Findok · UFS-Entscheidungen
UFSW RV/2919-W/08
Ohne Haftung kein Sicherstellungsauftrag
geltende FassungBerufungsentscheidung - Steuer (Referent)RV/2919-W/08vom 30.03.2009
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Berufungsentscheidung
Der Unabhängige
Finanzsenat hat über die Berufung des Bw., vertreten durch MMag. Dr.
Gerhard Sitkovich, 1220 Wien, Eipeldauerstraße 48, vom
28. August 2008 gegen die Bescheide des Finanzamtes Wien 12/13/14
Purkersdorf vom 17. März 2008 betreffend Sicherstellungsaufträge
gemäß
§ 232 BAO hinsichtlich Haftung für Abgabenschulden
nachstehender KEG's
Tabelle Sicherstellungsauftrag
|
Primärschuldner
|
Steuernummer
|
GZ.RV/..-W/08
|
1.- GmbH & Co KEG
|
1/1
|
2884
|
2.- GmbH & Co KEG
|
2/2
|
2904
|
3.- GmbH & Co KEG
|
3/3
|
2890
|
4.- GmbH & Co KEG
|
4/4
|
2902
|
5.- GmbH & Co KEG
|
5/5
|
2917
|
6.- GmbH & Co KEG
|
6/6
|
2892
|
7.- GmbH & Co KEG
|
7/7
|
2919
|
8.- GmbH & Co KEG
|
8/8
|
2886
|
9.- GmbH & Co KEG
|
9/9
|
2888
|
10.- GmbH & Co KEG
|
10/10
|
2898
|
11.- GmbH & Co KEG
|
11/11
|
2900
|
12.- GmbH & Co KEG
|
12/12
|
2908
|
13.- GmbH & Co KEG
|
13/13
|
2906
|
14.- GmbH & Co KEG
|
14/14
|
2895
|
15.- GmbH & Co KEG
|
15/15
|
2894
entschieden:
Der Berufung wird Folge
gegeben.
Die angefochtenen Bescheide
werden aufgehoben.
Entscheidungsgründe
Mit Bescheiden vom 13. März 2008 wurde der
Berufungswerber (Bw.) für folgende Abgabenschulden gemäß
§ 9 in Verbindung mit § 80 BAO zur Haftung
herangezogen:
Tabelle Haftungsbescheide
|
Primärschuldner
|
Betrag in €
|
GZ.RV/..-W/08
|
1.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2885
|
2.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2905
|
3.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2891
|
4.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2903
|
5.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2918
|
6.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2893
|
7.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2920
|
8.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2887
|
9.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2889
|
10.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2899
|
11.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2901
|
12.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2909
|
13.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2907
|
14.- GmbH & Co KEG
|
2.123,29
|
2897
|
15.- GmbH & Co KEG
|
10.527,91
|
2896
Die Haftungsbeträge setzen sich jeweils aus der
Umsatzsteuer 2001 und einem diesbezüglichen Säumniszuschlag
zusammen.
Mit Sicherstellungsaufträgen, vom
17. März 2008 ordnete das Finanzamt zur Sicherung der an den im
Haftungsbescheid genannten Abgaben die Sicherstellung in das bewegliche und
unbewegliche Vermögen der Bw. an, da sich der begründete Verdacht der
Gefährdung oder Erschwerung der Einbringlichkeit der Abgaben aus folgenden
Gründen ergebe:
Auf Grund drohender Exekutionsführung von dritter
Seite bzw. drohender Vermögensverschiebung sei die Erlassung eines
Sicherstellungsauftrages notwendig. Auf Grund einer Kettenprüfung sei dem
Finanzamt zur Kenntnis gebracht worden, dass ein beiderseitiges
Rechtsgeschäft existiere und zu erwarten sei, dass die dabei
fließenden Gelder nicht zur Abdeckung der Abgabenschuld herangezogen
würden. Weiters sei zu erwarten, dass von dritter Seite auf diesen Betrag
Exekution geführt werde und dass es daher zu einer
Vermögensverschiebung komme. Es wäre somit dem Finanzamt dann nicht
möglich, auf diese Forderung, nach Eintritt der Rechtskraft zuzugreifen und
den Haftungsbetrag einbringlich zu machen.
Nach Verlängerung der Berufungsfristen brachte der Bw.
gegen die Sicherstellungsaufträge das Rechtsmittel der Berufung ein.
Die Begründung wird mangels Entscheidungsrelevanz
nicht wiedergegeben.
Das Finanzamt legte die Berufungen ohne Erlassung einer
Berufungsvorentscheidung dem Unabhängigen Finanzsenat zur Entscheidung
vor.
Über
die Berufung wurde erwogen:
Gemäß
§ 232 Abs.
1 BAO kann die Abgabenbehörde, sobald der Tatbestand verwirklicht ist, an
den die Abgabenvorschriften die Abgabepflicht knüpfen (§ 4 Abs. 1
BAO), selbst bevor die Abgabenschuld dem Ausmaß nach feststeht, bis zum
Eintritt der Vollstreckbarkeit (§ 226) an den Abgabenpflichtigen einen
Sicherstellungsauftrag erlassen, um einer Gefährdung oder wesentlichen
Erschwerung der Einbringung zu begegnen.
Personen, die nach Abgabenvorschriften für eine Abgabe
haften, werden gemäß
§ 7 Abs. 1 BAO durch Geltendmachung dieser
Haftung (§ 224 Abs. 1 BAO) zu Gesamtschuldnern.
Gemäß
§ 224 Abs. 1 BAO werden die in
Abgabenvorschriften geregelten persönlichen Haftungen durch Erlassung von
Haftungsbescheiden geltend gemacht.
Die Erlassung eines Sicherstellungsauftrages setzt
gemäß
§ 232 Abs. 1 BAO voraus, dass die Abgabenschuld
gemäß
§ 4 BAO bereits entstanden ist. Beim potenziell Haftenden
entsteht jedoch die für ihn aktuelle Abgabenschuld als Gesamtschuld
gemäß
§ 7 Abs. 1 BAO erst mit der bescheidmäßigen
Geltendmachung der Haftung.
Im Berufungsverfahren gegen einen Sicherstellungsauftrag
ist als Ausnahme vom Grundsatz, wonach für Berufungsentscheidungen die
Sachlage zur Zeit der Entscheidung maßgebend ist, zu prüfen, ob im
Zeitpunkt der Erlassung des erstinstanzlichen Bescheides die
diesbezüglichen Voraussetzungen gegeben waren, somit nicht, ob sie im
Zeitpunkt der Berufungserledigung noch vorliegen. Nach Erlassung des
Sicherstellungsauftrages eingetretene Umstände sind im Rahmen der
Rechtsmittelentscheidung nicht zu berücksichtigen.
Da jedoch mit Berufungsentscheidung vom
26. März 2009, GZ. RV/2920-W/08,miterl. GZ. siehe Tabelle im
Sachverhalt, die für die Entstehung der Gesamtschuld nach § 7 Abs. 1
BAO konstitutiven Haftungsbescheide vom 13. März 2008, mit denen der Bw.
zur Haftung für jene Abgaben herangezogen wurde, für die die
gegenständlichen Sicherstellungen angeordnet worden waren, aufgehoben
wurden, diese somit ex tunc, daher rückwirkend auf den Zeitpunkt ihrer
Erlassung aus dem Rechtsbestand schieden, war daher jeweils die Voraussetzung
der Entstehung des Abgabenanspruches gemäß
§ 232 Abs. 1 BAO
für die Erlassung der gegenständlichen Sicherstellungsaufträge
von vorn herein als nicht gegeben anzusehen.
Es war daher spruchgemäß zu entscheiden.
Wien, am 30.
März 2009
Normen und Schlagworte
- § 232 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- UFS-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Berufungsentscheidung - Steuer (Referent)
- Geschäftszahl
- RV/2919-W/08
- Stammnummer
- 40069
- Gültig
- 30.03.2009 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF