Findok · UFS-Entscheidungen
UFSZ3K ZRV/0080-Z3K/03
Keine Säumniszinsen für bei Vorsteuerabzugsberechtigung nicht buchmäßig erfasste Einfuhrumsatzsteuer
geltende FassungBerufungsentscheidung - Zoll (Referent)ZRV/0080-Z3K/03vom 11.08.2003
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Wird eine Eingangsabgabenschuld - wie im Falle der Einfuhrumsatzsteuer nach § 72a ZollR-DG - nicht festgesetzt, so sind auch keine Zinsen im Sinne des § 108 Abs. 1 ZollR-DG festzusetzen (VwGH 20.12.2001, Zl. 200/16/0299, 26.6.2003, Zl. 2002/16/0301).
Wortlaut laut Findok
Berufungsentscheidung
Der
unabhängige Finanzsenat hat nach teilweiser Aufhebung der
Berufungsentscheidung des Berufungssenates II der Region Innsbruck bei der
Finanzlandesdirektion für Tirol mit Sitz in Salzburg vom 10. Oktober
2002, GZ. ZRV199/1-I2/00, durch das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes
vom 26. Juni 1003, Zl. 2002/16/0301-6, über die Beschwerde der
Bf. vom 9. Februar 2000 gegen den Bescheid (Berufungsvorentscheidung) des
Hauptzollamtes Wien vom 17. Jänner 2000, GZ. 100/66433/99,
betreffend Säumniszinsen, entschieden:
Der
Beschwerde wird insoweit, als die angefochtene Berufungsvorentscheidung die
Festsetzung von Zinsen betrifft, Folge gegeben.
Die
Säumniszinsen (ZN) betragen € 5.204,47 (ATS 71.615,00).
Rechtsbehelfsbelehrung
Gegen diese Entscheidung ist gemäß
§ 85c Abs. 8 Zollrechts-Durchführungsgesetz (ZollR-DG) iVm
§ 291 der Bundesabgabenordnung (BAO) ein ordentliches Rechtsmittel
nicht zulässig. Es steht Ihnen jedoch das Recht zu, innerhalb von sechs
Wochen nach Zustellung dieser Entscheidung eine Beschwerde an den
Verwaltungsgerichtshof oder den Verfassungsgerichtshof zu erheben. Die
Beschwerde an den Verfassungsgerichtshof muss - abgesehen von den gesetzlich
bestimmten Ausnahmen - von einem Rechtsanwalt unterschrieben sein. Die
Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof muss - abgesehen von den gesetzlich
bestimmten Ausnahmen - von einem Rechtsanwalt oder einem Wirtschaftsprüfer
unterschrieben sein.
Gemäß
§ 85c Abs. 7 ZollR-DG steht
der Berufungsbehörde der ersten Stufe das Recht zu, gegen diese
Entscheidung innerhalb von sechs Wochen nach Zustellung (Kenntnisnahme)
Beschwerde an den Verwaltungsgerichtshof zu erheben.
Entscheidungsgründe
Die Bf. meldete im Laufe des Jahres 1997 als indirekter
Vertreter der Firma Y.Ö. Waren (Obstlieferungen aus der Türkei)
zur Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr an.
Anlässlich einer abgabenbehördlichen Prüfung beim Empfänger
wurde festgestellt, dass die tatsächlichen Einfuhrpreise in vielen
Fällen von den angemeldeten Einfuhrpreisen abgewichen waren.
Mit gegenüber beiden Gesamtschuldnern erlassenem
Bescheid des Hauptzollamtes Wien vom 5. November 1999 wurde der
Differenzbetrag an Zoll (Z1) von insgesamt ATS 560.860,00 nacherhoben. Die
nachträgliche buchmäßige Erfassung der im Bescheid
ziffernmäßig ausgewiesenen Einfuhrumsatzsteuer (EU) unterblieb
gemäß
§ 72a ZollR-DG. Weiters wurden Säumniszinsen in
Höhe von ATS 94.872,00 (€ 6.894,62) festgesetzt, wobei aus
der im Bescheid enthaltenen Aufgliederung hervorgeht, dass die
Säumniszinsen sowohl von den Zoll- als auch den
Einfuhrumsatzsteuerbeträgen berechnet wurden. In der Begründung des
Bescheides wurde unter anderem ausgeführt, im Sinne des Auswahlermessens
erfolge die Vorschreibung an die Bf., da diese das größte
Naheverhältnis zum Entstehungsgrund der Zollschuld habe. Aus Gründen
der Zweckmäßigkeit und Gleichbehandlung werde die Abgabenschuld allen
Gesamtschuldnern zur Entrichtung vorgeschrieben.
In der am 22. November 1999 eingebrachten Berufung gegen
diesen Bescheid beantragte die Bf., die Abgabenschuld nur der
Firma Y.Ö. vorzuschreiben, da diese das größte
Naheverhältnis zur Entstehung der Nachforderungen habe.
Mit Berufungsvorentscheidung vom 17. Jänner 2000,
GZ. 100/66433/99, wurde die Berufung vom Hauptzollamt Wien als
unbegründet abgewiesen. Mit Schriftsatz vom 9. Februar 2000 wurde
gegen die Berufungsvorentscheidung Beschwerde erhoben.
Mit Schriftsatz vom 12. Juni 2001 teilte die Bf. der
Abgabenbehörde zweiter Instanz mit, dass über das Vermögen der
Firma Y.Ö. am 17. Mai 2001 das Konkursverfahren eröffnet
worden sei. Dem Schreiben war eine entsprechende Verständigung eines
Kreditschutzverbandes angeschlossen.
Die Beschwerde gegen die Berufungsvorentscheidung wurde vom
Berufungssenat II der Region Innsbruck bei der Finanzlandesdirektion Salzburg
vom 8. Oktober 2002, GZ. ZRV199/1-I2/00, zur Gänze als
unbegründet abgewiesen. Dagegen erhob die Bf. Beschwerde beim
Verwaltungsgerichtshof, worüber der Verwaltungsgerichtshof im Erkenntnis
vom 26. Juni 2003, Zl. 2002/16/0301-6, entschieden und erkannt hat, dass der bei
ihm angefochtene Bescheid insoweit, als er die Festsetzung von Zinsen betraf,
wegen Rechtswidrigkeit seines Inhaltes aufgehoben wurde. Im Übrigen hat der
Verwaltungsgerichtshof die Beschwerde als unbegründet
abgewiesen.
Durch das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes verblieb
die Beschwerde vom 9. Februar 2000 gegen die Berufungsvorentscheidung des
Hauptzollamtes Wien vom 17. Jänner 2000, GZ. 100/66433/99, in
bezug auf die Festsetzung der Säumniszinsen wiederum als unerledigt, und es
war hierüber neuerlich zu entscheiden.
Über
die Beschwerde wurde erwogen:
Der Verwaltungsgerichtshof hat - unter Hinweis auf sein
Erkenntnis vom 20. Dezember 2001, Zl. 2001/16/0299 - im
bezugsgegenständlichen Erkenntnis vom 26. Juni 2003,
Zl. 2002/16/0301, ausgeführt:
Wird eine Eingangsabgabenschuld nicht festgesetzt, so sind
auch keine Zinsen im Sinne des § 108 Abs. 1 ZollR-DG
festzusetzen. Im Bescheid des Hauptzollamtes Wien vom 5. November 1999,
GZ. 100/2857/98/009 waren Säumniszinsen auch für
Einfuhrumsatzsteuerbeträge, die nicht buchmäßig erfasst und
demnach auch nicht als Eingangsabgabenschuld festgesetzt worden waren, zur
Vorschreibung gebracht worden.
Im Sinne der Rechtssprechung des Verwaltungsgerichtshofes
hatte aber die Festsetzung von Säumniszinsen für die nicht
buchmäßig erfassten Einfuhrumsatzsteuerbeträge zu
unterbleiben.
Die angefochtene Berufungsvorentscheidung - deren Spruch im
Hinblick auf die im erstinstanzlichen Bescheid vorgenommene Aufteilung in
Zollbeträge einerseits und Zinsbeträge andererseits teilbar ist -
erweist sich somit insoweit als rechtswidrig, als sie die Vorschreibung der
Säumniszinsen betrifft.
Die Säumniszinsen (ZN) errechnen sich daher richtig
wie folgt:
|
1
Lfd.
Nr.
|
2
Z1
(Zoll)
ATS
|
3
ZN
(Zinsen) aus Z1 (Zoll)
ATS
|
4
EU
(Einfuhr-umsatzsteuer)
ATS
|
5
vor-
geschriebene
ZN
ATS
|
6
ZN
aus EU (Differenz)
ATS
|
1
|
0,00
|
0,00
|
+
1,104,00
|
177,00
|
177,00
|
2
|
1.035,00
|
166,00
|
+
121,00
|
185,00
|
19,00
|
3
|
21.210,00
|
3.290,00
|
-
1.618,00
|
3.290,00
|
0,00
|
4
|
60.538,00
|
8.052,00
|
-
13.622,00
|
8.052,00
|
0,00
|
5
|
72.476,00
|
9.640,00
|
-
250,00
|
9.640,00
|
0,00
|
6
|
72.476,00
|
9.640,00
|
-
10.294,00
|
9.640,00
|
0,00
|
7
|
0,00
|
0,00
|
-
1.818,00
|
0,00
|
0,00
|
8
|
0,00
|
0,00
|
+
31.755,00
|
4.224,00
|
4.224,00
|
9
|
66.081,00
|
8.497,00
|
-
4.564,00
|
8.497,00
|
0.00
|
10
|
0,00
|
0,00
|
+
11.401,00
|
1.466,00
|
1.466,00
|
11
|
0,00
|
0,00
|
+
5.369,00
|
690,00
|
690,00
|
12
|
3.283,00
|
422,00
|
-
276,00
|
422,00
|
0,00
|
13
|
23.323,00
|
2.999,00
|
-
3.042,00
|
2.999,00
|
0,00
|
14
|
1.153,00
|
148,00
|
-
535,00
|
148,00
|
0,00
|
15
|
21.678,00
|
2.787,00
|
+
14.221,00
|
4.616,00
|
1.829,00
|
16
|
12.872,00
|
1.597,00
|
+
8.595,00
|
2.664,00
|
1.067,00
|
17
|
4.768,00
|
592,00
|
+
3.307,00
|
1.002,00
|
410,00
|
18
|
6.994,00
|
868,00
|
-
5.265,00
|
868,00
|
0,00
|
19
|
3.174,00
|
394,00
|
+
2.267,00
|
675,00
|
281,00
|
20
|
3.516,00
|
436,00
|
+
2.191,00
|
708,00
|
272,00
|
21
|
22.309,00
|
2.769,00
|
-
105,00
|
2.769,00
|
0,00
|
22
|
15.916,00
|
1.975,00
|
-
3.985,00
|
1.975,00
|
0,00
|
23
|
17.131,00
|
2.050,00
|
-
3.250,00
|
2.050,00
|
0,00
|
24
|
3.511,00
|
420,00
|
-
129,00
|
420,00
|
0,00
|
25
|
20.405,00
|
2.441,00
|
-
1.440,00
|
2.441,00
|
0,00
|
26
|
2.755,00
|
330,00
|
+
1.994,00
|
569,00
|
238,00
|
27
|
9.777,00
|
1.170,00
|
+
6.593,00
|
1.959,00
|
789,00
|
28
|
1.292,00
|
154,00
|
+
1.026,00
|
277,00
|
123,00
|
29
|
7.865,00
|
941,00
|
+
5.345,00
|
1.581,00
|
640,00
|
30
|
2.258,00
|
270,00
|
+
1.686,00
|
472,00
|
202,00
|
31
|
1.790,00
|
214,00
|
+
1.382,00
|
380,00
|
166,00
|
32
|
2.111,00
|
237,00
|
+
1.591,00
|
426,00
|
189,00
|
33
|
20.757,00
|
2.391,00
|
+
13.730,00
|
3.972,00
|
1.581,00
|
34
|
18.600,00
|
2.143,00
|
+
14.615,00
|
3.826,00
|
1.683,00
|
35
|
10.379,00
|
1.195,00
|
+
8.238,00
|
2.144,00
|
949,00
|
36
|
28.910,00
|
3.330,00
|
+
22.612,00
|
5.934,00
|
2.604,00
|
37
|
0,00
|
0,00
|
+
16.509,00
|
1.828,00
|
1.828,00
|
38
|
0,00
|
0,00
|
+
6.370,00
|
705,00
|
705,00
|
39
|
0,00
|
0,00
|
-
2.928,00
|
0,00
|
0,00
|
40
|
0,00
|
0,00
|
-
861,00
|
0,00
|
0,00
|
41
|
0,00
|
0,00
|
+
1.230,00
|
136,00
|
136,00
|
42
|
0,00
|
0,00
|
-
2.174,00
|
0,00
|
0,00
|
43
|
517,00
|
57,00
|
-
1.789,00
|
57,00
|
0,00
|
44
|
0,00
|
0,00
|
-
949,00
|
0,00
|
0,00
|
45
|
0,00
|
0,00
|
+
8.935,00
|
989,00
|
989,00
|
46
|
0,00
|
0,00
|
-
583,00
|
0,00
|
0,00
|
47
|
0,00
|
0,00
|
-
491,00
|
0,00
|
0,00
|
48
|
0,00
|
0,00
|
-
538,00
|
0,00
|
0,00
|
Summen
in
ATS
in
€
|
560.860,00
40.759,29
|
71.615,00
5.204,47
|
+
131.681,00
+
9.569,63
|
94.872,00
6.894,62
|
23.257,00
1.690,15
Anmerkungen zu
den Spalten:
Spalte 1: lfd. Nr. lt. Anlage A zu Bescheid des
Hauptzollamtes Wien v. 5.11.1999, GZ. 100/28575/98/009
Spalte 2: siehe Spalte "Z1 in ATS" in der
Anlage A des Bescheides des Hauptzollamtes Wien v. 5.11.1999,
GZ. 100/28575/98/009
Spalte 3: Berechnungen nach der Formel: Spalte 5
: (Spalte 2 + Spalte 4) X Spalte 2 = Spalte 3
Spalte 4: siehe Spalte "EU in ATS" in der
Anlage A des Bescheides des Hauptzollamtes Wien v. 5.11.1999,
GZ. 100/28575/98/009
Spalte 5: siehe Spalte "ZN in ATS" in der
Anlage A des Bescheides des Hauptzollamtes Wien v. 5.11.1999,
GZ. 100/28575/98/009
Spalte 6:
erstattungsfähige Differenz an Zinsen (Differenz zwischen Spalte 5 und
Spalte 3)
Gegenüberstellung:
|
ZN
|
in ATS
|
in €
|
vorgeschrieben
wurden
|
94.872,00
|
6.894,62
|
festgesetzt lt.
Spruch
|
71.615,00
|
5.204,47
|
gutschriftsfähig
|
23.257,00
|
1.690,15
In ihrem übrigen Bereich erwuchs die
Berufungsvorentscheidung mit der Bestätigung der Berufungsentscheidung vom
10. Oktober 2002, GZ. ZRV199/1-I2/00 durch den Verwaltungsgerichtshof
in Rechtskraft. Es konnte daher von einem Eingehen auf die diesbezüglichen
Beschwerdeeinwendungen Abstand genommen werden.
Es war daher
spruchgemäß zu entscheiden.
Klagenfurt,
11. August 2003
Normen und Schlagworte
- § 108 Abs. 1 ZollR-DG, Zollrechts-Durchführungsgesetz, BGBl. Nr. 659/1994
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- UFS-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Berufungsentscheidung - Zoll (Referent)
- Geschäftszahl
- ZRV/0080-Z3K/03
- Stammnummer
- 5567
- Gültig
- 11.08.2003 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF