Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5100350/2024
Zurückweisung eines Vorlageantrages
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - BeschlussRV/5100350/2024vom 07.08.2026
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
BESCHLUSS
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter Mag. Johann Fischerlehner über den Vorlageantrag vom 24. April 2024 eingebracht durch ***Bf1***, ***Bf1-Adr*** ***Bf2***, ***Bf2-Adr*** ***Bf3***, ***Bf3-Adr*** zur an ***Bf4***, ***Bf4-Adr*** gerichteten Beschwerdevorentscheidung vom 5.4.2024 beschlossen:
Der Vorlageantrag vom 24. April 2024 ist gemäß § 264 Abs. 4 lit. e BAO in Verbindung mit § 260 Abs. 1 lit. a BAO als unzulässig zurückzuweisen.
Gegen diesen Beschluss ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Begründung
Verfahrensablauf
Das gegenständliche Verfahren betrifft die Einheitswertfeststellung und Grundsteuermessbescheide für einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb unter dem Einheitswertaktenzeichen EWAZ.
Mit Bescheiden vom 1. Februar 2021 ergingen folgende angefochtene Bescheide:
Wiederaufnahme des Verfahrens gemäß § 303 Abs. 1 BAO betreffend den Einheitswert zum 01.01.2016 (EW AZ EWAZ);
Einheitswert zum 01.01.2016 (Zurechnungsfortschreibung gemäß § 21 Abs. 4 BewG) mit einem Einheitswert von 28.900,00 Euro;
Einheitswert zum 01.01.2017 (Wert- und Zurechnungsfortschreibung gemäß § 21 Abs. 1 Z 1 und Abs. 4 BewG) mit einem Einheitswert von 27.700,00 Euro;
Grundsteuermessbetrag zum 01.01.2016;
Grundsteuermessbetrag zum 01.01.2017
Die angefochtenen Bescheide ergingen an "***Bf2*** und Miteigentümer; z.H. ***Bf2***, ***Bf2-Adr***". Die Zurechnung bzw. Festsetzung erfolgte gegenüber den Eigentümern ***Bf2***, ***Bf1***, ***Bf3*** und ***Bf4***;
Gegen diese Bescheide wurde am 12. Februar 2021 (eingelangt am 18. Februar 2021) durch Frau ***Bf4*** Beschwerde eingebracht. Die Beschwerde wurde für die Personengemeinschaft "***Bf4*** und Miteigentümer" eingebracht. In der Beschwerde wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass die Zurechnung des Einheitswertes auf die vier Miteigentümer nicht den gesetzlichen Vorgaben entspreche, da der Hektarsatz der forstwirtschaftlichen Flächen zu hoch sei, da es sich um Energiewald (Niederwald) handle, und der Zuschlag für Sonderkulturen nicht mehr zeitgemäß sei.
Die Abgabenbehörde erließ am 13. Dezember 2021 eine Beschwerdevorentscheidung. Die Beschwerdevorentscheidung war an eine "***Bf4*** und Miteigentümer" bezeichnete Personengemeinschaft adressiert, die laut Aktenlage gar nicht existierte. Zudem wurde in der als Beschwerdevorentscheidung vom 13. Dezember 2021 über die mit Bescheid vom 1. Februar 2021 verfügte Wiederaufnahme des Verfahrens in keiner Weise abgesprochen, obwohl im Anbringen vom 18. Februar 2021 ausdrücklich dagegen Beschwerde eingebracht wurde. Die Abgabenbehörde hatte ferner verabsäumt, Beschwerdevorentscheidungen betreffend der Grundsteuermessbescheide zu erlassen.
Das Bundesfinanzgericht erließ mit Beschlüssen vom 27. Februar 2024 folgende Entscheidungen:
Im Verfahren RV/5100180/2022 wurde beschlossen, dass zur Beschwerde vom 18. Februar 2021 gegen den Bescheid über die Wiederaufnahme des Verfahrens zum Einheitswertbescheid zum 01.01.2016 die Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung durch die belangte Behörde unterblieben ist und daher die Rückleitung der Beschwerde an die belangte Behörde zur Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung erfolgt. Ebenso ist zur Beschwerde vom 18. Februar 2021 gegen den Einheitswertbescheid zum 01.01.2016 die Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung durch die belangte Behörde unterblieben und daher wurde die Rückleitung der Beschwerde an die belangte Behörde zur Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung angeordnet. Der Vorlageantrag vom "4. Jänner 2021", eingebracht am 12. Jänner 2022, wurde als unzulässig zurückgewiesen.
Im Verfahren RV/5100181/2022 wurde beschlossen, dass zur Beschwerde vom 18. Februar 2021 gegen den Einheitswertbescheid zum 01.01.2016 die Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung durch die belangte Behörde unterblieben ist und daher die Rückleitung der Beschwerde an die belangte Behörde zur Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung erfolgt. Der Vorlageantrag vom "4. Jänner 2021", eingebracht am 12. Jänner 2022, wurde als unzulässig zurückgewiesen.
Im Verfahren RV/5100182/2022 wurde beschlossen, dass zur Beschwerde vom 18. Februar 2021 gegen den Grundsteuermessbescheid zum 01.01.2016 und den Grundsteuermessbescheid zum 01.01.2017 die Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung durch die belangte Behörde unterblieben ist und daher die Rückleitung der Beschwerde an die belangte Behörde zur Erlassung einer Beschwerdevorentscheidung erfolgt.
Daraufhin erließ die Abgabenbehörde am 5. April 2024 eine neue Beschwerdevorentscheidung, in der sie die Beschwerde gemäß § 260 BAO zurückwies. Diese Beschwerdevorentscheidung war an Frau ***Bf4***, ***Bf4-Adr*** gerichtet.
Gegen die Beschwerdevorentscheidung vom 5. April 2024 wurde am 24. April 2024 durch die Eigentümer ***Bf2***, ***Bf1***, ***Bf3*** und ***Bf4*** ein Vorlageantrag an das Bundesfinanzgericht gestellt. In der Begründung wurde ausgeführt, dass die Beschwerdevorentscheidung nicht nachvollzogen werden könne, weil sie nach § 260 BAO zurückgewiesen werde. Mit Vorlagebericht vom 3. Juni 2024 wurde die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vorgelegt.
Sachverhalt
Die Abgabenbehörde hat am 5. April 2024 eine Beschwerdevorentscheidung erlassen, in der sie die Beschwerde gemäß § 260 BAO zurückwies. Diese Beschwerdevorentscheidung war an Frau ***Bf4***, ***Bf4-Adr*** gerichtet.
Gegen die Beschwerdevorentscheidung vom 5. April 2024 wurde am 24. April 2024 durch ***Bf2***, ***Bf1***, ***Bf3*** und ***Bf4*** ein Vorlageantrag an das Bundesfinanzgericht gestellt. In der Begründung wurde ausgeführt, dass die Beschwerdevorentscheidung nicht nachvollzogen werden könne, weil sie nach § 260 BAO zurückgewiesen werde. Mit Vorlagebericht vom 3. Juni 2024 wurde die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht zur Entscheidung vorgelegt.
Dazu wurde erwogen
Nach § 264 Abs. 1 BAO kann gegen eine Beschwerdevorentscheidung innerhalb eines Monats ab Bekanntgabe der Antrag auf Entscheidung über die Bescheidbeschwerde durch das Verwaltungsgericht gestellt werden (Vorlageantrag). Nach § 264 Abs. 2 BAO ist zur Einbringung eines Vorlageantrages befugt a) der Beschwerdeführer, ferner b) jeder, dem gegenüber die Beschwerdevorentscheidung wirkt (§ 264 BAO, idF BGBl I 117/2016).
Im vorliegenden Fall war die die Beschwerde zurückweisende Beschwerdevorentscheidung vom 5. April 2024 ausschließlich an Frau ***Bf4***, ***Bf4-Adr*** gerichtet. Da die Beschwerdevorentscheidung vom 5. April 2024 nur an Frau ***Bf4*** gerichtet war, wirkte sie nur gegenüber ihr und nicht gegenüber den anderen drei Eigentümern. Daher war nur Frau ***Bf4*** zur Einbringung eines Vorlageantrags befugt, nicht jedoch die anderen drei Eigentümer ***Bf2***, ***Bf1*** und ***Bf3***(§ 264 BAO, idF BGBl I 117/2016).
Ein Vorlageantrag ist unzulässig, wenn er von einer nicht legitimierten Person eingebracht wird. Ein solcher Antrag ist ohne weiteres Verfahren als unzulässig zurückzuweisen. Dies gilt auch für den Fall, dass ein Vorlageantrag von jemandem eingebracht wird, gegenüber dem die Beschwerdevorentscheidung nicht wirkt.
Da der Vorlageantrag vom 24. April 2024 von allen vier Personen gemeinsam eingebracht wurde, dabei aber drei Personen (***Bf2***, ***Bf1*** und ***Bf3***) nicht zur Einbringung eines Vorlageantrags befugt waren, ist der Vorlageantrag soweit dieser von diesen Personen eingebracht wurde, unzulässig. Die Zurückweisung nicht zulässiger oder nicht fristgerecht eingebrachter Vorlageanträge obliegt gemäß § 264 Abs. 5 BAO dem Bundesfinanzgericht.
Zulässigkeit einer Revision
Gegen einen Beschluss des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Die Rechtsfolge ergibt sich unmittelbar aus dem Gesetz, sodass eine ordentlich Revision nicht zulässig ist.
Linz, am 7. August 2026
Normen und Schlagworte
- § 264 Abs. 1 BAO, Bundesabgabenordnung, BGBl. Nr. 194/1961
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Beschluss
- Geschäftszahl
- RV/5100350/2024
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2026:RV.5100350.2024
- Stammnummer
- 152441
- Gültig
- 07.08.2026 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF