Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/7100963/2020
Glaubhaftmachung der gemeinsamen Haushaltsführung
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7100963/2020vom 25.03.2020Teil 1 von 3
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Für im Anwendungsbereich von Art. 67 VO (EG) 883/2004 außerhalb Österreichs wohnhafte minderjährige Kinder ist der Nachweis eines Schulbesuchs grundsätzlich nicht erforderlich, da nach § 2 Abs. 1 lit. a FLAG 1967 ein Anspruch auf Familienbeihilfe nicht von einer Berufsausbildung abhängt.
Gemäß § 115 BAO haben die Abgabenbehörden die abgabepflichtigen Fälle zu erforschen und von Amts wegen die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse zu ermitteln, die für die Abgabepflicht und die Erhebung der Abgaben wesentlich sind. Eine erhöhte Mitwirkungspflicht gemäß § 115 BAO Satz 2 besteht nicht, soweit es sich um Daten handelt, die von der zuständigen Behörde oder vom zuständigen Träger im anderen Mitgliedstaat beauskunftet und diese daher im Wege der auf Grund der VO (EG) 883/2004 uneingeschränkt zu gewährenden Amtshilfe erhoben werden können.
Zurückzufordern ist gemäß § 26 FLAG 1967 - gegebenenfalls - nur der tatsächlich ausbezahlte Betrag und nicht der Betrag, auf den möglicherweise Anspruch bestanden hat.
Hier: Satz 1.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Dr. Rudolf Wanke über die Beschwerde der ***[1]*** ***[2]***, ***[3]*** ***[4]*** ***[5]***, ***[6]*** ***[7]***, Slowakei, nunmehr ***[8]*** ***[9]***, ***[10]*** ***[11]*** ***[12]***, Slowakei, vom 22. 7. 2019 gegen den Bescheid des Finanzamtes Wien 2/20/21/22, 1220 Wien, Dr. Adolf Schärf-Platz 2, vom 11. 7. 2019, mit welchem zu Unrecht bezogene Beträge an Ausgleichszahlung gemäß Verordnung (EG) 883/2004 (3.740,94 €) und Kinderabsetzbetrag (1.892,700 €) für die im August 2001 geborene ***[13]*** ***[2]*** und für den im August 2009 geborenen ***[14]*** ***[15]*** jeweils für den Zeitraum Dezember 2017 bis Mai 2019 gemäß § 26 FLAG 1967 und § 33 Abs. 3 EStG 1988 zurückgefordert werden, Sozialversicherungsnummer ***[16]***, Gesamtbetrag der Rückforderung 5.633,64 €, zu Recht erkannt:
I. Der Beschwerde wird gemäß § 279 BAO teilweise Folge gegeben.
Hinsichtlich des Zeitraums Dezember 2017 bis September 2018 wird der angefochtene Bescheid ersatzlos aufgehoben.
Hinsichtlich des verbleibenden Zeitraums Oktober 2018 bis Mai 2019 werden zu Unrecht bezogene Beträge an Ausgleichszahlung / Differenzzahlung (1.343,62 €) und Kinderabsetzbetrag (724,70 €), Gesamtrückforderungsbetrag 2.068,32 €,
für die im August 2001 geborene ***[13]*** ***[2]*** und für den im August 2009 geborenen ***[14]*** ***[15]*** jeweils für den Zeitraum Oktober 2018 bis Mai 2019 gemäß § 26 FLAG 1967 und § 33 Abs. 3 EStG 1988 zurückgefordert.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist gemäß Art. 133 Abs. 4 B-VG eine (ordentliche) Revision nicht zulässig.
Entscheidungsgründe
Überprüfungsschreiben
Das Finanzamt Wien 2/20/21/22 übermittelte der Beschwerdeführerin (Bf) ***[1]*** ***[2]*** per Adresse ***[17]*** Wien, ***[18]*** ***[19]***, am 31. 10. 2017 ein Schreiben betreffend Überprüfung des Anspruches auf Familienbeihilfe. Vorzulegen seien:
Aktueller Pflegevertrag (wenn Änderung)
Honorarnoten betreffend Pflegetätigkeiten von 3/2016 bis 10/2017
Schulbestätigung von beiden Kindern
Ausgefüllte Formulare E401 und E411
Dieses wurde von der Bf am 28. 11. 2017 ausgefüllt und langte am 29. 11. 2017 beim Finanzamt zurück.
Demzufolge ist die Bf slowakische Staatsbürgerin, sonstig selbständig erwerbstätig in ***[17]*** Wien, ***[18]*** ***[19]***.
Familienbeihilfe werde bezogen für den im August 2009 geborenen ***[14]*** ***[15]***, ledig, Kind, wohnhaft ***[4]*** ***[5]***, ***[6]*** ***[7]***, Slowakei, und für die im August 2001 geborene ***[13]*** ***[2]***, ledig, Kind, wohnhaft ***[4]*** ***[5]***, ***[6]*** ***[7]***, Slowakei, Schülerin.
An Unterlagen wurden von der Bf vorgelegt:
Bestätigung über Familienleistungen (Potvrdenie o poberaní prídavku na diet’a)
Das Úrad Práce, Soziálnych vecí a rodiny Lučenec (Amt für Arbeit, Soziales und Familie Lučenec) in Lučenec bestätigte am 15. 11. 2017 (Potvrdenie o poberaní prídavku na diet’a), dass die Bf Frau ***[1]*** ***[2]***, geboren ...3. 1977, wohnhaft in ***[4]*** ***[5]*** ***[7]***, ***[4]*** ***[5]*** Anspruch auf slowakische Familienleistungen für ***[13]*** ***[2]*** von 1. 3. 2008 bis 31. 8. 2026 und für ***[14]*** ***[15]*** von 1. 8. 2009 bis 31. 8. 2034 gehabt habe bzw. habe.
Das Amt fügte dieser Bestätigung eine Übersicht über die im Jahr 2017 an die Bf bezahlten monatlichen Leistungen bei. Diese betrugen von Jänner bis November 2017 jeweils 47,04 €, zusammen 564,48 € (der Dezember 2017 wurde hier offenkundig irrtümlich - 47,04 x 12 = 564,48 - nicht angeführt).
Mitteilung über den Bezug der Ausgleichszahlung
Laut Mitteilung des Finanzamts Kirchdorf Perg Steyr an die Bf per Adresse ***[6]*** (statt "...evná" als "…eund" bezeichnet) ***[7]***, ***[3]*** ***[4]*** ***[5]*** ("...v..." statt "...u..."), ***[6]*** ***[7]***, Slowakische Republik, vom 8. 4. 2016, wonach für ***[14]*** ***[15]*** und ***[13]*** ***[2]*** jeweils von August 2014 bis November 2017 Ausgleichszahlung "gemäß der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 und der Durchführungsverordnung (EG) Nr. 987/2009" geleistet werde.
E 401
Laut Formular E 401 ist die Bf in ***[6]*** ***[7]***, ***[3]*** ***[4]*** ***[5]***, Slowakei, wohnhaft. Die Familie setze sich aus ***[1]*** ***[2]*** (Mutter), ***[13]*** ***[2]*** (Tochter) und ***[14]*** ***[15]*** (Sohn) zusammen. Dieses Formular ist nicht behördlich bestätigt.
E 402
Laut Formular E 402 besucht ***[13]*** ***[2]***, ***[6]*** ***[7]***, ***[3]*** ***[4]*** ***[5]***, Slowakei seit 1. 9. 2017 eine näher bezeichnete berufsbildende Schule (Vollzeit, 33 Wochenstunden) und werde die Ausbildung voraussichtlich bis Mai 2022 dauern. Dieses Formular weist Schulstempel, Datum und Unterschrift eines Schulorgans auf.
E 411
Laut Formular E 411 wohnen ***[13]*** ***[2]*** (Tochter) und ***[14]*** ***[15]*** (Sohn) in ***[4]*** ***[5]***, Slowakei. Dieses Formular ist nicht behördlich bestätigt.
Honorarnote, Werkvertrag
Die Bf legte als Personenbetreuerin eine Honorarnote an eine in ***[17]*** Wien, ***[18]*** ***[19]*** wohnhafte Person im Jahr 2017 ("Lohn pro Tag: 60,-"):
[Grafik]
Hierzu wurde ein Werkvertrag über Leistungen in der Personenbetreuung gemäß § 159 GewO 1994 vom 29. 4. 2016 vorgelegt. Demzufolge habe die Bf folgende Aufgaben:
[Grafik]
Vertragsbeginn sei 29. 4. 2016, der Vertrag werde auf unbestimmte Zeit abgeschlossen.
Das Entgelt von 60 € pro Tag plus 100 € Fahrtkosten plus "aktuelle SVA" sei auf ein näher angeführtes Konto zu leisten.
Schreiben
Dazu folgendes Schreiben der Bf, ***[6]*** ***[7]***, ***[3]*** ***[4]*** ***[5]***, Slowkei, an das Finanzamt Wien 2/20/21/22 (OZ 5):
Ich könnte Sie um eine monatliche Zahlung von Familienbeihilfe ***[16]***. Danke schön ***[2]***
Meldebestätigung
Am 4. 12. 2017 langte beim Finanzamt eine Meldebestätigung (Potvrdenie o trvalom pobyte, Daueraufenthaltsbescheinigung) der Gemeinde (Obec) ***[4]*** ***[5]*** vom 30. 11. 2017 beim Finanzamt ein, wonach die Gemeinde (auf Slowakisch) bestätigt, dass ***[1]*** ***[2]***, ***[13]*** ***[2]*** und ***[14]*** ***[15]*** in ***[4]*** ***[5]*** ***[7]*** wohnhaft seien (OZ 6).
Rückforderungsbescheid
Mit dem angefochtenen Bescheid vom 11. 7. 2019 forderte das Finanzamt von der Bf per Adresse ***[3]*** ***[4]*** ***[5]*** ("...v..." statt "...u..."), ***[6]*** ***[7]***, Slowakische Republik zu Unrecht bezogene Beträge an Ausgleichszahlung gem. Verordnung (EG) 883/2004 (DZ) von 3.740,94 € und Kinderabsetzbetrag (KG) von 1.892,70 € für ***[13]*** ***[2]*** und ***[14]*** ***[15]*** im Zeitraum Dezember 2017 bis Mai 2019 zurück und begründete dies folgendermaßen:
Da Sie trotz Aufforderung die abverlangten Unterlagen zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit über den Erhalt der Familienbeihilfe/Differenzzahlung nicht vorgelegt haben, waren die Monate Dezember 2017 bis Mai 2019 rückzufordern.
Eine zahlenmäßige Aufgliederung der Rückforderungsbeträge enthält der Bescheid nicht.
Beschwerde
Am 22. 7. 2019 langte laut Eingangsstempel ein am selben Tag eingeschrieben zur Post gegebenes Schreiben der Bf, Adresse ***[3]*** ***[4]*** ***[5]***, ***[6]*** ***[7]***, Slowakei, beim Finanzamt ein, mit welchem diese Beschwerde gegen den Rückforderungsbescheid erhob:
Ich einlege eine Beschwerde über Bescheid über Rückforderung zu unrecht bezogene Betrege in
Höhe 5 633,64
Ale nottwendige Finanzamt Wien hat mein Brief am 27.5 2019 bekommen./sehe Bestätigung Post/
/Honorarnote,Bestätigungen aus Schule ,SVA,..../Und noch dazu am 4.7.auch alle Bankauszuge
/Rückzahlungen von November 2018 /
Deschalb ich bitte Sie um die Überprüfung...
Beigefügt war ein Ausdruck von Slovenská Pošta vom 21. 7. 2019 über den Sendungsverlauf einer näher bezeichneten Postsendung (Zásielka podaná na pošte ***[9]*** 1 [zur Post gegeben bei der Poststelle ***[9]*** 1] am 22. 5. 2019, Zásielka doručená adresátovi [an den Empfänger übergeben] am 27. 5. 2019). Bemerkt wird, dass ein Schreiben vom 22. 5. 2019, das am 27. 5. 2019 eingelangt ist, sich nicht im elektronisch vorgelegten Akt des Finanzamts befindet.
Ferner wurden Überweisungsbelege über jeweils 205,44 mit dem Vermerk Prfjemca Finanzamt (Empfänger: Finanzamt) und unter Angabe der Sozialversicherungsnummer der Bf vorgelegt, und zwar vom 9. 5. 2019, 9. 4. 2019, 11. 3. 2019, 8. 2. 2019, 10. 1. 2019. Am 10. 12. 2018, 7. 11. 2018 erfolgte eine Überweisung von jeweils 347,04.
Beigelegt war ferner die bereits aktenkundige Honorarnote betreffend das Jahr 2017, ferner eine Honorarnote für das Jahr 2018 (bis 17. 9. 2018) mit folgender Aufschlüsselung:
[Grafik]
Außerdem eine Verständigung des Magistrats der Stadt Wien, Magistratisches Bezirksamt für den 21. Bezirk vom 24. 10. 2018, wonach die Bf, ***[3]*** ***[9]***, ***[10]*** ***[11]*** ***[12]***, zur Ausübung des Gewerbes Personenbetreuung am Standort ***[17]*** Wien, ***[18]*** ***[19]*** berechtigt gewesen sei und die mit Wirksamkeit vom 18. 10. 2019 angezeigte Zurücklegung der Gewerbeberechtigung gemäß § 345 Abs. 4 GewO 1994 i. V. m. § 85 Z 7 GewO 1994 in das Gewerbeinformationssystem Austria - GISA - eingetragen worden sei.
Schließlich ein Kontoauszug der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft vom 20. 4. 2019, wonach das Beitragskonto der Bf einen Saldo von 0,00 € aufweise.
Dazu:
Die aktenkundige Mitteilung von Úrad Práce, Soziálnych vecí a rodiny Lučenec, vom 15. 11. 2017 über im Jahr 2017 bezogene Familienleistungen. Diese betrugen von Jänner bis November (Dezember fehlt offenkundig irrtümlich) 2017 jeweils 47,04 €, zusammen 564,48 €.
Die aktenkundige Mitteilung von Úrad Práce, Soziálnych vecí a rodiny Lučenec, vom 15. 11. 2017 über die Bezugsberechtigung hinsichtlich slowakischer Familienleistungen.
Eine Schulbesuchsbestätigung einer Mittelfachschule für Handel und Dienstleistungen vom 6. 7. 2017, wonach ***[13]******[2]*** im Schuljahr 2017/2018 die 1. Klasse besuche und der Schulbesuch fünf Jahre dauern werde.
Ein Zeugnis einer Volksschule für ***[14]******[15]*** für das Schuljahr 2018/2019.
Schreiben vom 15. 11. 2019
Am 15. 11. 2019 langte beim Finanzamt ein Schreiben der Bf (Anschrift: ***[8]*** ***[9]***, ***[10]*** ***[11]*** ***[12]***) folgenden Inhalts ein (OZ 7):
BETREFF: VSNR ***[16]***
Ersuchen um Ergänzung - Antwort
Ich habe Ihre Brief bekommen. Verstehe leider nicht, warum soll ich mehrere Dokumente nottwendige zum Familienbeihilfe zu schicken, wenn seit....Verständigung 18.10.2018 ...arbeite in Österreich nicht mehr/Gewerbebeendigung habe zu Finanzamt geschickt/ und habe keinen Anspruch auf Familienbeihilfe.
Bitte Sie um Prüffung meines Falles. ...
Beschwerdevorentscheidung
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 8. 1. 2020, adressiert an die Bf per Anschrift ***[3]*** ***[4]*** ***[5]***, ***[6]*** ***[7]***, wies das Finanzamt die Beschwerde vom 22. 7. 2019 als unbegründet ab:
Begründung:
Sachverhalt:
Es wurde Ihnen die Familienbeihilfe für obigen Zeitraum aberkannt, weil für die Bearbeitung des Aktes Unterlagen gefehlt haben.
Ihrer Beschwerde haben Sie Unterlagen beigelegt und bitten um Überprüfung des Aktes.
Rechtliche Grundlagen:
Artikel 11 der EU-Verordnung 883/2004 Allgemeine Regelung:
(1) Personen, für die diese Verordnung gilt, unterliegen den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats. Welche Rechtsvorschriften dies sind, bestimmt sich nach diesem Titel
(2) Für die Zwecke dieses Titels wird bei Personen, die aufgrund oder infolge ihrer Beschäftigung oder selbstständigen Erwerbstätigkeit eine Geldleistung beziehen, davon ausgegangen, dass sie diese Beschäftigung oder Tätigkeit ausüben. Dies gilt nicht für Invaliditäts-, Alters- oder Hinterbliebenenrenten oder für Renten bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten oder für Geldleistungen bei Krankheit, die eine Behandlung von unbegrenzter Dauer abdecken.
Nach den Bestimmungen der VO(EG) 883/2004 besteht in einem Mitgliedstaat Anspruch auf Familienleistungen für in einem anderen EU/EWR-Staat lebende Kinder, wenn im ersten Mitgliedstaat eine Beschäftigung ausgeübt wird oder eine einer Beschäftigung gleichgestellte Situation (zB rechtmäßiger Bezug von Arbeitslosengeld, Notstandshilfe, Krankengeld, etc.) vorliegt.
Anspruch auf letztgenannte Bezüge besteht grundsätzlich nur dann, wenn Sie in Österreich wohnen und sich auch hier aufhalten.
Gemäß § 115 BAO trifft die Partei im Abgabeverfahren (was auch die Beihilfe einschließt) eine Mitwirkungspflicht. Diese wird umso größer, je weniger Ermittlungsmöglichkeiten der Behörde offenstehen. Bei Auslandsachverhalten besteht daher eine erhöhte Mitwirkungspflicht.
Würdigung:
Sie wurden aufgrund der Aktenlage mittels Ergänzungsersuchen vom 21.10.2019 aufgefordert div. Unterlagen nachzureichen. Da bis heute nicht alle abverlangten Unterlagen eingelangt sind, muss davon ausgegangen werden, dass kein Anspruch auf Familienbeihilfe bestand.
Ihre Beschwerde war daher abzuweisen.
Schreiben vom 21. 1. 2020
Am 21. 1. 2020 langte beim Finanzamt ein Schreiben der Bf (Anschrift: ***[8]*** ***[9]***, ***[10]*** ***[11]*** ***[12]***) folgenden Inhalts ein (OZ 9):
BETREFF: VSNR ***[16]***
Ersuchen um Ergänzung - Antwort
Ich habe Ihre Brief bekommen. Verstehe leider nicht, warum soll ich mehrere Dokumente nottwendige zum Familienbeihilfe zu schicken, wenn seit....Verständigung 18.10.2018 ...arbeite in Österreich nicht mehr/Gewerbebeendigung habe zu Finanzamt geschickt/ und habe keinen Anspruch auf Familienbeihilfe.
Bitte Sie um Prüffung meines Falles. ...
Beilage: Gewerbebeendigung.
Diesem inhaltlich mit dem Schreiben vom 15. 11. 2019 identen Schreiben war beigefügt (ist jedenfalls im Finanzamtsakt nach dem Schreiben abgelegt):
Eine Mitteilung von Úrad Práce, Soziálnych vecí a rodiny Lučenec, vom 20. 1. 2020 über im Jahr 2017 bezogene Familienleistungen. Diese betrugen von Jänner bis Dezember 2017 jeweils 47,04 €, zusammen 564,48 €.
Eine Mitteilung von Úrad Práce, Soziálnych vecí a rodiny Lučenec, vom 20. 1. 2020 über im Jahr 2018 bezogene Familienleistungen. Diese betrugen von Jänner bis Dezember 2087 jeweils 47,04 €, zusammen 564,48 €.
Die Beilage "Gewerbebeendigung" findet sich im Finanzamtsakt nicht unter dieser OZ.
Vorlageantrag
Mit am 31. 1. 2020 eingeschrieben zur Post gegebenen und laut Eingangsvermerk am selben Tag beim Finanzamt eingelangtem Schreiben stellte die Bf, Anschrift ***[8]*** ***[9]***, ***[10]*** ***[11]*** ***[12]***, Vorlageantrag:
Liebe Frau ***[20]***,
vor paar Tagen ich habe von ihnen eine Beschwerdevorentscheidung bekommen. Ich habe mit Ihnen auch telefoniert.
In meine letzte Beschwerde ich habe erklärt, wann und welche Dokumente /komplet/ habe schon zweimall geschickt. Zum dritte mall ich schicke alle Unterlagen nocheinmall in Beilage meines Brieffes.
ich will mich Ihrer Chef Herr ***[21]*** persönlich zu treffen,lieder am Montag der 3.2 ich muss nach Krankenhaus,weill ich werde operriert.Dann,wenn ich komme nachhause,melde mich wieder.
Ich bitte Sie um genaue Untersuchung meines Falles. ...
Beigefügt waren folgende Urkunden:
Der schon aktenkundige Werkvertrag über Leistungen in der Personenbetreuung gemäß § 159 GewO 1994 vom 29. 4. 2016.
Die schon aktenkundigen Honorarnoten für die Jahre 2017 und 2018.
Die schon aktenkundigen Mitteilungen von Úrad Práce, Soziálnych vecí a rodiny Lučenec, vom 20. 1. 2020 über in den Jahren 2017 und 2018 bezogene Familienleistungen.
Ein an die Bf ergangener österreichischer Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2018 vom 14. 10. 2019, wonach die Einkommensteuer ausgehend von einem Einkommen von 5.238,15 € mit -669,00 € (Erstattung des Alleinerzieherabsetzbetrags) festgesetzt wurde.
Die bereits aktenkundige Schulbesuchsbestätigung vom 6. 7. 2017 betreffend ***[13]******[2]***.
Zeugnisse einer Volksschule für ***[14]******[15]*** für die Schuljahre 2017/2018 und 2016/2017.
Die aktenkundige Verständigung des Magistrats vom 24. 10. 2018 über die Gewerbezurücklegung.
Eine Meldebestätigung für die Bf des Magistrats der Stadt Wien, wonach diese von April 2016 bis Oktober 2018 in ***[17]*** Wien, ***[18]******[19]*** mit Nebenwohnsitz gemeldet gewesen sei.
Der aktenkundige Kontoauszug der SVA vom 20. 4. 2019.
Die aktenkundigen Zahlungsanweisungen über Rückzahlungen an das Finanzamt.
Vorlage
Mit Bericht vom 4. 3. 2020 legte das Finanzamt die Beschwerde vom 22. 7. 2019 dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vor und führte unter anderem aus:
Inhaltsverzeichnis zu den vorgelegten Aktenteilen (Aktenverzeichnis)
Beschwerde
1 Beschwerde 22.07.2019
Bescheide
2 Familienbeihilfe (Zeitraum: 12.2017-05.2019) 11.07.2019
Beschwerdevorentscheidung
3 Beschwerdevorentscheidung 08.01.2020
Vorlageantrag
4 Vorlageantrag 31.01.2020
Vorgelegte Aktenteile
5 29112017 Antwort auf Überprüfungsschreiben 29.11.2017
6 04122017 Schreiben vom 04122017 04.12.2017
7 15112019 Vorhaltsbeantwortung 15.11.2019
8 13122019 Urgenz AS 13.12.2019
9 21012020 Vorhaltsbeantwortung 21.01.2020
Bezughabende Normen
Verordnung (EG) 883/2004
Sachverhalt und Anträge
Sachverhalt:
Mit Bescheid vom 11.07.2019 wurde die Differenzzahlung und der Kinderabsetzbetrag für die Kinder, ***[2]*** ***[13]*** und ***[15]*** ***[14]***, für den Zeitraum Dezember 2017 bis Mai 2019 zurückgefordert. Strittig ist, ob im genannten Zeitraum ein Anspruch auf Differenzzahlung bestand.
Die Bf., eine slowakische Staatsbürgerin, war bis September 2018 selbstständig als Personenbetreuerin in Österreich tätig. Bis 15.10.2018 war die Bf. in Österreich gemeldet. Mit 18.10.2018 legte sie ihre Gewerbeberechtigung zurück.
Während ihrer Tätigkeit in Österreich lebte die Bf. bei ihren Kunden. Die beiden Kinder, ***[13]*** und ***[14]***, lebten am Familienwohnsitz in der Slowakei, wo die beiden auch die Schule besuchten.
In den Jahren 2017 und 2018 wurde slowakisches Kindergeld bezogen.
Ab September 2018 (=17.09.2018 letzter Tätigkeitstag für ***[22]*** ***[23]***) stellte die Bf. Ihre selbstständige Tätigkeit in Österreich ein. Seitdem besteht kein Österreichbezug mehr.
Beweismittel:
Siehe Inhaltsverzeichnis
Stellungnahme:
Soweit die ausständigen Beweismittel (= Schulbesuchsbestätigung 2018/2019 für ***[13]*** und eine slowakische Meldebestätigung [übersetzt] zum Nachweis des gemeinsamen Haushaltes mit den Kindern) im Verfahren vor dem Bundesfinanzgericht vorgelegt werden, kann der Beschwerde hinsichtlich des Zeitraumes Dezember 2017 bis September 2018 stattgegeben werden. Ab Oktober 2018 besteht jedoch keinerlei Österreichbezug mehr, da sich weder die Bf. noch die Kinder in Österreich aufgehalten haben. Auch die selbständige Tätigkeit der Bf. wurde zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ausgeübt.
Für den Fall, dass die fehlenden Dokumente vorgelegt werden, wird die teilweise Stattgabe beantragt; sollten keine Dokumente mehr vorgelegt werden, wird die Abweisung der Beschwerde beantragt.
Bericht des Finanzamts
Über Anfrage des Gerichts legte das Finanzamt am 10. 2. 2020 Screenshots aus dem elektronischen Beihilfenprogramm vor, aus denen sich ergibt, dass der Bf im Zeitraum Dezember 2017 bis Mai 2019 insgesamt die im Spruch des angefochtenen Bescheids angeführten Beträge an österreichischen Familienleistungen ausbezahlt worden sind.
Das Finanzamt teilte ferner mit, dass im Zeitraum Oktober 2018 bis Mai 2019 insgesamt 2.068,32 € ausbezahlt worden seien. Dieser Betrag setze sich aus 1.343,62 € für die Differenzzahlung und 724,70 € für den Kinderabsetzbetrag zusammen. Diese Summe wäre entsprechend auch für den Zeitraum Oktober 2018 bis Mai 2019 zurückzufordern.
Dem liege folgende Berechnung zugrunde:
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| Zeitraum
| Monatlich
| Zahlung
| DZ
| 12/17-12/17
| 225,16
| 225,16
| DZ
| 01/18-07/18
| 230,24
| 1611,68
| KG
| 12/17-07/18
| 116,8
| 934,40
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Zahlung am 19.07.2018
| 2771,24
|
|
|
|
| DZ
| Aug.18
| 230,24
| 230,24
| KG
| Aug.18
| 116,8
| 116,8
|
|
|
|
|
| Zahlung am 03.08.2018
| 347,04
|
|
|
|
| DZ
| Sep.18
| 330,24
| 330,24
| KG
| Sep.18
| 116,8
| 116,8
|
|
|
|
|
| Zahlung am 03.09.2018
| 447,04
|
|
|
|
| DZ
| Okt.18
| 230,24
| 230,24
| KG
| Okt.18
| 116,8
| 116,8
|
|
|
|
|
| Zahlung am 03.10.2018
| 347,04
|
|
|
|
| DZ
| Nov.18
| 230,24
| 230,24
| KG
| Nov.18
| 116,8
| 116,8
|
|
|
|
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| Zahlung 30.10.2018
| 347,04
|
|
|
|
| DZ
| Dez.18
| 230,24
| 230,24
| KG
| Dez.18
| 116,8
| 116,8
|
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|
|
| Zahlung am 03.12.2018
| 347,04
|
|
|
|
| DZ
| Jän.19
| 130,58
| 130,58
| KG
| Jän.19
| 74,86
| 74,86
|
|
|
|
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| Zahlung am 03.01.2019
| 205,44
|
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| DZ
| Feb.19
| 130,58
| 130,58
| KG
| Feb.19
| 74,86
| 74,86
|
|
|
|
|
| Zahlung am 01.02.2019
| 205,44
|
|
|
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| DZ
| Mär.19
| 130,58
| 130,58
| KG
| Mär.19
| 74,86
| 74,86
|
|
|
|
|
| Zahlung am 01.03.2019
| 205,44
|
|
|
|
| DZ
| Apr.19
| 130,58
| 130,58
| KG
| Apr.19
| 74,86
| 74,86
|
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| Zahlung am 03.04.2019
| 205,44
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| Mai.19
| 130,58
| 130,58
| KG
| Mai.19
| 74,86
| 74,86
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| Zahlung am 03.05.2019
| 205,44
| Gesamte Auszahlung 12/17 bis 05/19
| 5633,64
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| Teilt sich in
| DZ
| 3740,94
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| KG
| 1892,70
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| Auszahlung Oktober 2018 bis Mai 2019
| 2068,32
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| DZ
| 1343,62
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| KG
| 724,7
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Weitere Mitteilung der belangten Behörde
Das Finanzamt teilte dem Bundesfinanzgericht am 10. 3. 2020 weiters mit, dass es auf Grund der Meldebestätigung der Gemeinde ***[4]*** ***[5]*** von einem gemeinsamen Haushalt der Bf mit ihren Kindern ausgehe. Eine Schulbesuchsbestätigung sei, da ***[13]*** ***[2]*** im Beschwerdezeitraum minderjährig war, nicht erforderlich.
Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
Sachverhalt
Die Beschwerdeführerin (Bf) ***[1]*** ***[2]*** ist slowakische Staatsbürgerin. Sie ist Alleinerzieherin und wohnt mit ihren beiden Kindern, der im August 2001 geborene ***[13]*** ***[2]*** und dem im August 2009 geborenen ***[14]*** ***[15]*** in einem gemeinsamen Haushalt in der Slowakei.
In den Jahren 2017 und 2018 erhielt die Bf für ihre beiden Kinder Familienleistungen von der Slowakischen Republik i. H. v. 47,04 Euro monatlich.
Die Bf war in Österreich in Zeit zwischen 29. 4. 2016 und 17. 9. 2018 als Personenbetreuerin nach § 159 GewO 1994 (24 Stunden-Pflege) zeitweise im Haushalt einer Person in ***[17]*** Wien, ***[18]*** ***[19]*** tätig und erzielte hieraus Einkünfte aus Gewerbebetrieb in Österreich. Nach Beendigung des Vertragsverhältnisses war die Bf an einer Fortführung einer Erwerbstätigkeit in Österreich nicht interessiert und legte die Bf im Oktober 2018 ihre Gewerbeberechtigung zurück.
Die beiden im Beschwerdezeitraum minderjährigen Kinder gingen in der Slowakei zur Schule.
Die Bf erhielt vom Finanzamt im Beschwerdezeitraum Ausgleichszahlung bzw. Differenzzahlung und Kinderabsetzbetrag im Gesamtumfang von 5.633,64 €.
Beweiswürdigung
Die getroffenen Feststellungen stützen sich auf die Aktenlage. Sie sind - Mitteilung des Finanzamts vom 10. 3. 2020 - nicht mehr strittig.
Hinweise darauf, dass die Bf nach der Beendigung des Vertragsverhältnisses mit ***[22]*** ***[23]*** als Personenbetreuerin in Österreich weiter erwerbstätig sein wollte, bestehen nicht. Dies wird von der Bf auch nicht behauptet. Daher ist davon auszugehen, dass die Erwerbstätigkeit bereits im September 2018 mit den Auslaufen des Vertrags mit ***[22]*** ***[23]*** beendet wurde und nicht erst mit der Zurücklegung der Gewerbeberechtigung im Oktober 2018.
Zu den beiden vom Finanzamt ursprünglich als nicht nachgewiesen erachteten Punkten:
Für ***[13]*** ***[2]*** ist eine Schulbesuchsbestätigung einer Mittelfachschule für Handel und Dienstleistungen vom 6. 7. 2017 aktenkundig, wonach diese im Schuljahr 2017/2018 die 1. Klasse besuche und der Schulbesuch fünf Jahre dauern werde. Es besteht kein Anhaltspunkt dafür, dass der Schulbesuch während oder nach der ersten Klasse abgebrochen worden wäre.
In rechtlicher Hinsicht steht für ein minderjähriges Kind, und um ein solches handelt es sich bei der im August 2001 geborenen ***[13]*** ***[2]*** im Beschwerdezeitraum, gemäß § 2 Abs. 1 lit. a FLAG 1967 Familienbeihilfe unabhängig von einer Berufsausbildung zu. Der Nachweis einer Berufsausbildung i. S. d. § 2 Abs. 1 lit. b FLAG 1967 ist daher nur bei volljährigen Kindern erforderlich; das Abverlangen einer Schulbesuchsbestätigung durch die belangte Behörde war daher nicht geboten. Es ist somit auch unerheblich, ob die Bf, wie im Vorlagebericht des Finanzamts angesprochen, eine Schulbesuchsbestätigung für das Schuljahr 2018/2019 nachbringt oder nicht.
Hinsichtlich des Zusammenlebens im gemeinsamen Haushalt liegt eine Meldebestätigung vom 30. 11. 2017 vor. Auch wenn diese in slowakischer Sprache abgefasst ist, geht aus ihr auch für nicht der slowakischen Sprache Kundige eindeutig hervor, dass die gemeinsame Meldung von ***[1]*** ***[2]***, ***[13]*** ***[2]*** und ***[14]*** ***[15]*** in ***[4]*** ***[5]*** ***[7]*** bestätigt wird.
Im Verfahren wurde in weiterer Folge von der Bf die Anschrift in ***[9]*** angegeben. Diese Anschrift findet sich auch auf dem Kontoauszug der SVA vom 29. 4. 2019, der Verständigung des Magistrats vom 24. 10. 2018
Nach der Aktenlage befindet sich die Volksschule, deren Zeugnisse vom 30. 1. 2017, vom 30. 6. 2017 und vom 29. 6. 2018 aktenkundig sind, in ***[9]***, die berufsbildende mittlere Schule (Schulbesuch ab 1. 9. 2017) im rund 17 km von ***[9]*** entfernten ***[24]***. Hingegen ist ***[9]*** von ***[4]*** ***[5]*** ***[7]*** rund 110 km entfernt.
Das Bundesfinanzgericht hält es mit der belangten Behörde für erwiesen, dass die Bf im Beschwerdezeitraum einen gemeinsamen Haushalt mit ihren minderjährigen Kindern geführt hat.
Dahingestellt bleiben kann, ob dieser gemeinsame Haushalt in ***[4]*** ***[5]*** oder in ***[9]*** bestanden hat oder besteht oder ob sowohl in ***[4]*** ***[5]*** (Wochenende?) als auch in ***[9]*** ein gemeinsamer Wohnsitz besteht.
Die Kinder gingen in ***[9]*** bzw. ***[24]*** zu Schule. Die Anschrift der Bf wird seit längerem in ***[9]*** angegeben.
Es keinen Anhaltspunkt dafür, dass sich an der gemeinsamen Haushaltsführung nach dem 30. 11. 2017 etwas geändert hat, mag auch die Wohnung gewechselt haben.
Gemäß § 115 BAO haben die Abgabenbehörden die abgabepflichtigen Fälle zu erforschen und von Amts wegen die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse zu ermitteln, die für die Abgabepflicht und die Erhebung der Abgaben wesentlich sind.
Eine erhöhte Mitwirkungspflicht der Bf gemäß § 115 BAO Satz 2 besteht hier nicht, da auf Grund der VO (EG) 883/2004 uneingeschränkte Amtshilfe besteht.
Wenn die belangte Behörde an der Richtigkeit der von der Bf angegebenen Daten und der Weitergeltung der beurkundeten Umstände Zweifel hat, wäre es an ihr gelegen, im Rahmen der sie (und nicht die Partei i. S. d. § 78 BAO!) treffenden amtswegigen Ermittlungspflicht gemäß Art. 76 VO (EG) 883/2004 Erhebungen im Wege des zuständigen slowakischen Trägers (Úrad Práce, Soziálnych vecí a rodiny Lučenec) vorzunehmen und beispielsweise Anfragen mittels der Formulare E 401 und E 402 (direkt ohne Zwischenschaltung der Partei i. S. d. § 78 BAO durchzuführen. Von einer erhöhten Mitwirkungspflicht der Bf kann, soweit es sich um Daten handelt, die von der zuständigen Behörde oder vom zuständigen Träger im anderen Mitgliedstaat beauskunftet werden können, keine Rede sein.
Für das Bundesfinanzgericht bestehen (wie auch mittlerweile für das Finanzamt) keine Zweifel daran, dass die Bf - wie sie selbst angibt und grundsätzlich durch Urkunden belegt - als Alleinerzieherin während des gesamten Beschwerdezeitraums mit ihren beiden Kindern im gemeinsamen Haushalt gewohnt hat.
Rechtsgrundlagen
Unionsrecht
Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
Für den Streitzeitraum ist die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (im Folgenden: VO 883/2004) maßgebend.
Die VO 883/2004 gilt für alle Rechtsvorschriften über Zweige der sozialen Sicherheit, welche Familienleistungen betreffen (Art. 3 Abs. 1 Buchstabe j VO 883/2004). Die in Rede stehende Familienbeihilfe ist eine Familienleistung.
Art. 1 VO 883/2004 lautet auszugsweise:
Definitionen
Für die Zwecke dieser Verordnung bezeichnet der Ausdruck:
a) „Beschäftigung“ jede Tätigkeit oder gleichgestellte Situation, die für die Zwecke der Rechtsvorschriften der sozialen Sicherheit des Mitgliedstaats, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird oder die gleichgestellte Situation vorliegt, als solche gilt;
b) „selbstständige Erwerbstätigkeit“ jede Tätigkeit oder gleichgestellte Situation, die für die Zwecke der Rechtsvorschriften der sozialen Sicherheit des Mitgliedstaats, in dem die Tätigkeit ausgeübt wird oder die gleichgestellte Situation vorliegt, als solche gilt;
...
i) „Familienangehöriger“:
1. i) jede Person, die in den Rechtsvorschriften, nach denen die Leistungen gewährt werden, als Familienangehöriger bestimmt oder anerkannt oder als Haushaltsangehöriger bezeichnet wird;
ii) in Bezug auf Sachleistungen nach Titel III Kapitel 1 über Leistungen bei Krankheit sowie Leistungen bei Mutterschaft und gleichgestellte Leistungen bei Vaterschaft jede Person, die in den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dem sie wohnt, als Familienangehöriger bestimmt oder anerkannt wird oder als Haushaltsangehöriger bezeichnet wird;
2. unterscheiden die gemäß Nummer 1 anzuwendenden Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats die Familienangehörigen nicht von anderen Personen, auf die diese Rechtsvorschriften anwendbar sind, so werden der Ehegatte, die minderjährigen Kinder und die unterhaltsberechtigten volljährigen Kinder als Familienangehörige angesehen;
3. wird nach den gemäß Nummern 1 und 2 anzuwendenden Rechtsvorschriften eine Person nur dann als Familien- oder Haushaltsangehöriger angesehen, wenn sie mit dem Versicherten oder dem Rentner in häuslicher Gemeinschaft lebt, so gilt diese Voraussetzung als erfüllt, wenn der Unterhalt der betreffenden Person überwiegend von dem Versicherten oder dem Rentner bestritten wird;
j) „Wohnort“ den Ort des gewöhnlichen Aufenthalts einer Person;
k) „Aufenthalt“ den vorübergehenden Aufenthalt;
l) „Rechtsvorschriften“ für jeden Mitgliedstaat die Gesetze, Verordnungen, Satzungen und alle anderen Durchführungsvorschriften in Bezug auf die in Artikel 3 Absatz 1 genannten Zweige der sozialen Sicherheit.
...
m) „zuständige Behörde“ in jedem Mitgliedstaat den Minister, die Minister oder eine entsprechende andere Behörde, die im gesamten Gebiet des betreffenden Mitgliedstaates oder einem Teil davon für die Systeme der sozialen Sicherheit zuständig sind;
...
p) „Träger“ in jedem Mitgliedstaat die Einrichtung oder Behörde, der die Anwendung aller Rechtsvorschriften oder eines Teils hiervon obliegt;
q) „zuständiger Träger“:
i) den Träger, bei dem die betreffende Person zum Zeitpunkt der Stellung des Antrags auf Leistungen versichert ist,
oder
ii) den Träger, gegenüber dem die betreffende Person einen Anspruch auf Leistungen hat oder hätte, wenn sie selbst oder ihr Familienangehöriger bzw. ihre Familienangehörigen in dem Mitgliedstaat wohnen würden, in dem dieser Träger seinen Sitz hat,
oder
iii) den von der zuständigen Behörde des betreffenden Mitgliedstaats bezeichneten Träger,
oder
iv) bei einem System, das die Verpflichtungen des Arbeitgebers hinsichtlich der in Artikel 3 Absatz 1 genannten Leistungen betrifft, den Arbeitgeber oder den betreffenden Versicherer oder, falls es einen solchen nicht gibt, die von der zuständigen Behörde des betreffenden Mitgliedstaats bezeichnete Einrichtung oder Behörde;
r) „Träger des Wohnorts“ und „Träger des Aufenthaltsorts“ den Träger, der nach den Rechtsvorschriften, die für diesen Träger gelten, für die Gewährung der Leistungen an dem Ort zuständig ist, an dem die betreffende Person wohnt oder sich aufhält, oder, wenn es einen solchen Träger nicht gibt, den von der zuständigen Behörde des betreffenden Mitgliedstaats bezeichneten Träger;
s) „zuständiger Mitgliedstaat“ den Mitgliedstaat, in dem der zuständige Träger seinen Sitz hat;
…
z) „Familienleistungen“ alle Sach- oder Geldleistungen zum Ausgleich von Familienlasten, mit Ausnahme von Unterhaltsvorschüssen und besonderen Geburts- und Adoptionsbeihilfen nach Anhang I.
Art. 2 Abs. 1 VO 883/2004 lautet:
Persönlicher Geltungsbereich
(1) Diese Verordnung gilt für Staatsangehörige eines Mitgliedstaats, Staatenlose und Flüchtlinge mit Wohnort in einem Mitgliedstaat, für die die Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten gelten oder galten, sowie für ihre Familienangehörigen und Hinterbliebenen.
Art. 4 VO 883/2004 lautet:
Gleichbehandlung
Sofern in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt ist, haben Personen, für die diese Verordnung gilt, die gleichen Rechte und Pflichten aufgrund der Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats wie die Staatsangehörigen dieses Staates.
Art. 7 VO 883/2004 lautet:
Aufhebung der Wohnortklauseln
Sofern in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt ist, dürfen Geldleistungen, die nach den Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedstaaten oder nach dieser Verordnung zu zahlen sind, nicht aufgrund der Tatsache gekürzt, geändert, zum Ruhen gebracht, entzogen oder beschlagnahmt werden, dass der Berechtigte oder seine Familienangehörigen in einem anderen als dem Mitgliedstaat wohnt bzw. wohnen, in dem der zur Zahlung verpflichtete Träger seinen Sitz hat.
Personen, für die diese Verordnung gilt, unterliegen nach Art. 11 Abs. 1 VO 883/2004 den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats.
Art. 11 VO 883/2004 lautet:
Allgemeine Regelung
(1) Personen, für die diese Verordnung gilt, unterliegen den Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats. Welche Rechtsvorschriften dies sind, bestimmt sich nach diesem Titel.
(2) Für die Zwecke dieses Titels wird bei Personen, die aufgrund oder infolge ihrer Beschäftigung oder selbstständigen Erwerbstätigkeit eine Geldleistung beziehen, davon ausgegangen, dass sie diese Beschäftigung oder Tätigkeit ausüben. Dies gilt nicht für Invaliditäts-, Alters- oder Hinterbliebenenrenten oder für Renten bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten oder für Geldleistungen bei Krankheit, die eine Behandlung von unbegrenzter Dauer abdecken.
(3) Vorbehaltlich der Artikel 12 bis 16 gilt Folgendes:
a) eine Person, die in einem Mitgliedstaat eine Beschäftigung oder selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, unterliegt den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats;
b) ein Beamter unterliegt den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, dem die ihn beschäftigende Verwaltungseinheit angehört;
c) eine Person, die nach den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats Leistungen bei Arbeitslosigkeit gemäß Artikel 65 erhält, unterliegt den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats;
d) eine zum Wehr- oder Zivildienst eines Mitgliedstaats einberufene oder wiedereinberufene Person unterliegt den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats;
e) jede andere Person, die nicht unter die Buchstaben a bis d fällt, unterliegt unbeschadet anders lautender Bestimmungen dieser Verordnung, nach denen ihr Leistungen aufgrund der Rechtsvorschriften eines oder mehrerer anderer Mitgliedstaaten zustehen, den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats.
(4) Für die Zwecke dieses Titels gilt eine Beschäftigung oder selbstständige Erwerbstätigkeit, die gewöhnlich an Bord eines unter der Flagge eines Mitgliedstaats fahrenden Schiffes auf See ausgeübt wird, als in diesem Mitgliedstaat ausgeübt. Eine Person, die einer Beschäftigung an Bord eines unter der Flagge eines Mitgliedstaats fahrenden Schiffes nachgeht und ihr Entgelt für diese Tätigkeit von einem Unternehmen oder einer Person mit Sitz oder Wohnsitz in einem anderen Mitgliedstaat erhält, unterliegt jedoch den Rechtsvorschriften des letzteren Mitgliedstaats, sofern sie in diesem Staat wohnt. Das Unternehmen oder die Person, das bzw. die das Entgelt zahlt, gilt für die Zwecke dieser Rechtsvorschriften als Arbeitgeber.
Nach Art. 11 Abs. 3 Buchst. a VO 883/2004 unterliegt daher eine Person, die (nur) in einem Mitgliedstaat eine Beschäftigung oder selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaats.
Artikel 13 VO 883/2004 lautet:
Artikel 13
Ausübung von Tätigkeiten in zwei oder mehr Mitgliedstaaten
(1) Eine Person, die gewöhnlich in zwei oder mehr Mitgliedstaaten eine Beschäftigung ausübt, unterliegt
a) den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats, wenn sie dort einen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeit ausübt oder wenn sie bei mehreren Unternehmen oder Arbeitgebern beschäftigt ist, die ihren Sitz oder Wohnsitz in verschiedenen Mitgliedstaaten haben, oder
b) den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dem das Unternehmen oder der Arbeitgeber, das bzw. der sie beschäftigt, seinen Sitz oder Wohnsitz hat, sofern sie keinen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeiten in dem Wohnmitgliedstaat ausübt.
(2) Eine Person, die gewöhnlich in zwei oder mehr Mitgliedstaaten eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, unterliegt
a) den Rechtsvorschriften des Wohnmitgliedstaats, wenn sie dort einen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeit ausübt, oder
b) den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dem sich der Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten befindet, wenn sie nicht in einem der Mitgliedstaaten wohnt, in denen sie einen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeit ausübt.
(3) Eine Person, die gewöhnlich in verschiedenen Mitgliedstaaten eine Beschäftigung und eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, unterliegt den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dem sie eine Beschäftigung ausübt, oder, wenn sie eine solche Beschäftigung in zwei oder mehr Mitgliedstaaten ausübt, den nach Absatz 1 bestimmten Rechtsvorschriften.
(4) Eine Person, die in einem Mitgliedstaat als Beamter beschäftigt ist und die eine Beschäftigung und/oder eine selbstständige Erwerbstätigkeit in einem oder mehreren anderen Mitgliedstaaten ausübt, unterliegt den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, dem die sie beschäftigende Verwaltungseinheit angehört.
(5) Die in den Absätzen 1 bis 4 genannten Personen werden für die Zwecke der nach diesen Bestimmungen ermittelten Rechtsvorschriften so behandelt, als ob sie ihre gesamte Beschäftigung oder selbstständige Erwerbstätigkeit in dem betreffenden Mitgliedstaat ausüben und dort ihre gesamten Einkünfte erzielen würden.
Art. 67 VO 883/2004 lautet:
Familienangehörige, die in einem anderen Mitgliedstaat wohnen
Eine Person hat auch für Familienangehörige, die in einem anderen Mitgliedstaat wohnen, Anspruch auf Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften des zuständigen Mitgliedstaats, als ob die Familienangehörigen in diesem Mitgliedstaat wohnen würden. Ein Rentner hat jedoch Anspruch auf Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften des für die Rentengewährung zuständigen Mitgliedstaats.
Art. 68 VO 883/2004 lautet:
Prioritätsregeln bei Zusammentreffen von Ansprüchen
(1) Sind für denselben Zeitraum und für dieselben Familienangehörigen Leistungen nach den Rechtsvorschriften mehrerer Mitgliedstaaten zu gewähren, so gelten folgende Prioritätsregeln:
a) Sind Leistungen von mehreren Mitgliedstaaten aus unterschiedlichen Gründen zu gewähren, so gilt folgende Rangfolge: an erster Stelle stehen die durch eine Beschäftigung oder eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausgelösten Ansprüche, darauf folgen die durch den Bezug einer Rente ausgelösten Ansprüche und schließlich die durch den Wohnort ausgelösten Ansprüche.
b) Sind Leistungen von mehreren Mitgliedstaaten aus denselben Gründen zu gewähren, so richtet sich die Rangfolge nach den folgenden subsidiären Kriterien:
i) bei Ansprüchen, die durch eine Beschäftigung oder eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausgelöst werden: der Wohnort der Kinder, unter der Voraussetzung, dass dort eine solche Tätigkeit ausgeübt wird, und subsidiär gegebenenfalls die nach den widerstreitenden Rechtsvorschriften zu gewährende höchste Leistung. Im letztgenannten Fall werden die Kosten für die Leistungen nach in der Durchführungsverordnung festgelegten Kriterien aufgeteilt;
ii) bei Ansprüchen, die durch den Bezug einer Rente ausgelöst werden: der Wohnort der Kinder, unter der Voraussetzung, dass nach diesen Rechtsvorschriften eine Rente geschuldet wird, und subsidiär gegebenenfalls die längste Dauer der nach den widerstreitenden Rechtsvorschriften zurückgelegten Versicherungs- oder Wohnzeiten;
iii) bei Ansprüchen, die durch den Wohnort ausgelöst werden: der Wohnort der Kinder.
(2) Bei Zusammentreffen von Ansprüchen werden die Familienleistungen nach den Rechtsvorschriften gewährt, die nach Absatz 1 Vorrang haben. Ansprüche auf Familienleistungen nach anderen widerstreitenden Rechtsvorschriften werden bis zur Höhe des nach den vorrangig geltenden Rechtsvorschriften vorgesehenen Betrags ausgesetzt; erforderlichenfalls ist ein Unterschiedsbetrag in Höhe des darüber hinausgehenden Betrags der Leistungen zu gewähren. Ein derartiger Unterschiedsbetrag muss jedoch nicht für Kinder gewährt werden, die in einem anderen Mitgliedstaat wohnen, wenn der entsprechende Leistungsanspruch ausschließlich durch den Wohnort ausgelöst wird.
(3) Wird nach Artikel 67 beim zuständigen Träger eines Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften gelten, aber nach den Prioritätsregeln der Absätze 1 und 2 des vorliegenden Artikels nachrangig sind, ein Antrag auf Familienleistungen gestellt, so gilt Folgendes:
a) Dieser Träger leitet den Antrag unverzüglich an den zuständigen Träger des Mitgliedstaats weiter, dessen Rechtsvorschriften vorrangig gelten, teilt dies der betroffenen Person mit und zahlt unbeschadet der Bestimmungen der Durchführungsverordnung über die vorläufige Gewährung von Leistungen erforderlichenfalls den in Absatz 2 genannten Unterschiedsbetrag;
b) der zuständige Träger des Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften vorrangig gelten, bearbeitet den Antrag, als ob er direkt bei ihm gestellt worden wäre; der Tag der Einreichung des Antrags beim ersten Träger gilt als der Tag der Einreichung bei dem Träger, der vorrangig zuständig ist.
Art. 76 VO 883/2004 lautet:
Zusammenarbeit
(1) Die zuständigen Behörden der Mitgliedstaaten unterrichten einander über:
a) alle zur Anwendung dieser Verordnung getroffenen Maßnahmen;
b) alle Änderungen ihrer Rechtsvorschriften, die die Anwendung dieser Verordnung berühren können.
(2) Für die Zwecke dieser Verordnung unterstützen sich die Behörden und Träger der Mitgliedstaaten, als handelte es sich um die Anwendung ihrer eigenen Rechtsvorschriften. Die gegenseitige Amtshilfe dieser Behörden und Träger ist grundsätzlich kostenfrei. Die Verwaltungskommission legt jedoch die Art der erstattungsfähigen Ausgaben und die Schwellen für die Erstattung dieser Ausgaben fest.
(3) Die Behörden und Träger der Mitgliedstaaten können für die Zwecke dieser Verordnung miteinander sowie mit den betroffenen Personen oder deren Vertretern unmittelbar in Verbindung treten.
(4) Die Träger und Personen, die in den Geltungsbereich dieser Verordnung fallen, sind zur gegenseitigen Information und Zusammenarbeit verpflichtet, um die ordnungsgemäße Anwendung dieser Verordnung zu gewährleisten.
Die Träger beantworten gemäß dem Grundsatz der guten Verwaltungspraxis alle Anfragen binnen einer angemessenen Frist und übermitteln den betroffenen Personen in diesem Zusammenhang alle erforderlichen Angaben, damit diese die ihnen durch diese Verordnung eingeräumten Rechte ausüben können.
Die betroffenen Personen müssen die Träger des zuständigen Mitgliedstaats und des Wohnmitgliedstaats so bald wie möglich über jede Änderung ihrer persönlichen oder familiären Situation unterrichten, die sich auf ihre Leistungsansprüche nach dieser Verordnung auswirkt.
(5) Die Verletzung der Informationspflicht gemäß Absatz 4 Unterabsatz 3 kann angemessene Maßnahmen nach dem nationalen Recht nach sich ziehen. Diese Maßnahmen müssen jedoch denjenigen entsprechen, die für vergleichbare Tatbestände der nationalen Rechtsordnung gelten, und dürfen die Ausübung der den Antragstellern durch diese Verordnung eingeräumten Rechte nicht praktisch unmöglich machen oder übermäßig erschweren.
(6) Werden durch Schwierigkeiten bei der Auslegung oder Anwendung dieser Verordnung die Rechte einer Person im Geltungsbereich der Verordnung in Frage gestellt, so setzt sich der Träger des zuständigen Mitgliedstaats oder des Wohnmitgliedstaats der betreffenden Person mit dem Träger des anderen betroffenen Mitgliedstaats oder den Trägern der anderen betroffenen Mitgliedstaaten in Verbindung. Wird binnen einer angemessenen Frist keine Lösung gefunden, so können die betreffenden Behörden die Verwaltungskommission befassen.
(7) Die Behörden, Träger und Gerichte eines Mitgliedstaats dürfen die bei ihnen eingereichten Anträge oder sonstigen Schriftstücke nicht deshalb zurückweisen, weil sie in einer Amtssprache eines anderen Mitgliedstaats abgefasst sind, die gemäß Artikel 290 des Vertrags als Amtssprache der Organe der Gemeinschaft anerkannt ist.
Slowakische Fassung:
Článok 1
Definície
Na účely tohto nariadenia:
a) "činnosť ako zamestnanec" znamená každú činnosť alebo rovnocennú situáciu, ktorá sa za takú považuje na účely právnych predpisov v oblasti sociálneho zabezpečenia členského štátu, v ktorom takáto činnosť alebo rovnocenná situácia existuje;
b) "činnosť ako samostatne zárobkovo činná osoba" znamená každú činnosť alebo rovnocennú situácia, ktorá sa za takú považuje na účely právnych predpisov v oblasti sociálneho zabezpečenia členského štátu, v ktorom takáto činnosť alebo rovnocenná situácia existuje;
…
i) "rodinný príslušník" znamená:
1. i) každú osobu definovaná alebo uznanú za rodinného príslušníka, alebo označenú za člena domácnosti právnymi predpismi, podľa ktorých sa poskytujú dávky;
ii) so zreteľom na vecné dávky podľa hlavy III, kapitola 1 o nemocenských dávkach, dávkach v materstve a rovnocenných dávkach v otcovstve, každú osobu definovanú alebo uznanú za rodinného príslušníka, alebo označenú za člena domácnosti podľa právnych predpisov členského štátu, v ktorom má daná osoba bydlisko;
2. ak právne predpisy členského štátu, ktorá sú uplatniteľné podľa pododseku 1, nerozlišujú medzi rodinnými príslušníkmi a inými osobami, na ktoré sú uplatniteľné, manžel/manželka, neplnoleté deti a nezaopatrené deti, ktoré dosiahli vek plnoletosti, sa považujú za rodinných príslušníkov;
3. ak podľa právnych predpisov, ktoré je uplatniteľná podľa pododsekov 1 a 2, osoba sa považuje za rodinného príslušníka alebo člena domácnosti iba vtedy, ak daná osoba žije v tej istej domácnosti ako poistenec alebo dôchodca, táto podmienka sa považuje za splnenú, ak daná osoba je závislá hlavne od poistenca alebo dôchodcu;
j) "bydlisko" znamená miesto, kde osoba zvyčajne býva;
k) "pobyt" znamená prechodné bydlisko;
l) "právne predpisy" znamenajú v súvislosti s každým členským štátom zákony, nariadenia a iné povinné ustanovenia a všetky ostatné vykonávajúce opatrenia týkajúce sa odvetví sociálneho zabezpečenia, na ktoré sa uplatňuje článok 3 ods. 1;
...
m) "príslušný orgán" znamená v súvislosti s každým členským štátom ministra, ministrov alebo iné obdobné orgány zodpovedné za systémy sociálneho zabezpečenia na celom území alebo časti územia daného členského štátu;
...
p) "inštitúcia" znamená v súvislosti s každým jednotlivým členským štátom úrad alebo úrad zodpovedný za uplatňovanie všetkých alebo niektorých právnych predpisov;
q) "príslušná inštitúcia" znamená:
i) inštitúciu, v ktorej je daná osoba poistená v čase žiadosti o dávku; alebo
ii) inštitúciu, v ktorej je daná osoba oprávnená alebo by bola oprávnená nárokovať si dávky, ak táto osoba alebo jej rodinní príslušníci majú bydlisko na území členského štátu, v ktorom sa inštitúcia nachádza; alebo
iii) inštitúciu určenú príslušným orgánom daného členského štátu; alebo
iv) v prípade systému týkajúceho sa povinností zamestnávateľa v súvislosti s dávkami ustanovenými v článku 3 ods. 1, zamestnávateľ alebo daný poisťovateľ, alebo v prípade ich neplnenia úrad alebo orgán určený príslušným orgánom daného členského štátu;
r) "inštitúcia miesta bydliska" a "inštitúcia miesta pobytu" znamená inštitúciu, ktorá je príslušná poskytovať dávky v mieste, kde má daná osoba bydlisko a inštitúciu, ktorá je príslušná poskytovať dávky v mieste, kde sa má daná osoba pobyt podľa právnych predpisov uplatňovaných touto inštitúciou, alebo, ak takáto inštitúcia neexistuje, inštitúciu určenú príslušným orgánom daného členského štátu;
s) "príslušný členský štát" znamená členský štát, na území ktorého sa príslušná inštitúcia nachádza;
...
z) "rodinná dávka" znamená všetky vecné alebo peňažné dávky, ktorú sú určené na pokrytie rodinných výdajov, okrem preddavkov na výživné a osobitné prídavky pri narodení dieťaťa a osvojení dieťaťa, ako sú uvedené v prílohe I.
Článok 2
Osoby, na ktoré sa toto nariadenie vzťahuje
1. Toto nariadenie sa vzťahuje na štátnych príslušníkov členského štátu, osoby bez štátnej príslušnosti a utečencov, ktorí majú bydlisko v členskom štáte a podliehajú alebo podliehali právnym predpisom jedného alebo viacerých členských štátov, ako aj na ich rodinných príslušníkov a ich pozostalých.
...
Článok 4
Rovnosť zaobchádzania
Pokiaľ nie je v tomto nariadení ustanovené inak, osoby, na ktoré sa toto nariadenie vzťahuje, poberajú tie isté dávky a majú tie isté povinnosti podľa právnych predpisov ktoréhokoľvek členského štátu ako štátni príslušníci daného členského štátu.
...
Článok 7
Upustenie od pravidiel bydliska
Pokiaľ nie je v tomto nariadení ustanovené inak, peňažné dávky splatné podľa právnych predpisov jedného alebo viacerých členských štátov alebo podľa tohto nariadenia nepodliehajú žiadnemu zníženiu, zmenám a doplneniam, pozastaveniu, odňatiu alebo odobratiu na základe skutočnosti, že príjemca alebo jeho rodinní príslušníci majú bydlisko v členskom štáte inom, ako je štát, kde sa nachádza inštitúcia zodpovedná za poskytovanie dávok.
...
Článok 11
Všeobecné pravidlá
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Normen und Schlagworte
- § 115 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 159 GewO 1994, Gewerbeordnung 1994, BGBl. Nr. 194/1994
- § 2 Abs. 1 lit. a FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- Art. 76 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 11 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 67 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- Art. 68 VO 883/2004, ABl. Nr. L 166 vom 30.04.2004 S. 1
- § 119 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
- § 10 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 53 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 33 Abs. 3 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- Art. 59 VO 987/2009, ABl. Nr. L 284 vom 30.10.2009 S. 1
- § 2 Abs. 2 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 266 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/7100963/2020
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2020:RV.7100963.2020
- Stammnummer
- 128491
- Gültig
- 25.03.2020 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF