Findok · UFS-Entscheidungen
UFSZ2L ZRV/0020-Z2L/07
Vorschreibung von Säumniszinsen gem. Art. 232 Abs. 1 Buchstabe b ZK in Verbindung mit § 80 Abs. 1 ZollR-DG.
geltende FassungBerufungsentscheidung - Zoll (Referent)ZRV/0020-Z2L/07vom 09.05.2008
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Berufungsentscheidung
Der
Unabhängige Finanzsenat hat über die Beschwerde des G. vertreten
durch Rechtsanwalt Dr. Christian Ransmayr, 4020 Linz,
Honauerstraße 2, vom 19. Februar 2007 gegen die
Berufungsvorentscheidung des Zollamtes Linz vom 17. Jänner 2007,
Zl. 111, betreffend die Vorschreibung von Säumniszinsen
entschieden:
Die Beschwerde
wird als unbegründet abgewiesen.
Entscheidungsgründe
Mit Bescheid des Zollamtes Linz vom
19. Dezember 2005, Zl. 123, wurde gegenüber dem
Beschwerdeführer eine auf Art. 202 Abs. 1 Buchstabe a)
und Abs. 3 dritter Anstrich Zollkodex (ZK) gegründete dort
näher bezeichnete Eingangsabgabenschuld sowie eine Abgabenerhöhung im
Gesamtbetrag von 1.373.229,29 Euro gemäß
Art. 217 Abs. 1 ZK buchmäßig erfasst und
gemäß Art. 221 Abs. 1 ZK mitgeteilt. Laut der in
diesem Bescheid enthaltenen Zahlungsaufforderung werde für die Entrichtung
des Gesamtbetrages gemäß Art. 222 Abs. 1
Buchstabe a) ZK eine Frist von zehn Tagen nach Zustellung dieses
Bescheides eingeräumt. Die Zustellung dieses Bescheides erfolgte am
22. Dezember 2005.
Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer mit
Schriftsatz vom 20. Jänner 2006 Berufung verbunden mit dem Antrag
auf Aussetzung der Einhebung der Abgabenschuld gemäß
Art. 244 ZK in Verbindung mit § 212a BAO, der am
24. Jänner 2006 beim Zollamt Linz einging (Postaufgabe am
20. Jänner 2006).
Die Berufung wurde mit Berufungsvorentscheidung vom
9. Juni 2006, Zl. 333, als unbegründet abgewiesen. Die
Zollbehörde wies auch den Antrag auf Aussetzung der Einhebung der
Abgabenschuld mit Bescheid vom 3. Februar 2006, Zl. 456, ab; die
dagegen erhobene Berufung wies sie mit ihrer Berufungsvorentscheidung vom
30. März 2006, Zl. 789, ab. Der Unabhängige Finanzsenat
hat über die gegen die genannten Berufungsvorentscheidungen erhobenen
Beschwerden bislang noch nicht abgesprochen.
Mit Bescheid vom 15. November 2006, Zl. 222,
schrieb das Zollamt Linz gemäß
§ 80 Abs. 1
und 2 ZollR-DG für den Säumniszeitraum
15. November 2006 bis 14. Dezember 2006 Säumniszinsen
in der Höhe von 5.452,74 Euro vor.
Gegen diesen Bescheid erhob der Beschwerdeführer mit
Schriftsatz vom 13. Dezember 2006 fristgerecht Berufung, in der
beantragt wurde, mangels Verschuldens des Berufungswerbers keine
Säumniszinsen festzusetzen, in eventu die festgesetzten Säumniszinsen
herabzusetzen. Dies im Wesentlichen mit der Begründung, dass von
einer aushaftenden Stammabgabe in der Höhe von 1.338.094,58 Euro
auszugehen sei, wobei in keinster Weise davon ausgegangen werden könne,
dass der Beschwerdeführer jemals einen Tatbestand verwirklicht habe, der
diesen zur Leistung dieser Stammabgabe verpflichte. Diesbezüglich sei auf
ein anhängiges Finanzstrafverfahren hinzuweisen. Nichts desto trotz
verhänge die Behörde Monat für Monat Bescheide, mit denen der
Beschwerdeführer mit dementsprechend hohen Säumniszinsen belastet
werde. Es sei dem Beschwerdeführer bis dato im gesamten Jahr 2006 kein
Einkommen ausbezahlt worden, nachdem die Behörde sämtliche
Einkunftsquellen bereits gepfändet habe, und der Beschwerdeführer
selbst über das pfändungsfreie Einkommen nicht verfügen
könne. Der Bestimmung des § 217 Abs. 7 BAO
zur Folge seien auf Antrag des Abgabepflichtigen Säumniszuschläge
insoweit herabzusetzen bzw. nicht festzusetzen, als den Abgabepflichtigen an der
Säumnis kein grobes Verschulden träfe, insbesondere insoweit bei nach
Abgabenvorschriften selbst zu berechnenden Abgaben kein grobes Verschulden an
der Unrichtigkeit der Selbstberechnung vorliege. Gegenständlich sei
die Situation die, dass an der Säumnis des Beschwerdeführers diesem
kein Verschulden anzurechnen sei, insbesondere deshalb, da dem
Beschwerdeführer jegliche Einkunftsquellen abgeschnitten seien und ihm
allein aus diesem Grund die Begleichung der festgesetzten
Säumnisgebühren nicht möglich sei.
Die Abgabenbehörde erster Instanz wies mit
Berufungsvorentscheidung vom 17. Jänner 2007, Zl. 111, die
Berufung ab. Begründend führte sie - soweit für das
Beschwerdeverfahren vor dem Unabhängigen Finanzsenat von Relevanz - aus,
das bisher noch nicht erledigte Berufungsverfahren gegen den
Stammabgabenbescheid vermöge an der zu Recht erfolgten Festsetzung von
Säumniszinsen nichts zu ändern. Säumniszinsen stellten
nämlich eine objektive Säumnisfolge dar. Die Pflicht zur Erhebung von
Säumniszinsen setze eine formelle Abgabenzahlungsschuld voraus, nicht aber
die Rechtskraft der Festsetzung der Stammabgabe (VwGH 30.4.1995,
92/13/0115). Einwendungen gegen Vollstreckungsmaßnahmen seien mit
Berufung gegen die jeweils zu Grunde liegenden Bescheide geltend zu machen,
nicht mit Berufung gegen die Festsetzung von Säumniszinsen. Die
Berufung auf Bestimmungen des § 217 BAO, der den im nationalen
Recht vorgesehenen Säumniszuschlag regle, gehe ebenfalls ins Leere, weil im
gegenständlichen Fall Säumniszinsen vorgeschrieben worden seien, deren
Verrechnung sich nach den Bestimmungen des Zollrechtes (Zollkodex bzw.
Zollkodex-Durchführungsverordnung) richte.
Gegen diesen Bescheid richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 19. Februar 2007, in der beantragt wird, die erkennende
Behörde möge gem. Art. 232 Abs. 2 Buchstabe a) ZK
auf die Festsetzung von Säumniszinsen verzichten, in eventu die
festgesetzten Säumniszinsen zumindest herabsetzen. Dies mit der
Begründung, die Zollbehörden könnten gem.
Art. 232 Abs. 2 Buchstabe a) ZK auf die Festsetzung von
Säumniszinsen verzichten, wenn diese aufgrund der Verhältnisse des
Beteiligten zu erheblichen wirtschaftlichen oder sozialen Schwierigkeiten
führen würde. Genau dies sei gegenständlich der Fall. Es
sei dem Beschwerdeführer bis dato im gesamten Jahr 2006 kein Einkommen
ausbezahlt worden, nachdem die Behörde sämtliche Einkunftsquellen
bereits gepfändet habe, und der Beschwerdeführer selbst über das
pfändungsfreie Einkommen nicht verfügen könne, da dieses an den
Beschwerdeführer auch nicht geleistet werde. Schon allein aus diesem Grund
befinde sich der Beschwerdeführer mittlerweile in erheblichen
wirtschaftlichen, aber auch sozialen Schwierigkeiten, da ihm keinerlei Einkommen
zur Bewältigung des täglichen Lebens zur Verfügung
stehe. Nichts desto trotz verhänge die Behörde Monat für
Monat Bescheide, mit denen der Beschwerdeführer mit dementsprechend hohen
Säumniszinsen belastet werde, und führe dies unstrittig zu sowohl
wirtschaftlichen als auch sozialen Problemen, die extrem seien und den
Tatbestand des Art. 232 Abs. 2 Buchstabe a) ZK erfüllen
würden.
Über
die Beschwerde wurde erwogen:
Der Beschwerdeführer beantragte in seiner Berufung vom
13. Dezember 2006 unter Bezugnahme auf die Bestimmung des
§ 217 Abs. 7 BAO die Nichtfestsetzung bzw. Herabsetzung
der Säumniszinsen. Es träfe ihn an der Säumnis kein grobes
Verschulden, da er über keine Einkunftsquellen verfüge und ihm allein
aus diesem Grund die Begleichung der festgesetzten Säumniszinsen nicht
möglich sei. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren bezieht sich der
Beschwerdeführer allerdings nunmehr auf die Bestimmung des
Art. 232 Abs. 2 Buchstabe a) ZK, die unter den dort
angeführten Voraussetzungen einen Verzicht der Zollbehörden auf die
Säumniszinsen vorsieht.
Die im Beschwerdefall anzuwendenden Bestimmungen des
Zollkodex lauten:
Art. 221 (1) Der Abgabenbetrag ist dem Zollschuldner
in geeigneter Form mitzuteilen, sobald der Betrag buchmäßig erfasst
worden ist.
Art. 222 (1) Der nach Artikel 221 mitgeteilte
Abgabenbetrag ist vom Zollschuldner innerhalb folgender Fristen zu
entrichten: a) ist keine Zahlungserleichterung nach den Artikeln 224 bis
229 eingeräumt worden, so muss die Zahlung innerhalb der festgesetzten
Frist geleistet werden. Unbeschadet des Artikels 244 zweiter Absatz
darf diese Frist zehn Tage, gerechnet ab dem Zeitpunkt der Mitteilung des
geschuldeten Abgabenbetrags an den Zollschuldner, nicht überschreiten;
... Ferner können die Zollbehörden auf Antrag des
Zollschuldners eine Fristverlängerung gewähren, wenn sich der zu
entrichtende Abgabenbetrag aus einer nachträglichen buchmäßigen
Erfassung ergibt. Unbeschadet des Artikels 229 Buchstabe a) darf die
Frist nur um die Zeit verlängert werden, die nötig ist, damit der
Zollschuldner alle erforderlichen Maßnahmen treffen kann, um seinen
Verpflichtungen nachzukommen.
Art. 232 (1) Ist der Abgabenbetrag nicht
fristgerecht entrichtet worden, a) so machen die Zollbehörden von
allen ihnen nach den geltenden Vorschriften zu Gebot stehenden
Möglichkeiten einschließlich der Zwangsvollstreckung Gebrauch, um die
Entrichtung dieses Betrags zu erreichen. ... b) so werden zusätzlich
zu dem Abgabenbetrag Säumniszinsen erhoben. Der Säumniszinssatz kann
höher als der Kreditzinssatz sein. Er darf jedoch nicht niedriger
sein.
(2) Die Zollbehörden können auf die
Säumniszinsen verzichten, wenn a) diese auf Grund der
Verhältnisse des Beteiligten zur erheblichen wirtschaftlichen oder sozialen
Schwierigkeiten führen würden; b) ihr Betrag einen nach dem
Ausschussverfahren festgesetzten Betrag nicht übersteigt; c) die
Entrichtung des Abgabenbetrages innerhalb von fünf Tagen nach Ablauf der
dafür festgesetzten Frist erfolgt.
(3) Die Zollbehörden können festsetzen: a)
Mindestzeiträume für die Zinsberechnung; b) Mindestbeträge
für die Säumniszinsen.
Art. 244 Durch die Einlegung des Rechtsbehelfs wird
die Vollziehung der angefochtenen Entscheidung nicht ausgesetzt. Die
Zollbehörden setzen jedoch die Vollziehung der Entscheidung ganz oder
teilweise aus, wenn sie begründete Zweifel an der Rechtmäßigkeit
der angefochtenen Entscheidung haben oder wenn dem Beteiligten ein unersetzbarer
Schaden entstehen könnte. Bewirkt die angefochtene Entscheidung die
Erhebung von Einfuhr- oder Ausfuhrabgaben, so wird die Aussetzung der
Vollziehung von einer Sicherheitsleistung abhängig gemacht. Diese
Sicherheitsleistung "braucht" jedoch nicht gefordert werden, wenn eine derartige
Forderung auf Grund der Lage des Schuldners zu ernsten Schwierigkeiten
wirtschaftlicher oder sozialer Art führen könnte.
Die maßgebenden Bestimmungen des
Zollrechts-Durchführungsgesetzes lauten:
§ 75 Die Fristverlängerung nach
Artikel 222 Absatz 1 Buchstabe a Unterabsatz 4 ZK darf
zehn Tage nicht überschreiten.
§ 80 (1) Ist der Abgabenbetrag nicht
fristgerecht entrichtet worden, sind Säumniszinsen zu erheben, wenn die
Säumnis mehr als fünf Tage beträgt.
(2) Als Jahreszinssatz ist ein um zwei Prozent über
dem Kreditzinssatz nach § 78 Abs. 2 liegender Zinssatz
heranzuziehen. Die Säumniszinsen werden je Säumniszeitraum berechnet
und fallen für einen gesamten Säumniszeitraum an, auch wenn die
Säumnis nicht im ganzen Säumniszeitraum bestanden hat. Ein
Säumniszeitraum reicht vom 15. eines Kalendermonats bis zum 14. des
folgenden Kalendermonats. Für jeden Säumniszeitraum ist der
zwölfte Teil jenes Jahreszinssatzes heranzuziehen, welcher am Beginn des
betreffenden Säumniszeitraumes gegolten hat.
(3) Säumniszuschläge nach § 217 der
Bundesabgabenordnung sind im Anwendungsbereich des Artikels 232 ZK nicht zu
erheben.
Gemäß
§ 1 lit. a BAO
gelten die Bestimmungen dieses Bundesgesetzes in Angelegenheiten der
bundesrechtlich geregelten öffentlichen Abgaben (mit Ausnahme der im
§ 78 des Allgemeinen Verwaltungsverfahrensgesetzes 1991,
BGBl. Nr. 51, vorgesehenen Verwaltungsabgaben) sowie der auf Grund
unmittelbar wirksamer Rechtsvorschriften der Europäischen Union zu
erhebenden öffentlichen Abgaben, in Angelegenheiten der Eingangs- und
Ausgangsabgaben jedoch nur insoweit, als in den zollrechtlichen Vorschriften
nicht anderes bestimmt ist.
Die Einhebung einer Abgabe, deren Höhe unmittelbar
oder mittelbar von der Erledigung einer Berufung abhängt, ist nach
§ 212a Abs. 1 BAO auf Antrag des Abgabepflichtigen insoweit
auszusetzen, als eine Nachforderung unmittelbar oder mittelbar auf einen
Bescheid, der von einem Anbringen abweicht, oder auf einem Bescheid, dem kein
Anbringen zu Grunde liegt, zurückzuführen ist, höchstens jedoch
im Ausmaß der sich bei einer dem Begehren des Abgabepflichtigen Rechnung
tragenden Berufungserledigung ergebenden Herabsetzung der Abgabenschuld. Dies
gilt sinngemäß, wenn mit einer Berufung die Inanspruchnahme für
eine Abgabe angefochten wird.
Wurde ein Antrag auf Aussetzung der Einhebung gestellt, so
dürfen gemäß
§ 230 Abs. 6 BAO
Einbringungsmaßnahmen hinsichtlich der davon nach Maßgabe des
§ 212a Abs. 1, 2 lit. b und 3 letzter Satz BAO
betroffenen Abgaben bis zu seiner Erledigung weder eingeleitet noch fortgesetzt
werden.
Der mit Bescheid des Zollamtes Linz vom
19. Dezember 2005, Zl. 123, mitgeteilte Eingangsabgabenbetrag war
nach Zustellung des Bescheides am 22. Dezember 2005 gemäß
Art. 232 ZK in Verbindung mit § 80 ZollR-DG innerhalb
der zehntägigen Zahlungsfrist, somit bis Ablauf des
2. Jänner 2006, zu entrichten. Anträge auf
Zahlungserleichterung oder Fristverlängerung wurden innerhalb dieser Frist
vom Beschwerdeführer nicht gestellt. Die Entrichtung innerhalb der
Zahlungsfrist bzw. auch nach Ablauf einer weiteren Frist von fünf Tagen
erfolgte unbestritten nicht. Auf Grund der nicht fristgerechten Einzahlung war
als Säumnisfolge zwingend die Verpflichtung zur Zahlung von
Säumniszinsen nach Art. 232 Abs. 1 Buchstabe b ZK in
Verbindung mit § 80 ZollR-DG entstanden.
Der nach Ablauf der Zahlungsfrist gestellte Antrag auf
Aussetzung nach Art. 244 ZK in Verbindung mit
§ 212a BAO hat zwar vollstreckungshemmende Wirkung
(§ 230 Abs. 6 BAO), konnte aber an der bereits entstandenen
Verpflichtung zur Entrichtung der Säumniszinsen nichts ändern. Der
erst nach Ablauf der Zahlungsfrist gestellte Antrag auf Aussetzung hat nicht die
Wirkung, dass die Säumnis und deren Folgen rückwirkend aufgehoben
werden (z.B. VwGH 18.9.2003, 2002/16/0256;
UFS ZRV/0009-Z3K/05).
Nach der ständigen Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichtshofes zu den Nebengebühren (Säumniszuschlag,
Stundungs- und Aussetzungszinsen) setzt die Pflicht zur Erhebung dieser
Nebengebühren nicht den Bestand einer sachlich richtigen oder gar
rechtskräftigen, sondern einer formellen Abgabenschuld voraus (vgl. z.B.
VwGH 30.5.1995, Zl. 95/13/0130). Im Fall der Abänderung der
formellen Abgabenschuld sind nach den ausdrücklichen Regelungen in der BAO
die genannten Nebengebühren abzuändern (§§ 212
Abs. 2, 212a Abs. 9 und 217 Abs. 8). Ein bei einem Gericht
anhängiges und den Beschwerdeführer betreffendes Finanzstrafverfahren
kann in Ermangelung einer gesetzlichen Grundlage nicht dazu führen, dass in
dem Fall, dass der Abgabenbetrag nicht oder nicht fristgerecht entrichtet worden
ist, die Erhebung von Säumniszinsen zu unterbleiben hat
(UFS 17.6.2003, ZRV/0237-Z3K/02, 4.7.2003, ZRV/0306-Z3K/02).
Gemäß
§ 2 Abs. 1 ZollR-DG
sind die allgemeinen abgabenrechtlichen Vorschriften in Angelegenheiten der
Erhebung der sonstigen Eingangs- und Ausgangsabgaben und anderen Geldleistungen
anzuwenden, soweit die Vollziehung der Zollverwaltung übertragen und nicht
ausdrücklich anderes bestimmt ist.
Nach den Bestimmungen des ZK sind Säumniszinsen im
Ausmaß eines nicht unter dem Kreditzinssatz liegenden Zinssatzes zu
erheben. Die Modalitäten der Erhebung der Säumniszinsen sind aber den
Mitgliedstaaten überlassen. Es liegt keine Rechtswidrigkeit vor,
wenn die Zollbehörde in Anlehnung an die bestehenden nationalen Regelungen
über die Vorschreibung der genannten Nebengebühren den Bestand der
formellen Abgabenschuld als Grundlage für die Vorschreibung der
Säumniszinsen heranzieht.
In seiner Berufung vom 13. Dezember 2006 begehrte
der Beschwerdeführer die Nichtfestsetzung bzw. Herabsetzung der
Säumniszinsen. Er stützte sich dabei ausdrücklich auf die
für Säumniszuschläge (§ 217 BAO) geltende
Bestimmung des § 217 Abs. 7 BAO. Nach
§ 80 Abs. 3 ZollR-DG sind allerdings
Säumniszuschläge nach § 217 der Bundesabgabenordnung im
Anwendungsbereich des Artikels 232 ZK nicht zu erheben, sodass auch die
Bestimmung des § 217 Abs. 7 BAO im vorliegenden Fall
nicht anwendbar ist. Die abweisende Berufungsvorentscheidung ist daher zu
Recht ergangen.
Die Zollbehörden können jedoch unter den in Art.
232 Abs. 2 ZK genannten Voraussetzungen auf die
Säumniszinsen verzichten. Dazu bedarf es einer Entscheidung im Sinne des
Art. 4 Nr. 5 ZK, also einer hoheitlichen Maßnahme auf
dem Gebiet des Zollrechts zur Regelung eines Einzelfalls mit Rechtswirkung
für eine oder mehrere bestimmte oder bestimmbare Personen.
Nach der Aktenlage wurde der auf
Art. 232 Abs. 2 Buchstabe a) ZK gegründete Antrag
erstmalig in der gegenständlichen Beschwerde vom 19. Februar 2007
gestellt. Eine (erstinstanzliche) zollbehördliche Entscheidung über
einen Verzicht auf Säumniszinsen ist bislang nicht ergangen. Eine
meritorische Entscheidung über diesen Antrag durch den
Unabhängigen Finanzsenat als Rechtsbehelfsbehörde der zweiten
Stufe wäre ein unzulässiger Eingriff in die Zuständigkeit der
Abgabenbehörde erster Instanz. Der Unabhängige Finanzsenat durfte
sich daher im gegenständlichen Beschwerdeverfahren - ohne den Rechtszug zu
verkürzen und damit das verfassungsrechtlich gebotene Recht auf den
gesetzlichen Richter zu verletzen - nicht erstmals mit Überlegungen im
Hinblick auf einen allfälligen Verzicht aus persönlichen oder
sachlichen (FG Hamburg 23.2.1999, IV 123/96)
Billigkeitsgründen beschäftigen.
Aus den dargelegten Erwägungen erweist sich die
Beschwerde als unbegründet.
Linz, am 9.
Mai 2008
Normen und Schlagworte
- Art. 232 Abs. 1 Buchstabe b ZK, VO 2913/92, ABl. Nr. L 302 vom 19.10.1992 S. 1
- § 80 Abs. 1 ZollR-DG, Zollrechts-Durchführungsgesetz, BGBl. Nr. 659/1994
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- UFS-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Berufungsentscheidung - Zoll (Referent)
- Geschäftszahl
- ZRV/0020-Z2L/07
- Stammnummer
- 34644
- Gültig
- 09.05.2008 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF