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Findok · BFG-Entscheidungen

BFG RV/7200038/2022

Beförderungskosten (Postgebühren) als Teil der Bemessungsgrundlage für die EUSt

geltende FassungBescheidbeschwerde - Einzel - ErkenntnisRV/7200038/2022vom 30.01.2023
Entscheidung in der vom BMF bzw. BFG anonymisiert veröffentlichten Fassung. Wir ergänzen oder verknüpfen keine personenbezogenen Angaben.

Wortlaut laut Findok

IM NAMEN DER REPUBLIK Das Bundesfinanzgericht hat durch die Richterin Mag. Maria Daniel in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, über die Beschwerden vom 1. Juni 2022 gegen die Bescheide des Zollamtes Österreich vom 12. Mai 2022 (***1***) und 24. Mai 2022 (***2***), vom 14. Juni 2022 gegen den Bescheid des Zollamts Österreich vom 8. Juni 2022 (***3***), vom 5. Juli 2022 gegen den Bescheid des Zollamts vom 1. Juli 2022 (***4***), vom 13. Juli 2022 gegen die Bescheide des Zollamts Österreich vom 12. Juli 2022 (***5***, ***6***, ***7***), vom 28. Juli 2022 gegen die Bescheide des Zollamts vom 19. Juli 2022 (***8***, ***9***, ***10***), sowie vom 20. September 2022 gegen den Bescheid des Zollamts Österreich vom 14. September 2022 (***11***) betreffend Eingangsabgaben (Einfuhrumsatzsteuer) in Summe von 407,37 Euro (Steuernummer ***BF1StNr1*** ) zu Recht erkannt: Die angefochtenen Bescheide (***1***, ***3***, ***4***, ***5***, ***6***, ***7***, ***8***, ***9***, ***10***, ***11***) werden abgeändert. Im Übrigen werden die Beschwerden gemäß § 279 BAO als unbegründet abgewiesen. Die Bemessungsgrundlagen und die Höhe der festgesetzten Abgaben sind dem als Beilage angeschlossenem Berechnungsblatt zu entnehmen und bilden einen Bestandteil des Spruches dieses Erkenntnisses. Gegen dieses Erkenntnis ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art 133 Abs 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig. Entscheidungsgründe Verfahrensgang und Sachverhalt: Bei den jeweiligen für die Beschwerdeführerin erfolgten zollamtlichen Abfertigungen durch die Österreichische Post AG wurden für die Berechnung der Abgaben die Warenwerte zuzüglich der Versandkosten wie folgt herangezogen: | Verzollungen | Warenwert (Währung) | Versandkosten (Währung) | ***1*** | 118,74 (USD) | 118,74 (USD) | ***2*** | 94,33 (USD) | 68,82 (BYN) | ***3*** | 99,00 (EUR) | 99,00 (EUR) | ***4*** | 73,88 (USD) | 73,88 (USD) | ***5*** | 126,74 (USD) | 126,74 (USD) | ***6*** | 109,51 (USD) | 109,51 (USD) | ***7*** | 119,66 (USD) | 119,66 (USD) | ***8*** | 62,33 (USD) | 62,33 (USD) | ***9*** | 63,94 (USD) | 63,94 (USD) | ***10*** | 93,18 (USD) | 93,18 (USD) | ***11*** | 139,54 (EUR) | 139,54 (EUR) Mittels der nachfolgend angeführten, nunmehr angefochtenen Bescheide wurden der Beschwerdeführerin folgende Abgabenbeträge an Einfuhrumsatzsteuer nach Art 102 VO (EU) 952/2013 (UZK) mitgeteilt: Bescheid vom 12.5.2022 (***1***), Abgabenbetrag: 43,85 Euro Bescheid vom 24.5.2022 (***2***), Abgabenbetrag: 21,28 Euro Bescheid vom 8.6.2022 (***3***), Abgabenbetrag: 39,60 Euro Bescheid vom 1.7.2022 (***4***), Abgabenbetrag: 28,08 Euro Bescheid vom 12.7.2022 (***5***), Abgabenbetrag: 48,19 Euro Bescheid vom 12.7.2022 (***6***), Abgabenbetrag: 41,62 Euro Bescheid vom 12.7.2022 (***7***), Abgabenbetrag: 45,50 Euro Bescheid vom 19.7.2022 (***8***), Abgabenbetrag: 23,70 Euro Bescheid vom 19.7.2022 (***9***), Abgabenbetrag: 24,31 Euro Bescheid vom 19.7.2022 (***10***), Abgabenbetrag: 35,42 Euro Bescheid vom 14.9.2022 (***11***), Abgabenbetrag: 55,82 Euro Mit fristgerecht eingebrachten Beschwerden gegen die angeführten Bescheide des Zollamts Österreich beantragt die Beschwerdeführerin die Neuberechnung der Abgaben, da der Warenwert zu hoch sei und ersucht um Neuberechnung und Überweisung des Differenzbetrages. Der Aufforderung des Zollamts Österreich vom 7.6.2022 um Beibringung von Zahlungsbestätigungen (iZm der Beschwerde vom 1.6.2022 gegen die Bescheide vom 12.5.2022 und 24.5.2022 - ***1***, ***2***), aus welchen eindeutig ersichtlich ist, welcher Betrag dem Verkäufer für die in den jeweiligen Sendungen enthaltenen Waren bezahlt wurde, wurde nicht Folge geleistet. In den Stellungnahmen vom 14.6.2022 und 1.7.2022 gibt die Beschwerdeführerin jeweils an, dass die Behörde nicht berechtigt sei eine Zahlungsbestätigung für die beiden Zustellungen zu verlangen und sie zudem nicht verpflichtet sei der Behörde Zahlungsbestätigungen vorzulegen, "dadurch die Lieferungen auch gratis erfolgen können". In den darauffolgenden Beschwerdevorentscheidungen vom 29.6.2022 (Zahl ***12***), 27.7.2022 (Zahl ***13***), 28.7.2022 (Zahl ***14***), 5.8.2022 (Zahl ***15***), 8.8.2022 (Zahl ***16***) 7.10.2022 (Zahl ***17***) wird den jeweiligen Beschwerden insofern stattgegeben als die auf den vorgelegten Zollinhalterklärungen angegebenen korrekten Versandkosten berücksichtigt wurden. Der Beschwerde gegen den Bescheid vom 24.5.2022 (***2***) wurde nicht stattgegeben, da die korrekten Versandkosten bereits im ursprünglichen Bescheid berücksichtigt wurden. Die Abgaben wurden mittels Beschwerdevorentscheidungen unter Heranziehung der zutreffenden Versandkosten lt CN23 wie folgt neu festgesetzt: | BVE | Angefochtener Bescheid | Neuer Abgabenbetrag | Differenz (Gutschrift) | ***15*** | ***1*** | 27,86 | 15,99 | ***12*** | ***3*** | 23,72 | 15,88 | ***14*** | ***4*** | 18,44 | 9,64 | ***13*** | ***5*** ***6*** ***7*** | 28,64 25,90 26,44 | 54,33 | ***16*** | ***8*** ***9*** ***10*** | 13,94 13,79 19,45 | 36,25 | ***17*** | ***11*** | 33,28 | 22,54 Dabei wurden folgende Versandkosten und Warenwerte bei der Berechnung der Einfuhrumsatzsteuer berücksichtigt: | Anmeldung | Versandkosten laut Zollinhaltserklärung | Warenwert (ohne Versandkosten) | ***1*** | 106,08 (BYN) | 118,74 (USD) | ***3*** | 70,28 (BYN) | 99,00 (EUR) | ***4*** | 78,34 (BYN) | 73,88 (USD) | ***5*** | 81,26 (BYN) | 126,74 (USD) | ***6*** | 90,98 (BYN) | 109,51 (USD) | ***7*** | 65,89 (BYN) | 119,66 (USD) | ***8*** | 37,39 (BYN) | 62,33 (USD) | ***9*** | 29,32 (BYN) | 63,94 (USD) | ***10*** | 30,88 (BYN) | 93,18 (USD) | ***11*** | 67,30 (BYN) | 139,54 (EUR) Die Umrechnung in Euro erfolgte aufgrund des zum jeweiligen Zeitpunkts der Abfertigung geltenden Zollwertkurses. Dagegen richten sich die Vorlageanträge vom 8.8.2022, 24.8.2022, sowie 18.10.2022 in denen die Beschwerdeführerin um Berechnung der Abgaben ohne "Frachtkosten" ersucht, da sie diese nicht bezahlt habe. Sollte der Versender "Frachtkosten" bezahlen, würde es sie nicht betreffen. Das Bundesfinanzgericht hat erwogen: Rechtliche Grundlagen: § 5 UStG 1994 bestimmt auszugsweise: Bemessungsgrundlage für die Einfuhr (1) Der Umsatz wird bei der Einfuhr (§ 1 Abs 1 Z 3) nach dem Zollwert des eingeführten Gegenstandes bemessen. (….) (4) Der sich aus den Abs 1 bis 3 ergebenden Bemessungsgrundlage sind hinzuzurechnen, soweit sie darin nicht enthalten sind: (…) 3. die auf den eingeführten Gegenstand entfallenden Nebenkosten wie Beförderungs-, Versicherungs-, Verpackungskosten, Provisionen und Maklerlöhne bis zum ersten Bestimmungsort im Gebiet eines Mitgliedstaates der Europäischen Union. Das gilt auch, wenn sich diese Nebenkosten aus der Beförderung nach einem anderen in der Gemeinschaft gelegenen Bestimmungsort ergeben, der im Zeitpunkt des Entstehens der Einfuhrumsatzsteuer bekannt sind. (…) (5) Die Umsatzsteuer (Einfuhrumsatzsteuer) gehört nicht zur Bemessungsgrundlage. Gem Art 70 Abs 1 VO (EU) 952/2013 (UZK) ist der Transaktionswert die vorrangige Grundlage für den Zollwert von Waren, das heißt der für die Waren bei einem Verkauf zur Ausfuhr in das Zollgebiet der Union tatsächlich gezahlte oder zu zahlende Preis, der erforderlichenfalls anzupassen ist. Gem Art 70 Abs 2 VO (EU) 952/2013 (UZK) ist der tatsächlich gezahlte oder zu zahlende Preis die vollständige Zahlung, die der Käufer an den Verkäufer oder der Käufer an einen Dritten zugunsten des Verkäufers für die eingeführten Waren leistet oder zu zahlen hat, und schließt Zahlungen ein, die als Voraussetzung für den Verkauf der eingeführten Waren tatsächlich geleistet werden oder zu leisten sind. Gem Art 71 Abs 1 Buchst e VO (EU) 952/2013 (UZK) sind bei Ermittlung des Zollwerts nach Art 70 dem für die eingeführten Waren tatsächlich gezahlten oder zu zahlenden Preis die Beförderungs- und Versicherungskosten für die eingeführten Waren und Ladekosten sowie Kosten für die Behandlung der eingeführten Waren, die mit ihrer Beförderung zusammenhängen, bis zum Ort des Verbringens der Waren in das Zollgebiet der Union hinzuzurechnen. Gem Art 139 DVO (EU) 2015/2447 (UZK-IA) sind Gebühren für im Postverkehr beförderte Waren bis zum Bestimmungsort insgesamt in den Zollwert einzubeziehen; ausgenommen sind Postgebühren, die gegebenenfalls im Zollgebiet der Union zusätzlich erhoben werden. Rechtliche Würdigung: Die Grundlage für den Zollwert der eingeführten Wirtschaftsgüter ist im vorliegenden Fall der Transaktionswert gem Art 70 UZK, also der tatsächlich gezahlte oder zu zahlende Preis, der erforderlichen Falls anzupassen ist. Die Beförderungskosten (im vorliegenden Fall die Postgebühren) sind gem Art 71 Abs 1 Buchstabe e UZK iVm Art 139 UZK-IA dem Transaktionswert hinzuzurechnen. Angesichts der Tatsache, dass sich der von der Beschwerdeführerin jeweils entrichtete Kaufpreis der im Postverkehr eingeführten Waren aus den Zollinhaltserklärungen CN23 (Art 144 Abs 2 DelVO (EU) 2015/2446 - UZK-DA) ergibt (siehe die dort angebrachten Vermerke im Feld "value"), kann dem Zollamt nicht mit Erfolg entgegengetreten werden, wenn es davon ausgeht, dass es sich dabei um den nach den eben zitierten gesetzlichen Bestimmungen anzupassenden Transaktionswert handelt und dass die Postgebühren dem Kaufpreis demnach hinzuzurechnen sind. Nachweise dafür, dass im vom Versender angegebenem Wert die Postgebühren bereits enthalten sind, hat die Beschwerdeführerin nicht vorgelegt. Sie hat vielmehr der Aufforderung des Zollamtes, die bezughabenden Zahlungsbestätigungen vorzulegen, nicht Folge geleistet. Die Abgabenfestsetzung erfolgt daher entsprechend der von der belangten Behörde erlassenen Beschwerdevorentscheidungen unter Berücksichtigung der Versandkosten. Es war daher spruchgemäß zu entscheiden. Zur Unzulässigkeit einer Revision: Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird. Da keine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung vorliegt, ist eine ordentliche Revision nicht zulässig. Wien, am 30. Jänner 2023

Normen und Schlagworte

Herkunft

Herkunft dieses Textes

Bestand
BFG-Entscheidungen
Dokumenttyp
Bescheidbeschwerde - Einzel - Erkenntnis
Geschäftszahl
RV/7200038/2022
ECLI
ECLI:AT:BFG:2023:RV.7200038.2022
Stammnummer
139566
Gültig
30.01.2023 bis auf Weiteres
Stand Bestandsliste
25.09.2026 06:13
Von uns abgerufen
26.09.2026
Quelle
Findok – Finanzdokumentation des Bundesministeriums für Finanzen
Lizenz
CC0 1.0 — gemeinfrei gewidmet vom BMF

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