Findok · BFG-Entscheidungen
BFG RV/5101104/2019
Umsatzsteuernachforderung kraft Rechnungslegung
geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - BeschlussRV/5101104/2019vom 08.09.2025
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Wortlaut laut Findok
BESCHLUSS
Das Bundesfinanzgericht hat durch den Richter ***Ri*** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, vertreten durch ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, ***Addr-Bf1*** ***Bf1-Tuer*** ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***, ***MBP1-FN*** (***MBP1-FB***), vertreten durch ***MBP2-FN*** (***MBP2-FB***), zH ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, ***Addr-Bf1*** ***Bf1-Tuer***, ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***, ***Bf1***, zH ***MBP1-FN*** (***MBP1-FB***) vertreten durch ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, ***Addr-Bf1*** ***Bf1-Tuer***, ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***,***MBP1-FN*** (***MBP1-FB***), vertreten durch ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, ***Addr-Bf1*** ***Bf1-Tuer***, ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***,***MBP2-FN*** (***MBP2-FB***), vertreten durch ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, ***Addr-Bf1*** ***Bf1-Tuer***, ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***,***MBP2-FN*** (***MBP2-FB***), vertreten durch ***MBP1-FN*** (***MBP1-FB***), zH ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, ***Addr-Bf1*** ***Bf1-Tuer***, ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***,***MBP1-FN*** (***MBP1-FB***), vertreten durch ***MBP2-FN*** (***MBP2-FB***), zH ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, ***Addr-Bf1*** ***Bf1-Tuer***, ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***, und ***Bf1***, zH ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, ***Addr-Bf1*** ***Bf1-Tuer***, ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***, betreffend Beschwerde vom 22. Februar 2013 gegen den Bescheid des Finanzamtes Lilienfeld St. Pölten (nunmehr Finanzamt Österreich, Postfach 260, 1000 Wien) vom 21. Jänner 2013 betreffend Umsatzsteuer 2011, Steuernummer ***BF1StNr1***, beschlossen:
Die Beschwerde vom 22. Februar 2013 wird gemäß § 256 Abs. 3 BAO als gegenstandslos erklärt. Die Beschwerde gilt damit als durch den Umsatzsteuerbescheid 2011 vom 21.01.2013, als erledigt.
Das Beschwerdeverfahren wird eingestellt.
Eine ordentliche Revision an den Verwaltungsgerichtshof ist nach Art. 133 Abs. 4 iVm Abs. 9 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
Begründung
I. Verfahrensgang
In diesem Verfahren geht es um eine Umsatzsteuernachforderung kraft Rechnungslegung in Höhe von EUR 6.000,00 auf Grund einer mutmaßlichen Scheinrechnung. Die Beschwerdeführerin bestreitet dies und argumentiert, dass es sich um eine legitime Verrechnung von Leistungen handle, die durch eine umfangreiche Geschäftstätigkeit des Leistungsempfängers belegt werde.
Die Beschwerdeführerin (im Folgenden "Bf.") brachte eine Umsatzsteuervoranmeldung für die Periode 12/2011 am 24.02.2012 elektronisch beim nunmehrigen Finanzamt Österreich, Postfach 260, 1000 Wien (im Folgenden: "belangte Behörde"), ein und erklärte steuerbare Umsätze [Kennzahl 000] iHv EUR 0,00 und Vorsteuern (ohne EUSt) [Kennzahl 060] iHv EUR 58,80.
In Folge einer Anfrage (OZ 9, AS 42 ff), beginnend am 21.03.2012, fragte die belangte Behörde nach vorhergehender telefonischer Kontaktaufnahme bei der Hausverwaltung des Objektes ***Obj-1***, 1060 Wien, nach, ob näher bezeichnete Unternehmen oder Personen, darunter die Bf. und deren Beteiligte, in einem Gebrauchsüberlassungsverhältnis mit dem Eigentümer oder Nutzungsberechtigten stünden. Dies wurde am 23.03.2012 abschließend verneint.
Mit Aktenvermerk vom 26.03.2012 (OZ 10, AS 44) wurde festgehalten, dass auf Grund der Kontrollmitteilungen des Finanzamtes, bei der Bf. eine Erhebung veranlasst wurde. Nach Besichtigung der Adresse "***Obj-1-AN***", konnte nicht festgestellt werden, dass dieses Unternehmen tatsächlich dort seinen Firmensitz innehat. Bestätigt wurde dies dann durch die Hausverwaltung. Es seien weder das Unternehmen noch die Gesellschafter bzw. Geschäftsführer bekannt.
Mit Bescheid über einen Prüfungsauftrag vom 14.05.2012, zu Auftragsbuch-Nr.: ***AB-Nr***, fand bei der Bf. für die Perioden 10/2011 bis 3/2012 von 14.05.2012 bis 10.07.2012 eine Umsatzsteuer-Sonderprüfung (Außenprüfung iSd § 147 BAO) statt. Insgesamt wurden mehrere und länger andauernde Außenprüfungen vorgenommen, welche auch verbundene Gesellschaften in einem umfassenden Geflecht betrafen.
Am 21.05.2012 ersuchte die belangte Behörde die Bf. um weitere Ergänzungen und die Vorlage weiterer Belege (OZ 11, AS 45 f). Konkret verlangte die belangte Behörde, einen Leistungsnachweis für eine Rechnung vom 01.12.2011, die von der Bf. an die ***MBP3-PN*** Management SL & Co KG ausgestellt wurde. Es müsse belegt werden, dass im Zeitraum Jänner bis Dezember 2011 tatsächlich Büromanagement-, Beratungs- und Organisationsleistungen erbracht worden seien. Des Weiteren, warum der in Rechnung gestellte Betrag noch nicht beglichen worden sei. Da die belangte Behörde an der angegebenen Adresse der Bf. keine Geschäftstätigkeit feststellen konnte und das Unternehmen bei der Hausverwaltung unbekannt sei, werde ersucht, die tatsächliche Leistungserbringung - wo, wann und von wem - nachzuweisen. Abschließend ginge es darum, den Mietvertrag für das verwendete Büro vorzulegen und Auskunft über die Person/(-en) zu geben, die die Beratungsleistungen durchgeführt hätten, sowie deren Konditionen.
Die Bf. übermittelte den Mietvertrag vom 05.09.2011 zwischen der ***MBP4-PN*** film, web & multimedia produktionsgesmbH und der Bf. und beantwortete das Ersuchen um Ergänzung vom 21.05.2012 fristverlängert am 04.07.2012 damit (OZ 12, AS 47 ff), dass die Beratungsleistung die Optimierung des Büromanagements und der Büroorganisation umfasse. Dabei ginge es vor allem um Verbesserungen in den Bereichen Logistik, Einrichtung, Ergonomie, Wirtschaftlichkeit und Arbeitsabläufe - sowohl im Personal- als auch im Datenverwaltungsbereich. Die Rechnung sei auf Grund nicht ausreichender Liquidität noch nicht bezahlt worden. Es sei jedoch besprochen worden, dass diese in der nächsten Zeit zur Gänze beglichen werden solle. Die Bf. sei im Dezember 2010 in Wien gegründet worden, habe aber Probleme bei der geplanten Bürogemeinschaft gehabt. Auf Grund fehlender Zustimmung des Hauseigentümers habe ein alternativer Standort gesucht werden müssen und es sei mit einem anderen Unternehmen vereinbart worden, diesen Standort zu nutzen. Bereits zu Beginn des Bestehens sei jedoch festgestanden, dass das Büro ab September 2011 an einen neuen Standort in die ***MBP4-Addr*** verlegt werde - wo das Unternehmen seitdem ansässig sei. Es sei in dieser Verrechnung kein Büro zu Verfügung gestellt worden, sondern eine reine Beratungsleistung, monatlich pauschaliert, die von der Geschäftsleitung selbst durchgeführt worden sei.
Am 09.07.2012 erfolgte eine Begehung der mit Eingabe vom 04.07.2012 bekannt gegebenen Geschäftsadresse 1070 Wien, ***MBP4-Addr*** 33-35/Top 24 durch Organe der Finanzpolizei. Es habe festgestellt werden können, dass die Bf. am Klingelbrett angeführt sei, jedoch in den Büroräumlichkeiten kein Hinweis auf eine aufrechte Geschäftstätigkeit der Bf. feststellbar gewesen sei. Im Büro seien zwei Dienstnehmer chinesischer Abstammung und zwei Ferialpraktikanten, welche laut Internetauftritt für die ***MBP4-PN*** film, web & multimedia produktionsgesmbH tätig gewesen seien, und nach deren Befragung ebenfalls kein Zusammenhang mit der Bf. hergestellt werden habe können. Sie hätten angegeben, für den Dienstgeber, Herrn ***MBP4-Gf***, tätig zu sein.
Mit Niederschrift und Bericht vom 10.07.2012 über das Ergebnis einer Außenprüfung gemäß § 150 BAO (OZ 3, AS 6 ff) wurde festgestellt, dass das Finanzamt im Zusammenhang mit einer Rechnung der Bf. an die Firma ***MBP3-PN*** Management SL & Co KG über EUR 30.000,00 und EUR 6.000,00 Umsatzsteuer für "Büromanagement, Beratung und Organisation" für das Jahr 2011 Zweifel hegt, ob diese Leistung tatsächlich erbracht wurde, da keine konkreten Nachweise über die erbrachten Beratungsleistungen vorgelegt werden konnten (keine Verträge, Korrespondenz, Leistungsnachweise). Die Umsatzsteuer in Höhe von EUR 6.000,00 wurde daher als "Umsatzsteuerschuld kraft Rechnungslegung" festgesetzt.
Mit Bescheid der belangten Behörde vom 11.07.2012 wurde die Umsatzsteuer für Dezember 2011 entsprechend festgesetzt.
Mit Vereinbarung vom 16.08.2012 hat die ***MBP1-FN*** (FN ***MBP1-FB*** a) von Herrn ***Bf-Komm-VN*** ***Bf-Komm-ZN*** dessen Gesellschaftsanteil an der Bf. mit sofortiger Wirkung erworben. Sie ist damit an seiner Stelle Kommanditistin dieser Gesellschaft geworden. Ihre Haftsumme betrug unverändert EUR 100,00. Dies wurde der belangten Behörde mit Fax vom 20.08.2012 mitgeteilt. Der Austritt wurde am 25.08.2012 ins Firmenbuch eingetragen (***Bf-FR***, Handelsgericht Wien).
Am 20.08.2012 (OZ 13, AS 52 ff) übermittelte Herr ***Bf-Komm-VN*** ***Bf-Komm-ZN*** der Finanzstrafbehörde beglaubigte Notariatsunterlagen, unter anderem bezüglich der Bf., hinsichtlich seines Austrittes als Kommanditist mit Wirkung vom 16.08.2012.
Am 01.10.2012 brachte die Bf. die Umsatzsteuer-Jahreserklärung für das Jahr 2011 bei der belangten Behörde ein und erklärte steuerbare Umsätze [Kennzahl 000] iHv EUR 0,00 und Vorsteuern (ohne EUSt) [Kennzahl 060] iHv EUR 58,80.
Am 09.10.2012 wurde Herr ***Bf-Komm-VN*** ***Bf-Komm-ZN***, geb. ***Bf-Komm-GB***, vom Finanzamt Lilienfeld ***Bf1-Ort*** als Finanzstrafbehörde I. Instanz einvernommen (OZ 14, AS 55 ff). Er sagte im Wesentlichen und zusammengefasst aus, dass Herr ***MBP-ZN*** ihn im Jahre 2008 beauftragt habe, als Kommanditist in mehreren neu gegründeten Kommanditgesellschaften (KGs), unter anderen die Bf., in Wien mitzuwirken, um Förderungen zu beantragen. Er habe eingewilligt und sei entsprechend ins Firmenbuch eingetragen worden. Nachdem die KGs gegründet worden waren, habe er den Überblick über deren Aktivitäten verloren und habe nichts mehr von ihnen gehört. Da er keine Kenntnisse mehr über die tatsächlichen Geschäfte der KGs gehabt habe, habe er seine Löschung aus dem Firmenbuch vorangetrieben. Es habe sich herausgestellt, dass die "***MBP3-PN***" zwar einen Geschäftsführer in Bratislava gehabt habe (***EV-1***), diese aber nur eine Briefkastenfirma sei und ***MBP-VN*** ***MBP-ZN*** faktisch als Geschäftsführer agiert habe. Er sei weiterhin als Zustellbevollmächtigter eingetragen gewesen und habe sich aktiv um seine Entfernung aus diesem Status bemüht. Die slowakische Komplementärgesellschaft der "***MBP3-PN*** Management & Marketing s.r.o.", die ***A-Ges*** s.r.o., gehöre zu gleichen Teilen der "***Bf-Komm-Ges***" und ihm persönlich und betreibe Unternehmensberatung in der Slowakei. Eine Rechnung von ihm über EUR 18.000,00 an die ***MBP3-PN*** beziehe sich auf Gemeinkosten (Miete, Bilanzen) für sämtliche slowakische Gesellschaften von Herrn ***MBP-ZN*** und hätte in monatlichen Raten beglichen werden sollen.
Am 09.10.2012 wurde Herr ***Bf-Komm-VN*** ***Bf-Komm-ZN***, geb. ***Bf-Komm-GB***, vom Finanzamt Lilienfeld ***Bf1-Ort*** als Abgabenbehörde einvernommen (OZ 14, AS 59 ff). Das Protokoll listet eine Reihe von offenen Fragen auf, die mit Herrn ***MBP-ZN*** geklärt werden sollen (Art der Leistungen, Zuständigkeiten, Geschäftsanbahnung etc.). Es bestand ein Bedarf an weiteren Unterlagen, wie Saldenlisten, Anlagenverzeichnis, Buchhaltung und elektronischen Unterlagen. Diese sollten über den Steuerberater beschafft werden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Herr ***Bf-Komm-ZN*** eingeschränkte Kenntnis der aktuellen Geschäftstätigkeit der ***ABC-KG*** und der weiteren Kommanditgesellschaften, unter anderem der Bf., habe und die Verantwortung für diese Geschäfte Herrn ***MBP-ZN*** zuschreibt. Er sagte im Wesentlichen und zusammengefasst aus, er habe sich seit April 2009 auf Grund einer Erkrankung seiner Ehefrau aus der operativen Geschäftsführung und wirtschaftlichen Tätigkeit zurückgezogen. Er könne daher keine Auskünfte über die aktuelle Tätigkeit der Bf. geben. Er sei Gründungshelfer für mehrere weitere KG-Gesellschaften, unter anderem der Bf., gewesen. Diese seien auf Anweisung von Herrn ***MBP-ZN*** gegründet worden, um Förderungen in Wien zu beantragen. Er habe nach der Gründung schnell aus den Kommanditistenfunktionen ausscheiden wollen und habe hierzu auch Schriftverkehr. Er sei davon ausgegangen, dass die Bf. ruhend sei und habe seit 2009 nur noch spärlichen Kontakt zu Herrn ***MBP-ZN*** gehabt. Er sei selbst in der Unternehmenssanierung und Vermietung tätig (u. a. Asylwerberhelfer) und berate im Ausland (Bratislava, Bulgarien). Er sei bis August 2012 formell Kommanditist gewesen, habe diese Rolle aber nicht aktiv ausgeführt.
Die belangte Behörde führte in der Folge die Veranlagung durch und erließ am 26.11.2012 den Umsatzsteuerbescheid für das Jahr 2011 zunächst erklärungsgemäß. Daraus ergab sich eine Abgabengutschrift in Höhe von EUR 58,80.
Die Bf. erhob am 07.12.2012 gegen die Festsetzung der Umsatzsteuer für Dezember 2011 Berufung.
In der Folge hob die belangte Behörde den Umsatzsteuerbescheid 2011 vom 26.11.2012 mit Bescheid vom 21.01.2013 gemäß § 299 Abs. 1 BAO auf und erließ am selben Tag einen neuen Umsatzsteuerbescheid für das Jahr 2011 (OZ 2, AS 4 f). Dabei wurde - zusätzlich zu den bereits erklärten Kennzahlen - eine Umsatzsteuerschuld kraft Rechnung [Kennzahl 056] iHv EUR 6.000,00 festgestellt. Daraus ergab sich eine Zahllast in Höhe von EUR 6.000,00.
Die Berufung der Bf. vom 07.12.2012 gegen den Bescheid über die Festsetzung von Umsatzsteuer für 12/2011 vom 11.07.2012 wurde gleichzeitig mit der Aufhebung und der neuen Sachentscheidung vom 21.01.2013 mit Berufungsvorentscheidung gemäß § 276 BAO mit der Begründung als unbegründet abgewiesen, dass die Berufung abzuweisen war, da durch die Veranlagung der Umsatzsteuer 2011 mit dem Erstbescheid vom 26.11.2012 der Festsetzungsbescheid der Umsatzsteuer 12/2011 vom 11.07.2012 aus dem Rechtsbestand scheide.
Mit Eingabe vom 21.02.2013 (OZ 1, AS 2 f), beim Finanzamt eingelangt am 22.02.2013, erhob der Bf. das Rechtsmittel der Berufung, beantragte I) die Umsatzsteuer für 2011 mit EUR -58,80 festzusetzen, II) die Aussetzung der Einhebung der Abgabennachforderung iHv EUR 6.000,00 und III) die Durchführung einer mündlichen Berufungsverhandlung, und führte weiter aus wie folgt: Das Finanzamt habe eine Umsatzsteuernachforderung von EUR 6.000,00 auf Grund einer mutmaßlichen Scheinrechnung festgesetzt. Dies werde bestritten und darauf hingewiesen, dass es sich um eine legitime Verrechnung von Leistungen von Herrn ***MBP-ZN*** an die Firma ***MBP3-PN*** Management SL & Co KG handle. Es werde argumentiert, dass die Abrechnung über Kommanditgesellschaften, in concreto der Bf., deren Geschäftsführer Herr ***MBP-ZN*** sei, eine zulässige steuerliche Gestaltungsform darstelle und nicht zu einem anderen steuerlichen Ergebnis führen könne. Weiterhin würde behauptet, dass Unterlagen vorgelegt worden seien, welche die erbrachten Leistungen beschrieben und die umfangreiche Geschäftstätigkeit der Leistungsempfängerin bewiesen, was zeige, dass diese Leistungen notwendig gewesen seien. Es werde betont, dass Herr ***MBP-ZN*** nicht an der ***MBP3-PN*** Management SL & Co KG beteiligt sei, was die Notwendigkeit der Verrechnung unterstreiche. Zudem müsse es als ungewöhnlich gelten, wenn erbrachte Leistungen nicht verrechnet würden. Weiters werde festgehalten, dass gemäß § 17 UStG die Umsatzsteuer erst nach Vereinnahmung zu berechnen sei, da kein anderslautender Antrag gestellt worden sei. Des Weiteren werde betont, dass die Rechnung korrekt ausgestellt und die Leistung auch erbracht worden sei, was der Leistungsempfängerin einen Vorsteuerabzug ermögliche. Herr ***MBP-ZN*** habe sich als Geschäftsführer der Bf. mithin gesetzeskonform verhalten.
Am 26.08.2013 wurde Herr ***MBP-VN*** ***MBP-ZN*** einvernommen (OZ 17, AS 69). Dabei wurde auch die Geschäftsbeziehung zur Bf. hinterfragt und zur Rechnung vom 01.12.2011 (Verrechnung der Büromanagement-, Beratungs- und Organisationsleistung durch die Bf. an die ***MBP3-PN*** Management S.L. & Co KG) ausgesagt, dass die Bf. seine KG sei, und Beratungstätigkeiten hinsichtlich Büromanagement, Organisation und Beratung durchführe, die Leistungen nicht nur der ***MBP3-PN*** angeboten würden, sondern jedem und das Angebot insoweit rege in Anspruch genommen werde, als die Leistungen von seiner Person abhingen und er viele andere Tätigkeiten habe.
Mit Schreiben vom 01.10.2013 (OZ 18, AS 70 ff) wurde der Bf. die Möglichkeit eingeräumt, sich zu nachfolgenden zusammengefassten Feststellungen der belangten Behörde zu äußern und weitere (Leistungs-)Nachweise vorzulegen: Die belangte Behörde habe weder während der Außenprüfung noch im Berufungsverfahren feststellen können, welche Leistung die Bf. tatsächlich an ***MBP3-PN*** Management SL & Co KG erbracht habe. Die Rechnung "***Bf-Kuerz*** 11001" vom 01.12.2011 gebe keine Auskunft darüber. Trotz mehrfacher Aufforderungen seien keine Leistungsnachweise vorgelegt worden. Auf dem Kreditorenkonto der Bf. bei der ***MBP3-PN*** Management SL & Co KG seien nach dem Prüfungszeitraum ungewöhnlich hohe Zahlungen und Gegenverrechnungen (insgesamt über EUR 23.000,00) verbucht worden, die als Officenutzungsgebühr und Online-Werbepakete ausgewiesen seien. Die Bf. werde aufgefordert, die Originalrechnungen vorzulegen und den Leistungsnachweis innerhalb von zwei Wochen zu erbringen.
Die Bf. nahm hierzu mit Eingabe vom 15.10.2013, bei der belangten Behörde am 17.10.2013 eingelangt, Stellung wie folgt (OZ 18, AS 73): Die ***Bf-Kuerz*** biete im allgemeinen Leistungen für Managementberatung, Büromanagement, Bürocenterentwicklung und Organisation von logistischen Einrichtungen von Unternehmen, Beratung für ergonomische und ökonomische Adaptierungen von Büroarbeitsabläufen im personellen Bereich, auch im Bereich von Verbesserungen von Arbeitsabläufen im Datenverwaltungsbereich, an. Die ***Bf-Kuerz*** KG habe mit AR 11001 an ***MBP3-PN*** folgende Leistungen erbracht: Es seien laufend Leistungen für das Büromanagement und die Büroorganisation durch Herrn ***MBP-ZN*** erbracht worden, wobei eine Monatspauschale von EUR 2.500,00 vereinbart gewesen sei. Die ***Bf-Kuerz*** habe im Jahr 2012 ein Büro der ***MBP3-PN*** benutzt, dass diese mit EUR 800,00 p.m. mit der AR 12331 an die ***Bf-Kuerz*** verrechnet habe. Um die ***Bf-Kuerz*** einem größeren Kundenkreis bekannt zu machen, habe die ***MBP3-PN*** Management S.L. & Co KG auch Werbeleistungen für die ***Bf-Kuerz*** erbracht. Dies sei mit der AR 12332 verrechnet worden. Anbei übersende die Bf. diese Rechnungen samt Screenshots zum Nachweis der Leistung. Die Bf. erlaube sich, darauf hinzuweisen, dass die ***Bf-Kuerz*** an die ***MBP3-PN*** Management S.L. & Co KG lediglich eine offene Forderung von EUR 12.800,00 (darin enthalten EUR 2.133,33 USt) habe. Nach Auskunft der Geschäftsführung der ***MBP3-PN*** werde die Büronutzung auch für 2013 mit EUR 800 p.m. in Rechnung gestellt und die Differenz von EUR 1.280,00 noch heuer bezahlt. Somit seien alle von der OMT an die ***MBP3-PN*** Management S.L. & Co KG in Rechnung gestellten Umsatzsteuern in Umsatzsteuervoranmeldungen an das Finanzamt gemeldet und seien daher aus der im Umsatzsteuergesetz normierten zeitlich unterschiedlichen Meldeverpflichtung bei der Versteuerung nach vereinnahmten und der Versteuerung nach vereinbarten Entgelten kein Nachteil für das Finanzamt mehr gegeben. Auch aus verwaltungsökonomischen Gesichtspunkten rege die Bf. daher an, der Berufung stattzugeben und die Umsatzsteuer 2011 erklärungsgemäß festzusetzen. Die Bf. wolle auch festhalten, dass sich die ***Bf-Kuerz*** bereit erkläre, ab 2014 zur Versteuerung nach vereinbarten Entgelten überzugehen.
Am 05.11.2013 wurde Herr ***Bf-Komm-VN*** ***Bf-Komm-ZN*** neuerlich einvernommen. Dieser gab im Wesentlichen und zusammengefasst an, dass er zu den durch die Kommanditgesellschaften, unter anderem jene der Bf., gelegten Rechnungen nichts sagen könne. Die Rechnungen seien ihm nicht bekannt und, dass er deshalb auch nicht wisse, von welchen Vereinbarungen im Rechnungstext die Rede sein könnte.
Mit Schreiben vom 05.02.2015 (OZ 19, AS 75 ff) wurde der Bf. die Möglichkeit eingeräumt, sich zu nachfolgenden zusammengefassten Feststellungen der belangten Behörde zu äußern und weitere (Leistungs-)Nachweise vorzulegen: Nach einer Außenprüfung und mehreren Nachfragen gebe es noch offene Punkte, die geklärt werden müssten, nämlich was die Gesellschaft genau mache, wo gearbeitet werde und wer die Kunden seien. Die angegebene Geschäftsadresse müsse aktuell sein. Es gebe Unklarheiten bezüglich Rechnungen der ***MBP3-PN*** Media Management SL & Co KG und der Bf., insbesondere über Büronutzungsgebühren und Büromanagementleistungen. Diese Leistungen müssten tatsächlich erbracht worden sein und die Rechnungen müssten korrekt sein. Gewährte Preisnachlässe müssten belegt werden. Die schriftlichen Vereinbarungen, wie Gewinne aufgeteilt wurden, müssten vorgelegt werden. Kontoauszüge und Belege für Ein- und Ausgangsrechnungen müssten vorgelegt werden, um die finanzielle Situation zu überprüfen. Es seien weitere Nachweise über Mietzahlungen für die angeblichen Geschäftsstandorte in Wien (***Obj-1***) und ***Bf1-Ort*** (Schulring 21) erforderlich. Weiters müsse angegeben werden, wer die Mietkonditionen ausgehandelt habe. Es müsse auch eine Kündigung des Mietvertrags vorliegen. Alle relevanten Dokumente, Schriftverkehr und Belege zu den genannten Punkten müssten vorgelegt werden.
Die Bf. nahm hierzu nach Fristverlängerung mit Eingabe vom 10.03.2015, bei der belangten Behörde am 18.03.2015 eingegangen, Stellung wie folgt (OZ 20, AS 83 ff): Die Leistungen bzw. die Plausibilität der Kosten seien nach Ansicht der Bf. bereits bekannt. Es werde um Klärung ersucht, welche spezifischen Nachweise das Finanzamt benötige. Da keine geschäftliche Beziehung zwischen dem Steuerpflichtigen und der ***B-Ges*** KG bestehe, werde nachgefragt, auf welchen Preisnachlass sich das Finanzamt beziehe. Es lägen keine schriftlichen Gewinnverteilungsverträge vor. Um die wirtschaftliche Situation der Kunden der Bf. zu verdeutlichen, seien Kompensationsgeschäfte durchgeführt worden und in den Buchhaltungsunterlagen dokumentiert worden. Die Saldenlisten, Konten und Bankkonten seien beigefügt. Die Bf. habe noch keine ordnungsgemäßen Rechnungen für die Miete in der ***MBP4-Addr*** erhalten. Da die Mietkonditionen mit Herrn ***MBP4-Gf*** ausgehandelt worden seien und der Vermieter Konkurs angemeldet habe, sei die Mietzahlung ausgesetzt worden.
Am 24.03.2015 wurde Herr ***EV-1***, von der belangten Behörde einvernommen (OZ 21, AS 84 ff). Er konnte bezüglich der Bf. keine Angaben machen.
Am 24.03.2015 wurde Herr ***EV-2***, von der belangten Behörde einvernommen (OZ 22, AS 98). Er konnte bezüglich der Bf. keine Angaben machen.
Die Geschäftsadresse der Bf. wurde mit Antrag vom 26.03.2015, eingetragen am 28.03.2015, nach 1010 Wien, ***GA-neu-Addr*** 6, ***GA-neu-Bez***, verlegt (73 Fr 2970/15 h, Handelsgericht Wien).
Am 04.05.2015 wurden zu SF 601103/15 seitens der Steuerfahndung Erhebungen bezüglich der Firmensitze der Bf. laut Firmenbuch getätigt (OZ 23, AS 106 ff). Im ***GA-neu-Bez***, ***GA-neu-Addr*** 6, 1010 Wien, konnten keine Hinweise auf tatsächliche Firmensitze der Bf. gefunden werden. Es wurden keine Firmenschilder der Bf. gefunden. Auch gab es auf den Postkästen keine Hinweise auf die Bf.
Mit Beschwerdevorentscheidung vom 03.12.2018 (OZ 4, AS 14 f) wies die belangte Behörde die Berufung vom 22.02.2013 (gegen den Bescheid über die Festsetzung der Umsatzsteuer 2011 vom 26.11.2012, welcher am 21.01.2013 aufgehoben wurde und am 21.01.2013 eine neue Sachentscheidung erging) ab und führte aus, dass nach Untersuchung der Geschäftstätigkeit der Bf. und sieben weiteren involvierten Kommanditgesellschaften erhebliche Zweifel an der Existenz eines tatsächlichen Firmensitzes der Bf. bestünden. Die vorgelegten Mietverträge für Büroräume wiesen Unregelmäßigkeiten auf, darunter fehlende Vergebührung und unterschiedliche Unterschriften des Vermieters. Der Vermieter sei inzwischen insolvent und aus dem Firmenbuch gelöscht. Es habe somit kein Firmensitz der Bf. (und der anderen Kommanditgesellschaften) festgestellt werden können. In Steuererklärungen sei fälschlicherweise eine Wohnadresse angegeben worden. Insgesamt habe es keine Büroräume, kein Geschäftslokal und keinen Briefkasten gegeben. Da kein Firmensitz gefunden werden konnte, werde vermutet, dass die Entscheidungen der Gesellschaft am Wohnsitz einer beteiligten Person getroffen worden seien, was zur Zuständigkeit des seinerzeitigen Finanzamtes Lilienfeld ***Bf1-Ort*** führe. Die Ausgangsrechnung AR 11001 der Bf. an die ***MBP3-PN*** Management SL & Co KG sei ein zentraler Punkt des Falles. Obwohl die Rechnung formal den Vorgaben des § 11 UStG entspreche (dh, sie sehe korrekt aus), gebe es erhebliche Zweifel an ihrer Gültigkeit und Rechtmäßigkeit. Ursprünglich sei behauptet worden, die Rechnung vom 01.12.2011 sei eine Scheinrechnung gewesen. Diese Behauptung sei von der Bf. jedoch bestritten worden. Herr ***MBP-ZN*** habe angegeben, dass die zu Grunde liegenden Vereinbarungen mündlich mit Herrn ***Bf-Komm-ZN*** getroffen worden seien. Herr ***Bf-Komm-ZN*** selbst gab an, die Rechnungen nicht zu kennen und nichts über die darin genannten Vereinbarungen zu wissen. Gemäß § 11 Abs. 14 UStG hafte jemand, der einen Steuerbetrag in einer Rechnung ausweise, obwohl er keine Leistung erbracht habe, oder kein Unternehmer sei. Dies treffe auf die Bf. zu, da die Leistungen, für die die Rechnung ausgestellt worden sei, tatsächlich nicht erbracht worden seien.
Mit Eingabe vom 20.12.2018 (OZ 6, AS 31 ff), beim Finanzamt eingelangt am 21.12.2018, stellte der Bf. den Antrag auf Entscheidung über die Bescheidbeschwerde durch das Verwaltungsgericht (Vorlageantrag), und führte weiter aus wie folgt: Es sei üblich, dass bei kleinen Unternehmen die Verantwortlichen nicht immer am Firmensitz anwesend seien oder Mitarbeiter dort keine detaillierten Informationen über das Unternehmen hätten. Das Vorhandensein von Schildern sei für einen Firmensitz irrelevant. Diese Punkte seien für die Frage, ob eine Leistung erbracht wurde, letztlich unerheblich. Es sei bei kleinen Unternehmen unüblich, für jede einzelne Leistung einen Vertrag zu errichten. Das Finanzamt räume selbst ein, dass Herr ***MBP-ZN*** Leistungen erbracht habe und die Verrechnung über eine Kommanditgesellschaft (KG) zulässig sei. Die geltend gemachte Vorsteuer sei vollständig ausgeglichen und somit habe kein unberechtigter Vorsteuerabzug stattgefunden. Die Bf. verweise auf EU-Rechtsprechung zur Umsatzsteuerneutralität und argumentiere, dass die Entscheidung des Finanzamtes diese verletze.
Die Geschäftsadresse der Bf. wurde mit Antrag vom 06.02.2019, eingetragen am 01.03.2019, nach ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***, ***GA-neu2-Addr***, verlegt (***GA-neu2-FR***, Landesgericht ***Bf1-Ort***).
Die belangte Behörde legte die Beschwerde am 26.07.2019 dem Bundesfinanzgericht vor (OZ 25, AS 114 ff), beantragte deren Abweisung und führte weiter aus wie folgt: ***MBP-VN*** ***MBP-ZN*** besitze mehrere Unternehmen, die auf Grund unterschiedlicher Steuerregelungen (Ist- und Sollbesteuerung) zeitweise einen Liquiditätsvorteil gehabt hätten. Im aktuellen Fall habe das Finanzamt eine Scheinrechnung der Bf. an ein weiteres Unternehmen, ***MBP3-PN*** SL & CO, dessen eigentlicher Machthaber ebenfalls ***MBP-VN*** ***MBP-ZN*** sei, festgestellt. Trotz wiederholter Aufforderung habe die angeblich erbrachte Leistung nicht durch Belege, Verträge oder andere Dokumente nachgewiesen werden können. Es fehlten jegliche Nachweise für die tatsächliche Leistungserbringung. Das Finanzamt sehe Herrn ***MBP-ZN*** als den eigentlichen Verantwortlichen der beteiligten Unternehmen. Es gebe keine Beweise dafür, dass die von der Bf. (wahrscheinlich ein Beratungsunternehmen) in Rechnung gestellten Leistungen tatsächlich erbracht worden seien. Die finanzielle Ausstattung des Unternehmens deute darauf hin, dass diese Leistungen auch nicht hätten erbracht werden können. Herr ***MBP-VN*** ***MBP-ZN*** habe sich selbst beraten und diese "Beratung" über von ihm kontrollierte Kommanditgesellschaften verrechnet, um den Vorsteuerabzug zu nutzen und sich Liquidität zu verschaffen. Es handle sich um Scheinleistungen zwischen verbundenen Unternehmen. Das leistende Unternehmen erkläre die Umsatzsteuerbemessungsgrundlagen erst nachträglich und nur im Umfang der tatsächlich erhaltenen Zahlungen, was auf eine unzulässige Abrechnung hindeute. Dieses Vorgehen werde offenbar wiederholt, wobei zweifelhafte Gegenrechnungen erst später in Außenprüfungen auftreten, um den Vorsteuerabzug zu korrigieren. Trotz des äußeren Erscheinungsbildes der Rechnung schulde die Bf. gemäß § 11 Abs 14 UStG die ausgewiesene Umsatzsteuer für das Jahr 2011.
Herr ***MBP-VN*** ***MBP-ZN*** wurde am 09.03.2020 vom Landesgericht Korneuburg, zu ***LG-Urteil***, u. a. wegen des Verbrechens des Abgabenbetrugs nach §§ 33 Abs. 2 lit. a, 39 Abs. 1 lit. b und Abs. 3 lit. c FinStrG, idF BGBl I 2010/104, auch bezüglich der Bf., verurteilt. Die dagegen erhobene Nichtigkeitsbeschwerde wurde vom Obersten Gerichtshof am ***OGH-Dat*** zu ***OGH-Zahl*** in den hier maßgeblichen Spruchpunkten zurückgewiesen.
Mit Verfügung des Geschäftsverteilungsausschusses des Bundesfinanzgerichtes vom 03.02.2025 wurde die gegenständliche Rechtssache der Gerichtsabteilung GA 6020 abgenommen und der Gerichtsabteilung GA 2012 neu zugeteilt.
Mit Eingabe vom 11.08.2025, beim Bundesfinanzgericht am 13.08.2025 eingelangt, zog die Bf. die Beschwerde zurück und verzichtete auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
II. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen:
1. Sachverhalt
Die Bf. (***Bf1*** (***Bf1-FN***)) wurde am 06.12.2010 mit Antrag auf Neueintragung einer Firma vom 06.12.2010, eingelangt beim Registergericht am 07.12.2010, gegründet und am 15.12.2010 vom Handelsgericht Wien in das Firmenbuch eingetragen. Von 15.12.2010 bis 27.03.2015 war im Firmenbuch als Sitz 1060 Wien, ***Obj-1***, von 28.03.2015 bis 28.02.2019 1010 Wien, ***GA-neu-Addr*** 6, ***GA-neu-Bez*** und von 01.03.2019 bis 24.11.2021 ***Bf1-PLZ*** ***Bf1-Ort***, ***GA-neu2-Addr***, eingetragen. Mit 24.11.2021 wurde im Firmenbuch angemerkt, dass die Gesellschaft aufgelöst und gelöscht ist. Der Antrag auf Löschung an das Landesgericht ***Bf1-Ort*** zu ***LG-FR***, wonach die Gesellschaft aufgelöst und die Firma erloschen ist, wurde damit begründet, dass der Unternehmensbetrieb eingestellt wurde und die Kommanditgesellschaft aufgelöst ist. Auf die förmliche Durchführung einer Liquidation wurde von den Gesellschaftern verzichtet. Die Auseinandersetzung hat einvernehmlich stattgefunden. Die Bücher und Papiere der Gesellschaft wurden vom Gesellschafter ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, geb. ***Geb-BF-V***, zur Aufbewahrung übernommen.
Von 15.12.2010 bis 24.11.2021 war Herr ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, geb. ***Geb-BF-V***, als unbeschränkt haftender Gesellschafter (Komplementär) eingetragen. Als beschränkt haftende Gesellschafter (Kommanditisten) waren von 15.12.2010 bis 24.08.2012 Herr ***Bf-Komm-VN*** ***Bf-Komm-ZN***, geb. ***Bf-Komm-GB***, mit einer Haftungssumme von EUR 100,00 und von 25.08.2012 bis 24.11.2021 die ***MBP1-FN*** (FN ***MBP1-FB*** a) mit einer Haftungssumme von EUR 100,00, eingetragen.
Bei der ***MBP1-FN*** (FN ***MBP1-FB*** a) war Herr ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, geb. ***Geb-BF-V***, von 11.12.2010 bis 25.11.2021 als unbeschränkt haftender Gesellschafter (Komplementär) eingetragen. Als beschränkt haftende Gesellschafter (Kommanditisten) waren von 11.12.2010 bis 20.08.2012 Herr ***Bf-Komm-VN*** ***Bf-Komm-ZN***, geb. ***Bf-Komm-GB***, mit einer Haftungssumme von EUR 100,00 und von 21.08.2012 bis 25.11.2021 die ***MBP1-FN*** (FN ***MBP1-FB*** a) mit einer Haftungssumme von EUR 100,00, eingetragen.
Die Bf. brachte ihre Berufung vom 21.02.2013 und ihren Vorlageantrag vom 20.12.2018 gegen den Umsatzsteuerbescheid für das Jahr 2011, wie im Verfahrensgang dargestellt, ein.
Mit Anbringen vom 11.08.2025, eingelangt am 13.08.2025, teilte der Bf., vertreten durch Herrn ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, bezüglich der Beschwerde und dem Vorlageantrag zu RV/5101104/2019, auf das Wesentliche zusammengefasst mit wie folgt: "Wir ziehen hiermit die obig benannte Beschwerde zurück und verzichten auf eine mündliche Verhandlung".
2. Beweiswürdigung
Die Beweiswürdigung stützt sich auf den gesamten Inhalt des Verwaltungs- und Gerichtsaktes, insbesondere aber die Eingabe vom 13.08.2025, mit welcher die Bf. die Beschwerde zurückzog. Diese Eingabe wurde beim Bundesfinanzgericht am 13.08.2025 zu Eingangsnummer E/972-F/25, protokolliert.
3. Rechtliche Beurteilung
3.1. Zu Spruchpunkt I. (Gegenstandsloserklärung)
Gemäß § 323 Abs. 38 BAO sind die am 31. Dezember 2013 bei dem unabhängigen Finanzsenat als Abgabenbehörde zweiter Instanz anhängigen Berufungen und Devolutionsanträge vom Bundesfinanzgericht als Beschwerden im Sinn des Art. 130 Abs. 1 B-VG zu erledigen.
Gemäß § 19 Abs. 1 BAO gehen bei Gesamtrechtsnachfolge die sich aus Abgabenvorschriften ergebenden Rechte und Pflichten des Rechtsvorgängers auf den Rechtsnachfolger über. Für den Umfang der Inanspruchnahme des Rechtsnachfolgers gelten die Bestimmungen des bürgerlichen Rechtes.
Gemäß § 145 Abs. 1 UGB findet nach der Auflösung der Gesellschaft die Liquidation statt, sofern nicht eine andere Art der Auseinandersetzung von den Gesellschaftern vereinbart oder über das Vermögen der Gesellschaft das Insolvenzverfahren eröffnet ist.
Fehlendes Aktivvermögen führte nach bisheriger Rechtsprechung zur unmittelbaren Vollbeendigung der Gesellschaft. Ein Abwicklungsbedarf liegt daher nicht vor, wenn die Gesellschaft zum Auflösungszeitpunkt nur mehr Verbindlichkeiten aufweist. Gleiches gilt für den Fall, dass lediglich noch der innere Ausgleich zwischen den Gesellschaftern aussteht (OGH 1 Ob 567/90). Die Rechtsprechung hält eine Liquidation auch dann für notwendig, wenn sonstige gemeinschaftliche Beziehungen aufzulösen sind (OGH 1 Ob 567/90). Die Liquidation sei jedenfalls dann entbehrlich, wenn überhaupt kein gemeinsames Aktivvermögen oder sonstige gemeinschaftliche Beziehungen vorhanden seien (Warto in Straube/Ratka/Rauter, UGB I4 § 145 Rz 45).
Nach ständiger Rechtsprechung (VwGH 08.05.2003, 99/15/0184; VwGH 29.03.2006, 2001/14/0091; VwGH 09.12.2006, 2006/15/0038, 0039; VwGH 26.08.2009, 2004/13/0115) stehen Abgabenverbindlichkeiten der Vollbeendigung entgegen. Der VwGH geht nicht von einem gesellschaftsrechtlichen, sondern von einem steuerrechtlichen Fortbestehen aus und bezieht dieses auf das Abgabenverfahren und nicht die konkrete Abgabenschuld. Die gesellschaftsrechtliche Frage der Vollbeendigung ist davon zu unterscheiden. Dies bewirkt im Ergebnis eine Teilrechtsfähigkeit der an sich bereits vollbeendeten Gesellschaft (Warto in Straube/Ratka/Rauter, UGB I4 § 145 Rz 51).
Für den Beendigungszeitpunkt gilt, dass die Löschung im Firmenbuch der Firma einer Personengesellschaft, etwa der Kommanditgesellschaft, nicht beeinträchtigt. Bescheide (zB Umsatzsteuerbescheide) sind folglich weiterhin an die - bereits gelöschte - Gesellschaft zu adressieren (VwGH 25.04.2013, 2012/15/0161).
Gemäß § 81 Abs. 1 BAO sind abgabenrechtliche Pflichten einer Personenvereinigung (Personengemeinschaft) ohne eigene Rechtspersönlichkeit von den zur Führung der Geschäfte bestellten Personen und, wenn solche nicht vorhanden sind, von den Gesellschaftern (Mitgliedern) zu erfüllen.
Wer für eine Kommanditgesellschaft zur Führung der Geschäfte iSd § 81 Abs. 1 bestellt ist, ergibt sich primär aus dem betreffenden Gesellschaftsvertrag. Subsidiär gelten die entsprechenden Bestimmungen des UGB bzw des ABGB (Ritz/Koran, BAO8 § 81 Rz 1). Subsidiär ist somit bei einer KG jeder Komplementär einzelvertretungsbefugt (§§ 161 und 164 UGB).
Zur organschaftlichen Vertretung der Kommanditgesellschaft sind ausschließlich die Komplementäre berufen (§ 161 Abs. 2 iVm §§ 125, 126 UGB). Die Beendigung der Kommanditgesellschaft unterscheidet sich im Wesentlichen nicht von jener der offenen Gesellschaft (§ 161 Abs. 2 UGB) wobei auch Kommanditisten als geborene Liquidatoren zur Vertretung der Gesellschaft befugt sind (Kalss, Österreichisches Gesellschaftsrecht² Rz 2/962).
Da im Gesellschaftsvertrag vom 06.12.2010 keine diesbezüglichen Vereinbarungen getroffen wurden und laut Auskunft vom 08.08.2025 eine steuerliche Vertretung nicht mehr existiert, gelten die gesetzlichen Bestimmungen über die Liquidation und mithin auch jene über die geborenen Liquidatoren, welche demzufolge aus Herrn ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***, geb. ***Geb-BF-V***, und der ***MBP1-FN*** (FN ***MBP1-FB*** a) bestehen. Die Gesellschaftsverhältnisse Letzterer wurden in den Sachverhaltsfeststellungen aufgezeigt. Auch dort ergäbe sich - soweit überhaupt erforderlich - die abgabenrechtliche Vertretungsbefugnis von Herrn ***MBP-VN*** ***MBP-ZN***. Da eine Auseinandersetzung bei der Bf. bezüglich des Gesellschaftsvermögens (Abwicklung) nicht erfolgte, besteht die Bf. - zumindest abgabenrechtlich - als Rechtssubjekt fort.
Auf Grund der Eingabe vom 11.08.2025, beim Bundesfinanzgericht am 13.08.2025 eingelangt, mit welcher die Bf., vertreten durch den geborenen Liquidator, die Beschwerde zurückzog und auf die Durchführung einer mündlichen Verhandlung verzichtete, kann weiter ausgeführt werden wie folgt.
Gemäß § 264 Abs. 1 BAO kann gegen eine Beschwerdevorentscheidung innerhalb eines Monats ab Bekanntgabe (§ 97) der Antrag auf Entscheidung über die Bescheidbeschwerde durch das Verwaltungsgericht gestellt werden (Vorlageantrag).
§ 264 Abs. 3 BAO bestimmt, dass, wenn ein Vorlageantrag rechtzeitig eingebracht wird, die Bescheidbeschwerde von der Einbringung des Antrages an, wiederum als unerledigt gilt. Die Wirksamkeit der Beschwerdevorentscheidung wird durch den Vorlageantrag nicht berührt.
Gemäß § 256 Abs. 1 BAO können Beschwerden bis zur Bekanntgabe (§ 97) der Entscheidung über die Beschwerde zurückgenommen werden. Die Zurücknahme ist schriftlich oder mündlich zu erklären.
§ 256 Abs. 3 BAO bestimmt, dass wenn eine Beschwerde zurückgenommen (Abs. 1) wurde, sie mit Beschwerdevorentscheidung (§ 262) oder mit Beschluss (§ 278) als gegenstandslos zu erklären ist.
Die Bf. hat mit Schreiben vom 11.08.2025, eingelangt beim Bundesfinanzgericht am 13.08.2025, ihre Beschwerde zurückgezogen. Die Beschwerde ist daher als gegenstandslos zu erklären. Die Beschwerde gilt damit als durch den Umsatzsteuerbescheid 2011 vom 26.11.2012, in der Fassung der Aufhebung gemäß § 299 Abs. 1 BAO, vom 21.01.2013, als erledigt.
3.2. Zu Spruchpunkt II. (Revision)
Gegen einen Beschluss des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil der Beschluss von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.
Die Gegenstandsloserklärung ergibt sich schon aus dem Gesetzestext, sodass eine Revision nicht zuzulassen war.
Feldkirch, am 8. September 2025
Normen und Schlagworte
- § 11 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- BFG-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Bescheidbeschwerde - Einzel - Beschluss
- Geschäftszahl
- RV/5101104/2019
- ECLI
- ECLI:AT:BFG:2025:RV.5101104.2019
- Stammnummer
- 148956
- Gültig
- 08.09.2025 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF