Findok · UFS-Entscheidungen
UFSW RV/2975-W/08
Selbstträgerschaft FB - DB-Pflicht für Mai 2008
geltende FassungBerufungsentscheidung - Steuer (Referent)RV/2975-W/08vom 18.03.2009
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Berufungsentscheidung
Der Unabhängige
Finanzsenat hat über die Berufung der KH Betriebs GmbH, in W, vertreten
durch Intercura Treuhand und Revisionsgesellschaft m.b.H., 1010 Wien,
Bösendorferstraße 2, vom 15. Juli 2008 gegen den Bescheid des
Finanzamtes Wien 9/18/19 Klosterneuburg vom 30. Juni 2008 betreffend
Festsetzung von Selbstbemessungsabgaben gemäß
§ 201 BAO für
den Zeitraum 1. Mai 2008 bis 31. Mai 2008 entschieden:
Die Berufung
wird als unbegründet abgewiesen.
Der angefochtene Bescheid bleibt
unverändert.
Entscheidungsgründe
Die KH Betriebs GmbH
(Berufungswerberin, Bw.) meldete für den Kalendermonat Mai 2008
Dienstgeberbeiträge von € 41.891,33 und beantragte mit Schreiben vom
16. Juni 2008 den Dienstgeberbeitrag (DB) iSd § 39 Abs. 2 lit. a FLAG 1967
für den Kalendermonat Mai 2008 mit € 0,00 festzusetzen.
Begründend wurde ausgeführt, dass Dienstgeber zur Finanzierung des
Familienlastenausgleichsfonds einen Beitrag von 4,5% der Arbeitslöhne zu
entrichten hätten. Gemäß
§ 55 Abs. 11 lit. e FLAG 1967 idF
des Art 7 Z 14 FAG 2008 sei § 43 FLAG 1967 ab 1. Juni 2008 mit der
Maßgabe anzuwenden, dass ua. gemeinnützige Krankenanstalten - und
daher auch die Bw. - erstmals für die Arbeitslöhne des Kalendermonats
Mai bis spätestens 15. Juni 2008 einen Dienstgeberbeitrag an das Finanzamt
zu entrichten hätten.
Die Bw. sei jedoch für den Monat Mai 2008 nach der vor
Inkrafttreten des Art 7 FAG 2008 geltenden Rechtslage gem. § 46 Abs. 3 FLAG
1967 verpflichtet gewesen, den Aufwand an Familienbeihilfe sowie den Aufwand
für den Mutter - Kind - Pass - Bonus für ihre Empfänger von
Dienstbezügen sowie Ruhe- und Versorgungsgenüssen aus eigenen Mitteln
zu tragen. Dieser Umstand stelle im Vergleich zu den anderen Dienstgebern eine
doppelte Belastung dar und verletze das Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz.
Eine verfassungsgemäße Interpretation des § 55 Abs. 11 FLAG 1967
gebiete daher, dass die Bw. erst für Arbeitslöhne ab Juni 2008 den
Dienstgeberbeitrag - somit erstmals am 15. Juli 2008 für Juni 2008 - zu
entrichten habe.
Das Finanzamt (FA) setzte mit Bescheid vom 30. Juni 2008
den Dienstgebebeitrags für Mai 2008 mit € 41.899,10 fest und
begründete, dass gemäß
§ 41 ff FLAG 1967 alle Dienstgeber
den Dienstgeberbeitrag zu entrichten hätten, die im Bundesgebiet
Dienstnehmer beschäftigten. Gem. § 55 Abs. 11 lit. e FLAG 1967 sei
§ 43 FLAG 1967 mit der Maßgabe anzuwenden, dass gemeinnützige
Krankenanstalten den Dienstgeberbeitrag erstmals für die Arbeitslöhne
des Kalendermonats Mai 2008 zu entrichten hätten.
In der rechtzeitig eingebrachten Berufung verweist die Bw.
auf die rechtlichen Ausführungen des Antrages vom 16. Juni 2008.
Über
die Berufung wurde erwogen:
Unstrittig ist, dass die Bw. als gemeinnützige
Gesellschaft eine Krankenanstalt betreibt und für den Kalendermonat Mai
2008 insgesamt € 931.091,18 an Löhnen und Gehältern an ihre
Dienstnehmer zur Auszahlung brachte.
Neben den ausbezahlten Löhnen und Gehältern
für den Monat Mai zahlte die Bw. nach ihren eigenen glaubwürdigen
Aussagen gemeinsam mit den Ende April ausbezahlten April -Bezügen aus
eigenen Mitteln als Selbstträger Familienbeihilfen sowie allfällige
Mutter - Kind - Pass - Boni für ihre Empfänger von Dienstbezügen
und Ruhe- und Versorgungsgenüssen aus.
Die für die ausbezahlten Löhne und Gehälter
für Mai 2008 selbst berechnete einzubehaltende Lohnsteuer (€
103.048,49) langte am 16. Juni 2008 auf dem Abgabenkonto der Bw. ein, der DB
für den Monat Mai wurde mit € 41.891,33 fristgerecht gemeldet, jedoch
nicht einbezahlt. Die vom FA durchgeführte Korrektur auf € 41.899,10
ist ebenfalls unstrittig.
Strittig ist die Frage, ob die Bw. verpflichtet ist
für den Kalendermonat Mai 2008 einen Dienstgeberbeitrag iSd § 41 FLAG
1967 in Höhe von 4,5% der ausbezahlten Löhne und Gehälter zu
entrichten.
Gemäß
§ 46 Abs. 3 FLAG 1967 hatten
gemeinnützige Krankenanstalten (§ 16 Krankenanstaltengesetz, BGBl. Nr.
1/1957) den Aufwand an Familienbeihilfen sowie den Aufwand für den
Mutter-Kind-Paß-Bonus für ihre Empfänger von Dienstbezügen
sowie von Ruhe- und Versorgungsgenüssen aus eigenen Mitteln zu tragen.
Diese Bestimmung war bis 31. Mai 2008 anzuwenden und wurde mit 1. Juni 2008
gestrichen.
Die Bw. war daher für Mai 2008 verpflichtet den
Aufwand an Familienbeihilfen sowie den Aufwand für den
Mutter-Kind-Paß-Bonus für ihre Empfänger von Dienstbezügen
sowie von Ruhe- und Versorgungsgenüssen aus eigenen Mitteln zu
tragen.
§ 55 Abs. 11 FLAG 1967 regelt das Inkrafttreten der
durch das FAG 2008 geänderten Bestimmungen des FLAG 1967
folgendermaßen: Für das
Inkrafttreten durch das Bundesgesetz BGBl. I Nr. 103/2007 neu gefasster,
geänderter, eingefügter oder entfallener Bestimmungen sowie zum
Übergang zur neuen Rechtslage gilt
Folgendes
a) Die §§
9c, 11, 12, 26 Abs. 1 und 2 sowie 39 treten mit 1. Juni 2008 in
Kraft;
b) die §§ 9d,
22, 29 Abs. 1 lit. c, d und e, 30g Abs. 2 und 3, 30k Abs. 2 und 3, 31g,
42, 45 sowie 46
treten mit 31. Mai 2008 außer
Kraft
(Anm.: in den §§ 30g
Abs. 2 und 3, 30k Abs. 2 und 3 sowie 31g entfallen
Begriffe);
c) Artikel II des
Bundesgesetzes BGBl. Nr. 246/1993 tritt mit 31. Mai 2008 außer
Kraft;
d) die Gültigkeit
der Bescheinigungen nach § 5 des Artikels II des Bundesgesetzes BGBl. Nr.
246/1993 endet mit 31. Mai
2008;
e)
§ 43 ist ab 1.
Juni 2008
mit der Maßgabe
anzuwenden, dass der Bund, die Länder und die Gemeinden, deren
Einwohnerzahl 2000 übersteigt, sowie die
gemeinnützigen
Krankenanstalten
den Dienstgeberbeitrag
erstmals für
die Arbeitslöhne des Kalendermonats Mai 2008
zu entrichten
haben;
f) die Verordnung des
Bundesministers für soziale Sicherheit und Generationen, BGBl. II Nr.
117/2003, betreffend die Feststellung der Länderbeiträge zum
Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen wird mit 31. Mai 2008
aufgehoben.
§ 43 FLAG 1967 lautet auszugsweise:
§ 43
(1) Der Dienstgeberbeitrag ist für jeden
Monat bis spätestens zum 15. Tag des nachfolgenden Monats an das Finanzamt
zu entrichten. Arbeitslöhne, die regelmäßig wiederkehrend bis
zum 15. Tag eines Kalendermonats für den vorangegangenen Kalendermonat
gewährt werden, sind dem vorangegangenen Kalendermonat zuzurechnen. Werden
Arbeitslöhne für das Vorjahr nach dem 15. Jänner bis zum 15.
Februar ausgezahlt, ist der Dienstgeberbeitrag bis zum 15. Februar
abzuführen. .......
(2) Die
Bestimmungen über den Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) finden
sinngemäß
Anwendung.
Betrachtet man die Formulierung der Bestimmungen des §
55 Abs. 11 lit. e) und § 43 Abs. 1 FLAG 1967 ist bereits aus der
Formulierung "....für jeden Monat" bzw. "....für den Kalendermonat
Mai..." zu erkennen, dass in beiden Fällen der Bezug gemeint ist, der
für einen bestimmten Kalendermonat gebührt.
In Nr. 289 der Beilagen der XXIII. GP; Materialien zur
Regierungsvorlage zum FAG 2008 finden sich im besonderen Teil zu Art. 7 Z 12
(§§ 42, 45, 46 FLAG) und 13 (§ 55 FLAG) folgende
Ausführungen:
"Die Streichung
der Ausnahmebestimmung über die Befreiung der Selbstträger von der
Entrichtung des Dienstgeberbeitrages sowie der korrespondierenden Bestimmung
über die Kostentragung der Familienbeihilfe und des Mehrkindzuschlages
durch die Selbstträger mit 31. Mai 2008, bilden das Kernstück dieser
Novelle. Demzufolge unterliegen die Selbstträger ab 1. Juni 2008 den
allgemeinen Regelungen über die Abfuhr des Dienstgeberbeitrages.
Ab 1. Juni 2008
sind auch die allgemeinen Regelungen über die Auszahlung der
Familienbeihilfe auch auf die Bediensteten der Selbstträger unmittelbar
anzuwenden.
Da die
Abschaffung der Selbstträgerschaft mit 31. Mai 2008 erfolgen soll, ist es
erforderlich, die diesbezüglichen Bestimmungen mit diesem Zeitpunkt
außer Kraft zu setzen.
In Bezug auf die
Familienbeihilfe sind keine expliziten Übergangsregelungen notwendig, da
seitens der Finanzverwaltung die Auszahlung der Familienbeihilfe beginnend mit
Juni 2008 ex lege aufzunehmen ist. Die bis dahin geltenden Bescheinigungen, auf
deren Grundlage die Selbstträger die Familienbeihilfe auszuzahlen hatten,
werden aus formalen Gründen für ungültig
erklärt.
In Bezug auf den
Dienstgeberbeitrag ist als Einstiegsregelung vorgesehen, dass dessen Entrichtung
im Hinblick auf den in § 43 festgelegten Fälligkeitszeitpunkt
erstmals im Juni
für die Arbeitslöhne des Monats Mai
2008
zu erfolgen hat. Dies
begründet sich damit, dass der Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen
auch erstmals im Juni mit der Auszahlung der Familienbeihilfe für die
Bediensteten der Selbstträger belastet wird."
Daher kann auch aus den Gesetzesmaterialen erkannt werden,
dass die ausbezahlten Arbeitslöhne für den Monat Mai bereits dem DB zu
unterwerfen sind.
§ 43 FLAG 1967 regelt ausschließlich die
Fälligkeit des selbst zu berechnenden und abzuführenden DB und
enthält keine Bestimmungen darüber, für welche Monatslöhne
der DB von ehemalige Selbstträgern erstmals zu entrichten ist.
§ 55 Abs. 11 FLAG 1967 normiert eindeutig die
erstmalige Verpflichtung zur Entrichtung eines DB für Bezüge von
ehemaligen Selbstträgern, die für den Kalendermonat Mai ausbezahlt
werden. Dem Umstand, dass die Bw. die Bezüge an ihre Mitarbeiter jeweils
nach Ablauf des Monats entrichtet, kommt daher lediglich für den Zeitpunkt
der Fälligkeit des DB Bedeutung zu, nicht jedoch für die Entstehung
der Verpflichtung als solches.
Eindeutige gesetzliche Regelungen bedürfen keiner
Auslegung. Für die von der Bw. in der Berufung beantragte
verfassungskonforme Interpretation bleibt daher kein Raum, im Gegenteil
widerspricht die von der Bw. beantragte Auslegung dem Gesetzeswortlaut.
Hinsichtlich der in de Berufung behaupteten
Verfassungswidrigkeit der Bestimmungen des § 55 Abs. 11 FLAG wegen
Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes ist zu bemerken, dass es nicht in die
Kompetenz des Unabhängigen Finanzsenates - als einer gemäß Art
18 B-VG ausschließlich in Anwendung der geltenden Rechtslage agierenden
Verwaltungsbehörde - fällt, darüber abzusprechen, ob ein Gesetz
allenfalls als verfassungswidrig zu beurteilen ist.
Die verfassungsrechtliche Normenkontrolle fällt allein
in die Zuständigkeit des Verfassungsgerichtshofes (Art. 89 B-VG, Art. 140
B-VG).
Die Berufung war daher abzuweisen.
Wien, am 18.
März 2009
Normen und Schlagworte
- § 55 Abs. 11 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
- § 43 FLAG 1967, Familienlastenausgleichsgesetz 1967, BGBl. Nr. 376/1967
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- UFS-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Berufungsentscheidung - Steuer (Referent)
- Geschäftszahl
- RV/2975-W/08
- Stammnummer
- 39897
- Gültig
- 18.03.2009 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF