Findok · UFS-Entscheidungen
UFSG FSRV/0032-G/05
Einleitung eines Finanzstrafverfahrens wegen Abgaben- und Monopolhehlerei
geltende FassungBeschwerdeentscheidung - Strafsachen (Referent)FSRV/0032-G/05vom 13.02.2006
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Beschwerdeentscheidung
Der unabhängige
Finanzsenat als Finanzstrafbehörde zweiter Instanz hat durch das Mitglied
des Finanzstrafsenates 4, HR Dr. Wilhelm Pistotnig, in der
Finanzstrafsache gegen Bf., Kellnerin, geb. 1234, Ki., vertreten durch
Dr. Leonhard Ogris, Rechtsanwalt, 8530 Deutschlandsberg, Grazer
Straße 21, über die Beschwerde der Beschuldigten vom
20. April 2005 gegen den Bescheid über die Einleitung eines
Finanzstrafverfahrens gemäß
§ 83 Abs. 1 des
Finanzstrafgesetzes (FinStrG) des Zollamtes Graz, vertreten durch
Mag. Michael Richter-Kernreich, vom 14. März 2005,
SN 2345,
zu
Recht erkannt:
Die Beschwerde wird als
unbegründet abgewiesen.
Entscheidungsgründe
Mit Bescheid vom 14. März 2005 hat das
Zollamt Graz als Finanzstrafbehörde I. Instanz gegen die
Beschwerdeführerin (Bf.) zur SN 2345 ein finanzstrafbehördliches
Untersuchungsverfahren eingeleitet, weil der Verdacht bestehe, dass diese im
Amtsbereich des Zollamtes Graz in der Zeit von zumindest März 2003 bis
6. Februar 2004 vorsätzlich eingangsabgabepflichtige Waren, und
zwar insgesamt 100.000 Stück Zigaretten verschiedener Marken
ausländischer unverzollter Herkunft, auf denen Eingangsabgaben von
insgesamt € 17.149,45 (Zoll - Z1: € 4.127,04;
Tabaksteuer - TS: € 8.970,00 und
Einfuhrumsatzsteuer - EU: € 4.052,41) lasten und für
welche ein Kleinverkaufspreis von € 16.000,00 festgesetzt bzw.
hinsichtlich welcher ein Schmuggel und ein Eingriff in die Monopolrechte
begangen worden sei, in Österreich gekauft habe. Die Bf. habe
dadurch die Finanzvergehen nach § 37 Abs. 1 lit. a und
§ 46 Abs. 1 lit. a FinStrG begangen. Das Zollamt
Graz als Finanzstrafbehörde I. Instanz begründet seine
Entscheidung im Wesentlichen damit, es stehe aufgrund der Aussage des Mi.W. als
Zeuge und nach seinen behördlichen Ermittlungsergebnissen fest, die Bf.
habe die im Spruch bezeichneten Finanzvergehen sowohl in objektiver als auch in
subjektiver Hinsicht verwirklicht.
Gegen diesen Bescheid richtet sich die fristgerechte
Beschwerde der Beschuldigten vom 20. April 2005. In der Beschwerde
wurde im Wesentlichen vorgebracht, der Bescheid über die Einleitung des
Strafverfahrens werde seinem gesamten Inhalte nach als rechtswidrig
bekämpft. Die Bf. fühle sich nicht schuldig, die ihr
vorgeworfenen Finanzvergehen begangen zu haben. Das Finanzstrafverfahren sei zu
Unrecht eingeleitet worden. Gemäß
§ 82 FinStrG habe
die Behörde vor Einleitung eines Finanzstrafverfahrens eine Prüfung
vorzunehmen, wobei die Bestimmungen der §§ 115 ff FinStrG
zur Anwendung zu kommen hätten. Aufgrund der im Verfahren
herrschenden Offizialmaxime hätte die Behörde ihre Manuduktionspflicht
beachten müssen und die Bf. im Rahmen der Einvernahme darüber
aufklären müssen, dass sie die zu seiner Verteidigung dienlichen
Beweismittel zu nennen habe. Die Behörde hätte die
entsprechenden Beweise amtswegig erheben müssen. Weil die Behörde den
Grundsatz der Offizialmaxime nicht beachtet hätte, habe sie das
Parteiengehör verletzt. Der Bf. sei keine Möglichkeit gegeben worden,
entsprechende Zeugen namhaft zu machen, die die Aussagen des Mi.W.
entkräftigt hätten. Die Bf. sei auch dadurch beschwert, dass
die Aussage des Mi.W. die ihr vorgeworfene Tat nicht ausreichend erweise. Die
Behörde hätte in Beachtung des Grundsatzes in dubio pro reo
festzustellen gehabt, die Bf. habe die ihr von Mi.W. angelasteten
Übertretungen nicht begangen. Sie hätte deshalb ein
Finanzstrafverfahren nicht gemäß
§ 83 FinStrG einleiten,
sondern gemäß
§ 82 Abs. 3 lit. a und c
leg. cit. von der Einleitung des Finanzstrafverfahrens absehen
müssen.
Die Bf. hat abschließend die Anträge
gestellt, - das Vertretungsverhältnis zur Kenntnis zu
nehmen, - den bekämpften Bescheid aufzuheben und das
Finanzstrafverfahren in Ermangelung ausreichender Anhaltspunkte
einzustellen, - den Bescheid aufzuheben und zur neuerlichen Entscheidung
nach Durchführung weiterer Sachverhaltsermittlungen gem. § 82
Abs. 1 FinStrG zurück zu verweisen und - dem bekämpften
Bescheid aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.
Zur
Entscheidung wurde erwogen:
Am 6. Februar 2004 wurde Mi.W. auf frischer Tat
beim Versuch betreten, einem verdeckten Ermittler des Bundeskriminalamtes
250 Gramm Kokain zu verkaufen. Im Zuge der Einvernahmen zeigte sich Mi.W.
nicht nur hinsichtlich des Suchtgiftdeliktes geständig. Mi.W. hat
auch angegeben, zwischen März 2003 und Jänner 2004 etwa
6.210 Stangen Zigaretten unverzollter ausländischer Herkunft an
diverse Abnehmer weiterverkauft zu haben.
Aus Anlass seiner Einvernahme durch Organe des
Landesgendarmeriekommandos für Steiermark - Kriminalabteilung am
7. Februar 2004 hat Mi.W. die einzelnen Zigarettenkäufer in einer
handschriftlichen Liste mit Namen, Mengen und Telefonnummern, die er dem
Speicher seines Mobiltelefons entnommen hat, soweit sie ihm erinnerlich waren,
erfasst; darunter auch die Bf.
Mi.W. hat umfangreiche Aufzeichnungen - in einem
karierten Notizblock im Format DIN A4 in einer gelben Plastikhülle mit
einem roten Schmetterlingsaufkleber - über seine
Zigarettengeschäfte geführt. Der Notizblock konnte von den
Sicherheitsbehörden nicht sichergestellt werden, weil er im Zuge der
Festnahme des Mi.W. von dessen Komplizen vernichtet worden war.
Den Bestand dieser Aufschreibungen hat Ma.O., die eine Zeit
lang bei Es.W. und Mi.W. in Kd. gewohnt hat, als Auskunftsperson befragt
niederschriftlich am 9. März 2004 vor Organen des Hauptzollamtes
Graz als Finanzstrafbehörde I. Instanz bestätigt. Mi.W. habe
demnach dort jedes Mal Eintragungen gemacht, wenn Leute bei ihm Zigaretten
bezahlt haben. Sie habe die Aufschreibungen schon Tage vor der Festnahme des
Mi.W. in dessen Haus gesehen. Der Brillenträger habe gemeinsam mit Es.W.
und Da.J. Seiten herausgerissen und vernichtet.
Neben diesen umfassenden Aufzeichnungen sämtlicher
Zigarettenverkäufe hat Mi.W. auch Aufzeichnungen über einzelne
Zigarettenverkäufe auf Notizzetteln, welche er danach regelmäßig
weggeworfen hat, geführt. Allein bei der Festnahme des Mi.W. konnten
Notizzettel über den Verkauf von insgesamt 649 Stangen Zigaretten
sichergestellt werden. Die Bf. scheint in diesen Notizen nicht auf.
Im Zuge der Niederschrift über die Vernehmung als
Verdächtiger vor Organen des Hauptzollamtes Graz als
Finanzstrafbehörde I. Instanz hat Mi.W. seine Aussagen vom
7. Februar 2004 vor Organen des Landesgendarmeriekommandos für
Steiermark - Kriminalabteilung auch in abgaben- und
finanzstrafrechtlicher Hinsicht vollinhaltlich aufrechterhalten.
Mit Urteil des Landesgerichtes Graz vom
6. September 2004, GZ xxxxx, und Urteil des Oberlandesgerichtes
Graz, GZ xxxxx, vom 26. Jänner 2005 wurde Mi.W.
rechtskräftig wegen des Finanzvergehens der Abgaben- und Monopolhehlerei
hinsichtlich einer Menge von 6.000 Stangen Zigaretten
verurteilt.
Nach rechtskräftigem Abschluss des Strafverfahrens
gegen Mi.W. wurde dieser am 3. März 2005 durch Organe des
Zollamtes Graz als Finanzstrafbehörde I. Instanz nochmals als Zeuge zu
seinen Zigarettenverkäufen, nachdem er zur Wahrheit erinnert und über
die Strafbarkeit einer Falschaussage belehrt worden war, befragt. Der Zeuge hat
seine Erstaussage vor Organen des Landesgendarmeriekommandos für
Steiermark - Kriminalabteilung, sowie seine Ausführungen als
Verdächtiger vor dem Zollamt Graz als Finanzstrafbehörde
I. Instanz vollinhaltlich aufrechterhalten. Er hat im Wesentlichen
ausgeführt, dass sämtliche Daten und Namen der beim
Landesgendarmeriekommando angefertigten Liste stimmen.
Im Zuge der Einvernahme der Bf. durch Organe des Zollamtes
Graz als Finanzstrafbehörde I. Instanz hat die Bf. im Wesentlichen
bestritten, von Mi.W. Zigaretten gekauft zu haben. Sie habe keine Ahnung, warum
Mi.W. angegeben habe, dass sie zusammen mit ihrem Freund von diesem
500 Stangen Zigaretten gekauft habe. Es habe auch ihr Freund Ge. von Mi.W.
keine Zigaretten übernommen. Er sei Eisenbieger und je nach Baustelle in
ganz Österreich unterwegs. Ihr sei auch nicht bekannt gewesen, dass Mi.W.
ausländische unverzollte Zigaretten verkauft hätte.
Der Bf. wurde vor der Einvernahme als Verdächtiger
nachweislich eine Belehrung gemäß
§ 57 Abs. 3 FinStrG
erteilt und an sie eine schriftliche Rechtsbelehrung ausgefolgt, die diese
nachweislich zur Kenntnis genommen hat. Diese Rechtsbelehrung beschäftigt
sich u.a. auch mit der Manuduktionspflicht und dem Recht auf
Parteiengehör.
Für die Einleitung eines Finanzstrafverfahrens
genügt es nach ständiger Rechtsprechung des VwGH, wenn gegen den
Verdächtigen genügende Verdachtsgründe vorliegen, die die Annahme
rechtfertigen, dass er als Täter eines Finanzvergehens in Frage kommt. Der
Verdacht muss sich dabei sowohl auf die objektiven als auch auf den subjektiven
Tatbestand erstrecken (z.B. VwGH vom 21.4.2005, 2002/15/0036).
Bei der Prüfung, ob genügend Verdachtsgründe
im Sinne des § 82 Abs. 1 FinStrG für die Einleitung eines
Finanzstrafverfahrens gegeben sind, geht es nicht darum, die Ergebnisse des
förmlichen mängelfreien Finanzstrafverfahrens vorwegzunehmen, sondern
lediglich darum, ob die der Finanzstrafbehörde zugekommenen Informationen
für einen Verdacht ausreichen. Ob der Verdächtige das ihm zur Last
gelegte Finanzvergehen tatsächlich begangen hat, ist jedenfalls dem
Ergebnis des Untersuchungsverfahrens nach §§ 115 ff FinStrG
vorbehalten (VwGH vom 20.1.2005, 2004/14/0132). Dies gilt auch für die
Anlastung von Vorsatz (VwGH vom 17.12.1998, 98/15/0060).
Im Spruch eines Einleitungsbescheides muss das dem
Beschuldigten zur Last gelegte Verhalten, das als Finanzvergehen erachtet wird,
nur in groben Umrissen beschrieben werden. Die einzelnen Fakten müssen
nicht bestimmt, somit nicht in den für eine Subsumtion relevanten
Einzelheiten geschildert werden. Ein Verdacht kann immer nur aufgrund einer
Schlussfolgerung aus Tatsachen entstehen. Ohne Tatsachen - wie weit
sie auch vom (vermuteten) eigentlichen Tatgeschehen entfernt sein
mögen - gibt es keinen Verdacht. Ein Verdacht besteht, wenn
hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte die Annahme der Wahrscheinlichkeit
des Vorliegens von bestimmten Umständen rechtfertigen. Verdacht ist mehr
als eine bloße Vermutung. Er ist die Kenntnis von Tatsachen, aus denen
nach der Lebenserfahrung auf ein Finanzvergehen geschlossen werden kann (VwGH
vom 19.3.2003, 2000/16/0064).
Dem Einwand der Bf., der Bescheid sei nicht hinreichend
begründet, ist damit zu begegnen, dass nach ständiger Rechtsprechung
erst im Straferkenntnis zu begründen ist, dass der Beschuldigte die Tat
begangen hat. Im Einleitungsbescheid muss lediglich begründet werden, dass
die Annahme der Wahrscheinlichkeit solcher Umstände gerechtfertigt sei, aus
denen nach der Lebenserfahrung auf ein Finanzvergehen geschlossen werden kann
(z.B. VwGH vom 19.2.1997, 96/13/0094).
Fehlen im Erstbescheid Darlegungen dahingehend, weshalb im
konkreten Fall die Annahme gerechtfertigt sei, die Bf. käme als Täter
eines Finanzvergehens in Frage, dann trifft die Finanzstrafbehörde zweiter
Instanz das Recht und die Pflicht, die unzulängliche Begründung des
erstbehördlichen Bescheides im Falle seiner Bestätigung durch eine
zulängliche Begründung zu ersetzen. Eine solche ist erst recht zu
ersetzen, wenn die Begründung eines Einleitungsbescheides nicht von einem
Verdacht eines Finanzvergehens ausgeht, sondern durch die Wortfolge ".... steht
fest, dass die Bf. die im Spruch bezeichneten Finanzvergehen in objektiver und
subjektiver Hinsicht verwirklicht hat" ein Finanzvergehen als begangen
unterstellt.
Angesichts der Ermittlungsergebnisse des Zollamtes Graz als
Finanzstrafbehörde I. Instanz, insbesondere aus der Sicht der
Ermittlungen des Landegendarmeriekommandos für Steiermark -
Kriminalabteilung, und der Zeugenaussage des Mi.W., die dieser nach Belehrung
zur Wahrheit und in Kenntnis der Strafbarkeit einer Falschaussage gemacht hat,
war das Zollamt Graz als Finanzstrafbehörde I. Instanz
gemäß
§ 82 Abs. 1 und Abs. 3 FinStrG dazu
angehalten, gegen die Bf. ein Finanzstrafverfahren wegen des Verdachtes der
Begehung der Finanzvergehen der Abgaben- und Monopolhehlerei nach § 37
Abs. 1 lit. a und § 46 Abs. 1 lit. a FinStrG
einzuleiten. Auf diese Ermittlungsergebnisse als Verdachtsmomente und
Anhaltspunkte wurde in der Begründung des bekämpften Bescheides
nachvollziehbar und konkret Bezug genommen. Damit sind sie Inhalt des
bekämpften Einleitungsbescheides.
Sowohl der Einwand der Bf., sie fühle sich nicht
schuldig, die ihr vorgeworfenen Finanzvergehen begangen zu haben, als auch
jener, das Finanzstrafverfahren sei zu Unrecht eingeleitet worden, ändert
nichts am schwerwiegenden Verdacht, die Bf. könnte das ihr zur Last gelegte
Finanzvergehen in objektiver und subjektiver Hinsicht begangen haben.
Die Zeugenaussage des Mi.W. hat sich bereits im Zeitpunkt
der Befragung von Verdächtigen noch vor Einleitung der Finanzstrafverfahren
in vielen der Fälle hinsichtlich der von Mi.W. genannten
Zigarettenkäufer als richtig erwiesen. Auch diese Käufer entstammen
als Abnehmer der Liste, die Mi.W. vor Organen des Landesgendarmeriekommandos
für Steiermark - Kriminalabteilung angefertigt hat. Diese
Personen haben zugegeben, Zigaretten von Mi.W. käuflich erworben zu haben.
Diese Käufer mussten allein schon anhand der günstigen Ankaufspreise
je Stange Zigaretten und im Grunde der Anbahnungsmodalitäten und der Arten
der Übergabe der Zigaretten bzw. der Orte, an denen Zigaretten unter
Bedachtnahme darauf, dass dies für andere Personen uneinsichtig bleibt, die
illegale Herkunft und bedenkliche Vertriebsweise der Zigaretten als
Schmuggelware erkennen. Darin ist - ausgehend von der in der Zeugenaussage
des Mi.W. genannten Größenordnung an Zigaretten, die dieser der Bf.
zugeordnet hat - jedenfalls auch im Gegenstand der Verdacht auf
vorsätzliches Handeln begründet.
Dieser Anhaltspunkt und die weiteren Ermittlungsergebnisse
sind Umstände, aus denen nach der Lebenserfahrung mit Wahrscheinlichkeit
auf ein Finanzvergehen geschlossen werden kann. Es ist damit der Verdacht
begründet, die Bf. könnte die ihr zur Last gelegte Tat in dem ihr zur
Last gelegten Ausmaß begangen haben. Die Zeugenaussage, insbesondere im
Hinblick auf die dort bezeichnete Größenordnung, die der Zeuge der
Bf. zugeordnet hat, die bei der Festnahme des Mi.W. vorgefundenen Notizen und
die von diesem geführten Aufschreibungen sind ausreichende
Verdachtsgründe und genügen für die Einleitung eines
Finanzstrafverfahrens, weil sie jedenfalls die Annahme rechtfertigen, die Bf.
könnte als Abnehmerin unverzollter Zigaretten und damit als Täterin
eines Finanzvergehens in Frage kommen.
Ob die Zeugenaussage des rechtskräftig verurteilten
Mi.W. auch im Hinblick auf die Bf. der Wahrheit entspricht oder ob sie sich als
unrichtig bzw. als unglaubwürdige Schutzbehauptung erweisen wird, wird das
Untersuchungsverfahren zeigen. Anzumerken ist, dass die Ausführungen der
Bf., die als Verdächtige und damit nicht zur Wahrheit verpflichtet
vernommen wurde, ebenfalls eine Schutzbehauptung sein könnten.
Der Verdacht bezieht sich im Gegenstand sowohl auf den
objektiven als auch auf den subjektiven Tatbestand. Der Einwand, die
Finanzstrafbehörde hätte von der Einleitung eines
Finanzstrafverfahrens wegen mangelnder Strafwürdigkeit abzusehen gehabt,
ist zunächst aus dem Blickwinkel der kopulativen Konjunktion "und" des
§ 25 FinStrG zu betrachten. Demnach setzt das Absehen von der Strafe
das Vorliegen zweier rechtserheblicher Tatsachen voraus. Beim Fehlen auch nur
eines dieser beiden Tatbestandselemente ist den Finanzstrafbehörden ein
Absehen von der Strafe verwehrt.
Entgegen den Ausführungen der Bf. bestand für die
Finanzstrafbehörde I. Instanz kein Anlass für eine Einstellung
des Strafverfahrens wegen mangelnder Strafwürdigkeit. Die behördlichen
Ermittlungsergebnisse, die sich im Hinblick auf andere Abnehmer als durchaus
berechtigt erwiesen haben, indizieren bei gleichem gegenüber der Bf. durch
einen Zeugen geschilderten geübtem Tathergang jedenfalls den
begründeten Verdacht auf vorsätzliches Handeln, so sich ein
Finanzvergehen wird erweisen lassen. Bei vorsätzlichem Handeln müssten
dann aber besondere Umstände der Tat den Schluss auf geringfügiges
Verschulden rechtfertigen (VwGH vom 5.9.1986, 86/18/0167).
Bei der Prüfung, ob genügend Verdachtsgründe
im Sinne des § 82 Abs. 1 FinStrG für die Einleitung eines
Finanzstrafverfahrens gegeben sind, geht es nicht darum, die Ergebnisse des
förmlichen Finanzstrafverfahrens vorwegzunehmen, sondern lediglich darum,
ob die der Finanzstrafbehörde zugekommenen Informationen für einen
Verdacht ausreichen. Die Ergebnisse, auf die sich die
Finanzstrafbehörde I. Instanz in der bekämpften Entscheidung
bezogen hat, namentlich die Zeugenaussage des Mi.W. und die behördlichen
Ermittlungsergebnisse, reichen für einen solchen Verdacht jedenfalls aus.
Die Finanzstrafbehörde I. Instanz stützt
ihre Entscheidung nicht auf eine bloße Vermutung, sondern auf die Kenntnis
von Tatsachen (Zeugenaussage, Notizen, ähnlicher Tathergang wie in
Parallelfällen), aus denen nach der Lebenserfahrung auf ein Finanzvergehen
geschlossen werden kann. Aus diesen zur Verfügung stehenden
Ermittlungsergebnissen darf nach allgemeinen Erfahrungsgrundsätzen und nach
den Gesetzen logischen Denkens auf ein möglicherweise begangenes
Finanzvergehen geschlossen werden.
Mi.W. muss darüber hinaus bei vorliegender
rechtskräftiger gerichtlicher Verurteilung wegen Abgaben- und
Monopolhehlerei betreffend 6.000 Stangen Zigaretten Abnehmer gehabt haben.
Die Zeugenaussage und die Ermittlungsergebnisse sind hinreichende
tatsächliche Anhaltspunkte, die eine Annahme der Wahrscheinlichkeit des
Vorliegens eines Finanzvergehens rechtfertigen.
Im Spruch des bekämpften Einleitungsbescheides wurde
das der Beschuldigten zur Last gelegte Verhalten, das als Finanzvergehen
erachtet wird, in groben Umrissen beschrieben. Die einzelnen Fakten mussten
nicht bestimmt, somit nicht in den für eine Subsumtion relevanten
Einzelheiten geschildert werden.
Ob der Verdächtigen ein Finanzvergehen überhaupt
zur Last gelegt werden kann, ob sie das Finanzvergehen in der ihr zur Last
gelegten Größenordnung tatsächlich begangen hat, ist dem
Ergebnis des Untersuchungsverfahrens vorbehalten.
Der Antrag, der Beschwerde aufschiebende Wirkung
zuzuerkennen, richtet sich gemäß
§ 152 Abs. 2 FinStrG
an die Behörde, deren Bescheid angefochten wird.
Es war daher spruchgemäß zu
entscheiden.
Graz, am 13.
Februar 2006
Normen und Schlagworte
- § 83 Abs. 1 FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 37 Abs. 1 lit. a FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
- § 46 Abs. 1 lit. a FinStrG, Finanzstrafgesetz, BGBl. Nr. 129/1958
EinleitungZigarettenZeugenaussagebegründeter VerdachtNotizenniedriger KaufpreisArt der ÜbergabeOrt der Übergabe
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- UFS-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Beschwerdeentscheidung - Strafsachen (Referent)
- Geschäftszahl
- FSRV/0032-G/05
- Stammnummer
- 20848
- Gültig
- 13.02.2006 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF