Findok · UFS-Entscheidungen
UFSK RV/0063-K/04
Fälschung von Ausfuhrbescheinigungen
geltende FassungBerufungsentscheidung - Steuer (Referent)RV/0063-K/04vom 15.03.2005
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.
Rechtssatz
Das Vertrauen eines Abgabepflichtigen in die Echtheit einer Ausfuhrbescheinigung ist weder durch das Umsatzsteuergesetz 1994 noch durch das Gemeinschaftsrecht geschützt (EuGH vom 13.11.1984, Rs 98/83 und 283/83 van Gend & Loos; vom 17.7.1997, C 97/95 Pascoal & Filhos; EuGH vom 11. 7.2002, T 205/99 Hyper Srl; VwGH vom 16.12.1991, 91/15/0051).
Wortlaut laut Findok
Berufungsentscheidung
Der unabhängige
Finanzsenat hat über die Berufung der M, vertreten durch R, gegen die
Bescheide des Finanzamtes U betreffend Umsatzsteuer für den Zeitraum 1998
bis 2001, Umsatzsteuer November 2002 und April 2003 sowie
Körperschaftsteuer 2001, entschieden:
Der Berufung
wird teilweise Folge gegeben.
Die
angefochtenen Bescheide werden abgeändert.
Die
Bemessungsgrundlagen und die Höhe der Abgabengutschriften betragen
Umsatzsteuer
1998
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Bemessungsgrundlagen
|
Umsatzsteuer oder bei
negativem Vorzeichen Vorsteuer oder Gutschrift
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steuerpflichtiger Umsatz, zu
versteuern mit 20%
|
13,700.371,77
€
(188,521.225,69 S)
|
2,740.074,35
€
(37,704.245,14 S)
|
innergemeinschaftlicher
Erwerb, zu versteuern mit 20%
|
539.110,99
€
(7,418.329 S)
|
107.822,20
€
(1,483.665,80 S)
|
Vorsteuer
|
|
-4,421.052,68
€
(-60,835.011,24 S)
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Einfuhrumsatzsteuer
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-45.804,31
€
(-630.281 S)
|
Vorsteuern aus
innergemeinschaftlichem Erwerb
|
|
107.822,20
€
(-1,483.665,80 S)
|
Gutschrift
|
|
-1,726.782,64
€
(-23,761.047,1 S)
Umsatzsteuer
1999
|
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Bemessungsgrundlagen
|
Umsatzsteuer, bei negativem
Vorzeichen Vorsteuer oder Gutschrift
|
steuerpflichtiger Umsatz
(20%)
|
15,006.272,16
€
(206,490.806,79 S)
|
3,001.254,43
€
(41,298.161,36 S)
|
innergemeinschaftlicher Erwerb
(20%)
|
308.735,64
€
(4,248.295 S)
|
61.747,13
€
(849.659 S)
|
Vorsteuer
|
|
-6,171.815,94
€
(-84.926.038,87 S)
|
Vorsteuer
innergemeinschaftlicher Erwerb
|
|
-61.747,13
€
(-849.659 S)
|
Gutschrift
|
|
-3,170.561,51
€
(-43,627.877,51 S)
Umsatzsteuer
2000
|
|
Bemessungsgrundlagen
|
Umsatzsteuer, bei negativem
Vorzeichen Vorsteuer oder Gutschrift
|
steuerpflichtiger Umsatz, zu
versteuern mit 20 %
|
9,359.200,10 €
(128,785.401,18 S)
|
1,871.840,02
€
(25,757.080,24 S)
|
innergemeinschaftlicher
Erwerb, 20%
|
928.456,79 €
(12,775.844 S)
|
185.691,36
€
(2,555.168,80 S)
|
Vorsteuern
|
|
-7,465.651,56
€
(-102,729.605,15 S)
|
EUSt
|
|
-107.310,74
€
(-1,476.628 S)
|
Vorsteuern aus
innergemeinschaftlichem Erwerb
|
|
-185.691,36
€
(-2,555.168,80 S)
|
Gutschrift
|
|
-5,701.122,28
€
(-78,449.152,91 S)
Umsatzsteuer
2001
|
|
Bemessungsgrundlagen
|
Umsatzsteuer, bei negativem
Vorzeichen Vorsteuer oder Gutschrift
|
steuerpflichtiger Umsatz
(20%)
|
11,056.623,69 €
(152,142.459,01 S)
|
2,211.324,74 €
(+30,428.491,80 S)
|
innergemeinschaftlicher Erwerb
(20%)
|
1,475.481,21
€
(20,303.064,10 S)
|
295.096,24 €
(+4,060.612,82 S)
|
Vorsteuer
|
|
-7,596.267,67
€
(-104,526.922,05 S)
|
Vorsteuer aus
innergemeinschaftlichem Erwerb
|
|
-295.096,24
€
(-4,060.612,82 S)
|
Gutschrift
|
|
-5,384.942,93
€
(-74,098.430,25 S)
Körperschaftsteuer
2001:
|
1,401.488,34 € (
19,284.900 S)
|
Einkommen
|
476.506,04 € (6,556.866
S)
|
Körperschaftsteuer 34
%
|
-302,39 € (4.161
S)
|
anzurechnende
Steuerabzugsbeträge
|
476.203,64 € (6,552.705
S)
|
Körperschaftsteuer 2001
|
- 592.814,11 €
(-8,157.300 S)
|
abzüglich
Körperschaftsteuervorauszahlungen laut Bescheid vom12. September 2001
|
-116.610,47 € (-1,604.595
S)
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Gutschrift
Umsatzsteuer
November 2002:
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|
Bemessungsgrundlagen in
€
|
Abgabe, bei negativem
Vorzeichen Vorsteuer oder Gutschrift in €
|
steuerpflichtiger Umsatz
20%
|
722.019,92
|
144.403,98 €
|
innergemeinschaftliche
Erwerbe
|
419.604,78
|
83.920,96 €
|
Vorsteuer
|
|
-1,135.757,32 €
|
Vorsteuer aus
innergemeinschaftlichen Erwerben
|
|
-83.920,96 €
|
Gutschrift
|
|
-991.353,34 €
Umsatzsteuer
April 2003
|
|
Bemessungsgrundlagen
(€)
|
Abgabe, bei negativem
Vorzeichen Vorsteuer oder Gutschrift (€)
|
steuerpflichtiger Umsatz
20%
|
552.183,84
|
110.436,77
|
innergemeinschaftlicher Erwerb
20%
|
81.017,36
|
16.203,47
|
Vorsteuern
|
|
-589.016,09
|
Vorsteuern aus
innergemeinschaftlichem Erwerb
|
|
-16.203,47
|
Gutschrift
|
|
-478.579,32 €
Entscheidungsgründe
BP
- Bericht (GroßBP)
vom 29.
September 2003, Nr. 106003/03:
Zur
Umsatzsteuer:
Die Bw. machte 1998 - 2003
steuerfreie Ausfuhrlieferungen im Gesamtausmaß von bis zu 15,321.319,75 S
jährlich (bis 2001), 47.822,12 € (November 2002) und 149.310,70 €
(April 2003) geltend. Das Finanzamt vertrat die Ansicht, diese
Ausfuhrlieferungen seien steuerpflichtig, da die Ausfuhrbelege gefälscht
seien, und erließ entsprechende Abgabenbescheide.
Zur
Körperschaftsteuer 2001:
Die Umsatzsteuernachforderung
auf Grund der gefälschten Ausfuhrnachweise wurde vom Finanzamt aktiviert,
da die Bw. eine Forderung gegen die Fälscher der Ausfuhrnachweise in dieser
Höhe habe.
Das Finanzamt erließ
unter Zugrundelegung der obigen Annahmen die bekämpften Bescheide vom 16.
Oktober 2003. Mit Berufung vom 19. November 2003 machte die Bw. geltend:
Betreffend die
Ausfuhrlieferungen: Das Vorliegen von Fälschungen sei nicht erwiesen
worden. Für die Bw. sei es unmöglich gewesen, die Fälschungen zu
erkennen. Wenn ein Unternehmer einen Exportumsatz ausführe und nach einer
optischen Prüfung des Stempels kein Zweifel an dessen Echtheit bestehe, so
dürfe eine nachträgliche kriminaltechnische Untersuchung, welche eine
Fälschung feststelle , nicht zu Lasten des Unternehmers gehen. Eine
gegenteilige Interpretation wäre nicht verfassungskonform. Zudem verlange
die 6. EG- Richtlinie die Gewährleistung einer korrekten und einfachen
Anwendung der Befreiung (Art 15 der RL).
In eventu werde die sofortige
ertragsmindernde Ausbuchung der Umsatzsteuernachforderung begehrt, da die Bw.
bis jetzt in keinem einzigen Fall die Anschrift der von den angeblichen
Fälschungen betroffenen Personen ausfindig machen habe können. Die Bw.
habe einen Wirtschaftsdienst beauftragt, die Adressen zu eruieren. Bis dato ohne
Erfolg. Die Aktivierung der Umsatzsteuernachforderung als Vermögenswert sei
nicht zulässig. Es werde in eventu beantragt, die
Körperschaftsteuerbescheide 1998 bis 2000 gem. § 303 Abs 1 lit b BAO
wieder aufzunehmen und die Umsatzsteuernachforderung aus der Aberkennung der
Steuerfreiheit der Ausfuhrlieferung als Aufwand ertragsmindernd zu
berücksichtigen und den Körperschaftsteuerbescheid 2001 in diesem
Punkt abzuändern.
Über
die Berufung wurde erwogen:
1.)
ergänzende Feststellungen:
Die gesamten
verfahrensgegenständlichen österreichischen Ausfuhrbelege und die
Hälfte der verfahrensgegenständlichen italienischen Ausfuhrbelege sind
Fälschungen. Sämtliche Entgelte, die diesen Fälschungen
zuzuordnen sind, sind steuerpflichtig. Dies ist nicht mehr strittig (Schreiben
des Unabhängigen Finanzsenates vom 24. Jänner 2005; Niederschrift
über den Verlauf des Erörterungsgespräches vom 24. Feber 2005).
2.)
Daraus ergeben sich die steuerpflichtigen Bemessungsgrundlagen und Gutschriften,
die im Schreiben des Unabhängigen Finanzsenates vom 24. Jänner 2005
dargestellt sind und nicht mehr strittig sind. Auf diese wird verwiesen (vgl.
Niederschrift über den Verlauf des Erörterungsgespräches vom 24.
Feber 2005).
Klagenfurt,
am 15. März 2005
Normen und Schlagworte
- § 7 Abs. 4 UStG 1994, Umsatzsteuergesetz 1994, BGBl. Nr. 663/1994
Herkunft
Herkunft dieses Textes
- Bestand
- UFS-Entscheidungen
- Dokumenttyp
- Berufungsentscheidung - Steuer (Referent)
- Geschäftszahl
- RV/0063-K/04
- Stammnummer
- 14718
- Gültig
- 15.03.2005 bis auf Weiteres
- Stand Bestandsliste
- 25.09.2026 06:13
- Von uns abgerufen
- 26.09.2026
- Quelle
- Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
- Lizenz
- CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF