Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7103307/2021
Wiederaufnahme von Verfahren
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7103307/2021vom 05.10.2022Teil 2 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Auch im Abgabeninformationssystem der Bundesfinanzverwaltung waren keine Beschwerdevorentscheidungen betreffend die Wiederaufnahme des Verfahrens ersichtlich (die jeweils angeführten BVE sind die nachstehend wiedergegebenen Beschwerdevorentscheidungen betreffend der Sachbescheide):
2013
[Grafik]
[Grafik]
2014
[Grafik]
[Grafik]
2015
[Grafik]
[Grafik]
In der gemeinsamen Begründung der Beschwerdevorentscheidungen wird zwar einleitend auch auf die Wiederaufnahme der Verfahren Bezug genommen, in weiterer Folge finden sich aber keine inhaltlichen Ausführungen zur Beschwerde betreffend die Wiederaufnahme der Verfahren.
Umsatzsteuer
Umsatzsteuer 2013
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 9. Juli 2018 wurde die Beschwerde vom 21. Juli 2017 gegen den Umsatzsteuerbescheid 2013 vom 20. Juni 2017 als unbegründet abgewiesen (OZ 41).
Umsatzsteuer 2014
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 9. Juli 2018 wurde die Beschwerde vom 21. Juli 2017 gegen den Umsatzsteuerbescheid 2014 vom 20. Juni 2017 als unbegründet abgewiesen (OZ 42).
Umsatzsteuer 2015
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 9. Juli 2018 wurde die Beschwerde vom 21. Juli 2017 gegen den Umsatzsteuerbescheid 2015 vom 20. Juni 2017 als unbegründet abgewiesen (OZ 43).
Einkünftefeststellung
Einkünftefeststellung für das Jahr 2013
BESCHEID ÜBER DIE FESTSTELLUNG VON EINKÜNFTEN GEM. § 188 BAO 2013
Beschwerdevorentscheidung gem. § 262 BAO
Aufgrund der Beschwerde vom 21.07.2017 wird der Bescheid vom 20.06.2017 geändert.
Die Einkünfte der Bf aus Land- und Forstwirtschaft für das Jahr 2013 wurden mit Beschwerdevorentscheidung vom 3. Juli 2018 mit 159.711,82 € festgestellt, wobei diese wie folgt aufgeteilt wurden (OZ 38):
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***7*** ***1***
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Anteil Einkünfte
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113.436,89 €
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StNr. ***8***
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Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
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3.442,79 €
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Grundfreibetrag
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2.632,50 €
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***9*** ***1***
|
Anteil Einkünfte
|
38.109,00 €
|
StNr. ***10***
|
Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
|
2.705,05 €
| |
Grundfreibetrag
|
1.072,50 €
|
***7*** ***1***
|
Anteil Einkünfte
|
8.165,93 €
|
StNr. ***11***
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Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
|
491,83 €
| |
Grundfreibetrag
|
195,00 €
Einkünftefeststellung für das Jahr 2014
BESCHEID ÜBER DIE FESTSTELLUNG VON EINKÜNFTEN GEM. § 188 BAO 2014
Beschwerdevorentscheidung gem. § 262 BAO
Aufgrund der Beschwerde vom 21.07.2017 wird der Bescheid vom 20.06.2017 geändert.
Die Einkünfte der Bf aus Land- und Forstwirtschaft für das Jahr 2014 wurden mit Beschwerdevorentscheidung vom 3. Juli 2018 mit 233.590,58 € festgestellt, wobei diese wie folgt aufgeteilt wurden (OZ 39):
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***7*** ***1***
|
Anteil Einkünfte
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155.259,23 €
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StNr. ***8***
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Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
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6.665,53 €
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Grundfreibetrag
|
2.632,50 €
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***9*** ***1***
|
Anteil Einkünfte
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67.289,25 €
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StNr. ***10***
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Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
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5.237,20 €
| |
Grundfreibetrag
|
1.072,50 €
|
***7*** ***1***
|
Anteil Einkünfte
|
11.042,20 €
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StNr. ***11***
|
Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
|
952,22 €
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Grundfreibetrag
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195,00 €
Einkünftefeststellung für das Jahr 2015
BESCHEID ÜBER DIE FESTSTELLUNG VON EINKÜNFTEN GEM. § 188 BAO 2015
Beschwerdevorentscheidung gem. § 262 BAO
Aufgrund der Beschwerde vom 21.07.2017 wird der Bescheid vom 20.06.2017 geändert.
Die Einkünfte der Bf aus Land- und Forstwirtschaft für das Jahr 2015 wurden mit Beschwerdevorentscheidung vom 3. Juli 2018 mit 138.392,41 € festgestellt, wobei diese wie folgt aufgeteilt wurden (OZ 40):
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***7*** ***1***
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Anteil Einkünfte
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94.582,71 €
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StNr. ***8***
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Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
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3.007,10 €
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Grundfreibetrag
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2.632,50 €
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***9*** ***1***
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Anteil Einkünfte
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37.010,41 €
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StNr. ***10***
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Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
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2.362,72 €
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Grundfreibetrag
|
1.072,50 €
|
***7*** ***1***
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Anteil Einkünfte
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6.799,29 €
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StNr. ***11***
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Freibetrag für investierte Gewinne von körperlichen Wirtschaftsgütern
|
429,59 €
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Grundfreibetrag
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195,00 €
Begründung
Die undatierte gesonderte Bescheidbegründung lautet (OZ 45):
Bescheidbegründung
An Sie wurde eine durch das Bundesrechenzentrum ausgefertigte Beschwerdevorentscheidung betreffend den
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2013 vom 20.06.2017
Umsatzsteuerbescheid 2013 vom 20. 06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2013 vom 20.06.2017
Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2013 vom 20.06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2014 vom 20.06.2017
Umsatzsteuerbescheid 2014 vom 20. 06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2014 vom 20.06.2017
Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2014 vom 20.06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2015 vom 20.06.2017
Umsatzsteuerbescheid 2015 vom 20. 06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2015 vom 20.06.2017
Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2015 vom 20.06.2017
am 03.07.2018 abgefertigt. Bitte beachten Sie, dass es bei dem automationsunterstützt versendeten Bescheid und der vorliegenden händisch versendeten Begründung zu unterschiedlichen Zustellungszeitpunkten kommen kann.
Die ***1*** KG ging per 01.01.2008 aus der Einbringung des bilanzierenden land- und forstwirtschaftlichen Einzelunternehmens ***1*** ***7*** hervor und der Gewinn der ***1*** KG wird wie folgt verteilt:
***1*** ***9***: 55% (Komplementärin)
***1*** ***7*** sen. Vorweggewinn und 35% (Kommanditist)
***1*** ***7*** jun. 10% (Kommanditist)
Die ***1*** KG bewirtschaftet zum Stichtag 01.01.2014 ca. 258 ha, wovon ca 26 ha forstwirtschaftlich genutzt werden.
Neben der Sacheinlage des ***1*** ***7*** (ca 229 ha) werden noch 8 ha Eigengrund der KG, 19 ha Pachtgrund (von ***1*** ***9*** zugepachtet) und 2 ha fremdzugepachteter Grund bewirtschaftet.
Frau ***9*** ***1*** bewirtschaftet einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb mit ca 71 ha zum 01.01.2014. Sie hat ca 19 ha an die ***1*** KG und ca 11 ha (10 ha davon in ***14***) fremdverpachtet.
Die von ***9*** ***1*** bewirtschafteten Flächen befinden sich im Gemeindegebiet von ***16*** und ***17***. Die Einkünfte werden im Wege der Vollpauschalierung ermittelt.
Den Erhebungen des Prüfers folgend
*) wird die Bewirtschaftung der Landwirtschaft unter nahen Angehörigen aufgeteilt.
*) ist ***9*** ***1*** Komplementärin und Hauptbeteiligte an der ***1*** KG.
*) wurden im Wege der Sacheinlage die Liegenschaften und der Maschinenpark des ***1*** ***7*** eingebracht.
*) erfolgt die Bewirtschaftung der gesamten selbstbewirtschafteten Flächen von einer Hofstelle aus mit denselben Maschinen und Geräten.
*) liegt neben eigenen Konten und eigenen AMA-Abrechnungen auch ein getrenntes Belegwesen vor.
*) liegt eine idente Bewirtschaftung (biologische Landwirtschaft) und ein gemeinsamer Vertrieb vor.
*) wurde das gleiche Personal eingesetzt.
*) konnte der Nachweis der vollständigen Leistungsverrechnung nicht zweifelsfrei erbracht werden.
Nach Abschluss der Erhebungen kam der Prüfer zum Ergebnis, dass im Anlassfall der von der ständigen höchstgerichtlichen Rechtsprechung geforderte enge
*) wirtschaftliche (Biobetrieb / Getreidewirtschaft / gemeinsamer Vertrieb)
* technische (gemeinsame Hofstellen- und Maschinennutzung) und
* organisatorische (gemeinsames Personal / mangelhafte Nachvollziehbarkeit der Leistungsverrechnung)
Zusammenhang besteht und daher ein einheitlicher Betrieb vorliegt.
Beschwerdevorbringen:
Mit Beschwerde vom 21.07.2017 haben Sie die Bescheide über die Wiederaufnahme des Umsatzsteuer- und Feststellungsverfahrens für die Jahre 2013, 2014 und 2015 sowie die Sachbescheide zur Einkünftefeststellung und zur Umsatzsteuer für die Jahre 2013, 2014 und 2015 bekämpft und begründend vorgebracht:
Ursprünglich bestand ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb, welcher von Hr. ***7*** ***1*** sen. geführt wurde. Seit 1989 bewirtschaftet auch ***9*** ***1*** (Gattin des ***7*** ***1*** sen.) einen landwirtschaftlichen Betrieb.
Im Jahr 2008 wurde der Betrieb von ***7*** ***1*** sen. per Sacheinlage in die KG eingelegt und seit diesem Zeitpunkt besteht der Betrieb der KG neben dem Betrieb der ***9*** ***1***.
*) Die ***1*** KG bewirtschaftet überwiegend Flächen in ***3*** und ***9*** ***1*** bewirtschaftet Flächen in ***16***, ***17*** und ***14***.
*) Der Betrieb von ***9*** ***1*** hat keine eigenen Maschinen und Geräte sondern mietet diese zu Maschinenringsätzen von der ***1*** KG an.
*) Sowohl die ***1*** KG als auch der Betrieb von ***9*** ***1*** führen nachweislich ein eigenes Rechnungswesen, stellen im eigenen Namen und auf eigene Rechnung Ausgangsrechnungen aus und erhalten Eingangsrechnungen.
*) Die beiden Betriebe verfügen zwar über eine gemeinsame Hofstelle, das Konzept von ***9*** ***1*** erfordert aber keine eigene Hofstelle, da das zugekaufte Saatgut direkt auf die landwirtschaftlichen Flächen geliefert und dort ausgesät wird und die Ernte unmittelbar zur Annahmestelle des Abnehmers Fa. ***19*** GmbH (bei der ***1*** KG eingemietet) gebracht wird, wo auch einige andere Biolandwirte aus der Umgebung ihre Produkte abliefern.
*) Der Betrieb der ***1*** KG wird überwiegend von ***7*** ***1*** bewirtschaftet, während jener von ***9*** ***1*** von dieser selbst unter entgeltlicher Zuhilfenahme von Maschinen und Geräten der ***1*** KG bewirtschaftet wird.
*) Die organisatorische Trennung ergibt sich aus dem Umstand der räumlichen Trennung sowie der selbständigen Planung, Entscheidung und Bewirtschaftung.
*) Aufgrund der langjährigen Tätigkeit in der Landwirtschaft verfügen sowohl ***7*** sen. als auch ***9*** ***1*** über ausreichende landwirtschaftliche Kenntnisse und Erfahrungen.
*) Es erfolgten bei beiden Betrieben getrennte Wareneinkaufe, getrennte sonstige Anschaffungen und getrennte Verrechnungen.
*) Die ***1*** KG vermietet ihre Maschinen nicht nur an den Betrieb von ***9*** ***1*** sondern auch an zwei bis drei weitere Landwirte und ***9*** ***1*** konnte alternativ zu denselben Konditionen die Dienstleistungen auch vom Maschinenring anmieten.
*) Beide Betriebe haben einen gesonderten Abnahmevertrag mit der Fa. Bioprodukte ***19*** GmbH und 7-10 weiter Landwirte liefern ihre Produkte ebenfalls zur Übernahmestelle bei der ***1*** KG.
*) Es liegt kein einheitlicher Betrieb vor, da beide Betriebe gesondert Unternehmerrisiko und Unternehmerchance tragen, was sich in den unterschiedlichen Abnahmepreisen je nach Qualität und Trocknungslage widerspiegelt. Aus dem Umstand der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom gemeinsamen Hauptabnehmer kann nicht der Schluss gezogen werden, dass ein einheitlicher Betrieb vorliegt.
*) Sämtliche Geschäftskontakte zwischen den Betriebsführern werden wie Fremdleistungen erfasst und aufgezeichnet. Für die Verrechnung der Maschinenstunden werden die Maschinenringsätze herangezogen. Die Verrechnung und Bezahlung erfolgt zweimal jährlich (in der Landwirtschaft durchaus üblich).
*) Beide Betriebe verfügen über eigene Bankkonten, sind bei der Agrarmarkt Austria gesondert gemeldet und erhalten auch die gesetzlich vorgesehenen Förderungen gesondert. Beide Betriebe sind Mitglieder der Bio Austria und haben eigene Kontrollverträge mit der ***23*** GmbH.
*) Beide Betriebe sind einkaufs- und absatzseitig gesondert erfasst und sind gesondert Partner der Versicherungen (Hagel/SVdB).
Die im Beschwerdevorbringen dargestellten Umstände im Anlassfall wurden dann von Ihnen den einzelnen, in Rz 411 EStR aufgezahlten Merkmalen für einen einheitlichen Betrieb gegenübergestellt.
1.) Wirtschaftliche Über- und Unterordnung zwischen den Betrieben liegt nicht vor, da sich die beiden Betriebe weder in wirtschaftlicher Abhängigkeit gegenüberstehen noch sich ergänzen.
2.) Die Hilfsfunktion eines Betriebes gegenüber dem anderen liegt ebenfalls nicht vor, da die Maschinenvermietung auch an andere Landwirte erfolgt fremdüblich verrechnet wird, bzw. die Maschinen und Geräte auch vom Maschinenring hatten bezogen werden können.
3.) Eine räumliche Verflechtung liegt ebenfalls nicht vor, da ***9*** ***1*** keine eigene Hofstelle benötigt und das ähnliche Leistungsprogramm nicht das wirtschaftliche Ergebnis einer Kooperation sondern eine Folge der Anpassung an die Wetterbedingungen ist.
Die räumliche Nähe ist lediglich durch den Umstand begründet, dass die Abnahmefirma die Übernahmestelle am Standort der KG hat.
4.) Die Verwendung ähnlicher Rohstoffe ergibt sich aus dem Umstand, dass die Produktion von den gegenwärtigen Wetterbedingungen abhängig ist.
In den letzten Jahren wurden außerdem bereits Betriebsprüfungen bei beiden Betrieben durchgeführt, wobei die beiden Betriebe zweifelsfrei als gesonderte Betriebe betrachtet wurden.
In Anknüpfung an die Entscheidung des BFG vom 23.03.2017 (RV/7103204/2012) wird für den Anlassfall festgehalten, dass eine gewisse Verflechtung nicht zwingend eine Zusammenführung von zwei Betrieben mit sich bringt. Entscheidend ist vielmehr, ob die Bindungen zwischen den Betrieben nach objektiven Merkmalen so eng ist, dass die Betriebe nach der Verkehrsauffassung als eine Einheit anzusehen sind, wobei auch die Merkmale Unternehmerinitiative und Unternehmerrisiko nicht außer Acht gelassen werden dürfen.
Ihrem Beschwerdevorbringen ist zu entgegnen:
Wie in der Beschwerde zutreffend ausgeführt wurde, ist - der höchstgerichtlichen Rechtsprechung folgend - nach der Verkehrsauffassung und nach den Betriebsverhältnissen bei engem wirtschaftlichem organisatorischem und technischem Zusammenhang von einem einheitlichen Betrieb auszugehen (u.a. VwGH 22.11.1994, 94/15/0154).
Von einem einheitlichen Betrieb ist jedenfalls dann auszugehen, wenn sich die betriebliche Tätigkeit als Betrieb einer Personengemeinschaft darstellt, die ein gemeinsames wirtschaftliches Ziel verfolgen. Dabei sind die Normen des ABGB zu beachten, die auch für den Bereich der Land- und Forstwirtschaft Gültigkeit haben (Grillberger in Rummel, ABGB3, § 1175 Rz 3).
Im gegenständlichen Fall bewirtschaftet die KG neben Eigengrund und Grund des Kommanditisten ***7*** ***1*** sen. auch von ***9*** ***1*** (Komplementärin) zugepachtete Flächen im Ausmaß von 19 ha in ***16***. ***9*** ***1*** wiederum bewirtschaftet neben Eigengrund zumindest im Jahr 2013 auch von der KG zugepachtete Flachen im Ausmaß von 20,7 ha in ***3***.
Aus dem im Akt vorliegenden Zusammenschlussvertrag ist ersichtlich, dass Frau ***9*** ***1*** eine Pflichteinlage von € 20.000 zu leisten hatte und außerdem ihre gesamte Arbeitskraft einbringt sowie die unbeschränkte Haftung für Betriebsverbindlichkeiten übernimmt.
***7*** ***1*** hatte eine Pflichteinlage von € 10.000 zu leisten und
***7*** ***1*** sen. brachte sein Einzelunternehmen (insbes. LuF-Liegenschaften und den gesamten Maschinenpark), welches als Sacheinlage mit € 35.000 bewertet wurde, ein.
Die Gewinnverteilung wurde mit 55 % für ***9*** ***1***, 10 % für ***7*** ***1*** jun. und 35 % für ***7*** ***1*** sen., wobei ***7*** ***1*** sen. einen Vorweggewinn iHv. 50% des Gewinnes erhält, vertraglich festgehalten.
Wofür ***7*** ***1*** sen. den Vorweggewinn erhält geht aus dem Vertrag nicht hervor.
***9*** ***1*** bringt It. Vertrag neben der Pflichteinlage und der unbeschränkten Haftungsübernahme auch ihre gesamte Arbeitskraft ein und ihr obliegt auch die Geschäftsführung.
Dem Vorbringen, dass die von der KG und von Fr. ***1*** bewirtschafteten Grundstücke in unterschiedlichen Gemeinden liegen, kann keine Bedeutung zugemessen werden, da die Liegenschaften in ***14*** fremdverpachtet sind und die Liegenschaften in ***16*** und ***17*** ebenso wie die Liegenschaften in ***3*** ausschließlich mit den Maschinen und bei Bedarf auch mit dem Personal der KG bewirtschaftet werden und außerdem Flächen in ***16*** bzw. ***3*** auch wechselseitig verpachtet werden.
Das Beschwerdevorbringen führt aus, dass die KG auch an andere Landwirte Maschinenleistungen zu Maschinenringsätzen erbringt, es wurden aber bisher keine Nachweise dazu vorgelegt.
Eine Gegenüberstellung der an ***9*** ***1*** verrechneten Hektarsatze mit den ÖKL-Richtwerten hat gezeigt, dass diese erheblich voneinander abweichen.
So wurden beispielsweise für den Mähdrusch € 90 je ha verrechnet, während It. ÖKL-Richtwerten € 140 für Getreide und € 150 für Raps angemessen waren.
Für eine Zugmaschine mit Pflug wurden € 45 je ha verrechnet und € 120 je ha waren angemessen.
Für eine Zugmaschine mit Scheibeneggen wurden € 17 je ha. In Rechnung gestellt und € 39 je ha waren angemessen gewesen.
Für eine Zugmaschine mit Kreiselegge wurden € 30 verrechnet und € 64 waren angemessen gewesen,
um nur einige Werte zu nennen.
Vom Prüfer wird im Bericht angeführt, dass die Verrechnung nicht vollständig nachvollziehbar ist. Es fehlen Aufzeichnungen darüber, in welchem Umfang und wofür Fremdpersonal der KG bei Frau ***1*** eingesetzt wurde und es wurden auch keine Verrechnungen vorgenommen.
Die Nutzung einer gemeinsamen Hofstelle ist aus Sicht der Behörde ein weiteres starkes Indiz für einen gemeinsamen Betrieb und das Vorbringen, dass Fr. ***1*** ein Konzept verfolgt für das sie keine Hofstelle braucht, ist nicht nachvollziehbar.
Ein land- und forstwirtschaftlicher Betrieb ohne Hofstelle birgt für den Landwirt zu große Risiken z.B. bei Schlechtwetter, bei Maschinenbruch, bei Liefer- oder Abnahmeverzögerungen,... usw. stehen keine Lagerkapazitäten zur Verfügung.
Der steuerlichen Vertretung ist darin beizupflichten, dass ein getrenntes Rechnungswesen, eine getrennte Rechnungslegung, getrennte Bankkonten, getrennte Abnahmevertrage, getrennte AMA-Meldungen und getrennte Sozial- u. sonstige Versicherungen vorliegen, was im Anlassfall für auf dem Papier getrennte Betriebe spricht.
Mit den unterschiedlichen Abnahmepreisen je nach Qualität und Trockenheit der Produkte wird das für beide Betriebe gesondert getragene Unternehmerrisiko und die Unternehmerchance argumentiert und dabei übersehen, dass hier für die ***1*** KG und für ***9*** ***1*** die gleichen Rahmenbedingungen gelten, d.h. der Abnahmepreis richtet sich ausschließlich nach der Qualität der Produkte und nicht danach, von wem die Produkte verkauft werden.
Hinzu kommt noch, dass ***9*** ***1*** als Komplementärin und alleinige Geschäftsführerin die unternehmerischen Entscheidungen der KG zu treffen hat (ausgenommen Einschränkungen It. Punkt 10 des Zusammenschlussvertrages).
Zusammenfassen ist zu sagen, dass im Anlassfall zwar eine Trennung der Betriebe auf dem Papier vorliegt, diese Trennung nach den tatsachlichen Verhältnissen aber nicht gelebt wird. Das gleiche Produktsortiment, die gleichen Rohstoffe, die gemeinsame Nutzung der Hofstelle, die gemeinsame Nutzung der vorhandenen Maschinen und des vorhandenen Hilfspersonals und die gemeinsame Vermarktung der Produkte spricht nach der Verkehrsauffassung für das Vorliegen eines einheitlichen Betriebes, weshalb die Beschwerde in diesem Punkt abweisend zu erledigen war.
Ihrem Beschwerdevorbringen zu Tz 4 des BP-Berichtes - Anschaffung Garagentore - wird Folge gegeben und die Bescheide über die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für die Jahre 2013, 2014 und 2015 werden entsprechend Ihrer Darstellung abgeändert.
Berechnung
Hierzu erfolgte eine Neuberechnung (OZ 44).
Vorlageantrag
Mit Schreiben der steuerlichen Vertretung vom 1. August 2018 stellte die Bf Vorlageantrag (OZ 46):
Im Namen und Auftrag der ***1*** KG stellen wir hinsichtlich der Beschwerdevorentscheidung des Finanzamtes Bruck Eisenstadt Oberwart vom 03.07.2018 bzw. 09.07.2018 innerhalb offener Frist den
Antrag gemäß § 264 BAO auf Entscheidung über die Beschwerde vom 21. Juli 2017 durch das Bundesfinanzgericht
und begehren die Abänderung gem § 302 Abs 1 BAO der angeführten Bescheide für die einzelnen Zeiträume:
- Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2015 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Umsatzsteuerbescheid 2015 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem § 188 BAO für das Jahr2015 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Bescheid über die Feststeilung von Einkünften gem § 188 BAO für das Jahr 2015 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2014 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Umsatzsteuerbescheid 2014 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem § 188 BAO für das Jahr 2014 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem § 188 BAO für das Jahr 2014 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2013 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Umsatzsteuerbescheid 2013 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem § 188 BAO für das Jahr 2013 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
- Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem § 188 BAO für das Jahr 2013 vom 20. Juni 2017, eingelangt am 22. Juni 2017
Begründung:
Grundsätzlich beziehen wir uns auf die bereits in der Beschwerde angeführte Begründung. Darüber hinaus bzw. ergänzend möchten wir folgende Punkte schärfen bzw ausführlicher erläutern:
In der Bescheidbegründung vom 09.07.2018 wird laufend auf die fehlende vollständige Nachvollziehbarkeit der Verrechnung des Personals von der ***1*** KG an Frau ***9*** ***1*** Bezug genommen. Es wird dabei jedoch übersehen, dass es mangels der Erbringung Personalleistungen von der ***1*** KG an Frau ***9*** ***1*** keine Verrechnung dieser Leistungen vorhanden ist und natürlicherweise auch nicht nachgewiesen werden kann. Wie bereits in der Bescheidbeschwerde öfters ausgeführt wird der Betrieb der ***1*** KG überwiegend von Herrn ***7*** ***1*** sen. und der Betrieb von Frau ***9*** ***1*** von ihr selbst bewirtschaftet. Somit kann uE diese Feststellung seitens der Finanzverwaltung nicht als Argument für eine organisatorische und personelle Verflechtung der beiden Betriebe herangezogen werden.
2. Ferner wurde seitens der Finanzverwaltung eine mangelhafte Nachvollziehbarkeit der Leistungsverrechnung der Maschinen und Gerate behauptet. In der Beilage 5 der Bescheidbeschwerde sind die Verrechnungen zwischen der ***1*** KG und von Frau ***9*** ***1*** ersichtlich. UE ist nicht nachvollziehbar, warum anhand dieser Beilage die vollständige Leistungsverrechnung nicht zweifelsfrei erbracht wurde, da sämtliche Rechnungen des Prüfungszeitraumes vorgelegt wurden. Des Weiteren gelangten diese Verrechnungssätze nicht für Frau ***9*** ***1*** zur Anwendung, sondern zB auch gegen über Herrn ***24*** ***25***.
Als Nachweis der Fremdüblichkeit dürfen wir ich Ihnen die Verrechnungen an Frau ***1*** und Herrn ***24*** ***25*** beilegen, wobei nicht nur die Verrechnungssätze, sondern auch die Abrechnungsmodalität und Zeitraum übereinstimmt. Diese Nachweise stammen aus dem Belegwesen der ***1*** KG, welche im Zuge der Betriebsprüfung ersichtlich waren.
3. In weiterer Folge wurde in der Bescheidbegründung (Seite 5) die von den ÖKL-Sätzen abweichende, fremdunüblichen Verrechnungssätze hervorgebracht. Die dargelegten ÖKL-Satze sind uE jedoch nicht plausibel, wobei wir davon ausgehen, dass bei dieser Gegenüberstellung die ha-Sätze mit den Stunden-Sätzen vermengt wurden. Zwecks besserer Darstellbarkeit bzw Plausibilisierung dürfen wir anbei einige Beispiele der Verrechnung erläutern, wobei die Höhe der Verrechnungssätze (siehe Beliage) ua von den Anschaffungspreisen der Geräte abhängig sind:
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4. Es wird unsererseits nochmals hervorgehoben, dass kein gemeinsamer Vertrieb erfolgt. Sowohl die ***1*** KG als auch der Betrieb von Frau ***9*** ***1*** beliefern gesondert die Firma ***19*** GmbH. In diesem Zusammenhang ist auf das BFG-Erkenntnis vom 27.03.2017 (RV/7I03204/2012) (siehe Bescheidbeschwerde Seite 11) zu verweisen, wonach der Vertrieb von Produkten unter einer gemeinsamen Marke nicht ausreiche um die Eigenständigkeit einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts in Frage zu stellen. Dieser Entscheidung folgend kann der gesonderte Vertrieb der ***1*** KG und des Betriebs von Frau ***9*** ***1*** zu keiner Verflechtung dieser beiden Betriebe bzw zu einem gemeinsamen Betrieb führen, da ua der Vertrieb nicht zentral unter einer einheitlichen Marke erfolgt.
5. Das Argument der Bescheidbegründung auf Seite 5 zur Notwendigkeit einer Hofstelle kann nicht nachvollzogen werden, da das zugekaufte Saatgut vom Lieferanten auf die landwirtschaftlichen Flächen geliefert, dort direkt ausgesäht und nach der Ernte das Bio-Produkt unmittelbar zur Lagerstelle des Abnehmers, Firma Bioprodukte ***19*** GmbH, geführt wird. Die angeführten Argumente in der Bescheidbegründung, wie Schlechtwetter, Maschinenbruch, Liefer- oder Abnahmeverzögerungen gehen dabei vollkommen ins Leere, da Schlechtwetter ein allgemeines Risiko darstellt und in keinem kausalen Zusammenhang mit einer Hofstelle steht, Maschinenbruch im gegenwärtigen Sachverhalt ein Risiko der ***1*** KG darstellt und nicht von Frau ***9*** ***1***, da die Geräte von der ***1*** KG angemietet werden und Liefer- und Abnahmeverzögerungen nicht vorhanden sind, weil direkt auf das Feld geliefert wird und von dort direkt zum Abnehmer abtransportiert wird.
6. Zu den unterschiedlichen Abnahmepreisen wurde in der Bescheidbegründung auf Seite 5 festgehalten, dass für die ***1*** KG und für ***9*** ***1*** die gleichen Rahmenbedingungen gelten und sich somit der Abnahmepreis nach der Qualität der Produkte richtet. Diese Ansicht wird unsererseits bestätigt, da dies die Grundlage einer fremdüblichen Verrechnung darstellt. Aus dem Argument der gleichen Rahmenbedingungen kann uE kein einheitlicher Betrieb abgeleitet werden, weil diese Rahmenbedingungen auch für die anderen Lieferanten gelten und keine Besonderheit der Betriebe ***1*** darstellen.
Begehren:
Aus den oben angeführten Gründen begehren wir die Abänderung des angefochtenen Bescheides dahingehend, dass die Umsatzsteuer für den Zeitraum 2013 bis 2015 wie folgt festgesetzt wird:
Umsatzsteuer 2013: EUR -7.610,65
Umsatzsteuer 2014: EUR -59.327,81
Umsatzsteuer 2015: EUR -17.660,22
und stellen den Antrag auf Aussetzung der Einhebung gem. § 212a BAO für den Gesamtbetrag der angefochtenen Abgabenbetrage gemäß Darstellung bis zur Erledigung des Vorlageantrages, da diesem Antrag keine im Gesetz genannten Gründe entgegenstehen.
[Grafik]
Ferner begehren wir die Feststellung von Einkünften gem § 188 BAO für die Jahre 2013 bis 2015 gemäß der folgenden Darstellung und ersuchen um Zurechnung der Ergebnistangenten wie folgt:
[Grafik]
[Grafik]
Gleichzeitig stellen wir im Namen und Auftrag der ***1*** KG den Antrag auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung gemäß § 274 Abs 1 Z 1 BAO.
Beilagen:
- Verrechnung ***9*** ***1*** 2013-2016
- Verrechnung ***24*** ***25*** 2013-2016
- Grundlage ÖKL-Sätze
- Bescheidbeschwerde vom 21.07.2017 samt Beilagen
Die angeführten Beilagen sind im elektronisch vorgelegten Akt des Finanzamts nicht im Anschluss an die Beschwerde eingescannt.
Vorlage
Mit Bericht vom 10. September 2018 legte das Finanzamt die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor und führte unter anderem aus (OZ 73):
Inhaltsverzeichnis zu den vorgelegten Aktenteilen (Aktenverzeichnis)
Beschwerde
1 Beschwerde 01.08.2018
Bescheide
2 Wiederaufnahme § 303 BAO / USt (Jahr: 2013) 02.06.2017
3 Feststellung der Einkünfte § 188 BAO (Jahr: 2015) 20.06.2017
4 Feststellung der Einkünfte § 188 BAO (Jahr: 2014) 20.06.2017
5 Feststellung der Einkünfte § 188 BAO (Jahr: 2013) 20.06.2017
6 Umsatzsteuer (Jahr: 2015) 20.06.2017
7 Umsatzsteuer (Jahr: 2014) 20.06.2017
8 Umsatzsteuer (Jahr: 2013) 20.06.2017
9 Wiederaufnahme § 303 BAO / Sonstige (Jahr: 2015) 20.06.2017
10 Wiederaufnahme § 303 BAO / Sonstige (Jahr: 2014) 20.06.2017
11 Wiederaufnahme § 303 BAO / Sonstige (Jahr: 2013) 20.06.2017
12 Wiederaufnahme § 303 BAO / USt (Jahr: 2015) 20.06.2017
13 Wiederaufnahme § 303 BAO / USt (Jahr: 2014) 20.06.2017
Zusatzdokumente Bescheide
14 Erstbescheid F 2013 30.05.2014
15 Erstbescheid U 2013 30.05.2014
16 Erstbescheid F 2014 16.10.2015
17 Erstbescheid U 2014 16.10.2015
18 Erstbescheid F 2015 12.04.2016
19 Erstbescheid U 2015 12.04.2016
20 Niederschrift 247/8105 09.05.2017
21 Beilage Niederschrift KG 17.05.2017
22 Niederschrift ***1*** KG 17.05.2017
23 Beilage Bericht KG 19.06.2017
24 BP-Bericht 22.06.2017
Antrag / Anzeige an die Behörde
25 Beilage 1 zur Beschwerde 21.07.2017
26 Beilage 2 zur Beschwerde 21.07.2017
27 Beilage 3 zur Beschwerde 21.07.2017
28 Beilage 4 zur Beschwerde 21.07.2017
29 Beilage 6 zur Beschwerde 21.07.2017
30 Beilage 7 zur Beschwerde 21.07.2017
31 Beilage 8 zur Beschwerde 21.07.2017
32 Beilage 9 zur Beschwerde 21.07.2017
33 Beilage 10 zur Beschwerde 21.07.2017
34 Beilage 11 zur Beschwerde 21.07.2017
35 Beilage 12 zur Beschwerde 21.07.2017
36 Beschwerde 21.07.2017
37 Beilage 5 zur Beschwerde 24.07.2018
Beschwerdevorentscheidung
38 Beschwerdevorentscheidung 2013 03.07.2018
39 Beschwerdevorentscheidung 2014 03.07.2018
40 Beschwerdevorentscheidung 2015 03.07.2018
41 Beschwerdevorentscheidung U 2013 03.07.2018
42 Beschwerdevorentscheidung U 2014 03.07.2018
43 Beschwerdevorentscheidung U 2015 03.07.2018
44 Neuberechnung lt. BVE 03.07.2018
45 Begründung zur Beschwerdevorentscheidung 09.07.2018
Vorlageantrag
46 Vorlageantrag 02.08.2018
Vorgelegte Aktenteile
47 EW Bescheid ***1*** ***7*** 11.01.2010
48 EW Bescheid KG 23.11.2013
49 Tauschvertrag 30.12.2015
50 Aktenstudium Ergänzung 05.01.2017
51 Aktenstudium ***1*** KG 05.01.2017
52 EKIS 05.01.2017
53 PA ***1*** KG 05.01.2017
54 AB ***1*** KG Teil 1 09.01.2017
55 Journale u Belege 10.01.2017
56 FB ***1*** KG 15.01.2017
57 GDB 1 15.01.2017
58 GDB 2 15.01.2017
59 Unt ***1*** KG 23.01.2017
60 GDB Liste ***1*** 30.01.2017
61 SV LuF Betrieb ***1*** 02.02.2017
62 offene Fragen 06.02.2017
63 Besprechung Stb 30.03.2017
64 ESt Berechnung neu 08.05.2017
65 Einkünfte 2013 08.05.2017
66 Einkünfte 2014 08.05.2017
67 Einkünfte 2015 08.05.2017
68 ***1*** KG 08.05.2017
69 Text Beschwerde 08.05.2017
70 USt Auswirkungen 08.05.2017
71 AB ***1*** KG Teil 2 20.06.2017
72 fn ***26*** 15.01.2018
Bezughabende Normen
§ 21 iVm § 24 EStG und § 188 BAO § 303 BAO
Sachverhalt und Anträge
Sachverhalt:
Strittig ist die Frage der gemeinsamen Bewirtschaftung einer Landwirtschaft im Familienverband.
Beweismittel:
Erhebungen des Prüfers
Von der steuerlichen Vertretung im Beschwerdeverfahren vorgelegte Unterlagen
Stellungnahme:
Lt. BVE
Beschluss vom 7. April 2021
Mit Datum 7. April 2021, den Parteien zugestellt am 8. bzw. 12. April 2021, fasste das Bundesfinanzgericht den Beschluss:
I. Die Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens mögen dem Bundesfinanzgericht Kopien/PDF der Beschwerdevorentscheidungen betreffend
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer für das Jahr 2013
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer für das Jahr 2014
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer für das Jahr 2015
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gemäß § 188 BAO für das Jahr 2013
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gemäß § 188 BAO für das Jahr 2014
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gemäß § 188 BAO für das Jahr 2015
vorlegen oder angeben, dass derartige Beschwerdevorentscheidungen nicht existieren.
II. Die Beschwerdeführerin möge dem Bundesfinanzgericht Kopien/PDF folgender Dokumente vorlegen:
Die Beilage 5 zur Beschwerde vom 21. Juli 2017
Sämtliche Beilagen zum Vorlageantrag mit Ausnahme der Bescheidbeschwerde vom 21. Juli 2017 samt Beilagen.
III. Die Beschwerdeführerin möge angeben, ob der Antrag im Vorlageantrag vom 1. August 2018 "auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung gemäß § 274 Abs 1 Z 1 BAO" dahingehend zu verstehen ist, dass die Anträge in der Beschwerde vom 21. Juli 2017 "1. auf Entscheidung durch den gesamten Senat gemäß § 272 Abs 2 Z 1 BAO, 2. auf Durchführung einer mündlichen Verhandlung gemäß § 274 Abs 1 Z 1 BAO" in Bezug auf eine Senatsentscheidung nicht mehr aufrecht erhalten werden.
IV. Die Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens mögen sich zur Anwendung der Entscheidungen EuGH 12. 10. 2016, C-340/15, Christine Nigl u.a., ECLI:EU:C:2016:764, VwGH 15. 5. 2019, Ro 2017/13/0012 und VwGH 9. 10. 2020, Ro 2019/13/0025 auf das gegenständliche Verfahren äußern.
V. Zu Spruchpunkten I., II. und III. wird eine Frist bis zum 30. April 2021, zu Spruchpunkt IV. wird eine Frist bis zum 21. Mai 2021 gesetzt.
Begründend wurde unter anderem ausgeführt:
Zu Spruchpunkt I
Das (damalige) Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart hat mit Datum 20. Juni 2017 unter anderem Wiederaufnahmebescheide betreffend Umsatzsteuer und Einkünftefeststellung für die Jahre 2013, 2014 und 2015 erlassen. Diese Bescheide sind aktenkundig.
Unter anderem gegen die Wiederaufnahmebescheide betreffend Umsatzsteuer und Einkünftefeststellung für die Jahre 2013, 2014 und 2015 vom 20. Juni 2017 wurde von der Beschwerdeführerin Beschwerde vom 21. Juli 2017 erhoben.
Aktenkundig sind Beschwerdevorentscheidungen vom 9. Juli 2018 betreffend Umsatzsteuer und Einkünftefeststellungen für die Jahre 2013, 2014 und 2015 sowie eine undatierte gesonderte Bescheidbegründung betreffend
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2013 vom 20.06.2017
Umsatzsteuerbescheid 2013 vom 20. 06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2013 vom 20.06.2017
Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2013 vom 20.06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2014 vom 20.06.2017
Umsatzsteuerbescheid 2014 vom 20. 06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2014 vom 20.06.2017
Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2014 vom 20.06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer 2015 vom 20.06.2017
Umsatzsteuerbescheid 2015 vom 20. 06.2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2015 vom 20.06.2017
Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO für das Jahr 2015 vom 20.06.2017.
Beschwerdevorentscheidungen betreffend die Wiederaufnahme der Verfahren sind im elektronisch vorgelegten Akt des Finanzamts nicht enthalten (die OZ 38 bis 43 betreffen die Sachbescheide, OZ 44 enthält die Neuberechnung und OZ 45 die gesonderte Begründung).
Auch im Abgabeninformationssystem der Bundesfinanzverwaltung sind keine Beschwerdevorentscheidungen betreffend die Wiederaufnahme des Verfahrens ersichtlich.
Die Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens sind daher aufzufordern, dem Bundesfinanzgericht Kopien/PDF der Beschwerdevorentscheidungen betreffend
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer für das Jahr 2013
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer für das Jahr 2014
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Umsatzsteuer für das Jahr 2015
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gemäß § 188 BAO für das Jahr 2013
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gemäß § 188 BAO für das Jahr 2014
Wiederaufnahme des Verfahrens betreffend Feststellung von Einkünften gemäß § 188 BAO für das Jahr 2015
vorlegen oder angeben, dass derartige Beschwerdevorentscheidungen nicht existieren.
Zu Spruchpunkt II
Im elektronisch vorgelegten Finanzamtsakt wird unter OZ 37 als Beilage 5 zur Beschwerde vorgelegt:
Diverse Rechnungen an eine ***33*** Projektentwicklung GmbH aus 2018 betreffend ein Bauvorhaben ***34***. Der Zusammenhang mit dem gegenständlichen Beschwerdeverfahren ist nicht ersichtlich. Es fehlt auch das sonst vorhandene Deckblatt "Beilage" (OZ 37). Laut Beschwerde sollte Beilage 5 Maschinenringsätze betreffen.
Im elektronisch vorgelegten Finanzamtsakt wird unter OZ 47 der Vorlageantrag ohne die dort angeführten Beilagen
- Verrechnung ***9*** ***1*** 2013-2016
- Verrechnung ***24*** ***25*** 2013-2016
- Grundlage ÖKL-Sätze
- Bescheidbeschwerde vom 21.07.2017 samt Beilagen
vorgelegt.
Der Beschwerdeführerin ist daher aufzutragen, dem Bundesfinanzgericht Kopien/PDF der Beilagen vorlegen.
Zu Spruchpunkt III
Während in der Beschwerde vom 21. Juli 2017 sowohl Antrag auf Senatsentscheidung als auch Antrag auf mündliche Verhandlung gestellt wird, wird im Vorlageantrag nur Antrag auf mündliche Verhandlung gestellt. Darin kann eine Zurücknahme des Antrags auf Senatsentscheidung gemäß § 270 BAO gesehen werden. Die Beschwerdeführerin ist daher zur Klarstellung aufzufordern.
Zu Spruchpunkt IV.
Die Beschwerdeführerin hat im Verwaltungsverfahren mehrfach auf das Erkenntnis BFG 27. 3. 2017, RV/7103204/2012 Bezug genommen.
Das Finanzamt hat sich im Verwaltungsverfahren dazu nicht konkret geäußert, sondern lediglich zu einer früheren Rechtslage ergangene und mit dem vorliegenden Sachverhalt nicht vergleichbare Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs zitiert.
Das Erkenntnis VwGH 18.3.2013, 2012/16/0056 betraf die finanzstrafrechtliche Vorfrage, ob der Weinbau und die Verpachtung land- und forstwirtschaftlicher Flächen ein einheitlicher Betrieb eines einzigen Steuerpflichtigen sei, was sowohl vom UFS als auch vom VwGH verneint worden ist. Im Erkenntnis VwGH 22.11.1995, 94/15/0154 ging es um die Frage, ob die von einem einzigen Steuerpflichtigen betriebene Werbeagentur einen einheitlichen Gewerbebetrieb mit einer vom selben Steuerpflichtigen betriebenen Unternehmensberatung gebildet habe.
Hingegen geht es im hier anhängigen Beschwerdeverfahren darum, ob entgegen dem erklärten Willen der Gesellschafter und dem getrennten Außenauftritt sowohl des Unternehmens der Kommanditgesellschaft als auch des Unternehmens der Komplementärin sowie weiterer Umstände das Unternehmen bzw. der Betrieb der Komplementärin ein einheitliches Unternehmen bzw. einen einheitlichen Betrieb mit jenem der Kommanditgesellschaft bildet.
Die Parteien des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens sind daher aufzufordern, sich zu den Entscheidungen EuGH 12. 10. 2016, C-340/15, Christine Nigl u.a., ECLI:EU:C:2016:764, VwGH 15. 5. 2019, Ro 2017/13/0012 und VwGH 9. 10. 2020, Ro 2019/13/0025 sowie deren Anwendung auf das gegenständliche Verfahren - mit der Maßgabe, dass hier nicht der Zusammenschluss mehrerer Gesellschaften bürgerlichen Rechts zu einer einzigen Gesellschaft, sondern das Führen eines eigenständigen Unternehmens bzw. Betriebs durch die Komplementärin einer Kommanditgesellschaft sowie Leistungsbeziehungen zwischen der Gesellschaft und dem Betrieb eines des Gesellschafters unter im allgemeinen Geschäftsverkehr üblichen Bedingungen verfahrensgegenständlich sind - zu äußern.
Zu Spruchpunkt V
Dem unterschiedlichen Aufwand zur Beantwortung der einzelnen Spruchpunkte war bei der Fristsetzung Rechnung zu tragen.
E-Mail (StB) vom 27. April 2021
Mit E-Mail vom 27. April 2021 übermittelte die steuerliche Vertretung:
Zu Punkt I 1.-6.
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betr. die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO 2013, 2014, 2015 vom 20.6. 2017
Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens betr. die Umsatzsteuer 2013, 2014, 2015 vom 20.6.2017
Bescheid über die Feststellung von Einkünften gem. § 188 BAO 2013, 2014, 2015, Beschwerdevorentscheidung gem. § 262 BAO vom 3.7.2018
Bescheid 2013, 2014, 2015, Beschwerdevorentscheidung gem. § 262 BAO, Umsatzsteuer vom 9.7.2018
Zu Punkt II 1.
Beilage 5
Zu Punkt II 2.
Beilagen zum Vorlageantrag
Zu Punkt III des Beschlusses vom 7. April 2021 wurde mitgeteilt, "dass der Antrag auf Entscheidung durch den gesamten Senat gem. § 272 Abs 2 Z 1 BAO zurückgezogen wird und lediglich eine mündliche Verhandlung gem. § 274 Abs 1 Z 1 BAO durchgeführt werden soll."
Wiederaufnahmebescheide
Die im PDF vorgelegten Wiederaufnahmebescheide vom 20. Juni 2017 betreffend Umsatzsteuer und Einkünftefeststellungen 2013, 2014 und 2015 entsprechen den aktenkundigen Wiederaufnahmebescheiden (siehe oben).
Beschwerdevorentscheidungen
Die im PDF vorgelegten Beschwerdevorentscheidungen vom 3. und vom 9. Juli 2018 betreffend Umsatzsteuer und Einkünftefeststellungen 2013, 2014 und 2015 entsprechen den aktenkundigen Beschwerdevorentscheidungen betreffend diese Sachbescheide (siehe oben).
Beilage 5 zur Beschwerde
Beilage 5, laut Eingangsstempel am 21. Juli 2017 dem Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart persönlich überreicht, enthält Rechnungen der ***1*** KG an ***1*** ***9*** vom 4. März 2013, 19. November 2013, 30. Juni 2014, 11. November 2014, 9. Juli 2015, 17. Oktober 2015, 24. Juli 2016, 26. Oktober 2016 betreffend Verrechnung von Maschinen.
Beilagen zum Vorlageantrag
Vorgelegt wurden PDF von Verrechnungen von Maschinen zwischen der ***1*** KG und ***9*** ***1*** die jenen der Beilage 5 zu Beschwerde (siehe oben) entsprechen; ferner Rechnungen der ***1*** KG an ***24*** ***25*** vom4. Juni 2013, 12. Dezember 2013, 25. September 2014, 6. August 2015, 9. Oktober 2015, 4. August 2016, 25. Oktober 2016.
Ferner Auszüge aus den ÖKL-Richtwerten 2014.
E-Mail (FA) vom 29. April 2021
Das Finanzamt gab mit E-Mail vom 29. April 2021 zu Spruchpunkt I. bekannt, dass Beschwerdevorentscheidungen betreffend die Wiederaufnahme der Verfahren U 2013-2015 und F 2013-2015 - laut Rückmeldung des Prüfers der ***1*** KG vom 28. April 2021 - bisher nicht ergangen seien.
Ferner wurde eine Übersicht über die Stundensätze vorgelegt.
Schließlich wurde die Beschwerde der ***1*** KG sowie die auch von der steuerlichen Vertretung am 27. April 2021 übermittelten ÖKL-Richtwerte und Verrechnungen der ***1*** KG mit ***9*** ***1*** und ***24*** ***25*** vorgelegt.
Beschluss BFG 4. 5. 2021, RV/7104116/2018
Mit Beschluss BFG 4. 5. 2021, RV/7104116/2018 wies das Bundesfinanzgericht den Vorlageantrag vom 1. August 2018 betreffend die unter 1. bis 6. angeführten Bescheide (Wiederaufnahmebescheide) gemäß § 264 Abs. 4 lit. e BAO i. V. m. § 260 Abs. 1 lit. a BAO mangels Vorliegens einer diesbezüglichen Beschwerdevorentscheidung als unzulässig zurück.
Gleichzeitig wurde die Entscheidung über die Beschwerde gegen die unter 7. bis 12. angeführten Bescheide (Sachbescheide) gemäß § 271 BAO bis zur Erledigung der Beschwerde gegen die unter 1. bis 6. angeführten Bescheide (Wiederaufnahmebescheide) ausgesetzt.
Stellungnahme des Finanzamts vom 14. Juli 2021
Das Finanzamt gab mit Schreiben vom 14. Juli 2021 zu Spruchpunkt IV des Beschlusses vom 7. April 2021 bekannt:
Zu Spruchpunkt IV ist für den Anlassfall die Frage zu erörtern, ob entgegen dem erklärten Willen der Gesellschafter und dem getrennten Außenauftritt sowohl des Unternehmens der KG als auch des Einzelunternehmens der Komplementärin sowie weiterer Umstände das Unternehmen bzw. der Betrieb der Komplementärin ein einheitliches Unternehmen bzw. einen einheitlichen Betrieb mit jenem der KG bildet.
Zur Feststellung der Selbständigkeit der Ausübung einer wirtschaftlichen Tätigkeit ist zu prüfen, ob die Tätigkeit im eigenen Namen, auf eigene Rechnung und in eigener Verantwortung ausgeübt und das mit der Ausübung der Tätigkeit einhergehende wirtschaftliche Risiko getragen wird.
Mehrere Steuerpflichtige, die als solche gegenüber ihren Lieferanten, gegenüber öffentlichen Stellen und bis zu einem gewissen Grad gegenüber ihren Kunden eigenständig auftreten und von denen jede ihre eigene Produktion sicherstellt, indem sie im Wesentlichen ihre Produktionsmittel verwendet, sind als mehrwertsteuerpflichtige eigenständige Unternehmer anzusehen, auch wenn die Gesellschaftsanteile von Familienangehörigen gehalten werden.
Für die Beurteilung als eigenständige Unternehmer ist zu prüfen, ob es durch die Mehrzahl von Stpfl, zu einer Verschiebung ( Senkung) der Verwaltungskosten kommen kann (z.B. buchführungspflichtiger Unternehmer trägt die Kosten zum Teil oder zur Gänze auch für den pauschalierten Unternehmer).
Ob mehrere Betätigungen zu einer steuerlichen Einheit zusammenzufassen sind, hängt davon ab, ob die Bindungen zwischen den Betrieben nach objektiv gegebenen Merkmalen so eng sind, dass die Betriebe nach der Verkehrsauffassung als eine Einheit anzusehen sind.
Die getrennte Bewirtschaftung eigener oder zugepachteter Flächen, die Verwendung so gut wie ausschließlich eigener Produktionsmittel, die Beschäftigung eigener Arbeitnehmer sowie der eigenständige Auftritt gegenüber Lieferanten, gegenüber öffentlichen Stellen und gegenüber Kunden spricht dafür, dass jedes dieser Steuersubjekte eine Tätigkeit im eigenen Namen, auf eigene Rechnung und in eigener Verantwortung ausübt". Das Bestehen einer gewissen Zusammenarbeit reicht nicht aus, um die Eigenständigkeit dieser Gesellschaften bürgerlichen Rechts in Frage zu stellen.
Ob mehrere Betätigungen zu einer steuerlichen Einheit zusammenzufassen sind, hängt davon ab, ob die Bindungen zwischen den Betrieben nach objektiv gegebenen Merkmalen (der wirtschaftlichen, technischen oder organisatorischen Verflechtung) so eng sind, dass die Betriebe nach der Verkehrsauffassung als eine Einheit anzusehen sind (vgl. Peth/Wanke/Wiesner in Wiesner/Grabner/Wanke, EStG § 23 Anm. 3).
Die ständige Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes zur Umsatzsteuer, wonach bei der Entscheidung über die Frage, ob ein Unternehmer verschiedene Tätigkeiten in mehreren Betrieben oder im Rahmen eines einheitlichen Betriebes entfaltet, objektive Grundsätze heranzuziehen sind. Danach liegt bloß ein Betrieb vor, wenn mehrere Betriebszweige nach der Verkehrsauffassung und nach den Betriebsverhältnissen als Teil eines Betriebes anzusehen sind; das trifft bei engem wirtschaftlichem, technischem oder organisatorischem Zusammenhang zu. Es kommt auf das Ausmaß der objektiven organisatorischen, wirtschaftlichen und finanziellen Verflechtung zwischen den einzelnen Betrieben im Einzelfall an, wobei als Merkmale für den einheitlichen Betrieb etwa ein Verhältnis wirtschaftlicher Überordnung und Unterordnung zwischen den Betrieben, Hilfsfunktion eines Betriebes gegenüber dem anderen, Verwendung gleicher Rohstoffe, gleicher Anlagen und desselben Personals anzusehen sind (vgl. VwGH 4. 9. 2014, 2014/15/0001 m.w.N.).
Eine Mitunternehmerschaft muss zwischen den Mitunternehmern ausdrücklich oder schlüssig vertraglich begründet werden. Gegen den erklärten Willen der vermeintlichen Mitunternehmer kommt daher keine Mitunternehmerschaft zustande (vgl UFS 15. 4. 2010, RV/1918-W/05, zu zivilrechtlich im Miteigentum von Ehegatten befindlicher Landwirtschaft), es sei denn, die Willenserklärung ist als bloß zum Schein abgegeben anzusehen (vgl. Wanke/Peth, UFSjournal 2010, 214).
Der Umstand dass die vermeintlichen Mitunternehmer nur zum Schein erklären, keine gemeinsame Mitunternehmerschaft bilden zu wollen, muss sich im Sachverhalt widerspiegeln.
Die Entscheidung, ob eine Mitunternehmerschaft vorliegt, ist nach dem Gesamtbild der Verhältnisse zu treffen (vgl. VwGH 27.2.2008, 2005/13/0050, mwN).
Voraussetzung für die Annahme einer Mitunternehmerschaft ist, dass für die beteiligten Personen mit ihrer Position Unternehmerwagnis verbunden ist, was sich in der Unternehmerinitiative und dem Unternehmerrisiko ausdrückt. Unternehmerinitiative entfaltet, wer auf das betriebliche Geschehen Einfluss nehmen kann. Das Unternehmerrisiko besteht in der Teilnahme am Wagnis des Unternehmens und kommt u.a. in der Beteiligung am Gewinn und Verlust und an den stillen Reserven einschließlich des Firmenwertes zum Ausdruck (vgl. wiederum VwGH 27.2.2008, 2005/13/0050, mwN).
Zum Spruchpunkt IV darf von der Behörde zusätzlich zu den bereits in der Beschwerdeerledigung vorgebrachten Gründen noch ergänzt werden:
Die wirtschaftlichen Verflechtungen in den Bereichen Hofstelle, Maschinen und Arbeitskräfte sowie das gleiche Produktsortiment und die Verwendung gleicher Rohstoffe wurden bereits im Prüfungsverfahren und in der BVE dargestellt.
Vom Prüfer wurden nun aus den vorgelegten Unterlagen - Buchungsjournal (EAR) welches von Frau ***1*** laufend geführt und im Zuge der Prüfung der Behörde vorgelegt wurde - die von der KG und von Frau ***1*** erwirtschafteten Hektarerlöse sowie die Aufwendungen für Ackermaterial pro Hektar herausgearbeitet.
Als Grundlage wurden die AMA-Meldungen im Prüfungszeitraum herangezogen.
...
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Normen und Schlagworte
- § 85 Abs. 2 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 303 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 188 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 303 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 304 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 303 Abs. 4 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7103307/2021
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2022:RV.7103307.2021
- Stammnummer
- 138130
- Gültig
- 05.10.2022 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF