Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100270/2023
Wirtschaftliches Eigentum an einem Kfz, das der Arbeitgeberin von ihrer Gesellschafterin zur Verfügung gestellt wird.
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - ErkenntnisRV/5100270/2023vom 28.06.2023Teil 2 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Ab dem 21. April 2015 hat die Bf. und zwar durch ***2*** als deren Geschäftsführer den ***20*** mit dem Kennzeichnen ***Kennzeichen x-111*** ***3*** zur Nutzung überlassen, der über die von ihm mit diesem Fahrzeug vorgenommenen Fahrten ein Fahrtenbuch geführt hat. Herr ***3*** hat dieses Fahrzeug neben dienstlichen Fahrten auch für Fahrten zwischen seinem Wohnort und der Arbeitsstätte der Bf. in ***29*** bis zum Ende des Dienstverhältnisses am 30.6.2018 genutzt.
Das Kilometergeld, das sich aus den Fahrten von Herrn ***3*** mit dem ***20*** mit dem Kennzeichnen ***Kennzeichen x-111*** im Zeitraum 21. April 2015 bis 30.5.2018 ergeben hat, wurde an Herrn ***2*** als nicht steuerbar von der Bf. ausbezahlt, dh. folgende Beträge wurden von der Bf. weder der Lohnsteuer, noch dem Dienstgeberbeitrag und dem Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag unterworfen:
2015: € 6.663,30
2016: € 10.870,44
2017: € 7.556,64
2018: € 3.408,30
Daneben erhielt Herr ***2*** für die dienstliche Nutzung von ihm gehörender Fahrzeuge von der Bf. ebenfalls in den Jahren 2015 bis 2018 ein Kilometergeld nicht steuerbar ausbezahlt, wobei er diesbezüglich ein Fahrtenbuch geführt hat.
Im Jahr 2017 wurde Herrn ***2*** von der Bf. nicht steuerbar darüber hinaus ein Betrag von
€ 87,54 ausbezahlt.
2. Beweiswürdigung
Der festgestellte Geschäftsgegenstand der Bf. ergibt sich aus dem Gewerberegister (GISA-Zahl: ***44*** - Spengler, verbunden mit Kupferschmiede; GISA-Zahl: ***45*** - Dachdecker; GISA-Zahl: ***46*** - Holzbaugewerbe; GISA-Zahl: ***47*** - Handelsgewerbe) und wurde den diesbezüglichen Feststellungen in der Beschwerdevorentscheidung vom 2.2.2023 von der Bf. nicht entgegengetreten.
Die Zeiten der Beschäftigung des ***3*** bei der Bf. ergeben sich aus einer vom Bundesfinanzgericht durchgeführten Hauptverbandsabfrage (AJ-Web) und ist die Beschäftigung von Herrn ***3*** bei der Bf. auch zwischen den Parteien nicht strittig.
Der Umstand, dass ***2*** seit 1.6.2006 in einem Dienstverhältnis zur Bf. steht, ergibt sich ebenfalls aus einer vom Bundesfinanzgericht durchgeführten Hauptverbandsabfrage (AJ-Web) und ist dies auch zwischen den Parteien nicht strittig.
Die Feststellung, dass Herr ***3*** in den Jahren 2015 bis 2018 weder in einem Beschäftigungsverhältnis noch in einem anderen Rechtsverhältnis wie insbesondere einem Werkvertrag bzw. Mietvertrag zu ***2*** gestanden ist, ergibt sich zum einen daraus, dass ***3*** bei der Bf. beschäftigt war und das Ermittlungsverfahren keine Anhaltspunkte für eine Rechtsbeziehung zwischen ***2*** und ihm ergeben hat. Soweit in der Beschwerde vorgebracht wird, dass Herrn ***3*** dieses Fahrzeug durch Herrn ***2*** als wirtschaftlich Berechtigten zur Verfügung gestellt worden wäre, steht dieses Vorbringen zum einen in einem diametralen Widerspruch zum übrigen Vorbringen in der Beschwerde wonach der PKW ***20*** von der Bf. dem Dienstnehmer ***3*** für betrieblich veranlasste Fahrten zur Verfügung gestellt worden wäre. Zum anderen ist das Vorbringen, dass Herrn ***3*** dieses Fahrzeug durch Herrn ***2*** als wirtschaftlich Berechtigten zur Verfügung gestellt worden wäre, mit der Benützungs- und Überlassungserklärung durch Frau ***4*** vom 1.4.2015 nicht im Einklang zu bringen. Wenn nämlich der ***20*** der Bf. zur uneingeschränkten Nutzung zur Verfügung gestellt wird, kann nur die Bf. während der Zeit dieser Überlassung dieses Fahrzeug als alleinig Nutzungsberechtige einem anderen zur Benützung überlassen. Die von Herrn ***2*** bei seiner Einvernahme am 25. Mai 2023 getroffene Aussage, dass er ***3*** das Fahrzeug gegeben habe (vgl. Seite 2 unten der Niederschrift vom 25.5.2023) ist im Zusammenhang mit der weiteren Aussage von Herrn ***2*** zu sehen, wonach er dieses Fahrzeug an ***3*** als Geschäftsführer der Bf., dh. im Namen der Bf., überlassen hat (vgl. Seite 4 Mitte des Protokolls vom 25.5.2023).
Die von Herrn ***2*** bei seiner Einvernahme am 25.5.2023 gemachte Aussage, dass sowohl er als auch Frau ***4*** den ***20*** mit dem Kennzeichen ***Kennzeichen x-111*** der Bf. überlassen haben, steht mit der übrigen Aussage von Herrn ***2*** in Widerspruch und kann daher eine solche Feststellung nicht getroffen werden: Zum einen hat Herr ***2*** angegeben, dass Frau ***4*** den ***20*** mit dem Kennzeichen ***Kennzeichen x-111*** erworben hat (vgl. Seite 2 des Protokolls vom 25.5.2023) und nicht, dass der Erwerb durch beide, dh. durch Frau ***4*** und ihn, gemeinsam erfolgt wäre. Überdies ist in der Benützungs- und Überlassungserklärung vom 1.4.2015 festgehalten, dass die Überlassung dieses Kfz durch Frau ***4*** an die Bf. erfolgt und nicht durch Frau ***4*** und Herrn ***2***. Über Vorhalt dieser Vereinbarung bei der Einvernahme am 25.5.2023 hat Herr ***2*** angegeben, dass er diese Vereinbarung kennt und Frau ***4***, dh. nur sie und nicht auch Herr ***2***, dieses Fahrzeug der Bf. überlassen hat (vgl. Seite 3 oben der Niederschrift vom 25.5.2023).
Zum Beschwerdevorbringen, dass die Bf. Herrn ***3*** den ***20*** für betrieblich veranlasste Dienstfahrten zur Verfügung gestellt hätte und damit offenbar zum Ausdruck gebracht wird, dass keine Zurverfügungstellung durch die Bf. für Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsort erfolgt wäre, - in diese Richtung geht auch das Vorbringen in der mündlichen Verhandlung am 28.6.2023 (vgl. Seite 2 der Niederschrift: "Ich bin nämlich der Meinung, dass das zu splitten ist. Dh betrieblich veranlasste Reise des Herrn ***3*** waren für den Betrieb genehmigt und die privaten Fahrten von zu Hause in den Betrieb … war im Rahmen einer Privatvereinbarung zwischen Herrn ***2*** und Herrn ***3*** genehmigt.") - ist festzuhalten, dass aus der Benützungs- und Überlassungsvereinbarung vom 1.4.2015 an die Bf. keine solche Einschränkung ersichtlich ist, dh. aufgrund dieser Vereinbarung war ausschließlich die Bf. und daher weder Frau ***4*** noch Herr ***2***, berechtigt dieses Fahrzeug jemand anderem - zu welchem Zweck auch immer - zu überlassen. Überdies wurde in der mündlichen Verhandlung vom Vertreter der Bf. vorgebracht, dass Herr ***2*** in seiner Funktion als Geschäftsführer auch die Privatnutzung dieses Fahrzeuges durch Herrn ***3*** ermöglicht hätte (vgl. Seite 3 der Niederschrift), woraus sich ergibt, dass Herr ***2*** als Organ der Bf. gehandelt hat und diese Handlung der Bf. zuzurechnen ist.
Die Feststellung, dass die laufenden Erhaltungskosten und zum Großteil auch die Betriebskosten für den ***20*** mit dem Kennzeichen ***Kennzeichen x-111*** im Zeitraum April 2015 bis Ende Juni 2018 Frau ***4*** getragen hat, wobei manchmal auch der Geschäftsführer der Bf., Herr ***2***, auf seine Kosten diesen ***20*** getankt hat, ergibt sich aus der Aussage von Herrn ***2*** am 25.5.2023 (vgl. Seite 5 der Niederschrift vom 25.5.2023). Soweit Herr ***2*** ausgesagt hat, dass Frau ***4*** über das Konto Nr. ***19*** bei der ***10*** (IBAN ***9***) nur gemeinsam mit ihm disponieren konnte (vgl. Seite 4 der Niederschrift vom 25.5.2023), folgt daraus nur, dass Herr ***2*** bei der Bezahlung der Versicherungsprämien - und zwar von € 1.181,46, die am 23.11.2015 fällig war sowie von
€ 1.189,59 am 30.10.2017 - und der Rechnung vom 7.6.2018 der Firma ***13*** über € 358,20 - seine Zustimmung gegeben hat, dass diese Beträge von dem angeführten Konto überwiesen werden können und dass Frau ***4*** als Eigentümerin dieses Fahrzeuges diese Kosten zu tragen hatte zumal auch Frau ***4*** über dieses Konto eine Zeichnungsberechtigung hatte und zwar eine Einzelzeichnungsberechtigung wie sich aus der mit Mail vom 29.11.2019 durch die steuerliche Vertretung der Bf. übermittelte Unterschriftsprobe zum Konto Nr. ***19*** ergibt (Spalte VR "E": Verfügungsrecht (VR): E = einzeln).
3. Rechtliche Beurteilung
3.1. Zu Spruchpunkt I. (Abweisung)
Gemäß § 25 Abs. 1 Z 1 lit. a EStG 1988 sind Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (Arbeitslohn) Bezüge und Vorteile aus einem bestehenden oder früheren Dienstverhältnis.
Arbeitnehmer ist eine natürliche Person, die Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit bezieht. Arbeitgeber ist, wer Arbeitslohn im Sinne des § 25 auszahlt (§ 47 Abs. 1 erster und zweiter Satz EStG 1988).
Der Arbeitgeber hat die Lohnsteuer des Arbeitnehmers bei jeder Lohnzahlung einzubehalten
(§ 78 Abs. 1 EStG 1988) und haftet dem Bund für die Einbehaltung und Abfuhr der vom Arbeitslohn einzubehaltenden Lohnsteuer (§ 82 EStG 1988).
Voraussetzung für das Vorliegen von Einkünften iS des § 25 Abs. 1 Z 1 lit. a EStG 1988 ist, dass der Bezug oder Vorteil ohne Rücksicht auf die äußere Form, in die er gekleidet ist, dem Empfänger wegen eines Dienstverhältnisses zukommt. Ein Vorteil aus einem Dienstverhältnis liegt dann vor, wenn er durch das individuelle Dienstverhältnis des Arbeitnehmers veranlasst ist. Dies ist dann der Fall, wenn der Vorteil nur deshalb gewährt wird, weil der Zurechnungsempfänger Arbeitnehmer dieses Arbeitgebers ist, der Vorteil also mit Rücksicht auf das Dienstverhältnis eingeräumt wird, und wenn sich die Leistung des Arbeitgebers im weitesten Sinn als Gegenleistung für das Zurverfügungstellen der individuellen Arbeitskraft des Arbeitnehmers erweist (vgl. zB VwGH 26.1.2006, 2002/15/0188; VwGH 19.9.2013, 2013/15/0183; VwGH 23.10.2020, Ra 2020/13/0036).
Sowohl ***2***, der an der Bf. nicht beteiligt ist, als auch ***3*** standen im beschwerdegegenständlichen Zeitraum in einem Dienstverhältnis zur Bf.
Strittig ist zum einen, ob die an ***2*** von der Bf. nicht steuerbar ausgezahlten Kilometergelder, die sich aus den von Herrn ***3*** mit dem Kombi ***20*** mit dem Kennzeichnen ***Kennzeichen x-111*** in den Jahren 2015 bis 2018 durchgeführten Fahrten rechnerisch ergeben, einen steuerpflichtigen Arbeitslohn im Sinn des § 25 Abs. 1 Z 1 lit. a EStG 1988 darstellen, was auch zur Konsequenz hätte, dass diese ausgezahlten Kilometergelder gemäß § 41 Abs. 3 FLAG dem Dienstgeberbeitrag bzw. gemäß § 122 Abs. 8 WKG 1998 dem Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag unterliegen.
Aufgrund des festgestellten Sachverhaltes ergibt sich, dass der Kombi ***20*** mit dem Kennzeichnen ***Kennzeichen x-111*** der Bf. nicht von ***2***, sondern von der Alleingesellschafterin der Bf., Frau ***4***, zur Verfügung gestellt wurde und Frau ***4*** zudem neben der zivilrechtlichen Eigentümerin dieses Fahrzeuges auch als dessen wirtschaftliche Eigentümerin iS des § 24 Abs. 1 lit. d BAO anzusehen ist:
Grundsätzlich ist der zivilrechtliche Eigentümer eines Wirtschaftsgutes auch als dessen wirtschaftlicher Eigentümer anzusehen (vgl. zB VwGH 8.7.2009, 2006/15/0264). Nach der ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes ist wirtschaftliches Eigentum dann anzunehmen, wenn ein anderer als der zivilrechtliche Eigentümer die positiven Befugnisse, die Ausdruck des zivilrechtlichen Eigentums sind (Gebrauch, Verbrauch, Veränderung, Belastung, Veräußerung) auszuüben in der Lage ist, und wenn er zugleich den negativen Inhalt des Eigentumsrechtes, nämlich den Ausschluss Dritter von der Einwirkung auf die Sache, auch gegenüber dem zivilrechtlichen Eigentümer auf Dauer, d.h. auf die Zeit der möglichen Nutzung, geltend machen kann. Für die Frage des wirtschaftlichen Eigentums ist insbesondere auch von Bedeutung, wer die Chance von Wertsteigerungen und das Risiko von Wertminderungen trägt (vgl. zB VwGH 25.1.2017, Ra 2014/13/0029).
Daraus ergibt sich, dass auch dann, wenn ***2*** einen Teil der Aufwendungen für den Betrieb (Versicherungsprämien) als auch für die Instandhaltung (Rechnungen der ***13*** vom 24.5.2018 betreffend das Nachwuchten von zwei Reifen und das Umstecken von vier Reifen sowie vom 8.11.2017 betreffend Überprüfung gemäß § 57a KFG und Austausch des Öl- und Partikelfilters) des ***20*** mit dem Kennzeichen ***Kennzeichen x-111*** getragen hätte - wobei sich aufgrund des festgestellten Sachverhaltes nur ergibt, dass Herr ***2*** einen Teil der Treibstoffkosten selbst getragen hat - nicht von einem wirtschaftlichen Eigentum von ***2*** ausgegangen werden kann, weil dieser weder nachgewiesen hat, dass er berechtigt wäre, den negativen Inhalt des Eigentumsrechtes, nämlich den Ausschluss Dritter von der Einwirkung auf die Sache, auch gegenüber dem zivilrechtlichen Eigentümer auf Dauer, d.h. auf die Zeit der möglichen Nutzung, geltend zu machen, zumal die Nutzungsvereinbarung mit der Bf. nicht von ihm sondern von Frau ***4*** abgeschlossen wurde. Auch ergibt sich aus dem festgestellten Sachverhalt nicht, dass Herr ***2*** die Chance von Wertsteigerungen und das Risiko von Wertminderungen des ***20*** im beschwerdegegenständlichen Zeitraum getragen hat.
Die unentgeltliche Zurverfügungstellung des ***20*** durch Frau ***4*** als Alleineingesellschafterin der Bf. stellt eine Nutzungseinlage iS des § 8 Abs. 1 KStG 1988 dar, weil die Nutzung des Kraftfahrzeuges der Bf. zur Verfügung gestellt wurde (vgl. Raab/Renner in Lachmayer/Strimitzer/Vock [Hrsg], KStG 1988, 32. Lfg. (Dezember 2019) Beispiel dritter Bulletpoint Tz 187 zu § 8).
Zu nachstehendem Vorbringen der Bf. in der mündlichen Verhandlung vom 28.6.2023 ist folgendes auszuführen:
(1) Es würde nicht um das Kilometergeld des ***3*** gehen, sondern um eine Entschädigung für die Überlassung des ***20***, die in Höhe des amtlichen Kilometergeldsatzes berechnet worden wäre:
Aus dem festgestellten Sachverhalt ergibt sich, dass der ***20*** der Bf. nicht durch Herrn ***2***, sondern durch Frau ***4*** als zivilrechtliche und wirtschaftliche Eigentümerin dieses Fahrzeuges an die Bf. überlassen wurde und zwar unentgeltlich. Die Zahlung einer Entschädigung für die Überlassung dieses Fahrzeuges, die laut Vorbringen der Bf. in Höhe des amtlichen Kilometergeldes berechnet wurde, an Herrn ***2***, der der Bf. das Fahrzeug nicht überlassen hat, stellt einen Vorteil aus dem Dienstverhältnis dar, weil zwischen Herrn ***2*** und der Bf. keine Vereinbarung betreffend Überlassung dieses Kfz geschlossen wurde, die eine Nutzungsentschädigung an Herrn ***2*** vorsieht.
(2) Frau ***4*** wäre durch die Überlassung des ***20*** an die Bf. geschädigt, weil dieses Fahrzeug in ihrem Privateigentum gestanden ist, und sie zu einer Überlassung ohne Entgelt an die Bf. nicht verpflichtet gewesen wäre:
Nach der ständigen Rechtsprechung des VwGH sind der Besteuerung nur die tatsächlich verwirklichten und nicht fiktive Sachverhalte zu Grunde zu legen (vgl. zB VwGH 29.4.2010, 2005/15/0057; VwGH 17.10.2001, 2001/13/0009). Tatsächlich hat Frau ***4*** das gegenständliche Kraftfahrzeug der Bf. unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Dass Frau ***4*** den ***20*** der Bf. auch in anderer Form - nämlich in Form einer Vereinbarung einer entgeltlichen Nutzungsüberlassung - und nicht als Gesellschaftereinlage hätte zur Verfügung stellen können, ändert am Vorliegen eines Zuflusses in Form der erhaltenen Beträge, die in Höhe des amtlichen Kilometergeldes von der Bf. ermittelt wurden, als Vorteil aus dem Dienstverhältnis an Herrn ***2*** nichts, weil nur der tatsächlich verwirklichte Sachverhalt - die unentgeltliche Nutzungsüberlassung des ***20*** durch die Gesellschafterin des Bf. an die Bf. - der Besteuerung zugrunde zu legen ist und nicht ein zivilrechtlich ebenfalls möglicher aber tatsächlich nicht verwirklichter Sachverhalt. Die laut Vorbringen der Bf. erfolgte Entgeltverrechnung durch Herrn ***2*** für die Zurverfügungstellung des ***20*** führt zu einem Vorteil aus dem Dienstverhältnis, weil Herr ***2*** zur Entgeltverrechnung nicht berechtigt war und die ausbezahlten Kilometergelder unstrittig Herrn ***2*** iS des § 19 Abs. 1 EStG 1988 zugeflossen sind (vgl. dazu Mayr/Hayden in Doralt/Kirchmayr/Mayr/Zorn, EStG18, Tz 10 ff zu § 19 EStG mwN).
(3) Frau ***4*** und Herr ***2*** würden im gesamten Verfahren in einen Topf geworfen werden. Die Abgrenzung wäre im Verhältnis Herr ***2*** und Frau ***4*** auf der einen Seite und auf der anderen Seite der Bf. durchzuführen.
Sollte damit gemeint sein, dass es irrelevant ist, ob Frau ***4*** oder Herr ***2*** die Kilometergelder die auf die Nutzung des ***20*** im Zeitraum 2015 bis Mitte 2018 entfallen, erhalten hätten, steht dem schon das Prinzip der Individualbesteuerung entgegen. Überdies war Frau ***4*** aufgrund der mit der Bf. getroffenen Vereinbarung auch nicht berechtigt ein Entgelt für die Nutzungsüberlassung von der Bf. zu begehren.
(4) Wenn der Herr ***2*** zivilrechtlich zu Unrecht das Kilometergeld - nach dem Vorbringen der Bf. die Nutzungsentschädigung - bezogen hat, das eigentlich Frau ***4*** zustehen würde, wäre dies für die steuerliche Bewertung der Sache nicht relevant:
Diesbezüglich ist auf die Regelung des § 23 Abs. 2 BAO zu verweisen, wonach ein Abgabentatbestand - in concreto ein Zufluss aus dem Dienstverhältnis an Herrn ***2*** - auch dann verwirklicht wird, wenn ein rechtswidriges Verhalten zur Tatbestandsverwirklichung geführt hat (vgl. zB Ritz/Koran, BAO7, Tz 10 f zu § 23 BAO mwN). Überdies war auch Frau ***4*** aufgrund der tatsächlich mit der Bf. getroffenen Vereinbarung nicht berechtigt ein Nutzungsentgelt von der Bf. zu begehren.
Die Beschwerde war daher in diesem Punkt als unbegründet abzuweisen.
Betreffend die Nutzung des ***20*** mit dem Kennzeichen ***Kennzeichen x-111*** durch Herrn ***3*** ist folgendes auszuführen:
§ 15 Abs. 1 und Abs. 1 Z 1 und 2 EStG in der Fassung vor BGBl I 2019/103 lauten wie folgt:
(1) Einnahmen liegen vor, wenn dem Steuerpflichtigen Geld oder geldwerte Vorteile im Rahmen der Einkunftsarten des § 2 Abs. 3 Z 4 bis 7 zufließen. Die Veräußerung von Wirtschaftsgütern führt nur dann zu Einnahmen, wenn dies ausdrücklich angeordnet ist. Hinsichtlich der durchlaufenden Posten ist § 4 Abs. 3 anzuwenden.
(2) 1. Geldwerte Vorteile (Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Kleidung, Kost, Waren, Überlassung von Kraftfahrzeugen zur Privatnutzung und sonstige Sachbezüge) sind mit den um übliche Preisnachlässe verminderten üblichen Endpreisen des Abgabeortes anzusetzen.
2. Der Bundesminister für Finanzen wird ermächtigt, im Einvernehmen mit dem Bundesminister für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz die Höhe geldwerter Vorteile mit Verordnung festzulegen sowie in der Verordnung für die Zurverfügungstellung von Kraftfahrzeugen im Interesse ökologischer Zielsetzungen Ermäßigungen und Befreiungen vorzusehen.
Für Lohnzahlungszeiträume, die bis 31.12.2015 enden, hat § 15 Abs. 2 EStG 1988 wie folgt gelautet (vgl. § 124b Z 275 EStG 1988):
Geldwerte Vorteile (Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Kleidung, Kost, Waren, Überlassung von Kraftfahrzeugen zur Privatnutzung und sonstige Sachbezüge) sind mit den üblichen Mittelpreisen des Verbrauchsortes anzusetzen.
Die in § 15 Abs. 2 EStG 1988 vorgesehene Verordnung (Sachbezugswerteverordnung, BGBl II 2001/416 idF BGBl II Nr. 29/2014) hat für Lohnzahlungszeiträume bis 31.12.2015 in dessen § 4 wie folgt gelautet:
(1) Besteht für den Arbeitnehmer die Möglichkeit, ein arbeitgebereigenes Kraftfahrzeug für nicht beruflich veranlasste Fahrten einschließlich Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu benützen, dann ist ein Sachbezug von 1,5% der tatsächlichen Anschaffungskosten des Kraftfahrzeuges (einschließlich Umsatzsteuer und Normverbrauchsabgabe), maximal 720 Euro monatlich, anzusetzen. Die Anschaffungskosten umfassen auch Kosten für Sonderausstattungen. Selbständig bewertbare Sonderausstattungen gehören nicht zu den Anschaffungskosten.
(4) Bei Gebrauchtfahrzeugen ist für die Sachbezugsbewertung der Listenpreis im Zeitpunkt der erstmaligen Zulassung des Fahrzeuges maßgebend. Sonderausstattungen bleiben dabei unberücksichtigt. Anstelle dieses Betrages können die nachgewiesenen tatsächlichen Anschaffungskosten (einschließlich allfälliger Sonderausstattungen und Rabatte) im Sinne des Abs. 1 des ersten Erwerbes des Kraftfahrzeuges zu Grunde gelegt werden.
(5) Bei geleasten Kraftfahrzeugen ist der Sachbezugswert von jenen Anschaffungskosten im Sinne des Abs. 1 zu berechnen, die der Berechnung der Leasingrate zu Grunde gelegt wurden.
Für Lohnzahlungszeiträume ab 1.1.2016, 2017 sowie auch im Jahr 2018 lautet § 4 der Sachbezugswerteverordnung idF BGBl II Nr. 395/2015 wie folgt:
(1) Besteht für den Arbeitnehmer die Möglichkeit, ein arbeitgebereigenes Kraftfahrzeug für nicht beruflich veranlasste Fahrten einschließlich Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu benützen, gilt Folgendes:
1. Es ist ein Sachbezug von 2% der tatsächlichen Anschaffungskosten des Kraftfahrzeuges (einschließlich Umsatzsteuer und Normverbrauchsabgabe), maximal 960 Euro monatlich, anzusetzen.
2…
(4) Bei Gebrauchtfahrzeugen ist für die Sachbezugsbewertung der Listenpreis und die CO2-Emmissionswert-Grenze im Zeitpunkt der erstmaligen Zulassung des Fahrzeuges maßgebend. Sonderausstattungen bleiben dabei unberücksichtigt. Anstelle dieses Betrages können die nachgewiesenen tatsächlichen Anschaffungskosten (einschließlich allfälliger Sonderausstattungen und Rabatte) im Sinne des Abs. 1 des ersten Erwerbes des Kraftfahrzeuges zu Grunde gelegt werden.
(5) Bei geleasten Kraftfahrzeugen ist der Sachbezugswert von jenen Anschaffungskosten im Sinne des Abs. 1 zu berechnen, die der Berechnung der Leasingrate zu Grunde gelegt wurden.
Wie sich aus dem festgestellten Sachverhalt ergibt, wurde das Kfz ***20*** Herrn ***3*** von der Bf. und nicht von Herrn ***2*** überlassen, weswegen aufgrund der von Herrn ***3*** mit diesem Fahrzeug getätigten Fahrten zwischen Wohnort und Arbeitsstätte ein Sachbezug anzusetzen war. Die unentgeltliche Zurverfügungstellung des ***20*** an Herrn ***3*** stellt als Sachbezug einen Teil des vereinbarten Entgeltes für die vom Dienstnehmer Herrn ***3*** erbrachte Arbeitsleistung gegenüber der Bf. dar. Wäre der Dienstnehmer ***3*** nicht bei der Bf. beschäftigt gewesen, so hätte ihm der Vorteil der Zurverfügungstellung eines KFZs für Privatfahrten, zu denen auch die Fahrten Wohnung Arbeitsstätte zählen nicht zufließen können, weswegen dieser Vorteil durch das Dienstverhältnis iS des § 25 Abs. 1 Z 1 lit. a EStG 1988 veranlasst worden ist.
Für die Besteuerung der privaten Nutzung des ***20*** durch Herrn ***3*** als Sachbezug kommt es auch nicht darauf an, ob das zur Verfügung gestellte Fahrzeug im Betriebsvermögen der Bf. ist oder - wie im beschwerdegegenständlichen Fall - es der Bf. von der Gesellschafterin Frau ***4*** zur Nutzung zur Verfügung gestellt wurde und von der Bf. dann an Herrn ***3*** zur Nutzung überlassen wird wie sich aus § 4 Abs. 5 Sachbezugswerteverordnung eindeutig ergibt. Vielmehr ist ein Veranlassungszusammenhang mit der Gegenleistung des Arbeitnehmers (Erbringung der Arbeitsleistung) ausreichend. Arbeitslohn im Sinne des § 25 Abs. 1 Z 1 lit. a EStG 1988 sind nämlich alle Bezüge und Vorteile, die ihre Wurzel im Dienstverhältnis haben und sich im weitesten Sinn als Gegenleistung für das Zurverfügungstellen der individuellen Arbeitskraft erweisen (vgl. zB VwGH 22.11.2018, Ro 2017/15/0042). ***3*** ist in den Genuss der Nutzung des ***20*** nur deswegen gekommen, weil er bei der Bf. beschäftigt war.
Aber auch dann wenn das Fahrzeug ***20*** mit dem Kennzeichen ***Kennzeichen x-111*** - dies war aber aufgrund des festgestellten Sachverhaltes ohnedies nicht der Fall - von Herrn ***2*** ***3*** zur Verfügung gestellt worden wäre, würde dies am Ansatz eines der Lohnsteuer, dem Dienstgeberbeitrag und Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag unterliegenden Sachbezug nichts ändern, weil gemäß § 78 Abs. 1 EStG 1988 idF BGBl I Nr. 105/2014 (2. AbgÄG 2014) im Rahmen des Dienstverhältnisses von einem Dritten geleistete Vergütungen als Lohnzahlungen gelten, wenn der Arbeitgeber weiß oder wissen musste, dass derartige Vergütungen geleistet werden. Da ***2*** der Geschäftsführer der Bf. im beschwerdegegenständlichen Zeitraum war und noch ist wäre dessen Wissens jedenfalls der Bf. zuzurechnen.
Zu den Beschwerden betreffend die Säumniszuschläge:
Gemäß § 217 Abs. 1 BAO sind nach Maßgabe der folgenden Bestimmungen Säumniszuschläge zu entrichten, wenn eine Abgabe, ausgenommen Nebengebühren (§ 3 Abs. 2 lit. d), nicht spätestens am Fälligkeitstag entrichtet wird.
Nach Absatz 2 der genannten gesetzlichen Bestimmung beträgt der erste Säumniszuschlag 2 % des nicht zeitgerecht entrichteten Abgabenbetrages.
Die betreffend für die im Haftungsweg gemäß § 82 EStG 1988 vorgeschriebene Lohnsteuer für die Jahre 2015 bis 2018 festgesetzten ersten Säumniszuschläge entsprechen der Höhe nach der Regelung des § 217 Abs. 2 BAO.
Bemessungsgrundlage des Säumniszuschlages ist die nicht entrichtete Abgabenschuldigkeit; dies unabhängig davon, ob die Festsetzung der Stammabgabe rechtmäßig ist oder ob die Festsetzung mit Berufung angefochten ist (vgl. Ritz/Koran, BAO7, § 217 Tz 4 mwN).
Für das Entstehen einer Säumniszuschlagspflicht ist somit allein maßgeblich, ob die objektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt sind. Es genügt der Bestand einer formellen Abgabenzahlungsschuldigkeit unabhängig von der sachlichen Richtigkeit der Abgabenfestsetzung oder des Ergebnisses einer Selbstberechnung. In der Beschwerde wurden keine Gründe vorgebracht, die gegen die objektive Säumnisfolge nach § 217 Abs. 1 und 2 BAO bzw. für eine Aufhebung der Säumniszuschlagbescheide sprechen würden, weswegen die Beschwerde auch in diesem Punkt als unbegründet abzuweisen ist.
3.2. Zu Spruchpunkt II. (Revision)
Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Das Bundesfinanzgericht ist der in diesem Erkenntnis angeführten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes gefolgt. Im Übrigen hing der Beschwerdefall von der Lösung von einzelfallbezogenen Tatfragen ab, die einer Revision nicht zugänglich sind, weswegen die Revision nicht zuzulassen war.
Linz, am 28. Juni 2023
Normen und Schlagworte
- § 25 Abs. 1 Z 1 lit. a EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 15 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 24 Abs. 1 lit. d BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 4 Sachbezugswerteverordnung, BGBl. II Nr. 416/2001
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/5100270/2023
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.5100270.2023
- Stammnummer
- 141595
- Gültig
- 28.06.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF