Findok · UFS-Entscheidungen
UFSW RV/1167-W/05
Gesetzesprüfungsantrag
geltende FassungBerufungsentscheidung - Steuer (Referent)RV/1167-W/05vom 11.08.2005
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
Berufungsentscheidung
Der unabhängige
Finanzsenat hat über die Berufung des A.S., -, gegen die Bescheide des
Finanzamtes für Gebühren und Verkehrsteuern Wien vom 10. Juni
2005, Erf.Nr. x, St.Nr. y, betreffend Gebühren und Erhöhung
entschieden:
Die Berufung
wird als unbegründet abgewiesen.
Die angefochtenen Bescheide
bleiben unverändert.
Entscheidungsgründe
Am 6. Juli 2004 langten beim Verfassungsgerichtshof
Gesetzesprüfungsanträge betreffend drei unterschiedliche
Materiengesetze ein. Gleichzeitig ersuchte der Bw. um Beigabe der
Verfahrenshilfe.
Mit Beschluss vom 28. September 2004, Zahl G a, wurde vom
Verfassungsgerichtshof der Antrag um Bewilligung der Verfahrenshilfe abgewiesen
und die Gesetzesprüfungsanträge zurückgewiesen.
Da trotz Aufforderung die Gebühr in Höhe von Euro
540,00 nicht nachgereicht wurde, hat der Verfassungsgerichtshof für die bei
ihm am 6. Juli 2004 eingelangten Anträge des Berufungswerbers einen
amtlichen Befund aufgenommen.
Das Finanzamt für Gebühren und Verkehrsteuern in
Wien setzte daher in der Folge mit den spruchgegenständlichen Bescheiden
die Gebühr gemäß
§ 17a Verfassungsgerichtshofgesetz (VfGG)
in Höhe von Euro 540,00, sowie gemäß
§ 9 Abs. 1
Gebührengesetz 1957 (GebG) eine Gebührenerhöhung im Ausmaß
von 50 v.H. der nicht entrichteten Gebühr - d.s. Euro 270,00,
fest.
Fristgerecht wurde Berufung eingebracht.
Mit Verständigung vom 1. Juli 2005 wurde der Bw. von
der Vorlage seiner Berufung an den unabhängigen Finanzsenat in Kenntnis
gesetzt.
Über die Berufung
wurde erwogen:
Unbestritten ist, dass beim Verfassungsgerichtshof
Gesetzesprüfungsanträge eingebracht wurden.
Gegenstand des bei der h.o. Behörde anhängigen
Verfahrens ist, ob diese, an den Verfassungsgerichtshof gerichteten Anträge
vom 1. Juli 2004, beim Verfassungsgerichtshof eingelangt am 6. Juli 2004, einer
Gebühr in Höhe von Euro 540,00 (3 x Euro 180,00) unterliegen oder
nicht.
§ 17a Abs. 1 Verfassungsgerichtshofgesetz (VfGG) in
der zum Zeitpunkt der Einbringung der Beschwerde maßgeblichen Fassung
lautet:
"Für
Anträge gemäß
§ 15 Abs. 1 einschließlich der Beilagen
ist eine Eingabengebühr von 180 Euro zu entrichten.
Gebietskörperschaften sind von der Entrichtung der Eingabengebühr
befreit. Die Gebührenschuld entsteht im Zeitpunkt der Überreichung der
Eingabe; die Gebühr wird mit diesem Zeitpunkt fällig. Die Gebühr
ist zu entrichten, indem sie mit Erlagschein unter Angabe des Verwendungszwecks
auf ein entsprechendes Konto des Finanzamtes für Gebühren und
Verkehrsteuern in Wien eingezahlt wird. Der postamtlich bestätigte Nachweis
der Erlagscheineinzahlung ist der Eingabe anzuschließen und dem
Antragsteller von der Einlaufstelle auf Verlangen zurückzugeben; zuvor ist
auf dem Zahlschein ein deutlicher Sichtvermerk anzubringen und auf der im Akt
verbleibenden Ausfertigung der Eingabe zu bestätigen, dass die
Gebührenentrichtung durch Vorlage des Erlagscheines nachgewiesen wurde.
Für die Erhebung der Eingabengebühr ist das Finanzamt für
Gebühren und Verkehrsteuern in Wien in erster Instanz zuständig. Im
Übrigen gelten für die Eingabengebühr die Bestimmungen des
Gebührengesetzes 1957, BGBl. Nr. 267, über Eingaben mit Ausnahme des
§ 11 Z 1 und des § 14 sowie die §§ 74, 203 und 241 Abs. 2
und 3 der Bundesabgabenordnung 1961, BGBl. Nr. 194."
Für vorliegende Anträge vom 1. Juli 2004, beim
Verfassungsgerichtshof eingelangt am 6. Juli 2004, ist demnach
mehrfache Gebührenpflicht iSd § 17a VfGG entstanden.
§ 17a VfGG in der maßgeblichen Fassung bestimmt, dass
für Anträge gemäß
§ 15 Abs. 1 einschließlich der
Beilagen - spätestens im Zeitpunkt ihrer Überreichung - eine
Eingabengebühr von 180 Euro zu entrichten ist.
Durch Verweis der Bestimmung des § 17a Abs. 1 VfGG auf
jene nach § 15 Abs. 1 VfGG (wonach u.a. die an den Verfassungsgerichtshof
gemäß Art. 137 bis 145 des Bundes-Verfassungsgesetzes gerichteten
Anträge schriftlich zu stellen sind) ergibt sich, dass alle Anträge
iSd Art. 137 bis 145 B-VG an den Verfassungsgerichtshof einer Gebühr von
180 Euro unterliegen. Deshalb unterliegen nicht nur Bescheidbeschwerden iSd Art.
144 B-VG, sondern auch Anträge auf Verordnungsprüfung iSd Art 139 B-VG
und auf Gesetzesprüfung iSd Art 140 B-VG der Gebühr nach § 17a
VfGG. Da für die Gebühren nach § 17a VfGG grundsätzlich die
für Eingaben maßgeblichen Bestimmungen des Gebührengesetzes -mit
Ausnahme des § 11 Z 1 GebG und des § 14 GebG - gelten, kommt hier
die Bestimmung des § 12 Abs. 1 GebG zur Anwendung. Werden in einer Eingabe
mehrere Ansuchen gestellt, so ist gemäß
§ 12 Abs. 1 GebG
für jedes Ansuchen die Eingabengebühr zu entrichten. Die Eingabe vom
1. Juli 2004 an den Verfassungsgerichtshof enthält ausdrücklich den
Antrag auf Aufhebung von Teilen dreier verschiedener
Materiengesetze.
Es wurde daher nach Ansicht des unabhängigen
Finanzsenates zur Recht eine Gebühr im Ausmaß von Euro 540,00 (3 x
Euro 180,00) für Eingaben an den Verfassungsgerichtshof
festgesetzt.
Zur Entrichtung der Gebühr ist gemäß
§
13 Abs. 1 GebG bei Eingaben derjenige verpflichtet, in dessen Interesse die
Eingabe eingebracht wird.
Die österreichische Rechtsordnung kennt jedoch im
Verfahren vor den Höchstgerichten das Institut der Verfahrenshilfe. Dadurch
soll auch finanziell schlechter gestellten Personen der Zugang zu den
Höchstgerichten gewahrt bleiben. Die Verfahrenshilfe ist im VfGG selbst
nicht geregelt, es gelten aber gemäß
§ 35 VfGG die Bestimmungen
der Zivilprozessordnung (ZPO) (§§63 bis 73)
sinngemäß.
Auf Grund des § 63 Abs. 1 ZPO ist einer Partei
Verfahrenshilfe so weit zur Gänze oder zum Teil zu bewilligen als sie
außerstande ist, die Kosten der Führung des Verfahrens ohne
Beeinträchtigung des notwendigen Unterhalts zu bestreiten, und die
beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung nicht als offenbar
mutwillig oder aussichtslos erscheint.
Gemäß
§ 64 Abs. 1 Z 1 lit. a ZPO kann die
Verfahrenshilfe u. a. die einstweilige Befreiung von der Entrichtung
bundesgesetzlich geregelter staatlicher Gebühren umfassen.
Nach Abs. 2 leg. cit. ist bei Bewilligung der
Verfahrenshilfe auszusprechen, welche Begünstigungen zur Gänze oder
zum Teil gewährt werden.
Soweit Verfahrenshilfe bewilligt wird, treten nach Abs. 3
leg. cit. Befreiungen und Rechte nach Abs. 1 mit dem Tag ein, an dem sie
beantragt worden sind.
Die Zuerkennung der Befreiung tritt also in diesem Fall -
anders als sonst im Bereich des Gebührenrechtes - nicht ex lege, sondern
erst mit Beschluss des Gerichtshofes - also hier erst
nach dem Zeitpunkt des Entstehens der
Gebührenschuld - ein.
Wird - wie im Berufungsfall - dem Antrag auf Gewährung
der Verfahrenshilfe nicht stattgegeben, so ist auch keine Befreiung von den
Gebühren gegeben, da die Gebührenschuld gemäß
§ 17a
VfGG bereits mit Überreichung der Anträge entstanden ist und eine
nachträgliche Befreiung nicht wirksam wurde.
Zu dem Argument, gemäß
§ 14 TP 6 Abs. 5 Z 1
GebG seien sämtliche Eingabe an den Verwaltungs- oder
Verfassungsgerichtshof gebührenfrei, schreibt Fellner, Gebühren und
Verkehrsteuern Band I, Stempel- und Rechtsgebühren, 10. Auflage, § 14
TP 6 Rz 103:
"Anträge
und Beschwerden an den
Verfassungsgerichtshof
und den
Verwaltungsgerichtshof
unterliegen den Eingabengebühren iSd § 17a VfGG bzw. § 24 Abs. 3
VwGG...Nach der ab 1. Jänner 2002 geltenden Fassung des § 14 TP 6 Abs.
5 Z 1 GebG unterliegen Eingaben an diese Gerichtshöfe darüberhinaus
(etwa abgesonderte Anträge um Zuerkennung der aufschiebenden Wirkung oder
erfolglose Verfahrenshilfeanträge) keiner Gebühr."
D.h. Anträge im Sinne des § 15 Abs. 1 VfGG sind
weiterhin gebührenpflichtig nach dem VfGG, alle an den
Verfassungsgerichtshof gerichteten Eingaben sollen aber von der
im Gebührengesetz geregelten
Eingabengebühr befreit sein (vgl. zB Fiala, Das Gebührengesetz
1957, 3. Auflage).
§ 15 GebG ist auf vorliegenden Fall nicht anwendbar,
da er Gebühren für Rechtsgeschäfte betrifft.
Auch die übrigen Vorbringen sind nicht geeignet, das
Berufungsbegehren zu stützen.
Wird eine feste Gebühr mit Bescheid festgesetzt, so
hat das Finanzamt gemäß
§ 9 Abs. 1 GebG zwingend eine Erhöhung im Ausmaß von 50 v. H.
der nicht ordnungsgemäß entrichteten Gebühr zu erheben,
unabhängig davon, ob die Nichtentrichtung auf ein Verschulden des
Abgabepflichtigen zurückzuführen ist oder nicht (VwGH 16.3.1987,
86/15/0114). Die Vorschreibung der Gebührenerhöhung steht nicht im
Ermessen der Behörde.
Wurde die Gebühr also im Zeitpunkt der
Überreichung der Anträge nicht entrichtet und auch keine
Verfahrenshilfe bewilligt, so besteht die Vorschreibung von Gebühr und
Erhöhung zu Recht.
Wirtschaftliche Verhältnisse oder eine finanzielle
Notlage können im ordentlichen Rechtsmittelverfahren keine
Berücksichtigung finden. Sie können in einem allfälligen
Nachsichtsverfahren geltend gemacht werden.
Es war daher spruchgemäß zu
entscheiden.
Wien, am 11.
August 2005
Normen und Schlagworte
- § 17a Abs. 1 VfGG, Verfassungsgerichtshofgesetz 1953, BGBl. Nr. 85/1953
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- UFS-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Berufungsentscheidung - Steuer (Referent)
- Geschäftszahl
- RV/1167-W/05
- Stammnummer
- 17669
- Gültig
- 11.08.2005 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF