Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7103230/2022
Einkünftezurechnung bei Fruchtgenuss
geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - ErkenntnisRV/7103230/2022vom 28.06.2023Teil 2 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Der im Jahr 2015 mündlich abgeschlossene und im Jahr 2022 schriftlich dokumentierte Servitutsvertrag hält daher einer Prüfung nach den Kriterien für Verträge zwischen einander Nahestehenden stand und ist somit auch für steuerliche Belange anzuerkennen.
Anzuerkennender Fruchtgenuss
Die vorstehend genannten Kriterien für die Zurechnung der Einkünfte an die ***1*** ***2*** GmbH sind damit als erfüllt anzusehen:
Der zwischen ***1*** ***2*** und der ***1*** ***2*** GmbH abgeschlossene Servitutsvertrag ist auch für steuerliche Zwecke ab dem Jahr 2015 anzuerkennen.
Die Fruchtnießerin, die ***1*** ***2*** GmbH, trat gegenüber den Bestandnehmern jeweils von Anfang an als Verpächterin auf.
Die Fruchtnießerin war Anspruchspartner für die Rechte und Pflichten aus dem Bestandverhältnis.
Die Bestandsentgelte wurden auf ein Konto der Fruchtnießerin überwiesen.
Der Fruchtgenuss wurde über eine längere Zeit, nämlich für die ganze Zeit der rechtlichen Existenz der Fruchtnießerin, eingeräumt.
Einkünftezurechnung
Hieraus folgt, dass die aus der Verpachtung der im Eigentum von ***1*** ***2*** stehenden Grundstücke im Jahr 2020 erzielten Einnahmen nicht ***1*** ***2***, sondern der ***1*** ***2*** GmbH zuzurechnen sind.
Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
Da der Bf ***1*** ***2*** nach den Ergebnissen des ergänzenden Ermittlungsverfahrens den Fruchtgenuss an sämtlichen seiner Grundstücke der ***1*** ***2*** GmbH übertragen hat und dieses Fruchtgenussrecht unentgeltlich übertragen wurde (Punkt Zweitens des Servitutsvertrags) sowie eine allfällige Substanzabgeltung nur in Höhe der Absetzung für Abnutzung, also steuerlich neutral, erfolgt (Punkt Zweitens des Servitutsvertrags), erzielte der Bf im Jahr 2020 keine Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, auch wenn in der Steuererklärung - aus welchen Gründen hat das Finanzamt nicht festgestellt - ein geringer Betrag (405,00 €) als "vereinnahmte Pachtzinse" angesetzt wurde (angesichts der geringen Höhe der weiteren Einkünfte käme es auch bei einem Ansatz dieses Betrags im Übrigen zu keiner Einkommensteuerfestsetzung).
Rechtswidrigkeit des angefochtenen Bescheids
Der angefochtene Bescheid erweist sich somit als rechtswidrig (Art. 130 Abs. 1 Z 1 B-VG), er ist gemäß § 279 BAO ersatzlos aufzuheben.
Bemessungsgrundlagen und Abgabenfestsetzung
Die Einkommensteuer für das Jahr 2021 ist daher unter Außerachtlassung von Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft festzusetzen. Dass der Bf im Jahr 2021 weitere, bisher im Einkommensteuerbescheid nicht erfasste und zu veranlagende Einkünfte erzielt hätte, hat das Finanzamt nicht festgestellt.
Einkommensteuer 2021
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Die Einkommensteuer wird für das Jahr 2021 festgesetzt mit
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0,00 €
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Bisher war vorgeschrieben
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2.622,00 €
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Aufgrund der festgesetzten Abgabe und des bisher vorgeschriebenen Betrages ergibt sich eine Gutschrift in Höhe von
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-2.622,00 €
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Das Einkommen im Jahr 2021 beträgt
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2.206,99 €
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Berechnung der Einkommensteuer
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Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
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0,00 €
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Einkünfte aus Gewerbebetrieb
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3.151,94 €
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Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit (Details siehe angefochtener Bescheid)
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42,50 €
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Gesamtbetrag der Einkünfte
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3.194,44 €
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Sonderausgaben
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Kirchenbeitrag
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-168,85 €
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Außergewöhnliche Belastungen
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Aufwendungen vor Abzug des Selbstbehalts (§ 34 Abs. 4 EStG 1988)
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-1.000,13 €
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Selbstbehalt
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181,54 €
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Einkommen
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2.206,99 €
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0% für die ersten 11.000,00 €
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0,00 €
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Steuer vor Abzug der Absetzbeträge
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0,00 €
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Verkehrsabsetzbetrag
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-400,00 €
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Steuer nach Abzug der Absetzbeträge
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-400,00 €
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Einkommensteuer
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0,00 €
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Festgesetzte Einkommensteuer
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0,00 €
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Berechnung der Gutschrift
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Festgesetzte Einkommensteuer
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0,00 €
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Bisher festgesetzte Einkommensteuer
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2.622,00 €
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Abgabengutschrift
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-2.622,00 €
Revisionsnichtzulassung
Gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG ist gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtes die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Da das Bundesfinanzgericht der dargestellten ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes folgt, ist eine Revision nicht zuzulassen. Tatfragen sind im Allgemeinen einer Revision nicht zugänglich.
Wien, am 28. Juni 2023
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Normen und Schlagworte
- § 21 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 184 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 2 Abs. 1 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 509 ABGB, Allgemeines bürgerliches Gesetzbuch, JGS Nr. 946/1811
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Senat - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7103230/2022
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2023:RV.7103230.2022
- Stammnummer
- 141406
- Gültig
- 28.06.2023 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF