Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7102108/2017
Empfängerbenennung gemäß § 162 BAO
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7102108/2017vom 15.06.2021Teil 2 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
In der Eidesstattlichen Erklärung werden auch keinerlei Kontaktdaten von ***13*** ***12*** ***12*** angegeben. Die in der Unterschriftsbeglaubigungsklausel des Notars genannte Anschrift ***16***, ***17*** (im Vorlagebericht fälschlich mit ***54***, ***17*** angegeben), ist bekanntlich schon seit dem Jahr 2013 unzutreffend (Aktenvermerk 26. September 2013). ***13*** ***12*** ***12*** ist seit dem Jahr 2013 auch nicht in Österreich polizeilich gemeldet (Meldedaten). ***13*** ***12*** ***12*** weigerte sich auch beharrlich, etwa eine Telefonnummer, unter der er erreichbar wäre, der Behörde bekannt zu geben (Aktenvermerk 26. September 2013).
Das Finanzamt hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die für das Bestehen von Geschäftsbeziehungen üblichen Unterlagen über die Leistungserbringung selbst (wie vor allem Stundenaufzeichnungen der Arbeiter, Tagebücher, usw.) nicht vorgelegt wurden. Dies kann nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes eine Verletzung von Sorgfaltspflichten begründen (vgl. VwGH 24. 1. 2018, Ra 2015/13/0032; VwGH 27. 11. 2020, Ra 2018/13/0059).
Das Bundesfinanzgericht hat zur Frage, welche Sorgfaltspflichten im Baugewerbe und Baunebengewerbe in den Jahren 2012 und 2013 bestanden haben, ein Sachverständigengutachten eingeholt, das zu folgenden Ergebnissen gekommen ist (BFG 16. 3. 2021, RV/7104669/2020, vgl. Papst/Vötter, VwGH und BFG zur Empfängerbenennung im Baugewerbe, SWK 2021, 922):
Für Aufträge an Subunternehmen, die das Niveau von Kleinstaufträgen übersteigen, sind schriftliche Werkverträge üblich.
Für derartige Auftragsvolumen waren in den Jahren 2012 und 2013 folgende Überprüfungen von sorgfältigen, mittelständischen Bauunternehmen üblich:
A) Vor Beauftragung des Subunternehmers
1. Firmenbuchauszug
Kontrolle des Firmenwortlautes und Feststellung des zeichnungsberechtigten Vertreters.
2. Befugniskontrolle
Überprüfung der aufrechten gewerberechtlichen Befugnis zur Ausführung der durchzuführenden Leistungen durch Auszug aus dem Gewerberegister oder Bestätigung des BMWFJ.
3. Überprüfung wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
Sofern ein neuer Geschäftskontakt vorliegt, wurde die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit durch Unternehmensbroschüren, Recherche über die Homepage des Subunternehmers (Referenzprojekte, Mitarbeiter) überprüft. Bonitätsauskünfte wurden nur selten eingeholt.
4. Überprüfung berufliche Zuverlässigkeit
Überprüfung durch Abfrage bei der Sozialversicherung (HFU-Liste). Allenfalls Unbedenklichkeitsbescheidungen von Sozialversicherungsanstalten und Finanzämtern.
B) Bei Beauftragung und Auftragsabwicklung
1. Lichtbildausweis des/der Zeichnungsberechtigten
Bei Unterzeichnung des Werkvertrages wurden amtliche Lichtbildausweise des/der Zeichnungsberechtigten überprüft. Ausweiskopien wurden mit dem Vertrag zum Akt genommen.
2. Überprüfung der Anmeldung von Mitarbeitern
Die Anmeldung der einzelnen Mitarbeiter des Subunternehmers bei der Sozialversicherung (Aufenthaltserlaubnis und Arbeitsbewilligung bei Drittstaatsangehörigen) wurde beim erstmaligen Einsatz kontrolliert und mit Ausweiskopien dokumentiert. Laufend wiederkehrende Kontrollen der sozialversicherungsrechtlichen Anmeldung während der gesamten Bauzeitwaren damals nicht üblich. Täglich wurde üblicherweise die gesamte Mannanzahl eines Subunternehmers auf den Bautagesberichten dokumentiert.
3. Rechnungsprüfung
Formale Anforderungen an die Rechnungslegung wurden geprüft. Auf die Prüfung der Richtigkeit der UID-Nummer wurde oft verzichtet. Bei Überweisung des Werklohnes wurde die HFU-Liste nicht nochmals abgefragt.
Ein sorgfältiger Unternehmer im Bereich des Bauwesens hat in den Jahren 2012 und 2013 diese Prüfschritte kumulativ ausgeführt und dokumentiert.
Barzahlungen von Aufträgen, die ein Volumen von 5.000 Euro überschreiten, waren in den Jahren 2012 und 2013 unüblich.
Die Bezahlung von Rechnungen vor Abschluss schriftlicher Bauverträge, war in den Jahren 2012 und 2013 unüblich.
Nun war die Bf nicht im Baugewerbe und Baunebengewerbe, sondern im Reinigungs-, Winterdienst- und Hausbetreuungsgewerbe tätig; strittig ist auch nicht das Jahr 2012 oder 2013, sondern das Jahr 2014. Allerdings können nach Ansicht des Bundesfinanzgerichts die dargestellten Sorgfaltsmaßstäbe auch für die Tätigkeit der Bf im Wesentlichen herangezogen werden.
Dass ***13*** ***12*** ***12*** als natürliche Person existiert, ist unstrittig.
Die Bf hat angegeben, mit ***13*** ***12*** ***12*** in den Jahren 2012 und 2013 zusammengearbeitet zu haben. Sie habe damals Einsicht in ein Personaldokument, den Gewerberegisterauszug und die Meldebestätigung genommen. Ferner sei damals auch Einsicht in das Handelsregister genommen und die UID-Nummer abgefragt.
Abgesehen davon, dass die Verhältnisse der Jahre 2012 und 2013 nicht auf das Jahr 2014 übertragbar sein müssen, kann die Bf nicht im Jahr 2012 und bis Oktober 2013 Geschäftspartner des ***13*** ***12*** ***12*** gewesen sein, da die Bf erst mit Gesellschaftsvertrag von Ende September 2013 gegründet und im Oktober 2013 in das Firmenbuch eingetragen wurde.
Der vorgelegte Gewerberegisterauszug stammt aus dem Jahr 2011, die vorgelegte Meldebestätigung aus dem Jahr 2012. Bereits im September 2013 schien im Firmenbuch die Zurückweisung eines Antrags auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens hinsichtlich der Firma des ***13*** ***12*** ***12*** auf.
Anfang Jänner 2014 wurde von der im September 2013 gegründeten Bf ein Subunternehmervertrag mit ***13*** ***12*** ***12*** abgeschlossen. Es wäre an der Bf bzw. deren geschäftsführenden Gesellschaftern gewesen, ihren Kenntnisstand zu diesem Zeitpunkt zu aktualisieren. Dies wurde unterlassen.
Nach den unwidersprochen gebliebenen Feststellungen des Finanzamts wurde hinsichtlich der Firma des ***13*** ***12*** ***12*** bereits im September 2013 die Zurückweisung eines Antrags auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gemäß § 63 IO vermerkt. Die UID-Nummer des ***13*** ***12*** ***12*** wurde vom zuständigen Finanzamt im September 2013 begrenzt. ***13*** ***12*** ***12*** hat im September 2013 angegeben, sich in der Slowakei aufzuhalten; das Haus, in dem sich das Büro bzw. die Wohnung in ***16***, ***17*** befanden, werde saniert und alle Bewohner seien abgemeldet. ***13*** ***12*** ***12*** wollte dem Finanzamt keine Telefonnummer bekannt geben. Die Pflichtversicherung des ***13*** ***12*** ***12*** endete im Mai 2013; die letzte Meldung des ***13*** ***12*** ***12*** in Österreich endete im April 2013. Die Gewerbeberechtigung wurde entzogen. ***13*** ***12*** ***12*** beschäftigte im Jahr 2014 keine (angemeldeten) Dienstnehmer.
Die Bf hat vor Auftragserteilung im Jänner 2014 keinerlei Prüfungen der Firma des ***13*** ***12*** ***12*** vorgenommen. Einem sorgfältigen Unternehmer wäre bei Prüfung im Jahr 2014 aufgefallen, dass das Unternehmen von ***13*** ***12*** ***12*** im Jahr 2014 in Österreich nicht mehr tätig war und nicht in der Lage gewesen ist, die vereinbarten Leistungen zu erbringen.
Nach dem von der Bf vorgelegten Subunternehmervertrag vom 2. Jänner 2014 war der Auftragnehmer (***13*** ***12*** ***12***) verpflichtet, dem Auftraggeber (Bf) "Arbeitsbewilligung und der ordnungsgemäßen Beitragsentrichtung an Arbeitsbewilligung und der ordnungsgemäßen Beitragsentrichtung an die Sozialversicherungsanstalten und Finanzamt, entsprechende Unterlagen (Anmeldungen der Mitarbeiter, etc.) sind dem Auftraggeber vor Arbeitsantritt vorzulegen. ... Diese Vereinbarung umfasst gleichermaßen auch allfällige von Auftragnehmer beauftragte Subunternehmer.", Punkt 3.2. des Vertrags).
Dies entspricht auch den üblichen Sorgfaltspflichten laut Gutachten im Verfahren BFG 16. 3. 2021, RV/7104669/2020).
Derartige Unterlagen hat die Bf der Behörde nicht vorgelegt. Statt dessen wurden Arbeitsaufzeichnungen eigener Arbeitnehmer (und Gesellschafter) der Bf zum Nachweis von Tätigkeiten, die ***13*** ***12*** ***12*** ausgeübt haben soll, vorgelegt.
Im Übrigen ist die Vertragsklausel (Punkt 4.2.), "vom Auftraggeber kann nicht überprüft werden, ob, wann welche Aufträge vom Auftragnehmer zu welchem Zeitpunkt durchgeführt werden," unüblich. Kein Auftraggeber würde sich jeder Kontrolle über die vom Auftragnehmer durchzuführenden Leistungen begeben.
Selbst wenn - entgegen der Lehre und der bisherigen Rechtsprechung - nach der jüngeren Judikatur des VwGH im Bereich des § 162 BAO geprüft wird, ob dem Steuerpflichtigen ein Verschulden an der nicht erfolgten Empfängernennung trifft (vgl. Fischerlehner in Fischerlehner/Brennsteiner, Abgabenverfahren I 3. A., § 162 BAO Anm 7 unter Verweis auf VwGH 27. 11. 2020, Ra 2018/13/0059), hat die Bf in Bezug auf die strittigen Zahlungen im Jahr 2014 nicht die übliche Sorgfalt walten lassen.
Das Bundesfinanzgericht vermag daher nicht festzustellen, dass im Jahr 2014 ***13*** ***12*** ***12*** bzw. dessen Einzelunternehmen ***27*** ***28*** ***33*** e.U. der Bf gegenüber betrieblich veranlasste Leistungen als Subunternehmer erbracht und dafür einen Betrag von 106.106,44 € erhalten hat.
Keine Schätzung von Aufwendungen
Bei einer rechtmäßigen Aufforderung zur Empfängerbenennung bleibt für eine Schätzung der Aufwendungen nach § 184 BAO kein Raum, weil durch eine solche Vorgangsweise das in der Versteuerung geleisteter Beträge beim Zahlungsempfänger bestehende Ziel des § 162 BAO nicht erreicht würde (Fischerlehner in Fischerlehner/Brennsteiner, Abgabenverfahren I 3. A., § 162 BAO Anm 11 unter Verweis auf VwGH 25. 4. 2013, 2013/15/0155).
Es sind daher (mögliche) Aufwendungen der Bf in Zusammenhang mit den strittigen Leistungen, die über die bisher anerkannten Betriebsausgaben hinausgehen, nicht zu berücksichtigen. Ob derartige zusätzliche Aufwendungen überhaupt bestanden, kann fraglich sein, da die Bf betreffend die strittigen Leistungen Arbeitsaufzeichnungen eigener Arbeitnehmer (und Gesellschafter) vorgelegt hat, die bereits im Lohnaufwand erfasst sein müssten bzw. (Gesellschafter) den Gewinn gemäß § 23 Z 2 EStG 1988 nicht schmälern dürfen.
Revisionsnichtzulassung
Gegen einen Beschluss des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Das Bundesfinanzgericht folgt der dargestellten Rechtsprechung zur Empfängerbenennung nach § 162 BAO, eine Revision ist daher nicht zuzulassen.
Wien, am 15. Juni 2021
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Normen und Schlagworte
- § 162 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 119 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 138 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 143 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 161 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 166 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 167 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 4 Abs. 4 Satz 1 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7102108/2017
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2021:RV.7102108.2017
- Stammnummer
- 133519
- Gültig
- 15.06.2021 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF