabepflicht knüpft.
§ 6 BAO lautet:
§ 6. (1) Personen, die nach Abgabenvorschriften dieselbe abgabenrechtliche Leistung schulden, sind Gesamtschuldner (Mitschuldner zur ungeteilten Hand, § 891 ABGB.).
(2) Personen, die gemeinsam zu einer Abgabe heranzuziehen sind, sind ebenfalls Gesamtschuldner; dies gilt insbesondere auch für die Gesellschafter (Mitglieder) einer nach bürgerlichem Recht nicht rechtsfähigen Personenvereinigung (Personengemeinschaft) hinsichtlich jener Abgaben, für die diese Personenvereinigung (Personengemeinschaft) als solche abgabepflichtig ist.
§ 7 BAO lautet:
§ 7. (1) Personen, die nach Abgabenvorschriften für eine Abgabe haften, werden durch Geltendmachung dieser Haftung (§ 224 Abs. 1) zu Gesamtschuldnern.
(2) Persönliche Haftungen (Abs. 1) erstrecken sich auch auf Nebenansprüche (§ 3 Abs. 1 und 2).
§ 9 BAO lautet:
§ 9. (1) Die in den §§ 80 ff. bezeichneten Vertreter haften neben den durch sie vertretenen Abgabepflichtigen für die diese treffenden Abgaben insoweit, als die Abgaben infolge schuldhafter Verletzung der den Vertretern auferlegten Pflichten nicht eingebracht werden können.
(2) Notare, Rechtsanwälte und Wirtschaftstreuhänder haften wegen Handlungen, die sie in Ausübung ihres Berufes bei der Beratung in Abgabensachen vorgenommen haben, gemäß Abs. 1 nur dann, wenn diese Handlungen eine Verletzung ihrer Berufspflichten enthalten. Ob eine solche Verletzung der Berufspflichten vorliegt, ist auf Anzeige der Abgabenbehörde im Disziplinarverfahren zu entscheiden.
§ 80 Abs. 1 BAO lautet:
§ 80. (1) Die zur Vertretung juristischer Personen berufenen Personen und die gesetzlichen Vertreter natürlicher Personen haben alle Pflichten zu erfüllen, die den von ihnen Vertretenen obliegen, und sind befugt, die diesen zustehenden Rechte wahrzunehmen. Sie haben insbesondere dafür zu sorgen, daß die Abgaben aus den Mitteln, die sie verwalten, entrichtet werden.
§ 85 BAO lautet:
§ 85. (1) Anbringen zur Geltendmachung von Rechten oder zur Erfüllung von Verpflichtungen (insbesondere Erklärungen, Anträge, Beantwortungen von Bedenkenvorhalten, Rechtsmittel) sind vorbehaltlich der Bestimmungen des Abs. 3 schriftlich einzureichen (Eingaben).
(2) Mängel von Eingaben (Formgebrechen, inhaltliche Mängel, Fehlen einer Unterschrift) berechtigen die Abgabenbehörde nicht zur Zurückweisung; inhaltliche Mängel liegen nur dann vor, wenn in einer Eingabe gesetzlich geforderte inhaltliche Angaben fehlen. Sie hat dem Einschreiter die Behebung dieser Mängel mit dem Hinweis aufzutragen, daß die Eingabe nach fruchtlosem Ablauf einer gleichzeitig zu bestimmenden angemessenen Frist als zurückgenommen gilt; werden die Mängel rechtzeitig behoben, gilt die Eingabe als ursprünglich richtig eingebracht.
(3) Die Abgabenbehörde hat mündliche Anbringen der im Abs. 1 bezeichneten Art entgegenzunehmen,
a) wenn dies die Abgabenvorschriften vorsehen, oder
b) wenn dies für die Abwicklung des Abgabenverfahrens zweckmäßig ist, oder
c) wenn die Schriftform dem Einschreiter nach seinen persönlichen Verhältnissen nicht zugemutet werden kann.
Zur Entgegennahme mündlicher Anbringen ist die Abgabenbehörde nur während der für den Parteienverkehr bestimmten Amtsstunden verpflichtet, die bei der Abgabenbehörde durch Anschlag kundzumachen sind.
(4) Wird ein Anbringen (Abs. 1 oder 3) nicht vom Abgabepflichtigen selbst vorgebracht, ohne daß sich der Einschreiter durch eine schriftliche Vollmacht ausweisen kann und ohne daß § 83 Abs. 4 Anwendung findet, gelten für die nachträgliche Beibringung der Vollmacht die Bestimmungen des Abs. 2 sinngemäß.
(5) Der Einschreiter hat auf Verlangen der Abgabenbehörde eine beglaubigte Übersetzung einem Anbringen (Abs. 1 oder 3) beigelegter Unterlagen beizubringen.
§ 92 BAO lautet:
§ 92. (1) Erledigungen einer Abgabenbehörde sind als Bescheide zu erlassen, wenn sie für einzelne Personen
a) Rechte oder Pflichten begründen, abändern oder aufheben, oder
b) abgabenrechtlich bedeutsame Tatsachen feststellen, oder
c) über das Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverhältnisses absprechen.
(2) Bescheide bedürfen der Schriftform, wenn nicht die Abgabenvorschriften die mündliche Form vorschreiben oder gestatten.
§ 93 BAO lautet:
§ 93. (1) Für schriftliche Bescheide gelten außer den ihren Inhalt betreffenden besonderen Vorschriften die Bestimmungen der Abs. 2 bis 6, wenn nicht nach gesetzlicher Anordnung die öffentliche Bekanntmachung oder die Auflegung von Listen genügt.
(2) Jeder Bescheid ist ausdrücklich als solcher zu bezeichnen, er hat den Spruch zu enthalten und in diesem die Person (Personenvereinigung, Personengemeinschaft) zu nennen, an die er ergeht.
(3) Der Bescheid hat ferner zu enthalten
a) eine Begründung, wenn ihm ein Anbringen (§ 85 Abs. 1 oder 3) zugrunde liegt, dem nicht vollinhaltlich Rechnung getragen wird, oder wenn er von Amts wegen erlassen wird;
b) eine Belehrung, ob ein Rechtsmittel zulässig ist, innerhalb welcher Frist und bei welcher Behörde das Rechtsmittel einzubringen ist, ferner, daß das Rechtsmittel begründet werden muß und daß ihm eine aufschiebende Wirkung nicht zukommt (§ 254).
(4) Enthält der Bescheid keine Rechtsmittelbelehrung oder keine Angabe über die Rechtsmittelfrist oder erklärt er zu Unrecht ein Rechtsmittel für unzulässig, so wird die Rechtsmittelfrist nicht in Lauf gesetzt.
(5) Ist in dem Bescheid eine kürzere oder längere als die gesetzliche Frist angegeben, so gilt das innerhalb der gesetzlichen oder der angegebenen längeren Frist eingebrachte Rechtsmittel als rechtzeitig erhoben.
(6) Enthält der Bescheid keine oder eine unrichtige Angabe über die Abgabenbehörde, bei welcher das Rechtsmittel einzubringen ist, so ist das Rechtsmittel richtig eingebracht, wenn es bei der Abgabenbehörde, die den Bescheid ausgefertigt hat, oder bei der angegebenen Abgabenbehörde eingebracht wurde.
§ 96 BAO lautet:
§ 96. (1) Alle schriftlichen Ausfertigungen der Abgabenbehörden müssen die Bezeichnung der Behörde enthalten sowie mit Datum und mit der Unterschrift dessen versehen sein, der die Erledigung genehmigt hat. An die Stelle der Unterschrift des Genehmigenden kann, soweit nicht in Abgabenvorschriften die eigenhändige Unterfertigung angeordnet ist, die Beglaubigung treten, dass die Ausfertigung mit der genehmigten Erledigung des betreffenden Geschäftsstückes übereinstimmt und das Geschäftsstück die eigenhändig beigesetzte Genehmigung aufweist.
(2) Ausfertigungen, die mittels automationsunterstützter Datenverarbeitung erstellt werden, wozu jedenfalls auch Ausfertigungen in Form von mit einer Amtssignatur gemäß § 19 E Government Gesetz versehenen elektronischen Dokumenten zählen, bedürfen weder einer Unterschrift noch einer Beglaubigung und gelten, wenn sie weder eine Unterschrift noch eine Beglaubigung aufweisen, als durch den Leiter der auf der Ausfertigung bezeichneten Abgabenbehörde genehmigt. Ausfertigungen in Form von Ausdrucken von mit einer Amtssignatur versehenen elektronischen Dokumenten oder von Kopien solcher Ausdrucke brauchen keine weiteren Voraussetzungen erfüllen.
§ 97 BAO lautet:
§ 97. (1) Erledigungen werden dadurch wirksam, daß sie demjenigen bekanntgegeben werden, für den sie ihrem Inhalt nach bestimmt sind. Die Bekanntgabe erfolgt
a) bei schriftlichen Erledigungen, wenn nicht in besonderen Vorschriften die öffentliche Bekanntmachung oder die Auflegung von Listen vorgesehen ist, durch Zustellung;
b) bei mündlichen Erledigungen durch deren Verkündung.
(2) Ist in einem Fall, in dem § 191 Abs. 4 oder § 194 Abs. 5 Anwendung findet, die Rechtsnachfolge (Nachfolge im Besitz) nach Zustellung des Bescheides an den Rechtsvorgänger (Vorgänger) eingetreten, gilt mit der Zustellung an den Rechtsvorgänger (Vorgänger) auch die Bekanntgabe des Bescheides an den Rechtsnachfolger (Nachfolger) als vollzogen.
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Normen und Schlagworte
- § 98 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 224 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 243 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 248 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 257 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 26 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 25 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 278 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 246 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 258 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 260 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 262 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 263 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 264 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 267 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 281 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 2 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 5 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 10 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 11 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 12 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 26 Abs. 1 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 92 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 7 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 85 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 93 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 33 Abs. 3 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 260 Abs. 1 lit. a BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 5 Abs. 1 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 2 lit. a BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 2a BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 6 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 97 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 96 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Beschluss
- Geschäftszahl
- RV/7100053/2021
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2021:RV.7100053.2021
- Stammnummer
- 133839
- Gültig
- 24.06.2021 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF