Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/2100583/2019
Werbungskosten einer Politikerin
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/2100583/2019vom 29.04.2026
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
IM NAMEN DER REPUBLIK
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter ***Ri*** in der Beschwerdesache ***Bf***, ***Bf-Adr*** über die Beschwerde vom 14. Februar 2019 gegen den Bescheid des Finanzamtes ***FA*** vom 28. Jänner 2019 betreffend Einkommensteuer (Arbeitnehmerveranlagung) 2016 zu Steuernummer ***Bf-StNr*** nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 22. April 2026 in Anwesenheit des Schriftführers ***SF*** zu Recht erkannt:
I. Der Beschwerde wird gemäß § 279 BAO teilweise Folge gegeben.
Der angefochtene Bescheid wird abgeändert. Die Einkommensteuer wird mit € 2.821,- festgesetzt.
Die Bemessungsgrundlagen und die Höhe der festgesetzten Abgabe sind dem als Beilage angeschlossenen Berechnungsblatt zu entnehmen und bilden einen Bestandteil des Spruches dieses Erkenntnisses.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art 133 Abs 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Entscheidungsgründe
I. Verfahrensgang
Die Beschwerdeführerin bezog im Beschwerdejahr 2016 Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit bei der ***x*** und aus ihrer Tätigkeit bei der Stadtgemeinde ***Ort 1*** als Stadträtin.
Mit Bescheid vom 11.06.2018 hat das Finanzamt die Einkommensteuer betreffend das Beschwerdejahr 2016 mit € 3.813,- festgesetzt. Begründend führte das Finanzamt im Bescheid aus, dass die zugesendete Erklärung zur Durchführung der ArbeitnehmerInnenveranlagung (Drucksorte L1) nicht ausgefüllt dem Finanzamt übermittelt wurde. Die Veranlagung sei daher auf Basis der übermittelten Lohnzettel und Meldungen durchgeführt worden.
Mit Eingabe vom 03.08.2018 stellte die Beschwerdeführerin einen Antrag auf Aufhebung des Einkommensteuerbescheides vom 11.06.2018 nach § 299 BAO. Diesem Schreiben wurde eine ausgefüllte Erklärung zur ArbeitnehmerInnenveranlagung 2016 (L1) samt Aufstellung der beantragten Arbeitsmittel (KZ 719), Reisekosten (KZ 721) und sonstiger Werbungskosten (KZ 724) angeschlossen.
Mit Ergänzungsersuchen vom 17.01.2019 forderte das Finanzamt die Beschwerdeführerin auf, hinsichtlich der beantragten sonstigen Werbungskosten Rechnungen und Zahlungsbelege vorzulegen und die ausschließlich berufliche Veranlassung als Stadträtin nachzuweisen. Mit Eingabe vom 21.01.2019 übermittelte die Beschwerdeführerin eine Aufstellung über die beantragten sonstigen Werbungskosten samt den zugehörigen Belegen.
Mit Bescheid vom 28.01.2019 wurde der Einkommensteuerbescheid vom 11.06.2018 gemäß § 299 BAO aufgehoben und ein neuer Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2016 wurde erlassen. In diesem neuen Einkommensteuerbescheid wurden die beantragten Werbungskosten jedoch nur teilweise berücksichtigt und war der Gesamtbetrag der berücksichtigten Werbungskosten niedriger als das Berufsgruppenpauschale für Politiker. Es wurde dementsprechend nur das Berufsgruppenpauschale für Politiker zuzüglich der Gewerkschaftsbeiträge laut Veranlagung berücksichtigt.
Gegen den Einkommensteuerbescheid vom 28.01.2019 wurde mit Eingabe vom 14.02.2019 Beschwerde erhoben. Darin führte die Beschwerdeführerin zusammengefasst aus, dass sämtliche von ihr beantragten Werbungskosten in Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Stadträtin stehen würden. Insgesamt beantragte die Beschwerdeführerin die folgenden Aufwendungen zu berücksichtigen:
|
Kennzahl
|
Betrag
|
Notiz Bf
|
Anmerkung
|
717
|
€ 1.839,80
|
***Partei***-Stadtparteileitung und ÖAAB
|
bisher beantragt € 39,80 Gewerkschaftsbeiträge
|
719
|
€ 339,02
|
Arbeitsmittel
|
wie bisher beantragt
|
721
|
€ 3.334,38
|
Reisekosten
|
wie bisher beantragt
|
724
|
€ 1.732,32
|
Sonstige Werbungskosten
|
wie bisher beantragt
|
Gesamt
|
€ 7.245,52
| |
Mit Vorhalt vom 28.02.2019 wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert darzulegen, warum die ursprünglich unter KZ 717 (Gewerkschaftsbeiträge und sonstige Beiträge zu Berufsverbänden und Interessensvertretungen) beantragten € 39,80 auf € 1.839,80 erhöht wurden und diese belegmäßig nachzuweisen. Dieser Vorhalt wurde seitens der Beschwerdeführerin dahingehend beantwortet, dass die Beschwerdeführerin eine Aufstellung der ***Partei***, aus welcher sich die Beiträge einer Stadträtin in Höhe von € 150,- pro Monat erschließen, dem Finanzamt übermittelte.
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 02.04.2009 hat das Finanzamt den angefochtenen Bescheid zu Gunsten der Beschwerdeführerin abgeändert und die Werbungskosten insgesamt mit € 1.655,69 sowie Gewerkschaftsbeiträge mit € 1.800,- anerkannt.
Mit Eingabe vom 30.04.2019 brachte die Beschwerdeführerin einen Vorlageantrag ein und beantragte eine mündliche Verhandlung.
Die für den 23.03.2026 angesetzte mündliche Verhandlung musste kurzfristig wegen einer Erkrankung der Beschwerdeführerin abberaumt werden. Am 22.04.2026 wurde die mündliche Verhandlung im Beisein der Beschwerdeführerin abgehalten.
II. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
1. Sachverhalt
Die Beschwerdeführerin bezog im Beschwerdejahr Einkünfte aus nichtselbständiger Tätigkeit für die ***x*** und aus ihrer Tätigkeit als Stadträtin der Stadtgemeinde ***Ort 1***. Dem Antrag der Beschwerdeführerin auf Aufhebung des Einkommensteuerbescheides vom 11.06.2018 nach § 299 BAO wurde ua die Erklärung zur ArbeitnehmerInnenveranlagung 2016 (Formular L1) angeschlossen. Darin beantragte die Beschwerdeführerin ua an Werbungskosten € 39,80 für Gewerkschaftsbeiträge (KZ 717), € 339,02 für Arbeitsmittel (KZ 719), € 3.334,38 für beruflich veranlasste Reisekosten (KZ 721) und € 1.732,32 für sonstige Werbungskosten (KZ 724). Hinsichtlich der sonstigen Werbungskosten ihv € 1.732,32 hat die Beschwerdeführerin mit Vorhaltsbeantwortung vom 21.01.2019 die diesbezüglichen Belege exklusive eines Beleges für "anteilige Internet/ Telefonkosten" vorgelegt. Von diesen sonstigen Werbungskosten wurden laut den Aufzeichnungen des Finanzamtes lediglich € 67,68 für Gläser bzw Pokal (Beleg-Nr 8), € 75,87 für Sicherheitsnadeln für Laufcup (Beleg-Nr 14) und € 150,- für Bandenwerbung (Beleg-Nr 15) anerkannt. Insgesamt wurden mit dem Erstbescheid vom Finanzamt € 339,02 an Arbeitsmitteln, € 1.124,34 an Reisekosten und € 293,55 an sonstigen Werbungskosten sowie € 39,80 an Gewerkschaftsbeiträgen anerkannt.
In der gegen diesen Bescheid erhobenen Beschwerde führte die Beschwerdeführerin aus, dass weiterhin sämtliche ursprünglich eingebrachten Aufwendungen ihv € 7.245,52 als Werbungskosten beantragt werden.
Mit der Beschwerdevorentscheidung vom 02.04.2019 wurden letztlich € 339,02 an Arbeitsmittel (wie von der Beschwerdeführerin beantragt), € 1.023,12 an Fahrtkosten und € 293,55 an sonstigen Werbungskosten sowie € 1.800,- an Parteiabgabe berücksichtigt.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass im gegenständlichen Verfahren somit nur noch die Fahrt- bzw Reisekosten und die sonstigen Werbungskosten strittig sind.
Die Reisekosten wurden durch die Beschwerdeführerin anhand einer tabellarischen Auflistung als Anhang zu ihrem Antrag nach § 299 BAO geltend gemacht. Im Folgenden wird die Auflistung der beantragten und vom Finanzamt anerkannten Reisekosten dargestellt:
|
Datum
|
Text/Anmerkung
|
beantragte KM
|
vom FA anerkannte KM
|
08.01.2016
|
Landesfrauentag ***Ort 2***
|
255
|
255
|
10.01.2016
|
***1***
|
103
|
0
|
11.01.2016
|
***2***
|
114
|
0
|
14.01.2016
|
***3***
|
55
|
0
|
17.01.2016
|
Bauernbund ***Ort 3***
|
32
|
0
|
13.02.2016
|
***4***
|
63
|
0
|
01.03.2016
|
Bezirksparteisitzung ***Ort 4***, Kirchenwirt
|
26
|
26
|
03.03.2016
|
Dankeabend der Frauen ***Ort 5***
|
237
|
0
|
07.03.2016
|
Zeitung holen, ***Ort 2***
|
241
|
0
|
14.03.2016
|
Bezirkslaufcup, ***Ort 6***
|
27
|
0
|
16.03.2016
|
***5***
|
23
|
0
|
29.03.2016
|
***5***
|
23
|
0
|
15.04.2016
|
***6***
|
32
|
0
|
25.03.2016
|
Geschenke, Kinder, ***Ort 2***
|
241
|
0
|
29.03.2016
|
Angelobung ***Ort 4***
|
26
|
0
|
20.04.2016
|
Bundespräsidentenwahl, Florianihalle
|
301
|
0
|
01.05.2016
|
Austeilung Frühstück
|
32
|
32
|
05.05.2016
|
Spielplatzeröffnung ***Ort 7***
|
8
|
8
|
10.05.2016
|
Diensttalk. ***Ort 2***
|
241
|
241
|
11.05.2016
|
***Ort 8***, Seminar
|
144
|
144
|
15.05.2016
|
Konzert ***Ort 7***
|
8
|
8
|
02.06.2016
|
Women for peace, Congress
|
238
|
0
|
03.06.2016
|
Vernetzungstreffen, ***Ort 2***
|
241
|
0
|
03.06.2016
|
Bezirksparteisitzung, Kirchenwirt, ***Ort 4***
|
26
|
26
|
04.06.2016
|
Hoffest ***7***
|
43
|
0
|
08.06.2016
|
***Partei***, ***Ort 2***
|
241
|
241
|
17.06.2016
|
Segnung Sternenkinder, ***Ort 9***
|
32
|
0
|
21.06.2016
|
Diensttalk, ***Ort 2***
|
241
|
241
|
22.06.2016
|
Familientag, Wiener Museumsplatz, Wien
|
481
|
0
|
25.06.2016
|
***8***
|
38
|
0
|
25.06.2016
|
Dorffest ***Ort 7***
|
8
|
8
|
29.06.2016
|
***Partei*** Frauentreff ***Ort 10***
|
162
|
0
|
02.07.2016
|
Bezirksmusikfest ***Ort 4***
|
26
|
0
|
05.07.2016
|
Arbeitskreissitzung ***9***
|
19
|
0
|
06.07.2016
|
Radrundfahrt ***Ort 6***
|
27
|
0
|
17.07.2016
|
***Partei***-Fest, ***Ort 11***
|
29
|
0
|
20.07.2016
|
Begräbnis ***Ort 12***
|
28
|
0
|
21.07.2016
|
Begräbnis ***Ort 13***
|
82
|
0
|
22.07.2016
|
***5***
|
23
|
0
|
24.07.2016
|
FF-***Ort 11*** 120jahre
|
20
|
0
|
31.07.2016
|
***19***
|
90
|
0
|
01.08.2016
|
***Partei***, ***Ort 2***
|
241
|
241
|
05.08.2016
|
***20***
|
8
|
8
|
14.08.2016
|
FF-***Ort 7***
|
8
|
8
|
14.08.2016
|
***Partei***-***Ort 21***
|
39
|
0
|
22.08.2016
|
Preise für Laufcup holen
|
241
|
0
|
26.08.2016
|
Bezirkswandertag, ***Ort 15***,
|
76
|
0
|
28.08.2016
|
***10***, Visionäre
|
26
|
0
|
07.09.2016
|
***18***
|
179
|
0
|
10.09.2016
|
***21***
|
235
|
0
|
17.09.2016
|
***11***
|
9
|
9
|
20.09.2016
|
Diensttalk, ***Ort 2***
|
241
|
241
|
21.09.2016
|
Begräbnis ***Ort 16***
|
103
|
0
|
21.09.2016
|
Bezirkssitzung Kirchenwirt, ***Ort 4***
|
26
|
26
|
22.09.2016
|
***12***
|
34
|
0
|
24.09.2016
|
***13***
|
8
|
8
|
25.09.2016
|
Bezirkserntedankefest, ***Ort 21***
|
39
|
0
|
29.09.2016
|
***14***
|
103
|
0
|
30.09.2016
|
***22***
|
106
|
0
|
15.10.2016
|
***15***
|
304
|
0
|
06.10.2016
|
Gemeindebund, ***Ort 18***
|
309
|
309
|
21.10.2016
|
Seminar, ***16***
|
255
|
0
|
09.11.2016
|
Podiumstalk, ***Ort 19***
|
463
|
0
|
15.11.2016
|
Diensttalk, ***Ort 2***
|
241
|
0
|
16.11.2016
|
Raumordnung Gemeinden Mehrzweckhalle ***Ort 20***
|
348
|
348
|
2O.11.2O16
|
Adventmarkt, Frauenbewegung
|
39
|
0
|
11.12.2016
|
***17***
|
23
|
0
|
18.12.2016
|
Konzert ***Ort 7***
|
8
|
8
| |
Gesamt
|
8039
|
2436
Anzumerken ist, dass in der Auflistung der Beschwerdeführerin (vgl Beilage zum Antrag nach § 299 BAO - OZ 3) die Gesamtsumme der Kilometer mit 7939 angegeben und somit ein Gesamtbetrag an Reisekosten (Kilometergeld pro KM € 0,42) mit € 3.334,38 errechnet wurde.
Hinsichtlich der sonstigen Werbungskosten wurden vom Finanzamt die folgenden Belege anerkannt:
|
BelegNr
|
Text
|
Betrag
|
8
|
Glas-Pokal, Gläser - ***23***
|
€ 67,68
|
14
|
Sicherheitsnadeln für Laufcup
|
€ 75,87
|
15
|
Bandenwerbung SC ***Ort 1***
|
€ 150
| |
Gesamt
|
€ 293,55
2. Beweiswürdigung
Betreffend die ursprünglich beantragten Gewerkschaftsbeiträge hat die Beschwerdeführerin in der mündlichen Verhandlung am 22.04.2026 ausgeführt, dass es sich dabei um Beiträge zum ÖAAB handeln würde. Die Beschwerdeführerin erklärte weiters, dass sie für diese Aufwendungen keine Belege mehr vorlegen kann.
Aus der von der Beschwerdeführerin auf Grund des Vorhaltes vom 28.02.2019 vorgelegten Aufstellung der ***Partei*** erschließt sich, dass die Beschwerdeführerin im Beschwerdejahr monatlich € 150,- an Parteiabgabe zu leisten hatte.
Die Beschwerdeführerin hat im gesamten Verfahren hinsichtlich der Reisekosten lediglich eine schriftliche Auflistung der einzelnen Dienstreisen vorgelegt. Weitere Nachweise oder ein Fahrtenbuch wurden nicht erbracht bzw vorgelegt.
Zu den Reisekosten war festzustellen, dass das Finanzamt im neuen Erstbescheid vom 28.01.2019 ursprünglich € 1.124,34 anerkannte und in der Beschwerdevorentscheidung nur noch € 1.023,12 anerkannte. Diese Kürzung beruht laut der Darstellung der Vertreterin des Finanzamtes in der mündlichen Verhandlung auf einem Versehen des Finanzamtes, welches bei der Berechnung der Beschwerdevorentscheidung die Dienstreise am 15.11.2016 "Diensttalk ***Ort 2***" mit insgesamt 241 KM nicht berücksichtigte.
Hinsichtlich der beantragten Fahrtkosten für Dienstreisen ist festzustellen, dass neben den bereits vom Finanzamt im Erstbescheid bzw in der Beschwerdevorentscheidung anerkannten Dienstreisen die Beschwerdeführerin mit ihren Angaben in der mündlichen Verhandlung am 22.04.2026 eine zusätzliche berufliche Veranlassung der folgenden Dienstreisen glaubhaft machen konnte:
|
Datum
|
Text/Anmerkung
|
KM
|
07.03.2016
|
Zeitung holen, ***Ort 2***
|
241
|
25.03.2016
|
Geschenke, Kinder, ***Ort 2***
|
241
|
22.08.2016
|
Preise für Laufcup holen, ***Ort 2***
|
241
|
15.11.2016
|
Diensttalk, ***Ort 2***
|
241
Zu den Dienstreisen am 13.02.2016 (***4***) und am 14.08.2016 (***Partei***-***Ort 21***) konnte die Beschwerdeführerin in der mündlichen Verhandlung keine genauen Angaben mehr machen. Zur Dienstreise am 07.09.2016 führte die Beschwerdeführerin in der mündlichen Verhandlung aus, dass diese Reise vermutlich eine Klausur der ***Partei*** Landespartei betroffen hat. Diese Darstellung der Beschwerdeführerin wird auch durch den schriftlichen Hinweis in der Aufstellung der Dienstreisen auf die "***18***" gestützt.
Hinsichtlich der sonstigen Werbungskosten (KZ 721) hat die Beschwerdeführerin eine schriftliche Aufstellung samt Belegen dem Finanzamt übermittelt. Die folgenden Aufwendungen hat die Beschwerdeführerin beantragt:
|
BelegNr.
|
Datum
|
Bezeichnung
|
Betrag
|
5
|
22.07.2016
|
***24*** - Blumengeschenk Geburtstag
|
€ 39,90
|
6
|
25.05.2016
|
***24*** - Blumengeschenk Geburtstag
|
€ 100,00
|
7
|
16.09.2016
|
***25*** - Geschenkskorb Geburtstag
|
€ 45,62
|
8
|
19.07.2016
|
***26*** - Gläser Pokal/Spiegelau zur Eröffnungsfeier
|
€ 67,68
|
9
|
09.06.2016
|
***27*** Geschenksgutschein
|
€ 50,00
|
10
|
20.12.2016
|
***27*** Geschenksgutscheine
|
€ 80,00
|
11
|
06.09.2016
|
***27*** Geschenksgutschein
|
€ 50,00
|
12
|
13.08.2016
|
***28*** Geschenksgutschein
|
€ 30,00
|
13
|
09.12.2016
|
***29*** - Weihnachtsfeier ***30*** ***Ort 1*** € 400,00 50%
|
€ 200,00
|
14
|
17.05.2016
|
Amazon - Sicherheitsnadeln f. Laufcup
|
€ 75,87
|
15
|
30.05.2016
|
SC ***Ort 1*** - Sponsoring Bandenwerbung ***Partei***
|
€ 150,00
|
16
|
02.08.2016
|
***31*** - Sitzung FF € 22,50 50%
|
€ 11,25
|
17
|
02.07.2016
|
***31*** - Sponsoring SC ***Ort 1*** € 26,80 50%
|
€ 13,40
|
18
|
20.07.2016
|
***32*** - Blumenschau € 11,90 50%
|
€ 5,95
|
19
|
25.08.2016
|
***33*** - Geschenk Wein/Traubensaft
|
€ 20,00
|
20
|
05.09.2016
|
***34*** - Sitzung € 32,90 50%
|
€ 16,45
|
21
|
30.08.2016
|
***35*** - Laufcup € 174,20 50%
|
€ 87,10
|
22
|
30.12.2016
|
***29*** - Sitzung Jahresabschluss ***Partei*** € 364,20 50%
|
€ 182,10
|
23
|
12.11.2016
|
***36*** - Äpfelaktion € 27,40 50%
|
€ 13,70
|
24
|
14.11.2016
|
***37*** - Sitzung Stadtmarketing € 50,60 50%
|
€ 25,30
|
25
|
22.11.2016
|
***38*** - Bauhof Jausenspende € 133,70 50%
|
€ 66,85
|
26
|
17.09.2016
|
***39*** - Lebensmittel f. ***Partei*** Sitzung € 30,00
|
€ 15,00
|
27
|
20.05.2016
|
***29*** - Sitzung € 16,00 50%
|
€ 8,00
|
28
|
21.02.2016
|
***37*** - Sitzung Frauenbewegung € 86,20 50%
|
€ 43,10
|
29
|
01.05.2016
|
***32*** - Sitzung FF ***Ort 7*** € 30,10 50%
|
€ 15,05
|
30
|
31.12.2016
|
anteilige Internet-/Telefonkosten
|
€ 320,00
| | |
Gesamt
|
€ 1.732,32
Die Beleg-Nr 5 und 6 sind Rechnungen einer Blumenhandlung, wobei auf dem Beleg mit der Nummer 5 handschriftlich "Geschenk ***NN*** Geburtstag" und auf Beleg-Nr 6 handschriftlich "Geburtstag" vermerkt ist. Beleg-Nr 7 trägt den handschriftlichen Vermerk "Geburtstag Frau ***NN***" und ist die Rechnung eines Bauernladens (Inhalt Geschenkkorb).
Beleg-Nr 8 ist die Rechnung über zwei Glaspokale und eine 6er-Packung Weissbiergläser. Diese Rechnung wurde seitens des Finanzamtes anerkannt.
Die Beleg-Nr 9, 10, 11 und 12 sind insgesamt fünf Bestätigungen über den Erhalt von Einkaufsgutscheinen, wobei die Beleg-Nr 10 auf zwei unterschiedlichen Belegen angebracht wurde. Alle fünf Belege wurden von einer Trafik ausgestellt. Der Beleg-Nr 9 trägt den handschriftlichen Vermerk "Frau ***NN***", die Belege mit der Beleg-Nr 10 tragen jeweils den handschriftlichen Vermerk "Geschenk", die Beleg-Nr 11 trägt den handschriftlichen Vermerk "Frau ***NN***" und die Beleg-Nr 12 trägt den handschriftlichen Vermerk "Frau ***NN***".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 13 ist eine Rechnung eines Restaurants bzw Caterings betreffend die "Weihnachtsfeier ***30*** ***Ort 1*** 2016". Bei dieser Rechnung handelt es sich um Bewirtungsspesen.
Der Beleg mit der Beleg-Nr 14 betrifft die Bestellung von 1.000 Stück Sicherheitsnadeln und trägt den handschriftlichen Vermerk "Laufcup". Der Beleg mit der Beleg-Nr 15 ist eine Rechnung betreffend "Sponsoring 2016" und betrifft die Bandenwerbung im Stadion des SC ***Ort 1***. Beide Belege wurde vom Finanzamt als Werbungskosten in voller Höhe anerkannt.
Die Belege mit den Beleg-Nr 16 und 17 sind zwei Rechnungen eines Lebensmittelhändlers über den Verkauf von Bier bzw Mineralwasser. Der Beleg mit der Beleg-Nr 16 trägt den handschriftlichen Vermerk "Sitzung-FF" und der Beleg mit der Beleg-Nr 17 trägt den handschriftlichen Vermerk "SC".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 18 ist eine Rechnung eines Gasthauses über Getränke (Kaffee, Bier und Soda-Zitrone) und trägt den handschriftlichen Vermerk "Blumenschau".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 19 ist eine Getränkerechnung (Prosecco, Traubensaft gespritzt und Wein) ohne weitere Vermerke.
Der Beleg mit der Beleg-Nr 20 ist eine Rechnung eines Gasthauses (Tischrechnung) betreffend Bier und Schnaps ohne weitere Vermerke. In der Auflistung der geltendgemachten Werbungskosten der Beschwerdeführerin scheint hinsichtlich dieses Beleges der Vermerk "Sitzung" auf.
Der Beleg mit der Beleg-Nr 21 ist die Rechnung eines Restaurants über mehrere alkoholische Getränke, Speisen und Nachspeisen und trägt den handschriftlichen Vermerk "Laufcup".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 22 ist ebenfalls die Rechnung eines Restaurants über mehrere alkoholische Getränke und Speisen und trägt den handschriftlichen Vermerk "Jahresabschluss ***Partei***".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 23 ist eine Rechnung über Kaffee und alkoholische Getränke und trägt den handschriftlichen Vermerk "Apfelaktion".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 24 ist die Rechnung eines Gasthauses über mehrere alkoholische Getränke und trägt den handschriftlichen Vermerk "Stadtmarketingsitzung".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 25 ist die Rechnung eines Lebensmittelhandels über diverse Getränke und trägt den handschriftlichen Vermerk "Bauhof Jause".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 26 ist die Rechnung eines Lebensmittelhandels über den Kauf von Bier und trägt den handschriftlichen Vermerk "***Partei***-Sitzung".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 27 ist die Rechnung eines Gasthauses über diverse Getränke und Speisen und trägt den schwer zu entziffernden handschriftlichen Vermerk "Herr ***NN***".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 28 ist die Rechnung eines Gasthauses über fünf Brunchs samt diversen Getränken und trägt den handschriftlichen Vermerk "Frauensitzung".
Der Beleg mit der Beleg-Nr 29 ist die Rechnung eines Gasthauses über diverse Getränke und trägt den handschriftlichen Vermerk "FF ***Ort 7***".
Zu sämtlichen vorgelegten Belegen ist festzustellen, dass über die einzelnen handschriftlichen Vermerke auf den Belegen und in der Auflistung der Beschwerdeführerin hinaus keine weiteren Nachweise betreffend den Werbecharakter der einzelnen Aufwendungen erbracht wurden.
Ergänzend ist anzumerken, dass die in der Auflistung der sonstigen Werbungskosten angeführten anteiligen Internet- und Telefonkosten in Höhe von € 320,- keine Belege vorgelegt wurden.
3. Rechtliche Beurteilung
3.1. Zu Spruchpunkt I. (Abänderung)
Die im gegenständlichen Fall zu klärende Rechtsfrage ist, ob die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Aufwendungen für Fahrtkosten und sonstige Werbungskosten steuerlich abzugsfähig sind.
Grundsätzlich genügt eine Glaubhaftmachung von Werbungskosten, wenn der Beweis nach den Umständen des Einzelfalles nicht zumutbar ist. Die Glaubhaftmachung hat den Nachweis der Wahrscheinlichkeit zum Gegenstand (vgl beispielsweise VwGH 30.04.2003, 98/13/0119; VwGH 28.05.2008, 2006/15/0125). Ein Sachverhalt ist glaubhaft gemacht, wenn die Umstände des Einzelfalles dafürsprechen, dass der vermutete Sachverhalt von allen anderen denkbaren Möglichkeiten die größte Wahrscheinlichkeit für sich habe (VwGH 14.09.1998, 86/13/0150). Die Glaubhaftmachung unterliegt den Regeln der freien Beweiswürdigung (VwGH 25.03.1992, 90/13/0295; VwGH 27.05.1998, 97/13/0051; VwGH 28.05.2008, 2006/15/0125).
Gemäß § 16 Abs 1 EStG 1988 sind Werbungskosten die Aufwendungen oder Ausgaben zur Erwerbung, Sicherung oder Erhaltung der Einnahmen. § 20 EStG 1988 sieht als Ausnahme dazu eine Reihe von Abzugsverboten vor. So dürfen gemäß § 20 Abs 1 Z 2 lit a EStG 1988 bei den einzelnen Einkünften ua Aufwendungen oder Ausgaben für die Lebensführung nicht abgezogen werden, selbst wenn sie die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Steuerpflichtigen mit sich bringt und sie zur Förderung des Berufes oder der Tätigkeit des Steuerpflichtigen erfolgen. Gemäß § 20 Abs 1 Z 3 EStG 1988 dürfen auch Repräsentationsaufwendungen/-ausgaben grundsätzlich nicht abgezogen werden. Darunter fallen auch Aufwendungen bzw Ausgaben anlässlich der Bewirtung von Geschäftsfreunden.
Auch für politische Funktionäre, die aus ihrer Tätigkeit Einnahmen erzielen, gelten die für alle anderen Steuerpflichtigen anwendbaren Grundsätze über die Anerkennung von Werbungskosten (VwGH 15.06.1988, 87/13/0052; VwGH 09.12.2004, 99/14/0253), was bedeutet, dass auch für Politiker die Bestimmungen des Einkommensteuergesetzes im selben Umfang wie für andere Berufsgruppen maßgeblich sind. Besondere Begünstigungen, etwa in Richtung einer großzügigeren Auslegung des Werbungskostenbegriffes, gibt es nicht. Daher ist auch von einem Politiker nachzuweisen, dass die berufliche Veranlassung der geltend gemachten Aufwendungen weitaus überwogen hat und mit der einzelnen Aufwendung ein Werbezweck verbunden war (VwGH 09.12.2004, 99/14/0253). Abzugsfähig sind daher nur geleistete Aufwendungen, die der Sicherung oder Erhaltung der aus der politischen Tätigkeit erzielten Einnahmen gedient haben.
Beruflich veranlasste Bewirtungsspesen sind gemäß § 20 Abs 1 Z 3 dritter Satz EStG 1988 zur Hälfte abzugsfähig, wenn sie der Werbung dienen und die betriebliche oder berufliche Veranlassung weitaus überwiegt. Werbung bedeutet Produkt- oder Leistungsinformation (VwGH 26.03.2003, 97/13/0108; VwGH 16.10.2002, 98/13/0206). Die zur Hälfte abzugsfähigen Aufwendungen schließen auch jene für die Eigenkonsumation des Steuerpflichtigen ein. Sind der werbliche Charakter und die betriebliche oder berufliche Veranlassung nicht gegeben, liegen nicht abzugsfähige Repräsentationsaufwendungen vor.
Die in § 20 Abs 1 Z 3 dritter Satz EStG 1988 vorgesehene Ausnahme vom grundsätzlichen Abzugsverbot von Repräsentationsaufwendungen/-ausgaben greift nicht nur bei einer Bewirtung von Geschäftsfreunden durch einen Unternehmer, sondern gleichermaßen bei einer Bewirtung, die ein politischer Funktionär anderen Personen welcher Art immer (zB möglichen Wählern) zuteilwerden lässt. Die Aufwendungen müssen der Werbung für das politische Amt des Steuerpflichtigen dienen und die berufliche Veranlassung muss bei Weitem überwiegen (VwGH 31.03.2003, 99/14/0071). Steht eine derartige Bewirtung untrennbar in Verbindung mit einer geselligen Veranstaltung, so ist entscheidungswesentlich, dass die Veranstaltung ausschließlich oder nahezu ausschließlich der Vermittlung der politischen Botschaft dient, dh, dass der Werbezweck wesentlicher Charakter der Veranstaltung sein muss (VwGH 14.12.2000, 95/15/0040).
Nach der Rechtsprechung des VwGH ist das Vorliegen der Voraussetzungen für den Abzug von Bewirtungsspesen (Werbecharakter und weitaus überwiegende berufliche Veranlassung) vom Steuerpflichtigen nachzuweisen, eine bloße Glaubhaftmachung reicht in diesem Fall nicht aus (VwGH 29.11.2000, 95/13/0026). Als Nachweisführung sind etwa im zeitlichen Nahebereich erstellte Aufzeichnungen für jede einzelne Bewirtungsaufwendung zu erbringen, die unter anderem Angaben zum werbenden Charakter der Bewirtungsaufwendungen enthalten (VwGH 16.03.1993, 92/14/0228). Die Beweislast liegt beim Steuerpflichtigen, der den Aufwand geltend macht.
Weiters ist darauf zu verweisen, dass hinsichtlich des Werbungskostenbegriffes ein objektiver Beurteilungsmaßstab anzuwenden ist. Nicht maßgeblich sind die Motive für die Tragung des Aufwandes, die Möglichkeit, sich dem Aufwand entziehen zu können oder das Vorliegen eines ausschließlich beruflichen Interesses (VwGH 22.01.1985, 84/14/0035; VwGH 15.06.1988, 87/13/0052; VwGH 02.12.1987, 86/13/0002; VwGH 13.04.1988, 87/13/0046). Hinsichtlich der privaten Lebensführung bzw der Repräsentationskomponente ist damit ein objektiver Maßstab anzulegen, der sich an einer Durchschnittsbetrachtung orientiert. Aufwendungen, die objektiv der privaten Lebensführung dienen, sind keine Werbungskosten, selbst wenn beispielsweise der Besuch von Veranstaltungen als gesellschaftliche Verpflichtung gesehen wird. Aufwendungen, die im weitesten Sinn bloß der Kontaktpflege, der Herstellung einer gewissen positiven Einstellung zum "Werbenden" oder der Erlangung von Wohlwollen dienen, können nur als werbeähnlich, dh als nicht abzugsfähiger Aufwand beurteilt werden (VwGH 16.10.2002, 98/13/0206; VwGH 22.06.2001, 2001/13/0012).
Hinsichtlich der Geschenke ist auszuführen, dass auch wenn es für einen Politiker von Vorteil ist, sich bei verschiedenen Personen in Erinnerung zu halten, dennoch eine klare Abgrenzung zur privaten Lebensführung vorzunehmen ist. Aufwendungen bei verschiedensten Anlässen (zB Geburtstag) lassen allerdings keine klare Trennmöglichkeit erkennen. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes sind kleinere Sachgeschenke, die auf Grund bestehender beruflicher Beziehungen bei besonderen Gelegenheiten wie Weihnachten oder Geburtstag gemacht werden, durch die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Geschenkgebers bedingte Aufwendungen der Lebensführung, weshalb es sich um nicht abzugsfähige Repräsentationsaufwendungen iSd § 20 Abs 1 Z 3 EStG 1988 handelt (VwGH 02.12.1970, 1223/70; VwGH 16.09.1992, 90/13/0291), für die es ohne Bedeutung ist, dass sie möglicherweise geeignet sind, auch den Beruf des Geschenkgebers oder seine Tätigkeit zu fördern (VwGH 29.01.1991, 89/14/0088; VwGH 13.04.1988, 87/13/0046; VwGH 03.10.1990, 89/13/0002).
Unter Bedachtnahme der obigen Ausführungen ist zu den einzelnen Belegen Folgendes auszuführen:
Hinsichtlich der Beleg-Nr 5, 6 und 7 ist festzustellen, dass eine berufliche Veranlassung nicht nachgewiesen oder glaubhaft gemacht wurde. Die Namen der vorgeblichen Empfänger auf den Rechnungen sind nicht weiter zuordenbar und der bloße Verweis auf einen Geburtstag belegt noch keine berufliche Veranlassung des Aufwandes. Kleinere Sachzuwendungen, die auf Grund bestehender beruflicher Beziehungen bei besonderen Gelegenheiten wie Weihnachten oder Geburtstag gemacht werden, sind durch die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Geschenkgebers bedingte Aufwendungen der Lebensführung, weshalb es sich um nicht abzugsfähige Repräsentationsaufwendungen iSd § 20 Abs 1 Z 3 EStG 1988 handelt (VwGH 02.12.1970, 1223/70; VwGH 16.09.1992, 90/13/0291).
Der Rechtsansicht des Finanzamtes ist hinsichtlich des Beleges mit der Nr 8 zuzustimmen. Der Kauf von Pokalen und Gläsern als Preise für eine Eröffnungsfeier belegen eine berufliche Veranlassung.
Hinsichtlich der Beleg-Nr 9, 10, 11 und 12 ist festzustellen, dass eine berufliche Veranlassung nicht nachgewiesen oder glaubhaft gemacht wurde. Die Namen der vorgeblichen Empfänger auf den Belegen sind nicht weiter zuordenbar und der bloße Verweis auf ein "Geschenk" belegt noch keine berufliche Veranlassung des Aufwandes. Kleinere Sachzuwendungen, die auf Grund bestehender beruflicher Beziehungen bei besonderen Gelegenheiten wie Weihnachten oder Geburtstag gemacht werden, sind durch die wirtschaftliche oder gesellschaftliche Stellung des Geschenkgebers bedingte Aufwendungen der Lebensführung, weshalb es sich um nicht abzugsfähige Repräsentationsaufwendungen iSd § 20 Abs 1 Z 3 EStG 1988 handelt (VwGH 02.12.1970, 1223/70; VwGH 16.09.1992, 90/13/0291).
Aus dem Beleg mit der Nummer 13 erschließen sich Bewirtungsaufwendungen in einem Restaurant bzw Catering anlässlich der Weihnachtsfeier ***30*** ***Ort 1***. Seitens der Beschwerdeführerin wurden dazu keine weiteren Nachweise zum werbenden Charakter dieser Bewirtungsaufwendungen erbracht.
Hinsichtlich der Beleg-Nr 14 und 15 ist auszuführen, dass unstrittigerweise für diese Aufwendungen eine Glaubhaftmachung der ausschließlich beruflichen Veranlassung durch die Beschwerdeführerin erbracht werden konnte. Diese Aufwendungen waren dementsprechend als Werbungskosten anzuerkennen.
Bei den Belegen mit den Nr 16, 17, 18, 19, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 26, 27, 28, und 29 handelt es sich um Rechnungen über Speisen und Getränke von Gasthäusern oder Lebensmittelhändlern. Alle diese Belege sind unter dem Begriff der Bewirtungsaufwendungen zu subsumieren. Ein Nachweis für jede einzelne Bewirtungsaufwendung, der unter anderem Angaben zum werbenden Charakter der Bewirtungsaufwendung enthält wurde durch die Beschwerdeführerin nicht erbracht (vgl dazu VwGH 16.03.1993, 92/14/0228).
Hinsichtlich der geltend gemachten anteiligen Internet- und Telefonkosten war festzustellen, dass die Beschwerdeführerin im gesamten Verfahren keine Belege für diese Kosten vorgelegt hat. Diese Kosten konnten mangels Nachweises nicht anerkannt werden.
Ergänzend ist auszuführen, dass die Parteiabgabe in Höhe von € 150,- monatlich (€ 1.800,- jährlich) von der Beschwerdeführerin nachgewiesen wurde. Diese Aufwendungen sind als Werbungskosten in der Veranlagung zu berücksichtigen.
Zusammenfassen können zur Position sonstige Werbungskosten (KZ 724) neben den Aufwendungen für die Parteiabgabe nur die Belege Nr 8 mit € 67,88, Nr 14 mit € 75,87 und Nr 15 mit € 150,- als Werbungskosten anerkannt werden.
Hinsichtlich der Fahrtkosten ist zu auszuführen, dass der Nachweis von Fahrtkosten grundsätzlich mit einem Fahrtenbuch erfolgt. Das Fahrtenbuch hat die beruflichen und privaten Fahrten zu enthalten (VwGH 28.02.1964, 2176/63), es soll fortlaufend, zeitnah und übersichtlich geführt sein und Datum, Kilometerstrecke, Ausgangs- und Zielpunkt sowie Zweck jeder einzelnen Fahrt zweifelsfrei und klar angeben. Nach der Rechtsprechung des VwGH kann überdies von einem einwandfreien Nachweis der Fahrtkosten dann nicht gesprochen werden, wenn die maßgebenden Aufzeichnungen keine Angaben über den jeweils verwendeten Pkw und die Anfangs- und Endkilometerstände von Dienstfahrten enthalten. Einwandfreie Nachweise ermöglichen die Kontrolle sowohl des dienstlichen Zweckes der einzelnen Fahrt als auch der tatsächlich zurückgelegten Fahrtstrecke (VwGH 21.10.1993, 92/15/0001). Ein ordnungsgemäß geführtes Fahrtenbuch gibt demgemäß auch die Fahrtroute sowie die Dauer und den konkreten Gegenstand der dienstlichen Verrichtung wieder. Auch ein mangelhaft geführtes Fahrtenbuch unterliegt der freien Beweiswürdigung.
Die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Fahrtkosten wurde oben unter Punkt 1. Sachverhalt tabellarisch dargestellt. Unter Berücksichtigung der obigen rechtlichen Ausführungen und der Angaben der Beschwerdeführerin in der mündlichen Verhandlung können in freier Beweiswürdigung nur die folgenden Fahrtkosten als abzugsfähige Werbungskosten anerkannt werden, bei welchen sich eine berufliche Veranlassung aus der Aufzählung bzw den Angaben der Beschwerdeführerin erschließen lässt. Zusammenfassend werden die folgenden Fahrtkosten als Werbungskosten anerkannt:
|
Datum
|
Text/Anmerkung
|
Gefahrene KM
|
KM-Geld
|
08.01.2016
|
Landesfrauentag ***Ort 2***
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255
|
€ 107,10
|
01.03.2016
|
Bezirksparteisitzung, Kirchenwirt, ***Ort 4***
|
26
|
€ 10,92
|
07.03.2016
|
Zeitung holen, ***Ort 2***
|
241
|
101,22
|
25.03.2016
|
Geschenke, Kinder, ***Ort 2***
|
241
|
101,22
|
01.05.2016
|
Austeilung Frühstück
|
32
|
€ 13,44
|
05.05.2016
|
Spielplatzeröffnung ***Ort 7***
|
8
|
€ 3,36
|
10.05.2016
|
Diensttalk. ***Ort 2***
|
241
|
€ 101,22
|
11.05.2016
|
***Ort 8***, Seminar
|
144
|
€ 60,48
|
15.05.2016
|
Konzert ***Ort 7***
|
8
|
€ 3,36
|
03.06.2016
|
Bezirksparteisitzung, Kirchenwirt, ***Ort 4***
|
26
|
€ 10,92
|
08.06.2016
|
***Partei***, ***Ort 2***
|
241
|
€ 101,22
|
21.06.2016
|
Diensttalk, ***Ort 2***
|
241
|
€ 101,22
|
25.06.2016
|
Dorffest ***Ort 7***
|
8
|
€ 3,36
|
01.08.2016
|
***Partei***, ***Ort 2***
|
241
|
€ 101,22
|
05.08.2016
|
***20***
|
8
|
€ 3,36
|
14.08.2016
|
FF-***Ort 7***
|
8
|
€ 3,36
|
22.08.2016
|
Preise für Laufcup holen, ***Ort 2***
|
241
|
101,22
|
17.09.2016
|
***11***
|
9
|
€ 3,78
|
20.09.2016
|
Diensttalk, ***Ort 2***
|
241
|
€ 101,22
|
21.09.2016
|
Bezirkssitzung Kirchenwirt, ***Ort 4***
|
26
|
€ 10,92
|
24.09.2016
|
***13***
|
8
|
€ 3,36
|
06.10.2016
|
Gemeindebund, ***Ort 18***
|
309
|
€ 129,78
|
15.11.2016
|
Diensttalk, ***Ort 2***
|
241
|
€ 101,22
|
16.11.2016
|
Raumordnung Gemeinden Mehrzweckhalle ***Ort 20***
|
348
|
€ 146,16
|
18.12.2016
|
Konzert ***Ort 7***
|
8
|
€ 3,36
| |
Gesamt
|
3.400
|
€ 1.428,00
Hinsichtlich der hier nicht anerkannten Reisekosten ist auszuführen, dass die Beschwerdeführerin zu diesen Reisen keine berufliche Veranlassung nachweisen konnte. Insbesondere die Reise zur Klausur der Landespartei am 07.09.2016 steht in keiner direkten beruflichen Veranlassung der Beschwerdeführerin als Gemeindepolitikerin.
Zu den von der Beschwerdeführerin ursprünglich unter der KZ 717 (Gewerkschaftsbeiträge und sonstige Beiträge zu Berufsverbänden und Interessensvertretungen) beantragten € 39,80 war festzustellen, dass es sich dabei um Mitgliedsbeiträge beim ÖAAB gehandelt hat. Diese Beiträge konnten von der Beschwerdeführerin belegmäßig nicht nachgewiesen werden und können schon allein aus Mangel eines Nachweises nicht anerkannt werden. Ergänzend ist darüber hinaus auszuführen, dass gemäß § 16 Abs 1 Z 3 lit b EStG 1988 "Beiträge für die freiwillige Mitgliedschaft bei Berufsverbänden und Interessenvertretungen" in angemessener, statutenmäßig festgesetzter Höhe als Werbungskosten abzugsfähig, sofern die Berufsverbände und Interessenvertretungen sich nach ihrer Satzung und tatsächlichen Geschäftsführung ausschließlich oder überwiegend mit der Wahrnehmung der beruflichen Interessen ihrer Mitglieder befassen. Bei Berufsverbänden und Interessenvertretungen handelt es sich um Zusammenschlüsse von Personen, die denselben Beruf oder doch artverwandte, durch eine natürliche Interessengemeinschaft verbundene Berufe ausüben (vgl dazu VwGH 29.06.1995, 93/15/0104). Beim ÖAAB handelt es sich weder um einen Zusammenschluss von Personen, die denselben Beruf oder doch einen artverwandten Beruf ausüben, noch um eine Institution, die darauf ausgerichtet ist, speziell berufliche Interessen ihrer Mitglieder zu fördern, sondern vielmehr um eine politische Gesinnungsgemeinschaft und kann der geleistete Mitgliedsbeitrag auch aus diesem Grund nicht als Werbungskosten berücksichtigt werden.
Zusammenfassend sind die folgenden Beträge als Werbungskosten anzuerkennen:
|
Bezeichnung
|
Betrag
|
Anmerkung
|
Arbeitsmittel
|
€ 339,02
|
unstrittig
|
Fahrtkosten
|
€ 1.428,00
|
lt obiger Aufstellung
|
Sonstige WK lt. Belegen
|
€ 293,75
|
Analog zur BVE
|
Parteiabgaben
|
€ 1.800,00
|
unstrittig
|
Gesamtbetrag WK
|
€ 3.860,77
|
3.2. Zu Spruchpunkt II. (Revision)
Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Die gegenständlichen Rechtsfragen konnten anhand des Gesetzes und der zitierten höchstgerichtlichen Judikatur gelöst werden. Ein Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung liegt nicht vor.
Graz, am 29. April 2026
Normen und Schlagworte
- § 16 Abs. 1 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 20 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 20 Abs. 1 Z 2 lit. a EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 20 Abs. 1 Z 3 EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
- § 16 Abs. 1 Z 3 lit. b EStG 1988, Einkommensteuergesetz 1988, BGBl. Nr. 400/1988
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
- Geschäftszahl
- RV/2100583/2019
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2026:RV.2100583.2019
- Stammnummer
- 151427
- Gültig
- 29.04.2026 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF