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Findok · BFG-Entscheidungen

BFG RV/5102051/2016

1. Nachweis der Beendigung der Geschäftsführertätigkeit vor der diesbezüglichen Eintragung im Firmenbuch 2. Kein Nachweis, dass kein abgabenrechtliches Verschulden an der Nichtentrichtung der Abgaben der Primärschuldnerin vorliegt

geltende FassungBescheidbeschwerde - Senat - ErkenntnisRV/5102051/2016vom 12.04.2018Teil 2 von 2
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.

Wortlaut laut Findok

| Umsatzsteuer | 2012 | 15.02.2013 | 6.213,97 | Umsatzsteuer | 10/2012 | 17.12.2012 | 1.392,52 | Umsatzsteuer | 11/2012 | 15.01.2013 | 2.320,13 | Umsatzsteuer | 01/2013 | 15.03.2013 | 2.715,96 | Umsatzsteuer | 02/2013 | 15.04.2013 | 2.569,03 | Umsatzsteuer | 03/2013 | 15.05.2013 | 1.123,14 | Lohnsteuer | 2009 | 15.01.2010 | 1.343,59 | Lohnsteuer | 2010 | 17.01.2011 | 11.278,08 | Lohnsteuer | 2011 | 16.01.2012 | 3.353,54 | Lohnsteuer | 2012 | 15.01.2013 | 27.220,87 | Lohnsteuer | 11/2012 | 17.12.2012 | 2.914,07 | Lohnsteuer | 12/2012 | 15.01.2013 | 6.541,00 | Lohnsteuer | 01/2013 | 15.02.2013 | 5.472,90 | Lohnsteuer | 02/2013 | 15.03.2013 | 6.137,91 | Lohnsteuer | 03/2013 | 15.04.2013 | 1.045,66 | Lohnsteuer | 04/2013 | 15.05.2013 | 918,19 | Körperschaftsteuer | 01-03/2013 | 15.02.2013 | 435,06 | Körperschaftsteuer | 04-06/2013 | 15.05.2013 | 435,06 | Kammerumlage | 01-12/2010 | 15.02.2011 | 1,49 | Kammerumlage | 01-12/2011 | 15.02.2012 | 284,84 | Dienstgeberbeitrag | 2009 | 15.01.2010 | 302,31 | Dienstgeberbeitrag | 2010 | 17.01.2011 | 3.185,23 | Dienstgeberbeitrag | 2011 | 16.01.2012 | 529,99 | Dienstgeberbeitrag | 2012 | 15.01.2013 | 3.492,66 | Dienstgeberbeitrag | 11/2012 | 17.12.2012 | 2.251,32 | Dienstgeberbeitrag | 12/2012 | 15.01.2013 | 1.650,67 | Dienstgeberbeitrag | 01/2013 | 15.02.2013 | 1.351,49 | Dienstgeberbeitrag | 02/2013 | 15.03.2013 | 1.129,10 | Dienstgeberbeitrag | 03/2013 | 15.04.2013 | 732,38 | Dienstgeberbeitrag | 04/2013 | 15.05.2013 | 525,10 | Dienstgeberzuschlag | 2009 | 15.01.2010 | 27,55 | Dienstgeberzuschlag | 2010 | 17.01.2011 | 281,01 | Dienstgeberzuschlag | 2011 | 16.01.2012 | 45,11 | Dienstgeberzuschlag | 2012 | 15.01.2013 | 283,29 | Dienstgeberzuschlag | 11/2012 | 17.12.2012 | 200,12 | Dienstgeberzuschlag | 12/2012 | 15.01.2013 | 146,73 | Dienstgeberzuschlag | 01/2013 | 15.02.2013 | 120,13 | Dienstgeberzuschlag | 02/2013 | 15.03.2013 | 100,36 | Dienstgeberzuschlag | 04/2013 | 15.05.2013 | 46,67 | Pfändungsgebühr | 2013 | 8.2.2013+29.5.2013 | 764,57 | Säumniszuschläge | 2012 | 17.1.2013+18.2.2013 | 214,96 | | | Summe | 106.475,85 Da der Beschwerdeführer den Geschäftsführerwechsel am 13.06.2013 im Rahmen der mündlichen Verhandlung glaubhaft gemacht hat, besteht für eine Geltendmachung der Haftung für jene Abgaben, die nach dem 13.06.2013 fällig geworden sind, keine rechtliche Grundlage. Insofern besteht somit keine Haftung für folgende im angefochtenen Bescheid angeführten Abgabenschuldigkeiten der Primärschuldnerin: | Abgabenart | Zeitraum | fällig am | Haftungsbetrag in € | Umsatzsteuer | 04/2013 | 17.06.2013 | 719,69 | Umsatzsteuer | 05/2013 | 15.07.2013 | 3.982,25 | Umsatzsteuer | 06/2013 | 16.08.2013 | 4.977,81 | Lohnsteuer | 05/2013 | 17.06.2013 | 462,88 | Körperschaftsteuer | 07-09/2013 | 16.08.2013 | 435,06 | Dienstgeberbeitrag | 05/2013 | 17.06.2013 | 125,76 | Verspätungszuschlag | 2010 | 02.08.2013 | 416,99 | Verspätungszuschlag | 2011 | 02.08.2013 | 101,32 | Verspätungszuschlag | 02/2013 | 11.07.2013 | 205,52 | | | Summe | 11.427,28 Was die Haftung für die Säumniszuschläge 2013 in Höhe von 467,26 € anlangt, ist darauf hinzuweisen, dass sie im Zeitraum zwischen 16.03.2012 und 17.07.2013 fällig geworden sind. Das bedeutet, dass manche davon im Zeitraum der Geschäftsführertätigkeit des Beschwerdeführers fällig geworden sind, manche erst danach. Aus den vorgelegten Unterlagen ist eine detaillierte Zuordnung nicht möglich, sodass der Senat zugunsten des Beschwerdeführers hinsichtlich des Betrages von 467,26 € von der Aufrechterhaltung der Haftung absah. 7. Ermessen Die Heranziehung zur Haftung gemäß § 224 BAO ist in das Ermessen (§ 20) der Abgabenbehörde gestellt, wobei die Ermessensentscheidung innerhalb der vom Gesetz gezogenen Grenzen nach Billigkeit und Zweckmäßigkeit unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Umstände zu treffen ist (VwGH 25.03.2010, 2009/16/0104; vgl. Fischerlehner, Abgabenverfahren2, § 224 Anm. 2). Unter Billigkeit versteht die ständige Rechtsprechung die "Angemessenheit in Bezug auf berechtigte Interessen der Partei", unter Zweckmäßigkeit das öffentliche Interesse, insbesondere an der Einbringung der Abgaben (Ritz, BAO6, § 20 Tz 7). Vom Beschwerdeführer wurde nichts dahingehend vorgebracht, weshalb die Haftung wegen seiner persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse nicht geltend gemacht werden dürfe. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes darf die Haftung nicht nur bis zur Höhe der aktuellen Einkünfte und des aktuellen Vermögens des Haftungspflichtigen geltend gemacht werden, sondern auch darüber hinaus. Eine Vermögenslosigkeit oder das Fehlen von Einkünften des Haftungs­pflichtigen steht in keinem Zusammenhang mit der Geltendmachung der Haftung (VwGH 28.05.2008, 2006/15/0089). Eine allfällige derzeitige Uneinbringlichkeit schließt nicht aus, dass künftig erzielte Einkünfte oder künftig neu hervorgekommenes Vermögen zur Einbringlichkeit der Haftungsschuld führen. Aufgrund des Alters des Beschwerdeführers (51 Jahre) ist mit der Einbringlichkeit der haftungsgegenständlichen Abgaben noch zu rechnen. Der Einwand, wonach bei der Ermessensübung das monatliche Gehalt des Beschwerdeführers nicht entsprechend gewürdigt worden sei, weil das verbleibende Nettoentgelt nach einer Gehaltszession nur € 914,19 betrage (Nettogehalt € 2.362,19 abzgl. Gehaltszession € 1.448,00), geht daher ins Leere. Da der Abgabenausfall auf ein Verschulden des Beschwerdeführers zurückzuführen ist, ist den Zweckmäßigkeitsgründen der Vorrang einzuräumen. In Hinblick auf die Löschung der Primärschuldnerin im Firmenbuch ist die Geltendmachung der Haftung die einzige Möglichkeit, für die Einbringlichkeit der gegenständlichen Abgaben zu sorgen. Zulässigkeit einer Revision Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts­hofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Eine solche Rechtsfrage liegt im gegenständlichen Fall nicht vor. Das Verwaltungsgericht orientierte sich bei den zu lösenden Rechtsfragen am eindeutigen Gesetzestext sowie an der zitierten höchstgerichtlichen Rechtsprechung. Somit war spruchgemäß zu entscheiden. Linz, am 12. April 2018

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Normen und Schlagworte

Herkunft

Herkunft dieses Textes

Bestand
BFG-Entscheidungen
Dokumenttyp
Bescheidbeschwerde - Senat - Erkenntnis
Geschäftszahl
RV/5102051/2016
ECLI
ECLI:AT:BFG:2018:RV.5102051.2016
Stammnummer
118818
Gültig
12.04.2018 bis auf Weiteres
Stand Bestandsliste
25.09.2026 06:13
Von uns abgerufen
26.09.2026
Quelle
Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
Lizenz
CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF

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