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Findok · BFG-Entscheidungen

BFG RV/5100679/2018

Abgrenzung zwischen Betriebsgrundstück und land- und forstwirtschaftlichem Vermögen

geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/5100679/2018vom 30.05.2023Teil 2 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.

Wortlaut laut Findok

In einer E-Mail von ***87***, Abteilung ***88*** Gemeinde1 aus Juli 2022 (Gerichtsakt OZ 14) wurde mitgeteilt, dass das Grundstück ***36*** KG ***23*** im Flächenwidmungsplan Nr. 2, rechtswirksam ab 30.01.1980, an der nord-östlichen Ecke des Grundstücks als Grünland - für Land- und Forstwirtschaft bestimmte Fläche und im restlichen Teilstück als Grünland - Wald gewidmet ist. Im Flächenwidmungsplan Nr. 3, rechtswirksam ab 30.01.1988 ist das gesamte Grundstück als Grünland - für Land- und Forstwirtschaft bestimmte Fläche gewidmet. Seit dem Flächenwidmungsplan Nr. 3 - Änderung Nr. 76, rechtswirksam ab 06.08.1999 (siehe Beilage 6), ist die nördliche Spitze des Grundstücks ***36*** KG ***23*** als Verkehrsfläche ausgewiesen (dies ist auch im Flächenwidmungsplan Nr. 4, rechtswirksam ab 01.06.2001, dokumentiert, siehe Beilage 7). Mit dem Flächenwidmungsplan Nr. 6, rechtswirksam ab 15.10.2020 (siehe Beilage 9), erweitert sich das als Verkehrsfläche ausgewiesene Teilstück erheblich. Das südliche Teilstück des Grundstücks ist weiterhin als Grünland - für Land- und Forstwirtschaft gewidmete Fläche gewidmet (siehe nächster Absatz). Ergänzend zur Feststellung von Frau ***90*** betreffend das südliche Teilstück des Grundstücks ***36*** KG ***23*** ist die nicht als Verkehrsfläche ausgewiesene Grundstücksfläche seit dem Flächenwidmungsplan Nr. 5, rechtswirksam ab 08.05.2014 (siehe Beilage 8), fast zur Gänze als Grünland - für Land- und Forstwirtschaft gewidmete Fläche mit der Ersichtlichmachung "Wald entsprechend der forstrechtlichen Planung" und nur eine kleine Teilfläche als Grünland - für Landnd Forstwirtschaft gewidmete Fläche ohne Ersichtlichmachung gewidmet. Diese Widmung sowie die Ersichtlichmachung sind auch im Flächenwidmungsplan Nr. 6, rechtswirksam ab 15.10.2020 (siehe Beilage 9), ausgewiesen. 3.2 Rodungsbewilligung Wie ein historisches Orthofoto aus 2014 zeigt, war das Grundstück ***36*** KG ***23*** im Jahr 2014 bis auf die nördliche Spitze, und somit auch zum Stichtag 01.01.2014, bewaldet. Die Rodung einer Teilfläche des Waldgrundstücks ***36*** KG ***23*** wurde mittels Bescheid vom 02.11.2018 durch die Bezirkshauptmannschaft Gemeinde1 bewilligt. 3.3 Gutachterliche Feststellung Aufgrund der vorliegenden Informationen und Unterlagen handelte es sich bei dem Grundstück ***36*** KG ***23*** zum Stichtag 01.01.2014 - bis auf die nördliche Spitze - um ein Waldgrundstück und somit um forstwirtschaftliches Vermögen." In der Stellungnahme vom 13.2.2023 zum Sachverständigengutachten führte die belangte Behörde aus, die Grundstücke ***64***, ***65***, ***59*** KG ***23*** seien seit 1.1.2014 als Baugrundstücke bewertet, da es sich um Betriebsbaugebiet handelt (Grundvermögen) Das Grundstück ***36*** KG ***91*** sei zum 1.1.2014 mit einer Fläche von 1.055 m2 für die Nordeinfahrt (Pförtnerhaus) als Grundvermögen bewertet worden, die restliche Fläche als forstwirtschaftliche Fläche. Dies werde erst mit Errichtung der neuen Einfahrt mit großer Parkfläche geändert; die als forstwirtschaftlich gewidmete Fläche bleibe auch weiterhin im landwirtschaftlichen Einheitswert erfasst (die Rodungsbewilligung dürfte den Teil, der It Luftbild bereits als Parkfläche ausgewiesen ist, betreffen; diese liege noch nicht vor bzw. ist im System noch nicht ersichtlich). Die gutachterlichen Feststellungen des beauftragten Sachverständigen würden sich mit den von der belangten Behörde vorgenommenen Bewertungen decken. In der Stellungnahme vom 1. März 2023 brachte die beschwerdeführende Partei vor: "Der Gutachter stellt bei seiner Bewertung It. Punkt 2 des Gutachtens ausschließlich auf die Widmung der betreffenden Grundstücke ab und führt des Weiteren aus, dass ein Marktteilnehmer ein Grundstück mit Baulandwidmung auch als solches wahrnehme und dementsprechend zu Baulandpreisen zu kaufen bereit wäre. Dies wird auf als Bauland gewidmete Grundstücke jedoch stets zutreffen und möchten wir folglich auch gar nicht bestreiten. Mehr oder weniger ausschließlich aus diesem Grund festzustellen, dass es sich daher um Grundvermögen handle, entspricht unseres Erachtens aber nicht dem Stand der höchstgerichtlichen Rechtsprechung. Nach der Judikatur des VwGH rechtfertigt die Widmung eines Grundstücks als Bauland oder Gewerbegebiet für sich allein nämlich noch nicht, ein land- oder forstwirtschaftlich genutztes Grundstück dem Grundvermögen zuzurechnen. Auf den Umstand, dass die ***Bf1*** keine Umwidmung beantragt hat, kann es unseres Erachtens daher ebenso nicht ankommen, zumal Rechtsunterworfene gar keinen Anspruch auf Widmung haben und eine solche bei der Behörde bloß anregen können. Umgekehrt könnte die Behörde auch ohne Zutun des Grundeigentümers eine Widmungsänderung vornehmen, ohne dass sich die tatsächliche Nutzung des betreffenden Grundstücks durch den Grundeigentümer dadurch zwangsläufig ändert. Wir sind der Ansicht, dass das Finanzamt in seiner Stellungnahme vom 22.07.2022 mit dem VwGH-Erkenntnis vom 26.02.2014 (VwSIg 8888 F/2014) durchaus die maßgebliche Rechtsprechung zitiert, daraus jedoch die falschen Schlüsse gezogen hat. So mögen die Verwertungsmöglichkeiten als Bauland zwar gegeben sein, § 52 Abs 2 BewG legt der Behörde jedoch auch die Verpflichtung auf, eine Tendenz und die Annahme zu erforschen, ob land- und fortwirtschaftlich genutzte Grundflächen, in absehbarer Zeit anderen als land- und forstwirtschaftlichen Zwecken dienen werden. Die Behörde - in Berufung auf Herrn ***81*** - argumentiert insbesondere, dass die angrenzenden Grundstücke Nr. ***64*** und ***65*** bereits verbaut sind und aufgrund dieses Umstandes auf die wahrscheinliche Verbauung des verfahrensgegenständlichen Grundstücks in absehbarer Zeit geschlossen werden könne. Diesbezüglich geben wir zu bedenken, dass es sich bei den Häusern auf den angrenzenden Grundstücken nicht um Neubauten handelt, die eine ebenfalls baldig zu erwartende Bebauung der Grundstücke Nr. ***64*** und ***65*** indizieren. Bei den Häusern handelt es sich vielmehr um Altbauten, die bis auf eines bereits ersatzlos abgetragen wurden. Die gem. § 52 Abs 2 leg cit zu erforschende Tendenz zeigt unseres Erachtens daher eher in die gegenteilige als in jene von der Behörde vermutete Richtung. Eine Wiederbebauung der im Eigentum der 100%igen Tochtergesellschaft ***77*** (FN ***92***) befindlichen Grundstücke Nr. ***79*** und ***80*** ist nicht angedacht, zumal am Gelände des Werk ***55*** besser geeignete Flächen (z.B. die ebenfalls im Eigentum der ***77*** befindlichen Grundstücke der Katastralgemeinde ***66*** Nr. ***73*** mit 105.000 m 2 , ***73*** mit 61.960 m 2 , ***93*** mit 12.671 m 2 und der Katastralgemeinde ***55*** Nr. ***94*** mit 21.562 m 2 sowie neu ab 01.01.2026 (Übergabezeitpunkt) Grundstück Nr. ***95*** mit ca. 43.725 m 2 ) für eine allfällige Betriebserweiterung zu Verfügung stehen. Aus demselben Grund ist auch nicht anzunehmen, dass die verfahrensgegenständlichen Grundstücke Nr. ***64*** und ***65*** in absehbarer Zeit anderen als land- und forstwirtschaftlichen Zwecken dienen werden." II. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen: Im Verwaltungsverfahren und dem gerichtlichen Ermittlungsverfahren war zuletzt die Bewertung des Grundstückes GB ***23*** EZ ***35*** GSt ***36*** und der Grundstücke GB ***23*** EZ ***34*** GSt ***64***, GSt ***65***, ***59*** strittig. Zum Grundstück GB ***23*** EZ ***35*** GSt ***36*** vertrat Beschwerdeführerin die Ansicht, die Fläche sei im Umfang vom 19.143m² forstwirtschaftlich genutzt. Die beschwerdeführende Partei brachte vor, dass das Grundstück ***36*** im Umfang 1.055 m² zum 01.01.2014 als Verkehrsfläche genutzt wurde, die restliche Fläche von 19.143 sei bewaldet gewesen und forstwirtschaftlich zu bewerten, wie aus dem vorgelegten Luftbild mit Flugdatum 2014 hervorgehe. Unstrittig ist, dass die Fläche zum 01.01.2014 (ausgenommen die Verkehrsfläche von 1.055m²) bewaldet war und nach wie vor ist. Strittig ist die Frage, ob die als landwirtschaftliche Nutzung ausgewiesene Widmung Einfluss auf die Bewertung als forstwirtschaftliches oder landwirtschaftliches Vermögen hat.. Der Hektarsatz für forstwirtschaftlich genutzte Flächen beträgt 359,92 EUR/ha, jener für die derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche beträgt 700,80 EUR/ha. Die tatsächliche Nutzung als Forst zum Bewertungsstichtag wird auch durch das Sachverständigengutachten vom 26. 1. 2023 bestätigt. Hier ist die Widmung alleine nicht ausschlaggebend, sodass die tatsächliche forstwirtschaftliche Nutzung maßgeblich ist. Das Grundstück ist daher dem forstwirtschaftlichen Vermögen zuzurechnen und vom landwirtschaftlichen Vermögen herauszunehmen. Zu den Grundstücken GB ***23*** EZ ***34*** GSt ***64***, GSt ***65***, ***59*** wurden zum Stichtag 01.01.2014 als Baulandgrundstücke und somit als Grundvermögen bewertet. Bei der Feststellung des land- und forstwirtschaftlichen Einheitswertes blieben sie daher unberücksichtigt. § 52 Abs. 2 des Bewertungsgesetzes 1955 (BewG) legt den Abgabenbehörden die Verpflichtung auf, eine Tendenz ("in absehbarer Zeit") und eine Annahme ("wenn anzunehmen ist") zu erforschen (vgl. z.B. das hg. Erkenntnis vom 25. Februar 1983, 81/17/0040, mwN). Dabei sind im Rahmen der Verwertungsmöglichkeiten nicht nur wirtschaftliche Gegebenheiten, sondern auch bestehende Rechtsvorschriften zu berücksichtigen, wobei zur Prüfung der Wahrscheinlichkeit nach objektiven Kriterien vorzugehen ist. Die Widmung eines Gebietes als Bauland oder als Gewerbegebiet im Rahmen der örtlichen Raum- oder Flächenwidmungsplanung rechtfertigt es beispielsweise für sich allein noch nicht, ein land- oder forstwirtschaftlich genutztes Grundstück dem Grundvermögen zuzurechnen. Ist jedoch aufgrund von zur Baulandwidmung hinzutretenden objektiven Umständen - insbesondere betreffend die örtliche Lage und Aufschließung der Liegenschaft, die bauliche Entwicklung in der Umgebung sowie die zum Bewertungsstichtag gegebene und für die Zukunft zu erwartende Marktlage - anzunehmen, dass eine landwirtschaftlich genutzte Fläche in absehbarer Zeit vom genannten Stichtag anderen als land- und forstwirtschaftlichen Zwecken dienen wird, so rechtfertigt dies - ohne dass es hiebei auf die Absichten des jeweiligen Grundeigentümers ankommt - durchaus die Zuordnung der Liegenschaft zum Grundvermögen (vgl. VwGH 26.2.2014, 2010/13/0052 und die dort zitierte Judikatur). Im gegenständlichen Fall spricht die festgestellte Widmung der Grundstücke ***64***, ***65*** u. ***59*** KG ***23*** (Punkt 2.1. des Sachverständigengutachtens vom 26. Jänner 2023), Aufschließung (Punkt 2.2. des Sachverständigengutachtens vom 26. Jänner 2023), sowie die Marktsituation (Punkt 2.3. des Sachverständigengutachtens vom 26. Jänner 2023) für die Bewertung der Grundstücke zum Stichtag 01.01.2014 als Baulandgrundstücke und somit als Grundvermögen. Der Einwand, der Gutachter stelle bei seiner Bewertung It. Punkt 2 des Gutachtens ausschließlich auf die Widmung der betreffenden Grundstücke ab, kann somit vom Gericht nicht nachvollzogen werden. Insbesondere auch die unbestrittene Aufschließung der Grundstücke, sowie die Marktsituation sprechen neben der Widmung für die Zuordnung der Liegenschaft zum Grundvermögen. Somit konnte die beschwerdeführende Partei selbst in diesem Punkt keine Unschlüssigkeit des Sachverständigengutachtens vom 26. Jänner 2023 aufzeigen, sodass kein Grund vorliegt, warum das Gericht nicht diesen Feststellungen folgen soll. Die Grundstücke GB ***23*** EZ ***34*** GSt ***64***, GSt ***65***, ***59*** bleiben bei der Feststellung des land- und forstwirtschaftlichen Einheitswertes daher zu Recht unberücksichtigt. Auf die Ausführungen im angefochtenen Bescheid, sowie in der Beschwerdevorentscheidung wird verwiesen. Aufgrund der Änderung der Zurechnung des Grundstückes GB ***23*** EZ ***35*** GSt ***36*** im Umfang vom 19.143m² zum forstwirtschaftlichen Vermögen ergibt sich folgende Berechnung des Einheitswertes: | Nutzung | Fläche | Hektarsatz (EUR) | Ertragswert (EUR) | (ha) | Landwirtschaftlich genutzte Flächen | 10,5951 (laut BVE) abzüglich 1,9143 ergibt 8,6521 | 700,8 | 6.063,39 | Forstwirtschaftlich genutzte Flächen | 146,55 (lt BVE) +1,91 ergibt 148,46 | 359,92 | 53.433,72 | Gärtnerisch/baumschulmäßig genutzte Flächen | 6,184 |   | 15.955,96 | Zwischensumme |   |   | 75.453,07 | Einheitswert (gerundet gem. § 25 BewG) | | | 75.500,00 Im Übrigen wird auf die obigen Ausführungen verwiesen. Zur Zulässigkeit der Revision: Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Da im gegenständlichen Fall lediglich Fragen auf der Sachverhaltsebene strittig waren und die Beweiswürdigung des Verwaltungsgerichtes nur in beschränktem Maße, nämlich nur hinsichtlich ihrer Schlüssigkeit, nicht aber hinsichtlich ihrer Richtigkeit, einer Überprüfung durch den Verwaltungsgerichtshof unterliegt, war die Lösung einer Rechtsfrage, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, nicht gegeben. Die Beweiswürdigung orientiert sich an der zitierten ständigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes. Linz, am 30. Mai 2023

Normen und Schlagworte

Herkunft

Herkunft dieses Textes

Bestand
BFG-Entscheidungen
Dokumenttyp
Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
Geschäftszahl
RV/5100679/2018
ECLI
ECLI:AT:BFG:2023:RV.5100679.2018
Stammnummer
140855
Gültig
30.05.2023 bis auf Weiteres
Stand Bestandsliste
25.09.2026 06:13
Von uns abgerufen
26.09.2026
Quelle
Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
Lizenz
CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF

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